Sonntag, 16. Dezember 2012

Adventsrätsel (das Sechzehnte von vierundzwanzig)

Es ist ein Fluss im deutschen Land;
auch hat’s der Kutscher in der Hand.
Auflösung zu Nr. 15

Vor 68 Jahren – 16. Dezember 1944: Ardennenoffensive der Wehrmacht beginnt

Operation Herbstnebel 

 Als der alliierte Vormarsch auf Deutschland sich im Frühwinter 1944 vor allem aufgrund von Nachschubproblemen verlangsamte, gab Hitler den Befehl zu einer letzten Gegenoffensive in den Ardennen, eben dort, wo der triumphale Blitzkrieg im Westen 1940 seinen Ausgang genommen hatte. Der Angriff zielte auf Antwerpen, den potenziell wichtigsten Nachschubhafen der Alliierten. 


Zwei deutsche Soldaten während der Ardennenoffensive, 1944
 Die Ardennenoffensive der Wehrmacht begann am 16. Dezember 1944 mit einem schnellen Erfolg: Die wenigen und von dem Ereignis überraschten amerikanischen Divisionen an diesem Frontabschnitt wurden regelrecht überrannt. Schon nach wenigen Tagen zeigte sich aber, dass die deutschen Kräfte für eine Wiederholung des Blitzkriegs keineswegs ausreichten. Die Alliierten führten zusätzliche Kräfte heran, ihre Angriffe aus der Luft nahmen der Operation den Schwung. Um die Weihnachtstage 1944 war die Operation Herbstnebel, die letzte deutsche Offensive, gescheitert. Beide Seiten hatten etwa 75 000 Mann verloren, die entweder gestorben oder in Gefangenschaft geraten waren. Die Wehrmacht hatte zudem ihre letzten intakten Panzergroßverbände eingebüßt. 

 Was am 16. Dezember noch geschah: 
 1971: Nach der Zahlung von 7 Mio. DM Lösegeld wird der Unternehmer Theo Albrecht freigelassen. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Samstag, 15. Dezember 2012

Zum israelisch-palästinensischen Konflikt

Es ist ein Dauerbrenner seit fast hundert Jahren.
Es ist ein Beispiel dafür, wie aus Opfern Täter werden.
Es ist ein Beispiel dafür, wie Opfer-Mentalität erfolgreich ist dadurch,
- daß andere eine Beißhemmung verpasst bekommen,
- daß das vermeintliche Opfer keine Regeln einhalten braucht.
Wer Opfer ist, darf alles.
Immer wieder muß auffallen, wie hysterisch offizielle Juden (Friedman, Broder, Bubis und Konsorten) und vermeintlich politisch Korrekte wie Zäpfchen hochgehen, wie die moralische Keule geschwungen und die Integrität des Kritikers infrage gestellt wird, wenn das Opfer-Handeln hinterfragt wird.

Was in den letzten Wochen, als die Israelis wieder mit ihren Säbeln rasselten, in den journalistisch kunstvoll vergossenen Krokodilstränen untergegangen ist, ist
- der Wasserdiebstahl der Israelis und
- die israelische Siedlungspolitik
Kein Volk kann sich dies auf die Dauer gefallen lassen, völlig unmöglich!
Auch wenn ich den Beschuß israelischen Gebietes durch Raketen nicht gutheißt, habe ich großes Verständnis dafür, daß die palästinensische Bevölkerung die dauernde Gängelung durch die Israelis nicht gefallen lassen kann. Sogenannte »terroristische« Gewaltakte durch Palästinenser sind die zwangsläufige Folge institutionalisierter israelischer Gewalt und Entwertung. Israel als ehemaliges Opfer des Holocaust begeht täglich Menschenrechtsverletzungen unter dem Deckmantel des notwendigen Schutzes seines Staates, mißachtet dabei aber die Rechte des palästinensischen Volkes. Dies wird sich zwangsläufig rächen, egal, wieviel Zeit noch ins Land gehen muß und wie viele Menschen sich von offiziellen Juden noch in ihrer moralischen Integrität infrage stellen lassen müssen.







die übrigen Folgen hier



die übrigen Folgen hier







Geschichtsfrage: Wer war’s?

