Dienstag, 19. Februar 2013

Vor 1500 Jahren – 750-550 v. Chr.: Die Große Kolonisation der Griechen

Magna Graecia - Großgriechenland 

 Eine erste, begrenzte Kolonisation gab es schon im 11. und 10. vorchristlichen Jahrhundert, als Griechen aus dem Mutterland auf Ägäisinseln und an die Küste Kleinasiens zogen und Siedlungen anlegten. Um 750 allerdings setzte die »Große Kolonisation« ein, in deren Zuge das griechische Siedlungsgebiet auf weite Teile des MitteImeerraums und die Küsten des Schwarzen Meeres ausgedehnt wurde. In Süditalien und auf Sizilien, an der französischen und der spanischen Küste, in Nordafrika, auf Zypern und in Kleinasien sowie rund ums Schwarze Meer entstanden exterritoriale Besitzungen. 
Gründungen der griechischen Kolonisation im 11.-6. Jh. v. Chr.
 Ursachen der Kolonisation waren Übervölkerung und Landnot auf dem griechischen Festland sowie wirtschaftliche Interessen. Die Griechen besaßen die nautischen Fähigkeiten und ausreichend Kenntnisse über die fernen Gebiete, um sich an jenen Orten niederzulassen, die für den Handel von strategischer Bedeutung waren. Für die europäische Geschichte war die Kolonisation eine wichtige Triebkraft, da sie zu einem fruchtbaren Kulturaustausch führte. 

 Epochen der griechischen Antike 
1200-800 »dunkle Jahrhunderte« 
 800-500 archaische Zeit 
 500-336 klassische Zeit 
 336-30 hellenistische Zeit 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013

Sonntag, 17. Februar 2013

Nathalie And The Loners


Nathalie And The Boners "Too Much" [2:33]


Nathalie and the loners - fuckorlove. [3:30]


Nathalie And The Loners_Poster Guy [3:06]


Nathalie And The Loners - Pretty Sad [3:12]


Heute vor 161 Jahren – 17. Februar 1852: Die Eremitage wird für die Bevölkerung geöffnet

Der Louvre Russlands 

 Der Sammelleidenschaft der russischen Zarin Katharina II. (1762-96) verdankt eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt seine Existenz: die Eremitage in Sankt Petersburg. Während ihrer Regierungszeit kaufte Katharina in West- und Mitteleuropa systematisch große Sammlungen auf und ließ 1775 neben dem St. Petersburger Winterpalast die Kleine Eremitage (Einsiedelei) errichten, da in der Residenz nicht mehr genug Platz war, um die Bilder zu hängen. Es folgten die Neue und die Große Eremitage. Gegen Ende der Herrschaft Katharinas umfasste die Sammlung etwa 4000 Gemälde. Zugänglich war die Kunst jedoch nur der höfischen Gesellschaft. 


Treppenhaus der Eremitage in Sankt Petersburg, Russland, 2004
 Erst unter Katharinas Nachfolger, Zar Nikolaus I., konnte die mittlerweile auch um russische Kunst erweiterte Sammlung seit dem 5. Februar 1852 (nach dem seinerzeit in Russland geltenden julianischen Kalender [= 17. Februar 1852 nach dem heute geltenden gregorianischen Kalender]) unter Einschränkungen auch von der normalen Bevölkerung besucht und bestaunt werden. Heute ist die Eremitage mit über 3 Mio. Exponaten eines der größten Kunstmuseen der Welt. Zur Sammlung gehören Gemälde der bedeutendsten europäischen Maler, u. a. Meisterwerke von Rembrandt, Rubens, Matisse, Gauguin und Picasso. 

 Was am 17. Februar noch geschah: 
 146 v. Chr.: Mit der Eroberung Karthagos durch römische Truppen endet der Dritte Punische Krieg
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Heute vor 113 Jahren – 17. Februar 1900: Samoa wird deutsches Protektorat

Ein Platz an der Sonne 

 Die Zeit von etwa 1870 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 ging als das Zeitalter des Imperialismus in die Geschichte ein. Die europäischen Großmächte strebten danach, in weit entfernten Regionen der Erde Kolonien und Schutzgebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Waren zunächst vor allem wirtschaftliche Interessen ausschlaggebend, so traten bald strategische Aspekte hinzu. Mit großer Selbstverständlichkeit und rassistischem Dünkel gingen die Europäer daran, die »unterentwickelten« Gebiete der Welt unter sich aufzuteilen. 

»Der Wasserrutsch vom hohen Felsen«,
Plakat der deutschen Kolonialherren, um 1900
 Das Deutsche Reich trat vergleichsweise spät in diesen Wettlauf um einen kolonialen »Platz an der Sonne« ein. Mitte der 1880er-Jahre gewann Berlin Kolonien und Schutzgebiete in Afrika sowie im Südpazifik. Der letzte Erwerb war der westliche Teil der Samoa-Inseln im Südpazifik, der am 17. Februar 1900 unter deutsches Protektorat gelangte. Was der entscheidende Antrieb war, die Vulkaninseln am anderen Ende der Welt dem Machtbereich einzuverleiben, ist umstritten. Nach Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg teilten die Alliierten die deutschen Kolonien unter sich auf. 



