Samstag, 11. Mai 2019

Bleihaltige Wandfarbe – Vergiftungen – Scott Walker – Wisconsin Club for Growth – Dark Money – Bestechung

Three young men from Milwaukee were introduced in a packed federal courtroom this week as victims of lead poisoning from paint dust in the homes where they lived as toddlers.

A jury will decide whether they were injured by that and, if so, whether any of five major companies that made or marketed paint or lead pigment used in paint in Milwaukee years ago are responsible for negligence and failing to warn consumers.

The trial is the renewal of a legal quest begun 20 years ago that led to a controversial state Supreme Court ruling, a justice's subsequent defeat at the polls, a Legislative effort to undo the ruling and that law's partial loss in another court.

mehr:
- Paint companies on trial again under unique Wisconsin law aimed at childhood lead poisoning (Bruce Vielmetti, journal sentinel, 11.05.2019)
siehe auch:
Quelle: SourceWatch-Artikel

- Lead-based paint in the United States (Wikipedia) – Google-Übersetzung
USA, Dark Money, Trump – Wir haben es nicht gesehen! (Post, 11.11.2016)
- USA - Die gekaufte Demokratie? – Trump die Alternative? (Post, 03.11.2016)
Senate Must Act to Bring Dark Money to Light (Stephen Klein, lawliberty.org, 30.04.2019)
How Scott Walker Made Wisconsin the National Poster Child for Dark Money Corruption (Mary Bottari, PRWatch, 15.02.2019)
Committee on House Administration “H.R. 1, For the People Act” Written Testimony of Peter G. Earle (Pawan Naidu / Wisconsin Center for Investigative Journalism, WisconsinWatch.org, 14.02.2019 – PDF)
Secret cash aided politicians who rewrote Wisconsin law to block claims of lead-poisoned children (Daniel Bice, Jason Stein, Patrick Marley, journal sentinel, 02.09.2018)
Scott Walker John Doe Documents (Source Watch, 26.03.2018) – Google-Übersetzung
Paint industry accused of trying to create diversion over lead poisoning in Milwaukee (Mary Spicuzza, Daniel Bice, journal sentinel, 09.04.2018)
After key donations, GOP tried to keep poisoned kids from suing lead makers (Beth Mole, Esquire, 16.09.2016)
Weaponized Philanthropy: Document Trove Details Bradley Foundation’s Efforts to Build Right-Wing “Infrastructure” Nationwide (Mary Bottari, exposedbycmd.org, 05.03.2017)
Campaign Money Magically Makes Lead Paint Safe Again (Charles B. Pierce, ArsTechnica, 14.09.2016)
The Guardian: Leaked John Doe Documents Detail Walker Collaboration with Conservative Groups (Ann-Elize Henzl, Mich Teich, WUWM89,7, 15.09.2016) – Google-Übersetzung – Zitat aus der Übersetzung:
Der Guardian sagt zum Beispiel, dass Walker und sein Team um Geld gebeten haben von: Stephen Cohen, einem Hedge-Fonds-Milliardär; Ken Lagone, Mitbegründer von Home Depot; und der verstorbene Harold Simmons, dem NL Industries gehörte. Die Firma Simmons stellte Blei für die Farbenindustrie her.
Die Geschichte besagt, dass Simmons 500.000 US-Dollar an den Wisconsin Club for Growth gespendet hat, nachdem die republikanische Gesetzgebung und Gouverneur Walker ein Gesetz verabschiedet hatten, das laut der Zeitung "NL Industries und anderen führenden Herstellern praktisch Immunität gegen neue Schadensersatzansprüche gewährt" auf Klagen von Personen, die glauben, durch Kontakt mit Bleifarbe eine Bleivergiftung erlitten zu haben.
"Es gibt keine Beweise in den Dokumenten, dass dies offenkundige Korruption darstellte", sagt Pilkington. "Aber wir fragen uns, ob dies zumindest den Anschein einer potenziellen Gegenleistung erweckt? Und wenn ja, wie besorgt sollten die Menschen in Wisconsin und darüber hinaus - die Menschen in Amerika - darüber sein?"
Laut Pilkington hat die Berichterstattung der Geschichte ihm und seinen Kollegen einen genauen Einblick in die Realitäten der Wahlkampffinanzierung seit dem Obersten Gerichtshof der USA 2010 gegeben, der die Landschaft verändert hat. "Ich denke, seit Citizens United vor sechs Jahren gegründet wurde, herrscht ein Gefühl von "für alle frei " ", sagt Pilkington. Es gibt keine Regeln, es gibt keine Vorschriften, und es ist in Ordnung, so ziemlich alles zu tun, was Sie wollen. Aber das hat Konsequenzen für uns alle sie verzerren? "
Scott Walker, the John Doe files and how corporate cash influences American Politics (Ed Pilkington and the Guardian US interactive team, The Guardian, 14.09.2016)

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John Doe, weibliche Form: Jane Doe, ist ein englischer Platzhaltername für fiktive oder nicht identifizierte Personen. John ist einer der häufigsten englischen Männernamen. „Doe“ bezeichnet eine Hirschkuh. Der Begriff ist vor allem in den Vereinigten Staaten gebräuchlich.
[John Doe, Wikipedia, abgerufen am 19.05.2019]
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USA - Die gekaufte Demokratie? ZDFzoom {43:59 – Start bei 34:08}

