Mittwoch, 14. Dezember 2016

Adventsrätsel, das vierzehnte von vierundzwanzig

Mit »M« es uns die Stimmung senkt,
mit »Z« es an der Grenze hängt.


Dienstag, 13. Dezember 2016

Der Deutsche Lehrerverband und die Inflation der Einsen

Josef Kraus plädiert dafür, dass Bayern Abiturnoten aus "anspruchslosen Bundesländern" nicht mehr anerkennt

Nach Auffassung des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, werden in bestimmten Bundesländern - hauptsächlich nennt er Berlin - allzu leicht gute Schulnoten vergeben. In Berlin habe sich die Zahl der Abiturzeugnisse mit der Bilderbuchdurchschnitts-Note 1,0 innerhalb von zehn Jahren "vervierzehnfacht", erklärte er gegenüber der Bild-Zeitung.

Auch in den Ländern Brandenburg, NRW und Thüringen sei die Tendenz, dass Abiturnoten immer besser würden, zu erkennen. Kraus spricht von einer "Inflation" bei den Schul- und Abiturnoten, die ein Ende haben müsse, weil Zeugnisse nicht zu "ungedeckten Schecks" werden dürfen. Seine Forderung, die er daran anschließt, hat es in sich:

Anspruchsvolle Bundesländer wie Bayern sollten die Abiturzeugnisse anspruchsloser Bundesländer nicht mehr anerkennen.
Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Aus dem Abitur müsse wieder "ein Attest für Studienbefähigung und nicht für Studienberechtigung werden", so Kraus. Es ist nicht die erste Spitze des früheren Gymnasiallehrers aus Landshut und "Bildungstitans" (CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle) gegen die Bildungspolitik anderer Bundesländer. Berlin gehört zu seinen bevorzugten Angriffszielen. Die Politik habe dort mit Reformen das Schulsystem an die Wand gefahren, wetterte Kraus im Nachhall der Ergebnisse der IQB-Leistungsstudie im Oktober dieses Jahres. Bayern fand sich im bundesweiten Vergleich der neunten Klassen in Deutsch- und Englischkenntnissen an der Spitze, Berlin ganz unten.

mehr:
- Lehrerverbandschef kritisiert Inflation von guten Schulnoten (Thomas Pany, Teleplis, 12.12.2016)

siehe auch:
- Das Bundeskriminalamt und die Rechtschreibung (Post 04.12.2016)
- This knocks me from the socks (Post, 12.09.2014)


Wider die Rede vom "Postfaktischen"

Soziologischer Zwischenruf zur medialen Konstruktion von Wirklichkeit
Ausgehend von den USA macht seit etlichen Monaten nicht nur in den deutschen Leitmedien die Rede von den "postfaktischen Debatten" die Runde. Gestern wurde der Begriff zum Wort des Jahres 2016 erklärt. Postfaktisch - was soll das überhaupt bedeuten?

Erste Zweifel am Sinn des Begriffs kommen auf, wenn man ihn etymologisch seziert. "Post" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als "nach". Insbesondere in den Kulturwissenschaften ist dies seit Jahren eine Modevorsilbe, die weniger etwas erklärt, als sie belegt, dass man nicht so genau weiß, was nach dem kommen könnte, über das man mehr als genug zu wissen glaubt. Die Rede von der "Postmoderne" wie die vom "Posthuman" treffen sich in dieser Grenzlinie zwischen Wissen und Nichtwissen.

Interessanter ist da schon das Adjektiv "faktisch", dass sich von "Fakt" ableitet. Dies wiederum, die humanistisch Gebildeten wissen es noch, ist eine Eindeutschung des lateinischen Nomens "factum", das im engeren Sinne eine Tat-Sache, also die Folge einer konkreten Tat, ganz generell jedes Ergebnis menschlichen Handelns bezeichnet. Fakt wäre damit das, was von Menschen gemacht und in die Welt gesetzt wurde.

Mithin würde das Attribut "postfaktisch" alle jene Sachverhalte benennen, die nicht mehr auf das Wirken von Menschen zurückgehen, sondern gleichsam nach-menschlich in die Welt gekommen sind. In diesem Sinne wäre "postfaktisch" dann etwa die Rückeroberung der verlassenen Städte durch Pflanzen und Tiere, wenn die Menschheit eines Tages ausgestorben sein sollte (siehe dazu den fast prophetischen Band von Alan Weisman 2007).

