Sonntag, 11. Juni 2017

Kinoempfehlung: »Beuys« – »Warum haben Sie keine Kinderwagen genommen?« oder Wer ist der Feind?

Wie kann man einem toten Hasen die Bilder erklären?
Joseph Beuys: The Pack (Das Rudel) [anthrowiki.at, abgerufen am 09.06.2020]
Beuys war ein Visionär. 1971 sprach er bereits von der Gefahr des elektronischen Datenmissbrauchs. Wie alle Visionäre war er seiner Zeit voraus, wurde ausgelacht und von den meisten nicht verstanden. Vielleicht deshalb sieht er auf vielen Bildern so einsam aus.

Beuys ist die Lehrbefugnis entzogen worden, weil er die Immatrikulation sämtlicher 393 Studenten, die in seinen Kurs wollten, erzwingen wollte, mit Demos und Sitzblockaden. Politik ist Kunst, Kunst ist Politik. NRW-Minister für Wissenschaft und Forschung Johannes Rau hat ihm schließlich den Garaus gemacht.

Fett und Filz sind die symbolkräftigen Lieblingsmaterialien seiner Plastiken. („Plastik verändert die Welt“!) ‚Das Rudel‘ heißt eine seiner Mega-Installationen, die aus einem alten VW-Bus und 40 herausquellenden, mit Filzrollen bepackten Schlitten besteht. Warum er keine Kinderwagen genommen habe, fragt ihn auf einer Podiumsdiskussion der rechtskonservative Philosoph und Soziologe Arnold Gehlen.

„Weil ich Schlitten nehmen wollte!“, entgegnet Beuys, und ergänzt konsequent im Sinne seines kunsttheoretischen Ansatzes vom „erweiterten Kunstbegriff“, nach dem jeder Mensch ein Künstler und jede Aktion eine künstlerische sei:

„Die Kinderwagen überlasse ich Ihnen. Mal sehen, ob Sie daraus etwas Interessantes machen.“

Jeder Mensch ein Künstler – auch so ein Statement, das oft missverstanden und gegen den Künstler selbst verwendet wurde; im Film erläutert er den Begriff von der sozialen Plastik.

[C. Juliane Vieregge,
Beuys - Der Film, Freitag-Community, 28.05.2017]
Beuys vs Gehlen: Kunst - Antikunst {1:34:45 – Start bei 37:59 – Gehlen: »Eine Frage habe ich noch. […] Warum haben Sie keine Kinderwagen genommen?}

Lars Knacken
Am 25.09.2017 veröffentlicht 
Spannende Diskussion zwischen Joseph Beuys und Arnold Gehlen.  
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BEUYS Trailer German Deutsch {1:59}

Moviepilot Trailer
Am 02.04.2017 veröffentlicht 

Alter Info-Text:
Berlinale und Beuys - Der Stuttgarter Filmemacher Andres Veiel ist im Wettbewerb mit seinem Dokumentarfilm über Joseph Beuys!

Der Film von Andres Veiel läuft zur Zeit im Kino am Raschplatz!
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Vertreter dieser Richtung erklären die menschliche Vernunft allein für unfähig, die Grundlagen, Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der objektiven Realität zu erkennen. Als Alternativen für deskriptive und normative Welterklärungen werden zum Teil „höhere“ Erkenntnisfunktionen wie beispielsweise WesensschauGlaubeIntuition oder „direktes Erleben“ vorgeschlagen. Der ausschließlich rationalen Erkenntnis wird – anders als im Rationalismus – keine wahre Erkenntnis zugesprochen, die sich vielmehr auch auf Gefühle, den Geist oder die Seele berufen müsse. Diese Auffassungen spielen oft im Zusammenhang mit religiösenesoterischen und okkultistischen, aber auch politischen Anschauungen eine Rolle. 
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Irrationalismus, Erkenntnistheoretischer Irrationalismus, Wikipedia, abgerufen am 11.06.2017]
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Joseph Beuys - Krise und Selbstheilung {6:44}

