Dienstag, 29. März 2011

Es muss doch irgendwas geben, das vom Anspruch her zwischen der F.A.Z. und „Bauer sucht Frau“ liegt.

„Um mich herum ist es etwas düster geworden“
Am Freitag bekommt Thomas Gottschalk den Grimme-Preis für sein Lebenswerk. Besteht dieses eigentlich nur aus „Wetten, dass ..?“ Und was folgt nun, da der Entertainer die ZDF-Show abgibt? Ein Gespräch über die Zukunft der Unterhaltung.

Das interessante Interview mit Thomas Gottschalk ist bei der FAZ nachzulesen.

Sonntag, 27. März 2011

Auch Bundesministerium traut E10 nicht

Bei Innenministerium und Bundespolizei darf der Bio-Sprit nicht getankt werden

Die Bundesregierung trommelt für den Bio-Sprit - und traut ihm selbst nicht. Im Innenministerium und bei Behörden wie der Bundespolizei ist E10-Tanken erstmal verboten. Auch dort sorgt man sich um die Motoren.

mehr bei heute.de

Freitag, 25. März 2011

Die zehn schwersten atomaren Unfälle

Bei der Zeitschrift Öko-Test kann man sich eine PDF-Datein downloaden, die die schwersten Störfälle bei der zivilen Nutzung der Kernenergie auflistet:



1. 12. Dezember 1952 – Chalk River, Kanada
Stufe 5 – Ernster Unfall
Die partielle Kernschmelze in dem in der Nähe von Ottawa gelegenen Forschungsreaktor gilt als der erste ernste Reaktorunfall weltweit. Während eines Tests liefen mehrere Dinge falsch, vor allem bei der Besatzung: Es gab Missverständnisse, Fehleinschätzungen und Fehlbedienungen, außerdem noch falsche Statusanzeigen im Kontrollraum. Der Reaktorkern wurde beschädigt, durch eine Explosion entwich Radioaktivität in die Atmosphäre.

2. 29. September 1957 – Kyschtym, Sowjetunion
Stufe 6 – Schwerer Unfall
Bis heute ist der Atomkomplex Majak, der an der Grenze von Russland zu Kasachstan in den Bergen des Ural liegt, eine der größten Anlagen der Welt, unter anderem auch zur Wiederaufbereitung von abgebrannten Brennstäben und der Gewinnung von Plutonium. Im Zeitraum von 1950 bis heute kam es auf dem Gelände der Anlage zu acht größeren dokumentierten Stör- und Unfällen. Der folgenschwerste Unfall ereignete sich Ende September 1957, er wurde nachträglich als INES 6 eingestuft und wurde bislang nur durch den Super-GAU in Tschernobyl übertroffen. An einem Lagertank für hochaktive Spaltproduktlösungen kam es zu einer Störung des Kühlsystems. Durch einen Bedie- nungsfehler wurde das Kühlsystem daraufhin komplett ausgeschaltet. Der Tankinhalt wurde durch eine Explosion großflächig freigesetzt, insgesamt wurden 23.000 Quadratkilometer radioaktiv kontaminiert. In diesem Gebiet lebten zum Zeitpunkt des Unfalls 272.000 Menschen. Da sich die Kontamination auf den Ural beschränkte und keine messbaren Effekte in Westeuropa nachweisbar waren, konnte der Unfall viele Jahre geheim gehalten werden.
Die Region gilt bis heute als eines der verstrahltesten Gebiete der Welt. Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit wurden in den Jahren 1948 bis 2004 insgesamt 180.000 Terabecquerel (TBq) freigesetzt, davon 74.000 TBq bei dem Unfall im September 1957. Die größten Freisetzungen erfolgten demnach bei der Überflutung der umliegenden Felder durch den bewusst mit flüssigem radioaktivem Abfall kontaminierten Fluss Tetscha in den Jahren 1949 bis 1951.

3. 7. bis 12. Oktober 1957 – Windscale, Großbritannien
Stufe 5 – Ernster Unfall
Der Atomkomplex in Nordwestengland an der Irischen See wurde durch mehrere nukleare Störfälle bekannt. Der schwerste war der Brand im Jahr 1957, der als INES 5 eingestuft wurde.
Schon 1950 bzw. 1951 wurden die ersten beiden Windscale-Reaktoren für die Produktion von waffenfähigem Plutonium in Betrieb genommen. Nach dem kontrollierten Herunterfahren des Reaktors Pile No. 1 am 7. Oktober 1957 und dem darauf folgenden erneuten Anfahren kam es zu einem verhängnisvollen Missverständnis: Die Temperaturen im Reaktor wurden wegen fehlerhaft platzierter Messfühler falsch interpretiert und der Reaktor immer weiter hochgefahren. So fing der Kern Feuer, allerdings blieb der Brand zunächst unbemerkt. Erst am 10. Oktober zeigten Messgeräte an, dass der Reaktor Radioaktivität freisetzte. Nach mehreren missglückten Versuchen, den Kern abzukühlen und den Brand zu löschen, wurde der Reaktor schließlich am 11. Oktober mit Wasser geflutet. Große Mengen radioaktiver Gase entwichen mit der dabei entstehenden Dampfwolke in die Atmosphäre. Die Wolke zog über Großbritannien bis über das europäische Festland.
Nach dem Brand wurden die beiden Reaktoren außer Betrieb genommen, der Komplex von Windscale in Sellafield umbenannt. Doch die Skandalmeldungen aus der Anlage, wo 1956 noch ein Atomkraftwerk mit vier Reaktorblöcken seinen Betrieb aufnahm, gingen weiter. Immer wieder wurden Lecks entdeckt, radioaktive Lösungsmittel und Chemikalien einfach in die Irische See geleitet, auch Uran gelangte irrtümlich ins Meer. Mehrfach wurden Sicherheitspapiere gefälscht und Kontrollen nicht durchgeführt. Ab 2001 wurden die vier Reaktorblöcke nach und nach abgeschaltet. Heute ist in Sellafield nur noch die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Betrieb.

4. 21. Januar 1969 – Lucens, Schweiz
Stufe 4 – Unfall bis Stufe 5 – Ernster Unfall
Der schwere Unfall in der Schweiz ist außerhalb des Landes weitgehend in Vergessenheit geraten, nachträglich wurde er auf der INES-Skala zwischen 4 und 5 eingestuft. Glücklicherweise war der Versuchsreaktor Lucens recht klein und in eine Felskaverne eingebaut, überirdisch lagen nur das Dienstgebäude und die Notstromaggregate. Nach einer ersten Inbetriebnahme im Frühjahr 1968 wurde der Reaktor wieder stillgelegt und erst im Januar 1969 wieder hochgefahren. Durch eingesickertes Wasser waren aber in der Zwischenzeit unbemerkt die Umhüllungsrohre der Brennstäbe korrodiert, dies verhinderte bei der Wiederinbetriebnahme die Kühlung der Brennelemente. Es kam zu einer partiellen Kernschmelze. Da die erhöhte Radioaktivität früh gemessen wurde, konnte das Personal noch rechtzeitig evakuiert und die Kaverne verschlossen werden. Die Felskaverne wurde massiv verstrahlt, die radioaktiv verseuchten Trümmer konnten erst nach Jahren weggeräumt werden. Die Aufräumarbeiten dauerten bis Mai 1973. Die Trümmer wurden in versiegelten Behältern vorerst weiter auf dem Gelände gelagert, bis sie 2003 in das Zwischenlager Würenlingen gebracht wurden.

5. 31. Dezember 1978 – Belojarsk, Sowjetunion
Stufe 3 – Ernster Störfall bis Stufe 4 – Unfall
Auch diese Atomanlage östlich des Urals, etwa 50 Kilometer von Jekaterinburg entfernt, ist schon häufig mit diversen Pannen, Stör- und Unfällen bekannt geworden. 1964 und 1979 brannten mehrmals Brennelemente im ersten Block des Kernkraftwerks durch, das Personal wurde einer erheblichen Strahlenbelastung ausgesetzt. Auch in Block 2 kam es 1977 zu einer hohen Strahlenbelastung der Mitarbeiter, als bei einem Unfall die Hälfte der Brennstoffkanäle schmolzen. In der Silvesternacht 1978/79 kam es ebenfalls in Block 2 zu einem Zwischenfall, der verhältnismäßig glimpflich ausging, aber auch viel schlimmere Folgen hätte haben können (eingestuft als INES 3-4). Wahrscheinlich aufgrund der extremen Temperaturen von bis zu -50 Grad Celsius stürzte das Dach der Turbinenhalle ein. Es kam zu einem Kurzschluss, der einen Großbrand auslöste und Messleitungen zum Reaktor teilweise zerstörte. Um einen GAU zu verhindern, musste der Reaktor heruntergefahren werden, das Personal konnte die Schaltzentrale aber wegen des dichten Rauchs nur kurzzeitig betreten. Erst nach einigen Stunden war der Reaktor wieder unter Kontrolle. Acht Menschen wurden schwer verstrahlt.
Auch im September 2000 schrammte Belojarsk an einer Katastrophe vorbei. Nach einem Stromausfall sprangen die Notstromaggregate in Block 3, einem Schnellen Brüter, nicht an. Diese sind wichtig, weil sie im Notfall für die unentbehrliche Kühlung des Reaktorkerns sorgen. Ob die Reparatur der Dieselgeneratoren gerade noch rechtzeitig gelang oder ob der Meiler per Hand abgeschaltet werden musste, ist nicht klar.

