Samstag, 20. September 2008

Alexander Mitscherlich zum hundertsten Geburtstag

bei der ZEIT

Daddy’s Girl forever

PÉCS – Kelly Osbourne, reizender Nachwuchs des unerschrockenen Black Sabbath-Sängers Ozzy Osbourne, wird sich vermutlich einen Partner nach Papas Ebenbild suchen. Provokation? Auch wenn die in der Familie liegt – nein, sondern Töchterchen wird nicht anders können: Das Aussehen des späteren Partners wird bereits in der Kindheit festgelegt. Das belegen die Untersuchungen der Psychologen um Tamas Bereczki von der ungarischen Universität Pécs. Söhne bevorzugten Partnerinnen, die ähnliche Gesichtszüge wie ihre Mutter haben, und Töchter wählen Männer, die ihrem Vater aus dem Gesicht geschnitten sind, berichten die Forscher in PROCEEDINGS OF THE ROYAL SOCIETY B.

Dazu wurden von 312 Erwachsenen aus 52 Familien jeweils 14 unterschiedliche Gesichtsabschnitte vermessen und verglichen. Die Psychologen entdeckten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Gesichtszügen des Vaters und des Partners der Töchter und denen der Mutter und der Partnerin der Söhne. Umgekehrt wurden keine Ähnlichkeiten entdeckt. Die Forscher vermuten dahinter einen soziologischen Prozess. Kinder nehmen Eigenschaften vom andersgeschlechtlichen Elternteil auf und bevorzugen dann Partner mit besonderen Ähnlichkeiten zu diesen.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Alles schönrauchen

Entfaltet erst durch die Zigarette danach seine vollständige Wirkung, und dann kann’s noch besser kommen – „Rosemaries Baby“.

MANHATTAN – Ob zum Kaffe oder nach dem Sex – egal, die Zigarette gehört dazu. Und warum ist das so? Psychologen um Matthew Palmatier von der Kansas State University haben herausgefunden, dass durch Nikotin Erfahrungen – welcher Art auch immer – intensiver erlebt werden. Wir frönen der Lust nicht etwa, weil sie einen angenehmen Zustand hervorruft, sondern weil die Zigarette Dinge schöner erscheinen läßt. Es sei möglich, dass Menschen vor allem deshalb rauchen, weil sie dadurch ihr Erleben und ihre Gefühle beeinflussen könnten, schreibt Palmatier in NEURO-PSYCHOPHARMACOLOGY. Wie stark sich dieser erlernte Effekt einprägt, zeigten die Forscher an Mäuseversuchen. Waren die Viecher erst einmal daran gewöhnt, dass bei ohnehin schon angenehmen Dingen durch Rauchen die Befriedigung noch wesentlich verstärkt wird, fehlte ihnen ohne das Nikotin etwas Wesentliches. Nun wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob Nikotin auch dazu beiträgt, unangenehme Erfahrungen erträglicher zu machen. Wenn dem so sein sollte, wird die Zigarette wohl auch dann nicht so einfach aus den Schlafzimmern zu entfernen sein.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Das Auf- und Davon-Gen

STOCKHOLM – Liebe Damen, hören Sie auf, Ihren Partnern ständig damit in den Ohren zu liegen, dass er sie wieder für eine andere sitzengelassen hat. Für seine Sprung- und Wechselhaftigkeit kann er nun wirklich nichts: Es liegt schlicht in seinen Genen. Das haben schwedische Forscher um Hasse Walum vom Karolinska-Institut bei Genuntersuchungen an 552 gleichgeschlechtlichen männlichen Zwillingspaaren herausgefunden. Dafür untersuchten die Wissenschaftler das Auftreten von drei verschiedenen Genvarianten, die einen Einfluss auf die Wirkung des Hormons Vasopressin aufweisen. Von Wühlmäusen sei bekannt, dass dieses Hormon die Bindungsfähigkeit beeinflusse, so die Forscher in PNAS. Und das scheint auch für die maskuline menschliche Gattung zu stimmen. Die untersuchten Männer mit der 334 genannten Ausprägungsform des Gens legten eine wankelmütige Partnerbindung an den Tag. Dementsprechend wenige Ehemänner fanden sich in dieser Gruppe. Die Partnerinnen dieser Männer waren mit der Bindung auch unzufriedener als diejenigen, bei deren Männern die 334-Ausprägung nicht vorhanden war. Ganz arme Schlucker, bei denen die 334-Variante doppelt vorhanden war, gaben an, im vergangenen Jahr eine Ehekrise durchlitten zu haben. Bei Frauen stellten die Forscher diesen Zusammenhang nicht fest.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Das ist so eine Sache mit der Wissenschaftlichkeit. Wie man jemandem, der einen sitzengelassen hat, ständig in den Ohren liegen kann, naja… Vielleicht könnte man das Gen auch »Sich eine Frau aussuchen, mit der man es nicht aushalten kann, weil sie nie zufriedenzustellen ist«-Gen nennen. Aber weil das zu lang ist, sieht man es halt einfacher so rum. Wie so oft…

Honorardiktat – Was unterm Strich übrig bleibt












Dr. Dr. Peter Schlüter, Facharzt für Allgemeinmedizin, Hemsbach


So langsam müssen die gesetzlichen Krankenkassen erkennen, dass die Pauschalierung von Leistungen so einfach nicht ist. Der Grund: Das Leistungsspektrum der einzelnen Praxen einer Fachgruppe ist viel zu unterschiedlich und differenziert. Zudem ist in einem komplett pauschalierten Abrechnungssystem für die Finanziers des Systems nicht mehr zu erkennen, welche Leistungen in welchem Umfang von den Leistungserbringern auch wirklich noch erbracht werden.

Spitzenverband zieht meine Grenze
Gerade zu diesem Zeitpunkt wird von Frau Pfeiffer auch noch gesagt, dass die durchschnittlich 120.000 Euro Jahreseinkommen für die Ärzte genug sind. Wie hat sie das gemeint? Jahreseinkommen? Umsatz? Honorar? Gewinn? Vor Steuern? Nach Steuern?

Wenn ich davon ausgehe, dass Frau Pfeiffer Honorar gemeint hat, dann lässt sich jetzt einfach berechnen, was uns Ärzten zusteht. Bei einem Kostensatz von plus/minus 50 Prozent bleibt ein Gewinn von 60.000 Euro vor Steuern. Davon bleiben, je nach steuerlicher Veranlagung, durchschnittlich 33.000 bis 38.000 Euro übrig. Gehe ich – der einfachen mathematischen Überlegungen wegen – von rund 36.000 Euro aus, so sind das 3.000 Euro pro Monat. Davon bestreite ich meinen Lebensunterhalt.

Okay, könnte man jetzt sagen, das ist doch gar nicht so schlecht. Doch halt! Die Altersvorsorge, nicht nur die Zwangsmitgliedschaft in der ärztlichen Versorgungsanstalt (diese Altersversorgung reicht später zum Leben sowieso nicht aus), sondern zusätzlich die private Altersvorsorge ist zusätzlich zu leisten. Wenn ich Urlaub mache, sistieren meine Umsätze, das heißt, ich habe kein Einkommen, denn diese Zeit bezahlt mir niemand. Als Hausarzt benötige ich ein Auto, um Hausbesuche durchführen zu können. Um dieses steuerlich absetzen zu können, muss ich, wenn ich Pech habe, auch noch ein Fahrtenbuch führen.

Vergleichen wir doch mal, Frau Pfeiffer!
Frau Pfeiffer hingegen ist Angestellte, und das noch im öffentlichen Dienst: festes Gehalt und kein Stress wegen Arzneimittelregress oder Honorarregress, dafür aber Anspruch auf bezahlten Urlaub. Das dürften fünf bis sieben Wochen im Jahr sein. Dienstfahrzeug ist selbstverständlich, Benzinkosten inklusive. Ortszuschlag. Wochenendzuschlag, Arbeitsessen, alles Beträge, die ich als Arzt selbst tragen muss.

Andere Rechnung, undurchsichtiger Durchschnitt
Halte ich Frau Pfeiffer zugute, dass sie wirklich Einkommen gemeint hat, dann wären es monatlich rund 6.000 Eure, die sie uns Ärzten zugesteht – durchschnittlich –, wohlgemerkt! Durchschnittlich bedeutet, dass hier eben auch Orthopäden, Laborärzte und Radiologen einberechnet sind, die auf der Einkommensskala das obere Drittel besiedeln. Das wiederum sind Größenordnungen, die den Durchschnitt deutlich anheben.

EBM-Reformen machen’s obsolet
Wie dem auch sei, ich habe meine Abrechnung des ersten Quartals 2008 in den Händen. Der neue EBM beschert uns Hausärzten wieder einmal einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent! Da klingt es wie Hohn in meinen Ohren, wenn ich an die Aussage des früheren Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer denke, der da sagte: „Ich kenne keine Berufsgruppe, die über eine gesetzlich garantierte Einkommenssteigerung verfügt!“ Da hat er recht.

Doch die Bindung des Honorarvolumens an die Steigerung der Grundlohnsumme wird erst wirksam, wenn die Grundlohnsumme wirklich steigt. Wobei diese durch die ständigen EBM-Reformen mehr als ausgehebelt wird.

Zehn bis 20 Prozent weniger Umsatz bescherte uns der EBM 2008. Da ist der Durchschnitt von 120.000 Euro schon Geschichte. „120.000 Euro Einkommen sind genug“ – basta! Doris Pfeiffer, Angestelltengehalt circa 187.000 Euro.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Wenn Kliniken auf ihren Kosten sitzen bleiben

Kampagne kommunaler Krankenhäuser gegen die Unterfinanzierung

BERLIN – Neun kommunale Großkrankenhäuser machen mit großen Plakaten auf ihre Finanzmisere aufmerksam.

„Wir wollen mit dieser Kampagne auf die spezifischen Probleme der kommunalen Krankenhäuser aufmerksam machen, die einen besonderen Versorgungsauftrag haben und jeden Patienten aufnehmen“, sagt JOACHIM BOVELET, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vivantes Klinika Berlin.

So haben z.B. nur teilweise vergütete Extremkostenfälle beim Klinikum Nürnberg zu einem Fehlbetrag von 7,4 Mio. Euro geführt, erklärt Vorstand Dr. ALFRED ESTELMANN. In allen der 450 Fälle bestehe eine Unterdeckung von mindestens 10.000 Euro.

MANFRED GREINER, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums München, kritisiert eine unzureichend vergütete Personalvorhaltung. Nacht für Nacht stünden 133 Ärzte sowie 100 Pflegekräfte und MTA für die Behandlung von Notfallpatienten bereit. „Im Gesetz zur Krankenhausfinanzierung ist nur ein minimaler Abschlag für Krankenhäuser vorgesehen, die keinen Nachtdienst haben, Zuschläge für tatsächlich anfallende Kosten zum Beispiel für Ärzte und Op.-Schwestern in der nächtlichen Notfallversorgung gibt es dagegen nicht“, so Greiner. Die Folge: Das Klinikum bleibt auf den Kosten von 33.000 Euro pro Nacht sitzen.

Das Klinikum Bielefeld meldet ein Defizit von 600.000 Euro für die Weiterbildung von 115 Ärzten. Das DRG-System bilde die Facharztausbildung nicht entsprechend ab, sagt Geschaftsführer Dr. JOHANNES KRAMER. Wegen der unvollständigen Refinanzierung würden sich bundesweit die Häuser zunehmend aus der Weiterbildung zurückziehen.

„Wir brauchen eine schnelle Lösung bezüglich einer nachhaltigen Finanzierung, sonst können die großen Kliniken mit Versorgungsauftrag ihr umfassendes Leistungsangebot rund um die Uhr nicht mehr gewährleisten“, erklären die Klinikchefs. Mit einer einmaligen Finanzspritze ist es für das Bündnis der neun kommunalen Träger nicht getan.

Welche Löcher Extremkostenfälle, die von den Krankenkassen nur zum Teil vergütet werden, in den Budgets der Krankenhäuser hinterlassen, verdentlichen die folgenden Beispiele:

• Eine 66-jährige Frau wird per Rettungsflug ins Klinikum Nürnberg eingeliefert. Diagnose: eitriger Thorax mit Fistel, Sepsis mit septischem Schock sowie Leber- und Nierenversagen bei einer vorbestehenden Herz- und Diabeteserkrankung. 86 Tage Behandlung auf Station kosten 135.000 Euro, erstattet werden 82.000 Euro.

• 74 Tage lang wird im Klinikum Nürnberg ein in der 29. Schwangerschaftswoche geborenes Kind auf der Intensivtherapiestation behandelt: knapp 64.000 Euro Kosten, 44.000 Euro wurden bezahlt.

• Das Klinikum Bielefeld betreut seit 33 Jahren einen Patienten mit Querschnittlähmung, der seit einem Schwimmbadunfall nur noch den Kopf bewegen kann. Pro Jahr bleiben 93.000 Euro an Behandlungskosten unbezahlt.

