Mittwoch, 25. April 2007

Macht Kinderarmut krank?

Von Armut betroffene Bevölkerungsgruppen – Kinder zwischen 0 und 15 Jahren, Familien mit alleinerziehende Müttern oder mit mehr als drei Kindern, Arbeits- oder Wohnungslose, ausländische Mitbürger u.a. – haben ein signifikant erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko.

Die Sozialhilfequote liegt bei Minderjährigen doppelt so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung (ca. 3,5 % zu 6,6 %)

In ärmeren Schichten ist bereits die Zahl der Früh- und Mangelgeburten signifikant erhöht. Obwohl über 30 % dieser Kinder später Lernstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Intelligenzminderung aufweisen, erhalten sie häufig eine unzureichende oder gar keine Frühförderung.

Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudien (KIGGS und Shell Jugendstudie, beide 2006) verzeichnen eine erhöhte Anzahl von Essstörungen [furchtbar, diese neue Rechtschreibung], Adipositas und Mangel an körperlicher Aktivität bei armen Kindern.

Ca. 700.000 minderjährige Kinder in Deutschland arbeiten. Zunehmend geschieht das unfreiwillig, um die finanzielle Basis der Familie zu unterstützen.

Kinder aus sozial unterprivilegierten Bereichen sind häufiger an Unfällen (einschl. tödlichem Ausgang) beteiligt.

Die Kindersterblichkeit ist nach einer internationalen Studie in armen Bevölkerungsgruppen doppelt so hoch wie in wohlhabenden und am höchsten dort, wo beide Eltern arbeitslos sind!

Die Quote gravierender Gewaltanwendung liegt bei Familien mit Sozialhilfe bei 24 %, bei anderen Familien bei 14,6 %.

Kinder aus armen Familien haben einen schlechteren Gesundheitszustand. Somatische Beschwerden (Kopf-, Rücken-, Magenschmerzen, Nervosität) sind genauso kennzeichnend wie eine beeinträchtigte psychische Gesundheit (Aggressivität, Unruhe oder Antriebsarmut u.v.m.)

Die bisherige „Komm“-Struktur der (mittelschicht-orientierten) medizinischen Versorgung ist für sozial benachteiligte Menschen eine „Zugangsbarriere“. Notwendig sind „niederschwellig angelegte medizinische Versorgungsangebote ,vor Ort’“.

Auszüge aus einem Artikel "Macht Armut krank?" von Prof. Gerhard Trabert – veröffentlicht in „Forum Sozialarbeit + Gesundheit 1/2007 Seite 11-16. Die veröffentlichten Zahlen dort sind leider nicht mehr ganz aktuell.
Zitiert im bvvp-magazin 2/2007
zu einem Artikel bei wdr.de

1 Kommentar:

  1. Horst (Leben ohne Diät)27 April, 2007 11:47

    Dazu ist vielleicht auch interessant, dass die starke Zunahme von Gewichtsproblemen, vor allem sozial ärmere Schichten betrifft. Siehe dazu auch ie Wertschätzung von Nahrung.

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