Mittwoch, 7. Januar 2015

Wer verdient am Krieg?

Der Konfliktforscher Philippe Le Billon untersucht, warum Rebellen und Warlords mit Kriegen so viel Geld verdienen.
mehr:
- Krieg – "Das Geschäft läuft gut" (Interview Caterina Lobenstein mit Philippe Le Billon)
Zitat:
Wenn man im Fernsehen vom Krieg hört, wird meist ein ziemlich einfaches Schwarz-Weiß-Bild gezeichnet: Zwei ethnisch oder religiös verfeindete Gruppen hassen sich, deshalb führen sie Krieg. Schiiten gegen Sunniten, Hutu gegen Tutsi. Natürlich gibt es religiös und politisch motivierte Konflikte. In der Ukraine etwa geht es vor allem um Geopolitik. Allerdings wird häufig ausgeblendet, dass im Krieg nicht ausschließlich um Ideologie und Politik gekämpft wird, um Religion und ethnische Zugehörigkeit, sondern immer auch um Geld. Ich gehe in meiner Forschung den Fragen nach, wer vom Krieg profitiert und wie Kriegsökonomien funktionieren.
siehe auch:
- Die Gewaltökonomien der "Neuen Kriege" (Monika Heupel, Bundeszentrale für politische Bildung, 30.10.2009)
Die Gewaltökonomien der "Neuen Kriege"
30.10.2009 Ein typisches Merkmal der "Neuen Kriege" sind Gewaltökonomien, die auf dem Handel mit natürlichen Ressourcen basieren. Der Artikel skizziert Entstehungsbedingungen und Implikationen für die Konfliktbearbeitung und stellt Instrumente zur Schwächung von Gewaltökonomien vor.

Die These von der Herausbildung sogenannter "Neuer Kriege" hat in der Friedens- und Konfliktforschung eine starke Kontroverse ausgelöst. Viele der Charakteristika, die Mary Kaldor,[1] Herfried Münkler[2] und andere Befürworter der These den "Neuen Kriegen" zuschreiben, seien, so die Kritiker, nicht neu, sondern bereits für Kriege, die vor dem Ende des Ost-West-Konflikts ausgetragen wurden, typisch gewesen. Die These sei demnach nicht nur empirisch falsch, sondern - so eine zugespitzte Schlussfolgerung - diene darüber hinaus der Rechtfertigung militärischer Interventionen. Quantitative Studien konnten die Frage nach der Plausibilität der These von den "Neuen Kriegen" bislang nicht beantworten: Einige Studien stützen einzelne Behauptungen, andere stellen wiederum andere Thesen in Frage. Dass sich mit dem Ende des Ost-West-Konflikts die Finanzierung bewaffneter Konflikte gewandelt hat und sich mithin, wie von den Befürwortern der These behauptet, neuartige Gewaltökonomien herausgebildet haben, wird jedoch auch von Kritikern in der Regel anerkannt. Dass dies Implikationen für die Dynamiken gewaltsamer Konflikte und die Erfolgsbedingungen nachhaltiger Kriegsbeendigung hat, wird ebenfalls nicht in Abrede gestellt.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Politikberaterinnen und Politikberater - zum Teil in Auseinandersetzung mit der These von den "Neuen Kriegen", zum Teil unabhängig davon - die Funktionsweise von Gewaltökonomien untersucht und Gegenstrategien identifiziert und evaluiert. Im Mittelpunkt standen dabei Gewaltökonomien, die sich aus dem Handel mit natürlichen Ressourcen speisen. Prominente Beispiele sind der Diamantenschmuggel, ohne den die Kriege in Angola und Sierra Leone in den 1990er Jahren kaum hätten (weiter)geführt werden können, und der Drogenschmuggel, der bewaffneten Gruppen in Kolumbien und Afghanistan hohe Einnahmen einbringt. Der vorliegende Artikel konzentriert sich ebenfalls auf Gewaltökonomien, die auf dem Handel mit natürlichen Ressourcen basieren. […]

Befürworter der These von den "Neuen Kriegen" unterscheiden Gewaltökonomien, die sich im Kontext der Kriege nach 1990 herausgebildet haben, von Gewaltökonomien, die für frühere Kriege - vor allem die des Ost-West-Konflikts - kennzeichnend waren. Demnach haben sich die Konfliktparteien der sogenannten Stellvertreterkriege abhängig von ihrer (vorgegebenen) ideologischen Ausrichtung insbesondere über Zuwendungen von Groß- und Supermächten finanziert. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, als die Zuwendungen ausblieben oder zumindest zurückgingen, bauten vor allem nichtstaatliche bewaffnete Gruppen Gewaltökonomien auf, um sich unabhängig von der Gunst mächtiger Staaten versorgen zu können.[5] In Angola und Kambodscha etwa kompensierten die UNITA[6] bzw. die Khmer Rouge das Ende der externen Zuwendungen mit der Vergabe von Konzessionen zur Diamantenförderung bzw. Abholzung von Wäldern. In Somalia und im südlichen Sudan plünderten bewaffnete Gruppen Hilfslieferungen für die Not leidende Bevölkerung. In Kolumbien organisierten linksgerichtete Guerillas und paramilitärische Gruppen Entführungen, erpressten Schutzgelder von Ölunternehmen und kontrollierten den Kokaanbau und -handel. Und in Afghanistan verdienten die Taliban am Opium- und Heroinschmuggel und an der Besteuerung des Warenverkehrs zwischen Afghanistan und Pakistan.

Ressourcenbasierte Gewaltökonomien zeichnen sich durch transnationale Netzwerkstrukturen und eine Verbindung zur sogenannten Schattenglobalisierung aus.[7] So sind es in der Regel ausländische Unternehmen, die von Konfliktparteien Konzessionen zur Ausbeutung von Ressourcenvorkommen erwerben. Die Khmer Rouge etwa haben mit thailändischen Unternehmen kooperiert, die gegen die Entrichtung einer Gebühr Bäume in ihren Gebieten fällen durften. Auch der Absatz der Ressourcen erfolgt typischerweise über ausländische Unternehmen. In Angola kaufte zum Beispiel das südafrikanische Unternehmen De Beers Diamanten der UNITA auf, um sie auf der internationalen Börse in Antwerpen weiterzuverkaufen. Auch Waffenlieferungen werden für gewöhnlich über private Akteure organisiert. In einigen Fällen wie etwa in Liberia lieferten Unternehmen, denen Konzessionen für den Abbau von Ressourcen übertragen wurden, selbst Waffen und anderes Kriegsgerät. In anderen Fällen bezahlten Konfliktparteien mit den Einnahmen, die ihnen aus dem Handel mit natürlichen Ressourcen zukamen, Zwischenhändler, die Waffen und Kriegsgerät vornehmlich aus Osteuropa lieferten. […]

In der Literatur werden vor allem zwei Mechanismen genannt, um den Einfluss natürlicher Ressourcen auf die Konfliktdauer zu erklären. Zum einen sei es für Konfliktparteien schlicht einfacher, Kriege am Laufen zu halten, wenn sie Zugriff auf Ressourcen haben. Und zum anderen verändere der Zugriff auf Ressourcen vielfach auch die Motive der Konfliktparteien. Demnach neigen bewaffnete Gruppen - wie beispielsweise die Kriege in der Demokratischen Republik Kongo in den 1990er Jahren gezeigt haben - mit der fortschreitenden Dauer eines Konflikts in stärkerem Maße dazu, Einkünfte aus dem Handel mit natürlichen Ressourcen zu privatisieren. Um überhaupt Einkünfte zu erzielen, seien bewaffnete Gruppen in der Regel auf das Fortdauern des gewaltsamen Konflikts angewiesen. Die Motivation, den Konflikt beizulegen, sinke entsprechend. Gerade die großen Schwierigkeiten der VN, gewaltsame Konflikte, die über den Handel mit natürlichen Ressourcen finanziert werden, dauerhaft zu beenden, haben ein Bewusstsein für den Bedarf an effektiven Instrumenten zur Schwächung der für die "Neuen Kriege" typischen Gewaltökonomien geschaffen. Doch welche Instrumente stehen Staaten, internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen (NRO) und privaten Unternehmen zur Verfügung und wie effektiv sind sie? Grob lassen sich zwei Typen unterscheiden: Auf der einen Seite kurzfristig orientierte Instrumente, die das Ende gewaltsamer Konflikte herbeiführen und Friedensprozesse in der Anfangsphase stabilisieren sollen. Auf der anderen Seite langfristig orientierte Instrumente, die Strukturen schaffen sollen, welche die Entstehung von Gewaltökonomien verhindern und die Transformation von Kriegs- in Friedensökonomien erleichtern können. […]

