Montag, 6. Oktober 2014

Vor 2553 Jahren – Oktober 539 v. Chr.: Perser erobern Babylon

Die »Mutter aller Städte« fällt an die Perser 

Ausgehend von seinem Stammland am Persischen Golf eroberte der iranische Stamm der Perser im 6. vorchristlichen Jahrhundert innerhalb weniger Jahrzehnte ein Reich, das sich schließlich vom Nil bis nach Indien, vom Schwarzen Meer bis zum Arabischen Meer erstreckte. 
Rekonstruierter Palast des Nebukadnezar in Babylon (Foto, 2002)
Der Begründer und Eroberer dieses persischen Großreichs war Kyros II. (600-530 v. Chr.). Er schaltete zunächst die »inneriranische Konkurrenz« aus und besiegte dann den Lyderkönig Krösus, womit er auch die griechischen Städte an der Küste Kleinasiens unter persische Kontrolle brachte. Im Osten gab es kaum Widerstand gegen den persischen Expansionsdrang und in wenigen Jahren war die Grenze zu China erreicht. Schließlich wandte sich Kyros dem Babylonischen Reich zu, das innerlich zerrissen war. Fast ohne Kampfhandlungen gab sich das einst mächtige Reich dem Angreifer preis: Im Oktober 539 v. Chr. zog Kyros mit der persischen Armee in Babylon ein, wo er mit Blumen begrüßt wurde und dem Volk eine Zeit des Friedens verkündete. Der König ging als Kyros der Große, Begründer des ersten Weltreichs, in die Geschichte ein. 

Was am 6. Oktober noch geschah: 
1981: Bei einer Militärparade wird der ägyptische Staatspräsident Anwar as-Sadat von radikalen Moslems ermordet.
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

The Assassination of Anwar El Sadat {2:33}

WorldsAssasinations
Hochgeladen am 18.11.2008
On 6 October 1981, the month after the crackdown, Sadat was assassinated during the annual victory parade in Cairo. A fatwā approving the assassination had been obtained from Omar Abdel-Rahman, a cleric later convicted in the U.S. for his role in the 1993 World Trade Center bombing. Sadat was protected by four layers of security and the army parade should have been safe due to ammunition-seizure rules. However, the officers in charge of that procedure were on hajj to Mecca.

As air force Mirage jets flew overhead, distracting the crowd, a troop truck halted before the presidential reviewing stand, and a lieutenant strode forward. Sadat stood to receive his salute, whereupon the assassins rose from the truck, throwing grenades and firing assault rifle rounds. The attack lasted about two minutes. Photographer Bill Foley captured one of the last shots of a living Sadat. The photograph is titled "The Last Smile." The lead assassin Khalid Islambouli shouted "Death to Pharaoh!" as he ran towards the stand and shot Sadat. After he fell to the floor people around Sadat threw chairs on his body to try to protect him from the bullets. Eleven others were killed, including the Cuban ambassador a Omani general and a Coptic Orthodox bishop, and 28 were wounded, including James Tully, the Irish Minister for Defence, and four U.S. military liaison officers. Sadat was then rushed to a hospital, but was declared dead within hours. This was the first time in Egyptian history that the head of state had been assassinated by an Egyptian citizen. Two of the attackers were killed and the others were arrested by military police on-site. Islambouli was later found guilty and was executed in April 1982.

In conjunction with the assassination, an insurrection was organized in Asyut in Upper Egypt. Rebels took control of the city for a few days and 68 policemen and soldiers were killed in the fighting. Government control was not restored until paratroopers from Cairo arrived. Most of the militants convicted of fighting received light sentences and served only three years in prison.


Samstag, 4. Oktober 2014

Entscheidung am Majdan

Eine Phänomenologie der ukrainischen Revolution
(…)
Beginn der Revolte
Wiktor Juschtschenko und Julija Tymoschenko erwiesen sich als derartige Enttäuschung, daß 2010 Janukowytsch zurückkam und über Tymoschenko triumphierte – die er kurz darauf einsperren ließ. Janukowytschs Hochburg ist der Donbass, das Donez-Steinkohlebecken, die ostukrainische Bergbauregion. Für viele dort ist er der Lokalmatador, der es zu etwas gebracht hat. Nicht, daß ihn dort „jemand wirklich mögen“ würde, der Mann ist eklig, lächerlich und ungebildet – aber trotzdem, so spekuliert Jurko, im Donbass denkt man eben, das ist einer von uns. Und darauf waren sie stolz. Wie auch immer, einmal mehr wurde die Ukraine von einem Gangster regiert, der vor dem Kreml buckelte. Janukowytsch und die Oligarchen auf seiner Seite beuteten ein verarmtes Land aus. Die Ukraine machte etwas durch, was an Nicolae Ceauşescus Herrschaft in Rumänien erinnerte. Janukowytsch und seine Familie bauten sich goldene Villen, während das gewöhnliche Volk hungerte, fror oder sein Leben bei einer Explosion in einem unregulierten Bergwerk lassen mußte, in dem die Arbeitsbedingungen nicht über das 19. Jahrhundert hinausgekommen waren. Ein kleiner, aber feiner Unterschied zu Ceauşescu, Hitler und Stalin, ja selbst zu Wladimir Putin, bestand darin, daß Janukowytsch kein großartiges Narrativ bot, kein Versprechen auf Transzendenz. Er war einfach – und völlig ungeniert – ein Gangster. („Er ist nicht nur ein Gangster“, sagte mir mein Freund Ivan Krastev, ein Politanalytiker. „Er ist ein kleiner Gangster.“ Ein Gedanke, zu dem der polnische Außenminister Radosław Sikorski meinte: „Na ja, die Summen, die da im Spiel waren, waren alles andere als klein.“)

mehr:
- Entscheidung am Majdan (Marci Shore, Lettre International Nr. 106, Herbst 2014)

Jurko Prochasko [Wikipedia]

Hat die Ukraine eine Zukunft? - im Gespräch mit Jurko Prochasko (3sat) [6:16]

Veröffentlicht am 02.05.2014
Hat die Ukraine eine Zukunft? Und ist es die, die sie mal hatte? Das fragen wir den ukrainischen Schriftsteller Jurko Prochasko.
Quelle: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=pl...
Jurko Prochasko ist ein ukrainischer Essayist, Germanist, Schriftsteller und Übersetzer.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jurko_Pr...