• Dem Berliner Vivantes-Konzern werden jährlich 700 Extremkostenfälle nicht vollständig bezahlt. Darunter ein 41-jähriger Mann mit einer seltenen Nervenerkrankung, der mit Human-Immunglobulin behandelt wird. Ein Gramm des Medikaments kostet 47 Euro, erstattet werden 23,76 Euro. Das jährliche Defizit für Vivantes summiert sich auf 91.900 Euro.

aus der Medical Tribune Nr. 38 vom 19. September 2008

Freitag, 19. September 2008

Kritische Stimmen zur Bankenkrise

zwei Artikel bei ZEIT Online:
– Der tägliche Crash (18.09.2008)
– Reichtum und Risiko (17.09.2008)

Es kann nicht sein, daß so viele Leute warnen, unsere Finanz-»Elite« aber sich trotzdem über Monate, wenn nicht Jahre, auf zunehmend dünnem Eis bewegt und eigenes Handeln einzig mit Renditezwang und mit dem Tun der anderen rechtfertigt. Die jetzige Bankenkrise beweist, daß der Markt nicht die nötigen Selbstregulationsmechanismen besitzt. Er reguliert sich zwar selbst – die jetzige Krise ist ja gerade solch eine Systemantwort –, jedoch bleibt zu fragen, ob die blauen Augen, die hier gesammelt werden, die Sache wert sind. Die Weltwirtschaftskrise 1929 wurde ausgelöst durch den Zusammenbruch des spekulativ überbewerteten US-Aktienmarktes. Folge war ein Paradigmenwechsel in der Volkswirtschaftslehre, wodurch die bis dahin geltende klassische Wirtschafttheorie abgelöst wurde durch den Keynesianismus, der stärkere staatliche Eingriffe forderte und die Nachfrage in den Vordergrund stellte.

– Wikpedia: Weltwirtschaftskrise
– Post: Rückkehr eines Außenseiters
– Eine kurze Geschichte der Finanzkrisen (bei der FAZ)
– Albert Müller will sich auf den Nachdenkseiten in den nächsten Wochen die neoliberale Irrlehre vornehmen.
– Wolfgang Köhler bei ZEIT Online über die Geburt des Neoliberalismus
– Petra Pinzler fragt bei ZEIT Online: »Wo sind bloß die Liberalen?«
– Stephan Leibfried über das Abklingen der antietatistischen Mode (auch bei ZEIT Online)

In Jahrhunderten gewachsene Handlungsgrundsätze im Bankenwesen wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend und stillschweigend mißachtet. Unter anderem der, daß vergebenen Krediten adäquate Liquiditätsreserven gegenüberzustehen haben und langfristige Kredite nur mit langfristigen Einlagen refinanziert werden dürfen (Goldene Bankregel).

aus Devisen-Wallstreet Online:
Das Subprime-Segment gibt es seit Mitte der 1990er Jahre. Dessen Marktanteil lag bis Ende 2003 bei maximal 5,0% aller Hypotheken. Bis zum Dezember letzten Jahres hatte sich dieser Wert auf 15,0% verdreifacht. Immer wieder ist im Kreditzyklus zu beobachten, dass eine einfachere Refinanzierung auch das Risiko reduziert. Der Grund ist, dass die Schuldner ihre Kredite durch immer günstigere bedienen können. Die Finanzdienstleiter reagieren darauf zumeist mit einer weiteren Lockerung der Kreditstandards. Genau dies war im Zeitraum 2003 bis 2005 in den USA der Fall. Die Kreditpyramiden kehren sich aber bei steigenden Zinsen um und treiben die Ausfallraten in die Höhe – ein „normaler“ Prozess, der sich leider im Subprime-Segment aufgrund seiner speziellen Kundschaft potenziert.

– Ein Fallbeispiel aus den USA bei Polit-Pege (was heißt hier »Subprime«?)
– Unkonventionell vorgetragene aber kompetente Feststellungen von Mattin
– Fundierte Darstellung der Entwicklung der Finanzkrise beim Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel

– Matthias Platzeck (SPD, gefällt mir, der Mann, wäre ein sympathischer Kanzlerkandidat) fand gestern bei Maybrit Illner deutliche Worte: Finanzsysteme stärker an die Kandare nehmen.
– Die ganze Diskussion beim ZDF
– Ein Interview mit Prof. em. Dr. Rudolf Volkart beim ERSTEN
– Jan Peter Kranen, Professor für Finanzwirtschaft meint bei ZEIT Online: »Diese Krise ist erklärbar.«

Was unterm Strich bleibt: Wir benötigen funktionierende Kontrollen. Und: Hedgefonds weg, die lassen sich nicht kontrollieren.

Sogar Angie fordert jetzt Kontrollen, dann muß es wirklich schlecht stehen.
Der Bundesrechnungshof kritisiert die ungenügende Kontrolle des KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)-Engagements bei der IKB (Industriekreditbank) durch Finanz- und Wirtschaftsministerium.
Europa streitet über Auswege aus der Krise, und Deutschland gerät wegen seiner niedrigen Löhne unter Druck (bei ZEIT Online)
Unter Druck wird Deutschland auch beim Export geraten. (Reuters)
In den USA beginnt man aufzuräumen, während die nächste Bank in die Pleite geht. (heute, ZDF)

Zum Schluß noch zwei Bemerkungen:
1. Der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain forderte noch vor wenigen Jahren, staatliche Kontrollen aus dem Finanzsektor herauszuhalten, jetzt fordert er staatliche Kontrollen. Ja, was denn nun?
2. Der Vorstandsvorsitzende der Citibank mußte, nachdem er 4 Milliarden Euro in den Sand gesetzt hatte, gehen, eine Abfindung von 40 Millionen bekam er noch … (ich dachte Leistung sollte sich wieder lohnen).

Donnerstag, 18. September 2008

Die Geschichte der IKB-Bank

Diese Zusammenfassung bezieht sich auf einen hochinteressanten Artikel bei Wikipedia!
Zur Organisation der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Bafio (Bank für Industrie-Obligationen) gegründet. Mit dem Young-Plan 1929 fielen die Reparationszahlungen und damit der ursprüngliche Geschäftszweck der Bafio weg.
Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er brachte unter anderem die hochverschuldeten ostdeutschen Landwirtschaftsbetriebe in eine existenzbedrohende Situation.
1931 traten das Osthilfegesetz und das Industriebankgesetz in Kraft. Die neuen Aufgaben der Bafio waren nun:
  • Die landwirtschaftliche Entschuldung im Osthilfegebiet
  • Die Gewährung mittel- und langfristiger Kredite an gewerbliche Betriebe, insbesondere solche kleineren und mittleren Umfangs.

1939 wurde die Bank im Rahmen der Gleichschaltung umbenannt in „Deutsche Industriebank“.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Bank mit Kapitalverschiebungen im Zuge der Judenverfolgung befaßt, später mit der Kreditvergabe für kriegswirtschaftlich wichtige Investitionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte die Industriebank anfänglich in Berlin nicht tätig sein, so daß 1949 eine Neugründung in Westdeutschland (Düsseldorf) als Industriekreditbank AG (IKB) erfolgte. Die alte Industriebank erwarb 1953 die Mehrheitsanteile an der IKB. Mitte der 1960er Jahre verhalf das Berlinhilfegesetz zu neuem Schwung, die Industriebank wurde Annahmestelle für sogenannte Berlindarlehen: Dies war die Basis für ein lebhaftes Langfristkreditgeschäft in Westberlin.
1974 vollzog sich die juristische Vereinigung von alter Industrie- und neuer Industriekreditbank. 1987 gründete die IKB eine Niederlassung in Hongkong, Ende der 90er Jahre folgten Niederlassungen in Paris, London und schließlich auch in New York.

