Mittwoch, 30. September 2015

Der Ukraine-Konflikt – Aktuelles, Teil 4

August 2015: 
Poroschenkos Spiel mit dem Minsker Abkommen (Florian Rötzer, Telepolis, 31.08.2015)
Mit der Rückendeckung der USA läuft der vereinbarte politische Prozess auf ein absehbares Fiasko oder auf einen gefrorenen Konflikt zu

Der ukrainische Präsident Poroschenko spielt offenbar die westlichen Regierungen gegeneinander aus. Das fällt nicht schwer, weil auf der einen Seite die USA mit Großbritannien sowie den osteuropäischen und baltischen EU-Staaten stehen und auf der anderen Seite vor allem Frankreich und Deutschland. Im so genannten Normandieformat hatten beide Staaten mit Russland und der Ukraine das Minsker Abkommen ausgehandelt, das neben dem von der OSZE kontrollierten Waffenstillstand, einem Gefangenenaustausch und dem Rückzug schwerer Waffe von der Kampflinie einen vorübergehenden Sonderstatus für die beiden separatistischen Volksrepubliken, lokale Wahlen nach ukrainischem Recht, die Kontrolle der Grenze zu Russland, den Rückzug fremder Kämpfer sowie eine Amnestie vorsah.

mein Kommentar:
Angesichts der geopolitischen Lage bin ich davon überzeugt, daß die USA ein Interesse an einer schwärenden Wunde in Russlands Flanke haben, die ständige Aufmerksamkeit und ständigen Energieaufwand erfordert. Angesichts der Lasten, die die Europäer für das strategische Spiel der USA zu tragen haben, ist die Frage, wie lange sich die Europäer noch vor den US-amerikanischen Karren spannen lassen.

Ukraine: IWF stellt Pseudo-Schuldentragfähigkeit her (Ralf Streck, Telepolis, 27.08.2015)
Unter Druck des IWF werden 3,8 Milliarden US-Dollar an Schulden von privaten Gläubigern abgeschrieben, damit neue 40 Milliarden fließen können

Es hatte sich angedeutet, dass es Ende August eine Einigung auf irgendeinen Schuldenschnitt geben würde, um die Pleite der Ukraine nicht offensichtlich werden zu lassen (Showdown vor der Ukraine-Pleite?). Entsprechenden Druck hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) gemacht. Zudem muss am Sonntag das Land Zinsen in Höhe von 60 Millionen US-Dollar auf eine Auslandsanleihe begleichen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass nun gerade noch rechtzeitig eine Einigung erzielt wurde, die nun von der ukrainischen Finanzministerin Natalia Jaresko angekündigt wurde. Sie hatte zuletzt mit einem Schuldenmoratorium gedroht, wenn es keine Einigung gäbe.

mein Kommentar:
Was ich immer sage: Wir finanzieren mit unseren Krediten den Krieg, den die West- gegen die Ost-ukraine führt, mit. Wozu soll der Osten verhandeln, wenn er Geld für Waffen kriegt?

- Ukrainer drücken sich zunehmend vor der Rekrutierung (Florian Rötzer, Telepolis, 20.08.2015)
Regierung in Kiew verliert an Rückhalt, der Patriotismus schwindet
Während Teile der ukrainischen Regierung und die Separatisten die Kriegsstimmung schüren und die verstärkten Kampfhandlungen den Waffenstillstand immer weiter zur Makulatur werden lassen, scheint der Patriotismus in der Ukraine zu schrumpfen. Wie das bei den Separatisten ist, lässt sich nicht eruieren, hier erfährt man auch nicht die Zahl der getöteten und verletzten Milizen.


Steinmeier: Situation in der Ukraine ist "explosiv" (Florian Rötzer, Telepolis  16.08.2015)
Separatisten verlangen nach Zunahme der Kampfhandlungen schnelles Eingreifen der Normandie-Gruppe, um das Ausbrechen eines vollen Kriegs zu verhindern
Die Situation in der Ukraine ist völlig verfahren. Die Kampfhandlungen von beiden Seiten nehmen zu, Separatisten und ukrainisches Militär werfen sich gegenseitig Verletzungen des Waffenstillstands vor. Das Minsker Abkommen ist schon lange zu einem Papiertiger geworden, da in den entscheidenden Fragen zum vereinbarten Sonderstatus der "Volksrepubliken" keine Fortschritte mehr erzielt werden. Auch der nach monatelangen Verhandlungen für das Wochenende vereinbarte Austausch von jeweils 13 Kriegsgefangenen kam nicht zustande und musste verschoben werden.

Am Freitag erklärte der Sprecher deutschen Auswärtigen Amts: "Wir beobachten diese erneute Eskalation und auch den von der OSZE beobachteten Einsatz schwerer Waffen mit allergrößter Sorge. Der wiederholte Bruch der in Minsk vereinbarten Waffenruhe ist aus unserer Sicht ein Spiel mit dem Feuer, denn mit jedem Schuss wird der ohnehin schwierige politische Prozess noch schwieriger. Wir erwarten deshalb, dass man sich in Moskau, aber auch in Kiew über die potentiellen Gefahren dieser Lage im Klaren ist, setzen darauf, dass die Kampfhandlungen umgehend eingestellt werden und rufen beide Seiten dazu auf, zu der in Minsk vereinbarten Waffenruhe zurückzukehren."

Außenminister Steinmeier äußerte gleichfalls "allergrößte Sorge" in einem Telefongespräch mit dem russischen Außenminister Lawrow, der Bild am Sonntag gegenübver sagte er, die Lage sei "explosiv". Während in Kiew die Meinung vertreten wird, dass die "Volksrepubliken" einen Angriff starten, erklären die Verantwortlichen von diesen, Kiew würde sich auf einen Angriff vorbereiten. Unterstützt werden sie von russischen Experten, die sagen, Poroschenko arbeite mit den Amerikanern zusammen eine militärische Lösung des Konflikts aus. In dem Gespräch mit Steinmeier haben sich die beiden Außenminister "für die baldigste Umsetzung der im 'Normandie-Format' vereinbarten Maßnahmen zur Demilitarisierung von Schirokino und zum Abzug der schweren Waffen ausgesprochen. Von russischer Seite wurde Besorgnis über die nicht konstruktive Herangehensweise Kiews an die Umsetzung der genannten Maßnahmen geäußert", berichten russische Medien.


Das Sanktionsspiel zwischen der EU und Russland (Florian Rötzer, Telepolis  14.08.2015)
Moskau verlängert und erweitert die Importverbote, die EU verlängert und verstärkt die Hilfsmaßnahmen, die wirtschaftlichen Folgen für die EU sind umstritten

Das Sanktionsspiel dreht sich weiter, ohne dass Bedingungen zu sehen wären, aus ihm aussteigen zu können. Die EU und der Westen haben Sanktionen gegen Russland verhängt, Moskau reagiert im August des letzten Jahres mit Gegensanktionen, die nun um ein weiteres Jahr verlängert wurden. Auch Albanien, Montenegro, Liechtenstein und Island, die sich den EU-Sanktionen angeschlossen haben, wurden nun auf die Liste der Länder gesetzt, gegen die Importverbote von Lebensmitteln ausgesprochen wurden.


Geheimniskrämerei um MH17 (Florian Rötzer, Telepolis  14.08.2015)
Niederländische Regierung weigert sich, Dokumente über den Absturz zu veröffentlichen

Journalisten von RTL News haben die niederländische Regierung nach dem Gesetz für Informationsfreiheit aufgefordert, möglichst alle Informationen über die Handlungen der niederländischen Regierung nach dem Absturz zu veröffentlichen.


- Steht die Ukraine wieder vor dem vollen Ausbruch des Kriegs? (Florian Rötzer, Telepolis  11.08.2015)
Die Kämpfe verstärken sich, finanziell und innenpolitisch versinkt das Land im Chaos, Verschwörungstheoren der Regierung blühen auf

Die USA werden der Ukraine weitere 500 Millionen US-Dollar Militärhilfe für die Ausbildung von Soldaten geben, wurde gestern von ukrainischen Medien berichtet und von russischen wiederholt. Derweilen gibt es Berichte, dass sich die Kämpfe verstärken, betroffen scheinen vor allem die Gegend um Mariupol und die Umgebung von Donezk wie in Shyrokyne zu sein. Wie üblich werfen sich beide Seiten den Bruch des Waffenstillstands vor, der mehr und mehr nur noch auf dem Papier steht.


- Showdown vor der Ukraine-Pleite? (Ralf Streck, 10.08.2015)
Eine "letzte Chance" soll es in den Verhandlungen mit Gläubigern am Mittwoch geben, sonst droht ein Schuldenmoratorium

Die Finanzministerin der Ukraine macht Druck in den Verhandlungen mit den Gläubigern, um über einen Schuldenschnitt die Staatspleite zu verhindern. Schon vergangene Woche hatte Natalija Jaresko im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ultimativ einen Schuldenschnitt gefordert. "Kiew möchte den Nennwert der Staatsanleihen um bis zu 40% reduzieren", denn nur so lasse sich die Schuldentragfähigkeit nach Angaben von Jaresko wieder herstellen. (Unterstützt vom Internationalen Währungsfonds (IWF) fordert das abstürzende Land eine Reduzierung der Schulden um 15,3 Milliarden US-Dollar.


- Estland: Warnung aus Russland (Jens Mattern, Telepolis, 10.08.2015)
Dem vermulich entführten estnischen Geheimdienstbeamten Kohver drohen in einem bislang undurchsichtigen Prozess bis zu 16 Jahre Haft

Der estnische Geheimdienstbeamte Eston Kohver, der im September 2014 von Kräften des russischen Geheimdiensts überwältigt wurde, sitzt noch immer in russischer Haft. Am 19. August soll das Urteil gefällt werden, die Staatsanwaltschaft von Pskov fordert 16 Jahre Haft.

Nach Angaben der Zeitung Postimees soll Kovher im Frühjahr 2014 von russischer Seite gemahnt worden sein, mit seinen Ermittlungen gegen den Schmuggel an der estnisch-russischen Grenze aufzuhören.


- Künstler bedrohen die nationale Sicherheit der Ukraine (Florian Rötzer, Telepolis, 08.08.2015)
Ukrainisches Kulturministerium veröffentlicht eine vom Geheimdienst SBU stammende Liste von gefährlichen Künstlern, unter denen sich mal wieder Gérard Depardieu befindet

Von der Freiheit der Kunst will man in der Ukraine nicht sprechen. Wer unter den Künstlern sich nicht der nationalen Ideologie konform verhält, kommt schon einmal auf eine Liste. Das Kulturministerium verwaltet diese, der Geheimdienst aber hat offenbar die Aufgabe, das Ausland, d.h. wohl primär Russland, im Auge zu behalten. So wurde gegen 115 Prominente ein mehrjähriges Einreiseverbot verhängt, weil sie sich "zugunsten der Verletzung der ukrainischen territorialen Integrität und Souveränität geäußert haben" (Gérard Depardieu: Eine Bedrohung für die Sicherheit der Ukraine).

