Sonntag, 2. Mai 2010

Der Unternehmer hat als Held längst ausgedient

Nach der Krise setzen Politik und Berater wieder auf klassische Tugenden, um Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen. Doch die Aufsteiger halten sich nicht an Textbücher, sondern folgen einem Raubtier-Instinkt: zuschlagen, wenn sich eine Chance bietet.

Michel Villette
Paris


Wie gelingt es manchen Unternehmern, ihre Firmen in wenigen Jahren von bescheidenen Anfängen mit Wachstumsraten von 200 oder gar 300 Prozent pro Jahr zu großen Imperien expandieren zu lassen?

Die offiziellen Biografien und die Theorien der Business-Schools spielen auf beispielhafte Fähigkeiten und Rezepte an. Die Ikonen der Wirtschaft werden als Visionäre gezeichnet, die von Anfang an eine innovative Idee und eine Strageie hatte die sie mit Risikobereitschaft konsequent umsetzen. Unsere Untersuchungen zeigen aber eine koplexere Wirklichkeit einen Prozess von „trial and error", von zufällig sich ergebenden Chancen, die instinktsicher gentzt wurden. Sie zeigen eine Kette improvisierter Anpassungen. Erst im Nachhinein kann man das als kohärentes Vorgehen interpretieren Die Erfahrungen von Sam Walton (Wal-Mart) und Ingvar Kamprad (Ikea) beispielsweise zeigen, wie diese Männer geschickt auf unerwartete Umstände reagiert haben.

Oft heißt es, die fähigsten Geschäftsleute seien „geborene Führer". Die Wirklichkeit zeigt eher, dass es weniger um angeborene charismatische Fähigkeiten als um ein zerbrechliches soziales Gefüge geht. Die erfolgreiche Operation A verschafft ein Maß an Autorität, das als Erfolgsversprechen in Operation B investiert werden kann. Wir sehen einen Schneeballeffekt: Erfolg verschafft symbolischen Kredit, der den nächsten Erfolg erleichtert. Doch in der Welt der Wirtschaft - anders als in Religion, Kunst oder Geistesleben - bricht diese verführerische Kraft bei einem Misserfolg sofort zusammen. Hier unterliegt das Charisma der Sanktion der Zahlen, die der Controller abliefert. Schlechte Zahlen lassen das Charisma des Führers verblassen. Wenn Wirtschaftsführer zu stark darauf setzen, neigen sie dazu, die Zahlen zu frisieren.

Manche Menschen sind davon überzeugt, man müsse von Geburt an zur höheren Gesellschaft zählen, aus einer großen Familie stammen, an einer bedeutenden Universität oder Business-School studiert haben, um im Geschäftsleben brillieren zu können: Nur der Sohn eines Bourgeois könne selber Bourgeois sein, und die Angehörigen der oberen Klassen stützten sich mit einem Netz sozialer Kontakte und Einflüsse. Der Werdegang von Vincent Bolloré (von der Logistikgruppe Bolloré) oder André Citroën stützt diese These.

Aber sie ist einseitig, denn Männer wie Sam Walton, François Pinault (von der Luxusgüter-Gruppe PPR) oder Jim Clark (Gründer von Silicon Graphics und Netscape) stammen aus bescheidenen Verhältnissen. Unten auf der sozialen Leiter nehmen die Chancen vielleicht ab, aber sie sind niemals gleich null. Uns ist aufgefallen, dass das Bildungsniveau der Chefs, die sich hocharbeiten, weit über dem liegt, das man bei der Selbsteinschätzung als „Selfmademan" erwarten würde.

Oft hört man, wirtschaftlicher Erfolg sei der Lohn der Innovation. Innovation ist geradezu ein industrielles Glaubensbekenntnis geworden, gefeiert in den Business-Schools und von der Politik ermutigt. Doch wir haben die Lebensläufe von 32 Top-Unternehmern untersucht und stellen fest: Innovation ist allgemein nicht die Ursache ihres Starterfolges. Innovation ist ein teures, riskantes, schwer zu schützendes und nur auf lange Sicht rentables Herangehen. Erst braucht man die Mittel, sie zu bezahlen und zu kontrollieren. Wir sehen Innovation eher als ein Instrument, um geschäftlichen Erfolg zu konsolidieren und fortzusetzen.


Die Bedeutung von Innovation zu betonen ist geradezu ein industrielles Glaubensbekenntnis geworden. Dabei erklärt sie in vielen Fällen den Anfangserfolg aufstrebender Unternehmer nicht.


Lässt sich etwa der Erfolg von Ikea durch Innovation erklären? In MBA-Kursen ist das Unternehmen zum Schulbeispiel dafür geworden. Ganz bewusst und methodisch sei die Firma von den ausgetretenen Pfaden der Wettbewerber abgewichen. Die Theoretiker sehen ein Genie am Werk: Ingvar Kamprad habe es zielstrebig darauf angelegt, dem Kunden den Transport und die Endmontage der Möbel aufzuhalsen und so gleichzeitig die Preise zu senken und die Profitabilität zu steigern. So konstruieren sie einen Fall, der sich an Schulen lehren lässt und Kamprads schnell entstandenem Reichtum zugleich hohe Legitimität verleiht.

Doch in Wirklichkeit war Kamprad schon ein, reicher Mann, als die Erfolgsformel erst verfeinert wurde: Sie erklärt seinen Aufstieg überhaupt nicht. Der hätte vielleicht nie stattgefunden, hätte Kamprad nicht massenhaft Möbel sehr billig aus dem kommunistischen Polen bezogen. Der Vorzeige-Unternehmer verdankt seinen ersten Durchbruch zu einem gehörigen Teil dem Kommunismus - ein Paradox, das nicht ins Lehrbuch passt.

Kamprad begann 1948, am Ort hergestellte Möbel per Versandhandel zu verkaufen. Um Transportkosten zu sparen, verpackte er sie in den 50er-Jahren in flache Kisten. Der Verband der Möbelhändler erregte sich über seine niedrigen Preise und organisierte einen Boykott: Kein Möbelhersteller durfte Kamprad mehr beliefern. Der wich nach Polen aus, wo er 1961 ein mehrjähriges Lieferabkommen mit der staatlichen Exportagentur abschließen konnte. Standardprodukte wie das Billy-Regal wurden nach seinen Vorgaben und mit seiner technischen Hilfe zu einem Viertel der schwedischen Lohnkosten hergestellt. 1971 zerstörte ein Feuer seine Lagerräume. Die hohe Versicherungsprämie erlaubte Kamprad einen kompletten Neubau nach neuer Struktur: auf der einen Seite ein Ausstellungsraum, daneben die Lagerhalle, in der die Kunden sich selber die Möbel aus dem Regal ziehen und für den Transport vorbereiten mussten. So konnte er die Kosten weiter senken. In den 70er-Jahren führte Schweden eine Reichensteuer ein. Um sein Kapital legal außer Landes zu schaffen und Steuern sparen zu können, gründete Kamprad Tochterfirmen in der Schweiz, Deutschland, Dänemark und Norwegen.

Kamprads Erfolg lässt sich also weder mit der abstrakten Logik des freien Marktes noch mit der Eleganz wissenschaftlicher und technischer Innovation erklären. Eher ist er das Ergebnis einer Reihe glücklicher Durchbrüche - und des Kommunismus, der den Korporatismus der schwedischen Möbelhändler konterte. So gesehen wirkt es fast so, als verdanke Kamprad seine Fortune weniger den Marktgesetzen als der Fähigkeit, sie geschickt zu beugen.

Häufig erlaubt erst ein vorheriger „Beutezug" die Innovation. Bernard Arnault, reichster französischer Geschäftsmann überhaupt, hat in dieser Hinsicht einen exemplarischen Parcours zurückgelegt. Als Erbe einer Industriellenfamilie hat er vom Niedergang der französischen Textilindustrie profitiert und sehr billig Fabriken gekauft. Dabei machte er sich die linkischen Versuche des Staates zunutze, Jobs in dieser Branche zu retten. Das so gewonnene Kapital hat er eingesetzt, um in einer juristisch-finanziellen Schlacht LVMH zu übernehmen und dann von der Innovation der Gründer dieser Gruppe zu profitieren, die echte Pioniere der Luxusindustrie waren.

Ein anderes bekanntes Argument lautet, dass der Unternehmer in dem Maße erfolgreich ist, in dem er bereit ist, größere Risiken einzugehen als der Rest der Gesellschaft. Sein Vermögen ist demnach der Lohn dieser Risiken. Dieses Argument ist eher eine Rechtfertigung als eine Erklärung. Mit dem Eingehen von Risiken lassen sich die großen Unternehmenserfolge nicht hinreichend erklären. Manche Geschäftsleute waren gerade deshalb erfolgreich, weil sie es im richtigen Moment verstanden, sich vor den Marktbewegungen besser zu schützen als ihre Konkurrenten. Das Beispiel Marcel Dassaults, des einzigen Flugzeugkonstrukteurs in Frankreich, der die Kontrolle über seine Firmen behalten hat, zeigt, welche Kunst das Vermeiden von Risiken ist. Claude Bébéars Vorgehen kann ebenfalls interessante Hinweise liefern für das, was wir Risikominimierung nennen.

Ein interessanter Fall ist auch Jim Clark, Gründer von Silicon Graphics und Netscape. Als er 1982 Silicon Graphics gründete, hatte er in Stanford bereits dreidimensionale Computerzeichnungen entwickelt und brachte eine Reihe brillanter Wissenschaftler mit. Doch er verstand nichts von der Kunst, ein Unternehmen zu führen, war nur von Technik besessen und wurde von den Risikokapital-Investoren bald an den Rand gedrängt.

Als er Anfang der 90er-Jahre das Unternehmen verließ und sofort ein neues gründete, hatte er seine Lektion gelernt: Diesmal würde er sein Risiko minimieren. Er und sein Team von Ingenieuren sollten den größten Teil des Kuchens bekommen, bevor die Manager und Investoren sich bedienten. Clark nannte allen Interessenten seine Bedingungen: Investoren mussten dreimal so viel für ihre Aktien zahlen wie er. Das war bis dato nicht vorgekommen, genauso wenig wie die Tatsache, dass ein Unternehmen Aktien ausgab, das außer Verlusten nichts aufzuweisen hatte. Die Regel in Silicon Valley war, frühestens nach vier profitablen Quartalen eine Erstemission zu machen. Doch Clark konnte sich durchsetzen und startete damit eine Mode, den spekulativen Internetwahn der späten 90er-Jahre.

Ein weiteres Standardurteil lautet, dass nur die Unternehmer den Aufstieg schafften, die ihren Kunden bessere Produkte und Dienstleistungen bieten. Doch in vielen Fällen waren die späteren Siegertypen am Anfang mit Blick auf die Qualität eher mittelmäßig. Die Möbel, die Ikea Anfang der 50er-Jahre per Versandhandel vertrieb, waren einfach nur schlecht. Marcel Dassaults Militärflugzeuge vor dem Zweiten Weltkrieg waren weniger leistungsfähig als die von Bréguet, seinem weniger glücklichen Wettbewerber. Dassault verstand es aber, sich gegen die Risiken hoher Entwicklungskosten und Zahlungsausfälle abzuschirmen. Die ersten Wal-Mart-Supermärkte waren scheußliche, schlecht organisierte Lagerhallen, in denen man billig Kleidungsstücke verkaufte, die in den Großstädten längst aus der Mode waren.

