Montag, 19. Dezember 2016

Vor 96 Jahren – Dezember 1920: Tod des Sufi-Scheichs Mohammed Abdullah Hassan

Ein Derwisch lehrt die Briten das Fürchten 

Ende des 19. Jahrhunderts waren die Briten in Oberafrika zweimal mit radikal islamischen Aufstandsbewegungen konfrontiert. Ab 1881 eroberte der »Mahdi« Muhammad Ahmad (1844-1885) den Sudan mit Khartum. Seinen Nachfolger vermochten die Briten nach mehreren Feldzügen 1898 bei Omdurman zu bezwingen. 
Schlacht der britishe Kavallerie gegen die Derwische des
somalischen »Mad Mullah« Mohammed Abdullah Hassan, Januar 1904
Ausgelöst durch eine Intrige, begann 1899 in Britisch-Somaliland der Aufstand des Sufi-Scheichs und Poeten Mohammed Abdullah Hassan (1864-1920), den die Briten wegen seines aufbrausenden Temperaments und seines Fanatismus als »Mad Mullah of Ogaden« bezeichneten. Der theologisch versierte Charismatiker scharte rasch 5000 entschlossene Derwische um sich und verwickelte die Briten in einen zermürbenden Guerillakrieg. Zwischen 1901 und 1920 unternahmen die Briten fünf Feldzüge nach Somalia. Wie die Anhänger des Mahdi machten die gegen Briten, Äthiopier und Italiener kämpfenden Derwische Abdullah Hassans ihre militärische Unterlegenheit mit Fanatismus und bedingungslosem Einsatz wett. Abdullah Hassan, der im Dezember 1920 einer Krankheit erlag, gelang es nicht, die Stämme Somalias zu vereinen. Dennoch ist er in dem gebeutelten und zerrissenen Land bis heute eine verehrte Symbolgestalt nationaler Identität. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2016 


Adventsrätsel, das neunzehnte von vierundzwanzig

Komm’ ich von Zeit zu Zeit,
erfrisch’ ich Land und Leut’,
bleib ich alle Tage da,
verwünscht man mich gar.


Sonntag, 18. Dezember 2016

Adventsrätsel, das achtzehnte von vierundzwanzig

Was mag das für ein Reiter sein?
Der Sattel ist von Fleisch und Bein.
Er hat zwei Augen groß und licht,
doch sieht er selber durch sie nicht.
Er reitet ohne Zaum und Sporen
und hat die Füße an den Ohren.


Samstag, 17. Dezember 2016

Adventsrätsel, das siebzehnte von vierundzwanzig

Das Erste liebt der Landmann, der Städter nicht so sehr.
Das Zweite biegt und spannt man als Schmuck und auch zur Wehr.
Das Dritte hüllt Dich schützend ein,
das Ganze, sei es noch so klein, wird Dir zum Sehen nützlich sein.


Freitag, 16. Dezember 2016

Heldin der Ukraine unter Beschuß

Nadja Sawtschenko hat sich mit den Chefs der Rebellenrepubliken Donekz und Luhansk getroffen, was als Hochverrat gilt
Die Jeanne d'Arc der Ukraine steht in ihrem Land in der Kritik. Einst eine unbeugsame Heldin im Kampf gegen Russland droht ihr nun der Ausschluss aus dem "Obersten Rat", dem nationalen Parlament in Kiew, und ein Strafverfahren.

Nadja Sawtschenko hat Anfang dieser Woche gestanden, sich am 7. Dezember in Minsk mit den beiden Chefs der Rebellenrepubliken Donekz und Luhansk getroffen zu haben, ohne die ukrainischen Behörden informiert zu haben - dies gilt als Hochverrat. Doch die Streitbare verteidigte ihr Treffen mit Aleksander Sachartschenko und Igor Plotnitzki auf einer Pressekonferenz: "Wir müssen das Minsker Abkommen untermauern, den Krieg beenden." Auch habe sie mit den beiden Rebellenchefes über einen möglichen Gefangenenaustausch gesprochen. Die Unterredung sei "produktiv" gewesen.

Der Konflikt in der Ostukraine gilt als festgefahren. Der Waffenstillstand, der im Abkommen von Minsk von den Staatschefs Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs ausgehandelt wurde, besteht nur auf dem Papier. Staatspräsident Petro Poroschenko weigert sich mit den Vertretern der abtrünnigen Republiken, die von Russland mit Waffen wie mit Kämpfern versorgt werden, direkt zu sprechen, er würde diese sonst aufwerten. Im offiziellen ukrainischen Sprachgebrauch heißen sie "Terroristen".

Dieses Tabu hat die "Heldin der Ukraine" gebrochen, auch ihre "Vaterlandspartei" unter der ehemaligen Premierministerin Julia Timoschenko, kritisierte sie scharf. Sawtschenko ist darauf am Dienstag aus der Partei ausgetreten.

Für Brüche und Eigenwilligkeit war die 35-Jährige schon lange bekannt. Sie war die erste Kampfpilotin der Ukraine, die erste Soldatin, die die Ukraine im Irak einsetzte. Sie erreichte den Grad eines Hauptmanns.

mehr:
- Ukrainische Helden-Ikone wird moskaukonform? (Jens Mattern, Telepolis, 15.12.2016)

Krokodilstränen im sogenannten freien Westen: unmenschlich ist’s, wenn’s die Anderen tun…

... und die Niederlage der Islamisten? Das hat vielleicht weniger mit der Entwicklung in Syrien als mit der deutschen Geschichte zu tun
"Macht Euch keine Sorgen, bald werden keine Bilder aus Aleppo mehr kommen." Dieser Satz auf der Titelseite der Taz über einem Bild von Menschen, die aus einem in diesen Tagen besonders umkämpften Stadtteil von Aleppo ins Nachbarviertel geflohen sind, soll Stimmung machen. "Mehr Macht für die UN-Vollversammlung", forderte die Publizistin Kirsten Hilberg auf der gleichen Titelseite in einem Kommentar:

Doch Aleppo ist mehr als eine Priorität Assads. Es symbolisiert das Ende einer Ära und sendet international ein fatales Signal. Ruanda, Srebrenica, Grosny - was "nie wieder" geschehen sollte, wiederholt sich im Jahr 2016 in Echtzeit vor aller Augen und bestens dokumentiert. Der Massenmord in Syrien steht für das Versagen sämtlicher internationaler Institutionen und Mechanismen, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden, um Kriege und Kriegsverbrechen zu verhindern. Vereinte Nationen, Internationaler Strafgerichtshof, Genfer Konvention? Lächerlich. Die Botschaft, die von Aleppo an die Machthaber dieser Welt ausgeht, lautet: Ihr könnt Zivilisten töten, so viele ihr wollt, solange ihr einen Freund im Weltsicherheitsrat habt. Aus dem moralischen Anspruch "Nie wieder!" muss deshalb eine konkrete Anleitung zum Schutz von Zivilisten werden. Etwa so: Bei offensichtlichen Kriegsverbrechen würde man nicht mehr auf Einstimmigkeit im Weltsicherheitsrat warten, sondern die UN-Vollversammlung entscheiden lassen, was zu tun ist - zur Not auch militärisch.
Kristin Helberg

Bei diesen Argumentationslinien fühlt man sich an die 1990er Jahre zurückversetzt, als die einst pazifistischen Grünen kriegsfähig wurden. Wieder einmal geht es darum, einen "Massenmord" zu verhindern. Nur etwas schlauer ist man in den letzten Jahren doch geworden. Ein neues Auschwitz, wie es damals Grüne herbei halluzinierten, will man in Aleppo nicht verhindern. Doch ansonsten sind alle Elemente vorhanden, um die Schwelle zur Kriegsfähigkeit weiter zu senken.

mehr:
- Aleppo: Warum gibt es in Deutschland kaum Erleichterung über ein Ende der Kämpfe... (Peter Nowak, Telepolis, 16.12.2016)

USA to Russia and Iran: Are you truly incapable of shame? [3:30]


NewsFromUkraine Veröffentlicht am 13.12.2016 
At the 7843th U.N. Security Council session on December 13, 2016, Russia was heavily criticized for its war crimes in Syria and the months of atrocities inflicted on residents of Aleppo. "Are you truly incapable of shame? Is there literally nothing that can shame you?" U.S. Ambassador Samantha Power asked. "Is there no act of barbarism against civilians, no execution of a child that gets under your skin, that just creeps you out a little bit? Is there nothing you will not lie about or justify?"

Western media lies about Syria exposed (Canadian journalist Eva Bartlett) [18:34]

TyrannyUnmasked Veröffentlicht am 10.12.2016 
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siehe auch:
- Syrien: Weißhelme – White Helmets (Blauer Bote, 04.11.2017)
- „Nie wieder Krieg“ – Die deutschen Vasallen in illegalen US-Kriegen (hwludwig, Fassadenkratzer, 22.05.2017)
- Fake News: Erst denken, dann teilen (Ute Welty, Tagesschau, 15.12.2016, Zitat:)
Für Anna-Mareike Krause, Social-Media-Koordinatorin der tagesschau, fügt sich noch ein anderes Puzzle zusammen. Ihrer Beobachtung nach gehört es offenbar zur Strategie Putins, unter dem Deckmantel der Informationsvielfalt das Meinungsbild im Westen zu spalten. Erkennbar geworden sei das vor allem nach dem Launch von "RT Deutsch", dem deutschsprachigen Ableger des Staatssenders "Russia Today", vor rund zwei Jahren.
Krause stellte fest, dass die Inhalte von "RT Deutsch" vor allem von Nutzern aus dem rechten Spektrum verbreitet würden. So tauchte in dieser Woche in den Kommentaren zu Berichten über die Vorgänge im syrischen Aleppo ein bestimmter Link vermehrt auf. Er führte zu einem Video von "RT Deutsch", das vorgab, eine kanadische Journalistin bei den Vereinten Nationen zu zeigen.
Tatsächlich handelt es sich bei Eva Bartlett um eine Pro-Assad-Aktivistin. Ihre Pressekonferenz fand auch nicht direkt bei den Vereinten Nationen statt, sondern in den Räumen der ständigen syrischen Vertretung dort. Kleine, aber feine Unterschiede, meint Krause: "Dieses Beispiel ist ein gutes Beispiel dafür, dass Fake News nicht immer plump und auffällig daher kommen, sondern Tatsachen verfälschen, indem zum Beispiel wichtige Details einfach weggelassen oder nur dezent verdreht werden. Das Bild, das entsteht, ist so trotzdem ein völlig anderes.")
- Saudi-Arabien: "Triumph der Barbarei"? (Thomas Pany, Telepolis, 14.12.2016)
Aleppo: UN beschuldigt die syrische Armee, Gräueltaten begangen zu haben (Thomas Pany, Telepolis, 13.12.2016)
- Syriens Weißhelme: "Meine Waffe ist mein Helm" (Kommentarseite Tagesschau zur Meldung der Tagesschau vom 25.11.2016)
- Wüstenflüsse, wie ein Diktator verrückt wird, westliche Werte und ein moderater Moderator (Post, 23.07.2016)
- Was wurde aus Gaddafis „Great-Man-Made-River-Projekt“? (Bürgender, Gegenfrage, 01.06.2016)
- Gespräch von Baschar el-Assad mit France2-TV (Maria Lourdes, Lupo cattivo Blog, 04.05.2015)
Frieden muss gestiftet werden (Post, 24.11.2014)
Forschungsarbeit: Meinungsmanipulationsstrategien in Frieden und Krieg (Jens Wernicke, Institut für Medienverantwortung, Juli 2009?)
Die Kriege der USA (mit der geschätzten Anzahl von Toten, aus dem Kommentar eines Kommentatoren eines WELT-Artikels, zitiert nach Toms Wochenschau vom 15.03.2008)


mein Kommentar:

Ich geb’s auf! Die Arbeit mach’ ich mir nicht, jede Meldung in Internet zu recherchieren…
Wozu auch? Unsere Medien haben ein Narrativ, welches sie stur verfolgen. Und sie machen immer weiter und weiter und weiter…

Dr.Daniele Ganser: Syrienkrieg wurde von US-Strategen geplant. [22:35]

Heiner Schulte
Veröffentlicht am 26.09.2016
Aus: "Dr. Daniele Ganser - -Verdeckte Kriegsführung- 17. Juni 2016 Reichshofsaal , Lustenau, Österreich" Seit 2011 läuft ein verdeckter Krieg gegen Syrien. Ziel ist ein Regime-Change. Der ehemalige NATO-Oberbefehlshabers und US-General Wesley Clark hatte es schon 2007 in aller Klarheit ausgesprochen. Bereits wenige Wochen nach dem 11. September 2001 sei der US-Generalstab angewiesen worden, in sieben Staaten einen Regime-Change herbeizuführen: Irak, Libanon, Somalia, Sudan, Libyen, Syrien, und schlussendlich Iran. Zurzeit ist vorrangig Syrien das Objekt der Begierde der imperialistischen Raubmörder. Jetzt, wo es nach eineinhalb Jahren noch nicht gelungen ist, mittels eingeschleuster Söldner den Regime-Change herbeizuführen, wird damit gedroht, den verdeckten in einen offenen Krieg zu überführen. Der Einsatz von Giftgas, der dem syrischen Staat in die Schuhe geschoben wird, dient dabei als Vehikel.