Auf der Liste findet sich auch der französische Schauspieler und Putin-Freund Gérard Depardieu, der u.a. wegen der Reichensteuer seinen Wohnsitz in Frankreich abmeldete und inzwischen die russische Staatsbürgerschaft erlangt hat. Depardieu hat die Ehre, noch auf der zweiten Liste eingetragen zu sein, die wiederum der Geheimdienst zusammengestellt hat.


Saudi-Arabien und Ägypten wollen französische Mistral-Schiffe (Thomas Pany, Telepolis, 07.08.2015)
Nach einem Zeitungsbericht will der saudische König Salman eine Flotte aufbauen, um in Krisengebieten, wie in Libyen, eingreifen zu können
Russland kriegt sein Geld zurück, 1,2 Milliarden Euro, nachdem sich Frankreich entschlossen hatte, die beiden Mistral-Kriegsschiffe doch nicht zu liefern, hieß es vor zwei Tagen. Als klar wurde, dass das Mistral-Geschäft mit Russland nicht zustande kommt, wurde in der französischen Öffentlichkeit darüber spekuliert, was Frankreich mit den beiden Hubschrauber-, Panzer- und Mannschaftsträgerschiffen machen wolle; angedeutet wurde sogar, dass sie zerlegt werden könnten.

Zerlegt hat sich die Spekulation. Präsident Hollande war gestern Ehrengast as-Sisys bei der Einweihung des erweiterten Suezkanals und er brachte gute Nachrichten mit, wie heute unter Berufung auf informierte Kreise gemeldet wird: Ägypten und Saudi-Arabien wollen die beiden Schiffe kaufen.

Offiziell bestätigen wollte Hollande gestern nur, dass es keine Schwierigkeiten gebe, einen Abnehmer für die zwei in Frankreich gebauten Mistral-Schiffe zu finden. Die - mit Verweis auf die Ukraine-Krise - nicht zustande gekommene Auslieferung der Kriegsschiffe (vgl. Gegenwind für Frankreichs Rüstungsgeschäft mit Russland) habe eine gewisse Nachfrage von anderen Ländern zur Folge gehabt, darunter auch von Ägypten. Man werde mit diesem Land wie mit anderen Interessierten auch, erwähnt werden Kanada und Singapur, darüber sprechen.


Ukraine: Geschichtsunterricht mit Beigeschmack (Stefan Korinth, Telepolis, 07.08.2015)
In ukrainischen Lehrbüchern werden dunkle historische Kapitel aus patriotischen Gründen umgedeutet oder verschwiegen - Teil 1

Schon seit der Unabhängigkeit 1991 steht die nationale Identitätsbildung im Fokus des ukrainischen Bildungssystems. Über das Schulwesen versuchten die Regierungen, Nationalstolz und Heimatliebe in den heranwachsenden Generationen zu verwurzeln. Die Mächtigen des Landes wollten vor allem eine durchgängige Nationalgeschichte vermitteln, um das neue Staatswesen und die eigenen Machtansprüche zu legitimieren. Dazu werden bis heute bestimmte Ereignisse zu Nationalmythen ausstaffiert, während unschöne Teile der Geschichte weggelassen werden.
Eine positive Identifikation mit dem Heimatland oder gar bedingungslosen Nationalstolz im Schulunterricht zu vermitteln, ist beileibe nichts spezifisch Ukrainisches. Weltweit ließen sich Beispiele hierfür finden. Auch in der Ukraine selbst ist dies keine Erfindung der jetzigen Regierung unter Premierminister Arsenij Jazenjuk. Patriotismus im Unterricht zu fördern, hat in der unabhängigen Ukraine Tradition - unter anderen Vorzeichen auch schon in der Ukrainischen Sowjetrepublik.

Die Ukraine als junges Staatswesen musste sich von Beginn an ihrer selbst vergewissern. So wurde bereits Anfang der 1990er Jahre das Fach "Ukrainekunde" (Ukrainosnawstwo) ins Schulsystem integriert. Es ist ausdrücklich Zweck dieses Unterrichts, patriotische Gefühle und Nationalbewusstsein der Schüler zu entwickeln. In dem Fach werden Mädchen und Jungen über die besondere ukrainische Mentalität und das "Ukrainertum als kosmischer Erscheinung" informiert.

In einigen der genutzten Lehrbücher wird bspw. die Entstehung der ukrainischen Nation auf den biblischen Urvater Noah zurückgeführt oder die ukrainische Sprache aus dem alt-indischen Sanskrit hergeleitet. An anderer Stelle wird behauptet, Menschen könnten keine zwei Muttersprachen haben. Die polnische Forscherin Magdalena Telus, die Ende der 1990er Jahre ein Schulbuchprojekt u.a. zu ukrainischen Lehrbüchern leitete, warnte damals vor "alarmierenden Tendenzen" in dem Fach.[1]

Ganz praktisch ausgerichteten Patriotismus gibt es für die Klassen Zehn und Elf im Fach "Nationalverteidigung" - eine Art militärische Grundausbildung in der Schule. Hier lernen Schüler technische Waffendaten und militärische Ränge auswendig, üben marschieren oder das Zerlegen und Zusammensetzen von Kalaschnikows. Auch dieses Unterrichtsfach gibt es in der Ukraine schon seit Jahrzehnten. Die derzeitige Regierung will die Schulstunden nun aber noch realitätsnäher gestalten, indem sie die Schüler von zurückgekehrten Kämpfern der "Anti-Terror-Operation" unterrichten lässt.[2]


- Rechtsradikale Ukrainer bedrohen Oppositionelle (Florian Rötzer, Telepolis, 04.08.2015)
Verhindert werden soll, dass die Opposition sich zu den Lokalwahlen registrieren kann
Zwar wurde von kritischer Seite und vor allem von russischer aus Eigeninteresse heraus immer wieder herausgestellt, dass die Maidan-Proteste von Rechtsextremen unterwandert waren und diese auch die Übergangsregierung beeinflussten. Mittlerweile haben sich zwar viele auf Druck aus dem Westen, verstärkt durch das Minsker Abkommen, in die herrschenden Parteien und staatlichen Institutionen halbwegs integriert.

Aber es bleiben militante Reste wie der Rechte Sektor, der zahlenmäßig keine große Rolle spielt, aber mit seinen paar tausend bewaffneten Kämpfern und die Image aus der Maidanbewegung und dem Krieg in der Ostukraine offenbar mitsamt seinem Führer und Abgeordneten Dmitri Jarosch unantastbar ist. Selbst als nach einer Schießerei in Karpatien, Tausende von Kilometer von der Front in der Ostukraine entfernt, erst einmal wieder die Rufe nach einer Entwaffnung oder Eingliederung der bewaffneten Verbände des Rechten Sektors gemäß dem Minsker Abkommen ertönten, geschah nichts, abgesehen davon, dass der Rechte Sektor mit anderen militanten Gruppen Präsident Poroschenko und die Regierung zum Zurücktreten aufforderten und ein Referendum organisieren wollen. Es werden Unterschriften gesammelt.

Wer hinter den Morden oder Exekutionen an oppositionellen Politikern der ehemaligen Partei der Regionen und Journalisten steht, ist ebenso wenig bekannt, wie Verantwortliche für andere Gewalttaten, allen voran die Morde auf dem Maidan und das Massaker in Odessa, in die wohl auch rechtsradikale Kräfte verwickelt waren. Wie angespannt die Lage in dem Pleiteland ist, das nicht nur einen Krieg im Inneren führt und sich hochrüstet, sondern sich harten Sparmaßnahmen unterwerfen muss, während die Regierung kaum mehr einen Rückhalt in der Bevölkerung hat, zeigt ein Vorfall in Charkow.


- "In der Ukraine sehe ich in der nächsten Zeit keine Zukunft" (Jens Mattern, Telepolis, 01.08.2015)
Der nächstmögliche Westen: Ukrainer in Polen
Ein wenig ukrainische Akkordeonmusik dringt in den Übungsraum des "Ukrainischen Hauses" mit den rund zwanzig Eleven. Dmytro F. liest seine Hausaufgaben in polnischer Grammatik vor. Eigentlich studiert der Ukrainer hier in Warschau Betriebswirtschaft, doch sein Polnisch will er weiterhin verbessern und nutzt so den durch Stiftungen finanzierten Sprachunterricht. "In der Ukraine sehe ich in der nächsten Zeit keine Zukunft." Noch in diesem Jahr will er seinen Abschluss schaffen.

Polen ist für die Ukraine der "erreichbare Westen", die Sprache ist verwandt und die Lebenshaltungskosten sind nicht so hoch. Das Land gilt als die erste Möglichkeit, dem krisengeschüttelten Land zu entgehen, das mittlerweile anderthalb Millionen Binnenflüchtlinge bewältigen muss. Insgesamt 23.000 Ukrainer studieren in Polen, wie die polnischen Behörden Anfang April vermeldeten. Dies ist die Hälfte aller ausländischen Studenten an der Weichsel.


Juli 2015: 
Propaganda und Kriegsalltag in der Ost-Ukraine (Ulrich Heyden, Telepolis, 27.07.2015)Auf verschlungenen Wegen bezieht die Ukraine Steinkohle aus den "Volksrepubliken"
"Aufhören", schreit Sergej Anatolijewitsch. Nun sind die Presslufthämmer still und wir können uns unterhalten. Wir befinden uns in 750 Meter Tiefe im Schacht Cholodnaja Balka (Kalte Schlucht). Das Bergwerk des staatlichen Unternehmens Makejewugol befindet sich zwanzig Autominuten östlich von Donezk im Gebiet der Stadt Makejewka.


Um zu dem im März neu erschlossenen Flöz zu kommen, brauchen wir eine geschlagene Stunde. Mit einem Aufzug, einem Sessellift und einem langen Fußmarsch ging es in nur schwach beleuchteten Stollen immer weiter nach unten.

Schichtführer Sergej Anatolijewitsch hat 240 Mann unter sich. Er verdient umgerechnet 520 Euro im Monat. Schon sein Vater habe in diesem Schacht gearbeitet, erzählt Sergej, auf den zuhause eine Frau und zwei Kinder warten.


- Ostukraine: Rückzug der schweren Waffen 2.0 (Florian Rötzer, Telepolis, 23.07.2015)
Kiew und die Separatisten spielen mit dem Minsker Abkommen

Es scheint nach monatelangem brüchigem Waffenstillstand endlich einmal wieder ein Fortschritt bei der Umsetzung des Minsker Abkommens erreicht worden zu sein. Die Trilaterale Kontaktgruppe in Minsk hat offenbar zustande gebracht, dass beide Seiten die schweren Waffen, wie im Abkommen schon lange vorgesehen, hinter die Kontakt- oder Frontlinie zurückziehen

Der ukrainische Präsident Poroschenko hat die Vertreter der Ukraine, die unter Vorsitz der OSZE mit Vertretern Russlands und der Separatisten verhandeln, um keine direkten Gespräche führen zu müssen, angewiesen, den Beschluss zu unterzeichnen, eine 30 km breite Pufferzone einzurichten. Zurückgezogen sollen schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie. In Kraft treten soll die Vereinbarung in einigen Tagen, ob sie besser eingehalten wird, als die bisherigen Zusagen, ist fraglich. Schließlich jetzt nur geschehen, was eigentlich schon längst hätte realisiert werden sollen, aber von beiden Seiten permanent durchbrochen wurde.

