Freitag, 15. Februar 2008

Was heißt Freiheit für Muslime und für Christen?

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Ob für den Bau von Moscheen, das Tragen von Kopftüchern, den islamischen Religionsunterricht oder die Anerkennung islamischer Verbände als Körperschaften öffentlichen Rechts – die Religionsfreiheit wird von Moslems hierzulande als Argument für ihre Interessen in Anspruch genommen. Doch verstehen Muslime unter „Freiheit“ das Gleiche wie Bürger des westlichen Kulturkreises?

Nein, meint die Soziologin Necla Kelek, die in der Türkei geboren wurde und seit 1994 deutsche Staatsbürgerin ist. In der FAZ (Integration – Freiheit, die ich meine, 15.12.2007) erläuterte sie ihre kritische Sicht des islamischen Gesellschaftsverständnisses. Während in der westlichen Tradition Freiheit als Befreiung des Einzelnen von jedweder Bevormundung – auch religiöser Art – zu verstehen sei, bestehe im Islam Freiheit allein darin, sich den Vorschritte des Islam unterzuordnen. Religionsfreiheit sei hier nicht wirklich Freiheit, sich eventuell auch vom Islam abzuwenden, sondern die Freiheit, der Pflicht zum islamischen Gehorsam nachzukommen. Daraus zieht Necla Kelek den Schluss: „Für mich ist der Islam als Weltanschauung und Wertesystem nicht in die europäischen Gesellschaften integrierbar und deshalb generell nicht als Körperschaft öffentlichen Rechts anzuerkennen.

Dass wir unser personalistisches Freiheitsverständnis eigentlich dem Christentum verdanken, erläutert die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Ackermann in der Zeitschrift „Merkur“ (Dezember 2007). Mit dem Gedanken einer Gleichheit vor Gott habe das Christentum eine persönliche und nicht mehr kollektiv-stammesbezogene Beziehung zu Gott ermöglicht.

Das Christentum biete damit nicht nur die Grundlage für die Demokratie, sondern bestehe ein tiefer Zusammenhang zwischen Christentum und Liberalismus. Im Unterschied zur ‚gleichen Freiheit’, die unter dem Christengott gilt. brachte der Islam eher ‚die gleiche Unterwerfung’ der Gläubigen unter Allahs Willen hervor und den strengen Gehorsam gegenüber bestimmten Regeln.

Ist die lntegration von Moslems in europäische Gesellschaften also von vornherein zum Scheitern verurteilt? „Der Islam ist nicht integrierbar, wohl aber der einzeln Muslim als Staatsbürger“, meint Necla Kelek. 
mehr:
[Was heißt Freiheit für Muslime und für Christen?Christ in der Gegenwart 1/2008, 06.01.2008, S. 4, PDF]


Dazu einige Anmerkungen, die Entwicklung der westeuropäischen und der islamischen Geisteshaltung betreffend:

1. Der Islam ist 600 Jahre jünger als das Christentum. Die Intoleranz des Christentums vor 600 Jahren(, die ich mir nur mit Angst erklären kann) ähnelt der Intoleranz des Islam heute. Wen wundert’s?

Giordano Bruno stirbt auf dem Scheiterhaufen (1600) [7:00]

Hochgeladen am 26.12.2008
Giordano Bruno, eigentlich Filippo Bruno (* Januar 1548 in Nola; † 17. Februar 1600 in Rom) war ein italienischer Dichter und Philosoph. Er wurde wegen Ketzerei und Magie durch die Inquisition zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Im Jahr 2000 erklärten der päpstliche Kulturrat und eine theologische Kommission die Hinrichtung Giordano Brunos für Unrecht.

Die Papst AG (9) - Johannes Hus - Wegbereiter der Reformation - Tumulte in Prag {9:45}

Hochgeladen am 27.01.2010
Jesus Christus ein Ketzer? Tatsächlich setzte die Kirche die Bibel auf den Index. "Die Mächtigen unterdrücken die Völker und missbrauchen ihre Macht über die Menschen. Ihr sollt nicht so sein." So Christus laut NT zu seinen Jüngern. In den Evangelien ist keine Rede von Ablässen, gar Ablasshandel, Reliquienhandel, Kirchenzehnten, Seelenmessen, Altaropfern und Kirchenpfründen, Salzsegnungen, Feldsegnungen, Kerzensegnungen, keine Rede von Geldzuwendungen bei Taufe, Heirat und Bestattung. Laut den Worten Jesu macht Armut selig: "Hütet euch vor der Habgier, sammelt keine Schätze". Abtrünnige Bewegungen beriefen sich zunehmend auf solche Sätze, also kam das NT auf den Index. In Oxford wurden Kopien der von John Wyclif übersetzten Bibel verbrannt. Seine Thesen wider die Geldabschöpfung durch die Kirche fielen in Prag auf fruchtbaren Boden. Ein Drittel der Stadt gehörte Klerikern, 70 Kirchen, drei Stifte, 20 Klöster. Der Unmut bei Adel, Bürgern und Bauern wuchs ständig. An der Prager Universität gab es schon vor 1400 eine kirchenkritische Fraktion, zu der auch ihr Rektor, Johannes Hus, gehörte. Wiclifs Schriften wurden kopiert, seine Thesen fanden Fürsprecher und Gegner unter den Theologen. Hus wirkte auch als Prediger in der Prager Bethlehemkirche. Ein Zeitgenosse, Zitat: "In seinen Predigten bekämpfte er hier standhaft Heuchelei, Pomp, Habsucht, Schwelgerei, Ämterkauf und andere Sünden des Klerus." Er predigte in tschechischer Sprache. Worauf seine Gegner befanden, er wiegele das Volk auf. Die Anhänger, die Hus gewann, kamen aus allen Schichten. Und hörten es gern, dass die Seelenrettung auch kostenlos zu haben sei."Die Priesterschaft soll nur von Almosen leben." 1410 gebot der Papst in Rom, Hus sei zu belangen. Am 16. Juli 1410 lässt der Prager Erzbischof 200 Schriften von Wiclif verbrennen. Trotz Verbot predigt Hus weiter und wird exkommuniziert, aber seine Anhänger verhindern die Vollstreckung. Drei von ihnen werden hingerichtet. Es kommt zu Tumulten. Schließlich tauchen in Prag Ablasshändler auf, die ihre Freibriefe vom Fegefeuer feilbieten. Der römische Papst braucht das Geld für einen Kreuzzug gegen den Papst in Pisa. Hus ist empört und spricht dem Papst öffentlich das Recht ab, Sünden zu vergeben, worauf er Prag verlassen muss. Er predigt weiter und der niedere Adel ist davon angetan, dass er die Güter der Kirche zur Disposition stellt. Viele litten unter der Konkurrenz der steuerbefreiten Wirtschaftsbetriebe der Klöster und Stifte. Ein Gegner von Hus: "Die große Menge der Klöster war denen ein Dorn im Auge, die hofften alles zu besitzen, wenn Hus seine Sache vollbringe." Konzil in Konstanz: 1414 versammeln sich rund 1000 kirchliche und weltliche Oberhäupter, um über eine Reform der Kirche zu beraten. Außer Spesen ... eine Reform brachten sie nicht zu Stande, dafür wurde Johannes Hus als Ketzer verurteilt und verbrannt. Peter Milger
http://www.milger.de
 

2. Die Aussagen bezüglich der Wurzeln der Demokratie und des Liberalismus im Christentum klingen arg schönfärberisch. Die Trennung von Staat und Kirche (zwangsläufiges Ergebnis einer gesellschaftlichen Entwicklung hin zu einem selbstverantwortlichen Denken) ist eine Errungenschaft der Aufklärung (17./18. Jhdt.)

Geschichte der Aufklärung {1:38:31}

Veröffentlicht am 06.09.2014
Pro-Libertarismus.jimdo.com

Fassung von 1799
[Quelle: Beantwortung der Frage:
Was ist Aufklärung?
, Wikipedia]
Definition von Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist die Unmündigkeit, wenn ihr Grund nicht ein Mangel an Verstand ist, sondern die Angst davor, sich seines eigenen Verstandes ohne die Anleitung eines Anderen zu bedienen.“ [Einleitung eines Essays in der Dezember-Ausgabe der Berlinischen Monatsschrift 1784, Deutsches Textarchiv].


3. Die Aufklärung brachte erst einmal sowohl protestantische wie auch katholische Theologie in arge Bedrängnis, da deren Deutungshoheit in Frage gestellt wurde, so daß die christliche Aufklärungsliteratur erst einmal hauptsächlich bewahrenden Charakter hatte. Die Aufklärung kam also nicht aus dem Christentum sondern aus einem von der christlichen Kirche unabhängigem Denken. (Gotthold Ephraim Lessing: „An die Stelle der Religion muss die Überzeugung treten.“) Die Kirche sah sich zuerst einmal dazu genötigt, sich zu verteidigen. Was man ihr allenfalls zugute halten kann ist, daß sie – im Gegensatz zum Islam – unabhängigem Denken etwas Raum ließ (wohl eher lassen mußte, wie wir weiter unten sehen werden).


4. Die Aufklärung fußt mittelbar auf der Scholastik (9. – 13. Jhdt.)

Scholastische Methode: klares Herausarbeiten der Frage, scharfe Abgrenzung und Unterscheidung der Begriffe, logisch geformte Beweise sowie Erörterung der Gründe und Gegengründe in formgerechter Disputation.

Wilhelm von Ockham, Skizze aus einer 
1341 angefertigten Handschrift der Summa logicae
[Quelle: Wilhelm von Ockham, Wikipedia]


 










Bekannte Scholastiker waren: Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Roger Bacon, Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham (siehe auch »Ockhams Rasiermesser«; die Hauptperson aus Umberto Ecos Roman »Der Name der Rose«, William von Baskerville, ist der Person W. v. Ockhams nachempfunden.) Zu Averroës, der von seinem Denken her auch zu den Scholastikern zählen würde, kommen wir weiter unten.

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Umgang mit Autoritäten
Das typisch Scholastische war ein nahezu grenzenloses Vertrauen in die Macht und Zuverlässigkeit der Deduktion, des Schließens vom Allgemeinen auf das Besondere. Man nahm an, dass die fehlerfrei durchgeführte Deduktion zur Erkenntnis von allem vernunftmäßig Erkennbaren und zur Beseitigung aller Zweifel führen kann. Voraussetzung war die korrekte Anwendung der Regeln des Aristoteles, besonders seiner Lehre von den Trugschlüssen. Man ging von bestimmten allgemeinen Grundsätzen aus, von deren Richtigkeit man überzeugt war, und begann dann zu folgern, um ein Phänomen zu erklären oder eine These zu beweisen.
[…]
Die Scholastiker waren überzeugt, dass theoretisches Wissen, das aus allgemeinen Grundsätzen logisch sauber hergeleitet wird, das sicherste Wissen ist, das es geben kann. Beobachtungen können falsch oder trügerisch sein oder falsch gedeutet werden, aber eine logisch saubere Folgerung aus einem allgemeingültigen Prinzip ist notwendigerweise irrtumsfrei. Darum mussten Phänomene, die einer solchen Folgerung zu widersprechen schienen, so gedeutet werden, dass sie in den von diesem Prinzip und seinen Konsequenzen gesetzten Rahmen hineinpassten. Dies wurde Bewahrung der Phänomene genannt und spielte besonders in der Physik und Astronomie eine zentrale Rolle. Ergaben sich aus einem allgemein anerkannten Grundsatz Folgerungen, die denen aus einem anderen Grundsatz widersprachen, so bemühte man sich zu zeigen, dass der Widerspruch nur scheinbar existiert und auf einem Missverständnis beruht.
Umgang mit Autoritäten
Bei Widersprüchen zwischen Aussagen anerkannter Autoritäten versuchte man meistens zu zeigen, wie man die Stellen so deuten kann, dass dabei herauskommt, dass beide Aussagen zutreffen. Die Scholastiker verfügten über ausreichende Möglichkeiten, Widersprüche aufzulösen, ohne allgemein anerkannte Lehrsätze aufgeben zu müssen:
  • Es gibt verschiedene Deutungsebenen; manche Aussagen sind nur symbolisch gemeint oder sollen nur einem bestimmten Zweck (etwa einem didaktischen) dienen und sind nicht unbedingt als Tatsachenbehauptungen aufzufassen.
  • Ein Begriff kann je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen haben. Die Frage, ob er an der fraglichen Stelle mehrdeutig oder eindeutig ist, ist für das Verständnis entscheidend.
  • Die meisten Aussagen beanspruchen nicht absolute Gültigkeit (simpliciter), sondern sollen nur in bestimmter Hinsicht und unter bestimmten Voraussetzungen (secundum quid) wahr sein. Ein Lehrsatz kann also durch präzise Begrenzung seines Geltungsbereichs gerettet werden.
Manche Magister bemühten sich aber nicht um harmonisierende Deutungen, sondern widersprachen einzelnen Lehrmeinungen der Autoritäten (sogar des Aristoteles) scharf. In der Dynamik wich man von der aristotelischen Physik ab und entwickelte alternative Ideen (Impetustheorie, innerer Widerstand als bewegungshemmender Faktor). [Scholastik, Methode, Wikipedia]


