Donnerstag, 16. Mai 2019

đŸ‘» Der Geheimdienst informiert? 😜

Von gefÀhrlichen Iranern, trickreichen Russen und schrecklichen Kindern
Aktuell scheinen QualitĂ€tsjournalisten im wesentlichen ĂŒber zwei PrimĂ€rquellen zu verfĂŒgen: Twitter und "sichere Geheimdienstinformationen". Da Twitter inzwischen politisch zensiert, hĂ€lt man sich anscheinend gerade eher an die GeschichtenerzĂ€hler mit dem Schlapphut, um das geneigte Publikum politisch zu bilden.
Aktuell wird wieder der Evergreen "In sechs Monaten hat der Iran die Bombe!" gegeben, der sich seit einem Jahrzehnt großer Beliebtheit erfreut. Wobei man 2006 eigentlich ja schon weiter war, damals brauchten die Iraner nur noch vier Monate, wie Journalisten vom Geheimdienst zuverlĂ€ssig erfahren konnten. Die Originalversion ging vor 40 Jahren an den Start (Iran könnte "in wenigen Monaten" die Atombombe haben – seit 1979).
Das Narrativ mit den inszenierten Massenvernichtungswaffen hatte schon beim Irakkrieg die Medien ĂŒberzeugt, fĂŒr unkritisches Durchreichen von Geheimdienstpropaganda hat man offenbar noch keinem Redakteur gekĂŒndigt.
Ebenfalls auf den Geheimdienst stĂŒtzen sich BILD-Meldungen, denen zufolge "iranische Killer Speedbote" vier Tanker im Golf von Oman verbeult hĂ€tten. Doch auf dem Meer gedeiht bekanntlich Seemansgarn. So etwa 1964 im Golf von Tonkin, als "Vietnam" nach offizieller Darstellung zwei friedliche US-Kriegsschiffe beschossen haben soll, um den USA einen Kriegsgrund zu liefern. Peinlich ist allerdings, dass diese Geschichte nicht stimmte. Und auch beim Angriff auf die USS Liberty von 1967, den man zunĂ€chst Ägypten anlastete, trog der Schein.
mehr:
- Der Geheimdienst informiert (Markus Kompa, Telepolis, 16.05.2019)
siehe auch:
Schweden: Wie man einen Staat umdreht (Post, 15.05.2019)
Geheimdienste und Leitmedien: unbekannte Fakten plus eindeutige Schlussfolgerungen ergeben unvoreingenommenes, faktenfreies Geschwurbel (Post, 15.03.2019)
MaidanschĂŒsse: BeschĂ€ftige dich damit, analysiere es, es ist uns egal, wir haben schon die nĂ€chste RealitĂ€t erschaffen. (Post, 02.03.2019)
Tiefer Staat (Post, 06.01.2019)
- Russlandfeindliches Tagesschau-Geschwurbel zum FremdschÀmen: "Putin befahl eine Kampagne" (Post, 05.12.2018)
27 000 PR-Berater polieren Image der USA (Post, 25.06.2014)
Sich nicht dran zu erinnern, dass laut Recherchen der US-Weltagentur AP das Pentagon ĂŒber 27'000 PR-Berater verfĂŒgt, die ausschließlich fĂŒr die Öffentlichkeitsarbeit (PR, Werbung, Rekrutierung) zustĂ€ndig sind? Nur dazu da, das Image der USA aufzupolieren? Dass diese ungeheure PR-Maschinerie des US-MilitĂ€rs die amerikanischen Steuerzahler jĂ€hrlich 4,7 Milliarden Dollar kostet? Und dass an dieser und anderen staatlichen Maschinerien des Westens (Achtung: Bundespresseamt Berlin!) Heerscharen von Journalisten hĂ€ngen, unter anderem auch die der ARD? Leute, deren berufliche RealitĂ€t sich prinzipiell nicht von dem unterscheidet, was sie ĂŒber die „russischen Trolle“ zusammenfantasieren?
[Faktenfinder betreibt faktenfreie antirussische Hetze, Jens Wernicke, Rubikon, 26.04.2017]

Zuletzt wurde enthĂŒllt, dass das Pentagon ein Medienunternehmen mit der Herstellung von Propagandavideos beauftragte, welche man Terroristen zuschrieb, um der westlichen Bevölkerung den Irakkrieg schmackhaft zu machen. FĂŒr die Produktion der Fake-Videos wurden zwischen Mai 2007 und Dezember 2011 insgesamt 540 Millionen Dollar ausgegeben.
[Pentagon ist Propaganda-Champ der USABĂŒrgender, Gegenfrage, 16.10.2016 – Hervorhebung von mir] 

FĂŒr 2009 sei die Herausgabe von 5400 Pressemitteilungen, 3000 Fernsehspots und 1600 Rundfunkinterviews geplant – doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren. Dieser Service ist nur ein kleiner Ausschnitt des stĂ€ndig wachsenden Pentagon-Medienimperiums. Schon jetzt ist es grösser als die allermeisten Pressekonzerne der USA.
[27'000 PR-Berater polieren Image der USA, Marc Brupbacher, Tagesanzeiger.ch/Newsnet, 12.02.2009 – Hervorhebungen von mir] 
Dirk Pohlmann: »Spiegel-AffĂ€re: Die Informationen kamen vom BND«
Dirk Pohlmann ĂŒber "Der duale Staat: Recht, Macht und Ausnahmezustand" {2:06:59 – Start bei 1:10:47}

Gruppe42
Am 16.05.2018 veröffentlicht 
"Der Staat - das klingt in unseren Ohren nicht unbedingt freundlich, aber es klingt nach Recht und Ordnung. In der Schule und an der UniversitĂ€t erfahren wir von den ehernen Regeln der Demokratie. Gewaltenteilung, Rechtsstaat, Wahlen, parlamentarische ReprĂ€sentanz, alles scheint altehrwĂŒrdig und wohlgeregelt im Staats und Verfassungsrecht. Bis in die Details und bis in die letzten Winkel ist festgelegt, wer nach welchen Regeln fĂŒr was zustĂ€ndig und verantworlich ist. Dass daran nicht gerĂŒttelt wird, dafĂŒr sorgt die Demokratie, sie bezeichnet sich selbst gerne als „wehrhaft“.
Da ist ein Begriff wie „Deep State“ oder „Dualer Staat“ störend. Er legt nahe, dass es neben dem bekannten, demokratisch legitimierten Staat noch einen anderen gibt, der nicht gewĂ€hlt wird, der sich selbst ermĂ€chtig, der eingreift, wann es passt. Aber wann? Wer bildet ihn? Was tut er? Wann tötet er? Warum liest man darĂŒber so wenig? Und warum beschĂ€ftigen sich „seriöse“ Medien damit eigentlich ĂŒberhaupt nicht? Medien, Politiker und UniversitĂ€tslehrer verweisen den Begriff des „parallelen Staates" gerne in den Bereich der „Verschwörungstheorien“.
Und doch ist er real. In allen Staatsformen, aber insbesondere in der Demokratie, gibt es im Unterschied zum normativen Ideal die realpolitische Existenz eines „Machtstaates“ oder „Maßnahmenstaates“, des "Deep State". Auch akademische Politologen und Rechtswissenschaftler haben sich damit beschĂ€ftigt, ausnahmslos Personen, die sich mit dem Widerspruch zwischen Realpolitik einerseits und der Idee des liberalen Rechtsstaates andererseits beschĂ€ftigt haben. Sie haben erkannt: Der „Deep State" hĂ€ngt mit den Erfordernissen der Hegemonialmacht im „Grossraum“ zusammen.
Dementsprechend gibt es LĂ€nder, in denen der „Tiefe Staat“ Alltagswissen ist, z.B. die TĂŒrkei oder Italien. Dort ist die RealitĂ€t des parallelen Staates so unĂŒbersehbar zutage getreten, dass auch StaatsprĂ€sidenten von ihm reden - mĂŒssen. Und es gibt LĂ€nder, in denen man in öffentlichen Ämtern nicht von ihm sprechen kann, ohne Reputation und Karriere zu riskieren.
Die staatstragenden KrĂ€fte vieler LĂ€nder blenden diese RealitĂ€t deshalb weiter aus. Oder sie versuchen es zumindest. Aber auch in diesen LĂ€ndern ist der „Deep State“ aktiv geworden. Nicht nur in Vasallenstaaten, sondern auch im Zentralreich des Hegemons selbst.
Anhand praktischer Beispiele legt der Journalist Dirk Pohlmann praktisch und theoretisch dar, was es mit dem "Deep State“ auf sich hat. Sein Vortrag ist eine Mischung aus staatsrechtlicher Analyse und Bericht, wann und wo der Deep State sichtbar geworden ist. Ein spannendes Thema, dessen Bedeutung kaum ĂŒberschĂ€tzt werden kann. Es ist besser, darĂŒber Bescheid zu wissen, als nur die Konsequenzen verstĂ€ndnislos erleben zu mĂŒssen.
https://gruppe42.com/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen