Montag, 24. Dezember 2012

Iran und die Atombombe



Warum der Iran nicht auf die Atombombe aus ist

—————————————20 Gründe von Hossein Mousavian—————————————

Auf Einladung der Körberstiftung und im Rahmen des IPPNW-Medienprojekts Dialog statt Bomben” war Hossein Mousavian, ehemaliger Verhandlungsleiter des Iran bei der IAEO, im Oktober zu Gast in Berlin. Im Folgenden drucken wir seine Rede in gekürzter Fassung.


1 Die IAEA hat seit 2003 mit mehr als 100 unangekündigten Inspektionen die stärksten Kontrollen ihrer Geschichte durchgeführt, ohne dass Belege dafür gefunden wurden, dass nukleares Material in ein Waffenprogramm umgeleitet wird.

2 Das US-National Intelligence Estimate hat 2007 und 2011 festgestellt, dass Iran kein aktives militärisches Atomprogramm hat.

3 Ayatollah Khamenei hat in einer Fatwa den Gebrauch nuklearer Waffen und anderer WMDs für Sünde erklärt.

4 Daher hat Iran auf den Einsatz von Chemiewaffen durch Saddam Hussein in den 80ern gegen Iran nicht mit gleichen Mitteln geantwortet.

5 Nach Einschätzung Irans würde der Besitz einer Atomwaffe höchstens zu kurzfristigen strategischen Vorteilen führen, weil Staaten wie Ägypten, Türkei und Saudi-Arabien nachziehen würden.

6 Die Iranische Entscheidung für noch zu entwickelnde moderne Zentrifugen des Typs IR-2m statt für ein Festhalten an den schon vorhandenen Modellen IR-1s und IR-2s belegt, dass es Iran nicht darum geht, so schnell wie möglich waffenfähige Urankapazitäten herzustellen.

7 Die Aktivitäten, von denen im Report der IAEA von November 2011 die Rede ist, sind kein Hinweis auf ein Waffenprogramm.

8 Iran ist sich darüber im Klaren, dass das Erreichen nuklearer militärischer Kapazität Russland und China dazu bewegen würde, sich den USA und ihren Sanktionen gegen den Iran anzuschließen und damit die iranische Ökonomie schwer zu beschädigen.

9 Der Besitz der Atomwaffe würde der von Iran angestrebten technologischen Kooperation mit den industriell weit entwickelten Staaten im Wege stehen.

10 Das größte Hindernis für eine erstmals 1974 von Iran vorgeschlagene atomwaffenfreie Zone Naher Osten ist Israel, ein Land mit Hunderten Sprengköpfen, das nicht Unterzeichnerin des Atomwaffensperrvertrags ist.

11 Iran ist nicht im Besitz von WMD und hat alle diesbezüglichen Konventionen unterschrieben.

12 Der frühere Direktor der IAEA Mohamed el-Baradei stellte fest: „Ich habe nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass der Iran im Sinne des Aufbaus militärischer Nuklearanlagen und militärischer Anreicherung aufrüstet.”

13 Iran erkennt an, dass das Erreichen des Status eines Atomwaffenstaates Israel Argumente liefern würde, in den USA und der internationalen Gemeinschaft mit der angenommenen Bedrohung für seine Existenz für einen Kriegsbeginn in der Region zu werben.

14 Während der Verhandlungen zwischen Iran und der EU-3 hat Iran 2003-2005 folgende Vorschläge gemacht: Kappung der Anreicherung bei 5 %, Exportieren überschüssiger Kapazitäten angereicherten Urans oder Verarbeitung in Brennstäben, Annahme des Zusatzprotokolls, Zulassung spontaner Kontrollen nuklearer Anlagen durch die IAEO sowie die Verschiffung schwach angereicherten Urans (LEU) ins Ausland, um dort Brennstäbe für den Teheraner Forschungsreaktor herzustellen. Die EU hat alle Angebote unter dem Druck der US-Politik abgelehnt.

15 Der stellvertretende IAEA-Generalsekretär Herman Nackarts bekam im August 2011 eine umfassende Besuchserlaubnis für sämtliche Nuklearanlagen. Das iranische Angebot, die Besuchserlaubnis ohne Beschränkungen im Austausch für die Aufhebung der Sanktionen gegen Iran auf fünf Jahre auszudehnen wurde vom Westen abgelehnt.

16 Im Sommer 2011 hat Iran den Russischen Stufenplan begrüßt, den EU und USA aber abgelehnt haben.

1 7 Die Vorwürfe, Iran hätte Nuklearmaterial gesammelt, um eine Bombe herstellen zu können, entbehren einer Grundlage. Allein für den Betrieb seines einzigen AKW Busher braucht Iran 27 Tonnen 3,5 %-iges Uran jährlich, von denen er bislang nur 7 t herstellen konnte.

18 Die Atomverhandlungen drehten sich vor allem um den Vorwurf, Iran würde auf 20% anreichern. Iran hat aber zweimal – im Februar 2010 und im September 2011 – angeboten, die Anreicherung einzustellen, wenn Iran dafür 20 %-iges Uran in Brennstäben erhält. Das wurde vom Westen abgelehnt.

19 Die 20 %-ige Anreicherung ist keine Hochanreicherung, sondern wird von der IAEA als LEU eingestuft.

20 Seit den frühen 90er Jahren behauptet Israel immer wieder, dass Iran in Kürze im Besitz der Bombe wäre.

Das komplette Papier finden Sie im Internet unter: http://bit.ly/PYhav3

(Quelle: Wikipedia)



Hossem Mousavian war Verhandlungsleiter des Iran bei der IAEO.







aus ippnw-forum, Dezember 2012

Weihnachtsgedicht



When the snow falls wunderbar,
and the children happy are.
When the Glatteis on the street,
and we all a Glühwein need.
Then you know, es ist soweit,
she is here, the Weihnachtszeit.

Every Parkhaus is besetzt,
weil die people fahren jetzt.
All to Kaufhof, Mediamarkt,
kriegen nearly Herzinfarkt.
Shopping hirnverbrannte things,
and the Christmasglocke rings.

Mother in the kitchen bakes,
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks.
Daddy in the Nebenraum,
schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum.
He is hanging off the balls,
then he from the Leiter falls.

Finally the Kinderlein,
to the Zimmer kommen rein.
And it sings the family
Schauerlich: "Oh, Chistmastree!"
And then jeder in the house,
is packing the Geschenke aus.

Mama finds unter the Tanne,
eine brandnew Teflon-Pfanne.
Papa gets a Schlips and Socken,
everybody does frohlocken.
President speaks in TV,
all around is Harmonie.

Bis mother in the kitchen runs,
im Ofen burns the Weihnachtsgans.
And so comes die Feuerwehr,
with Tatü, tata daher.
And they bring a long, long Schlauch,
and a long, long Leiter auch.
And they schrei - "Wasser marsch!",
Christmas now is in the Arsch.



Heute für fünfzig Jahren – 24.12.1962: Beate Uhse eröffnet den ersten Sex-Shop der Welt

Ihr Anwalt hatte Beate Uhse geraten, den Heiligabend als Eröffnungstermin zu wählen, weil er hoffte, daß sich die Empörung der Bürger an Weihnachten in Grenzen halten würde. Bis 1992 wurden 2.000 Anzeigen gegen ihr Geschäft eingereicht.



Als Deutschland mit der Post kam (SPIEGEL Online)
Spießer, laßt die Triebe sprießen (über die Verfilmung ihres Lebens mit Franka Potente in der Hauptrolle, SPIEGEL Online)



Die Lust-Macherin (ZEIT)
Erotik-Pionierin mit Bundesverdienstkreuz (RP-Online)
Beate Uhse – Die Pilotin, die zur Erotik-Queen aufstieg (motivationsgeschichten)




Zitat:
»Der kostbarste Besitz einer Frau ist die Phantasie des Mannes«



weitere Folgen auf youtube

Der Große Krieg und der kleine Frieden


 Zu Weihnachten 1914 ereignete sich an der Front in Flandern, was jeden militärischen Befehlshaber in Panik versetzt: Die sich in den Schützengräben gegenüberliegenden Soldaten schossen nicht mehr aufeinander, sie legten ihre Waffen nieder und feierten im Niemandsland gemeinsam Weihnachten. Vor allem Briten und Deutsche sangen zusammen Weihnachtslieder, tauschten Getränke und Zigaretten aus und lieferten sich hier und da sogar ein Fußballmatch. Und das ohne Befehl, ja gegen den ausgesprochenen Willen ihrer Kommandeure. Es wird geschätzt, dass etwa 100.000 Soldaten diesen weihnachtlichen Frieden feierten. Die Generäle waren entsetzt und drohten mit drakonischen Strafen für den Fall, dass dieses wiederholt würde. In der deutschen Presse wurde das Ereignis nicht erwähnt, da es in keiner Weise der Kriegspropaganda entsprach. 

 Die Soldaten beider Seiten waren Anfang September 1914 in der festen Erwartung in den Krieg gezogen, dass sie Weihnachten als siegreiche Helden wieder in der Heimat sein würden. Stattdessen lagen sie sich zu den Feiertagen wie seit Monaten in verheerenden Materialschlachten gegenüber.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Vor 196 Jahren – 1816: Das Lied »O du fröhliche« entsteht

Ein großer Trost für Waisenkinder 

 Eine wahrlich feierliche Geschichte um die Nächstenliebe liegt dem Ursprung eines der beliebtesten und meistgesungenen Weihnachtslieder zugrunde: Das Weimarer Ehepaar Caroline und Johannes Daniel Falk kümmerte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufopferungsvoll um Waisenkinder, die von Not und Hunger getrieben durchs Land zogen. Die Falks, die selbst sieben Kinder verloren hatten, gaben den Waisenkindern zunächst in ihrem eigenen Heim ein neues Zuhause: Herr Falk unterrichtete sie in Lesen und Schreiben, seine Frau besorgte die notwendigen Geldmittel. Als sich immer mehr notleidende Kinder einfanden, richteten sie eine »Tafel« ein und begründeten damit praktisch die Jugendsozialarbeit. 
»O du fröhliche«, Druck nach einem Holzschnitt, 1884

 Zu Weihnachten 1816, nach einer unerwarteten, großzügigen Gabe für die Waisenkinder, dichtete Falk das Lied »O du fröhliche«, ein befreundeter Pfarrer legte eine sizilianische Melodie darunter und am Weihnachtsfest jenes Jahres erklang es erstmals in der mildtätigen Institution in Weimar. Die heute gesungene Form des Weihnachtslieds ist eine Bearbeitung aus den 1820er-Jahren. 

 Johannes Daniel Falk (1768-1826) 
evangelischer Theologe 
 gründete in Weimar die »Gesellschaft der Freunde in Not« 
 richtete im Rettungshaus einen Zufluchtsort für Kinder ein 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Adventsrätsel (das Letzte von vierundzwanzig)

Es schnaubt und heult die Straße herauf 
und hat doch keine Lunge. 
Es leckt den Schnee wie Butter auf 
und hat doch keine Zunge.
Auflösung zu Nr. 23
Auflösung zu Nr. 24

Auflösung zu Nr. 24 von 2013:
vier, die anderen sind abgebrannt

Die Welt wird verwandelt von der Phantasie der Liebenden

Seinebrücken, 1954

Keine Krippe, keine Hirten, keine Felder. Nein, die Seine­brücken (1954) sind kein Weihnachtsbild, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten Blick erschließen sie sich als ein sehr zeitgemäßes Bild einer geweihten Nacht: Die Dinge ereignen sich über den Dächern von Paris. Ein Kind – geboren aus der Liebe und Sehnsucht seiner Eltern, die in leuchtendes Blau getaucht die Basis des Bildes legen – ist zur Welt gekommen. Auf dem Rücken eines geheimnisvollen Phönix, dessen Unsterblichkeit gerade auch die jüdische Phantasie zu vielen Paradieslegenden an­regte, schwebt das Kind an der Brust und im Arm seiner Mutter wie ein feuriger Lichtblick über dem Dunkel der modernen Metropole. Es ist ein Bild der alten und immer frischen und erfrischenden Kraft von Liebe und Leben. Im hintergründigen Strahlen von Chagalls Gemälde leuchtet jene Geschichte nach, die davon erzählt, wie Gott Hand und Fuß bekommt und zur Welt kommt, in dem kleinen Kind eines jungen Liebespaares.


Ein Lichtblick 

es ist dunkel 
manchmal ist unsere welt 
gefährlich dunkel 
da möchte man sich nicht mehr 
auf die straße wagen 

tödlich dunkel kann unsere weit sein 
wer das nicht weiß 
der weiß wenig 

vor uns ein lichtblick 
ein alter mann malt so 
mare chagall 

er ist ein prophet 
er prophezeit 
in bildern 
in farben 

er träumt 
und hofft 
und glaubt 
und liebt 
und malt 

für diesen malenden propheten 
ist das liebespaar 
zum symbol 
der zukunft 
zum symbol einer neuen 
menschenwürdigen welt 
geworden 

wir haben nichts mehr zu erwarten 
von dieser welt 
weder von der technik 
noch von der wirtschaft 

wir haben nur noch viel zu erwarten 
von der phantasie der liebenden 
aller liebenden 
sie wird unserer tristen welt 
neu farbe geben 
aus der Phantasie der liebenden 
entsprang immer schon der himmel

Wilhelm Willms


Sonntag, 23. Dezember 2012

Sendetermine Jesse Stone

In der Chronologie der erste Film: Knallhart (Night Passage), 2006

www.fernsehserien.de/jesse-stone/sendetermine



Adventsrätsel (das Dreiundzwanzigste von vierundzwanzig)

Welches Wort von vorn genommen 
bleibt Dir gleichfalls umgekehrt 
immer in der Not willkommen 
und von ganz demselben Wert?
Auflösung zu Nr. 22

Auflösung zu Nr. 22 aus 2013:
B und R

Samstag, 22. Dezember 2012

Die werden doch wohl nicht langsam schlau?!

Ein Aufruf amerikanischer Filmschauspieler



Laut SPIEGEL gerät die amerikanische Waffenlobby massiv in die Kritik





aus Bowling for Columbine

Alle Jahre wieder: meine gesammelten Weihnachtsposts


- Vorweihnachtliches
- Die Geschichte vom Lametta
- Das Licht der Hoffnung
- Friede im Krieg
- Ohne Worte beten
- Dr. Oetker’s Bhagwan-Pulver
- Geburt Christi
- Die drei dunklen Könige
- Die Weihnachtsgans
- Der Aschenbecher
- Frohe Weihnachten!
- Seit wann gibt es Adventskalender?
- Einfach da…



Zusammen sind wir nicht allein

Mutterschaft, 1912-13

Zusammen

was nimmst du mit auf die Insel deiner Träume
sind es Wünsche, sind es Fragen
ein paar Fotos in Erinnerung alter Freunde
ein Buch aus Kindertagen

läufst ein letztes Mal durch deine Straßen
hältst dich an dir fest
kannst nicht bleiben, kannst nicht lassen
stöberst nach dem Rest

willst du fort, gehst du fort
nimmst uns mit auf deine Reise
irgendwo ist ein Ort
da denk an uns in guter Weise

wir sind alles, was wir sind
hatten sie gesagt
doch jetzt geh, bleib nicht Kind
geh nur, denn es tagt

zusammen
sind wir nicht allein
werden eine Insel sein
die dich schützt und die dich hegt
sind der Boden, der dich weiter trägt

zusammen
einzeln und frei
wirst du diese Insel sein
wirst sie finden, wirst sie lieben
wirst dann ganz bei dir zu Hause sein

halt nicht fest, lass es gehn
es gibt so viele Farben
irgendwann wirst du sehn
verblassen selbst die Narben

du bist alles, was du bist
hatten sie gesagt
doch jetzt geh und vergiss
geh nur, denn es tagt

zusammen
sind wir nicht allein
werden eine Insel sein
die dich schützt und die dich hegt
sind der Boden, der dich weiter trägt
zusammen
einzeln und frei
wirst du diese Insel sein
wirst sie finden, wirst sie lieben
wirst dann ganz bei dir zu Hause sein

Klaus Hoffmann




„Ich bin ein Kind und Mama eine Königin.” Es gibt ein unausgesprochenes Geheimnis zwischen Chagalls Mutter und ihrem Erstgeborenen. Er ist ihr Königskind und sie die unumschränkte Herrscherin im Land seiner Kindheit. Mit dem Bild Mutterschaft (1912/13) setzt er ihr ein Denkmal, aber nicht ihr allein. Überproportional groß steht die Mutter auf der Mittelachse des Bildes – halb Madonna, halb Babuschka, eine jener russischen Spielzeugpuppen, die schon Kinder lehren, dem ersten Augenschein zu misstrauen, weil in deren Innern immer neue Holzfiguren wie Schalen ineinander gesteckt sind. In ihrer Mitte, die ziemlich genau auch die Mitte des Bildes ist, findet sich aber keine neue Puppe, sondern ein kleiner Junge, der durch sie zur Weit kommen will. 
Diese Welt beschreibt Chagall mit sparsamsten bildnerischen Mitteln. Getaucht in das alles beherrschende freundlich leuchtende Rot der Liebe, erinnert die rechte untere Bildhälfte an sein Geburtshaus. In der engen und zugigen Bretterbude hatte er Geborgenheit und Glück auf eine Weise erfahren, die er auch als erwachsener Mann nie vergaß und die ihn stets mit tiefer Dankbarkeit erfüllte. Über dem Haus schwebt der Kopf eines Mannes. Er dürfte an Chagalls Vater erinnern, jenen einfachen Mann, der – wie Chagall in seiner Autobiographie schreibt – nichts galt, weil er unschätzbar wertvoll war. Als Entsprechung findet sich in der linken unteren Bildhälfte ein Bauer mit einem Ochsengespann – möglicherweise Marcs Onkel Neuf, der bei dessen Großeltern etwa 50 km entfernt von Witebsk lebte. Hier verbrachte Marc einen anderen wichtigen Teil seiner Kindheit. 
Chagalls Familie war bitterarm, aber sie vererbte ihm einen Reichtum, der ihn wirklich zum König seines Lebens werden lies – sie lehrte ihn die Kunst zu lieben und einfach zu leben. Das blieb Chagall immer eingeschrieben – was und wo immer er auch war, ob als hungernder junger Maler in Petrograd oder weltberühmter Künstler in Saint-Paul-de-Vence an der Côte d’Azur. Wenn der Augenblick kommt, wo einer gehen muss – was nimmt er mit? Was bleibt von dem, was einer zu besitzen meint: Fast ist es, als ob Marc Chagall uns mit den Worten seines berühmten jüdischen Glaubensbruders Martin Buber antwortet: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.” Das Einzige, was im Leben wirklich zählt, dessen A und O, Ausgangspunkt und Ziel, sind feinfühlige und liebevolle Beziehungen. Und das Wenige, was bleibt, ist ein Stück Heimat tief in unserem Herzen – jener Ort ohne Land, an dem Menschern sind, die uns lieben und die dafür Sorge tragen, dass wir werden, was wir sind, und sich unser Bestes entwickelt und entfaltet zum Wohl der Welt.



Für ein veganes Weihnachten

Danke an Fr. W!



Adventsrätsel (das Zweiundzwanzigste von vierundzwanzig)

Ohne daß ich Füße hätte, 
eil' ich fort in schnellem Lauf, 
höre Tag und Nacht nicht auf 
und bin stets im Bette.
Auflösung zu Nr. 21

Freitag, 21. Dezember 2012

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Um sie herum, 1945

Der Mann im Mond 

Der Mann im Mond hängt bunte Träume, 
die seine Mondfrau spinnt aus Licht, 
allnächtlich in die Abendbäume, 
mit einem Lächeln im Gesicht. 

Da gibt es gelbe, rote, grüne 
und Träume ganz in Himmelblau. 
Mit Gold durchwirkte, zarte, kühne, 
für Bub und Mädel, Mann und Frau.

Auch Träume, die auf Reisen führen 
in Fernen, abenteuerlich. 
– Da hängen sie an Silberschnüren! 
Und einer davon ist für dich. 

Mascha Kaléko


Das Bild trägt den Titel Um sie herum. Es entsteht 1945 nach einer der größten persönlichen Krisen in Chagalls Leben. Mit dem Tod seiner Frau Bella am 2.9.1944 wird es dunkel um den Maler, das Leben wird ihm unerträglich, das Sein sinnlos. Chagall legt Pinsel und Palette aus der Hand, seine Farben trocknen ein. Fast ein Jahr vermag er nicht mehr zu malen. 
Doch dann malt er dies: Es ist nicht das Bild eines Abschieds, sondern eher schon das Bild eines neuen Anfangs – ein Bild, das birgt, was bleibt zwischen ihm und seiner verstorbenen Frau. Chagall malt es über den Ent-wurf eines Zirkusbildes. Wie ein Zauberer oder Jongleur hebt der verstörte und fast kopflose Künstler eine Kristallkugel in die Mitte der Leinwand. In ihr malt er im sanften Mondlicht ihre gemeinsame Heimat, das russische Städtchen Witebsk wie eine Erinnerung, die wieder heil und rund werden will. 
Um diesen ruhenden Pol herum ist viel Bewegung im Bild. Es gibt eine aufsteigende Linie von rechts unten und rechts oben. Bella, seine Frau, steigt ins Bild und lehnt an der kristallenen Kugel, als ob sie diese schützen würde. Über ihr schwebt ein fliegendes Brautpaar, Sinnbild der Leichtigkeit der Liebe und der Intensität einer Verbindung, der auch der Tod nichts anzuhaben vermag. Diese Liebe bleibt, nichts kann sie zerstören. Sie ist eine Kraft, die von unten ins Bild aufsteigt, aus dem erfahrenen, gelebten, auch erlittenen Leben. Diese Bewegung wird mit dem absteigenden Salto einer Akrobatin, die vom Himmel kommt, zu einer Spirale, die wiederum ins Zentrum des Bildes zurückführt. Die Akrobatin ist vom Entwurf des ursprünglichen Zirkusbildes stehen geblieben. Mit ihren Fingerspitzen berührt sie die Kristallkugel. Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart kommen so miteinander in Berührung und werden zu einer einzigen großen Bewegung, in der das Leben und die Geschichte der Beiden geborgen ist. 
Es ist ein Bild, wie es nur das Leben selber malen kann: voller Schmerz und Hoffnung, voller Wunden und Wunder. Ich empfinde es als Einladung, mich versöhnt, vorbehaltlos und zuversichtlich der unerträglichen Leichtigkeit des Seins anzuvertrauen.