Jürgen Todenhöfer über Syrien-Krieg - 2.10.2016 [21:23]

Freie Propaganda
Veröffentlicht am 15.10.2016
Jürgen Todenhöfer spricht über den Syrien-Krieg, das Ausmaß der Zerstörung und wie man diesen Krieg beenden könnte.

zuletzt aktualisiert am 12.11.2017

Ein postfaktischer Armutsbericht

Vermögende finden leichter Gehör bei der Politik - Armutsbericht im "postfaktischen Zeitalter" angekommen
Haben Menschen mit mehr Geld auch mehr Einfluss auf die Politik als Arme? Das hat offensichtlich die Bundesregierung interessiert und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) kündigte 2015 an, im neuen Armutsbericht auch den Einfluss von Eliten auf Entscheidungen der Politik untersuchen zu lassen.

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) führt an, dass unter anderem folgende Stelle gestrichen wurde: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird."

Der Osnabrücker Politikwissenschaftler Armin Schäfer hat die Studie für das Bundesarbeitsministerium ausgearbeitet. Seine Erkenntnisse fanden sich dann auch in einer ersten Fassung des Armutsberichts. Die Rede war demnach von einer "Krise der Repräsentation". So hieß es: "Personen mit geringerem Einkommen verzichten auf politische Partizipation, weil sie Erfahrungen machen, dass sich die Politik in ihren Entscheidungen weniger an ihnen orientiert."

Außerdem wurde auch die Aussage gestrichen, wonach sich Bürger in Deutschland "mit unterschiedlichem Einkommen nicht nur in sehr unterschiedlichem Maß an der Politik [beteiligen], sondern es besteht auch eine klare Schieflage in den politischen Entscheidungen zulasten der Armen".

mehr:
- Gelenkte Wirklichkeit: Bundesregierung streicht brisante Stellen aus Armutsbericht (Marcus Klöckner, Telepolis, 15.12.2016)


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DIW und Opposition warfen Arbeitsminister Olaf Scholz vor, die tatsächliche Lage, insbesondere bezüglich der Kinderarmut, im Bericht geschönt zu haben.[16][17] [Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Vorwurf der Schönung des Berichts (2008), Wikipedia, abgerufen am 16.12.2016]
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Am 28. November 2012 wurde bekannt, dass die Bundesregierung nach Intervention durch Wirtschaftsminister Philipp Rösler den aktuellen Bericht „schönen“ ließ, d.h. Änderungen vornehmen ließ, die eine positivere Sicht der Dinge vermittelte, als die Entwurfsfassung. Dies wird vor dem Hintergrund, dass nicht die Bundesregierung der Auftraggeber des Berichts ist, sondern das Parlament, zuerst von der Süddeutschen Zeitung aufgezeigt und kritisiert.[18] Starke Kritik kam von den Gewerkschaften, weil im überarbeiteten Entwurf vom 21. November 2012 kritische Sätze fehlen und Hinweise auf unbequeme Fakten verschwunden sind.
„Die Bundesregierung will entscheidende Aussagen des Berichts verwässern, verschleiern und beschönigen“[19]
wird DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zitiert. Von Seiten der Gewerkschaften wurde die Bewertung und Analyse der Bundesregierung kritisiert, nicht die im Bericht enthaltenen Zahlen. Ein Link auf diesen Entwurf befindet sich in Abschnitt Weblinks.[20] Daraufhin kam es zu deutlichen Verzögerungen; der Bericht, der ursprünglich bereits 2012 erscheinen sollte, wurde schließlich am 6. März 2013 veröffentlicht. Auch die endgültige Fassung weist im Vergleich zur Entwurfsfassung inhaltliche Veränderungen auf, die von Opposition, Sozialverbänden, Gewerkschaften usw. als „Schönfärberei“ scharf kritisiert wurden. Auf tagesschau.de sind die Unterschiede der einzelnen Fassungen des Berichts dokumentiert.[21] [Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Vorwurf der Schönung des Berichts (2012/2013), Wikipedia, abgerufen am 16.12.2016]
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siehe auch:
Aushöhlung der Demokratie – Eine neue Studie zeigt: Wirtschaftslobbyisten gehören zu den zentralen Akteuren bei der Ausgestaltung des Freihandelsabkommens TTIP (Post, 10.07.2014)


Adventsrätsel, das sechzehnte von vierundzwanzig

Das Kalte mach ich warm,
das Heiße mach ich kalt,
es hat mich Reich und Arm,
wer lang mich hat, wird alt.


Donnerstag, 15. Dezember 2016

Adventsrätsel, das fünfzehnte von vierundzwanzig

Es gibt eine Frist, er hat Humor,
er hat einen Vogel und ein Seil davor.


Mittwoch, 14. Dezember 2016

Panik um den drohenden Verlust der Deutungshoheit

Die Union scheint sich nach dem Vorbild der amerikanischen Demokraten schon auf eine Erklärung zu einer möglichen Wahlniederlage vorzubereiten
Mittlerweile haben auch deutsche Politiker das derzeit beherrschende Thema in den USA aufgegriffen. Man merkt, das schafft Aufmerksamkeit, wenn in den USA angeblich Russland die Wahlen zugunsten von Donald Trump beeinflusst haben soll, oder wenn unerwünschte Minderheiten, Medien oder Parteien Fake News verbreiten, wie derzeit das Mainstream-Pendant zur Lügenpresse bezeichnet wird (Russische Einmischung in US-Wahl: Lächerlich, False-Flag-Aktion, bewiesen …)

In den USA versuchen Initiativen, Websites, die gezielt Propaganda für eine Seite machen wie Breitbart News für Donald Trump, der dessen Betreiber zum Dank dafür als Chefstrategen in sein Team holte, die finanzielle Grundlage zu entziehen (auf der anderen Seite gibt es Bemühungen, mit russischen Medien angeblich zusammenhängende linke Medien auf eine Schwarze Liste zu setzen).