Zitat Tina Mendelsohn:
»Wahrscheinlich hat uns Shakespeare auch etwas über die Auflösung der Ukraine zu sagen. Darüber, daß etwas scheinbar Intaktes, Gesundes, die Ukraine mit ihren Oligarchen und schönen Femen-Mädchen, Anwärter auf die EU, sich plötzlich in verfeindete Gruppen auflöst.«

Ukraine: action des Femen devant le Parlement [0:50]

Veröffentlicht am 12.12.2012 Plusieurs militantes du mouvement Femen ont manifesté seins nus, mercredi 12 décembre à Kiev contre la corruption des députés devant le Parlement ukrainien. Durée: 00:50

Dieser erste Satz Mendelsohns spannt den Rahmen für das folgende Interview auf. Tina Mendelsohn beschreibt die Ukraine in einem etwas sorgenvoll-ratlosen Sandmännchen-Erzählton, der eine märchenhafte Idylle (oder ein idyllisches Märchen) von Oligarchen und oben-ohne herumlaufenden Protest-Mädchen – vielleicht ja auch noch jodelnd und im Dirndl – beschreibt. Fehlt nur noch der Bauernhof und gackernde Hühner. 
Und da bricht plötzlich Zwist auf in dieser Idylle? 
Wie blöde muß man sein? 

Auf diesem intellektuellen Niveau geht es weiter. Zitat:
»Der Streit geht durch die Betten […] Die Ehe ist in Gefahr, weil die eine pro-russische Gefühle hat, und der Ehemann auf der ukrainischen Seite steht.«
Na, dann hat der deutsche Superstar-Geschädigte, der sich auf 3sat verirrt hat, ja gleich vorgekaut bekommen, um welchen Konflikt – nämlich den zwischen dem machtgierigen Rußland und der armen, hilflosen, kleinen Ukraine – geht.

Tina Mendelsohn führte am 30. April mit Bazon Brock dieses so wunderschön in die Hose gegangene Interview über die scheinbar unangemessene Männerfreundschaft zwischen Ex-Bundeskanzler Schröder und Wladimir Putin. (Ukraine 9 – Wider die veröffentlichte Meinung, Post vom 11.05.2014, letztes Video)
Mein ehemaliger Ausbilder Wolfgang Scherf sagte so schön: 
»Wenn was aus heiterem Himmel kommt, dann stimmt was mit der Wetterbeobachtung nicht.«
Erster Satz des leider verstorbenen Peter Scholl-Latour im Interview mit Alfred Schier (Dialog Spezial, Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik?, Post vom 25.03.2014):
»Man hat ja gar nicht zur Kenntnis genommen, daß die Ukraine kein geeintes Land ist.«

Weil Scholl-Latour sich von dem »Freiheit und Demokratie«-Parfum des Westens nicht benebeln ließ und auf seiner illusionslosen Sicht beharrte, geriet er im politisch korrekten öffentlich Diskurs der letzten Jahre immer mehr in die rechte Ecke.

Die westliche Haltung in der sich seit Jahren (!!) anbahnenden Ukraine-Krise ist von einer Würgereiz erzeugenden Ignoranz geprägt, von der ich mir ständig unsicher bin, ob diese böswillig oder einfach nur borniert ignorant ist. Dabei erhärtet sich bei mir der Verdacht, daß auf Seiten von USA und NATO diese Borniertheit eher böswillig, auf Seiten von Journalisten und EU-Politikern eher borniert ignorant ist.

- Diese leere Muschel, die übrig geblieben ist… (Die ZEIT, 31.12.2004)
- Aktuelle Entwicklungen in der ukrainischen Literatur (Länder-Analysen, Ukraine, 24.06.2008)
- Künstler in der Ukraine – "Zielscheibe des Staatsterrors" (Deutschlandradio Kultur, 29.01.2014)
- Ukraine: Vier Autoren im Gespräch „Die da oben dürfen alles, alle anderen dürfen nichts“ (Frankfurter Allgemeine, 07.02.2014)
- Verklärung und Verbitterung in der Ukraine (IC-MN, 22.02.2014)
- „Sie nennen das Krise, ich nenne es Revolution!“ (The European, 14.05.2014)
- Die Ukraine, Putin und Europa – Ehre und Bitterkeit (tagesspiegel, 21.05.2014)
- Von Mythen, Märchen und Realpolitik (NovinkiBlog, 03.06.2014)
- Die Mitte liegt wieder ostwärts (Die Welt, 21.06.2014)
- Ukraine-Konflik – "Die Sprachverwirrung ist enorm" (Deutschlandfunk, 17.08.2014)



Je länger ich mich mit dem Ukraine-Thema befasse, desto mehr erhärtet sich meine Einschätzung, daß die gegeneinander agierenden Parteien – 
 ukrainisches Volk versus Oligarchen – 
sich beide Unterstützung suchend in die Arme des Westens (die Oligarchen sind da ambivalenter) zu stürzen versuchten und hier auf das geostrategische Glatteis gerieten. Die Ukraine hat halt das Pech, daß sich die USA seit Ende des Zweiten Weltkriegs ständig durch Ausdehnung ihres Einflusses abzusichern versuchen und Rußland seinen Hinterhof genauso sauber halten will. Das macht die USA ja nicht anders. (Das 7.800 km von Dallas entfernte Chile betrachteten die USA 1970 ja auch als Hinterhof, siehe: Heute vor 44 Jahren – 4. September 1970: Salvador Allende wird zum Präsidenten Chiles gewählt, Post vom 04.09.2014) Das hat mit Demokratie nichts zu tun, hier geht es nur um machtstrategisches Kalkül. Tina Mendelsohn macht es uns vor: Wir träumen von Idyllen, während im Hintergrund die Strippenzieher am Machen sind.

siehe dazu auch:
- Der Krieg der Oligarchen (Lutz Brangsch, Linksnet, 27.06.2014)
Der Bürgerkrieg in der Ukraine hat offensichtlich gemacht, dass die heute gängigen Maßstäbe der Bewertung politischer Prozesse untauglich sind. Die in vielen Analysen internationaler Konflikte präsente Unterstellung einer Homogenität nationaler Interessen sowie eine Trennung nationaler und internationaler Entwicklungen führen in die Irre. Etikettierungen wie »pro-russisch“, »pro-ukrainisch«, »pro europäisch« oder »Putin-Versteher« verstellen den Blick auf die Interessen der jeweiligen Konfliktparteien und blenden die Komplexität von Widersprüchen in einer globalisierten Welt aus. Es gibt weder den abstrakt bösen Putin noch den abstrakt guten Majdan. Reflexhafte Zuschreibungen von »Gut« und »Böse« sind auch gefährlich, weil es in der Region eine Reihe von Konflikten gibt, in die sowohl die EU als auch die USA seit Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts in irgendeiner Form verwickelt sind.