Kommt ein Unternehmer vor allem deshalb nach oben, weil er seine Werke effizienter gestaltet, weil er technische Verbesserungen oder eine bessere Organisation einführt? Dieses von Adam Smith begründete, von Alfred D. Chandler und Olivier B. Williamson verfeinerte Argument muss unserer Ansicht nach nuanciert werden. Manchmal steckt hinter höherer Effizienz weder ein technologischer Fortschritt noch eine überlegene Organisation, sondern schlicht ein gesenkter Lohn oder der gedrückte Einkaufspreis.

Es geht uns aber nicht darum, all die Erfolgsrezepte zu sabotieren, die an den Business-Schools gelehrt werden. Uns interessiert eine andere Frage. Warum glätten offizielle Biografien und die öffentliche Wahrnehmung die sprunghaften und widerspruchsvollen Garrieren der Topunternehmer, bis sie wie eine Ikone glänzen? Der Soziologe Maurice Halbwachs hat einen Teil der Antwort geliefert, er hat begründet, warum uns Reichtum beeindruckt: „Was die Menschen respektieren, ist nicht das materielle Vermögen an sich, sondern die Leistung, die sie seinem Besitzer zuschreiben." Wir wollen im materiellen Erfolg die gerechte Entlohnung eines vorbildlichen Verhaltens sehen.

Diese Einstellung gab es auch schon in früheren Gesellschaften. Im Falle des Adels etwa verwies der Titel, den ein Edelmann trug, auf vergangene kriegerische Heldentaten. Mit dem Aufstieg der Bourgeoisie wird dies ersetzt durch professionelle Verdienste. Fähigkeiten, Wissen und menschliche Qualitäten wurden in Berufsverbänden gepflegt: Arbeitseifer, Ehrlichkeit, Wirtschaftlichkeit, Pflichtbewusstsein, lauter Tugenden, die man befolgen sollte, um zu prosperieren. Es bestand ein stabiler Rahmen, in dem Meriten dauerhaft anerkannt wurden.


Wir klammern uns an die Vorstellung, Vermögen sei ein Ausweis tugendhaften Verhaltens. Sinnvoller wäre es, das praktische Ethos von Gründern zu untersuchen, die im Feuer der Aktion stehen.


Doch in der modernen Gesellschaft sind Marktbeziehungen anonym, soziale Bindungen lockern sich, und Organisationen entstehen und vergehen rasch. Die Verbindung zwischen Verdienst und Vermögen ist nicht mehr so offensichtlich. Man kann auch durch Erben, Raffinesse oder Glück reich werden.

Dennoch tun wir noch so, als sei ererbter oder mit Schlichen erreichter Reichtum per se tugendhaft. Ehrlichkeit zu definieren ist schwierig geworden, dennoch verhalten wir uns so, als sei die Finanzbuchhaltung der oberste Beweis für den Wert der Personen und ihres Handelns. Ich halte es dagegen für sinnvoll, die traditionellen Vorstellungen von Moral im Geschäftsleben infrage zu stellen und eine Art „praktischer Moral" zu studieren, der ein Unternehmer in der Phase des stärksten Kapitalaufbaus folgt. Es geht um eine funktionelle, ungeschriebene und oft unausgesprochene Moral, die mit den öffentlichen Moralvorstellungen nur wenig gemein hat.

Dabei geht es nicht um verbrecherische oder rechtschaffene Handlungen in der Wirtschaft, sondern um die Konzepte, denen man folgt, wenn ein Geschäft gestartet wurde und zum Abschluss gebracht werden soll, koste es, was es wolle. Es geht darum, das Ethos der Unternehmer zu verstehen, wenn sie im Feuer der Aktion stehen, ein Ethos, das wenig zu tun hat mit der Ethik, auf die sie sich am Ende ihrer erfolgreichen Karriere berufen, wenn sie bereits Mitglieder des Establishments geworden sind.

Unsere Hypothese lautet: Unternehmer sind tugendhaft in dem Sinne, in dem auch Machiavelli von „virtus" als Charakterstärke sprach oder in dem Friedrich Nietzsche von Willenskraft schrieb.

Solche Wirtschaftsführer unterscheiden sich in ihrem Geschäftsgebaren nicht unbedingt von den Respektablen. Sicher, mit dieser Betrachtungsweise fehlt der Heiligenschein, der angeblich für das gute Funktionieren der Institutionen nötig ist. Doch für diejenigen, die etwas unternehmen wollen, statt selbst übernommen zu werden, kann dieser Ansatz interessant sein.

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Michel Villette lehrt an der École des Haute Études en Sciences Sociales in Paris.

Gemeinsam mit Catherine Villermot hat er das jüngst erschienene Buch „From Predators to Icons – Exposing the Myth of the Business Hero“ geschrieben (Cornell University Press), das in den USA intensiv diskutiert wird. Bei haben vorher eine Studie zur „Soziologie des Geschäftsmanns“ für das französische Forschungsministerium erstellt.
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Das Bild vom erfolgreichen Unternehmer hat sich einem Standardmodell angepasst - vielleicht zu Unrecht.

Schon die frühen Ökonomen wie Adam Smith und Jean-Baptiste Say versuchten, die Rolle und die spezifischen Eigenschaften des Unternehmers zu beschreiben. Auf Say geht die Unterscheidung zwischen dem „Kapitalisten", der lediglich Finanzmittel für ein Unternehmen zur Verfügung stellt, und dem schöpferischen „Entrepreneur" zurück.
Der französische Begriff wurde auch ins Englische übertragen, wenn man diese Differenz verdeutlichen wollte. Auch Joseph Schumpeter (Bild unten) hat die Denkfigur eines von Ideen und dem Wunsch nach innovativem Handeln getriebenen Entrepreneurs als Gegenpart zum eher passiven Kapitalisten übernommen. In Anlehnung an seine Arbeiten wird noch heute vom „Schumpeter'schen Unternehmer" gesprochen, wenn man Eigenschaften wie Kreativität und Innovationsstärke hervorheben will.

Im Lauf der Zeit bildete sich damit das Idealbild einer Unternehmerpersönlichkeit heraus, die in dem Maß erfolgreich ist, wie sie ihre eigene Firma und damit auch die Wirtschaft im weiteren Sinne erneuert und produktiver macht und so den gesellschaftlichen Wohlstand insgesamt hebt.


Der Fokus der Business-Schools ist ein anderer, im Kern aber ähnlich: Sie lehren allgemeine Prinzipien erfolgreicher Unternehmensführung. Dazu zählen Innovationsmanagement, Qualitätskontrolle, optimale Finanzierung, Strategie, Kostenkontrolle, Effizienzsteigerung, Risikofreude. Die Annahme bleibt: Es gibt einen definierbaren Weg, der, wenn man ihn nur exakt studiert und konsequent umsetzt, jedem Fortune ermöglicht.

Villette und seine Kollegen verfolgen einen radikal anderen Ansatz. Sie negieren die einschlägigen Rezepte nicht, zeigen aber, dass viele wirklich erfolgreiche Größen der Wirtschaft ihren ersten Durchbruch anderen Fähigkeiten verdanken: nicht der fixen Vision, sondern dem Auge für eine Chance, raschem Zugriff und der Bereitschaft, komplett vom Plan abzuweichen.

aus dem Handelsblatt Nr. 40 vom 26.2.2010

Freitag, 16. April 2010

Bertelsmann und die Demokratie

zu einem Artikel auf den Nachdenk-Seiten

weitere Posts auf meinem Blog zu Bertelsmann

Mittwoch, 14. April 2010

224 Patienten pro Woche – Akkordarbeit in deutschen Praxen



















18,1mal ist ein durchschnittlicher Bundesbürger im Jahr 2008 zum Arzt gerannt. Das ist nochmals mehr als im Vorjahr (17,7 Arztbesuche) und wahrscheinlich Weltrekord, wie im letzte Woche veröffentlichten Barmer GEK Arztreport nachzulesen ist. Rein rechnerisch hat damit jeder der etwa 140.000 niedergelassenen Ärzte im vorletzten Jahr 10.735 Patientenkontakte gehabt. Das würde 224 Kontakten pro Woche entsprechen. Ungefähr zum gleichen Ergebnis kommt eine internationale Befragung von Ärzten der Primärversorgung. Hier ergab sich für deutsche Ärzte mit 243 wöchentlichen Patientenkontakten eine etwa doppelt so hohe Zahl wie für Ärzte der anderen Länder (102 USA, 154 Großbritannien). Dementsprechend war natürlich die Zeit für den einzelnen Patienten in Deutschland mit 7,8 Minuten erheblich kürzer als in allen anderen Ländern mit 11,1-9,1 Minuten.
Barmer GEK Arztreport, Januar 2010
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 4/2010

Joggen lieber barfuß? Moderne Laufschuhe schädigen die Gelenke

Moderne Laufschuhe können für die Gelenke schädlicher sein als das Joggen ohne Schuhe. Das haben US-Forscher der University of Virginia gemessen und in dem Fachblatt The Journal of Injury, Function and Rehabilitation (Bd. 1, S. 1058) der US-Akademie für Sportmedizin und Rehabilitation veröffentlicht. Die Wissenschaftler ließen 68 gesunde Sportler auf einem Laufhand trainieren – mit Schuhen und barfuß. Ergebnis: An Hüfte, Knie und Fußgelenk stellten die Experten höhere Belastungen fest, wenn die Jogger Schuhe trugen. Die Belastung für die Gelenke war den Angaben zufolge sogar höher als das Gehen auf hochhackigen Schuhen.


















Die Hüfte wurde in der Studie mit Laufschuhen durchschnittlich um 54 Prozent stärker belastet als ohne, im Knie lagen die Werte zwischen 36 und 38 Prozent. Dem Fuß gaben die Trainingsschuhe dagegen einen guten Halt. Die negativen Effekte auf die Gelenke würden wahrscheinlich zu großen Teilen von dem erhöhten Absatz und Stützmaterial unter dem Fußgewölbe verursacht, erklärten die Wissenschaftler. Beides sei charakteristisch für heutige Laufschuhe. Es sollten Laufschuhe entwickelt werden, die den Fuß stützen, ohne die Gelenke zusätzlich zu belasten, fordern die Forscher.

The effect of running shoes on lower extremity joint torques. Kerrigan DC, Franz JR. Keenan GS, DicharryJ, Della Croce U, Wilder RP. PM R. 2009 Dec;1 (12):1058-63.
Quelle: Universität von Virginia

aus Der niedergelassene Arzt 1/2010

Montag, 12. April 2010

Methylenblau gegen Rückenschmerzen?

Wenn man den Ergebnissen einer chinesischen Forschergruppe glauben darf, dann haben sie den Stein der Weisen für die Behandlung von Rückenschmerzen entdeckt. Auf alle Fälle muss man damit rechnen, dass sich viele Rückenschmerzpatienten in den Arztpraxen melden werden, sobald die Nachricht durch die Publikumspresse verbreitet worden ist.

Zwischen 28 und 43 % aller Rückenschmerzen sollen auf eine diskogene Ursache zurückzuführen sein. Dabei ist die strukturelle und biochemische Integrität der Bandscheibe durch Überlastungsschäden gestört. Die chinesischen Wissenschaftler hatten 72 Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren mit diskogenen Rückenschmerzen in zwei gleich große Gruppen unterteilt: Der einen Hälfte wurde 10 Milliliter 10% Methylenblau injiziert, die Plazebogruppe erhielt einen Milliliter physiologische Kochsalzlösung. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten wurden die Patienten im Hinblick auf Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion nachuntersucht. Anhand einer 101 Punkte umfassenden Skala (Numerical Rating Scale, NRS-101) wurde das individuelle Schmerzempfinden gemessen. Bereits nach sechs Monaten sank in der Methylenblau-Gruppe der Wert von initial 72 auf 20 Punkte (Plazebo von 67 auf 63). Und auch auf einer 100 Punkte umfassenden Funktionsskala (Oswestry Disability Index, ODI) verringerte sich der Punktwert in der Verumgruppe von 48 auf 13 (Plazebo von 49 auf 48). Die Autoren vermuten, dass durch Methylenblau die radialen Fissuren denerviert und so der Schmerz beseitigt werden.

Insgesamt zeigten sich mehr als 91 % der Patienten mit der Methylenblau-Behandlung zufrieden, in der Plazebogruppe waren es nur ca. 14%. 19 % der mit Methylenblau behandelten Patienten waren vollkommen schmerzfrei, weitere 72 % empfanden nur noch geringe Schmerzen und konnten auf Schmerzmittel verzichten. Unerwünschte Nebenwirkungen traten auch nach zwei Jahren nicht auf

In einem Kommentar warnt der britische Orthopäde Nikolai Bogduk davor, voreilige Schlüsse aus dieser Studie zu ziehen. Eine wissenschaftliche Wahrheit werde nicht durch eine einzelne Publikation etabliert. Vielmehr müssten die Ergebnisse der chinesischen Forscher nun umgehend durch andere Laboratorien überprüft werden.

Hausärzte sollten dennoch auf Nachfragen ihrer Patienten vorbereitet sein und diese auch ermahnen, nicht vorzeitig irgendwelchen Scharlatanen auf den Leim zu gehen, bevor die Resultate dieser Studie nicht mehrfach wissenschaftlich bestätigt wurden.

Peng B et al. (2010) Pain 149, 124-129
aus Der Allgemeinarzt 6/2010

Auf sowas kommen nur Chinesen, vielleicht funktioniert’s mit Indigo-Blau noch besser…


Samstag, 10. April 2010

Griechenland und seine Schulden

Das Budgetdefizit Griechenlands liegt 2009 bei 12,7 Prozent, erlaubt sind 3 Prozent. Die Staatsverschuldung macht 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, zulässig sind nach den Regeln des Stabilitätspaktes 60 Prozent. Das griechische Finanzministerium spricht von mehr als 300 Milliarden Euro Schulden, das ist etwa so viel wie der deutsche Bundeshalt 2009. (Quelle: Focus)
MSNMoney zeigt in einer Bilderstrecke erstaunliche Fakten über das Finanzgebaren in Griechenland. Daß sowas nicht gutgehen kann, erkennt schon ein Hauptschüler.
Ein paar Fakten:
- Laut Transparency International zahlten Griechen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.355 Euro Bestechungsgeld. Das Geld gaben sie aus, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen oder eine Baugenehmigung kaufen wollten. Auch die schnellere Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus verlief auf diese Weise. Geld floß auch, wenn sie die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten. Promi-Ärzte im Athener Nobelviertel Kolonaki geben laut "Bild Online" Monatseinkommen von nur 300-1000 Euro an. Zum Vergleich: schon ein Assistenzarzt verdient in Deutschland rund 3.600 Euro im Monat.
- Vor der Krise wurde laut "Bild Online" knapp 30 Prozent der griechischen Wirtschaft schwarz abgewickelt. Dem Staat entgingen dadurch 30 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer im Jahr.
- Angestellte in Griechenland zahlen 6,7 % ihres Lohnes in die Rentenkasse. Hierzulande sind es knapp 10 %. Renten in Griechenland betragen aber bis zu 95,7 % des letzten Gehaltes. Die Deutschen bekommen lediglich 43 %. In der Rentenkasse fehlen 2010 knapp 13 Milliarden Euro.
- Rund 300 Berufe wie „Fernsehansager" gelten als „schwere und ungesunde Tätigkeit", so "Bild Online". Dadurch wird ein früher Austritt aus dem Arbeitsleben gerechtfertigt. Viele Staatsdiener können laut "Zeit Online" bisher mit Anfang 50 schon in Pension gehen.
- Auf 1000 Angestellte kommen "Bild Online" zufolge 23 Streiktage. Die Deutschen kommen auf 12 Streiktage.

Dazu auch ein Interview mit Prof. Starbattay im Tagesspiegel

Freitag, 9. April 2010

Fernsehtip für starke Nerven: Aghet - ein Völkermord

Die ARD zeigt heute abend um 23 Uhr eine Dokumentation über den Völkermord der Türken an der armenischen Bevölkerung. Ein Hoch auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk!

siehe:
Wikipedia
Das Erste
Welt Online

Mittwoch, 7. April 2010

Mehr Speicherplatz für Macianer

Die Festplatte wird eng? Dann lohnt es sich, bei bardiir.net nachzuschauen.

Freitag, 12. März 2010

Geburtenkontrolle – Die „Pille“ gegen den Klimawandel

Der Optimum Population Trust ist eine gemeinnützige Organisation, die über die Bevölkerungsentwicklung auf der Welt und ihre Folgen nachdenkt. Sie hielt kürzlich in London ihren Jahreskongress ab.
Wie Prof. Judith Stephenson vom University College London ausführte, haben die missglückten Programme zur zwangsweisen Familienplanung in vergangenen Jahrzehnten insbesondere in China die Bemühungen lang überschattet. Trotzdem waren sie recht erfolgreich. Die derzeitige Prognose der UN, dass die Weltbevölkerung im Jahre 2050 9,7 Milliarden zählen wird, kann aber nur eintreffen, wenn es auf diesem Gebiet keine Rückschläge gibt. Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen. Ansonsten könnte es in 2050 auch elf Milliarden Menschen geben. Stephenson rief zur Stiftung eines globalen Fonds zur Förderung der Familienplanung auf, wie es ihn für verschiedene Krankheiten gibt.
Vielleicht rüttelt die Verantwortlichen der Hinweis auf die Tatsache auf, dass eine Kontrolle des Bevölkerungswachstums einen Schlüssel zur Kontrolle des Klimawandels darstellt. WE

BMJ 338 (2009) 792-793
aus MMW Fortschritte der Medizin

Westafrika – Die Landwirtschaft boomt – und die Malaria

Baumwolle gedeiht in Burkina Faso dem drittärmsten Land der Welt. Dazu ist es notwendig, dass die Bauern Schädlinge mit „Gift“ bekämpfen. Zur Verfügung stehen DDT oder Pyrethroide. Letztere dienen auch zur Imprägnierung von Bettnetzen, die die Schlafenden vor Malaria-übertragenden Mücken schützen sollen. DDT wird in einigen Regionen zusätzlich gegen die Anopheles-Mücken in den Räumen versprüht. Nun werden die Mücken resistent gegen die lnsektizide. Diese Entwicklung bedroht den Erfolg aller Bemühungen, die Malaria unter Kontrolle zu bringen. Ein „Drama“ ist abzusehen, wenn weiterhin in der Landwirtschaft dieselben Insektizide verwendet, wie sie zur Bekämpfung der Malaria-Mücken verwendet werden. Dann wird die Malaria immer mehr Opfer fordern, vor allem Kinder. WE

Baleta, A: Insecticide resistance threatens malaria control in Africa. BMJ 339 (2009) 1581-1582
Bestellnummer der Originalarbeit 091659

aus MMW Fortschritte der Medizin

Sterbehilfe – Leid ist schwer messbar

Qualen sind ein subjektives Phänomen. Eine Arbeitsgruppe aus Amsterdam wollte wissen, inwieweit man es quantifizieren kann und wie sich die Einschätzungen von Patient und Arzt unterscheiden.
Mit Hilfe ausführlicher Interviews von zehn Patienten, die Sterbehilfe erbeten hatten, bei denen dies aber abgelehnt oder bei denen sie trotz Genehmigung nicht ausgeführt worden war, sowie von 16 Ärzten, die mit diesen oder ähnlichen Fällen befasst waren, gewann man tiefere Einblicke. Nicht alle Patienten, die unbedingt sterben wollten, hielten ihr Leid fürwirklich unerträglich. Ihre Arzte konnten ihren Wunsch, zu sterben, dennoch nachvollziehen. Wenn die Patienten von unerträglichem Leiden sprachen, waren Ärzte öfter anderer Meinung. Patienten bezogen diese Einschätzung mehr auf psychosoziale Aspekte, Ärzte rein auf die physische Seite. Wenn z. B. ein Patient noch Bücher lesen konnte, nahmen sie ihm unerträgliche Qualen nicht ab.
Die Autoren legen den Ärzten nahe, alle Perspektiven von Leiden wahrzunehmen und ihre Einschätzung nicht auf die rein körperliche Sichtweise zu verengen. Eine nur physische Auslegung werde der weitgehend subjektiven Natur von Leiden und auch der Intention des niederländischen Sterbehilfe-Gesetzes nicht gerecht. WE

Pasman HRW et al.: concept of unbearable suffering in context of ungranted requests for euthanasia: qualitative interviews with patients and physicians. BMJ 339 (2009) 1235-7237
Bestellnummer der Originalarbeit 091657

aus MMW Fortschritte der Medizin

Ärzte-Wellness – Auch dem Doktor muss es gut gehen

Kanadische Experten weisen darauf hin, dass nach einer Studie aus ihrem Land 64% der Ärzte ihre Arbeitsbelastung als zu groß empfinden und dass 48% eine Zunahme ihrer Belastung in den letzten Jahren bemerkten. Die Arbeitszeit von Ärzten ist überdurchschnittlich hoch. Ihre Tätigkeit ist mit starken emotionalen Belastungen verbunden. Die kognitiven Anforderungen mit einer kaum zu bewältigenden Informationsflut wachsen. Folgen von so viel Stress sind oft Burnout-Syndrom und mangelhafte berufliche Leistungen.
Ärzte gehen selten zum Arzt. Wenn sie depressiv sind, suchen nur 2% professionelle Hilfe. Sie vernachlässigen ihr eigenes Wohlergehen sträflich.
Die Autoren fordern, das Wohl der Ärzte als Qualitätsfaktor des Gesundheitssystems zu sehen. Alle Beteiligten sollten nach Wegen suchen, die Gesundheit der Ärzte zu verbessern. Die Kultur der Betreuung von Ärzten muss sich ändern. Von einer Entlastung der Ärzte würden nicht nur diese profitieren, sondern auch dieAllgemeinheit, auch wenn entsprechende Maßnahmen wohl nicht umsonst zu haben wären. WE

Wallace JE et al.: Physician wellness: a missing quality indicator. Lancet 374 (2009) 1714-1721
Bestellnummer der Originalarbeit 091658

aus MMW Fortschritte der Medizin

Freitag, 5. März 2010

Bilder unseres Landes: Idar-Obersteiner Schule entstand auf freiem Feld



Die 1872 auf fast freiem Feld an der Grenze zwischen Oberstein und Idar errichtete Göttenbach-Schule diente lange als Oberrealschule. Der Bau in der Mitte der mehr als 600 Hausnummern langen Hauptstraße war eines der wenigen gemeinsamen Projekte vor dem Zusammenschluss der beiden Städte im Jahr 1933. Alle höheren Schulen wurden damals in der Schillerschule in Oberstein vereint. In die freiwerdende Göttenbach-Schule zog die Stadtverwaltung ein. Heute sind dort die Schutz- und Kriminalpolizei untergebracht. Die Bediensteten der Stadt siedelten dafür in die ehemalige Schillerschule um. Foto: Hosser
aus der Nahe-Zeitung

Der Begriff »Gymnasium« existierte in der Umgangssprache in Idar-Oberstein bis in die Mitte der 70er Jahre kaum. In Idar-Oberstein besuchte man nicht das Gymnasium, man ging »off die Gäddebach«. Erst mit Errichtung des neuen Gymnasiums auf der Heinzenwies hielt das Wort »Gymnasium« Einzug in den Idar-Obersteiner Sprachgebrauch.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Zivilisation – Net mach Mob

Computerpionier Jaron Lanier über die entwürdigenden Folgen von Internetwerbung, Mobbing im Netz und die Geburt einer unmenschlichen Digital-Religion

mehr bei SPIEGEL-Online

Dienstag, 26. Januar 2010

Sport macht geistig fitter – auch bei ersten kognitiven Defiziten

Regelmäßige körperliche Aktivität schützt vor geistigem Verfall. Eine leichte kognitive Beeinträchtigung kann durch intensives Training sogar teilweise rückgängig gemacht werden. Das ist das Ergebnis einer kontrollierten Studie mit 33 Probanden um die 70 Jahre, die an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung litten. Die Trainingsgruppe hatte sechs Monate lang viermal pro Woche für 45-60 Minuten ein intensives aerobes Training absolviert. Ihre kognitiven Leistungen verbesserten sich stärker als die der Kontrollgruppe, die nur Übungen gemacht hatte, welche die Herzfrequenz nicht erhöhten. Normalerweise haben Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung ein jährliches Risiko von 10-15%, in eine Demenz abzugleiten.
Arch Neurol 2010;67:71-79 und 80-86
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Der Duft, auf den Männer fliegen

Den Duft, auf den Männer messbar reagieren, bekommt man in keiner Parfümerie. Die stärkste Wirkung erzielt Frau mit ihrem Eigengeruch, meinen Psychologen an Florida. Sie baten Frauen während verschiedener Stadien ihres Ovulationszyklus ein T-Shirt an drei aufeinanderfolgen Tagen zu tragen. Ungetragene T-Shirts dienten zu Kontrollzwecken. Männliche Probanden wurden aufgefordert, an den Versuchshemden zu schnuppern. Vor und nach der Geruchsprobe wurde ihnen Speichel zur Testosteronbestimmung entnommen. Auf Hemdchen, die Frauen während ihres Eisprungs getragen hatten, reagierten die männlichen Versuchsobjekte mit einem signifikanten Anstieg der Testosteronwerte. Dieser Effekt ist aus Tierversuchen bestens bekannt. Was Sie, geneigter Leser, daraus schließen möchten, überlassen wir Ihnen.
Psychological Science, 2009; DOI: 10.1177/0956797609357733
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Couchpotatoes aufgepaßt – TV kann tödlich sein

Wer regelmäßig viel Zeit vor dem Fernseher verbringt, riskiert sein Leben. Einer australischen Studie zufolge erhöht jede tägliche Stunde Fernsehkonsum die Sterblichkeit um 11% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit sogar um 18%.Verglichen mit Personen, die weniger als zwei Stunden pro Tag fernsehen, haben diejenigen, die mehr als vier Stunden vor der Glotze hängen, eine um 46% höhere Gesamtmortalität und eine um 80% höhere Mortalität aus kardiovaskulärer Ursache. In der Studie waren 8800 Personen mehr als sechs Jahre beobachtet worden; in dieser Zeit hatten sich 284 Todesfälle ereignet. Die erhöhte Sterblichkeit durch langes Fernsehen betraf auch normalgewichtige Menschen.
Circulation, 11. Januar 2010, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.894824
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Wochenend bringt Sonnenschein

Vermutet haben wir das eigentlich schon immer, aber jetzt haben Psychologen der Universität Rochester den wissenschaftlichen Beweis nachgeliefert: Das freie Wochenende macht Menschen glücklich. Während der Arbeitswoche lassen die Glücksgefühle kontinuierlich nach, um am nächsten Wochenende dann wieder einem neuen Hochgefühl zu weichen. Dieses Auf und Ab der Gefühle ist unabhängig von Einkommen, Position und sozialem Status. Wesentlich sei, so meinen die Psychologen, dass man am Wochenende sein eigener Herr sei und selbstbestimmt handeln könne. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, wie eine Studie der Universität von Toronto belegt: Immer mehr Zeitgenossen bringen sich um das Wochenend- und Freizeitglück, indem sie Arbeit mit nach Hause nehmen.
J Social Clin Psvchology 2010. im Druck
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Montag, 25. Januar 2010

Gestern nacht vor 35 Jahren – 24. Januar 1975

»Das Wichtigste bei einem Solokonzert ist die erste Note, die ich spiele, oder die ersten vier Noten. Wenn sie genug Spannung haben, folgt der Rest des Konzerts daraus fast selbstverständlich.«

Die Umstände waren ziemlich widrig. Der bestellte Konzertflügel war nicht da. Der 29jährige Amerikaner hatte die Nacht zuvor schlecht geschlafen, gerade erst hastig gegessen und mußte auf einem mittelmäßigen Ersatzflügel spielen. Nur auf ausdrückliche Bitten der Veranstalterin erklärte er sich bereit, doch zu spielen. Die Tontechniker einigten sich darauf, das ausverkaufte Konzert in der Kölner Opernhalle für interne Zwecke doch mitzuschneiden. Der amerikanische Pianist paßte sich den Qualitäten des zur Verfügung stehenden Flügels an und beschränkte sich auf die mittleren und tiefen Töne. Der erste Teil beginnt mit der Melodie des Pausengongs der Kölner Oper – im Publikum ist Lachen zu hören.

Heraus kam die meistverkaufte Jazz-Soloplatte und meistverkaufte Klavier-Soloplatte. Das Doppelalbum mit 66 Minuten Spielzeit bekam den Preis der Deutschen Phono-Akademie und wurde vom Time Magazine zu einer der „Records of the Year“ gewählt. Die Verkaufszahlen liegen bei etwa 3 1/2 Millionen verkaufter CDs und Schallplatten.

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Köln, January 24, 1975, Pt. I (Live) {26:01}

Keith Jarrett – Thema
Am 24.07.2018 veröffentlicht 
Provided to YouTube by Universal Music Group
Köln, January 24, 1975, Pt. I (Live) · Keith Jarrett
The Köln Concert
℗ 1975 ECM Records GmbH, under exclusive license to Deutsche Grammophon GmbH, Berlin
Released on: 1975-11-30
Associated Performer, Piano: Keith Jarrett
Producer: Manfred Eicher
Studio Personnel, Recording Engineer: Martin Wieland
Composer: Keith Jarrett
Auto-generated by YouTube.


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Keith Jarrett gehört zu den erfolgreichsten und stilprägenden Musikern der vergangenen vier Jahrzehnte und hat vor allem durch seine frühen Solo-Konzerte maßgeblich die Vorstellung vieler Menschen von zeitgenössischer Improvisation beeinflusst. Dabei baute er ein leicht verständliches, transparentes Prinzip des freien Flusses motivisch geprägter Improvisationen aus und kultivierte es. Der große Durchbruch kam 1975 schlagartig mit der Veröffentlichung seines legendären, eigentlich unter unglücklichen Umständen stattfindenden The Köln Concert, das von der damals achtzehnjährigen Konzertveranstalterin Vera Brandes organisiert wurde. Bei Kritikern und beim Publikum war das Köln Concert ein großer Erfolg. Die Platte bekam den Preis der Deutschen Phono-Akademie und wurde vom Time Magazine zu einer der „Records of the Year“ gewählt. Die Verkaufszahlen liegen bei rund 3,5 Millionen verkaufter CDs und Schallplatten. Die Platte mit ihrem markanten weißen Cover war in vielen Haushalten zu sehen und „zierte die Plattenschränke jener Zeit wie die Poster von Che Guevara in Studentenbuden ein Jahrzehnt zuvor.“ [6] Es ist nach wie vor Jarretts bekannteste Plattenaufnahme.
[Keith Jarrett, Wirkung, Wikipedia, abgerufen am 31.01.2019]
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aktualisiert am 31.01.2019
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Pay4Performance – Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind ja einiges gewöhnt:

• Da bekomme ich von der Bezirksstellenleitung ein Anschreiben (unterzeichnet von einem Arzt) mit der Anfrage, ob ich in meiner Praxis „gegen Pandemie“ impfe.

• Da meint der Bezirksstellenleiter (ein Ökonom), daß im ärztlichen Bereitschaftsdienst nur „Erste Hilfe“ geleistet wird. Es gäbe in Deutschland keinen Anspruch auf eine allgemeinärztliche Versorgung am Wochenende. Dann kann den Dienst ja jeder Autofahrer tätigen, denn als solcher hat man eine Erstehilfeausbildung.

• Da wird uns ständig erklärt, daß wir Leistungserbringer für „Kunden“ sind. Kunde ist man nur in einer Situation, in der man freien Willens ist, frei wie der Verkäufer. Als Kranker ist diese Art der Symmetrie nicht gegeben, sie muß auf eine andere Weise hergestellt werden. Wenn ein Versicherungsvertreter seine Agentur wie ein Arzt führt, wird er Pleite gehen. Wenn ein Arzt seine Praxis wie ein Versicherungsvertreter führt, dann gehört ihm die Approbation entzogen.

Und nun diese Kampagne „Pay4Performance“!

Abgesehen von der auch hierzu erkennenden Verwirrung und Infantilisierung der Begriffe: In meiner Praxis behandele ich Patienten und mache keine Performance! Die Zielorientierung liegt eben nicht auf der Gewinnmaximierung. Aber Begriffe wie Berufsethos, humanitärer Anspruch, Mitmenschlichkeit spielen in der umsichgreifenden ökonomisierten Gedankenwelt keine Rolle mehr. Dieser zunehmenden Korrumpierung entspricht auch die Aufmachung des Artikels: fahrig wird Geld gezählt und die KV besiegelt, was richtig ist. Was für eine politbürohafte Anmaßung!

Es ist höchstrichterlich bestätigt, daß eine medizinische Behandlung keinen Werkvertrag begründet, aus dem ein vorherzubestimmender Anspruch einzulösen ist. Medizin ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft, die sich der Methoden der exakten Wissenschaften bedient! Niemand weiß, was eine richtige Behandlung ist. Wissen kann man nur, was nach derzeitigem Stand des Wissens und Gewissens die günstigste Behandlung zu sein scheint. Jede an Fremdmotivationen (hier Bezahlung, damals in der DDR u. a. Linientreue) orientierte Einschränkung des Spektrums von Behandlungsmöglichkeiten stört diesen Entwicklungsprozeß und führt korrumptions- oder ideologiehalber in Sackgassen. Wer schützt die Patienten (also potentiell uns alle) davor, daß nach Kassenlage evaluiert wird? Im Jahre 2009 kann niemand mehr ernsthaft behaupten, daß dies eine unbegründete Furcht ist.

Folge denn dem Artikel angekündigten Fehlentwicklung wird sein, daß Patienten, von derem Zustand keine lohnende „Punktzahl“ (man kann es nicht lassen!) abzuleiten ist, fürchten müssen, selektiert zu werden. Bekanntermaßen haben es heute schon oftmals die Kollegen im Notdienst schwer, „unwirtschaftliche“ Patienten in Kliniken unterzubringen.

Manfred Spitzer stellte in einem lesenswerten Editorial in der „Nervenheilkunde“ klar, daß es dieses Konstrukt des „Homo öconomicus“ in unserer Anlage für gesundes Verhalten nicht gibt. Es ist das Zerrbild des Gierhalses, der u. a. die Spielkasinos der Finanzmarkte beherrscht. Diese Gier frißt sich immer mehr in unsere Gesellschaft hinein und animiert wie ein Alkoholiker andere zum Mittrinken, um das eigene Leid und Gewissen nicht zu spüren.