Die Muʿtazila (arabisch المعتزلة ‚die sich Absetzenden‘) war eine hauptsächlich in Basra und Bagdad vertretene theologische Strömung des Islam, die ihre Blütezeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert erlebte, stark von der griechischen Philosophie beeinflusst war und sich besonders im Kalām, einer Form des religiösen Streitgesprächs mit rationalen Argumenten, hervortat. Sie stellte die Willensfreiheit des Menschen in den Vordergrund ihrer Lehre. Innerhalb der Muʿtazila gab es verschiedene Lehrrichtungen, die jeweils nach ihrem Haupttheologen benannt waren.Die muʿtazilitische Theologie wurde über das 11. Jahrhundert hinaus in schiitischen Kreisen, insbesondere bei den Zaiditen, weiter gepflegt. In der Moderne gab es einige muslimische Theologen, die die Ideen der Muʿtazila wiederbelebt haben. Im Mittelalter hat die muʿtazilitische Theologie auch auf das Judentum ausgestrahlt, insbesondere auf die karäische Theologie. [Muʿtazila, Wikipedia, abgerufen am 11.08.2016] 


Bewertung in der Moderne
Ahmad Amin beurteilt die langfristige geschichtliche Entwicklung wie folgt: "Die Zurückweisung der Muʿtazila war das größte Unglück, das die Muslime traf. Sie haben damit ein Verbrechen gegen sich selbst verübt"[30] Zu den muslimischen Gelehrten der Moderne, die versucht haben, Konzepte der Muʿtazila wiederzubeleben, gehören Nasr Hamid Abu Zaid in Ägypten und Harun Nasution in Indonesien. [Muʿtazila#Bewertung in der Moderne, Wikipedia] 



Kalām (arabisch كلام) ist ein arabischer Begriff, der allgemeinsprachlich die Bedeutung von „Rede“, „Gespräch“, „Worte“ hat, im spezifischen Sinn aber eine bestimmte Form des theologischen Streitgesprächs bezeichnet, das sich auf rationale Argumente stützt. Im arabisch-islamischen Mittelalter wurde der Kalām zunächst von muslimischen, später aber auch von jüdischen und christlichen Gelehrten gepflegt. Diejenigen Gelehrten, die sich daran beteiligten, wurden Mutakallimūn genannt. Soweit der Kalām sich zu einer eigenen Disziplin der Kontroverstheologie entwickelt hat, wird er auch als ʿIlm al-Kalām (علم الكلام Kalām-Wissenschaft) bezeichnet. [Kalām, Wikipedia] 


Die Aschʿarīya (arabisch أشعريةDMG Ašʿarīya) ist eine theologische Richtung des sunnitischen Islams, die historisch aus der Muʿtazilahervorgegangen ist, sich aber sowohl gegenüber dieser Richtung als auch gegenüber dem hanbalitischen Literalismus abgrenzt. Sie wird auf den basrischen Gelehrten Abū l-Hasan al-Aschʿarī (ca. 874-936) zurückgeführt. [Aschʿarīya, Wikipedia] 
[…] 
Haltung gegenüber dem Kalām
Die Aschʿarīya wird in den aschʿaritischen Quellen meist als ein Mittelweg zwischen dem Rationalismus der Muʿtazila und dem Traditionalismus der Hanbaliten beschrieben.[8] Gegenüber dem rationalistischen Kalām hatten viele Aschʿariten allerdings ein ambivalentes Verhältnis. Zwar wird von al-Aschʿarī selbst eine Verteidigung des Kalām mit dem Titel Istiḥsān al-ḫauḍ fī ʿilm al-kalāmüberliefert, doch war diese den mittelalterlichen Aschʿariten nicht bekannt.[9] Mehrere bedeutende Aschʿariten wie al-Bāqillānī, al-Dschuwainī, asch-Schahrastānī und Fachr ad-Din ar-Razi sollen in jungen Jahren den Kalām befürwortet, sich aber am Ende ihres Lebens reumütig davon abgewandt haben.[10] Im frühen 19. Jahrhundert schrieb der ägyptische Aschʿarit al-Fadālī (st. 1821) noch einmal eine Verteidigung des Kalām mit dem Titel: Kifāyat al-ʿawāmm fī-mā yaǧib ʿalai-him min ʿilm al-kalām ("Das Genügen der Laien hinsichtlich dessen, was sie an Kalām wissen müssen").[11] [Aschʿarīya, Lehre, Wikipedia] 
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Doch all diese umfassende Kenntnis konnte Al-Ghasalis Durst nach Gewissheit nicht stillen. Wer hatte nun wirklich recht? Wo lag die Wahrheit? Die Menschen übernahmen wie selbstverständlich von Eltern und Lehrern die widersprechendsten Meinungen. Warum? Mohammed hatte gesagt, dass jeder mit der ursprünglichen Anlage zum Islam geboren würde, nur seine Eltern machten den Menschen dann zu etwas anderem. Was war also die ursprüngliche Anlage des Menschen? Daraufhin prüfte er alle Lehren, aber er merkte bald, dass er dafür erst die Kriterien der Wahrheit selbst untersuchen musste. Die Wahrnehmungen der Sinne erwiesen sich ihm vor dem Forum des Geistes als trügerisch und ungenügend. Sie waren wandelbar, während die Grundsätze der Logik als axiomatische Wahrheiten des Intellekts immer dieselben blieben. Aber wie stand es mit der Zuverlässigkeit des Intellekts? Darüber sagte er:

„Die sensuelle Erkenntnis sprach zu mir: Wieso bist du sicher, dass es mit deinem Vertrauen auf die intellektuelle Erkenntnis besser gehen wird als mit dem Vertrauen auf die sensuelle Erkenntnis? Erst hattest du Vertrauen zu mir, da kam der Richter des Intellekts und strafte mich Lügen. Wenn er nicht gewesen wäre, hättest du weiterhin an meine Wahrhaftigkeit geglaubt. Vielleicht gibt es aber hinter der intellektuellen Erkenntnis noch einen anderen Richter, der, wenn er einmal zutage tritt, den Intellekt ebenso Lügen straft, wie der Intellekt die Sinne Lügen strafte. Dass ein solcher Richter sich bisher noch nicht gezeigt hat beweist nicht, dass er sich nicht eines Tages zeigen könnte.“

Die Erfahrungen des Traumlebens ließen ihn die Richtigkeit dieser Argumentation besonders einleuchten. Glaubt man nicht auch im Schlaf fest an die Wirklichkeit und Richtigkeit des Erlebten, bis das Erwachen die Nichtigkeit der Traumgebilde erweist? Wäre nicht ein Zustand denkbar, der sich zu unserem Wachsein so verhielte wie das Wachsein zum Traum, so dass unser Wachsein im Verhältnis zu ihm nur ein Traum wäre? Durch solche Gedanken kam Al-Ghasali dazu, sich intensiver mit der Mystik der Sufis zu befassen. War vielleicht der meditative Zustand der Sufis, in welchem sie behaupteten, überrationale Dinge zu sehen, diese Wirklichkeit? Oder war sogar das ganze irdische Leben nichts als ein trügerischer Traum und der Tod das eigentliche Erwachen?

Durch solche Gedanken kam Al-Ghasali in eine heftige innere Krise. Der quälende Zustand dauerte etwa zwei Monate. Dann kam ihm wieder das Licht und er verstand die relative Wahrheit des Intellekts, der immerhin den Beweis erbringt, dass zuverlässige Erkenntnis nur eine höhere Wirklichkeit geben kann. Dadurch wandte sich Al-Ghasali noch stärker der Sufi-Mystik zu. Er merkte nämlich bald, dass eine Auseinandersetzung mit dem Sufismus auf rein intellektuellem Boden, durch Lesen ihrer Schriften und durch Prüfen ihrer Argumente nicht möglich ist. 
[Al-Ghasali (1058 – 1111), Enfal Islampage, Ekrem Yolcu, Datum unbekannt]
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Batiniyya (arabisch الباطنيةDMG al-bāṭiniyya ‚Anhänger der bāṭin‘) ist ein von sunnitischen Autoren wie dem Perser al-Ghazali[1](1058-1111) verwendeter pejorativer Begriff zur Bezeichnung derjenigen religiösen Gruppierungen des Islam, die eine innere Bedeutungsebene (bāṭin) im Koran erkennen.[2] - einen die Wahrheit enthaltenden inneren Sinn (I. Goldziher)Die bekannteste Gruppierung der Batiniyya bilden die Ismailiten. In dieser Verwendung wurde den Batiniten von sunnitischen Muslimen die Ablehnung der äußeren Ebene der Schrift (ẓāhir), Rituale und Vorschriften vorgeworfen (vgl. Zahiriten), obwohl fatimidischeismailitische Autoren wie al-Kirmani (gest. ca. 1020) und Nasir Chusrau (11. Jhd.) das Gegenteil behaupteten.[3] Ein anderer sunnitischer Autor, Ibn Taimiya (1263-1328), vereinte unter dem Begriff bāṭiniyya einige schiitische Gruppen, Sufis und solche Philosophen wie Ibn Ruschd/Averroës (1126-1198).[4] [Batiniyya, Wikipedia]
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Ghazali genoss eine klassische islamische Ausbildung. Etwa im Alter von Mitte 30 kam er selbst als Gelehrter nach Bagdad, dem Zentrum des bereits im Niedergang befindlichen Reichs der Abbasiden-Dynastie. Ghazali erwarb sich zunächst vor allem mit seinen Arbeiten zum islamischen Recht großes Ansehen. Nebenbei arbeitete er sich gründlich in die philosophischen Schriften ein. Begleitet von den zunehmenden politischen Auseinandersetzungen und religiösen Disputen seiner Zeit stürzte er jedoch in eine tiefe intellektuelle Krise:

Nach langem Zweifel bin ich dahin gekommen, auch der sinnlichen Erkenntnis keine Gewissheit zuzugestehen,
... schreibt Ghazali in seinem autobiografischen Werk: "Der Befreier aus dem Irrtum". Die Skepsis gegenüber dem verbreiteten Autoritätsglauben, der dazu auffordert, sich nur bereits existierenden Gelehrtenmeinungen anzuschließen, hatte Ghazali schon vor längerer Zeit entwickelt. Und auch auf die Vernunft allein wollte er sich nicht verlassen, um sein Verlangen nach Gewissheit zu befriedigen. Er schreibt:

Vielleicht versteckt sich ja hinter der Vernunfterkenntnis ein anderer Richter, welcher, sobald er in Erscheinung tritt, das Urteil der Vernunft der Lüge bezichtigt.
Irgendwann wird es dem Gelehrten zu viel. Quasi auf dem Höhepunkt seines Erfolgs gab er seine renommierte Stelle in Bagdad auf. Verschenkte all seinen Besitz und machte sich auf die Suche nach der Liebe zu Gott. Als Asket folgte Ghazali fortan fast elf Jahre dem Pfad der Mystik. Anschließend ging er in seine Heimatregion zurück und nahm an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte einen Lehrstuhl an. In dieser Zeit schloss er auch seine berühmte Schrift "Ihya ulum al-din" - Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften - ab. Es ist vielleicht die bedeutendste theologische Abhandlung im Islam.

Wenn dem Islam heute mitunter ein gespanntes Verhältnis zur Philosophie attestiert wird, so ist Ghazali daran nicht ganz unschuldig. Der französische Schriftsteller und Historiker Ernest Renan bezeichnete ihn 1852 als einen "Feind der Philosophie". Und sein deutscher Kollege und Zeitgenosse Salomon Munk kam zu dem Urteil:

Ghazali führte einen Schlag gegen die Philosophie, von dem sie sich im Orient nicht mehr erholen konnte.
Den Ruf des Zerstörers brachte ihm vor allem ein Werk ein: "Die Inkohärenz der Philosophie". In diesem Buch setzte sich Ghazali aus theologischer Perspektive kritisch mit den Denkansätzen der bis dahin wichtigsten islamischen Philosophen auseinander: Ibn Sina und Al-Farabi, die in Europa als Avicenna und Alfarabius bekannt sind. Ghazali führt insgesamt 20 Lehrsätze von ihnen auf, die seiner Auffassung nach Fehler und Mängel aufwiesen - etwa die Behauptung, die Welt sei unerschaffen und ewig. Oder: Nur die Seele, nicht aber der Leib werde auferstehen. Zum Teil hatten Ghazalis Ausführungen fatale Folgen. 17 dieser Lehrsätze erklärte er für häretisch, drei sogar als ein Zeichen für Apostasie, also für einen Abfall vom Glauben, der nach klassischer Rechtsauffassung mit dem Tod bestraft wird. 
[Die Vertreibung der Philosophie aus dem Islam – Der muslimische Gelehrte al-Ghazali auf dem Prüfstand, Thorsten Gerald Schneiders, Deutschlandfunk, 09.02.2012]
- Welcher Niedergang? (Macksood Aftab, Islamische Zeietung, zu finden auf iran German Radio, 13.01.2014)


Al Ghazali - The Alchemist of Happiness - Documentary Trailer [2:46]

Hochgeladen am 03.09.2011

Al Ghazali The Alchemist of Happiness 2004 YouTube

bu Hāmed Mohammad ibn Mohammad al-Ghazzālī (1058 -- 1111) (Persian: ابو حامد محمد ابن محمد الغزالی), known as Algazel to the western medieval world, born and died in Tus, in the Khorasan province of Persia (modern day Iran) was a Persian[5] Muslim theologian, jurist, philosopher, and mystic.
Ghazali has sometimes been referred to by historians as the single most influential Muslim after the Islamic prophet Muhammad.[6] Besides his work that successfully changed the course of Islamic philosophy—the early Islamic Neoplatonism developed on the grounds of Hellenistic philosophy, for example, was so successfully refuted by Ghazali that it never recovered—he also brought the orthodox Islam of his time in close contact with Sufism.[6] The orthodox theologians still went their own way, and so did the mystics, but both developed a sense of mutual appreciation which ensured that no sweeping condemnation could be made by one for the practices of the other.