6. 28. März 1979  – Three Mile Island, USA
Stufe 5 – Ernster Unfall
Der Beinahe-GAU im AKW Three Mile Island bei Harrisburg war bisher der größte Atomunfall in der Geschichte der USA. Auf der INES-Skala wurde er bei 5 eingestuft. Mit dem Ausfall von zwei Kühlpumpen begann in Block 2 eine verhängnisvolle Verkettung von technischem Versagen, falschen Messsignalen und Bedienungsfehlern, durch die es zu einer partiellen Kernschmelze kam. Radioaktives Wasser und kontaminierter Dampf traten aus. Der anschließende Versuch, das hochexplosive Gasgemisch aus dem Reaktorkern in einen Tank abzuleiten, schlug fehl. Wegen des extrem hohen Explosionsrisikos wurde zwei Tage nach dem eigentlichen Unfall noch einmal eine hochgiftige Wolke in die Atmosphäre entlassen. Wie viel Radioaktivität tatsächlich entwich, bleibt unklar. Als am 1. April Schwangeren und Kindern empfohlen wurde, die Gegend im Umkreis von acht Kilometern um den Meiler zu verlassen, waren Tausende von Anwohnern längst geflohen.
Der alles zerstörende GAU konnte auf Three Mile Island mit viel Glück vermieden werden. Aber warum das Stahlgefäß der extremen Hitze der partiellen Kernschmelze standhielt und die radioaktive Glut deshalb nicht aus dem Reaktor entweichen konnte, stellte Fachleute vor ein Rätsel.
Der unbeschädigte erste Block des Kernkraftwerks wurde nach einer Unterbrechung in den 80er-Jahren wieder in Betrieb genommen. Seine Betriebserlaubnis wurde bis 2034 verlängert.

7. 26. April 1986 – Tschernobyl, Ukraine
Stufe 7 – Katastrophaler Unfall
In der Nacht vom 25. zum 26. April 1986, wird ein scheinbar harmloses Experiment im Atomkraftwerk Tschernobyl fehlerhaft ausgeführt und gerät außer Kontrolle.


8. 30. September 1999 – Tokai Mura, Japan
Stufe 4 – Unfall
In der Uranwiederaufbereitungsanlage Tokai Mura, 130 Kilometer nordöstlich von Tokio, missachteten Arbeiter Vorschriften und füllten eine zu große Menge relativ hoch angereichertes Uran in einen Tank. Dadurch kam es zu einer unkontrollierten Kettenreaktion. Zwei Arbeiter wurden dabei so verstrahlt, dass sie wenige Monate später starben. Viele weitere Bedienstete erhielten deutlich erhöhte Strahlendosen. In geringem Maße wurde auch Radioaktivität in die Umgebung freigesetzt. Die Kettenreaktion dauerte über 20 Stunden. Der Informationsfluss an die Behörden und die Anwohner war mehr als schleppend: Das Management informierte die lokalen Behörden erst über eine Stunde nach Beginn der Kettenreaktion, die Anlage wurde erst nach zwei Stunden weiträumig abgesperrt, nach vier Stunden gab es die ersten Evakuierungen und nach fast acht Stunden wurden über 300.000 Einwohner im Umkreis von zehn Kilometern aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Unfall wird von offizieller Seite mit INES 4 eingestuft.


9. 25. Juli 2006 – Forsmark, Schweden
Stufe 2 – Ernster Störfall
Wegen eines Kurzschlusses in der Umspannstation, in die das nur etwa 120 Kilometer von Stockholm entfernte Atomkraftwerk seinen Strom ins öffentliche Netz einspeist, wurde einer der drei Reaktoren über eine Schnellabschaltung auf ein Viertel seiner Nennleistung heruntergefahren. Um die Nachwärme des abgeschalteten Reaktors abzuführen, hätte ein Notkühlsystem automatisch anlaufen müssen. Aber nur zwei der vier Genera- toren sprangen an. Die anderen beiden startete die Betriebsmannschaft erst über 20 Minuten später, weil sie durch einen gleichzeitigen Teilausfall des Steuerungssystems den Überblick über den tatsächlichen Zustand des Reaktors verloren hatte.
Der ehemalige Konstruktionsleiter des Kraftwerks behauptete, Forsmark 1 habe kurz vor der Kernschmelze gestanden: Wären alle vier Generatoren ausgefallen, hätte niemand einen GAU verhindern können. Das wurde von offizieller Seite stets zurückgewiesen, der Meiler sei nie außer Kontrolle gewesen. Die schwedische Strahlenschutzbehörde bewertet den Vorfall als INES 2, räumte aber einige Wochen später ein, dass die Nachun- tersuchungen das Bild deutlich verschlechtert hätten. Auch Betreiber Vattenfall gestand – allerdings erst nach massiver Kritik durch Mitarbeiter des AKW Forsmark – Sicherheitsmängel ein.

10. März 2011 – Fukushima, Japan
mindestens Stufe 6 – Schwerer Unfall
Am 11. März erschütterte ein schweres Erdbeben der Stärke 9,0 den Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu, anschließend überflutete eine Tsunami-Welle die Küste. In der im Erdbebengebiet gelegenen Atomanlage Fukushima I schalteten sich die Reaktorblöcke 1, 2 und 3 automatisch ab, die anderen drei waren nicht in Betrieb. Als Folge des Bebens brach das Stromnetz zusammen, für die dringend notwendige weitere Abkühlung der abgeschalteten Reaktoren wären jetzt die Notstromaggregate zuständig gewesen. Die Dieselgeneratoren aber waren durch den Tsunami beschädigt, batteriebetriebene Pumpen konnten die Kühlung nur für wenige Stunden gewährleisten. In der Not pumpten die Betreiber mit Bor versetztes Meerwasser in die Meiler.
Am 12. März explodierte der Reaktor 1, zwei Tage später erst Reaktor 3 und schließlich auch Reaktor 2. Angeblich blieben die Reaktorhüllen aber intakt. Im Reaktorblock 4 brannte es in einem Abklingbecken mit gebrauchten Brennelementen, das außerhalb der Stahlummantelung lag. Dabei wurde die Betonhülle des Reaktors beschädigt. Außerhalb der Anlage wurden hohe Strahlungswerte gemessen. Auch in den Blöcken 5 und 6 gab es Probleme mit der Kühlung. 200.000 Menschen wurden rund um die Anlage evakuiert. Beobachter gehen davon aus, dass es zumindest zu partiellen Kernschmelzen gekommen ist, offizielle Angaben fehlten bis Redaktionsschluss.
Die Betreiber der Fukushima-Anlagen, die Elektrizitätsgesellschaft Tepco, wird seit langem kritisiert. Die japanische Regierung hatte nach einer Untersuchung 2002 mitgeteilt, dass Tepco über Jahre geschlampt, Unfälle verschwiegen sowie systematisch und gezielt Reparaturberichte gefälscht habe.

Todes- und Krebsfälle durch Tschernobyl
Die gesundheitlichen Folgen der Katastrophe von Tschernobyl sind bis heute heftig umstritten, selbst über die Zahl der Strahlentoten gibt es unterschiedliche Angaben. Ein offizieller Bericht der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) von 2005 sprach von 56 Toten. Insgesamt könnten noch bis zu 4.000 Menschen als Folge der Strahlungsbelastung durch den Reaktorunfall sterben.
Diese Zahlen wurden von vielen Wissenschaftlern und Um-weltorganisationen als skandalös und verharmlosend kritisiert. Das Tschernobyl-Forum, ein internationales Fachgremium von Organisationen der Vereinten Nationen, schätzte im selben Jahr, dass es zwischen 5.000 und 10.000 zusätzliche Todesfälle durch Krebserkrankungen geben könnte. Eine von der Europaabgeordneten der Grünen, Rebecca Harms, 2006 in Auftrag gegebene Untersuchung (The Other Report on Chernobyl) geht sogar von 30.000 bis 60.000 zusätzlichen Krebstoten durch den Reaktorunfall aus.
Doch selbst wenn die Krebserkrankung nicht tödlich endet, bringt sie viel Leid mit sich. Sicher ist, dass es eine deutlich erhöhte Zahl von Schilddrüsentumoren, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, gibt. Außerdem haben Frauen in den hoch belasteten Regionen der Ukraine und Weißrusslands ein doppelt so hohes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Bei den stark belasteten Liquidatoren wurde in den ersten Jahren eine erhöhte Leukämierate beobachtet. Während die Hanhl der Schilddrücentumore bereits kurz nach dem Unglück in die Höhe ging, begann der Anstieg der Brustkrebsfälle erst etwa zehn Jahre nach dem Unfall. Deshalb ist wohl damit zu rechnen, dass es in Zukunft auch bei anderen Krebsarten einen Anstieg der Erkrankungen geben wird.



Donnerstag, 24. März 2011

Heute vor 90 Jahren: Die Ersten Olympischen Frauenspiele in Monte Carlo

Die vom 24. bis 31. März dauernde Veranstaltung mit etwa 100 Teilnehmern aus England, Frankreich, der Schweiz und Italien wurde vom International Sporting Club de Monaco organisiert. Ausgetragen wurden Laufwettbewerbe (zwischen 60 und 800 m, Hürden- und Staffelsprints), Hoch- und Weitsprung, Speerwerfen und Kugelstoßen.


(Bild aus www.geschichte.2me.net)
mehr bei Wikipedia

Sonntag, 20. März 2011

Ärger, Ansprüche und die Vergangenheit

Der SPIEGEL betitelt seinen Artikel über die gelungene WM-Verteidigung Vitali Klitschkos in der Schwergewichtsklasse mit »600 Euro, 169 Sekunden und viel Zorn«. »Das ist doch total die Verarsche. Ich habe 75 Euro für meine Karte bezahlt und konnte noch nicht einmal mein Bier austrinken, so schnell war alles vorbei.« , wird ein ärgerlicher Zuschauer zitiert.
Vielleicht hat es in den 60er Jahren auch Zuschauer gegeben, die sich nach einem schnellen K.O. ärgerten. Kann man ja auch verstehen. Nur: eine solche Meldung hätte es in den 60ern nicht gegeben, auch nicht in den 70ern. Damals hätten sich alle über die Verteidigung des WM-Gürtels gefreut und wären stolz gewesen. Heute sitzen die Leute vorm Fernseher oder am Ring und erwarten einen Sieg Vitali Klitschkos. Von vorneherein. Vor wenigen Monaten hatte Klitschko den Fans einen K.O.-Sieg versprochen gegen Ich-weiß-nicht-mehr. Ab der achten Runde wurden Publikum und Kommentator zunehmend unruhig, und es ging nur noch um die Frage, ob »Doktor Eisenfaust« sein Versprechen wahrzumachen imstande sein würde. Der Rest der Partie war eklig. Muß man die niederen Bedürfnisse der Menschen wirklich in dem Maße bedienen? Klitschko hätte den Kampf auf jeden Fall gewonnen. Ist es notwendig, die Gesundheit des Gegners aufs Spiel zu setzen, nur um vor seinen Fans gut dazustehen? Klitschko schien nur noch zu überlegen, wo er hinhauen muß, damit sein Gegner zu Boden geht. Es wirkte wie eine versuchte Hinrichtung.