Die uneheliche Tochter eines Steuereinziehers und einer Näherin war in einem Kloster aufgewachsen und verdiente ihren Lebensunterhalt in Paris zunächst als Hutmacherin und Prostituierte. Als Geliebte eines Grafen gelangte sie an den Königshof, wo sie bald zur Mätresse des Monarchen avancierte und als Wohnsitz ein Schloss bei Versailles erhielt. Wegen ihres verschwenderischen Lebensstils war sie im Volk verhasst. Sie endete als »Verschwörerin« auf der Guillotine . 

 ■ Madame Dubarry 
 ■ Madame Pompadour 
 ■ Madame Richelieu

Die Kraft des Künstlers

Der Geiger, 1912/13

Zahllos sind die Geiger, die in Chagalls Bildern musizieren. Dieses Bild stammt aus den Jahren 1912-13, dem ersten Parisaufenthalt des Künstlers. Erinnern die Geiger in Chagalls Werk an alle die jüdischen Geiger, die auf keiner Hochzeit und bei keinem Begräbnis fehlen? Klingen die Melodien der Kindheit nach oder sind die Geiger Sinnbild für das Leben und die Arbeit des Künstlers schlechthin? Von Chagall erhalten wir keine klare Antwort, er lässt die Dinge bewusst im Ungefähren und Mehrdeutigen. Der Geiger schwebt überdimensional groß, in einen langen Mantel gekleidet, auf der Mittelachse im Zentrum des Bildes. Geometrische Formen, überwiegend Dreiecke, gliedern in schwarz-braunen und grau-weißen Flächen den kühlen Hintergrund. Diese ungemütlich kalte, schwarz-weiße kleine Welt ist wohlgeordnet und hat eine fast mathematisch abstrakte Struktur. Der erdigen Farbwelt von beinahe bedrückender Atmosphäre gehört auch der Mantel an, der den Körper des Geigers umfängt. Aber dann scheinen unvermutet Farben auf in der winterlichen Welt. Die Geige leuchtet in warmen goldenen und gelben Tönen. Das Instrument berührt das Gesicht des Geigers, dessen grüne und blaue Töne vorn Instrument entzündet zu sein scheinen. Gesicht und Bart des Geigers nehmen im Grün die Farbe der Hoffnung an und mit dem Blau den Ton, der Himmel und Erde miteinander verbindet. Der Hut schimmert in zartem Rot und Rosa, und über dem Kopf des Künstlers bricht sanftes Blau das alles beherrschende Dunkel der Nacht auf. Selbst der schmutzige Schnee am Fuß des Bildes empfängt einen sanften Widerschein der goldglimmenden Geige. Nimmt man den Geiger aus dem Bild, so verliert diese Welt auf der Stelle wieder ihre Farben und erstarrt. Es bleibt nur der Stumpfsinn wohlgeordneter, aber lebloser Strukturen – Tod und Stille. Einzig der Geiger belebt das Bild – durch seinen Körper strömt die bewegende Welle der Musik, sein Fuß klopft sanft den Rhythmus auf dem Dach eines Hauses. Sein Spiel macht ihn leichter als die Erdenschwere. Er verliert indes nicht den Kontakt zu ihr. Vor allem bleibt er vom Leben gezeichnet. Die Nase scheint gebrochen zu sein. Aber auch dieses Gebrochene und Verwundete seines Lebens wird mit seiner Musik in ein neues Licht getaucht. Die Töne seines Instruments schließlich bringen buchstäblich einen neuen Ton und mit ihm neue Farbtöne in die Welt. Unter seiner Musik wächst ein Zauberbäumchen heran, in dem die Vögel des Himmels nisten. Die Gesichter dreier Menschen, die seinem Spiel lauschen, werden von seiner Musik erleuchtet. Die übrige Welt wird zum Hintergrund für das große Wunder, das hier geschieht, und das buchstäblich abfärbt auf die gespenstisch abstrakte, leere und leblose Umgebung, die sich so unerwartet als neuer Lebensraum erschließt. Für mich ist der Geiger ein Sinnbild für den Künstler schlechthin, in einem weiter gefassten Sinn wohl auch für den Lebenskünstler. Denn wo immer der Mensch zum Schöpfer wird, gleich ob als Maler, Musiker, Dichter oder als einer, der mit Liebe, Kreativität und Phantasie seine Lebenszeit gestaltet, kommt er in Berührung und Ver-bindung mit einer geheimnisvollen Kraft, die auch das dunkelste Fleckchen der Welt verwandelt. Es ist die Kraft Gottes, des ganz großen Lebenskünstlers, den uns die Bibel als denjenigen vorstellt, der aus Liebe und in unerschöpflichem Einfallsreichtum das Leben der Welt schuf – das größte Kunstwerk, das sich denken lässt. Als Liebhaber des Lebens vollbrachte er überdies das Kunststück, dieses Leben in leidenschaftlichem Engagement durch die dunklen Mächte des Todes hindurch zu bewahren und zu behüten. Wer mit ihm in Verbindung steht, kann gar nicht anders als selbst zum Lebenskünstler zu werden.