Die Konflikte in der Ukraine müssen daher einerseits als soziale Probleme und die Art und Weise ihrer Bearbeitung sowie andererseits als ein Ringen um internationale Führungsansprüche verstanden werden. Im Folgenden soll es darum gehen, beide Dimensionen der gegenwärtig stattfindenden Kämpfe zu betrachten.


siehe auch:
- IPPNWforum: Roter Faden durch den ukrainischen Dschungel. (Post vom 08.10.2014)
- Wer sabotiert die Aufklärung der Maidan-Todesschüsse? (Ulrich Heyden, Telepolis, 09.10.2014)
Alle paar Monate werden neue Verhaftungen verkündet, aber die Aufklärung kommt nicht voran - Folge einer Taktik? 
Der Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU gab die "Festnahme und Verhaftung" von vier ehemaligen SBU-Offizieren bekannt, nannte aber keine Namen. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte dagegen, Niemand sei in Haft. Der ukrainische Innenminister fürchtet Image-Verlust wegen rechter Ausschreitungen.

"Zum jetzigen Zeitpunkt sind vier Verräter verhaftet, Offiziere mit hohem Dienstgrad", erklärte der Chef des ukrainischen Geheimdiensts SBU, Valentin Naliwajtschenko, am Sonnabend in einer Sendung des ukrainischen Fernseh-Kanals Espreso.tv. Zwei weitere für Todesschüsse auf dem Maidan verantwortliche Abteilungsleiter nicht näher benannter ukrainischer Strukturen seien auf der Flucht und wahrscheinlich in Russland, erklärte der SBU-Chef. Die Namen der Verhafteten und Flüchtigen nannte Naliwajtschenko nicht.

"Wir haben keine freie Presse mehr"

Über Medienlügen, den Ukraine-Konflikt und den Abschuss von MH17 -

Interview mit RAY McGOVERN, 9. September 2014 -


Ray McGovern arbeitete 27 Jahre lang als Analyst für den US-Auslandsgeheimdienst CIA, bevor er 1990 in den Ruhestand trat. Von 1981 bis 1985 gehörte er zu den verantwortlichen Offizieren, die dem Präsidenten täglich Bericht erstatteten. Anschließend war er mitverantwortlich für die Vorbereitung des Tagesberichtes der CIA an den US-Präsidenten. Im Jahr 2003 gründete er zusammen mit anderen ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern die Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS). Diese Organisation widmet sich der Analyse und Kritik nachrichtendienstlicher Tätigkeiten. Hintergrund traf ihn am vergangenen Samstag zu einem Gespräch in Berlin.

mehr:
- "Wir haben keine freie Presse mehr" (Interview mit Ray McGovern, Hintergrund, 04.10.2014)

Heute vor 55 Jahren – 4. Oktober 1959: Start der sowjetischen Mondsonde Lunik 3

Raumsonde zeigt nie gesehene Bilder 

Wie mag die erdabgewandte Seite des Mondes aussehen, die der Mensch auf der Erde nie zu sehen bekommt, weil der Trabant keine Eigendrehung aufweist, sondern in »gebundener Rotation« um den Blauen Planeten kreist. Bis Oktober 1959 konnte darüber nur spekuliert werden, dann übermittelte die sowjetische Mondsonde Lunik 3 mittels Bildfunktechnik die ersten Fotos. Es fiel sogleich ins Auge, dass die Rückseite des Mondes bedeutend weniger dunkle Flecken und Flächen (von erstarrter Lava bedeckte Tiefebenen) auf weist als jene Seite, die man von der Erde aus sieht. Folglich ist die Rückseite bedeutend heller, auch sind die lokalen Höhenunterschiede stärker ausgeprägt. 
Modell der Raumsonde Lunik 3, 1970
Die Lunik-3-Mission startete heute vor 55 Jahren, am 4. Oktober 1959. Ihr Vorgänger Lunik 1 war am Mond vorbeigeflogen und hatte Strahlungswerte geliefert, Lunik 2 war der erste Flugkörper, den die Kommandozentrale gezielt auf dem Mond aufschlagen ließ. Lunik 3 aber war der Star der Reihe. Nach vollbrachter Heldentat im Dienste des menschlichen Wissens verglühte die Sonde im April 1960 in der Erdatmosphäre. 

Lunik 3
▪︎ Startrampe: Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) 
▪︎ Startgewicht: 278 kg 
▪︎ erstes Foto von der Mondrückseite: 7.10.1959 

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Freitag, 3. Oktober 2014

Der Westen & Russland – zum Diskurs

Bereits seit April sind vier Kompanien der US-Streitkräfte in den baltischen Staaten und Polen stationiert. Rumänien wird nach den Beschlüssen des NATO-Gipfels im walisischen Newport hinzukommen. Die Präsenz ist auf Dauer angelegt, auch wenn die Verbände alle sechs Monate rotieren sollen. Deutschland wird sich beteiligen. Damit hat sich der Nordatlantikpakt, ohne die NATO-Russland-Akte von 1997 offiziell zu kündigen, von seiner darin Moskau gegebenen Zusicherung, keine Truppen dauerhaft in ehemaligen Ostblockstaaten zu stationieren, verabschiedet.
Anfang des Monats fand im Schwarzen Meer die Marineübung Sea Breeze 2014 statt – mit ukrainischen Einheiten und solchen der NATO (aus den USA, Kanada, Rumänien, Spanien und der Türkei).
Im Westen der Ukraine ist gerade das Manöver Rapid Trident 14 zu Ende gegangen, an dem 1.300 Soldaten aus 15 Ländern, überwiegend NATO-Staaten, darunter die USA, Großbritannien und Deutschland, beteiligt waren.
Seit Mitte des Monats drehen sechs bewaffnete bundesdeutsche Euro-Fighter – zusätzlich zu den sonst dort patrouillierenden Maschinen anderer NATO-Staaten – ihre Runden über dem Baltikum.
Die ebenfalls in Newport beschlossene neue Schnelle Eingreiftruppe für militärische Auseinandersetzungen mit Russland soll bis zu 7.000 Mann umfassen, hat der für den Aufbau des Verbandes zuständige Militär, der bundesdeutsche General Hans-Lothar Domröse, erklärt. Sie wird, laut Domröse, aufgestellt, „um im Falle einer Verletzung östlicher Grenzen des Bündnisgebietes ganz schnell vor Ort sein zu können [...] binnen 48 Stunden [...] und dort sofort einsatzbereit“.

mehr:
- Der Westen & Russland – zum Diskurs (Wolfgang Schwarz, Linksnet, 03.10.2014)

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Hochfrequenzhandel – Wie die Chaostheorie die Finanzwelt beherrscht

Hochfrequenzhändler manipulieren mit ihren Algorithmen die Kurse und destabilisieren die Märkte. Ein Ortsbesuch beim Erfinder des automatisierten Computerhandels

Kurze weiße Haare, Bart, leicht gebräuntes Gesicht, sportliche Figur, beige Shorts, blauer Pulli und Flip-Flops an den Füßen – so sitzt der amerikanische Physiker Doyne Farmer, 62, Anfang Juni in seinem Büro in der University of Oxford in England.