Ein Instrument, das in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit erfahren hat, sind multilaterale Sanktionen, die den Handel mit natürlichen Ressourcen aus Konfliktgebieten unterbinden oder zumindest einschränken sollen. Der Sicherheitsrat der VN hat seit den späten 1990er Jahren vermehrt den Handel mit natürlichen Ressourcen untersagt, dessen Erlös von nichtstaatlichen aber auch staatlichen Akteuren für die Finanzierung gewaltsamer Auseinandersetzungen verwendet wird.[20] Bereits Anfang der 1990er Jahre unterstützte er ein Moratorium für den Export von Baumstämmen, das die kambodschanische Übergangsverwaltung erlassen hatte, um die Khmer Rouge zu schwächen.[21] In der Folge erließ er Embargos gegen Diamanten aus Angola[22] und Sierra Leone[23], die nicht mit einem Herkunftszertifikat der jeweiligen Regierung ausgestattet waren, sowie gegen Diamanten aus der Elfenbeinküste[24], um die Gewaltökonomien der UNITA, der RUF und der Forces Nouvelles zu schwächen. Zudem verhängte der Sicherheitsrat ein Embargo gegen Diamanten und Holz aus Liberia, um den liberianischen Präsidenten Charles Taylor dazu zu veranlassen, nicht länger als Zwischenhändler für Diamanten der RUF zu fungieren.[25] Schließlich untersagte der Sicherheitsrat den Import von Essigsäureanhydrid, das für die Weiterverarbeitung von Opium in Heroin benötigt wird, nach Afghanistan, um Druck auf die Taliban auszuüben.[26]

Die Wirksamkeit der Rohstoff-Sanktionen der VN ist bislang durchwachsen. Gleichwohl hat sich gezeigt, dass Sanktionen vor allem dann einen Beitrag zur Lösung von Konflikten leisten können, wenn ihre Implementierung überwacht wird.[27] So konnten zum Beispiel in Angola die Sanktionen gegen unzertifizierte Diamanten dann Wirksamkeit entfalten, als sich das entsprechende VN-Komitee aktiv um ihre Durchsetzung bemühte und Staaten und Individuen, welche sie verletzten, öffentlich beim Namen nannte.[28] Auch Sanktionen sind in erster Linie ein kurzfristig orientiertes Instrument, welches das Ende eines gewaltsamen Konflikts herbeiführen soll. Allerdings deutet etwa die Entwicklung des Friedensprozesses in Liberia darauf hin, dass sie durchaus auch einen Beitrag zur Konsolidierung fragiler Friedensprozesse leisten können. Dort nämlich knüpfte der Sicherheitsrat die Aufhebung des Exportverbots für Holz nach Kriegsende an die Bedingung, dass die neue Regierung Regeln und Verfahren einrichtet, die eine gerechte und nachhaltige Nutzung der Waldbestände ermöglichen. […]

Gewaltökonomien, die auf dem Handel mit natürlichen Ressourcen beruhen, stellen eine Herausforderung für die VN und andere Akteure dar, die Kriege beenden, Friedensprozesse stabilisieren und den Ausbruch gewaltsamer Konflikte verhindern wollen. In den 1990er Jahren wurden die Herausforderungen, die sich aus dem Entstehen neuartiger Gewaltökonomien ergeben, vielfach ignoriert - zum Teil mit verhängnisvollen Folgen. Erst nach und nach bildete sich ein Bewusstsein dafür heraus, dass effektive Gegenstrategien unerlässlich sind, um der Verstetigung gewaltsamer Konflikte entgegenzuwirken und in fragilen Staaten nachhaltige Friedensstrukturen aufbauen zu können.

Iraq For Sale: The War Profiteers • FULL DOCUMENTARY FILM • BRAVE NEW FILMS {1:15:22}

Veröffentlicht am 11.02.2015
This is the story of what happens to everyday Americans when corporations go to war. SUBSCRIBE: http://www.youtube.com/subscription_c... Watch our other feature length documentaries free: https://www.youtube.com/playlist?list...
1:57 Blackwater Security is the largest security firm in Iraq, with more than three hundred working and risk taking employees.
Meet Jerry Zovko, one of the four blackwater agents who died in an under armored and under guarded patrol vehicle in Falluja, one of the most dangerous cities in the region at the time.
7:49 Blackwater Security pulls at all its political strings in order to avoid retribution for the very much avoidable Felluja deaths. Preventing investigations, and changing opinions.
13:30 Private organizations in Iraq continue to abuse their power, hurting and destroying the lives of prisoners and citizens alike, but not without making a killing in profits.
21:16 Private organizations pay more than the US military, promising “minimal supervision”.
26:06 Corporate greed strikes again. TITAN Services, the lead provider of linguists for America’s Iraq operation hired untrained translators from unreliable backgrounds -making TITAN indirectly responsible for countless avoidable deaths.
28:47 United States turns a convenient blind eye to the continued abuse and killing of Iraqi civilians by US private contractors.
33:50 Private contractors are taking the work–and by extension experience– of trained soldiers. So why are they being denied the training and equipment they need to stay alive and safe?
42:00 Seven people were killed in an attack on a Halliburton fuel convoy. A convoy that had been cleared for transport across a no-drive zone. Is that how KBR values human life?
48:17 Halliburton continues to skimp on health requirements, supplying the it’s men and women with contaminated water, and snuffing out all the attempts that have been made to warn those at risk of infection.
52:22 Halliburton skimps on necessary safety and sanitation measures for its troops while massively overcharging them, and by extension the U.S Government.
55:02 How does Halliburton legally steal from the american government and american citizens? By wasting our money in huge amounts, burning expensive equipment, vehicles and even oil in front of Iraqi citizens.
1:01:48 It has been proven that Halliburton steals huge amounts of money from the U.S, so why haven’t we taken action?
1:06:15 Even today, 12 years after the withdrawal of troops and the end of the Iraq war, war profiteers still exist, and they will not go down without a fight. They have money, power and influence.
If we want change, it’s going to take more than just awareness, it’s going to take action.
DONATE:  https://bravenew.nationbuilder.com/do...
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Deutschland „am Hindukusch verteidigen"? {6:24}

Hochgeladen am 28.09.2007
Vortrag von Dr. Peter Strutynski (Universität Kassel)
Sprecher des bundesweiten Friedensratschlages
am 25.Sep 2007 im Jubez, Karlsruhe
Veranstalter Friedensbündnis Karlsruhe
- "Lieber ein Russlandversteher als ein Kriegsflüsterer" – Rede von Peter Strutynski beim Ostermarsch 2014 in Nürnberg (21.04.2014, vor der Lorenzkirche in Nürnberg, Text gefunden bei der AG Friedensforschung), daraus:
Die großen Mächte, allen voran die USA, sind in ganz besonderer Weise an dieser kannibalischen Weltordnung beteiligt. Warum? Vor wenigen Tagen gab das Stockholmer Friedensforschungsinstitut die Zahlen der weltweiten Rüstungs- und Militärausgaben für 2013 bekannt. 1,75 Billionen US-Dollar, das sind eintausensiebenhundertfünfzig Milliarden Dollar, wurden für das Militär ausgegeben. Und die USA sind daran mit 37 Prozent beteiligt. Über eine halbe Billion geben die USA für kriegerische Zwecke aus. Darin eingerechnet sind nicht einmal die vielen Milliarden, welche von den US-Geheimdiensten für ihre weltweiten Überwachungs- und Schnüffelaktionen ausgegeben werden.

Ein Bruchteil dieses Geldes würde ausreichen, um die Menschheit von der Malaria und anderen epidemischen Krankheiten zu befreien, um jedem Menschenkind genügend Nahrung und eine ordentliche Bildung zu verschaffen. Auf diesem Feld, liebe Freundinnen und Freunde, wollen wir kämpfen und verlangen wir von den Regierungen, sich ernsthaft zu engagieren. Die Zukunft liegt nicht in den Schützengräben, sondern in einer gerechten Weltwirtschaftsordnung!
A propos Schützengräben! Der Erste Weltkrieg, der vor 100 Jahren begann, war das erste industrielle Massenabschlachten in der Geschichte der Menschheit. Unter Einsatz von Giftgas, Panzern, Kanonen und Maschinengewehren starben 17 Millionen Menschen, verreckten buchstäblich in den Schützengräben, durchstachen sich gegenseitig mit ihren Bajonetten oder wurden von Granatsplittern getroffen. Es war eine zweifache Katastrophe: Einmal weil die herrschenden Kreise der imperialistischen Mächte mit ihrem Willen zum Krieg alle Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen traten und die europäischen Zivilgesellschaften zerstörten. Zum anderen, weil die Antikriegshaltung der wenigen bürgerlichen Pazifisten und der vielen sozialistischen Arbeiterinnen und Arbeiter nicht ausgereicht hat, diesen Krieg zu verhindern.

Mit Lügen und falschen Versprechungen, mit einer kriegsbegeisterten und –geifernden Presse wurde der deutschen Bevölkerung eingeredet, es handle sich um einen Verteidigungskrieg; das zivilisierte Deutschland müsse sich gegen den barbarischen russischen Zarismus zur Wehr setzen. Die damalige Sozialdemokratie ist dieser Propaganda auf den leim gegangen; sie hat die bis dahin schwerste politische Prüfung leider nicht bestanden. Ich trage ihr das heute nicht nach. Aber ich wünschte mir, dass sie daraus die richtigen Lehren ziehen würde. Wir haben es in Kassel als kleinen politischen Erfolg verbucht – man ist ja bescheiden geworden -, dass der SPD-Unterbezirk Kassel den diesjährigen Ostermarschaufruf mitunterschrieben hat. Zur Nachahmung empfohlen! 2014 ist nicht 1914.

Und die Ukraine ist nicht das Serbien von damals. Aber eines ist wieder verdammt gegenwärtig: Die von Politik und Medien geschürte Russenangst. Putin in der Rolle des Zaren, Putin in der Rolle Stalins, und Russland als aggressive imperiale Macht, die das Völkerrecht und die territoriale Unversehrtheit der Ukraine verletzt, die jeglichen politischen Anstand verloren hat und sich außerhalb der Weltgemeinschaft gestellt hat. Das alles, liebe Freundinnen und Freunde, ist übelste Stimmungsmache. Man muss Putin nicht für einen Demokraten, und schon gar nicht für einen Friedensengel halten. Im Vergleich zu den USA mit ihren über 30 völkerrechtswidrigen Interventionen der letzten Jahrzehnte, mit ihrem irregulären sog. Krieg gegen den Terror, mit ihrer weltweiten Überwachungsorgie und mit den Folter-Schandflecken Abu Graib und Guantanamo, ist Russland aber nachgerade ein Waisenknabe.[…]

Meine Skepsis richtet sich vor allem auf die Tatsache, dass die USA weiter mit Sanktionen gegen Russland droht und dass die NATO daran festhält, ihre militärische Präsenz in Osteuropa zu verstärken. Mit Verteidigung hat das nichts mehr zu tun. Wir brauchen keine NATO! Die NATO hätte schon 1991 aufgelöst werden müssen, als der Warschauer Pakt sich aus der Geschichte verabschiedet hatte. – Und die Zusage der Bundesregierung, Eurofighter für den Luftraum an der Grenze zu Russland zu stationieren, ist – 73 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion – eine einzige Provokation und muss schleunigst zurückgezogen werden.

Ich frage mich manchmal, wer in Berlin eigentlich Außenpolitik macht. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder der dafür zuständige Außenminister? Eines ist jedenfalls sicher: Frau Merkel macht gar keine Politik; sie wartet ab und telefoniert lieber mit Obama. Sie sollte lieber auf die eigene Bevölkerung hören, die keine Eskalation und keine Konfrontation mit Russland will.[…]

In dem Buch „Töten per Fernbedienung. Kampfdrohnen im weltweiten Schattenkrieg“ werden die Trends der künftigen Kriegführung und die Hauptargumente der Friedensforschung und Friedensbewegung genannt. Es sind die folgenden:

1. Das, was „gezielte Tötung“ genannt wird, ist nicht so zielsicher. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass die Todesrate beim Einsatz von Kampfdrohnen unter der Zivilbevölkerung wesentlich höher ist als unter den anvisierten Zielen. 
2. Gezieltes Töten (targeted killing) verstößt außerhalb von Kriegszeiten gegen die Menschenrechtskonventionen und das Völkerrecht. Die Regierungen, die sich der Kampfdrohnen bedienen, handeln zugleich als Ankläger, Ermittler, Richter und Henker. Mit Rechtsstaatlichkeit hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.
3. Kampfdrohnen senken die Schwelle für Kriegseinsätze.
4. Die permanente Bedrohung der Zivilbevölkerung durch Kampfdrohnen führt zu unerträglichen psychischen Belastungen. Es gibt Studien, wonach sich z.B. Kinder in betroffenen Gebieten aus Angst nicht mehr auf die Straße oder in die Schule trauen. (Studie: „Living under drones“.)
5. Die Produktion und der Einsatz von Kampfdrohnen entziehen sich bestehenden Rüstungskontrollmechanismen. Zu befürchten ist also eine neue Aufrüstungsspirale.  
Der Kannibalismus und die Doppelzüngigkeit des Westens (Post, 16.11.2014)
Noch ein wenig USA und Kriegsstimmung in Europa (Post, 28.10.2014)
Jean Ziegler: „Geierfonds - Quintessenz krimineller Bankenaktivitäten“ (Post, 19.10.2014)
Ukraine 11 – Unsere Medien: Nicht-Berichten und Sprachverdrehung und der Krieg »Reich gegen Arm« (Post, 16.05.2014)
Jean Ziegler – ein wahrhaftiger Mensch (Post, 10.09.2013)
Ich kann gar nicht so viel essen… (Eliot Weinberger in Lettre International, Was ich hörte vom Irak, 25.03.2006)
Trommler der Empörung (Erwin Koch, SPON, 21.01.2002)

Massenüberwachung und Selbstzensur

A study published by a top US literary organization on Monday, found that an increasing number of writers in democratic countries are censoring themselves due to fears about government surveillance.
mehr:
- Mass surveillance breeds self-censorship in democracies - report (Russia Today, 05.01.2015)

Da der RT-Link nicht mehr funktioniert, hier der neue:
- Global Chilling: The Impact of Mass Surveillance on International Writers (PEN America, 05.01.2015)

Der biblische Stern, der kein echter war

Nach Ansicht vieler Wissenschaftler sind die biblisch verklärten drei Weisen aus dem Morgenland reine Fiktion. Doch der Stern von Bethlehem lässt sich mit einem historisch nachweisbaren astronomischen Phänomen gut erklären.

Was sich dereinst real in Bethlehem abgespielt hat, bleibt aus wissenschaftlicher Perspektive reine Spekulation, weil keine einzige historische Quelle vorliegt, in denen die Anwesenheit der drei Magier aus dem Orient in Judäa Bestätigung erführe. Dennoch besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass damals tatsächlich babylonische Priester aus astrologischen Motiven in das Jordanland gezogen sind, um einen König zu huldigen. Dabei könnte sie zudem ein astronomisches Phänomen inspiriert haben, das um 7 v. Chr. zu sehen war. Es existiert sogar eine historische Quelle, die dokumentiert, dass die Erscheinung von den Astronomen aus dem Zweistromland tatsächlich beobachtet wurde. Trotzdem hat die Geschichte um den Stern von Bethlehem nur Legendencharakter.

mehr:
- Der biblische Stern, der kein echter war (Harald Zaun, Telepolis, 06.01.2015)

Am 17. Juni 2 v. Chr. passierte die Venus erneut den Planeten Jupiter, mit einem minimalen Abstand von nur 26". Diese Konjunktion war ebenfalls im ganzen Nahen und Mittleren Osten sichtbar, dieses Mal am Westhimmel in der Abenddämmerung, während über dem entgegengesetzten Osthorizont der Vollmond stand. Zur Zeit des geringsten Abstands erschienen die beiden Planeten für das bloße Auge zu einem Punkt verschmolzen. Die Annäherung war zuvor über mehrere Wochen am nächtlichen Westhimmel zu verfolgen und daher gut als Wegweiser von Babylon oder Persien her geeignet. (Stern von Betlehem, Konjunktionstheorien, Andere, Wikipedia)

Ukraine: Diplomatie, Krieg und Terror

Fraglich ist, ob eine friedliche Lösung noch eine Chance hat

Die Hinweise verdichten sich, dass die ukrainische Regierung auf eine militärische Lösung des Konflikts in der Ostukraine setzt. Zwar ist für nächste Woche Gipfelgespräch in der kasachischen Hauptstadt Astana im Viererformat der Regierungschefs von Ukraine, Russland, Frankreich und Deutschland vereinbart, aber Frankreich, Deutschland und die Ukraine erklärten zurückhaltend, das sei nur sinnvoll, wenn echte Fortschritte erzielt würden.

mehr:
- Ukraine: Diplomatie, Krieg und Terror (Florian Rötzer, Telepolis, 07.01.2015)

Hubble: Gigapixel-Panorama der Andromeda-Galaxie

Aus Hunderten Hubble-Fotos haben Forscher das detaillierteste Panorama unserer Nachbargalaxie Andromeda zusammengesetzt. Zum anstehenden runden Geburtstag des Weltraumteleskops gibt es außerdem ein Update einer weltbekannten Aufnahme.

