Mittwoch, 25. April 2007

Protest mit Millionen Brottüten


Genweizenversuch in Sachsen Anhalt stößt auf Widerstand

Umweltschützer und Biobauern laufen Sturm: Sie wollen einen Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen in Sachsen Anhalt mit juristischen Mitteln stoppen. Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gehört zu ihnen. Bis Ende März werde die Begründung der beim Verwaltungsgericht Köln eingereichten Klage erarbeitet, sagt sie. Kläger ist der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg.

Unterstützt wird das juristische Vorgehen von vielen: Von der AbL, dem Verein Bioland, dem Deutschen Bauernbund, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) und dem Ökologischen Ärztebund. Die Klage richtet sich gegen eine Genehmigung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Bonn.

Die Bundesbehörde hatte dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (JPK) in Gatersleben bei Quedlinburg einen entsprechenden Freilandversuch gestattet. Der genmanipulierte Winterweizen wurde im November auf 150 Quadratmetern ausgesät.

Nach Angaben der Berliner Rechtsanwältin Katrin Brockmann sollen mit der Klage mögliche Gefahren für die menschliche Gesundheit sowie für Nutztiere und Umwelt überprüft werden. Auch ein Eilantrag zu der Klage werde erwogen, sagt sie. Es bestehe die Gefahr, daß sich der genveränderte Weizen bis zur Genbank des IPK ausbreiten könne, in der »Hunderttausende« Getreidesamen lagerten. Die mögliche Verunreinigung der Genbank würde einen unersetzbaren Verlust bedeuten.

Der klagende Brandenburger Verein bezieht nach Angaben seines Vorsitzenden Herbert Lohner das meiste Saatgut für seinen Anbau von der Genbank des IPK. Eine Verwendung von gentechnisch verunreinigten Sorten würde deshalb zum wirtschaftlichen GAU des Vereins führen, der sich dem Erhalt der Vielfalt von traditionellen Kulturpflanzen verschrieben hat, sagt Lohner.

Die ausgesäte Variante enthalte Gene, die die Eiweißbestandteile der Pflanze ändern und damit die Futterqualität verbessern sollen. Die Inhaltsstoffe könnten über Nutztiere auch in die Nahrungskette des Menschen gelangen. Gegen den Versuch des Institutes in Gatersleben sind bis Oktober 2006 über 30 000 Einwendungen von Privatleuten, Verbänden, bäuerlichen Betrieben und Bäckereien an das Bundesamt gesandt worden.

»Unser täglich Brot« gentechnisch zu verseuchen bedroht die Existenz von Bäckern und Bauern. Seit dem 5. März läuft darum eine bundesweite Protestaktion, bei der Bäcker 1,3 Millionen Brottüten mit der Aufschrift »Ährensache – ohne Gentechnik!« an ihre Kunden verteilen.

aus Publik-Forum Nr. 6/2007

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