Es geht mir nicht ums Boxen. Es geht mir um die Ansprüchlichkeit, die zugrunde liegende primitive Maßlosigkeit und deren hemmungslose Bedienung. Ich war immer – bis in die 90er Jahre – stolz auf die relativ zurückhaltende Wortwahl deutscher Fernsehberichterstatter bei sportlichen Großereignissen und konnte über die chauvinistische Berichterstattung des französischen Fernsehens nur den Kopf schütteln. Seit der deutschen Wiedervereinigung und der Einführung des Privatfernsehens hat der Wind auch bei uns aufgefrischt. Schade! Ich glaube, wir tun uns damit keinen Dienst. Ich glaube, die Größe eine Nation bemißt sich auch nach ihrer Zurückhaltung, und da werden uns die Privatsender in ihrer erzieherischen Funktion nichts zu bieten haben.

Eins der besten Genesis Medleys ever…

Genesis Old Medley (The Way We Walk) Live {19:38}

WalkerCorps
Am 20.03.2011 veröffentlicht 
Genesis - Old Medley: Dance On A Volcano/The Lamb Lies Down On Broadway/The Musical Box/Firth Of Fifth/I Know What I Like/That's All/Illegal Alien/Follow You, Follow Me
For more Genesis check Genesis Playlist in my Channel.

siehe auch:
- And then there were thirty-three… (Post, 25.06.2007)

Donnerstag, 17. März 2011

Markus Gäfgen verlangt Schmerzensgeld

hr-online berichtet über den Prozess, in welchem Markus Gäfgen, 2003 rechtskräftig als Entführer und Mörder des elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, auf Schmerzensgeld klagt. (siehe meinen Post vom 7.3.2008)

Ich erinnere daran, daß laut carechild.de die Rechte am Namen seines Mandanten und dessen Buches bei Gäfgens Anwalt Dr. Michael Heuchemer liegen.

Carechild.de zitiert (24.04.2007) auch aus der Homepage von Heuchemer:

WICHTIGER HINWEIS: STRAFRECHTLICHE VERFOLGUNG DROHT!
Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass Beleidigungen oder Drohungen mit strafbarem Inhalt zum Nachteil des Herrn Magnus Gäfgen oder des Herrn RA Dr. iur. Michael Heuchemer ohne jede Ausnahme und ohne weitere Vorwarnung strafrechtliche und zivilrechtliche Verfolgung auslösen.
Die Strafanzeige wird unverzüglich ausgebracht; zivilrechtliche Schritte folgen sogleich nach. Anonyme Schreiben, Faxdokumente oder e-mails werden ebenfalls ausnahmslos zur Anzeige gebracht und der Absender mit den geeigneten technischen Instrumentarien ermittelt. Verwiesen wird auf die Strafbarkeit insbesondere nach den §§ 126, 185 ff., 241 StGB. Es wird insoweit versichert, dass in besonnener Routine und Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft jedweder Verstoß mit allem Nachdruck verfolgt wird. Täter müssen ggf. mit der Durchsuchung ihrer Wohn- und Geschäftsräume (§§ 102, 105 StPO) und Beschlagnahmung ihrer elektronischen Geräte rechnen.
Die Verfahrenskosten des Strafverfahrens (§§ 465 ff StPO) sowie des Zivilverfahrens (§ 91 ZPO) hat jeweils der Täter zu tragen.

Zahlreiche Verfahren sind gerichtlich anhängig. Verfolgt wird ohne Ausnahme!

In welchem Staat leben wir?

Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg setzt die Wehrpflicht aus, ohne daß ein Konzept für eine Berufsarmee steht und ohne daß die finanziellen Konsequenzen durchgerechnet sind. Jetzt fehlt der Bundeswehr ein Viertel der Bewerber, und das Sparpotential (neuerdings ja mit »z«) ist zu niedrig. (siehe z.B. mdr oder n24)

CSU-Abgeordnete werfen Kanzlerin Merkel das Festhalten an ihrer Atompolitik vor mit dem Argument, ihre Haltung sei »in der jetzigen politischen Situation nicht mehrheitsfähig« (Aussage eines CSU-Politikers in einer Tagesschau-Sendung). Daraufhin legt Frau Merkel acht Meiler still. Die Opposition, eigentlich Kernkraft-Gegner, zweifelt an der Rechtmäßigkeit von Merkels Moratorium. (siehe z. B. Welt Online) Genauso Bundestagspräsident Lammert (CDU), der erst in der letzten Woche Merkels Umgang mit Gesetzen und dem Parlament kritisierte (siehe Welt Online).
siehe auch Bericht über den »Pakt für Wettbewerbsfähigkeit« (und den Kommentar) bei der auf faz.net

Das Bundesgesundheitsministerium bilanzierte in den letzten Tagen einen Verlust von einer halben Milliarde Euro, den die gesetzlichen Krankenkassen im letzten Jahr erzielten. Nun wollen die Kassen nicht entrichtete Zusatzbeiträge über die Hauptzollämter eintreiben lassen und dabei auch von Gehaltspfändungen Gebrauch machen

















(aus MMW-Fortschr.-Med. Nr. 6/2011)

Dabei hat der Gesundheitsfonds, dessen Aufgabe die Zuteilung der Versicherungsbeiträge an die Kassen ist, im letzten Jahr mit einem Überschuss von stolzen 4,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Laut Gesetz muß der Gesundheitsfonds zwanzig Prozent der durchschnittlichen Monatszuweisungen als Liquiditätsreserve vorhalten. Dies entspricht momentan drei Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat der Fonds jedoch 4,2 Milliarden Euro Überschuss erzielt. Diese wiederum werden nicht ausgegeben, weil, so Gesundheitsminister Rösler, der Fonds Polster für konjunkturschwache Zeiten aufbauen müsse.
Auch in diesem Jahr wird der Gesundheitsfonds wohl wieder Überschüsse erzielen – der Schätzerkreis der Bundesregierung geht von einem Liquiditätsüberschuss von 6,2 Mrd. Euro am Ende des Jahres aus. Gleichzeitig zehren die Krankenkassen von ihrer Substanz und werden über kurz oder lang gezwungen, kollektiv Zusatzbeiträge zu erheben. Wenn die Kassen keine Beitragseinnahmen als Liquiditätsreserve an den Fonds abführen müssten, könnten sie mittelfristig ihre Kosten ganz ohne Zusatzbeiträge decken. Der Grund ist der: der Sozialausgleich, der gewährt wird, wenn die Zusatzbeiträge 2% des Gehaltes übersteigen, wird mindestens bis zum Jahr 2014 aus eben dieser Liquiditätsreserve bezahlt (Link zu Haufe – öffentlicher Dienst).
(siehe auch den Artikel bei den NachDenkSeiten)

Das Durcheinander der deutschen Politik ist wohl jedem, der ein wenig genauer hinsieht, offenbar. Was mir große Sorgen bereitet, ist die Tatsache, daß sich diese Art von Flickschusterei zunehmend in einer rechtlichen Grauzone abspielt, die nicht mehr wirklich durch Gesetze gedeckt ist: die Wehrpflicht wird ausgesetzt, obwohl sie im Grundgesetz verankert ist. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg ist gesetzlich festgelegt, wird aber per Verordnung ausgesetzt. Das Parlament wird nicht rechtzeitig und nur rudimentär informiert. Der Gesundheitsfonds schließt mit einem Gewinn, der aber nicht an die gesetzlichen Kassen weitergegeben wird, und die gesetzlich Versicherten werden aus einem Topf gestützt, den sie selbst erst auffüllen müssen.
Das ist Politik hintenherum, das sind Entscheidungen, die dem Auge der Öffentlichkeit entzogen werden, das ist schäbige Augenwischerei, das ist Das-Fähnlein-nach-dem-Wind-hängen, das ist einfach undemokratisch.


übrigens: zu Bundestagspräsident Lammert und schlampig arbeitenden Journalisten hier ein Artikel von Stefan Niggemeier

Mittwoch, 16. März 2011

Kernkraft, Risiken, Wahrscheinlichkeiten und unsere Sprache

Jemand bietet mir eine Wette an: Ich setze 10 EUR ein und kann bei einer Chance von 50:50 die gleiche Summe – also ebenfalls 10 EUR – gewinnen, bin ich geneigt, die Wette einzugehen.
Jetzt kann man dieses Gedankenspiel bis zu einer gewissen Höhe fortsetzen. Irgendwann aber, sagen wir mal bei 1.000 EUR, wird mir das Risiko zu groß. Das hängt von meiner Risikobereitschaft und der Höhe meines Vermögens ab.

Wenn ich in ein Flugzeug einsteige, was mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 abstürzen wird, werde ich das Riskio eingehen. Bei 1:100 wird es prekär. Wenn die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes 1:1 betrüge, würde kaum noch jemand das Flugzeug nehmen – es sei denn, er müßte vielleicht ein Erbe von 10 Millionen EUR geltend machen und hätte keine Wahl, anders zu dem betreffenden Notar zu gelangen.

