Donnerstag, 6. November 2014

Christopher Nolans Weltraum-Abenteuer: Der letzte Amerikaner

Abschied vom Individuellen - der beste Science-Fiction seit "Matrix": Christopher Nolans großartiges Weltraum-Abenteuer "Interstellar"

Alles spielt in der Zukunft des 21. Jahrhunderts, genaue Jahreszahlen werden nie genannt. Der Held ist zu Beginn des Films ca. 40 Jahre alt, am Ende 120. Die Rettung der Erde ist keine Option mehr. Aber Christopher Nolan, der Labyrinthenbauer des Gegenwarts-Kinos, hat hier einen Film pro Wissenschaft, pro Aufklärung gedreht, der zugleich durchzogen ist von libertärem Staatsverdacht. Immerhin sind die Roboter sarkastisch und können alles, auch wenn sie aussehen wie ein Kühlschrank aus den späten Sechzigern. So wie einst "2001 - A Space Odyssey" ein Zeitalter der Depression einleitete, könnte dieser Film eine Zeit des Utopischen, eine Wiederkehr der Wissenschafts- und der Zukunftsgläubigkeit einleiten.

Do not go gentle into that good night, all days you should burn and rave at close of day. Rage, rage, against the dying of the light.
Dylan Thomas

Eine lange Reise in die Nacht und der Aufstand des Menschen gegen die ewige Dunkelheit. Das ist ganz wörtlich gemeint in diesem Film, denn in "Interstellar" geht es um eine jahrelange Reise in die unendlichen Weiten unseres Sonnensystems, irgendwohin weit hinter den Ringen des Saturn. Eine Reise durch sogenannte "Wormwholes" und "schwarze Löcher", über gekrümmte Horizonte und fünf Dimensionen. Ein Abenteuer, ein Märchen gewiß.

mehr:
- Der letzte Amerikaner (Rüdiger Suchsland, Telepolis, 06.11.2014)


INTERSTELLAR | Trailer #3 deutsch german [HD] [2:22]

Veröffentlicht am 05.08.2014
http://youtube.com/vipmagazin | "Interstellar" (Trailer deutsch german) | Filminfos: http://goo.gl/YM3oOm | Kinostart: 06.11.2014
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Offizieller deutscher Kino-Trailer zu dem Film "Interstellar".
Originaltitel: Interstellar
SciFi-Mysteryfilm, USA 2014
Filmverleih: Warner Bros. Pictures
Kinostart (DE): 06.11.2014
Schauspieler/Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Wes Bentley, Topher Grace, Michael Caine u.a.
Regisseur: Christopher Nolan
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"Interstellar" basiert auf den Theorien des Physikers Kip Thorne bezüglich Wurmlöchern und Schwerkraftfeldern. Thorne vertritt die Ansicht, dass mittels Wurmlöchern Zeitreisen für Menschen möglich sind. In Christopher Nolans Film "Interstellar" wird diese wissenschaftliche Theorie zur Realität.... mehr: http://goo.gl/YM3oOm
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Alle Angaben ohne Gewähr.
Uploaded with permission of / Property of:
TM & (c) 2014 Warner Bros. Pictures. All Rights Reserved. Promotional use only.


"INTERSTELLAR" Trailer German Deutsch & Kritik Review | Christopher Nolan 2014 [HD] [11:20]

Veröffentlicht am 29.10.2014
Offizieller HD-Trailer & Kritik Review Deutsch German Movie Film Christopher Nolan 2014

Titel: Interstellar
Originaltitel: Interstellar
Deutscher Kinostart: 06. November 2014
Laufzeit: 169 Minuten
Altersfreigabe: noch nicht bekannt
Im Verleih von Warner Bros.

"INTERSTELLAR" Kritik & Trailer Deutsch German Review | Christopher Nolan 2014 [HD] von Christopher Nolan mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Michael Caine, Casey Affleck, Channing Tatum, Matt Damon

Da sich unsere Zeit auf der Erde dem Ende zuneigt, unternimmt ein Forscherteam die wohl wichtigste Mission in der Geschichte der Menschheit: Es reist jenseits dieser Galaxie, um andere Lebensräume im Weltall für die Menschen zu erkunden. Vom gefeierten Filmemacher Christopher Nolan („The Dark Knight“-Filme, „Inception“) kommt „Interstellar“ mit Oscar®-Gewinner Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“), Oscar-Gewinnerin Anne Hathaway („Les Misérables“), Oscar-Kandidatin Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“), Bill Irwin („Rachels Hochzeit“), Oscar-Gewinnerin Ellen Burstyn („Alice lebt hier nicht mehr“) und Oscar-Gewinner Michael Caine („Gottes Werk & Teufels Beitrag“) in den Hauptrollen. Außerdem gehören Wes Bentley, Casey Affleck, David Gyasi, Mackenzie Foy und Topher Grace zum Ensemble. Christopher Nolan inszeniert den Film nach einem Drehbuch von Jonathan Nolan und Christopher Nolan. Emma Thomas, Christopher Nolan und Lynda Obst produzieren „Interstellar“, als Executive Producers sind Jordan Goldberg, Jake Myers, Kip Thorne und Thomas Tull beteiligt. Nolans Kreativteam wird angeführt von Kameramann Hoyte Van Hoytema („Her“), dem Oscar-nominierten Produktionsdesigner Nathan Crowley („The Dark Knight“), dem Oscar-nominierten Cutter Lee Smith („The Dark Knight“) und der Oscar-nominierten Kostümdesignerin Mary Zophres („True Grit – Vergeltung“). Der Soundtrack wurde komponiert von Oscar-Gewinner Hans Zimmer („The Dark Knight“-Trilogie, „Der König der Löwen“). Warner Bros. Pictures und Paramount Pictures präsentieren in Zusammenarbeit mit Legendary Pictures eine Syncopy/Lynda Obst Productions Produktion, einen Film von Christopher Nolan, „Interstellar“.

Trailer: Promotional use only.

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Genrewertung: 10 von 10 Punkten
Gesamtwertung: 10 von 10 Punkten

Quelle Musik :
Sneaky Snitch: http://incompetech.com
Author: Kevin MacLeod
Song: Cattailas
Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/b...

Der Film in unseren Leitmedien:
- Weltraum-Epos "Interstellar": Willkommen im Wurmloch (SPIEGEL, 07.11.2014)
Was sucht der Mensch im Wurmloch (ZEIT, 06.11.2014)
Jemand müsste mal nachschauen (Süddeutsche, 05.11.2014)
Fliehkraft liebt Schwerkraft (FAZ, 05.11.2014)
Denn unsere Rettung steht in den Sternen (Die Welt, 04.11.2014)
Das Rätsel der Zeit (Tagesspiegel, 06.11.2014)
Interstellar - Filmkritik (Filmjunkies, 06.11.2014)
‘Interstellar’ is a must-see masterpiece (New York Post, 03.11.2014)
Интерстеллар (КиноПоиск, 29.10.2014)
Vorsicht Wurmloch! (Mann.tv, 05.11.2014)
'Interstellar' review (The Verge, 27.10.2014)

Die EU, Steuer-Oasen und schlechte Prognosen

In der Amtszeit von Jean-Claude Juncker als Premier hat die Regierung von Luxemburg offenbar zahlreichen Konzernen geholfen, Steuern in anderen Ländern zu vermeiden. Teilweise haben einzelne Konzerne weniger als ein Prozent Steuern gezahlt.
mehr:
- Lobbyismus – Unter Juncker wurde Luxemburg Steuer-Oase für internationale Konzerne (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 06.11.2014)

mein Kommentar:
So war doch das Sparen nicht gemeint, oder?

dazu paßt:
- Schulden-Krise – Steuerschätzer erwarten geringere Steuer-Einnahmen (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 06.11.2014)
Die Steuerschätzer erwarten wegen der schlechteren Konjunktur geringere Einnahmen für Bund, Länder und Kommunen. Ob die Löcher durch neue Steuern gestopft werden, ist unklar. Die Bundesregierung will jedenfalls eine höhere Verschuldung vermeiden. 

dazu auch:
- Juncker im Zwielicht Luxemburg: Steuerparadies für Konzerne (Die Freie Welt, 06.11.2014)
Luxemburg bot internationalen Unternehmen Steuersparmodelle an. Heute ermittelt die EU-Kommission. Was wusste seinerzeit Jean-Claude Juncker? Er verspricht: Die Ermittlungen werden nicht behindert.
- Luxemburg-Leaks - Kritik an Junckers Verhalten nimmt zu (Die Freie Welt, 13.11.2014)
Als Finanzminister und Ministerpräsident Luxemburgs gewährte Juncker internationalen Firmen Steuervorteile zu Lasten anderer Länder. Als Kommissionspräsident hat er noch kein echtes Problem erkannt.
International tätige Unternehmen haben in Luxemburg jahrelang hervorragende Möglichkeiten zur Steuervermeidung genossen – zum Vorteil Luxemburgs, zum Nachteil anderer Staaten. In dieser Zeit spielte ein Mann eine besondere Rolle: erst als Finanzminister, dann als Ministerpräsident und jetzt als Präsident der EU-Kommission: Jean-Claude Juncker. Was wusste er? Will er jetzt Klarheit in die Sache bringen? Ist er befangen?


Vor 700 Jahren – 13. Jahrhundert: Polynesier besiedeln Neuseeland

Das Land der langen weißen Wolke 

»Aotearoa« ist in der Sprache der Maori der Name für Neuseeland und bedeutet »das Land der langen weißen Wolke«, denn der Legende nach war eine solche Wolke das Erste, was die Maori bei ihrer Ankunft sahen. Ab dem 13. Jahrhundert kamen die Maori aus Polynesien ins Land. Es ist ungewiss, ob sie sich mit ihren Kanus gezielt Richtung Neuseeland aufmachten oder ob sie per Zufall dort landeten. 
Tauhiao, ein Maorihäuptling, mit typischer
Gesichtstätowierung (Farblithografie, 1887)
Die Maori fanden ein Land vor, das reichlich Raum zum Siedeln bot. Sie lebten in kleinen Familienverbänden zusammen, wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren. Aus diesen wuchsen kontinuierlich größere Einheiten, welche die Grundstruktur der Maorigesellschaft bildeten. Als die Siedler herausgefunden hatten, welche neuseeländischen Regionen die fruchtbarsten waren, gab es Kämpfe um diese Gebiete. Die Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen und Stämmen zogen sich zum Teil über mehrere Jahrhunderte hin. Es entstand ein Kreislauf aus Gewalt und Rache, denn für die Maori war die Ehre, »mana«, das höchste Gut. 

Was am 6. November noch geschah: 
1932: Bei den Wahlen zum 7. Deutschen Reichstag verliert die NSDAP zwar Stimmen, bleibt aber stärkste Partei. 
 Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014

Mittwoch, 5. November 2014

Karl Schmückle, Don Quijote und die ästhetische Aneignung der Welt

Eine editorische Großtat: Schriften des marxistischen Theoretikers Karl Schmückle

Der von Werner Röhr herausgegebene Band »Begegnungen mit Don Quijote« enthält auf seiner letzten Textseite den Satz: »Thomas Manns Feindschaftsworte gegen den Kult des ›Irrationalen‹ sind ebenso im Namen der Zivilisation wie der Kunst und ihrer Zukunft gesprochen.« Die Bemerkung ist in einem Aufsatz enthalten, der in der Zeitschrift Internationale Literatur 1936 in Moskau erschien. Der Autor, Karl Schmückle, würdigte darin unter dem Titel, der nun dem Sammelband einer Auswahl seiner Schriften gegeben wurde, einen Aufsatz Thomas Manns, den dieser im Jahr zuvor veröffentlicht hatte. Vordergründig ging es beiden um eine Auseinandersetzung mit dem Faschismus an der Macht, tatsächlich greifen beide Autoren weit aus und zurück auf das Werk von Cervantes. Dessen Roman begreifen sie als »Weltbuch und Menschheitsmonument« (Mann), sein Verfasser habe, so Schmückle, »der Kollision zweier Menschheitsepochen« sowohl »erbarmungsloses Weltgelächter« wie auch die »rührende Melodie des Totenlieds« abgewonnen. Schmückle resümiert, der »Don Quijote« zeige, dass »die höchste Schöpferkraft der künstlerischen Imagination« nie aus einem romantischen oder zwiespältigen, romantisch-humanistischen Verhältnis zur Wirklichkeit hervorgehen könne, »sondern nur aus der Welt eines großen Realismus«. Die künstlerische Fähigkeit oder die ästhetische Aneignung der Welt sei eine »Produktionsart sui generis, aber doch eine gesellschaftlich bedingte«.


Die Auszüge aus Schmückles Text mögen andeuten, mit welch weitem Horizont und welcher Klarheit dieser hochgebildete Marxist schrieb. Die Schriften des Bandes zeigen: Schmückle gehörte zu den wichtigsten deutschsprachigen Forschern des Marxismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch war sein Name nur wenigen Spezialisten geläufig.


Nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit: Der deutsche Kommunist wurde am 14. März 1938 in der Sowjetunion nach einer Anklage wegen Spionage erschossen und erst 1958 rehabilitiert. In der DDR und in der Bundesrepublik erschienen einzelne Texte, einen Sammelband hatten Werner Röhr und die inzwischen verstorbene Simone Barck nach ihrer Edition der Arbeiten von Hans Günther (»Der Herren eigner Geist«, 1981) in der DDR geplant, aber – wie Röhr nun schreibt – das Vorhaben »ließ sich damals nicht realisieren«.
mehr:
- Exilliteratur – Vorzüglicher Essayist (Arnold Schölzel, junge Welt, 05.11.2014)

Amnesty International: Israel zeigte ‘kaltschnäuzige Gleichgültigkeit’

Ein neuer Bericht von Amnesty International zieht unangenehme Aufmerksamkeit auf die massive Anzahl von getöteten Zivilisten im Krieg, den Israel im Sommer gegen den Gazastreifen geführt hat, und sagt, dass das israelische Militär angesichts der in dem Konflikt getöteten Zivilisten „kaltschnäuzige Gleichgültigkeit“ gezeigt hat.

Der Amnesty-Bericht behandelte vorrangig acht spezifische Fälle von israelischen Angriffen gegen zivile Wohngebäude, Schläge, welche 104 Zivilisten töteten, darunter 62 Kinder. Amnesty kam zu dem Schluss, dass Israel sich mit den Attacken unverschämt wissentlich über Internationales Recht hinweggesetzt hat.
mehr:
- Kriegsverbrechen: Israel zeigte ‘kaltschnäuzige Gleichgültigkeit’ (Kritisches Netzwerk, 04.11.2014; Quelle: War Crimes: Israel Showed ‘Callous Indifference’ to Gaza Civilian Deaths, Antiwar.com, 04.11.2014)

Ein frühes Opfer des islamistischen Terrors

Vor 10 Jahren ging der Mörder von Theo van Gogh so vor wie heute der IS in Syrien und im Irak 

Der Mann war mit dem Fahrrad unterwegs, als er von einem anderen Fahrradfahrer eingeholt wurde, der auf ihn schoss. Als der Angeschossene verletzt am Boden lag, stieg der andere vom Fahrrad und schnitt seinem Opfer die Kehle durch. Wer hier an den Terror des IS denkt, liegt einerseits falsch und ist doch auf der richtigen Spur. 