Mit dem Internet und der Möglichkeit, Werbung weltweit über Ad-Server zu verteilen, wissen Werbeagenturen und Unternehmen in der Regel nicht, wo diese Banner überall auftauchen, wahrscheinlich interessiert es viele auch gar nicht - Google und Co. sowieso nicht. Wer viele PageViews erzielen kann, wobei Qualität keine Rolle spielt, kann damit auch etwas einfahren und sich finanzieren. Die Initiative versucht, Agenturen und Unternehmen darauf hinzuweisen, ob sie wollen, dass ihre Werbung bei Breitbartnews.com auftaucht, was diese mitunter veranlasst hat, vielleicht erstmals einen Blick auf die Verteilung zu werfen und zu verhindern, dass Banner für bestimmte Websites weiter ausgeliefert werden.

In Deutschland hat Gerald Hensel das Prinzip in einer privaten Initiative aufgegriffen. Geholfen hat dabei sicher, dass Hensel bei der Werbeagentur Scholz & Friends arbeitet, dass sein Aufruf, nicht mehr auf rechten Websites wie Achgut.com, Tichys Einblick, PI-News oder Junge Freiheit Werbung ausliefern zu lassen, offenbar erfolgreich war. Letzte Woche trockneten die Werbeschaltungen zumindest vorübergehend aus, wodurch auch eine Finanzierungsebene wegbrach und die Betreiber von Broder und Co. veranlasste, mit schweren Geschoßen zu schießen und prophezeiten, dass mit dem Stopp der Werbung auf ihren Seiten, irgendwie verursacht von den Linken, das Ende der Demokratie nahe ist (Die Achse des Guten im Kampf gegen das linke Böse).

mehr:
- Panik in um ihren Einfluss fürchtende Politik und Medien (Florian Rötzer, Telepolis, 13.12.2016)

KenFM im Gespräch mit: Ulrich Teusch ("Lückenpresse") [1:46:47]

KenFM
Veröffentlicht am 29.11.2016
"Es gibt n u r ein perspektivisches Sehen, n u r ein perspektivisches ‚Erkennen‘; und je mehr Affekte wir über eine Sache zu Worte kommen lassen, je mehr Augen, verschiedene Augen wir uns für dieselbe Sache einzusetzen wissen, um so vollständiger wird unser ‚Begriff‘ dieser Sache, unsere ‚Objektivität‘ sein." Diese Erkenntnis von Friedrich Nietzsche und ist von zentraler Bedeutung, vor allem, wenn man sich entschließt, den Beruf des Journalisten auszuüben. Bis heute lernen Journalisten während des Studiums und später in den Redaktionen, sie mögen bitte objektiv sein. Doch diese geforderte Objektivität existiert gar nicht. Niemand ist neutral. Wir alle haben Standpunkte, Meinungen und sind individuell sozialisiert. Kein Mensch kann daher ein objektives, ein all umfassendes Bild von einer Person oder einem Geschehen produzieren, denn schon der Auswahl einer Story geht eine höchst subjektive Entscheidung voraus. Der Teil der Realität, der es in die Zeitung, die Talkshow, die Nachrichten geschafft hat, ist immer nur ein winziger Ausschnitt der unüberschaubaren Gegenwart. Massenmedien beschreiben daher nicht die Realität, sie erzeugen ein Paralleluniversum, das für den Durchschnittskonsumenten zur Gegenwart wird. Dieser Eindruck fußt dann aber auf einer Selbsttäuschung. Presse ist nur perspektivisch vermittelbar. Nur durch die Konzentration, das Erzeugen von Lücken, ist Information vermittelbar. Wer einen bestimmten Standpunkt vermitteln will, muss den größten Teil aller anderen Standpunkte konsequent ausblenden, um nicht zu verwirren. Der Begriff "Lügenpresse", der in großen Abständen immer wieder auf der Straße Hochkonjunktur erfährt und das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Mainstreampresse zum Ausdruck bringen soll, beruht daher auf einer Fehleinschätzung der Presse an sich. Presse lügt immer, wenn man sie daran misst, ob sie die absolute Wahrheit publiziert. Das kann sie gar nicht. Eine Lüge beginnt aber schon dann, wenn man bewusst Teile der Wahrheit weglässt, obschon man weiß, dass dieses Weglassen zu einer groben Verzerrung dessen führen würde, was man tatsächlich weiß. Presse ist immer Lückenpresse. Sie informiert nur zum Teil und das meiste von dem, was da draußen geschieht, steht eben nicht in der Zeitung, schafft es eben nicht über die Presse in unser Bewusstsein. Trotz oder gerade wegen dieser berufsbedingten Lücken bei der Berichterstattung, sollten Pressevertreter aufrichtig sein. Sie sollten stets einräumen, immer nur einen perspektivischen Ausschnitt der Realität veröffentlichen zu können. Der Absolutheitsanspruch, mit dem große Pressehäuser jahrzehntelang ihren Job gemacht haben, ist absurd und wird durch das Internet entzaubert. Das hat ernsthafte Folgen für die Machtstruktur der Eliten, die ihre Stabilität vor allem aus der Kontrolle der Medien bezogen haben. Massenmedien sind Kontrollinstrumente gegenüber dem Volk und werden durch entsprechende Gate-Keeper gesteuert. Dass dieses Netzwerk der Alpha-Journalisten es nicht mehr schafft, die Bevölkerung kollektiv an der Nase herumzuführen, indem relevante Informationen konsequent unterdrückt werden, zeigt der für die Eliten überraschende Wahlsieg eines vollkommenen Außenseiters wie Donald Trump. Trump konnte in den Lücken gedeihen, die von der Mainstreampresse erst erzeugt wurden. Das Netz ist zur ernsthaften Konkurrenz der kontrollierten Presse geworden. Das Meinungskartell verliert an Boden. Die Lücken der Presse werden zur Chance für die Demokratie, wenn hier ein neuer Netzjournalismus das Vertrauen der Bürger gewinnt. KenFM traf sich mit Prof. Dr. Ulrich Teusch, um mit ihm über dessen aktuelles Buch "Lückenpresse" zu sprechen. Es handelt sich um eine detaillierte Analyse der Medienkrise. Teusch prophezeit das Ende der Presse, wie wir sie bisher kannten. Der Wahlsieg Trumps gibt seinen Thesen recht. Eine detaillierte Inhaltsübersicht zum Interview findest Du auf unserer Homepage. https://kenfm.de/ulrich-teusch-luecke... +++ Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://www.kenfm.de/kenfm-unterstuet... https://www.kenfm.de https://www.facebook.com/KenFM.de https://www.vk.com/kenfm https://www.twitter.com/TeamKenFM https://www.youtube.com/wwwKenFMde


siehe zu den hohen medialen U-Boot-Wellen:
- Ein neues U-Boot und mangelnde Medien-Selbstreflexion (Post, 10.07.2016)

aktualisiert am 30.12.2016

Adventsrätsel, das vierzehnte von vierundzwanzig

Mit »M« es uns die Stimmung senkt,
mit »Z« es an der Grenze hängt.