Wenn ich abends in mein Auto steige, um nachhause zu fahren, gehe ich ein Risiko ein. Das Risiko, in einen Unfall zu geraten ist recht gering, das Risiko, dabei verletzt zu werden, ist noch geringer. Das Risiko, bei einem Unfall, in den ich gerate, getötet zu werden, ist noch geringer. Wie man an der Realität sieht, gehe ich dieses Risiko ein.

Wenn ich also ein Risiko eingehe, muß die Wahrscheinlichkeit, daß etwas Schlimmes passiert, gering sein gegenüber dem Vorteil, den ich habe. Es ergibt sich dann also eine Formel, in die die Wahrscheinlichkeit, Vor- bzw. Nachteil (also zum Beispiel Gewinn bzw. Verlust) und die Bewältigungsfähigkeit der Nachteile eingehen. Ein Milliardär wird andere Lottorisiken einzugehen gewillt sein als ein HARZ IV-Empfänger.

In der Talkshow von Sandra Maischberger "Die Geister, die wir riefen: Atomkraft außer Kontrolle?" gestern abend kritisiert der Präsident des Deutschen Atomforums, Ralf Güldner die Aussage von Umweltminiseter Röttgen, der gestern vor laufenden Kameras beteuert hatte: »Wir werden die deutschen Atomkraftwerke hundertprozentig sicher machen.« »Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit«, betont Güldner, und Wolfgang Renneberg, von 1998 bis 2009 Referatsleiter für Reaktorsicherheit und somit Chef der Bundesatomaufsicht, pflichtet ihm bei. Er spricht von einer trügerischen Sicherheit, die den Menschen suggeriert werde: »Es gibt immer ein Restrisiko.« Erhard Epple, SPD Urgestein, meint: »Das Dumme an solchen Unglücken ist, daß man sie sich halt nicht vorstellen kann – bis sie passieren.«

Kritik in der Süddeutschen

Die Süddeutsche vermeldet, daß Wolfgang Renneberg als Chef der hessischen Atomaufsicht 1997 ein Verfahren zur Stilllegung von Biblis A eingeleitet hatte und damit gescheitert war. In der Maischberger-Talkshow ging Renneberg näher auf den Unfall ein (siehe auch Wikipedia): aufgrund eines bei Wartungsarbeiten vergessenen Meißels brannte in Biblis A innerhalb des Containments der Motor einer Hauptkühlmittelpumpe, weil es zu einem Kurzschluß gekommen war. Was bei Wikipedia nicht steht und was ich aus der gestrigen Sendung erinnere: Beim Anfahren des Reaktors hätte die Mannschaft ein Geräusch gehört, aber nicht darauf reagiert. Die spätere Untersuchung habe ergeben, daß ein umherfliegender Gegenstand ein Loch geschlagen hätte. Dieses Loch habe gut auch in eine Kühlmittelleitung geschlagen werden können und wäre, da die Mannschaft nicht reagiert habe, möglicherweise zu spät entdeckt worden.
(siehe auch Schriftenreihe Reaktorsicherheit und Strahlenschutz – BMU – 2005–664, downloadbar unter Fußnote 30 des Wikipedia-Artikels)

Beim Lotto ist die Gewinnwahrscheinlichkeit konstant und beträgt immer 1 : 13.983.816, also bei zwei Reihen pro Woche durchschnittlich einen Sechser in 140.000 Jahren. 205 Spieler gewannen im Juni 1977 mit 6 richtigen Lottozahlen, die eine Woche zuvor schon beim niederländischen Lotto gewonnen hatten. [Quelle: winnersystem.org, siehe da unter: 6 Richtige aber die falschen richtigen Lottozahlen] Die Wahrscheinlichkeit, mit der in Deutschland und Holland an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden die gleichen Gewinnzahlen ermittelt werden, ist unglaublich gering, über den Daumen würde ich schätzen: so bei 10 hoch minus 27.

Was wir in den letzten Tagen gelernt haben – eigentlich haben wir es nicht gelernt, wir wußten es schon seit mindestens Juni 1977 – ist, daß völlig unwahrscheinliche Dinge trotzdem geschehen können. Es geschieht wohl nur alle 20 Milliarden Jahre (wieder über den Daumen gerechnet), daß die gleichen Gewinnzahlen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden in Holland und Deutschland auftauchen, aber es geschieht. Die Frage ist, ob wir auch bei völlig unwahrscheinlichen Risiken gewillt sind, die Konsequenzen aus einem »Lottogewinn« auf uns zu nehmen. Sind wir mit einem Restrisiko von 1 : 10 hoch minus 27 gewillt, die Möglichkeit der Verstrahlung von Rheinland-Pfalz für die nächsten 1000 Jahre auf uns zu nehmen?
Auch das rechnerisch völlig unwahrscheinliche wird irgendwann geschehen. Es ist zwar völlig unwahrscheinlich, aber irgendwann passiert’s. Bisher dachten wir, das völlig Unwahrscheinliche passiert nicht. In der letzten Woche haben möglicherweise Umweltminister Röttger und Bundeskanzlerin Merkel gelernt, daß das völlig Unwahrscheinliche passiert.

Schon 1985 konnte sich Peter F. Bringmann (bekannt durch »Theo gegen den Rest der Welt«) einen terroristischen Anschlag auf ein AKW vorstellen: über seinen ausgezeichneten (und 1987 nur ein einziges Mal ausgestrahlten – siehe dazu den SPIEGEL-Link) Fernseh-Zweiteiler »Gambit« (Darsteller u.a. Heinz Bennent, Peter Berling, Despina Pajanou, Dominic Raacke, Rolf Zacher und Hans Zander; Rezensionen bei Amazon; SPIEGEL-Link: Der GAU und das Mädchen) läßt sich im Internet fast nichts finden.

Also: welche Restrisiken gibt es, und welche sind wir zu welchem Preis einzugehen bereit?



Wenn man die Icons größer macht, sieht das sehr beeindruckend aus:

(Karten gefunden auf dem Landkarten-Blog)

aktualisiert: 22.03.2014

Dienstag, 15. März 2011

»Die haben die Drecksarbeit gemacht…«


Das ist eines von zwei Lieblingsbildern von Igor Kostin. (Beim ersten Link bis etwas unterhalb der Seitenhälfte scrollen.) Über die etwa 700.000 (laut Wikipedia 200.000) sogenannten Liquidatoren sagt er: »Zuerst haben sie es mit Robotern versucht. Die haben aber wegen der hohen Strahlung nicht funktioniert. … Die haben die Drecksarbeit gemacht, und über die redet keiner mehr. 40 Sekunden lang durften sie auf dem Dach bleiben und haben eine Schippe in das Loch geschüttet. Dann sind sie zurückgerannt, haben eine Urkunde gekriegt und 100 Rubel und wurden weggeschickt. Denen will ich mit meinen Bildern ein Denkmal setzen.«

Siehe auch
- Radio 91.2: Schlimmste Erinnerungen in der Ukraine
- Planet Wissen vom 29. Juli 2010: Atomkraft - Das ABC der Kernenergie

Montag, 14. März 2011

Sinn und Unsinn der Diagnosen-Kodierung

Die mit viel Aufwand betriebene Kodierung liefert offensichtlich inhaltlich wertlose Daten. Dieser Schluss ergibt sich aus einer mit einem Forschungspreis ausgezeichneten Dissertation an der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig: Das pikante daran: Der KBV-Spitze ist dieses Problem bereits seit langem bekannt.
Wichtig bei der Kodierung ist, dass sich die kodierten Daten auch zuverlässig und replizierbar dekodieren lassen – sonst ist der Aufwand überflüssig und wirtschaftliche sowie gesundheitspolitische Entscheidung werden aufgrund falscher Annahmen gefällt. Diese Problematik stand im Mittelpunkt der Arbeit von Dr. med. Rosemarie Wo- ckenfuss. Sie untersuchte anhand der Ergebnisse der Sächsischen Epidemiologi- schen Studie in der Allgemeinmedizin (SESAM-2), ob die ICD-10 den Anspruch der Reliabilität zur Darstellung der Morbidität erfüllen kann.

Link zum Download der Studie

aus den Mitteilung des bvvp (Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten) vom 9.3.2011


Die letzten beiden Sätze der Dissertation lauten:

Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass für die Bekannten Dauerdiagnosen und Neuen Diagnosen nur noch auf Kapitelebene eine mäßige Abbildung der Morbidität mit der ICD-10 gelang, bei den Beratungsanlässen war selbst das schon nicht mehr möglich.
Somit ist die Reliabilität der ICD-10 in der Allgemeinmedizin nicht ausreichend.


Sprache, Sauberkeit und die Medien

Gerade habe ich in der Tagesschau gehört, die Absetzung des Gorch-Fock-Kommandanten Norbert Schatz sei voreilig gewesen.
Der ehemalige Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg hat Norbert Schatz aber nicht abgesetzt, obwohl dies in den Medien mehrmals so berichtet worden ist, sondern suspendiert.

Suspendieren heiß aber eben nicht absetzen sondern aussetzen.
Das, was jetzt voreilig gewesen sein soll, hat es also nie gegeben.

Genauso der Fall mit der Anfang November zu Tode gestürzten Offiziersanwärterin auf der Gorch Fock:
Die BILD-Zeitung meldet – und der deutsche Blätterwald schreibt mit –, die Offiziersanwärterin sei aufgrund ihres Gewichtes von 83 Kilo bei einer Körpergröße von 1,58 m gar nicht dienstfähig gewesen. (In dem von mir zitierten Beispiel aus »evangelisch.de« ist übrigens – siehe den orangefarbenen Einschub mit mehreren Links – auch von der Absetzung des Gorch-Fock-Kommandanten die Rede.) Vier Tage brauchte es herauszufinden, daß die Leiche der Soldatin vor dem Heimtransport mit 23 Kilo Formaldehyd einbalsamiert worden war. Ich hatte Schwierigkeiten, zu meiner letzten Aussage Meldungen zu finden. Die Anzahl der auffindbaren Meldungen über die Dienstunfähigkeit der Unteroffizierin ist wesentlich größer als die, die die Unstimmigkeit auflösen.