Es besteht die Gefahr, daß wir Ärzte und Psychologen uns in das Bild hineinentwickeln, welches Politik und Medien auf uns projizieren. Der Artikel zeigt, wie weit dies schon vorangeschritten ist.

Leserbrief eines Arztes für Psychiatrie und Psychotherapie an das Niedersächsische Ärzteblatt (1/2010)

Einige Downloads von Manfred-Spitzer-Aufsätzen:
- Beobachtet Werden
- Überbieten - Gehirnforschung, Geld und Rettungspakete
- Geist in Bewegung
- Wir brauchen keine Computer in der Schule
- Einkaufs-Zentrum
- Liebesbriefe und Einkaufszentren bei Google-Books

nebenbei:
- Scarabis/Heinsen - Implicit diagnostics – Das Fenster zum Unbewußten öffnen

So erkennt man erfolgreiche Medizinstudenten

Belgische Forscher haben über 6oo Medizinstudenten über ihr gesamtes siebenjähriges Studium begleitet und untersucht, welche Persönlichkeitsmerkmale mit einem erfolgreichen Studium korrelieren. In den präklinischen Semestern haben besonders gewissenhafte Studenten die Nase vorn, während sich extrovertierte, gesellige Persönlichkeiten eher schwer tun. In den klinischen Semestern ändert sich das Bild: Jetzt gewinnen die extrovertierten Studenten die Oberhand – so sie denn ihr Studium vor lauter Partys bis dahin geschafft haben. Besonders günstig ist es, wenn die Extrovertiertheit mit Charaktereigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit und Altruismus verbunden ist. Gewissenhafte Studenten werden diese Phase des Studiums auch noch erfolgreich bestehen. Wer aber weder extrovertiert noch gewissenhaft ist, darf nicht auf einen guten Abschluss hoffen.
Journal of Applied Psychology 2009;94:7514-35
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 51-52

Infektionsherd Intensivstation – Keime sind häufige Todesursache

Jeder zweite Intensivpatient (51%) hat eine Infektion, 71% der Patienten werden mit Antibiotika behandelt. Diese erschreckenden Zahlen hat die weltweite EPIC-II-Studie ans Licht gebracht. An einem Stichtag wurden die Daten von 14.414 Intensivpatienten aus 75 Ländern erfasst. 62% der positiven Isolate enthielten gramnegative Bakterien, 47% grampositive und 19% Pilze. Infektionen waren umso häufiger, je länger der Aufenthalt auf der Intensivstation dauerte, und sie verdoppelten das Risiko, im Krankenhaus zu sterben.
JAMA 2009;302:2323-29
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 51-52

Einkaufsverhalten – Jäger und Sammlerinnen

Wenn Frauen shoppen, kann das Stunden dauern. Wenn Männer einkaufen, greifen sie sich das erste halbwegs passende Stück und verlassen das Geschäft fluchtartig. Forscher der Universität Michigan erklären dies mit der Evolution. Als der Mensch noch Jäger und Sammler war, übernahmen die Frauen das Sammeln, während die Männer auf die Jagd gingen. Frauen mussten ihr Sammelgut sorgfältig auswählen und Verdorbenes oder Giftiges aussortieren. Die Männer hingegen stürzten sich überfallartig auf ihre Beute und schleppten sie schleunigst heim. Wenn Ihre Frau also stundenlang Schuhe anprobiert, sollten Sie dies als Liebesbeweis erkennen. Evolutionsbiologisch betrachtet tut sie das nur, um Sie nicht zu vergiften.
J. of Social, Evolutionary & Cultural Psychol. i. pr.
Aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 51-52

Verhaltensforschung – Wie viel Haut soll Frau zeigen?

Psychologen der Universität Leeds wollten eine der dringlichsten Menschheitsfragen lösen: Wie viel Haut soll Frau zeigen, um den richtigen Mann anzulocken? Für ihre Feldstudien suchten die Forscher Nachtclubs auf, bewerteten den Bekleidungszustand der weiblichen Gäste und maßen, wie oft diese von Männern angesprochen wurden. Die meisten Kontakte konnten Frauen verbuchen, die 40% Haut entblößten. Bei der Berechnung wurden Gesicht, Hände und Füße nicht gewertet. Entblößte Arme schlugen mit 10% zu Buche. Ein nackter Torso wäre als 50% gewertet worden. 50% ist aber des Guten zu viel, warnen die Forscher. Dies locke die falschen Männer mit möglicherweise unguten Absichten an. So ganz nebenbei ermittelten die Forscher auch, wie Mann sein muss, um auf Frauen zu wirken. Am besten schneidet hier der absolute Durchschnittstyp ab: nicht zu dick und nicht zu dünn, nicht zu groß und nicht zu klein usw. Und Haut zeigen muss Mann auch nicht. Sehr beruhigend.
Behaviour 2009;146:1331-1348
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 49-50

Sonntag, 24. Januar 2010

Gesundheitsbedenken bei Genmais durch Studie bestätigt

Über gentechnisch veränderte Lebensmittel und die Firma Monsanto habe ich schon ein paarmal berichtet.

Wissenschaftler der französischen Universitäten Caen und Rouen untersuchten vor wenigen Jahren Fütterungsversuche an Ratten, die Monsanto in Auftrag gegeben hatte, und stellten signifikante Veränderungen an den Blutwerten für Leber und Nieren fest. Monsanto versuchte, die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse zu verhindern und mußte per Gerichtsbeschluß nun dazu gezwungen werden.
mehr bei Greenpeace

Hartgesottene können mal hier klicken.

Freitag, 22. Januar 2010

Die FDP, ihr Sparbuch und ihre Wahlversprechen

Wer sich gestern den Panoramabericht über das Liberale Sparbuch ansah – bezeichnenderweise nach Dieter Wedels »Gier«, dem konnte wirklich übel werden: Vor der Wahl als Möglichkeit milliardenschwerer Einsparungen gepriesen (genau: 10,5 Milliarden EUR), versinkt das Sparbuch der FDP nach der Wahl einfach in der Versenkung.



Bezeichnend das Statement der FDP-Staatssekretärin Gudrun Kopp zu den nicht umgesetzten Einsparmaßnahmen: »Ach wissen Sie, vor der Wahl und nach der Wahl…« (Videoposition 1:40)
Man achte auch auf Position 3:30 über die Anzahl der Staatssekretäre im Außenministerium.

Man gewinnt, wenn man sich unterschiedlichen Statements – vor allem von Guido Westerwelle – anhört, tatsächlich den Eindruck, daß da Leute am Machen sind, denen es vor allem um die eigenen Pfründe geht und die vor der Wahl einfach alles von sich geben, um dem potentiellen Wähler zu gefallen – eine Schmierenkömödie!

Wohltuend dagegen die Rede des zum Populisten heruntergeschriebenen Oskar Lafontaine vom 19. Januar in Saarbrücken. (Könnte es sein, daß er sich im März 1999 tatsächlich aus der Schröder-Regierung zurückzog, weil er Schröders neoliberale Wende nicht mitmachen wollte?)

Hier seine Bundestagsrede zur Finanzkrise



Montag, 18. Januar 2010

Filmtip – Shoppen

Shoppen ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Ralf Westhoff. Der Film zeigt 18 Frauen und Männer und ihre Versuche, bei einem Speed-Dating neue Beziehungs-Partner zu finden.
Beim Speed-Dating stellen sich fremde Menschen einander im Fünf-Minuten-Takt vor. Im Rennen gegen den Sekundenzeiger geht es darum, sich optimal zu verkaufen, während man den anderen taxiert.

Mehr bei Arte

Der Film wird am 2. Februar um 3:00 Uhr wiederholt.

Schmerzmittel – auch gegen Seelenschmerz?

Das Schmerzmittel Paracetamol hilft nicht nur gegen Kopfweh, sondern scheint auch Herzschmerz und verletzte Gefühle lindern zu können. Das legen zwei Studien eines US-Psychologenteams mit insgesamt 87 Freiwilligen nahe. In beiden Untersuchungen verringerte der Wirkstoff die negativen Gefühle, die durch soziale Ausgrenzung oder eine Zurückweisung hervorgerufen werden. Erklären lässt sich das wohl damit, dass sowohl körperlicher als auch sozialer Schmerz von den gleichen Hirnregionen gesteuert werden.

mehr bei Bild der Wissenschaft

Wenn sowohl körperlicher als auch seelischer Schmerz von den gleichen Hirnregionen gesteuert wird, könnte das auch eine Erklärung dafür sein, daß wir dafür das gleiche Wort benutzen.

Dank an Oster

Springer und die 68er – ein Online-Archiv

Wie das Deutschland-Radio meldet, hat der Springer-Verlag gestern ein Online-Archiv ins Netz gestellt mit fast 6.000 Artikeln aus den Jahren 1966 bis 68.

Von wem werden wir regiert – Wie käuflich ist die Regierung?

Hintergründe Über die CDU-Spendenaffäre bei der Tagesschau
und noch mehr bei Wikipedia

Die FDP handelt natürlich ebenfalls ganz uneigennützig, damals wie heute.
Da ist es doch wohltuend, wenn sich Hildegard Hamm-Brücher, die große alte Dame der FDP zu Wort meldet und ihrer eigenen Partei Klientelpolitik vorwirft. Michael Bräuninger vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut bezweifelt die Wirksamkeit der Konjunkturmaßnamen der Bundesregierung und stärkt den Verdacht, daß unter dem Deckmantel des Krisenmanagements letztlich Partei- und Machtpolitik betrieben wird.

Silke Engel bei der Tagesschau über Parteien und ihre Großspender


Mittwoch, 13. Januar 2010

Wachsen tut weh…

Raus aus der Komfortzone!


von Satyananda

• Neulich hatten wir ein Schweige-Retreat in einem einsamen Haus an der Ostseeküste. Eine bunt gemischte Gruppe versammelte sich – Menschen aus den alten und aus den neuen Bundesländern, junge und nicht mehr ganz so junge, Karrierefrauen, gestresste Geschäftsleute, aber auch solche, die im Begriff waren, aus dein Rattenrennen auszusteigen oder die es bereits hinter sich hatten. Sie alle einte das Bedürfnis, an einem stillen Ort zu sich selbst zu kommen und sich zu entschleunigen. Nicht alle waren geübte Meditierer/innen. „Ich nehme immer wieder mal einen Anlauf“, sagte Harald, ein junger Rechtsanwalt aus Thüringen, „aber meistens hin ich abends fix und fertig, wenn ich nach zwölf Stunden Hektik in der Kanzlei nach Hause komme.“

KEIN IDYLLISCHER WELLNESS-EVENT
So wie ihm ging es auch anderen in der Gruppe. „Wer regelmäßig meditieren will,“ schlug ich vor, „sollte das morgens tun – gleich nach dem Aufwachen. Dazu gehört ein bisschen Disziplin. Aber die erste halbe Stunde des Tages gehört euch allein – dann kommen die Verpflichtungen, das Unvorhergesehene, der Stress, die Hektik, und am Abend ist man so platt, dass man nicht mehr meditieren kann.“

Als wir verkündeten, dass die Tage mit Oshos Dynamischer Meditation beginnen würden, reagierten manche mit banger Neugierde. Dynamische Meditation? Chaotisches Atmen, Toben, Schreien, Weinen, Lachen, Hüpfen…

„Die Dynamische Meditation ist das größte Geschenk, das Osho den gestressten Zivilisationsmenschen des 21. Jahrhunderts hinterlassen hat“, sagte ich.

„Ehrlich gesagt“, murrte Ulrike aus Lübeck, „habe ich ein bisschen Schiss davor.“ Verständnisvolles Gelächter. Es war jetzt klar, dass das Schweigeretreat kein idyllischer Wellness-Event sein würde. Wir mussten erst mal aus der Komfortzone austreten, um dann mit uns selbst zu experimentieren. Wer schweigt, wird unweigerlich auf sich zurückgeworfen. In der Stille begegnen wir unseren Ängsten, unseren Schwächen, unseren Illusionen. Dazu gehört Mut.
Aber schon am ersten Tag erlebten die Teilnehmer, was für ein ungeheures Potenzial im Schweigen steckt. Wenn es keine verbale Kommunikation gibt, verlagert sich der Austausch ganz von selbst auf die energetische Ebene. Ein kurzer Blick, eine kleine Geste, die Aura, die Ausstrahlung sind wichtiger als tausend Worte.

Alle hatten schon bald das Gefühl, dass sie sich auf dieser Ebene viel unmittelbarer und intensiver kennenlernten und näher kamen als mit Worten. Nicht reden heißt auch Kraft sparen. Die Kraft baut sich während des Retreats auf. Sie wird jeden Tag stärker. Man kann sie geradezu mit Händen greifen. Sie macht wach und lebendig, und schon bald mündet sie in ein überwältigendes Glücksgefühl.
Leider ging das alles an Hubert völlig vorbei. Ausgerechnet an Hubert, dem Jüngsten unter uns, Jurastudent aus Heidelberg. Gleich am Anfang hatte er in der Vorstellungsrunde gesagt, dass er ein Osho Lover sei und schon viele seiner Bücher gelesen habe. Trotzdem hatte er keinen leichten Start in der Gruppe.


WENN DAS SCHWEIGEN SCHWERFÄLLT
Er fiel auf, weil er immer wieder versuchte, andere Teilnehmer in Gespräche zu verwickeln. Die wollten sich aber lieber an die Spielregeln halten und ließen ihn abblitzen. Schließlich versuchte er in der Küche ein Gespräch mit der Köchin in Gang zu bringen. Aber auch die zeigte sieh nicht gesprächig. Zur Dynamischen Meditation kam er zu spät.
Am zweiten Tag war dann Schluss. Eine Teilnehmerin kam zu mir und flüsterte aufgeregt: „Hubert reist ab!“

Ich machte mich auf die Suche nach Hubert und fand ihn vor der Tür des Hauses im Mantel und mit gepacktem Koffer – abreisebereit.

„Du willst abreisen?“, fragte ich und spürte, dass er furchtbar aufgeregt war.
„Ich halte das nicht länger aus! Ich kann nicht mehr.“

„Was hältst Du nicht aus?“
„Das Schweigen, Mann! Das ist einfach zu viel für mich. Ich hin hier hergekommen, weil ich meditieren wollte. Auf Schweigen habe ich keinen Bock. Ich will mich austauschen mit anderen Menschen, die auch meditieren.
„Aber du wusstest doch, dass das ein Schweige-Retreat ist, oder?“

„Nee, das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Vielleicht habe ich es auch verdrängt. Jedenfalls habe ich mir das Retreat anders vorgestellt.“
„Wie denn?“
„Na, jedenfalls nicht so, dass man sieh gegenseitig anschweigt. Besonders bei den Mahlzeiten … diese bedrückende Stille. Es kommt mir so vor, als wenn meine Eltern nicht mehr mit mir reden.“

„Aha“, dachte ich, „jetzt wird es spannend.“
„Soll ich dir mal eine Erfahrung aus meinem eigenen Leben erzählen?“, fragte ich Hubert.

„Was denn?“, fragte er etwas irritiert zurück.
„Ich habe immer nur in schwierigen Situationen etwas dazugelernt. Wenn es mir gut ging, wenn ich auf der Erfolgswelle surfte, hatte ich keine Lust, etwas in meinem Leben zu verändern. Ich war schon Fünfzig, als ich endlich begriffen habe, dass ich mich aus der Komfortzone herausbewegen muss, wenn ich mich innerlich entwickeln will.“
Hubert winkte ab: „Da bin ich schon drüber raus. Und weißt du was? Ich bin der Neue Mensch! Ich meditiere wie Buddha und genieße wie Zorba. Ich mache grundsätzlich nur noch das, was mir Spaß macht!“

Ich nahm Hubert in den Arm und sagte: „Okay, Junge, dann wünsche ich dir viel Glück und eine gute Heimreise. Schade, dass du gehst. Komm wieder …!“

www.hierjetzt.de
aus der Osho-Times 01/10

Donnerstag, 7. Januar 2010

Viele entlassene Guantanamo-Häftlinge unter Terror-Verdacht

Die Zahlen sind alarmierend und befeuern die Kritik an der von US-Präsident Obama versprochenen Schließung Guantanamos: Jeder fünfte aus dem Lager entlassene Gefangene steht laut einer neuen Statistik wieder unter Terrorverdacht - oder ist bereits rückfällig geworden.
mehr:
- Guantanamo – Immer mehr Ex-Häftlinge schließen sich Terrorgruppen an (SPON, 07.01.2010)

mein Kommentar:
Wundert sich einer?
Seltsame Logik: Erst werden sie weggesperrt, weil sie unter Terrorverdacht stehen, dann dürfen sie nicht wieder rausgelassen werden, weil sie Terroristen werden könnten.

"Pelzig hält sich" (vom 4. Dezember 2012) - ZDF (4/4) {15:23}

WiSoLePo - Wissen Sozial Leute Politik
Am 06.12.2012 veröffentlicht
Die komplette Sendung vom 4. Dezember 2012.
Zu Gast:
Grünen-Politiker Fritz Kuhn,
Publizist und Fernsehmoderator Roger Willemsen
und
Klimaforscher Mojib Latif.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitra...
Tags:
Talk Show Talkshow "Erwin Pelzig" "Frank Markus Barwasser" Sendung Gast Gäste Grünen Politiker "Fritz Kuhn" Publizist Fernsehmoderator "Roger Willemsen" Klimaforscher "Mojib Latif"


Mittwoch, 6. Januar 2010

Von was für Leuten werden wir regiert? – Tony Blair

Tony Blair und das irakische Öl

Die Gründe für den Irakkrieg haben Bush und Blair fabriziert, der ehemalige britische Regierungschef kann nun für den "Erfolg" kassieren und auch am irakischen Öl verdienen.

mehr bei Telepolis

Dienstag, 22. Dezember 2009

Geburt Christi

Hättest du der Einfalt nicht, wie sollte
dir geschehn, was jetzt die Nacht erhellt?
Sieh’, der Gott, der über Völkern grollte,
macht sich mild und kommt in dir zur Welt.

Hast du dir ihn größer vorgestellt?

Was ist Größe? Quer durch alle Maße,
die er durchstreicht, geht sein grades Los.
Selbst ein Stern hat keine solche Straße.
Siehst du, diese Könige sind groß,

und sie schleppen dir vor deinen Schoß

Schätze, die sie für die größten halten,
und du staunst vielleicht bei dieser Gift –:
aber schau in deines Tuches Falten,
wie er jetzt schon alles übertrifft.

Aller Amber, den man weit verschifft,

jeder Goldschmuck und das Luftgewürze,
das sich grübend in die Sinne streut:
alles dieses war von rascher Kürze,
und am Ende hat man es bereut.

Aber (du wirst sehen): Er erfreut.

aus: Das Marien-Leben, 1912
Rainer Maria Rilke

Die drei dunklen Könige

von Wolfgang Borchert

Er tappte durch die dunkle Vorstadt. Die Häuser standen abgebrochen gegen den Himmel. Der Mond fehlte, und das Pflaster war erschrocken über den späten Schritt. Dann fand er eine alte Planke. Da trat er mit dem Fuß gegen, bis eine Latte morsch aufseufzte und losbrach. Das Holz roch mürbe und süß. Durch die dunkle Vorstadt tappte er zurück. Sterne waren nicht da.

Als er die Tür aufmachte (sie weinte dabei, die Tür), sahen ihm die blaßblauen Augen seiner Frau entgegn. Sie kamen aus einem müden Gesicht. Ihr Atem hing weiß im Zimmer, so kalt war es. Er beugte sein knochiges Knie und brach das Holz. Das Holz seufzte. Dann roch es mürbe und süß ringsum. Er hielt sich ein Stück davon unter die Nase. Riecht beinahe wie Kuchen, lachte er leise. Nicht, sagten die Augen der Frau, nicht lachen. Er schläft.

Der Mann legte das süße, mürbe Holz in den kleinen Blechofen. Da glomm es auf und warf eine Handvoll warmes Licht durch das Zimmer. Die fiel hell auf ein winziges rundes Gesicht und blieb einen Augenblick. Das Gesicht war erst eine Stunde alt, aber es hatte schon alles, was dazu gehört: Ohren, Nase, Mund und Augen. Die Augen mußten groß sein, das konnte man sehen, obgleich sie zu waren. Aber der Mund war offen, und es pustete leise daraus. Nase und Ohren waren rot. Er lebt, dachte die Mutter. Und das kleine Gesicht schlief.

Da sind noch Haferflocken, sagte der Mann. Ja, antwortete die Frau, das ist gut. Es ist kalt. Der Mann nahm noch von dem süßen, weichen Holz. Nun hat sie ihr Kind gekriegt und muß frieren, dachte er. Aber er hatte keinen, dem er dafür die Fäuste ins Gesicht schlagen konnte. Als er die Ofentür aufmachte, fiel wieder eine Handvoll Licht über das schlafende Gesicht. Die Frau sagte leise: Kuck, wie ein Heiligenschein, siehst du? Heiligenschein! dachte er, und er hatte keinen, dem er die Fäuste ins Gesicht schlagen konnte.

Dann waren welche an der Tür. Wir sahen das Licht, sagten sie, vom Fenster. Wir wollen uns zehn Minuten hinsetzten. Aber wir haben ein Kind, sagte der Mann zu ihnen. Da sagten sie nichts weiter, aber sie kamen doch ins Zimmer, stießen Nebel aus den Nasen und hoben die Füße hoch. Wir sind ganz leise, flüsterten sie und hoben die Füße hoch. Dann fiel das Licht auf sie. Drei waren es. In drei alten Uniformen. Einer hatte einen Pappkarton, einer einen Sack. Und der dritte hatte keine Hände. Erfroren, sagte er, und hielt die Stümpfe hoch. Dann drehte er dem Mann die Manteltaschen hin. Tabak war drin und dünnes Papier. Sie drehten Zigaretten. Aber die Frau sagte: Nicht, das Kind. Da gingen die vier vor die Tür, und ihre Zigaretten waren vier Punkte in der Nacht. Der eine hatte dicke umwickelte Füße. Er nahm ein Stück Holz aus einem Sack. Ein Esel, sagte er, ich habe sieben Monate daran geschnitzt. Für das Kind. Das sagte er und gab es dem Mann. Was ist mit den Füßen? fragte der Mann. Wasser, sagte der Eselschnitzer,, vom Hunger. Und der andere, der dritte? fragte der Mann und befühlte im Dunkeln den Esel. Der dritte zitterte in seiner Uniform: Oh, nichts, wisperte er, da sind nur die Nerven. Man hat eben zuviel Angst gehabt. Dann traten sie die Zigaretten aus und gingen wieder hinein.

Sie hoben die Füße hoch und sahen auf das kleine schlafende Gesicht. Der Zitternde nahm aus seinem Pappkarton zwei gelbe Bonbons und sagte dazu: Für die Frau sind die.