youtube-Info:
Der dritte Teil der Dokumentation behandelt die Südsee als Projektionsfläche europäischer Phantasien vom Paradies, welche auf die kulturelle Wirklichkeit der einheimischen Inselbewohner trafen. Als besonderer Kontrast zwischen den Kulturen wird der rituelle Kannibalismus der Ureinwohner Papua-Neuguineas hervorgehoben. Als Beispiel für die Sehnsucht nach der Freiheit von den Zwängen der Heimat dient der deutsche Aussteiger August Engelhardt. Seine Neigung zum Nudismus und Vegetarismus wird als Grund für die Übersiedelung nach Deutsch-Neuguinea und den Rückzug auf eine eigene Insel angeführt. Dort habe er eine Lebensgemeinschaft „der ersten deutschen Hippies" begründete. Auch die Angehörigen der Kolonialverwaltung gelten im Film, verglichen mit den Verhältnissen in Deutschland, als freizügig, was Party-Szenen bei der emanzipierten Halb-Samoanerin Emma Forsayth-Coe (Queen Emma) sowie die Mischehe des Statthalters Albert Hahl verdeutlichen. Laut dem interviewten Forscher Hermann Hiery ist diese Ungezwungenheit unter anderem auf die süddeutsch geprägte, unpreußische Zusammensetzung des Verwaltungsapparats zurückzuführen. Als Gegenpol dient der Pater Matthäus Rascher, ein deutscher Missionar auf der Insel Neupommern im Bismarckarchipel. Rascher wird als rigoroser Bekämpfer der Promiskuität unter den Inselbewohnern dargestellt. Die Ermordung des Paters und seiner Ordensschwestern am 13. August 1904 zeigt die Folgen des europäischen Missionseifers. Eine Mittelstellung zwischen den Positionen Engelhardts und Raschers nimmt die Rolle von Wilhelm Solf als ehemaliger Gouverneur Deutsch-Samoas ein. Einst für seine gemäßigte Kolonialpolitik bei den Einheimischen geachtet, trat er nach seiner Rückkehr in Deutschland für die Rassentrennung in den deutschen Kolonien mittels Eheverordnung ein. Der Historiker Horst Gründer interpretiert dies als Versuch Solfs, insbesondere die samoanischen Frauen vor Übergriffen zu schützen. Es kam indes dennoch zu deutsch-samoanischen Kindern, was durch Interviews mit heutigen Nachkommen gezeigt wird.

 Was am 17. Februar noch geschah: 
 1962: Eine große Sturmflut überschwemmt und verwüstet Teile Hamburgs. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013


Samstag, 16. Februar 2013

Heute vor 50 Jahren – 16. Februar 1963: Die Beatles erstmals an der Spitze der britischen Hitparade

Mit der Single »Please Please Me« stürmt die britische Popgruppe The Beatles erstmals die Spitze der britischen Hitlisten. Bis Jahresende ist die neue Gruppe mit sieben Titeln gleichzeitig in den britischen Top Twenty vertreten.



Aufnahme eines Konzertes in Washington

Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen

Water makes Money lief am 12. Februar auf Arte, robuste Magenschleimhaut empfohlen:

Water Makes Money Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen {1:15:04}


Veröffentlicht am 26.01.2015
Wasserfälle
Die Politik will unser wichtigstes Nahrungsmittel, unser Trinkwasser, in die Hände privater Geschäftemacher verhökern! Wehren wir uns heute dagegen, bevor es zu spät ist! Tretet unserer Gruppe bei Facebook bei www.facebook.com/wasserfaelle und besucht uns auf unserer Webseite www.wasserfaelle.org - Es ist Zeit die Verantwortung in die eigenen Hände zu nehmen!

Info-Text am 30.06.2013:
Die französischen Konzerne Veolia und Suez zählen zu den Großen im wachsenden Weltmarkt der privaten Wasserversorgung. Sie sind auf allen fünf Kontinenten präsent und kaum eine Woche vergeht ohne Neuerwerbungen. Doch ausgerechnet im Heimatland Frankreich haben sie schnell wieder an Boden verloren. Anfang 2010 mussten beide Konzerne an ihrem Hauptsitz Paris die Wasserversorgung an die Stadt zurückgeben.

Private Konzerne versorgen rund 80 Prozent der französischen Bevölkerung mit Trinkwasser. Doch im ganzen Land schwindet das Vertrauen in ihre Seriosität, denn die Wahrheit über das Gebaren der Konzerne drängt an die Oberfläche: Wasserzähler werden dem Kunden faktisch doppelt berechnet, der Austausch von Bleileitungen erfolgt nur teilweise, dringende Reparaturen werden dem Verbraucher als Neuanschaffung in Rechnung gestellt. Inzwischen liegen die Wasserpreise bei privaten Betreibern in Frankreich um 20 bis 60 Prozent höher als bei öffentlichen Versorgern. Skandalös sind auch die üblichen geheimen Deals der Wassermultis mit den Kommunen: Der Konzern kauft sich bei der Gemeinde ein, um Wasser zu liefern oder Abwasser zu entsorgen. Diese 200 oder 300 Millionen Euro oder mehr gelten als Kaufsumme oder auch als Geschenk an die Kommune. Doch die Zahlung der Konzerne entpuppt sich dann als Kredit, der von den Wasserkunden über 20 oder 30 Jahre mit Zins und Zinseszins in dreifacher Höhe zurückgezahlt werden muss.
Beispiele in Frankreich und Braunschweig machen ein System sichtbar, das den Wasserkonzernen erlaubt, ihren globalen Expansionskurs zu finanzieren - ein System, das inzwischen viele Franzosen motiviert, die Rückkehr zur kommunalen Wasserversorgung anzustreben.
Noch schockierender ist die Tatsache, dass in Frankreich die Ressource Wasser mittlerweile in einem bedenklichen Zustand ist. Dabei liegt die Lösung nah und ist absolut kostengünstig: die Ausweisung von Wasserschutzgebieten, auf denen nur Biolandwirtschaft erlaubt ist. Nur die Multis verdienen daran nichts. Zusätzlich würde ein sinkender Wasserverbrauch die Rendite der Konzerne schmälern. Aber in Frankreich wächst zusehends das Bewusstsein, die Melkkuh der Konzerne für ihre globalen Expansionspläne zu sein, und es baut sich eine Rekommunalisierungswelle auf. Und auch in anderen europäischen Ländern sowie in Lateinamerika, Afrika und den USA kommt es immer häufiger zur Rückkehr der Wasserversorgung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger

- Water Makes Money (Wikipedia)
- ein Artikel zum Film bei Greenpeace (09.09.2010)
- Rekommunalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU (Susanne Halmer, Barbara Hauenschild, Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung, März 2014, PDF)
Braunschweig: Stadt muß Verdopplung der Schulden durch Privatisierung einräumen (piratenwirken.de, 06.06.2013)
Übersichtsartikel von Christine Wicht auf den Nachdenkseiten (28.01.2013) zur von der EU angestrebten Privatisierung der Wasserversorgung
- Privatisierung von Wasser schlägt Wellen (braunschweig-spiegel, 01.11.2010)
Blaues Wunder in Braunschweig (taz, 07.10.2010) 
- Wasserwirtschaft in Deutschland bei arte (13.02.2013)
- Wassprivatisierung und die Folgen (Braunschweig Online, Datum unbekannt)
- Petition gegen Privatisierung der Wasserrechte in der EU
- WasserinBürgerhand

Wasserprivatisierung - Wie aus Wasser Geld wird | odysso - Wissen im SWR {5:30}


Veröffentlicht am 19.03.2015
SWR 
Trinkwasserversorgung privatisieren, um die Stadtkasse zu sanieren – ein Konzept, das weltweit Schule gemacht hat. Auch in Stuttgart und das nicht ohne Folgen.
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ARD Monitor 13.12.2012 Geheimoperation Wasser - EU fördert Wasserprivatisierung {7:56}

Veröffentlicht am 24.01.2013
Privatisieren würde bedeuten das wir unser Lebenswichtiges Wasser in die Hand von Privaten geben würden die sich dann darum kümmern.
Das heisst sie werden Profit orientiert handeln und möglicherweise wird unsere Wasser Qualität schlechter da sie Chlor oder andere billige Mittel zur desinfizierung und reinigung des Wasser nutzen können.
Es könnte schlimmsten Falle dazu kommen,dass sie Genveränderte Substanzen ins Wasser hinzufügen könnten die nach Jahren zu Krankheiten führen können.
Im Endeffekt geschieht nichts in der Politik aus Zufall,wir alle wissen wie Menschenverachtend unsere Politiker sind und wie sie den Geldgierigen Konzernen hinterher rennen. Wir müssen entgegen wirken indem wir uns zusammen tun und politisch aktiv werden bzw. unterschriften sammeln auf dieser Seite:
http://www.right2water.eu/de
Unterzeichnet hier um die Chance einer neu Verhandlung zu erhöhen !
(Neu Verhandlung ab 1million unterzeichnungen)

Wem gehört das Wasser? Wie Nestlé Profit macht, während Menschen dursten. {8:34}

Veröffentlicht am 27.04.2015
Für viele von uns ist Trinkwasser in Plastikflaschen zu kaufen völlig alltäglich. Doch was wir zu günstigem Preis trinken, müssen Menschen in Südafrika teuer bezahlen.
Tut euch selbst und anderen etwas Gutes: Verzichtes auf Wasser in Plastikflaschen und filtert euer Leitungswasser.
Testet unsere spring-time 420 gratis. Denn wir bieten eine Alternative zum Schutz unserer Ressourcen.
http://www.gesundes-wasser-trinken.de

Der verschwenderische Umgang mit Wasser - 08.2015 {2:39}

Veröffentlicht am 06.09.2015
ARD berichtet am 24.08.2015
(Mehr Infos wie wir hier in Deutschland Wasser sparen können, ohne uns einzuschränken, gibt es bei uns: info@anyxing.de oder unter http://www.gesundes-wasser-trinken.de)
Wasser wird in den kommenden Jahrzehnten wichtiger werden als Öl. In einer Studie der UN heißt es, noch nie sei die Erde so durstig gewesen. Die Deutschen tragen das Ihre dazu bei.
Wir in Deutschland haben es gut: Wasser ist keine Mangelware. Es fließt aus der Leitung und in Flüssen, wie dem Rhein. Trinkwasser verbrauchen wir zwar weniger als in den 90ern - aber immer noch 120 Liter pro Tag.
Virtuelle Rechnung
Tatsächlich ist es noch sehr viel mehr: Unser virtueller Wasserverbrauch schließt auch die Produktion von Lebensmitteln und Konsumgütern in den Herstellungsländern mit ein. Und da kommt eine Menge zusammen.
Für einen einzigen Becher Kaffee werden 130 Liter Wasser zur Herstellung benötigt.
Ein Baumwollshirt verschlingt ganze 2.700 Liter. Baumwolle ist eine der durstigsten Pflanzen überhaupt. Sie muss bewässert werden und wird meist in trockenen Gebieten angebaut.
Getopt wird das von einem Steak - 15.500 Liter Wasser, das das Rind trinkt und das zur Futterherstellung draufgeht.
Der absolute Spitzenverbraucher ist jedoch das Auto - da kommt keiner drüber. 400.000 Liter Wasser werden zur Produktion benötigt.
Alles in allem beträgt unser täglicher virtueller Wasserbrauch: knapp 4000 Liter, etwa 26 Badewannen. Wie kann man es besser machen? Die gute alte Regel: regional und saisonal einkaufen - am besten Bio-Produkte, denn die verschmutzen die Umwelt weniger.
Bei uns ist Wasser zum Glück - noch - keine Mangelware. Aber jeder Liter, den wir mehr verbrauchen, fehlt anderswo auf der Welt.

Public Private Partnership | Vortrag | Werner Rügemer | ethecon Tagung 2012 {38:49}

ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
ethecon - Stiftung Ethik und Ökonomie
ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“ und folgt dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“. Nur mit der Entwicklung und Durchsetzung umweltgerechter und menschenwürdiger Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle werden sich drohende ökologische und soziale Katastrophen abwenden lassen. ethecon arbeitet mit Vision und Perspektive, weit über den Generationenwechsel hinweg.
www.ethecon.org Black und Blue Planet Awards
Bereits seit 2006 verleiht ethecon jährlich die beiden internationalen Positiv- und Negativ-Preise, den Internationalen ethecon Blue Planet Award für herausragenden Einsatz für Erhalt und Rettung des „Blauen Planeten“ sowie der Internationalen ethecon Black Planet Award für schockierende Verantwortung für Ruin und Zerstörung der Erde.

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Der Publizist Werner Rügemer hat auf der Grundlage des Verlaufs bisheriger ÖPP-Projekte und Recherchen vor Ort eine „Spur des Scheiterns“ diagnostiziert. Verschiedene Formen des Scheiterns seien festzustellen:
  • Der Investor geht bereits in den ersten Jahren in die Insolvenz, die öffentliche Hand muss die Verpflichtungen des Investors übernehmen und mit Verlust neu beginnen, so beim Freizeit- und Badepark der Stadt Leimen in Baden-Württemberg und bei zahlreichen weiteren Bäderprojekten wie der Keitum-Therme auf Sylt.[34]
  • Der Investor steigert durch Nachforderungen die Miete weit über die anfangs vereinbarte Höhe, so etwa bei den 90 Schulen des Landkreises Offenbach und bei der Hamburger Elbphilharmonie.[35]
  • Beim Warnow-Tunnel in Rostock und beim Trave-Tunnel in Lübeck erwies sich die Kalkulation der Investoren HochtiefBilfinger Berger und Bouygues als geschönt; deshalb wurden die Laufzeiten der Verträge von 30 auf 40 bzw. 50 Jahre erhöht, sodass Einwohner und andere Autofahrer länger Maut zahlen müssen und das Eigentum an den Tunnels erst später als vereinbart an die Kommunen übergeht.[36]
  • Schließlich scheitern Projekte, weil der Investor seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllen kann, so etwa beim Projekt des digitalen Bürgerportals, das die Stadt Würzburg mit der Bertelsmann-Tochterfirma Arvato vereinbart hatte „Würzburg integriert!“.[37]
Diese vielfältigen Formen des Scheiterns führt Rügemer auf Strukturelemente des ÖPP-Verfahrens zurück: Geheimhaltung der Verträge, private SchiedsgerichtsbarkeitForfaitierung mit Einredeverzicht (Verkauf der Mietforderungen an eine Bank), hohe Transaktions- und Beraterkosten, Zugehörigkeit der einschlägigen Berater zur organisierten ÖPP-Lobby, Alleinbestimmungsrecht des Investors bei den Subunternehmen u. a. Auch in Wirtschaftskreisen wird ÖPP inzwischen heftig kritisiert: „Bei ÖPP verdienen Konzerne, Banken und Berater das große Geld. Gemeinsam mit der öffentlichen Hand haben sie ein intransparentes System geschaffen ‒ zulasten von Mittelstand und Steuerzahlern.“[38]
[Öffentlich-private Partnerschaft, Kritik von Werner Rügemer, Wikipedia, abgerufen am 02.09.2019]
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Aufgrund rückläufiger Katalog- und Zeitschriftenauflagen gründete Arvato mit Axel Springer und Gruner + Jahr das Unternehmen Prinovis.[31] 2005 wurden unter diesem Dach sämtliche Tiefdruckereien der Beteiligten zusammengefasst, was Prinovis zum Marktführer in Europa machte.[32] Parallel begann Arvato, Dienstleistungen für den öffentlichen Sektor anzubieten.[33] Erster Kunde in diesem Bereich war der Kreis East Riding of Yorkshire.[34] Arvato übernahm etwa den Einzug lokaler Steuern oder die Auszahlung von Sozialleistungen.[35] In den folgenden Jahren gewannen Distribution und Logistik stärker an Bedeutung: 2007 wurden die Geschäftsfelder Direct Services und Logistics Services unter Arvato Services vereinigt.[36] In Deutschland gewann das Unternehmen weitere Kunden für diesen Bereich, wozu neben Verlagen beispielsweise auch Unternehmen der IT- und High-Tech-Branche sowie Internet- und Mobilfunkunternehmen zählten.[29] Zum Jahreswechsel 2007/2008 wurde Rolf Buch neuer Vorstandsvorsitzender von Arvato,[37] nachdem Hartmut Ostrowski zum Nachfolger von Gunter Thielen als Bertelsmann-CEO ernannt worden war.[38] Unter seiner Führung brachte Arvato unter anderem das Bonusprogramm DeutschlandCard auf den Markt.[39] Während Ostrowski die internationale Expansion forciert hatte, legte Buch den Fokus wieder stärker auf den Heimatmarkt Deutschland.[40][Arvato, Wandel des Geschäftsmodells, Wikipedia, abgerufen am 02.09.2019]
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zu Arvato siehe auch:
Bertelsmann in Britain (Inside Bertelsmann, Mai 2017 – PDF, S. 20ff. – Man suche nach »arvato«)
Bertelsmann in Aktion (Post, 29.02.2008)
- Bertelsmann macht Staat (Post, 30.04.2007)


Unter den Bedingungen der neoliberalen Globalisierung werden Wissenschaft und Bildung heute radikaler denn je auf die Kapitalinteressen zugeschnitten. Ein wachsender Einfluß von Auftragsforschung und Sponsoren aus der Wirtschaft, Umstrukturierung der Hochschulen nach angloamerikanischen Vorbildern und zunehmende Privatisierung zeugen davon. Beispielsweise richtete die "Lidl-Stiftung" kürzlich der TU München 20 Professuren ein. Und Bertelsmann liefert neben seinen Expertisen eine "Monitor-Lehrerbildung". All das bewirkt Umstellungen von Zielen und Inhalten der Forschung und Lehre, der Studienbedingungen, eine Teilprekarisierung des akademischen Arbeitsmarktes und die folgenschwere Verwertung wissenschaftlicher Errungenschaften für Profitinteressen. Dabei hat nicht nur die militärische Auftragsforschung inhumane und desaströse Folgen, wie die Abgastests für die Automobilindustrie am Universitätsklinikum Aachen zeigte. Selbst die dringend benötigte ökologische Forschung bewegt sich häufig auf der Einbahnstraße neoliberal-marktwirtschaftlicher Opportunität.
[Jobst-Heinrich Müller, Hochschulen unter Kapitalherrschaft, Rotfuchs/199, 2018]

Neues aus der Anstalt - Pelzig umgeht ZDF Verbot und zählt EU für den Wasserwahn aus (3:08 min) {3:07}

Veröffentlicht am 23.01.2013
Da Einblendung von Petitionen beim ZDF verboten sind - machte Erwin Pelzig gestern bei Neues aus der Anstalt einen genialen Schachzug !
Gegen die Privatisierung von Wasser duch die EU stellte er die Internetadresse
http://www.right2water.eu/de
auf einen alten R4 , denn Auto mit Werbung ist ja erlaubt

Wasserprivatisierung - Erwin Pelzig - Wem gehört das Wasser?  {4:45}

Veröffentlicht am 28.04.2015
Ein Recht auf Wasser - für uns Deutsche ziemlich alltäglich und normal. Noch? Erwin Pelzig nimmt sich dem Thema mal an.
Die eigene Trinkwasserqualität lässt sich zu Hause zumindest durch einen eigenen Wasserfilter sichern.
Gratis Testgerät anfragen unter http://www.gesundes-wasser-trinken.de
Wasser ist die lebenswichtigste Ressource der Erde. Der Kampf um den Besitz der weltweiten Wasser-Reserven hat längst begonnen. Mehrere Weltkonzerne liefern sich ein Wettrennen um die besten Trinkwasserquellen - allen voran Coca Cola, Pepsi und Nestlé, der größte Lebensmittelhersteller des Planeten. Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht, erklären die Vereinten Nationen. Die Getränkehersteller halten es dagegen für "blaues Gold", ein Produkt, das seinen Preis haben müsse. Nur, wer soll dafür wie viel bezahlen - und wer verdient daran? Die Wassergiganten kaufen rund um den Globus die besten Quellen auf und machen schon heute damit Milliarden Gewinne. Die weltweite Wasserprivatisierung hat ihren Preis, in manchen Regionen stieg er um bis zu 200 Prozent. Dort wo die großen Wasserkonzerne abpumpen, regt sich vielerorts Widerstand in den betroffenen Kommunen. Die Dokumentation folgt den Spuren der Milliardengeschäfte mit dem Wasser rund um den Globus. Nestlé hat die Strategie für diese Geschäfte vorgegeben.
Wir empfehlen dazu noch diesen Bericht von ARD und ZDF: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/progr...
alter Info-Text:
Veröffentlicht am 30.03.2013
Update: 07.05.2013 "EU-Petition gegen Wasserprivatisierung nimmt letzte Hürde", http://www.heise.de/tp/artikel/39/390...
Auszug aus der ZDF-Sendung "Neues aus der Anstalt" vom 26.03.2013.
Bezug: Plan der EU, die Privatisierung der Wasserversorgung zu erleichtern.
Unterstützen auch Sie die Initiative "Right2Water":
http://www.right2water.eu/de/node/5
Mögliche, katastrophale Folgen der Privatisierung des Wassers werden z.B. hier skizziert:
Water makes money: http://www.youtube.com/watch?v=dLaVwY...
Wem gehört das Wasser: http://www.youtube.com/watch?v=6RQS8K...
Bottled life: http://www.youtube.com/watch?v=30w4Hn...
Flow - Wasser ist Leben: http://www.youtube.com/watch?v=7FYsNE...

mein Kommentar:
Man nenne mir ein einziges Beispiel in Europa, wo ÖPP funktioniert hat, und ich lösche diesen Post!
Ich nenne jeden Politiker, der heutzutage noch versucht, die Wasserrechte zu privatisieren entweder einen Dummkopf oder einen Verbrecher. Da werden Finanzkonstrukte gebastelt, die noch in 30 Jahren bezahlt werden müssen: von wem wohl?
zuletzt aktualisiert am 02.09.2019

Freitag, 15. Februar 2013

Heute vor 250 Jahren – 15. Februar 1763: Unterzeichnung des Friedens von Hubertusburg

Preußen steigt zur Großmacht auf 

 Drei Kriege führte der preußische König Friedrich der Große zwischen 1740 und 1763 gegen die Habsburgerin Maria Theresia. Dabei ging es um den Besitz von Schlesien, und der Dritte Schlesische Krieg weitete sich zum Siebenjährigen Krieg aus (1756-63). Heute vor 250 Jahren, am 15. Februar 1763, endete der Konflikt mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens durch Gesandte der beiden Mächte auf dem sächsischen Schloss Hubertusburg. Obwohl in dem Krieg keine Seite den militärischen Sieg erringen konnte, war der Preußenkönig der Gewinner. Seine Armee hatte sich gegen eine übermächtig scheinende Allianz behauptet und Österreich verzichtete in dem Abkommen endgültig auf Schlesien. Fortan war Preußen eine ernst zu nehmende Macht im Konzert der Großmächte. 
König Friedrich der Große ehrt einen gefallenen Offizier, Gemälde, 18. Jh.
Friedrich der Große hatte alles auf eine Karte gesetzt und nur durch ein »Mirakel« das Kriegsglück auf seine Seite gezogen: Als bereits militärisch alles verloren schien, starb 1762 seine große Rivalin Elisabeth von Russland. Ihr Nachfolger schied aus der Kriegskoalition mit Österreich aus und schloss einen Separatfrieden mit Friedrich. 

Friedrich II., der Große (1712-1786) 

König von Preußen 1740-86 
verstand sich als »erster Diener des Staates«
übernahm Ideen der Aufklärung 
führte Preußen zur Großmacht
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Donnerstag, 14. Februar 2013

Heute vor 105 Jahren – 14. Februar 1908: Der erste Skilift der Welt wird eröffnet

»Bergaufwärtsfahren mit Schneeschuhen« 

 Wie viele Skifahrer sich wohl auf den Pisten der Alpen tummeln würden, müssten sie – so wie es bis in die 1930er-Jahre weithin üblich war – die Berge, die sie hinunterfahren, zuvor mit Muskelkraft erklimmen? Die ersten Aufstiegshilfen wurden vor rund 100 Jahren in Betrieb genommen, flächendeckend angelegt wurden sie allerdings erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Werbung für den ersten Lift, zeitgenössische Annonce

 Der Pionier des Skiliftbetriebs in Europa war der Schwarzwälder Robert Winterhalder. Seine Familie bewirtschaftete in Schollach bei Neustadt den Schneckenhof, ein Bauernhaus mit Gästezimmern. Winterhalder beobachtete, dass einige Gäste im Winter nur mit großer Mühe den Hang hinaufkamen, den sie dann auf Schlitten oder Ski hinunterfuhren. Daraufhin legte er für die Wintersportier auf seinem Hof eine mit Wasserkraft angetriebene »kontinuierliche Drahtseilbahn« an, die 280 m Länge und 32 m Höhe überwand. Und er erkannte die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die darin steckten. Auch für die Schweiz, Österreich und Frankreich, für Norwegen und Schweden ließ er seine äußerst praktische »Transporteinrichtung zum Ermöglichen des Bergauffahrens mit Schlitten und Schneeschuhen« patentieren. Der Erste Weltkrieg verhinderte jedoch zunächst, dass sie auch finanziell ein Erfolg wurde.
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Mittwoch, 13. Februar 2013

Wenn Lobbyisten das halbe Gesetz schreiben

Ein Interview mit Richard Gutjahr, dem Initiator von LobbyPlag bei Tagesschau.de

Damit das Interview nicht verlorengeht, habe ich es hier reingestellt. (Tagesschau darf nur zeitlich begrenzt speichern.)

Initiator über LobbyPlag

Wenn Lobbyisten das halbe Gesetz schreiben

Politiker treten zurück, weil sie bei Doktorarbeiten schummeln. "Aber wenn Parlamentarier ganze Passagen von Lobbyisten in Gesetze übernehmen, passiert nichts", beklagt Richard Gutjahr im tagesschau.de-Interview. Mit der neuen Plattform LobbyPlag versucht er, solche versteckten Quellen sichtbar zu machen.
tagesschau.de: Was gab den Anstoß, die Plattform LobbyPlag zu starten?
Richard Gutjahr: Dem Wiener Netzaktivisten Max Schrems war Bemerkenswertes aufgefallen: Bei den Anträgen von EU-Parlamentariern zur EU-Datenschutzverordnung waren ganze Passagen Wort für Wort aus Lobbypapieren übernommen. Wir haben schnell festgestellt, dass das Ganze ein Ausmaß hat, das wir ohne geeignete Software nicht bewältigen können. Die Plattform wurde dann in wenigen Tagen programmiert. Uns war klar, dass es schnell gehen muss, denn die EU-Datenschutzverordnung wird gerade in den Ausschüssen beraten. Es sind die entscheidenden Wochen vor der Abstimmung. Wir wollten mit unseren Erkenntnissen jetzt online gehen, und nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Zur Person

Richard Gutjahr
Richard Gutjahr ist einer der Initiatoren von LobbyPlag. Der freiberufliche Journalist arbeitet als Reporter und Moderator für den Bayerischen Rundfunk und ist Kolumnist der Münchner Abendzeitung und des Berliner Tagesspiegels. Er ist Träger des Ernst-Schneider-Preises für Wirtschaftsjournalismus.
 
tagesschau.de: Was wollen Sie genau damit erreichen?
Gutjahr: Es kann sich zwar jeder denken, dass in Brüssel oder Berlin jede Menge Lobbyarbeit betrieben wird. Aber niemand hat eine Vorstellung von der Dimension, die das angenommen hat. Lobbyisten meiden nunmal die Kameras. Wir wollen mit LobbyPlag diese Hintergründe sichtbar machen.

"Lobbypapiere eins zu eins in Gesetzesanträgen"

tagesschau.de: Wie genau funktioniert LobbyPlag?
Gutjahr: Auf der einen Seite geben wir eine Übersicht über aktuelle Anträge zur Gesetzesreform, die von den parlamentarischen Ausschüssen der EU eingebracht worden sind. Auf der anderen Seite zeigen wir Lobbypapiere, meist von großen amerikanischen Konzernen wie Amazon oder Ebay, die in Sätzen oder ganzen Absätzen identisch mit Eingaben der EU-Parlamentarier sind. Durch farbige Markierungen zeigen wir, wo die Übereinstimmungen zwischen den Texten sind. Dahinter sieht man, welche Parlamentarier die Änderungsvorschläge unter ihrem Namen eingebracht haben - obwohl sie zum Teil aus der Feder von Lobbyisten stammen. So sieht man genau, welcher Mitarbeiterstab sich aus welchen Quellen bedient hat.

LobbyPlag

lobbyplag.eu ist eine Internetplattform, die Einflüsse von Lobbyisten auf die EU-Datenschutzverordnung untersucht. Nach dem Vorbild von Plagiatjäger-Seiten wie Guttenplag werden die versteckten Quellen von Gesetzesvorschlägen sichtbar gemacht. Hinter der Seite stehen vor allem drei Köpfe: der Wiener Student Max Schrems, Betreiber der Seite Europe vs. facebook; der Datenjournalist Marco Maas von OpenDataCity und der Journalist Richard Gutjahr. Wenn sich LobbyPlag bewährt, wollen die Macher die Seite auch für alle anderen Gesetzgebungsverfahren der EU öffnen.
 
tagesschau.de: Wie kommen Sie an die Texte der Lobbyisten?
Gutjahr: Das Schöne am Internet ist ja: Es ist schon alles irgendwo vorhanden. Es gibt Blogs von Datenschutzorganisationen in Deutschland und Europa. Le Quadrature du Net aus Frankreich beispielsweise veröffentlicht alle Lobbypapiere, die ihnen in die Finger kommen. Mit dieser großen Sammlung haben wir begonnen. Wir haben aber auch anonyme Spender, die uns mit Texten versorgt haben. Die werden jetzt nach und nach auf unserer Plattform eingepflegt. Es ist etwas schwieriger als bei der Jagd auf eine Doktorarbeit: Wir müssen die Vorschläge erstmal thematisch sortieren, damit die Nutzer nicht den Überblick verlieren.

"Wir verlangen Transparenz bei der Gesetzgebung"

tagesschau.de: Warum ist es so problematisch, wenn Ideen von Unternehmen in Gesetzestexte einfließen? Ist es nicht notwendig auch auf deren Erfahrungswerte zurückzugreifen?
Gutjahr: Das höre ich oft von den ertappten Parlamentariern, wenn man sie auf ihre kopierten Vorlagen anspricht. Sie sagen, es sei doch nicht verboten, gute Vorschläge zu übernehmen. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts einzuwenden. Aber wir verlangen von jedem Schüler und Studenten, dass er Quellen nennt. Minister treten zurück, weil sie in jungen Jahren bei einer Doktorarbeit geschummelt haben. Und ausgerechnet bei einer Gesetzgebung, die 500 Millionen Menschen betrifft, die über zehn bis 15 Jahre unser digitales Leben und unsere Privatsphäre regeln soll, sollen wir keine Transparenz verlangen?
tagesschau.de: Der EU-Abgeordnete Alexander Alvaro (FDP) wirft LobbyPlag vor, einseitig zu sein. Sie würden nur auf die Eingaben der Lobbyisten schauen, während auch Bürgerrechtler und Netzaktivisten Gesetzespassagen einflüstern würden.
Lobbyplag Großansicht des Bildes LobbyPlag zeigt Einflüsse von Lobbyisten auf Gesetze. Gutjahr: Wir sind in keiner Weise einseitig oder unausgewogen. Wir veröffentlichen alles, was wir bekommen, egal aus welcher Quelle es stammt. Wir haben Herrn Alvaro ein paar Tage, bevor unsere Plattform online ging, gebeten, uns das Material, auf das er sich bezieht, zu schicken. Leider hat er es vorgezogen, sich erstmal öffentlich über uns zu beschweren, anstatt sich bei uns zu melden. Inzwischen hat er uns dieses Papier einer Datenschutzorganisation geschickt. Andere Papiere von Lobbyisten, um die wir ihn auch noch gebeten haben, hat er uns aber nicht geschickt.
tagesschau.de: Sie haben etwas provokant formuliert, durch LobbyPlag würden die Parlamentarier erst erfahren, woher die Formulierungen in ihren Anträge stammen. Stimmt das oder haben Sie da übertrieben?
Gutjahr: Ich habe zwar nur mit einigen wenigen Parlamentariern gesprochen, dabei hatte ich aber den Eindruck, dass sie gar nicht wussten, dass da fremde Formulierungen in ihren eigenen Gesetzesanträgen sind. Da kann es doch nur in ihrem Interesse sein, das herauszufinden.

"Abgeordnete schieben Schuld auf andere"

tagesschau.de: Und wie haben die Parlamentarier darauf reagiert?
Gutjahr: Meist haben sie es zunächst abgestritten und es anschließend auf andere geschoben. Da hieß es zum Beispiel, die Fraktion sei Schuld oder die Referenten. Das Team würde sehr eigenständig arbeiten und der Assistent habe das wohl verursacht. Das halte ich ehrlich gesagt für ziemlich schäbig.
tagesschau.de: Wie war die Resonanz, nachdem Sie online gegangen sind? Werden Sie jetzt mit Lobbypapieren überflutet?
Gutjahr: Ich habe den Eindruck, dass wir einen Nerv getroffen haben. Die Leute sind es leid, den x-ten Minister beim "Doktorspielen" zu ertappen. Sie wollen wissen, welche Kräfte bei der Gesetzgebung mitwirken. Einige wenige kritische Stimmen fordern mehr Crowdsourcing-Elemente. Also mehr Möglichkeiten für User sich einzubringen, so dass wir von der Schwarmintelligenz profitieren können. Daran arbeiten wir. Wir sind ständig dabei, die Seite weiterzuentwickeln.
Uns wurde auch schon neues Material zugespielt. Von einer Flut kann man jetzt aber nicht sprechen. Es sind etwa ein gutes Dutzend Texte. Aber wir haben Signale aus Brüssel von Politikern und Mitarbeitern des EU-Parlaments bekommen, dass sie unsere Arbeit unterstützen wollen.
Das Interview führte Sandra Stalinski, tagesschau.de

Link zu LobbyPlag 

Vor 2600 Jahren – 7. Jh. v. Chr.: Ninive ist Assyriens Hauptstadt

Hoher Flug, tiefer Fall 

Assyrisches Reich [aus Wikipedia]


Um 900 v. Chr. begann der Aufstieg des Assyrischen Reichs, dessen Zentrum am Tigris in Mesopotamien lag, zur wichtigsten Macht Vorderasiens. 
Mesopotamien [Karte aus Wikipedia]
 Mit einer mobilen Reiterarmee gelang den Assyrern eine beispiellose Expansion. Sie kontrollierten schließlich ein Territorium, das von Anatolien im Norden bis Babylon im Süden, von der Mittelmeerküste im Westen bis in den Iran reichte. Für kurze Zeit war sogar Ägypten erobert. 
Restaurierte Stadtmauer von Ninive mit dem Großen Tor, Irak, 2002

 Ein Jahrhundert lang (705-612 v. Chr.) war Ninive die Hauptstadt des Assyrischen Reichs. Die Herrscher bauten die Stadt am Tigris zur größten und prachtvollsten Metropole ihrer Zeit aus. Ganze Heere von Sklavenarbeitern mussten für den Glanz schuften und ihr Leben lassen. Eine über 20 m hohe Mauer umgab die Stadt, Paläste und Tempel wurden angelegt, ein Kanal und Aquädukte für die Wasserversorgung gebaut. Berühmt ist Ninive heute vor allem für die erste organisierte Bibliothek der Geschichte, in der 50.000 Tontafeln archiviert gewesen sein sollen. 612 v.Chr. nahm die Herrlichkeit ein abruptes und gewalttätiges Ende: Eine Allianz unter der Führung Babylons eroberte die Stadt und zerstörte sie bis auf die Grundmauern.
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Dienstag, 12. Februar 2013

Heute vor 66 Jahren – 12. Februar 1947: Christian Dior stellt den »New Look« vor

Ein neuer Stil entzückt die Damenwelt 

 Im engeren Kreis der Pariser Modeszene kannte man Christian Dior bereits 1945/46 als kreativen Kopf. Er war überzeugt, dass nach den langen Jahren des Kriegs, der Entbehrungen und der praktisch-schlichten Kleidung die Zeit für einen neuen Stil in der Damenmode reif war. Allerdings hatte er nicht die finanziellen Mittel, um seine Vorstellungen umzusetzen. Doch schließlich fand er einen Finanzier, einen der bedeutendsten Textilhersteller Frankreichs


Der »New Look«, Modezeichnung, 1954
 Heute vor 65 Jahren, am 12. Februar 1947, stellte Dior in Paris seine erste Kollektion vor: Schmale, runde Schultern, eine sehr enge Taille und wadenlange, weit schwingende Röcke prägten die Linie, die bevorzugten Stoffe waren Samt, Satin und Taft. Publikum und Kritiker waren hingerissen von Eleganz und Chic der Kreationen. Eine begeisterte amerikanische Journalistin schrieb den namensprägenden Satz »The dresses have such a new look«. Dior gelang es, den Look auch auf die Tageskleidung zu übertragen. Da seine Mode offensichtlich die Wünsche und Sehnsüchte der meisten Frauen (und Männer) erfüllte, war dem »New Look« ein Erfolg auf der ganzen Linie beschieden. 


 Christian Dior (1905-1957) 

führte zunächst eine Kunstgalerie 
 seit 1938 Designer für Pariser Modehäuser 
 führender Couturier der 1950er-Jahre 
 vermarktete sein Label weltweit mit Erfolg
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Montag, 11. Februar 2013

Nullachtfuffzehn eben 

Will man etwas als durchschnittlich, alltäglich und bar jeder Originalität charakterisieren, so fällt häufig der Ausdruck 08/15. Seit etwa 100 Jahren ist diese Wendung als abwertendes Urteil bekannt.

 Dass ausgerechnet ein Maschinengewehr, also eine eher außergewöhnliche Schusswaffe, hinter dieser Wendung steckt, mag zunächst überraschen: Für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs war der Exerzierdrill an und mit dem MG 08/15 fester und permanenter Bestandteil ihrer Ausbildung und ihres Einsatzes. Daher hatten sie diese Waffe bald über und übertrugen die numerische Kennzeichnung des Gewehres auf andere Bereiche. So war dann auch das Essen 08/15, ebenso wie ein langweiliges Buch oder ein Tag ohne besondere Ereignisse. 

[aus Wikipedia]
 Das auf eine Lafette (ein Untergestell) montierte MG 08 (im Jahr 1908 entwickelt) war schwer und im Gelände schwierig zu handhaben. Erst die Weiterentwicklung aus dem Jahr 1915 reduzierte mit einem Dreibein als Stütze das Gewicht und ermöglichte eine bessere Handhabung. So wurde das MG 08/15 auch zum meistproduzierten Modell der Reihe. Maschinengewehre mit einer Kadenz von 500/600 Schuss in der Minute waren die effektivsten und verheerendsten Waffen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, Millionen Menschen starben in deren Kugelhagel. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Sonntag, 10. Februar 2013

Heute vor 176 Jahren – 10. Februar 1837: Alexander Puschkin stirbt nach einem Duell

Der frühe Tod des Dichters 

Alexander Puschkin, der »Vater der russischen Literatur« und bis heute der beliebteste Dichter der Russen, hätte seinem Werk sicherlich noch viele literarische Glanzlichter hinzugefügt, doch er starb bereits mit 37 Jahren. Am 10. Februar 1837 erlag er in seiner St. Petersburger Wohnung der Schussverletzung, die er bei einem Duell zwei Tage zuvor davongetragen hatte. Die Hintergründe des tödlichen Ehrenhändels sind bis heute nicht gänzlich geklärt. 

Darstellung eines Pistolenduells, Illustration zu Puschkins Werk
Eugen Onegin, Aquarell, 1899
 Puschkin war ein Hitzkopf und er neigte zur Eifersucht. Seine Frau Natalja galt vielen als die schönste Frau in St. Petersburg. 1836 hatte sie den Franzosen Georges d'Anthes kennengelernt, einen attraktiven Gardeoffizier in russischen Diensten. Bald kursierten Gerüchte über eine Romanze der beiden und der aufgebrachte Dichter schrieb schließlich dem Vater des Rivalen einen derben Brief, der nach dem Ehrenkodex der Zeit zum Duell führen musste: Der Offizier schoss als Erster und traf Puschkin in den Bauch, verletzt am Boden liegend schoss auch Puschkin, verletzte den Kontrahenten aber nur leicht. Dass ausgerechnet ein Ausländer den Nationaldichter getötet hatte, traf die russische Seele besonders schwer. 

Was am 10. Februar noch geschah: 
 1962: Auf der Glienicker Brücke in Berlin werden die ersten Gefangenen zwischen den USA und der UdSSR ausgetauscht. 
 Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013