Wenn ich nun gestern im ZDF Meldungen höre, von dem Atomkraftwerk stünde nach der Explosion nur noch das Stahlgerippe, wird mir übel. So kann man die Bevölkerung nicht mit Informationen versorgen. Der ruhigen und besonnenen Berichterstattung der ARD ein großes Kompliment. Im Life-Ticker am Unterrand meines Browsers lese ich gerade: »ZDF – Nur Jod hilft«. Dazu Folgendes: Nach Tschernobyl sind in Deutschland tatsächlich Menschen ums Leben gekommen, nur: sie starben, weil sie bei einer unerkannten Schilddrüsenüberfunktion prophylaktisch Jod-Tabletten eingenommen hatten. Also: Ruhe bewahren, Atomkraftwerke abschalten und die Hirne nicht zu heiß laufen lassen.

Ach ja, beinahe hätte ich unseren Guido vergessen. Er erzählt heute tatsächlich vor der Kamera, es habe sich eine neue Situation ergeben, weswegen man über den Ausstieg (aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg) aus der Atomkraft ebenfalls neu nachdenken müsse. Wenn es die Katastrophe in Japan nicht gegeben hätte und im Sommer ein Passagierflugzeug auf ein AKW gefallen wäre und unter dem Strich eine Kernschmelze entstanden wäre, würde er auch da stehen und erzählen, eine neue Situation sei entstanden.

Eine Situation, die bei uns in Deutschland entstehen könnte, ist ein Vulkanausbruch in der Eifel. Der letzte war vor 12.000 Jahren. Ein populärwissenschaftliches Feature – ich glaube auf vox – von BBC berichtete vor etwa einem halben Jahr davon. Auf der Seite duckhome.de wird von einem Erdbeben bei Basel der Stärke 10 im Jahr 1356 berichtet, es gibt auch was über Eifelvulkane…

Tanja Gönner, Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen, erzählt gerade im ARD Brennpunkt, »wir haben die Atomenergie immer als Übergangstechnologie bezeichnet«. Na ja, sie ist im Wahlkampf.

Siehe auch »Störungen und Betriebsabweichungen« und das darauf folgende Kapitel im Wikipedia-Aufsatz über Fukushima: der privatwirtschaftliche Betrieb von AKWs ist problematisch. Und wenn die Meldung bei Wikipedia stimmt, die Ersatzgeneratoren hätten aufgrund ungeeigneter Kabel nicht angeschlossen werden können, dann kann ich dazu nichts mehr sagen.

Wenn wir, was ich uns allen wünsche, noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen sollten, dürfen wir nicht vergessen: Da sind noch ein paar Bälle, die zur Zeit jongliert werden, ohne daß man sie wirklich unter Kontrolle hat und die uns noch einige Probleme bereiten werden:
– die Atommüll-Endlagerung
– gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel
– Nano-Technologie
– das internationale Währungssystem (siehe meinen Post vom 12. März)

Sonntag, 13. März 2011

Energieversorgung

Ich kann mich noch daran erinnern, wie unser Chemielehrer – ich muß da in der zehnten oder elften Klasse gewesen sein – vor der Tafel entlangschritt. Er hatte die Angewohnheit, sich das lange Lineal zu nehmen, das eine Ende in der linken Hand, das andere auf der linken Fußspitze aufgestützt, und, die rechte Hand in der Hosentasche, vor der Tafel hin und her zu wandern und uns etwas zu erzählen. Diesesmal war es der Brüter. Das sei klasse, meinte er, das wäre ein besonderes Atomkraftwerk, welches sich seinen Treibstoff selbst herstellt. Und nicht nur das, es würde sogar zusätzliches spaltbares Material herstellen, welches dann andere Atomkraftwerke versorgen würde.
Inzwischen ist die Brüter-Technologie, wie auch so viele andere Dinge, die mit der zivilen Nutzung der Kernkraft zu tun haben, entzaubert, wenn nicht entlarvt. Realität wird unter anderem durch Worte hergestellt. Und die Eier, die ein Huhn legt – und dann ausbrütet –, konnte sich in der Wienerwald-Zeit jeder gut vorstellen. Prinzipiell funktioniert unser Hirn auf BILD-Zeitungs-Niveau. Alles, was komplizierter ist, davon lassen wir lieber die Finger bzw. unsere grauen Zellen.

»Die Grenzen des Wachstums«, eine vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie von Dennis L. Meadows machten – genauso wie die vier autofreien Sonntage 1973 – die Menschen – mich auch – zum erstenmal wach – zumindest einige. Der Gedanke, daß die fossilen Energien der Erde und überhaupt die Ressourcen der Erde begrenzt sein könnten, war mir bis Anfang der 70er Jahre – wie wohl den meisten – nicht gekommen. Und Visionäre wie Buckminster Fuller (Operating Manual for Spaceship Earth) wurden in Zeiten von Flipper, Bonanza und Emma Peel allenfalls von den Beatles beachtet.



Links zu Buckminster Fuller:
als erstes natürlich auf meinem Blog: Heute vor 25 Jahren
Telepolis: Buckminster Fuller, Der weitsichtigste Mann unseres Jahrhunderts
archINFORM: Richard Buckminster Fuller
thirteen.org: Buckminster Fuller

Eine sogenannte Dymaxion Map [Quelle: habe ich ganz alleine gemacht, sie stammt keinesfalls von Dymaxion Artifacts]
Wikipedia: Dymaxion House

Von der Atomenergie war nach den Unfällen von Sellafield, Three Mile Island und Tschernobyl der Lack ab. Nach den Demonstrationen in Brokdorf und Gorleben und der Diffamierung der Kernkraftgegner wurde mir klar, daß die zivile Nutzung der Kernkraft politisch/industriell gewollt war und über Subventionen gesteuert wurde. Jetzt ist die Kernkraft als sogenannte Brückentechnologie »alternativlos« (Angela Merkels Unwort des Jahres). Aber Kernkraft wurde zur Brückentechnologie (ebenfalls fürs Unwort des Jahres nominiert) gemacht – durch Subventionen.

Links dazu:
Deutschlandfunk: Die Kosten von Atomstrom
ZEIT Online: "Nicht nur die gefährlichste, sondern auch die teuerste Form der Stromerzeugung"
Telepolis: Teurer Atomstrom
Solar e.V.: Vergleich der Subventionen von Atomkraft und Erneuerbaren Energien
Friedrich-Naumann-Stiftung: Hentrich, Gute und böse Investitionen?

Der Filz zwischen Politik und Industrie wurde im Zuge der Auseinandersetzungen um den Salzstock Asse als Atommüllendlager ruchbar. (Ich schreibe absichtlich ruchbar, weil mir für den Nachweis die Zeit fehlt.)

Links:
Greenpeace: Originalakten zeigen: Asse war Test für Gorleben, Greenpeace stellt weitere Dokumente zur Endlagersuche ins Internet
brakhage-info: Asse, Gorleben & Co.
taz: GUTACHTEN ZUM ATOMENDLAGER GORLEBEN: Politischer Druck auf die Wissenschaft
Bergedorfer Zeitung: Asse-Skandal reicht bis nach Geesthacht
paperblog: ASSE-Skandal: Die JOURNAILLE als Atom-Lobby und das Schutzschild für Angela Merkel (CDU)
Neue Presse, Hannover: Wulff: Verantwortung für Asse-Skandal kaum zu klären
Frankfurter Rundschau: Decke eingestürzt





















zum Download:
Studie der Heinrich-Böll-Stiftung: Rosenkranz, Mythos Atomkraft
bei Heike Sperling: Lotter, Sterne lügen nicht (über die Schwierigkeit der Vermittlung komplexer Sachverhalte)


zum Schluß:
Auch wenn die atomare Katastrophe in Japan noch in Gange ist – und mir wird übel, wenn ich nur daran denke –, und auch wenn meine Forderungen absonderlich klingen:
Deutschland benötigt starke, transportable Stromgeneratoren, die nach einem Stromausfall die Stromversorgung eines AKW sichern.
Wir benötigen Luftabwehrraketen in der Nähe eines jeden Atomkraftwerks.
Der stärker radioaktive Müll (der schwach radioaktive nicht) muß in Glas eingeschmolzen und so eingeschmolzen gelagert werden, um das Entweichen in das Grundwassser zu unterbinden. Kein Salzstock ist sicher genug. Bei Radioaktivität darf der Spruch »aus den Augen – aus dem Sinn« nicht verfangen.
Für die Zukunft müssen wir mir Kernkraftwerken noch eine Weile leben.
Bis die Fusionstechnologie zur Verfügung steht, braucht es noch Zeit. Ich halte sie für deutlich sicherer als die Kernspaltung.
Wasserstoff ist die Energiewährung der Zukunft. Letztlich wird dies Währung aber nur durch Spaltung von Wasser zu gewinnen sein, heißt: im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, in denen Energie drinsteckt, steckt in Wasser keine Energie, ich muß Energie reintun, um Wasserstoff zu erhalten. Ich bezeichne Wasserstoff als Energiewährung, weil er sich transportieren läßt. Dieser Wasserstoff muß aber zuerst hergestellt werden.
Eine interessante und meiner Meinung nach zuwenig beachtete Figur in diesen Gedankenspielen ist Ludwig Bölkow. (Die Älteren werden sich vielleicht noch an Messerschmitt–Bölkow–Blohm erinnern, kurz: MBB, ging später in der DASA auf, und die wurde ein Teil von EADS.) Bölkow entwickelte die Messerschmitt Me 262 mit, das erste Militärflugzeug mit Strahltriebwerken. Nach dem Krieg baute er das erste glasfaserverstärkte Segelflugzeug, die Fs 24 Phönix, damals ein absolutes Novum. 1983 gründete er in Ottobrunn die Ludwig-Bölkow-Stiftung, deren Aufgabe es ist, sich um die ökolische Umsetzung von Technologie zu kümmern. Einige Solarfirmen sind aus dieser Stiftung hervorgegangen. Die Stiftung lobt auch einen Technologie-Preis aus.
Das Energiekonzept von Ludwig Bölkow wird wohl auf der Seite der Solarinitiative München Land stimmig vorgestellt.

Noch einige Links:
SPIEGEL Online: Der Visionär
Institut für Ökologische Stadtentwicklung – Energie-Links
Wikipedia: Energiespeicher
H2Blog: Wassserstoff nachhaltig erzeugen
Simla e.V.: Energieträger im Vergleich (PP-Präsentation)
Solarserver: CDU-Parteiaustritt eines Photovoltaik-Unternehmers: Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel







Und wenn Umweltminister Röttgen meint, angesichts der Katastrophe in Japan müsse die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke neu überdacht werden, dann kann ich nur fragen, was passieren muß, bis CDU-Gehirne anlaufen. Vor Überhitzung jedenfalls brauchen wir da keine Angst zu haben.

Samstag, 12. März 2011

Was bei einer Kernschmelze passiert

bei der Tagesschau
bei Wikipedia
ausführliche Darstellung bei der Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) , Hannover
Artikel auf ZEIT-Online

Bild aus einer einfachen Darstellung der Geusschool

Die Saat für die nächste Krise…

Der Internationale Währungsfonds (IWF) kritisiert mit ungewöhnlich klaren Worten, dass das Finanzsystem jetzt noch anfälliger ist als vor der Finanzkrise.

»Ohne diplomatisches Geschwafel stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer nun bekannt gewordenen internen Studie das grandiose Scheitern der Regierungen im Rahmen der Finanzkrise fest.«

mehr bei Telepolis

Freitag, 11. März 2011

Way Home…


Jon & Vangelis - I'll Find My Way Home von albertulloamsn



Steve Winwood, Eric Clapton - Can't Find My Way Home

Donnerstag, 24. Februar 2011

Heute vor 108 Jahren: Kuba muß die Guantánamo-Bucht verpachten

Umstrittene US-Bastion auf Kuba

Guantánamo ist eine kleine kubanische Stadt an der Südküste der Insel, und auch die Bucht, die das Karibische Meer an diesem Küstenstrich bildet, heißt so. Dass der Name weltweit in aller Munde ist, liegt an dem kleinen Areal, das das US-Militär gepachtet hat. Seit dort des Terrors verdächtige Islamisten unter menschenunwürdigen Umständen gefangen gehalten werden, taucht der Name immer wieder in den Schlagzeilen auf. Wie kam es dazu, dass die USA gerade auf der Insel des alten politischen Feindes Fidel Castro einen Marinestützpunkt haben?

Landung von US-Truppen bei Guantánamo auf Kuba (Illustration, 1898; Quelle: Brockhaus-Kalender – Abenteuer Geschichte)

Bis 1897 versuchten die USA der damaligen Kolonialmacht Spanien die gesamte Insel Kuba abzukaufen. Im Jahre 1898, während des Spanisch-Amerikanischen Krieges, besetzten die USA die Guantanamo-Bucht, da sich dort eine bedeutende Hafenanlage befand. Durch den Pariser Frieden vom 10. Dezember 1898 erlangte Kuba die Unabhängigkeit, geriet aber in politische und wirtschaftliche Abhängigkeit der USA. Diese übten ihre Kontrolle und Vorherrschaft über Kuba durch die Einsetzung proamerikanischer Präsidenten und Diktatoren und mehrere militärische Interventionen aus (unter anderem 1899–1903). Von Januar 1899 bis Mai 1902 stand die Insel unter US-amerikanischer Militärverwaltung. 1901 wurde der so genannte Platt Amendment in die Verfassung Kubas aufgenommen. Dieser schränkte die Souveränität des Landes erheblich ein. Er gewährte den USA ein Interventionsrecht im Falle innerer Unruhen und sah die Abtretung kubanischen Territoriums als Flottenbasis vor. (Quelle: Wikipedia)

Am 23. Februar 1903 unterzeichneten die USA und Kuba ein Abkommen, das den USA das Recht zusprach, auf einem 117 qkm großen, gemieteten Gebiet »Kohleverlade- und Marineeinrichtungen« anzulegen. Laut Vertrag sind die Klauseln so lange gültig, bis beide Vertragspartner sie aufzuheben gedenken. Kuba blieb seinerzeit keine große Wahl, es musste diesen Vertrag unterschreiben, denn es war von der US-Armee besetzt, die im Unabhängigkeitskrieg der Kubaner gegen die spanischen Kolonialherren interveniert hatte. Heute sieht Kuba die Militärenklave der USA als illegal besetztes Territorium an und fordert seit Langem die Rückgabe. Die USA machen aber bisher keinerlei Anstalten, dem Drängen Kubas nachzugeben. (Quelle: Brockhaus-Kalender – Abenteuer Geschichte)

Im Jahr 1934 wurde der kubanische Präsident Ramón Grau San Martín abgesetzt, der Vertrag wurde aufgehoben. Nach einer Erneuerung des Vertrages im gleichen Jahr blieb nur Abschnitt 7 über das Recht der Nutzung der Bucht als Marinestützpunkt erhalten. Weiterhin wurde der Pachtvertrag nachträglich auf unbestimmte Zeit verlängert. Ab dem Jahre 1938 wurde die Pachtgebühr auf 4085 US-Dollar erhöht.
Seit der Revolution 1959 und der Machtergreifung Fidel Castros akzeptiert Kuba die amerikanische Präsenz auf kubanischem Boden nicht mehr und fordert die Rückgabe der Bucht. Die Pachtzahlungen der USA werden jährlich in Form eines Schecks im Juli zugestellt. Im Jahr 1959 wurde dieser einmal eingelöst. Kuba bestreitet seither die Gültigkeit des geänderten Vertrages, da er durch militärischen Druck zustande gekommen sei, während die USA die einmalige Scheckeinlösung als Bestätigung der Fortsetzung der Pacht ansehen. (Quelle: Wikipedia)

Heute vor 218 Jahren: Die ersten demokratischen Wahlen auf deutschem Boden

In der Kanonade von Valmy brachte die französische Revolutionsarmee 1792 im Ersten Koalitionskrieg den Versuch preußischer und österreichischer Truppen, die Revolution in Frankreich niederzuschlagen, zum Stehen. In ihrem Gegenangriff drangen die Franzosen im September in die Pfalz vor und besetzten am 21. Oktober 1792 Mainz.

Schon am Tag nach der Besetzung gründeten 20 Mainzer einen Jakobinerklub, dem weitere in Speyer und Worms folgten. Im Sinne der Aufklärung warben die deutschen Jakobiner für die Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und die Errichtung einer deutschen Republik. Mitte Dezember 1792 ergab eine Umfrage in 40 Gemeinden, dass etwa drei Viertel der wahlberechtigten Bevölkerung (Männer ab 21) eine Umgestaltung der Staatsordnung nach französischem Vorbild befürwortete.

Die Wahlen zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent am 24. Februar 1793 verliefen, an den Maßstäben der Zeit gemessen, halbwegs demokratisch. 130 Städte und Dörfer aus den Gebieten links des Rheins und südlich der Nahe sandten ihre Abgeordneten nach Mainz.

irgendwelche Ähnlichkeiten mit Texten aus Wikipedia sind rein zufällig!

Sonntag, 20. Februar 2011

Heute vor 20 Jahren – 20. Februar 1991: Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung – Terrorakt beim Fest

Obwohl Dylan auf dem folgenden Video (anlässlich der Verleihung des Grammy’s für sein Lebenswerk am 20. Februar 1991) wieder mal so furchtbar nuschelt, daß man den Liedtext nicht verstehen kann, habe ich es trotzdem reingestellt. Es enthält nämlich eine geniale Inszenierung…(und der genuschelte Text ist so gewollt!)



Man genieße die Einleitung durch Jack Nicholson und die darauf folgende »Inszenierung innerhalb der Inszenierung« der Grammy-Verleihung… (Meine liebe Kollegin Hanna nennt so etwas »Szene in der Szene in der Szene«:)



»Paradox: Eine scheinbar widersprüchliche Aussage, die dabei möglicherweise die Wahrheit ausdrückt. […] Ein Poet ist eine nackte Person, manche nennen mich einen Poeten. […] Dieser Mann ist ein Krawallmacher.« (Nicholson in seiner Einleitung)

1. Die wie Gangster aus der Prohibitionszeit gekleidete Band (= Masters of War = Militärisch-industrieller Komplex, s.u.) beschießt das wehrlose Publikum lustvoll mit ihrer unverständlichen Krachmusik. Alle bleiben brav sitzen – das gehört sich bei einer Grammy-Verleihung und einem solch großartigen Künstler so, und keiner schmeißt Tomaten.


2. Das malträtierte Publikum muß dann, so fordert es der Anstand, applaudieren. Man genieße den Anblick der fein herausgeputzten Leute, die, mit braver Ehrfurcht und einer dem Anlaß geschuldeten Begeisterung, Beifall klatschen, obwohl sie nicht verstanden haben, welches Lied der heimliche Regisseur Dylan mit seinen Begleit-Gangstern da herausgekotzt hat!

3. Dabei achte man auf Folgendes: Während des Beifalls und nachdem sich Dylan und Nicholson gegenseitig kurz beklatscht haben verläßt Dylan den Platz hinter dem Mikrophon und zieht sich nach hinten zum Vorhang zurück. Seinen Positionswechsel interpretiere ich so: »Ich bin nicht da, wo Ihr meint, daß ich bin bzw. wo Ihr möchtet, daß ich sein sollte.« Das Publikum applaudiert einem leeren Platz…



4. Der ehemalige Joker-Darsteller Nicholson geht ihm hinterher (10:14), holt ihn zum Mikrofon zurück, und Dylan folgt brav. Brav nimmt er dann auch seinen Hut ab, während Nicholson ihm und dem Publikum erklärt, wofür er den Preis bekommt. Dylan macht den Mund auf und ein dummes Gesicht, sieht zeitweilig auch scheinbar unbeteiligt an dem Laudator vorbei, als ob ihn die Huldigung überhaupt nichts angeht und er sich unbehaglich fühlt und nicht wirklich weiß, was er da soll.


(Der Künstler will Abstand von der Menge und seiner ihm zugedachten Rolle halten, das ist aber nicht möglich, weil das Publikum jemanden braucht, den es großartig findet.)

5. Dieser Inszenierung der Inszenierung der Herrschaftsverhältnisse (das meine ich exakt so, wie ich das geschrieben habe: die Herrschaftsverhältnisse werden inszeniert!), der Inszenierung der geforderten und pflichtschuldigst abgelieferten Huldigung durch das unwissende Publikum und der Inszenierung von Dylans Großartigkeit (, die so gar nicht zu dem desinteressiert und deplaziert wirkenden Künstler und seiner scheinbaren intellektuellen Überforderung paßt,) folgen – nach einigen ungläubigen und ratlosen Blicken auf den Preis, den er in Händen hält, die dahingenuschelten Worte des scheinbar überforderten Geehrten (in einigen Youtube-Kommentaren wird spekuliert, er habe unter Drogen gestanden), die – ähnlich der Beschießung durch die schmerzhafte Musik – die schwer verstehbare und improvisiert wirkende Vermittlung der tief versteckten Wahrheit enthalten (, für die Dylan nur der Bote ist). Alle – auch scheinbar der Geehrte – spielen brav mit, und keiner versteht was – außer Dylan, der einen Rollenwechsel erzwungen und sich heimlich zum Regisseur der Show aufgeschwungen hat.

mein Kommentar:
Ein kleines Theaterstück in fünf Akten mit einer (offensichtlichen und trotzdem) kaum verstehbaren, komplexen und stark verdichteten (verbalen und nonverbalen) Botschaft, welches seine Sicht der Machtverhältnisse, der Menschen und seines Verhältnisses zu der Inszenierung der Macht dem unwissenden Volk gegenüber inszeniert. 
Da hat wirklich einer nachgedacht! Chapeau!

Feb 20 '91… 33rd annual Grammy Awards… {11:25}   Text (a-zLyrics)   Übersetzung (Songtexte.com)   Interpretation


Michl Mayr
Am 01.06.2019 veröffentlicht 
February 20, 1991 / Radio City Music Hall, NYC
BD receives his Lifetime Achievement Award.
The award is presented by Jack Nicholson …

Dylans Rede enthält einige Worte mit tiefem Hintergrund, wie man beim Examiner nachlesen kann:
Bob Dylan's Grammy history - 1991 Lifetime Achievement Award revisited (Examiner, 30.01.2010) Der Text ist aus dem Buch von Seth Rogovoy – Bob Dylan, Prophet, Mystic, Poet übernommen.

zur Vorgeschichte:

Wenige Wochen vor der Grammy-Verleihung hatte der erste Irak-Krieg begonnen (am 17. Januar 1991). Offizieller Auslöser war die irakische Invasion Kuweits. Auf Wikipedia kann man nachlesen, 
  1. daß es immer wieder Grenzstreitigkeiten zwischen dem Irak und Kuweit gegeben hatte,
  2. daß der Irak nach dem Iran-Irak-Krieg hohe Schulden – vor allem bei Kuweit (80 Mrd. Dollar) – hatte und Kuweit beschuldigte, seine Förderquoten nicht eingehalten, dadurch den Ölpreis gedrückt und den Irak um 14 Mrd. Dollar geschädigt zu haben und
  3. daß es mehrere Rückzugsangebote Saddam Husseins gegeben hatte:
==========
Der Irak beharrte darauf, dass der Rückzug aus Kuwait mit einem gleichzeitigen Rückzug der syrischen Truppen aus Libanon und der israelischen Truppen aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen, den Golanhöhen und dem Südlibanon verbunden werden müsse. Französische Vorschläge, den irakischen Rückzug aus Kuwait mit der Einberufung einer allgemeinen Nahost-Konferenz zu verknüpfen, scheiterten am Veto der USA und Großbritanniens. 
[Zweiter Golfkrieg, Verhandlungen über einen irakischen Abzug aus Kuwait, Wikipedia, drittletzter Absatz, abgerufen am 15.08.2017, Hervorhebung von mir]
==========
April Catherine Glaspie (* 26. April 1942 in VancouverBritish Columbia) ist eine US-amerikanische Diplomatin.Von 1988 bis 1990 war sie Botschafterin der Vereinigten Staaten im Irak. In dieser Funktion signalisierte sie Saddam Hussein kurz vor dem Einmarsch der irakischen Truppen in Kuwait 1990, dass die Vereinigten Staaten in dieser Frage keine Haltung hätten. Ihr damaliger Stellvertreter an der US-Botschaft in Bagdad Joseph C. Wilson nimmt sie in seiner Autobiographie gegen diesen Vorwurf explizit in Schutz. Er schreibt: „Ihre Erläuterung der amerikanischen Politik gegenüber innerarabischen Konflikten wich in keinem Punkt von unserer gewohnten Haltung und den Instruktionen ab. Die Vereinigten Staaten bezogen in solchen Zwistigkeiten zwischen arabischen Ländern zwar keine Position, drangen aber schärfstens darauf, dass die jeweiligen Parteien ihren Streit diplomatisch oder über internationale Vermittler beilegten und nicht durch militärische Drohungen oder Aktionen.“[1] Weiter führt Wilson aus, dass „die Iraker“ und insbesondere der damalige irakische Außenminister Tariq Aziz später öffentlich versichert hätten, die amerikanische Position bestens verstanden zu haben.
Sie war die erste weibliche Botschafterin in einem Land des Nahen Ostens.[2]
Anschließend arbeitete sie in der Auslandsvertretung der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen in New York. Bis zu ihrer Pensionierung 2002 leitete Glaspie das US-Generalkonsulat in Kapstadt. 
[April Glaspie, Wikipedia, abgerufen am 15.08.2017]
==========

zur Vorgeschichte siehe auch:
- Irak: „Herzlich und warm“ (SPON, 06.12.2010) 
Das Komplott der CIA mit Kuweit: Was sagte eigentlich April Glaspie zu Saddam? (Malcom Lagauche, Hintergrund, 04.08.2009) 

Die wahre Geschichte des1. Golfkrieges [59:48]

Hochgeladen am 19.11.2011
Die wahre Geschichte des 1. Golfkrieges
Am 2. August 1990 fallen irakische Truppen in Kuwait ein und lösen die internationalste Krise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus. Die USA startet die größte Bodenoffensive seit dem 2. Weltkrieg und fällt in Kuwait ein. Es ist ein Sieg in ganzer Linie. Doch was steckt wirklich dahiter? Ist es so abgelaufen, wie man uns damals erzählt hat?

Laut Wikipedia entspricht der Grammy dem Oscar. Er gilt als die höchste Auszeichnung  für Künstler und Aufnahmeteams. (Die Grammy-Verleihung 2012 hatte allein in den USA etwa 40 Millionen Zuschauer.)

Der schnodderige und etwas dümmliche Eindruck, den Dylans Auftritt provoziert, ist beabsichtigt. (Der Name seiner Begleitband: The B-52’s) Er legt es weder darauf an, von möglichst vielen Menschen verstanden noch für voll genommen zu werden. Im Gegenteil: Er weiß seit vielen Jahren, daß und weshalb er mißverstanden wird. (Mr. Mark & Mr. Bob) Er zielt auf Menschen, die sich vom Schein nicht ablenken lassen, nachdenken und verstehen wollen. 

Nach der Überreichung des Preises sagt Dylan – zögerlich und mit kurzen Unterbrechungen – folgenden Satz:
»Well, my daddy, he didn’t leave me much – you know he was a very simple man, and he didn’t leave me a lot – but what he did tell me was this. He did say, son, he said… he said so many things, you know….[kurze Pause, Lachen im Publikum, das endlich mal was zu verstehen glaubt] He say, you know it’s possible to become so defiled in this world that your own mother and father will abandon you, and if that happens, G-d will always believe in your own ability to mend your own ways.«
(
»So, mein Daddy, er hat mir nicht viel hinterlassen - Ihr wißt, dass er ein sehr einfacher Mann war, und er hinterließ mir nicht sehr viel - aber was er mir wirklich gesagt hat, war das. Er hat wirklich gesagt, Sohn, er hat gesagt … er hat so viele Dinge gesagt, wißt Ihr …. Er sagt, Ihr wißt, es ist möglich, in dieser Welt so beschmutzt zu werden, dass Eure eigene Mutter und Vater Euch verlassen werden, und wenn das geschieht, wird G-d immer an Eure eigene Fähigkeit glauben, Eure eigenen Wege auszubessern.«)

Das Metsudah Siddur ist ein unter Juden weit verbreitetes Gebetbuch. Im seinem Anhang interpretiert Samson Rafael Hirsch, ein führender Vertreter des orthodoxen Judentums in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts, Psalm 27:10 (»When my father and mother abandon me… «) folgendermaßen:
»Even if I were so depraved that my own mother and father would abandon me to my own devices, God would still gather me up and believe in my ability to mend my ways.« (»Selbst wenn ich so verdorben würde, dass meine eigene Mutter und Vater mich meinen eigenen Geräten (Hilfsmitteln, Lehren) überlassen würden, würde Gott mich noch sammeln und an meine Fähigkeit glauben, meine Wege auszubessern.«)

