Sonntag, 8. Februar 2015

Das Elend Afrikas am Beispiel Mugabe

Mein Lieblingskontinent ist Afrika. Meine erlebnisstärkste Tour war die Durchquerung des Kontinentes von Kapstadt bis Kairo. Mein Lieblingsland ist Namibia. Mit dessen Geschichte habe ich mich intensiv befasst und habe – wie könnte es anders sein – eine etwas dezidiertere Meinung als die “Historiker”, die modisch all das nachplappern, was gerade so in ist und es sich auf dieser Welle gut leben lässt. Das gilt nicht nur für die blödsinnige Völkermordthese an den Hereros, sondern auch in anderen Bereichen. Nachplappern statt hinterfragen. “Viele Deutsche seien nahezu süchtig, dem gruseligen Märchen vom ersten deutschen Genozid Glauben zu schenken, um sich dafür entschuldigen zu können” hat Schneider-Waterberg mal geschrieben und der Mann kennt mehr von Land und Leute als die akademischen Trockenschwimmer, die einen Anspruch an Geschichte haben, der mir den Atem verschlagen hat: Wenn ein Henning Melber sagt: „Wir reklamieren dabei weder Neutralität noch Unparteilichkeit, sondern das genaue Gegenteil“, dann kann ich mir seine Ergüsse zum angeblichen Völkermord an den Hereros in Namibia sparen. Da wird Geschichte zur Geschichtsshow ohne Wahrheitsanspruch und Historie zur Beliebigkeit. Der Mann ist Mitglied der SWAPO. Was soll der denn sonst schreiben?
mehr:
- Das Elend Afrikas am Beispiel Mugabe (AltermannBlog, 02.02.2015)
Simbabwe-Land in Ruinen 1/3 [9:57]

Hochgeladen am 27.01.2010
Allein die Zahlen waren unfassbar: offiziell 231 Millionen Prozent Inflationsrate. Ein US-Dollar entsprach noch vor kurzem 100.000.000.000.000 Simbabwe-Dollar. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 94 Prozent und immer noch herrscht Cholera.
Und das in einem Land, das nach seiner Unabhängigkeit 1980 als einer der Hoffnungsträger auf dem afrikanischen Kontinent galt, ein Land mit einem Mut machenden Herrscher: Robert Mugabe. Doch: Als sich Robert Mugabe von der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien verraten fühlte, fing er an, die Farmen der weißen Simbabwer zu besetzen. Tausende wurden vertrieben, die Farmen aber keineswegs an hoffnungsvolle schwarze Farmer verteilt, sondern an Minister und Generäle, die das Land brachliegen ließen. Das wirtschaftliche Rückgrat Simbabwes wurde gebrochen.
1999 wurde eine Oppositionspartei gegründet, die "Bewegung für den Demokratischen Wandel", kurz "MDC". Ihre Mitglieder wurden verfolgt, geschlagen und gefoltert. Auch ihr Vorsitzender, Morgan Tsvangirai. Der ist seit dem 11. Februar 2009 Premierminister des Landes, teilt sich zumindest offiziell die Macht mit Robert Mugabe. "Auslandsreporter" reist durch ein Land, das langsame und winzige Fortschritte macht. Südafrikanische Hilfsgelder flossen, aber keine des Westens. Der will erst einmal wissen, ob die Regierung der nationalen Einheit hält. Unterdessen gehen die Farmbesetzungen weiter.


Ramsey Clark – ein amerikanischer Justizminister

Das wird heute eine Hommage an Ramsey Clark. Den muss man nicht kennen. Er war u.a. Justizminister unter Lyndon B. Johnson. Alles andere kann man bei Wikipedia nachlesen. Er hat am 18. März 2006 an der Beerdigung des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević teilgenommen und vor dem Parlament in Belgrad, wo Miloševićs Sarg aufgebahrt war, eine Rede gehalten u.a. mit dem Satz: „Die Geschichte wird beweisen, dass Milošević im Recht war. Anklagen sind nur Anklagen. Das Tribunal hatte keine Beweise“.
mehr:
- Ramsey Clark – ein amerikanischer Justizminister (AltermannBlog, 04.02.2015)

Ramsey Clark – ein amerikanischer Justizminister [7:44]

Hochgeladen am 23.12.2009
From the documentary:
'What I've Learned About U.S. Foreign Policy - The War against the Third World'. (www.addictedtowar.com)
Ramsey Clark,
Former Attorney General of the United States speaking in 1998 in Los Angeles. Ramsey's talk is very powerful as he conveys the sorry truth about U.S. foreign policy. He quotes Martin Luther King Jr. saying, "The greatest purveyor of violence on the earth is my own government."
This is part eight of nine a nine part series.
Dies ist Teil acht einer neun-teiligen Serie.
http://terrorexperte.blogspot.com/

Wer sich nicht blenden ließ, war Ramsey Clark. Dieser aufrechte und ehrenwerte Mann ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur Hardliner vom Schlage McCains in den USA wohnen. Es gibt sie, die kritischen Geister und einem davon sei dieser Beitrag heute gewidmet. Er hat die Friedensorganisation IACenter gegründet und sein Engagement gilt u.a. auch gegen die amerikanische Beteiligung an einem Krieg in der Ukraine und gegen die Russen.

Unter Leitung von Ramsey Clark wurde im Februar 1992 ein Tribunal gebildet, welches die USA in 19 Anklagepunkten beschuldigte, im Golfkrieg gegen den Irak Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Das Tribunal setzte sich aus 21 Richtern der verschiedensten Ethnien und Religionen zusammen. (Ramsey Clark, Laufbahn, Wikipedia)

Samstag, 7. Februar 2015

„Zu viel Political Correctness hat für Verwirrung gesorgt“

Eva Quistorp, Grüne der ersten Stunde, kritisiert den Umgang ihrer Partei mit konservativen islamischen Kräften. Genauso wenig, wie die Grünen früher für eine rechtskonservative katholische Kirche eingetreten seien, sollten sie heute für die konservativen islamischen Vereine eintreten
mehr:
- Ur-Grüne kritisiert Umgang mit dem Islam (Eva Quistorp, Cicero, 03.02.2015)
Nach den grauenhaften Massakern in Paris an Künstlern und Journalisten der Satirezeitung Charlie Hebdo, an Juden und Polizisten, scheint auch in einigen deutschen Zeitungen langsam das Nachdenken zu beginnen: Sie fragen sich, warum so viele junge Männer sich von der rigidesten Form des Islam fasziniert fühlen, die geistig zurück in die Wüste des 7. Jahrhundert will.

Was hat der Islam, der auch in Europa gelehrt wird, mit dem zerstörerischen Heldentum von Selbstmordattentaten gegen sogenannte Ungläubige, Frauen, Kinder, Journalisten, Christen, Jesiden, moderate Muslime und buddhistische, christliche, muslimische Heiligtümer und Kulturdenkmäler zu tun?

Als Antwort darauf sagt Frau Merkel nun, wie Ex-Bundespräsident Christian Wulff einige Jahre vorher: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Welch eine Einsicht! Es ist sicher gut gemeint – gegen ausländerfeindliche Stimmungen. Es wärmt auch die Seelen vieler Muslime in Deutschland. Doch gleichzeitig ist es banal, zu simpel und ein falsches Signal in den Krisen, in denen Europa sich befindet.