Die NASA und die ESA haben die bislang detaillierteste Aufnahme unserer 2 Millionen Lichtjahre entfernten Nachbargalaxie Andromeda (M31) veröffentlicht. Es zeigt mehr als 100 Millionen einzelne Sterne in einem Ausschnitt, der mehr als 40.000 Lichtjahre breit ist, schreibt die europäische Weltraumagentur. Insgesamt ist das Bild demnach 1,5 Gigapixel groß und kann auf einer eigens eingerichteten Seite in seinen ganzen Ausmaßen durchforstet werden, vergleichsweise große Dateien stehen auch zum Download. Das Originalbild selbst ist 4,3 Gigabyte groß und kann auch bei heise online heruntergeladen werden (PSB-Format, das nur von Photoshop unterstützt wird). Insgesamt machte das Weltraumteleskop 411 Einzelaufnahmen, die dann zu diesem Mosaik zusammengesetzt wurden.

Die beiden Aufnahmen der "Säulen der Schöpfung" im Adlernebel 
Bild: NASA/ESA/Hubble Heritage Team (STScI/AURA)/J. Hester, P. Scowen (Arizona State U.)
mehr:
- Hubble: Gigapixel-Panorama der Andromeda-Galaxie (heise online, 06.01.2015)

Gefälschte SSL-Zertifikate im Flugzeug

Eine Google-Mitarbeiterin hat den In-Flight-Internetdienst Gogo dabei erwischt, wie er ihr ein gefälschtes SSL-Zertifikat untergeschoben hat. Gogo behauptet, die Maßnahme werde angewendet, um Video-Streaming über den Wolken unter Kontrolle zu halten.
mehr:
- Gefälschte SSL-Zertifikate auf Reiseflughöhe (heise Security, 06.01.2015)

Montag, 5. Januar 2015

Großbritannien: Überwachung von Kindern, die Terroristen werden könnten

Innenministerium schlägt vor, Kinderkrippen und Kindergärten in ein größeres "Vorbeugungskonzept" einzubinden
Nicht erst in Schulen und Universitäten, sondern schon in Kinderkrippen und Kindergärten - wie auch in Gefängnissen und Krankenhäusern - sollen Pädagogen und Angestellte ein waches Auge darauf haben, ob die Betreuten in Gefahr laufen, "sich zum Terroristen zu entwickeln" und dies verhindern. Die Beobachtungen der "wachen Augen" sollten dann weitergeleitet werden: Dies geht aus einem Papier des Home Office hervor, worüber britische Zeitungen am Wochenende berichteten und einige Aufregung auslösten.

"Mitarbeiter von Kindertagesstätten sollen nach Plänen des Innenministeriums gezwungen werden, Kleinkinder zu melden, bei denen ein Risiko besteht, dass sie zu Terroristen werden", erfährt der Leser zum Beispiel in einem Bericht des Independent. Auch im Telegraph-Bericht ist von einer Art "Meldepflicht" die Rede, die nicht nur Kindertagestätten betrifft, sondern auch andere staatlich registrierte Kinderbetreuer wie Tagesmütter: "Nursery school staff and registered childminders must report toddlers at risk of becoming terrorists."

- Großbritannien: Überwachung von Kindern, die Terroristen werden könnten (Thomas Pany, Telepolis, 05.01.2015)

Das Chlorhuhn als Ablenkungsmanöver

Das Chlorhuhn wurde systematisch zum Symbol für TTIP aufgebaut. Wenn die USA nunmehr Bereitschaft signalisieren, auf dessen Export nach Deutschland zu verzichten, sind viele zufrieden. Zu Recht? Um eine schmackhafte Pekingente zuzubereiten, muss deren Haut unversehrt sein. Bevor das Garen vonstatten geht, wird die Haut an einem Eckchen eingestochen und ein Strohhalm unter die Haut geschoben. Dann löst man durch kräftiges Pusten wird nunmehr die Haut vom Fleisch. Die Ente macht danach logischerweise einen aufgeblasenen Eindruck. So wird garantiert, dass das Fleisch saftig, die Haut jedoch knusprig wird.

Das Thema TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership - Transatlantisches Freihandelsabkommen im allgemeinen Sprachgebrauch, offiziell: Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) hat seine eigene Peking Ente, nämlich das Chlorhuhn. Während es am Freihandelsabkommen zahlreiche kritikwürdige Aspekte gibt - z.B. die umstrittenen Schiedsgerichte, die mangelnde Transparenz (nicht nur) bei den Verhandlungen und die Gefahr eines überzogenen Investitionsschutzes für Unternehmen - wurde das Chlorhuhn mit Hilfe tatkräftiger Medien zu einem gigantischen Popanz aufgeblasen.

Das Chlorhühnchen versinnbildlichte die Gefahr, die dem Verbraucher einfach zu vermitteln war: demnächst haben wir alle nur noch genverseuchte Lebensmittel und Chlorhühnchen auf dem Teller. Tierschützer und Politiker arbeiteten sich an dem Thema ab, während in Österreich die Kronenzeitung große Kampagnen gegen das Chlorhuhn lancierte und so das ihre tat, um den Fokus weiter auf die Herabsenkung von Lebensmittelstandards zu lenken, die als die Gefahr des Freihandelsabkommens gesehen wird.

mehr:
- Das Chlorhuhn als Ablenkungsmanöver (Bettina Hammer, Telepolis, 05.01.2014)

mein Kommentar:
Eigentlich ist alles ganz einfach: TTIP ist Scheiße.
Ein Abkommen, welches hinter verschlossenen Türen und von unbekannten Leuten ausgehandelt wird, kann nur Scheiße sein.
Ein Abkommen, das Arbeitnehmerrechte aushöhlt, Staaten entmachtet und die Wasserprivatisierung vorantreibt: wem soll das, außer irgendwelchen Leuten, die sich wieder dumm und dämlich verdienen, nützen? Weg damit!

siehe auch:
Haifische am Pokertisch (Post, 14.06.2009)
Je mehr Freihandel, desto mehr Bürokratie (Christoph Jehle, Telepolis, 10.07.2013)
Die EU hat trotz Prism Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA aufgenommen
TTIP – Verhandlungen hinter verschlossenen Türen (Post, 23.04.2014)
Aushöhlung der Demokratie – Eine neue Studie zeigt: Wirtschaftslobbyisten gehören zu den zentralen Akteuren bei der Ausgestaltung des Freihandelsabkommens TTIP (Post, 10.07.2014)
Investment ohne angemessenen Profit kann als "indirekte Enteignung" gewertet werden (Walter Gröh, Telepolis, 18.08.2014)
Freihandelsabkommen und Arbeitszeit: Ein Beispiel für die indirekte Senkung von Standards (Post, 19.09.2014)
Jean Ziegler: „Geierfonds - Quintessenz krimineller Bankenaktivitäten“ (Post, 09.10.2014)
Investitionsschutzabkommen sind ihrem Wesen nach undemokratisch (Post, 01.10.2014)
Studie: Ultrareiche der Welt werden noch reicher (Post, 21.11.2014)
Real existierender Kapitalismus: Divide et impera (Post, 02.12.2014)
Eine Million Unterschriften gegen TTIP (Post, 05.12.2014)
TTIP-Verhandlungen: Angeblich Demokratie und Transparenz (Post, 07.12.2014)
- TTIP muss sterben (Harald Klimenta, Telepolis, 30.12.2014)

Sonntag, 4. Januar 2015

Argentinien widersteht den Geier-Fonds

Mit der ausgelaufenen Rufo-Klausel ist das Erpressungspotential der "Geier-Fonds" praktisch verschwunden
Wie Telepolis erwartete, stürzte Argentinien 2014 nicht erneut in eine Pleite ab, nachdem das Land wegen der Unnachgiebigkeit von Hedgefonds die "technische Pleite" riskierte (Staatspleite für (vielleicht) Weltmeister Argentinien?). Und man ist in Buenos Aires gut damit gefahren, dem Urteil des US-Richters Thomas Griesa aus dem vergangenen Sommer nicht nachzukommen. Denn hätte Argentinien die Forderungen der "Geier-Fonds" bedient, wie die Regierung in Buenos Aires sie nennt, wäre das Land real wieder pleite gewesen.

Geld für die Begleichung von deren Forderungen in Höhe von gut 1,3 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden mit Zinsen) hatte Argentinien ausreichend. Hätte es die Forderung bis zum 31. Dezember beglichen, wäre die Rufo-Klausel (Rights Upon Future Offers) zur Anwendung gekommen. Die sicherte bis zum 1. Januar allen Gläubigern eine Gleichbehandlung zu, weswegen Nachforderungen bis zu unbezahlbaren 140 Milliarden Dollar auf das Land zugekommen wären. Argentinien wäre wieder am Ausgangspunkt der Pleite von 2001 angelangt und die erfolgreiche Konsolidierung am Verhalten von unnachgiebigen Hedgefonds zerschellt. Argentinien hatte sich mit etwa 93% der Gläubiger auf eine Umschuldung geeinigt. Diese hätten bisher über die Rufo-Klausel Nachforderungen stellen können, wenn Argentinien die Gläubiger höher entschädigt hätte, mit denen es bisher keine Einigung gab. Nun könnte Argentinien die Umschuldungsverweigerer (Holdouts) sogar auszahlen, ohne bei denen nachbessern zu müssen, die der Umschuldung einst zugestimmt haben.

mehr:
- "Staatspleite" Argentiniens demnächst beendet? (Ralf Streck, Telepolis, 03.01.2015)

Bosnien: Schlag gegen die Pressefreiheit

Bosnien Fahnder durchwühlen die Redaktion eines kritischen, populären Internetportals. Bosnische Medien unter heftigem Druck.

Der Journalismus in Bosnien gleicht einem Vasallen-Journalismus, bei dem die Grenzen zwischen Journalismus und PR quasi nicht vorhanden sind. Beispielsweise gehört das Boulevard-Blatt „Avaz“ dem ehemaligen Verteidigungsminister und Gründer der aufstrebenden Partei SBB, Fahrudin Radoncic.

In Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska, stehen de facto alle Medien unter dem Zepter des noch immer allmächtigen und omnipräsenten Milorad Dodik. Sie unterscheiden sich kaum von Medien aus totalitären Staaten.

mehr:
- Schlag gegen die Pressefreiheit (Sakib, Nutzerbeitrag, der Freitag, 03.01.2015)

mein Kommentar:
Da können wir uns doch ein Beispiel dran nehmen! Vasallen-Journalismus haben wir ja schon.

Freitag, 2. Januar 2015

Freiwild – Über Zähmung, Verwahrlosung und Niedergang des Journalismus

TUN EIN, drop out, fly high – vor etwa fünfzig Jahren war das Leben in Deutschland noch lebenswert. Dylan, Lennon, Sartre, Che, der Vietcongsiegte noch auf ganzer Linie, die Sechziger zauberten mit dem Serben Radenkovic im Tor eine deutsche Meisterschaft, Fritz Teufel diente der Wahrheitsfindung, Theodorakis vertonte Neruda, die Mauer in Berlin stand, es gab noch kein Freistoßspray, ein paar deutsche Arbeiter abonnierten die Peking Rundschau, Wolfgang Neuss haute auf die Pauke, die Stones besangen ihr Factory Girl in einem Jahr, in dem Joschka Fischer und Otto Schily noch alle Platten im Schrank hatten. Augstein und Nannen boten der Bewegung medialen Flankenschutz, ließen sich auf Sylt von Groupies aller Kategorien als Wächter der Aufklärung bejubeln, als unbestechliche wie starrköpfige Säulenheilige der vierten Gewalt, die cholerisch, verkatert und narzißtisch-couragiert gegen Strauß und die CIA anschreiben ließen. Alle liebten Willy und nicht wenige meiner Generation der Knapp-nach-Achtundsechziger nahmen ein cognacfeurig dahin geworfenes "Mehr Demokratie wagen" viel zu ernst und tauschten die elterlich eingeplanten Jura- und Medizinstudien gegen den Wackelstatus des freien Journalismus. Eine bessere Welt sollte ab jetzt werden und bleiben, nie wieder Hitler! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, immer wach würden wir bleiben, Kontrolle der Maschine, wie Redford und Hoffman, und die Winde waren auch günstige, nur noch ein paar Watergates und dann würden uns die beiden Leuchttürme im Hafen des gelobten Lands in den Schoß des Ewigen Friedens führen.
mehr:
- Freiwild – Über Zähmung, Verwahrlosung und Niedergang des Journalismus (Wolf Reiser, Lettre International 107, Winter 2014)
Zitat:
Ein Großteil der Medienprofis opfert seither das Berufsethos ihrer materiellen Sicherheit. Selbst Fragen waren ab jetzt nicht mehr gefragt. Um darüber hinaus auf Nummer sicher zu gehen, wurden folgende deformative Betriebsanleitungen zum festen Bestandteil beim Springer-Verlag und es ist davon auszugehen, daß dies mehr oder weniger modifiziert auch für die Kollegen anderer Leitmedien gilt: 
"Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat, Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas. 
Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes. 
Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft." 
Und wer in europäischen Belangen wildert, bekommt folgende Zusatzzeilen zur Akkreditierung seines Journalistendaseins vorgelegt: 
"Ich versichere, das Image der EU, ihre Politik und Einrichtungen weder direkt noch indirekt zu schädigen." 
Auf der Basis dieses neofeudalen Minnedeals läßt sich auch der Wes-Brot-ich-eß-des-Lied-ich-sing-Anfall des ZDF-Brüssel-Korrespondenten Udo van Kampen erklären, der in bester Oswald-von-Wolkenstein-Manier Frau Merkel am Ende einer dieser öden EU-Pressekonferenzen ein Geburtstagsständchen zum Lobpreis darbot.

"Happy Birthday" gone wrong: Peinliches Geburtstagsständchen für Merkel [1:11]


Veröffentlicht am 17.07.2014
Spontane Ideen sollte man ausleben, meistens. Peinlich kann es werden, wenn sie vor den Kameras der Weltpresse stattfinden. Ob sich ZDF-Journalist Udo van Kampen sein Geburtstagsständchen für Angela Merkel im Vorfeld gut überlegt hatte, ist zu bezweifeln.

Wohin käuflicher Journalismus führen kann, beschreibt ein israelischer Kollege, dessen Heimatland diesbezüglich schon ein paar Eskalationsstufen weiter ist. Der Musiker und Romancier Assaf Gavron stellt fest: "Die israelische Gesellschaft ist militanter, intoleranter und unnachgiebiger als je zuvor. Es scheint nur noch eine Stimme zu geben, die, orchestriert von der Regierung und Armeesprechern, getragen von einem Clan loyaler Massenmedien wie den großen TV-Nachrichtenkanälen, den auf lagenstarken Zeitungen und Websites, in jedem Winkel des Landes widerhallt. Nur diese eine Stimme wird gehört. Versuche, Widerspruch zu artikulieren, Fragen zu stellen, zu protestieren, eine andere Farbe einzubringen als die des Konsenses, werden bestenfalls lächerlich gemacht oder herablassend behandelt. In anderen Fällen werden Abweichler zum Ziel von Bedrohungen, Verleumdungen und Angriffen. Leute, die nicht 'unsere Truppen unterstützen’, werden als Verräter betrachtet. Den Zeitungen, welche das Vorgehen der Armee hinterfragen, wird vorgeworfen, die Moral zu untergraben."

