Freitag, 16. September 2005

Zur Brust genommen

Gleichberechtigung made in USA

Daß die US-amerikanische Justiz zur Prüderie neigt, ist bekannt - so mußte auch schon einmal eine künstlerisch etwas freizügig gestaltete Justitia-Statue ihre Blöße bedecken. Um so weniger verwundert es, wenn das Zeigen realer Brüste im Land der Freien ein juristisches Nachspiel haben kann.

Außer natürlich man ist ein Mann. So hatte der 23-jährige Jerome Mason kaum an strafrechtliche Konsequenzen gedacht, als er sich mit nacktem Oberkörper präsentierte. Kurz darauf wurde er von der Polizei in Cincinnati wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen. Der Grund: Trotz seiner eher maskulinen Statur und Größe soll er Brüste besitzen, die offenbar geeignet sind, durch ihren Anblick Anstand, Sitte und Ordnung zu verletzen.


http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4510052_TYP6_THE4551806_NAV_REF1_BAB,00.html

Was würde Obelix wohl dazu sagen?

Wahlkampf in letzter Minute…

til mette, stern 36/2005
»Wenn Gerhard Schröder morgen auf dem Wasser wandeln würde, würde man ihm vorwerfen, daß er nicht schwimmen kann.«
Sigmar Gabriel

Donnerstag, 15. September 2005

Die Konstruktion der Welt

»Für einen Zauberer, sagte er, sei die Welt des alltäglichen Lebens nicht wirklich oder so, wie wir dies annehmen. Für einen Zauberer sei die Wirklichkeit oder die Welt, die wir alle kennen, nur eine Beschreibung.
Um diese Prämisse zu begründen, gab Don Juan sich alle Mühe, mich davon zu überzeugen, daß das, was in meinen Augen die wirklich vorhandene Welt war, nur eine Beschreibung der Welt sei; eine Beschreibung, die mir seit dem Augenblick meiner Geburt eingehämmert worden sei.
Jeder, der mit einem Kind in Kontakt komme, erklärte er, sei ein Lehrer, der unaufhörlich die Welt erkläre, bis zu dem Augenblick, wo das Kind die Welt so wahrnehmen könne, wie sie ihm erklärt wird. Nach Don Juan haben wir keine Erinnerung an diesen folgenschweren Augenblick, einfach weil wir keinen Bezugsrahmen hatten, in dem wir ihn mit etwas anderem hätten vergleichen können. Doch von diesem Augenblick an ist das Kind ein Mitglied. Es kennt die Beschreibung der Welt; und es erreicht, glaube ich, die volle Mitgliedschaft, wenn es in der Lage ist, alle seine Wahrnehmungen so zu deuten, daß sie mit dieser Beschreibung übereinstimmen und sie dadurch bestätigen.
Für Don Juan besteht die Wirklichkeit unseres alltäglichen Lebens daher aus einem endlosen Fluß von Wahrnehmungsinterpretationen, welche wir, die Individuen, denen eine bestimmte Mitgliedschaft gemeinsam ist, gemeinsam anzustellen gelernt haben.
Die Vorstellung, daß die Wahrnehmungsinterpretationen, welche die Welt konstituieren, im Fluß begriffen sind, stimmt mit der Tatsache überein, daß sie ununterbrochen stattfinden und selten, wenn überhaupt, in Frage gestellt werden. Tatsächlich wird die Realität der Welt, wie wir sie kennen, als so feststehend angesehen, daß die Grundprämisse der Zauberei, nämlich daß unsere Realität nur eine von vielen möglichen Beschreibungen ist, kaum eine Chance hat, als ernsthafte These akzeptiert zu werden.«
aus Castaneda, Reise nach Ixtlan

Mittwoch, 14. September 2005

Interview: Der amerikanische Traum ist ausgeträumt


05. August 2004 · Europa hat Amerika in vielerlei Hinsicht längst übertroffen - nur hat es das noch gar nicht gemerkt. Ein Gespräch mit Jeremy Rifkin über sein neues Buch „Der Europäische Traum”.


In Ihrem neuen Buch sagen Sie Europa eine vielversprechende Zukunft voraus, während Sie Amerika im Niedergang sehen. Was paßt Ihnen am amerikanischen Traum nicht mehr? Warum soll nun ein europäischer Traum an der Reihe sein?

Bis in die späten sechziger Jahre kamen sich Mythos und Realität des amerikanische Traums ziemlich nah. Kein Land war sozial durchlässiger als Amerika. Das hat sich radikal verändert. In bezug auf Einkommensgleichheit rangieren wir jetzt an vierundzwanzigster Stelle unter den Industriestaaten. Vor dreißig Jahren hätte noch jeder Amerikaner gesagt, er glaube an den amerikanischen Traum. Heute sagt ein Drittel von ihnen, sie hätten den Glauben daran verloren. Das ist erschreckend, denn der Traum war unser sozialer Kitt, der das Land zusammenhielt, und dieser Traum ist dabei zu verblassen. Zudem stellen viele seinen Kern, den materiellen, individuellen Erfolg, in Frage.

Aber warum schauen dann europäische Unternehmer so neidisch aufs amerikanische Modell?

Sie machen da einen Fehler. Die Europäische Union ist das erste transnationale Bündnis in der Geschichte, mit einem größeren Bruttoinlandsprodukt als Amerika. Um das wahre Ausmaß des Wandels zu begreifen, müssen wir die deutsche Wirtschaft mit der kalifornischen vergleichen, die britische mit der des Bundesstaats New York, die französische mit der texanischen. In jedem angeführten Fall sind die europäischen Staaten den amerikanischen überlegen. Wenn Sie die Sache so betrachten, erkennen Sie das ungeheure Potential dessen, was in Europa geschieht.

Europa sieht aber weniger eine blühende als eine unbezahlbare Zukunft und versucht sich in seiner Not eben auch an Amerika oder zumindest an dessen funktionierenden Teilen zu orientieren.

Falsch, falsch, alles falsch. Amerikaner prahlen gern, Europäer verzweifeln gern. Wenn Sie sich aber an die Wirklichkeit halten, müssen Sie feststellen, daß Europa Amerika in so bedeutsamen Bereichen wie Lebensqualität, Erziehung und Gesundheitsfürsorge schon übertroffen hat. Die Europäer müssen sich fragen: Nach welchen Werten wollen wir unser Leben führen? Wenn es nur, ungeachtet aller Risiken für die Lebensqualität, um höheres Gehalt und uneingeschränktes Wirtschaftswachstum gehen soll, kann Amerika Vorbild sein, aber nur streckenweise. Aber wir in Amerika glauben aufgrund unserer protestantischen Geschichte, daß jeder für sein Leben selbst verantwortlich ist. Wir halten uns für das auserwählte Volk. Wer unsere religiöse Inbrunst nicht versteht, kann uns nicht verstehen. Daraus beziehen wir unseren Optimismus: Was soll schon passieren, wenn wir Gott an unserer Seite haben? Ich frage mich, ob säkulare Europäer genug Hoffnung und Optimismus aufbringen, um ihren eigenen Traum, der allmählich Gestalt annimmt, zu verwirklichen.

Nun müssen Sie den Europäern erst einmal erzählen, was sie zu träumen haben.

In Europa kommen heute all die richtigen Elemente für einen radikal neuen Traum zusammen, einen Traum, der für die gesamte Welt viel attraktiver ist als der unzeitgemäße amerikanische Traum. Die Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Werten sind fundamental. So definieren Europäer Freiheit und Sicherheit völlig anders als Amerikaner, die Freiheit mit Autonomie, mit individueller Unabhängigkeit und Mobilität assoziieren und dies mit Geld zu erreichen versuchen. Für Europäer ist Freiheit nicht Autonomie, sondern Einbettung, menschlicher Beziehungsreichtum. Das ist mit der europäischen Bevölkerungsdichte, aber auch mit paternalistischen und kommunalistischen Traditionen zu erklären, Traditionen, die wir in Amerika nicht haben. Unser Traum stützt sich auf uneingeschränktes Wirtschaftswachstum, materiellen Reichtum und individuellen Fortschritt, der europäische Traum aber auf Lebensqualität, nachhaltige Entwicklung und eine nährende Gemeinschaft.

Wissen die Europäer das schon?

Nein, sie kennen zwar alle den amerikanischen Traum, haben aber keine Ahnung, wie ihr eigener aussieht. Ich habe jedoch auf meinen Reisen durch Europa eine junge Generation kennengelernt, die einen keimenden Traum hat. Er zielt ab auf Inklusivität oder dem Versprechen, niemanden zurückzulassen; auf Lebensqualität, denn Leben ist mehr als die Gehaltsabrechnung; auf kulturelle Vielfalt, nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte und Zusammenarbeit der Völker, um global den Frieden zu sichern.

Einmal angenommen, das sei nicht nur die Projektion eines Europa wohlgesinnten Amerikaners: Wie wäre dieser Traum zu bezahlen? Für die europäische Lebensqualität fehlen doch heute schon die finanziellen Mittel.

Europa muß sich um zwei Entwicklungen Sorgen machen. Um 2020 könnten massive demographische Probleme einsetzen, weil Europäer nicht genügend Kinder zeugen. Die Geburtenrate muß darum steigen, was nicht unmöglich ist, wie Frankreich bereits ansatzweise demonstriert, und die Tore Europas müssen für einen enormen Einwandererstrom geöffnet werden. Deutschland muß als Wirtschaftslokomotive dabei die Leitung übernehmen. Es hat bewiesen, daß es die ökonomische Macht, die es hat, auch zu teilen bereit ist, und darf jetzt nicht nur Lippenbekenntnisse ablegen, sondern muß für die Einwanderung Mechanismen entwickeln. Damit keine Festung Europa entsteht, damit Kulturen nicht getrennt nebeneinander herleben und derart ein Land ins Desaster stürzen, müssen Einwanderer sozial, kulturell und politisch miteinbezogen werden. Das amerikanische Modell kann da nicht allein maßgeblich sein. Europa muß erkennen, daß es Amerika überrundet hat, weil es in der Lage war, die Marktwirtschaft, diese ungeheure Kraft unternehmerischer Kreativität und Innovation, mit Verantwortung für das soziale Wohlergehen der Gemeinschaft zu durchsetzen.

Und Amerika soll der Welt gar nichts mehr zu bieten haben?

Ich will keinesfalls den Eindruck hervorrufen, Europa sei unser neues Utopia. Europa hat Riesenprobleme, es gibt Diskriminierung, Machtgerangel unter den einzelnen Ländern, Verärgerung über die Bürokratie in Brüssel, aber der europäische Traum hat Zukunft. In einer globalisierten Welt kann kein Traum mehr Gültigkeit haben, der nur auf individuelle Lebensverbesserung abzielt. Wenn die ganze Welt an den amerikanischen Traum glaubte, würde sie sich selbst zerstören.

Das Gespräch führte und übersetzte Jordan Mejias. Jeremy Rifkins neues Buch "Der Europäische Traum" erscheint am 12. August im Frankfurter Campus Verlag.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2004, Nr. 180 / Seite 33

Rechtschreibreform oder Fünf Schritte zur Abschaffung der Rechtschreibung

http://www.raytec.de/rechtschreibreform/humor.htm

Suizid à la Carte

Beim jährlichen Treffen der australischen Gesellschaft für Gerichtsmedizin (AAFS) berichtete der Präsident Dr. Don Haper Mills seinem erstaunten Publikum von den rechtlichen Komplikationen eines bizarren Todefalles.

Ein Pathologe untersuchte die Leiche von Mr. Ronald Opus und kam zu dem Schluß, daß er an einer Schußwunde im Kopf gestorben sei. Der Verstorbene war vom Dach eines 10-stöckigen Hauses gesprungen, um Selbstmord zu begehen.
Er hinterließ einen Abschiedsbrief, der seine Mutlosigkeit deutlich macht. Als er am neunten Stock vorbeifiel, wurde sein Leben durch eine Pistolenkugel, die aus einem Fenster kam, abrupt beendet. Weder der Schütze noch der Fallende waren sich des Sicherheitsnetzes bewußt, das unterhalb des achten Stockwerks angebracht worden war, um Bauarbeiter zu sichern. Es verhinderte, daß Ronald Opus seinen Selbstmord wie geplant ausführen konnte.

»Normalerweise«, fährt Dr. Mills fort, »gilt eine Person, die Suizid begehen will und damit letztlich erfolgreich ist, sogar wenn das gewählte Mittel versagt, immer noch als Selbstmörder. Mr. Opus wurde auf seinem Weg in den sicheren Tod erschossen, aber sein Selbstmordversuch wäre wahrscheinlich am Sicherheitsnetz gescheitert. So kam der Gerichtsmediziner zu dem Schluß, daß es sich hier um einen Mordfall handelt.«
Den Raum im neunten Stock, aus dem der Schuß abgefeuert wurde, bewohnte ein älteres Ehepaar. Sie hatten gerade einen heftigen Streit, und er bedrohte sie mit der Pistole. Der Mann war so aufgebracht, daß er seine Frau komplett verfehlte, die Kugel aus dem Fenster flog und Mr. Opus traf.
Wenn jemand beabsichtigt, Person A umzubringen, stattdessen aber Person B tötet, so ist er des Mordes an Person B schuldig. Als der Mann und die Frau mit der Mordanklage konfrontiert wurden, waren beide uneinsichtig, denn sie waren überzeugt, daß die Pistole nicht geladen sei. Der Mann sagte aus, es sei eine alte Angewohnheit von ihm, seine Frau mit der ungeladenen Pistole zu bedrohen. Er habe nicht die Absicht gehabt, sie umzubringen. Sollte die Pistole also zufällig geladen gewesen sein, müßte man den Tod des Ronald Opus deshalb als Unfall betrachten.
Weitere Untersuchungen brachten einen Zeugen ans Licht, der gesehen hatte, wie der Sohn des Ehepaares ungefähr 6 Wochen vor dem tödlichen Unfall die Pistole geladen hatte. Es kam heraus, daß die Mutter ihrem Sohn die finanzielle Unterstützung gestrichen hatte und der Sohn, der die Angewohnheit seines Vaters kannte, die Mutter mit der Pistole zu bedrohen, die Pistole in der Erwartung geladen hatte, sein Vater würde die Mutter erschießen.
Jetzt sah der Fall so aus, der der Sohn in einen Mordfall gegen Ronald Opus verstrickt war.

Aber der Clou der Geschichte kommt erst jetzt. Im Laufe der Untersuchungen kam ans Licht, daß der Sohn Ronald Opus war. Über den Verlust der finanziellen Unterstützung und den vergeblichen Versuch, seine Mutter umzubringen, war er immer deprimierter geworden. Das brachte ihn dann dazu, vom Dach des zehnten Stocks zu springen - nur um im neunten Stock von einer Pistolenkugel, die aus dem Fenster flog, getötet zu werden. In Wirklichkeit hatte also der Sohn sich selbst umgebracht, so daß der Fall als Suizid geschlossen wurde.

Saubere Arbeit, Ronnie!
Osho Times 9/98
Zur Geschichte hinter der Geschichte: 1994's Most Bizarre Suicide (bei Snopes)

Die Geschichte mit dem Hammer


Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er »Guten Tag« sagen kann, schreit ihn unser Mann an: »Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!«
aus Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Psychotherapie: Die Sicherheit des Bekannten…


»Der Patient behautet zu Beginn der Therapie meistens, daß er sich ändern möchte, aber in Wahrheit will er so bleiben, wie er ist, und der Therapeut soll nur etwas unternehmen, damit er sich besser fühlt. Er will einfach ein erfolgreicherer Neurotiker werden und bekommen, was er sich wünscht, ohne das Risiko des Neuen auf sich nehmen zu müssen. Die Sicherheit des bekannten Elends ist ihm lieber als die ungewohnte Blöße der Ungewißheit.«
aus Sheldon B. Kopp, Triffst Du Buddha unterwegs…

Dienstag, 13. September 2005

Der gelbe Teufel

Vor ungefähr zweihundert Jahren ging einmal ein Herr, der nicht weit von hier allein in einem großen Haus wohnte, auf den Markt und sah dort einen Teufel in einem Käfig. Es war ein Teufel mit Schwanz, gelbem Fell und zwei langen, scharfen Fangzähnen. Er war ungefähr so groß wie ein kräftiger Hund. Der Teufel hockte ruhig in seinem Käfig aus starkem Bambusrohr und nagte an einem Knochen. Neben dem Käfig stand ein Marktverkäufer, und der Herr fragte ihn, ob der Teufel zu kaufen sei.
„Aber ja”, sagte der Händler, „sonst wäre ich ja nicht hier. Das ist ein vortrefflicher Teufel. Er ist stark und fleißig und kann alles, was Ihr von ihm verlangt. Er versteht zu zimmern, er ist ein guter Gärtner, er kann kochen, flicken, Holz hacken, vorlesen, und was er nicht kann, das kann er lernen. Und ich verlange nicht viel dafür. Wenn Ihr mir 5o ooo Yen gebt, gehört er Euch.“
Der Herr handelte nicht und zahlte bar, denn er wollte den Teufel sofort mit nach Hause nehmen.
„Einen Augenblick”, sagte der Händler. „Weil Ihr nicht mit mir gefeilscht habt, will ich Euch etwas sagen. Schaut, er ist natürlich ein Teufel, und Teufel sind schlecht, das ist ja bekannt.“
„Und du hast gesagt, er sei ein vortrefflicher Teufel”, sagte der Herr empört.
„Jaja”, sagte der Händler, „und das stimmt auch. Er ist ein vortrefflicher Teufel, aber er ist schlecht. Er wird ewig ein Teufel bleiben. Ihr könnt an ihm viel Freude haben, aber nur unter einer Bedingung: Ihr müßt ihn die ganze Zeit beschäftigen, jeden Tag müßt Ihr ihm sein Tagewerk aufgeben: Von dann bis dann mußt du Holz hacken, dann mußt du zu kochen anfangen, nach dem Essen kannst du dich eine halbe Stunde ausruhen, aber du mußt dich wirklich hinlegen und entspannen, und danach kannst du den Garten umgraben, und so weiter. Wenn er frei hat, wenn er nicht weiß, was er tun soll, dann ist er gefährlich.“
„Wenn's nicht mehr ist”, sagte der Herr und nahm den Teufel mit. Und alles verlief nach Wunsch. Jeden Morgen rief der Herr den Teufel zu sich; der Teufel kniete gehorsam nieder, der Herr gab ihm sein Tagewerk auf, und der Teufel machte sich an die Arbeit und schuftete den ganzen Tag. Wenn er nicht arbeitete, ruhte oder spielte er, aber stets befolgte er die Befehle.
Dann, einige Monate später, traf der Herr in der Stadt einen alten Freund, und über der Freude des unverhofften Wiedersehens mit seinem früheren Gefährten vergaß er alles andere. Er nahm den Freund mit in ein Wirthaus, beide tranken Sake, einen kleinen Steinkrug nach dem anderen, dann aßen sie ein gutes Mahl und tranken noch mehr, und schließlich landeten sie im Weidenviertel, Die Frauen hielten die beiden Freunde beschäftigt, und spät am nächsten Morgen wachte der Herr in einer fremden Kammer auf. Zuerst wußte er nicht, wo er war, aber allmählich dämmerte ihm alles, und sein Teufel fiel ihm wieder ein. Sein Freund war gegangen. Er bezahlte die Frauen, die auf einmal ganz anders aussahen, als er sie vom vergangenen Abend in Erinnerung hatte, und eilte nach Hause. Als er an seinem Garten ankam, roch er Feuer und sah Rauch aus der Küche aufsteigen. Er stürmte ins Haus und sah den Teufel auf dem Holzfußboden der Küche sitzen. Er hatte ein offenes Feuer entfacht und röstete das Nachbarskind an einem Spieß.

aus Janwillem van de Wetering, Der leere Spiegel

Liebe…

Der Soziologe John Alan Lee [Colors of Love, 1976] führt in seiner Studie über die Liebe sechs Haupttypen der romantischen Liebe auf:
1. Eros: Dieses Form von Liebe basiert auf körperlicher Anziehungskraft. Meist ist diese so schnell wieder vorüber, wie sie begonnen hat. Eine feste, dauerhafte Beziehung ist hier in den seltensten Fällen zu erwarten.
2. Ludus: (lat. Spiel) beschreibt die spielerische Liebe, mit Täuschungsmanövern, Eifersüchteleien etc. In der Regel zeigen die Partner kein großes Verantwortungsbewußtsein gegenübereinander.
3. Storge: bedeutet Wärme und Zuneigung. Eine Liebe die sich langsam, ohne Verrücktheiten aufeinander zubewegt. Storge entspringt der Freundschaft. Es ist die beständige Form der Liebe.
4. Mania: ist die stürmische Art der Liebe. Der manisch Liebende wird von starken Antrieben bestimmt - das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung seitens der geliebten Person ist unstillbar.
5. Pragma: eine eher pragmatische, unterkühlte Form der Liebe. Der pragmatisch Liebende sucht sich seinen Partner nach einer gedanklichen "Checkliste" aus, der die von ihm gewünschten Eigenschaften aufweist.
6. Agape: bezieht sich auf das christliche Konzept der Liebe, als nichts fordernd, geduldig, freundlich und allumfassend. Interessant ist, daß Lee eingesteht, er selbst habe nicht ein einziges Beispiel uneingeschränkter Agape finden können, so daß man wohl annehmen darf, daß diese Form der Liebe eher ein Ideal bleiben wird.

Lee ist überzeugt, daß die zufriedenstellendsten Beziehungen jene sind, in denen die Liebenden mit den gleichen Erwartungen an die Liebe heran gehen und unter Liebe das Gleiche verstehen.
mehr unter
http://www.soc.psy.ruhr-uni-bochum.de/publikationen_und_berichte/Projekt%20Enge%20Beziehungen.pdf
http://www.merian.fr.bw.schule.de/mueller/SchuelerII/Facharbt/Liebe/liebe2.htm
http://www.psychologie.unizh.ch/klipsa/team/boothe/lehre/ws03/documents/LiebeWerlenReferatVorlEntwicklpsychWS030412.pdf
http://www.psychologie.unizh.ch/klipsa/team/boothe/lehre/ws03/documents/ProtokollVorlEntwckpsychWS0304LIEBE120104Gemperle.pdf
http://www.psychologie.unizh.ch/klipsa/team/boothe/lehre/ws03/documents/ProtokollVorlEntwcklpsychWS0304LIEBE120104Arboleda.pdf
… und noch mehr unter
http://www.psychologie.unizh.ch/klipsa/team/boothe/lehre/ws03/PsaGrundlagenMaterialiena.shtmlzu wenig Sex?