Dienstag, 13. Dezember 2016

Der Deutsche Lehrerverband und die Inflation der Einsen

Josef Kraus plädiert dafür, dass Bayern Abiturnoten aus "anspruchslosen Bundesländern" nicht mehr anerkennt

Nach Auffassung des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, werden in bestimmten Bundesländern - hauptsächlich nennt er Berlin - allzu leicht gute Schulnoten vergeben. In Berlin habe sich die Zahl der Abiturzeugnisse mit der Bilderbuchdurchschnitts-Note 1,0 innerhalb von zehn Jahren "vervierzehnfacht", erklärte er gegenüber der Bild-Zeitung.

Auch in den Ländern Brandenburg, NRW und Thüringen sei die Tendenz, dass Abiturnoten immer besser würden, zu erkennen. Kraus spricht von einer "Inflation" bei den Schul- und Abiturnoten, die ein Ende haben müsse, weil Zeugnisse nicht zu "ungedeckten Schecks" werden dürfen. Seine Forderung, die er daran anschließt, hat es in sich:

Anspruchsvolle Bundesländer wie Bayern sollten die Abiturzeugnisse anspruchsloser Bundesländer nicht mehr anerkennen.
Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Aus dem Abitur müsse wieder "ein Attest für Studienbefähigung und nicht für Studienberechtigung werden", so Kraus. Es ist nicht die erste Spitze des früheren Gymnasiallehrers aus Landshut und "Bildungstitans" (CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle) gegen die Bildungspolitik anderer Bundesländer. Berlin gehört zu seinen bevorzugten Angriffszielen. Die Politik habe dort mit Reformen das Schulsystem an die Wand gefahren, wetterte Kraus im Nachhall der Ergebnisse der IQB-Leistungsstudie im Oktober dieses Jahres. Bayern fand sich im bundesweiten Vergleich der neunten Klassen in Deutsch- und Englischkenntnissen an der Spitze, Berlin ganz unten.

mehr:
- Lehrerverbandschef kritisiert Inflation von guten Schulnoten (Thomas Pany, Teleplis, 12.12.2016)

siehe auch:
- Das Bundeskriminalamt und die Rechtschreibung (Post 04.12.2016)
- This knocks me from the socks (Post, 12.09.2014)


Wider die Rede vom "Postfaktischen"

Soziologischer Zwischenruf zur medialen Konstruktion von Wirklichkeit
Ausgehend von den USA macht seit etlichen Monaten nicht nur in den deutschen Leitmedien die Rede von den "postfaktischen Debatten" die Runde. Gestern wurde der Begriff zum Wort des Jahres 2016 erklärt. Postfaktisch - was soll das überhaupt bedeuten?

Erste Zweifel am Sinn des Begriffs kommen auf, wenn man ihn etymologisch seziert. "Post" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als "nach". Insbesondere in den Kulturwissenschaften ist dies seit Jahren eine Modevorsilbe, die weniger etwas erklärt, als sie belegt, dass man nicht so genau weiß, was nach dem kommen könnte, über das man mehr als genug zu wissen glaubt. Die Rede von der "Postmoderne" wie die vom "Posthuman" treffen sich in dieser Grenzlinie zwischen Wissen und Nichtwissen.

Interessanter ist da schon das Adjektiv "faktisch", dass sich von "Fakt" ableitet. Dies wiederum, die humanistisch Gebildeten wissen es noch, ist eine Eindeutschung des lateinischen Nomens "factum", das im engeren Sinne eine Tat-Sache, also die Folge einer konkreten Tat, ganz generell jedes Ergebnis menschlichen Handelns bezeichnet. Fakt wäre damit das, was von Menschen gemacht und in die Welt gesetzt wurde.

Mithin würde das Attribut "postfaktisch" alle jene Sachverhalte benennen, die nicht mehr auf das Wirken von Menschen zurückgehen, sondern gleichsam nach-menschlich in die Welt gekommen sind. In diesem Sinne wäre "postfaktisch" dann etwa die Rückeroberung der verlassenen Städte durch Pflanzen und Tiere, wenn die Menschheit eines Tages ausgestorben sein sollte (siehe dazu den fast prophetischen Band von Alan Weisman 2007).

Dies aber ist mit dem Begriff in seiner aktuellen Verwendung ganz offensichtlich nicht gemeint. "Postfaktisch" steht vielmehr als Verdichtungsmetapher für die gesellschafts- und medienpolitische These, dass heute - im Gegensatz zu früher! - viele öffentliche Debatten nicht mehr auf der Basis von Fakten geführt würden.

mehr:
- Wider die Rede vom "Postfaktischen" (Michael Schetsche, Telepolis, 10.12.2016)

siehe auch:
- Politik ohne Fakten: Das gefühlte Zeitalter (Margarete Stokowski, SPON, 13.12.16)
- Wort des Jahres 2016: »Postfaktisch« (Post, 09.12.2016)

Transatlantische Russophobie: Nach Krim-Annexion, Luftraumverletzungen und geheimnisvollen U-Booten jetzt Cyberwar

Der Streit kulminiert in Washington und zeigt, wie zerrissen das Land ist
Während Donald Trumps Gegner auch in der eigenen Partei eine Möglichkeit sehen, diesen dadurch noch vor seinem Amtsantritt zu beschädigen, weil er angeblich von Russland bei der Wahl unterstützt worden sei, macht er sich selbst über die Behauptungen lustig. "Lächerlich" sei die Behauptung, sagte er im Interview für Foxnews, die der CIA gegenüber Abgeordneten in einer Geheimsitzung gemacht habe, dass Russland die Wahl zugunsten von ihm beeinflusst haben soll, er habe sie eindeutig gewonnen. Zudem äußerte er Skepsis gegenüber den Geheimdiensten, was als Affront gilt.