Für die Menschen in der Pufferzone oder nahe ihr noch leben, wäre der Abzug der schweren Waffen ein Geschenk. Immer mussten Zivilisten auf beiden Seiten damit rechnen, dass sie beschossen werden. Zudem würde der Rückzug der schweren Waffen einen plötzlichen Ausbruch größerer Kampfhandlungen schwieriger machen. Innenpolitisch steht die ukrainische Regierung und vor allem Poroschenko, der seit Amtsantritt gegen die Falken versuchte, eine friedliche Lösung zu finden, jedoch unter Druck. Gerade hat der Rechte Sektor als Repräsentant der militanten Nationalisten beschlossen, wie auch immer ein Referendum durchführen zu wollen, in dem Poroschenko, der Regierung und der Rada das Misstrauen ausgesprochen und das Minsker Abkommen als Verrat verurteilt werden soll (Der Rechte Sektor kämpft ums Überleben).


- Frische 1,8 Milliarden aus der EU für die Pleite-Ukraine (Ralf Streck, Telepolis, 23.07.2015)
Von der EU-Kommission, vom IWF und von der Europäischen Bank für Wiederaufbau fließt wieder reichlich Geld

Die EU-Kommission hat gestern die ersten 600 Millionen Euro von insgesamt 1,8 Milliarden Euro in die Ukraine überwiesen. Gleichzeitig einigt sich das Pleite-Land auch mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über neue Finanzhilfen.

Der ukrainische Premier Arseni Jazenjuk sagte am Mittwoch, er erwarte, dass die Entscheidung über die Bereitstellung von 1,7 Milliarden US-Dollar am 31. Juli falle. Das ist ein Teil der 17,5 Milliarden Dollar, die dem Land vom IWF zur Verfügung gestellt werden (IWF bewilligt Milliardenkredit an die Ukraine). Fünf Milliarden sind davon insgesamt schon geflossen, obwohl der Fonds damit gegen seine zentralen Regeln verstößt, kein Geld an Länder mit internen kriegerischen Konflikten fließen zu lassen. Zudem werden dem Land mehr Mittel als üblich gewährt und das Geld dürfte auch nur fließen, wenn das Land in den nächsten 12 Monaten seinen Verpflichtungen wieder nachkommen kann (Zahlungsausfall der Ukraine droht).


- US-Armee startet Großmanöver in der Ukraine (Harald Neuber, Telepolis, 21.07.2015)
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in Westeuropa hat in der Ukraine ein Großmanöver der ukrainischen Armee, der US-Streitkräfte und verbündeter Nato-Staaten begonnen. Die Übung Rapid Trident (Schneller Dreizack) wurde am Montagmorgen mit einer militärischen Zeremonie im westukrainischen Jaworiw bei Lwiw (Lemberg) gestartet.
Mein Kommentar:
Wieso »weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in Westeuropa«?

- Kriegsgeschichten aus der Ostukraine (Florian Rötzer, Telepolis, 21.07.2015)
Kiew steht kurz vor der Pleite und innenpolitisch vor einem Konflikt wegen der Umsetzung des Minsker Abkommens

- Der Rechte Sektor fordert heraus (Florian Rötzer, Telepolis, 20.07.2015)
Showdown am Dienstag auf dem Maidan

Der rechtsnationalistische Rechte Sektor will es wissen und fordert die Staatsmacht heraus. Seit der Schießerei in Mukacheve, Transkarpatien, geht es darum, ob die Zentralregierung den ukrainischen Staat beherrscht - oder ob die bewaffneten Milizen, die nach dem Maidan und während des Kriegs gegen sie Separatisten entstanden sind, den Ton angeben und die "Revolution" beanspruchen können.

Mit dem Schokoladenkönig Poroschenko ist ausgerechnet ein Oligarch durch die "Revolution der Würde" und das Opfer der "Heiligen Hundert" an die Macht gekommen. Das haben sich vermutlich viele, die die Proteste auf dem Maidan mitgetragen haben, nicht vorgestellt, aber sie haben sich mit kampfbereiten Rechtsextremen zusammengeschlossen, die zwar die "Selbstverteidigung" auch mit brutalen Mitteln geleistet haben, sich aber niemals der staatlichen Gewalt unterstellen wollten und russenfeindlich auch innerhalb des Staates ausgerichtet waren.

Die Maidan-Bewegung wird gerne als westorientiert beschrieben, gerade die extremen Rechten, die auch den Sturz der Janukowitsch-Regierung vorangetrieben hatten, haben und hatten mit der EU und der Nato allerdings wenig im Sinn. Sie vertreten eine nationalistische Ideologie, die derzeit vor allem aus dem militärischen Kampf gegen Russland besteht, aber sie protestieren im Namen des Volkes auch gegen die Oligarchenherrschaft und pochen auf nationale Selbständigkeit.


Kalter Krieg: Merkel richtet deutsche Militär-Doktrin gegen Russland aus [12:45]

Veröffentlicht am 10.07.2015
Angela Merkel sieht Russland nicht mehr als „herausgehobenen Partner“ und will eine neue Militär-Doktrin entwickeln. Die neue Doktrin ist die Folge der geltenden US-Militär-Doktrin: Die Amerikaner sehen in der „Annexion“ der Krim durch Russland die Grundlage für militärische Maßnahmen gegen Moskau. Für die Bundeswehr bietet die neue Doktrin die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Nato-Aktionen ein neues Feindbild zu entwickeln. 

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen erstellt im Auftrag der Bundesregierung eine neue Militär-Doktrin. Die sogenannte „Sicherheitsstrategie“ soll das Verhältnis zu Russland neu definieren. Russlands Vorgehen in der Ukraine verändere die Sicherheitsarchitektur in Europa grundlegend, sagte die Ministerin am Dienstag in Berlin bei der Auftakt-Veranstaltung zur Erstellung eines neuen Weißbuchs der Bundesregierung zur Sicherheitspolitik. Deutschland müsse eine angemessene Antwort auf die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin finden und dürfe sich dabei keinen Illusionen hingeben: „Die neue Politik des Kreml hat schon lange vor der Ukraine-Krise begonnen und wird uns noch sehr, sehr lange beschäftigen“, sagte von der Leyen.

Das Weißbuch werde sich daher unter anderem mit einer angemessenen Reaktion auf den Versuch Russlands befassen, „geostrategische Machtpolitik und militärische Gewalt als Form der Interessensdurchsetzung zu etablieren, wir müssen fast sagen zu re-etablieren“, sagte die Ministerin. Es gehe darum, wie der Westen dem russischen Vorstoß begegne, international vereinbarte Regeln und verbrieftes Recht durch Dominanz und Einflusszonen zu ersetzen. Dabei spiele es auch eine Rolle, wie irgendwann wieder ein Weg zu einer verlässlichen Nachbarschaft mit Russland möglich sein werde.

Die Bundesregierung macht sich damit die Argumentation zu eigen, dass Russlands Vorgehen auf der Krim eine völkerrechtswidrige „Annexion“ sei. Die frühere ARD-Korrespondentin in Moskau, Gabriele Krone-Schmalz, hat die Bedeutung dieses Vorwurfs in einer messerscharfen Analyse aufgezeigt (Video am Anfang des Artikels). Ihr Fazit: Der Begriff der „Annexion“ sei der einzige im Völkerrecht vorgesehene Fall, der militärische Gewalt gegen einen anderen Staat legitimiere.

Mit der neuen Militär-Doktrin will Angela Merkel offenkundig den Vorgaben der Amerikaner folgen, die in der „Annexion“ die Legitimation für militärische Maßnahmen gegen Russland sehen. In einem kürzlich beschlossenen Gesetz hat US-Präsident Barack Obama alle notwendigen Vorkehrungen beschließen lassen, mit denen die Ukraine gegen Russland aufgerüstet werden kann. Das Gesetz muss sich aus russischer Sicht wie eine Kriegserklärung lesen, wenngleich diese Begriffe natürlich nicht in dem Gesetzestext zu finden sind.

Mit der neuen Doktrin kehrt Deutschland der in den vergangenen Jahren begonnen Annäherung an Russland den Rücken: Im zuletzt erschienenen Weißbuch von 2006 war Russland noch als „herausgehobener Partner“ bezeichnet worden, mit dem eine engere Kooperation sowohl in der Europäischen Union (EU) als auch in der Nato angestrebt werde. Doch beim Nato-Gipfel im September in Wales drehte sich der Wind – und die Nato diskutierte darüber, ob Russland eher als Gegner oder gar als Feind zu betrachten sei.

Für die Bundeswehr hat die neue Doktrin einen großen Vorteil: Die militärische Führung bekommt endlich wieder ein klares Feindbild, an dem sie sich orientieren kann. Daher solle sich, so Reuters über die Pressekonferenz, das Augenmerk der Bundeswehr „künftig nicht mehr allein auf die Auslandseinsätze richten…, sondern wieder verstärkt auf die Verteidigung des Nato-Territoriums“. In der Bundeswehr ist diese neue Richtung schon seit einiger Zeit antizipiert worden: Deutsche Soldaten sind an der gegen Russland gerichteten neuen „schnellen Eingreiftruppe“ der Nato maßgeblich beteiligt.

Das neue Weißbuch soll nach dem Nato-Gipfel im kommenden Jahr fertig sein.

QUELLE: http://deutsche-wirtschafts-nachricht...

Rohrabacher drängt US-Botschafterin wegen Ukraine-Konflikt in die Ecke [3:30]

Veröffentlicht am 09.07.2015
Mehr auf unserer Webseite: http://rtdeutsch.com

Der Republikaner Dana Tyron Rohrabacher, Vorsitzender des Unterausschusses für auswärtige Angelegenheiten mit Schwerpunkt Europa, Eurasien und neue Bedrohungen, nahm US-Botschafterin Samantha Power argumentatorisch den Wind aus den Segeln, als diese auf die Frage, welche Konfliktpartei für die Gewalt in der Ukraine verantwortlich sei, erklärte, dass eine ihr bekannte Familie von „russischen Alliierten“ in der Ukraine bombardiert wurde.

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Juni 2015: 
Putin auf Deutsch zum Ukrainekonflikt [3:47]

Veröffentlicht am 22.06.2015
Viel in der Presse erwähnt, selten zitiert und nie gezeigt wurde Putins Statement vom letzten Wochenende in Sankt Petersburg zum Ukrainekonflikt, dessen Entstehung und mögliche Lösung nach seiner Meinung.

Da ist es wohl an der Zeit für die unverhüllte Wahrheit bei russland.TV in deutscher Übersetzung. Hier die originalen Ausführungen Putins zur am Rande des Wirtschaftsforums im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Wie immer unkommentiert zur eigenen Meinungsbildung nach dem Skript auf der Kreml-Homepage.