Adventsrätsel (das Fünfzehnte von vierundzwanzig)

Sie ein Wasser, er ein Wasser.
Sie wild, er meist mild.
Sie am Strand, er im Land.
Wem sind diese zwei bekannt?
Lösung zu Nr. 14
Lösung zu Nr. 14 aus 2013:
Stimmt, der Hahn bewegt sich bei jedem Schrei

Freitag, 14. Dezember 2012

Neros Gäste

Dokumentarfilm Indien 2009, lief gestern auf arte
 (Wiederholungen derzeit anscheinend nicht geplant)

Auf dem Indischen Subkontinent vollzieht sich abseits der Öffentlichkeit eine Tragödie. In den vergangenen zehn Jahren haben sich schätzungsweise 200.0000 Bauern das Leben genommen. Kaum eine Zeitung - national oder international - hat darüber berichtet. Doch der Hartnäckigkeit des indischen Journalisten Palagummi Sainath ist es zu verdanken, dass auch die verantwortlichen indischen Politiker vor der zunehmenden Verarmung der indischen Bauern ihre Augen nicht mehr verschließen können. Die renommierte indische Filmemacherin Deepa Bhatia hat die Recherchen Sainaths dokumentiert.




Fast 200.000 indische Landwirte haben sich in den vergangenen zehn Jahren das Leben genommen. In den nationalen wie den internationalen Medien wird kaum über diese Tragödie berichtet. Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Agrarkrise in Indien und von der wachsenden Verarmung der Bauern auf dem Subkontinent. Grundlage des Films der bekannten indischen Filmemacherin Deepa Bhatia bilden die Recherchen des Journalisten Palagummi Sainath von der renommierten indischen Tageszeitung "The Hindu". Mit ihrer anhaltenden Berichterstattung über die Krise im Agrarsektor sorgten Sainath und einige seiner Kollegen dafür, dass die bedrohliche Lage der Landbevölkerung von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und die indische Regierung sich endlich zum Handeln genötigt sah.




Die umfangreiche und intensive Auseinandersetzung Palagummi Sainaths mit der Krise im indischen Agrarsektor, die weit über eine journalistische Berichterstattung hinausgeht, zwingt zum Nachdenken über die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Nahrungsmitteln. Sie zeigt komplexe Zusammenhänge auf, die von Wissenschaftlern und Politikern vorher nicht erkannt wurden.




Neben mehr als 35 indischen und internationalen Auszeichnungen erhielt Palagummi Sainath im Jahr 2007 für seine Arbeit den Ramon-Magsaysay-Preis für Journalismus, Literatur und kreative Kommunikation, den angesehensten Preis Asiens, der auch oft als "asiatischer Nobelpreis" bezeichnet wird.

Filmemacherin Deepa Bahtia wurde für ihre Dokumentation mit dem Fipresci-Preis geehrt. Außerdem erhielt sie eine lobende Erwähnung der Jury auf dem Internationalen Filmfestival in Mumbai 2010 und den Preis für den besten Dokumentarfilm der Indian Documentary Producers Association 2010.
Begleittext arte
(Bilder aus tv Spielfilm)


Nero's Guests by P Sainath [56:06]


ab 28:50:
»Sie [die Landfrauen] verbringen bis zu 20 Stunden am Tag weg von zuhause. Die jüngsten Babies und Kinder vergessen ihre Mütter. Die Grausamkeit dessen, was vor sich geht ist das Erstaunlichste: 
Leute von der Scheiß-London School of Economics, die noch nicht mal ihren Arsch von ihrem Ellbogen unterscheiden können, Arschlöcher von der Harvard School für Entwicklungsstudien, Kennedy School, studieren Entwicklung,
sitzen als Berater mit ihren dreiteiligen Anzügen irgendwo und treffen Entscheidungen über Bauern, von deren Leben sie überhaupt nichts wissen, von deren Arbeit sie überhaupt nichts wissen.«

»Was Ihr getan habt in der abgelaufenen Zeitspanne der letzten zwanzig Jahre ist, jegliche Form menschlicher Werte auf ihren Tauschwert zu reduzieren.«

Man vergleiche mit dem Brief Tiziano Terzanis, dort suche man nach dem Absatz mit dem Wort »Geschäftsmann«. Und man schaue auch nach in dem Post über Terzanis Buch »Das Ende ist mein Anfang«. Da gibt es einen Absatz, der fängt an mit »Vor allem hat mich die Politik selbst enttäuscht.« Ein weiterer Absatz, den ich in Zusammenhang mit diesem Film sehe, beginnt mit »Es ist immer dasselbe Lied.«
Man sehe sich auch meinen Post an »Monsanto, mit Gift und Genen«.
Die Kerle machen einfach weiter.


P.Sainath - Mass Media But where are the masses - IGNOU Silver Jubilee Lecture [28:45]

This lecture was delivered by Shri P. Sainath (Renowned Journalist on Rural Affairs) on `Mass Media : But, Where are the Masses?"on 30 June 2010 (3 PM) at the Convention Centre of IGNOU Main Campus at Maidan Garhi, New Delh


Prähistorie: Rätselhafte Neandertaler

Prähistorische Vorfahren?

 250000 Jahre lang lebten die Neandertaler im Nahen und Mittleren Osten und in Europa, bis sich ihre Spur vor etwa 30 000 Jahren verlor. Lange Zeit rätselten die Wissenschaftler, welchen Platz sie im Stammbaum des modernen Menschen einnehmen: War der Neandertaler eine Zwischenstufe in der Evolution zum modernen Menschen oder eine eigenständige Art, die irgendwann ausstarb? Sicher ist, dass Neandertaler und moderner Mensch auf denselben Vorfahren, den Homo erectus, zurückgehen und dass sie im Nahen Osten und in Europa jahrtausendelang nebeneinander lebten. Fraglich blieb lange Zeit: Lebten sie nur nebeneinander oder auch miteinander? Hatten sie gemeinsame Kinder?

Nachbildung einer Neandertalerin und eines Neandertalers
im Neandertal-Museum in Mettmann, 2009

 2010 kam eine Gruppe des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zu dem Ergebnis, dass der Neandertaler sehr wohl ein Familienmitglied ist. Die Entschlüsselung eines Großteils des Neandertaler-Erbguts führte zu dem sensationellen Befund, dass bis zu 4% des menschlichen Genmaterials vom Neandertaler stammen, dass sich beide Gruppen also vermischt haben. Neandertaler benannt nach dem Neandertal an der Düssel dort entdeckten Arbeiter 1856 die ersten Knochen die Gründe für ihr Aussterben sind ungewiss.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Redewendung

Wenn man eine Person und ihr Verhalten ganz genau, kritisch und unaufhörlich betrachten will, sagt man gern, man werde sie mit Argusaugen beobachten. Argus scheint ein ausgezeichneter Späher gewesen zu sein. Was oder wen hat er wohl beobachtet?


Argus, der »Big Brother« der Mythologie

 Argus (griechisch: Argos) war in der griechischen Mythologie ein Riese mit 100 Augen, die über den ganzen Körper verteilt waren. Argus konnte nicht nur gleichzeitig in alle Richtungen, sondern auch permanent sehen. Wenn einige Augen schliefen, um die Sehkraft wieder zu stärken, blieben genügend andere auf dem Posten. 