Die Pleite der IKB-Bank

Zu einem Übersichtsartikel über die Bankenkrise bei Wikipedia

Die Bankenkrise begann im Frühsommer 2007 mit der Subprimekrise (im deutschsprachigen Raum auch als US-Immobilienkrise bezeichnet). Die zuvor steigenden Immobilienpreise in den USA stagnierten, während viele Kreditnehmer aufgrund steigender Zinsen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Die Hauskredite, d. h. die Rückzahlungs- und Zinszahlungsansprüche gegen die Schuldner, waren als Wertpapier verbrieft und als Forderungsbesichertes Wertpapier (asset-backed security, ABS) verkauft worden.
Ursache war eine zu hohe Anzahl an Subprime-Krediten (Kredite an Kreditnehmer mit geringer Bonität), denen ungenügende Liquiditätsreserven gegenüberstanden.
Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds vom April 2008 belaufen sich die Verluste als Folge der Finanzkrise auf bis zu 600 Milliarden Euro.

Die Schließung von Hedgefonds und die Verluste bei den Investmentbanken führten zu einer Abnahme der Risikobereitschaft privater und institutioneller Anleger, wodurch sich der durch die Krise ausgelöste Liquiditätsengpaß der Kreditinstitute noch verschärfte.
Die Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten und die plötzliche Illiquidität der ABCP-Papiere und ABS-Anleihen brachten im Jahre 2007 die beiden Bankhäuser IKB Deutsche Industriebank und Sachsen LB in existenzbedrohende Krisen, da sie ihre angekauften Forderungen nicht mehr im Geldmarkt refinanzieren konnten.

Größter Anteilseigner an der privaten IKB ist mit 38% die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese mußte als Großaktionär die IKB-Bank mehrfach mit Zahlungen in Milliardenhöhe stützen.
Von 1999 bis 2008 war Ingrid Matthäus-Maier (geb. 1945, SPD) Mitglied im Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), mit einer Bilanzsumme von 350 Millionen Euro neuntgrößte Bank in Deutschland. Am 9. Dezember 2005 wurde sie zur Vorstandssprecherin der KfW-Bankengruppe gewählt und übernahm das Amt am 1. Oktober 2006. Damit wurde sie zur ersten Frau an der Spitze einer deutschen Großbank. Wegen der Krise der IKB und den Finanzspritzen durch die KfW wurde Matthäus-Maier von der Politik kritisiert. Am 7. April 2008 trat sie, ein Jahr vor Ende ihres Vertrages, von ihrem Vorstandsposten bei der KfW zurück.

Die Schieflage der IKB war hauptsächlich dadurch entstanden, daß sie der in diesem Markt aktiven und sich über ABCP refinanzierenden Emissionsgesellschaft „Rhineland Funding Capital Corporation“ eine Kreditlinie von 8,1 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt hatte.
Insbesondere wegen der sich daraus ergebenden Risiken sahen sich mehrere Banken – darunter die Deutsche Bank – gezwungen, der IKB Kredite zu kündigen, was bei einer Inanspruchnahme der Liquiditätslinie zur Zahlungsunfähigkeit der IKB hätte führen können. Der Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, sprach – wohl auch wegen der Bedeutung der IKB für den deutschen Mittelstand – in diesem Zusammenhang sogar von der größten deutschen Bankenkrise seit 1931.

Zur Abwendung der akuten Probleme der IKB wurde durch die KfW sowie die deutschen Bankenverbände ein Bankenpool gegründet, der einen Risikoschirm in Höhe von 3.5 Mrd. Euro bereitstellte. Die EZB steuerte zudem mit einer erhöhten Liquiditätsbereitstellung auf dem Geldmarkt gegen, indem sie den Banken über kurzfristige Refinanzierungstender bis zu 258 Mrd. € zur Verfügung stellte.

Das Geschäftsjahr 2007/2008 schließt die IKB mit einem Fehlbetrag von 600-700 Millionen Euro. Von den fünf Vorständen, die die IKB vor dem 30. Juli 2007 geführt haben, ist lediglich der für Personal verantwortliche Vorstand im Unternehmen verblieben.

Das Hamburger Abendblatt berichtet am 22.08.2008 von Informationen aus der FDP, nach denen KfW, der Bund (und damit auch der Steuerzahler) sowie die Bankenwirtschaft
bislang rund 9,8 Milliarden Euro an Risiken der IKB abdeckten.

Links zu zwei SPIEGEL Online-Artikeln:
– Eine Seuche namens Subprime (11.07.2007)
– Wie die Hedgefons-Blase entstand – und zerplatzte (21.07.2007)

Zu einem aktuellen Artikel bei den heute-Nachrichten:
– KfW: Altehrwürdig und kein bißchen weise? (18.09.2008)

Pornos, privater Sex und hohe Latten

Nackte Tatsachen: Die Deutschen gucken nach einer Umfrage immer mehr Pornos. Mit Folgen für das Sexleben: Die Lust auf den perfekten Körper wächst - notfalls per Operation. Und die Messlatte für den Sex liegt immer höher.

Zum Artikel beim ZDF

Aus dem Artikel:

»Viele junge Mädchen glaubten heute, dass sich ihr Freund eine Art Porno-Star im Bett wünsche.«

Ach, die armen Frauen! Wenn sich jemand operieren läßt, dann die Frauen. Und wenn jemand Schwierigkeiten mit den Erwartungen des Anderen hat, dann sind das wieder die Frauen. Und wenn beim Sex jemand in Streß kommt, sind es nochmal die Frauen.

Was soll der Quatsch? Es ist beschämend, daß sich jemand solch ein Geschreibse erlauben kann. Vor einigen Monaten sah ich eine Folge aus dem »Siebten Sinn«, einer Verkehrsinformationssendung, die in den 70er Jahren im Ersten fünf Minuten lang vor dem Freitagsabend-Krimi lief. Die betreffende Folge bat Männer um Verständnis, wenn sie Frauen am Steuer sahen und rief zu toleranter Rücksichtnahme auf. Realsatire at it’s best!

Vielleicht denkt in 20 oder 30 Jahren mal jemand Ähnliches über die ZDF-Meldung.

Liebe bei ZEIT Online

Datenpanne? Was für eine Panne?

Die Norweger sind geschockt: Das Osloer Steueramt hat die komplette Liste aller 3,9 Millionen Steuerzahler mit Personennummer, Namen, Einkommen und Steuersatz auf CDs hochoffiziell an Medien geschickt.

zum Artikel beim ZDF

Big Brother lacht sich tot!