Mehr Videos und aktuelle News online unter http://www.russland.ru

Mai 2015
Einstimmig wurde Ronald Pofalla zum Nachfolger von Lothar de Maizière gewählt. So bald wie möglich will der Ex-Kanzleramtschef mit Russland wieder ins Gespräch kommen.
dazu:
- Der Mann, den sie Ronny nannten (11.02.2015)
Ronald Pofalla war einer der mächtigsten Männer der deutschen Politik. Jetzt wechselt er zur Bahn. Unser Reporter hat versucht, mit ihm zu sprechen.
Ronald Pofalla war ein Lehrmeister der sedierenden Politik. Im Wahlkampf des Jahres 2009, als er noch Generalsekretär der CDU war, lief er aufgeregt herum und erzählte von seiner neuesten Taktik, der asymmetrischen Demobilisierung. Das ist ein Wort aus der amerikanischen Politik, und es bedeutet: Einlullen. Ermüden. Einschläfern. Dem Gegner die Kraft rauben, indem man ihm die Angriffspunkte nimmt. Keine Konflikte, deswegen auch keine auffälligen Inhalte, sondern ein dahinplätscherndes Weiter-so. Wäre Pofalla Mathematiker geworden, hätte er sich ganz sicher mit Zahlenreihen beschäftigt, die bei null enden.
Die Gleichung ging auf, die SPD stürzte bei der Wahl vor fünf Jahren ab, und Merkel regierte weiter. Pofalla blieb loyal gegenüber der Kanzlerin, sie konnte sich auf ihn verlassen. Er ordnete sich ihr vollkommen unter. Ich finde während meiner Recherche niemanden, der Pofalla für einen echten Freund hält, aber alle sagen: Merkel muss ihm zutiefst dankbar sein.

April 2015:  
Er war der erste demokratisch gewählte und zugleich der letzte Ministerpräsident der DDR. In den vergangenen zehn Jahre stand Lothar de Maizière zudem dem „Petersburger Dialog“ vor. Der Christdemokrat kritisiert die Russland- und Ukraine-Politik des Westens und wirbt um Verständnis für die „gekränkte russische Seele“. Im Interview mit der SÜDWEST PRESSE äußert er sich auch über die Schwierigkeiten der Wiedervereinigung und die Angst der Ostdeutschen vor Veränderung.

- Arbeitsgruppentagungen 2015 (Petersburger Dialog)

März 2015:  

Der Petersburger Dialog zwischen den Regierungen in Berlin und Moskau soll wieder stattfinden. Er war zunächst wegen des Ukraine-Konflikts ausgesetzt worden.


Ukraine-Serie: 

Ukraine 20 – ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik (18.09.2014, zuletzt aktualisiert am 04.10.2014)
Ukraine 19 – Die Ukraine, korrupter Journalismus und der Glaube der Atlantiker (29.08.2014, zuletzt aktualisiert am 19.10.2014) 
Ukraine 18 – Putin als Projektionsfläche für die deutsche Sehnsucht nach dem »Starken Mann«?(23.08.2014
Ukraine 17 – I love Putin, Putin loves you (19.08.2014, zuletzt aktualisiert am 29.10.2014)
Ukraine 16 – Eine Gefährdung unserer Europäischen Kultur (18.08.2014, zuletzt aktualisiert am 19.08.2014
Ukraine 15 – Die – zumindest teilweise – Vernichtung eines gepanzerten russischen Phantom-Konvois (15.08.2014, zuletzt aktualisiert am 02.09.2014
Ukraine 14 – »Wir sind Menschen des Friedens« (29.07.2014, zuletzt aktualisiert am 15.08.2014)
Ukraine 13 – Unser westliches System und die MH 17-Berichterstattung (27.07.2014, zuletzt aktualisiert am 14.09.2014)
Ukraine 12 – Geld und Faschismus in der Ukraine (18.05.2014, zuletzt aktualisiert am 18.09.2014)
Ukraine 11 – Unsere Medien: Nicht-Berichten und Sprachverdrehung und der Krieg »Reich gegen Arm« (16.05.2014, zuletzt aktualisiert am 01.10.2014)
Ukraine 10 - Joe Bidens Sohn fällt die Treppe hoch (12.05.2014, zuletzt aktualisiert am 29.10.2014)
Ukraine 9 – Wider die veröffentlichte Meinung (11.05.2014, zuletzt aktualisiert am 31.07.2014)
Ukraine 8 – Mariopol und die Berichterstattung  (10.05.2014, zuletzt aktualisiert am 26.07.2014)
Ukraine 7 – Der Sprachen- bzw. ethnische Konflikt als Teil des Ukraine-Konfliktes (03.05.2014, zuletzt aktualisiert am 27.09.2014)
Der Ukraine-Konflikt 6 – Wer stoppt die USA? (25.04.2014, zuletzt aktualisiert am 28.10.2014)
Der Ukraine-Konflikt 5 – Die Nagelprobe des Journalismus (21.04.2014, zuletzt aktualisiert am 29.10.2014)
Der Ukraine-Konflikt 4 – Um was geht es eigentlich? (28.03.2014, zuletzt aktualisiert am 20.08.2014)
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Roter Faden durch den ukrainischen Dschungel (Kai Ehlers, IPPNWforum Nr. 138, Juni 2014, S. 22)
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Jean Ziegler, ein wahrhaftiger Mensch (10.09.2013) 




zuletzt aktualisiert am 14.08.2015

Dienstag, 29. September 2015

Hermann Hesse – Vernunft im bürgerlichen Zeitalter

Der anonyme Erzähler gibt sich als Historiker aus, der aus Briefen, Aufzeichnungen und anderem Archivmaterial die Lebensgeschichte des Glasperlenspielmeisters Josef Knecht rekonstruiert hat. Zwar gelte inzwischen das Ideal der Anonymität und es sei nicht mehr üblich, Biografien zu schreiben, aber es komme ihm auch nicht – wie den Autoren des "feuilletonistischen Zeitalters" – darauf an, das Einmalige, Normwidrige oder gar Pathologische eines Individuums herauszustellen, sondern ein Beispiel zu geben für den Dienst eines Menschen am Überpersönlichen.

In der Einleitung erinnert der Autor kurz an die Entwicklung der europäischen Kulturgeschichte vor der Gründung des kastalischen Ordens. "Die Entwicklung des geistigen Lebens in Europa scheint vom Ausgang des Mittelalters an zwei große Tendenzen gehabt zu haben: die Befreiung des Denkens und Glaubens von jeglicher autoritativer Beeinflussung, also den Kampf des sich souverän und mündig fühlenden Verstandes gegen die Herrschaft der Römischen Kirche und – andererseits – das heimliche, aber leidenschaftliche Suchen nach einer Legitimierung dieser seiner Freiheit, nach einer neuen, aus ihm selbst kommenden, ihm adäquaten Autorität." Für eine bürgerliche Epoche, in der das Individuelle mehr als die Gemeinschaft geschätzt und eine Flut verantwortungsloser Zeitungsartikel geschrieben wurde, prägte "Plinius Ziegenhalß" den Begriff "feuilletonistisches Zeitalter". Die Vernunft gebrauchten die Machthaber nur gelegentlich, und auch dann nur als Kampfmittel. In diesen gewalttätigen, kriegerischen Zeiten konnten die Menschen kaum noch ihre Angst vor Tod, Anarchie und Untergang verdrängen, zumal auch die Kirchen keinen wirkungsvollen Trost mehr spendeten. Um sich abzulenken, fuhren die Menschen Auto, spielten Karten oder lösten Kreuzworträtsel, aber das Bedürfnis nach Recht und Wahrheit, Vernunft, Ordnung und Neubeginn nahm ständig zu, bis das feuilletonistische Zeitalter überwunden wurde und die Freude an den exakten Wissenschaften neu erwachte. Damals gründete eine Gruppe verzweifelter Morgenlandfahrer den kastalischen Orden, der sich politischer und wirtschaftlicher Geschäfte enthielt, auf schöpferisches Künstlertum verzichtete und stattdessen die allumfassende Synthese von Kunst und Wissenschaft anstrebte.
mehr:
- Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel – Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften – Inhaltsangabe (Dieter Wunderlich, 2002)
- Hermann Hesse (Wikipedia)
- Das Glasperlenspiel (Wikipedia)
- Brief Hermann Hesses an seinen Vater vom 14. September 1892 aus der Heilanstalt Stetten (Hermann Hesse.de)

Hermann Hesse Superstar - Dokumentation - Teil 1v2 [14:30]

Veröffentlicht am 03.05.2012
Eine hervorragende Doku über den Schriftsteller und Maler Herman Hesse.
Hermann Hesse Superstar - Dokumentation - Teil 2v2 [13:59]

Veröffentlicht am 03.05.2012
Eine hervorragende Doku über den Schriftsteller und Maler Herman Hesse.

Hermann Hesse - Sein erstes Paradies [1:28:45]

Veröffentlicht am 02.04.2014
Diesen Film können Sie als DVD in voller Auflösung genießen: http://www.hesse-film.de/dvd

Hermann 'Hesse's Erstes Paradies' lag in Gaienhofen am Bodensee. Dieser Film ist jenen ereignisreichen, höchst kreativen Jahren am Bodensee zwischen 1904 und 1912 gewidmet. Er heftet sich sozusagen an die Kneipp-Sandalen Hermann Hesses in jener wesentlichen Lebens- und Schaffensphase des Dichters, dessen Stern dabei ist, aufzugehen. Wir wollen der Frage nachgehen, was Hesse und die Mutter seiner Kinder, Maria Bernoulli, nach Gaienhofen zog. Und was sie dazu veranlasste, dieses paradiesische Stück Erde schon nach wenigen Jahren wieder zu verlassen.

Im August 1904 heiratete Hermann Hesse die selbständige Basler Fotografin Maria Bernoulli, die aus der weitverzweigten Familie der Bernoulli stammte. Aus dieser Ehe gingen die drei Söhne Bruno (1905--1999, Kunstmaler, Grafiker), Hans Heinrich (genannt Heiner; 1909--2003, Dekorateur) und Martin (1911--1968, Fotograf) hervor. Ganz im Sinne der Lebensreform zogen er und Mia in das damals sehr abgelegende Dörfchen Gaienhofen auf der Halbinsel Höri am Bodensee und mieteten ein einfaches Bauernhaus ohne fließendes Wasser und Strom, in dem sie drei Jahre lebten. Nach der Geburt des ersten Sohnes Bruno 1905 und der verbesserten finanziellen Lage ließen sie sich von dem Architekt Hans Hindermann im Ort ein modernes Landhaus im Schweizer Reformstil bauen. Dort legten sie einen großen Garten zur Selbstversorgung an. 1909 wurde Heiner und 1911 Martin geboren. Hesse war häufig auf Reisen, Mia mit den Kindern mit dem großen Haus und Garten oft allein.

Die Beziehung der beiden verschlechterte sich und sie verkauften ihr Haus 1912, um nach Bern zu ziehen.Psychische Krisen bei beiden führten zu einem endgültigen Auseinanderleben und zur Scheidung 1923. In Gaienhofen schrieb Hesse seinen zweiten Roman Unterm Rad, 1906 erschienen, in dem er seine Erfahrung aus Schule und Ausbildung einfließen ließ und literarisch verarbeitete. 1907 schloss Hesse sich dem wandernden Dichter und Naturpropheten Gusto Gräser an, zog zeitweise in dessen Grotte „in den Felsen" bei Ascona, die ihm zu seinem „heiligen Land" wurden (vgl. Monte Verità). Hier wurzeln seine Legenden aus der Thebais. Das Jüngerschaftserlebnis bei einem Einsiedler in der Wildnis blieb ein wiederkehrendes Motiv seiner Dichtung bis hin zu den Lebensläufen des Glasperlenspiels. Gräser öffnete ihm auch den Zugang zur geistigen Welt des Ostens.