Zu Radikalisierung Israels siehe auch:
Ex-Mossad-Chef: Zum ersten Mal fürchte ich für die Zukunft des Zionismus (Post, 07.12.2014)
Israel: „Letztlich steht die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel“ (Post, 07.12.2014)
Max Blumenthal über die deutsche Nahost-Politik (Post, 21.11.2014)
Gysi von Irren bis aufs Klo verfolgt (Post, 13.11.2014)
Freiheit und Demokratie! – Nur für die, die richtig denken? (Post, 09.11.2014)
105 Israel Ex-Generäle drängen Netanyahu, mit den Palästinensern Frieden zu schließen (Post, 07.11.2014)
Amnesty International: Israel zeigte ‘kaltschnäuzige Gleichgültigkeit’ (Post, 05.11.2014)
IDF intelligence soldiers: We won't work against innocent Palestinians (Post, 12.09.2014)
Israel: Erneuter Landraub (Post, 03.09.2014)
OFFENER BRIEF VON DEUTSCHEN NAHOST-EXPERTEN ZUR GAZA-KRISE (Post, 21.08.2014)
IN MEMORY OF THE 373 CHILDREN KILLED IN GAZA (Post, 08.08.2014)
- Heute vor 70 Jahren – 6. März 1943: Berliner Protest gegen die Deportation von Juden (Post, 06.03.2013)

Reiser zitiert Raddatz:
"Alles Leben hat seine Grenze. Alles Erleben auch. Wem die Töne seiner Gegenwart nur mehr Geräusche sind, die Farben Kleckse, die Wörter klingende Schelle: Wo wäre dessen Legitimation zu lautem Klagelied (oder, sehr selten, leisem Lobpreis)? Ich spreche sie mir ab, fürderhin. Zu viele Gedichte sind mir nur mehr halbgebildetes Geplinker, zu viele gepriesene Romane nur mehr preiswerter Schotter. Der nicht mehr liebt, der räsoniere nicht. Liebeleere ist keine Qualität. Schon gar nicht für einen Kunstrichter. Also beende ich hiermit meine Zeitungsarbeit, die ich mit 21 Jahren begann: (…) Ich bin vor drei Wochen 83 geworden. Time to say goodbye. Goodbye."
zu Fritz Raddatz siehe auch
- Wunden fürs ganze Leben (Post, 02.01.2015)

Freiheit und Demokratie bei der Facebook-SPD

Dieser Beitrag ist nur was für Nutzer von Facebook, denn nur sie können das parallel nachvollziehen. Am besten natürlich diejenigen, die Mitglied dieser Gruppe sind.
Es gibt in Facebook eine geschlossene Gruppe, die heißt Mein Herz schlägt links – Arbeitsgruppe in der SPD. Die Gruppe hat 2.913 Mitglieder und wird regiert durch 6 Moderatoren. Wer die Gruppe gegründet hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Einer dieser Moderatoren heißt Günther G. Er zeichnet verantwortlich für die Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD. Ein weitere Moderator ist Immo M. Warum so ein Vorspann?
Ich habe mich ab und zu in diese Gruppe verirrt und mich auch mal an einer Diskussion beteiligt und da tauchte dieser Immo auf, der oberlehrerhaft mit seinem Weltbild die Diskussion beherrschte. Ich dachte, na, so ein Facebook-Nerd, der eben so ist, wie er ist. Als ich dann auf einmal festgestellt habe, dass meine Beiträge gelöscht wurden, fand ich das nicht mehr so lustig. Dann habe ich mir diese Gruppe näher angeschaut und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Mein geliebter “Nerd” war einer der Moderatoren, der über die Verweilzeit meiner Kommentare den Daumen senkte.
mehr:
- Mein Herz schlägt links – und links bestimme ich (AltermannBlog, 02.01.2015)

Donnerstag, 1. Januar 2015

Der unwürdige Tod der Maria Fernandez

Maria Fernandes hielt sich mit drei Jobs über Wasser und starb, als sie zwischen zwei Schichten in ihrem Auto schlief: Ihr Tod zeigt die dramatischen Folgen der ausufernden Teilzeitarbeit in den USA.

Vor zehn Jahren hatte sie noch Träume: Sie wolle Schauspielerin werden, erzählte Maria Fernandes damals ihren Freunden. Später sprach sie davon, eine Ausbildung als Kosmetikerin zu machen. Stattdessen arbeitete sie bei der Schnellrestaurantkette Dunkin' Donuts, zum Schluss in drei Filialen – ihre Wochenarbeitszeit lag bei mindestens 87 Stunden.
In der Nacht des 25. August wollte sie nur ein paar Stunden in ihrem Auto schlafen, bevor die nächste Schicht begann. Wegen eines technischen Defekts strömte Gas aus; die 32-Jährige konnte nur noch tot geborgen werden.

mehr:

Der deutsche Steuerzahler finanziert der Investmentbank Goldman Sachs enorme Gewinne

Der deutsche Steuerzahler finanziert der Investmentbank Goldman Sachs enorme Gewinne. Grund ist ein bizarrer alter Kreditvertrag.

Lloyd Blankfein gibt seit der Finanzkrise gern den Geläuterten. Der Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs findet jetzt, dass Banken einen "gesellschaftlichen Zweck" erfüllen. Wenn's ums Geschäft geht, sind Blankfein und seine Leute aber ganz die Alten.

Das bekamen auch die Manager der deutschen Bad Bank FMS Wertmanagement (FMSW) zu spüren. Sie wickelt die Altlasten der verstaatlichten Hypo Real Estate und von deren irischer Tochter Depfa ab, und dazu gehört auch ein bizarrer Kreditvertrag mit Goldman Sachs. Es ist ein Vertrag, wie er wohl nur in den wilden Zeiten vor der Finanzkrise geschlossen werden konnte. Und das Risiko trägt: der deutsche Steuerzahler. Der muss nämlich mögliche Verluste der FMSW ausgleichen.

mehr:
- Finanzen Erbe aus wilden Zeiten (Martin Hesse, Anne Seith, SPIEGEL, 08.12.2014, Links von mir hinzugefügt)

Die Zukunft des Toasters

Der Plan der EU, künftig nur noch einschlitzige Toaster zuzulassen, löste bereits wochenlange Randale in allen EU-Ländern aus. Nun lenkt die EU ein.
mehr:
- EU packt aus: Die Zukunft des Toasters (SPIEGEL, 17.12.2014)

Die Verteidigung westlicher Werte am Hindukusch

Riad – In Saudi-Arabien ist am Montag ein Mann, der wegen Entführung und Vergewaltigung eines Jungen verurteilt wurde, enthauptet worden.
Wie die Regierung des Königreichs mitteilte, wurde der Mann am Montagmorgen (Ortszeit) wegen der “Sünde der Homosexualität” im Norden des Landes hingerichtet. Im laufenden Jahr wurden damit bislang mindestens 84 Menschen in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt.
Im Vorjahr waren mindestens 79 Menschen in dem Königreich hingerichtet worden. In Saudi-Arabien gibt es die Todesstrafe für eine große Zahl von Vergehen, etwa für die Abkehr vom islamischen Glauben, Drogendelikte oder “Hexerei”. (dts Nachrichtenagentur)

Quelle:
- Sünde der Homosexualität: Kinderschänder in Saudi-Arabien hingerichtet (Pfalz-Express, 22.12.2014)

siehe auch:
Neue NATO-Doktrin für Afghanistan: »Frauen sind für Kinder, Jungs für Spaß« (Udo Ulfkotte, Kopp-Verlag, 20.02.2010)
Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach ausführlich darüber berichtet, dass eine große Zahl afghanischer Männer kleine Jungs vergewaltigt und Sex mit Männern den Frauen vorzieht. Eine US-Militärstudie bestätigt das nun und fordert, dass die NATO-Truppen diese »kulturelle Besonderheit« in Afghanistan gebührend berücksichtigen: »Frauen sind für Kinder, Jungs für Spaß«. NATO-Truppen dürfen in Afghanistan nun nicht mehr gegen die brutalen Kindervergewaltigungen einschreiten. Sie sollen auch die grassierende Homosexualität der Afghanen künftig als »kulturelle Besonderheit« empfinden und anerkennen..
Baccha Baazi – Afghanistans Kinderprostituierte (Florian Flade, Welt, 27.08.2010)
Unter den Augen der westlichen Truppen wird in Afghanistan eine totgeschwiegene Form des Kindesmissbrauchs praktiziert.
Baccha Baazi (Wikipedia)
heißt übersetzt etwa „Knabenspiel“ und ist eine einst in Zentralasien verbreitete und heute noch in Afghanistan praktizierte Form der Kinderprostitution, bei der ein als Frau verkleideter Tanzjunge (Bacchá) erst vor Männern tanzt und diese oftmals anschließend sexuell zu befriedigen hat.[1][2] […] 
Die Tanzjungen sind zwischen 8 und etwa 14 Jahren alt.[23] Auf den Baccha-Baazi-Partys sitzen Männer auf dem Boden, dabei wird gesungen und musiziert. In der Mitte tanzt ein Junge in seidener Frauenkleidung, manchmal mit Make-up und mit Glöckchen an den Handgelenken. Die Lieder handeln oft von unerwiderter Liebe oder Begierde. Es gibt auch Wettbewerbe zwischen verschiedenen Bacchis.[2]
Laut Unicef ist diese Form der Kinderprostitution in Afghanistan seit Jahrhunderten gesellschaftlich akzeptiert und weit verbreitet. Ein UN-Mitarbeiter nennt diese Praxis Kindersklaverei. Die Kinder werden teilweise von Familien ärmlicher Eltern gegen Bezahlung hergegeben, teilweise entführt oder sind Waisen von der Straße.[2][24] […] 
Die Ursache für dieses ephebo- oder pädophile Handeln wird im afghanischen Rollenverständnis gesehen. Danach seien Frauen nicht für Sexualität, sondern nur zum Gebären gedacht, Tanzjungen hingegen zum sexuellen Vergnügen. Dieser Widerspruch zur gleichzeitigen allgemeinen Ablehnung von Homosexualität wird dadurch überwunden, dass die Sexualität mit den Tanzjungen nicht als Homosexualität, sondern als Spaß angesehen werde.[2]
- Missbrauch in Afghanistan – Die Tanzknaben vom Hindukusch (Friederike Böge, SPIEGEL, 23.05.2011)
In Afghanistan halten sich einflussreiche Männer Jungs im Alter zwischen elf und sechzehn Jahren zum erotischen Zeitvertreib. Die UN wollen dagegen vorgehen. Doch das „Knabenspiel“ hat Tradition.