Wir müssen in Medien, Politik und Wissenschaft einen europäischen, aufgeklärten Islam fördern. Die meisten Talkshows, Parteien und Universitäten in den letzten Jahrzehnten haben das eher blockiert.

Der liberale, progressive Islam, der zu Europa und Deutschland gehört und wirklich bereichert, ist vorhanden, wenn auch recht schwach. Er wird von Professor Bassam Tibi seit langem gefordert. In Ansätzen finden wir ihn in dem historisch kritischen Grundlagenwerk von Abu Zaid, der im Exil in Leyden lehrte, in Büchern von Hamed Abdel-Samad aus Ägypten, Abdelwahab Meddeb aus Tunesien, Navid Kermani aus Iran, Seyran Ates aus der Türkei, die eine sexuelle Revolution im Islam fordert und endlich liberale Moscheen, wie von Necla Kelek, die die verlorenen Söhne der muslimischen Familien beschreibt. Auch von Mouhanad Khorchide aus dem Libanon am Lehrstuhl in Münster, und bei vielen anderen, die auch ohne Kopftuch oder Burka mit einem Glas Wein und Tanz fromm sein können.
Mein Kommentar: Man überlege sich, was mit den Grünen passiert ist, daß sie von einer Ur-Grünen zur Ordnung gerufen werden. Was ist geschehen, daß die Grünen sich dem konservativen Islam anbiedern, während sie die konservative christliche Kirche noch vor 30 Jahren scharf kritisierten?

Kriegspropaganda mit Tod eines kleinen Jungen

Ukraine ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf mißbraucht getöteten vierjährigen Jungen aus Donezk für Propaganda gegen die Ostukrainer und verdreht absichtlich Tatsachen zu Uglegorsk
mehr:
- Kriegspropaganda mit Tod eines kleinen Jungen (Jens Bernert, Nutzerbeitrag, der Freitag, 06.02.2015)
Wie ein Artikel der Propagandaschau (Weitere Beweise für Eigendorfs Lügenpropaganda in den ZDF heute-Nachrichten vom 3.2.) aufzeigt, nutzt ZDF-Redakteurin Katrin Eigendorf (Moskau) den Tod eines 4-jährigen Kindes für gezielte Propaganda gegen die Aufständischen im Osten der Ukraine. 

Helga Reidemeister wird 75 und nimmt Abschied von Afghanistan

Werkschau Die Dokumentarfilmerin Helga Reidemeister wird 75 und nimmt Abschied von Afghanistan. Porträt einer Künstlerin, die nicht nur beobachtet

Räume voller Scherben. Fragmente von Statuen, zerbrochene Ornamente, ausgebreitet auf weißen Papierbahnen mit der Aufschrift „USAID“. Forscher, die langsam zwischen diesen Scherben umherwandeln und versuchen, aus den Trümmern das kulturelle Erbe Afghanistans zusammenzuklauben. Mehr als 35 Jahre Krieg und der Kulturkampf der Taliban haben an vielen Stellen keinen Stein auf dem anderen gelassen.

Die Szenen zu Beginn von Splitter Afghanistan sind durchaus programmatisch. In ihrem neusten, dritten Dokumentarfilm über Afghanistan sammelt Helga Reidemeister Bruchstücke des afghanischen Lebens auf. Anders als in Mein Herz sieht die Welt schwarz – Eine Liebe in Kabul von 2009 fügen sich die Elemente nur noch vereinzelt zu einer Geschichte.

Der größte thematische Block des neuen Films widmet sich der Arbeit mit Kriegsversehrten, zeigt eine Physiotherapeutin, die über den Verlust der eigenen Beine zur gefeierten Vorreiterin der Behandlung von Minenopfern wurde, und dokumentiert das Werk Alberto Cairos, eines italienischen Mediziners und ehemaligen Anwalts, der in Kabul ein Zentrum zur Versorgung von Kriegsopfern aufgebaut hat.


mehr:
- Partei ist immer echt (Fabien Tiedke, der Freitag, 04.02.2015)

SPLITTER AFGHANISTAN - offizieller Kino-Trailer [2:43]

Veröffentlicht am 06.01.2015
Ab 22.1.2015 im Kino!
http://www.basisfilm.de

SPLITTER AFGHANISTAN erzählt fragmentarisch Geschichten zärtlicher Nähe und existentieller Not.

Im Museum von Kabul versuchen afghanische Archäologen Splitter von jahrtausendealten Kunstwerken zusammenzusetzen, zertrümmert von den Taliban. Unwirklich wirkt dieser Versuch. Straßenszenen der zerstörten Stadt verwirren uns zwischen Neugier und Entsetzen. Das Elend des mehr als dreißig Jahre dauernden Krieges wird lebendig und tut weh.

Doch dann kommt ein Ort der Hoffnung und Hilfe. Unser Erschrecken weicht der Überraschung. Verletzte Menschen, körperliche Not, bein- und armamputierte Männer, Frauen und Kinder werden versorgt. Nicht nur mit Prothesen und Rollstühlen, auch mit Lernangeboten. Freundlich wirkt es hier, fröhlich und auch hoffnungsvoll lebendig - im Orthopädischen Zentrum, Herz des Roten Kreuzes in Kabul. Alberto, der enthusiastische Klinikchef, will an ein Wunder glauben, als es gelingt einen kleinen Jungen - Sher Achmad - zurück ins Leben laufen zu sehen. Wir reisen mit ihm in sein südafghanisches Dorf an der pakistanischen Grenze.

Der Film bringt uns Kriegsverletzte nah in ihrer beeindruckenden Überlebenskraft.

Britisches Gericht urteilt gegen Datenaustausch des GCHQ mit der NSA

Illegal und nicht mit Menschenrechten übereinstimmend sei dies allerdings nur bis Ende 2014 gewesen
Immerhin: Zum ersten Mal seit seinem Bestehen hat ein britisches Gericht, eingerichtet zur Überwachung der Arbeit von Geheimdiensten, ein Urteil abgegeben, das dem Datensammeln des GVHQ Verstöße gegen Menschenrechte vorwirft. Die Bürgerrechtsgruppen, die die Entscheidung angestoßen haben, freuen sich zu Recht darüber. Aber: Auch die Regierung und Vertreter des GVHQ können mit dem Urteil gut leben, wie sie betonen, denn es wird nichts Grundsätzliches ändern. Regierung und Geheimdienst sehen im Urteil eine Bestätigung der Rechtmäßigkeit ihrer Praxis.

mehr:
- xxx (Thomas Pany, Telepolis, 06.02.2015)

Kein Frieden mit der NATO!