Sein Einfluß auf die islamische Philosophie läßt sich in zwei Aspekten beschreiben. Zum einen war er sicherlich am Niedergang der (reinen) Philosophie innerhalb des Islams beteiligt, wobei jedoch unklar ist, in welchem Ausmaß. Es gab in der östlichen islamischen Welt keinen großen Philosophen mehr nach Ibn Sînâ, dieser ist jedoch 428/1037 gestorben, so daß es möglich ist, daß die Philosophie schon vor Ghazâlîs Angriff im Niedergang begriffen war. Im islamischen Westen, in Andalusien, traten noch einige einflußreiche Philosophen auf, wie Ibn Tufail und Ibn Ruschd (Averroes), doch schließlich kam die philosophische Bewegung auch hier zum Stillstand. Diese Entwicklung ist jedoch im Zusammenhang mit der gesamten Geschichte Andalusiens zu sehen, wo das islamische Reich zerfiel und die christlichen Herrscher die Oberhand gewannen. [Ghazâlîs Leistungen, Silvia Horsch auf ihrer Homepage al-sakina, Datum unbekannt]

Dokumentarfilm Der Name der Rose von Umberto Eco [24:13]

Veröffentlicht am 01.04.2015
Fragmente einer Dokumentation über den Film "Der Name der Rose " von Jean-Jacques Annaud , basierend auf dem Roman von Umberto Eco. Es hat Interviews mit Schauspielern Sean Connery, Christian Slater sehr jung, Frank Murray Abraham , Historiker, mit dem Kameramann und Umberto Eco. Dedicated to Christian Grau, der mich daran erinnert, der Charakter Jorge de Burgos auf Jorge Luis Borges basiert.
InfoText zu einem inzwisdhen gelöschten Video:
Hochgeladen am 22.02.2009
Bernardo Gui baut Remigio de Varagine "eine Brücke", um zumindest der Folter entgehen zu können: "Könnte es vielleicht sein, dass Du vom Teufel besessen warst...":

R: Ich werde alles gestehen. Alles, was Ihr wollt! Wenn Ihr mir nur die Folter erspart... [...]
B: Also gut. (Pause) Warum hast Du sie getötet?
R: Warum, fragt Ihr. (überlegt) Ich weiß nicht, aus welchem Grund... (krampfhaft) Ich...ich...
B: (dogmatisch) Vielleicht, weil Du vom Teufel besessen warst!
R: (begreifend, zu sich) Ja. Das ist der Grund! Ich war vom Teufel besessen! (spielend) Ich bin vom Teufel besessen, vom Teu-fel!

The name of the rose - Did Christ laugh [2:52]

Hochgeladen am 01.07.2010

Während die Scholastik den Mittelpunkt des Denkens in der christlichen Welt für die nächsten Jahrhunderte darstellte, spielte sie in der islamischen Welt kaum eine Rolle.


Die Scholastik wiederum baut mittelbar auf der aristotelischen Logik auf. Letztere war schon zu Zeiten des römischen Imperiums zu großen Teilen verlorengegangen.

Altertum / Mittelalter (Völkerwanderung und Islamische Expansion) [1:13:42]

Veröffentlicht am 14.07.2014
Gegen-Sozialismus.jimdo.com

Größte Ausdehnung des islamischen Herrschaftsbereiches um 750
(gefunden bei stmichael-online)
Die Araber stießen mit der Ausbreitung des Islam auf die alten griechischen Schriften und gründeten ganze Schulen, (Stichwort: Übersetzerschule von Toledo) die mit nichts anderem beschäftigt waren als dem Übersetzen dieser Werke.



Mit der Eroberung der Iberischen Halbinsel (in der Schlacht von Guadalete 711 unterlag König Roderich einem 8.000 Mann starken Expeditionskorps; seit dem 5. Jhdt. gehörte die iberische Halbinsel zum Herrschaftsbereich der Westgoten, seit dem Konzil von Toledo 589 war der Katholizismus Staatsreligion) durch die Mauren (nomadisierende, von den Arabern islamisierte Berberstämme) kamen christliche Denker wieder in Berührung mit den durch die Muslime bewahrten altgriechischen Werken.

Geschichte Spaniens - Zauber der Mauren [51:24]

Veröffentlicht am 20.09.2013
Na, wer hat die Zivilisation nach Europa gebracht?!


Al-Andalus, ca. 909 (gefunden bei Wikipedia; bei 
www.way-to-allah.com kann man sich ein tolles Video 
ansehen, welches vor kurzem bei 3sat lief.)
In Córdoba, befand sich ein kulturelles Zentrum, das die angesehensten Universitäten des zehnten Jahrhunderts vorweisen konnte, außerdem 70 öffentliche Bibliotheken und 50 Krankenhäuser. Hier fand das friedliche Aufeinandertreffen islamischer, jüdischer und christlicher Traditionen statt.








Spanien unter dem Halbmond Al Andalus [1:49:38]


Hochgeladen am 11.02.2012



Geschichtlicher Einschub:
(Bild aus Wikipedia)
Auf dem geistesgeschichtlichen Faden dieses Artikels marschieren wir von der Aufklärung zu Aristoteles zurück. Auf dem geschichtlichen Faden müssen wir vorwärts gehen und in drei Schritten den Wechsel der Herrschaftsverhältnisse in Spanien und Nordafrika skizzieren:












Das Osmanische Reich zur Zeit seiner 
größten Ausdehnung, 1683 (aus Wikipedia)
1299 begründete Osman I. (*1258, †1326) das nach ihm benannte Osmanische Reich




Dieses breitete sich über die nächsten 400 Jahre im östlichen Mittelmeerraum und in Nordafrika aus.












Unter Sultan Süleyman I. dem Prächtigen (1520-1566) erlebte das Osmanische Reich – trotz der vergeblichen Belagerung Wiens 1529 – seine Glanzzeit.

Schon wenige Jahre nach dem Einbruch der Araber auf der Iberischen Halbinsel begann 722 mit der Schlacht von Covadonga die sogenannte Reconquista, die Rückeroberung. Der Kampf gegen die Muslime wurde von den christlichen Herrschern Europas als Kampf für die gesamte Christenheit und Heiliger Krieg wahrgenommen. Während viele enge persönlichen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Christen und Muslimen bestanden, erlangten im Verlauf des 9. bis 12. Jahrhunderts die christlichen Königreiche allmählich die Herrschaft über weite Teile der Iberischen Halbinsel. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war das nasridische Sultanat von Granada das letzte arabische Herrschaftsgebiet und mußte an Kastilien Tribut zahlen.


Bild von Ortiz, 1882, aus Wikipedia


 


1492 kapitulierte der letzte arabische Herrscher in Al-Andalus, Muhammad XII. (Boabdil), Sultan von Granada, vor den Heeren von Ferdinand II. und Isabella I. („Los Reyes Católicos“, die Katholischen Könige).


Die Organe der Frau, Leonardo da Vinci, 1508,
Feder und Kohle (gefunden bei reproarte.com)
 

An dieser Stelle können wir den geistesgeschichtlichen Faden wiederaufnehmen: 


Noch zu Zeiten von Leonardo da Vinci (1452 – 1519) war das Sezieren von Leichen in den christlichen Ländern verboten. (Dafür wurde Ende des 15. Jhdts. im Osmanischen Reich der Buchdruck verboten; dazu weiter unten.) Man muß sagen, daß im gesamten Mittelalter die islamische der christlichen Wissenschaft weit voraus war (auf der verlinkten Seite ganz unten und nächste Seite), vor allem in den Bereichen Mathematik, Physik, Astronomie und Medizin.
(Siehe auch die Seite der AG Friedensforschung der Universität Kassel)





5. Aristoteles’ Weltbild war teleologisch, d.h. Vorgänge waren für ihn immer an einem Zweck orientiert. Die Erfüllung dieses Zwecks lag in der Zukunft, deshalb benötigte Aristoteles (Schüler des Platon und Lehrer Alexander des Großen) eine „planende Hand“: Götter bzw. einen Gott. Der christlichen Kirche war diese Vorstellung sehr genehm: sie übernahm sie und wer sie anzweifelte, galt als Ketzer.

„Es besteht für Naturwissenschaftler kein Grund, in die Verehrung einzustimmen, die Aristoteles genießt. Er hat durch seine Ablehnung des Atomismus den Fortschritt der Wissenschaft zwei Jahrtausende lang aufgehalten. Und was vielleicht noch schlimmer ist: er hat als Urheber einer Geistesrichtung, die alle Grundsätze des physikalischen Denkens verkannte und die er mit dem ganzen Gewicht seiner ungeheuren Autorität vertrat, auf die spätere Entwicklung nicht bloß der Physik, sondern auch der übrigen Naturwissenschaften den verderblichsten Einfluss genommen. [ A. March, Physiker, 1891-1957]
(Das ist natürlich ziemlich herbe, dazu gehören immer zwei, die Kirche hat ihn benutzt, wo er ihre Auffassungen stützte und abgelehnt, wo er dies nicht tat.)

Aristoteles ist also zwiespältig zu sehen: während seine Philosophie der Logik über den arabischen Umweg und die Iberische Halbinsel im Hochmittelalter wieder die europäische Philosophie befruchtete, kamen seinen wissenschaftlichen Überlegungen eine fast absolute Autorität zu. Durch den Einfluß der Scholastik waren noch im Hochmittelalter europäische Denker nicht an systematischen Naturbeobachtungen interessiert. Es ging meist nur darum, ob neue Beobachtungen oder Theorien mit denen des Aristoteles übereinstimmten oder nicht. (Zum Umgang mit Autoritäten siehe nochmals bei Wikipedia.)

Terra X - Große Völker - Die Griechen [43:58]

Veröffentlicht am 10.03.2014
Große Völker: Griechen, Römer und Wikinger
Zeitreise zu den Wurzeln Europas mit Comic-Elementen

Demokratie, Gesetze, Wissenschaft, Literatur, Theater, Olympische Spiele, Wasserversorgung, Straßennetze, Fernhandel, Überquerung der Weltmeere, Globalisierung -- die Liste der Errungenschaften, die das Europa von heute kennzeichnen, ließe sich endlos fortführen. Doch ausnahmslos alles, was unser heutiges Leben prägt, basiert auf über 2000 Jahre alten Ideen und Erfindungen. Die neue "Terra X"-Reihe "Große Völker" versteht sich als Zeitreise zu den Wurzeln Europas und den Nationen, die den Weg in die Moderne geebnet haben. In drei Folgen werden die Pionierleistungen der Griechen, Römer und Wikinger vorgestellt.
 



6. Der erste, der systematisch die induktiv-experimentelle wissenschaftliche Arbeitsweise anwendete, bei der zuerst Experimente durchgeführt und erst danach anhand der Versuchsergebnisse Theorien aufgestellt werden, war der Erfinder der Lupe (er benutzte plankonvexe Lesesteine), Alhazen (Abu Ali al-Hasan Ibn Al-Haitham, ca. 965 – 1040, persischer Mathematiker, Optiker und Astronom); bis dahin war es üblich, Erkenntnisse nur durch logische Schlußfolgerungen zu gewinnen und Experimente allenfalls zur Veranschaulichung der so gefundenen Theorien durchzuführen.
Kupferstich auf dem Titelblatt des Thesaurus opticus (arab. Titel: Kitab-al-Manazir). 
Die Darstellung zeigt, wie Archimedes von Syrakus römische Schiffe mit Hilfe 
von Parabolspiegeln in Brand gesetzt haben soll. (gefunden bei Wikipedia)
Die Muslime selber wiederum verdanken die experimentelle Methode dem Koran, der dutzendfach dazu auffordert zur Mehrung des Wissens über die Welt die Natur zu beobachten. Sie gilt im Koran als ein göttliches Zeichen. Dieser Naturappell ermutigte muslimische Wissenschaftler dann bereits im frühen Mittelalter zu empirischen Forschungen und bahnbrechenden Erkenntnissen in Biologie, Zoologie, Geografie, Optik, Medizin, Astronomie und Mathematik.