Auf immer und ewig…

Eisenhowers Warnung

[…] Präsident Dwight D. Eisenhower brachte 1960 in seiner Abschiedsrede diese Gefahr auf den Punkt:
„Die Verbindung eines riesigen Militärestablishments mit einer gewaltigen Rüstungsindustrie ist eine neue Erscheinung in der Geschichte Amerikas. Der Einfluß - ökonomisch, politisch, sogar geistig - ist spürbar in jeder Stadt, jedem Bundesstaat, jedem Regierungsbüro. Vor allem unsere Regierungsgremien müssen wir vor der bewußten oder unbewußten Übernahme unberechtigter Machtbefugnisse durch den Militär-Industrie-Komplex schützen. Denn das Potential für ein unheilvolles Anwachsen von Macht am falschen Ort besteht und stabilisiert sich. Nur eine wache und informierte Öffentlichkeit kann dafür sorgen, daß diese mächtige industrielle und militärische Verteidigungsmaschinerie an unsere friedlichen Methoden und Ziele gebunden bleibt, damit Sicherheit und Freiheit gemeinsam gedeihen können." (Vexler 1970, 235)
aus einem Vorabdruck von H.J. Krysmanski, Hirten und Wölfe, Wie die Geld- und Machteliten der USA sich die Welt aufteilen

President Eisenhower's Farewell Speech Warning Of Military and Corporation Take Over [14:04]

Hochgeladen am 07.12.2011
President Eisenhower's Warning

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Popularität erlangte der Begriff durch den US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, der in seiner Abschiedsrede vom 17. Januar 1961 ausdrücklich vor den Verflechtungen und Einflüssen des militärisch-industriellen Komplexes in den USA warnte.[3] Eisenhower, der selbst einst Generalstabschef der Armee war, sah wie Mills den militärisch-industriellen Komplex als eine Gefahr für die demokratischen Institutionen und die Demokratie an. Durch die Einwirkung dieses Komplexes auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft könne die politische Führung veranlasst werden, Konflikte eher militärisch als politisch lösen zu wollen und damit als verlängerter Arm der Lobby der Rüstungsindustrie agieren:

Ausschnitt aus Eisenhowers Notizen zu seiner Abschiedsrede: "military-industrial complex"

“In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together.”
„Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss -- beabsichtigt oder unbeabsichtigt -- durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.“[4] [Militärisch-industrieller Komplex, Prägung des Begriffs, Wikipedia]
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Bob Dylan - Masters of War - lyrics [5:56]   Übersetzung   Interpretation (Words in the Bucket, 27.02.2015)   “Masters of War”; the meaning of the music and the lyrics (Tony Attwood, 18.08.2014, sehr empfohlen)
Veröffentlicht am 04.11.2013
via YouTube Capture

zu dem Lied siehe auch:
Heute vor 20 Jahren – Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung (20.02.2011, aktualisiert am 12.12.2015 – Masters of WarBlowin’ in the Wind

Ersatzfamilie in der Kids-Küche

Organisationen wie die „Berliner Tafel” bieten warme Mahlzeiten für Kinder aus armen Familien oder schwierigen Verhältnissen. Der Bedarf ist erschreckend hoch.

Mittagszeit im Jugendzentrum „Arche” in Hellersdorf, der tristen Plattenbausiedlung im Osten Berlins. Schulranzen und Jacken fliegen mit Karacho in die Ecke, an der kleinen Essensausgabe drängeln sich die Kids um einen Teller deftigen Eintopf. Noch schnell ein Gebet, dann wird gegessen, gequatscht und herumgealbert. Mehr als 170 Kinder holen sich hier täglich eine kostenlose warme Mahlzeit ab. Für viele ist es das erste Essen an diesem Tag für einige wird es das einzige bleiben. „Hier in Hellersdorf bekommt nur jedes dritte Kind ab und zu in der Woche eine warme Mahlzeit”, weiß Pastor Bernd Siggelkow, der die „Kids-Küche” vor drei Jahren gründete. Seitdem hat sich die Zahl der kleinen Besucher verachtfacht. Die Arche ist für sie Ersatzküche und vielleicht auch ein wenig Ersatzfamilie, weil zu Hause niemand Zeit, Geld oder Lust zum Kochen hat. „Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Alkoholismus: Die familiären Hintergründe der Kinder sind zum Teil dramatisch”, sagt Siggelkow.
In Berlin versorgen derzeit vier Einrichtungen gezielt Kinder und Jugendliche mit Essen, in anderen Städten gibt es ähnliche. Viele von ihnen organisieren die Mahlzeiten über Vereine wie die Berliner Tafel. Deren 200 ehrenamtliche Helfer sammeln bei Supermärkten, Bäckereien oder Restaurants überzählige Lebensmittel ein und geben sie an Bedürftige weiter. Die Berliner Tafel bietet nicht nur Mahlzeiten für täglich 15.000 Menschen, sondern verteilt zusätzlich für 20 Cent Frühstückspakete mit Käsebrötchen, Apfel und Safttüte an 14 Grundschulen. „Die Essensversorgung bei Kindern hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert”, sagt Tafel-Vorsitzende Sabine Werth. „Ein Viertel unserer Essen geht an Kinder.”
Solche Zahlen zeigen das Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland. Laut Kinderschutzbund leben mehr als eine Million Kinder von Sozialhilfe. Bei den unter Siebenjährigen hat sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger in den letzten Jahren verdreifacht. „Tauchen Probleme wie Arbeitslosigkeit auf, dann verlieren manche Eltern ihre Kinder aus dem Blick”, so Gabriele Wichert, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes. „Immer öfter fällt das gemeinsame Essen aus, und damit eine wichtige Gelegenheit zum Reden.” Deshalb sollten Suppenküchen die Kinder nicht einfach nur schnell abfüttern, sondern ein Ort sein, an dem sich die kleinen Besucher wohlfühlen, Ansprechpartner finden und spielen können.
aus Greenpeace Magazin 6/2004

Freitag, 12. August 2005

TaiJi

das ist die Seite …

Ost-Krankenkassen erhielten 24 Milliarden Euro

Die Wiedervereinigung im Jahr 1991 und der Transfer der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) Westdeutschlands in die fünf neuen Bundesländer hat die GKV bis zum Jahr 2003 mit insgesamt 24 Milliarden Euro belastet. Dies hat das Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung in Kiel errechnet.
aus A+S aktuell, 19/2003

Samstag, 24. April 2004

Bushs "Presidential Daily Briefing" vom 6.August 2001 freigegeben

"Hysterisch" oder "historisch" lautet nun die Frage, nachdem Bushs "Presidential Daily Briefing" vom 6.August 2001 freigegeben worden ist
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Wie Condoleezaa Rice vergangenen Donnerstag unter Eid aussagte, handelte es sich bei den Warnungen von CIA und FBI vor einem al-Qaida-Anschlag in den USA, die dem Präsidenten am 6. August 2001 vorgelegt wurden, um rein "historisches" Material ohne irgendwelchen konkreten Hinweise. "Sie sagten uns nicht wann, sie sagten uns nicht wie, sie sagten uns nicht wo..." hatte die Sicherheitsberaterin vor der Kommission verdeutlicht – und damit unfreiwillig auch eine Parallele zu den Dossiers über die WMD des Irak gezogen. Diese sagten bekanntlich genauso wenig Konkretes aus, was die Bush-Regierung aber nicht daran hinderte, 120.000 Mann in Marsch zu setzen und das Land zu überfallen, weil sonst – wie ihr Pudel Tony Blair gebellt hatte – "in 45 Minuten" Saddams nicht vorhandene Raketen auf unseren Dächern einschlagen könnten.