Peter Paul Rubens, Merkur [= Hermes] und Argus
 Die Fähigkeit des Argus kam der Göttin Hera wie gerufen, hatte sie doch ihren Gatten Zeus im Verdacht, der schönen Io nachzustellen. Hera hatte die Rivalin in eine Kuh verwandelt, um ihren Mann zu täuschen, und Argus bekam den Auftrag, kein Auge von dem Rindvieh zu lassen. Der Göttergatte aber zeigte sich unbeeindruckt von dem Späher: Wenn ihm danach war, verwandelte er sich in einen Stier und traf seine Gespielin auf der Weide zum Stelldichein. Argus konnte zwar gut sehen, war aber ein wenig einfältig. Er ließ sich vom Flötenspiel des Hermes einschläfern, der ihn dann auch tötete. Argus' Augen sollen seither das Federkleid des Pfaus schmücken. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Adventsrätsel (das Vierzehnte von vierundzwanzig)

Du magst mich vorwärts, rückwärts lesen,
ich bleibe stets, was ich gewesen,
versehe mein Geschäft ganz wacker –
mich zieh’n die Pferde über’n Acker.
Auflösung zu Nr. 13

Frühe Enzyklopädien

Encyclopédie 
Frankreich, ab 1751 

Encyclopaedia Britannica 
Großbritannien, ab 1768 

Deutsche Encyclopädie 
Deutschland, ab 1778


Das Werkzeug der Aufklärung 

Das gesamte Wissen der Zeit sammeln und es den Menschen öffentlich zugänglich machen – schon dieser Anspruch der französischen Enzyklopädisten um Denis Diderot (1713-1784) und Jean-Baptiste le Rond d'Alembert (1717-1783) war revolutionär. Als 1751 der erste Band ihres epochemachenden Werks erschien, wurde schnell deutlich, dass sie nicht zu viel versprochen hatten. Rund 160 Mitarbeiter, unter ihnen berühmte Wissenschaftler und Philosophen wie Voltaire und Rousseau, trugen zum größten publizistischen Unternehmen der Aufklärung bei, das zum »Einleitungskapitel der Revolution« (so Robespierre) avancierte und die Welt veränderte. 

Die 35 Text- und Bildtafelbände der Encyclopedie enthalten über 71.000 Artikel und 2800 Kupferstiche. Das bahnbrechende Werk, dessen letzter Band 1780 erschien, wurde auch kommerziell ein großer Erfolg, den 4000 Subskribenten schon frühzeitig sichergestellt hatten. Das epochale Werk fand bis zum Ausbruch der Revolution 1789 mehr als 25.000 Käufer. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Geschichtsfrage: Krösus

Sehr reiche Menschen werden zuweilen als »Krösus« bezeichnet? Von welcher Person wurde der Name abgeleitet? 

Julius Croesus – angeblich reichster Römer seiner Zeit 
 Josephus Kreysios – erfolgreicher griechischer Seidenhändler 
 König Krösus - wohlhabender König der Lyder

Vor 1100 Jahren – 11. Jahrhundert: Erste Pilger auf dem Jakobsweg

Eine europäische Kulturroute ersten Ranges 

 Das jahrhundertealte, europaweite Wegenetz des Jakobswegs war weithin vergessen, als der Europäische Rat es 1987 zur europäischen Kulturroute erklärte und dazu aufrief, den Pilgerweg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens neu zu beleben. Die Initiative fand ungeahnte Resonanz: Der Wegeverlauf wurde vielerorts in Europa rekonstruiert und mit dem traditionellen Emblem der Jakobsmuschel gekennzeichnet. Hunderttausende Pilger wandeln heute alljährlich auf der Route, die wie kein anderer Fernweg für europäische Kultur und Geschichte steht. 


Der Jakobsweg in Kastilien, um 2000
 Das klassische Stück des Jakobswegs ist der 800 km lange Camino Francés in Nordspanien, von den Pyrenäen über Burgos und Leon nach Santiago de Compostela. Die älteste bekannte schriftliche Quelle stammt aus dem Jahr 1047 und spricht von Pilgern, die zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago unterwegs sind. Um 1075 wurde dort – der Ort galt seinerzeit als das Ende der Welt – mit dem Bau der Kathedrale begonnen, die seit fast einem Jahrtausend Ziel der Pilger ist. 

 Apostel Jakobus 
soll in Spanien missioniert haben 
 44 in Palästina getötet 
 sein Leichnam soll in einem Boot ins spanische Galicien getrieben sein.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Adventsrätsel (das Dreizehnte von vierundzwanzig)

In der Frühe weiß, 
zu Mittag nass. 
Kinder, was ist das?
Auflösung zu Nr. 12

Auflösung zu Nr. 12 von 2013:
(XII waagerecht in der Mitte durchteilt ergibt VII)

 

Heute vor 75 Jahren – 13. Dezember 1937: Japaner beginnen Massaker von Nanking

Gräuel in der chinesischen Hauptstadt 

John Rabe ist in China noch heute einer der bekanntesten Deutschen. Der Kaufmann war in den 1930er-Jahren Repräsentant der Firma Siemens in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking. Nach der Einnahme der Stadt durch japanische Truppen am 13. Dezember 1937 tat er sich als Leiter einer internationalen Sicherheitszone hervor, in der 250.000 Menschen zeitweilig Zuflucht vor Massakern der japanischen Soldaten fanden. In China wird Rabe, der NSDAP-Mitglied war, als der »deutsche, lebende Buddha« verehrt, in den USA nannte man ihn später den »Oscar Schindler Chinas«, weil er mit viel Courage wohl Tausende Chinesen vor dem Tod rettete. 


In Stein gemeißelte Fußspuren in der Gedächntnishalle in Nanking, 1990
 Das Massaker von Nanking während des Japanisch-Chinesischen Kriegs (1937-1945) ist eines der größten Kriegsverbrechen der Geschichte. In wenigen Wochen wurden 300.000 chinesische Kriegsgefangene und Zivilisten grausam umgebracht, dazu wurden etwa 20.000 Mädchen und Frauen systematisch vergewaltigt. Als Rabe nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1938 von den Verbrechen berichten wollte, stellte die Gestapo ihn kalt – schließlich war Japan ein Verbündeter. 

 Was am 13. Dezember noch geschah: 
 1981: In Polen wird nach Streiks und Demonstrationen das Kriegsrecht verhängt
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Das eigene Leben als Kunstwerk verstehen

Selbstbildnis mit sieben Fingern, 1913/14

Wer ein Selbstbildnis von sich schafft, gibt damit auch zu verstehen, dass er das eigene Leben wie ein Kunstwerk betrachtet und wertschätzt. Nicht anders ist es mit Chagalls Selbstbildnis mit sieben Fingern aus den Jahren 1913 und 1914. Wiederum malt Chagall mehr als den Augenschein. Er versucht, das Wesentliche zu zeigen — das, was man nicht sofort sieht, jedenfalls nicht auf den ersten Blick: den inneren Reichtum, der in seiner Geschichte und seiner Seele verborgen liegt. Ein Künstler erfindet nicht, soll Chagalls großer Zeitgenosse und Pariser Kollege Pabio Picasso gesagt haben. Er findet. So verstanden ist auch das Selbstbildnis mit sieben Fingern ein erneuter Versuch Chagalls, sich selbst zu finden und zu verstehen. Er sitzt in seinem Pariser Atelier am Montrnartre. Auf seiner Staffelei steht das Bild einer in messianischer Erwartung tanzend schwebenden Lichtfrau, die im Begriff ist, eine Kuh zu melken. Unter ihr liegt – wie als fernes Echo zu dem im offenen Fenster zu sehenden Eiffelturm – die Kathedrale von Marcs Heimat Witebsk. An diesem Bild ruht die Hand des Malers mit den sieben Fingern. Hier liegt der Ursprung seiner künstlerischen Kraft. Hier hat alles seinen Anfang genommen. Dabei erlangt die Zahl Sieben für Chagall eine mystische, ja beinahe magische Bedeutung. Er selbst wurde am siebten Tag des siebten Monats 1887 in Witebsk geboren – unter dem Siegel der Vollkommenheit und Glück symbolisierenden dreifachen Sieben. Es war ihm ja wirklich nicht an der Wiege gesungen, ein Künstler zu werden. Aber er hatte diesen Traum beharrlich verfolgt. Dass er in Erfüllung ging, empfand Chagall zeitlebens als großes Glück. Ganz wie es seiner Art entspricht (ist „art“ zufällig das englische Wort für „Kunst?), trägt er diese unsichtbare Wahrheit über das Geheimnis seines Lebens, bewusst unbewusst in sein Selbstbildnis ein. Das Bild erschließt mir aber nicht nur Chagalls Selbstverständnis. Es lädt auch dazu ein, die Tür zum Atelier des eigenen Lebens weit zu öffnen, mich selbst zu suchen, zu finden und das eigene Leben als Kunstwerk zu verstehen. über mich selbst zu staunen und das eigene Leben und die Welt zu bewundern, auch dazu ermuntert mich Chagall in diesem Advent. Darauf vertrauen zu können, dass auch mein Leben mir als etwas ganz Besonderes und Einzigartiges geschenkt ist, das ich maßgeblich gestalten und mitschaffen kann, ist ein Lebenskunststück, das mich ein kleiner Junge lehrt, der vom Ende der Welt kam, tief aus der russischen Provinz, und ein weltberühmter Maler wurde.





Ich wundere mich über mich selbst 




Gott, du erforschest mich, und 
du kennst mich. 
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es, 
du verstehst meine Gedanken von ferne. 

Ich gehe oder liege, so bist du um mich 
und siehst alle meine Wege. 
Ja, es ist kein Wort auf meiner Zunge, 
das du, Gott, nicht wüsstest. 

Von allen Seiten umgibst du mich 
und hältst deine Hand über mir. 
Das ist zu wunderbar, zu unbegreiflich, 
zu hoch für meine Gedanken. 

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist? 
Wohin fliehen vor deinem Angesicht? 
Steig ich zum Himmel, so bist du da, 
verbarg ich mich im Tode, 
so bist du auch dort. 

Nehme ich Flügel der Morgenröte 
und bleibe am äußersten Meer, 
so wird deine Hand mit finden 
und deine Rechte mich fassen. 

Spreche ich: Dunkel möge mich decken 
und Nacht statt Licht um mich sein! 
So ist auch Finsternis nicht finster 
für dich, 
und die Nacht leuchtet wie der Tag. 

Denn du hast mich bereitet, 
meinen Leih und meine Seele, 
du hast mich so fein gewoben 
im Leib meiner Mutter.






Mittwoch, 12. Dezember 2012

Adventsrätsel (das Zwölfte von vierundzwanzig)

In welcher Schule haben die Zöglinge Augen 
 und sehen doch nicht?
Auflösung zu Nr. 11

Redewendung

Wer keinen Erfolg hat, vergeblich versucht, ein Ziel zu erreichen, oder es in materiellen Dingen zu nichts bringt, dem sagt man gern nach, dass er auf keinen grünen Zweig kommt. Und das nicht nur, weil Grün als Farbe der Hoffnung gilt.

Allemal ein gutes Zeichen

 Mit der Überreichung eines grünen Zweigs wurde im Mittelalter die Übertragung von Grundbesitz auf einen neuen Eigentümer symbolisch abgeschlossen. Der alte Grundherr übergab den Zweig und damit das Besitzrecht an den neuen Eigner. Zuweilen steckte der Zweig in einem kleinen, aus dem Boden gestochenen Stück Wiese. Wer keinen Erfolg und keine Mittel hatte, kam also nie auf einen grünen Zweig.

 Mit dem Zweig oder dem Holzstab waren auch andere rituelle und symbolische Handlungen verbunden, die sich in Redewendungen erhalten haben. Auf dem »Kerbholz« wurden die Schulden eines Menschen verzeichnet. Musste ein Schuldner seinen Hof verlassen, so hatte er dies mit dem »Bettelstab« in der Hand zu tun. Im 15. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch, dass Richter über dem Haupt Verurteilter sinnbildlich den Stab brachen. Wird heute über jemandem »der Stab gebrochen«, so meint die Wendung eher die moralische Verurteilung einer Person. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Dienstag, 11. Dezember 2012

Beflügelt von den Farben des Lebens


Der Engel mit der Palette, 1927-36
Ich weiß nicht,
woher Chagall diese Bilder nimmt.
Er muß einen Engel
im Kopf haben.
Pablo Picasso


Der Maier mit dem Engel im Herzen (oder im Kopf) – treffender kann man Chagall kaum bezeichnen. Von frühester Kindheit an ist Chagali mit den himmlischen Boten vertraut. Mit der Feier eines jeden Sabbats hatte die Familie Gott darum gebeten, er möge die Engel des Himmels eintreten lassen, die Frieden brachten und tiefe Seelenruhe nach den Anstrengungen und dem Kraftverschleiß des Alltags. Woche für Woche erlebte der kleine Marc diese Verwandlung der Welt im Kreis seiner Familie, Freunde und Nachbarn. Das waren keine frommen Illusionen. Die Ordnung des Sabbats trug wohl sehr zu seinem aufgeräumten Wesen bei. Chagall erlebte gewissermaßen handgreiflich, sinnenhaft und darum buchstäblich begreifbar, wie die Welt immer neu aufgebrochen wurde für die Wirklichkeit Gottes, die einen Frieden und eine Freude brachten, die sich die Welt selber nicht geben konnte. Deshalb komponiert er immer wieder Engel in seine Bildbotschaften hinein. Damit wird er am Ende sogar selber zum Engel mit Palette, der die Welt als beseelt erkennt und das Unsichtbare für alle auf der Leinwand sichtbar macht. Seine Farben empfängt er dabei aus der jenseitigen Welt – hier verkörpert in den bunten Flügeln des Engels. Seine Palette aber ist nicht leer, sondern weiß, sie trägt den Ton des Lichts, die Summe aller Farben.


Der Engel mit der Palette

Unter allen Engeln Gottes, die von Ewigkeit an das Lob des Höchsten singen, gab es einen, den eines Tages eine tiefe Traurigkeit erfüllte. Er hatte eine glockenreine Stimme, war musikalisch wie kaum einer im großen Engelschor und man liebte seine Lieder in den unendlichen Weiten des Himmels wie am ersten Tag. Aber irgendetwas hatte sich verändert. Der Engel hatte das Gefühl, dass die Menschen auf der Erde die Kunst verlernt hatten, die Engel singen zu hören. Zwar versuchten sie, das Leben zu genießen wie nie zuvor. Aber die Dinge waren leer geworden, seelenlos, seit die Stimmen des Himmels scheinbar verstummt waren. Die Menschen waren darüber spürbar unzufrieden und rastlos geworden. Es schien dem Engel, als ob sie die Übereinstimmung mit ihrem Leben verloren hätten. Wie sollten sie aber in ihrer endlichen Welt noch leben können ohne Kontakt mit dem Unendlichen? Wie sollten sie ihr Leben verstehen, ohne die Lieder der Engel zu vernehmen, die von der Liebe sangen, dem letzten großen Geheimnis des Lebens? Was sollte ihrem Dasein Licht und Wärme geben, wenn sie den Funken der göttlichen Gegenwart nicht mehr erkannten, der jedem von ihnen innewohnt? Lange schon bewegte der Engel diese traurigen Gedanken in seinem Herzen, als ihm unvermutet ein Einfall kam. Wenn sie schon nicht mehr die Aufmerksamkeit aufbringen können, uns zu hören, so dachte er, vielleicht gelingt es, ihnen Bilder in die Seele zu senken, die sie daran erinnern, dass ihr Leben mehr ist, als sie vermuten. Vielleicht konnten die Menschen in ihren Träumen wieder zu den Malern und Künstlern ihres eigenen Lebens werden? Vielleicht beseelten sie diese Bilder wieder? Ja, vielleicht gelang es sogar, sie auf diese Weise wieder daran zu erinnern, dass Gott selbst in ihren großen und guten Gedanken wohnte und er selbst in ihnen träumte. So geschah es, dass unser Engel ab diesem Tag nicht mehr zum Chorgesang erschien. Und als der himmlische Chorleiter nach ihm suchen ließ, fand man ihn, wie er auf einer Palette die Farben des Lebens mischte und traumbunte Bilder malte. Seit jenen Tagen ist der Engel mit der Palette Stunde uns Stunde unterwegs, um die heilenden Bilder und Botschaften des Himmels in die Herzen achtsamer Menschen zu senken.




Adventsrätsel (das Elfte von vierundzwanzig)

Immer ist es nah, niemals ist es da. 
Wenn du denkst, du seist daran, 
nimmt es einen anderen Namen an.
Lösung zu Nr. 10