Die Frau machte die blassen Augen weit auf, als sie die drei Dunkeln über das gebeugt sah. Sie fürchtete sich. Aber da stemmte das Kind seine Beine gegen ihre Brust und schrie so kräftig, daß die drei Dunklen die Füße aufhoben und zur Tür schlichen. Hier nickten sie nochmal, dann stiegen sie in die Nacht hinein.

Der Mann sah ihnen nach. Sonderbare Heilige, sagte er zu seiner Frau. Dann machte er die Tür zu. Schöne Heilige sind das, brummte er, und sah nach den Haferflocken. Aber er hatte kein Gesicht für seine Fäuste.

Aber das Kind hat geschrien, flüsterte die Frau, ganz stark hat es geschrien. Da sind sie gegangen. Kuck mal, wie lebendig es ist, sagte sie stolz. Das Gesicht machte den Mund auf und schrie.
Weint er? fragte der Mann.

Nein, ich glaube, er lacht, antwortete die Frau.

Beinahe wie Kuchen, sagte der Mann und roch an dem Holz, wie Kuchen. Ganz süß.

Heute ist ja auch Weihnachten, sagte die Frau.

Ja, Weihnachten, brummte er, und vom Ofen her fiel eine Handvoll Licht auf das kleine schlafende Gesicht.

Die Weihnachtsgans

von Marie Branowitzer-Rodler

In einem Vorort von Flensburg lebten in der hungrigen Zeit nach dem Krieg zwei nette alte Frauen. Damals war es noch bannig schwer, für Weihnachten einen Festbraten zu kriegen. Nun hatte aber eine der beiden Frauen die Möglichkeit, bei einem Bauern für Zeug eine magere aber springlebendige Gans umzutauschen. In einem Korb verpackt, brachte Fräulein Agathe das Tier nach Hause. Und sofort fingen sie und ihre Schwester an, auf die Gans aufzupassen und sie zu mästen.
Die beiden Frauen hatten eine Wohnung zur Miete im zweiten Stock. Und keiner im Haus wußte, daß in einer der Stuben der Schwestern ein Federvieh hauste, das verwöhnt, gefüttert und großzügig aufgezogen wurde. Agathe und Emma nahmen sich vor, keinem Menschen etwas davon zu sagen. Und das aus zwei Gründen: erstens gibt es neidische Leute, die sich keine Gans leisten konnten, und zweitens wollten die Frauen um nichts in der Welt die Gans, wenn sie dick und fett und fein gebraten ist, mit näheren Verwandten teilen. Darum hatten die beiden in den sechs Wochen bis zu dem 24. Dezember auch keinen Besuch mehr. Sie lebten nun bloß noch für die Gans.
Und so kam dann der Morgen des 23. Dezember heran. Es war ein klarer, feiner Wintertag. Die ahnungslose Gans stolzierte vergnügt herum – ihren Korb in der Küche nahe der Schlafstube der beiden Schwestern – und war ordentlich am Schnattern. Die beiden Frauen mochten sich nicht anschauen. Nicht, daß sie böse aufeinander waren, das natürlich nicht. Nein, nun war die Frage, wer die Gans schlachten sollte.

„Das tust du!“ sagte Agathe, stand vom Bett auf, zog sich schnell an, nahm den Kuhkopf-Korb, ließ ihre schimpfende Schwester stehen und ging aus der Wohnung. Was sollte unsere arme Emma tun? Diese knurrte vor sich hin und dachte, ob sie nicht ihren Nachbarn fragen sollte, die Gans um die Ecke zu bringen. Doch diesen Gedanken ließ sie wieder fallen, denn sonst hätte man in diesem Jahr auch einen großen Teil von der Gans abgeben müssen. Sie nahm sich ein Herz und machte sich an das greuliche Unternehmen, nicht ohne dabei lauthals zu heulen.
Als Agathe nach einer ganzen Zeit wieder nach Hause kam, lag die Gans auf dem Küchentisch und der lange Hals bummelte über die Tischkante. Er war bloß nicht zu sehen, dafür aber zwei alte nette Frauen, die sich heulend in den Armen lagen.
„Wie… wie… “, heulte Agathe los, „Wie hast du das bloß gemacht, Emma?“ „Mit… mit… VERONAL!“ heulte Emma. „Ich habe ein paar von deinen Schlaftabletten aufgelöst und in das Futter gegeben und nun ist sie … huhu … tot. Aber rupfen mußt du sie… huhu… “ Aber weder Emma noch Agathe konnten sich dazu entschließen. In der Küche stand der leere Korb, da war keine Gans mehr, die schnatternd „Guten Morgen“ sagte. Und so saßen die beiden eng umschlungen auf dem Sofa und heulten sich aus. Endlich nahm sich Agathe zusammen und fing an, den noch warmen Vogel zu rupfen. Eine Feder nach der anderen flog in den Papiersack, der von Emma festgehalten wurde. Und dann sagte Agathe: „Emma, du nimmst die Gans nun aus“, und ging in die Wohnstube, setzte sich auf das Sofa und heulte in das Kissen. Emma lief ihrer Schwester nach und sagte einfach, daß könnte sie nicht tun. Daraufhin wurden sich die beiden einig, denn es war nun schon spät am Abend, das Unternehmen von der Gans auf den anderen Tag zu verschieben.
Am nächsten Tag wurden Agathe und Emma in aller Frühe aus dem Schlaf gerissen. Mit einem Ruck saßen die beiden Frauen gleichzeitig senkrecht im Bett und schauten mit großen Augen nun auf die offene Küchentür. Und wer kam da hereinspaziert? Eine ulkige, leise schnatternde Gans, die am ganzen Leib zitterte und bebte!

Diese Geschichte ist tatsächlich wahr, aber das kommt noch besser. Als ich am Weihnachtsabend den beiden Frauen noch schnell ein kleines Päckchen bringen wollte, da kam mir doch wahrhaftig eine vergnügt schnatternde Gans entgegen, die ich aber bloß am Kopf erkennen konnte, denn das ganze Tier steckte in einem warmen Pullover, den die beiden Frauen in aller Eile für ihren Liebling zusammengestrickt hatten. Diese Pullover-Gans hat noch sieben Jahre gelebt und ist dann eines natürlichen Todes gestorben.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

David hackt Goliath

Es liegt in der Natur des Menschen, daß einem David sympathisch ist, zumal in diesem Fall Goliath ziemlich doof gewesen sein muß.

mehr beim Ersten

Dienstag, 15. Dezember 2009

Jedes Jahr mehr?

1973 – der erste Bericht des Club of Rome war noch nicht so alt (»Grenzen des Wachstums«), sagte mir ein Mit-Unterprimaner: »Das Problem ist ja nicht nur, daß es immer mehr sein muß. Es muß immer mehr mehr sein.«

mehr bei Telepolis

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Deutsche und die Medizin

18 Arztkontakte pro Jahr hat durchschnittlich jeder Deutsche. Damit sind wir Weltmeister (der europäische Durchschnitt liegt unter der Hälfte dieser Zahl!). Wir haben die kürzesten Kontaktzeiten zwischen Arzt und Patient (30% unter dem europäischen Durchschnitt). Fast die Hälfte unserer Bevölkerung hat mindestens eine chronische Erkrankung, 70% sind es bei den über 70-Jährigen. 56% der chronisch Kranken nehmen fünf und mehr Medikamente.
aus einem Rundschreiben des Deutschen Hausärzteverbandes

Montag, 7. Dezember 2009

RSS-Ticker, ein nützliches Firefox-AddOn



Mit ein bißchen Gefummel wird man es wohl auch in anderen Browsern unterbringen können, das Internet hat da ja viele Infos.

Freitag, 4. Dezember 2009

DIAGNOSTIK – Das Bauchgefühl der Hausärzte

Erfahrene Hausärzte haben ein Gespür dafür, wie ernst es um ihre Patienten steht. Auch wenn die Diagnose noch gar nicht gestellt ist. Mit diesem „Bauchgefühl“ der Hausärzte haben sich jetzt Forscher der Universität Maastricht, Niederlande, näher beschäftigt. Demnach können bei Allgemeinärzten einerseits Alarmglocken schrillen, obwohl es noch keinen gesicherten Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung gibt. In diesen Fällen wird der Arzt eine besonders umfassende Diagnostik einleiten, um nichts zu übersehen. Es gibt aber auch Fälle, in denen das Bauchgefühl dem Hausarzt signalisiert, dass keine akute Gefahr besteht, obwohl die Diagnose noch nicht bekannt ist. In weiteren Studien wollen die Niederländer herausfinden, wie zuverlässig das Bauchgefühl arbeitet, wie es sich diagnostisch nutzen lässt und welche Faktoren dieses besondere hausärztliche Gespür beeinflussen.
BMC Family Practice, 2009; (in press)

MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009

CHRONISCHE SCHMERZEN – Schulter unter Beschuss

Bei chronischen Schulterschmerzen sind Bewegungsübungen sinnvoller als eine Schockwellen-Therapie. In einer Studie mit 104 Patienten mit Schulterbeschwerden seit mindestens drei Monaten verglichen Wissenschaftler aus Oslo beide Methoden. Nach 18 Wochen berichteten 64% der Patienten, die wöchentlich zweimal an krankengymnastischen Übungen teilgenommen hatten, über eine Besserung ihrer Beschwerden. In der Gruppe der Patienten, die einmal wöchentlich eine extrakorporale Schockwellentherapie erhalten hatten, war es nur jeder Dritte.
BMJ vom 16.9.2009

MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009


INFEKTIONSGEFAHR? – Der Duschkopf als Bakterienschleuder

Bakterien scheinen in Duschköpfen ein ideales Biotop vorzufinden: Forscher von der University of Colorado stellten bei der Untersuchung von Duschen in neun US-Großstädten teils bedenkliche Konzentrationen verschiedener opportunistischer Erreger fest. Mithilfe von Gensonden wurde u. a. mehrfach Mycobacterium avium gefunden, ein Erreger von atypischen Lungenentzündungen. Die Bakterien-Konzentrationen in den Duschköpfen waren mehr als hundertfach höher als im Leitungswasser. Die Autoren schließen ein Gesundheitsrisiko für Patienten mit Immunschwäche oder Atemwegserkrankungen nicht aus.
PNAS 2009, doi: 10.1073/pnas.0908446106
MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009

ARZNEIVERORDNUNGS-REPORT 2009 – Warum steigen die Ausgaben immer noch?

Obwohl die Zahl der Verordnungen nur geringfügig zugenommen hat, hat die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2008 5,3% mehr für Arzneimittel ausgegeben als im Vorjahr. Damit liegen die Arzneimittelkosten 5 Mrd. Euro über den Kosten für ärztliche Behandlung. Der Ausgabenanstieg 2008 erklärt sich vor allem durch einige wenige kostenintensive Arzneimittelgruppen: Angiotensinhemmstoffe (+113 Mio.), Antidiabetika (+125 Mio., Immuntherapeutika (+429 Mb.) und Tumortherapeutika (+235 Mio.). Dies macht 6% des Kostenanstiegs von 1,4 Mrd. Euro aus.

Arzneiverordnungs-Report 2009, Springer-Verlag Berlin Heidelberg
MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009

Multitasking – Nein danke!

Kostenloser PDF-Download bei Schattauer

Zitat:
»Multitasker haben größere Schwierigkeiten, irrelevante Reize aus der Umgebung oder aus ihrem Gedächtnis zu ignorieren sowie einer irrelevanten Aufgabe nicht nachzugehen.«

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Gruppendynamik – Glück en Gros

Gefühlszustände können mit Signalen wie der Mimik oder bestimmten Handlungsweisen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wie sich Glücklichsein in einem sozialen Netzwerk ausbreitet, erforschten amerikanische Wissenschaftler.