Dieser freundlich lächelnde Professor in Surferklamotten soll der Erfinder des Hochfrequenzhandels an den internationalen Finanzmärkten sein? Die umstrittenen Methoden der „Flash Boys“, die mit ihren ultraschnellen Hochleistungsrechnern den Börsenhandel weltweit beherrschen, sorgen derzeit aufgrund des gleichnamigen Buches des amerikanischen Erfolgsautors Michael Lewis für Gesprächsstoff in den Finanzmetropolen weltweit. Kritiker machen das High-Frequency-Trading (HFT) für die zunehmende Instabilität der Märkte verantwortlich. Manche vergleichen den Hochfrequenzhandel sogar mit einer Atombombe.


Bei dem Vergleich muss Farmer grinsen, schließlich begann seine akademische Laufbahn Anfang der achtziger Jahre als Oppenheimer-Stipendiat am National Laboratory in Los Alamos, dem Ort, wo unter der Leitung von Robert Oppenheimer im Zweiten Weltkrieg die amerikanische Atombombe entwickelt wurde.


Aber was hat die Atombombe mit dem Hochfrequenzhandel von Wertpapieren zu tun? Glaubt man Michael Lewis: Jede Menge, weil der computergestützte Handel gefährliche Kettenreaktionen an den Märkten auslösen kann. Der Grund dafür sind die zwei wichtigsten Komponenten des Hochfrequenzhandels: Algorithmen und ultraschnelle Datenverbindungen.


mehr:

Der teure Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg

Ich hab’s gleich gesagt…

Nach RWE fordert nun auch Eon Schadensersatz von der Regierung, weil mit dem Ausstieg Gewinne aus der Atomenergie weggebrochen sind. Setzen sich die großen Energiekonzerne durch, könnte das die deutschen Steuerzahler Hunderte Millionen Euro kosten…
Eon fordert 380 Millionen Euro Schadenersatz von der Bundesregierung. Begründung: Entgangene Gewinne durch die Stromproduktion der Reaktoren. Der Konkurrent RWE hatte in einer ähnlichen Klage bereits 235 Millionen Euro eingefordert…

mehr:
- Klagen wegen Atomausstieg – Kettenreaktion vor Gericht (NachdenkSeiten, 02.10.2014, Quelle: Süddeutsche Zeitung)

“Tagesthemen”-Moderator Thomas Roth entschuldigt sich on Air für Ukraine-Patzer

Fernsehen So langsam entwickelt sich Ukraine-Berichterstattung der ARD tatsächlich zu einem PR-Desaster. Nach der Kritik des ARD-Programmbeirats und den leicht missratenen Blog-Erklärungen von ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke, sahen sich nun die "Tagesthemen“ gezwungen, einen Bericht vom 20. Mai zurückzuziehen. Sprecher Thomas Roth hat sich sogar in der gestrigen Sendung entschuldigt. Eine Seltenheit bei den öffentlich-rechtlichen Nachrichten.

Von Alexander Becker

Konkret geht es um einen Beitrag aus der Sendung vom 20. Mai 2014. Darin hatte Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies über den Tod von zwei Anwohnern in Krasnoarmeysk berichtet, die durch die “Kugeln der neuen Machthaber” gestorben sein sollen. Diese Darstellung musste der Korrespondent nun “nach erneuter Recherche“ korrigieren.

Eine Sichtung des gesamten Filmmaterials und nochmalige Überprüfung der Fakten durch den ARD-Korrespondenten hätte ergeben, dass die tödlichen Schüsse seinerzeit der falschen Seite zugeordnet wurden waren, heißt es in der Erklärung der ARD: “Richtig ist, dass die Schützen einem ukrainischen Freiwilligen-Bataillon zuzuordnen sind, also nicht den Separatisten“.

mehr:

Tagesthemen - Entschuldigung für fehlerhaften Ukraine-Beitrag [01.10.2014] {1:20}

Veröffentlicht am 01.10.2014
Thomas Roth entschuldigt sich für eine Falschinformation in einem Tagesthemen-Beitrag vom 30.05.2014. Während im Tagesschau-Blog erwähnt wird, dass ein Zuschauer sich gemeldet habe, erweckt die Entschuldigung on Air den Eindruck, man habe den Fehler selbst entdeckt.
Siehe auch: http://blog.tagesschau.de/2014/10/01/...
Quelle: DVB-S

Zitat:
»Es ist enorm schwierig, zum Teil widersprüchliche und bruchstückhafte Informationen zu bewerten und dann unter großem Zeitdruck korrekt einzuordnen. Unter diesen Umständen sind Fehler möglich, auch wenn wir alles daransetzen, sie zu vermeiden.«

Ich warte jetzt drauf, wann sich Thomas Roth für die folgende Meldung in den Tagesthemen – ebenfalls vom 20. Mai 2014 – [erstes Video im Post »Ukraine 13 – Unser westliches System und die MH 17-Berichterstattung« vom 27.07.2014] entschuldigt. Beide Meldungen kamen übrigens von Udo Lielischkies, dem Korrespondenten im Moskauer ARD-Studio. Ich wäre darauf gespannt, zu erfahren, von wem Lielischkies das Video aus der Donbass-Arena bekommen hat. (In einigen Jahren wird es da noch einiges aufzuarbeiten geben. Soziologie-, Politik- und Journalistik-Studenten können sich schon auf interessante Doktor- und Masterarbeiten freuen…)