Die Übernahme experimenteller wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der muslimischen Welt durch Europa geschah zunächst durch Reisende, Händler, Pilger und Europäer, die sich entschlossen hatten, in der islamischen Welt zu studieren. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist Gerbert von Aurillac (gest. 1003), später Papst Silvester II., der die muslimischen Universitäten in Sevilla und Cordoba besuchte. Schließlich sorgten die Kreuzzüge (1095-1291) und die Reconquista (11.-15. Jahrhundert) für einen weniger friedlichen Wissenstransfer.

Es verwundert nicht, dass zunächst vor allem Spanien und Portugal einen kräftigen Entwicklungsschub erhielten, jene Orte, an denen sich die Muslime am längsten auf dem europäischen Festland aufgehalten hatten. 
[Ohne Orient kein Okzident, Muhammad Sameer Murtaza, The European, 26.03.2015]
dazu auch:
- Islam und Judentum (in: Jan Rohls, Offenbarung, Vernunft und Religion, Verlag Mohr Siebeck, Tübingen, 2012, S. 135ff.,GoogleBooks)
- Zwischen Islam und lateinischer Christenheit: das Werk des Philosophen, Religionsmannes und Juristen Averroes (Jacques Langhade, trivium, 2005)
- Die Denker von Al-Andalus (Manuela Lenzen, Bild der Wissenschaft 7/2015)
- Widersprechen sich Wissenschaft und Religion? (Nissan Dovid Dubov, Chabad.org, Datum unbekannt)
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7. Averroës (arabisch أبو الوليد محمد بن أحمد بن محمد بن رشد‎, Abū l-Walīd Muḥammad b. Aḥmad ibn Muḥammad b. Rušd, 1126 – 1198, spanisch-arabischer Philosoph, Arzt und Sufi-Mystiker), einer der größten islamischen Philosophen (und damals in der islamischen Welt unbeachtet), ein glühender Bewunderer des Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), der zu fast jedem Werk des Aristoteles einen Kommentar verfaßte (genauso wie damals Aristoteles nur „der Philosoph“ genannt wurde, sprach man von Averroës als „dem Kommentator“), sah in der Logik die einzige Möglichkeit des Menschen, glücklich zu werden. Solche Feststellungen brachten ihn allerdings in Opposition zum orthodoxen Islam, der Averroës’ Schriften bis heute ablehnt. [Averroës, Wikipedia, abgerufen am 15.02.2008]

Forgotten Thinkers: Al-Ghazali and Averroes [54:10]

Veröffentlicht am 19.02.2016
A lecture delivered by Wesley Cecil PhD. at Peninsula College. Explores the Islamic Golden Age, Translation Movement, and the work of Al-Ghazali and Averroes. 

I apologize if my speech is in-distinct at times, I was quite sick when delivering this lecture - perhaps should be titled "The Incoherence of Me." Also note, Grand Ayatollah Ali Al-Sistani's website is still active.

Averroes [42:23]

Veröffentlicht am 20.09.2012

Averroès un penseur décisif [29:37]

Veröffentlicht am 20.10.2013

Science & Islam: Part 1 [1/3]: The Language of Science [Comparative Study] [58:36]

Hochgeladen am 13.09.2011
[Comparative Study] An interpretation/perspective/presentation/production.. from an Un-Islamic/Non-Islamic viewpoint..

Science & Islam: Part 2 [2/3]: The Empire of Reason [Comparative Study] [59:02]

Hochgeladen am 13.09.2011

Science & Islam: Part 3 [3/3]: The Power of Doubt [Comparative Study] [59:12]

Hochgeladen am 13.09.2011

Pourquoi Averroès a t il tant inquiété la pensée médiévale latine ? avec Jean-Baptiste Brenet [1:06:42]

Veröffentlicht am 21.09.2015
Cultures d'Islam par Abdennour Bidar avec Jean-Baptiste Brenet

Si Averroès fut inquiétant, d'une inquiétante étrangeté, c'est sans doute que selon une lecture très répandue il aurait fait de l'homme un "objet" alors qu'il réclame le statut de "sujet" de ses actes.
Mais alors se pose la question de savoir de quoi ou de qui l'être humain peut-il bien être l'objet ? D'un intellect supérieur - une sorte d'intelligence universelle - qui penserait en nous-mêmes et à notre place, ou bien, hypothèse de Freud, d'un inconscient qui ferait de nous ses "jouets" en nous laissant à l'illusion de nous diriger nous-mêmes de façon consciente et délibérée...
C'est toute la question de la possibilité pour l'être humain de se considérer comme l'auteur et le maître de sa vie qui est en jeu ici.

A propos de : Averroès l'inquiétant, Ed. Belles Lettres (2015)

Le nom d'Averroès est celui d’un scandale. Voici l’homme d’une thèse folle qui soutient que l’intellect est séparé des individus et unique pour toute l’espèce.

Conséquence ? La négation de la proposition « je pense » : la ruine de la rationalité. Pendant cinq cents ans, l’Europe s’en offusquera. Comment comprendre cette histoire qui mêle fascination et rejet ? D’où vient que l’averroïsme récusé d’emblée n’ait cessé de reparaître ? Avec Freud, ce livre propose une réponse.

Averroès, alias Abū l-Walīd Muh. ammad ibn Ah.mad Ibn Rušd, est l’archétype d’une « inquiétante étrangeté »venue perturber la latinité. (4ème de couverture)

Invité(s) : Jean-Baptiste Brenet, professeur à l'Université de Paris 1-Panthéon Sorbonne

Averroës (Ausschnitt eines Gemäldes 
von Andrea Bonaiuto, 14. Jhd.; Quelle: Wikipedia)



Da er kein Christ war, konnte er den Gedankengängen Aristoteles’ auch in den Punkten folgen, wo sie mit der christlichen Religion nicht vereinbar waren. Der aristotelischen Naturphilosophie stand die christliche Kirche nämlich sehr skeptisch gegenüber. 

Siehe auch:

- Averroës – Vordenker einer islamischen Aufklärung - Glaube und Vernunft (Andreas Speer im Gespräch mit Susanne Fritz, Deutschlandfunk, 26.01.2016)

Averroës, Detailansicht aus der Schule von Athen 
(Fresko von Raffael, 1510, im Unterschriftssaal 
des Papstes im Vatikan; Quelle: Wikipedia)







Die führte witzigerweise z. B. dazu, daß 1277 der Pariser Bischof und Kanzler der Pariser Universität Étienne Tempier eine Auflistung von 219 Thesen von Aristoteles und Averroës veröffentlichte, deren Lehre an der Sorbonne er unter die Strafe der Exkommunikation stellte (siehe Geschichte des Averroismus bei Wikipedia).

siehe dazu:

- Autoritätenstreit und das richtige Wissen (Steffen Schnieders, Deutschland im Mittelalter)
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  • 1210 wurden auf der Pariser Synode die naturphilosophischen Schriften des Aristoteles für den Lehrbetrieb an der Artistenfakultätverboten.
  • 1231 verbot Papst Gregor IX. in einer Bulle die Physik des Aristoteles, bis sie geprüft und von allem Verdacht des Irrtums gereinigt sei [1].
  • Von 1243 bis 1248 lehrte Albertus Magnus in Paris und befasste sich dabei intensiv mit Aristoteles.
  • Von 1269 bis 1271 lehrte Thomas von Aquin in Paris und versuchte zu vermitteln. Er systematisierte die Theologie mit den Mitteln der aristotelischen Philosophie.
  • 1270 erstellte Ägidius von Rom eine Liste von 95 Irrlehren der Philosophen.
Verurteilung von 1277 
Am 23. November 1276 hatte der Inquisitor Simon du Val die ehemaligen Lehrer der Artistenfakultät zu Paris (Siger von Brabant, Gosvin von La Chapelle und Bernier von Nivelles) vor sein Tribunal geladen. Am 18. Januar 1277 wurde Tempier von Papst Johannes XXI.aufgefordert, Gerüchten über neuerliche Irrlehren an der Universität Paris nachzugehen. Tempier rief eine Theologenkommission zusammen, der auch Heinrich von Gent angehörte.
Am 7. März 1277 veröffentlichte Tempier einen Syllabus von 219 Thesen, die an der Artistenfakultät diskutiert wurden. Sie betreffen philosophische und theologische Themen wie den Wissenschaftscharakter der Theologie, die Erkennbarkeit Gottes, das göttliche Wissen, die Allmacht Gottes, den Willen Gottes, die Freiheit des menschlichen Willens, die Unsterblichkeit der Seele, die Eucharistie, die Morallehre, die Angelologie und die Kosmologie [3].
Prolog des Dekrets
Es wird die Lehre der 219 Thesen unter die Strafe der Exkommunikation gestellt [4] und die doppelte Wahrheit verurteilt: Sie sagen nämlich, diese Irrlehren seien wahr im Sinne der Philosophie, aber nicht im Sinne des katholischen Glaubens, als gebe es zwei gleichsam entgegengesetzte Wahrheiten.[5]
Außerdem werden ein dreibändiges Werk De amore über die höfische Liebe [6], ein Buch über Geomantie[7] sowie Schriften über Nekromantie, Gebräuche von ZauberernTeufelsanbetungen und seelengefährdende Beschwörungen [8] verboten. 
Anpassungen nach 1277 
  • Die beiden Verurteilungen von 1270 und 1277 wurden mit derjenigen Verurteilung des Pariser Bischofs Wilhelm von Auvergne von 1241 sowie derjenigen des Erzbischofs von Canterbury Robert Kilwardby von 1277 zu der Sammlung „Collectio errorum in Anglia et Parisius condemnatorum“ zusammengefasst.
  • Unter den 219 Thesen sind auch einige Lehrstücke des Thomas von Aquin. Um dessen Verurteilung zu verhindern, stellte Gottfried von Fontaines 1296 im Rahmen einer Quaestio quodlibetalis die Frage, ob der Nachfolger Tempiers eine Sünde begehe, wenn er dessen Syllabus aufgrund seiner Mängel nicht korrigiere [9]. Nach der Heiligsprechung von Thomas von Aquin 1323 korrigierte der Pariser Bischof Etienne Bourret 1325 die Irrtumsliste.
Auswirkungen 
  • Doppelte Wahrheit: Der Verurteilungstext von 1277 überliefert, was per kirchlichem Dekret nicht gedacht werden sollte, und die Philosophie befreite sich folglich zunehmend unter anderem mit Wilhelm von Ockham vom Einfluss der Theologie.
  • Der französische Physiker und Wissenschaftshistoriker Pierre Duhem betrachtete die Verurteilungen als Geburtsdatum der modernen Wissenschaft, weil die aristotelische Physik mit ihrem Horror vacui zurückgewiesen und damit Raum für die moderne Naturwissenschaft geschaffen wurde [10].
  • Die Verurteilungen in Paris wurden vom Philosophiehistoriker Steenberghen als „wahrer Angelpunkt der Geistesgeschichte dieser Epoche“[11] und von Gilson als epochales „landmark“ (Grenzzeichen)[12] bezeichnet. [Pariser Verurteilungen, Wikipedia]
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siehe auch:

Das andere Rom (Romain von Leick, SPIEGEL Geschichte 4/2013)

Albertus Magnus und Thomas von Aquin! [29:45]

Veröffentlicht am 28.09.2013
Die Spitze der hochmittelalterlichen Scholastik. Wir treffen hier auf Albertus Magnus und seinen Schüler Thomas von Aquin. Was es mit diesen Burschen auf sich hat, soll hier kurz umrissen werden. 

Am Anfang ergehen sich die beiden Dialogpartner noch etwas in dubiose Spekulation. Ich verweise hier auf Boethius und im weiteren natürlich auf Rom, wo die antike Philosophie nie abhanden kam. Debilitäten schaden dem Geist, man halte sich von diesen fern.

Albertus Magnus:
Albertus Magnus (auch Albertus Teutonicus; Albertus Coloniensis; Albert der Große, Albert der Deutsche genannt) wurde um 1200 in Lauingen an der Donau geboren. Verstarb am 15. November 1280 in Köln. Er war ein deutscher Gelehrter und Bischof, der wegbereitend für den christlichen Aristotelismus des hohen Mittelalters war.

Thomas von Aquin:
Thomas von Aquin (* um 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova; auch Thomas Aquinas oder der Aquinat; it. Tommaso d'Aquino) war Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen der Geschichte. Seiner Wirkungsgeschichte in der Philosophie des hohen Mittelalters nach zählt er zu den Hauptvertretern der Scholastik. Er hinterließ ein sehr umfangreiches Werk, das etwa im Neuthomismus und der Neuscholastik bis in die heutige Zeit nachwirkt.

hier nun das ganze Fresko:
Die Schule von Athen
Raffael, 1510 bis 1511
Fresko
Stanzen des Raffael

siehe auch:
- Islam und Islamismus – Eine Herausforderung für Deutschland? (Caillea B. Rakow-Grebenstein, Studiengesellschaft für Friedensforschung e.V., ReflektionBlog, 12.10.2014)

Der Rest des Textes ist mir bei Layout-Arbeiten abhandengekommen. Irgendwann mal werde ich ihn vervollständigen.


neu bearbeitet am 11.08.2016

Sie wollen, daß wir Moslems werden

Nachdem das oberste Gericht in Lahore zwei Christen, die der Lästerung Mohammeds angeklagt waren, freigesprochen und das Todesurteil aufgehoben hatte, protestiert ein fanatischer Mob auf den Straßen.





