Die blutige Szene spielte sich vor 10 Jahren auf offener Straße in Amsterdam ab. Das Opfer war der Schriftsteller und Regisseur Theo van Gogh, der keine Scheu hatte, Religionen und Kulte, die Menschen heilig scheinen, zu verspotten und zu verhöhnen, keine Religion war vor seinem Spott sicher. Nur wenige Tage vor seiner Ermordung erklärte er, dass er nur ein Dorfnarr sei, dem nichts passieren werde.
mehr:
- Ein frühes Opfer des islamistischen Terrors (Telepolis, 05.11.2014)

Korruption in der EU: Beamte lassen EU-Parlament auflaufen

Zwei auf dem Balkan tätige EU-Beamte wollen dem EU-Parlament keine Auskunft über die Korruptions-Vorwürfe gegen die Rechtsstaatlichkeits-Mission der EU im Kosovo geben. Deshalb fordern EU-Abgeordnete die Einsetzung von unabhängigen Prüfern. Die ins Visier geratenen Beamten hatten den Abgeordneten keine einzige Frage hinreichend beantwortet.
mehr:
- Korruption in der EU: Beamte lassen EU-Parlament auflaufen (Deutsch-Türkische Nachrichten, 05.11.2014)

Um was geht es? – Die Systemfrage

Viele meiner Patienten suchen nach Antworten, für die Sie keine Fragen stellen. (BabaRampuri – Ohne Frage keine Antwort, Post, 22.10.2013) Viele haben noch nicht einmal eine Sprache, mit der sie die Fragen formulieren könnten. (Ich nehme an, das macht wesentlich den Erfolg esoterischer Literatur aus.)
Wir glauben seit Jahrzehnten, es gehe um Demokratie. Vielleicht geht es nicht um Demokratie. Vielleicht geht es um eine Systemsuche, die Suche nach einem System, in welchem Oligarchen gebändigt werden können, in dem Seilschaften nur begrenzte Macht ausüben können, in dem Gesetze wirklich für alle gelten und in dem Organisationen in ihrem Wachstum so kontrolliert werden, daß sie nicht mehr »too big to fail sind«. Vielleicht geht das aber auch gar nicht…

Zu Beginn der Ukraine-Krise habe ich einen Post über die Verwendung von Sprache geschrieben:
Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache am Beispiel der Homosexuellen-Gesetzgebung in Deutschland und des israelisch-palästinensischen Konflikts (21.03.14, zuletzt aktualisiert am 03.09.2014)
Folgender Artikel ist meiner Meinung nach ein Paradebeispiel für die Verwendung von Sprache als Mittel zur Gewinnung einer Deutungshoheit. Er bezieht sich auf den unglückseligen George Soros, den ich in einem Post in den vergangenen Tagen 
- ISIS und wir: menschenverachtende Barbaren gegen degenerierte Weicheier (30.10.2014)
zu den wirklichen Geiern gezählt habe.
Dieser Soros ist imstande, die Realität auf eine bestimmte Art und Weise zu beschreiben: die Annexion der Krim als Krieg Putins gegen die europäische Demokratie:
- Putins Krieg gegen die Demokratie (Cicero, 05.11.2014)
Kolumne: Leicht gesagt. Die Ukraine-Krise stellt Europa vor die Wahl: Will es einen zufriedenen Putin oder eine freie Ukraine? Der US-amerikanische Investor George Soros fordert massive finanzielle Hilfe für die Ukraine durch die EU. Denn: Putin führe nicht nur Krieg gegen die Ukraine, sondern gegen die Demokratie

Es sagt sich so leicht, der Ukraine-Konflikt müsse friedlich gelöst werden. Doch Frieden mit wem? Und gegen wen? Wollen wir lieber ein zufriedenes Russland oder eine freie Ukraine? Das ist im Kern die Frage.

Aber angesichts der festgefahrenen Ukraine-Krise sollten wir uns schon fragen: Wie weit darf der Friedenswunsch mit Moskau das Handeln Deutschlands diktieren? Kaum jemand redet noch von der annektierten Krim. Im Grunde denken doch viele: Da wuchs zusammen, was zusammengehört. Und wer denkt noch ernsthaft an den mysteriösen Absturz des malaysischen Flugzeugs?


mein Kommentar:
Aha, das ist also die Frage: Wollen wir einen zufriedenen Putin oder eine freie Ukraine?
Die Frage lautet nicht: Wollen wir uns dem US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplex unterwerfen und uns der Fahne von »Freiheit und Demokratie« zum Büttel eines imperialen Streits machen lassen? 
Es ist beeindruckend, wie jemand wie Soros, den ich zur Oberschicht der internationalen Finanzmafia zähle, seinerseits behauptet, Putin habe einen Mafia-Staat geschaffen.

Jeder, der sich die Geschichte Rußlands von Gorbatschow bis heute ansieht, kann sich seine eigene Meinung dazu bilden…

siehe dazu auch:
- „Kein besseres Modell als die liberale Demokratie“ (Interview mit Francis Fukuyama, Cicero, 03.11.2014)

Rezension: „Die Eroberung Europas durch die USA“ – Wolfgang Bittners faktenreiches Buch gibt Aufschluss über die Ukraine-Krise

Nach mehr als zwei Jahrzehnten friedlicher Nachbarschaft und wirtschaftlicher Kooperation durchzieht Europa wieder ein Eiserner Vorhang, verursacht durch die Krise in der Ukraine, wo inzwischen Bürgerkrieg herrscht. Wie kam es dazu? Wolfgang Bittner zeichnet minutiös die Entwicklung der letzten Monate nach und gibt Aufschluss über die verhängnisvolle Einflussnahme der USA und der EU auf die Destabilisierung des Landes. Er beschreibt, wie die Ukraine, „als Brückenland von großer geostrategischer Bedeutung sowie als Wirtschaftsraum und Tor zu Russlands Ressourcen“ über Jahre hinweg systematisch durch subversive Kräfte zu dem wurde, was sie gegenwärtig ist: Kriegsschauplatz und Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen einer „westlichen Allianz“ und Russland.
mehr:
- Rezension: „Die Eroberung Europas durch die USA“ – Wolfgang Bittners faktenreiches Buch gibt Aufschluss über die Ukraine-Krise (NachDenkSeiten, 05.11.2014)


Heute vor 600 Jahren – 5. November 1414: Eröffnung des Konzils von Konstanz

Habemus papam: Martin V. 

Seit 1378 war die katholische Kirche gespalten: Infolge einer Doppelwahl regierte sowohl in Rom als auch in Avignon ein Papst. Als 1409 in Pisa sogar ein weiterer Gegenpapst und damit ein drittes Kirchenoberhaupt gewählt wurde, rief der in Pisa residierende Papst Johannes XXIII. auf Initiative von König Sigismund (1368-1437; seit 1410 römisch-deutscher König) ein Konzil nach Konstanz ein. Dort sollten die Spaltung der Kirche (Abendländisches Schisma) aufgehoben, Kirchenreformen eingeleitet und Ketzerei bekämpft werden. 
Kardinäle verlassen nach der Papstwahl
das Konklave im Konstanzer Konzilsgebäude,
November 1417
Das Konstanzer Konzil wurde heute vor 600 Jahren, am 5. November 1414, durch Johannes XXIII. eröffnet und tagte bis April 1418. Erst drei Jahre nach der Eröffnung, nachdem das Konzil die drei amtierenden Päpste abgesetzt hatte, fand die Papstwahl statt. Am Konklave im noch heute existierenden Konstanzer Konzilsgebäude waren 56 Kardinäle beteiligt. Sie wählten im November 1417 den Italiener Oddo Colonna, der bis zu seinem Tod 1431 als Martin V. an der Spitze der Kirche stand. Damit war das Abendländische Schisma nach 39 Jahren überwunden. 

Jan Hus (um 1369-1415) [Wikipedia-Link]
▪︎ Theologe und Reformator 
▪︎ wurde unter Zusicherung freien Geleits nach Konstanz gelockt 
▪︎ dort als Ketzer zum Tode verurteilt 
▪︎ starb 1415 vor den Toren der Stadt den Feuertod 
▪︎ Bewegung der Hussiten geht auf ihn zurück 
 Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014
siehe auch:
- Konstanzer Konzil 1414-1418 – Ausstellung in Konstanz (Badisches Landesmuseum, Karlsruhe)

Dienstag, 4. November 2014

Generation Off

Bald werden wir alle mit Smartwatches, Datenbrillen oder gar implantierten Chips herumlaufen, jede Sekunde und jeder Schritt unseres Lebens wird in den Clouds der IT-Riesen gespeichert, alles Konsumierbare, vom personalisierten Turnschuh bis zur Pizza aus dem 3D-Drucker, wird irgendwie auch digital sein. Unsere Autos werden ferngesteuert durch die Gegend düsen, Wahlen werden im Netz abgehalten, der Job im Coworking Space via Internetleitung erledigt, und den Sexpartner fürs Wochenende tindern wir uns einfach am Smartphone herbei. Doch derzeit häufen sich die Anzeichen, dass der Höhepunkt der Digitalisierung bald erreicht sein wird und sich die Technologisierung der Gesellschaft auf ein erträgliches Maß einpendeln könnte.
Die Zukunft scheint digital vorgezeichnet, unausweichlich wirkt die komplette Digitalisierung der Welt. Das Analoge ist zum Sterben verurteilt, während “Big Data Brother” uns das Morgen berechnet und alles in dafür notwendige Bahnen lenkt, von der grünen Ampel bis zur Todesurkunde. Angeblich gehören Plus-30-Jährige wie ich zu den letzten Menschen, die noch analog, mit Musikkassetten und VHS-Rekorder aufgewachsen sind, alle anderen nach uns werden für immer auf den Servern von Google und Facebook verewigt. Die einen finden das praktisch und machen freiwillig mit, den anderen schwant eine Dystopie irgendwo zwischen “1984” und “Minority Report”, doch kaum jemand fragt sich: Was, wenn das alles doch nicht so kommt?
mehr:
- Generation Off (paroli, 26.06.2014)

Drohnen über AKWs: Unbekannte Hintermänner

Mehrfach drangen Minidrohnen in den letzten Wochen in die Sicherheitszone französischer AKWs ein; Kernkraftgegner sind beunruhigt, die Regierung sorgt sich um den Ruf der Sicherheit der Nuklearanlagen
Bereits im Oktober wurde gemeldet, dass Mini-Drohnen französische Atomkraftwerke in einem unerlaubten Bereich überflogen. Die Angelegenheit wurde als rätselhaft eingestuft, vom Innenministerium und der EDF gabe es nur knappe Statements, die auf die Sicherheit der Anlagen verwiesen und darauf, dass von den Mini-Drohnen, die leicht zu erwerben sind, keine Gefahr ausgehe. Am Wochenende wurden neue Drohnenflüge über fünf AKWs bekannt. Das Innenministerium gab wie die EDF bislang keinen neuen Kommentar dazu ab, aber Unweltministerin Ségolène Royal meldete sich zu Wort.
Zuvor hatte Yannick Rousselet von Greenpeace Frankreich in einem Kommuniqué darauf verwiesen, dass das Ausmaß der Operationen und die Mittel, die eingesetzt würden, "mehr und mehr beunruhigend seien". Das Innenministerium müssen endlich Genaueres dazu mitteilen und das Schweigen beenden, forderte er. Es solle damit aufhören, das Risiko herunterzuspielen.


mehr:
- Drohnen über AKWs: Unbekannte Hintermänner (Thomas Pany, Telepolis, 03.11.2014)

siehe dazu auch den letzten Absatz in
- Kernkraft, Risiken und die Sprache (Post, 16.03.2011):
Schon 1985 konnte sich Peter F. Bringmann (bekannt durch »Theo gegen den Rest der Welt«) einen terroristischen Anschlag auf ein AKW vorstellen: über seinen ausgezeichneten (und 1987 nur ein einziges Mal ausgestrahlten – siehe dazu den SPIEGEL-Link) Fernseh-Zweiteiler »Gambit« (Darsteller u.a. Heinz Bennent, Peter Berling, Despina Pajanou, Dominic Raacke, Rolf Zacher und Hans Zander; Rezensionen bei Amazon; SPIEGEL-Link: Der GAU und das Mädchen) läßt sich im Internet fast nichts finden.

Montag, 3. November 2014

Klaus Bölling ist tot

Er war ein Meister der gezielten Diskretion: Klaus Bölling erklärte die Politik von Altkanzler Helmut Schmidt, auch in so heiklen Situationen wie den RAF-Geiselnahmen. Am Wochenende ist Bölling im Alter von 86 Jahren gestorben. Unser Autor kannte und schätzte ihn seit 40 Jahren. Ein Nachruf
Anfang Mai des Jahres 1982 klingelte es an einem Sonntagvormittag in meiner Bonner Wohnung. Als ich die Tür öffnete, stand vor mir Klaus Bölling, seinerzeit noch als Leiter der Ständigen Vertretung Bonns „Botschafter“ in Ost-Berlin. Ich war völlig perplex: Bölling in Bonn? Noch vor einem halben Jahr hatte er uns Journalisten stolz seine Residenz in Ost-Berlin gezeigt.
Er weidete sich an meiner Überraschung, nahm, noch im Mantel, an meinem Küchentisch Platz und kam zur Sache. Die Koalition mit der FDP sei im Grunde zu Ende. Bundeskanzler Helmut Schmidt mache sich keine Illusionen mehr. Spätestens in einem halben Jahr werde die FDP die Seite wechseln und Helmut Kohl zum neuen Kanzler wählen. Hans Dietrich Genscher („Der Hallenser“) suche nur noch nach einem Vorwand, um dies ins Werk zu setzen. „Anlässe dazu, das muss ich Ihnen nicht erklären, wird er finden.“

mehr:
- „Der beste Regierungssprecher aller Zeiten“ (Cicero, 03.11.2014)

Gleichstellung ist männerfeindlich

Kisslers Konter: Die Männer sind in Gefahr. Auf dem Weg von Gleichberechtigung zu Gleichstellung geht die Vernunft verloren. Wird es bald „Männerbeauftragte“ geben, die Männern als „Gleichstellungsopfern“ beistehen?
Gestern war er wieder da, der Murmelschläfertag im Zeichen des Y-Chromosoms, der „Weltmännertag“. Vermutlich ging er an den meisten Männern vorbei, und er ist ja auch wirklich eine seltsame Erfindung aus dem Jahre 2001, dieser „Weltmännertag“. Das spät geborene Pendant zum „Weltfrauentag“, den es seit über hundert Jahren gibt, hat lautere Absichten und eine sehr leise Stimme. Denn eigentlich, so geht die Fama, müsse sich der Männer niemand gesondert annehmen. Wir lebten immer noch in „a man’s world“, Männer regieren, brechen Kriege vom Zaun, töten und werden getötet, leiten Konzerne, Parteien und Weltanschauungen.
Im Großen und Ganzen stimmt diese globale Sicht, doch die westliche Welt will es dabei nicht bewenden belassen. Frauen sollen bekommen, was ihnen zusteht, die Hälfte von allem. Gleichberechtigung indes – und da wird es noch seltsamer – ist längst nicht mehr das Ziel, Gleichstellung soll es sein. Der Unterschied ist gewaltig. Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht, und wem sie aufgrund des Geschlechts verweigert wird, der wird diskriminiert. Gegen solche Diskriminierung aufzustehen ist wiederum geschlechtsunabhängig Pflicht aller. Das Bemühen um Gleichberechtigung sollte Frauen und Männer einen, beide profitieren davon. Gleichstellung hingegen spaltet, ist ein urfeministisches Anliegen und männerfeindlich.

mehr:
- Gender Gap – Gleichstellung ist männerfeindlich (Alexander Kissler, Cicero, 04.11.2014)

dazu auch:
- Heul nicht rum, Mann! (Ulrike Baureitel, der Freitag, 05.11.2014)
Qual der Quote Wieviel Frauenförderung ist opportun? Und sollen die Männer von heute für frühere Ungerechtigkeiten büßen? Nein, aber im Zweifel sollen sie sich eben mehr anstrengen

mein Kommentar:
»die Männer sollen…« Ich kann’s nicht mehr hören!

US-Wachleute filtern Geheimdienstkritiker aus Publikum

74-jähriger Ex-Geheimdienstmitarbeiter wurde inhaftiert und verletzt. Aktivisten hatten Karten zu Debatte mit Ex-CIA-Chef Petraeus 

Die Grenzen der Meinungsfreiheit und die Ausmaße der Überwachung in den USA wurden am Donnerstagabend in New York einer Gruppe von Aktivisten der Friedensbewegung aufgezeigt. Bei einer Debatte mit dem ehemaligen CIA-Chef und Armeegeneral a.D., David Petraeus über die Herausforderungen der US-amerikanischen Außenpolitik wurde mehreren kritischen Gästen gezielt der Eingang verwehrt. Der ehemalige CIA-Analyst und heutige Friedensaktivist Ray McGovern, der unlängst auch in Berlin zu Gast (Warum im Empire die Sonne niemals untergeht) war, wurde festgenommen und verletzt, berichtet der US-Journalist Kevin Gosztola auf seinem Blog The Dissent.
mehr:
- US-Wachleute filtern Geheimdienstkritiker aus Publikum (Harald Neuber, Telepolis, 02.11.2014)

"Die Deutschen lechzen nach Sicherheit"

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski über die Hoffnungen der Deutschen, verantwortungslose Politiker und neue Parteien 

Horst W. Opaschowski lehrte von 1975 bis 2006 als Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg, gründete 2007 die Stiftung für Zukunftsfragen und leitet seit 2011 das Institut für Zukunftsforschung in Hamburg. In Kooperation mit dem IPOS-Institut führt er seit 2012 regelmäßig den Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D) durch. Im Gespräch mit Telepolis warnt Opaschowski vor der Schuldenfalle, plädiert für eine stärkere Volksbeteiligung und wirft der Bundesregierung Täuschung vor.
mehr:
- "Die Deutschen lechzen nach Sicherheit" (Manuel Schumann im Interview mit Horst Opaschowski, Telepolis, 03.11.2014)

Vor 120 Jahren – Spätes 19. Jahrhundert: Der Bau moderner Talsperren beginnt

Garanten der Wasserversorgung 

Das Stauen von Flüssen zur Bewässerung von Feldern praktizierten schon Ägypter und Assyrer vor Tausenden von Jahren. Im Mittelalter speicherten bescheidene Dämme auch in deutschen Ländern bereits Wasser. Der moderne Talsperrenbau begann in Deutschland jedoch erst in den frühen 1890er-Jahren, als die aufstrebenden Industriestädte an Rhein und Ruhr mehr Trinkwasser für die Bevölkerung und mehr Brauchwasser für Werke und Fabriken benötigten. Die ersten deutschen Talsperren entstanden in den Mittelgebirgstälern oberhalb von Ruhr und Wupper. Das herausragende Bauwerk dieser Ära war die Eschbachtalsperre in Remscheid, die 1891 vollendet war und die Stadt fortan mit Trinkwasser versorgte. 
Talsperre Klingenberg in Sachsen, errichtet ab 1911 (Foto um 1915)
Die Eschbachtalsperre, zu der Ingenieure und Vertreter von Stadtverwaltungen in Scharen pilgerten, gab der Entwicklung einen entscheidenden Impuls. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts verstrich kaum einmal ein Vierteljahr, ohne dass irgendwo in Deutschland eine Talsperre eröffnet wurde. Der »Großmeister« des Talsperrenbaus war der Ingenieur Otto Adolf Intze (1843-1904), nach dessen Plänen 46 Talsperren errichtet wurden. 

Was am 3. November noch geschah: 
1970: Salvador Allende wird Präsident in Chile. 
siehe dazu auch:
- Heute vor 40 Jahren – 11. September 1973: Salvador Allende kommt um (Post, 11.09.2013)
- Heute vor 44 Jahren – 4. September 1970: Salvador Allende wird zum Präsidenten Chiles gewählt (Post, 04.09.2014)

 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Chinas Yangtse (Jangtsekiang) und der Drei Schluchten Damm [43:13]

Veröffentlicht am 18.11.2012


Sonntag, 2. November 2014

Griechenland im freien Fall

Im Kampf um den Machterhalt riskiert Griechenlands Regierung die endgültige wirtschaftliche Implosion des Landes. Nicht zuletzt mit Blick auf Neuwahlen will Griechenland ähnlich wie Irland vorzeitig aus internationalen Hilfsprogrammen aussteigen.

Wie Premier Samaras (Nea Dimokratia) im griechischen Parlament ankündigte, soll Griechenland das Rettungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) schon ein Jahr vor seinem regulären Ende verlassen. Demnach will sich Athen im kommenden Jahr selbst an den Finanzmarkt wagen, um aus dem im Jahr 2010 begonnenen Hilfsprogramm von IWF und EU aussteigen zu können. Hinter dem Vorhaben steckt weniger ein durchschlagender Erfolg bisheriger Reformen als eine verzweifelte Flucht nach vorn. Immer wahrscheinlicher werden in Griechenland nämlich Neuwahlen und damit aus Sicht von Premier Samaras ein drohender Machtverlust.

mehr:
- Griechenland im freien Fall (Preußische Allgemeine Zeitung, 31.10.2014)

siehe auch:
- Griechenlands angebliche „Success-Story“: Verelendung statt Demokratie (annotazioni, 07.10.2014)

Ukraine: EU finanziert Stacheldraht an der Grenze zu Russland

Die ukrainische Regierung will eine Stahl-Mauer entlang der Grenze zu Russland bauen. Außerdem sollen Stacheldraht und andere Sicherheitsvorkehrungen errichtet werden. Aus dem EU-Haushalt kommen 60 Millionen Euro für eine „integrierte Grenzverwaltung“.
mehr:
- Ukraine: EU finanziert Stacheldraht an der Grenze zu Russland (Deutsch-Türkische Nachrichten, 31.10.2014)

“Schiedsstellen in CETA im Widerspruch zu europäischem Recht”

Das von Kanada und der EU-Kommission ausgehandelte Handelsabkommen CETA ist nach einem Gutachten zweier Bremer Rechtswissenschaftler weder mit dem deutschen Verfassungsrecht noch mit europäischem Recht vereinbar. Johan Horst, der das von ihm gemeinsam mit Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano (Universität Bremen) verfaßte Gutachten am Donnerstag erstmals auf einer von Attac einberufenen Pressekonferenz in München vorstellte, bezweifelte stark, daß das Abkommen in seiner jetzigen Form sowohl vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) als auch vor dem Bundesverfassungsricht Bestand haben dürfte. Das von Attac München in Auftrag gegebene Gutachten begründet die Rechtswidrigkeit hauptsächlich mit den vorgesehenen privaten Schiedsstellen, vor denen Konzerne gegen Staaten klagen könnten. Zugleich hält es aber auch die mangelnde Verankerung der Menschen- und Umweltrechte sowie die erhebliche Macht, die einem “Gemeinsamen Ausschuss” (Joint Committee), den die EU und Kanada neben anderen Ausschüssen bilden sollen, für hochproblematisch. Als gefährdet werden auch die nach europäischen Recht geschützten kommunalen Selbstverwaltungsrechte angesehen.
mehr:
- “Schiedsstellen in CETA im Widerspruch zu europäischem Recht” (Rolf-Henning Hintze, NachDenkSeiten, 31.10.2014)

siehe dazu auch: 
- Gutachter geben CETA keine Chance (Neue Rheinische Zeitung, 06.11.2014)
- Investitionsschutzabkommen sind ihrem Wesen nach undemokratisch (Post, 01.10.2014) mit Link zu
- Gefesselt und geknebelt (junge Welt, 01.10.2014)