Zugrunde lag wieder einmal die Gemeinde Framingham mit ihrem Heart-Study-Kollektiv. 4739 Teilnehmer wurden zwischen den Jahren 1983 und 2003 beobachtet. Das Glück wurde auf einer Skala anhand von vier Kriterien festgemacht.

Man konnte „Cluster“ von glücklichen und unglücklichen Menschen in der Gemeinschaft feststellen. Es bestanden Verbindungen zwischen glücklichen Menschen über drei Stufen (zu den Freunden der Freunde von Freunden). Menschen im Zentrum eines solchen Netzwerks hatten die größte Chance, auch künftig glücklich zu sein.

Statistische Modelle führten zu dem Schluss, dass sich Glücklichsein in der Gemeinschaft ausbreitet und dass sich nicht etwa glückliche Menschen zusammenfinden. Ein Freund, der innerhalb einer Meile lebt und glücklich wird, erhöhte Chance anderer Menschen seiner Umgebung, glücklich zu werden, um 25%; beim nächsten Nachbarn sind es 34%. Keine solchen Interaktionen stellte man bei Menschen am selben Arbeitsplatz fest. – Nach diesen Ergebnissen ist Glücklichsein, ähnlich wie Gesundheit, ein kollektives Phänomen. WE

Fowler JH et al.: Dynamic spread of happiness in a large social network: longitudinal analysis of the Framingham Heart Study social network. BMJ 338 (2009) 23-28
Bestellnummer der Originalarbeit 091236


aus Praxis-Depesche 12/2009

Mein Unwort des Jahres: „Schweinegrippe”

Mein Unwort des Jahres 2009 heißt: „Schweinegrippe”! Die Diskussionen über das neue H1N1-Virus folgen offenbar immer weniger medizinischen oder naturwissenschaftlichen Überlegungen, sondern werden durch gesundheitspolitischen Aktionismus, Populismus, Weltanschauung und Medienrummel bestimmt.

Wenn früher ein Patient mit den Symptomen Husten, Schnupfen und Fieber in die Sprechstunde kam, wurde er mit der Diagnose „Virus infekt“ und der Rezeptur von palliativ wirkenden Medikamenten (plus Virustatikum bei nicht geimpften und gefährdeten Patienten und/oder bei Sekundärinfektion mit einem Antibiotikum) nach Hause geschickt mit der strikten Auflage, Kontakt zu anderen Personen möglichst zu meiden, sich körperlich zu schonen und nach einer Woche wieder die Arbeit aufzunehmen. Wenn heute ein solcher Patient kommt, blinkt auf Anordnung der Politiker und der Endemie-Experten die rote Warnleuchte „Schweinegrippe” – und Arzt und Arzthelferinnen laufen mit Mundschutz und Handschuhen verkleidet wie die Marsmenschen durch die Praxis. Meldungen an das zuständige Gesundheitsamt werden abgefasst – ohne dass sich an der Therapie irgend etwas ändert: abwartendes Beobachten ist angesagt!

Wenn in den typischen Wintermonaten jeden Tag drei bis vier Dutzend Patienten mit Husten, Schnupfen und Fieber in die Praxis kommen – wie soll ich denn dann wissen, wer das neue H1N1-Virus aquiriert hat und wer „nur normal” virusinfiziert ist? Schnelltestungen sind ungenau und sollen nicht mehr stattfinden – Rachenabstriche sollen Problemfällen vorbehalten werden. Ergebnisse treffen aus den überlasteten Labors ohnehin erst mit Verspätung ein.

Doch halt – solche Patienten sollen nach einer Empfehlung meiner KV oder entsprechender Experten nach Möglichkeit gar nicht erst in die Praxis kommen, sondern sollen per Hausbesuch (wie eigentlich?) herausgefiltert werden. Am besten also in Erkältungszeiten lieber gleich die Praxis schließen und mit einem rollenden Praxis-Ambulatorium durch die Straßen fahren! Wer denkt sich eigentlich solche Empfehlungen für den praktischen [tolles Wort, Kommentar von mir] Praxisalltag aus?

Schweinegrippe – Aktionismus, Populismus, gesundheitspolitische Schnellschüsse, Tummelfeld für Medizinexperten, Spielwiese für theoretisch zwar sinnvolle aber praktisch unbrauchbare und kaum realisierbare Vorgaben an uns Vertragsärzte? Mein persönliches Unwort des Jahres 2009 heißt Schweinegrippe! Bleibt nur zu hoffen, daß mein persönliches Unwort des Jahres nicht durch ein weiteres zu diesem Thema abgelöst wird, das da heißen könnte: „Impfung gegen Schweinegrippe”!

Dr. med. Michael Drews,
Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Badearzt, Mölln i. Lbg.

aus Praxis-Depesche 12/2009

Donnerstag, 26. November 2009

Antibiose macht Darmflora über Monate platt

Eine Antibiotika-Therapie macht im Darm oft erst einmal Tabula rasa: Ein Drittel der dort vorhandenen Bakterien wird z.B. durch eine Ciprofloxacin-Therapie dezimiert. Und nicht nur das: Bis sich die Flora wieder ganz erholt hat, also die ursprüngliche Besiedelung wiederhergestellt ist, kann es bis zu sechs Monate dauern. Dies haben US-Forscher herausgefunden, nachdem sie den Darmbewuchs von drei Probanden vor und nach einer fünftägigen Antibiose gentechnisch unter die Lupe nahmen.
Sie stellten dabei nicht nur die Reduktion, sondern auch eine Verschiebung in den Häufigkeiten der verschiedenen Bakterienarten fest: Häufiges war auf einmal selten, seltenes häufiger. Diese geänderte Zusammensetzung könne die Gesundheit noch lange Zeit beeinflussen, so die Forscher.
PLoS Biology 2008, 6:e280
Zitiert nach CME 11.2009

Donnerstag, 19. November 2009

Na endlich… Die Scheinobjektivität der Zahlen

Mitte der 80er Jahre begannen deutsche Krankenhäuser, die Diagnoseverschlüsselung nach ICD (damals noch ICD 9) zur Pflicht zu machen, seit 2000 ist die Diagnoseverschlüsselung nach ICD (inzwischen ICD 10) Pflicht im gesamten deutschen Gesundheitswesen, auch festgelegt im fünften Buch des Sozialgesetzbuches. Von Anfang an erwartete ich, daß sich die Krankenkassen und die Politik eine Möglichkeit zur Mengensteuerung der medizinisch erbrachten Leistungen erhoffen würden, was ich auch heute noch für nicht realisierbar halte.
Was aber nicht heißt, daß es trotzdem versucht wird: Seit 2003 wird in den deutschen Krankenhäusern das sogenannte DRG-System (da sind ICD und ein weiteres Verschlüsselungssystem, das OPS, integriert) als Berechnungsgrundlage zur Leistungsvergütung eingeführt. Und jetzt kommt das, wo ich die ganze Zeit drauf gewartet habe: man stellt fest, daß die Diagnosen inflationieren. Komisch! Immer mehr Leute bekommen immer mehr und immer kränkere Diagnosen. Kann man sich gar nicht erklären…

mehr bei SPIEGEL-Online

Vor kurzem rief eine Krankenkasse bei mir an und bot mir die kostenlose Schulung zur Überprüfung meiner ICD-Diagnosen an. Immer wieder werde ich in den Mitteilungen der Kassenärztlichen Vereinigung dazu ermahnt, alle Diagnosen anzugeben und keine zu vergessen. Hurra Deutschland!

Dienstag, 10. November 2009

Von was für Leuten werden wir regiert?

Eine neue Reihe…


1. Folge: Nicolas Sarkozy

Weihnachtsbasar der Waldorfschule

Feinde auf allen Seiten

Thilo Sarrazins Polemik und ihre Folgen für die politische Kultur

Die demokratische Kultur in Deutschland ist bei weitem nicht so reif, wie dies gerne behauptet wird. Dies zeigen die emotionsgeladenen Reaktionen auf die Polemik des Bundesbank-Vorstandes Thilo Sarrazin gegen »integrationsunwillige« Araber und Türken.

Die 51 Prozent der Bundesbürger, die Sarrazin laut einer Umfrage zustimmen, fühlen sich in ihren Aggressionen gegen Zuwanderer bestätigt. Zumal konservative Gazetten den Bundesbanker zum Helden hochschreiben, der endlich mutig ausgesprochen habe, was mal gesagt werden müsse. Für die multikulturelle Szene und die Vertreter der Zuwanderer ist Sarrazin dagegen ein Volksverhetzer und Rassist. Seine Polemik habe das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zuwanderern erst richtig beschädigt. Und zu alledem sieht eine verängstigte Bundesbank-Spitze ihre Institution blamiert und hat Sarrazin mit dem Entzug von Kompetenzen bestraft.

All dies hat nicht viel mit einer souveränen demokratischen Kultur zutun. Gäbe es sie, würde die Bundesbank (und die Öffentlichkeit) auch einen äußerst umstrittenen Spitzenbeamten einfach ertragen. Schließlich lebt die Demokratie von der freien Meinung. Und die rechten Kritiker der Zuwanderung müssten endlich zur Kenntnis nehmen, dass die meisten Zuwanderer dieses Land bereichern und mit der Integration keine Probleme haben. Es ist schlechter Stil, auf die Ausnahmen zu verweisen und dann über alle herzuziehen.

Die Multikultis und die Vertreter muslimischer und jüdischer Verbände haben sich zwar zu Recht mit den Zuwanderern solidarisiert. Gleichzeitig wollen sie aber in ihrer Solidarität oft nicht wahrhaben, dass es durchaus Zuwanderer gibt, die die deutsche Kultur aggressiv ablehnen. Hauptschullehrer erleben dies täglich.

Dieses Problem gilt es zu lösen. Doch genau dazu hat die Debatte nicht beigetragen. Im Gegenteil. Sie hat Selbsttäuschungen und Feindbilder verstärkt, unter denen vor allem jene Zuwanderer leiden, die sich um Integration bemühen. • Wolfgang Kessler
mehr:
- Feinde auf allen Seiten (Wolfgang Kessler, Publik Forum, 19.10.2015)
siehe auch:
- Klasse statt Masse (Frank Berberich, Thilo Sarrazin, Lettre International, Herbst 2009)

Ausschnitt aus dem Interview mit der Zeitschrift Lettre
noch ein Ausschnitt mit den diskutierten Äußerungen im Auswanderer-Blog
ein Aufsatz von Christian Staas bei der ZEIT
ein Aufsatz von Axel Hildebrand beim Stern
Sarrazin-Artikel bei der ZEIT

Der Crash hat nichts verändert






















Frank Lehmann
, langjähriger Börsenberichterstatter der ARD, hat den Werteverfall als Hauptursache der Finanzmarktkrise bezeichnet. Mit der Globalisierung seien die Wertesystee zertrümmert und der Markt »zur neuen Religion« erkoren worden. Als weitere Ursachen nannte Lehmann das »Erfinden neuer Produkte durch schöselige Finanzdsigner«. Das Gefährlichste seien jedoch die »im Vorhinein zugesicherten Boni« gewesen. Diese hätten die Investmentbanker dazu verleitet, nur noch an ihren persönlichen Profit zu denken. Trotz der gewaltigen Verlust der Geldhäuser habe sich seit dem Crash kaum etwas verändert. Die Märkte befänden sich in einer »neuen Gierphase«.
aus Publik-Forum 21/2009