Adventsrätsel (das Einundzwanzigste von vierundzwanzig)

Man schlüpft in ein Loch,
kommt aus dreien heraus;
und ist man heraus,
so ist man erst drin.
Auflösung zu Nr. 20


Auflösung zu Nr. 20 aus 2013:
78 mal (12+1+2+3+4+5+6+7+8+9+10+11)

Kritikpunkt 1 zur Lösung des Adventsrätsels 20 aus 2013:
Es heißt: »…hat zwölf geschlagen.«
Dann dürfen diese zwölf Schläge nicht mitgezählt werden, weil sie schon vergangen sind.
Die Frage »wie häufig bis um elfe?« impliziert die Zeitangabe »ab jetzt«
und nicht die Zeitangabe »ab vor einer Minute«!

Kritikpunkt 2:
Es heißt: »wie häufig bis um elfe…?«
Unter Berücksichtigung von Kritikpunkt 1 hat die Uhr um eine Minute vor 11
55mal geschlagen (1+2+3+4+5+6+7+8+9+10)
Das Zusammenzählen geht so übrigens einfacher:
10+(1+9)+(2+8)+(3+7)+(4+6)+5
(siehe: »der kleine Gauß«)
Wenn wir davon ausgehen, daß um Punkt 11 die Uhr mit dem ersten der elf Schläge beginnt,
finden zehn dieser Schläge nach 11 Uhr statt.
Meine Lösung lautet daher: 55+1=56

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Heute vor 201 Jahren – 20. Dezember 1812: Der erste Band von Grimms Märchen erscheint.

Es waren einmal zwei Brüder 

 »In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien.« Mit diesen Worten beginnt »Der Froschkönig«, das erste der 86 Märchen, die heute vor 200 Jahren, am 20. Dezember 1812, unter dem Titel »Kinder- und Hausmärchen« von den Brüdern Grimm dem Leser vorgelegt wurden. Die später durch einen zweiten Teil erweiterte Sammlung wurde zu einem großen Erfolg. Märchen wie »Schneewittchen«, »Hänsel und Gretel« oder »Rotkäppchen« gehören seit Generationen zu den Geschichten, die wohl jedes Kind kennt. 


Titelillustration der Kinder- und Hausmürchen, Ausgabe um 1905

Weitere Märchen des 1. Bandes
 Frau Holle 
 König Drosselbart
 Rumpelstilzchen 
 Hans im Glück 
 Die sieben Raben  

 Die beiden Sprachwissenschaftler Jacob und Wilhelm Grimm betonten im Vorwort, bei den Märchen handele es sich um »echt hessische Märchen«, die im Wesentlichen mündlich überliefert seien und ihren Ursprung in nordischen und deutschen Mythen hätten. Wie die Forschung mittlerweile weiß, war dem nicht so: Einige Märchen kommen aus anderen Ländern, manche stammen wohl aus der Feder der Grimms selbst. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Siehe auch den Artikel »Göttinger Sieben« bei Wikipedia

Adventsrätsel (das Zwanzigste von vierundzwanzig)

Bald ist es lang, bald ist es kurz,
doch sei nicht bang, es ist immer einen Fuß lang.
Auflösung zu Nr. 19