Nach seiner Rückkehr ins bürgerliche Leben verfasste er vor allem Erzählungen und Gedichte. Sein nächster Roman Gertrud von 1910 zeigte Hesse allerdings in einer Schaffenskrise -- er hatte schwer mit diesem Werk zu kämpfen, in späteren Jahren hat er es als misslungen betrachtet. Auch in seiner Ehe vermehrten sich nun die Dissonanzen, und um Abstand zu gewinnen, brach Hesse mit Hans Sturzenegger 1911 zu einer großen Reise nach Ceylon und Indonesien auf. Die erhoffte spirituell-religiöse Inspiration fand er dort nicht, dennoch beeinflusste die Reise sein weiteres literarisches Werk stark.


Montag, 28. September 2015

Buddhist gegen Tierleid

ETHIK Der Molekularbiologe und buddhistische Mönch Matthieu Ricard offenbart in seinem neuen Buch die vielfältigen Manipulationen der Fleischindustrie.

Natürlich gibt es Filme über das Leid von Tieren, die wir zu Essen oder Kleidung verarbeiten; auch die aktuelle Schau „Fast Fashion“ in Hamburgs Museum für Kunst und Gewerbe zeigt so einen. Die großen Fernsehanstalten zeigen Filme wie „Nie wieder Fleisch?“ oder Aufnahmen der Tierschutzorganisation Peta allerdings selten; die Bilder seien zu schockierend, heißt es dann. Dabei gilt diese Rücksicht auf Sensibelchen für die Horrorfilme derselben Sender nicht – und die wahren Gründe der Verweigerung von Öffentlichkeit liegen ja auch tiefer: im Lobbyismus der Fleischindustrie, die ihre Praktiken nicht publik gemacht, ihren Gewinn nicht geschmälert sehen will. Zugleich trommelt sie weiter das Mantra, der Mensch brauche Fleisch, um zu überleben.

Das stimmt nicht, weiß auch der französische Molekularbiologe Matthieu Ricard, der 1967 den tibetischen Buddhismus entdeckte und kurz nach der Promotion in Zellulargenetik seine viel versprechende Karriere an den Nagel hängte. Seither lebt er in buddhistischen Klöstern im Himalaya, ist Französisch-Übersetzer des Dalai Lama und Mitglied des „Mind & Life“-Institute in den USA, das die Wirkung von Meditation auf das Gehirn wissenschaftlich erforscht. Auch jenseits dessen sucht Matthieu Ricard den Dialog zwischen Buddhismus und westlichen Gesellschaften.
mehr:
- Praktiken der Fleischindustrie – Buddhist gegen Tierleid (Petra Schellen, taz, 03.05.2015)

siehe auch:

- Fernsehhinweis: heute abend, 21 Uhr, ZDF: Tierfabrik Deutschland (Post, 25.08.2015)

Matthieu Ricard - vom Wissenschaftler zum buddhistischen Mönch (Sternstunde Philosophie, 5.7.2015) [57:31]

Veröffentlicht am 16.07.2015
Er stand vor einer glänzenden Karriere als Wissenschaftler, doch er zog das spartanische Mönchsleben im Himalaja vor. Seine Wahl gab ihm Recht: Neuropsychologen sagen, keiner habe ein so heiteres Gemüt wie er. Barbara Bleisch fragt den berühmten buddhistischen Mönch nach seinem Rezept. 

Homepage Sternstunde Philosophie: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...

Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur

Sacred Silence and Science : Matthieu Ricard and James Doty, MD [2:02:09]

Veröffentlicht am 18.05.2013
Sacred Silence and Science

Compassion from a Buddhist's and a Neuroscientist's Perspectives Sacred Silence and Science Festival of Faiths 2013

Matthieu Ricard, molecular biologist turned Buddhist monk, author and photographer, and James Doty, MD, founder and director of the Center for Compassion and Altruism Research and Education.

Compassion has been a fundamental precept of essentially every religious tradition and for many is what defines our humanity. While clearly caring for those who are suffering results in significant benefit to the receiver, science has now shown that such behavior offers profound benefit to the giver in regard to mental and physical health and to longevity. There is now a body of evidence that demonstrates that through mental training practices such as meditation one will benefit in regard to health but also have a greater sense of fulfillment and happiness.

The 2013 May edition of the Festival of Faiths was generously sponsored by:

Brown-Forman
http://www.brown-forman.com/

Thomas Merton Center
http://merton.org/

Archdiese of Louisville
http://www.archlou.org/

WFPNL news 89.3 FM
http://wfpl.org/

Idea Festival
https://www.ideafestival.com/

Muhamad Ali Center
http://alicenter.org/

Compassionate Louisville
http://www.youtube.com/watch?v=vvXEoe...

Fons Vitae
http://www.fonsvitae.com/

The Drepung Gomang Institute
http://drepunggomang.com/

Earth & Spirit Center
http://www.earthandspiritcenter.org/

Production Credits:

Pre and Post Production by http://www.kertiscreative.com

Video Engineering, Live Switching, CameraDirection and Web Streaming by http://www.spiral-mandala.com

Camerawork for Liveswitch by http://www.digitalmomentspps.com/

Staging and Decor by http://theeventcompanyky.com/

Additional Sound and Video support by http://www.aplha-productions.net

Thanks to Actors Theater
http://actorstheatre.org/

and Galt House in Louisville, Ky for hosting these sessions.

http://www.festivaloffaiths.org
siehe auch:
- Gesichter der Angst – Ein Appell wider die Gleichgültigkeit (Nicole Tschierse, Bernhard Wolf, Weil Tiere lieber leben, 28.11.2013, PDF)
aktualisiert am 10.10.2015

Heute vor 2043 Jahren – 28. September 28 v. Chr.: Der Heerführer Pompeius wird ermordet

Ein Mord aus politischem Kalkül 

Im römischen Bürgerkrieg hatte Julius Caesar (100-44 v. Chr.) seinen Rivalen Pompeius in der Schlacht von Pharsalos im nordgriechischen Thessalien im Jahr 48 v. Chr. schwer geschlagen. Der Verlierer zog sich über das Mittelmeer nach Ägypten zurück, in der Hoffnung, in Alexandria mit offenen Armen empfangen zu werden. Schließlich hatte er dem kurz zuvor verstorbenen ägyptischen König Ptolemaios XII., Vater Kleopatras, geholfen, seine Macht in Ägypten zu erhalten. Doch es kam ganz anders: Pompeius wurde noch auf dem Boot, das ihn von seinem Schiff an Land bringen sollte, enthauptet. Der Befehl zur Ermordung ging von dem Eunuchen Potheinos aus, Vormund der minderjährigen Söhne des verstorbenen Königs. 
Ägypter überbringen dem in Alexandria landenden Julius Caesar
den Kopf des ermordeten Pompeius, Kupferstich von Matthäus Merian, 1630
Caesar erfuhr erst davon, als er selbst im königlichen Palast von Alexandria eintraf – ihm wurde der abgetrennte Kopf des Pompeius gezeigt. Die Ägypter hofften, den großen Römer durch die Beseitigung des Rivalen günstig zu stimmen, doch auch sie irrten: Es war keineswegs Caesars Wunsch, seinen politischen Kampfgefährten und einstigen Schwiegersohn von Ägyptern heimtückisch umgebracht zu sehen. Auch die Hoffnung der Ägypter, Caesar werde nach der Beseitigung seines Gegners rasch wieder abziehen, erfüllte sich nicht. 

Was am 28. September noch geschah: 
1951: In der Bundesrepublik wird das Bundesverfassungsgericht mit Hauptsitz in Karlsruhe gegründet

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2015 
Rome - The Death of Pompey Magnus [2:02]
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Sonntag, 27. September 2015

iOS 9: Erneut Umgehung der Gerätesperre möglich

Neues Betriebssystem, neuer Trick: Erneut wurde ein Lockscreen-Bug entdeckt, mit dem der Zugriff auf Daten von iPhone & Co. auch ohne Eingabe von PIN-Code oder Fingerabdruckfreigabe möglich ist.
Unter iOS 9 lässt sich einmal mehr, ähnlich wie unter iOS 7, die Gerätesperre mit einem Trick aushebeln. Das berichten übereinstimmend der YouTuber EverythingApplePro und das iDownloadBlog.

Bilder und Kontakte gefährdet
Zumindest auf Bilder und Kontakte des Besitzers sollen Angreifer so Zugriff erlangen können. Bei der Sicherheitslücke spielt die Sprachassistentin Siri die Hauptrolle – entsprechend muss sie bei aktiviertem Lockscreen zur Verfügung stehen. Letzteres lässt sich deaktivieren.

Die digitale Assistentin soll sich durch mehrmaliges Eingeben einer falschen PIN in Verbindung mit einem zum richtigen Zeitpunkt gedrückten Home-Button aufrufen lassen. Danach muss Siri nach der Zeit gefragt werden, das dann gezeigte Uhr-Icon auf dem Display wird angetippt. Nun lässt sich dort eine weitere Uhrzeit ergänzen, wobei nach deren Ort gefragt wird. Hier wird dann eine beliebige Zeichenfolge eingetippt. Im Copy & Paste-Menü taucht dann plötzlich die Teilenoption auf. Über diese gelangt man wiederum zu iMessage.

mehr:
- iOS 9: Erneut Umgehung der Gerätesperre möglich UPDATE (Ben Schwan, heise mac&I, 23.09.2015)

USA: Hacker stahlen auch Fingerabdrücke von Millionen Bediensteten

Es kommt noch dicker für die US-Bundespersonalbehörde OPM: Bei der massiven Hackerattacke wurde nicht nicht nur persönliche Daten von 22 Millionen Bediensteten, sondern auch Fingerabdrücke von 5,6 Millionen kompromittiert.

Eine China zugeschriebene Hacker-Attacke auf die US-Bundespersonalbehörde OPM war noch schwerer als ohnehin schon gedacht. Demnach verschafften sich die Cyber-Angreifer neben anderen persönlichen Daten von 22 Millionen Bediensteten auch die Fingerabdrücke von 5,6 Millionen Beschäftigten. Das teilte die Behörde am Mittwoch mit – einen Tag, bevor der chinesische Präsident Xi Jinping zu Gesprächen mit Präsident Barack Obama in Washington erwartet wurde.
mehr:
- USA: Hacker stahlen auch Fingerabdrücke von Millionen Bediensteten (heise online, 24.09.2015)

Kassensysteme der Hilton-Kette in den USA gehackt

Angreifer haben offenbar standortübergreifend Kassensysteme des Hilton-Hotelkonzerns infiltriert und manipulierte Zahlungen bei Hotelrestaurants, Geschenke-Shops und anderen Verkaufsstellen ausgelöst.
In den USA zeichnet sich ab, dass kürzlich in großem Umfang Daten von Kreditkarten unterschiedlicher Kartenunternehmen missbraucht worden sind. Mehrere Quellen aus der amerikanischen Bankenbranche berichten übereinstimmend, dass aufgedeckte Fälle von Kreditkartenbetrug ein Muster zeigen, welches auf Hackeraktivitäten gegen Kassensysteme des Hilton-Hotelkonzerns deutet.

Den Meldungen zufolge müssen bislang unbekannte Angreifer Abrechnungssysteme zahlreicher Hotelrestaurants, Geschenkeläden und anderer Verkaufsstellen innerhalb der Hilton-Kette und bei deren Lizennehmern infiltriert haben, und das an vielen Standorten. Der Hotelkonzern teilt mit, dass er die Meldungen überprüfe und die Hintergründe ermittle.

Bereits im August hat der Kreditkartenbetreiber Visa vertrauliche Warnungen an verschiedene Geldinstitute gerichtet. Dabei ging es um ein Datenleck, das vom 21. April bis zum 27. Juli dieses Jahres bestand. Dabei waren zahlreiche Kreditkartennummern betroffen, allerdings nannte Visa gemäß der üblichen Geschäftspolitik des Hauses nicht die genauen Umstände, durch die die Angreifer an die Daten herangekommen waren.

mehr:
- Kassensysteme der Hilton-Kette in den USA gehackt (Peter Schmitz, heise Scurity, 26.09.2015)

Aktuelle Masche: Spam über Bande

Systemen umgehen Spammer die Spam-Filter - auch die mühsam antrainierten der Anwender.
Eine aktuelle Masche zum Spam-Versand nutzt die Möglichkeit, sich bei Online-Diensten zu beschweren oder diese auf Fehler und Probleme hinzuweisen. Häufig schickt der Online-Dienst nämlich eine Bestätigungs-Mail an den vermeintlichen Absender – und wenn dessen Mail-Adresse gefälscht war, landet die dann im Postfach des Spam-Opfers.

mehr:
- Aktuelle Masche: Spam über Bande (Jürgen Schmidt, heise Security, 25.09.2015)
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Spanien: Kampf ums Wasser in Spanien verschärft sich

Das spanische Verfassungsgericht hat ein Gesetz einstweilig außer Kraft gesetzt, mit dem Aragon seine Reserven schützen will
Es war für viele in der nordspanischen Region Aragon erstaunlich, dass die Zentralregierung in Madrid plötzlich Ende Juli Klage gegen ihr eigenes Gesetz zum Schutz des Wassers beim Verfassungsgericht eingereicht hat. Das Gesetz war schon im vergangenen November verabschiedet worden, es wurde damals von der auch in Aragon regierenden konservativen Volkspartei (PP) eingebracht und verabschiedet, die weiterhin auch in Madrid regiert. Damit wurden die Wasserreserven der Region am Rand der Pyrenäen für die Entwicklung der Region vor dem Zugriff der Mittelmeerregionen geschützt, deren Bedarf wegen der intensiven Landwirtschaft, Tourismus und Trockenheit steigt.

Nur zu gut erinnerten sich viele noch in Aragon an die Begehrlichkeiten im Nationalen Wasserplan, auch das Wasser aus den Pyrenäen für den Tourismus im gesamten Mittelmeerraum zugänglich zu machen. Doch die EU wollte die Pläne der Konservativen einst nicht finanzieren und die sozialistische Nachfolgeregierung stoppte sie schließlich. Nach dem Wahlsieg der PP kamen die Kanalträume in Madrid wieder auf und so war es eher erstaunlich, dass eine PP-Regierung das Wasser vor Zugriff schützen wollte.

Doch das Schutzgesetz war vermutlich nur ein Trick, um vor den Wahlen im Mai die besorgte Bevölkerung in Aragon zu beruhigen und nicht noch mehr Stimmen zu verlieren. Unter einer PP-Regionalregierung wollte die PP-Zentralregierung keinen Verfassungsverstoß erkennen. Doch als die PP wie in fast allen Regionen auch in Aragon abgewählt wurde, änderte sich das. Denn nun regieren die Sozialisten, die von der Empörtenpartei "Podemos" (Wir können es) gestützt werden.

mehr:
- Kampf ums Wasser in Spanien verschärft sich (Ralf Streck, Telepolis, 18.09.2015)

Spanien: Kampf ums Wasser | Europa Aktuell [5:02]

Veröffentlicht am 22.08.2013
Unter dem Druck der Wirtschaftskrise in Spanien haben viele Kommunen die öffentlichen Trinkwassernetze an Privatunternehmen verkauft. Jetzt stellt ein Teil der Gemeinden fest, dass die Netze teilweise schlecht oder gar nicht gewartet wurden und die Wasserqualität sinkt. Weil immer mehr Bürger protestieren, rudern einige Gemeinden langsam zurück.

Weitere Informationen unter: http://www.dw.de/europa-aktuell-das-m...üssel-2013-08-21/e-16984036-9800
siehe auch:
- Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen (Post, 16.02.2013)

TTIP: "Verlust von Arbeitsplätzen"

US-Gewerkschafter warnt nach den Erfahrungen mit NAFTA davor, beim transatlantischen Freihandelsabkommen Fehler zu machen, die auch künftige Abkommen prägen
Im Juli hatte sich das EU-Parlament grundsätzlich für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP ausgesprochen, EU-Kommissionspräsident Juncker betonte letzte Woche erneut, dass er auf TTIP bestehe und die deutsche Kanzlerin, die TTIP in der Bedeutung einmal mit dem Nato-Doppelbeschluss in 1980er Jahren gleichsetzte, drängte heute erneut auf eine Einigung über die Grundzüge des Abkommens "bis Ende des Jahres".

Es herrsche Zeitdruck, wird berichtet. Das mag auch daran liegen, dass Kritiker des geplanten Abkommens, bei dem so viel Wert auf Geheimhaltung gelegt wird, immer mehr neuralgische Punkte herausarbeiten und an die Öffentlichkeit bringen (Bundesregierung sieht bei TTIP-Regulierungskooperation Möglichkeit zum Ausschluss der Parlamente).

Ein Gegenargument, bei dem die Öffentlichkeit sensibel reagieren dürfte, kommt von einem amerikanischen Gewerkschafter, der augenblicklich in Österreich eine TTIP-Aufklärungstour unternimmt. Laut Michael Dolan, Spezialist für "fairen Handel" in der US-Gewerkschaft Teamsters, müsse sich die EU auf Job-Verluste durch das Handelsabkommen einstellen.

Er verweist dabei auf die Erfahrungen, die in den USA mit dem Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada (NAFTA) gemacht wurden, nämlich den Verlust "von hundertausenden Jobs in 20 Jahren". Dass bei NAFTA das Gegenteil dessen eintrat, was man seinerzeit der Öffentlichkeit und den Arbeitnehmern versprach - dass eben vor allem Konzerne von dem Handelsabkommen profitierten - macht sich in den Diskussionen in den USA deutlich bemerkbar: (Widerstand gegen das Pazifische Freihandelsabkommen (TPP)).

mehr:
- TTIP: "Verlust von Arbeitsplätzen" (Thomas Pany, Telepolis, 21.09.2015)

Die Gerechtigkeit der Eliten

Warum wächst die Ungleichheit? Vielleicht, weil Eliten Ressourcen eher mit Blick auf Effizienz als auf Gerechtigkeit verteilen
Es ist ein uraltes Problem: Wenn ohne göttlichen Beistand zehn Brote an 1000 Menschen zu verteilen sind, existieren zwei Lösungswege, die unterschiedlicher nicht sein können. Erstens: zehn Menschen bekommen je ein Brot, werden satt und überleben. 990 Menschen sterben. Das ist ungerecht, aber effizient. Zweitens: Wir verteilen an alle 1000 Menschen je ein winziges Brot-Scheibchen. Niemand wird satt, alle sterben. Die zweifellos gerechtere Lösung, aber effizient ist sie nicht, wenn das Überleben der Menschheit als Maßstab dient.

Während in diesem Extremfall vielleicht die meisten Menschen zu Lösung 1 tendieren, bietet der Alltag in einer modernen Gesellschaft selten derartige klare Fälle. Es kann zum Beispiel effizienter sein, zehn Menschen über teure Stipendien mit allerbester Bildung zu versorgen als 100 Menschen mit durchschnittlicher statt schlechter Grundschulbildung. Das ist vielleicht dann der Fall, wenn man als Effizienz-Maßstab die Summe der künftigen Monatsgehälter wählt. Eine solche Entscheidung erhöht also zwar den Gesamt-Reichtum der Gesellschaft erhöhen, bringt aber nebenbei noch eine unangenehme Nebenwirkung mit sich: Die Ungleichheit wächst, ein gewisser Grad an Gleichheit ist aber der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält.

Wer entscheidet über die Art und Weise, in der Ressourcen verteilt werden? Es sind in der Regel die Eliten einer Gesellschaft, selbst und gerade in den hochentwickelten westlichen Demokratien. Es ist a priori kein Nachteil, wenn jemand Entscheidungen trifft, der sich in der zu entscheidenden Sache sehr gut auskennt. Ein Problem ergibt sich allerdings dann, wenn in dieser Gruppe bestimmte Haltungen besonders ausgeprägt sind.

mehr:
- Die Gerechtigkeit der Eliten (Matthias Matting, 22.09.2015)

Michael Sandel - Die Grenzen des Marktes (Sternstunde Philosophie, 11.8.2013) [58:10]

Veröffentlicht am 03.01.2014
Geld regiert die Welt - und doch ist auch den Marktoptimisten klar, dass der Markt Grenzen braucht. Wer darf wo die Grenzen ziehen? Barbara Bleisch diskutiert mit dem in Harvard lehrenden Philosophen Michael Sandel, was für Geld nicht zu haben sein sollte und was Gerechtigkeit von Menschen verlangt. 

Homepage Sternstunde Philosophie: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...
Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur
Quarks & co - Soziale Gerechtigkeit [43:56]

Veröffentlicht am 17.06.2012
Sendung vom 12.04.11

Belkin vergisst PGP-Schlüssel in Lichtschalter-Firmware

Ein Lichtschalter mit Linux-Firmware. Praktisch, dachte sich Linux-Kernelentwickler Matthew Garrett und warf einen Blick auf die Software. Was er fand, überraschte ihn allerdings sehr: Den PGP-Key, mit dem Belkin seine Firmware unterschreibt.
mehr:
- Belkin vergisst PGP-Schlüssel in Lichtschalter-Firmware (heise Security, 25.09.2015)

siehe auch:
- FBI warnt vor Risiken des Internet der Dinge (Florian Rötzer, Telepolis, 26.09.2015) 
"Bösartige Cyberakteure" können die schnell wachsende Zahl der mit dem Internet verbundenen "smarten" Geräte und Objekte hacken

Belkin WeMo: Lichtschalter über Android und iOS bedienen [0:25]

Veröffentlicht am 15.01.2013
Belkin hat mit dem WeMo Lichtschalter ein Gerät vorgestellt, das sich über das Smartphone bedienen lässt, wenn man zu faul ist, um selbst aufzustehen. Man kann auch einen Zeitplan erstellen und den Status einsehen. Wie viel der Spaß kostet, ist noch nicht bekannt.
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Petersburger Dialog – Wir müssen reden!

Nach der Absage im vergangenen Jahr findet erstmals wieder der Petersburger Dialog statt. Die Pause wurde vom neuen Vorsitzenden Ronald Pofalla für eine Reform genutzt.

Im alten Potsdamer Kaiserbahnhof wurde einst Zar Nikolaus II. feierlich empfangen. Am gleichen Ort treffen sich am 22. und 23. Oktober bis zu 200 Deutsche und Russen zum Petersburger Dialog. Es ist die erste Tagung des Gesprächsforums seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine

Im vergangenen Oktober war ein in Sotschi geplanter Petersburger Dialog kurzfristig abgesagt worden – auf Wunsch der Deutschen. Zuvor hatten Vertreter mehrerer Organisationen erklärt, angesichts der Krise in der Ukraine und des wachsenden Drucks auf die russische Zivilgesellschaft nicht nach Sotschi zu fahren. Außerdem forderten sie eine Reform des Gesprächsforums.

Der nun begonnene Reformprozess ist auch ein Ergebnis seltener schwarz-grüner Einigkeit. Der mittlerweile verstorbene Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck, die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung hatten die Reform in einem Eckpunktepapier angemahnt. Unterstützung erhielten die Kritiker aus dem Kanzleramt. Nach einem Telefonat von Kanzlerin Angela Merkel mit Russlands Präsident Wladimir Putin wurde die Veranstaltung in Sotschi "verschoben".
mehr:
- Petersburger Dialog: Wir müssen reden! (Claudia von Salzen, ZEIT Online, 22.09.2015)

Matthias Platzeck zum Petersburger Dialog und zur Krim-Krise [21:29]

Veröffentlicht am 24.04.2014
Matthias Platzeck, der neue Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, zum Petersburger Dialog und zur Krim-Krise

siehe auch:
- Wie Pofalla die Beziehung zu Russland retten soll (Robin Alexander, Die Welt, 22.03.2015)
- Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla übernimmt Petersburger Dialog (SPON, 13.03.2015)
- Pofalla bleibt Vorsitzender des Forums Petersburger Dialog (Politik & Kommunikation, 14.09.2015)

Samstag, 26. September 2015

Fritz Wunderlich (*26.09.1930, Kusel) wäre heute 85 Jahre alt geworden

- Fritz-Wunderlich-Weg (Gemeinde Freisen)
Musik und Wege verbinden. So wurde auch der Name des berühmten, aber heimatverbunden gebliebenen Sängers Fritz-Wunderlich für den die Gemeinde Freisen im Saarland und die Stadt Kusel in Rheinland-Pfalz verbindenden Rad- und Wanderweg gewählt.

Kammersänger Fritz Wunderlich wurde am 26.09.1930 in dem pfälzischen Städtchen Kusel geboren. Er studierte an der Musikhochschule Freiburg Gesang und Waldhorn. Knapp 7 Jahre hat die Weltkarriere Fritz Wunderlichs gedauert. In dieser Zeit hat er sich auf vielen Bühnen in ganz Europa und in Übersee einen großen Namen gemacht. Man nannte ihn den besten Mozarttenor unserer Tage. 9 Tage vor seinem sechsunddreißigsten Geburtstag am 17.09.1966 beendete ein tragischer Unfall das Leben und die Weltkarriere von Fritz-Wunderlich.


- Fritz Wunderlich (Wikipedia)
- "Nimm Dich in acht, Junge!" (Wiener Zeitung, 27.08.1999)
Fritz Wunderlich und Anneliese Rothenberger beim Bühnenausgang, fleißig werden sämtliche Autogrammwünsche erfüllt. Fritz Wunderlich aber setzt an diesem Abend, was er noch nie zuvor getan hat, ein "in memoriam" vor seinen Namenszug. Wieder eine dieser Drolerien, die für den Herrn Kammersänger so typisch sind?

Drei Wochen später ist Fritz Wunderlich tot. Und sogleich kommen Spekulationen auf, es sei vielleicht doch mehr gewesen als nur ein makabrer Scherz · am Ende gar Vorahnung des Kommenden?


- Plittersdorfer sammelt alles über Tenor Fritz Wunderlich (Bettina Köhl, Bonn/Bad Godesberger Generalanzeiger, 05.03.2014)
Fritz Wunderlich war wohl auch deshalb so erfolgreich, weil sich bei ihm Talent und Ehrgeiz mit einer unbändigen Energie und Lebenslust verbanden. Jordan zeigt ein Foto, aufgenommen beim Stuttgarter Opernball 1956, wo Wunderlich den Trompeter Louis Armstrong parodierte. Ein weiterer Schatz stammt aus der Zeit unmittelbar vor dem plötzlichen Tod des Sängers. Mit Kollegen wartete er auf den Rückflug von einem Konzert in Glasgow am Flughafen, der Start wurde verschoben, die Damen froren. In einem Fotoautomaten schnitt Wunderlich Grimassen und verteilte die Bilder zur allgemeinen Erheiterung. Werner Jordan besitzt eine Kopie. "Er war ein heiterer Mensch. Diese Leichtigkeit hört man auch in seiner Musik", findet der Godesberger.

Es sind die Zufallsfunde, die den Sammler besonders begeistern. Zum Beispiel, dass Wunderlich eine Platte unter dem Pseudonym Werner S. Braun eingespielt hat, weil er gerade den Verleger wechselte, oder dass er 1963 in Lausanne mit der damals noch unbekannten Montserrat Caballé in drei Aufführungen der Zauberflöte gesungen hat.
EINE DOKUMENTATION ÜBER DEN DEUTSCHEN SÄNGER FRITZ WUNDERLICH [43:33]

Veröffentlicht am 13.06.2014
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- Fritz Wunderlich neu abgemischt (Alexander Dick, Badische Zeitung, 27.09.2015)
- Fritz Wunderlich – Leben und Legende (Musik heute, 06.08.2013)
- Vor 75 Jahren: Fritz Wunderlich in Kusel geboren (Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)
- Fritz Wunderlich – ein unvergesslicher Mozart-Sänger (Sr 2 Kulturradio, 27.09.2015)
- Zum 80. Geburtstag: Wunderlich lebt! (Mirko Weber, ZEIT Online, 30.09.2010)

Fritz Wunderlich singt"Nessun Dorma" [3:15]

Veröffentlicht am 09.07.2014
Arie des Kalaf aus"Turandot" Fritz Wunderlich singt die Arie in deutscher Sprache "Keiner schlafe" G.Puccini.
Auf dem Bild ist Fritz Wunderlich 5 Jh.


Heute vor 72 Jahren – 26. September 1943: Katholische Kirche protestiert gegen »Euthanasie«

Das finsterste Kapitel deutscher Medizingeschichte 

»Tötung ist in sich schlecht, auch wenn sie angeblich im Interesse des Gemeinwohls verübt wurde: an schuld- und wehrlosen Geistesschwachen und -kranken, an unheilbar Siechen und tödlich Verletzten, an erblich Belasteten und lebensuntüchtigen Neugeborenen ... « Mit diesen deutlichen Worten eines Hirtenbriefs der deutschen Bischöfe, der am 26. September 1943 in den Gottesdiensten verlesen wurde, protestierte die katholische Kirche ein weiteres Mal gegen die Euthanasiemorde im nationalsozialistischen Deutschland. 

Mit Begriffen wie »lebensunwertes Leben«, »Euthanasie« oder »Aktion Gnadentod« kaschierten die Nationalsozialisten den Mord an etwa 200000 behinderten, wehrlosen Menschen. Dem ersten großen Akt des monströsen Verbrechens unter dem Codenamen »Aktion T4«, das von zahlreichen Medizinern unterstützt und vorangetrieben wurde, fielen bis 1941 über 70000 geistig kranke und behinderte Menschen zum Opfer. Sie wurden in zentralen Tötungsanstalten mit Giftgas umgebracht, starben an todbringenden Medikamenten oder man ließ sie schlicht verhungern. Als sich 1941 in der Bevölkerung Protest gegen die »Euthanasie« erhob, den die Kirchen am deutlichsten artikulierten, trieb man den Mord im Verborgenen und dezentral weiter, vornehmlich an Kindern. 

Was am 26. September noch geschah: 
1905: Albert Einstein veröffentlicht seine Relativitätstheorie. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2015 

siehe auch:
- 26. September 1943 – Kirche protestiert gegen Euthanasie  (n24, 21.09.2012)

Widerstand - Kampf gegen Hitler, Teil 3: Gott und die Nazis [28:28]

Veröffentlicht am 10.06.2014
Anpassung oder Widerstand? Thema ist die Rolle der christlichen Kirchen im Nationalsozialismus. Wie standen die Kirchen zu den Judenverfolgungen und Euthanasie? Welche Priester, welche Bischöfe leisteten Widerstand? Das Reichskonkordat zwischen katholischer Kirche und Deutschem Reich ist ebenso Thema wie die Inhaftierung und Ermordung von Geistlichen. Die interviewten Zeitzeugen sind: Michael Höck und Hans Werners, katholische Priester. Eberhard Bethge, ev. Theologe und Freund von Dietrich Bonhoeffer (1945 hingerichtet); Martin Niemöller, ev. Theologe (Aufnahmen von 1984); Paula Sarach, im KZ inhaftiert wegen kritischer Äußerung zur Euthanasie in Hadamar.
Völkischer Staat, Fronleichnamsprozession München, Parteimitglieder der NSDAP vor 1933 werden in der Kirche nicht geduldet, ketzerische Irrungen, Adolf Wagner, Michael Höck, Vatikan, Kardinal Bertram
00:04:42 Schweigen der Bischöfe zu den ersten antisemitischen Übergriffen, Angst, dass es auch ein Kampf gegen die Katholiken werden könnten, Hans Werners, Konkordat, Massentrauungen, Hochzeit, Segen der Kirche
00:06:35 in der evangelischen Kirche antisemitische Gruppierung, deutsche Christen, sollen Macht in der Kirche übernehmen, Gleichschaltung, Martin Niemöller, Pfarrernotbund
00:07:48 Entlassung von geistlichen jüdischer Abstammung, Dietrich Bonhoeffer, Eberhard Bethge, pompöse Selbstinszenierung, der deutsche Episkopat
Hans Werners, Zerstörung von Synagogen, Bernhard Lichtenberg, Hans von Dohnanyi, Hans Oster
00:21:19 Paula Sarach, deutsche Heilanstalten, Geisteskranke, Euthanasieprogramm, befehl zum Massenmord, NS-Tötungsanstalt Hadamar, Kardinal Clemens August von Galen, Predikten, Regimegegner,
00:24:58 Konrad von Preysing, Berlin, schärfster Kritiker, St. Hedwig

Ich wäre so gerne heimgekommen - NS-Euthanasie - DOKU, ARD 2015 (Komplett) [29:34]

Veröffentlicht am 25.08.2015
Ich wäre so gerne heimgekommen
- NS-Euthanasie -
Dokumentation, ARD 20.07.2015.
Ca. 30 Min.