In der Kathedrale von Lahore













Zerstörte Kirche von Sangla Hill



Christen in Pakistan werden zunehmend bedroht. Schikanen sind an der Tagesordnung.


Von Agnes Tandler
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Vor der backsteinroten Kathedrale in Lahore steht eine Gruppe Männer und diskutiert. Es geht um Kricket. Doch eigentlich geht es um Gott. Die Männer sind erzürnt über Kricketstar Yousuf Youhana. Früher war der Spieler Christ – der einzige in der Nationalmannschaft. Bis er mit seiner Frau zum Islam übertrat und das ganze Land wissen ließ, wie gut er sich seither fühlt.

Zwischen zwei und drei Prozent der 136 Millionen Einwohner im islamischen Pakistan bekennen sich zum christlichen Glauben. Die Hälfte davon sind Katholiken. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 hat sich ihre Situation extrem verschlechtert, auch wenn die Verfassung freie Religionsausübung garantiert.

„Vor zwei Jahren wurden in Sangla Hill, etwa fünfzig Kilometer von Lahore entfernt, drei Kirchen, ein Konvent, zwei katholische Schulen und viele Hauser und Geschäfte niedergebrannt“, berichtet Souhail Akhtar vom „Nationalen Kirchenrat Pakistan“. Besonders im Norden des Landes werde die Lage immer schlimmer. Nach Angaben der pakistanischen Menschenrechtskommission werden jedes Jahr zwei bis drei Fälle registriert, in denen Christen die Lästerung des Religionsgründers Mohammed vorgeworfen wird. Oft wird der Blasphemie-Paragraph dazu missbraucht, Nachbarschaftsstreitigkeiten zwischen Christen und Muslimen „auszutragen“. Die Verfahren ziehen sich nach Angaben von „Amnesty international“ meist über Jahre hin. Folter ist die Regel. Daher wandern viele Christen nach Indien aus. „Zur Zeit der Gründung Pakistans gab es im Bistum Peshawar etwa hundert Kirchen. Heute sind es noch vierzehn“ sagt Peter Jacob von „Justitia et Pax“.

Auch Andrew Nisarj hat Angst. Angst vor Bomben. Barfuß steht der Ordenspriester auf dem blauen Teppich um den Altar der Kirche im Herzen von Lahore. Die Kirche ist fürs hundertjährige Jubiläum herausgeputzt. Während des Streits um die Mohammed-Karikaturen 2006 standen aufgebrachte Muslime vor der Kirche, um sie anzugreifen.. Die Polizei schirmte uns ab“, erzählt der Priester. Und fügt hinzu: „Sie wollen, dass wir alle Moslems werden.“ Wie Kricketstar Yousuf Youhana.

Christen müssen viele Schikanen über sich ergehen lassen. Der soziale Aufstieg wird ihnen verwehrt. Im Staatsdienst dürfen sie nicht arbeiten. Selbst wenn Christen ein Geschäft betreiben, werden Muslime nie zulassen, dass es gut läuft. Auf dem Land ist alles noch schlimmer. Nisari: „Da sind wir wie Unberührbare, Christen dürfen die Wasserpumpe nicht anfassen, weil sie verunreinigt werden könnte. Das Glas, aus dem sie auf dem Markt trinken, wird zerbrochen, und sie müssen dafür zahlen.“ Doch die Bedrohung festigt die Gemeinschaft. Sonntags ist die Kirche gefüllt bis zum letzten Platz. „Das war früher nicht so.“

aus Christ in der Gegenwart, 6. Januar 2008

Rösler will mit Wenzel den Tisch nicht teilen

Platzfragen sind symbolträchtig. Und weil Symbole in der Politik immer wichtiger werden, ist die Landtagsverwaltung vor ein Problem gestellt. Es geht – noch einmal – um die Sitzverteilung im neuen Landtag, genauer um die Frage, wer wo in der ersten Reihe sitzen darf. Am Montag hatten sich die Fraktionen verständigt, dass von den dort vorhandenen zehn Plätzen die CDU vier nutzt, die SPD drei, die FDP, die Grünen und die Linke je einen. In der Praxis stößt die Umsetzung jedoch auf Hindernisse, wenn – wie geplant – die FDP und die Grünen in der Mitte sitzen wollen.
Da im Landtag Zweiertische stehen, müssten sich dann die beiden Fraktionschefs Philipp Rösler (FDP) und Stefan Wenzel (Grüne) einen Tisch teilen. „Das geht nicht“, heißt es aus der FDP. Da oftmals Mitarbeiter mit wichtigen Mitteilungen kämen, sei die Vertraulichkeit nicht mehr gewahrt. Wenzel könne hören, was Rösler bespricht.
Die Landtagsverwaltung soll bis Freitag überlegen, wie das Problem zu lösen ist. Mehrere Varianten werden geprüft: Die FDP könnte ganz weit rechts Platz finden, dann säße Rösler neben einem Abgeordneten seines Koalitionspartners CDU. Der Nachteil wäre, dass dies als „nach rechts rücken“ politisch fehlinterpretiert werden könnte. Die FDP könnte entgegnen, sie sei sich treu geblieben, nur die CDU habe sich eben nach links bewegt, und dies spiegele sich dann in der neuen Sitzordnung wider. Der nächste Vorschlag lautet, die Grünen an die linke Seite zu schieben, neben die Linken. Dann säße Rösler neben einem SPD-Politiker, was in der FDP als weniger schlimm angesehen wird. Nur wollen sich die Grünen nicht aus der Mitte verbannen lassen. Die FDP könnte auch, Variante drei, in die CDU-Sitzreihen „eingebettet“ werden, womit sich das Problem auch lösen ließe – allerdings drohen die Liberalen dann von der CDU umzingelt zu werden und ihr eigenes Profil zu verlieren.
Was auch geschieht, ein Vorschlag scheidet aus – nämlich der, die alten Zweiertische abzuschrauben und neues Mobiliar im Plenarsaal aufzubauen.
Klaus Wallbaum

Photos: Rösler (oben), Wenzel (unten)

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 13. Februar 2008

endlich mal ein richtiges Problem…

Montag, 11. Februar 2008

Pat Metheny

Pat Metheny Group - First Circle (We Live Here World Tour) [Best of Guitar-Tube.com] [8:57]

Hochgeladen am 24.10.2010
Find best of Pat Metheny' videos on http://players.guitar-tube.com/pat-me...

First Circle first released on 1984 CD under same title performed live by Pat Metheny Group during "We Live Here" World Tour in Japan, 1995

Mit der Musik durch die Provence fahren… 

PAT METHENY "Are You Going With Me?" [9:03]

Hochgeladen am 21.05.2008
Live Under The Sky 1992
Yomiuri Land

andere Version:
Pat Metheny Group 1992 Japan "ARE YOU GOING WITH ME" [8:28]

Hochgeladen am 30.12.2010
PMG 1992 Japan "Live Under the Sky"
"Are you coming with me?"
Pat Metheny

pat metheny - last train home [5:13]

Hochgeladen am 06.07.2007
please pat... leave this up on youtube... more views mean more people turned onto your music... and more record buyers!

PAT METHENY - LETTER FROM HOME [2:22]

Hochgeladen am 05.07.2007
one of my favourite metheny tracks

Pat Metheny Group 1982 Japan "James" [9:19]

Hochgeladen am 19.06.2011
Pat Metheny Group 1982 Japan

Mit Charlie Hayden geht’s schneller:
PAT METHENY TRIO JUAN 1986 [5:28]

Veröffentlicht am 28.02.2010
CHARLIE HADEN , BILLY HIGGINS
alter Info-Text: (Festival Jazz Vitoria)

Pat Metheny Group Chile 1987 - 08.If i Could - So May it Secretly Begin [14:53]

Hochgeladen am 14.10.2011
Pat Metheny Group Santiago de Chile 1987, Court Estadio Nacional.
MethenyChile.

und hier mit seiner 42saitigen Pikasso-Gitarre:
PAT METHENY - Improvisation Pikasso Guitar [5:02]
 

Sonntag, 10. Februar 2008

Shiva Moon




Klappentext:

Der Ganges ist Indiens Schicksalsstrom – heiliger Fluss und Lebenselixier. Vom Himalaya ergießt er sich über zweieinhalbtausend Kilometer in das bengalische Land. Helge Timmerberg ist dem Strom gefolgt, von der Quelle auf viertausend Meter Hohe, wo der Ganges aus dem Eis bricht und wie ein Kristallpalast glitzert, bis zum Delta am Indischen Ozean.

Er durchstreift Rishikesh, die Stadt, in die die Beatles pilgerten und wo Autos, Alkohol und Fleisch verboten sind, trifft Sadhus, Bettelmönche, und zwei wahnsinnig schone Geistheilerinnen. Er besucht das sechstausend Jahre alte Varanasi, die heiligste Stadt der Hindus und die Metropole der Astrologie – Madonna, so heißt es, lässt sich dort regelmäßig die Sterne deuten. Sein Weg führt ihn in die Slums von Kalkutta, das «Haus der Toten» und das schönste Kaffeehaus der Welt.

Mit großer Kraft und feinem Humor erzählt Helge Timmerberg von einer Reise, die seinen Blick auf sich und die Welt verändert hat, von ewiger Pilgerschaft und dem Verlust des Glaubens, von Haschischentzug und der Suche nach Klarheit: es geht um Shiva Moon, den Mond der Zerstörung, und es geht um die Liebesgeschichte zwischen Timmerberg und Indien – dem Land, das er wieder und wieder bereist hat, seit mehr als drei Jahrzehnten.


Helge Timmerberg
geboren 1952 in Dorfitter (Hessen), reiste mit siebzehn zum ersten Mal nach Indien und beschloss dort, Journalist zu werden.
Seitdem schreibt er Reisereportagen aus allen Teilen der Welt, unter anderem für «Tempo», «Stern», Die Zeit». «Merian» und «Playboy». 2001 erschien «Tiger fressen keine Yogis», eine Sammlung seiner schönsten Reportagen, über die die «Süddeutsche Zeitung» schrieb: «Man fängt beim Lesen an, die guten Sätze zu unterstreichen, und bald ist die Hälfte des Buchs unterstrichen, und dann schaut man sich die restlichen Sätze an und stellt fest, dass die eigentlich auch sehr gut sind … Timmerberg ist ein Poet, aber er macht die Welt nicht poetischer, als sie ist.»

Donnerstag, 7. Februar 2008

e-Card, die Nächste

Wirtschaftskreis will randvolle Karte

Während Datenschützer, Patienten und Ärzte das Projekt elektronische Gesundheitskarte (eGK) lieber heute als morgen eingestampft sähen, vertreten Wirtschaftsexperten die gegenteilige Meinung. In der Tat sind vielen unter ihnen sogar die „Schonfristen“ für sensible Daten noch zu viel, wie eine aktuelle Studie des Arbeitskreises „Nutzen der eGK“ beim Verein zur Förderung der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln (Bifoa) zeigt.

Die Fachleute von Hochschulen, Krankenkassen, Verbänden, Unternehmen und Beratungsfirmen sehen die e-Card als ökonomischen Heilsbringer für das Gesundheitssystem – wenn sie doch nur unverzüglich ihr volles Potenzial ausschöpfen dürfte. Zunächst sollen nämlich nur die Basisdaten des Inhabers gespeichert werden; der Patient kann darüber hinaus selbst entscheiden, ob eine elektronische Patientenakte, Einverständniserklärungen, ein Organspendeausweis, der Nachweis von Zusatzversicherungen oder eine Auflistung der Vorsorgeboni abrufbar sein sollen.

Mit derlei Rücksichten „lässt das Projekt in den ersten sechs Jahren die Kosten eher ansteigen als sinken“, schreiben die Experten des Bifoa. Ihre Forderung: Alle Daten auf die Karte, dazu eine Projektsteuerung gemäß betriebswirtschaftlicher Grundsätze und „unabhängig vom ‚politischen Willen’“. Ein entsprechender Beschluss solle schnell gefasst werden – sonst könne „die kritische Diskussion über den Datenschutz dazu führen, dass die meisten Patienten einer Erweiterung der Gesundheitskarte um zusätzliche Daten … nicht zustimmen werden.“

aus Ärztliche Praxis Nr. 6 vom 5. Februar 2008

So bleiben Sie länger fit

CAMBRIDGE (me/dpa). Auf den Lebensstil kommt es an! Wer gesund lebt, wird mit einem satten Zuwachs an Lebenserwartung belohnt: Im Durchschnitt verschiebt sich dadurch das Rendezvous mit dem Tod um 14 Jahre. Zu diesem Ergebnis kam eine britische Studie an Einwohnern aus der Stadt Norfolk.

Forscher von der Universität Cambridge hatten vier Jahre lang (1973-1977) die Lebensgewohnheiten von insgesamt 20.244 Männer und Frauen zwischen 45 und 79 Jahren aus der britischen Stadt Norfolk untersucht, bei denen keine Krebs- oder Herzkreislaufleiden bekannt waren, und registrierten alle Todesfälle bis 2006.

Auf einem Fragebogen konnten die Testpersonen zwischen null und vier Punkten erzielen: Je einen Punkt gab es für:

• nicht rauchen
• sportliche Betätigung
• moderaten Alkoholkonsum un
• 5 Portionen Obst/Gemüse pro Tag.

Keinen Punkt in der Kategorie Bewegung bekam etwa, wer einen Bürojob hatte und in der Freizeit keinen Sport trieb. Der Alkoholkonsum durfte nicht über zwei Gläsern Wein (entsprechend einem halben Liter Bier) pro Tag liegen. Der Obst- und Gemüseanteil an der Ernährung wurde über den Vitamin-C-Spiegel im Blut bestimmt.

Innerhalb der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von elf Jahren hatten Testpersonen mit null Punkten eine viermal so hohe Sterbewahrscheinlichkeit wie Studienteilnehmer mit vier Punkten.

Anders gesagt: Wer sich an alle vier Regeln hielt, hatte dasselbe Sterberisiko wie 14 Jahre jüngere Probanden, die keinen der Tipps befolgten. Diese Beobachtung sei unabhängig von gesellschaftlicher Schicht und Körpergewicht, betonen die Mediziner. Dieses Ergebnis müsse zwar in anderen Regionen noch bestätigt werden, lege aber sehr nahe, dass diese vier erreichbaren Änderungen des Lebensstils doch einen deutlichen Einfluss auf die Gesundheit von Menschen in mittlerem und höherem Alter haben könnten.

aus Gesundheitszeitung, Februar 2008

Dienstag, 5. Februar 2008

ADHS – Psychodynamik

Aus gegebenem Anlaß:

Die Pharmaindustrie hat es – mit Unterstützung der Ärzte und Familien, die es sich leicht zu machen versuchen – geschafft, darauf hinzuarbeiten, daß, wenn der Begriff ADHS steht, man sofort an Ritalin denkt. Insgesamt ist festzustellen, daß die hirnbiochemischen Erklärungsmodelle psychischer Störungen wieder auf dem Vormarsch sind. (Wie sollte das in unserer instant-und-light-Zeit auch anders sein?) Es ist mir wichtig festzuhalten, daß die psychodynamischen Hintergründe nicht übersehen werden dürfen.

Dazu einige Auszüge aus einem Grundsatzartikel. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich auf die im Text natürlich erwähnten Quellenangaben verzichtet. Auch die Hinweise auf die Hirnbiochemie habe ich weggelassen. Wer eine Übersicht sucht, gehe zu Wikipedia.

Die Prävalenz wird – je nach Strenge der angelegten Diagnosekriterien – mit 1 bis 7 Prozent angegeben.

[…] Auf der anderen Seite steht ein Beziehungs- oder soziales Modell, das den Einfluss familiärer oder sonstiger Belastungen, aber auch die generelle soziale Umwelt, in der ein Kind aufwächst, als wesentliche Faktoren konzipiert. Zunächst einmal ist es eine banale Feststellung, dass akute, vor allem aber chronisch anhaltende psychosoziale Belastungen dazu führen, dass ein Kind sich möglicherweise schlechter konzentrieren kann, sich zurückzieht oder mit psychomotorischer Unruhe und weiteren Verhaltensauffälligkeiten reagiert. Die Kriterien der lCD 10 binden daher die Diagnose einer ADHS an die Einschränkung, dass die Störung bereits vor dem 6. Lebensjahr vorhanden gewesen sein muss und nicht durch andere – beispielsweise psychosoziale – Ursachen erklärbar ist. Damit wird versucht, eine Verkennung eines ganz ähnlich erscheinenden Symptombildes, das jedoch aus akuten psychischen oder sozialen Belastungen resultiert, als hirnfunktionell verstandene Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung zu vermeiden. Leider werden diese Ausschlusskriterien in der Praxis häufig großzügig übersehen.

Es gibt auch zur Bedeutung des hier so genannten Beziehungs- oder sozialen Modells eine Fülle von Belegen, was insbeson dere dann nicht verwundert, wenn das oben erwähnte Ineinandergreifen psychosozialer und somatischer Faktoren bei der Herausbildung und Organisation neuronaler Netzwerke ernst genommen und als sich gegenseitig beeinflussendes Wechselverhältnis begriffen wird. Beispielhaft sei nur angeführt, dass Christakis et al. feststellten, dass pro Stunde täglichem Fernsehkonsum vor dem 3. Lebensjahr das Risiko des Auftretens einer Aufmerksamkeitsstörung im Schulalter um 10% steigt. Auch in der psychotherapeutisch orientierten Literatur wird mit einer Fülle von Fallbeispielen deutlich gemacht, wie stark Symptomatik, familiäre Prozesse und innere Konfliktsituationen ineinander greifen. Stern konnte Mechanismen aufzeigen, die es verständlich machen, dass eine mütterliche postpartale Depression vom Säugling mit der Entwicklung hyperaktiven Verhaltens beantwortet werden kann. Timimi wies neuerdings einmal wieder auf die Rolle kultureller und sozialer Faktoren bei der Entstehung und vor allem Qualifizierung von Verhaltensproblemen als medizinische Krankheitsentitäten und damit behandlungsbedürftige Störungen hin und machte damit auf die Rolle derartiger Faktoren für die Wahrnehmung und Interpretation dieser Phänomene aufmerksam.

Die konkurrierenden, zum Teil in heftigem Widerstreit stehenden Auffassungen, zeigen zumindest eines: Es handelt sich bei der Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung um eine komplexe vielschichtige Problematik, bei der man weder dem Phänomen, noch den betroffenen Kindern und Familien gerecht wird, wenn man einfache Reduktionen auf diese oder jene bevorzugte Theorie vornimmt. Dies hat jenseits manchmal ideologisch gefärbter Auseinandersetzungen erhebliche klinische Konsequenzen: Erstens bedarf eine derartige Symptomatik einer umfassenden Diagnostik und zweitens ist auf dieser Grundlage eine individuell zugeschnittene Therapie erforderlich. Dem tragen die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Rechnung, wenn sie eine umfassende Diagnostik unter Berücksichtigung somatischer, familiärer und emotionaler Faktoren fordern und konstatieren, dass in der Regel eine multimodale Behandlung durchzuführen sei.

Tab. 1 Ätiologische Faktoren bei der Entstehung der ADHS
• Temperamentsfaktoren
• genetische Polymorphismen
• Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen
• erniedrigtes Geburtsgewicht
• pränatale Alkohol-, Benzodiazepin- oder Nikotinexposition
• Infektionen und Toxine, insbesondere Schwermetallexposition
• ZNS-Erkrankungen und Verletzungen
• ungünstige psychosoziale Bedingungen
• frühkindliche Traumatisierung, schwere Deprivation, Misshandlung
• Fernsehkonsum vor dem 3. Lebensjahr
• in Einzelfällen evtl. auch atopische Disposition (umstritten)

Ätiologie und Pathogenese

Eine Auflistung ätiologischer Faktoren findet sich in Tabelle 1. Zu berücksichtigen ist dabei, dass diese Faktoren im Sinne einer Ergänzungsreihe verstanden werden können und es zu bisher nicht genau geklärten Wechselwirkungen zwischen genetischen, somatischen und psychosozialen Faktoren kommt. Möglicherweise ist die ADHS-Symptomatik als gemeinsame Endstrecke verschiedenster, im Einzelfall sehr unterschiedlich gewichteter Beeinträchtigungen anzusehen.

Man hat es daher in der klinischen Praxis häufig mit einem Zusammenspiel unterschiedlicher ätiologischer Faktoren zu tun, ohne dass diese an dem Punkt, an dem das Kind in die Sprechstunde kommt, immer genau in ihrer Wertigkeit bestimmt werden können, dies umsoweniger, als die Wechselwirkung zwischen diesen Faktoren und die oben erwähnte gegenseitige Beeinflussung von Hirnreifung, individuellen, familiären und außerfamiliären Beziehungs- und Interaktionsmustern und der Organisation und Verfestigung neuronaler Netzwerke beispielsweise im Sinne einer angeborenen und/oder somatisch oder beziehungsdynamisch erworbenen Bereitschaft zur Hyperexzitabilität bisher nur in Grundzügen erforscht sind.

In der klinischen Praxis kann man sich entweder entlang einer korrekten Anwendung der Bestimmungen der lCD-10 auf den Standpunkt stellen, dass man nur dann eine hyperkinetische Störung oder eine ADHS diagnostiziert, wenn Belege dafür vorhanden sind, dass die Störung sehr früh begann und keine wesentlichen emotionalen Belastungen vorhanden sind oder waren, die die Auffälligkeiten erklären könnten. Man kann sich andererseits aber auch ganz pragmatisch auf den heute weithin bevorzugten Standpunkt stellen, die Diagnose unter Außerachtlassen der Einschränkungen der lCD-10 und in Anlehnung an DSM-IV ausschließlich phänomenologisch an der zu beobachtenden Symptomatik zu orientieren.
Man wird damit allerdings, wie es heute häufig geschieht, eine Ausweitung der Diagnose vornehmen und mit einem Sammelsurium heterogener Belastungsfaktoren und ätiologischer und pathogenetischer Einflussfaktoren zu rechnen haben, die im Einzelfall sehr unterschiedliches Gewicht haben dürften.

Symptomatologie und Diagnostik

Die Kernsymptome der ADHS sind Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität, wobei nach lCD-10 sowohl Unaufmerksamkeit als auch Überaktivität vorliegen müssen, während DSM-IV den vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ und den vorwiegend unaufmerksamen Typ sowie einen kombinierten Typ unterscheidet und damit die Hyperaktivität nicht als notwendiges Symptom ansieht. Darüber hinaus werden von der lCD-10 ein Beginn vor dem 6. Lebensjahr und ein Auftreten in mindestens zwei Lebensbereichen gefordert.

Charakteristische Merkmale der drei Leitsymptome sind in Tabelle 2 aufgeführt.

Tab. 2 Leitsymptome der ADHS (jeweils extrem ausgeprägt im Verhältnis zu gleichaltrigen Kindern)
Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung, Ablenkbarkeit)
• Mangel an Ausdauer und Konzentration, Abbruch bei Beschäftigungen,
• häufiger Wechsel von einer Tätigkeit zur anderen, Ablenkbarkeit (durch externe Stimuli),
• Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit zu teilen,
• mangelnde Aufmerksamkeit für Details,
• hört oft nicht zu,
• verliert oft Dinge,
• ist vergesslich
________________________________________

Überaktivität (Hyperaktivität, motorische Unruhe)
• Zappelphilipp.
• desorganisierte, überschießende Aktivität,
• kann nicht still sitzen, steht oft auf,
• exzessives Rennen oder herumklettern,
• ausgeprägte Redseligkeit, Lärmen, Schwierigkeiten still zu sitzen
________________________________________

Impulsivität
• Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung,
• Unfallneigung,
• Regelverletzungen an Impulsivität,
• Distanzlosigkeit gegenüber Erwachsenen,
• platzt mit der Antwort heraus, bevor die Frage beendet ist,
• geht nicht auf andere ein,
• kann nicht warten, bis er/sie an der Reihe ist (im Spiel, in Gruppen)

Hinzu treten häufig weitere komorbide Symptome, deren Vielzahl teilweise zu Listen von über 100 Symptomen zusammengefasst wurde. Besonders problematisch ist eine gleichzeitig bestehende Störung des Sozialverhaltens, da diese die Prognose deutlich verschlechtert. Dissoziale Entwicklungen und Substanzmissbrauch sind vor allem bei einer Kombination von ADHS und einer Störung des Sozialverhaltens deutlich häufiger zu erwarten. In ähnliche Richtung weisen aggressive Störungen. Auf der anderen Seite führt die Dauerbelastung der Beziehungsinteraktionen im familiären und außerfamiliären Umfeld, die zu einem regelrechten Circulus vitiosus von Ablehnung, Sanktionen, Schulversagen, oppositionellem Verhalten oder Sich-negativ-in-Szene-Setzen und erneuten Sanktionen und sozialer Ausgrenzung führen kann, fast regelhaft zu niedrigem Selbstwertgefühl, negativem Selbstbild und sozialer Isolation sowie, häufiger bei Mädchen, zu ängstlichen und depressiven Symptomen. Diesen sekundären Symptomen kommt erhebliche, oft die entscheidende prognostische Bedeutung zu. Sie belasten die soziale Integration und das familiäre Beziehungsgefüge in vielen Fällen weit stärker als die Primärsymptome. Auch dies unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden und kompetenten diagnostischen Abklärung. Nur so kann verhindert werden, dass eine ADHS diagnostiziert wird und die erwähnten komorbiden Störungen unerkannt und damit unbehandelt bleiben oder gar fälschlicherweise deren Symptome einer reinen Aufmerksamkeitsstörung zugeschrieben werden, was leider immer wieder zu desaströsen Verläufen führt.