GEZielt verarscht: ARD fälscht Berichterstattung 20.05.2014 {3:32}
Veröffentlicht am 24.05.2014
ARD sendet erneut gefälschtes Videomaterial: Wer nach all den Lügen der staatlichen Rundfunkmafia in den vergangenen Wochen immer noch daran glaubt, dass deutsche Medien unabhängig und objektiv berichten, für den hat Anonymous jetzt den ultimativen Beweis, dass dies mitnichten der Fall ist. Das deutsche Staatsfernsehen betreibt Propaganda und zwar im ganz großen Stil. Der erste Teil des Videos stammt aus den Tagesthemen vom 20.05.2014. Berichtet wird über zehntausende Ost-Ukrainer die im Stadion von Donetsk angeblich für eine vereinte Ukraine und gegen eine Angliederung an Russland protestieren. Videoaufnahmen die uns zugespielt wurden zeigen allerdings ein ganz anderes Bild. Zu sehen sind eine Hand voll Leute in einem völlig leeren Stadion ein paar Fahnen schwingen. Die Bilder die die Tagesschau gesendet hat sind aus einem dermaßen manipulierten Blickwinkel aufgenommen, dass man als Zuschauer tatsächlich den Eindruck erhält, dass die Arena in Donetsk voll ist.

und wie steht’s mit den folgenden beiden Videos? Bei beiden wird ein Video verwendet, das mit der aus dem Off vorgetragenen Meldung nichts zu tun hat

Die ARD und ZDF-Lügner: Dasselbe Video - verschiedene Berichterstattung {1:18}

Veröffentlicht am 08.06.2012
Ausführliche Beschreibung sowie eine Stellungnahme des ZDF-Redakteurs gibt es unter http://www.bildblog.de/38145/wie-eine...
sowie auf http://medien-luegen.blogspot.co.at/2...

Weitere ARD und ZDF-Lügen:

ZDF zeigt Video aus dem Iran und gibt es als Aufnahme aus Syrien aus
http://www.youtube.com/watch?v=jS_YBO...
Ahmadinedschad: Das ZDF lügt uns weiterhin die Hucke voll
http://medien-luegen.blogspot.co.at/2...
Das ZDF zensiert Ahmadinedschad sowie Aufdecker-Kommentare auf Youtube
http://medien-luegen.blogspot.co.at/2...
ARD zeigt verfälschtes Video über Syrien
http://medien-luegen.blogspot.co.at/2...

Beim folgenden Video achte man ab 4:55 auf die Verwendung eines ein Jahr alten Videos aus Syrien durch mehrere Fernsehanstalten (ORF [ZIB], ARD, ZDF).

Russische Propaganda und die objektive Berichterstattung des Westens {14:59}


Veröffentlicht am 01.07.2014 
Alte Info: Veröffentlicht am 28.06.2014
Juni 2014. Einige kunstvoll verzierte Überlegungen zum Thema der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt, die Krim und Russland seitens der österreichischen und deutschen Medien und vergleichsweise seitens der rusisschen Medien.
Video-Quelle: der Kanal "I AM FREEK" https://www.youtube.com/watch?v=hWRq9... 

siehe dazu auch:
- Ukraine 13 – Unser westliches System und die MH 17-Berichterstattung (Post, 27.07.2014)
- Makabres Déjà-vu (Post, 02.09.2014)
- Ukraine 20 – ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik (Post vom 18.09.2014)
- Ukraine-Fehler in der ARD – Nur eine halbe Entschuldigung (Petra Sorge, Cicero, 02.10.2014)
Die Medienkolumne: Die ARD zog einen fehlerhaften Beitrag über die Ukraine zurück und bedauerte das öffentlich. Doch damit die Entschuldigung als echt angenommen werden kann, muss ein weiterer Schritt folgen: Der ARD-Programmbeirat sollte seinen kritischen Ukraine-Bericht veröffentlichen

für jemanden, der sich richtig reinknien will die beiden Posts von Gabriele Wolff:
Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (1) (Gabriele Wolff, 28.09.2014)
- Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (2) (Gabriele Wolff, 23.10.2014)

Heute vor 70 Jahren – 2. Oktober 1944: Aufstand der polnischen Heimatarmee scheitert


Verzweiflungskampf um Polens Ehre
Zum Symbol für die Selbstbehauptung der polnischen Nation während des Krieges ist der Aufstand der »Armia Krajowa« geworden, der nationalen Heimatarmee. Angesichts der auf Warschau vorrückenden Roten Armee und der Furcht, die Sowjets würden ein kommunistisches Marionettenregime an die Macht bringen, erhoben sich am 1. August 1944 die etwa 25000 bewaffneten Kämpfer der Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer, um die polnische Hauptstadt noch aus eigener Kraft zu befreien. In einem erbitterten Häuser und Straßenkampf gelang es ihnen, Teile der Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen.
Aufständische Polen im Kampf gegen deutsche Besatzer in Warscheu, Sommer 1944
 Hitler gab den Befehl aus, Warschau »dem Erdboden gleichzumachen«. 63 Tage lang konnte sich die Heimatarmee in den Kämpfen gegen die Besatzungsstreitkräfte halten, dann gewannen deutsche SS- und Polizeieinheiten die Oberhand. Am 2. Oktober streckte die Heimatarmee die Waffen: 15.000 Kämpfer und 150.000 Zivilisten waren den Kämpfen zum Opfer gefallen. Zehntausende Warschauer wurden in Konzentrationslager verschleppt, Hunderttausende in Durchgangslager verbracht. Deutsche Verbände zerstörten einen Großteil der fast menschenleeren Stadt.
Was am 2. Oktober noch geschah: 
1911: An preußischen Schulen wird die Dauer einer Schulstunde auf 45 Minuten verkürzt.
Harenberg Abenteuer Geschichte 2014

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Rekord-Schulden bedrohen die Weltwirtschaft

Die globale Verschuldung wächst weiter und bricht neue Rekorde. Der 16. Genfer Bericht über die Weltwirtschaft besagt, dass die globale Wirtschaft nicht in der Lage ist, die angehäuften Schulden zurückzuzahlen. Der weltweite Schuldenanstieg macht sich vor allem in China bemerkbar.

 Nach dem Lehman-Crash kippte die globale Wirtschaft in eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit der „Großen Depression“, die am 24. Oktober 1929 mit dem „Schwarzen Donnerstag“ in den USA begann und weltweit die 1930er-Jahre dominierte. 

Die neuerliche Erholung seit dem Lehman-Crash vollzieht sich äußerst langwierig und schwach, sogar in robusteren Volkswirtschaften wie die der USA, die sich als erste von der akuten Phase der globalen Wirtschaftskrise erholten.