Mittwoch, 17. September 2008

Real existierender Kapitalismus vor der Haustür 2

Vor einiger Zeit habe ich über den Versuch der Firma Boehringer berichtet, in einem Wohngebiet in Kirchrode/Hannover ein Forschungsinstitut zu errichten zur Herstellung von Impfstoffen wie den Versuch verschiedener Bürger und Gruppierungen, dies zu verhindern.
Sogenannte »Informationsveranstaltungen«, organisiert durch die Stadt Hannover, die Tierärztliche Hochschule und Boehringer waren nichts anderes als Versuche, kritische Fragen durch gebetsmühlenartig wiederholte Allgemeinplätze abzuwürgen. Nur, die Kirchröder sind ein eigenes Völkchen und werden ziemlich stinkig, wenn man an ihren Fragen vorbeizuantworten versucht. So war bei sämtlichen Veranstaltungen ein hoher Adrenalinspiegel garantiert. Und als Zuhörer konnte man einige Gesichtsverluste daherlabernder Dumpfbacken mit Freude zur Kenntnis nehmen.
Der Rentner, der sich damals in seinem Lebenswerk aufhängen wollte, ist inzwischen mit viel Boehringer-Geld vom Suizid abgehalten worden.
Letztlich ging es darum, ob die Jakobi-Kirchengemeinde, der ein großer Teil des für den Bau benötigten Geländes gehört, dem Verkauf an Boehringer zustimmt. Um ihre Bedenken vorzutragen, wurde im Juni 2008 von mehr als einhundert Gemeindemitgliedern die Einberufung einer Gemeindeversammlung beantragt. Diese fand jetzt gerade am 14. September mit großem Getöse statt. Vier Tage vorher hatte der Kirchenvorstand der Gemeinde mit Zustimmung der Landeskirche den Vertrag mit Boehringer unterschrieben. Ein höheres Kaufgebot von Bewohnern des Stadtteils war unberücksichtigt geblieben.

Artikel bei der HAZ, die Arbeit mit böswilligen Unterstellungen darf hier auch nicht unerwähnt bleiben (Artikel bei der HAZ)
bei der Neuen Presse
beim CDU-Ortsverein (auf die nächsten Wahlergebnisse bin ich gespannt)

Nähende Heuschrecken

Manchmal denke ich, es bringt mehr, Georg Schramm (jetzt in »Neues aus der Anstalt«) zuzuhören als die Tagesschau zu sehen:
Vor einigen Wochen mußte (?) die IKB-Bank mit einigen hundert Millionen Euro Steuergeldern gestützt werden, da sie durch die amerikanische Bankenkrise ins Trudeln gekommen war.
Vor wenigen Tagen nun wurde sie an Lone Star verkauft. Eingefädelt hat das Geschäft angeblich Friedrich Merz.

– zur ZDF-Seite
– direkt zur ganzen Sendung

Die Folgetermine für die 17. Folge vom 16. September 2008:
  • 3sat
    30. September 2008, 00.45 Uhr
  • ZDFinfokanal
    20. September 2008, 21.30 Uhr
    27. September 2008, 21.30 Uhr
  • ZDFtheaterkanal
    1. Oktober 2008, 19.40 Uhr
– über die dubiose Rolle der Deutschen Bank beim IKB-Absturz (ARD Monitor 577 vom 24.4.08)
– Sammlung kritischer Artikel über den IKB-Verkauf als PDF-Datei zum Download

ältere Posts zur Finanzkrise:

– Finanzkrise, die nächste (27.02.08)
– Finanzkrise, erst der Anfang (23.02.08)

Übersichtspost vom Januar zum Raubtierkapitalismus, mit verschiedenen weiterführenden Links


Links zu Artikeln über Friedrich Merz:

– bei Mein Parteibuch
– bei der Süddeutschen (Schily rechtfertigt sich unter Hinweis auf Merz)
– bei Netzpolitik (Merz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung)
– bei der Welt (Merz’ Nebentätigkeiten bringen über 50.000 EUR im Jahr, naja!)
– bei Deutsche Wordpress (wieder über Nebentätigkeiten)
– bei Telepolis (der wohl fundierteste Artikel über seine Nebentätigkeiten)
– Geplänkel bei Abgeordnetenwatch

Und nicht vergessen: Bertelsmann ist auch noch da! Zum Strategiepapier (aus dem Jahr 2006), zum direkten Download als pdf-Datei. Bertelsmann in der Diskussion (bei diegesellschafter.de)


Montag, 15. September 2008

Rekordwirkungsgrad für Solarzellen

Mit einem Wirkungsgrad von 37,6 Prozent wandelten Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme ISE in Freiburg Sonnenlicht in elektrischen Strom um. Die Forscher schafften damit einen Europarekord. Das Ergebnis wurde auf der Basis sogenannter Mehrfachsolarzellen aus III-V-Halbleitern erzielt. Das sind Solarzellen, die bislang hauptsächlich im Weltraum eingesetzt wurden. Neue technische Entwicklungen erlauben nun auch den kosteneffizienten Einsatz derartiger Solarzellen auf der Erde. Hierfür wird das Sonnenlicht bis zu 2000-fach auf eine nur wenige Quadratmillimeter große Mehrfachsolarzelle gebündelt. Die Konzentrator-Technologie verspricht schon in naher Zukunft die Kosten der Stromerzeugung aus Sonnenlicht deutlich zu senken, insbesondere in Ländern mit viel direkter Sonneneinstrahlung.

Publik-Forum Nr. 14•2008

Man unterscheidet zwischen Sonnenkollektoren (verwendet in thermischen Solaranlagen), die meist (Heiz-)Wasser aufheizen und Solarmodulen (verwendet in Photovoltaikanlagen), die die Lichtenergie in Strom umwandeln. Für den Privatgebrauch sind meist thermische Solaranlagen attraktiver, da deren Wirkungsgrad bei 60-75% liegt. Noch 2006 wurde in einem Telepolis-Artikel der damals gültige Weltrekord bei Solarmodulen mit 24,7% angegeben.
Wie da Handelsblatt Ende August berichtete, bringt die Firma Concentrix solar nun Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von über 36% auf den Markt. Dieser Wirkungsgrad wird durch die Verwendung von Linsen erreicht, die das einfallende Licht auf bestimmte Punkte bündeln.
Seit einiger Zeit existieren auch Hybridkollektoren, die beide Techniken verbinden und sowohl Licht in Wärme wie auch in Strom umwandeln. Inzwischen gibt es auch Solar-Dachschindeln. Man darf also weiter gespannt sein…

Samstag, 13. September 2008

Benedikt und die Götzen

Benedikt hat in Frankreich vor den Götzen der heutigen Zeit gewarnt. Er rief nachdrücklich dazu auf, »die Götzen der heutigen Zeit zu durchschauen, ›die den Menschen von seinem wahren Ziel abhalten, von der Freude des ewigen Lebens mit Gott‹. Idole und ihre Anbetung hielten den Gläubigen von der Wirklichkeit fern, sagte Benedikt. Er sprach von der Versuchung, die Vergangenheit zu schönen und dabei ihre Mängel zu vergessen, oder auch von der fernen Zukunft zu schwärmen in der Annahme, ›dass der Mensch, allein durch seine Bemühungen, das Königreich der ewigen Freude auf Erden bauen kann‹.« (heute-Nachrichten vom 13.9.08)