tvarchive1
Am 30.01.2010 veröffentlicht 
„Dass man mir damals die Stücke Fleisch hätte vom Arm ziehen können." Joseph Beuys berichtet von seiner tiefen inneren Krise der Jahre 1955-57 und über die Veränderungen, die sie bewirkte. Ausschnitt eines Gesprächs der Sendereihe ‚Lebensläufe' aus dem Jahr 1980 (Gesprächsführung: Hermann Schreiber).
Alter Info-Text:
Hochgeladen am 22.12.2010
„Dass man mir damals die Stücke Fleisch hätte vom Arm ziehen können." Joseph Beuys berichtet von seiner tiefen inneren Krise der Jahre 1955-57 und über die Veränderungen, die sie bewirkte. Ausschnitt eines Gesprächs der Sendereihe ‚Lebensläufe' aus dem Jahr 1980 (Gesprächsführung: Hermann Schreiber).
Das Gespräch in voller Länge findet sich auf dem Kanal "BeuysTV":
http://www.youtube.com/watch?v=iGWA2i...

Joseph Beuys - Ein Portrait (2001) {58:40}

BeuysTV
Hochgeladen am 28.05.2011
Zur Biografie, einzelnen Installationen und Aktionen. Mit Heinz Sielmann, Eva Beuys, Sonja Mataré, Franz Joseph van der Grinten, Johannes Stüttgen, Georg Jappe, Klaus Staeck, Heiner Bastian, René Block und Bazon Brock (Thomas Palzer, 2001).
Siehe auch die Google+ Seite zum Kanal mit zahlreichen Artikeln, Hinweisen und Aktuellem zu Joseph Beuys: https://plus.google.com/+beuystv

Joseph Beuys - Interview ("Lebensläufe") {43:46}

BeuysKanal
Veröffentlicht am 10.07.2013
Über den erweiterten Kunstbegriff, Biographisches, den Willen im Denken, seine tiefe seelische Krise, den gewandelten Kapitalbegriff, die Kandidatur bei den Grünen u.v.m. ("Lebensläufe", 1980).
Version ohne die Titelmusik, da diese für Deutschland gesperrt wurde.
Siehe auch die Google+ Seite zum Kanal BeuysTV mit zahlreichen Artikeln, Hinweisen und Aktuellem zu Joseph Beuys: https://plus.google.com/+beuystv

Joseph Beuys - wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt (Engl. Subs) 1/2 {14:59}