Der Historiker und Geschäftsführer der Initiative "Internationale Juristen und Juristinnen gegen den Atomkrieg" Reiner Braun zu den Protesten gegen die Sicherheitskonferenz 
Während sich auf der 51. Münchner Sicherheitskonferenz Politiker und Experten hinter verschlossenen Türen treffen, um sich nach Selbstdarstellung in Gesprächen und Diskussionen "der Förderung friedlicher Konfliktlösung und internationaler Kooperation beim Umgang mit gegenwärtigen und zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen" zu widmen, protestierte vor diesen Türen ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis gegen diese Zusammenkunft. Das sei notwendig, so heißt es im Aufruf, da die Konferenz entgegen ihrer Selbstdarstellung weder dem Frieden noch der Sicherheit diene, sondern vielmehr eine "Versammlung wirtschaftlicher, politischer und militärischer Machteliten vor allem aus den NATO-und EU-Staaten, die sich über Strategien zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Vorherrschaft und über gemeinsame Militärinterventionen verständigen" darstelle.
mehr:
- Kein Frieden mit der NATO! (Jens Wernicke, Telepolis, 07.02.2015)

Obamas Sicherheitsstrategie: USA müssen Supermacht bleiben

Auffallend ist, dass die Vereinten Nationen nicht einmal erwähnt werden, die USA verstehen sich als Führungsmacht mit wechselnden Koalitionen der Willigen
Eigentlich wäre das Weiße Haus verpflichtet, jährliche seine Sicherheitsstrategie dem Kongress vorzustellen. Das hat weder Obama noch sein Vorgänger Bush gemacht, obgleich sie beide Kriege geführt haben. Bush hatte 2002 (Amerikanischer Internationalismus) und 2006 (Die größte Bedrohung geht vom Iran aus) eine Sicherheitsstrategie vorgelegt, Obama erst 2010. Gestern stellte seine Sicherheitsberaterin Susan Rice nicht im Weißen Haus, sondern im Thinktank Brookings Institution die neuen Leitlinien vor.
mehr:
- Obamas Sicherheitsstrategie: USA müssen Supermacht bleiben (Florian Rötzer, Telepolis, 07.02.2015)
zur Abwechslung zitiere ich Wladimir Putin:
Aber was ist eigentlich eine monopolare Welt? Wie man diesen Terminus auch schmückt, am Ende bedeutet er praktisch nur eines: es gibt ein Zentrum der Macht, ein Zentrum der Stärke, ein Entscheidungs-Zentrum.

Es ist die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souveräns. Und das ist am Ende nicht nur tödlich für alle, die sich innerhalb dieses Systems befinden, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen zerstört.

Das hat natürlich nichts mit Demokratie gemein. Weil Demokratie bekanntermaßen die Herrschaft der Mehrheit bedeutet, unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit.

Nebenbei gesagt, lehrt man uns - Russland – ständig Demokratie. Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen.

Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist. Nur nicht, weil für eine Einzel-Führerschaft in der heutigen, gerade in der heutigen, Welt weder die militärpolitischen, noch die ökonomischen Ressourcen ausreichen. Aber was noch wichtiger ist – das Modell selbst erweist sich als nicht praktikabel, weil es selbst keine Basis hat und nicht die sittlich-moralische Basis der modernen Zivilisation sein kann.
[…] Damit ist alles, was heute in der Welt geschieht - und wir fangen jetzt erst an, darüber zu diskutieren – eine Folge der Versuche, solch eine Konzeption der monopolaren Welt, in der Welt einzuführen.


Und mit welchem Ergebnis?


Einseitige, oft nicht legitime Handlungen haben nicht ein einziges Problem gelöst. Vielmehr waren sie Ausgangspunkt neuer menschlicher Tragödien und Spannungsherde. Urteilen Sie selbst: Die Kriege, die lokalen und regionalen Konflikte sind nicht weniger geworden. Herr Teltschik hat ganz leicht daran erinnert. Und es sterben nicht weniger Menschen bei diesen Konflikten als früher, sondern sogar mehr. Bedeutend mehr!


Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophierte Anwendung von Gewalt –militärischer Gewalt - in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, welche eine Sturmflut aufeinander folgender Konflikte in der Welt auslöst. Im Ergebnis reichen dann nicht die Kräfte für eine komplexe Lösung wenigstens eines dieser Konflikte. Eine politische Lösung ist ebenfalls unmöglich.


Wir sehen eine immer stärkere Nichtbeachtung grundlegender Prinzipien des Völkerrechts. Mehr noch – bestimmte Normen, ja eigentlich fast das gesamte Rechtssystem eines Staates, vor allem, natürlich, der Vereinigten Staaten, hat seine Grenzen in allen Sphären überschritten: sowohl in der Wirtschaft, der Politik und im humanitären Bereich wird es anderen Staaten übergestülpt. Nun, wem gefällt das schon?

In den internationalen Angelegenheiten begegnet man immer öfter dem Bestreben, die eine oder andere Frage ausgehend von einer so genannten politischen Zielgerichtetheit auf der Grundlage der gegenwärtigen politischen Konjunktur zu lösen.
Das ist allerdings äußerst gefährlich. Es führt dazu, dass sich schon niemand mehr in Sicherheit fühlt. Ich will das unterstreichen – niemand fühlt sich mehr sicher! Weil sich niemand mehr hinter dem Völkerrecht wie hinter einer schützenden Wand verstecken kann. Eine solche Politik erweist sich als Katalysator für das Wettrüsten (Putin auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2007, Video zu finden unter Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik?, Post, 25.03.2014)

Kapitalismus, Soziale Marktwirtschaft und das Versorgungsstärkungsgesetz

Gegenwärtig plant die Bundesregierung mit dem Gesetzentwurf für ein GKV-Versorgungsstärkungsgesetz eine Ausweitung des Regelwerks für die vertragsärztliche Versorgung. Wir wollen Sie gar nicht im Detail mit allen Ideen des Gesetzgebers konfrontieren, aber einen Punkt möchten wir herausgreifen.

Der Gesetzgeber plant, eine Termingarantie für Facharztbesuche auf Überweisung, verbunden mit einer Terminvermittlungsstelle bei der Kassenärztlichen Vereinigung, einzurichten. Jeder Versicherte, der eine Überweisung zum Facharzt erhält, hat nach dem Gesetzentwurf einen Anspruch auf einen Termin innerhalb von vier Wochen, der ihm durch die TerminservicesteIle vermittelt wird. Versicherte, die einen Augen- oder Frauenarzt aufsuchen wollen, haben den Terminanspruch sogar ohne Überweisung.


Damit reagiert der Gesetzgeber auf die immer wieder aufkeimende Debatte um Wartezeiten auf Facharzttermine. Er lässt dabei aber vollkommen außer Acht, dass die Wartezeiten in Deutschland im Vergleich zu den OECD-Staaten am niedrigsten sind und in dem gedeckelten System der vertragsärztlichen Versorgung einfach keine Kapazitäten zur Verfügung stehen, um alle Behandlungswünsche schneller abarbeiten zu können. Schon jetzt haben wir die Situation, dass im Rahmen der gedeckelten Gesamtvergütung im Facharztbereich rund 25 Prozent der erbrachten Leistungen nicht vergütet werden können. Wo zusätzliche Kapazitäten für schnellere Termine herkommen sollen, liegt zumindest nicht auf der Hand.


Besonders perfide ist, dass für den Fall, dass ein Termin bei einem niedergelassenen Facharzt nicht innerhalb von vier Wochen garantiert werden kann, unsererseits ein Termin in einem Krankenhaus angeboten werden soll, der dann zu Lasten des Budgets der Vertragsärzte geht. Abgesehen davon, dass die Krankenhäuser auch keine Kapazitäten für zusätzliche ambulante Fälle haben, werden perspektivisch noch mehr Leistungen in der ambulanten Versorgung nicht bezahlt werden können. Dies ist weder im Sinne der Patienten, noch in unserem oder Ihrem ureigensten Interesse. Der Gesetzgeber reagiert mit einem untauglichen Mittel und das ausschließlich zu Lasten der niedergelassenen Vertragsärzte, obwohl er selbst gefordert wäre, eine vernünftige Patientensteuerung einzuführen.


Wir alle wissen, dass die Termingarantie in der Großen Koalition der Kompromiss zwischen der Bürgerversicherung einerseits und dem Erhalt des Systems GKV und PKV andererseits ist. Die Zeche sollen allein die niedergelassenen Vertragsärzte bezahlen. Und auch die vermeintlich bevorteilten Patienten wird die TerminservicesteIle nicht glücklich machen. Sie werden erwarten, dass sie ihren Wunschtermin bei der TerminservicesteIle telefonisch vereinbaren können. So wird es aber nicht sein. Wenn überhaupt wird eine TerminservicesteIle einen Termin bei einem Facharzt der jeweiligen Fachgruppe zu einem x-beliebigen Termin an einem x-beliebigen Ort vermitteln, persönliche Arzt-Patienten-Bindungen spielen keine Rolle mehr.


Seit Vorlage des ersten Gesetzentwurfs haben wir auf allen Ebenen insbesondere gegen die TerminservicesteIle gekämpft. Wir alle müssen auch in den kommenden Wochen und Monaten unsere jeweiligen Möglichkeiten nutzen, um diese Termingarantie, verbunden mit der TerminservicesteIle, zu verhindern. Noch ist das Gesetz nicht beschlossen.

aus einem Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
siehe auch:
- Versorgungsstärkungsgesetz: Der erste Aufschlag ist gemacht (Falk Osterloh, Sabine Rieser, Deutsches Ärzteblatt,  111/2014)

mein Kommentar: 
muggling through (Durchwursteln) allenthalben… In dem durch den damaligen Kanzler Schröder nach Jahren Kohl’schen Aussitzens mühselig geflickten Sozialen Netzen knirscht es überall. Unser Sozialsystem ist so nicht mehr finanzierbar. Jetzt wird versucht die Zitrone noch ein wenig weiter auszuquetschen. Mal sehen, wo noch was geht… Da prügeln wir doch medienwirksam auf angeblich narzißtisch gestörte russische Präsidenten ein, um vom Mißlingen des Kapitalismus, der sozialen Merktwirtschaft und entfesselter Finanzmärkte abzulenken. Wir Ärzte, die wir uns genauso dumm und dämlich verdienen wie Putin ein gestörter Narzißt ist, bekommen den nicht regulierbaren Dreck zugeschoben und müssen uns mit unseren Patienten darüber auseinandersetzen. Und weil wir Ärzte – bis auf einige medienwirksam zur Strecke gebrachten Arschlöcher – am Helfersyndrom leiden, geben wir weiterhin die Schmiere in diesem Killer-System.

Medizinerinnen und Mediziner weisen empirisch belegt eine höhere Suizidrate auf als die Allgemeinbevölkerung auf. Die Selbsttötungsraten sind nach den Ergebnissen von 14 internationalen Studien 1,3-3,4-fach höher, die für Medizinerinnen sogar 2,5-5,7-fach höher als bei vergleichbaren Nichtmedizinerinnen. Die Geschlechterverteilung bei den Ärztinnen und Ärzten ist interessanterweise "ausgewogen", während sich in der Allgemeinbevölkerung Männer 2,5 mal häufiger suizidieren als Frauen.

In einer norwegischen Studie gab ein Viertel der Medizinerinnen und Mediziner an, manchmal oder häufig das Gefühl zu haben, das Leben sei nicht mehr lebenswert. Jeder Zehnte der Befragten hatte sogar ernsthafte Suizidabsichten. Eine deutsche Studie erbrachte noch erschreckendere Ergebnisse: Die Hälfte der Medizinerinnen und Mediziner gab an, in ihrem Leben bereits Suizidabsichten gehabt zu haben, zwei Drittel halten es für möglich, dass sie sich in Zukunft suizidieren.

mehr:
- Suizidalität bei Medizinerinnen und Medizinern (Melanie Hüttemann, Thieme, 08.06.2011)
Zitat:
»Depressive Störungen und Substanzabusus sind die häufigste Ursachen für einen Suizid. Verschiedene Studien mit psychiatrischen Interviews oder Depressivitätsskalen ergeben, dass Medizinerinnen und Mediziner signifikant häufiger als die Allgemeinbevölkerung eine depressive Symptomatik zeigen (23-31% der Medizinerinnen und Mediziner im ersten Jahr ihrer Assistenzarztzeit zeigen eine depressive Symptomatik gegenüber 15% der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung), wobei Medizinerinnen besonders depressionsgefährdet sind. Dafür wird die extrem hohe Arbeitsbelastung im Arztberuf und die Müdigkeit aufgrund von Überstunden und Schlafmangel verantwortlich gemacht. Bezüglich des Substanzabusus' ist beachtenswert, dass 10-15% der Mediziner im Laufe Ihres Lebens mit Alkohol und anderen Drogen Probleme haben.«

Ärzte stehen unter einem enormen Stress: unzählige Überstunden und die ständige Konfrontation mit Leiden und Tod, der erhöhte Stresslevel und eine Burnout-Symptomatik bringen Ärzte an den Rand der Belastungsfähigkeit. Ärzte erleben eine Verantwortlichkeit für Leben und Tod, bei gleichzeitigem Bewusstsein der Grenzen ärztlichen Handelns. Die meisten Ärzte erleben in dieser Situation keine Unterstützung, sie werden auf diese Verantwortung weder vorbereitet, noch werden sie dabei psychologisch unterstützt. In keiner Berufsgruppe findet man eine solche Verantwortung bei einer gleichzeitig derart vernachlässigten Unterstützung von außen, beklagen die Autoren. Ärztinnen und Ärzte nehmen häufig keine Hilfe in Anspruch, obwohl Ihnen natürlich der Zugang zu professioneller Hilfe offen steht. Sie müssen einerseits befürchten, dass der behandelnde Arzt sie eher als Kollege denn als Patienten ansieht, was einer adäquaten Therapie möglicherweise im Wege steht, andererseits steht in einigen Fällen die Approbation auf dem Spiel. Ärztinnen und Ärzte, die einen Kollegen konsultieren und ihm von Major-Depressionen mit Suizidalität und Substanz-Abusus berichten, stehen möglicherweise am vorläufigen Ende ihrer beruflichen Karriere
.


Ihrer eigenen seelischen Gesundheit zu Liebe sollten sich Ärzte nicht uneingeschränkt für ihre Patienten und ihren Arbeitgeber aufopfern - die Arbeit darf nicht der einzige Lebensinhalt und Lebenssinn sein. Es ist von immenser Wichtigkeit, dass Ärzte trotz ihrer anstrengenden und zeitintensiven Arbeit Freundschaften und Partnerschaften nicht vernachlässigen. Notwendig ist, so das Fazit der Metastudie eine "Distanz und klare Grenzziehung". Die Autoren formulieren auch, was von Arbeitgeberseite konkret notwendig ist: eine Umsetzung der EU-Richtlinie zur Arbeitzeit, nicht zuletzt, weil die Lebensqualität von Ärztinnen und Ärzten mit 55 und weniger Arbeitsstunden deutlich höher eingestuft werde als die von Ärzten mit 70 und mehr Überstunden.
 
[Hervorhebungen im Artikel, man beachte die Kommentare!] 
siehe auch:
- Zwischen Berufung und Burn-out - wenn der Arztberuf krank macht (Christiane Groß, Rheinisches Ärzteblatt, Oktober 2009)
- Deutschlands Krankenhausärzte unter hohem Arbeits- und Zeitdruck (Arbeitsschutz Sachsen)

Donnerstag, 5. Februar 2015

Griechenland-Krise - Der deutsche Kurs ist krachend gescheitert

Déjà-vu in der Griechenland-Krise: Wie schon 2010 sträubt sich Deutschland gegen Hilfe. Das kann nicht gut gehen Wann ist eine Haltung dogmatisch? Wenn man nicht mehr darüber reden kann. Genau das scheint das Problem mit der deutschen Haltung gegenüber Griechenland zu sein. Man kann nicht darüber reden, denn alles andere würde europäische Prinzipien und Verträge verletzen – sagt jedenfalls Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Merkwürdig nur, dass die meisten EU-Politiker das völlig anders sehen. In Brüssel behauptet niemand, dass die in Griechenland besonders umstrittene Troika in den EU-Verträgen verankert sei. In Brüssel hat auch noch niemand ein Prinzip entdeckt, das es verbieten würde, über Schulden zu reden, oder über eine Umschuldung.

Im Gegenteil: Sie reden miteinander, die Herren Tsipras, Juncker, Tusk und Schulz. Am Mittwoch haben sie sich in Brüssel getroffen und in aller Freundschaft, mit Wangenkuss und Schulterklaps, über die Probleme und Wünsche Griechenlands diskutiert. Tabus hat es dabei, so weit erkennbar, keine gegeben. Ganz im Gegenteil.

EU-Kommissionspräsident Juncker hat sich bereits für eine Abschaffung der Troika ausgesprochen. Parlamentspräsident Schulz stimmt Tsipras zu, dass die neue Regierung in Athen nun auch einmal die Reichen zur Kasse bitten sollte. Und Ratspräsident Tusk hat Gespräche über eine Umschuldung zumindest nicht ausgeschlossen. Geht doch!

All das und noch viel mehr sollte auch in Berlin gehen, wenn der griechische Finanzminister Varoufakis seinen Amtskollegen Schäuble trifft. Schließlich liefert Varoufakis eine Steilvorlage: Nie und nimmer wolle Athen sein Konto überziehen, die Zeiten des Budgetdefizits seien ein für allemal vorbei, sagte er in einem „Zeit“-Interview.

Das ist voll auf Schäuble-Linie - wie auch viele andere Äußerungen des neuen griechischen Kollegen. Innerhalb nur einer Woche hat Varoufakis bereits viel Kreide gefressen; mit seinem Interview ist er auf Schäuble zugegangen. Nun sollte sich auch der deutsche Kassenwart bewegen und seine dogmatische Haltung überwinden.

mehr:
- Der deutsche Kurs ist krachend gescheitert (Eric Bonse, Cicero, 04.02.2015)

siehe auch:
- Griechenland: Was läuft hier eigentlich? (Post, 27.10.2011)

Esther Duflo – Die moderne Mutter Teresa

Was wirkt gegen Krankheit und Armut? Die Ökonomin Esther Duflo testet das systematisch. Anfangs stieß ihre Methodik vor allem bei NGOs auf Widerstand. Jetzt wird sie für den Nobelpreis gehandelt
Klein. Frau. Französin. In der von großen, meist männlichen Egos geprägten Welt der amerikanischen Ökonomen ist Esther Duflo exotisch. Zumal sie über Armut forscht – für ehrgeizige US-Jungakademiker ähnlich attraktiv wie beten. Aber Duflo hat die Außenseiterdisziplin Entwicklungsökonomie mit ihrer Arbeit revolutioniert. Bill Gates liest ihre Bücher, Weltbank-Chef Jim Yong Kim gehört zu ihren Fans – und U2-Sänger Bono gratulierte persönlich zum 10.  Jubiläum des von Duflo gegründeten Poverty Action Lab am Massachussets Institute of Technology im vergangenen Dezember.
mehr:
- Ökonomin Esther Duflo – Die moderne Mutter Teresa (Christine Mattauch, Cicero, 02.05.2015)

Mordauftrag für Charlie-Hebdo-Eigentümer

Der ehemalige pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour will 100.000 Dollar Prämie an die Verwandten der Attentäter vom 7. Januar auszahlen
Der 74-jährige Haj Ghulam Ahmad Bilour ist ein Abkömmling der lokalen Oligarchie in der pakistanischen Stadt Peschawar. Als seine Paschtunenpartei Awami National Party (ANP) von 2008 bis 2013 in Pakistan mitregierte, wurde er Eisenbahnminister. In dieser Zeit ging es mit Pakistan Railways bergab, was (wie manche Beobachter vermuten) nicht nur an Inkompetenz lag sondern auch an Bilours Verbindungen zur "Lastwagenfahrermafia". In einer öffentlichen Stellungnahme versuchte der Minister damals sein Versagen mit einem Verweis auf Saudi-Arabien zu rechtfertigen: Wenn dieses religiös vorbildliche Land keine funktionierende Eisenbahn habe, dann brauche Pakistan auch keine.
Nun erregt Bilour internationales Aufsehen, weil er während einer Parlamentsdebatte eine Belohnung in Höhe von 200.000 Dollar für die Ermordung des "Eigentümers" der Satirezeitschrift Charlie Hebdo versprach. Deren Redaktion war am 7. Januar Opfer eines Anschlags von Dschihadisten geworden und hatte auf das durch Mohammed-Karikaturen motivierte Massaker mit neuen Mohammed-Karikaturen reagiert, die Islamisten erneut in Schnappatmung versetzen. Andere Abgeordnete im pakistanischen Parlament widersprachen Bilours Kopfgeldauslobung nicht – möglicherweise auch deshalb, weil sie fürchten müssen, in solch einem Fall selbst Opfer einer Blasphemie-Hexenjagd zu werden. Im September 2012 hatte der Paschtunenpolitiker schon einmal 100.000 Dollar für die Ermordung eines Kopten ausgesetzt, der im Verdacht steht, ein als blasphemisch kritisiertes Mohammedvideo produziert zu haben. Die bislang nicht ausgezahlten 100.000 Dollar Kopfgeld aus seiner Auslobung von 2012 will Bilour nun an Verwandte der Charlie-Hebdo-Redaktionsmörder Chérif und Saïd Kouachi auszahlen.

mehr:
- xxx (Peter Mühlbauer, Teleplis, 05.02.2015)

Ukraine: Ex-Ministerpräsident glaubt an US-Putschplan

Mykola Asarow hat in Moskau sein Buch "Ukraine am Scheideweg" vorgestellt. 
Der Ingenieur Mykola Asarow wurde 1947 im russischen Kaluga als Sohn einer Russin und eines Esten geboren. In den 1980er Jahren wurde er Direktor des Bergbauinstituts von Donezk und in den 1990ern Politiker. Im März 2010 wählte der Werchowna Rada den damaligen Vorsitzenden der Partei der Regionen zum Ministerpräsidenten der Ukraine. Am 28. Januar 2014 trat Asarow von diesem Posten zurück, um (nach eigenen Angaben) einem Kompromiss zwischen dem damaligen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch und dessen Gegnern nicht im Weg zu stehen.
Nun hat er in Moskau sein Buch Ukraina na Pereputje ("Ukraine am Scheideweg") vorgestellt. Darin wirft er den USA vor, die Maidan-Proteste in Kiew mit vorbereitet zu haben, um den (um ein gutes Verhältnis zu Moskau und zu Brüssel bemühten) damaligen Staatspräsidenten zu entmachten. Um das zu verschleiern, hätten westliche Politiker bewusst getäuscht und gelogen. Dass der Ruf nach Änderungen im politischen System und nach Korruptionsbekämpfung nur vorgeschoben war, zeigte sich Asarows Ansicht nach unter anderem darin, dass Janukowitsch gestürzt wurde, nachdem er ein von der Opposition gefordertes Abkommen über Reformen unterzeichnet hatte. Wäre der Donezker mit polnischen Wurzeln nicht nach Russland geflohen, dann hätte ihm Asarows Worten nach ein Schicksal wie das von Muammar al-Gaddafi gedroht, der 2011 anal gepfählt wurde.
mehr:
- Ukraine: Ex-Ministerpräsident glaubt an US-Putschplan (Peter Mühlbauer, Telepolis, 05.02.2015)


Dazu zwei Zitate von Frank Zappa:
»The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater.«
»Politik ist die Unterhaltungsabteilung des militärisch-industriellen Komplexes

Assange sitzt in aussichtsloser Lage fest

Großbritannien hat bereits 10 Millionen Pfund zur Überwachung des in der Botschaft Ecuadors festsitzenden WikiLeaks-Gründers ausgegeben und übt Druck auf Ecuador aus
Seit Juni 2012 lebt WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange im politischen Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London. Schweden verlangt weiterhin die Auslieferung, um eine Anhörung wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe durchführen zu können. Schweden hatte es abgelehnt, Assange in der Botschaft zu verhören. Die USA, die Assange Spionage vorwerfen, haben keinen Auslieferungsantrag gestellt, angeblich auch nicht an Schweden.

mehr:
  - Assange sitzt in aussichtsloser Lage fest (Florian Rötzer, Telepolis, 05.02.2015)

Dienstag, 3. Februar 2015

Der Kampf um die Wahrheit

Durch den Krieg wurde auch die Medienlandschaft der Ukraine zweigeteilt. Im besetzten Donbass werden nun neue, den Separatisten genehme Redaktionen gegründet.
mehr:
- Ukraine-Krieg: Der Kampf um die Wahrheit (Jutta Sommerbauer, ZEIT Online, 28.01.2015)

Das Versagen der selbstgerechten Etablierten

Der Populismus der Gegenwart ist keine Bewegung der völlig Abgehängten, sondern ein Phänomen der breiten unteren Mitte. Er fußt in der globalisierten Wirklichkeit und setzt an tatsächlichen Missständen an. Wo Eliten diese Probleme leugnen, werden sie den Populismus nicht zurückdrängen können
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- Das Versagen der selbstgerechten Etablierten (René Cuperus)
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Die entscheidende Frage also lautet, wie das linke politische Lager auf diese Entwicklungen reagieren kann. Das Problem ist, dass die Parteien der linken Mitte die aktuelle Situation mit zu verantworten haben, denn durch die Reform- und Austeritätspolitik haben sie den populistischen Unternehmern und Abenteurern erst den nötigen Raum gegeben. Beispiel Niederlande: In den siebziger Jahren haben wir die klassisch-sozialdemokratische Partei PvdA modernisiert und in eine fortschrittliche Partei verwandelt. Wir propagierten in erster Linie postmaterialistische Werte – durchaus vergleichbar mit den Grünen Parteien in Europa heute. Nicht gute Arbeit, sondern Kernenergie, Feminismus, Entwicklungshilfe und Multikulturalismus standen im Mittelpunkt unserer Politik. Die gesellschaftlichen Spannungen zwischen dem Weltbild der Akademiker und der Nicht-Akademiker wurden damals noch durch den Sozialvertrag über den allgemeinen Wohlfahrtsstaat abgemildert. Das schien zu funktionieren, zumindest für eine Weile. Doch als wir, die postmodernen Sozialdemokraten, den Sozialvertrag brachen oder sogar verrieten, wie die permanenten Reformen des Sozialstaats bisweilen wahrgenommen wurden, öffneten wir dem Misstrauen Tür und Tor. Zorn, Ressentiments und Frustration waren die Folge.

Wir müssen verstehen, dass der Populismus in der Wirklichkeit fußt. Er kommt nicht einfach aus dem Nirgendwo. Populistische Bewegungen repräsentieren äußerst reale Ängste und Sorgen, die wir ernstnehmen müssen. Dass die Gebildeten die weniger gebildete Klasse und deren legitime Sorgen verachten, ist alles andere als hilfreich. Ebenso wenig nützt es, den schlechter ausgebildeten Bürgern ihren niedrigeren Bildungsgrad und ihren mangelnden Enthusiasmus in Bezug auf Europa zum Vorwurf zu machen. Denn dabei gerät aus dem Blick, dass die Menschen mit geringerer Bildung im Alltag sehr viel direkter mit den Komplexitäten der europäischen Integration und Einwanderung konfrontiert sind als die Akademiker, die sich die so genannte weiße Flucht in weniger multikulturelle Stadtteile, Schulen und Sportklubs leisten können. […]

Das vielleicht größte Problem aber besteht darin, dass die besser ausgebildete Hälfte der Gesellschaft ein falsches Selbstbild entwickelt hat: Die Leute geben vor, kosmopolitisch und universalistisch, für Einwanderung und gegen Islamophobie, für die EU und gegen eine Politik des „Law and Order“ zu sein. Doch viele dieser Einstellungen beruhen zumeist nur auf dem Bemühen um soziale Statusabgrenzung gegenüber den als ordinär und vulgär wahrgenommenen unteren Klassen. Denn wie kosmopolitisch, pro-europäisch und islamfreundlich ist diese akademische Elite bei genauerer Betrachtung wirklich? Provozierend kann man sagen: Die wirkliche Avantgarde sind heute die weniger Gebildeten, indem sie auf die Schattenseiten der Globalisierung hinweisen und die ungerechte und ungleiche Lastenverteilung der Globalisierung auf die politische Agenda setzen. Es gibt also auch Hoffnung: In Wirklichkeit sind die besser und die weniger gut ausgebildeten Bürger einander in Gesellschaftsfragen vielleicht näher als angenommen. Daraus könnten sich ein neues wechselseitiges Verständnis und eine neue Zusammenarbeit entwickeln.

Grenzen in einer entgrenzten Welt

Der Prozess der Globalisierung schien die Verflüssigung aller Verhältnisse zu bedeuten. Doch gerade Phänomene der Grenzenlosigkeit gehen überall einher mit neuen Abgrenzungen
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- Grenzen in einer entgrenzten Welt (Markus Schroer, Berliner Republik, 6/2014)
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Schon ein oberflächlicher Blick auf die politische Weltkarte zeigt uns, dass Grenzen nach wie vor existieren und sogar zahlreiche neue hinzugekommen sind: Zwischen Nord- und Südkorea verläuft noch immer ein „Eiserner Vorhang“; die Vereinigten Staaten versuchen sich vor illegalen Einwanderern aus Mexiko mit einem über 3 000 Kilometer langen Grenzzaun zu schützen; die Israelis errichten eine Sperranlage zwischen dem von ihnen beanspruchten Land und den Gebieten der Palästinenser; ein meterhoher Zaun trennt Indien von Bangladesch; die EU umgibt sich mit starken Außengrenzen und rüstet die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla so auf, dass Europa aus der Perspektive von „unerwünschten Einwanderern“ immer mehr wie eine uneinnehmbare Festung erscheint, in die sie gleichwohl verzweifelt zu gelangen versuchen[…] Befestigungsmauern, Stacheldraht und Grenzbefestigungen sind also keineswegs von der internationalen Bildfläche verschwunden. Im Gegenteil: Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Zerfall Jugoslawiens kam es zu etlichen neuen Staatsgründungen – von Estland über Serbien bis Georgien –, die mit der Errichtung neuer Grenzanlagen einhergingen. Diese intensive Produktion von Grenzen macht deutlich, was Grenzen gerade nicht sind und auch niemals waren: natürlich. Zwar sind natürliche Barrieren wie Flüsse, Küstenstreifen oder Gebirgszüge in der Vergangenheit immer wieder zu Grenzen erklärt worden, inzwischen aber herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Grenzen das Produkt menschlicher Handlungen sind. In der Konsequenz heißt dies, dass auch der Verlauf von Grenzen veränderlich ist: Grenzen können ab- und wieder aufgebaut werden.

Die primäre Funktion der Grenze besteht darin, die Intensität von sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Austauschbeziehungen zu regulieren, wobei Grenzen hinsichtlich ihres Durchlässigkeitsgrades variieren. Nur solange die Möglichkeit besteht, das Ausmaß der Grenzüberschreitungen regulieren und kontrollieren zu können, ist eine Grenze wirklich eine Grenze. Das Ziel einer Grenzerrichtung dürfte in den wenigsten Fällen darin bestehen, sie immer offen oder dauerhaft geschlossen zu halten. In aller Regel geht es darum, einen geregelten Verkehr von Personen zu ermöglichen. Grenzen bilden den Ort, an dem Grenzübertritte gewährt oder untersagt werden. Während bestimmte Menschen als unerwünscht zurückgewiesen werden, wird anderen die Einreise erlaubt. Je nach Bedarf des Einreiselandes können sich die Kriterien für die Entscheidung „erwünscht oder unerwünscht“ durchaus verändern. Grenzen sind Selektionsmaschinen, die einen Unterschied zwischen Einheimischen und Ausländern, innen und außen sowie eigen und fremd markieren.

Zur immanenten Ambivalenz der Grenze gehört, dass sie zwar Trennungen vornimmt, das Getrennte aber zugleich in Beziehung zueinander setzt. Beide Seiten – innen und außen, heimisch und fremd – sind wechselseitig konstitutiv. In dieser elementaren Funktion eines auf Differenz gegründeten Sozialen scheint auch der Grund für das hartnäckige Überdauern von Grenzen zu liegen. Weniger selbstverständlich ist hingegen, dass Grenzen sich im Raum …einschreiben. […] Grund genug, um das irenische Nachdenken über den Raum neu auszurichten und die Kämpfe um Raum wieder in den Vordergrund zu rücken. Nicht die wissenschaftlichen Theorien und Modelle bestimmen, mit welcher Art von Räumen und Konflikten wir es zu tun haben, sondern die handelnden Akteure. Wird dies nicht berücksichtigt, drohen fatale Fehleinschätzungen von politischen Situationen, vor denen auch eingefleischte Politprofis nicht gefeit sind: Erst kürzlich hat der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer in einem Interview mit dem Spiegel Wladimir Putins vermeintlich antiquierte Sicht der Dinge kritisiert: „Sein Kardinalfehler ist es zu glauben, dass Macht auch im 21. Jahrhundert von territorialer Größe abhängt. Aber sie hängt vor allem von wirtschaftlicher Stärke und einer breiten gesellschaftlichen Modernisierung ab.“

Die gut gelaunt Resignierten

In der nächsten Generation von Akademikern gilt es als politisches Engagement, sich vegan zu ernähren oder eine Petition gegen Markus Lanz zu unterschreiben. Warum sind Deutschlands Studierende heute so angepasst und desinteressiert?
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- Die gut gelaunt Resignierten (Christiane Florin, Berliner Republik, 6/2014)
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Nur 32 Prozent der Befragten halten Politik und öffentliches Leben für relevant, so das Ergebnis des Studierendensurveys. Dies sei ein Tiefstand, bemerken die Autoren ratlos. Noch im Jahr 2001 hatten immerhin 45 Prozent ein starkes Interesse bekundet. Als „bedauerlich“ bezeichnete die zuständige Ministerin diesen Rückgang um knapp ein Drittel – und ging zur Tagesordnung über.
Politisches Engagement war immer die Sache einer Minderheit, auch 1968. Es nützt nichts, den heute 20-Jährigen die Was-waren-wir-jung-und-wild-Geschichten zu erzählen. „Provoziert euch doch selbst!“, erwidern die Kritisierten auf Online-Foren eher höflich als mit ausgestrecktem Mittelfinger – und wenden sich der nächsten Prüfungsvorbereitung zu.
Wer in den Seminarräumen der Uni etwas genauer nachfragt, was es mit diesem Desinteresse auf sich hat, bekommt zwei Sorten von Antworten. Die erste lautet: Ist doch egal, ob CDU, SPD oder Grüne regieren, im Großen kann ich eh nichts ändern! Also versuche ich, für mich im Kleinen das Optimum rauszuholen. Der Studierendensurvey belegt diese Egal-Haltung: Es sei auffällig, dass sich immer weniger Studenten in ein Rechts-links-Schema einordnen wollen. Vor allem die Selbsteinschätzung als „links“ ist nicht mehr hip; sie gilt nicht mehr als Synonym für die Sehnsucht nach Veränderung. Woher soll diese Sehnsucht auch kommen, wenn sich abseits der Politik schon so viel verändert?

Frieden von unten

Seit Jahren ist der Nahe Osten eine, wenn nicht die Krisenregion der Welt. Doch in diesem Jahr hat sich die Lage noch einmal dramatisch zugespitzt, speziell in Palästina und Israel. Nach dem verheerenden Krieg gegen den Gazastreifen droht sich der Konflikt religiös und sprachpolitisch aufzuladen, unter anderem durch die Vorlage eines neuen Nationalitätsgesetzes. Käme dieses durch die Knesset, wäre die arabische Sprache als offizielle Landessprache in Israel nicht mehr vorgesehen. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass immer wieder selbst israelische Militärs und Geheimdienstkräfte darauf aufmerksam machen, dass die Sicherheit Israels durch die Fortsetzung des jetzigen politischen Kurses stärker gefährdet ist als durch eine neue Politik der Gleichberechtigung und für friedliche Koexistenz.
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- Frieden von unten – Initiativen gegen Gewalt in Israel und Palästina (Eva Senghaas-Knobloch, Blätter für deutsche und internationale Politik)


Im November 2014 wandten sich daher 106 ehemalige IDF-Generäle, Mossad-Agenten und Polizeikommissare in einem Offenen Brief an den israelischen Premierminister Netanjahu, um ihn zu dem fälligen „diplomatischen Prozess“ aufzufordern, der auf einem regionalen Rahmen für einen Frieden mit den Palästinensern basieren müsse. Einige der Unterzeichner erklärten, dass Israel die Stärke und Mittel zur Erreichung einer Zweistaatenlösung hätte, die kein Sicherheitsrisiko darstelle. Und Generalmajor d. R. Eyal Ben-Reuven warnte im israelischen Fernsehen: „Wir befinden uns auf einer steilen Abfahrt in Richtung auf eine zunehmend polarisierte Gesellschaft und einen moralischen Zerfall wegen der Notwendigkeit, Millionen von Menschen unter Besatzung zu halten mit Behauptungen, die im Zusammenhang mit der Sicherheit genannt werden.“[2]

Auch der israelische Präsident, Reuven Rivlin, sprach während einer Konferenz im Herbst 2014 von einer „Erkrankung“ der israelischen Gesellschaft. Viele Araber seien in Israel Rassismus ausgesetzt.[3] Und schon Mitte Oktober hatten 363 namhafte israelische Persönlichkeiten, unter anderen ehemalige Diplomaten und Minister, in einem Brief das britische Parlament aufgerufen, sich für eine Anerkennung des Staates Palästina auszusprechen, was nicht dort, aber später in Schweden Gehör fand.[4]

Das Besatzungsregime als Kern des Problems

Der Kern des Problems ist die anhaltende Besatzung des palästinensischen Gebiets. Sie verhindert bis heute, dass zwei Völker mit gleicher Würde und auf Augenhöhe über die Art des Zusammenlebens miteinander sprechen können. Die dramatische Konsequenz: Die Palästinenser werden in dieser aussichtslos erscheinenden Situation faktisch dazu genötigt, Widerstand zu leisten als Recht und als Pflicht – so die Position von Gideon Levy, eines wegen seiner unermüdlichen kritischen Reportagen von Landsleuten bedrohten israelischen Journalisten. In der Zeitung „Haaretz“ hat er diesen Gedanken am 26. Oktober 2014 so eindringlich formuliert, dass er an dieser Stelle ausführlich zitiert sei: „Man stelle sich vor, ein Palästinenser zu sein; vielleicht ein Bewohner Ost-Jerusalems. 47 schwierige Jahre liegen hinter einem; eine große deprimierende Dunkelheit liegt vor einem. Die israelische Tyrannei, die dein Schicksal dem Untergang weiht, erklärt arrogant, dass alles auf immer so bleibt. Deine Stadt wird unter Besatzung bleiben – auf immer und ewig. Der Verteidigungsminister, der Zweite in der Regierung, die dich unterwirft, sagt, es wird niemals ein palästinensischer Staat errichtet werden. Man stelle sich vor, man sei Palästinenser und deine Kinder sind in Gefahr. Vor zwei Tagen töteten die Besatzungsmächte noch ein Kind, weil es ‚eine Feuerbombe angezündet’ habe. Die Wörter ‚Tod den Arabern!’ wurden nahe deiner Wohnung an die Wand gesprüht. Wohin man sich auch wendet, schreit dich ein Soldat oder die Grenzpolizei an. Jede Nacht könnte deine Wohnung brutal überfallen werden. Du wirst nie wie ein menschliches Wesen behandelt. Sie werden zerstören, demütigen, einschüchtern, vielleicht dich auch verhaften – möglichst ohne Gerichtsverhandlung. […] Die Palästinenser haben fast alles versucht – was auch immer geschieht – Verhandlungen und Terror mit einer Karotte und mit einem Stock, mit einem Stein und mit Bomben; in Demonstrationen und mit Selbstmordangriffen. Alles vergeblich. Werden sie verzweifeln und aufgeben? Das ist fast nie in der Geschichte geschehen, also werden sie weitermachen. Manchmal verwenden sie legitime Mittel, manchmal hässliche. Es ist ihr Recht zu widerstehen. Sie wollen nicht, dass Israel sie weiter terrorisiert, also leisten sie Widerstand. Sie werfen Steine und Brandbomben. So sieht Widerstand aus. Zuweilen handeln sie mit Mord auf abscheuliche Weise. Aber selbst dies ist nicht so schlimm wie die Gewalt des Besatzers. Es ist ihr Recht, es ist ihre Pflicht zu widerstehen.“[5]
West-Eastern Divan Orchestra Performs Beethoven {2:52}
Veröffentlicht am
PBS News Hour
The West-Eastern Divan Orchestra performs Beethoven's Symphony No. 3 at a recent concert in Boston.
Frieden in welchen Grenzen?
Angesichts dieser gewaltträchtigen Situation in Israel und Palästina kommt es umso mehr darauf an, den gesamten historischen Kontext in den Blick zu nehmen. Gleichzeitig ist dabei einer Gefahr zu wehren: Der gebannte Blick auf Gewalt, Tod und Zerstörung blendet die vielfältigen zivilgesellschaftlichen Bewegungen aus, in denen sowohl besorgte israelische als auch palästinensische Frauen und Männer gegen die Gewalt protestieren und ihre jeweiligen Landsleute auf eigene Handlungsmöglichkeiten für eine Überwindung der gewaltträchtigen Situation aufmerksam machen.
Von mehr als 120 Initiativen insgesamt ist heute die Rede. Viele verlangen ein Ende des israelischen Besatzungsregimes und die Anerkennung Palästinas, auch wenn dies nur ein symbolischer Akt sein wird. Von ihnen geht eine realpolitische Bewegung aus, die auf einen rechtsbasierten Frieden zielt.
Verständlicherweise haben, schon aufgrund der asymmetrischen Konfliktstruktur, die Aktivitäten israelischer Bürgerinitiativen andere Schwerpunkte als die palästinensischen Initiativen. Doch allen geht es um neues Denken in der eigenen Gemeinschaft, gewaltfreien Protest, öffentlichen Widerstand und alternative Handlungsmöglichkeiten.[6]

Knowledge is the Beginning [Part 1] {14:00}

Hochgeladen am 29.08.2011
HQartmusic
"The Ramallah Concert - Knowledge is the Beginning" is the story of the West-Eastern Divan Orchestra, where young Arabs and Jews perform and live side by side. It is a film about what music can do; the way it can transcend cultural barriers, bring people together, defeat prejudice and overcome religious and political differences. It also demonstrates the problems that crop up occasionally and how music can help people from different points of view find common ground. For Daniel Barenboim, founder of the ensemble, the orchestra is a symbol for what could be achieved in the Middle East.
Release: 2005
Language: English
Subtitles: Spanish

siehe auch:
In a concert hall atop a dust-swept, sun-beaten hill yesterday afternoon, Daniel Barenboim was putting an orchestra through its paces, urging them, as he brandished his way through the opening bars of Beethoven's Fifth: "Wake up! If you are tired, please stay at home! There's no point playing the concert like this. Now: TEE-ya ta-ta TEE-ya ta-ta!"
One could forgive the players for being a little distracted: the concert hall in which they were rehearsing was the Cultural Palace in Ramallah, and the ensemble the West-Eastern Divan Orchestra - the youth orchestra founded in 1998 by Barenboim and his close friend, the Palestinian intellectual Edward Said, consisting of musicians from Israel and Arab countries.
mehr:
- Barenboim's orchestra plays for peace in Ramallah (Guardian, 22.08.2005)

115 000 Euro Spenden für einen, der täglich 34 Kilometer zur Arbeit läuft

Weil der öffentliche Nahverkehr Lücken aufweist und er sich kein Auto leisten kann, läuft der Fabrikarbeiter James Robertson aus Detroit seit mehreren Jahren täglich insgesamt 34 Kilometer zur Arbeit und zurück.
mehr:
- 115 000 Euro Spenden für einen, der täglich 34 Kilometer zur Arbeit läuft (Süddeutsche, 03.02.2015)
Seit einem Bericht in einer Lokalzeitung, bekommt er Hilfe von einem Informatikstudenten - und von Menschen aus der ganzen Welt.
Per Crowdfunding wurde bis heute etwa 115 000 Euro für Robertson gesammelt.