"Hysterisch" wäre eine sehr dezente Beschreibung für diese Reaktion. "Wahnsinnig" oder "kriminell" angesichts 10.000 ziviler Opfer im Irak wahrscheinlich angemessener – vor allem, wenn man sie mit dem lethargischen Nichtstun nach dem Erhalt der Nachricht "Osama Bin Laden entschlossen innerhalb der USA anzugreifen" vergleicht. Während die Geheimdienstdossiers über die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen tatsächlich aus "historischem" (sowie gefälschtem und aus dem Internet zusammen kopiertem) Material bestanden, gab das Presidential Briefing am 6. August 2001 einen zeitnahen Lagebericht und verwies auf aktuelle, konkrete Ermittlungen von FBI und CIA.

Nevertheless, FBI information since that time indicates patterns of suspicious activity in this country consistent with preparations for hijackings or other types of attacks, including recent surveillance of federal buildings in New York.
The FBI is conducting approximately 70 full field investigations throughout the US that it considers Bin Ladin-related. CIA and the FBI are investigating a call to our Embassy in the UAE in May saying that a group of Bin Ladin supporters was in the US planning attacks with explosives.
Rice hatte vor dem Ausschuss beteuert, dass man daraus "wegen fehlender Details keine Schlussfolgerungen zur Abwehr einleiten konnte". Eine Ansicht, die sich schwer bestreiten lässt, denn Täter, Ort und Uhrzeit des Anschlags waren ja tatsächlich nicht genannt. Der Täuschungsversuch wird allerdings deutlich, wenn man diese Reaktion mit den fehlenden Details aus dem Irak – und der sofortigen Schlussfolgerung zum Angriff – vergleicht. Und er wird offensichtlich wenn man in Rechnung stellt, dass mit Bushs Amtsantritt der Antiterror-Chef des FBI, John O'Neill von der al-Qaida-Fahndung in Jemen und Saudi-Arabien abgezogen wurde (und resignierte), dass der Antiterror-Chef des Weißen Hauses, Richard Clarke (Was wusste US-Präsident Bush – und warum wollte er nichts davon wissen?), und seine Abteilung in die zweite Reihe gestuft und kaum noch gehört wurden, dass FBI-Agenten vor Ort mit ihren Dossiers über verdächtige Flugschüler und Haftbefehlwünschen von ihrer Zentrale abgewimmelt wurden und Dutzende Vorwarnungen befreundeter Nachrichtendienste kein Gehör fanden.
Ich bin zufrieden, dass ich niemals irgendwelche Geheimdiensterkenntnisse sah, die darauf hindeuteten, dass es einen Anschlag auf Amerika geben würde – zu einer Zeit, an einem Ort, ein Anschlag.
So Präsident Bush am Sonntag vor dem Kirchgang in seiner ersten Äußerung zu der Veröffentlichung des Briefings. Der Präsident sprach wieder einmal ohne Skript, sonst hätten ihm seine Berater das "I am satisfied..." sicher gestrichen, denn Zufriedenheit darüber, nicht rechtzeitig über ein anstehendes Massaker informiert worden zu sein, um es zu verhindern, kann wohl nur jemand äußern, der nur mit diesem Nicht-Wissen seine Haut retten kann.
mehr:
- Flugzeuge als Bomben? - Unvorstellbar! (Mathias Bröckers, Telepolis, 14.04.2004)
siehe auch:


Under pressure from the commission investigating the 11 September attacks, the White House has released a highly classified presidential briefing from a month before the hijackings.

The White House says the document contained no new information or intelligence that could be acted on, while President Bush's critics charge that it shows his administration ignored warnings of potential domestic terror strikes.

Q: What is the document the White House released?

It is the President's Daily Briefing of 6 August 2001. In April 2004 testimony to the 9/11 commission, National Security Adviser Condoleezza Rice revealed that the briefing was entitled "Bin Laden Determined to Strike in US", drawing audible gasps from some onlookers.

President Bush received the briefing from a CIA official while on holiday at his ranch in Texas 36 days before the 9/11 attacks.

Q: What does it say?

The 17-sentence document says that:

Osama Bin Laden had vowed to retaliate "in Washington" for US missile strikes on his base in Afghanistan in 1998; He "prepares operations years in advance and is not deterred by setbacks; "Al-Qaeda members - including some who are US citizens - have resided in or traveled to the US for years, and the group apparently maintains a support structure that could aid attacks"; US intelligence agencies "have not been able to corroborate some of the more sensational threat reporting", including a 1998 warning that Bin Laden planned airline hijackings to gain the release of Islamic extremists held by the US.
years 
[]


Sonntag, 13. April 2003

Das privilegierte Geschlecht

Frauen, heißt es ständig, werden benachteiligt. Stimmt das wirklich, fragten sich unabhängig voneinander ein israelischer und ein deutscher Forscher. Ihre Antwort: nein! Wie es zugeht im Patriarchat, erfuhr der Medienwissenschaftler Arne Hoffmann, 35, im Herbst 1998, als er mit seinem Manuskript zum Stand des Geschlechterkriegs bei hiesigen Buchherstellern vorsprach. 80 Verlage lehnten das Opus als „zu brisant“ oder „zu polarisierend“ ab. Schließlich ermannte sich ein Berliner Szeneverlag. Rezensionen? Fehlanzeige.

Was hatte der Mann aus dem Taunus da bloß verzapft? Ein Frauen verachtendes Machwerk? Eine sexistische Ketzerei? Eine absurde, durch nichts zu belegende Theorie? Ganz im Gegenteil. Hoffmanns Buch ist faktensatt (554 Belegquellen), es hat nur einen Makel: Sein Gegenstand ist die Benachteiligung von Männern. Emsig hat der Autor Belege zusammengetragen, um nachzuweisen, dass in unserer Gesellschaft „bestimmte aggressive Vorurteile“ gegen Männer gepflegt und Frauen dadurch privilegiert würden.

In diesen Tagen erhält der deutsche Maskulinist renommierten Flankenschutz: Martin van Creveld, „Israels führender Historiker“ („Sunday Telegraph“), hat eine Art Weltgeschichte der weiblichen Bevorzugung verfasst – mit der Conclusio, dass nichts unsinniger sei als die Meinung, Adam habe Eva stets unterdrückt. Das weibliche Geschlecht habe vielmehr auf Grund seiner Fruchtbarkeit schon allen frühen Gesellschaften als wertvoller und schützenswerter gegolten. Creveld: „Das weibliche ist das erste Geschlecht; er existiert, um ihr zu dienen, nicht andersherum“ (siehe Interview S. 126).

Das las man bisher anders – jedermann hat die Litaneien über weibliche Benachteiligung im Ohr -, aber die Belege, die beide Autoren für ihre These anführen, sind Legion.

mehr:
- ZEITGEIST – Das privilegierte Geschlecht (Michael Klonovsky, Focus, 07.04.2003)

staatliche Lügenpresse interviewt Arne Hoffmann (und macht ihn "so gut wie möglich" lächerlich) {6:03}

Nico Morger
Am 11.06.2016 veröffentlicht 
http://genderama.blogspot.com/
Genderama ist das Blog des linken Flügels der antisexistischen Männerbewegung (Maskulismus). Es wird von Arne Hoffmann betrieben. Arne Hoffmann ist Mitglied von MANNdat und unterstützt die Initiativen Gleichmaß e.V. sowie das Forum Soziale Inklusion.
"Auf die Revolutionäre von heute werden keine Scharfschützen mehr angesetzt, Attentate zielen heute auf den Ruf eines Gegners." (Mathangi "Maya" Arulpragasam)
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3sat schreibt beim Video
Mehr Männlichkeit wagen!
Die boomende maskulistische Bewegung sind radikale Vertreter der selbsternannten Maskulisten. Was regt sie auf? Warum fordern sie wieder mehr Männlichkeit?
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meine Anmerkung:
Man sehe sich das Video ein zweites Mal an und stelle sich dabei vor, dieser 3sat-Beitrag würde die Geschlechter einfach vertauschen: 
Wie käme der Film dann rüber?

Dienstag, 31. Dezember 2002

Medien: intellektuelle Korrumpierbarkeit in Konfliktzeiten

"Journalisten immer anfälliger für Propaganda" - zu diesem Ergebnis kommt eine kritische Medienstudie, in Auftrag gegeben von einer schwedischen Regierungsbehörde. Grundlage war vor allem die Informationspolitik zu Zeiten des Kosovokrieges

Manipuliert von Politikern und Militärs sowie deren Propagandastrategen. Das waren die Medien im Kosovokrieg, einem Informationskrieg, den die Nato gewann und in den sich Presse und Fernsehen in eine "unkritische Kampagne für die Sache der Kosovoalbaner einspannen ließen". Zu diesem Fazit kommt eine in dieser Woche veröffentlichte Studie ("Kampen om det kommunikative rummet" - "Kampf um den kommunikativen Raum") des schwedischen "Amts für psychologische Verteidigung". Eine Regierungsbehörde, die im Falle einer Krisen- oder Kriegssituation die eigene Bevölkerung in der Richtung "beeinflussen" soll, welche dem Staatsinteresse dient. Die jetzige Kritik an den unkritischen Medien beinhaltet gleichzeitig das Urteil, dass vor allem den USA ihr Propagandakrieg glänzend gelungen ist: "Die Medien der Krieg führenden Länder verwandelten sich von einem kritischen Kontrolleur der Staatsmacht zu einer vierten Waffengattung neben Heer, Luftwaffe und Marine." Ausgewertet wurden die größten schwedischen Print- und TV-Medien, die dann zum Teil mit britischen Medien verglichen wurden. In weiten Teilen dürfte die Studie aber auch für Resteuropa repräsentativ sein. Hier vor allem die Handhabung der aus dem Nato-"Media Operations Center" kommenden Informationen und unkritische Übernahme von als weithin "unzuverlässig" eingestuften Informationen aus US-Quellen.

"Dominanz der USA"
Die Studie konstatiert eine "Dominanz des US-Weltbilds", welche "nationale Unterschiede vor allem in den westlichen Medien immer mehr vermindert". Die JournalistInnen ließen sich von diesem Weltbild beeinflussen. Eine Tendenz zu einer regelrechten freiwilligen Gleichschaltung meinen die skandinavischen ForscherInnen ausgemacht zu haben: "Die Unabhängigkeit und die Integrität der Medien in der westlichen Welt ist in der neuen Weltordnung immer mehr zurückgegangen."

mehr:
- Heer, Luftwaffe, Marine - Medien? (Reinhard Wolff, taz, 31.12.2002)
- schwedische Studie über NATO-Propaganda im Kosovokrieg (der taz-Artikel von Reinhard Wolff bei infopeace.stderr.de)
- Journalisten - Opfer der Propagandamaschine (Nina, Thread Schere im Kopf, Journalismus.com, zitiert wird ein Artikel vom 31.12.2002)

Die Anstalt: D. Trump vs. H. Clinton {7:41}

Am 02.11.2016 hochgeladen
Mr. Milgram
Gegen-Sozialismus.jimdo.com
http://gegen-sozialismus.jimdo.com

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Als Methode der psychologischen Kriegsführung zählt alles dass die Moral der gegnerischen Kräfte stört, vermindert oder zerstört oder deren Wahrnehmung verfälscht. Propaganda und Gaslighting gehören ebenso wie brutale Abschreckungsbeispiele dazu.[6][7] Auch der unmittelbare Einsatz militärischer Mittel kann Elemente psychologischer Kriegsführung enthalten. So können Manöver nahe dem Hoheitsgebiet eines potenziellen Gegners dessen Kampfeswillen schwächen oder Überfälle im Hinterland zur Verunsicherung gegnerischer Truppen führen.
Klassische Methoden bzw. Medien der psychologischen Kriegführung sind auch das Verteilen von Handzetteln, das Verbringen von Flugblättern per Flugzeug, Ballon, Granate oder Rakete, Lautsprecheraufrufe oder Hörfunksender. Dabei nutzt man die Erkenntnisse der modernen Werbepsychologie: Flugblätter wurden etwa im Zweiten Weltkriegauch im Stil der jeweiligen Landeswährung gefertigt und waren auf den ersten Blick kaum von einem auf der Straße liegenden Geldschein zu unterscheiden. [Psychologische Kriegsführung, Methoden, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 21.01.2018]
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siehe auch:
- Die psychologische Verteidigung : Die Grundzüge der Vorlage einer schwedischen Regierungskommission über die Massnahmen zur Stärkung der psychologischen Verteidigungsbereitschaft Schwedens (Verfasser unbekannt, Artikel aus dem Jahr 1954)

Horst-Eberhard Richter erwähnt diese Studie in dem folgenden Interview mit Sandra Maischberger


Sandra Maischberger interviewt Horst-Eberhard Richter {21:01 – Start bei 1:13}


docuville2 cinematographos
Am 05.05.2016 veröffentlicht 
ntv-Sendung vom 27.3.2003

siehe dazu:
- Der Kosovo-Krieg in den Medien - Analyse einer globalen Diskursordnung (Birgitta Höijer, Stig Arne Nohrstedt, Rune Ottosen, conflict & communication online, Vol 1 Nr. 2 2002)
- Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg (Elvi Claßen, Medienanalyse, Ausgabe 7/1999, Themenhaft Kosovo-Krieg)
"Die westlichen Führer sind intensiv damit beschäftigt, die Geschichte umzuschreiben, um das Desaster der Bombardierung des Balkans zu rechtfertigen. Der Wandel in der Informationspolitik, in der Rhetorik und in den Begründungen, seit die Bombardierungen am 24. März begannen, lähmt buchstäblich die Sinne. So sehr sie sich auch davor fürchteten, haben sie ein wirklich dunkles Kapitel der Geschichte aufgeschlagen und sehen sich jetzt in der Gefahr, daß ihnen die Kontrolle über die Entwicklungen entgleitet. Eine Möglichkeit, das Versagen als Erfolg darzustellen, ist die Konstruktion einer mächtigen Medienrealität und die Dekonstruktion der realen Realität. Das ist die Essenz des Medienkrieges, und das ist, was gerade geschieht." (Covering Up NATO's Balkan Bombing Blunder, Jan Oberg, Transnational Foundation for Peace and Future Research, Pressemitteilung vom 14.04.1999)
zur West-Propaganda im Kosovo-Krieg siehe:
- Frieden muss gestiftet werden – Europas Sündenfall: der Kosovo-Krieg (Post, 24.11.2014)

siehe auch:
- Im Verwirrspiel gleichgeschaltet (Horst-Eberhard Richter, der Freitag, 24.01.2003, im Folgenden einige Ausschnitte)
Viele Journalisten wissen, dass sie zu Handlangern einer Kriegspropaganda werden. Aber sie sagen nicht, was sie merken
Gemeinsam entwickelten wir damals einen ausführlichen Fragebogen zur Arbeitssituation und zum Befinden, den wir allen Redakteuren des politischen Programmteils des Bayrischen und des Norddeutschen Rundfunks übermittelten, die keine höhere Position als die eines Redaktions- beziehungsweise Abteilungsleiters innehatten. 101 von 191 angefragten Redakteuren schickten den Bogen ausgefüllt zurück – eine befriedigende Beteiligung angesichts des heiklen Themas. 69 Prozent der Befragten stellten fest, das Publikum werde von den Sendern politisch bevormundet. Die Journalisten des Bayrischen Rundfunks schätzten diesen Einfluss noch höher ein als ihre NDR-Kollegen. Journalisten, die sich auf einer Skala eher als links orientiert einstuften (63 Prozent), empfanden sich gegenüber früher als stärker von oben kontrolliert und eingeschränkt.