Timoschenko doch nicht für Friedensnobelpreis vorgeschlagen, gleichgeschaltete Leitmedien gieren nach Putin-Kritikern

Nach den Kravallmösen, die von einer zur nächsten Preisverleihung eilen (tolles Mänädschment) und Chodorkowski, bei dessen Anblick eine grüne Politikerin immer ganz feucht im Schritt wird, hat man jetzt einen neuen Putinkritikerstar entdeckt: Alexej Nawalny.
Wer in Russland straffällig geworden ist und sich nicht sofort zum Putingegner hochsterilisieren lässt, der hat etwas falsch gemacht. Umgekehrt funktioniert das leider (noch) nicht. Wenn die Josephine Markmann ihre Tittchen im Kölner Dom zeigt, wird sie verurteilt (mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass die Dame in Russland jetzt als Merkelkritikerin durch die Lande reist und Preise abräumt). Sie sollte mal ihr Mänädschment wechseln!
mehr:
- Verbrecher werden zu Kremlkritikern (AltermannBlog, 31.12.2014)

mein Kommentar:
Wie sich unsere »fairen, präzisen und souveränen« (aus der Journalistin des Jahres-Laudatio für Golineh Atai) Leitmedien unisono einem »Putin-Kritiker« nach dem anderen an den Hals werfen ist peinlich. Nachdem Julia Timoschenko inzwischen wegen Verrücktheit sogar für die CSU nicht mehr tragbar ist, suchen unsere Medien verzweifelt nach präsentablen russischen Oppositions-Köpfen, mit denen sich der deutsche Otto Normalverbraucher identifizieren kann.

CSU will Julia Timoschenko für Friedensnobelpreis vorschlagen (Augsburger Allgemeine, 11.01.2014)
Julia Timoschenko - Tötet die Russen mit Atombomben (Alles Schall und Rauch, 24.03.2014)
Julia Timoschenko - "Bereit, diesem Bastard in den Kopf zu schießen" (Die Welt, 25.03.2014)
- Rückzieher der CSU – Friedensnobelpreis für Timoschenko? Vielleicht doch nicht! (taz, 28.03.2014)
- „Ukraine, du bist verrückt geworden!“ (Hans Springstein, Nutzerbeitrag, der Freitag, 28.05.2014)

Siehe auch:
- Alexei Anatoljewitsch Nawalny (Wikipedia)
- Ein lupenreiner Nationalist - Der in Russland angeklagte Blogger Alexej Nawalny hat in Deutschland viele Fans (Neues Deutschland, 01. u. 03.08.2012, gefunden bei AG Friedensforschung)
In der deutschen Berichterstattung wird Nawalny oft als Bürgerrechtler dargestellt, weil er in der Vergangenheit vermeintliche oder tatsächliche Machenschaften der korrupten Machtelite aufgedeckt hat. Dass er sich öffentlichkeitswirksam als Opfer russischer Polizeiwillkür inszeniert, indem er seine Festnahmen bei nicht genehmigten Demonstrationen provoziert, wird hingegen kaum kritisch hinterfragt.
Zu Nawalnys Fangemeinde zählt hierzulande auch die menschenrechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion und notorische Geschichtsrevisionistin, Erika Steinbach. »Mit der Anklage gegen Nawalny gerät ein weiterer bekannter Gegner Putins ins Visier. Mit der Verhaftung dutzender Oppositioneller in Moskau und St. Petersburg macht sich die russische Justiz erneut zum Büttel und Komplizen der Regierung«, ließ die Konservative jüngst verlautbaren. Auch der einstige DDR-Bürgerrechtler und heutige Grünen-Europaabgerodnete Werner Schulz meldete sich zu Wort. Er warf der russischen Regierung vor, sie wolle durch »Verfahren gegen zahlreiche Demonstranten« die Opposition mundtot machen.
In diesen Solidaritätsbekundungen wird allerdings verschwiegen, dass Nawalny eine zwielichtige Person ist. Nach einigen Jahren Mitgliedschaft in der sozialliberalen Jabloko-Partei wurde er im Jahr 2007 nach internen Differenzen ausgeschlossen. Seitdem hat sich der Jurist dem rechten Spektrum angenähert. Laut Bundeszentrale für politische Bildung ist er »ein radikaler russischer Nationalist«, der als Aktivist der Bewegung Narod (Nationale russische Befreiungsbewegung) versuche, nationalistische und liberale Ansätze zu verbinden.


mein Vorschlag:
Wie wär’s mit einem homosexuellen Oppositions-Politiker? Den könnte man im Westen doch ganz toll zur Leitfigur aufbauen!

- Homosexualität in Russland (Wikipedia)
Laut einer 2010 durchgeführten Meinungsumfrage des Lewada-Zentrums hielten 38 Prozent der befragten Russen die Homosexualität für moralisch verwerflich, weitere 36 Prozent für eine psychische Krankheit.[11][12] Nur 15 Prozent gaben an, dass Homosexualität eine alternative Form der menschlichen Sexualität sei. 39 Prozent stimmten dem Vorschlag zu, Homosexuelle ohne deren Einwilligung einer Heilbehandlung zu unterziehen oder von der Gesellschaft zu isolieren. Vier Prozent meinten, dass alle Schwulen und Lesben liquidiert werden sollten. 84 Prozent waren gegen die Einführung einer gleichgeschlechtlichen Ehe, gerade einmal 14 Prozent befürworten dies.[11] Die nationale Umfrage von WZIOM zeigte im April 2012, dass 86 Prozent der Bevölkerung die Verbotsgesetze gegen „homosexuelle Propaganda“ befürworteten.[12]

Dienstag, 30. Dezember 2014

Freiheit und parlamentarische Demokratie in Georgien und der Türkei

Von weihnachtlicher Harmonie konnte bei dieser Parlamentssitzung in Georgien am Freitag keine Rede sein. Erst waren es nur Wortgefechte, dann lief die Debatte vollends aus dem Ruder.
mehr:
- Statt Wortgefechten: Keilerei im georgischen Parlament (SPIEGEL, 27.12.2014)
(Einbetten leider nicht möglich)

In Georgien gibt es im Vergleich zu uns im Westen noch sehr tatkräftige Politiker!
Solche Debatten würde ich mir für unseren Bundestag auch wünschen!

Mit solchen Leuten in der NATO hätten wir die Ukraine-Krise schon längst zu einem Abschluß gebracht.

siehe dazu auch:


- Polit-Talkshow in Georgien: Schlagende Argumente (SPIEGEL, 14.02.2013) 

Auch in der Türkei ist noch mehr los:

- Faustschlag ins Gesicht: Türkischer Oppositionsführer attackiert (SPIEGEL, 09.04.2014)



Also: Nix wie los und Türkei in die EU und Georgien in die NATO. Ein georgischer NATO-Generalsekretär, der wäre bei der Meldung von 23 gepanzerten russischen Fahrzeugen auf ukrainischem Boden sofort in seinen Düsen-Jet gesprungen und hätte den blöden Russen eigenhändig ein paar Bomben auf die Rübe geschmissen!

Dr. Strangelove (7/8) Movie CLIP - Kong Rides the Bomb (1964) HD [2:42]

Veröffentlicht am 08.03.2013
Dr. Strangelove Movie Clip - watch all clips http://j.mp/WCL1cG
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When Kong (Slim Pickens) tries to fix the bomb door, he accidentally opens it and ends up riding it all the way down.

TM & © Sony (2012)
Cast: James Earl Jones, Slim Pickens
Director: Stanley Kubrick
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Producer: Victor Lyndon, Stanley Kubrick
Screenwriter: Stanley Kubrick, Terry Southern, Peter George
Film Description: In 1964, with the Cuban Missile Crisis fresh in viewers' minds, the Cold War at its frostiest, and the hydrogen bomb relatively new and frightening, Stanley Kubrick dared to make a film about what could happen if the wrong person pushed the wrong button -- and played the situation for laughs. Dr. Strangelove's jet-black satire (from a script by director Stanley Kubrick, Peter George, and Terry Southern) and a host of superb comic performances (including three from Peter Sellers) have kept the film fresh and entertaining, even as its issues have become (slightly) less timely. Loaded with thermonuclear weapons, a U.S. bomber piloted by Maj. T.J. "King" Kong (Slim Pickens) is on a routine flight pattern near the Soviet Union when they receive orders to commence Wing Attack Plan R, best summarized by Maj. Kong as "Nuclear combat! Toe to toe with the Russkies!" On the ground at Burpleson Air Force Base, Group Capt. Lionel Mandrake (Peter Sellers) notices nothing on the news about America being at war. Gen. Jack D. Ripper (Sterling Hayden) calmly informs him that he gave the command to attack the Soviet Union because it was high time someone did something about fluoridation, which is sapping Americans' bodily fluids (and apparently has something to do with Ripper's sexual dysfunction). Meanwhile, President Merkin Muffley (Sellers again) meets with his top Pentagon advisors, including super-hawk Gen. Buck Turgidson (George C. Scott), who sees this as an opportunity to do something about Communism in general and Russians in particular. However, the ante is upped considerably when Soviet ambassador de Sadesky (Peter Bull) informs Muffley and his staff of the latest innovation in Soviet weapons technology: a "Doomsday Machine" that will destroy the entire world if the Russians are attacked.

Ex-Sozialrichter Borchert rechnet mit Sozialstaat ab

Abrechnung mit dem Sozialstaat - der streitbare Sozialrichter Jürgen Borchert, den manche als "soziales Gewissen Deutschlands" bezeichnen, geht in den Ruhestand. Im SZ-Gespräch kritisiert er die Hartz-IV-Gesetze und erklärt, warum der Rückgang der Arbeitslosenzahlen nichts bringe. Für 2030 prognostiziert Borchert gar eine sozialpolitische Katastrophe.

Er hat es eilig - obwohl er gerade in den Ruhestand gegangen ist. Der Jurist Jürgen Borchert, 65, hat im Dezember sein Amt als Vorsitzender Richter am hessischen Landessozialgericht abgegeben. Ein Mann, der mit dem großen Etikett "Soziales Gewissen Deutschlands" versehen wurde, den viele als "Robin Hood der Familien" vergöttern und der maßgebliche Verfassungsbeschwerden geprägt hat, die unser Land ein klein wenig gerechter machen, hört nicht so einfach auf. Jürgen Borchert ist mit dem Zug aus Heidelberg angereist, gottseidank pünktlich - denn er hat viel zu sagen. Schnell den Laptop auf den Tisch gelegt und die gelben Karteikarten sortiert, auf der säuberlich Zahlenkolonnen von Arbeitslosigkeit bis Erziehungszeiten notiert sind. Der Mann hat eine Mission. Es kann los gehen - mit einem Resumée über das Arbeitsleben als einer der streitbarsten Sozialrichter Deutschlands und das Gefühl, manchmal im falschen System zu sein.

mehr:
- Sozialrichter Borchert über Hartz-IV-Gesetze: "Ja, es stimmt: Ich bin zornig" (Ulrike Heidenreich, Jan Heidtmann, Süddeutsche Zeitung, 26.12.2014)

Vadim und die Separatisten

Ukraine-Krise Vadim war bei uns in Berlin. Er ist gegen die Separatisten und aus seiner Sicht konnten wir das verstehen. Aber was ist die Lösung?

Im Juni, während des Krieges ist er nach Charkiv mit Frau und Tochter, wollte eigentlich wieder zurück. Aber in seiner Abwesenheit kamen Leute, die sich als Volksmilizen bezeichneten, hielten seiner Mutter eine Pistole an den Kopf, verlangten Geld. Dann nahmen sie sein Auto mit. Stereotype Begründung dieser Maßnahme: Sie würden das Auto an Bedürftige verteilen. Zu Vadims Vater kamen sie auch, wollten ebenfalls Geld, er war früher der Tankwart in der Stadt „Eigentlich sollen wir dich verprügeln“, sagte einer. „Aber warum, mit welchem Sinn“, fragte sein Vater, da ließen sie es.

Hier in Berlin erzählte Vadim die halbe Nacht, wir diskutierten viel, sein Freund nickte meist freundlich und manchmal engagiert mit dem Kopf, sprach aber wenig, obwohl Natascha alles sofort übersetzte.

mehr:
- Vadim und die Separatisten (Sönke Paulsen, Nutzerbeitrag, der Freitag, 01.12.2014)

Die Kraft des Tai Chi wohnt hier nicht mehr. Eine Erweckungsgeschichte

Tai Chi ist gut für die Harmonie. Und für die innere Ruhe. Vorausgesetzt, man weiß was das ist. So sprach vor langer Zeit zu mir eine Tai-Chi-Begeisterte, der ich ganz frisch in Liebe zugetan war. Damals lebte ich in einer Hinterhofwohnung in Berlin-Friedrichshain, wo es sich anfühlte, als lebte ich auf dem Flughafen. Der Hinterhof hinter der Hinterhofwohnung war riesig und beherbergte ein Plexiglas-Sägewerk, eine Autowerkstatt und eine Sammelstelle für Altglascontainer. Dass die vor dem Haus haltende Straßenbahn bimmelte, fiel nur auf, wenn es dunkel wurde und im Hinterhof Ruhe einkehrte (bis sechs Uhr morgens).

Und so saß ich mit meiner neuen Freundin bei einem schlechten Inder um die Ecke und lauschte ihrem Lob des Schattenboxens. »Da wird man total ruhig und tankt auch noch viel Kraft«, sagte sie mit würdevoller Stimme, während mir das brüchige Papadam aus dem offenen Mund rieselte. Welche Kraft es denn da zu tanken gebe, fragte ich vorsichtig. »Na, Energie. Das kannst du spüren.« Wie denn das? wollte ich wissen. Sie schaute mich mit großen Augen an, als wäre ich frisch entlaufen. »Wenn man die Hände aneinander reibt. Wir massieren uns auch gegenseitig die Füße – wunderbar. Und wir machen Qigong und formen einen unsichtbaren Ball aus purer Energie! Damit wir warm werden.« Ich glaubte, hier pfeift das Vögelchen. Doch sie dachte das auch von mir und blitzte mich an: »Was, du bist nicht ein bisschen spirituell? Du armer Mann!«

mehr:
- Du armer Mann! – Die Kraft des Tai Chi wohnt hier nicht mehr. Eine Erweckungsgeschichte (Jackson Müller, junge Welt, 29.12.2014)
Eine Postkarte, die mir mal jemand geschickt hat

Plagiate in Serbien: Fake-Diplome für den Staatschef

Titelschwindler in der Politik sind in Serbien ein massives Problem. Auch in den Nachbarländern Bosnien und Albanien wird immer wieder über dubiose Fake-Hochschulen und zusammengeklaute Abschlussarbeiten berichtet. Die Konsequenzen: meistens keine.
mehr:
- Plagiate in Serbien: Fake-Diplome für den Staatschef (SPIEGEL, 27.12.2014)

Rätsel der Woche: Verflixte Spirale

Dieses Problem hat es in sich: Auf einen langen, schmalen Zylinder ist eine Linie gezeichnet, die wie eine Spirale von unten nach oben verläuft. Wie lang ist diese Linie?

mehr:
- Rätsel der Woche: Verflixte Spirale (SPIEGEL, 28.12.2014)