Dies aber ist mit dem Begriff in seiner aktuellen Verwendung ganz offensichtlich nicht gemeint. "Postfaktisch" steht vielmehr als Verdichtungsmetapher für die gesellschafts- und medienpolitische These, dass heute - im Gegensatz zu früher! - viele öffentliche Debatten nicht mehr auf der Basis von Fakten geführt würden.

mehr:
- Wider die Rede vom "Postfaktischen" (Michael Schetsche, Telepolis, 10.12.2016)

siehe auch:
- Politik ohne Fakten: Das gefühlte Zeitalter (Margarete Stokowski, SPON, 13.12.16)
- Wort des Jahres 2016: »Postfaktisch« (Post, 09.12.2016)

Transatlantische Russophobie: Nach Krim-Annexion, Luftraumverletzungen und geheimnisvollen U-Booten jetzt Cyberwar

Der Streit kulminiert in Washington und zeigt, wie zerrissen das Land ist
Während Donald Trumps Gegner auch in der eigenen Partei eine Möglichkeit sehen, diesen dadurch noch vor seinem Amtsantritt zu beschädigen, weil er angeblich von Russland bei der Wahl unterstützt worden sei, macht er sich selbst über die Behauptungen lustig. "Lächerlich" sei die Behauptung, sagte er im Interview für Foxnews, die der CIA gegenüber Abgeordneten in einer Geheimsitzung gemacht habe, dass Russland die Wahl zugunsten von ihm beeinflusst haben soll, er habe sie eindeutig gewonnen. Zudem äußerte er Skepsis gegenüber den Geheimdiensten, was als Affront gilt.

Seit George W. Bush hatte der mit vielen Diensten aufgeblähte Geheimdienstapparat mit mehr als 40.000 Angestellten und einem offiziellen Budget von zuletzt 70 Milliarden US-Dollar nicht nur mehr Geld bekommen, sondern die Dienste hatten auch weitgehend freie Hand, die Überwachung auszubauen. Auch Barack Obama stützte sich weiter auf die Geheimdienste, baute deren Zuständigkeiten aus und hat nun auch unter dem Druck vor demokratischer Abgeordneter die Geheimdienste aufgefordert, eine Untersuchung über die russischen "Cyberaktivitäten" vorzulegen. Zudem wurde beim Pentagon das Cyberkommando unter dem Direktor der NSA aufgebaut.

Wenn sich Trump mit den Geheimdiensten anlegt und deren Arbeit herabwertet, kratzt er nicht nur an der mächtigen, mit der Privatwirtschaft, Politikern und vielen Thinktanks vernetzten US-Sicherheits- und Militärbranche, sondern auch an deren Rechtfertigung durch den Globalen Krieg gegen den Terrorismus und zuletzt verstärkt durch den Konflikt mit Russland. Allerdings scheint das Ansehen der Geheimdienste unter den Leaks von Snowden gelitten zu haben. Der Ex-NSA-Direktor Alexander berichtete, dass dies neben dem angeblich geringen Gehalt im Vergleich zur Privatwirtschaft ein Grund sei, warum der NSA viele Leute davonlaufen (NSA-Mitarbeiter verlassen angeblich den Geheimdienst in Scharen).

Für den republikanischen Senator John McCain, der Vorsitzender des Streitkräfteausschusses und innerparteilicher Gegner Trumps ist, steht jedenfalls als Tatsache fest, dass die Russen in die Wahl eingegriffen haben. Nicht klar sei es, ob sie dies zugunsten eines Kandidaten gemacht haben, das müsse untersucht werden. Er könne aber Trumps Haltung nicht verstehen: "I don't know what to make of it because it’s clear the Russians interfered." McCain ist für die Einrichtung eines Kongressausschusses zur Untersuchung und kritisiert auch die Haltung Trumps gegenüber Putin: "Wladimir Putin ist ein Schurke und ein Mörder und ein Killer und ein KGB-Agent." Man könne zwar mit ihm reden, aber so wie das Reagan gemacht habe, aus einer "Position der Strenge" heraus. Für den demokratischen Abgeordnete Adam Schiff, der im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses sitzt, ist die Sache ebenfalls klar. Was man wisse, spreche dafür, dass Moskau sich zugunsten "des in der Geschichte am stärksten prorussischen Kandidaten" eingemischt habe. Vermutlich wird es einen Kongressausschuss geben, womit die Angelegenheit erst einmal vertagt ist und die Geheimdienste von Trumps Leuten geleitet werden.

mehr:
- Russische Einmischung in US-Wahl: Lächerlich, False-Flag-Aktion, bewiesen … (Florian Rötzer, Telepolis, 12.12.2016)
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siehe auch:
- Der Präsident der USA im Infowar: Wenn eine Medienlandschaft den Knall nicht hört (Marcus Klöckner, Telepolis, 11.12.2016)
- Feindbild: Russland macht Information zur Waffe (Florian Rötzer, Telepolis, 11.12.2016)
- US-Geheimdienste: Russland wollte Trumps Wahlsieg bewirken (Florian Rötzer, Telepolis, 10.12.2016)
- Propagandakrieg in den USA gegen Russland (Florian Rötzer, Telepolis, 10.12.2016)
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Dirk Müller erklärt: Warum Putin in der Ukraine handeln musste. {6:37}

Veröffentlicht am 12.11.2013
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Dirk Müller erklärt, warum Putin in der Ukraine handeln musste.

Adventsrätsel, das dreizehnte von vierundzwanzig

Das Erste liegt im Schweizer Land,
das Zweite überall,
das Ganze gibt’s am Meeresstrand, 
jedoch nicht überall.


Montag, 12. Dezember 2016

Adventsrätsel, das zwölfte von vierundzwanzig

Was ist kalt, heiß, weich, eng, weit, rot und gut?
Was zerspringt, klopft, erwärmt, rutscht, schlägt, bricht, hüpft und erquickt?

Sonntag, 11. Dezember 2016

Adventsrätsel, das elfte von vierundzwanzig

Das Erste öffnet wie von allein.
Das Zweite gebrauchst du immer zu zwei’n.
Auch das Ganze trägst du stets doppelt herum,
und wenn es kaputt bricht, dann ist es dumm.


Samstag, 10. Dezember 2016

Propaganda: »Luftangriffe« vs. »Angriffe« – für den Leser »vorinterpretiert«

Nachrichtenfälschung bei Zeit Online: Das Hamburger Blatt hat dem russischen Außenminister Lawrow eine Aussage am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg in den Mund gelegt, nach der Russland die Luftangriffe auf die Gebiete der sogenannten Rebellen in Ost-Aleppo fortsetzen wolle. Doch Sergej Lawrow hat nie von russischen Luftangriffen auf Aleppo gesprochen. Tatsächlich finden seit 18. Oktober keine russischen Luftangriffe mehr auf Aleppo statt, wie damals im Oktober auch die westlichen Medien vermeldeten. Seitdem greifen keine russischen Kampfflieger mehr Stellungen der Al-Qaida-geführten Rebellen und natürlich auch keine Zivilisten an. Gegenteilige Beweise liegen nicht vor. Die Zeit Online hat ihre Meldung zu Lawrow geschickt so manipuliert, dass Lawrow nicht direkt zitiert wird, ihm aber die vermeintliche Bestätigung russischer Luftangriffe durch sprachlichen Kunstgriffe – oder besser journalistischen Betrug – untergeschoben wird. Gezielte Fake-News zu Propagandazwecken.

Bei Zeit Online heißt es in dem entsprechenden Artikel „Syrien-Krieg: Lawrow lehnt Stopp der Luftangriffe auf Aleppo ab“ vom Nachmittag des 9. Dezember 2016: „Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat eine Einstellung der Luftangriffe auf die noch von Rebellen kontrollierten Gebiete Ost-Aleppos abgelehnt. ‚Die Angriffe werden so lange weitergehen, wie noch Banditen in Aleppo sind‘, sagte Lawrow am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg. Er kritisierte zugleich westliche Äußerungen zur Lage in der syrischen Stadt Aleppo als ‚hysterisch‘.“.

mehr:
- Zeit Online fälscht russische Luftangriffe auf Aleppo (Jens Meinert, Blauer Bote, 10.12.2016)
mein Kommentar:
Erstmal war mir auch nicht klar, um was es Jens Meinert ging. Ich mußte den Artikel zweimal lesen…

Lawrow spricht von Pause bei Angriffen in Aleppo {1:40}

euronews (deutsch)
Am 08.12.2016 veröffentlicht 
Die syrische Armee hat nach russischen Angaben ihre Militäroffensive in Aleppo unterbrochen. Zur Zeit laufe in Aleppo eine "große Operation", um Zivilisten in Sicherheit zu bringen. sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow beim OSZE-Gipfel in Hamburg, Einen solchen Schritt hatte der syrische Machthaber Baschar al-Assad zuletzt noch ausgeschlossen. Rund 8.000 Zivilisten soll ermöglicht werden, die Stadt zu verlassen.
Noch immer sind mehr als 150.000 Zivilisten von der Versorgung mit Nahr…
LESEN SIE MEHR: http://de.euronews.com/2016/12/09/law...
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Adventsrätsel, das zehnte von vierundzwanzig

Das Erste ist im Kornfeld heimisch,
was den Bauern arg vergrätzt.
Das Zweite ist ein Fett, lateinisch,
im Ganzen wird man beigesetzt.


Freitag, 9. Dezember 2016

Deutsch-russische Kommunikationsprobleme

Die Stärkung des gesellschaftlichen Dialogs mit Osteuropa scheint eingefroren
Das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesregierung und der russischen Führung war schon besser. Russlands Weigerung, die Machtübernahme in der Ukraine einfach hinzunehmen und in der Folge gezwungenermaßen auf den Zugang zum Schwarzmehrhafen Sewastopol zu verzichten, war den Beziehungen auch nicht förderlich. Die Angliederung der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol an Russland fand zwar auf der Krim und in Russland Zustimmung, nicht jedoch im Westen.

Trotz Russland-Koordinator: Eiszeit im Osten?
Die Bundesregierung hat mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Staatsminister Gernot Erler seit Januar 2014 einen Koordinator für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft. Er ist dem Auswärtigen Amt angegliedert und soll den gesellschaftlichen Dialog im Vorfeld der offiziellen Politik intensivieren und in den Dienst der politischen Ziele Deutschlands stellen.

Weiter erklärt man auf der Website des Auswärtigen Amtes, Deutschland unterhalte mit Russland, den fünf zentralasiatischen Republiken, mit der Ukraine, den drei südkaukasischen Republiken und mit Moldau und Belarus intensive Beziehungen und sei an einer gedeihlichen und stabilen Entwicklung dieser Großregion im Osten der EU sehr interessiert. Aber nicht überall funktioniere die regionale Zusammenarbeit, und es gebe Spannungen, Krisensituationen wie aktuell in der Ukraine und ungelöste "frozen conflicts".

mehr:
- Koordinator für Zusammenarbeit mit Russland antwortet nicht (Christoph Jehle, Telepolis, 07.12.2016)

siehe auch:
- Petersburger Dialog – Wir müssen reden! (Post, 27.09.2015)
- Wider den öffentlichen Dialog mit Russland – Unsere Bundesmama und zwei ungehorsame Kinder (Post, 26.11.2014)

Smartphones und Drogen – Zusammenhänge französischer Statistiker

Drogen und Heranwachsende: Die Statistiker der französischen Beobachtungsstelle für Sucht haben einen interessanten Zusammenhang entdeckt

Heranwachsende Kinder auf den richtigen Umgang mit Drogen vorzubereiten, ist schwierig. Vieles hängt damit zusammen, das eigene Vorbild, wie sich Freunde verhalten, die gesellschaftliche Bewertung - Alkohol hat in unserer Kultur einen anderen Status als Cannabis - und auch, wie viel Raum man Kindern für eigene Erfahrungen gibt oder gelassen hat, mit wie viel Eigenständigkeit die Kinder ihr Gefühl dafür aufbauen, was gut für sie ist oder schlecht.

Der Einfluss der Eltern ist begrenzt, die vollkommene Kontrolle gibt es nicht, sie könnte auch zu ganz unerwünschten Resultaten führen. Belehren kommt auch nicht immer gut. Aber es ist auch nicht jedermann ein Künstler, der sich auf Schädlichkeiten als gesundes Anti-Therapeutikum so gut versteht wie der Schriftsteller Wolf Wondratschek, der die Krankheit unserer Zeit weniger im Rauchen oder Trinken, sondern in der Angst vor allem sieht und der die Neugier hochhält.

mehr:
- "Lass sie mit Smartphones herumspielen, dann kommen die Drogen erst später" (Thomas Pany, Telepolis, 08.12.2016)

USA: Lebenserwartung zurückgegangen

Nach Zahlen der US-Gesundheitsbehörde ging 2015 erstmals seit mehr als 2 Jahrzehnten die Lebenserwartung zurück, während die Mortalitätsrate stieg


Normalerweise heißt es, die Lebenserwartung der Menschen werde weiterhin ansteigen, wie dies schon kontinuierlich während der letzten Jahrzehnte und sogar seit mehr als 100 Jahren der Fall gewesen ist. Hin und wieder gab es in den letzten Jahren einzelne Hinweise darauf, dass der Fortschritt im Hinblick auf das Lebensalter zu Ende kommen könne, dass der Gipfel womöglich überschritten sei. Aus den USA berichtet nun das National Center for Health Statistics (NCHS), dass die Lebenserwartung 2015 erstmals seit 1993 gesunken sei, was möglicherweise, wenn der Trend anhalten sollte, der Fortschrittserwartung einen Dämpfer versetzen könnte.

In Deutschland liegt die statistische Lebenserwartung für 2015 geborene Mädchen bei 83,1 Jahren und bei Jungen bei 78,2 Jahren. Um 1870 lag die Lebenserwartung für Frauen und Männer noch unter 40 Jahren. Damit hat sich die Lebenserwartung seitdem verdoppelt.

Wie schnell die Zunahme geht, lässt anhand der Angaben des Statistischen Bundesamts erkennen, wonach, bezogen auf 2012 und 2014, die "Lebenserwartung Neugeborener in den letzten zehn Jahren bei den Jungen um 2 Jahre und 3 Monate und bei den Mädchen um 1 Jahr und 6 Monate im Vergleich zur Sterbetafel 2002/2004 erhöht" hat. Nach einer EU-weiten Studie ist die Lebenserwartung seit 1990 um 6 Jahre gestiegen).

mehr:
- Ende beim Fortschritt der Lebenserwartung? (Florian Rötzer, Telepolis, 09.12.2016)

siehe auch:
- Warum ist die Lebenserwartung der Männer in Israel so hoch? (Florian Rötzer, Telepolis, 08.12.2016)

mein Kommentar:
Wenn die höhere Lebenserwartung israelischer Männer auf den Wehrdienst zurückgeführt wird, vielleicht darf man ja dann die höhere Lebenserwartung in der EU auf die Rettungsschirme zurückführen…
Vielleicht ist das Sinken der Lebenserwartung ja Obama anzulasten…
oder auch Putin…

Wort des Jahres 2016: »Postfaktisch«

Gesellschaft für deutsche Sprache möchte Blick auf "tiefgreifenden politischen Wandel" lenken
Nun bekommt der Begriff "postfaktisch" (Postfaktisches Zeitalter) auch noch seinen Segen von "hoher Stelle": Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden hat den Begriff "postfaktisch" zum Wort des Jahres 2016 gewählt.

In einer Pressemitteilung der GfdS heißt es, der Begriff markiere einen "tiefgreifenden politischen Wandel". Bei dem "Kunstwort postfaktisch" handele es sich um eine "Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth", diese verweise darauf, "dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht."

mehr:
- "Postfaktisch" ist Wort des Jahres 2016 (Marcus Klöckner, Telepolis, 09.12.2016)

siehe auch:
- Angewandte Psychoanalyse: Masse und Mob – Wie sich Emotionen in der Menge entladen, und wie sie gesteuert werden können (Post, 14.03.2016)

Adventsrätsel, das neunte von vierundzwanzig

Kannst Du ein Wort erschließen,
in dem der erste Buchstabe einmal,
in dem der achte Buchstabe zweimal,
in dem der dritte Buchstabe dreimal
und der fünfte Buchstabe viermal
in ein Bett zusammenfließen?

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Adventsrätsel, das achte von vierundzwanzig

Wenn wir gebückt zur Erde sehen,
wird nächstens eine Schlacht geschehen.


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Eine Avaaz-Petition, die uns vor Menschen schützen soll, die so ziemlich alles glauben…


It's crazy, but fake news on Facebook just helped hand Trump the election! An avalanche of fake news stories, backing Trump, reached more people than top real news -- and Facebook failed to stop it! CEO Zuckerberg can easily end this, but he’s dragging his feet. Let’s demand he act now:  


SIGN THE PETITION 
Dear friends,

Donald Trump had a secret weapon that helped hand him the election -- fake news that went viral on Facebook!

Most people get their news from social media -- and because Facebook failed to stop fake news during the election, more people saw bogus reports (like that the Pope endorsed Trump) than top real news!

It’s not just the US -- the far right everywhere is spreading hateful, racist lies that millions believe to be true. And unless we stop them, the Trumps of France, Brazil, and more will use it as their own secret weapon to win.

Facebook knows exactly what it needs to do -- flag, fact check, and ban the lies. The CEO is dragging his feet, but a group of his own staff are demanding he act -- let's back them with a million strong call: 

Click to stop fake news on Facebook

Facebook is now the largest NEWS site on the planet, but unlike any credible media outlet the company has zero commitment to fact checking. So it’s newsfeed is easily coopted. A new study just revealed that fake stories got more engagement on Facebook than top election stories from 19 major news outlets COMBINED! And 85% of those fake stories supported Trump!

Facebook can solve this easily -- let users flag fake stories, hire a human team to fact check the most viral, and then put warning labels on them as soon as they're disproven. And if an outlet repeatedly distributes fake news, ban them. This is already similar to how Facebook keeps pornography off its site.

If there’s one thing CEO Zuckerberg cares about it’s his global reputation -- let’s show him that millions of Facebook users everywhere demand action, and push him to act before more Trumps use fake news as their secret weapon to win:

Click to stop fake news on Facebook
We live in a rapidly shifting world where something that didn't exist 10 years ago can wield massive power over our and our children's futures. Facebook's fake news has already done historic damage to our planet - let's stop it doing more.

With hope and determination,

Allison, Bert, Nell, Marigona, Ricken and the rest of the Avaaz team

More information:

This Analysis Shows How Fake Election News Stories Outperformed Real News On Facebook (Buzzfeed)
https://www.buzzfeed.com/craigsilverman/viral-fake-election-news-outperformed-real-news-on-facebook?...

News Use Across Social Media Platforms 2016 (Pew Research Center)
http://www.journalism.org/2016/05/26/news-use-across-social-media-platforms-2016/

Russian propaganda effort helped spread ‘fake news’ during election, experts say (Washington Post)
https://www.washingtonpost.com/business/economy/russian-propaganda-effort-helped-spread-fake-news-du

The scariest part of Facebook’s fake news problem: fake news is more viral than real news (Vox)
http://www.vox.com/2016/11/16/13626318/viral-fake-news-on-facebook


Avaaz is a 44-million-person global campaign network
 that works to ensure that the views and values of the world's people shape global decision-making. ("Avaaz" means "voice" or "song" in many languages.) Avaaz members live in every nation of the world; our team is spread across 18 countries on 6 continents and operates in 17 languages. Learn about some of Avaaz's biggest campaigns here, or follow us on Facebook or Twitter.

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Adventsrätsel, das siebte von vierundzwanzig

Einer, riesengroß und schwer, bereit, sich musisch elegant zu zeigen,
doch sehr anspruchsvoll ist er, 
läßt sich nicht so leicht betreiben.
Luftig leicht sind zwei dagegen, 
die sich nur gemeinsam regen.
Ein Paar davon hat sich gut versteckt, 
im Menscheninneren wird’s entdeckt.


Dienstag, 6. Dezember 2016

Ein adretter Psychologe und BigData

Am 9. November gegen 8.30 Uhr erwacht Michal Kosinski in Zürich im Hotel Sunnehus. Der 34-jährige Forscher ist für einen Vortrag am Risikocenter der ETH angereist, zu einer Tagung über die Gefahren von Big Data und des sogenannten digitalen Umsturzes. Solche Vorträge hält Kosinski ständig, überall auf der Welt. Er ist ein führender Experte für Psychometrik, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Als er an diesem Morgen den Fernseher einschaltet, sieht er, dass die Bombe geplatzt ist: Entgegen den Hochrechnungen aller führenden Statistiker ist Donald J. Trump gewählt worden.

Lange betrachtet Kosinski Trumps Jubelfeier und die Wahlergebnisse der einzelnen Bundesstaaten. Er ahnt, dass das Ergebnis etwas mit seiner Forschung zu tun haben könnte. Dann atmet er tief durch und schaltet den Fernseher aus.

Am gleichen Tag versendet eine bis dahin kaum bekannte britische Firma mit Sitz in London eine Pressemitteilung: «Wir sind begeistert, dass unser revolutionärer Ansatz der datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg für Donald Trump leistet», wird ein Alexander James Ashburner Nix zitiert. Nix ist Brite, 41 Jahre alt und CEO von Cambridge Analytica. Er tritt stets im Massanzug und mit Designerbrille auf, die leicht gewellten blonden Haare nach hinten gekämmt.

Der nachdenkliche Kosinski, der gestriegelte Nix, der breit grinsende Trump – einer hat den digitalen Umsturz ermöglicht, einer hat ihn vollführt, einer davon profitiert.

mehr:
Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt ( Mikael Krogerus und Hannes Grassegger, Das Magazin, 03.12.2016 )

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"Today in the United States we have somewhere close to four or five thousand data points on every individual. ... So we model the personality of every adult across the United States, some 230 million people."
— Alexander Nix (Chief Executive, Cambridge Analytica), October 2016.[9] [Cambridge Analytica, Background and methods, engl. Wikipedia, abgerufen am 07.12.2016]
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siehe auch:
- Warum schweigen die Lämmer? – Der Mensch im Geflecht von Medien, Manipulation und Macht (Post, 16.07.2016, mit ausführlicher Linkliste)

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Das Stück stellt die Frage nach der Ethik in der Wissenschaft und geht von der Erkenntnis aus, dass einmal Gedachtes oder Entdecktes nicht rückgängig gemacht werden könne. Newton (bzw. Beutler) und Einstein (bzw. Ernesti) vertreten zwei unterschiedliche Formen der Wissenschaft: Der eine repräsentiert die um ihrer selbst Willen betriebene „reine Wissenschaft“, der andere die pragmatische, angewandte Wissenschaft. Aus beiden resultiert Wissen, das letztlich tötet. Beide scheitern. Möbius wählt als Lösung dieses Dilemmas den Weg des Rückzugs und der Isolation. Dass auch er letztlich scheitert, lässt die Schlussfolgerung zu, dass Wissenschaft zwangsläufig zum Negativen führt.
Man hat vermutet, dass Fräulein Doktor von Zahnd ebenfalls bloß eine Insassin des Irrenhauses sei und die Rolle der Ärztin nur spiele. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass sie das Irrenhaus von ihrer Familie geerbt und ihr Geld in das Sanatorium investiert hat. Sie ist also tatsächlich die Besitzerin und Leiterin. Trotzdem ist ihr Wahnsinn offenkundig. Schließlich ist sie davon überzeugt, dass ihr der König Salomo erscheine und sie die Weltherrschaft übernehmen müsse.
Auch ob Newton und Einstein nur verrückt oder Agenten oder verrückte Agenten sind, ist von sekundärer Bedeutung. Primär ist die Erkenntnis, dass Wissenschaft immer auch in die falschen Hände gerät. Außerdem zeigt die Komödie, dass gemeinsame Probleme nur gemeinsam gelöst werden können. Die von Möbius gedachte Lösung, sich zu isolieren, ist zwecklos, da er durch Fräulein von Zahnd überlistet wird. Die drei Physiker bleiben zur Passivität verurteilt und können ihrem Dilemma nicht entkommen.
Als Möbius seiner Familie den (angeblich ebenfalls von Salomo suggerierten) Weltraumfahrerpsalm verkündet, betont er mit diesem leidenschaftlichen Credo, dass die Erde der einzige dem Menschen zur Verfügung stehende Lebensraum sei. Die Wissenschaft solle sich daher hüten, diesen einzigartigen Planeten zu gefährden, denn sonst werde die Menschheit in „den Wüsten des Mondes … im Staub versinken“, „in den Bleidämpfen des Merkurs verkochen“ oder „sich in den Ölpfützen der Venus auflösen“.[17] [Die Physiker, Gesamtinterpretation, Wikipedia, abgerufen am 06.12.2016]

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Im zweiten Akt wendet Dürrenmatt seine Dramentheorie an: „Die schlimmstmögliche Wendung, die eine Geschichte nehmen kann, ist die Wendung in die Komödie“. Über die Probleme der modernen Gesellschaft könne man sich seiner Meinung nach nur noch lustig machen – da das Sterben zur Massenerscheinung geworden sei, wäre die Tragödie nicht mehr interessant. Komisch sind dabei nicht die Dialoge, sondern die groteske Situation. Diese grotesken Ereignisse legt er an den wichtigsten Stellen im Buch dar (Irrenärztin ist die einzige Irre im Alten Bau; eine gepflegte kleinbürgerliche Stadt neben einer Strafanstalt im Sumpf).
Im Anhang der Komödie finden sich die „21 Punkte zu den Physikern“, welche wie folgt lauten:
  1. Ich gehe nicht von einer These, sondern von einer Geschichte aus.
  2. Geht man von einer Geschichte aus, muss sie zu Ende gedacht werden.
  3. Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmst mögliche Wendung genommen hat.
  4. Die schlimmst mögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein.
  5. Die Kunst des Dramatikers besteht darin, in einer Handlung den Zufall möglichst wirksam einzusetzen.
  6. Träger einer dramatischen Handlung sind Menschen.
  7. Der Zufall in einer dramatischen Handlung besteht darin, wann und wo wer zufällig wem begegnet.
  8. Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.
  9. Planmäßig vorgehende Menschen wollen ein bestimmtes Ziel erreichen. Der Zufall trifft sie immer dann am schlimmsten, wenn sie durch ihn das Gegenteil ihres Ziels erreichen: Das, was sie befürchteten, was sie zu vermeiden suchten (z.B. Ödipus).
  10. Eine solche Geschichte ist zwar grotesk, aber nicht absurd (sinnwidrig).
  11. Sie ist paradox.
  12. Ebenso wenig wie die Logiker können die Dramatiker das Paradoxe vermeiden.
  13. Ebenso wenig wie die Logiker können die Physiker das Paradoxe vermeiden.
  14. Ein Drama über die Physiker muss paradox sein.
  15. Es kann nicht den Inhalt der Physik zum Ziel haben, sondern nur ihre Auswirkungen.
  16. Der Inhalt der Physik geht die Physiker an, die Auswirkungen alle Menschen.
  17. Was alle angeht, können nur alle lösen.
  18. Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern.
  19. Im paradoxen erscheint die Wirklichkeit.
  20. Wer dem Paradoxen gegenübersteht, setzt sich der Wirklichkeit aus.
  21. Die Dramatik kann den Zuschauer überlisten, sich der Wirklichkeit auszusetzen, aber nicht zwingen, ihr standzuhalten oder sie gar zu überwältigen. [Die Physiker, Anwendung von Dürrenmatts Dramentheorie, Wikipedia, abgerufen am 06.12.2016]
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Auch im nicht-deutschsprachigen Ausland wurde das Stück zum Publikumserfolg. In London feierte die Übersetzung The Physicists von James Kirkup in einer Inszenierung von Peter Brook im Aldrych Theatre der Royal Shakespeare Company am 9. Januar 1963 Premiere und wurde ein großer Bühnenerfolg.[19] Am New Yorker Broadway wurde das Stück am 13. Oktober 1964 erstmals aufgeführt. Zwar empfahl die amerikanische Theaterkritik den Besuch des „zu komplexen“ Stückes lediglich „dem intellektuellen Publikum“, doch wurden The Physicists auch in New York zum Publikumserfolg der Saison.[27] 
[…]
In der Rezeption der Literaturwissenschaft wurden Die Physiker oft mit Bertolt Brechts Leben des Galilei verglichen. Manfred Durzak sah Dürrenmatts Stück als eine „Zurücknahme von Brechts Galilei“: „Die Zukunftsperspektive, die in Brechts Galilei dadurch hineinkommt, daß die objektive Weiterentwicklung der Wissenschaft garantiert ist, weicht bei Dürrenmatt völliger Hoffnungslosigkeit.“[29] Auch Franz Norbert Mennemeier zog diesen Vergleich, und er sah in Dürrenmatts Stück „[d]as Ende einer Epoche. […] Was der Stolz des 19. Jahrhunderts war: die Naturwissenschaft mitsamt dem Fortschrittsglauben, das dankt hier in aller Form ab.“[30] Für Urs Jenny hat Dürrenmatt in Die Physiker „jenen Dramentypus gefunden, der der ausweglosen Situation der Physik adäquat ist, weil er erlaubt, diese Ausweglosigkeit spannungsvoll zu enthüllen: die Situations-Komödie.“[31]  [Die Physiker, Rezeption, Wikipedia, abgerufen am 07.12.2016]
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gefunden auf Formula

mein Kommenta zur Rezeption durch die amerikanische Theaterkritik: 
»zu komplexes Stück«, »lediglich für das intellektuelle Publikum« 
Ts, ts ts… dieses alte Europa aber auch…
Vielleicht ist das nicht das Problem des Stückes, vielleicht ist das das Problem der Amerikaner…
Ich wandle ein Osho-Zitat ein klein wenig um:
»There’s nothing wrong with ›The Physicists‹,
there must be something wrong with the Americans.«


gefunden auf TubeDupe


Ein Gerichtsgutachter am Pranger

Ein renommierter Gerichtsgutachter soll klären, warum ein Baby starb – und steht am Ende selbst am Pranger. 

Hans Christoph Ludwig erinnert sich genau an den Anruf. Am Telefon war der äußerst freundliche Vorsitzende Richter einer Schwurgerichtskammer. Ob Ludwig für das Gericht ein Gutachten anfertigen könne? Es gehe um eine Frau, die angeklagt sei, ihr Baby zu Tode geschüttelt zu haben. Es klang nach einer einfachen Sache. Allerdings hatte der Anrufer es ein wenig eilig, in drei, vier Wochen schon sollte das Gutachten fertig sein. 

An der Uni-Klinik Göttingen ist Hans Christoph Ludwig, 62, Professor für Kinder-Neurochirurgie. Er operiert Kinder, die Hirntumoren haben oder einen Wasserkopf. Immer wieder behandelt er auch Babys, die von einem überforderten Vater, einer genervten Mutter geschüttelt wurden und dabei zum Teil schlimmste Gehirnverletzungen erlitten. Das sogenannte Schütteltrauma ist ihm also vertraut. Auch mit dem Verfassen von Gutachten hat er Erfahrung. Im Büro stapeln sich Gerichtsakten. Meist wird er bei Privatklagen wegen möglicher Behandlungsfehler hinzugezogen, dann soll er vor einem Zivilgericht klären, ob ein Arztkollege etwas falsch gemacht hat oder nicht. Diesmal also ein Strafverfahren. Diesmal geht es nicht um Schmerzensgeld, sondern um die Frage, ob eine Frau im Juni 2010 ihren Säugling getötet hat und ob sie, inzwischen Mutter eines weiteren Kindes, für Jahre ins Gefängnis muss (siehe auch das Dossier Wie starb Baby Nils?, ZEIT  Nr. 42/15). Ludwig überlegt kurz am Telefon, dann sagt er zu. Ein paar Tage später kommen die Unterlagen. Ein Stapel Papier, nicht sonderlich dick. Das kann man bewältigen. Die Abgabefrist – kein Problem. 


Erst viel später geht Ludwig auf, dass diese Unterlagen ein Bruchteil dessen sind, was sich im Fall des toten Babys an Akten angesammelt hat. Denn was der freundliche Richter nicht gesagt hat: Um den Fall Nils tobt bereits ein heftiger Streit unter Experten. Die Hauptverhandlung gegen die Mutter läuft seit neun Monaten. Und Ludwig, der davon ausgeht, er solle helfen, die Frage zu beantworten, ob eine Angeklagte schuldig ist oder nicht, sieht die Falle nicht. Erst als es zu spät ist, wird er verstehen. Er wird sich in einem Verfahren wiederfinden, in dem es auch um ihn selbst geht, um seine Reputation – und um den Vorwurf, ein Lügner zu sein.

mehr:
- Gerichtsgutachten: Unerwünschte Wahrheit (Tanja Stelzer, ZON, 01.12.2016)

Adventsrätsel, das sechste von vierundzwanzig

Die erste Silbe ein Fräulein ist,
die zweite meint, was üblich ist.
Doch wenn in die Zweite der Teufel sich mengt,
dann kann aus Gutem Böses entstehen.
So könnt Ihr’s an dem Ganzen sehn.