Der Spiegel veröffentlichte die Resultate. (siehe: Rundfunk: Angst vor der Angst, SPIEGEL, 17.07.1978) Es gab darüber keine besondere Aufregung außer beim Intendanten des Bayrischen Rundfunks. Wo steckten die Verräter, die Nestbeschmutzer, die sich hinter dieser Recherche verbargen? Alle internen Verhöre blieben erfolglos. Einen der Gesuchten habe ich später gelegentlich auf dem Bildschirm wiedergesehen – mit zunehmend brav affirmativen Kommentaren.

Es war die Zeit, als sich der Reformgeist, der von unten aus überall die hierarchischen Strukturen erschüttert hatte, langsam wieder zurückzog. Die antiautoritäre Strömung, die zuvor vielen Mut gemacht hatte, eine traditionelle Anpassungshaltung zugunsten unabhängiger kritischer Stellungnahme aufzugeben, ebbte ab. […]
Als 1991 Golfkrieg Nummer zwei bevorstand, eilten die deutschen Medien mit ihrer Unterdrückung von Kriegskritik den Amerikanern noch voraus. Ein Beispiel aus der eigenen Erfahrung: Wenige Wochen vor Kriegsausbruch flog ich mit einem selbstverfassten Friedensappell, den 450 deutsche Professorinnen und Professoren unterschrieben hatten, nach Washington. Andreas Flitner und ich diskutierten den Appell mit Politikern in beiden Häusern des amerikanischen Kongresses und konnten den Text sogar ungekürzt in der Washington Post unterbringen. Gleichzeitig erläuterte Andreas Buro den Appell auf einer stark besuchten Pressekonferenz in Bonn. Aber keine deutsche Zeitung traute sich, den Appell zu drucken oder auch nur als Notiz bekannt zu machen. Den Amerikanern sollte verschwiegen werden, was eines ihrer angesehensten eigenen Blätter dem Publikum bedenkenlos offenbarte.

"Die Unabhängigkeit und die Integrität der Medien in der westlichen Welt sind in der neuen Weltordnung immer mehr zurückgegangen."
 [Reinhard Wolf, Heer, Luftwaffe, Marine - Medien?, taz, 31.12.2002, zitiert in obigem Artikel; weiteres Zitat:]
Zwischen dem Bild der Medien und den durch Umfragen ermittelten Meinungen der Bevölkerung herrschte oft eine erhebliche Differenz. Das Publikum habe, so die schwedischen Untersucher, dem Dauerbeschuss der Nato-Propaganda deutlicher widerstanden als die Medienprofis.
[…] Wohl nicht zufällig bringen nun die New York Times durch George Parker und der Tagesspiegel durch Harald Martenstein eine interessante Meinung tonangebender amerikanischer Intellektueller zur Kenntnis: Demnach gehe es gar nicht primär um die Abwendung einer fiktiven irakischen Bedrohung, sondern um die Gewinnung einer Ausgangsbasis für eine schrittweise Amerikanisierung des gesamten islamischen Mittleren Ostens. Zum Vergleich wird die geglückte Amerikanisierung Europas durch die kriegerische Zerstörung des Nazi-Reiches genannt. Der Irak biete sich jedenfalls momentan am geeignetsten als Brückenkopf an, das heiß als erstes vorläufiges Angriffsziel, um den islamischen Raum für eine kulturelle Entwicklung nach westlichen Maßstäben umzuprägen. Die New York Times hat den Stein ins Wasser geworfen. Harald Martenstein hat das Signal aufgenommen. Wäre nun nicht eine Debatte über diese Idee überfällig? […] Warum merken die Medien nicht, dass sie sich von der unablässig vorgespiegelten irakischen Bedrohung genauso täuschen lassen wie der Stier in der spanischen Corrida, der bis zur Erschöpfung hinter der geschwenkten roten Muleta herhetzt? […]
Die Propagandaoffensive zur Vorbereitung des Irak-Krieges fordert den Journalisten Verrenkungen ab, die nur noch als intellektuelle Korruption zu bezeichnen sind.  
mein Kommentar:
Noch Fragen zur Ukraine-Berichterstattung in den Leitmedien? 
Die USA spielen VW Käfer: Sie setzen ihr Schachspiel einfach fort und fort und fort. In diesem Zusammenhang und
vor dem Licht von Horst-Eberhard Richters Ausführungen gewinnen die Äußerungen Putins vor dem Deutschen Bundestag (2001) und der Münchner Sicherheitskonferenz (2007) eine neue Aktualität.

(Doku) - Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft [Zbigniew Brzezinski] {1:20:27}


Veröffentlicht am 14.08.2014
Ein Film von Freiheit durch Wissen
Diese Dokumentation berichtet zum einen über Zbigniew Brzezinski, ein polnisch-amerikanischen Politikwissenschaftler, Regierungsberater, Bilderberger und Mitglied des Komitees der 300.
Der Mitbegründer der Trilateralen Komission und CFR-Mitglied schrieb 1997 sein Buch "The Grand Chessboard - Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft".
Desweiteren wird auf sein Buch eingegangen und die Kernaussage, nämlich die langfristigen, geostrategischen Überlegungen bzw. Planungen der USA (Stand 1997) beleuchtet.
Das Kapitel: "Eurasisches Schachbrett" offenbart, dass nach Brzezinski's Ansicht Deutschland und Frankreich in Europa die wichtigsten geostrategischen Akteure sind.
Desweiteren wird deutlich, weshalb gerade die Ukraine derzeit Schauplatz eines Krieges und Umbruches ist und als ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt gilt.
In den geostrategischen Überlegungen geht es vor allem um eins: Ressourcen und letztendlich um Macht.
Weitere Informationen finden Sie unter:
http://freiheitdurchwissen.blogspot.de/
Link zum Buch im PDF-Format:
http://www.attac-leipzig.de/allg/mate...