 Die Eurozone hinkt der wirtschaftlichen Erholung noch weit hinterher – trotz aller bekannten Maßnahmen der EZB und der „Rettungsschirme“ einschließlich der Risiken für die europäischen Steuerzahler, gleichwohl der Lehman-Crash nicht als ursächlich für den wirtschaftlichen Stillstand in der Eurozone zu benennen ist.
 Schwellenländer behaupteten sich nach dem Jahr 2008 etwas besser, die konjunkturelle Erholung hat sich zuletzt jedoch stark verlangsamt.

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„Alle Seiten leugnen Kriegsverbrechen“

Auch 20 Jahre nach den Ereignissen in Jugoslawien ist die Versöhnung auf dem Balkan noch schwierig. Muslimische, kroatische und serbische Bevölkerungsgruppen misstrauen einander. Die Soziologin Velma Saric will die Vorurteile aufbrechen: Mit einer kleinen Wanderausstellung zieht sie durch bosnische Dörfer 
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Investitionsschutzabkommen sind ihrem Wesen nach undemokratisch

Vorabdruck. Investitionsschutzabkommen sind ihrem Wesen nach undemokratisch und begünstigen Konzerne auf Kosten ganzer Staaten und deren Bewohner 
Von Hannes Hofbauer 

In diesen Tagen erscheint im Wiener Promedia Verlag von Hannes Hofbauer das Buch »Die Diktatur des Kapitals. Souveränitätsverlust im postdemokratischen Zeitalter«. jW veröffentlicht daraus vorab minimal gekürzt, redaktionell leicht bearbeitet und unter Verzicht auf die Fußnoten das Kapitel »Verstaatlichungsverbote: Investitionsschutzabkommen«. (jW) 

Investitionsschutzabkommen gehen auf eine Initiative der »Weltbank« zurück, die bereits 1965 lanciert wurde. Das »Übereinkommen zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten zwischen Staaten und Angehörigen anderer Staaten« trat im selben Jahr in Kraft. Der damalige Vorstoß der Bretton-Woods-Organisation war eine Reaktion auf die Dekolonisierungswelle auf der südlichen Halbkugel, ein erster Schritt in Richtung Kodifizierung restaurativer Kapitalinteressen. Institutionell fungierte das »International Center for Settlement of Investment Disputes« (ICSID) als Rahmen für die multilaterale Konvention zum Schutz von (privaten) Investitionen vor staatlichen Zugriffen. Im Jahr 2008 hatten 155 Staaten die Konvention ratifiziert und damit das direkt bei der Weltbank in Washington angesiedelte ICSID anerkannt. Mit Bolivien, Ecuador und Venezuela sind in den vergangenen Jahren von linken Regierungen geführte Länder ausgetreten.

mehr: 
- Gefesselt und geknebelt (junge Welt, 01.10.2014)

Einführung einer gesetzlich geregelten Personalbemessung in Krankenhäusern

Mit einem Hilferuf hat sich der Konzernbetriebsrat der Rhön-Klinikum AG an die Politik gewandt. In einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief an die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform fordern die Beschäftigtenvertreter die Einführung einer gesetzlichen Personalbemessung. Aktuell sei man in den Rhön-Kliniken – und nicht nur dort – von der notwendigen Personalbesetzung »meilenweit entfernt«. 

Bei der Arbeitsbelastung der Beschäftigten sei »in weiten Bereichen die Grenze des Zumutbaren überschritten«, heißt es in dem jW vorliegenden Schreiben der Betriebsräte. Trotz der starken Zunahme der Fallzahlen sowie der durchschnittlichen Schwere der Behandlungen habe sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren nicht entsprechend erhöht, kritisieren sie.

mehr:
- Hilferuf an Politik (junge Welt, 01.10.2014)

UN-Menschenrechtsrat verurteilt Hedgefonds

Schuldenstreik und kein Ende. Auch fast zwei Monate nachdem Argentinien von der internationalen Finanzwelt als zahlungsunfähig eingestuft wurde, wird die Auseinandersetzung mit den US-Hedgefonds mit unverminderter Intensität weitergeführt. Am Wochenende konnte die Regierung in Buenos Aires einige zumindest symbolische Erfolge für sich verbuchen. Am Freitag hatte der zuständige US-Bundesrichter Thomas Griesa in New York die Zahlung einer Schuldenrate an Gläubiger freigegeben, die am 30. September fällig geworden wären. Offenbar nicht ganz ohne Druck. Denn in den Tagen zuvor hatten sich mehrere Vertreter verschiedener mit dem Zahlungsaustausch beauftragter Großbanken, darunter der City Group, persönlich bei Griesa für eine Freigabe der Gelder eingesetzt.

Nur wenige Stunden später folgte ein diplomatischer Triumph. Der UN-Menschenrechtsrat in Genf stimmte mit 33 zu fünf Stimmen für eine von Argentinien eingebrachte »Hedgefonds-Resolution«. Darin werden die Spekulationsinstrumente nicht nur kritisiert. Das Papier sieht auch die Einrichtung einer Forschungsgruppe vor, um die Aktivitäten der Fonds und deren Folgen genauer zu dokumentieren. »Die Milliarden US-Dollar, die Geierfonds aus dem armen Süden abziehen, führen zu geschlossenen Schulen, leeren Krankenhäusern und politischer Instabilität«, sagte der argentinische Außenminister Héctor Timerman vor dem Gremium in Genf. Er appellierte an die Vereinten Nationen, eine Regulierung voranzutreiben: »Wir sind es, die den Status quo ändern müssen, denn wenn wir nicht die Bremse ziehen, werden sie niemals aufhören.«


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Beistand für Argentinien (junge Welt, 01.10.2014)


"In Frieden mit der Ukraine und mit Russland!"

Mitte September verknüpfte der Verband deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg seine Jahrestagung in Konstanz mit einem Internationalen Literaturfestival. Unter dem Titel "Aufs Äußerste Europa" luden Autoren dazu ein, den Dialog zu wagen: Wo verorten wir uns im krisengeschüttelten Europa – künstlerisch, gesellschaftlich, menschlich? Der Debattenbeitrag der Verdi-Landesvorsitzenden Leni Breymaier, ein aufrüttelnder Friedensappell, zum Nachlesen. 

In Konstanz, einem der Ausgangspunkte der 1848er-Revolution, spreche ich als Bürgerin in diesem Lande. Das ist meine Welt. Als Gewerkschafterin und natürlich als Hüterin der Arbeitnehmerinteressen und damit auch der Literatinnen und Literaten in unserer Gewerkschaft Verdi. Arbeiter und Angestellte kämpften und kämpfen täglich für ihr Brot und auch für das freie Wort – für alle in der Gesellschaft! Im Sinne der Gleichheit, Freiheit und Schwesterlichkeit.