Samstag, 1. November 2014

Das Internierungslager in Algenrodt

Es ist gar nicht leicht, an Informationen über das alliierte Internierungslager Algenrodt in Idar-Oberstein zu kommen, in dem mein Großvater seit dem 26. Mai 1945 rund acht Monate lang eingesperrt war. Nachdem er im Februar 1946 mit seinen Mithäftlingen nach Diez verlegt worden war, gelang ihm im Sommer 1946, also nach über einem Jahr, die Flucht. 
Der einzige Hinweis auf das Lager Algenrodt, den ich im Netz finden konnte, bezieht sich auf einen Aufsatz, den der Regierungsschuldirektor Edgar Mais aus Idar-Oberstein im Heimatkalender 1985 des Landkreises Birkenfeld veröffentlicht hat. Wenn es um die Misshandlung von Deutschen geht, hält sich das Interesse deutscher Historiker offenbar in Grenzen. 
Dieses Lager war nicht etwa ein Gefängnis, in dem Menschen wegen konkreter Taten festgehalten wurden, sondern ein Sammellager für einfache Mitglieder und untere Funktionäre von NS-Organisationen, die offenbar allein ihrer Gesinnung wegen eingesperrt wurden. Mein Großvater zum Beispiel war einfaches Mitglied der NSDAP und im Zivilberuf Polizeihauptwachtmeister gewesen, der in den zwanziger Jahren in den Polizeidienst eingetreten war; im Krieg hatte er bei der Waffen-SS gedient. Wie wir im Folgenden erfahren werden, waren praktisch alle Inhaftierten kleine Fische dieser Art. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass auch nur einem von ihnen wegen einer konkreten Tat der Prozess gemacht worden wäre.
mehr:
- Internierungslager Algenrodt – ein totgeschwiegenes Stück Zeitgeschichte (Korrektheiten, 04.01.2011)

Anmerkungen von mir:

Edgar Mais, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Verfasser mehrerer Bücher über die Geschichte Idar-Obersteins, dessen Artikel im Heimatkalender 1985 des Landkreises Birkenfeld in obigem Post wiedergegeben wird, hatte ich im Gymnasium zwei Jahre als Deutschlehrer. Sein Buch »Idar-Oberstein im Dritten Reich« hat er laut einer Meldung der Rhein-Zeitung (01.08.2012) wegen einer Klage aus dem Handel genommen.

In der Grundschule hatte ich eine – inzwischen verstorbene – Lehrerin, deren Schwester einige Zeit in dem Lager in Algenrodt interniert war.


Ich hörte, daß ein Mann aus Veitsrodt, dessen beiden Söhne im Zweiten Weltkrieg gefallen waren und dessen Frau an Krebs gestorben war, 1944 den Posten als Ortsgruppenleiter annehmen mußte. (Man muß nicht glauben, daß sich alle Leute um diese Posten gerissen haben.) Er verstarb über 80jährig im Lager. Seine Tochter war das einzige verbliebene Mitglied der Familie.


Ich hörte, daß »die Schwarzen mal ein Auge zudrückten«.


Zitat aus oben verlinktem Artikel:

[…] und manch einer gedenkt des tunesischen Berwachungssoldaten, der beide Augen zudrückte mit dem Bemerken “Du Gefangener, ich Gefangener”.

zu dem Buch von Edger Mais:
- Edgar Mais stellte sein neues Buch vor (Idar-Oberstein, 27.10.2011)
- Idar-Oberstein im Dritten Reich (Inhaltsverzeichnis, DeutscheNationalBibliothek, )
- Idar-Oberstein: Edgar Mais nimmt Buch aus dem Handel (01.08.2012)

An Diskussionen, ob die Behandlung der Lagerinsassen geplant oder nicht geplant war, möchte ich mich nicht beteiligen. Wer sich dafür interessiert, sehe sich die Artikel

- Rheinwiesenlager (Wikipedia) und
- Internierungslager – Deutschland – Französische Besatzungszone (Wikipedia) an.
- Das Rheinwiesenlager (rheinwiesenlager.de)
- James Bacque (Wikipedia)
- Verschwiegene Schuld? (Bernd Greiner, ZEIT Online, 26.01.1996)

Man wird bei weiterer Suche auf die Rheinwiesenkampagne stoßen:

- Rheinwiesenlagerkampagne- Das Lager Algenrodt (Infoportal24, 23.11.2012)

Ob Eisenhower die Deutschen hasste, mag dahingestellt bleiben. 

- Eisenhower's Holocaust - His Slaughter Of 1.7 Million Germans (rense.com, 22.06.2008) 
Ich denke, es dürfte aber nicht unmöglich sein, die Aussage, daß die US-Amerikaner Hilfslieferungen des Roten Kreuzes ablehnten, zu überprüfen.
siehe dazu: Council of Relief Agencies Licensed to Operate in Germany (Wikipedia)

Man wird Rezensionen des Buches von Gerd Bayer »Der Stuhl«, erschienen im Rhein-Mosel-Verlag finden:

- Internierungslager war für Häftlinge die Hölle (Rhein-Mosel-Verlag)
- Von Mitläufern und Parteigenossen: NSDAP-Mitgleider als Internierte (Rhein-Mosel-Verlag)

Couchgespräche: Gerd Bayer {5:18}


Am 08.11.2012 veröffentlicht
Landesschau Rheinland-Pfalz  
Gerd Bayer, 73, Heimathistoriker und pensionierter Realschullehrer. Die Geschichte der Internierungslager, vor allem in Idar-Oberstein und Diez, hat ihn umgetrieben. Das Ergebnis seiner ausführlichen Recherchen hat er im Buch "Der Stuhl - ... ihr müsst büßen ... büßen." festgehalten. http://www.landesschau-rp.de

Man wird Blogs finden, in denen sich über Erlebenisse von Familienangehörigen ausgetauscht wird:

- In französischer Kriegsgefangenschaft in Diez (Forum der Wehrmacht, 09.04.2007)

Man wird auch über die zweifelhaften Behauptungen und Berechnungen von James Bacque stolpern:

- Der geplante Tod: Deutsche Kriegsgefangene in amerikanischen und französischen Lagern 1945-1946 (Amazon)
- Ohne jeden Schutz – Eine Entschuldigung von Merrit Drucker (Merrit Drucker, Focus Online, 12.12.2011)
Ein ehemaliger US-Offizier bedauert die schrecklichen Zustände in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern nach dem Zweiten Weltkrieg
Ich war in Rheinberg“, sagte ein älterer Deutscher zornig zu mir. Seit ich diese rätselhaften Worte gehört habe, beschäftige ich mich mit den Rheinwiesenlagern. Im April und Mai 1945 wurden mehr als eine Million deutsche Wehrmachtssoldaten und auch viele Zivilisten in riesige Lager unter freiem Himmel gepfercht, zwischen Büderich im Norden und Bad Kreuznach im Süden. Diese Kriegsgefangenen wurden als „entwaffnete feindliche Streitkräfte“ bezeichnet, und damit wurden ihnen ihre Rechte nach der Genfer Konvention verweigert. Das geschah im Geheimen und widersprach den Bestimmungen des Völkerrechts, denn die Genfer Konvention war sowohl von den USA wie von Deutschland ratifiziert worden. Der Nachweis in den Archiven ist eindeutig


Other Losses [10:20]


Veröffentlicht am 31.12.2014
The book Other Losses, how the Germans suffered during the war.