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In Coprays Werk Jung und trotzdem erwachsen (zwei Bände, Düsseldorf 1987 und 1989) findet sich einerseits die Anwendung seiner Theorie der kommunikativen Kompetenz, andererseits die Vorbereitung der Fairness-Thematik im Blick auf ein spezielles Lebensalter in der deutschen Gesellschaft. Die Kernthesen:
  • Junge Erwachsene der achtziger und neunziger Jahren bilden eine „paradoxe Identität“ aus, mit der sie wegen ihrer großen Kohorte das künftige gesellschaftliche Milieu in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts deutlich prägen werden.
  • Das führt zu changierenden Rollen und Verhaltensmustern sowie zur Ambivalenz von Persönlichkeit zwischen Subjekt- und Passivsein.
  • Die kognitive Dissonanz wird sich infolgedessen weiter ausbreiten.
  • Gemeint ist damit: Wenn Personen Entscheidungen getroffen, etwas gedacht, gesagt oder getan haben, was ihren innersten Überzeugungen, Werten und Gefühlen zuwiderläuft, bieten Menschen ein ganzes Arsenal an Vorurteilen, Selbstüberredungen, Rationalisierungen, Selbstbetrügereien und Grabenkämpfen auf, um diesen unangenehmen Zustand zu reduzieren oder gar ganz zum Verschwinden zu bringen – und das nur, um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, nicht im emotionalen Konfliktzustand der Dissonanz zu bleiben, sich nicht schämen und keinen Gesichtsverlust erleiden zu müssen. So werden die Menschen versuchen, mit Widersprüchen in ihrem Leben und in der globalisierten Gesellschaft zurechtzukommen.
  • Traditionsmuster werden zerbrechen, Krisenverläufe zunehmen und die persönliche, soziale, berufliche und ökonomische Existenz wird in der Fläche prekär werden.
  • Demgegenüber hilft nur eine offene, transparente und heilsam wirkende Kultur, die Brüche und Widersprüche in Menschen und in ihrem Handeln akzeptiert, um gemeinsam Wege im rücksichtsvollen Umgang miteinander zu größerer Authentizität und Souveränität, zu solidarischem und ökoverträglichem Handeln zu finden.
In seinem Werk hat Copray so verschiedene Phänomene und Strukturelemente analysiert und prognostiziert, wie sie sich teilweise erst heute in der Breite der Betroffenheit abzeichnen. Außerdem wurde eine transaktionsanalytische Theorie und ihre Anwendung bezogen auf die Sozialisierung von jungen Erwachsenen entwickelt und für die Begleitung und Beratung junger Erwachsener, auch junger und künftiger Führungskräfte, nutzbar gemacht. [Norbert Copray, Zukunft und Kompetenz junger Erwachsener, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 21.01.2018]
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siehe auch:

Übersichtsdossier: Krieg in den Medien (Bundeszentrale für politische Bildung)
- eine Liste mit Programmbeschwerden von Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer (Propagandaschau, Stand: 21.01.2018)
Unwort des Jahres: Lügenpresse (Post, 24.01.2016)
Die EU zieht in den Propagandakampf (Post, 20.03.2015)
Methoden der Kriegspropaganda (Bundeszentrale für politische Bildung, 01.10.2011)
- Deutsche glauben den Medien nicht (Post, 26.12.2014)


zuletzt aktualisiert am 21.01.2018


Dienstag, 4. Februar 1997

Edgar Reitz: Gespräch über das Kino der Zukunft

Gespräch mit dem Regisseur Edgar Reitz über die Herausforderung interaktiver Medien, Computerspiele und Strukturen der Erzählung
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Edgar Reitz ist einer der wenigen deutschen Regisseure, die mit der Digitalisierung des Films nicht nur Schrecken oder Abwehr verbinden. Im digitalen Zeitalter könnten ganz neue Kinos mit einer neuen, nicht-linearen Erzählformen entstehen, die im Gegensatz zu den Medien Zuhause auf das Gemeinschaftserlebnis setzen. Florian Rötzer sprach mit Edgar Reitz über die Herausforderung interaktiver Medien, Computerspiele und Strukturen der Erzählung.
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Der Einfluß der Wirtschaft auf die Kulturproduktionx
Gleichzeitig mit der massiven Einführung der digitalen Medien setzt sich die Globalisierung der Wirtschaft durch, die zu einer Austrocknung der Staatshaushalte führt und damit auch die öffentliche Förderung der Künste beeinträchtigt. Wirkt sich das merklich auf die Kultur aus?
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EDGAR REITZ: Es sind nur noch solche Bereiche der Kultur realisierbar, die sich auch gesellschaftlich Raum verschaffen können, das heißt im Klartext, daß sie Sponsoren finden. Die Suche nach Sponsoren bedeutet inzwischen mehr, als nur Zusatzfinanzierungen zu finden: Die inhaltliche Kompetenz wandert zu den Sponsoren.

Man hat das vorerst nicht erkannt und argumentiert, wenn der Staat nicht mehr genug Geld für das Luxusgut Kultur aufbringen könne, dann müßten die Kulturveranstalter das durch Sponsoring der Wirtschaft ausgleichen, die sich damit ihr Image verbessern kann. Mit dieser Praxis ist aber ein tiefgehender Riß zwischen Kultur und Staat entstanden. Die Frage, was in der Kultur überhaupt noch realisierbar ist, hängt heute von Sponsoren-Entscheidungen ab. Wenn ich einen Sponsor finde, dann ist das für den Staat ein Argument geworden, auch zu fördern. Daß heißt, wenn er überhaupt zahlt, daß er es nur noch unter dieser Bedingung tut. Und da dreht sich etwas um, damit gerät die Entscheidung über Wert und Unwert kultureller Äußerungen, die Frage, was überhaupt intellektuelle Akzeptanz habe, in die Kompetenz der Leute, die in den Werbeabteilungen der Wirtschaft arbeiten. Wer sind diese Leute? Was haben sie gelernt? Welche Motive haben sie? Das Wort "Akzeptanz", aus der Werbung stammend, ist plötzlich im intellektuellen Bereich ganz selbstverständlich geworden.
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Was wird denn stärker gefördert? Gibt es einen bestimmten Druck auf die Kultur-Produktion?
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EDGAR REITZ: Zunächst bemerken wir eine klare Tendenz zu den etablierten bürgerlichen Künsten. Im Theaterbereich wird die Oper natürlich am längsten überdauern, im Konzertbereich die klassische Musik mit ihren Plattenstars und natürlich alles andere, was kommerziell ist. Bei der Förderung von Kunst fällt auf, daß überhaupt nicht mehr nach Inhalten gefragt wird. Es wird einfach wie verrückt gesammelt. Jeder Bankier und Versicherungsheini legt sich, wenn er kann, ein paar Gemälde in den Tresor. Die bildende Kunst verschwindet mehr oder weniger in den Tresoren der Banken. Es kommt zum Wettrennen mit den staatlichen Museen. Und dafür wird hemmungslos Geld ausgegeben.

Es sieht so aus, als wollte die Gesellschaft mehr und mehr auf den Hardwarebereich verzichten. Aber gerade wegen dieser Bestrebungen scheint es eine heimliche Sehnsucht nach materiellen Gütern zu geben. Nur von ihnen glaubt man noch, daß sie allen Krisen widerstehen können. Diese alte Sehnsucht nach Wertstabilität scheint bildende Kunst noch zu erfüllen, ebenso der ganze moderne Nippes, der aus dem Designbereich kommt. Das Sponsoring treibt uns alle in den Kommerz, zum Bürgerlichen und zum Besitzdenken hin.

Alle künstlerischen Äußerungen, die Fragen stellen, die sich aus den Traditionen der Avantgarde herleiten oder die sich gar Fragen im Sinne politischer Visionen stellen, Künstler, die experimentieren und Neues suchen, werden tendenziell nicht gefördert. Eine große Ausnahme bilden allerdings die experimentellen Künste, die sich am Rande der neuen Technologien abspielen und sie poetisch aufwerten. Deswegen kann man alle Experimente mit Computern, Video, Laser etc. gesponsort bekommen, alles, was mit Elektronik und Digitalisierung zusammenhängt. Hier hat die Industrie ein unglaubliches Angebot an inhaltsleeren Spielmöglichkeiten hervorgebracht. Jetzt sucht sie händeringend nach Leuten, die ihren Produkten Inhalte hinzufügen. So verändert sich der Kulturbegriff. Was mir auffällt, ist, daß die humanistische Tradition, die uns jahrhundertelang ein bestimmtes Wertebild vermittelt hat, dabei verloren geht. Wir leben ganz offensichtlich in einer Endzeit des Humanismus.

mehr:
- Das Kino der Zukunft (Florian Rötzer im Gespräch mit Edgar Reitz, Telepolis, 14.02.1997)
siehe auch:
Edgar Reitz’ Deutschland-Chronik bei Arte (Post, 27.08.2015)
Kinoempfehlung: Die andere Heimat von Edgar Reitz (Post, 10.11.2013)