Seit George W. Bush hatte der mit vielen Diensten aufgeblähte Geheimdienstapparat mit mehr als 40.000 Angestellten und einem offiziellen Budget von zuletzt 70 Milliarden US-Dollar nicht nur mehr Geld bekommen, sondern die Dienste hatten auch weitgehend freie Hand, die Überwachung auszubauen. Auch Barack Obama stützte sich weiter auf die Geheimdienste, baute deren Zuständigkeiten aus und hat nun auch unter dem Druck vor demokratischer Abgeordneter die Geheimdienste aufgefordert, eine Untersuchung über die russischen "Cyberaktivitäten" vorzulegen. Zudem wurde beim Pentagon das Cyberkommando unter dem Direktor der NSA aufgebaut.

Wenn sich Trump mit den Geheimdiensten anlegt und deren Arbeit herabwertet, kratzt er nicht nur an der mächtigen, mit der Privatwirtschaft, Politikern und vielen Thinktanks vernetzten US-Sicherheits- und Militärbranche, sondern auch an deren Rechtfertigung durch den Globalen Krieg gegen den Terrorismus und zuletzt verstärkt durch den Konflikt mit Russland. Allerdings scheint das Ansehen der Geheimdienste unter den Leaks von Snowden gelitten zu haben. Der Ex-NSA-Direktor Alexander berichtete, dass dies neben dem angeblich geringen Gehalt im Vergleich zur Privatwirtschaft ein Grund sei, warum der NSA viele Leute davonlaufen (NSA-Mitarbeiter verlassen angeblich den Geheimdienst in Scharen).

Für den republikanischen Senator John McCain, der Vorsitzender des Streitkräfteausschusses und innerparteilicher Gegner Trumps ist, steht jedenfalls als Tatsache fest, dass die Russen in die Wahl eingegriffen haben. Nicht klar sei es, ob sie dies zugunsten eines Kandidaten gemacht haben, das müsse untersucht werden. Er könne aber Trumps Haltung nicht verstehen: "I don't know what to make of it because it’s clear the Russians interfered." McCain ist für die Einrichtung eines Kongressausschusses zur Untersuchung und kritisiert auch die Haltung Trumps gegenüber Putin: "Wladimir Putin ist ein Schurke und ein Mörder und ein Killer und ein KGB-Agent." Man könne zwar mit ihm reden, aber so wie das Reagan gemacht habe, aus einer "Position der Strenge" heraus. Für den demokratischen Abgeordnete Adam Schiff, der im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses sitzt, ist die Sache ebenfalls klar. Was man wisse, spreche dafür, dass Moskau sich zugunsten "des in der Geschichte am stärksten prorussischen Kandidaten" eingemischt habe. Vermutlich wird es einen Kongressausschuss geben, womit die Angelegenheit erst einmal vertagt ist und die Geheimdienste von Trumps Leuten geleitet werden.

mehr:
- Russische Einmischung in US-Wahl: Lächerlich, False-Flag-Aktion, bewiesen … (Florian Rötzer, Telepolis, 12.12.2016)
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siehe auch:
- Der Präsident der USA im Infowar: Wenn eine Medienlandschaft den Knall nicht hört (Marcus Klöckner, Telepolis, 11.12.2016)
- Feindbild: Russland macht Information zur Waffe (Florian Rötzer, Telepolis, 11.12.2016)
- US-Geheimdienste: Russland wollte Trumps Wahlsieg bewirken (Florian Rötzer, Telepolis, 10.12.2016)
- Propagandakrieg in den USA gegen Russland (Florian Rötzer, Telepolis, 10.12.2016)
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Dirk Müller erklärt: Warum Putin in der Ukraine handeln musste. {6:37}

Veröffentlicht am 12.11.2013
Newskritik Archiv
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Dirk Müller erklärt, warum Putin in der Ukraine handeln musste.

Adventsrätsel, das dreizehnte von vierundzwanzig

Das Erste liegt im Schweizer Land,
das Zweite überall,
das Ganze gibt’s am Meeresstrand, 
jedoch nicht überall.


Montag, 12. Dezember 2016

Adventsrätsel, das zwölfte von vierundzwanzig

Was ist kalt, heiß, weich, eng, weit, rot und gut?
Was zerspringt, klopft, erwärmt, rutscht, schlägt, bricht, hüpft und erquickt?

Sonntag, 11. Dezember 2016

Adventsrätsel, das elfte von vierundzwanzig

Das Erste öffnet wie von allein.
Das Zweite gebrauchst du immer zu zwei’n.
Auch das Ganze trägst du stets doppelt herum,
und wenn es kaputt bricht, dann ist es dumm.


Samstag, 10. Dezember 2016

Propaganda: »Luftangriffe« vs. »Angriffe« – für den Leser »vorinterpretiert«

Nachrichtenfälschung bei Zeit Online: Das Hamburger Blatt hat dem russischen Außenminister Lawrow eine Aussage am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg in den Mund gelegt, nach der Russland die Luftangriffe auf die Gebiete der sogenannten Rebellen in Ost-Aleppo fortsetzen wolle. Doch Sergej Lawrow hat nie von russischen Luftangriffen auf Aleppo gesprochen. Tatsächlich finden seit 18. Oktober keine russischen Luftangriffe mehr auf Aleppo statt, wie damals im Oktober auch die westlichen Medien vermeldeten. Seitdem greifen keine russischen Kampfflieger mehr Stellungen der Al-Qaida-geführten Rebellen und natürlich auch keine Zivilisten an. Gegenteilige Beweise liegen nicht vor. Die Zeit Online hat ihre Meldung zu Lawrow geschickt so manipuliert, dass Lawrow nicht direkt zitiert wird, ihm aber die vermeintliche Bestätigung russischer Luftangriffe durch sprachlichen Kunstgriffe – oder besser journalistischen Betrug – untergeschoben wird. Gezielte Fake-News zu Propagandazwecken.

