Sonntag, 3. September 2006

Reiche Beute in fremden Revieren

Der Leverkusener Bayer-Konzern wird in einer amerikanischen Studie der Bio-Piraterie beschuldigt. Laut „Out of Africa: Mysteries of Access and Benefit Sharing“ produziert Bayer das Diabetes-Mittel Glucobay mit Hilfe eines Bakteriums aus dem kenianischen Ruiru-See. Jährlich erziele der Konzern mit Glucobay einen Umsatz von rund 278 Millionen Euro, von dem allerdings kein Cent nach Afrika zurückfließe. Das Medikament, das den Blutzucker senkt, wurde 1991 in Deutschland zugelassen. 1995 ließ sich Bayer einen neuen Herstellungsprozess von Acarbose, dem Wirkstoff des Präparats, patentieren. In der Patentschrift wird die Verwendung des Bakterienstamms Actinoplanes SESO genannt, nicht aber dessen Ursprung in Ostafrika. Bayer-Sprecher Helmut Schäfers weist darauf hin, daß das beschriebene Boden-Bakterium überall auf der Welt in Sandstrand und im Humus von Wäldern vorkomme. Genau dies gilt aber nicht für den speziellen Wildstamm. Bayer behauptet, das UN-Übereinkommen zum Schutz der biologische Vielfalt von 1992 zu unterstützen. In der so genannten Rio-Konvention wird allerdings ausdrücklich für eine Beteiligung der Herkunftsländer an den Gewinnen plädiert, wenn die Naturstoffe in westlichen Pharma-Labors landen.

Greenpeace Magazin 3/06

Agrarsubventionen für Reiche?

46 Prozent des EU-Haushalts fließen in die Förderung der Landwirtschaft. Deutschland zahlt davon gut neun Milliarden und erhält sechs Milliarden aus den Brüsseler Töpfen zurück. Doch wer profitiert von diesen Geldströmen? In einigen Ländern wurden die Empfänger der Subventionen inzwischen offen gelegt. So kann man in Dänemark im Internet nachschauen, wie viel Geld der Bauer nebenan erhält. Auch die Niederlande, Schweden, Großbritannien und Frankreich haben sich nach politischem Druck für die Veröffentlichung entschieden. Daher ist bekannt, dass etwa Prinz Charles im Jahr 2004 stolze 990.000 Euro erhielt. Der Konzern Nestlé konnte in England gar 18 Millionen einstreichen. Es zeigt sich, daß nicht die kleinbäuerliche Landwirtschaft von den Brüsseler Zahlungen profitiert, sondern hauptsächlich Großbetriebe und Konzerne mit erheblichem Landbesitz. „Dieses Muster ist auch in Deutschland zu erwarten“, ist sich Martin Hofstetter, Agrarexperte von Greenpeace, sicher: „Die reichsten Bauern bekommen die meisten Subventionen. Verlierer sind Kleinbetriebe und die Umwelt, die unter der stark geförderten Intensivlandwirtschaft leidet.“ Deutsche Behörden weigern sich bisher, Zahlungen offen zu legen. Nun laufen mehrere Klagen unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz.

Greenpeace Magazin 3/06

Bioskandal

Die Europäische Union hat mit der neuen Richtlinie für Ökolandbau die Skepsis der Biogemeinde bestätigt: Sie verwässert Biokriterien und verbietet den strengeren Bioverbänden sogar, ihre Vorteile vergleichend herauszustellen. Kontrolliert werden soll das Label „Bio“ in Zukunft in Brüssel und den einzelnen Ländern – ohne Beteiligung der Bioverbände. Kommt der EU-Entwurf im Sommer so durch, wäre das Label „Bio“ entwertet. Jetzt ist von Verbraucherminister Seehofer Initiative gefragt, um die Richtlinie noch umzubiegen.

Greenpeace Magazin 2/06

Mittwoch, 30. August 2006

Interessantes zu Sigmund Freud

Hier findet man noch einiges über den »Dunklen Aufklärer«:

So isses …

Vorigen Monat führte die UN weltweit eine Umfrage durch. Die einzige Frage war: „Würden Sie bitte Ihre ehrliche Meinung dazu sagen, wie sich das Problem des Nahrungsmangels auf der übrigen Welt lösen läßt?“
Die Umfrage ging voll in die Hose:
In Afrika wussten sie nicht, was „Nahrung“ bedeutet …
In Osteuropa wussten sie nicht, was „ehrlich“ bedeutet …
In Westeuropa wussten sie nicht, was „Mangel“ bedeutet …
In China wussten sie nicht, was „Meinung“ bedeutet …
Im Nahen Osten wussten sie nicht, was „Problem lösen“ bedeutet …
In Südamerika wussten sie nicht, was „bitte“ bedeutet …
Und in den USA wussten sie nicht, was „übrige Welt“ bedeutet.

Aus der OshoTimes September 2006

Montag, 24. Juli 2006

Heute vor 30 Jahren – 24. Juli 1976: Jon Anderson veröffentlicht Olias of Sunhillow

Olias of Sunhillow war das erste Solo-Album des damaligen Yes-Sängers Jon Anderson und bis dato die erfolgreichste Solo-Platte eines Yes-Mitglieds.

Olias Complete Album by Jon Anderson in 1080p HD [44:11] (Texte)


Donnerstag, 20. Juli 2006

Wir graben uns selbst das Wasser ab

Grad habe ich mit jemandem gesprochen, der im Arbeitsamt (mir ist das zu doof, mir alle paar Jahre die neuen Begriffen zu merken) als Vermittler arbeitet (es heißt jetzt glaube ich Ansprechpartner). 150 Jobsuchende sollte man haben, um vermitteln zu können, er hat 400, da ist nur Verwalten möglich. Der Hintergrund ist einfach und klar: Es geht einzig und allein um das Verschleiern einer unhaltbaren Situation. Wir sollen nicht wissen, daß es einfach nicht genug Jobs gibt, und das Interesse der Politik ist, so zu tun, als ob die Zahlen nicht so hoch wären und als ob wir nur ein Tal durchschreiten müßten, damit es wieder besser wird. Pustekuchen, die Zahlen werden in zehn Jahren noch höher sein. Wie sich das auf die Sozialsysteme auswirken wird, kann man sich an drei Fingern abzählen.
Schuld ist die seit Jahren hochgepriesene Globalisierung. Wir brauchen nur ein paar hundert Meter weit zu gehen, um Sachen zu kaufen, die großenteils in Ländern hergestellt werden, in denen Begriffe wie Arbeitsschutz, Umweltschutz, Sozialversicherung usw. Fremdworte sind. Nachdem wir also Jahrzehnte dafür gekämpft haben, bestimmte Produktionsregeln zu institutionalisieren, werden diese durch den Import von Billigwaren dubioser Herkunft unterlaufen. In einem bestimmten Tal in China wird inzwischen jede zweite Socke hergestellt, die auf der Welt verkauft wird. Unter welchen Bedingungen, das zeigt ein Artikel in der Lettre 69. Unser Geschichtslehrer hat das vor dreißig Jahren »Stamokap« genannt, Staatsmonopolkapitalismus. Es gibt zwei Möglichkeiten, unsere Märkte vor der Überschwemmung von Billigwaren zu schützen: entweder die Verbraucher kaufen intelligenter ein - was sie noch nie getan haben, oder unsere Politik fängt an, unseren Markt abzuschotten. Für den Verbraucher ist das Ganze auch nur eine Milchmädchenrechnung: Der Euro, den ich bei »Geiz ist geil« spare, den benötige ich für die Kranken-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung. Das mache sich jeder klar, der mal wieder nach einem Schnäppchen Ausschau hält: Wir sparen unserem eigenen Land die Arbeitsplätze weg.

Hier gehts zu einem Ausschnitt aus dem Lettre-Artikel

Mittwoch, 12. Juli 2006

Heute vor 200 Jahren – 12. Juli 1806: Gründung des Rheinbundes

Das Ende das alten Reichs 

Napoleons Bestrebungen, deutsche Staaten stärker an Frankreich zu binden, führten 1806 zur Gründung des Rheinbundes, der mit Unterzeichnung der Rheinbund-Akte am 12. Juli in Paris besiegelt wurde. 16 deutsche Reichsstände, vor allem aus den südlichen und westlichen Regionen des alten Reichs, darunter die Könige von Bayern und Württemberg, der Großherzog von Baden und der Mainzer Kurfürst, traten aus dem Reich der Deutschen aus, erklärten ihre Souveränität und unterstellten sich dem Protektorat des französischen Kaisers. Sie hatten fortan für Frankreich Militärkontingente zu stellen. Der Bundestag sollte in Frankfurt am Main zusammenkommen, wurde jedoch nie einberufen. Nach dem Vorbild Frankreichs erfolgte in den Mitgliedsstaaten eine Modernisierung von Verfassung und Verwaltung. Alle deutschen Fürsten außer Preußen, Österreich und Pommern traten nach der Niederlage Preußens [im vierten Koalitionskrieg] 1807 dem Bund bei. 

Mit dem Zustandekommen des Bundes war zugleich der Untergang des alten Reichs (962-1806) besiegelt. Der Rheinbund stellte eine Zwischenphase auf dem Weg zum Deutschen Bund (1815-66) dar. Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) fiel der Bund auseinander. 
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 
 für militärhistorisch Interessierte:
Rheinbund: A Military History Blog About The Confederation of the Rhine and the Napoleonic Era

Freitag, 16. Juni 2006

Ich fühle, also bin ich

Trauer und Wut, Freude und Überraschung - Emotionen sind nicht nur Beigaben zum Verstand. Sie sichern unser Überleben. Ohne Ekel würden wir Schimmel essen, Ärger macht uns wachsam. Und auch bei wichtigen Entscheidungen gilt: Der Bauch ist oft klüger, als man denkt.

Mittwoch, 14. Juni 2006

Eine Patentlösung sieht anders aus

Der brasilianische Präsident Evo Morales hat im Mai 2006 die staatliche Kontrolle über den Erdgas- und Erdölsektor verkündet. Ausländische Unternehmen, die sich dieser Kontrolle nicht unterwerfen wollen, müssen innerhalb von sechs Monaten das Land verlassen.

… Doch so groß die Sehnsucht nach staatlicher Kontrolle der Konzerne auch sein mag – sie dürfte das Problem nicht lösen. Selbst nach Auffassung linker Kritiker in Bolivien und anderen lateinamerikanischen Staaten blühen in den Staatsapparaten Korruption und Vetternwirtschaft. Mächtige Leute mit guten Beziehungen wissen genau, wie man staatliche Einnahmen auf die eigenen Konten im Ausland lenkt. Eine Staatswirtschaft vor diesem Hintergrund ist uneffektiv und hilft den Armen wenig.
Eine Alternative wäre der Versuch, die internationalen Konzerne in eine nationale Entwicklungsstrategie einzubinden. Dabei müßten die Konzerne einen Teil ihrer Gewinne als Steuergelder abführen, die dann in andere wirtschaftliche Sektoren investiert würden. Dann würde die Effizienz der Konzerne genutzt, um den Armen wirklich eine langfristige Perspektive zu bieten. Perspektive hätte dann auch die Linksregierung, weil sie nicht an der Ineffizienz der Staatswirtschaft scheitern würde.

aus Publik-Forum Nr. 9 • 2006

Integration auf grün

Hans-Christian Ströbele, bündnisgrüner Bundestagsabgeordneter, hat sich für eine offizielle türkische Version der deutschen Nationalhymne ausgesprochen. Zuwanderer sollten diese Version als »Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands« singen können, sagte der Grünen-Fraktionsvize vor dem Hintergrund einer Debatte in den USA um eine spanische Version der US-Hymne der Berliner Zeitung (BZ). Der Unionspolitiker Wolfgang Bosbach lehnte dies vehement ab: »Die deutsche Nationalhymne auf türkisch wäre das Gegenteil von Integration.«

aus Publik-Forum Nr. 9 • 2006

Da ist mir nicht ganz klar: Wenn integriert wird, wer paßt sich da an wen an?

Mittwoch, 10. Mai 2006

Qualitätssicherung …

Jetzt ist es auch bei den niedergelassenen Ärzten soweit: Qualitätssicherung heißt das neue Zauberwort, welches uns das dem Helfen gewidmete Leben mit noch mehr Bürokratie versüßt: hier ein bißchen Kontrolle, da ein bißchen Kontrolle. Das erhöhe meine Wettbewerbsvorteile gegenüber meinen Kollegen, wurde mir in einer äußerst interessanten Fortbildungsveranstaltung durch den Vortragenden erklärt. (Wettbewerb ist ein anderes Zauberwort. Meine Frage, weshalb ich mit meinen Kollegen denn konkurrieren solle, wurde von meinen angestrengt lauschenden Kollegen mit unwilligem Raunen quittiert. Solche philosphischen Fragen gehören nicht zum Thema!) Nun darf ich nicht nur was für meine Patienten tun, nein, ich darf auch noch mit meinen Kollegen konkurrieren. Schon als ich nach fünf Jahren Wartezeit mit meinem Studium begann, war ich da ganz geil drauf. Ich wollte schon immer den anderen Beschädigten, die ihr Leben durch praktizierte Nächstenliebe in Ordnung bringen wollen, beweisen, daß ich es besser kann.

Hier ein Beispiel aus dem Deutschen Ärzteblatt, wie das Ganze mit dem Kaffekochen funktioniert:


Allerdings fehlen auf der Arbeitsanweisung Hinweise auf das Verhalten im Notfall (z.B. »Ruhe bewahren« und »Netzstecker ziehen«), Angaben zum Sicherheitsbeauftragten, Erstellungs- und Änderungsdatum der Anweisung, Aufbewahrungsort des nächst erreichbaren Feuerlöschers sowie die wichtigsten Rufnummern beim Eintreten von Störungen. Außerdem dürften die Sicherheitsabstände medizinischen Verbrauchs- und Arbeitsmaterials zum Elektrogerät auf dieser Abbildung nicht eingehalten worden sein.
Es ist auch nirgendwo zu erkennen, ob das verwendete Gerät sowie die benutzten Filter für den Gebrauch in für die mit der kassenärztlichen Vereinigung abrechnungsberechtigten Praxen zertifiziert sind und ob die Herstellerfirmen für die regelmäßige Fortbildung der an der Produktion beteiligten Personen gesorgt haben.
Daß keine Aufhängevorrichtung für die Kaffeefilter verwendet wird, ist wahrscheinlich nur noch für eine Übergangsfrist erlaubt. Zur Zeit tagt ein Beratungsgremium, welches in den nächsten zwei Jahren Vorschläge für die Befestigungshöhe der Aufhängevorrichtung über der Arbeitsplatte erarbeiten wird. Ob diese Vorschläge noch zeitgerecht vor Ende der Übergangsfrist durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einen entsprechenden Erlaß eingearbeitet werden können, steht zur Zeit noch nicht fest, da die Krankenkassen gegen die Zusammensetzung des Beratungsgremiums rechtliche Schritte angedroht haben. Gestern mußte der Verbraucherminister zurücktreten, da, wie der SPIEGEL berichtete, aus wohlunterrichteten Kreisen durchgedrungen war, daß das Beratungsgremium mit seinen Vorschlägen um über fünf Zentimeter über die durch die entsprechende EU-Norm vorgegebenen Maße hinausgeht.
Die Bundesvereinigung der Kaffeefilterhersteller hat zur Kostensenkung im bundesdeutschen Kaffebrühwesen vorgeschlagen, die Arztpraxen zu verpflichten, für jede benutzte Filtertüte 5 Cent abzuführen, da sich sonst immer mehr Hersteller gezwungen sähen, ihre Produktion ins billigere Ausland zu verlegen. Die Kaffeehersteller gehen mit ihren Forderungen noch weiter: Sie fordern eine Kontingentierung des Kaffeeverbrauchs in Arztpraxen. Jede Arztpraxis solle - abhängig von Anzahl, Beruf, Ausbildung, Behinderungsgrad, Familien- und Krankenstand sowie Kinderzahl der Beschäftigen - nur eine begrenzte Menge von Kaffee pro Jahr konsumieren dürfen. Würde dieses Kontingent um mehr als 10% überschritten, müsse Kaffee zu entsprechend höheren Preisen eingekauft werden. Die Kontrolle müsse durch die ärztliche Selbstverwaltung mit entsprechenden Regelungen gesichert werden. Die Betreiberfirmen von Toll-Kolleckt (aktuelle Rechtschreibung noch nicht endgültig geklärt) haben vorgeschlagen, Kaffeemaschinen mit Satellitenempfängern auszustatten, um den Kaffeeverbrauch zentral erfassen und kontrollieren zu können. Auch ein Gegenvorschlag der Krankenkassen ist im Gespräch: der Kaffeeverbrauch der Arztpraxen könne auf den Chipkarten der am Hausarztvertrag teilnehmenden Kassenpatienten festgehalten werden. Möglicherweise könne ein Kaffeemehrverbrauch auch durch eine entsprechende Senkung der zu zahlenden Praxisgebühr sanktioniert werden.
Aus der EU-Kommission zur Entbürokratisierung werden Vorschläge kolportiert, nach denen nicht mehr jede Arztpraxis mit mehr als drei sondern nur noch mit mehr als fünf ganztägig Beschäftigten einen Kaffeeverbrauchsbeauftragten zu bestimmen habe, der die Einhaltung der entsprechenden Regelungen zu überwachen und per BarKot (auch hier aktuelle Rechtschreibung noch nicht geklärt) regelmäßig an die entsprechende Kontrollinstanz der ärztlichen Selbstverwaltung weiterzuleiten hat.

Der Amazonas brennt für unser Essen

Hamburg/Brasilia, April 2006

Der weltweite Fleischkonsum steigt kontinuierlich. Um große Mengen Fleisch zu produzieren, bedarf es noch größerer Mengen Futter für Schweine, Rinder und Hühner. Wichtige Bestandteile des Futters sind eiweißhaltige Zusatzstoffe.

Früher wurden Fisch- und Tiermehl verfüttert. Die Produktion von Fischmehl wird aber zunehmend unrentabel, weil die Weltmeere leer gefischt sind. Soja heißt jetzt die neue, billige Eiweiß-Beigabe, und die Nachfrage nach der "goldenen Bohne" ist explosionsartig gestiegen.

Viel Soja für viel Fleisch

Südamerika ist weltweit der größte Soja-Produzent, und der Soja-Boom benötigt immer mehr Anbaufläche. Skrupellose Farmer roden - sehr häufig illegal - riesige Gebiete im südamerikanischen Urwald.

In Brasilien wird derzeit auf einer Fläche von 23 Millionen Hektar Soja angebaut. 70 Prozent der brasilianischen Soja-Ernte erwirtschaften industrielle Mega-Farmen. Der Soja-Handel dagegen ist größtenteils US-amerikanisch kontrolliert. Hier wird der Großteil des Gewinns aus dem Soja-Geschäft erzielt. In den letzten drei Jahren sind so mehr als sieben Millionen Hektar Wald fast ausschließlich für die Agrarindustrie verloren gegangen.

Alle acht Sekunden verlieren wir allein am Amazonas - Urwald in der Größe eines Fußballfeldes.

Auf den Schultern eines Riesen…

Wir Deutschen und wir Psychotherapeuten tun uns mit unserem Kulturgestalter bzw. Übervater recht schwer. Noch Jahrzehnte nach seinem Tod sind wir stolz drauf, wenn wir rausfinden, daß er irgendwo falsch gelegen oder Fehler gemacht hat. Und dies hat wohl nicht nur damit zu tun, daß wir schwer an der Kränkung zu tragen haben, die die Erkenntnis mit sich bringt, daß wir nicht Herr im eigenen Hause sind, obwohl gerade wir Psychotherapeuten genau damit unser Geld verdienen.

Eine Würdigung im Deutschen Ärzteblatt
diese downloaden


Nachdem ich die SPIEGEL-Titelgeschichte »Triebwerk im Keller der Seele« (Nr. 18/2006) gelesen hatte, war ich doch etwas desorientiert: Gar nicht SPIEGEL-like fand der Autor diesen angestaubten Wiener doch tatsächlich in vielen Punkten bestätigt.
Doch freudseidank hat zumindest der SPIEGEL-online zur alten Form wieder zurückgefunden und pinkelt wieder allem, was mit Autorität zu tun hat, freudig ans Bein (»Hosianna, sog i«):

Freitag, 28. April 2006

Neues vom Dativ und dem Genitiv

Darauf haben die "Zwiebelfisch"-Leser gewartet! Nun ist sie endlich da: Die Fortsetzung des Sensationserfolges "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod". Vom ersten Band wurden bislang rund eine Million Exemplare verkauft.

Mit "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" gelang Bastian Sick ein kleines Wunder. Ein Buch über deutsche Sprache und Grammatik stürmte die Sachbuch-Bestsellerlisten und begeisterte Hunderttausende von Lesern. Sprachinteressierte jeden Alters fühlten sich aufs Unterhaltsamste belehrt und bestätigt, an zahlreichen Schulen sorgten die gesammelten "Zwiebelfisch"-Kolumnen für erhöhten Spaß im Deutschunterricht.
Nun erscheint die Fortsetzung des Sensationserfolges - mit den jüngsten Kolumnen der vergangenen Monate: Vom gefühlten Komma über den traurigen Konjunktiv bis zum Imperfekt der Höflichkeit. Auf die ihm eigene humorvolle Weise spürt Bastian Sick wieder kleinen und großen Sprachvergehen nach und beschreibt die Wunder der deutschen Grammatik - insbesondere die blauen, die man mit ihr erleben kann. Und vor allem beantwortet er in diesem Band viele Fragen seiner Leser.

Das Duschproblem am Selber Badesee

In Selb gibt es einen schönen Badesee. Seit Jahrzehnten duschen die Selber im Sommer nach dem Baden mit dem Wasser aus ihrem Teich. Nach den neuen Vorschriften dürfen die Leute zwar in dem Teich baden, aber sie dürfen sich mit dem Wasser nicht mehr duschen. Der Selber Bürgermeister erklärt, dass der Teich in einer Kette von Fischteichen mitten im Wald liegt, das macht auch den Reiz des Freibades aus. Je nach Wetterlage ist das Freibad zehn bis zwölf Wochen im Jahr in Betrieb. Am meisten wird es im August an den Wochenenden von den Selber Bürgern in Anspruch genommen. Aufgefordert vom Landratsamt mit Hinweis auf EU-Recht soll die Stadt Selb nun eine fünf Kilometer lange und teure Wasserleitung durch den Wald legen , damit die Selber mit „sauberen“ Wasser duschen können.

Dienstag, 25. April 2006

Gentechnik durch die Hintertür

Die Europäische Kommission in Brüssel hat im Januar 2006 den europäischen Markt für drei weitere Gen-Maislinien des US-Gentechnikgiganten Monsanto geöffnet. Als Lebensmittel oder als Zutat in Lebensmitteln wurden der umstrittene Gen-Mais MON863 sowie der Gen-Mais GA21 zugelassen.

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Es ist bekannt, dass dieser Gen-Mais bei Ratten Gesundheitsschäden verursacht hat. Die entsprechende Studie zu den Ratten-Fütterungsversuchen war von Monsanto als vertrauliche Betriebsinformation qualifiziert worden und wurde erst im Juni 2005 nach einem Gerichtsurteil herausgerückt.

Links:
Grundsatzartikel zu Genfood
Erklärung der Begriffe vertikaler und horizontaler Gentransfer
Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung über den beobachteten Fall eines horizontalen Gentransfers von gentechnisch veränderten Pflanzen in Darmbakterien
Grundsatzartikel über die Möglichkeiten horizontalen Gentransfers (der Dativ ist dem Genitiv sein Tod)

Milch darf ohne Hinweis auf genmanipulierte Maiszusätze im Futter der Milchkühe verkauft werden. Obwohl in mehreren Untersuchungen das Gegenteil nachgewiesen wurde, behauptet die Gentech-Lebensmittelindustrie weiterhin, eine »Wanderung« der manipulierten Gene zwischen unterschiedlichen Arten sei ausgeschlossen. Hier wird, wie im Fall des Atomstroms, eine Technik auf die Menschheit losgelassen, die unübersehbare Risiken in sich birgt und nicht genügend untersucht ist. Allein schon Freilandversuche bewirken eine nicht wieder rückgängig zu machende Freisetzung manipulierten Genmaterials.


Darwins Albtraum

Obwohl der Handel mit dem Victoriabarsch blüht, leidet die Bevölkerung Hunger.

In Tansania am Victoriasee hat sich eine bizarre Fischindustrie entwickelt: Russische Frachtflugzeuge transportieren die Filets der dort gefangenen Barsche nach Europa; der Abfall der Fischfabriken wird von Einheimischen eingesammelt und aufgekocht. Während einzelne Unternehmen bis zu 500 Tonnen Fisch am Tag ausfliegen lassen, leben die Menschen in Armut.In seiner Oscar-nominierten Doku zeigt Hubert Sauper das Elend und lässt die Darbenden zu Wort kommen: Straßenkinder, Prostituierte, Aidskranke. Der Victoriabarsch wird so zum Symbol eines gefährlichen Raubtierkapitalismus. Der gefräßige Fisch, eigentlich im Nil zu Hause, wurde einst im afrikanischen Gewässer ausgesetzt und hat dort inzwischen fast alle anderen Arten verdrängt. Das grausame Dokument einer Region, wo Ökonomie und Ökologie fatal aus dem Ruder gelaufen sind.
aus der Internet-Seite von TV Spielfilm

Presseheft downloaden

Vielleicht kommt einmal eine Zeit, wo wir diesen Raubtierkapitalismus als eine modifizierte Form von Terrorismus begreifen (Clausewitz: Krieg ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln). Das Muster, gleichgültig, ob es um Atomstrom, den Viktoriabarsch (ich habe mir sagen lassen, daß er noch nicht mal gut schmeckt, wahrscheinlich ist er einfach nur billig) oder den Irakkrieg geht, ist das gleiche: Ein paar Leute verdienen sich dumm und dämlich, und alle anderen sind gearscht. Der Staat ist aus den unterschiedlichsten Gründen nicht fähig, sich gegen solche Auswüchse zur Wehr zur setzen. Das kann nur die Gesellschaft insgesamt, indem der Einzelne Verantwortung übernimmt. Die zehn Euro, die ich durch meine »Geiz-ist-geil«-Mentalität spare, muß ich für einen Arbeitslosen hinblättern.

Donnerstag, 30. März 2006

Beziehungsknatsch oder …

Der unbewußte Paß in die Tiefe des Raumes

[…] Dabei ist die Freundin, ähnlich wie der Kurschatten, zunächst nur ein Selbsthilfeversuch und eine taktische Möglichkeit im Ehekrieg. Merkwürdiger- und bezeichnenderweise sorgt nämlich derjenige, der fremd geht, unbewußt dafür, daß der Partner das erfährt: Durch einen Brief, ein Bild oder eine Telefonnummer, die man »versehentlich« in der Tasche oder sonstwo liegen läßt, durch angeblich anonyme Telefonanrufe, merkwürdige Zeitplanungen, phantasiereiche aber durchsichtige Alibis … Neue oder außereheliche Partnerschaften sind einerseits der Versuch, die eigenen Schwierigkeiten mit einem anderen Partner zu lösen, gleichzeitig aber auch eine sehr indirekte und mißverständliche Liebeserklärung an den »alten« Partner (»Kümmere dich mehr um mich! So geht es nicht weiter!«). Sie sind aber oft nur eine Wiederholung der alten Schwierigkeiten, eine unveränderte Neuauflage, »mehr Desselben« (nach Watzlawick). So wie es eine Patientin ausdrückte, nachdem sie während einer stationären Psychotherapie ihre vierte Scheidung hinter sich gebracht hatte: »Merkwürdig - es waren immer die gleichen Typen!« Am Anfang der Partnerschaft gab es noch Unterschiede zwischen den vier Partnern, am Ende der Beziehung, wenn sie mit ihren Männern vor dem Scheidungsrichter stand, waren sie gleich geworden. Jeder schafft sich eben immer wieder mit den verfügbaren Partnern und Möglichkeiten seine eigene Welt!


Geheime Schwierigkeiten und Hoffnungen

Die Schwierigkeiten in der Partnerschaft liegen oft nicht am Partner, sondern tiefer, sozusagen in einer gemeinsamen Tiefe. Der Züricher Paartherapeut Jürg Willi hat in seinen Büchern über die Zweierbeziehung Partnerschaften als Kollusionen beschrieben (nach lat. colludere: spielen mit …, unter einer Decke stecken mit …), als ein geheimes Zusammenspiel zur Lösung eines gemeinsamen unbewußten Grundkonfliktes. Das bedeutet, daß beide Partner, beide Eheleute eine gemeinsame Schwierigkeit haben, die ihnen aber unbewußt ist. Bei Adam und Eva ging es um die gemeinsame Aufgabe, ganz Mensch in der Zweisamkeit zu werden. Bei der Kollusion, dem geheimen Zusammenspiel, übernimmt und lebt einer der Partner die aktive Rolle, der andere die passive. Das erklärt auch, warum der Volksmund meint: »Gleich und Gleich gesellt sich gern« und »Gegensätze ziehen sich an!« Gleich ist in der Partnerschaft der Grundkonflikt, gegensätzlich sind die gelebten Lösungsmöglichkeiten. Dabei kann – wie bei Adam und Eva – die vermeintlich schwache Frau insgeheim die Führung übernehmen, und der vermeintlich starke Mann ist vorwiegend das, was seine Frau aus ihm macht (Ich weiß, wovon ich rede!). Diese nach vorwärts oder rückwärts gerichteten Selbstheilungsversuche scheitern schließlich doch durch die Wiederkehr und die Dennochdurchsetzung des Verdrängten. Partnerschaftliche Schwierigkeiten können dann zu psychosomatischen Symptomen und Erkrankungen führen oder zu schwerwiegendem »krankhaften« Verhalten.


Partner sind bedarfsgerecht

Im Rahmen der Neurosenlehre hat man sogar von »neurotischer Partnerwahl« gesprochen. Dabei ist das vermeintlich Neurotische etwas zutiefst Menschliches. Jeder Partner sucht sich seine Ergänzung, sucht seine (bessere) Hälfte. Von der Neurosenlehre her gesehen bedeutet das, daß z. B. vorwiegend schizoid Strukturierte von vorwiegend depressiv Strukturierten angezogen werden und umgekehrt. Denn jeder hat das, was dem anderen fehlt. Der kühle zurückhaltende Schizoide sucht die Wärme und Gebefreudigkeit des Depressiven, der überanstrengte Depressive sucht die Abgrenzungsfähigkeit und Sicherheit des Schizoiden. Ähnlich ist es bei Partnerschaften zwischen vorwiegend zwanghaft Strukturierten und vorwiegend hysterisch Strukturierten. Der Zwanghafte soll in das Chaos des hysterischen Partners mehr Ordnung bringen, der hysterische Partner soll mehr Leben und Farbe in die im Ordnungssinn erstarrte Welt des Zwanghaften bringen. Andererseits ist die Partnerin, der Partner im narzißtischen Bereich (im Bereich der eigenen Großartigkeit) eine lebensnotwendige Aufwertung. Der von seiner Großartigkeit überzeugte Narzißt heiratet den ihn bewundernden Komplementär-Narzißten, also seine eigene Fan-Gemeinde, die die schmerzliche Lücke im Selbst füllt. Wenn dieser im Grunde gesichtslose Lückenfüller eigene Bedürfnisse entwickelt, wird er für den Narzißten unbrauchbar.
An diesen Beispielen wird deutlich, daß es in der Partnerschaft um gegenläufige Wünsche geht, deren gleichzeitige Erfüllung unmöglich ist. So gesehen ist jede Partnerschaft ein Selbsthilfeversuch. Gelingt er, dann nennt man das eine glückliche Ehe, gelingt er nicht, dann wird daraus ein manchmal behandlungsbedürftiger Partnerkonflikt. In der Behandlung dieser Partnerkonflikte wird dann oft deutlich, daß es gleichzeitig geheime und geheimste Zusätze zum Ehevertrag gibt, die sich gegenseitig ausschließen und zu allem Unglück auch noch unbewußt sind. Es kann also nicht darüber gesprochen werden, aber jeder besteht auf der Erfüllung seiner unbewußten und (damit) unerfüllbaren Forderungen.


Geheime und streng geheime Zusätze zum Ehevertrag

Die geheimen Forderungen, die geheimen Zusätze zum Ehevertrag haben etwa folgenden Wortlaut: »Ich will Dich als Partner oder Ehepartner, weil du … und damit du…«. Die streng geheimen Zusätze lauten dann: »Ich mache Dir die Erfüllung meiner Forderungen so schwer wie möglich oder sogar unmöglich, weil ich Angst vor dieser neuen Erfahrung habe.« Bei Adam könnte der geheime Zusatz in etwa so gelautet haben: »Ich will Dich als meine Partnerin, weil du ein Geschenk des Himmels bist und damit du mir im Paradies den Himmel auf Erden bereitest.« Der streng geheime Zusatz wäre dann gewesen: »Ich werde Dir dabei überhaupt nicht helfen. Wenn Du mich brauchst, bin ich nicht da. Wenn es schwierig wird, sage ich kein Wort. Wenn du abrutschst, mache ich daraus einen Absturz.« Evas geheimer Zusatz zum Ehevertrag hätte lauten können: »Ich will dich als Partner, weil du männlich und stark bist und damit du mir die Sterne vom Himmel holst.« Der streng geheime Zusatz in ihrem Vertrag: »Ich neige zu Alleingängen. Ich werde dich oft überfahren, ich werde dich nicht fragen, ich werde bestimmen. Ich werde dich scheitern lassen, ohne daß du ein Wort zu sagen brauchst!«
Was ist aus diesen gegenläufigen, widersprüchlichen, unerfüllbaren Forderungen bei Adam und Eva geworden? Der Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies, ein mühevolles Leben nach dem Absturz. Wie viele Ehepaare beklagen, daß sie gerade das Gegenteil dessen erreicht haben, was sie wollten. Dabei haben sie es mit Hilfe der geheimen und der streng geheimen Zusätze zum Ehevertrag fast unausweichlich angesteuert. […]

aus einem Vortrag von Dr. med. Wolfgang Scherf, gehalten auf dem 54. Psychotherapie-Seminar in Freudenstadt, 1997
(auf seiner Seite kann man sich auch den ganzen Text ansehen)


Sonntag, 26. März 2006

Viktor von Weizsäcker: Arzt und Denker gegen den Strom

Viktor von Weizsäcker


Eine Würdigung des „Vaters der Psychosomatischen Medizin“ anlässlich des Erscheinens der Gesammelten Schriften

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=50616