Psalm 27 wird von den jüdischen Gläubigen in den Wochen vor und nach Yom Kippur täglich rezitiert. 
Der Psalm, gemäß dem Metsudah Siddur  “äußert unser Gebet, dass Gott unser Licht auf Rosh Hashanah sein wird, das es uns ermöglicht, die Dunkelheit der Sünde durch das wahre Bedauern zurückzutreiben, und dass Er unsere Erlösung auf Yom Kippur durch Seine mitleidsvolle Sühne unserer Sünden sein wird.”
Bob Dylan's Grammy history - 1991 Lifetime Achievement Award revisited (Examiner, 30.01.2010)
Wer Augen hat zu sehen, der sehe… (Math. 13.9-16
siehe auch:
- Bob Dylan's Grammy speech 1991 (Expecting Rain, Kommentar, 10.08.1998)
He had managed to get in and out without thanking anybody,
and this night it really did seem as if he owed nobody anything.
- Amos, Ezekiel, Jeremiah and Bob (Seth Rogovoy, Jewish Quarterly, 25.11.2010)

Übrigens:

Der Silvestergruß „Guter Rutsch“ ist etymologisch möglicherweise eine Verballhornung aus dem Jiddischen beziehungsweise Bibel-Hebräischen und leitet sich vom hebräischen ראש השנה טוב Rosch ha-Schana tov (= einen guten Anfang; wörtlich: Kopf – des Jahres – gut; also etwa: „Gutes Neujahr“) ab. Diese Floskel dürfte Anfang des 20. Jahrhunderts im Deutschen geläufig geworden sein. (Rosh Hashanah, Zeitpunkt und Einbettung in den jüdischen Kalender, Wikipedia)

Zusammenfassung:
Dylan benutzt die Show der Grammy-Preisverleihung, um unter Zuhilfenahme des Kommentars eines wichtigen deutschen orthodoxen Juden in einem angesehenen jüdischen Gebetbuch und unter dem Beifall des Publikums demselben und Millionen von Couch potatoes kundzutun, daß Amerika am Krieg mit dem Irak schuld ist, sich damit selbst beschmutzt und nur durch Gebet und wahres Bedauern seiner Taten durch Gott von seinen Sünden erlöst werden kann.
Für einen Menschen ohne Scheuklappen gibt es kein schöneres Schauspiel als die Intelligenz im Kampf mit einer ihr überlegenen Wirklichkeit. Das Schauspiel des menschliches Stolzes ist unvergleichlich. (Albert Camus)

Über seinen Auftritt bei der Grammy-Verleihung 1991:
- Stories of a Bad Song (Greil Marcus, The Three Penny Review, Winter 2006, Hervorhebungen von mir)
It was an instantly infamous performance, and one of the greatest of Dylan's career. He sang the song in disguise; at first, you couldn't tell what it was. He slurred the words as if their narrative was irrelevant and the performance had to communicate as a symbol or not at all. He broke the words down and smashed them up until they worked as pure excitement, until the appearance of a single, whole signifier—"Jesus," "Guns," "Die"—lit up the night like tracer bullets. The performance was faster, the beat snapping back on itself, then fragmenting as guitar lines shot out of the music as if without human agency—and it might have been a minute, it might have been two, it might have been as long as the performance lasted for the melody to creep out of the noise and the song to reveal itself for what it was.
Bob Dylan with Richards & Wood - Ballad Of Hollis Brown (BBC - Live Aid 7/13/1985) [4:52] verkehrter Titel, richtig: Blowin’ in the Wind

Hochgeladen am 08.10.2011
Live aid 1985

Maurenbrecher bezeichnet Dylans Auftritt bei der Grammy-Veleihung als »Terrorakt beim Fest« (4. Abs., Hervorhebungen im folgenden Zitat aus dem Artikel von mir):
1988 liegt in Bob Dylans Biografie genau zwischen seiner unüberzeugten Mitwirkung an jener weltweiten Charity-Aktion der Chosen Few, die Geld aufbringen sollte für notleidende Afrikaner und sich grandios selbst feierte – Phil Collins jettete zu dem Zweck einsam in einer Concorde zwischen London und New York hin und her – und einer weiteren Lebenswerk-Belohnung für Dylan von 1991, wo er in schön derangiertem Zustand eine hellwache Kurzrede hinlegte und danach mit seiner Schrottband ein hässliches, stechendes Masters of War – mitten im Golfkrieg einen Todesfluch auf die Regierenden, Terrorakt beim Fest.
[BOB DYLAN – VOLKSSÄNGER, Manfred Maurenbrecher, Februar 2002 für das Magazin ‘Wir selbst’ ]

President Eisenhower's Farewell Speech Warning Of Military and Corporation Take Over [14:04]

Hochgeladen am 07.12.2011
President Eisenhower's Warning

"Masters Of War" by Bob Dylan Lyrics [2:49]

Veröffentlicht am 27.05.2014
photos about wwII, Vietnam war, Cold War

zur Einflußnahme des Militärisch-Industriellen Komplexes auf die US-amerikanische Politik siehe:
- Ein Meisterstück der Propaganda des militärisch-industriellen Komplexes: Die Raketenlücke (Post, 15.06.2015) 
- “Masters of War”: An Analysis (songfacts, Kommentar 17, 3. Absatz)
President Eisenhower warned of the dangers of the military industrial complex in a farewell address in February, 1961. This remark is one of the sparks that ignited Dylan’s rage and the release of the song. Decades after the release of The Freewheelin’ Bob Dylan and “Masters of War,” Dylan said, “It’s not an anti-war song. It’s speaking against what Eisenhower was calling a military industrial complex.” (Lynskey 56, Hervorhebung von mir). Dylan also wrote this song to criticize American leaders and the military industrial complex that Eisenhower warned of. “It was meant as a realization of the times, what war was coming to and why war became a pointless act, rather than a means of defense.” (Masters… 1). As you can see, Bob Dylan was very young when this remarkable song was written and released. His senses were heightened with the alarming, warring times of 1960’s and he had an emotional climax with the conflicts that were taking place around him. The lyrics of song prove just how disgusted he really was with the “war profiteers.”

- Bob Dylan singt sein 'Masters of War' 1990 in der U.S. Militärakademie (TomtheCat’s Blog, Video nicht mehr verfügbar)

- Bob Dylans MASTERS OF WAR aus den 1960er Jahren (ZEIT Online, Leserartikel, 02.04.2011, Übersetzung ins Deutsche) 


- Gottlieb Florschütz: Bob Dylans geheime Botschaften (Uni Kiel, 3. Absatz, Hervorhebung von mir)

Diese Songs waren aber keine Protestlieder in der Tradition von Woody Guthrie oder Pete Seeger, oder etwas Lieder der sich emanzipierenden Arbeiterbewegung. Dylans "Masters of War" ist demgegenüber ein "Anti-Song", der dem Tenor der Anti-Vietnam-Demonstrationen entsprach. Bob Dylan war nicht der Protagonist des Protestsongs, sondern der Showmaster, der die skeptische Stimmung der Jugend gegenüber dem Establishment aufzufangen wusste. So erklärte er in einem Interview: "Songs wie 'Masters of War' waren leicht zu machen. Es gab Tausende und Abertausende, die Songs dieser Art hören wollten. Deshalb schrieb ich sie. Ich war ja fast ständig auf Tourneen, und ich wusste, was das Publikum wollte. Wenn man jede Nacht vor Leuten spielt, weiß man genau, was sie hören wollen. Es ist dann viel einfacher, Songs zu schreiben."[6] Dylan tat also nicht anderes, als den Zeitgeschmack einer revoltierenden Generation zu bedienen und musikalisch zu untermalen. So können seine alten Songs heute noch als Zeitdokument einer in Aufbruch und Revolte befindlichen Generation angesehen werden.
- Hypnotherapie: Pacing und Leading (Hypnosis-Zentrum, siehe auch: Rapport, Wikipedia)
- Analysis of Bob Dylan's Masters of War (Brian Baist, Prezi, 13.11.2012) 
- Why did Bob Dylan write Masters of War? (wiki.answers.com zitiert aus einem Interview 2001)
- The Times They Are A–Changin' – Bob Dylan – Sendemanuskript (waltpolitik.powerbone.de, 5./6.03.2006)
„Masters of War“ fällt schon deshalb aus dem Rahmen, weil sich Dylan nur in diesem Lied tatsächlich haßerfüllt zu Wort meldet. Er wünscht seinen Feinden, den Feinden des Friedens, ausdrücklich den Tod. Daß es ein solcher Song damals auf eine Platte einer großen Plattenfirma schaffte, ist eigentlich ein Wunder. Heute wäre es ein guter Werbegag und die entsprechende Textzeile würde aus promotion-Gründen extra herausgestellt werden.
Alle meine Lieder sind Protestlieder!
(Bob Dylan auf die Frage eine Reporters, weshalb er keine Protestsongs mehr schreibe, zitiert von Heinz-Rudolf Kunze in „Kein Recht mehr auf Langeweile“, im Interview mit Holger Erdmann, Focus Online, 07.02.2009)
René Magritte drückt die Schwierigkeit, auf die Existenz zweier Parallelwelten hinzweisen, so aus:
»Wenn der Betrachter findet, daß meine Bilder dem gesunden Menschenverstand Hohn sprechen, wird er sich einer offensichtlichen Tatsache bewußt. Ich möchte aber trotzdem hinzufügen, daß für mich die Welt ein Hohn auf den gesunden Menschenverstand ist.« [René Magritte, siehe Bewältigungsstrategien von Kindern psychisch kranker Eltern am Beispiel des surrealistischen Malers René Magritte, Post, 11.06.2008]

siehe auch:

Bob Dylan – Jokerman, Teil 1 (27.11.2014)
- Bob Dylans geheime Botschaften (Gottlieb Florschütz, Uni Kiel, Datum unbekannt)
aktualisiert am 12.12.2015