K. Willems
Am 04.11.2016 veröffentlicht 

Off-Sprecher: Aber werden politische Entscheidungen tatsächlich gekauft? Das nachzuweisen ist so gut wie unmöglich, denn um das zu beweisen müsste man belegen können, daß Geld für konkrete Gegenleistungen fließt. 
Wir sind in Milwaukee, Wisconsin. Es gibt derzeit keinen besseren Ort um zu verstehen, wie sich Milliardäre und politische Eliten den Staat untertan machen – und was das für die Menschen bedeutet. 
Wir treffen uns mit Familie Turner. Als Baby hatte sich ihr Ältester […] mit Blei vergiftet, das in großen Mengen in der Wandfarbe vorhanden war. […] Ärzte finden heraus, daß das Blei in seinem Körper den Grenzwert um das 40fache überschreitet. Das Resultat: schwere Schädigung der Gehirnzellen, ein IQ von 75. […] 
So wie ihrem Sohn geht es tausenden Kindern in der USA, meist aus ärmeren Schichten, die sich teurere Wandfarbe nicht leisten konnten. Als der Zusammenhang zwischen Wandfarbe und Bleivergiftung klar wird, verklagen allein hier in Wisconsin über 170 Familien die Hersteller. Und es gab kaum Zweifel, daß sie den Prozess gewinnen würden, erklärt uns ihr Anwalt Victor Harding. Aber dann kam alles anders:
Victor Harding: »An diesem Punkt haben sie einfach ein paar Worte in ein Gesetz hineingeschrieben, nach Mitternacht, in den Haushaltsplan auf Seite 652. Sie haben dazugeschrieben, daß das Schadensersatz-Gesetz, das sie 2011 verabschiedet hatten, auch rückwirkend angewandt werden soll. Damit haben sie versucht, alle 170 bereits laufenden Verfahren gegen die Hersteller vom Tisch zu wischen.«
Vier Worte in einem mehr als 700 Seiten langen Gesetz, verabschiedet von der republikanischen Mehrheit hier im Repräsentantenhaus im Capitol von Wisconsin, unterzeichnet von Scott Walker, dem Gouverneur. Er ist Darling der Koch-Brüder, wurde auch mit ihrer Unterstützung in das Amt gewählt. Walker bedankt sich auf seine Weise: er zerschlägt die Macht der Gewerkschaften im Bundesstaat, lockert Umwelt- und Steuergesetze. Sein harsches Vorgehen bringt die Menschen auf die Straße. […]
[Transkript des ZDF-Zoom-Berichts »USA - Die gekaufte Demokratie? ab 34:00]

For instance, in an overnight meeting in June 2013, Republicans on the Legislature's Joint Finance Committee inserted a provision into the budget long sought by the lead paint industry that was meant to block lawsuits pending against them by 171 children sickened by lead paint. But in July 2014 a federal appeals court ruled that a lawsuit by one of those children could continue despite the 2013 state law. The boy who suffered lead poisoning can sue a half dozen major manufacturers of paint used on the Milwaukee house where he lived, based on a theory approved in a controversial 2005 Wisconsin Supreme Court decision, the 7th Circuit Court of Appeals in Chicago ruled. In an interview Wednesday, the boy's attorney, Peter Earle, said he was "trembling with rage" at the news of the contributions by the industry, saying that they were meant to block claims by "the most vulnerable among us." He said that Republican leaders in Wisconsin had benefited from industry money and then acted to try to retroactively block lawsuits by children harmed by lead paint.
[Campaign Money Magically Makes Lead Paint Safe Again (Charles B. Pierce, Exquire, 14.09.2016


Es ist nicht zu beweisen, aber es liegt nahe zu vermuten, daß sowohl Politiker wie auch Richter bestochen wurden. 

Transkript aus dem ZDF-Film (ab 40:40):
Off-Sprecher: »Sonderermittler der Staatsanwaltschaft ermitteln gegen [Scott] Walker wegen illegaler Wahlkampffinanzierung. Der Oberste Gerichtshof von Wisconsin, gerade mal ein Stockwerk über dem Büro des Gouverneurs, aber entscheidet, daß die Ermittlungen eingestellt werden müssen. Sie würden jeder Grundlage entbehren. Der Sonderermittler wird entlassen.«
Chris Taylor, Abgeordnete der Demokraten in Wisconsin: »Die beiden Richter, die darüber entschieden haben, ob das Finanzierungsnetzwerk [Wisconsin Club for Growth – engl. Wikipedia], das Scott Walker aufgebaut hat, legal war oder nicht, wurden von dem gleichen Netzwerk bei ihrer Wahl für den Obersten Gerichtshof unterstützt. Wenn das kein Interessenskonflikt ist, dann weiß ich nicht, was einer ist.«
Off-Sprecher: »Der Gerichtshof aber geht noch weiter, ordnet die Vernichtung der gesammelten Beweismittel an.« 
Der mit dem Fall befasste Rechtsanwalt Victor Harding kommentiert (ab 42:05): »Das führt ins Chaos! Wir brauchen bestimmt keinen neuen Bürgerkrieg, aber da werden wir wohl enden, wenn das so weitergeht.«
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Die Koch-Brüder leiten die Koch Family Foundation, eine politische Stiftung. Die Koch family foundations werden in der wissenschaftlichen Literatur als einer der einflussreichsten Sponsoren von klimaskeptischen Positionen angesehen.[8] Neben den umfangreichen Spenden für konservative Think Tanks waren sie auch verantwortlich für den Aufbau der von Organisationen wie dem Cato Institute und Americans for Prosperity.[9] In ihrer konservativen und libertären Ausrichtung unterstützt sie auch die politische Denkfabrik Mercatus Center. Koch Industries finanziert ein „Netzwerk der Verleugnung“, um die Glaubwürdigkeit bestimmter Wissenschaftler systematisch zu diskreditieren und Klimagesetze zu verhindern.[10][11][12]
David Koch wurde als Vize-Präsidentschafts-Kandidat von Edward Clark für die Libertarian Party in den Präsidentschaftswahlen 1980 ernannt. Ed Clark konnte mit 921.299 Stimmen und 1,1 Prozent Stimmenanteil nur auf Platz 4 kommen. Koch unterstützt die Organisation Americans for Prosperity, eine Nachfolgeorganisation von Bürger für eine gesunde Wirtschaft (Citizens for a Sound Economy). Im April 2006 hat die Fred C. und Mary R. Koch Foundation mit einer Spende über eine Million US-Dollar den Erhalt der Prärie im Tallgrass Prairie National Preserve in Chase County (Kansas) unterstützt.
Zudem kam den Koch-finanzierten Frontorganisationen Americans for Prosperity and FreedomWorks über Astroturfing-Kampagnen eine einflussreiche Rolle bei der Formierung der Tea-Party-Bewegung; zugleich animierten sie die Tea-Party-Bewegung dazu, ihre Interesse auf die globale Erwärmung zu lenken.[13] Die Koch-Brüder unterstützen die Tea-Party-Bewegung zudem finanziell und organisatorisch.[14]
Laut Greenpeace flossen zwischen 1997 und 2008 fast 48 Millionen US-Dollar von Koch Industries in die Arbeit von Organisationen unter deren Tätigkeiten auch die Verbreitung von Klimaskeptizismus ist.[15][16] Nachdem Ende der 2000er Jahre die Finanzierung von Klimaleugnergruppen u.a. durch Koch Industries und Exxonöffentlich gemacht wurden, ging die Zahl direkter Zuwendungen deutlich zurück, während die Finanzierung durch den Donors Trust rapide anstieg. Dieser leitet Spenden anonym weiter, wodurch die ursprüngliche Herkunft der Gelder nicht mehr nachweisbar ist; dieser Prozess wird in der wissenschaftlichen Literatur als Verschleierung der Spendenherkunft interpretiert.[17]
Im Jahr 2014 wurde bekannt, dass die Koch-Stiftung über Spenden an die Florida State University versuchte, gezielt Professoren mit libertären Ansichten in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zu platzieren und so Einfluss auf das Lehrangebot zu nehmen.[18] Insgesamt gaben die Charles Koch-Foundation und drei weitere, von Koch geführte Organisationen 106 Mio. US$ an US-Universitäten, davon 77,7 Mio. US$ an die George Mason University, vor allem an das dort angesiedelte Mercatus Center und das dortige Institute for Humane Studies. An der Western Carolina University finanzierten Koch-Stiftungen das Center for the Study of Free Enterprise. Befürchtungen, dass über die Zuwendungen Einfluss auf Forschung und Lehre genommen werden soll, um eine von Charles Koch und seinem Strategen Richard Fink entworfene Strategie sozialer Änderungen umzusetzen, führten zu Widerstand an einigen Universitäten.[19]
Für das Vorfeld der Wahlen 2016 (beinhaltet die Präsidentschaftswahl, Wahl des Repräsentantenhauses, einiger Senatoren und lokaler Abgeordneter) setzten die Gebrüder Koch das Ziel, 900 Mio. Dollar einzusammeln. Dies wäre der höchste Wert, der jemals von Privatpersonen im Wahlkampf eingesetzt worden wäre.[20][21] 
[Koch Industries, Politische Aktivitäten, Wikipedia, abgerufen am 26.05.2017]
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Wisconsin Club for Growth is a 501(c)4 nonprofit organization based in Wisconsin.[1] It financially supported Wisconsin Governor Scott Walker during the recall election in 2012.[2][3] It had $8 million in revenue in 2012.[3]
[Wisconsin Club for Growth, engl. Wikipedia, abgerufen am 04.01.2018]
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Grundsätzlich war festgelegt, dass Einzelpersonen den Wahlkampf mit höchstens 2.500 Dollar pro Kandidat bzw. 5.000 Dollar pro Kandidat im Präsidentschaftswahlkampf unterstützen dürfen. Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften dürfen Kandidaten nicht finanziell unterstützen.
Von diesem Grundsatz gibt es seit dem Jahr 2010 eine Ausnahme für spezielle Political Action Committees, die sogenannten Super-PACs. Im Jahr 2010 hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in dem Verfahren Citizens United v. Federal Election Commission geurteilt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung auch für Unternehmen und Verbände gelte und dass Spenden unter die Meinungsbildung und -äußerung fielen. Kurz darauf stellte im März 2010 das United States Court of Appeals for the District of Columbia Circuit in SpeechNow.org v. Federal Election Commission klar, dass PACs dann unbegrenzt Spenden von natürlichen und juristischen Personen annehmen dürfen, wenn sie Mittel nicht direkt an Kandidaten, Parteien oder andere PACs weiterleiten oder ihre Kampagne mit diesen koordinieren. Diese PACs werden als Super-PACs bezeichnet. Sie müssen ihre Spender und die Spendensumme im Normalfall erst dann nennen, wenn die Wahl bereits vorbei ist.[1]
Nach Auswertung der Berichte zum Wahlkampf 2012 kamen die Aufsichtsbehörden und Journalisten zum Ergebnis, dass die Finanzierung der Super-PACs durch vielfache Überweisungen zwischen den verschiedensten Gruppen und Initiativen vollkommen intransparent ist: „Der Weg des Geldes kann nicht verfolgt werden“.[2] 
[Political Action Committee, Super-PACs, Wikipedia, abgerufen am 26.05.2017]
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Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right (2016) is a non-fiction book written by the American investigative journalist Jane Mayer, about a network of extremely wealthy conservative libertarians, foremost among them Charles and David Koch, who have together funded an array of organizations that work in tandem to influence academic institutions, think tanks, the courts, statehouses, Congress, and the American presidency for their own benefit.[1][2][3][4][5][6][7] Mayer particularly discusses the Koch family and their political activities, along with Richard Mellon ScaifeJohn M. Olin, and the DeVos and Coors families.[8] 
[Dark Money (book)engl. Wikipedia, abgerufen am 03.11.2016]
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Rekordspende im US-Wahlkampf: 900 Millionen Dollar: Wie die Koch-Brüder sich einen neuen Präsidenten kaufen wollen (Peter Blunschi, Watson.ch, 27.01.2015)
Es gibt mehrere Symptome dieses Syndroms, die die herrschende Wahlorthodoxie zunehmend erodieren. In allen Wahldemokratien mehren sich die Beschwerden darüber, dass Wahlen und gewählte Regierungen vom Big Money verschmutzt worden sind. Die Vereinigten Staaten stellen den meist diskutierten Fall dar, und zwar aus besorgniserregenden Gründen (Kaiser 2010; Drew 2015). Nach den Regeln, die 2010 im Citizens-United-Urteil des Obersten Gerichtshof bestätigt und später im selben Jahr im Urteil SpeechNow.org v. Federal Election Commission des Berufungsgerichts bekräftigt wurde, dürfen milliardenschwere Spender wie Alice Walton, Sheldon Adelson und die Koch-Brüder als Türsteher der ›großen Politik‹ fungieren. Die Einschränkungen der Wahlkampffinanzierung durch Unternehmen, die bis 1907 in die Präsidentschaft Theodor Roosevelts zurückreichen, sind inzwischen abgeschafft worden. Reiche Oligarchen, darunter zahlreiche Verfechter der ›Austerität‹ tragen uneingeschränkte Summen zu Super-PACs mit Namen wie »Wisconsin Club for Growth and Priorities USA« sowie zu vermeintlich unabhängigen Political Action Committees bei, die faktisch als eigenständige politische Parteien operieren. Der ganze Prozess der »slush fund politics« (Bill Allison, Sunlichgt Foundation) korrumpiert den Geist und die Substanz von Wahlen zutiefst. Milliardäre verfälschen bereits die Vorwahlen und führen Kandidaten in die Irre, in dem diese die eigene Popularität überschätzen, womit die politischen Karrieren um populäre Kandidaten künstlich verlängert werden. Nach geltendem Recht dürfen zwar substantielle Diskussionen zwischen Milliardären und deren Wunschkandidaten nicht stattfinden, aber diese Formulierung ist gesetzlich nie präzisiert worden und wird selten angewendet. In der Tat verfügen Milliardäre über enge Arbeitsbeziehungen mit ihren bevorzugten Kandidaten. Sie prägen politische Agenten und ihre Großspenden werden geheim gehalten, indem sie durch Organisationen operieren, die nach dem Steuerkodex »exclusively to promote social welfare« betrieben werden. Die Finanzierungsprozess um ›das dunkle Geld‹ ist stark parteipolitisch geprägt und bleibt zumindest vorerst felsenfest. Amtsinhaber, die dank der Großspenden-Politik erfolgreich geworden sind, sind kaum bereit, Alternativen in Betracht zu ziehen. Kandidaten, die um Ämter kämpfen, schwören weiterhin, dass sie Lieblingsmilliardäre brauchen. Rechtlich geschützt werden in jedem Fall das ganze System der Wahlkampffinanzierung sowie die ihm zugrunde liegende Annahme, dass Geldspenden zur Beeinflussung von Wahlen eine Form konstitutionell geschützter ›freier Meinungsäußerung‹ darstellen.
Ähnlich bedrohlich ist die Verdrängung von Wahlen durch die Auslagerung staatlicher Funktionen auf undurchsichtige »Governence«-Arrangements wie etwa die globale Waffenproduktion und den globalen Waffenhandel (Feinstein 2011).* Solche »Governence«-Mechanismen machen Wahlen überflüssig. Die typischen Verzahnungen mit grenzüberschreitenden Machtketten und mächtigen ›flankierenden‹ Institutionen wie etwa militärisch-industriellen Komplexen, Unternehmen und Großbanken verdrängen die Wahlen aufgrund ihres Modus Operandi und ziehen sie in den Sog der durch kapitalistische Wirtschaften produzierten Dysfunktionen. 
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* Diese »world of money, corruption, deceit und death«ist mit Staaten, der UNO, Großkonzernen und verdeckten Akteuren auf so komplexe und undurchsichtige Art und Weise verflochten, dass die meisten Forscher anscheinend nicht wissen, wo sie ihre Untersuchungen beginnen soll bzw. sich daher die Mühe überhaupt nicht machen. Der ganze undurchsichtige Handel wird mithilfe von Zwischenhändlern, Agenten, Makler, Lobbyisten und sogenannten ökonomischen Offsets bei Beschaffungsentscheidungen abgeschlossen (d.h. Versprechen der Waffenproduzenten, in die Volkswirtschaft des Käuferlandes zu investieren). Er findet im nichtssagenden Gerede von »Verkehrs- und logistischen Dienstleistungen« einen fruchtbaren sowie schützenden Boden. Nach Angaben von Aufsichtsorganen wie Transparency InternationalStockholm International Peace Research Institut und Corruption Watch lässt sich schätzungsweise 40 Prozent aller Korruption im Welthandel auf diese Industrie zurückführen. Die Profite gehen in die Milliarden, während die Verluste mit Menschenleben, physischer Zerstörung und der Beeinträchtigung im Leben von Millionen Menschen gezählt werden. Jährlich werden verdeckte Exportgeschäfte mit einem geschätzten Wert von rund 60 Mrd Dollar abgeschlossen, davon fast sämtliche (85 Prozent) im Territorium der fünf ständigen Mitglieder des UNO Sicherheitsrats (USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China), bis Deutschland und Italien. 
[3.3 Das Philippinen-Syndrom in Aurel Croissant, Sascha Kneip, Alexander Petring (Hrsg.), Demokratie Diktatur, Gerechtigkeit – Festschrift für Wolfgang Merkel, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2017, S. 61f., GoogleBooks]
Mein Kommentar:
Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – in jeder Hinsicht!

Freitag, 10. Mai 2019

Gelbwesten-Appell: Französische Künstler lassen sich „nicht für dumm verkaufen“

Ihre Solidarität mit den Gelbwesten haben prominente französische Künstler in einem feurigen Appell formuliert. Leider ist eine solch eindeutige Unterstützung sozialen Protests von der deutschen Kulturszene nicht zu erwarten.

Einen Appell der Solidarität mit der Bewegung der Gelbwesten haben französische Kulturschaffende veröffentlicht. Der von 1400 teils prominenten Künstlern und Kulturarbeitern unterschriebene Aufruf in der Zeitung „Libération“ lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Diese klare Positionierung französischer Künstler gegen Auswüchse wirtschaftsliberaler Politik lässt fragen, warum ein vergleichbares Signal von der deutschen Kulturszene nicht zu erwarten ist.


Die bedrohlichste Form der Gewalt ist „sozial und ökonomisch“
Der Aufruf wurde unter anderem von der Schauspielerin Juliette Binoche, der Schriftstellerin Danièle Sallenave und zahlreichen weiteren Künstlern aus der ersten Reihe der französischen Kulturszene unterzeichnet, darunter berühmte Musiker, Schriftsteller und Regisseure. In dem Appell wird zum einen die Polizeigewalt gegen die Demonstranten scharf kritisiert. Aber die bedrohlichste Form der Gewalt sei „sozial und ökonomisch“: 
„Die bedrohlichste Gewalt ist die wirtschaftliche und soziale. Es ist die Gewalt einer Regierung, die die Interessen einiger weniger auf Kosten aller verteidigt. Es ist die Gewalt, die die Körper und Köpfe derjenigen kennzeichnet, die sich bei der Arbeit ruinieren, um zu überleben.“
Gegen die Medien-Propaganda
Die Gelbwesten seien „eine Bewegung, die alle kulturellen Berufe repräsentiert. Eine Bewegung, die durch die Regierung diskreditiert und unterdrückt“ werde, so der Text. Den medialen Versuch, einen Graben zwischen den Demonstranten und den „normalen“ Bürgern und konkret der Kulturszene zu ziehen, erteilen die Unterzeichner eine Absage:
„Was sie verlangen, verlangen sie für euch alle. Wir sind diejenigen, die die gelben Westen tragen. Wir, Künstler, Techniker, Selbstverwalter all dieser kulturellen Berufe, ob prekär oder nicht, sind von dieser historischen Mobilisierung zutiefst betroffen.“
Und auch den dominanten Medienkonzernen rufen die Unterzeichner zu: 
„Wir lassen uns nicht täuschen! Wir können die übermäßig abgenutzten Strategien sehen, mit denen die Gelbwesten diskreditiert werden sollen, die als Antiökologen, Extremisten, Rassisten beschrieben werden.“
mehr:
- Gelbwesten-Appell: Französische Künstler lassen sich „nicht für dumm verkaufen“ – Die deutsche Kulturszene schweigt zum Sozialen (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 10.05.2019)
siehe auch:
Die Solidaritätserklärung (Rubikon, 09.05.2019)
- Aufreger in Frankreich: „Gelbwesten“-Europakandidat vergleicht Macron mit Hitler (Epoch Times, 07.05.2019)
Krieg reich gegen arm à la française: Die öffentliche Darstellung der Gelbwesten in den Medien (Post, 04.05.2019)
Tagesdosis 4.5.2019 – Klassengesellschaft ins Visier nehmen (Post, 04.05.2019)
- »Ich sehe Mistgabeln« – Menschen ohne Ansprechpartner (Post, 23.01.2019)

Mein Kommentar:
Von mir unerwartet hat es wenig genützt, die Gelbwesten in die Antisemiten-, die Rechtsaußen- oder die Gewalt-Ecke drängen zu wollen.
Die Gelbwesten haben Durchhaltevermögen bewiesen.
Die einseitige Berichterstattung zu den Gelbwesten in unseren Leitmedien ist beschämend!

LIVE: Gelbwesten-Protest Akt XXV – Demonstration in Paris zum 25. Mal in Folge {5:25:26}

RT Deutsch
Am 04.05.2019 veröffentlicht 
Die "Gelben Westen" demonstrieren die 25. Woche in Folge in der französischen Hauptstadt. Dies ist der zweite Protest, der in Paris in der gleichen Woche stattfindet. Bereits am Mittwoch, den 1. Mai sind Gelbwesten gemeinsam mit Gewerkschaftlern und anderen Protestlern auf die Straße gegangen.
Die Proteste dauern an, unabhängig von der im Fernsehen übertragenen Ankündigung von Präsident Macron, Steuern zu senken, die Renten zu erhöhen und den öffentlichen Dienst zu reformieren.
Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/

"Anti-Randalierer-Gesetz", immer weniger Demonstranten - "Gelbwesten" in der Krise? {1:15}

euronews (deutsch)
Am 13.04.2019 veröffentlicht 
Die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich, Mitte November mit mehr als 280.000 Demonstranten gestartet, steht jeden Samstag neu auf dem Prüfstand. Vorläufiger Wert des Innenministeriums für dieses Wochenende: 7.500…
LESEN SIE MEHR : https://de.euronews.com/2019/04/13/an...

LIVE: Französische Gewerkschaften demonstrieren aus Solidarität mit Gelbwesten {2:43:16}

RT Deutsch
Am 19.03.2019 veröffentlicht 
Verschiedene Gewerkschaften Frankreichs rufen aus Solidarität mit den Gelbwesten zum Streik auf. In Paris versammeln sich die Gewerkschafter zu einer Demonstration. RT Deutsch zeigt die Protestveranstaltung im Live-Stream.
Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/

In Frankreich demonstrieren Gelbwesten gegen Polizeigewalt {1:15}

euronews (deutsch)
Am 02.02.2019 veröffentlicht 
In Paris und anderen Städten Frankreichs sind erneut die Gelbwesten auf die Straße gegangen. Sie kritisierten an diesem Wochenende vor allem die Gewalt, die aus ihrer Sicht bei den wöchentlichen Demonstrationen von der Polizei ausgeht.…
LESEN SIE MEHR : https://de.euronews.com/2019/02/02/in...
euronews: der meistgesehene Nachrichtensender in Europa.
Abonnieren Sie! http://www.youtube.com/subscription_c...

SOLIDARITÄT: Französische Polizisten liefen in Mannschaftsstärke zu den Gelbwesten über! {2:54}

MindMap 4 Live Life
Am 11.12.2018 veröffentlicht 
SOLIDARITÄT: Französische Polizisten liefen in Mannschaftsstärke zu den Gelbwesten über!
Paypal & Kontakt: MSOMusic@gmx.de
Weitere Angaben im Text der Kanalbeschreibung
Verkaufsplattform ebay 'Tippsy124' https://www.youtube.com/channel/UCvW7...

Gelbwesten in Frankreich: Zorn auf Präsident Macron | Fokus Europa {4:12}

DW Deutsch
Am 01.12.2018 veröffentlicht 
Höhere Steuern auf Kraftstoffe lösen eine Protestwelle gegen Staatschef Macron aus. Viele Franzosen fühlen sich von der Regierung ungerecht behandelt. Sie werfen dem Päsidenten vor, Politik für die Reichen zu machen.
DW Deutsch Abonnieren: http://www.youtube.com/user/deutschew...
Mehr Nachrichten unter: https://www.dw.com/de/

Tagesdosis 10.5.2019 – US-Diplomatie – Lügen, Betrügen und Stehlen

Seit Präsident Trump seinen CIA-Direktor Mike Pompeo zum Außenminister gemacht hat, wird der alte Witz über Rechtsanwälte in etwas anderer Form verbreitet. Jetzt heißt es: “Woran merkt man, dass Mike Pompeo lügt? Die Antwort: Wenn er den Mund aufmacht”. Und tatsächlich kann der Mann lügen, dass sich die Balken biegen, und zwar mit dem Brustton der Überzeugung. Wahrscheinlich bezieht er seine Informationen von CNN oder von der Washington Post. Die einst hervorragende Zeitung gehört inzwischen dem reichsten Mann der Welt, dem Amazon-Chef Bezos und in Bezug auf Fake News wetteifert sie eifrig mit CNN.

Jüngst in London, nach einem Treffen mit seinem Amtskollegen Jeremy Hunt erklärte Pompeo gegenüber Reportern – als wäre es die größte Selbstverständlichkeit der Welt -, dass „das venezolanische Volk sich durch einen Verfassungsmechanismus (gegen Maduro) durchgesetzt hat und Juan Guaido der rechtmäßig gewählte Präsident ist“.
Am selben Tag in London rechnete Pompeo mit dem britischen Oppositionsführer, dem Labour Chef Jeremy Corbyn ab, der sich weigert, die feindliche Linie des US-Außenministeriums gegen den venezolanischen Präsidenten zu unterstützen. Gegen Corbyn aber auch gegen Kritiker zu Hause in den USA gerichtet sagte Pompeo:
„Es ist widerlich, nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den Vereinigten Staaten politische Führer zu sehen, die den mörderischen Diktator Maduro weiterhin unterstützen. Kein Führer in einem Land mit westlichen, demokratischen Werten sollte sich hinter Maduro stellen“.
Fakt aber ist, die US-Marionette Guiado hat die Präsidentschaftswahlen im Mai 2018 nicht gewonnen. Er konnte sie auch gar nicht gewinnen, weil er überhaupt nicht zur Wahl angetreten war. Die Opposition boykottierte damals die Wahl. Erst im Januar dieses Jahres hat sich der Hochstapler Guiado mit Unterstützung Washingtons selbst zum „Interimspräsidenten“ Venezuelas ernannt. In diesem „Amt“ wurde er dann sofort von den USA und deren Vasallen, einschließlich von der deutschen Bundesregierung, anerkannt.
mehr:
- Tagesdosis 10.5.2019 – US-Diplomatie – Lügen, Betrügen und Stehlen (Podcast) (Rainer Rupp, KenFM, 10.05.2019)
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Die Europawahl entscheidet über das Schicksal des Kontinents

Die Europawahl entscheidet über das Schicksal des Kontinents | heute-show vom 26.04.2019 {8:35}

ZDF heute-show
Am 26.04.2019 veröffentlicht 
Europa steht unter Druck: Brexit, Populisten und Dauerzoff mit Trump. Diese Europawahl wird richtungsweisend für uns sein.
Zur ganzen heute-show in der Mediathek: https://ly.zdf.de/Ao5/

Volker Pispers - Die Endlosschleife {21:15 – Start bei 10:10}

Shadow25720
Am 31.07.2014 veröffentlicht 

Volker Pispers - Das politische Elend in Deutschland {8:31 – Start bei 6:08}

Deepskies
Am 27.06.2008 veröffentlicht 
Volker Pispers in den Mitternachtsspitzen vom 21.06.2008.
http://www.wdr.de/tv/mitternachtsspit...
http://www.volker-pispers.de/
http://barakas-netzgefluester.de
Eine echte, zukunftsfähige Alternative zum politischen Elend, zur reaktionären Perspektivlosigkeit der gegenwärtigen Politik: Das "Bedingungslose Grundeinkommen" oder auch "Bürgergeld" nach Althaus:
http://www.freiheitstattvollbeschaeft...
http://www.zeitgerecht.de/
http://www.solidarisches-buergergeld.de
http://www.d-althaus.de/politik/buerg...
Und ein Buchtipp:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN...
"Das bedingungslose Grundeinkommen aus soziologischer Sicht" (von Monika Berger-Lenz)

piet klocke "Die Rente" {4:20}

wommer2
Am 21.10.2007 veröffentlicht 
Umfassende Erklärung zum Gebrauch der Rentenversicherungen

Piet Klocke zur Europawahl und den Volksvertretern in Brüssel - Neues aus der Anstalt {4:00}

FreiBILDfuerAlle
Am 10.05.2013 veröffentlicht 
Piet bekommt es irgendwie immer hin, dass man trotz manch ernster Themen Tränen lachten muss. Was soll man aber auch sonst machen? Besonders schön ab 0:27.

siehe auch:
Splitterparteien zur Europawahl: Martin Sonneborn ist älter geworden! (Post, 01.05.2019)
- This knocks me from the socks (Post, 01.05.2019)

Donnerstag, 9. Mai 2019

Wenn Regierungen lügen und Medien mitmachen

Das Vertrauen in die Medien ist so gering wie selten zuvor. Man fühlt sich nicht repräsentiert, einseitig informiert, »belogen« sogar. Doch was ist dran an solchen Vorwürfen, die von Leitmedien und Arrivierten in aller Regel mit dem Hinweis, niemals zu lügen, abgetan wird? Dazu äußert sich der Journalist und Medienkritiker David Goeßmann, Mitbegründer des unabhängigen TV-Nachrichtenmagazins Kontext TV im Interview mit Jens Wernicke. Ein Auszug aus dem Buch „Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung“. David Goeßmanns Buch „Die Erfindung der Bedrohten Republik“ ist im Sturm-und-Klang-Shop erhältlich.

Jens Wernicke: Herr Goeßmann, auch Sie sind mit einem Beitrag in dem Buch »ARD & Co.: Wie Medien manipulieren« vertreten. Und ich dachte immer, der Vorwurf, Medien würden manipulieren, käme »von rechts« – Sie aber erheben ihn auch als Journalist. Wie kommt es dazu? Wogegen richtet sich Ihre Kritik?

David Goeßmann: Lassen Sie es mich mit einem der größten investigativen Journalisten des letzten Jahrhunderts sagen. Der US-Journalist I. F. Stone hatte bei seiner Arbeit ein ehernes Prinzip: Reporter sollten mit der Voraussetzung an ihre Arbeit gehen, dass mächtige Institutionen lügen, und nicht damit, dass sie die Wahrheit sagen. »Governments lie« war seine Devise. In den 1950er Jahren wollte jedoch keine Zeitung den angesehenen Journalisten anstellen. Er stand auf schwarzen Listen der US-Regierung. 1953 gründete er den berühmten Newsletter I. F. Stone’s Week­ly, aus der Not geboren. Der »muckraking journalist« Stone war damit eine Art Pionier-Blogger, Vorbild für unabhängige Journalisten wie Michael Moore, Glenn Greenwald oder Jeremy Scahill. Während New York Times, CBS und Co. in den Vereinigten Staaten einfach Regierungspropaganda weiterreichten, opponierte Stone bereits früh gegen den Vietnamkrieg, gegen Diskriminierung und politische Repression. Sein journalistischer Stil war schmucklos: »Ich habe mich nie für Insider-Kram interessiert. (…) Ich versuchte vielmehr, Informationen bereitzustellen, die belegt werden können, so dass die Leser sie selbst überprüfen können. Ich bemühte mich, die Wahrheit aus Anhörungen, offiziellen Mitschriften und Regierungsdokumenten so akkurat wie möglich freizulegen. (…) In jeder Ausgabe habe ich versucht, Fakten und Meinungen, die sonst nirgends in der Presse aufzufinden sind, zu bieten.«


Stone war es auch, der dem US-Präsidenten Lyndon B. Johnson vorhielt, dass er zum Vorfall im »Golf von Tonkin« nicht die Wahrheit sage und Ungereimtheiten verschweige, veröffentlicht in seinem »one-man« Weekly. Die millionenschweren US-Mainstreammedien von New York Times und Washington Post mit besten Kontakten in die gesellschaftlichen Schaltzentralen schwiegen dazu.


Mit der gleichen Skepsis, die I. F. Stone der Regierung entgegenbrachte, sollte man auch an die Berichterstattung der Mainstreammedien herangehen. Denn auch sie stellen mächtige Institutionen dar. Wer sich anschaut, wer die Medien besitzt, finanziert, managt, den notwendigen Strom an Informationen und Nachrichten täglich bereitstellt oder sie mit »Gegenfeuer« beeinflussen und disziplinieren kann, der sollte mit einer tiefen Grundskepsis die Zeitung morgens aufschlagen oder die Nachrichten anschalten. Die Fragen im Kopf sollten immer lauten: Sieht die Welt wirklich so aus? Erhalten wir das volle Bild über relevante Ereignisse? Wer erhält ein großes Forum und wer nicht? Wo wird verzerrt, gelogen, weggelassen, ausgeblendet und mit doppelten Standards berichtet?

Man kann natürlich auch dem Idealismus der »freien Presse« folgen. Das ist die Grundhaltung, die uns anerzogen worden ist. Sie macht jedoch keinen Sinn. Die gesellschaftlichen Machtverhältnisse enden ja nicht auf wunderbare Weise an den Toren der Medienunternehmen und Rundfunkanstalten.

Journalisten sollten daher vor allem mit der Wahrheit verheiratet sein – und nicht mit ihren Medienunternehmen oder -anstalten. Und Medienkritik sollte eine ihrer vornehmsten Aufgaben sein. Denn was die Bürger über die Welt erfahren, bekommen sie aus den Massenmedien. Daher muss die Berichterstattung permanent überprüft und hinterfragt werden in Hinsicht darauf, ob die Medien dieser Verantwortung auch gerecht werden.

Auch ist es nicht so, dass wir bei null anfangen müssten: Es gibt bereits einen enormen Korpus an fundierter, gut belegter Medienkritik und -analyse. Viele Journalistinnen und Journalisten tragen täglich dazu bei, uns eine andere, zum Schweigen gebrachte Welt zu präsentieren, fast immer jedoch außerhalb der klassischen medialen Öffentlichkeit. Sehr beindruckend, sehr progressiv, sehr inspirierend. Das ist der Keim für die allerorts so dringend notwendige Veränderung.

mehr:
- Wenn Regierungen lügen und Medien mitmachen (Hinter den Schlagzeilen, 09.05.2019)
siehe auch:
- Was einmal gesagt werden mußte (Post, 14.04.2016)

Die ersten 18 Sekunden…
Desinformation: Das Spiel der Geheimdienste mit der Wahrheit (1) - Dirk Pohlmann | ExoMagazin {10:19}

ExoMagazinTV
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
Begleittext: siehe YouTube

Mittwoch, 8. Mai 2019

France Télécom: 1700 EUR Strafe pro Suizid

Suizide von Angestellten: Die früheren Bosse stehen nun vor einem Strafgericht. Der "pathogenen Umstrukturierung" wird der Prozess gemacht

Die Restrukturierung in dem Großkonzern war eine regelrechte Hetzjagd auf Angestellte, die in die Enge getrieben wurden, damit sie kündigen. Zwischen April 2008 und Juni 2010 kam es laut Anklageschrift zu 18 Suiziden und 13 Suizidversuchen unter den Angestellten von France Télécom, das seit Juli 2013 in Orange umbenannt wurde.

Die Serie an Suiziden erregte damals internationales Aufsehen (Mörderische Arbeitsbedingungen und individuelle Verzweiflungsakte). Ein knappes Jahrzehnt später müssen sich die damaligen Bosse vor einem Strafgericht verantworten. Der Prozess hat Anfang dieser Woche begonnen. Geschätzt wird, dass er mindestes zwei Monate dauern wird. Die Anklageschrift umfasst 673 Seiten.

Vorgeworfen wird der damaligen Führung "Mobbing" (i. O. "harcèlement moral") im Zusammenhang mit einer "pathogenen Umstrukturierung". Dem ehemaligen France-Télécom-Chef Didier Lombard und sechs weiteren Mitangeklagten drohen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren und eine angesichts ihrer damaligen Einkommen lächerlich geringe Geldstrafe von 30.000 Euro.

mehr:
- France Télécom: Die Angestellten wissen lassen, dass sie Nullen sind (Thomas Pany, Telepolis, 08.05.2019)
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Who the fuck is Richard Perle?

Desinformation: Das Spiel der Geheimdienste mit der Wahrheit (1) - Dirk Pohlmann | ExoMagazin {10:19}

ExoMagazinTV
Am 28.10.2017 veröffentlicht 
Der langjährige TV-Journalist Dirk Pohlmann ist Autor zahlreicher investigativer Dokumentationen für arte. Dazu gehören unter anderem "Täuschung - Die Methode Reagan", "Dienstbereit - Nazis & Faschisten im Auftrag der CIA" sowie "UFOs, Lügen und der Kalte Krieg". Durch Interviews mit hochrangigen Geheimdienstmitarbeitern, Militärs und aufwändige Recherchen in Staatsarchiven hat er über einen umfassenden Überblick über Aktivitäten von CIA, BND und Co in der Geschichte. Pohlmann zeigt in seinem Vortrag, wie Geheimdienste immer wieder die öffentliche Meinung manipulierten, um Ziele zu erreichen. "Im Endeffekt ist die gesamte Berichterstattung, ohne dass jemand böswillig agiert, Desinformation", sagt Pohlmann. Dass viele Journalisten nicht bereit sind, sich kritisch mit ihrer eigenen Rolle im Spiel der Geheimdienste auseinanderzusetzen, bezeichnet er als systemisches Versagen der Medien. Es wird Zeit, die wichtigen Fragen zu stellen und eine öffentliche Debatte darüber anzustoßen. Dieser Vortrag könnte der Auslöser sein.
►►Den gesamten Vortrag hier anschauen: http://bit.ly/2xuYueZ
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The World According to Bush / Le Monde selon Bush (2004) - Trailer {1:37}

UniFrance
Am 23.01.2014 veröffentlicht 
Directed by : William Karel
Produced by : Flach Film
Genre: Documentary - Runtime: 1 h 30 min
French release: 23/06/2004
Production year: 2004
Who is George W. Bush? This film speaks about the thousand days of his presidency, the September 11 attacks and the mess of the war in Irak. It sums up America today and tries to understand how a small group of men, under the influence of neo-conservative hawks, has taken control of American foreign policy.
More info: http://en.unifrance.org/movie/25467/t...
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