Clemens August von Galen -- Der Löwe von Münster [7:38]

Hochgeladen am 01.01.2011
Das Leben und Wirken von Kardinal Clemens August von Galen -- dem Löwen von Münster -- in Bildern und Filmsequenzen zusammengestellt von © Hans-Jürgen Schmitz, Kevelar 2007
Clemens August von Galen (1878-1946) gilt als Symbolfigur des katholischen Widerstands gegen das »Dritte Reich«. Als Bischof von Münster ließ er sich »weder durch Lob noch Furcht« davon abhalten, unbeirrt auf die Rechte und die Freiheit der Kirche zu pochen und gegen die Verfolgung Unschuldiger durch das NS-Regime die Stimme zu erheben. Seine Predigten vom Sommer 1941 gingen um die Welt und veranlassten die Nazis, die Ermordung von Behinderten zu stoppen.
Seinen Beinamen »Löwe von Münster« erhielt er wegen seines furchtlosen Kampfes für die Achtung der bedrohten Würde jedes menschlichen Lebens.
Clemens August von Galen wurde 1946 zum Kardinal erhoben und 2005 seliggesprochen.
Weitere Informationen über den Löwen von Münster unter
http://www.wie-ein-loewe.de
oder
http://www.facebook.com/pages/Clemens...
 
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Heute vor 32 Jahren – 26. September 1983: Stanislaw Petrow verhindert den 3. Weltkrieg

1983 stand die Welt kurz vor dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs 

Telepolis veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch "Stanislaw Petrow: Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte" von Ingeborg Jacobs (Westend Verlag). Die Autorin und Filmemacherin schildert darin eine der dramatischsten Situationen des Kalten Kriegs und fragt: Wer war dieser Mann, der die Welt rettete? In welchem historischen Kontext geschah dies? Was bedeutet das für heute, was können wir daraus lernen? Und wer rettet uns das nächste Mal, denn ein neuer Kalter Krieg ist nicht ausgeschlossen?

Als es um null Uhr fünfzehn plötzlich ernst wurde, befand sich Stanislaw Petrow in dem riesigen Kontrollraum, der sich in einem Bunker befand und das Herz des Kommandozentrums ausmachte, an seinem Pult. Es stand in einer Ecke, davor eine schräg gestellte Glasscheibe, die bis zur Decke reichte. Etwas tiefer verschiedene Pulte, an denen die einlaufenden Informationen verarbeitet wurden. Eine senkrechte Tafel zeigte den Zustand der sowjetischen Frühwarnsatelliten an. Dann gab es noch ein paar Karten: eine für die operative Aufklärung, deren Zentrum der Nordpol war. Symmetrisch dazu lagen die Vereinigten Staaten und die UdSSR. Eine weitere Karte mit den Meridianen und Breitenkreisen. Außerdem eine Karte der USA, auf der kleine Fenster anzeigten, wo sich welcher Raketenstützpunkt befindet.

"Wir wussten damals, die USA hatten genau tausend Raketen, die sich auf sechs Raketenbasen befanden, die wir als kleine Fenster markiert hatten", erklärt Petrow. "Genau tausend Interkontinentalraketen vom Typ Minuteman hatten sie und noch ein paar Titanraketen. Einige waren allerdings nicht einsatzbereit."

Wo sich die sowjetischen Atomraketensilos befanden, wusste Stanislaw Petrow hingegen nicht. Er war bestens über die Stationierungsorte des Gegners informiert, behauptet aber, keine Daten zu den Abschusspositionen der eigenen Raketen gehabt zu haben. Eine wenig glaubwürdige Aussage, da sich die Silos der für die Verteidigung Moskaus vorgesehenen S-25-Berkut-Raketen quasi neben dem Gelände des Frühwarnsystems Serpuchow-15 befanden.

"Zu viel über die eigenen Waffen zu wissen war in der Sowjetunion nicht üblich", erklärt Stanislaw Petrow. "Bei uns reichte es stets aus, das zu wissen, was für die eigene Arbeit wichtig war. Es gab nur eins, was jeder wissen musste: dass er sich nur um das zu kümmern hatte, was ihn persönlich anging. Ich habe das auch immer so gehalten, denn ich musste ziemlich viel im Kopf haben, Zahlen und Fakten für die Analyse unseres Systems. Ich wusste das auswendig, damit ich bei der Arbeit keine Dokumente zu Rate ziehen musste. Wir standen ja immer unter Zeitdruck, wenn es darum ging, die Meldungen des Systems zu beurteilen. Deshalb habe ich auch jede überflüssige Information gleich wieder vergessen."

Die wichtigsten Informationen über die sowjetischen Raketen hatte Petrow aus Büchern und aus Zeitschriften. Außerdem hatte er an den verschiedenen Orten, an denen er stationiert war, auf den Testgeländen oft miterlebt, wie die sowjetischen Raketen starteten. Die Männer, die im Kontrollzentrum arbeiteten, hatten in den vergangenen Jahren unzählige Trainingseinheiten hinter sich gebracht. Theoretisch wussten sie, wie es sein würde, wenn es einen echten Alarm geben würde. Wenn eintreten würde, womit sie stets rechneten, worauf die politische Führung des Landes wartete, wovor die Zeitungen so oft warnten: ein Atomraketenangriff von US-amerikanischer Seite auf ihre Heimat, die Sowjetunion. Die Männer kannten alle Abläufe, hatten sie so lange geübt, bis sie sie automatisiert und verinnerlicht hatten.

Doch dann trat dieses Ereignis, auf das Stanislaw und seine Männer immer gewartet hatten, vollkommen überraschend ein. Alles war ruhig und friedlich. Und plötzlich heulte schrill die Sirene auf. Auf der Tafel vor den Männern leuchtete in roten Buchstaben das Wort "Start". Ein Raketenstart von einer amerikanischen Abschussbasis war erfolgt.

mehr:
"Um Haaresbreite" (Markus Kompa, Telepolis, 10.11.2015)

siehe auch:
Stanislaw Petrow – der Mann, der den Atomkrieg verhinderte (Ingeburg Jacobs, Telepolis, 02.11.2015)
Weiterer Fall eines Beinahe-Atomkriegs aus Versehen während der Kubakrise (Markus Kompa, Telepolis, 29.10.2015)
- Geheimdokumente zu Nato-Manöver: So nah kam die Welt 1983 einem Atomkrieg (SPON, 03.11.2013)
- Stanislaw Petrow und das Geheimnis des roten Knopfs (Markus Kompa, Telepolis, 20.06.2009)
- Am Rande des Atomkriegs (Ralf Geißler, Deutschlandfunk, 26.09.2008)

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Am 26. September 1983 war Oberstleutnant Stanislaw Petrow diensthabender Offizier im Serpuchow-15-Bunker (ungefähr 50 Kilometer südlich von Moskau). Seine Aufgabe bestand in der computer- und satellitengestützten Überwachung des Luftraumes. Im Fall eines nuklearen Angriffes auf die UdSSR sah die Strategie einen mit allen Mitteln geführten sofortigen nuklearen Gegenschlag vor.
Kurz nach Mitternacht meldete der Computer eine auf die Sowjetunion anfliegende US-amerikanische Atomrakete. Petrow schlussfolgerte die Unwahrscheinlichkeit eines mit einer einzelnen Rakete durchgeführten Erstschlages, da der massive Gegenschlag die totale Auslöschung des Aggressors bedeuten würde. Zusätzlich war die Verlässlichkeit des Satellitensystems (Kosmos 1382)[1] zuvor mehrfach in Frage gestellt worden. Auf Satellitenaufnahmen der US-Militärbasis konnte Petrow keine Rakete erkennen. Da die Basis jedoch zu dem Zeitpunkt genau auf der Tag-Nacht-Grenze lag, hatten die Bilder nur eingeschränkte Aussagekraft. Petrow meldete der Militärführung einen Fehlalarm.[3] Kurze Zeit später meldete das Computersystem eine zweite, dritte, vierte und fünfte abgefeuerte Rakete. Da das Satellitensystem letztlich keine weiteren Raketen meldete, ging Petrow bei seiner Einschätzung weiterhin von einem Fehlalarm aus, da ein tatsächlicher Atomschlag seiner Ansicht nach mit deutlich mehr Waffen hätte stattfinden müssen. Dabei standen ihm keine anderen Daten zur Verfügung, um seine Einstufung im maßgeblichen Zeitraum überprüfen zu können. Das landgestützte sowjetische Radar konnte keine zusätzlichen Daten liefern, da dessen Reichweite dafür zu kurz war.
Petrow stand während dieser Entscheidungsphase unter erheblichem Druck: Einerseits würde eine Weiterleitung von fehlerhaften Satellitendaten (Fehlwarnung) zu einem sowjetischen Atomschlag führen. Andererseits würden im Falle eines tatsächlichen US-amerikanischen Angriffs umgehend dutzende nukleare Sprengköpfe auf sowjetisches Territorium niedergehen und seine Einstufung der Satellitenwarnung als Falschmeldung eine gravierende Einschränkung der sowjetischen Handlungsoptionen bedeuten. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Sowjetunion damals eine dezentral organisierte Zweitschlagfähigkeit als Gegenmaßnahme gegen Enthauptungsstrategien erst teilweise aufgebaut hatte.
Am Morgen stellte sich heraus, dass Petrows Einschätzungen richtig waren – das satellitengestützte sowjetische Frühwarnsystem hatte Sonnenreflexionen auf Wolken in der Nähe der Malmstrom Air Force Base in Montana, wo auch US-amerikanische Interkontinentalraketenstationiert waren, als Raketenstarts fehlinterpretiert.
Auch wenn den Befehl zum Gegenschlag letztlich noch das sowjetische Oberkommando und die Staatsführung hätten geben müssen, hatte Petrow durch sein Verhalten die hierarchische Kettenreaktion bis zu einem möglichen Nuklearkrieg rechtzeitig unterbrochen. [Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow, Der Vorfall, Wikipedia]

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siehe folgendes Video ab 6:00 
ZDF-Dokumentation Deutsch Die heißesten Momente des kalten Krieges Teil 3 [14:19]

Veröffentlicht am 27.03.2013
Erst Tage später stellte sich heraus, dass die Software des Spionagesatelliten fehlerhaft funktioniert hatte. Reflektionen von Sonnenstrahlen hatte das System fälschlicherweise als Startblitze von Raketen interpretiert. Von seinen Vorgesetzen wurde Petrow getadelt, weil er die vorgegeben Befehlsketten unterbrochen hatte. Doch tatsächlich verhinderte seine Courage wohl eine unkontrollierbare Eskalation des Kalten Krieges. "Für uns ist er ein Held", erklärt CIA-Chefhistoriker Benjamin Fisher gegenüber dem ZDF. Stanislaw Petrow lebt heute in Moskau und bezieht eine bescheidene Rente.

Der Mann, der die Welt rettete (The Man Who Saved the World) [1:45:19]

Veröffentlicht am 25.12.2015
Regie: Peter Anthony

Mit: Stanislaw Petrow. Kevin Costner, Robert De Niro, Matt Damon
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