Weilte ich zu den Tagen des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418 in den Mauern dieser Stadt, hätte aus der Sicht meines Standes wohl meine vornehmste Pflicht dem täglichen Wohl der Päpste, Könige und Kardinäle und ihrer Entourage gelten müssen. Wer kochte die Suppe, machte den Käse, buk das Brot und schaffte das Fleisch herbei, fragt die Köchin, die Bäuerin? Da hat sich vier Jahre die Machtelite Europas aus allen kirchlichen und weltlichen Domänen in dieser Stadt versammelt, hat gefeilscht, gelogen, intrigiert, bestochen, gemauschelt, um die Macht über die Welt zu erlangen, den Reichtum der Arbeitenden aufzuteilen, zu stehlen, künftige Kriege vorzubereiten und um den Besitz der Völker und der Bodenschätze zu schachern. 

Politik ohne uns!
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- "In Frieden mit der Ukraine und mit Russland!" (Leni Breymaier, Kontext, 01.10.2014)

Quarks & Co: Geld regiert – regieren wir mit?

Sendung vom 30.09.2014
Die „Superreichen“ werden immer zahlreicher, in Deutschland und auf der ganzen Welt. Quarks & Co begibt sich auf die Spur des großen Geldes. Was macht Geld mit uns – und welche Macht verleiht es?


Quarks & Co - GELD REGIERT [44:11]

Veröffentlicht am 30.09.2014
1 % der Deutschen besitzt 36% des Gesamtvermögens – den ärmsten 50% der Deutschen gehören zusammen nicht einmal 1,4 %


Ranga Yogeshwar [Wikipedia]
Kommentare auf der WDR-Seite

Politische Justiz und Stuttgart 21

Wann haben wir es mit politischer Justiz zu tun? Immer dann, wenn Richterinnen und Richter, mitunter durch unverhohlene Assistenz von Staatsanwaltschaft und Polizei, sich mit den Interessen der Mächtigen in Staat und Wirtschaft identifizieren – und dies in Rechtsprechung und Rechtspraxis umsetzen, sagt Rechtsanwalt Jörg Lang als Gastredner auf der 240. Montagsdemonstration gegen das Bahnprojekt in Stuttgart. 

Ich möchte aus Anlass des 4. Jahrestags des unseligen Schwarzen Donnerstags zum Thema politische Justiz und Stuttgart 21 sprechen. 

Gemeinsam mit anderen habe ich das Buch "Politische Justiz in unserem Land" (mehr dazu unter diesem Link) veröffentlicht, das sich mit diesem Thema befasst. Die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 und die Rolle der Justiz dabei sind ja kein Einzelfall. 

Was verstehen wir unter politischer Justiz? Zunächst ist und wird das Recht insgesamt ebenso wie die Arbeitsweise der Justiz immer auch politisch bestimmt. Dies gilt auch in einem demokratischen Rechtsstaat – und wir sollten froh sein, dass das heutige Deutschland dem Grunde nach ein solcher Rechtsstaat ist. Recht ist kein feststehendes, monolithisches System. Es enthält eine Fülle von auslegungsbedürftigen Rechtsbegriffen wie etwa den der "Gewalt", des "demokratischen Rechtsstaats" oder des "Verteidigungsfalls". Sie werden von Richtern und Richterinnen und Behörden ausgelegt, die ihrerseits von gesellschaftlichen und politischen Urteilen und Vorurteilen geprägt sind. Dies ist an sich unvermeidlich, zumal sich auch die Anschauungen in der Gesellschaft selbst ändern. Schon hier zeigt sich aber, wie wichtig es ist, dass eine demokratische Öffentlichkeit ihre Meinungen und ihre Stimme nicht nur im Parlament und Medien, sondern eben auch durch öffentliche Demonstrationen kundtut.
mehr:
siehe auch:
Rezension des Buches „Politische Justiz in unserem Land“ (Petra Brixel, Bei Abriss Aufstand, 11.05.2014)
- Für paranoid erklärte Steuerfahnder werden rehabilitiert (Post, 02.01.2016 – siehe auch die Links!)

Die NATO dehnt sich aus

Über die Ukraine wird zurzeit viel gesprochen und publiziert. Putin bedrohe mittels seiner Einflussnahme in der Ukraine Europa, sei Aggressor, wolle Russland vergrößern etc. pp. Doch was ist dran an der "russischen Aggression" – und welche Verantwortung trägt auch "der Westen" wofür? Jens Wernicke sprach hierzu mit dem Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser. 
Herr Ganser, im deutschen Blätterwald hat es – im Kontext der Situation in der Ukraine – in den letzten Wochen und Monaten regelrechte Kampagnen zum Thema einer vermeintlichen Bedrohung der EU und des Westens durch russische Großmachtbestrebungen und russischen "Imperialismus" gegeben. Wie bewerten Sie als NATO-Kenner und Friedensforscher die aktuelle Situation?
Ich sehe das anders. Ich glaube nicht, dass Russland Westeuropa bedroht oder erobern möchte. Das stimmt nicht. Es kommt in der Geschichte immer sehr darauf an, wo man die Schnittstelle legt, ob man mit der Annexion der Krim anfängt oder mit der Vorgeschichte, etwa dem Sturz von Janukowitsch im Februar 2014, oder mit der Vorgeschichte der Vorgeschichte, also beispielsweise dem Entscheid der NATO 2008, die Ukraine und Georgien in das Militärbündnis zu integrieren.
Für mich liegt die Wurzel des jetzigen Konflikts in diesem Entscheid der NATO, der war gefährlich und falsch. Der US-Botschafter hatte schon damals erkannt, damit trete man auf einen "rohen Nerv" der Russen. Die USA wussten also, dass dies Moskau sehr irritieren würde. Trotzdem hat die frühere US-Botschafterin bei der NATO, Victoria Nuland, aktiv am Sturz der Regierung Janukowitsch mitgewirkt. Nuland, das ist übrigens jene, die mit dem wenig schmeichelhaften Zitat "Fuck the EU" bekannt geworden ist.
Nach dem Sturz von Janukowitsch und der Installierung des NATO-freundlichen neuen Präsidenten Poroschenko hat Putin dann sehr schnell reagiert und mit Truppen die Krim und den Osten der Ukraine übernommen. Dies verdeutlicht: Die Russen wollen nicht, dass die NATO sie umzingelt, sie wollen nicht, dass die Ukraine in die NATO aufgenommen wird.
mehr:
- Die NATO dehnt sich aus (Jens Wernicke im Interview mit Daniele Ganser, Kontext, 01.10.2014)