Eine umfassende Diagnostik ermöglicht nicht nur eine Einschätzung des häufig komplexen Störungsbildes, sondern ist auch Voraussetzung für eine adäquate Planung der Behandlung. Das diagnostische Vorgehen ist in Tabelle 3 dargestellt, die Differenzialdiagnose findet sich in Tabelle 4.

Tab. 3 Diagnostik bei ADHS
Exploration der Familie und Exploration und Untersuchung des Patienten hinsichtlich:
• Auftreten, Variabilität der Leitsvmptome,
• ungünstiger Temperamentsmerkmale im Säuglingsalter und Beginn der Störung,
• Verlauf der Symptomatik
• psychosozialer und emotionaler Belastungsfokforen,
• Vorhandensein emotionaler oder anderer Störungen
________________________________________

Informationen von Kindergarten oder Schule hinsichtlich:
• Einschätzung, Häufigkeit, Intensität und Variabilität der Symptomatik
• gegebenenfalls Lern- und Leistungsstörungen,
• Hinweisen auf psychosoziale Belastungen
Ergänzend kann ein Fremdbeurteilungsbogen (z. B. FBB-HKS), der jeweils von Eltern und Lehrern ausgefüllt werden kann, vor allem im Lehrerurteil wertvolle Zusatzinformationen liefern.
________________________________________

Intelligenz, Entwicklungs- und Leistungsdiagnostik
• In der Regel ist eine zumindest orientierende Intelligenzdiagnostik erforderlich, um Überforderungen oder Unterforderungen auszuschließen.
• Bei Hinweisen auf Teilleistungsstörungen oder sonstige Leistungsproblemen ist eine umfassende Leistungsdiagnostik notwendig.
• Bei Vorschulkindern ist eine umfassende Entwicklungsdiagnostik vor allem auch der psychosozialen Entwicklung, erforderlich.
weitere testpsychologische Diagnostik
• Ergänzend können testpsychologische Untersuchungen zur Aufmerksamkeit (z B. TAP, Aufmerksamkeitsbelastungstest) zusätzliche Hinweise geben. Das testpsychologische Ergebnis darf niemals allein zur Stellung der Diagnose verwendet werden.
________________________________________

somatische Diagnostik
• neurologische Untersuchung zur Abklärung von Beeinträchtigungen,
• gegebenenfalls EEG- bzw. MRT-Untersuchung, wenn Hinweise auf eine hirnorganische Komponente oder auf ein Anfallsleiden vorhanden sind, EEG-Untersuchung insbesondere dann, wenn eine medikamentöse Behandlung mit Amphetaminen geplant
• bei Planung einer medikamentösen Behandlung allgemeine körperliche Untersuchung u. o. im Hinblick auf mögliche Kontraindikationen und unerwünschte Wirkungen (z.B. Wachstumsverzögerung)


Tab. 4 Differenzialdiagnose bei ADHS
Eine Vielzahl kinderpsychiatrischer Störungen muss differenzialdiagnostisch oder als komorbide Störung Berücksichtigung finden, gegebenenfalls diagnostiziert und behandelt werden, insbesondere:
• Störungen des Sozialverhaltens,
• lntelligenzminderung,
• tiefgreifende Entwicklungsstörungen,
• Borderline- Persönlichkeitsstörung,
• Depression,
• Angststörungen,
• Schizophrenie oder manische Episoden,
• Medikamenteneffekte,
• primäre organische oder neurologische Störungen,
• schwere familiäre Belastungen, Misshandlungen, Deprivation, Vernachlässigung.

[…]

Therapie
[…]

Weitgehend konsensfähig scheint derzeit zu sein, dass
• eine medikamentöse Behandlung bei strenger Indikationsstellung und erheblichen durch die Symptomatik hervorgerufenen psychosozialen Beeinträchtigungen indiziert ist;
• eine alleinige medikamentöse Behandlung in der Regel nicht als adäquat anzusehen ist, sondern eine multimodale Behandlung erfolgen sollte;
• nach derzeitigem Kenntnisstand zwar mögliche Nebenwirkungen vorhanden sind und entsprechend kontrolliert werden müssen, aber nicht als derart gravierend erscheinen, dass sie eine medikamentöse Behandlung prinzipiell infrage stellen würden;
• die Befürchtung, dass es wegen des Suchtpotenzials von Amphetaminen zu Abhängigkeitserkrankungen kommen könnte zwar im Einzelfall berechtigt ist, im statistischen Mittel aber dies mehr als ausgeglichen wird durch eine deutliche Verringerung des Risikos einer Suchtentwicklung gegenüber Patienten, die nicht behandelt werden;
• Auslassversuche einmal pro Jahr zur Kontrolle der Wirksamkeit empfohlen werden.

[…]

Unverzichtbar ist eine Elternberatung nicht nur hinsichtlich der Erkrankung selbst, die heute den meisten Eltern bekannt sein dürfte, sondern vor allem auch hinsichtlich der besonderen Erziehungsanforderungen, die Kinder mit ADHS benötigen. Häufig geraten Kind und Eltern in Interaktionszirkel, die von Erregung, heftigen negativen Affekten und gegenseitigen Beschuldigungen gekennzeichnet sind und sich immer weiter verfestigen, wobei Eltern und Kind immer verzweifelter werden und sich missverstanden fühlen. Der besonders große Bedarf dieser Kinder nach Halt gebenden, klaren und nachvollziehbaren grenzsetzenden Strukturen geht im Zuge dessen oft unter. Eltern und Kind schwanken zwischen wütenden Beschuldigungen und negativem Selbsterleben. Es kann in dieser Situation eine große Hilfe sein, Eltern in dieser Hinsicht zu beraten und ihnen dabei zu helfen, wieder anders mit ihrem Kind umzugehen. Dabei steht die Unterstützung strukturierender und Halt gebender Funktionen, wie auch einer fördernden und zugewandten Beziehung im Vordergrund. Dies kann sowohl in der Einzeltherapie als auch über mittlerweile entwickelte Gruppenprogramme für Eltern umgesetzt werden.

Je nach Störungsbild und zusätzlicher Symptomatik bzw. Komorbidität müssen entsprechende therapeutische Angebote eingerichtet werden. Verhaltenstherapeutische Interventionen arbeiten vor allem mit Selbstinstruktions- und Selbstmanagementtrainings, wobei sie meist parallel sehr stark auf Interventionen in der Familie und in der Schule setzen. Die Einbeziehung der Eltern in diese Behandlung soll die Generalisierung auf die häusliche Situation unterstützen. Generell wird als Problem verhaltenstherapeutischer Interventionen angegeben, dass die Übertragbarkeit der in der Therapiesituation erlernten Verhaltensweisen in die Alltagsrealität oft unzureichend funktioniert. Daher haben sich in den letzten Jahren die Hoffnungen auf sogenannte Sommercamps gerichtet, bei denen Kinder in quasi natürlicher Umgebung lernen können, sich anders zu verhalten. Als Vorteil wird insbesondere auch angesehen, dass sie in einer Gruppe von Kindern sind, die ähnliche Probleme haben und sich insofern einmal nicht als Außenseiter fühlen müssen.

Familientherapeutische Interventionen haben primär sehr stark die familiäre Interaktion und die Funktion des auffälligen Verhaltens im familiären oder weiteren sozialen System im Auge und legen einen Schwerpunkt insbesondere auf Funktionalität und Dysfunktionalität der damit verknüpften Beziehungsgestaltung. Sie legen ihr Augenmerk daher naturgemäß vor allem auch auf die sekundären Verwerfungen in der familiären Kommunikation.

Psychoanalytisch orientierte Therapien setzen vor allem an der inneren Konfliktdynamik des Kindes an und arbeiten mit dem Kind und der Familie an einer Stabilisierung „väterlich“ grenzsetzender Strukturen, die einen sicheren Rahmen für die Entwicklung des Kindes bieten. Sie verstehen die Unruhe und Aufmerksamkeitsstörung auch vor dem Hintergrund bedrohlicher, nicht verarbeiteter und daher abgewehrter Ängste und Konflikte, als körperlichen Ausdruck der inneren Beunruhigung. Sie eignen sich besonders für die Bearbeitung der häufig mit einer ADHS einhergehenden Selbstwertproblematik, die unter Umständen mithilfe narzisstischer Größenfantasien abgewehrt wird, und bei der Behandlung komorbider emotionaler Störungen. Sie zielen auf die Stärkung und Entwicklung selbstregulativer Funktionen und affektiver Wahrnehmungs-, Steuerungs- und Verarbeitungskapazitäten anstelle einer motorischen Abfuhr der Affekte und damit auf eine bessere psychische Integration. Ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Primärsymptomatik Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität wird kontrovers diskutiert. Schwere Fälle können von einer Kombination mit einer medikamentösen Behandlung profitieren, diese beeinträchtigt aber möglicherweise die Phantasietätigkeit des Kindes, die für die Entwicklung innerer konfliktlösender Fähigkeiten wichtig erscheint.

Schließlich wird man bei häufig mit ADHS verknüpften Teilleistungsstörungen, etwa im motorischen Bereich oder in Form vorwiegend sprachlicher Teilleistungsstörungen, abzuwägen haben, ob nicht zunächst eine Förderung und Stabilisierung in diesem Bereich, etwa durch Ergotherapie, krankengymnastische Übungsbehandlung oder spezifische Lernförderung schon eine gewisse Entlastung mit sich bringen kann. Zu warnen ist vor dem Missverstehen multimodaler Therapien im Sinne dessen, dass jeder Tag der Woche mit einer anderen Form der Therapie ausgefüllt werde.

Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass eine umfassende Diagnostik zwar eine sehr hohe Expertise erfordert und einen außerordentlich hohen Aufwand mit sich bringt, dass aber andererseits nur so eine adäquate Einschätzung der häufig komplexen Problematik mit all ihren Facetten möglich ist und der Komplexität der Störung entsprechend eine angemessene Therapie geplant und eingeleitet werden kann. Eine rasche und alleinige Verordnung von Methylphenidat, gar auf der Grundlage der Angaben der Eltern, dass das Kind hypermotorisch sei und sich nicht konzentrieren könne, sozusagen ex juvantibus, ist heutzutage als obsolet anzusehen. Abgesehen davon wird man damit nicht nur den Standards heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse und möglicher therapeutischer Interventionen nicht gerecht, sondern lässt auch die betroffenen Familien und ihre Kinder mit ihrer Problematik im Grunde allein, indem man das Problem sozusagen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert: ein Transmitterproblem und dessen medikamentöse Beeinflussung. Die Kinder und ihre Familien haben ein Recht darauf, von uns Experten umfassend beraten und behandelt zu werden und sie sind in der Regel sehr froh darüber, wenn man sie in all ihren Problemen, auch den familiären und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, ernst nimmt, berät und ihnen Hilfestellung gibt, anders mit ihrer belasteten und belastenden Situation umzugehen.

Michael Günter in Kinder- und Jugendmedizin 1/2008

Montag, 4. Februar 2008

Das Gebaren einer Großmacht im Niedergang

Deutschland käme seinen Verpflichtungen in Afghanistan nur unzureichend nach, heißt es in einem Brief des US-amerikanischen Verteidigungsministers Robert Gates an seinen deutschen Amtskollegen Franz Josef Jung. Deutschland solle unverzüglich Kampftruppen in den Süden Afghanistans schicken.

Bei dem Gebaren der USA bleibt einem wirklich die Spucke weg. Zuerst überziehen sie die Welt mit einem unglaublich dreisten Gestrüpp aus Lügen und Verdrehungen. [siehe dazu auch Antistaat] Dann die verächtliche Reaktion auf das Nein Schröders mit den Anspielungen auf das »Alte Europa« und die »Gemeinschaft der Willigen« – immer daran denken: wenn Angie damals schon Kanzlerin gewesen wäre, hätten wir jetzt auch Soldaten im Irak! Dann die Schweinereien mit Halliburton, die dummen und durchsichtigen Erfolgsmeldungen (siehe meinen Post vom 25.3.2006) und das bulldozerartige Vorgehen gegenüber den Irakern, die sich die hochnäsigen Amis inzwischen großenteils zu Feinden gemacht haben. Nicht zu vergessen die Nichtbeachtung der Genfer Konvention, die unsäglichen Foltermethoden und Last but not Least Guantanamo.

Keinerlei politische Konstanz, Weitsicht oder Klugheit, immer wieder Schüsse aus der Hüfte, unhinterfragtes religiös-politisches Sendungsbewußtsein, Ignoranz und Arroganz.
Der Umgang mit politischen Partnern läßt sehr zu wünschen übrig. Es ist ein Unding, einen Botschafter nach Deutschland zu schicken, der kein Deutsch kann. Sowas gehört sich nicht.
Es gehört sich auch nicht, die Tochter des kuweitischen Botschafters vor dem Menschenrechtsausschuß des US-Kongresses und später vor dem UN-Sicherheitsrat eine tränenrührige Story über Kindsmord durch Sadam Husseins Soldaten präsentieren zu lassen. [Uni Kassel, 7. Absatz; Netzwerk Regenbogen, 11. Absatz] Die PR-Agentur Hill & Knowlton übrigens, die dieses schmutzige Spiel inszeniert hatte, erhielt später ca. 14. Millionen $ von der US-Regierung. Siehe dazu auch »Zweiter Golfkrieg: Wie eine bezahlte PR-Aktion die Stimmung in der Bevölkerung drehen sollte…« (auf wasgeschahwirklich.wordpress.com):

Faked Kuwaiti girl testimony [6:06] (siehe: Brutkastenlüge, Wikipedia)

Nayirah al-Ṣabaḥ (Arabic: نيره الصباح‎), called "Nurse Nayirah" in the media, was a fifteen-year-old Kuwaiti girl, who alleged that she had witnessed the murder of infant children by Iraqi soldiers in Kuwait, in verbal testimony to the U.S. Congress, in the run up to the 1991 Gulf War. Her testimony, which was regarded as credible at the time, has since come to be regarded as wartime propaganda. The public relations firm Hill & Knowlton, which was in the employ of Citizens for a Free Kuwait, had arranged the testimony. Nayirah's testimony was widely publicized. Hill & Knowlton, which had filmed the hearing, sent out a video news release to Medialink, a firm which served about 700 television stations in the United States. That night, portions of the testimony aired on ABC's Nightline and NBC Nightly News reaching an estimated audience between 35 and 53 million Americans. Seven senators cited Nayirah's testimony in their speeches backing the use of force. President George Bush repeated the story at least ten times in the following weeks. (Wikipedia) Full video at c-span video website. HUMAN RIGHTS VIOLATIONS IN KUWAIT, Oct. 10, 1990 The Congressional Human Rights Caucus conducted a hearing to investigate alleged Iraqi human rights violations in occupied Kuwait. Cases of rape, execution, imprisonment and the destruction of hospitals in Kuwait were heard by the committee.


Das ist alles so kurzsichtig und entsetzlich dumm! Und jetzt dieser polterige Brief: sind die denn von allen guten Geistern verlassen?
Was soll man denn von einer Politik halten, die in Kauf nimmt, daß höchste eigene Repräsentanten (u.a. Collin Powell) innerhalb kürzester Zeit bloßgestellt und der Lüge überführt werden? Was soll man von einem Staat halten, dem die eigene Glaubwürdigkeit nichts wert ist?

General Colin Powell UN Speech on Iraq Part 2of5 [14:30]

Infotext: One of the Greatest Historical Lies of the century, that makes it possible for Bush government to invade another country (with huge resources of black gold). At the end: No weapons or terrorist connections found.

Georgieboy darf es sich leisten, weil er – exakt genauso bescheuert in der Birne wie die Taliban und andere islamische Terroristen – von der eigenen Sicht der Dinge unkorrigierbar überzeugt ist. Und er kann es sich leisten, weil wir mehr weniger brav hinter ihm hermarschieren.

Man erinnere sich an die Kuba-Krise 1962, die heraufbeschworen wurde, weil die Sowjetunion Atomraketen auf Kuba installieren wollte. So haben wir’s in der Schule gelernt. Daß Chruschtschows Versuch eine Antwort auf die Stationierung von 45 auf die Sowjetunion gerichteten Atomraketen in Italien und der Türkei ab 1959 war, erschließt sich erst bei genauerer Lektüre (und wer macht das schon). Und jetzt ist es wieder soweit: Die USA wollen in Polen und Tschechien Raketen stationieren, angeblich wegen der Gefahr des Abschusses von Atomraketen aus dem Iran [Denkfabrik, Welt online].

Alle reden von den durch die 68er initiierten gesellschaftlichen Veränderungen: Damals wäre was los gewesen! Was ist jetzt los? Hunderttausende wären – wie 1982 im Bonner Hofgarten – auf die Straße gegangen und hätten protestiert. Heute, wo Geiz geil ist, wir es gern instant und light hätten und Tabubrüche zum Freizeitsport degeneriert sind, warnt unser lieber Außenminister Steinmeier vor einem neuen Wettrüsten, und wir haben ihn dafür lieb. Wir sollten Georgieboy in den Hintern treten – und zwar ordentlich, viel Zeit haben wir ja nicht mehr! Man verstehe mich nicht falsch, ob es uns gefällt oder nicht: wir brauchen die USA, aber gerade deshalb brauchen die ab und zu eins auf die Zwölf, nicht eine Kniefall-Politik à la Angie. Die Amis müssen ab und zu sehr deutlich – und zwar so, daß auch Cowboys das kapieren – die Meinung gesagt bekommen, die brauchen das, und wir brauchen sowohl das als auch die.

Siehe auch Robert de Niro

Das hier konnte ich mir nicht verkneifen…
no more bush von smithy_69

ABC's Boston Legal [Speech on America by Alan Shore] [6:48]

Hochgeladen am 09.03.2011
Character Alan Shore, an Attorney, gives an interesting speech on the status quo of the American throng. It is a thought provoking video. The some clips are from the show, some are apparently from unidentified other youtube users, to whom some credit goes, but until I can dig up the names.....
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zuletzt aktualisiert am 28.07.2014

Freeze!

Lachen ist gesund! – Die Neunte

In der Buchhandlung: – ein Mann: „Ich suche das Buch ,Der Mann, das starke Geschlecht’, haben Sie das da?“
Verkäuferin: „Schauen Sie mal hinten links, in der Märchenabteilung.“

Sie: „Mein neuer Arzt ist phantastisch! Er hat mir gesagt, was für eine schöne Haut ich als Fünfzigjährige habe! Und was für sensationelle Brüste ich habe als Fünfzigjährige! Und was für tolle Beine als Fünfzigjährige!“

Unterbricht ihr Mann sie: „Und was hat er zu deinem fünfzigjährigen Arsch gesagt?“
„Ach Gott, von dir haben wir überhaupt nicht gesprochen!“

Drei Frauen kommen an einer Liegewiese vor dem Tennisplatz vorbei. Dort liegt ein nackter Mann, der nur sein Gesicht mit einem Badetuch bedeckt hat.

Die erste Frau: „Jetzt habe ich einen Moment lang gemeint, das sei mein Mann!“
„Nein“, sagt die Zweite, „dein Mann ist es garantiert nicht!“
Darauf die Dritte: „Ja stimmt, und einer vom Tennisclub auch nicht!“
aus der Osho Times vom Februar 2008



Sonntag, 3. Februar 2008

Sieben Geheimnisse der Ehe

1. Sobald Männer verheiratet sind, arbeiten sie mehr, trinken weniger Alkohol, nehmen weniger Drogen und wechseln seltener ihren Job.

2. Ehepaare, die kein Eigenheim haben, sondern nur zur Miete wohnen, haben ein um 45 Prozent höheres Risiko, dass ihre Ehe scheitert.

3. 90 Prozent der verheirateten 30-jährigen Männer werden 65 Jahre und älter. Aus der Vergleichsgruppe der 30-jährigen Ledigen erreichten nur 75 Prozent diese Altersschwelle.

4. Laut einer Studie der Universität Utah von 150 Ehepaaren, greift Streit das Herz an. Ein aggressiver, streitsüchtiger Partner belastet demnach nicht nur das Gemüt. sondern auch die Herzkranzgefäße.

5. Verheiratete haben mehr und besseren Sex als Ledige.

6. Ehepaare streiten sich häufiger und zugleich heftiger als ledig Zusammenebende.

7. Die meisten Eheleute behandeln Fremde freundlicher als ihre eigenen Ehepartner. Das gilt natürlich besonders für unzufriedene Paare. Überraschenderweise trifft das jedoch auch auf glücklich Verheiratete zu.
(aus: Süddeutsche Zeitung) zitiert nach der Osho Times vom Februar 2008

Bayern leben länger

Laut einem Gutachten für das Bundesgesundheitsministerium werden die Männer hierzulande 76,2 und die Frauen 82,1 Jahre alt. Der EU-Durchschnitt beträgt den Männern 7,16 Jahre und bei den Frauen 82,3 Jahre.

Am längsten leben der EU-Vergleichsstudie zufolge die Bewohner Schwedens, Spaniens und Italiens. Unter den Bundesländern liegt die Lebenserwartung der Bayern am höchsten mit 76,78 Jahren bei den Männern und 82,12 bei den Frauen. Die Schlußlichter bilden Sachsen-Anhalt, das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Lebenserwartung bei den Männern 74.03 und bei den Frauen 81,09 Jahren beträgt.
aus der Osho Times vom Februar 2008

Montag, 28. Januar 2008

Privatisierung, die Nächste

Vor einiger Zeit habe ich über gegenläufige Bewegungen in den Kommunen berichtet: Einige versuchen, Privatisierungen rückgängig zu machen.
Hier ein neuer Artikel zu dem Thema.

Vivisektion des Neoliberalismus

Auf der Seite von Frau Neumann gibt’s einen guten Artikel mit einer Besprechung des Buches »Kritik des Neoliberalismus« von Christoph Butterwegge u.a..

Elektronische Gesundheitskarte, die Nächste

Kommentar von Frau Neumann zur elektronischen Gesundheitskarte:
Wenn ich nur das Argument: Vermeidung von Doppeluntersuchungen höre, kriege ich die Krätze: Von dem Geld, was die e-card kostet, kann man die ganze Republik mit Doppeluntersuchungen versorgen.

zum Artikel in der taz geht’s hier



Und Karl Lauterbach hat natürlich auch schon die Hintergründe der Ärzteproteste ausgemacht: »Da haben sich Ärztegruppen, die Transparenz im Gesundheitswesen verhindern und ihr Einkommen sichern wollen, geschickt mit idealistischen Datenschützern verbündet.« 
[Quelle: Interview Datenschutz: "Die Ärzte fürchten Transparenz", taz, 24.01.2008]
(Wahrscheinlich, wenn man den Verfassungsschutz drauf ansetzt, wird rauskommen, daß die Ärzteverbände den Chaos ComputerClub seit Jahren sponsern.)

Lieber Karl, ich kann mir gut denken, weshalb Du als promovierter Mediziner jetzt als »Gesundheitsökonom« rummachst. Dann brauchst Du Dich mit den bescheuerten Patienten nicht rumärgern und kannst auch mehr verdienen.

Montag, 21. Januar 2008

Schreiben am Mac

Schon mehrmals ist es mir passiert, daß ich im gleichen Dokument seltene Zeichen eingeben wollte, z.B. »ã«. Nirgendwo auf dem Mac finde ich die dafür notwendige Tastenkombination.
Auf folgender Seite findet sich ein Link zu einer Seite, von der man das betreffende PDF-Dokument herunterladen kann: creativemac. Ich hab’s so kompliziert gelassen, weil sich die Angaben auf englische und amerikanische Tastaturen beziehen und auf der Seite noch einige wichtige Anmerkungen und auch Fehlernotizen zu finden sind. Trotzdem, ein Anfang. (Eigentlich ist es ja peinlich!)

Hier eine kurze Übersicht über die gebräuchlisten Sonderzeichen:

Beschreibung – Tastenkombination
€ Eurozeichen – Wahl + E
@ Klammeraffe – Wahl + @
unter älteren Mac-OS-Versionen auch: Wahl + Umschalt + 1
[ öffn. eckige Klammer – Wahl + 5
] schl. eckige Klammer – Wahl + 6
{ öffn. geschw. Klammer – Wahl + 8
} schl. geschw. Klammer – Wahl + 9
| Senkrechtstrich („pipe") – Wahl + 7
\ Rückw. Schrägstr. („backslash") – Wahl + Umschalt + 7
„ öffn. dt. Anführungszeichen – Wahl + ^
“ schl. dt. Anführungszeichen – Wahl + 2 oder Wahl + Umschalt + ^
[streng genommen falsch, gefällt mir aber besser:
” schl. dt. Anführungszeichen – Wahl + Umschalt + 2]
» öffn. franz. Anführungszeichen (Giullemets) – Wahl + Umschalt + q
« schl. franz. Anführungszeichen – Wahl + q
dasselbe nur mit einem Strich (Zitat innerhalb wörtlicher Rede):
› öffn. franz. Anführungszeichen – Wahl + Umschalt + n
‹ schl. franz. Anführungszeichen – Wahl + Umschalt + b
' Apostroph – Wahl + Umschalt + #
… Elipse – Wahl + .
– Halbgeviertstrich / Gedankenstr. – Wahl + -
– Geviertstrich – Wahl + Umschalt + -

Und noch ein Link zum Herunterladen einer PDF-Datei mit einem – fast vollständigen – Tastenbefehl-Verzeichnis: nur-text.de