Prisoner of War Temporary Enclosures (PWTE) for Women, Rheinwiesenlager, Germany (April 27, 1945) [7:20]

Veröffentlicht am 13.09.2012
Prisoner of War Temporary Enclosures (PWTE) better known as Rheinwiesenlager (Rhine meadow camps).
Prisoners held in the camps were designated Disarmed Enemy Forces not POWs.
The decision had been taken in March 1943 by SHAEF commander in chief Dwight D. Eisenhower because of the logistical problems adhering to the Geneva Convention of 1929.
By not classing the hundreds of thousand of captured troops as POWs, the problems associated with accommodating so many prisoners of war according to international treaties governing their treatment was negated.

Sources for German deaths in these camps range from between 3,000 to 10,000.
Many died from starvation, dehydration and exposure to the weather elements because no structures were built inside the prison compounds.

- Zweiter Weltkrieg – Schurkenstück um tote deutsche Kriegsgefangene (Sven Felix Kellerhoff, Die Welt, 16.11.2011)
- 5000 oder 1 Mio Tote in den Rheinwiesenlagern? Graben verboten! (politikforen.net, 06.12.2010)
- „Werte der Alliierten verraten“ (junge Freiheit, 04.06.2004)
- »Sklaven einer widerlichen Weltanschauung«. Die neonazistischen Aktivitäten zu den »Rheinwiesenlagern« 2010 (Jens Büttner, antifaschistisches Infobüro Rhein-Main, 22.10.2012, Artikel als PDF)

Rheinwiesenlager wahre Todeslager. [3:01]


Veröffentlicht am 06.06.2013
Die berüchtigten Rheinwiesenlager wahre Todeslager, wo man unzählige deutschen Soldaten und Zivilisten alles abnahm und sie auf freien Sumpfwiesen gezielt auf Anweisungen Eisenhowers und nach den dämonischen Morgenthauvorgaben über eine Million deutsche Soldaten, Zivilisten innerhalb kürzester Zeit verrecken ließ. Die Vorräte die das deutsche Reich noch für ca. 2 Jahre in Depots hatte, wurden ihren verweigert und zu Wucher auf alliierten Schwarzmärkten an die verhungernde deutsche Bevölkerung verhöckert.Interantionale Rotkreuzlieferung wurden von den Alliierten nicht rein gelassen umgeleitet und genauso verkauft.
Es kann niemand behaupten, dass man sie nicht hätte ernähren können und nicht anders hätte unterbringen können, die deutschen KL waren überall vorhanden und es waren genügen Vorräte vorhanden die man bewusst zurückhielt.

Zwischen fünf bis sechs Millionen Deutsche befanden sich in den US Lagern am Rhein.
Die Gefangenen werden weder bei Einlieferung noch während des Aufenthaltes registriert. Die Lager werden von allen Seiten bewacht, nachts mit Flutlicht. Fluchtversuche haben sofortige Erschießung zur Folge. Zuweilen wird auch ohne ersichtlichen Anlaß in die Menge der Gefangenen geschossen.

Der Zustand der Lager spottete jeder Beschreibung. Sie glichen zumeist eher Viehkoppeln, ohne jede Einrichtung. Unter freiem Himmel, oftmals ihrer Mäntel und Zeltbahnen beraubt, vegetierten die Kriegsgefangenen, darunter auch Schwerverwundete und Amputierte, auf engstem Raum zusammengedrängt dahin. Ärztliche Versorgung gab es monatelang nicht.

Die Gefangenen hausen trotz Kälte, Regen und Schneeregen ohne Obdach auf nacktem Boden, der sich mit der Zeit in eine unergründliche Schlammwüste verwandelt.Unterkünfte zu errichten, ist verboten. . Zelte werden nicht ausgegeben, obwohl sie in den Depots der deutschen Wehrmacht und in denen der US-Armee reichlich vorhanden sind.

Die Gefangenen gruben sich Erdlöcher, um vor der schlimmsten Kälte geschützt zu sein. Auch das wurde immer wieder untersagt, so daß die Gefangenen oft gezwungen sind, die Erdlöcher zuzuschütten. Es geschieht, daß Bulldozer durch die Lager fahren und Erdlöcher samt den darin vegetierenden Gefangenen zuwalzen.

Während der ersten Zeit gibt es weder Nahrung noch Wasser, obwohl die erwähnten deutschen und amerikanischen Depots überreich mit Vorräten gefüllt sind und der Rhein Hochwasserstand hat.

Die Gefangenen haben keinerlei Verbindung zur Außenwelt, Postverkehr findet nicht statt. Der Bevölkerung ist bei Todesstrafe verboten, die Gefangenen mit Nahrung zu versorgen.

Die deutschen Behörden werden angewiesen, die Bevölkerung entsprechend zu instruieren. Wer dennoch versucht, den hungernden Gefangenen über den Lagerzaun etwas zukommen zu lassen, wird vertrieben oder erschossen.

Das Internationale Rote Kreuz hat keinen Zutritt zu den Lagern. Nahrungsmittel und Hilfsgüter, welche das Schweizer Rote Kreuz in Eisenbahnwaggons an den Rhein transportieren läßt, werden auf Befehl Eisenhowers zurückgeschickt.

Schwerkranke und Sterbende werden unzureichend oder überhaupt nicht versorgt, während nahe gelegene Krankenhäuser und Lazarette ungenutzt bleiben.

In Lagern entlang an den Ufern des Rheins verzeichneten die Armeeärzte vom 1. Mai bis zum 15. Juni 1945 eine erschreckende Sterblichkeitsrate, achtzigmal so hoch wie alles, was sie je in ihrem Leben gesehen hatten. Gewissenhaft registrierten sie die Todesursachen: so und so viele starben an Ruhr und Durchfall, so und so viele an Typhus, Starrkrampf, Blutvergiftung, alles in Zahlen, die unglaublich seit dem Mittelalter waren. Die medizinische Terminologie selbst reicht nicht mehr ganz aus, angesichts der Katastrophe, deren Zeugen die Ärzte wurden. So wurden Todesfälle infolge von Abmagerung und Erschöpfung registriert. .......Herzkrankheit und Lungenentzündung.

Allmorgendlich werden die Toten aus den Lagern abtransportiert, um in Massengräbern versenkt zu werden.
Die Leichen der Verhungerten wurden täglich auf Karren weit außerhalb der Lager in vorbereitete lange Gruben gekippt und in fünf Lagen und langen Reihen aufgeschichtet. Nach Verfüllung mit dem zuvor ausgebaggerten Erdreich erfolgte die Planierung der Massengräber.

Dazu kommen all die Toten, die in dem unergründlichen Schlamm oder in den Latrinen versinken, ohne geborgen zu werden.

Paul Jäger berichtet aus dem Lager Büderich:
"Die Erdlöcher stürzten ein. Man schätzte die Verschütteten auf etwa 230 pro Nacht. Niemand konnte die Menschen ausgraben, keiner war registriert worden. Mit Bulldozern ebneten die Amerikaner die Gruben mitsamt den Toten ein ...."

Hilfe-Organisationen, die versuchten, den Gefangenen in den amerikanischen Lagern zu helfen, wurde die Erlaubnis dazu von der Armee verweigert.

- Wesel: 80 000 lagen auf blankem Acker (Fritz Schubert, RP Online, 23.08.2010)
Wesel. Vor 65 Jahren regierte die Not im Kriegsgefangenenlager Büderich. Vor 45 Jahren wurde zum Gedenken ein Mahnmal eingeweiht. Die Anlage im Meerfeld ist würdig, aber kaum zu finden. Hinweisschilder gibt es nicht.

Eisenhower's Rhine Meadows Death Camps Documentary [1:30:13]

Veröffentlicht am 22.10.2014
All sides are guilty of genocide. 12.5 million Germans were killed after WW2. Lets hope more papers are declassified in 2015.

Die Rheinwiesenlager - Ein Film von Volksfront-Medien [35:37]

Veröffentlicht am 07.12.2013
Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht bedingungslos. Die Waffen schwiegen und die deutschen Soldaten begaben sich in ein ungewisses Schicksal. Nach langen Jahren des zähen Ringens hofften die deutschen Soldaten auf eine faire Behandlung durch die Sieger.