Leonard Cohen, der Krieg, die Menschlichkeit und die Fahrräder auf dem Meeresgrund

Am Sonntag, dem 21. September wurde in einer Reihe von transkontinentalen Veranstaltungen (1)* der achtzigste Geburtstag von Leonard Cohen zelebriert. Er selber hat sich diesen Tag als Termin gesetzt, um wieder mit dem Rauchen anzufangen. In dem Filmporträt ‚Beautiful Losers’ (ich weiß nicht, wie lange das schon zurückliegt) lobt er Weiswein und Zigaretten als „wundervolle Drogen“, er tut es in einem durchaus ernsthaften Ton, als hätte er alles durchprobiert und könnte nun nach vorurteilsfreier Prüfung Weiswein und Nikotin als Testsieger empfehlen. Er scheint eine Menge ausprobiert zu haben, einschließlich Alkoholentzug, Zen Buddhismus und Askese. Offenbar ist er auch im fortgeschrittenen Alter immer noch dabei, in Sachen Drogen, Kunst und Religion verschiedene Möglichkeiten auszutesten.
Einen unfreiwilligen Selbstversuch in Sachen Menschlichkeit hatte Leonard Cohen schon Anfang der siebziger Jahre gemacht, genau gesagt 1973, als er auf die Insel Hydra zurückgekehrt war und das Zusammenleben mit Frau und Kind nicht mehr ertragen konnte (er spricht von einem „Vorhang aus Rasierklingen“, in einem seiner Songs heißt es lakonisch „I live here with a woman and a child, the situation makes my kind of nervous“), er wurde dermaßen kribbelig, dass er der Versuchung nicht länger widerstehen konnte, endlich an einem richtigen Krieg teilzunehmen. Das wollte er immer schon. Er wollte es schon, als er Anfang der sechziger Jahren kurz vor der Invasion in der Schweinebucht nach Kuba aufbrach, um da eine Begegnung mit dem Tod zu haben, wie er in einem noch älteren Dokumentarfilm erklärt (an den Titel erinnere ich mich jetzt nicht, ich weiß aber noch, dass er in Schwarzweiß ist). Damals hatte seine Mutter hinter ihm her telefoniert, er konnte gerade noch rechtzeitig ausreisen.
mehr:

Leonard Cohen - There Is A War (live 1985) [4:33] Text
Hochgeladen am 15.04.2009
From his concert in Warsaw 1985.

siehe auch:
- Cohen und Dylan, die beiden Seelenverwandten (Die Welt, 20.02.2013)
- Der Künstler als junger Mann (ZEIT, 21.09.2014? Bilder aus Cohens Karriere aus dem Fotoband Leonard Cohen – Almost Young)

aktualisiert am 14.11.2014

Heute vor 68 Jahren – 1. Oktober 1946: Verkündigung der Urteile im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher

In Nürnberg steht das »Dritte Reich« vor Gericht 

Als die Alliierten noch während des Krieges die Dimensionen der nationalsozialistischen Verbrechen erfassten, ließen sie keinen Zweifel daran, dass sie sich nach Ende des Weltkriegs nicht mit einer einfachen Kapitulation des Deutschen Reichs zufriedengeben würden. Sie kündigten an, den Verantwortlichen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Frieden vor der Weltöffentlichkeit den Prozess zu machen. 

 Die Wahl des Gerichtsorts fiel nicht zufällig auf Nürnberg: Die fränkische Stadt war schließlich Schauplatz der Reichsparteitage gewesen und galt als ein Zentrum der »Bewegung«. Zudem war der dortige Justizpalast weitgehend unbeschädigt und auch ein genügend großes Gefängnis stand zur Verfügung. Am 20. November 1945 begann der erste der Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher. Nach und nach kam das ganze Ausmaß der Verbrechen und Gräueltaten ans Licht. Das Geschehen in Nürnberg fand fast ein jahr lang weltweit großes Interesse. Im Oktober 1946 wurden zwölf der 24 Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet. 

 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Der Nürnberger Prozess - Das Urteil (1/9) / Hauptkriegsverbrecher-Prozess [13:21]

Veröffentlicht am 08.06.2012


Heute vor 52 Jahren: 1. Oktober 1962: Schwarzer Student an der Universität von Mississippi

Bürgerrecht  mit  Militär  durchgesetzt
James  Meredith  war  ordentlicher  Student  der  Universität  von  Missis sippi,  doch  den  meisten  seiner  Kommilitonen  war  er  verhasst,  und  sie  versuchten  mit  allerlei  Angriffen  und  Schikanen,  ihn  vom  Campus  zu  vertreiben.  Meredith  war  im  Oktober  1962  der  erste  und  einzige  schwarze  Student  an  der  »Ole  Mis«.  Damit  er  sich  an  der  Alma Mater  im  weithin  rassistischen Mississippi  immatrikulieren  konnte,  musste  Präsident  John F.  Kennedy  Polizei  und  Militär  zur  Hilfe  schicken.  In  der  Nacht  vor  dem  1.  Oktober  nahmen  Polizei  und  Nationalgarde  mehr  als  100  Weiße  fest,  die  mit  Schusswaffen  und  Schlag­stöcken  für  Unruhe  und  Prügeleien  sorgten.
US-Marshals begleiten James Meredith zur Universität, 1.10.1962

Unter  dem  Schutz  der  Marshals  wurde  Meredith  schließlich  auf  den  Campus  geführt. Er  selbst  sagte  rückblickend:  »Ich  habe  in  einem  Krieg  gekämpft.  Ich  habe  mich selber  vom  ersten  Tag  an  als  im  Krieg  betrachtet.  Und  mein  Ziel  war  es,  die Bundesregierung,  damals  unter  Kennedy,  in  eine  Position  zu  zwingen,  in  der  sie  das Militär  einsetzen  musste,  um  meine  Rechte  als  Bürger  durchzusetzen. [Quellenangabe Wikipedia]«  Seine Einschreibung  war  ein  großer  Erfolg  im  Kampf  gegen  den  Rassismus.  Meredith  hielt durch  und  graduierte  ein  Jahr  später  im  Fach  Geschichte.

Was  am  1.  Oktober  noch  geschah: 
1982:
 
Nach  einem  konstruktiven  Misstrauensvotum  löst  Helmut Kohl  (CDU) Helmut Schmidt (SPD)  als Bundeskanzler  ab.
Harenberg   Abenteuer  Geschichte  2014
 siehe auch: