Freitag, 17. Oktober 2008

Jogi Löw, ein Technokrat

Normalerweise würde ich keinen Post über Fußball schreiben. Aber hier geht es um die Deutsche Nationalmannschaft und um den Zeitgeist. Wie geht man mit Menschen um? Als Kevin Kuranyi aus der Nationalmannschaft flog, waren den meisten Medien die Hintergründe ziemlich egal. Daß Kuranyi Löw einen Tag vor dem Rußland-Spiel um die Erlaubnis gebeten hatte, sich das Spiel zuhause ansehen zu dürfen, ging in der auf angepaßtes Intelligenzniveau herunterberichteten Kontroverse zwischen Trainer und Spieler unter.

Wieviel Anpassung ist nötig? Jetzt ist der Nächste dran: Thorsten Frings, der letzte Langhaarige. „Ich habe ihm meine Wertschätzung mitgeteilt“, berichtete Löw und ergänzte: „Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen. Aber das ist eine Situation, die ich möchte.“ Leistung ist alles, immer und unter allen Umständen abrufbar. Wenn jemand drei Jahre lang um einen Stammplatz (Stammplatz, was ist ein Stammplatz?) kämpft und es dann nicht aushält zum wievielten Mal noch nicht mal auf der Ersatzbank zu sitzen, kann man da nicht Verständnis haben? Muß man das als Trainer nicht sogar?

Wie gesagt: Normalerweise würde ich über Fußball nicht posten, aber hier läßt sich etwas erkennen, was in unserer Gesellschaft inzwischen wie ein Schimmelpilz breit gemacht hat: bedingungslose Unterwerfung unten und keinerlei Fürsorgepflicht oben. Über Jahre war Timo Hildebrand Nummer drei im Deutschen Fußballtor, nach Lehmanns Rücktritt durfte er hoffen, belohnt zu werden. Pustekuchen! Nun hat Löw ihm gnädig mitgeteilt, daß er weiterhin „zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft“ gehört und daß er einer der besten deutschen Torhüter sei. Na, da hat Timo bestimmt gleich eine Flasche Sekt aufgemacht. Leere Worte, wahrscheinlich in ein paar Motivations- oder Management-Kursen angelernt, in der Hoffnung, die Hündchen springen weiterhin nach der Wurst. Es werden noch ein paar Jahre vergehen, bis nicht nur im deutschen Fußball deutlich werden wird: Leistung ist nicht alles.

Löw: „Ich weiß, dass er seine Leistung noch bringen kann und bringen wird. Jetzt muss er diese Pille eben auch mal schlucken. Ich setze weiter auf ihn.“ Frings: „Ich bin keine beleidigte Leberwurst. Aber ich weiß, was ich kann, was ich für den DFB und auch für Jogi Löw geleistet habe – und damit weiß ich auch, dass ich so nicht mit mir umspringen lassen möchte.“ Interessant ist das Statement von Bremens Sportdirektor Klaus Allofs: „Es gibt für Torsten keine Veranlassung zurückzutreten. Ich würde ihm davon abraten. Er ist ein sportlich wichtiger Teil der Nationalmannschaft. Das weiß auch Joachim Löw - und wenn nicht, wird er dies noch merken."

Am 21.10.08 ging auch Michael Ballack auf Konfrontationskurs: bei der ARD


Donnerstag, 16. Oktober 2008

Produktvielfalt ist die Stärke

Regionalmarke „SooNahe“ wird bei der Selbsthilfemesse erstmals im Kreis Birkenfeld präsentiert – Verkaufsstellen geplant.

Seit drei Wochen sind Produkte von „SooNahe“ erhältlich. Über die Regionalmarke sollen die Einwohner des Kreises Birkenfeld nun mehr erfahren.

KREIS BIRKENFELD. Dem von allen Seiten bescheinigten Traumstart in Bad Kreuznach und Gemünden folgt nun die Präsentation der neuen Regionalmarke im Kreis Birkenfeld: Bei der Selbsthilfemesse am Samstag, 18. Oktober, in der Idar-Obersteiner Mikadohalle unter dem Motto „Gutessen – gesund genießen“ sind auch die Vertreter von „SooNahe –Gutes von Nahe und Hunsrück“ mit von der Partie.

Mit 84 Gründungspartnern, davon ein Dutzend aus dem Kreis Birkenfeld, sieht Dr. Rainer Lauf, der Vorsitzende des Regionalbündnisses Soonwald-Nahe als Träger der Marke „SooNahe“ gut aufgestellt. „Die Vielfalt der Erzeugnisse ist unsere Stärke“,glaubt der Kinderarzt aus Bad Sobernheim: Auf der Woge des erfolgreichen Leitprodukts Nahewein bieten die beteiligten Betriebe eine beachtliche Produktpalette an, die gentechnikfrei ist und unter anderem Rind-, Schweine- und Lammfleisch, Wild, Fisch, Obst und Gemüse, Säfte und Backwaren umfasst. In 15 Pflichtenheften sind die jeweiligen Qualitätsrichtlinien niedergeschrieben.

Regionale Erzeuger von Nahe und Hunsrück haben einiges zu bieten: Nach der „Beziehungskiste“, die mit haltbaren Waren aus der Region bestückt ist, herrscht bereits große Nachfrage.





Dem Regionalbündnis und seinem Wirtschaftspartner Hunsrück-Marketing geht es nicht darum, neue Läden aufzubauen, sondern vorhandene Strukturen zu stärken. „In erster Linie dient die Marke dazu, die guten Betriebe der Region unter einem Logo zusammenzufassen und ihnen mit einem breit angelegten gemeinsamen Marketing höheren Stellenwert und Image bei den Verbrauchern zu verschaffen“, erläutert Lauf. Eigene „SooNahe“-Shops existieren folglich nicht. Vielmehr ergänzen die Produkte die Angebote von Bäckern, Metzgern, Hofläden sowie des Regiomarkts Nahe in Bad Kreuznach und weiterer Geschäfte. In zwei bis drei Jahren soll es in allen Mittelpunktorten der Verbandsgemeinden Verkaufsstellen geben.

Eine vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium und der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft(CMA) finanzierte Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, daß die Kreise Bad Kreuznach, Rhein-Hunsrück und Birkenfeld über genügend Potenzial an Erzeugern und Abnehmern verfügen. „Unser Ziel ist, das Verbraucherbewußtsein noch mehr für regionale Produkte, wirtschaftliche Kreisläufe und kurze Wege zu schärfen“, sagt Lauf, den die große Nachfrage für die mit haltbaren Waren aus der Region gespickten „Beziehungskiste“ ermutigt.

Bereits bei der Konferenz „Ackern & Genießen“ des Regionalbündnisses 2003 entstand die Idee für eine Regionalmarke „SooNahe“, blickt der 50-Jährige zurück, der zusammen mit Helmut Hehner aus Waldböckelheim, dem Vorsitzenden von Hunsrück-Marketing, den Markenvorstand leitet: Unter dem Motto „Landwirtschaft hat Zukunft“ wurden den Bauern Wege aufgezeigt.

Stichwort
Regionalbündnis Soonwald-Nahe


1997 schlug die Geburtsstunde des Regionalbündnisses Soonwald-Nahe, das seit 2001 als eingetragener Verein organisiert ist und inzwischen rund 370 Mitgliederzählt. Das Spektrum der Aktivitäten reicht von bundesweit beachteten Umweltprojekten wie „Lebendiger Soonwald“ und „Lebendige Nahe“ über eine Solarinitiative, Gesundheitsthemen und historische Kurse bis hin zu den alljährlichen „Tagen der Region“. Derzeit gilt das Hauptaugenmerk dem Aufbau der Regionalmarke „SooNahe“.
aus der Nahe-Zeitung vom 13.10.2008

Viel Glück! In einer gentechnikfreien Versorgung mit kurzen Wegen liegt die Zukunft.

Samstag, 11. Oktober 2008

Nur fliegen ist schöner...

Radler und Reh kollidieren
Niederelbert: Beim Zusammenstoß eines Radfahreres mit einem Reh ist der Mann schwer verletzt und das Tier getötet worden. Dem 30-Jährigen war auf einem geteerten Feldweg bei Niederelbert (Westerwaldkreis) das Reh vor das Mountainbike gelaufen. Der Radler flog durch die Luft und kam ins Krankenhaus.

Was im Westerwaldkreis die Krankenkassen sparen, wenn die Unfallopfer schon allein ins Krankenhaus fliegen...

Freitag, 10. Oktober 2008

Geld: Die’s haben, die noch mehr brauchen und die weniger brauchen

Deutschlands Dagobert Ducks: Manche Leute sind einfach reich – und bleiben es offenbar auch. Die Aldi-Brüder Karl und Theodor Albrecht sind auch 2008 wieder die reichsten Deutschen. Allerdings: Der Rutsch an der Börse ließ auch einige Superreiche in der Rangliste zurückfallen. Nach der vom „Manager-Magazin“ veröffentlichten Jahresliste der 300 reichsten Deutschen kam die Familie Porsche auf den dritten Platz. Die globale Finanzkrise beeinflusste in diesem Jahr in hohem Maße die Rangliste, hieß es.
weiter zum Artikel „Die Donald Ducks Deutschlands: Aldi & Co.“ beim ZDF


Die Behauptung, dass man Finanzmärkte nicht regulieren dürfe, war mehr als ein Jahrzehnt lang ein Glaubenskernsatz der Regierungen Blair, Schröder, Schüssel, Clinton und Bush. Und jene SPD-Politiker, welche nun beflissentlich die Schuld an der fehlenden Regulierung auf die Amerikaner schieben, vergessen zu erwähnen, dass die Unantastbarkeit dieses Tabus den Schröderisten 1999 so wichtig war, dass sie Oskar Lafontaine darüber aus der Regierung und der Partei mobbten.
zu Peter Mühlbauers Artikel „Krise einer Religion“ bei Telepolis


Wenn es richtig schlecht läuft, werden die Steuerzahler in Europa - auch in Deutschland - Milliarden Euro für die Rettung hiesiger Banken aufbringen müssen, wird sich die Rendite aus Lebensversicherungen und anderen Altersvorsorgeprodukten für die Menschen hierzulande kräftig reduzieren, wird die Krise Europa Millionen Arbeitslose bescheren. Danke, Amerika!
Längst hat sich die Philosophie der Spekulanten unter tatkräftiger Mithilfe der EU in Kontinentaleuropa ausgebreitet. Die Essenz dieser Weltsicht lautet erstens: Vorfahrt für das Kapital. Nicht die Interessen der Arbeitnehmer, Kunden, Lieferanten und Gemeinden sind bei unternehmerischen Entscheidungen zu berücksichtigen, sondern einzig und allein, die Interessen der Kapitalgeber, der Aktionäre und Gläubiger.
weiter zum Leitartikel „Vergesst Wall Street“ von Robert von Heusinger bei FR-Online


10CC - Wall Street Shuffle

Do the Wall Street shuffle
Hear the money rustle
Watch the greenbacks tumble
Feel the Sterling crumble
You need a yen to make a mark
If you wanna make money
You need the luck to make a buck
If you wanna be Getty, Rothschild
You've gotta be cool on Wall Street
You've gotta be cool on Wall Street
When your index is low
Dow Jones ain't got time for the bums
They wind up on skid row with holes in their pockets
They plead with you, buddy can you spare the dime
But you ain’t got the time
Doin’ the …
Doin’ the …
Oh, Howard Hughes
Did your money make you better?
Are you waiting for the hour
When you can screw me?
`Cos you're big enough
To do the Wall Street Shuffle
Let your money hustle
Bet you'd sell your mother
You can buy another
Doin' the....
Doin' the....
You buy and sell
You wheel and deal
But you're living on instinct
You get a tip
You follow it
And you make a big killing
On Wall Street

deutsch:

Mach’ den Wall Street-Schieber
Hör’ das Geld rascheln
Sieh’, wie die Greenbacks purzeln
Fühl’ den Sterling bröckeln
Du brauchst ’nen Yen, um die Mark zu kriegen
Du brauchst das Glück, um Geld zu machen
Wenn Du Getty oder Rothschild sein willst,
Mußt Du cool sein an der Wall Street
Mußt Du cool sein an der Wall Street
Wenn Dein Index niedrig ist
Der Dow Jones hat keine Zeit für Beulen
Sie kämpfen sich mit Löchern in den Hosentaschen die Rutschbahn hoch
Sie betteln Dich an: Kumpel, hast Du nicht ’nen Groschen
Aber Du hast keine Zeit, um
den Wall Street-Schieber zu machen
den Wall Street-Schieber …
Oh, Howard Hughes
Hat Dein Geld Dich zu einem besseren Menschen gemacht?
Wartest Du auf die Stunde
Wo Du mich fertigmachen kannst?
Weil Du bist groß genug,
um den Wall Street-Schieber zu machen
Lass’ Dein Geld rummachen
Ich wette, Du würdest Deine Mutter zu Geld machen
Kannst Dir ja ’ne andere kaufen
während Du den Wall Street-Schieber machst
den Wall Street-Schieber …
Du kaufst und verkaufst
machst rum und handelst
Aber Du lebst von Deinen Instinkten
Du kriegst ’nen Tipp
Du folgst ihm
Und Du machst den großen Reibach
An der Wall Street


Banken sind weder produktiv noch innovativ. Sie verleihen Geld. Gewaltige Renditen sind nur mit dem Aufbau von Kettenbriefsystemen zu erzielen.
Warum immer die Finanzmärkte? Warum platzt so selten eine Spekulationsblase am Kartoffelmarkt? Warum verkalkulieren sich Maschinenbauer selten so, dass der Staat helfen muss, weil sonst das gesamte marktwirtschaftliche System gefährdet ist? Was treibt Scharen scheinbar seriöser Banker und Börsianer dazu, so riskante Geschäfte zu machen, dass sie hinterher alle wie dumme Kinder im Brunnen liegen und nach dem Staat um Hilfe schreien?
weiter zu Heiner Flassbecks Artikel „Der absehbare Kollaps“ bei der taz



Und dann gab’s ja auch noch die sogenannte 132-Euro-Studie über die Harz-IV-Schlaffis, die zuviel kriegen… (Eine Lang- und eine Kurzfassung der Studie können im Downloadbereich des Internetauftritts von Harald Thomé heruntergeladen werden.) Übrigens: Wenn man sich die Worthülsen aus der Präambel der Studie durchliest, weiß man sofort, wes Geistes Kind die Verfasser sind. Zum Genießen der letzte Absatz:

Es war vielmehr Absicht, einen Beitrag zur Verbesserung der Situation vieler Menschen zu leisten. Die Studie hat offen gelegt, dass die Bedürfnisse vieler Menschen nach Arbeit und Anerkennung, deren notwendige Befriedigung man auch aus den Zielen der sozialen Mindestsicherung herauslesen kann, nicht ausreichend erfüllt werden. Viele wollen sich einbringen und etwas leisten, was heute sehr schwierig geworden ist. Die Studie zeigt, dass man hier ansetzen muss, unser Sozialsystem positiv nach vorne zu entwickeln.

________________

Die von zwei Wirtschaftswissenschaftlern veröffentlichte „132 Euro Studie“ hat zu größtenteils ideologisch gefärbten Diskussionen geführt. Die konkreten Zahlen wurden bisher weitgehend ignoriert bzw. keiner genauen Betrachtung unterzogen. Dabei lohnt es sich
Wie auch der Regelsatz bei ALGII liegt der Studie das Problem der Pauschalierung zugrunde. Schon beim Regelsatz ist es so, dass der 48jährige Arbeitssuchende mit Grippe genauso behandelt wird wie der 20jährige Arbeitssuchende ohne derzeitiges Gebrechen. Bei der Studie, die die Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Thießen und Christian Fischer von der Universität Chemnitz veröffentlicht haben, geht man noch weiter in Richtung Milchmädchenrechnung.
Bettina Winsemann hat nachgerechnet: „132-Euro-Studie: Zahlen aus dem Chemnitzer Elfenbeinturm“ bei Telepolis

alle Artikel gefunden in Ursula Neumanns Post, Danke!

Die NachDenkSeiten machen sich über die gesellschaftliche Vorherrschaft des Finanzsektors Gedanken. Dort findet sich auch eine Buchrezension über den neoliberalen Zeitgeist der Neuen Mitte: „Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft“ von Heinz Bude

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler gibt’s im Internet.

Und zuallerletzt noch was Lustiges: In England ging wieder eine Festplatte verloren

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Ärzte und die Finanzkrise

Ein Allgemeinmediziner muß Geld zurückzahlen. Glücklicherweise nicht so viel, wie er dachte… (bei FR Online)

Vor einiger Zeit hatte ich ein zwanzigminütiges Telefonat mit einer Frau von der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese teilte mir mit, ich müsse bei der Ziffer 35110 die Zeit mit eingeben.

Wenn ich ein Erstgespräch führe, rechne ich keine Probesitzung ab, das finde ich nicht in Ordnung. Ich brauche, um die Personalien aufzunehmen, ja eine Viertelstunde,
da kann ich keine Psychotherapiesitzung abrechnen. Also: zweimal Ziffer 35110 Verbale Intervention bei Psychosomatischen Krankheitszuständen, Dauer: mindestens 15 Minuten, macht 430 Punkte. Weil ich damit über die 10%-Grenze rutsche (nicht mehr als 10% Punkte aus Leistungen außerhalb eines Psychotherapie-Antragsverfahrens erbringen, sonst werde ich abgestaffelt), kriege ich dafür über den Daumen 7 EUR. (Daß die Patienten von Gesetzes wegen das Recht auf 5 Probestunden haben, wodurch ich bei einer Kurzzeittherapie von 25 Stunden schon bei 20% nicht genehmigungspflichtigen Punkten lande, meine Abstaffelung also schon ins System eingebaut ist, dient der Standortsicherung Deutschland.)

Damit ich also die Krankenkasse über die zweimal 3,50 EUR nicht übers Ohr haue, muß ich in mein Programm eintragen, wann ich mit den 15 Minuten angefangen habe. Und weil das Auswerteprogramm der KV in meiner Quartalsabrechnung die Zeitfelder in meinem Praxisprogramm nicht lesen kann, habe ich mit der Frau zusammen ausprobiert, was für ein Feld das sein soll (sie wußte nur: Feld, sagen wir mal 5504. Kann ich nix mit anfangen.): Aha, fanden wir nach einer Viertelstunde raus, es ist das Feld, in denen ich die Bemerkungen eingebe. Jetzt ist alles in Ordnung bei mir.

Was ist nicht in Ordnung? Nun, für die Hypo Real Estate sollte ein Rettungspolster von 26 Milliarden Euro geschnürt werden, und die Deutsche Bank, die sich daran beteiligte, schickte mal jemanden zur HRE zum Nachgucken. Und, siehe da: da war doch noch was! Ich weiß nicht genau wieviel, ich glaube mich erinnern zu können, daß es zusätzlich nochmal 25 Milliarden waren. Und keiner hatte was gesagt. Ist doch scheißegal, ob der Staat mit 25 oder doppelt so viel Milliarden in die Bresche springen muß. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Kotzen wäre: die Süddeutsche meldete noch am 29.9., der Finanzminister habe sich bei einer Sitzung des SPD-Präsidiums »überzeugt gezeigt, dass die Lage in Deutschland unter Kontrolle sei. ›Er hat den Eindruck erweckt, dass man das alles im Griff behalten kann‹, hieß es.« Was mich freut ist die Tatsache, daß sich Steinbrück nun vorgeführt fühlen muß. Zum damaligen Zeitpunkt war das im Geschnürt-Werden begriffene Rettungspaket noch 25 Milliarden Euro dick. Und weiter hieß es im SZ-Artikel: »Bundesbank und die oberste Finanzaufsicht BaFin hatten dem Finanzkonzern am Montagmorgen den Rücken gestärkt. Das geschnürte Rettungspaket zusammen mit einem Bankenkonsortium sichere die Marktfähigkeit des Immobilien- und Staatsfinanzierers.« Klingelt’s? Man holt erst den Staat mit ins Boot, und dann erklärt man ihm sachte, wofür er denn nun letztlich gerade zu stehen hat.

Und wer Steinbrück kennt, weiß, daß es um seine Magenschleimhaut nicht zum Besten steht. Aber es sollte lohnenswert sein, sich mal einige Minuten lang zu überlegen, wie die Leute von der Hypo Real Estate drauf sind!

Alle reden von Politikverdrossenheit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich da noch sagen soll. In der Medizin wird auch noch das letzte Kubikmilimeterchen aus Marmeladenglas rausgekratzt, die Krankenkassen lügen ihren Mitgliedern die Hucke voll, Ärzte haften mit ihrem Privatvermögen für ihre Verschreibungen, und das Ergebnis ist, daß ich mit meiner Wehrlosigkeit dem systemimmanenten Abstaffelungsbetrug gegenüber letztlich auch noch diese Milliardenzocker subventioniere.


Und da ich schon mal dabei bin, ein Schmankerl aus einem Artikel (»DER NEUE PAUSCHALEN-EBM 2008: Die Kritik hält an«) im Deutschen Ärtzeblatt vom Januar 2008:

»Auch der neue EBM schafft ein altes Problem nicht aus der Welt: Die Psychologischen Psychotherapeuten [falsch: alle, auch die ärztlichen Psychotherapeuten] haben vor dem Bundessozialgericht erstritten, dass ihr Einkommen bei maximalem Einsatz mindestens dem Durchschnittseinkommen der Fachärzte [stimmt nicht: vergleichbarer Fachärzte] entsprechen muss. Nach einem Beschluss des Bewertungsausschusses ist es aber nicht möglich, dieses Mindesteinkommen zu überschreiten. Best findet, es solle auf Dauer keine Höchstgrenze geben: ›Das Bundessozialgericht hat nicht verboten, dass ein Psychotherapeut mehr verdienen darf.‹«

(Hervorhebungen und Bemerkungen von mir)

Motto: Psychotherapeuten wissen nix, können nix, haben aber für alles Verständnis.
Das erinnert mich an die Lorentz-Transformation: Die Formel (im Link ganz unten) verhindert (wow, eine Formel, die verhindert), daß die Lichtgeschwindigkeit erreicht werden kann.


Freitag, 3. Oktober 2008

Können sie jetzt oder können sie nicht?

Anscheinend dürfen Hummeln jetzt doch fliegen können, zumindest bei ntv

Aber macht ja nix, wenn das mit den Hummeln zum Leid der ressourcenorientierten Neo-New-Age-Bewegung nicht funktioniert, können wir ja die Flugsaurier aus der Tasche holen. Die wußten garantiert noch nichts von Aerodynamik. Vielleicht sind sie ja auch ausgestorben, weil sie nicht fliegen konnten… (Auch bei ntv sind sie abgestürzt.)

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Jörg Andrees Elten über Barack Obamas Wahlkampf

Ich hab’ den Text hier eingestellt, weil er in wenigen Wochen wieder von der Osho-Times-Seite runtergenommen werden wird. Er stammt von dem STERN-Trauma Jörg Andrees Elten.


"Barack Obama ist der erste Kandidat, der das Internet auf eine unglaublich intelligente, kreative und effiziente Weise als Tool für die Organisation einer modernen Basisdemokratie einsetzt. Aus der Anonymität der Masse tritt das Individuum hervor und beteiligt sich über das Internet an der politischen Aktion und Diskussion. Während wir im Begriff sind, vom Zeitalter der Kohle und des Erdöls Abschied zu nehmen und das Zeitalter der Sonnenenergie einzuläuten, beginnt auf der politischen Ebene das Zeitalter der Internet-Demokratie."


Klartext
E-Mails von Barack

Der Präsidentschaftskandidat Barack Obama spielt virtuos mit dem Internet

von Satyananda

Es fing damit an, dass ich seine Webseite besuchte. Seither schreibt mir der amerikanische Präsidentschaftskandidat Barack Obama gelegentlich E-Mails. Er nennt mich Andrees und unterschreibt mit Barack. Neulich schrieb er mir zum Beispiel: „Andrees, du weißt vielleicht, dass ich zehn Leute nach Denver eingeladen habe, damit sie mit mir hinter den Kulissen des Parteitags der Demokraten zusammen sein können – Ich möchte dir gerne ein bisschen was über sie erzählen …“
Und so erzählte mir Barack etwas von lauter netten Leuten – Weißen, Schwarzen, Latinos, Alten und Jungen. „Jeder von ihnen“, schrieb er, „bringt seine oder ihre einzigartigen Erfahrungen und Ideen ein, und was alle eint, ist ihre Begeisterung für Wandel und Neuanfang.“

„Wir zählen auf Dich!“
Obamas Wahlkampfmanager David Plouffe hatte mir schon vorher mitgeteilt, dass Barack seine zehn Gäste auf dem Wege einer Lotterie auswählen werde. Mit einer Wahlkampfspende von fünf Dollars könnte ich mitmachen. Am Ende der E-Mail gab es einen grünen Knopf mit der Aufschrift DONATE. Also klickte ich DONATE an und stellte fest, dass ich Barack aus dem Ausland kein Geld schicken kann – jedenfalls nicht online.
Aber ich blieb am Ball. Neulich schrieb mir David: „Andrees, am nächsten Sonnabend geben mehr als 1000 Obama-Freunde in ganz Amerika eine Unite for Change-Party. Einfache Leute öffnen ihre Häuser für Freunde, Verwandte, Nachbarn und Kollegen, um mit ihnen über unser gemeinsames Ziel zu diskutieren. Eine ‚Unite for Change‘ Party zu geben, macht Spaß. Wenn du willst, werden wir dir bei der Vorbereitung helfen. Willst du?“
Natürlich ging Davids Brief nicht nur an mich, sondern an Millionen von Obama-Fans. Trotzdem fühlte ich mich angesprochen, als ich las: „We're counting on you, Andrees, to keep the ball rolling through November!”
Am Ende der E-Mail gab es wieder einen Knopf – diesmal mit der Aufschrift HOST GUIDE (Gastgeber-Tipps). Jetzt landete ich in Obamas „Aktionszentrum“. Zunächst las ich einige Zitate. Lynn schrieb zum Beispiel: „Es geht nicht darum, ob du Demokrat oder Republikaner bist. Es geht darum, unser Land aus den Klauen der Lobbyisten und der Konzerne zurückzuerobern.“ Und Teresa: „Wir sind wie eine Familie. Wir halten zusammen und helfen uns gegenseitig.“ Kim: „Jede einzelne Stimme, jedes Paar Füße, jede Minute, die jeder von uns für die gemeinsame Sache aufbringen kann, führt uns einen Schritt näher an unser Ziel.“
Dann die Party-Tipps. Hier einige davon: „Es geht vor allem um einen Dialog mit Leuten, die noch nicht entschieden sind … Entwerfe Flyer und hänge sie in Cafes und Supermärkten auf … Wenn du deine Gäste mit Obama for Change-Anstecknadeln oder einem Obama-T-Shirt überraschen willst, klicke auf Obama Merchandise … Vergiss nicht, Fotos von deinem Event zu machen und sie uns zu mailen … Noch besser wäre eine DVD mit Videoaufnahmen … Unterlagen für die Vorbereitung des Events und für die Diskussion findest du hier: Download Vote for Change planning materials.“

Ein Familiengefühl entwickeln
Dieser Link öffnet das Tor zu einem großen Barack Obama-Archiv. Biografie des Kandidaten und seiner Frau Michelle. Schöne Fotos mit ihren Kindern. Videoaufzeichnungen der wichtigsten Reden. Detaillierte Lösungsvorschläge für alle innen- und außenpolitischen Probleme Amerikas. Und jede Menge Argumentations-Munition, mit der man die Positionen des Gegenspielers John McCain in Schrott verwandeln kann.
Irgendwo entdeckte ich einen Fragebogen: Mit wie vielen unentschiedenen Wählern hast du gesprochen? An wie viele Türen hast du geklopft? Wie viele Leserbriefe hast du an deine Zeitung geschickt? Wie viele an deine lokale Rundfunkstation? Wie viele United for Change-Events hast du besucht? Wie viele hast du selbst veranstaltet?
Ich habe natürlich nichts von all dem getan. Stattdessen habe ich Barack Obamas Wahlkampfstrategen den Gefallen getan, meinen eigenen Internet-Blog einzurichten – ein digitales Tagebuch, in das ich Eindrücke, Meinungen und Anregungen eintragen und online zur Diskussion stellen kann. So können Millionen von Obama-Fans miteinander reden und ein Familiengefühl entwickeln.
Weiter ging’s durch Obamas Internetportal. Es war wie ein Sog. Irgendwann musste ich mich mit Namen, Passwort und E-Mail-Adresse einloggen, wenn ich weiterkommen wollte. Eine neue Tür öffnete sich: my.barackobama.com/uniteforchange. Die Webadresse verriet mir, dass aus Barack Obama plötzlich „mein“ („my“) Barack Obama geworden war. Hoppla, so weit wollte ich eigentlich nicht gehen.
Die Begeisterung der Obama-Gemeinde, der lebhafte und freundliche E-Mail-Austausch ihrer Mitglieder, die Nähe zum Kandidaten, der ständig über U-Tube-Videosendungen präsent ist, wirkt auf mich eher unpolitisch. Vielleicht kommt es daher, dass ich in seiner Mission den Herzschlag spüre. Keine Gehässigkeit, keine kleinlichen Rivalitäten, keine internen Machtkämpfe … Seine Gegner werfen ihm vor, dass er einen Glaubenskrieg führt.
Obamas Wahlspruch lautet: „Ich bitte Euch, zu glauben – nicht nur an meine Fähigkeit, Wandel und Neuanfang in Washington durchzusetzen. Ich bitte Euch an Eure Stärke und an eure Fähigkeiten zu glauben“. Die „Obama für Amerika“-Bewegung hat tatsächlich eine religiöse Komponente. Unübersehbar ist der Durst nach Erlösung und der missionarische Eifer der Anhänger. Sie wollen mit ihrem Kandidaten nicht nur die Wahl gewinnen – sie wollen die Demokratie in Amerika grundlegend erneuern. Eine Utopie? Vielleicht, aber in der Geschichte gab es immer wieder Utopien, die sich als die Realitäten von morgen erwiesen.

Der Tanz um das goldene Kalb
Jedenfalls tobt in Amerika nicht nur ein Wahlkampf. In Amerika hat eine fundamentale Veränderung des politischen Systems begonnen. Die Demokratie der Lobbyisten ist im Begriff, sich in eine Demokratie des Volkes zu verwandeln. Bisher füllten die Lobbyisten die Wahlkampfkassen. Plötzlich sind es die kleinen Leute, die mit 5-Dollar-Beträgen ihren Kandidaten flott-machen. Obama surft auf einer gigantischen Spendenwelle. Bis Ende Juli hat seine Wahlkampforganisation schon 389 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Der Republikaner John McCain hat im gleichen Zeitraum, vorwiegend von Lobbyisten, nur 174 Millionen Spenden-Dollar kassiert – weniger als die Hälfte.
Das ist die eigentliche Sensation dieses Wahlkampfes. Denn seit Jahrzehnten hat allein das Geld der mächtigen Interessengruppen die Politik beherrscht. Der Kandidat mit dem besseren Draht zum Big Business – gewöhnlich ein Republikaner – gewinnt die Wahl. In Deutschland ist es inzwischen nicht viel anders. Der Tanz ums Goldene Kalb macht aus der Parlamentarischen Demokratie eine Farce. Die Macht geht nicht mehr vom Volk aus, sondern vom Geld der Reichen und Mächtigen.

Die Internet-Demokratie
Die Mehrheit der Amerikaner ist z.B. gegen den Krieg im Irak. Trotzdem geht der Krieg weiter. Die Mehrheit der Deutschen ist dagegen, dass deutsche Soldaten in Afghanistan kämpfen. Trotzdem sind sie dort, und jeder Schuss, den sie abfeuern, geht nach hinten los. Auch die Privatisierung der Bahn wird in Berlin seelenruhig durchgezogen, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist.
Aber nun kommt Barack Obama und stellt die Lobby-Demokratie auf den Kopf. Just in dem Augenblick, da man die Totenglocken für das parlamentarische System bereits läuten hörte, gelingt es ihm, Millionen von Menschen zu mobilisieren und ihnen Hoffnung zu geben. Er ist der erste Kandidat, der das Internet auf eine unglaublich intelligente, kreative und effiziente Weise als Tool für die Organisation einer modernen Basisdemokratie einsetzt. Aus der Anonymität der Masse tritt das Individuum hervor und beteiligt sich über das Internet an der politischen Aktion und Diskussion.
Während wir im Begriff sind, vom Zeitalter der Kohle und des Erdöls Abschied zu nehmen und das Zeitalter der Sonnenenergie einzuläuten, beginnt auf der politischen Ebene das Zeitalter der Internet-Demokratie. Sie ist keine clevere Erfindung eines brillanten Politikers. Sie ist vom Wesen her global. Sie wird sich wie die Sonnenenergie auf dem Planeten durchsetzen, auch wenn Amerika noch nicht reif dafür sein mag und Barack Obama die Wahl im November verlieren sollte.
Und – last but not least – wird sie auch die Menschen unterstützen, die nach der Devise leben: Sei in der Welt, aber nicht von dieser Welt. In der Welt zu sein wird in Zukunft ganz neue Perspektiven eröffnen: Wir können uns auch politisch besser einbringen und auf allen Ebenen viel mehr bewegen.

www.hierjetzt.de


Lieber Andrees, da hast Du Dich ganz schön verrannt! Genauso wie es eine Immobilienblase gab, die geplatzt ist, gibt es jetzt wieder eine Begeisterungsblase. Die Irak-Krieg-Begeisterungs-Blase ist inzwischen ebenfalls geplatzt, und wenn Du Dich beklagst: »
Die Mehrheit der Amerikaner ist z.B. gegen den Krieg im Irak. Trotzdem geht der Krieg weiter«, dann zeigst Du nur, daß Du trotz Deines Alters ziemlich naiv geblieben bist. (Vielleicht nicht das Schlechteste: Nur wenn Ihr werdet wie die Kinder, werdet Ihr erleuchtet werden.) Damals zogen die Amis begeistert in den Krieg. (Das kennen wir Deutsche ja sehr gut, wir haben diese Begeisterung ja zweimal erlebt.) Ja, glaubst Du denn, die Amis könnten jetzt den Irakern sagen: »T’schuldigung, jetzt haben wir in den neusten Umfragen ermittelt, daß wir keine Lust mehr haben, wir gehen jetzt heim. Aufräumen müßt Ihr selber«? So geht’s ja wohl nicht. Das ist ja das Schlimme: Im Fall des Irak-Kriegs wurde Begeisterung verwendet, um Verhältnisse zu schaffen, die, wenn die Köpfe wieder klar sind, nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Du schreibst: »
Aus der Anonymität der Masse tritt das Individuum hervor und beteiligt sich über das Internet an der politischen Aktion und Diskussion.« Das mit der Masse ist so eine Sache, das haben wir Sannyasins in Oregon ja am eigenen Leib erfahren, was da mit unserer Individualität passiert. Und das mit dem Hervortreten des Individuums sehe ich auch eher skeptisch, Du schreibst ja selber, daß seine Bewegung etwas religiöses an sich hat und Obama auf einer Welle schwimmt. Also warten wir mal auf das Platzen der Obama-Blase, auf die Begeisterung wird Ernüchterung folgen…

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Burning down the house

Ein im Internet vieldiskutiertes Video:





Der ARD-Korrespondent Ralph Sina spricht Klartext.

Freitag, 26. September 2008

Geist ist geil!


Heute vor 103 Jahren, am 26. September 1905 erschien in den »Annalen der Physik« der wohl wichtigste Aufsatz in der Geschichte der Physik. Er trug den Titel »Zur Elektrodynamik bewegter Körper« und wurde in der Fachwelt wenig beachtet…

In einem Nachtrag zur "Elektrodynamik bewegter Körper", den der 26jährige Albert Einstein am 27. September wiederum bei den "Annalen der Physik" einreicht, formuliert Einstein die berühmte Masse-Energie-Äquivalenz:





Diese am 21. November veröffentlichte Formel wird später zum Grundstein des Atomzeitalters.















Am 5. Februar 1902 erschien im Anzeiger für die Stadt Bern folgende Notiz: »Privatstunden in Mathematik u. Physik für Studierende und Schüler erteilt gründlichst Albert Einstein, Inhaber des eidgen. polyt. Fachlehrerdiploms, Gerechtigkeitsgasse 32, 1. Stock. Probestunden gratis.« Damit begann für den soeben nach Bern übergesiedelten Einstein wie für die gesamte Physik eine der fruchtbarsten Schaffensperioden. In den folgenden drei Jahren zündete der »Fachlehrer« ein strahlendes Ideenfeuerwerk. Neben seiner 48-Stunden-Woche im Berner Patentamt entwickelte er in der Freizeit jene unerhörten Theorien, mit denen er im Annus mirabilis das wissenschaftliche Weltbild umstürzte.


Im März 1905 gab er mit der Lichtquantenhypothese einen entscheidenden Anstoß zur Quantentheorie. Im April vollendete er seine Doktorarbeit über die statistische Bewegung von Teilchen – und lieferte damit einen indirekten Beweis für die Existenz der Atome. Im Juni veröffentlichte er seine spezielle Relativitätstheorie – und wenig später, als Nachtrag, die berühmte Formel E = mc².

Auf die Annonce im Berner Anzeiger melden sich seine ersten Sparringspartner. Mit den Studenten Maurice Solovine und Conrad Habicht gründet Privatlehrer Einstein einen Diskussionszirkel namens »Akademie Olympia«, in dem bei Schlackwurst und Schweizer Käse über Wissenschaft und Philosophie debattiert wird.

Auf ausgedehnten Spaziergängen mit dem Maschinenbauingenieur Michele Besso in den Berner Arkaden erläutert Einstein dem interessierten Besso immer wieder das Problem. Nimmt ein Beobachter auf der Erde einen Lichtstrahl anders wahr als jemand, der auf der Lichtwelle ins All reitet? Der lichtschnelle Beobachter müsste die Lichtwelle »als ruhendes, räumlich oszillierendes elektromagnetisches Feld wahrnehmen«, sagt Einstein, »so etwas kann es aber nicht geben, weder aufgrund der Erfahrung noch gemäß den Maxwellschen Gleichungen«. Besso hakt nach. Woher weiß der eine Beobachter, was der andere sieht? Wie messen sie Zeit? Was ist für sie »gleichzeitig«? Solche Anstöße sind für Einstein Gold wert. Bei einer Unterhaltung im Mai 1905 geht plötzlich ein Leuchten über sein Gesicht. Einstein verabschiedet sich eilig – und begrüßt Besso am nächsten Tag mit den Worten: »Danke Dir, ich habe mein Problem vollständig gelöst!«

Fünf Wochen später reicht er seine Schrift Zur Elektrodynamik bewegter Körper bei den Annalen der Physik ein und begründet damit die Spezielle Relativitätstheorie. Darin findet sich keine einzige Literaturangabe, lediglich eine Danksagung an Besso. Der Aufsatz ähnele eher einer Patentschrift als einem Fachartikel, bemerkt der Historiker Peter Galison. In seinem Buch Einsteins Uhren, Poincarés Karten belegt der Harvard-Professor, dass Einstein sich von technischen Fragen inspirieren ließ – etwa vom Problem der Synchronisation entfernter Uhren auf Bahnhöfen.
der gesamte Artikel bei ZEIT Online: Relativitätstheorie mit Wurst und Käse


Aus dem Einstein-Artikel bei Wikipedia:

Am 17. März 1905 beendete er seine Arbeit „Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichts betreffenden heuristischen Gesichtspunkt“ zum photoelektrischen Effekt, die am 18. März bei den Annalen der Physik einging (abgedruckt in Band 17 auf den Seiten 132–148). Am 30. April 1905 reichte er an der Universität Zürich bei den Professoren Kleiner und Burkhardt seine Dissertation ein, die den Titel trug: „Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen“. Hierfür erhielt er am 15. Januar 1906 den Doktortitel in Physik. Am 11. Mai 1905 folgte seine Arbeit „Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen“ zur brownschen Molekularbewegung. Am 30. Juni 1905 reichte Einstein seine Abhandlung „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ bei den Annalen ein. Der Aufsatz erschien am 26. September 1905. Schon am darauf folgenden Tag lieferte Einstein seinen Nachtrag „Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?“ Letzterer enthält zum ersten Mal die wohl berühmteste Formel der Welt, E = mc² (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat, Äquivalenz von Masse und Energie). Beide Arbeiten zusammen werden heute als Spezielle Relativitätstheorie bezeichnet.

Das Jahr 1905 war somit ein äußerst fruchtbares Jahr, man spricht auch vom Annus mirabilis (Wunderjahr). Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb dazu später:

„1905 eine Explosion von Genie. Vier Publikationen über verschiedene Themen, deren jede, wie man heute sagt, nobelpreiswürdig ist: die spezielle Relativitätstheorie, die Lichtquantenhypothese, die Bestätigung des molekularen Aufbaus der Materie durch die ‚brownsche Bewegung‘, die quantentheoretische Erklärung der spezifischen Wärme fester Körper.“


Aristoteles wie Newton glaubten an eine absolute Zeit. Das heißt, sie glaubten, man könnte das Zeitintervall zwischen zwei Ereignissen eindeutig bestimmen und diese Zeit bliebe stets die gleiche, wer auch immer sie messe – vorausgesetzt, die Uhr geht richtig. Nach dieser Auffassung ist Zeit getrennt und unabhängig vom Raum. Die meisten Leute würden ihr wohl zustimmen; aus der Sicht des gesunden Menschenverstandes spricht nichts dagegen. Doch wir waren gezwungen, unsere Vorstellungen von Zeit und Raum zu andern. Zwar kommen wir mit den alltäglichen, vom gesunden Menschenverstand anscheinend nahegelegten Begriffen zurecht, wenn wir uns mit Dingen wie Äpfeln oder Planeten beschäftigen, die sich verhältnismäßig langsam bewegen, doch sie lassen uns im Stich, wenn wir uns Objekten zuwenden, die sich mit (oder fast mit) Lichtgeschwindigkeit bewegen.

Daß Licht sich mit einer endlichen, wenn auch sehr hohen Geschwindigkeit bewegt, wurde erstmals 1676 von dem dänischen Astronomen Ole Christensen Rømer entdeckt. Er beobachtete, daß zwischen den Zeitpunkten, da die Bahnen der Jupitermonde hinter dem Jupiter zu verlaufen scheinen, keine gleichmäßigen Intervalle liegen, wie zu erwarten gewesen wäre, vorausgesetzt natürlich, die Monde umkreisen ihren Planeten mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Während Erde und Jupiter ihren Bahnen um die Sonne folgen, verändert sich ständig der Abstand zwischen ihnen. Rømer stellte fest, daß die Verfinsterungen der Jupitermonde um so später aufzutreten schienen, je weiter die Erde vom Jupiter entfernt war. Seine Erklärung für dieses Phänomen: Das Licht der Monde braucht länger, uns zu erreichen, wenn wir weiter von ihnen entfernt sind. Allerdings hat er die Entfernungsschwankungen zwischen Erde und Jupiter nicht sehr genau gemessen; so kam er auf eine Lichtgeschwindigkeit von 224.000 Kilometern pro Sekunde, während man heute von 300.000 Kilometern pro Sekunde ausgeht. Doch dies soll die bemerkenswerte Leistung Rømers, der nicht nur bewies, daß sich das Licht mit endlicher Geschwindigkeit bewegt, sondern diese Geschwindigkeit auch maß, keineswegs schmälern, veröffentlichte er doch seine Ergebnisse elf Jahre vor Newtons »Principia mathematica«.

Eine eigentliche Theorie über die Ausbreitung des Lichts schlug erst 1865 der englische Physiker James Clerk Maxwell vor, dem es gelang, die Teiltheorien zu vereinigen, mit denen man bis dahin die Kräfte der Elektrizität und des Magnetismus beschrieben hatte. Maxwells Gleichungen sagten voraus, daß es zu wellenartigen Störungen im zusammengesetzten elektromagnetischen Feld kommen könne und daß diese sich mit einer konstanten Geschwindigkeit wie Wellen in einem Teich bewegen würden. Wenn die Länge dieser Wellen (der Abstand zwischen zwei Wellenkämmen) einen Meter oder mehr beträgt, so handelt es sich um Radiowellen, wie wir heute sagen. Kürzere Wellen werden als Mikrowellen (ein paar Zentimeter lang) oder Infrarot (länger als ein zehntausendstel Zentimeter) bezeichnet. Sichtbares Licht hat eine Wellenlänge zwischen Vierzig und achtzig millionstel Zentimeter. Und es sind noch kürzere Wellenlängen bekannt, zum Beispiel Ultraviolett, Röntgen- und Gammastrahlen.

Theorie des Lichtäthers:
Wäre Licht eine Welle in einem elastischen Stoff, dem Äther, müßte die Lichtgeschwindigkeit jemandem in einem Raumschiff A, das sich auf das Licht zu bewegt, höher erscheinen als in einem Beobachter in einem Raumschiff B, das sich in die gleiche Richtung bewegt wie das Licht.

Man entdeckte keinen Unterschied zwischen der Lichtgeschwindigkeit in Richtung der Erdbahn und in einer Richtung senkrecht dazu.
(Bild am besten in einem neuen Fenster öffnen)



Aus Maxwells Theorie folgt, daß sich Radio- oder Lichtwellen mit einer bestimmten konstanten Geschwindigkeit bewegen. Aber Newtons Theorie ließ die Vorstellung von einem absoluten Ruhepunkt nicht mehr zu. Wenn man also annahm, daß das Licht sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit fortbewege, so mußte man angeben, in bezug worauf diese Geschwindigkeit zu messen sei. Deshalb kam man auf die Idee, es gäbe eine Substanz, »Äther« genannt, die allgegenwärtig sei, auch im »leeren« Raum. Die Lichtwellen, so glaubte man, bewegten sich durch den Äther wie die Schallwellen durch die Luft, und ihre Geschwindigkeit sei infolgedessen relativ zu diesem Äther. Beobachter, die sich wiederum jeweils relativ zum Äther bewegten, würden das Licht mit verschiedenen Geschwindigkeiten auf sich zukommen sehen, doch die Lichtgeschwindigkeit relativ zum Äther bliebe immer gleich. Vor allem bei der Bewegung der Erde durch den sie umgebenden Äther müßte die Lichtgeschwindigkeit, gemessen in Richtung der Erdbewegung (wie es der Fall wäre, wenn wir uns auf die Lichtquelle zubewegten), größer sein als die Lichtgeschwindigkeit, gemessen im rechten Winkel zu dieser Bewegung (wie es der Fall wäre, wenn wir uns nicht auf die Quelle zubewegten). 1887 führten Albert Michelson (der später als erster Amerikaner den Nobelpreis für Physik erhielt) und Edward Morley an der Case School of Applied Science in Cleveland mit großer Sorgfalt ein Experiment durch, bei dem sie die Lichtgeschwindigkeit in Richtung der Erdbewegung mit der im rechten Winkel zur Erdbewegung verglichen. Zu ihrer großen Überraschung stellten sie fest, daß die beiden Geschwindigkeiten völlig identisch waren!


Das Michelson-Morley-Interferometer













Versuchsaufbau schematisiert:
Im Michelson-Morley- Interferometer wird das Licht einer Quelle durch eine halbverspiegelte Glasscheibe in zwei Strahlen aufgeteilt. Das Licht der beiden Strahlen bewegt sich rechtwinklig zueinander und wird am Ende wieder zu einem einzigen Stahl vereinigt, in des abermals zu der halbverspiegelten Scheibe gelenkt wird. Je nach Strahlenlänge und nach der Lichtgeschwindigkeit in den beiden Strahlen überlagern sich diese in unterschiedlicher Weise: Trifft Wellenberg auf Wellenberg, verstärken sich die Wellen gegenseitig, trifft Wellenberg auf Wellental, löschen sich die Teilstrahlen aus. Veränderungen, etwa der Übergang von Auslöschung zu Verstärkung, lassen sich beobachten und zeigen an, wenn die relative Lichtgeschwindigkeit in den Teilstrahlen variiert.
[zu einem ausführlichen Artikel über das Michelson-Morley-Experiment 1881 in Potsdam auf der Internetseite des Astrophysikalischen Instituts Potsdam]

Zwischen 1887 und 1905 wurden zahlreiche Versuche unternommen – vor allem von dem holländischen Physiker Hendrik Lorentz [siehe dazu unten die »Lorentz-Transformation«] –,die Ergebnisse des Michelson-Morley-Experiments dadurch zu erklären, daß sich Gegenstände zusammenziehen und Uhren langsamer gehen, wenn sie sich durch den Äther bewegen. Doch im Jahre 1905 erklärte ein bis dahin unbekannter Beamter des Eidgenössischen Patentamtes Bern – Albert Einstein – in seinem berühmten Aufsatz, die ganze Vorstellung vorn Äther sei überflüssig, vorausgesetzt, man sei bereit, die Vorstellung von der absoluten Zeit aufzugeben. Den gleichen Gedanken äußerte ein paar Wochen später Henri Poincaré, ein führender französischer Mathematiker. Einsteins Argumente waren überwiegend an der Physik ausgerichtet, während Poincaré das Problem mehr aus mathematischer Sicht betrachtete. Gewöhnlich wird Einstein die neue Theorie zugeschrieben, doch auch Poincarés Name bleibt mit einem wichtigen Teil von ihr verknüpft.


Das entscheidende Postulat der Relativitätstheorie, wie sie genannt wurde, besagt, daß die Naturgesetze für alle bewegten Beobachter unabhängig von ihrer Geschwindigkeit gleich sein müssen. Das traf zwar schon auf Newtons Bewegungsgesetze zu, doch nun wurde das Prinzip auch auf Maxwells Theorie und die Lichtgeschwindigkeit ausgedehnt: Alle Beobachter müssen die gleiche Lichtgeschwindigkeit messen, wie schnell auch immer sie sich bewegen. Dieser einfache Gedanke hat einige bemerkenswerte Folgen. Am bekanntesten sind wohl die Äquivalenz von Masse und Energie, zusammengefaßt in Einsteins berühmter Formel (wobei E die Energie ist, m die Masse und c die Lichtgeschwindigkeit), und das Gesetz, nach dem nichts sich schneller fortbewegen kann als das Licht. Infolge der Äquivalenz von Energie und Masse muß die Energie, die ein Objekt aufgrund seiner Bewegung besitzt, zu seiner Masse hinzugerechnet werden. Mit anderen Worten: Sie erschwert es ihm, seine Geschwindigkeit zu steigern. Von ausschlaggebender Bedeutung ist dieser Effekt allerdings nur bei Objekten, deren Geschwindigkeit der des Lichtes nahekommt. Beispielsweise ist bei 10 Prozent der Lichtgeschwindigkeit die Masse eines Objektes nur 0,5 Prozent größer als normal, während sie bei 90 Prozent der Lichtgeschwindigkeit mehr als doppelt so groß wie normal wäre. Je mehr sich das Objekt der Lichtgeschwindigkeit nähert, desto rascher wächst seine Masse, so daß mehr und mehr Energie erforderlich ist, es noch weiter zu beschleunigen. Tatsächlich kann es die Lichtgeschwindigkeit niemals erreichen, weil es dazu einer unendlichen Energie bedürfte. Aus diesem Grund ist jedes normale Objekt durch die Relativitätstheorie dazu verurteilt, sich mit Geschwindigkeiten unterhalb der Lichtgeschwindigkeit fortzubewegen. Nur das Licht oder andere Wellen, die keine Ruhmasse haben, können sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten.


Eine ebenso gewichtige Konsequenz hat die Relativitätstheorie für unsere Vorstellung von Raum und Zeit. Schickte man einen Lichtimpuls von einem Ort zu einem anderen, so würden nach Newtons Theorie verschiedene Beobachter hinsichtlich der Dauer der Reise Einigkeit erzielen (da die Zeit absolut ist), nicht aber hinsichtlich der Länge des Weges (da der Raum nicht absolut ist). Weil man die Geschwindigkeit des Lichtes errechnet, indem man die zurückgelegte Entfernung durch die benötigte Zeit teilt, würden verschiedene Beobachter auf verschiedene Werte für die Lichtgeschwindigkeit kommen. In der Relativitätstheorie hingegen müssen sich alle Beobachter über die Geschwindigkeit des Lichtes einig sein. Aber sie gehen doch von verschiedenen Entfernungen aus, die das Licht zurückgelegt hat. Wie sollen sie sich da über die Zeit einigen, die es dazu benötigt hat? (Denn die benötigte Zeit ist ja die Lichtgeschwindigkeit – über die sich die Beobachter einig sind multipliziert mit der zurückgelegten Strecke, für die verschiedene Angaben vorliegen.) Mit anderen Worten: Die Relativitätstheorie macht der Vorstellung den Garaus, es gebe eine absolute Zeit! Es sieht so aus, als hätte jeder Beobachter sein eigenes Zeitmaß, seine eigene Uhr, und als würden auch dieselben Uhren, von verschiedenen Beobachtern benutzt, in ihren Angaben nicht unbedingt übereinstimmen.
aus Stephen W. Hawking – Eine kurze Geschichte der Zeit
Bilder und Bilderklärungen aus Hawking, Das Universum in der Nußschale


Ein kurzer Abstecher zur Lorentz-Transformation:
Der »Trick«, den Einstein in seinen mathematischen Berechnungen verwendete, bestand darin, daß er die uns bekannten Newtonschen Gleichungen mit einem Faktor versah, der das Erreichen der Lichtgeschwindigkeit verhindert.

Dieser Faktor ergibt sich aus der sogenannten Lorentz-Transformation, die schon vor Einsteins Spezieller Relativitätstheorie bekannt war. Ihr Schöpfer, der niederländische Physiker und Nobelpreisträger Hendrik Antoon Lorentz (1853 - 1928) hatte jedoch ihre volle Bedeutung nicht erkannt.

Wenn bei Newton zwei Geschwindigkeiten addiert werden, sieht das so aus:
W = v + w

Diese Berechnung würden wir also anstellen, wenn wir an einem Bahndamm stehen und in einem vorbeifahrenden Zug (mit der Geschwindigkeit v), jemanden sehen, der in Fahrtrichtung eine Pistole abfeuert. Die Kugel verläßt den Lauf mit der Geschwindigkeit w. Wollen wir die Geschwindigkeit W ermitteln, die die Kugel in Bezug auf den Bahndamm bzw. uns als Beobachter hat, verwenden wir obige Newtonsche Gleichung.

Bei Einstein wird unter Verwendung der Lorentz-Transformation daraus:






Je größer also die beiden Geschwindigkeiten v und w werden, durch einen desto größeren Wert wird ihre Summe dividiert.


Wenn Einstein gebeten wurde, seine Relativitätstheorie kurz zusammenzufassen, so sagte er gerne: "Früher hat man geglaubt, wenn alle Dinge aus der Welt verschwinden, so bleiben noch Raum und Zeit übrig. Nach der Relativitätstheorie verschwinden aber Raum und Zeit mit den Dingen."


Links:
– STERN-Artikel aus dem Einsteinjahr
– ZEIT-Artikel
Artikel mit vielen weiterführenden Links bei 3sat/nano
Artikel über Einstein im Wissensmagazin scinexx
– über den Mensch Einstein bei Planet Wissen
– Einsteinjahr-Internetauftritt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
– zur virtuellen Einstein-Ausstellung
Übersicht über die Einstein-Artikel in den »Annalen der Physik«
– einige Einstein-Artikel bei Wikibooks

zum Download:
Originalartikel »Zur Elektrodynamik bewegter Körper« bei pro-physik
– zum ausführlich kommentierten Originalartikel bei der Uni Heidelberg (aus Wikibooks)

Zitate von Albert Einstein:
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert…
Der Wert der Leistung liegt im Geleisteten.
Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuchs, sie zu erwerben.
Kein Problem kann durch dasselbe Bewusstsein gelöst werden, das es erzeugt hat.
Wenn du ein glückliches Leben willst, verbinde es mit einem Ziel.
Ein glücklicher Mensch ist zu zufrieden mit der Gegenwart, um sich viele Gedanken über die Zukunft zu machen.
Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.
Schon immer beruhten die meisten menschlichen Handlungen auf Angst oder Sturheit.
Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen, ändere die Fakten.
Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorne herein ausgeschlossen erscheint.
Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall.
Kein Ziel ist so hoch, daß es unwürdige Methoden rechtfertigte.
Wir leben in einer Zeit vollkommener Mittel und verworrener Ziele.
Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.
Wer sich nicht mehr wundern kann, ist seelisch bereits tot.
Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles, was gezählt werden kann, zählt!
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.
Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.
Vorurteile sind schwerer zu zertrümmern als Atome.
Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn's nicht anders geht, ein abschreckendes.
Wenn die Menschen nur über das sprechen würden, was sie begreifen, würde es auf unserer Erde sehr still sein.
Nichts in der Welt wird so gefürchtet wie der Einfluß von Männern, die geistig unabhängig sind.
Technischer Fortschritt ist wie eine Axt in den Händen eines pathologischen Kriminellen.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null – und das nennen sie ihren Standpunkt.
Der Mensch kann in seinem kurzen und gefahrenreichen Leben einen Sinn nur finden, wenn er sich dem Dienst an der Gesellschaft widmet.
Eine Theorie sollte so einfach wie möglich sein, jedoch nicht einfacher.

mehr auf der Zitate-Datenbank
siehe auch:
- Forscher-Kontroverse War Einstein Autist? (SPON, 01.05.2003)

Dienstag, 23. September 2008

Nachruf auf Thubten Jigme Norbu

Thubten Jigme Norbu, der ältere Bruder des Dalai Lama, verstarb am 5. September nach langer Krankheit und wurde am 11. September in Bloomington, Indiana, beigesetzt. Er war stets ein kompromißloser Verfechter der Unabhängigkeit Tibets anstelle einer bloßen Autonomie des Landes, und als solcher wurde er auch in den vielen Nachrufen gewürdigt. Doch weit mehr als Politiker war er als begeisterter Tibet-Experte mit einer starken emotionalen Bindung an seine Kultur und sein Volk sowie als starke und unabhängige Persönlichkeit bekannt. So wie die Nomaden der Region Amdo, denen er einen großen Teil seiner akademischen Studien widmete und denen er sich besonders verbunden fühlte, besaß er einen großen Freiheitsdrang und wollte sich nicht durch gängige Strukturen und Meinungen einengen lassen.

Er wurde im Jahre 1922 in einem kleinen Dorf nahe des großen Klosters Kumbum in der tibetischen Provinz Amdo, die heute einen Teil der chinesischen Provinz Qinghai bildet, geboren. Als Kind wurde er als Inkarnation von Taktser Rinpoche, einem hohen Lama der Gegend, erkannt. 1931 verließ er sein Zuhause, um Mönch zu werden. Seine Familie zog im Jahre 1939 nach Lhasa, nachdem sein jüngerer Bruder als der XIV Dalai Lama erkannt worden war. Im Jahre 1941, als Thubten Jigme Norbu ebenfalls nach Lhasa kam, um dort seine monastischen Studien zu vervollkommnen, wurde er wieder mit seiner Familie vereint. Er kehrte erst sieben Jahre später, als gerade die Kommunistische Partei in China gesiegt hatte, in das Kloster Kumbum zurück, das sich außerhalb des Territoriums befand, das der Regierung in Lhasa unterstand. In diesen chaotischen und turbulenten Zeiten war er den Mönchen des Klosters Kumbum dank seiner Verwandtschaft mit dem Dalai Lama eine große Stütze. Trotz seines jungen Alters wurde ihm angetragen, Abt des Klosters Kumbum zu werden.

Als die chinesischen Truppen im Herbst des Jahres 1949 in Amdo einmarschierten, geriet Taktser Rinpoche unter starken Druck von Seiten der kommunistischen Parteikader, die von ihm verlangten, Einfluß auf seinen Bruder zu nehmen. Er war empört über ihre Abwertung der traditionell-tibetischen Institutionen und ihre gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzten Reformen. In seiner Autobiographie beschreibt er diese entscheidende Periode seines Lebens als "bittere Erfahrungen". Weil er die Situation nicht länger ertragen konnte, trat er schließlich von seiner Position als Abt zurück und ging nach Lhasa, wo er seinen Bruder vor der unmittelbar bevorstehenden Gefahr warnte.

Als die Volksbefreiungsarmee die tibetischen Truppen in Osttibet überrannte und auf Lhasa zu marschierte, machte er sich gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Gefolge auf den Weg in das kleine Dorf Chumbi nahe der Grenze zu Indien, wo die tibetische Führung die weiteren Entwicklungen abwarten wollte. Nach der Unterzeichnung des 17-Punkte-Abkommens im Jahre 1951, das eine Phase der Deeskalation einleiten sollte, beschlossen der Dalai Lama und seine Regierung, nach Lhasa zurückzukehren, wo sie mit der neuen Regierung der Volksrepublik China (VRC) zu kooperieren versuchten. Ausgehend von den negativen Erfahrungen, die er im Kloster Kumbum gemacht hatte, erachtete Thubten Jigme Norbu die Bemühungen jedoch für aussichtslos und beschloß, Tibet zu verlassen. Er begab sich über Indien auf den Weg in die Vereinigten Staaten. In den fünfziger Jahren reiste Thubten Jigme Norbu des öfteren zwischen Amerika und Asien, vor allem Japan, hin und her. Er wirkte an verschiedenen buddhistischen Foren mit und widmete sich wissenschaftlichen Studien. Wie sein Bruder Gyalo Thondup assistierte er der CIA bei ihrer Unterstützung des tibetischen Widerstandes. Außerdem hielt er immer wieder Vorträge über Tibet.

Als der Dalai Lama im Jahre 1959 endgültig ins Exil nach Indien floh, stand Thubten Jigme Norbu dort den Flüchtlingen bei und schrieb zusammen mit Heinrich Harrer, mit dem er sich während der vierziger Jahre in Lhasa angefreundet hatte, seine Lebensgeschichte nieder. In deutscher Sprache wurde dieses Buch im Jahre 1960 veröffentlicht.

Thubten Jigme Norbu war Repräsentant des Dalai Lama in den USA und in Japan. Er betätigte sich darüber hinaus als Wissenschaftler und veröffentlichte mehrere Artikel, und zusammen mit dem Anthropologen Colin Turnbull im Jahre 1968 ein Werk über Tibet. Er betrieb mit Eifer historische Studien und widmete sich den diversen kulturellen Aspekten Tibets. Sein besonderes Interesse galt den Nomaden in Amdo. Er sprach mehrere ihrer Dialekte sowie die mongolische Sprache. Er war Kurator des American Museum of Natural History in New York und lehrte bis zu seiner Pensionierung an der Indiana University in Bloomington, USA.

Politisch gesehen vertrat Thubten Jigme Norbu den Standpunkt: "Über den Status Tibets gibt es nichts zu verhandeln. Tibet ist Tibet." Er räumte dennoch ein: "… obwohl von chinesischer Seite nicht mehr als die Autonomie ermöglicht werden wird."

Im Jahre 1995 gründete er zusammen mit Larry Gerstein die amerikanische Organisation International Tibet Independence Movement. Alles in allem war er mehr ein politischer Individualist als eine Leitfigur und einige Male äußerte er sich sehr zurückhaltend über die Arbeit der tibetischen Unabhängigkeitsbewegung. Auch verhielt er sich gegenüber der tibetischen Exil-Regierung in Dharamsala recht zurückhaltend und pflegte in den 90er Jahren zu bemerken: „Diese Gemeinschaft besteht lediglich aus einigen wenigen Familien – darunter meiner eigenen.“ Trotz seiner früheren Verbindung zu der CIA war Thubten Jigme Norbu skeptisch, was das Engagement der USA für die Sache Tibets anbelangte. In einem Interview mit dem indischen Journalisten Mayank Chhaya sagte er: „Ich glaube nicht, daß die USA etwas tun können, weil sie hauptsächlich am Dollar und daran, wie viel sie verkaufen, interessiert sind. Sie machen sich keine Sorgen über das Leiden der Tibeter. Sie interessieren sich für die Geschäfte.“ Obwohl er, kurz nachdem er Tibet verlassen hatte, seine Mönchsgelübde ablegte, blieb er persönlich immer dem Erhalt und der Verbreitung des Buddhismus verbunden. Er gründete das buddhistische Zentrum Kumbum Chamtse Ling und das Tibetisch-Mongolische Zentrum in Bloomington.

Elliot Sperling und Larry Gerstein, ITIM: "Takster Rinpoches Lebensgeschichte", siehe:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2008/TaksterRinpocheITIM.html

Übersetzung: Melanie Pelka, Adelheid Dönges, Revision: Angelika
Mensching

aus einer Mitteilung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Arbeitsgruppe München

Samstag, 20. September 2008

Alexander Mitscherlich zum hundertsten Geburtstag

bei der ZEIT

Daddy’s Girl forever

PÉCS – Kelly Osbourne, reizender Nachwuchs des unerschrockenen Black Sabbath-Sängers Ozzy Osbourne, wird sich vermutlich einen Partner nach Papas Ebenbild suchen. Provokation? Auch wenn die in der Familie liegt – nein, sondern Töchterchen wird nicht anders können: Das Aussehen des späteren Partners wird bereits in der Kindheit festgelegt. Das belegen die Untersuchungen der Psychologen um Tamas Bereczki von der ungarischen Universität Pécs. Söhne bevorzugten Partnerinnen, die ähnliche Gesichtszüge wie ihre Mutter haben, und Töchter wählen Männer, die ihrem Vater aus dem Gesicht geschnitten sind, berichten die Forscher in PROCEEDINGS OF THE ROYAL SOCIETY B.

Dazu wurden von 312 Erwachsenen aus 52 Familien jeweils 14 unterschiedliche Gesichtsabschnitte vermessen und verglichen. Die Psychologen entdeckten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Gesichtszügen des Vaters und des Partners der Töchter und denen der Mutter und der Partnerin der Söhne. Umgekehrt wurden keine Ähnlichkeiten entdeckt. Die Forscher vermuten dahinter einen soziologischen Prozess. Kinder nehmen Eigenschaften vom andersgeschlechtlichen Elternteil auf und bevorzugen dann Partner mit besonderen Ähnlichkeiten zu diesen.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Alles schönrauchen

Entfaltet erst durch die Zigarette danach seine vollständige Wirkung, und dann kann’s noch besser kommen – „Rosemaries Baby“.

MANHATTAN – Ob zum Kaffe oder nach dem Sex – egal, die Zigarette gehört dazu. Und warum ist das so? Psychologen um Matthew Palmatier von der Kansas State University haben herausgefunden, dass durch Nikotin Erfahrungen – welcher Art auch immer – intensiver erlebt werden. Wir frönen der Lust nicht etwa, weil sie einen angenehmen Zustand hervorruft, sondern weil die Zigarette Dinge schöner erscheinen läßt. Es sei möglich, dass Menschen vor allem deshalb rauchen, weil sie dadurch ihr Erleben und ihre Gefühle beeinflussen könnten, schreibt Palmatier in NEURO-PSYCHOPHARMACOLOGY. Wie stark sich dieser erlernte Effekt einprägt, zeigten die Forscher an Mäuseversuchen. Waren die Viecher erst einmal daran gewöhnt, dass bei ohnehin schon angenehmen Dingen durch Rauchen die Befriedigung noch wesentlich verstärkt wird, fehlte ihnen ohne das Nikotin etwas Wesentliches. Nun wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob Nikotin auch dazu beiträgt, unangenehme Erfahrungen erträglicher zu machen. Wenn dem so sein sollte, wird die Zigarette wohl auch dann nicht so einfach aus den Schlafzimmern zu entfernen sein.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Das Auf- und Davon-Gen

STOCKHOLM – Liebe Damen, hören Sie auf, Ihren Partnern ständig damit in den Ohren zu liegen, dass er sie wieder für eine andere sitzengelassen hat. Für seine Sprung- und Wechselhaftigkeit kann er nun wirklich nichts: Es liegt schlicht in seinen Genen. Das haben schwedische Forscher um Hasse Walum vom Karolinska-Institut bei Genuntersuchungen an 552 gleichgeschlechtlichen männlichen Zwillingspaaren herausgefunden. Dafür untersuchten die Wissenschaftler das Auftreten von drei verschiedenen Genvarianten, die einen Einfluss auf die Wirkung des Hormons Vasopressin aufweisen. Von Wühlmäusen sei bekannt, dass dieses Hormon die Bindungsfähigkeit beeinflusse, so die Forscher in PNAS. Und das scheint auch für die maskuline menschliche Gattung zu stimmen. Die untersuchten Männer mit der 334 genannten Ausprägungsform des Gens legten eine wankelmütige Partnerbindung an den Tag. Dementsprechend wenige Ehemänner fanden sich in dieser Gruppe. Die Partnerinnen dieser Männer waren mit der Bindung auch unzufriedener als diejenigen, bei deren Männern die 334-Ausprägung nicht vorhanden war. Ganz arme Schlucker, bei denen die 334-Variante doppelt vorhanden war, gaben an, im vergangenen Jahr eine Ehekrise durchlitten zu haben. Bei Frauen stellten die Forscher diesen Zusammenhang nicht fest.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008

Das ist so eine Sache mit der Wissenschaftlichkeit. Wie man jemandem, der einen sitzengelassen hat, ständig in den Ohren liegen kann, naja… Vielleicht könnte man das Gen auch »Sich eine Frau aussuchen, mit der man es nicht aushalten kann, weil sie nie zufriedenzustellen ist«-Gen nennen. Aber weil das zu lang ist, sieht man es halt einfacher so rum. Wie so oft…

Honorardiktat – Was unterm Strich übrig bleibt












Dr. Dr. Peter Schlüter, Facharzt für Allgemeinmedizin, Hemsbach


So langsam müssen die gesetzlichen Krankenkassen erkennen, dass die Pauschalierung von Leistungen so einfach nicht ist. Der Grund: Das Leistungsspektrum der einzelnen Praxen einer Fachgruppe ist viel zu unterschiedlich und differenziert. Zudem ist in einem komplett pauschalierten Abrechnungssystem für die Finanziers des Systems nicht mehr zu erkennen, welche Leistungen in welchem Umfang von den Leistungserbringern auch wirklich noch erbracht werden.

Spitzenverband zieht meine Grenze
Gerade zu diesem Zeitpunkt wird von Frau Pfeiffer auch noch gesagt, dass die durchschnittlich 120.000 Euro Jahreseinkommen für die Ärzte genug sind. Wie hat sie das gemeint? Jahreseinkommen? Umsatz? Honorar? Gewinn? Vor Steuern? Nach Steuern?

Wenn ich davon ausgehe, dass Frau Pfeiffer Honorar gemeint hat, dann lässt sich jetzt einfach berechnen, was uns Ärzten zusteht. Bei einem Kostensatz von plus/minus 50 Prozent bleibt ein Gewinn von 60.000 Euro vor Steuern. Davon bleiben, je nach steuerlicher Veranlagung, durchschnittlich 33.000 bis 38.000 Euro übrig. Gehe ich – der einfachen mathematischen Überlegungen wegen – von rund 36.000 Euro aus, so sind das 3.000 Euro pro Monat. Davon bestreite ich meinen Lebensunterhalt.

Okay, könnte man jetzt sagen, das ist doch gar nicht so schlecht. Doch halt! Die Altersvorsorge, nicht nur die Zwangsmitgliedschaft in der ärztlichen Versorgungsanstalt (diese Altersversorgung reicht später zum Leben sowieso nicht aus), sondern zusätzlich die private Altersvorsorge ist zusätzlich zu leisten. Wenn ich Urlaub mache, sistieren meine Umsätze, das heißt, ich habe kein Einkommen, denn diese Zeit bezahlt mir niemand. Als Hausarzt benötige ich ein Auto, um Hausbesuche durchführen zu können. Um dieses steuerlich absetzen zu können, muss ich, wenn ich Pech habe, auch noch ein Fahrtenbuch führen.

Vergleichen wir doch mal, Frau Pfeiffer!
Frau Pfeiffer hingegen ist Angestellte, und das noch im öffentlichen Dienst: festes Gehalt und kein Stress wegen Arzneimittelregress oder Honorarregress, dafür aber Anspruch auf bezahlten Urlaub. Das dürften fünf bis sieben Wochen im Jahr sein. Dienstfahrzeug ist selbstverständlich, Benzinkosten inklusive. Ortszuschlag. Wochenendzuschlag, Arbeitsessen, alles Beträge, die ich als Arzt selbst tragen muss.

Andere Rechnung, undurchsichtiger Durchschnitt
Halte ich Frau Pfeiffer zugute, dass sie wirklich Einkommen gemeint hat, dann wären es monatlich rund 6.000 Eure, die sie uns Ärzten zugesteht – durchschnittlich –, wohlgemerkt! Durchschnittlich bedeutet, dass hier eben auch Orthopäden, Laborärzte und Radiologen einberechnet sind, die auf der Einkommensskala das obere Drittel besiedeln. Das wiederum sind Größenordnungen, die den Durchschnitt deutlich anheben.

EBM-Reformen machen’s obsolet
Wie dem auch sei, ich habe meine Abrechnung des ersten Quartals 2008 in den Händen. Der neue EBM beschert uns Hausärzten wieder einmal einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent! Da klingt es wie Hohn in meinen Ohren, wenn ich an die Aussage des früheren Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer denke, der da sagte: „Ich kenne keine Berufsgruppe, die über eine gesetzlich garantierte Einkommenssteigerung verfügt!“ Da hat er recht.

Doch die Bindung des Honorarvolumens an die Steigerung der Grundlohnsumme wird erst wirksam, wenn die Grundlohnsumme wirklich steigt. Wobei diese durch die ständigen EBM-Reformen mehr als ausgehebelt wird.

Zehn bis 20 Prozent weniger Umsatz bescherte uns der EBM 2008. Da ist der Durchschnitt von 120.000 Euro schon Geschichte. „120.000 Euro Einkommen sind genug“ – basta! Doris Pfeiffer, Angestelltengehalt circa 187.000 Euro.

aus „Der Kassenarzt“ Nr. 16, September 2008