Bei Zeit Online heißt es in dem entsprechenden Artikel „Syrien-Krieg: Lawrow lehnt Stopp der Luftangriffe auf Aleppo ab“ vom Nachmittag des 9. Dezember 2016: „Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat eine Einstellung der Luftangriffe auf die noch von Rebellen kontrollierten Gebiete Ost-Aleppos abgelehnt. ‚Die Angriffe werden so lange weitergehen, wie noch Banditen in Aleppo sind‘, sagte Lawrow am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg. Er kritisierte zugleich westliche Äußerungen zur Lage in der syrischen Stadt Aleppo als ‚hysterisch‘.“.

mehr:
- Zeit Online fälscht russische Luftangriffe auf Aleppo (Jens Meinert, Blauer Bote, 10.12.2016)
mein Kommentar:
Erstmal war mir auch nicht klar, um was es Jens Meinert ging. Ich mußte den Artikel zweimal lesen…

Lawrow spricht von Pause bei Angriffen in Aleppo {1:40}

euronews (deutsch)
Am 08.12.2016 veröffentlicht 
Die syrische Armee hat nach russischen Angaben ihre Militäroffensive in Aleppo unterbrochen. Zur Zeit laufe in Aleppo eine "große Operation", um Zivilisten in Sicherheit zu bringen. sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow beim OSZE-Gipfel in Hamburg, Einen solchen Schritt hatte der syrische Machthaber Baschar al-Assad zuletzt noch ausgeschlossen. Rund 8.000 Zivilisten soll ermöglicht werden, die Stadt zu verlassen.
Noch immer sind mehr als 150.000 Zivilisten von der Versorgung mit Nahr…
LESEN SIE MEHR: http://de.euronews.com/2016/12/09/law...
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Adventsrätsel, das zehnte von vierundzwanzig

Das Erste ist im Kornfeld heimisch,
was den Bauern arg vergrätzt.
Das Zweite ist ein Fett, lateinisch,
im Ganzen wird man beigesetzt.


Freitag, 9. Dezember 2016

Deutsch-russische Kommunikationsprobleme

Die Stärkung des gesellschaftlichen Dialogs mit Osteuropa scheint eingefroren
Das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesregierung und der russischen Führung war schon besser. Russlands Weigerung, die Machtübernahme in der Ukraine einfach hinzunehmen und in der Folge gezwungenermaßen auf den Zugang zum Schwarzmehrhafen Sewastopol zu verzichten, war den Beziehungen auch nicht förderlich. Die Angliederung der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol an Russland fand zwar auf der Krim und in Russland Zustimmung, nicht jedoch im Westen.

Trotz Russland-Koordinator: Eiszeit im Osten?
Die Bundesregierung hat mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Staatsminister Gernot Erler seit Januar 2014 einen Koordinator für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft. Er ist dem Auswärtigen Amt angegliedert und soll den gesellschaftlichen Dialog im Vorfeld der offiziellen Politik intensivieren und in den Dienst der politischen Ziele Deutschlands stellen.

Weiter erklärt man auf der Website des Auswärtigen Amtes, Deutschland unterhalte mit Russland, den fünf zentralasiatischen Republiken, mit der Ukraine, den drei südkaukasischen Republiken und mit Moldau und Belarus intensive Beziehungen und sei an einer gedeihlichen und stabilen Entwicklung dieser Großregion im Osten der EU sehr interessiert. Aber nicht überall funktioniere die regionale Zusammenarbeit, und es gebe Spannungen, Krisensituationen wie aktuell in der Ukraine und ungelöste "frozen conflicts".

mehr:
- Koordinator für Zusammenarbeit mit Russland antwortet nicht (Christoph Jehle, Telepolis, 07.12.2016)

siehe auch:
- Petersburger Dialog – Wir müssen reden! (Post, 27.09.2015)
- Wider den öffentlichen Dialog mit Russland – Unsere Bundesmama und zwei ungehorsame Kinder (Post, 26.11.2014)

Smartphones und Drogen – Zusammenhänge französischer Statistiker

Drogen und Heranwachsende: Die Statistiker der französischen Beobachtungsstelle für Sucht haben einen interessanten Zusammenhang entdeckt

Heranwachsende Kinder auf den richtigen Umgang mit Drogen vorzubereiten, ist schwierig. Vieles hängt damit zusammen, das eigene Vorbild, wie sich Freunde verhalten, die gesellschaftliche Bewertung - Alkohol hat in unserer Kultur einen anderen Status als Cannabis - und auch, wie viel Raum man Kindern für eigene Erfahrungen gibt oder gelassen hat, mit wie viel Eigenständigkeit die Kinder ihr Gefühl dafür aufbauen, was gut für sie ist oder schlecht.

Der Einfluss der Eltern ist begrenzt, die vollkommene Kontrolle gibt es nicht, sie könnte auch zu ganz unerwünschten Resultaten führen. Belehren kommt auch nicht immer gut. Aber es ist auch nicht jedermann ein Künstler, der sich auf Schädlichkeiten als gesundes Anti-Therapeutikum so gut versteht wie der Schriftsteller Wolf Wondratschek, der die Krankheit unserer Zeit weniger im Rauchen oder Trinken, sondern in der Angst vor allem sieht und der die Neugier hochhält.

mehr:
- "Lass sie mit Smartphones herumspielen, dann kommen die Drogen erst später" (Thomas Pany, Telepolis, 08.12.2016)

USA: Lebenserwartung zurückgegangen

Nach Zahlen der US-Gesundheitsbehörde ging 2015 erstmals seit mehr als 2 Jahrzehnten die Lebenserwartung zurück, während die Mortalitätsrate stieg


Normalerweise heißt es, die Lebenserwartung der Menschen werde weiterhin ansteigen, wie dies schon kontinuierlich während der letzten Jahrzehnte und sogar seit mehr als 100 Jahren der Fall gewesen ist. Hin und wieder gab es in den letzten Jahren einzelne Hinweise darauf, dass der Fortschritt im Hinblick auf das Lebensalter zu Ende kommen könne, dass der Gipfel womöglich überschritten sei. Aus den USA berichtet nun das National Center for Health Statistics (NCHS), dass die Lebenserwartung 2015 erstmals seit 1993 gesunken sei, was möglicherweise, wenn der Trend anhalten sollte, der Fortschrittserwartung einen Dämpfer versetzen könnte.

In Deutschland liegt die statistische Lebenserwartung für 2015 geborene Mädchen bei 83,1 Jahren und bei Jungen bei 78,2 Jahren. Um 1870 lag die Lebenserwartung für Frauen und Männer noch unter 40 Jahren. Damit hat sich die Lebenserwartung seitdem verdoppelt.

Wie schnell die Zunahme geht, lässt anhand der Angaben des Statistischen Bundesamts erkennen, wonach, bezogen auf 2012 und 2014, die "Lebenserwartung Neugeborener in den letzten zehn Jahren bei den Jungen um 2 Jahre und 3 Monate und bei den Mädchen um 1 Jahr und 6 Monate im Vergleich zur Sterbetafel 2002/2004 erhöht" hat. Nach einer EU-weiten Studie ist die Lebenserwartung seit 1990 um 6 Jahre gestiegen).

mehr:
- Ende beim Fortschritt der Lebenserwartung? (Florian Rötzer, Telepolis, 09.12.2016)

siehe auch:
- Warum ist die Lebenserwartung der Männer in Israel so hoch? (Florian Rötzer, Telepolis, 08.12.2016)

mein Kommentar:
Wenn die höhere Lebenserwartung israelischer Männer auf den Wehrdienst zurückgeführt wird, vielleicht darf man ja dann die höhere Lebenserwartung in der EU auf die Rettungsschirme zurückführen…
Vielleicht ist das Sinken der Lebenserwartung ja Obama anzulasten…
oder auch Putin…

Wort des Jahres 2016: »Postfaktisch«

Gesellschaft für deutsche Sprache möchte Blick auf "tiefgreifenden politischen Wandel" lenken
Nun bekommt der Begriff "postfaktisch" (Postfaktisches Zeitalter) auch noch seinen Segen von "hoher Stelle": Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden hat den Begriff "postfaktisch" zum Wort des Jahres 2016 gewählt.

In einer Pressemitteilung der GfdS heißt es, der Begriff markiere einen "tiefgreifenden politischen Wandel". Bei dem "Kunstwort postfaktisch" handele es sich um eine "Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth", diese verweise darauf, "dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht."

mehr:
- "Postfaktisch" ist Wort des Jahres 2016 (Marcus Klöckner, Telepolis, 09.12.2016)

siehe auch:
- Angewandte Psychoanalyse: Masse und Mob – Wie sich Emotionen in der Menge entladen, und wie sie gesteuert werden können (Post, 14.03.2016)

Adventsrätsel, das neunte von vierundzwanzig

Kannst Du ein Wort erschließen,
in dem der erste Buchstabe einmal,
in dem der achte Buchstabe zweimal,
in dem der dritte Buchstabe dreimal
und der fünfte Buchstabe viermal
in ein Bett zusammenfließen?

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Adventsrätsel, das achte von vierundzwanzig

Wenn wir gebückt zur Erde sehen,
wird nächstens eine Schlacht geschehen.


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Eine Avaaz-Petition, die uns vor Menschen schützen soll, die so ziemlich alles glauben…


It's crazy, but fake news on Facebook just helped hand Trump the election! An avalanche of fake news stories, backing Trump, reached more people than top real news -- and Facebook failed to stop it! CEO Zuckerberg can easily end this, but he’s dragging his feet. Let’s demand he act now:  


SIGN THE PETITION 
Dear friends,

Donald Trump had a secret weapon that helped hand him the election -- fake news that went viral on Facebook!

Most people get their news from social media -- and because Facebook failed to stop fake news during the election, more people saw bogus reports (like that the Pope endorsed Trump) than top real news!

It’s not just the US -- the far right everywhere is spreading hateful, racist lies that millions believe to be true. And unless we stop them, the Trumps of France, Brazil, and more will use it as their own secret weapon to win.

Facebook knows exactly what it needs to do -- flag, fact check, and ban the lies. The CEO is dragging his feet, but a group of his own staff are demanding he act -- let's back them with a million strong call: 

Click to stop fake news on Facebook

Facebook is now the largest NEWS site on the planet, but unlike any credible media outlet the company has zero commitment to fact checking. So it’s newsfeed is easily coopted. A new study just revealed that fake stories got more engagement on Facebook than top election stories from 19 major news outlets COMBINED! And 85% of those fake stories supported Trump!

Facebook can solve this easily -- let users flag fake stories, hire a human team to fact check the most viral, and then put warning labels on them as soon as they're disproven. And if an outlet repeatedly distributes fake news, ban them. This is already similar to how Facebook keeps pornography off its site.

If there’s one thing CEO Zuckerberg cares about it’s his global reputation -- let’s show him that millions of Facebook users everywhere demand action, and push him to act before more Trumps use fake news as their secret weapon to win:

Click to stop fake news on Facebook
We live in a rapidly shifting world where something that didn't exist 10 years ago can wield massive power over our and our children's futures. Facebook's fake news has already done historic damage to our planet - let's stop it doing more.

With hope and determination,

Allison, Bert, Nell, Marigona, Ricken and the rest of the Avaaz team

More information:

This Analysis Shows How Fake Election News Stories Outperformed Real News On Facebook (Buzzfeed)
https://www.buzzfeed.com/craigsilverman/viral-fake-election-news-outperformed-real-news-on-facebook?...

News Use Across Social Media Platforms 2016 (Pew Research Center)
http://www.journalism.org/2016/05/26/news-use-across-social-media-platforms-2016/

Russian propaganda effort helped spread ‘fake news’ during election, experts say (Washington Post)
https://www.washingtonpost.com/business/economy/russian-propaganda-effort-helped-spread-fake-news-du

The scariest part of Facebook’s fake news problem: fake news is more viral than real news (Vox)
http://www.vox.com/2016/11/16/13626318/viral-fake-news-on-facebook


Avaaz is a 44-million-person global campaign network
 that works to ensure that the views and values of the world's people shape global decision-making. ("Avaaz" means "voice" or "song" in many languages.) Avaaz members live in every nation of the world; our team is spread across 18 countries on 6 continents and operates in 17 languages. Learn about some of Avaaz's biggest campaigns here, or follow us on Facebook or Twitter.

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Adventsrätsel, das siebte von vierundzwanzig

Einer, riesengroß und schwer, bereit, sich musisch elegant zu zeigen,
doch sehr anspruchsvoll ist er, 
läßt sich nicht so leicht betreiben.
Luftig leicht sind zwei dagegen, 
die sich nur gemeinsam regen.
Ein Paar davon hat sich gut versteckt, 
im Menscheninneren wird’s entdeckt.