Es ist schon so eine Sache mit dem Benedikt. Man hat ihm ja vorgeworfen, mehr ein Papst für den Kopf denn für das Herz zu sein. (Aus dem Jahr 2005 gibt’s zu diesem Konfliktfeld – wieder mal ein Feld, damit die Fernwirkung vermieden werden kann – einen sehr nachdenkens- oder herzenswerten Artikel des Berliner Tagesspiegels: Habermas papam.) Aber wenn er der erste Papst ist, den ich überhaupt des Sich-an-ihm-Reibens für wert erachte, finde ich, ist der Kopf – in diesem Fall sein Kopf – nicht der Schlechteste. Wenn ich jetzt mal über den Ausdruck »Freude des ewigen Lebens mit Gott« nicht nachdenke und einfach so tue, als ob das das wär’, was ich auch gut finde (ich werde das jetzt hier nicht weiter ausbreiten, da hat der olle Benedikt ja ein paar tausend Jahre Religionsphilosophie hinter sich, da kann und will ich nicht gegenhalten), dann kann ich dem, was er sagt nur aus vollem Herzen (und Kopf), zustimmen. Tote Meister, meinte mal Osho, sind praktisch, die können sich nicht wehren. Und daß Idole eher was sind, wo wir unsere Sehnsüchte drauf projizieren, dürfte nach ein wenig Anstrengung (im Kopf, da läßt uns leider das Herz im Stich) klar sein. Eins dieser Idole – und da wir ja grad die 68er und ihre gesellschaftliche Relevanz zelebrieren, kommt mir grad ein 68er Idol sehr recht – wird grad in der ZEIT entzaubert (wie die Worte wieder so passen!): Che! Und dabei ist es mir wichtig: nichts gegen das Herz. Und daß (also in den 60ern) damals auch Herz gefehlt hat, zeigt ein Artikel von Peter Roos bei ZEIT Online. Und jetzt die ketzerische Frage (wir haben ja mit Benedikt angefangen): Gibt’s lebensrettende Musik? Das Kaufverhalten fördernde Musik gibt’s, das hören wir in jedem Supermarkt. Und Paul McCartney, der das angeblich überhaupt nicht mag, ist inzwischen auch mit dabei (also bei der verkaufsfördernden Musik). Aber lebensrettend? Damals war anscheinend eine für viele Menschen existentielle Zeit, und das ist der Unterschied zu heute: heute gibt’s keine lebensrettende Musik mehr. Aber egal ob jetzt damals oder heute: die Leute brauchen Idole, um ihr Herz dran zu hängen. Anscheinend sind sie dann erst bei sich, wenn sie nicht mehr bei sich sind, bzw. kommen sie zu sich, wenn sie ihr Herz irgendwo drangehängt haben. Vielleicht kann ja dann der Kopf helfen, wieder zurück zu kommen. Wenn man bei sich ist…
Manche bleiben dann. Wahrscheinlich, weil’s da besser ist und weil sie das Hiersein dann besser aushalten können, wenn sie weg sind. Auch Christoph Schlingensief denkt über Gott nach und ob er ihn vielleicht schon längst verlassen hat (also Christoph Gott), und vielleicht war ja Gott einsam, daß er Christoph dafür mit Krebs bestraft hat (also ein alttestamentarisch eifersüchtig-strafender Gott). Dabei braucht man gar nichts tun (Wu Wei! waaaaaaau! aua!! [siehe das fünfte Stück auf der ersten Seite – damals hatten die Platten noch zwei Seiten – Todd-Rundgren-Platte von 1978] Oh!). Vielleicht kommt das mit dem Nicht-Tun irgendwann raus: das ist kein altchinesisches Prinzip, das hat Helmut Kohl erfunden und es wird – abgesehen von einzelnen Schröderschen Agenda-Störungen – seit den 80er Jahren in der deutschen Politik konsequent umgesetzt.

Also Leute, hängt Eure Herzen an Götzen und Idole, Ihr braucht das und macht es sowieso. Aber dann benutzt Euren Verstand und kommt wieder zurück.

»Er sprach von der Versuchung, die Vergangenheit zu schönen und dabei ihre Mängel zu vergessen, oder auch von der fernen Zukunft zu schwärmen in der Annahme, ›dass der Mensch, allein durch seine Bemühungen, das Königreich der ewigen Freude auf Erden bauen kann‹.«

Sie die Vergangenheit hätten wir hinter uns, dann zu unseren Bemühungen um die Zukunft: Von Saint-Exupéry gibt es den Herz-erquickenden Spruch:

Wenn Du ein Schiff bauen willst,
dann rufe nicht die Menschen zusammen,
um Holz zu sammeln,
Aufgaben zu verteilen
und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre sie die Sehnsucht
nach dem großen, weiten Meer.

Daß der arme Antoine sein Leben lang nicht von seiner Mama weggekommen ist, spielt in diesem Zusammenhang schon eine Rolle. Wer ist wohl die eifersüchtige Rose (im Kleinen Prinzen) auf seinem Heimatplaneten, die ihn mit ihrer Eitelkeit quält? (»Man darf den Blumen nicht zuhören, man muss sie anschauen und einatmen.«) Wenn Antoine meint: »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, begibt er sich auf die Ebene unserer alltäglichen Sprachverwirrung. Und seinen Ratschlag für den Schiffbau finde ich erschreckend defizitär. Nach Wikipedia-Angaben hat Maos großer Sprung 20 bis 40 Millionen Menschenleben gefordert. Da lobe ich mir doch eine ordentliche Arbeitsanweisung!

Also Leute, seid begeistert, tut Euer Bestes, aber prüft Euer Herz und prüft Euren Kopf (da sind nur alte Gedanken drin) und prüft Eure Sicht der Dinge.
Und um nochmal ein bißchen Durcheinander reinzubringen (über Wittgenstein habe ich vor kurzem was geschrieben):

Jeder Weg ist nur ein Weg
und es ist kein Verstoß gegen sich selbst oder andere,
ihn aufzugeben, wenn dein Herz es dir befiehlt ...
Sieh dir jeden Weg scharf und genau an.
Versuche ihn so oft wie nötig.
Dann frage dich, nur dich allein: ... Ist es ein Weg mit Herz?
Wenn ja, dann ist es ein guter Weg;
wenn nicht, ist er nutzlos.

Carlos Castaneda (1925-1998)
(Juan Matus in »Die Lehren des Don Juan«)

Und noch ein Letztes: Der liebe Gott hat uns aus dem Paradies rausgeschmissen. (Und das hat sehr wohl einen Sinn gehabt.) Glaubt Ihr wirklich, er läßt uns ein Königreich der ewigen Freude bauen? Also Benedikt, weiter so!

Freitag, 12. September 2008

Fernsehtips – nicht verpassen

Die Grafik "http://www.langenau.de/de/10_kultur/10.02_pfleghof/images/i_hagen_rether_gross.jpg" kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.

Dienstag, 16. September, 22:15 h im ZDF: Neues aus der Anstalt, diesmal auch dabei: Hagen Rether




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Donnerstag, 18. September, 22:00 h auf VOX: Ausnahmezustand



Donnerstag, 11. September 2008

Mannsbilder und Weibsbilder

Die ZEIT gibt Literaturempfehlungen für Jungs und Mädchen.

Zu den Empfehlungen für Mädchen (»Tolle Frauen«) gehören unter anderem:
– Lolita, eine Zwölfjährige, die nach dem Tod ihrer Mutter ihren Stiefvater verführt und sich von ihm für Sex bezahlen läßt,
– Ja’ara, die einem unnahbaren Egomanen verfällt und ihren Mann verläßt, um sich vom Liebhaber demütigen zu lassen,
– die schöne, reiche, dominante und vermeintlich liebesunfähige Wanda, die ihren Liebhaber nach allen Regeln der Kunst quält,
– die durch eine Hetzkampagne eines Reporters fertiggemachte Katharina, die den Reporter schließlich erschießt,
– die Alkoholikerin Martha, die ihren Mann für einen unfähigen Verlierer hält und versucht, sich an dessen neuem, verheirateten Kollegen gütlich zu tun,
– Pippi, bärenstark und Papa immer weg,
– Madame Bovary, die von ihrem Mann gelangweilt ist, ihn verläßt und sich durch Kaufräusche und Luxus zu betäuben sucht und, nachdem ihr kein Mann hilft, sich vergiftet,
– Rosy, die, wenn sie nicht grad auf einer Sexmesse als Auspeitscherin arbeitet, sich unter anderem zwischen Paaren selbstverwirklicht und dort ungefragt aber kräftig im Liebesspiel – nicht immer unter dem Beifall ihrer Geschlechtsgenossinnen – mitmischt.
[Quelle: Carsten Klook, Literarische Vorbilder: Nicht nur für Mädchen!, ZON, 08.09.2008]


Zu den Empfehlungen für Jungen (»Super-Typen«) gehören:
– Holden, an den emotional keiner rankommt und der alles verwirft, was erwachsen ist,
– die lebens- und genußsüchtigen Sal und Dean, die Autos klauen, Drogen nehmen und dem bürgerlichen Leben zu entfliehen suchen, [Wie hieß das bei Walt Disney’s Herbie auf dem Parkplatz vor dem Schnellimbiß: "Hier kommt keiner raus, Baby!"]
– Bowling, ein Versicherungsagent, der vor seiner nörgelnden Frau und seinen Kindern flüchtet und der seiner durchschnittlichen Existenz durch die Rückkehr zu seiner Kindheit zu entkommen sucht,
– Werther, ein klassisch verfahrener Tagträumer, der ohne Lebensplan herumhüpft, sich einzig und allein seiner Flamme, der verlobten Lotte mit den schwarzen Augen hingeben will und sich zum Schluß umbringt,
– Felix, ein Dieb, Zuhälter und Hochstapler, Prototyp des superluxuriösen Aufschneiders mit Großmannssucht,
– Mersault, ein emotional unbeteiligt erscheinender, zum Toder verurteilter Mörder,
– Tom und Huck, zwei Lausbuben, die ohne Eltern großwerden und dann einen Schatz finden,
– Oskar, der keinesfalls erwachsen werden will und das eine Zeit lang auch schafft,
– ein Kauz, der als einer der ganz wenigen eine Katastrophe überlebt hat, beim Waldspaziergang beinahe erschossen wird, die Angreiferin aber überrumpelt, eine Zeit lang mit ihr zusammen lebt und dann von ihr verlassen wird,
– Yossarian, der vergeblich versucht, verrückt zu spielen, um seinem Schicksal zu entkommen.
[Quelle: Carsten Klook, Literarische Vorbilder : Jungs, lest mal hier!, ZON, 08.09.2008]


Ein Hoch auf die Vorbilder, weiter braucht man wohl nichts zu zu sagen… "Jodl!"

Sitzen zwei Japaner auf der Zugspitze. Dem einen fällt das Radio in die Tiefe, und so ruft er seinem erfahrenen Kumpel zu: "Hol die Ladio, hol die Ladio…" Der antwortet: "Hol du die Ladio!"

… und noch nicht mal auf Konfuzius ist mehr Verlass… {jedenfalls bei der ZEIT}

Die Olympiade - Ein Fest der Lügen

Von Jamyang Norbu

Jetzt, wo sich die olympischen Spiele dem Ende nähern, gibt es wohl nur wenige Menschen auf der ganzen Welt, die von all den Lügen, Täuschungen, Betrügereien, Manipulationen, all den Kontrollmaßnahmen und den Grausamkeiten, die sich die chinesische Regierung während der olympischen Spiele zuschulden hat kommen lassen, gar nichts gehört oder gelesen hätten oder sie sogar selbst bezeugen könnten. Tatsächlich hat es derart viele dieser Vorkommnisse gegeben, daß es sich lohnt, sie einmal aufzulisten, denn ich bin sicher, daß viele Leute das eine oder andere oder gar mehrere übersehen oder vergessen haben, falls sie ihnen anfänglich aufgefallen sein sollten.
Zunächst einmal wären da die spektakulären, computergenerierten riesigen „Spuren des Feuerwerks“, die bei der durchs Fernsehen übertragenen Eröffnungszeremonie „angefügt“ wurden.
Wußten Sie, daß die eintausend oder mehr Trommler, die während der Zeremonie en masse auftraten, alle Soldaten der Volksbefreiungsarmee oder Angehörige der bewaffneten Volkspolizei waren? Solche, die gerade turnusmäßig ausgetauscht waren und vielleicht noch kurz zuvor Menschen in Tibet oder Ost-Turkestan gefoltert oder erschossen haben?
Dann gab es da die allzu flotte 9jährige Lin Miaoke, die die „Ode an das Mutterland“ vorzutragen schien, obwohl sie in Wirklichkeit nur die Lippen zu einer Aufnahme des Gesanges eines anderen Mädchens bewegte, das als weniger attraktiv eingestuft worden war, nämlich der 7jährigen Yang Peiy. Falls der echte Panchen Lama (der sich unter Hausarrest in Beijing befindet) dies im Fernsehen verfolgt haben sollte, könnte er eine Art Déjà-Vu-Erlebnis gehabt haben.
Ai Weiwei, der ursprünglich den Plan für das Vogelnest-Stadion entworfen hat und einer der seltenen chinesischen Künstler oder Intellektuellen von Format ist, die noch eine eigene Meinung bewahrt haben, kommentierte: „Die Zeremonie täuschte ihre 600 Millionen Zuschauer und demütigte sie“. Noch 2007 hatte er Zhang Yimou und Steven Spiegel für ihre Choreographie der Eröffnungszeremonie kritisiert und ihnen vorgeworfen, sie würden ihrer Verantwortung als Künstler nicht gerecht werden.
Ein weiterer Programmpunkt in der Eröffnungszeremonie war eine Prozession von Kindern, die eine große chinesische Flagge ins Stadion trugen, wobei jedes der kostümierten Kinder für eine der ethnischen Minderheiten der Volksrepublik China (VRC) stand. Die Kinder waren aber alle Chinesen. Die Kinder der Minderheiten wurden vermutlich für zu barbarisch oder als potentielle Störfaktoren bei dieser großen Aufgabe betrachtet. Eines von ihnen hätte ja „Freiheit für Tibet“ rufen können.
Der Grund könnte ja auch der gewesen sein, daß es einfach keine Angehörigen von „Minderheiten“ mehr in Beijing gab. Wir wissen, daß beinahe jeder Uighure und jeder Tibeter aus der Stadt verbannt wurde, nicht nur Studenten und Besucher, sondern sogar die arme Amala, die Flitterkram an der U-Bahn-Station verkaufte. Tsering Shakyas Nichte, Dechen Pemba, wurde ebenfalls ausgewiesen, obgleich sie britischer Nationalität ist und sowohl ein Visum als auch einen Wohnberechtigungsschein besaß. Wir wissen außerdem, daß Wanderarbeiter, Beschwerdeführer von außerhalb der Stadt und viele andere Bürger die Hauptstadt unter Zwang verlassen mußten. Aber machen wir davon mal kein so großes Aufhebens, denn schließlich wurde das Visum für Joey Cheek, einem Eisschnelläufer, Goldmedaillengewinner und Menschenrechtsaktivisten, widerrufen, bloß weil er sich gegen den Völkermord in Darfur ausgesprochen hatte. Wenn nicht einmal Goldmedaillen-Gewinner zu den Olympischen Spielen reisen dürfen, wer darf es dann?
Wo wir schon von Aktivisten sprechen, sollten wir natürlich erwähnen, daß der chinesische Menschenrechtsaktivist Zeng Jinyan am Vorabend der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele einfach aus Beijing verschwand. Einige weitere chinesische Menschenrechtsaktivisten scheint das gleiche Schicksal ereilt zu haben, darunter auch den Anwalt Ji Sizun. Eine Freundin behauptete, sogar dasTelefonkabel in ihrem Appartement sei abgeklemmt worden. Sie sind verschwunden, einfach so. Wie die desaparecidos [die Verschwundenen] in Südamerika in den 70er Jahren.
Laut „Reporter ohne Grenzen“ wurden während der Olympischen Spiele 22 Journalisten angegriffen oder festgenommen. Mindestens 50 Menschenrechtsaktivisten wurden verhaftet und schikaniert oder gezwungen, Peking zu verlassen.
Alle Krankenhäuser in Beijing wurden angewiesen, ihre psychiatrischen Stationen abzuriegeln. Den Patienten wurde verboten, die Gebäude während der Spiele zu verlassen. Die Behörden haben dies vermutlich aus kosmetischen Gründen getan. Dem Reporter von New York Times fiel auf, daß es gar keine alten Leute auf den Straßen Beijings gab. Dies könnte auf Sicherheitsgründe zurückzuführen sein, da mehrere Hundert (vielleicht sogar Tausende) von Dissidenten, Mitgliedern unabhängiger Arbeiterorganisationen, Anhängern der Falun-Gong-Bewegung und andere Personen in spezielle staatliche psychiatrische Institutionen eingewiesen wurden, die „Ankang“ genannt werden. In diesen Anstalten müssen sie nach Meldungen von Human Rights Watch Medikamente einnehmen, werden mit Elektroschocks traktiert, und es werden unter Umständen psychochirurgische Eingriffe, möglicherweise sogar die präfrontale Lobotomie, an ihnen vorgenommen – alles, um sie von ihrem „antisozialen Verhalten“ zu „kurieren“.

Der zweite Teil folgt morgen, der gesamte Artikel steht übersetzt auf unserer Website unter: http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2008/JN_Luegenfest.html
Der Originalessay, sowie andere Essays dieses Autors steht auf seiner Website: http://www.jamyangnorbu.com/
Übersetzung: Melanie Pelka, Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Arbeitsgruppe München
www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html

Dienstag, 9. September 2008

„Global Sexual Wellbeing Survey“

… heißt die vom Kondomhersteller Durex in Auftrag gegebene Studie zur allgemeinen sexuellen Zufriedenheit auf dem Globus. Mehr als 26 000 Menschen in 26 Ländern nahmen an dieser bisher größten Umfrage zu diesem Thema teil. Hier einige Ergebnisse: Nur 44 Prozent der weltweit Befragten gaben an, mit ihrem Sexleben zufrieden zu sein. Frauen sind grundsätzlich etwas zufriedener als Männer (46 zu 43 Prozent) Am zufriedensten sind die Liebenden in Nigeria (67 Prozent), Mexiko (63 Prozent) und Indien (61 Prozent). Die Deutschen befinden sich mit 38 Prozent im hinteren Mittelfeld – aber immer noch deutlich vor den Franzosen (!) mit noch bescheideneren 25 Prozent an sexuell Zufriedenen. Unterboten werden diese nur noch von den Japanern mit 15 Prozent. Am meisten Zeit Ihr die weltschönste Sache zu zweit gönnt man sich in Afrika: 24 Minuten nehmen sich die Nigerianer für sexuelle Intimitäten. Auch die Griechen (22,3 Minuten) und Mexikaner (22,1) lassen sich Zeit. Die Deutschen gestatten sich immerhin knapp 18 Minuten und liegen damit ungefähr gleichauf mit den USA und Australien. Der Inder mag es hingegen schnell und wendet sich bereits nach 13,2 Minuten anderen Dingen zu.
aus der Osho-Times vom Juli 2008

Im Dorf Kicaköy im Süden der Türkei läuft im Moment gar nichts …

Vielleicht machen’s unsere Kinder ja mal besser, vorausgesetzt, es gibt keinen Wassermangel.

„Simple living“

… so der ironische Titel der Kampagne. mit der die 26ährige dänische Designerin Nadja Plesner auf den Völkermord in Darfur aufmerksam machen will. Die Idee kam ihr im letzten Sommer, als sich die Medien über die Verhaftung des Partygirls Paris Hilton überschlugen. „Mir stieß auf, wie viel darüber berichtet wurde und wie wenig über das Sterben in Darfur.“

So beschloss sie eine Kampagne durchzuführen, die „mit den Stilmitteln, die offensichtlich in der Modewelt wirken – kleine, hässliche Hunde und große Designertasche – den Blick auf die Katastrophe in Darfur zu lenken.“ Sie entwarf ein T-Shirt mit einem kleinen, nackten Afrikanerjungen mit einem Chihuahua im einen Arm und einer enormen Modetasche über dem anderen. Dass das Design der Tasche auffällig den Modellen Louis Vuittons gleicht, löste bei den Modezaren keine Freude aus. Sie forderten Plesner auf, ihre Entwürfe zurückzuziehen, und drohten mit täglichen Bußgeldern von 15 000 Euro. Die Designerin ließ sich nicht einschüchtern und machte mit einem leicht abgewandelten Taschenmodell weiter. Mit Erfolg. Nach dem Clinch mit Louis Vuitton verkauften sich die T-Shirts und Poster so gut, dass Plessner der humanitären Organisation „Divest for Darfur“ schon 20 000 Euro Überschuss überweisen konnte. www.nadiaplesner.com
aus der Osho-Times vom Juli 2008