„Den Leistungen und Opfern der deutschen Soldaten zu Wasser, zu Lande und in der Luft wird auch der Gegner die Achtung nicht versagen."
(letzter Wehrmachtsbericht, 9. Mai 1945)

Wie falsch sie mit dieser Einschätzung lagen, ist bis heute ein gerne totgeschwiegenes Thema in den Geschichtsbüchern der BRD. Der Mythos der sogenannten Befreiung, der ein Eckpfeiler des Selbstverständnisses der BRD seit ihrer Gründung ist, zieht auch nach Kriegsende eine lange Blutspur hinter sich her. Vertreibung, Raub und Massenmord an Kriegsgefangenen sind Dinge, die so gar nicht in das Bild der gütigen „Befreier" passen wollen.

In den sogenannten Rheinwiesenlagern wurden gegen Kriegsende über 3,4 Millionen deutsche Soldaten inhaftiert. Unter katastrophalen hygienischen Zuständen zusammengepfercht, starben in den Jahren 1945/46 fast eine Million dieser Gefangenen, in Zahlen ausgedrückt: 1.000.000 Gefangene! Sie verhungerten oder erlagen Seuchen in den Händen der sogenannten Befreier. Eine Million Menschen, die in den Akten der US-Streitkräfte lediglich unter der Bezeichnung „Other losses" aufgeführt wurden und deren qualvoller Tod heute einfach systematisch totgeschwiegen werden soll.

Eine Million Menschen, die bereit waren, ihr Leben für den Schutz unserer Heimat einzusetzen, über deren Verbleib man bis heute nicht offen spricht, die Opfer eines gezielt betriebenen Massenmordes wurden, die auch Dich zur Tat rufen!

Helfe auch Du, die Schweigespirale zu brechen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dort, wo aus der Lüge das Fundament für die Zukunft unseres Volkes gebildet werden soll, gilt es, die Fackel der Wahrheit zu entzünden. Dort, wo die Lüge zerbricht, wird der Grundstein für eine bessere Zukunft gelegt.

Mir geht es darum, die Diskussion um das Verhalten der Alliierten im und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht den Leuten aus dem rechten politischen Spektrum zu überlassen. 

Die reflexhafte Diskriminierung der Menschen, die über die Behandlung der deutschen Lagerinsassen reden, als Alt- oder Neo-Nazis, die die Schuld am Zweiten Weltkrieg und die millionenfache Ermordung von Juden zu relativieren versuchen, muß an die Diskriminierung von »Putin-Verstehern« im Zuge der Ukraine-Krise denken lassen. Es sind die gleichen Mechanismen.


Die Behandlung der Internierten war unmenschlich und in keiner Weise gerechtfertigt. Das muß gesagt werden können, ohne als Geschichtsrevisionist in die Ecke gestellt zu werden. Und diese Behandlung erinnert an Abu Graib und Guantanamo.


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  • Der konservative Radiomoderator Rush Limbaugh sagte über den Folterskandal: „Es gibt keinen Unterschied zwischen dem was getan wurde und den Initiationsritualen bei der Studentenverbindung Skull and Bones. Wir werden das Leben von Menschen ruinieren und unsere militärischen Anstrengungen schwächen, und dann werden wir die bestrafen, bloß weil sie eine gute Zeit hatten. Wissen sie, auf diese Leute wird jeden Tag geschossen, ich spreche von Leuten, die bloß eine gute Zeit haben wollten. Haben sie jemals von emotionalem Stressabbau gehört?“[8][9][10]
  • Der konservative Radiomoderator Michael Savage sagte über das gleiche Thema: „Anstatt Joysticks hätte ich gerne gesehen, wie man Dynamit in ihre Körperöffnungen gesteckt hätte“. Außerdem sagte er: „Wir brauchen nicht weniger Taktiken der Demütigungen, sondern mehr.“ Wiederholt bezeichnet er Abu-Ghuraib als „Grab-an-Arab prison“ (dt.:„Schnapp dir 'nen Araber-Gefängnis“).[11]
[Abu-Ghuraib-Folterskandal, Reaktionen Großbritanniens und der USA auf die Foltervorwürfe, Wikipedia, abgerufen am 01.11.2014]
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Man stelle sich vor, in Deutschland würde jemand so etwas über die Behandlung der Juden im Dritten Reich – oder gar über die Behandlung von gefangenen US-Soldaten – sagen. Man stelle sich vor, ein Hamas-Aktivist würde so etwas über die Behandlung eines gefangenen israelischen Soldaten sagen…



aktualisiert am 11.03.2018


Heute vor 60 Jahren – 1. November 1954: Beginn des Algerienkrieges

»Algerien den Algeriern« 

Jahrzehnte brauchten die Franzosen, um sich mit einem der dunkelsten Kapitel ihrer Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen: dem brutalen Krieg zwischen dem französischen Militär und der algerischen Nationalen Befreiungsfront FLN. Der Algerienkrieg dauerte fast acht Jahre, forderte mindestens 350.000 Tote und führte 1961 auch zu einem Putschversuch französischer Militärs gegen die eigene Staatsführung. 
Ankunft einer französischen Infanteriedivision im Hafen von Algier, Juni 1956
Seit 1830 war Algerien französische Kolonie und die französischen Siedler behandelten die einheimischen Muslime wie Bürger zweiter Klasse. Heute vor 60 Jahren, in der Nacht zum 1. November 1954, fiel das Startsignal für den Befreiungskampf der Algerier. Im ganzen Land gingen Häuser französischer Siedler und Wachposten der Kolonialherren in Flammen auf. Zugleich explodierten in der Hauptstadt Algier und anderen Städten Bomben. Die Botschaft an die Besatzer war eindeutig: Es geht nicht mehr nur um Anschläge von kleinen Gruppen, die gesamte Nation erhebt sich im Kampf um die Unabhängigkeit. Am 5. Juli 1962 schließlich wurde die Unabhängigkeit Algeriens proklamiert.

FLN
▪︎ Front de Liberation Nationale 
▪︎ gründete sich per Manifest am Tag vor Kriegsbeginn 
▪︎ ging auch gegen muslimische »Kollaborateure« und Juden vor 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Am Algerienkrieg kann man ausgezeichnet die Unterschiede zwischen Albert Camus und Jean-Paul Sartre festmachen:
Camus auf die Frage, weshalb er den algerischen Unabhängigkeitskampf nicht unterstütze:
„Ich glaube an die Gerechtigkeit, aber bevor ich die Gerechtigkeit verteidige, werde ich meine Mutter verteidigen.”
- Albert Camus – Marxismus und Moral (Bruchlinien)
- Die Wahrheit ist eine Leidenschaft (Die Politische Meinung, PDF)
siehe auch:
- Ein politisches Experiment (Michael Onfray, Im Namen der Freiheit – Leben und Philosophie des Albert Camus)

- Sartre contra Camus – „Er bewunderte ihn – und wollte ihn verletzen“ (FAZ, 01.11.2013)
- Zwischen allen Fronten: ein fremder Eingeborener (Die Welt, 19.07.2008)
- Gassenjunge gegen Musterschüler (SPIEGEL, 04.11.2013)
- Albert Camus, Algerien und der Algerienkrieg (Arts & Lettres, PDF-Download)
(Möglicherweise hatte Sartres Ablehnung des Nobelpreises für Literatur 1964 auch etwas damit zu tun, daß Camus ihn 1957 vor ihm erhalten hatte.)

siehe auch:
- Der Ukraine-Konflikt 1 – Westliche Aufgeregtheit und staatliches Gedächtnis (Post, 04.03.2014)
- Heute vor 58 Jahren – 31. Oktober 1954: Der algerische Unabhängigkeitskrieg beginnt (Post, 31.10.2012)