BeuysTV
Veröffentlicht am 25.07.2012
"Ich versuche, die Komplexität der schöpferischen Bereiche ans Licht zu bringen." J.B. - Filmaufnahmen, Zitate und Ausssagen (aus dem "Club 2") von Joseph Beuys zu der Aktion aus dem Jahr 1965. (New: ENGLISH SUBS!) Beuys spricht anhand der Aktion über seinen erweiterten Kunstbegriff und die Intentionen, die hinter dieser Arbeit stehen (anlässlich seines Besuchs im "Club 2" am 27.01.1983. Weitere Gäste u.a.: der österreichische Komponist György Ligeti sowie der Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel. Gesprächsleitung: Adolf Holl).
"Zu Beginn der Aktion in der Galerie Schmela in Düsseldorf versperrte Beuys die Tür von innen und ließ die Besucher draußen. Sie konnten nur durch Fenster den Vorgang beobachten. Seinen Kopf vollständig mit Blattgold, Goldstaub und Honig bedeckt, begann er, dem toten Hasen die Bilder zu erklären: Mit dem Tier auf dem Arm, und offenbar im Zwiegespräch mit ihm, ging er durch die Ausstellung, von Objekt zu Objekt. Erst nach drei Stunden wurde das Publikum in die Räume gelassen. Beuys saß dabei, den Hasen auf dem Arm, mit dem Rücken zum Publikum auf einem Hocker im Eingangsbereich.
Die Aktion gilt als Höhepunkt von Joseph Beuys' Entwicklung eines erweiterten Kunstbegriffs, die ihren Ausgang bereits in seinen Zeichnungen der 50er Jahre nahm. Distanziert und ironisch zelebriert er das Ritual des „Kunst-Erklärens" durch seine de facto (für das Publikum) schweigende Aktion.
Charakteristisch für Beuys war in dieser Aktion auch die Beziehung zwischen Denken, Sprechen und Gestalten: In seiner letzten Rede Sprechen über Deutschland (1985) betonte er, eigentlich ein Mensch des Wortes zu sein. An anderer Stelle sagt er: „Wenn ich spreche (...), versuche ich die Impulse dieser Kraft einzuführen, die aus einem volleren Sprachbegriff fließen, welcher der geistige Begriff der Entwicklung ist." (zitiert aus dem Buch von Martin Müller, s.u.). Diese Einbeziehung von Sprache und Reden in die bildnerischen Werke kommt in "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" deutlich zum Ausdruck.
Der Hase ist ein Tier mit jahrhundertealter, umfassender Symbolbedeutung in allen Religionen: In der griechischen Mythologie der Liebesgöttin Aphrodite zugehörig, bei den Römern und Germanen Symbol der Fruchtbarkeit, christliches Symbol für Auferstehung. Er wird bei Beuys zu einem vielschichtigen und Interpretationsspielräume öffnenden Bestandteil der Performance. Indem Beuys mit dem toten Hasen die eigentliche lebendige Symbolbedeutung konterkariert, kann dieser beispielsweise als Symbol für Wiedergeburt aufgefasst werden. Diese Interpretation wird auch unterstützt durch die „Maske", die Beuys während seiner Performance trägt: Gold als altes Symbol für Reinheit, Weisheit und die Kraft der Sonne, Honig als germanisches oder indisches Mittel für Regeneration und Wiederbelebung.
Dazu Beuys: „Für mich ist der Hase das Symbol für die Inkarnation, Denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich einen Bau. Er inkarniert sich in die Erde, und das allein ist wichtig. So kommt er bei mir vor. Mit Honig auf dem Kopf tue ich natürlich etwas, was mit denken zu tun hat. Die menschliche Fähigkeit ist, nicht Honig abzugeben, sondern zu denken, Ideen abzugeben. Dadurch wird der Todescharakter des Gedankens wieder lebendig gemacht. Denn Honig ist zweifellos eine lebendige Substanz. Der menschliche Gedanke kann auch lebendig sein. Er kann aber auch intellektualisierend tödlich sein, auch tot bleiben, sich todbringend äußern etwa im politischen Bereich oder der Pädagogik."
Ebenso kann die Beziehung Mensch -- Hase betrachtet werden: „So vermute ich, dass eher der tote Hase die Bedeutung der Kunst begreift, als der sogenannte gesunde Menschenverstand. Der menschliche Betrachter zeigt sich ohne jedes Verständnis, da er schon immer alles verstanden hat, noch bevor er überhaupt richtig hingeschaut hat, d.h. im Wettlauf mit dem Hasen gefällt er sich in der Rolle des Igels." (Marcel Chromik).
Mit dem Dadaismus hatten die Aktionen der Fluxusbewegung die Vergänglichkeit und Zufälligkeit gemein, neu war die Einbeziehung von alltäglichen Handlungen, der Person des Künstlers oder des Künstlerkollektivs in das Kunstwerk als solches.
Die Performance gilt als Schlüsselwerk, und wurde später von Marina Abramović im Solomon R. Guggenheim Museum, New York 2005 noch einmal nachgestellt, um auf ihre Aktualität auch für die Zeitgenössische Kunst aufmerksam zu machen. Christoph Schlingensief, der sich über viele Jahre intensiv mit Joseph Beuys auseinandersetzte, integrierte diese Performance in stark abgewandelter Form in seine Theaterstücke Atta Atta (2003) und Attabambi-Pornoland (2004)." (Quelle: Wikipedia)
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=oBNZUj...
Ganzes Gespräch im "Club 2" (Länge: 2h32) hier: http://www.youtube.com/watch?v=J6pS7H...
Siehe auch die Google+ Seite zum Kanal mit zahlreichen Artikeln, Hinweisen und Aktuellem zu Joseph Beuys: https://plus.google.com/+beuystv

Marina Abramović on Joseph Beuys {6:11}

BeuysTV
Veröffentlicht am 07.08.2014
"I perceive him in his totality." "The energy is still there." M.A.
Joseph Beuys (1921-1986) was a German Fluxus, happening and performance artist as well as a sculptor, installation artist, graphic artist, art theorist and pedagogue of art.

Im Film, aber leider auch in den Filmkritiken immer wieder die Frage nach der autobiographischen Wahrhaftigkeit seiner Kriegserfahrung. Wahrheitssuche in dem Fall nichts als unerträgliche Überheblichkeit. Filz und Fett haben ihm, dem vom Himmel geschossenen Fliegersoldaten, das Leben gerettet. Das ist hinlänglich bekannt. Aus dieser existentiellen Erfahrung der Versehrtheit, der Heimatlosigkeit, aber auch des Geholfenwerdens heraus ist seine Kunst, bzw. sind seine Lieblingsmaterialien zu verstehen. Diese Erfahrung ist der Beuys’sche Mythos, auf dem sein Selbst- und Kunstverständnis erwächst. Wer hat das Recht, ihn nach autobiographischen Details abzuklopfen? Als wäre damit irgendwas gewonnen. Als stünde dahinter eine hehre Absicht. In dem Falle ist Wahrheitssuche nichts als Hybris. Und Unverständnis. Denn das ist das Eigentliche von Mythen, dass sie nicht auf ihre Historizität zu reduzieren sind.

Beuys hatte viel vor. Streitbar, nach Mitstreitern suchend, polarisierend, und immer auch mit einem Lachen. Seine große Hoffnung setzte er in die Partei der Grünen, die ihn aber nicht wollte. Schon im Sterben, lässt er sich ohne seinen Hut fotografieren. Sein Kopf sei „zurechtgeschossen worden“, sagt er. Immer noch voller Leidenschaft für seine Idee von der sozialen Revolution mit den Mitteln der Kunst, muss er doch loslassen. Weil er keine Kraft mehr hat.

Schade. Der Film ist zuende, aber keiner erhebt sich, als wollte man noch viel, viel mehr von diesem Menschen sehen. Wirklich schade: Solche Menschen gibt es nicht mehr.

[C. Juliane Vieregge, 
Beuys - Der Film, Freitag-Community, 28.05.2017]

Die Welt ist in den letzten 10 Jahren weniger friedlich geworden

Nach dem Global Peace Index 2017 gehören die Länder, in denen die USA mit europäischen Freunden interveniert haben, zu den unfriedlichsten 

Letztes Jahr ist zwar die Welt etwas friedlicher geworden, aber während des letzten Jahrhunderts ging es eigentlich in die andere Richtung. Dennoch hat es während der letzten 30 Jahre, also nach dem Ende des Kalten Kriegs, einen Rückgang der Militarisierung gegeben. Die Auswirkungen von Gewalt auf die Wirtschaft sind enorm. Dennoch sind die Ausgaben für friedensbildende Maßnahmen viel zu gering, es wird viel mehr Geld für Gewalt als für Frieden ausgegeben. Wo "positiver Frieden" wie derzeit in Europa zurückgeht, wachsen populistische politische Bewegungen. Das ist das Resümee des jährlich vom australischen Institute for Economics and Peace (IEP) veröffentlichten Global Peace Index 2017 (GPI). 

Erfasst werden sollen damit Zustände in Ländern nach der Auswertung zahlreicher sozialer, wirtschaftlicher und politischer Faktoren, darunter auch die Zahl der Terroranschläge und der Morde, die Größe der Streitkräfte oder die Ausgaben für Rüstung, die Zahl der Flüchtlinge und der Toten aufgrund interner Kämpfe. Wie bei der Kluft zwischen Reichtum und Armut soll es auch eine wachsende Kluft zwischen Ländern geben, in denen es friedlich zugeht, und solchen, in denen Konflikt herrscht. Am schlimmsten betroffen von Gewalt ist selbstverständlich der Nahe Osten, die Region die die größten Fortschritte zum Frieden erzielt hat, ist Südamerika. Allerdings ist zu beobachten, dass der Krieg im Nahen Osten zunehmend die Gewalt auf der Welt vor allem in Ländern mit großen islamischen Bevölkerungen verbreitet. Insgesamt verbreitet der Bericht ein bisschen Hoffnung, wenn nach ihm 93 Staaten 2016 friedlicher, während 68 unfriedlicher geworden seien. 

Die friedlichste Region in der Welt ist Europa, allerdings soll hier der "positive Frieden" abgenommen haben. Gemeint ist damit die optimale Situation für das Gedeihen des "menschlichen Potenzials", das offenbar nach dem Leitspruch des "Unmenschlichen" im Guten und Friedlichen gesehen wird, was die Augen sicherlich vor den menschlichen Potenzialen im Negativen verschließt. 

Man kann, wie argumentiert wird, Gewalt als Folge bestimmter Umstände sehen, um daraus den Schluss zu ziehen, dass es theoretisch keine Gewalt mehr geben würde, wenn diese Umstände so verändert werden, dass sie diese auf individueller, gesellschaftlicher, staatlicher und zwischenstaatlicher Ebene nicht mehr triggern. Zu diesen Faktoren werden neben sozialer Kohäsion und Kapital die Entwicklungsmöglichkeiten der Jugend, der Fortschritt in den UN-Entwicklungszielen, die Gleichheit der Geschlechter, die Grundlagen des Wohlstands, die Lebenszufriedenheit der Menschen und auch Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmertum gezählt.
mehr:
- Die Welt ist in den letzten 10 Jahren weniger friedlich geworden (Florian Rötzer, Telepolis, 06.06.2017)

"Der Putsch in der Ukraine hat die Büchse der Pandora geöffnet"

Andrej Hunko, europapolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, über die Krisen in Europa dar, er fordert eine Entspannungspolitik gegenüber Russland 

Die EU steckt in einer tiefen Krise, in der Ukraine herrscht seit drei Jahren Krieg und die Beziehungen zu Russland sind auf einem Tiefpunkt. Lösungen scheinen in weiter Ferne. Andrej Hunko, europapolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, im Interview mit Andrej Mantschuk.
mehr:
- "Der Putsch in der Ukraine hat die Büchse der Pandora geöffnet" (Andrej Mantschuk, Telepolis, 08.06.2017)
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Samstag, 10. Juni 2017

Geist? Welcher Geist?

Replik auf die Replik von Stephan Schleim: Um über das Leib-Seele-Problem reden zu können, muss man sich zunächst darüber einigen, wovon man überhaupt spricht 

Ich danke dem geschätzten Kollegen Stephan Schleim für seine klärenden Ergänzungen "Körperist Geist"zu meinem Essay "Denken mit Leib und Seele". 

In vielen Punkten sind wir uns bemerkenswert einig. So etwa im Beharren auf einer soliden kritischen Erkenntnistheorie, die Schleim seinen Lesern vor ziemlich genau einem Jahr in Erinnerung rief "[…] der Punkt ist, dass das mit Händen Gefühlte, die Temperatur und sogar auch die Gummibälle uns wiederum nur als Phänomene gegeben sind. […] [S]owohl das psychische Phänomen als auch das biologische Substrat könnten, metaphysisch gesprochen, zwei verschiedene Seiten einer uns unbekannten Substanz sein. Oder um es mit Kant zu sagen: Das 'Ding an sich' können wir nicht erkennen." 

Umgekehrt stimme ich ihm zu, dass Sprache im Allgemeinen, und insbesondere die Neigung der deutschen Sprache zum Substantivieren, das Denken auf Irrwege leiten können. Denker wie auch Stilisten deutscher Sprache haben seit langer Zeit propagiert, dass man die Prozesse der Welt, statt in Substantiven, besser in Verben ausdrücken sollte (hier eine sehr elegante Arbeit dazu). Es wäre vielleicht eine zwar schwierige, aber auch lohnende Arbeit, eine Philosophie des Geistes zu entwickeln und dabei auf Substantive (und Substantivierungen) zu verzichten. 

Denn gewiss können Substantive Verpackungen ohne Inhalt (oder mit sehr variablem, kaum umgrenztem Inhalt) sein. Mir scheint nur, dass diese Kritik von Stephan Schleim für meinen Artikel nicht sehr relevant ist: Was Schizophrenie ist, ist mir hier ziemlich egal; die Rolle des Ruhezustandsnetzwerks ist auch unabhängig davon beschrieben worden. Dass "Bewusstsein" ein Omnibuswort ist, sage ich selbst. Die Worte "Leib, Seele, Körper, Geist" habe ich nicht in die Diskussion eingeführt, aber sie spielen für die Argumente zu "Qualia" und mentaler Verursachung auch keine Rolle; dort spreche ich, ebenso wie Schleim, wo mentalen und physischen Prozessen.
mehr:
- Geist? Welcher Geist? (Konrad Lehmann, Telepolis, 04.06.2017)

Prof. Peter de Jonge: "Es gibt keine Depressionen"

Wie der Psychologie- und Psychiatrieprofessor Peter de Jonge die psychische Gesundheitsversorgung revolutionieren will 

Peter de Jonge ist Professor für Psychiatrische Epidemiologie an den Universitätskliniken Groningen. Seit 2016 ist er ebenfalls Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Groningen. De Jonge ist unter anderem auf affektive Störungen (Gefühlsstörungen), die Epidemiologie psychischer Störungen, psychologische Methodologie und Statistik spezialisiert. Die psychische Gesundheit des Menschen erforscht er seit rund 20 Jahren. 

Hierfür erhielt er Forschungsmittel in Höhe von über fünf Millionen Euro bewilligt, beispielsweise von der Niederländischen Forschungsorganisation (NWO). Das Gesundheitsunternehmen Espria unterstützte seine Forschung ebenfalls mit einer Million. De Jonge ist Mitglied des von der Harvard University geführten World Mental Health Surveys, das unter anderem Empfehlungen für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedet.
mehr:
- "Es gibt keine Depressionen" (Stephan Schleim, Telepolis, 05.06.2017)
Lesenswert der Kommentar von Feuermelder:
Irre viele Opfer hier (06.06.2017)

siehe auch:
- Solution Focused Therapy Treatment Manual for Working with Individuals (Terry S. Trepper, Eric E. McCollum, Peter De Jong, Harry Korman, Wallace Gingerich, Cynthia Franklin, Research Committee of the Solution Focused Brief Therapy Association, Datum unbekannt, PDF)

Peter de Jonge - Keynote Emotions 2015 - Tilburg University {1:07:23}

Veröffentlicht am 26.10.2015
‘On emotions and well-being: how nuts are the Dutch?’, keynote during Emotions 2015. The 6th International Conference on emotions,
well-being and health, 25-27 october 2015 at Tilburg University

Mein Kommentar:
Wes Brot ich ess’, dess’ Lied ich sing. Neoliberalismus läßt grüßen!
Mal sehen, wie lange es die Kassen-finanzierte Psychotherapie noch gibt…

Freitag, 9. Juni 2017

Die Cum-cum-Blase vor dem Platzen

Über Jahrzehnte plünderten Banker, Berater und Anwälte den deutschen Staat aus. Niemand verhinderte den Raubzug. Doch dann kam ihnen eine Frau auf die Spur. 

Am 22. Juni 2011 geht im Bonner Bundeszentralamt für Steuern ein Sammelantrag ein. Er bekommt die Nummern 1100000001 bis 1100000025 zugeteilt. Dann landet er auf dem Schreibtisch von Anna Schablonski, im Erdgeschoss eines grauen, fünfstöckigen Zweckbaus mit Regalen voller Leitz-Ordner, auf deren Rücken der Bundesadler prangt. 

Schablonski ist damals 30 Jahre alt, groß und schlank, hat braune Augen und einen kinnlangen Bob-Haarschnitt. Gerade einmal ein halbes Jahr macht sie ihren Job. Von komplizierten Börsengeschäften hat sie keine Ahnung. Aber wenn Schablonski etwas seltsam vorkommt, so wie dieser Antrag, dann geht sie der Sache auf den Grund. 

Zunächst sind da die ungewöhnlich hohen Summen. In nur zwei Monaten hat der Antragsteller, ein Pensionsfonds aus den USA, für 6,4 Milliarden Euro deutsche Aktien gekauft, nur um sie kurz darauf wieder zu verkaufen. Nun verlangt er exakt 53.882.080 Euro und 94 Cent an Steuern vom deutschen Staat zurück, also fast 54 Millionen Euro. Seltsamerweise, das macht Schablonski besonders stutzig, hat der Fonds nur einen einzigen Begünstigten. Wozu, fragt sie sich, spekuliert ein Ein-Mann-Pensionsfonds mit so vielen Milliarden?
mehr:
- Cum-Ex: Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte ( Lutz Ackermann, Benedikt Becker, Manuel Daubenberger, Philip Faigle, Karsten Polke-Majewski, Felix Rohrbeck, Christian Salewski und Oliver Schröm , ZON, 08.06.2017)

Umstrittene Aktienkäufe und Cum-Ex-Deals - 24.11.2016 {1:59}

Veröffentlicht am 25.11.2016

siehe dazu:
- Milliarden aus der Staatskasse: Die Steuerräuber (ARD-Mediathek, 08.06.2017, verfügbar bis 06.06.2027 | Quelle: NDR)
- Jährlich gehen den Steuerzahlern 50 Milliarden Euro verloren (n24, 08.06.2017)

Die zweifelhaften Deals der Warburg-Bank | Panorama | NDR {9:43}

Veröffentlicht am 04.11.2016
Die Hamburger Privatbank Warburg präsentiert sich als Haus mit Tradition und Werten. Doch das Bild bekommt Risse. Hat die Bank mit dubiosen Geschäften den Steuerzahler geprellt?

http://www.daserste.de

siehe auch:
- Bankgeheimnis: Ab ins Gefängnis (Klaus Ott, Süddeutsche Zeitung, 05.06.2017)
- Geld weg !? -Sammelmappe (mycomfor.com, Stand: 03.06.2017, PDF)
- Bank Sarasin muss Drogerie-Unternehmer Müller Millionen zahlen (Südostschweiz, 22.05.2017)
- Richter verurteilen Schweizer Bank: Darum soll Sarasin Milliardär Müller 45 Millionen zahlen (Manager Magazin, 22.05.2017)
- Cum-Ex-Skandal: Im Fadenkreuz der Schweizer Justiz (Rüdiger Bäßler, Stuttgarter Nachrichten, 21.05.2017)
- Erwin Müller soll Mitarbeiter bespitzelt haben (Jan Scharpenberg, Schwäbische.de, 11.05.2017)
- Steinbrück über Aktientricks: "Ich war damals nicht viel schlauer als Sie" (SPON, 03.02.2017)
- Cum-Cum-Geschäfte Schäuble wusste früh von Steuertricks der Banken (Anne Seith, Martin Hesse, SPON, 03.02.2017)
- Steuertricks Aufsicht kannte umstrittene Cum-Ex-Geschäfte schon 1992 (SPON, 25.11.2016)
Cum-Ex-Geschäfte: Abzocke war schon 1992 bekannt (Anne Seith, Martin Hesse, SPIEGEL Nr. 48/2016, S. 70, PDF)
- Cum-cum/Cum-ex: Steuerbetrug unter den Augen des Staates (Post, 03.03.2016)
- Maschmeyer: Schmarotzer mit Heiligenschein (Post, 04.03.2016)
Haifische am Pokertisch (Post, 14.06.2009)

Donnerstag, 8. Juni 2017

Coldplay in München: Bühne frei für Ferdinand

Ein 19-jähriger Coldplay-Fan hält bei einem Konzert ein Schild hoch - mit der Bitte, den Song "Everglow" spielen zu dürfen. Tatsächlich darf er seine Idole am Keyboard begleiten. Und überzeugt vollkommen. 

Als Ferdinand Schwartz beim Konzert der Band Coldplay in München sein Schild mit der Aufschrift "Can I play Everglow for you?" hochhielt, rechnete er wohl eher nicht damit, dass er am Dienstagabend wirklich mit Frontman Chris Martin auf der Bühne stehen würde. Doch genau so kam es. Der Sänger entdeckte das Plakat im Publikum und forderte den 19-Jährigen auf, zu ihm auf die Bühne zu kommen.
mehr:
- Fan bei Coldplay-Konzert in München: Bühne frei für Ferdinand (SPON, 07.06.2017)

Coldplay LIVE - Everglow (on piano Ferdinand Schwartz) - Munich June 6th 2017   Text (Songtexte.com)   Übersetzung (Songtexte.com) {7:33}

Veröffentlicht am 06.06.2017

Gravitationslinse: Forscher wiegen Stern mit Einstein-Trick

Sternenlicht vom Kurs abgebracht: Erstmals haben Astronomen einen Weißen Zwerg mit einer Methode vermessen, die Albert Einstein einst erdacht hat. Der Ausnahmephysiker "wäre stolz" angesichts der Entdeckung, sagen Kommentatoren. 

Es ist ein ungleiches Paar von Winzlingen, das da durchs All tanzt. In den Katalogen der Astronomen findet man unter dem Namen Stein 2051 ein sogenanntes Binärsystem. Es besteht zum einen aus einem Roten Zwerg, also einem sehr kleinen Stern, zum anderen aus einem Weißen Zwerg, also sozusagen einer ziemlich dusteren Sternenleiche. Die ist zwar noch immer recht heiß, aber hat wegen ihrer geringen Größe kaum Leuchtkraft. 

Rund 18 Lichtjahre von der Erde drehen die beiden ihre Runden. Der noch quicklebendige Mini-Stern trägt dabei den Namen Stein 2051 a. Sein dahingeschiedener Partner, ähnlich wird auch unsere Sonne in ferner Zukunft aussehen, firmiert unter Stein 2051 b. Und genau dort ist Wissenschaftlern kürzlich eine faszinierende Beobachtung geglückt: Der kleine Himmelskörper lenkt durch seine Gravitationswirkung nämlich das Licht eines entfernteren Sterns auf so besondere Weise ab, dass sich daraus die Masse des Weißen Zwergs berechnen lässt.
mehr:
- Gravitationslinse: Forscher wiegen Stern mit Einstein-Trick (Christoph Seideler, SPON, 08.06.2017)

siehe auch:
- Gravitationswellen-Entdeckung ist Durchbruch des Jahres (Post, 23.12.2016)
- Forscher weisen Gravitationswellen nach (Post, 12.02.2016)
- Ein adretter Psychologe und BigData (Post, 06.12.2016)
- Einsteins Idee der variablen Lichtgeschwindigkeit (Post, 18.10.2015)
- Einstein hatte wieder mal recht – und wir können es beweisen (Post, 06.05.2011)
Geist ist geil! (Post, 26.09.2008)
- Vielleicht geht’s auch einfach (Post, 12.02.2007)

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Die allgemeine Relativitätstheorie postuliert, dass eine Masse von der Größe der Sonne in der Lage sein müsse, den sie umgebenden Raum deutlich zu krümmen. Demnach müssten Sterne, die, von der Erde aus gesehen, in der Nähe der Sonne stehen, ein wenig verschoben erscheinen, weil die Lichtstrahlen durch das Gravitationsfeld der Sonne gekrümmt würden. Zur Beobachtung dieses Effekts braucht man allerdings eine totale Sonnenfinsternis, da eine optische Beobachtung von Sternen im Umfeld des hellen Sonnenlichts unmöglich ist. Deshalb reiste Eddington nach Afrika, um dort die Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 zu beobachten. Ein weiteres Team der Expedition beobachtete gleichzeitig die Sonnenfinsternis von Sobral (Ceará) in Brasilien aus. Eddingtons Beobachtungen wurden durch Bewölkung erschwert, trotzdem gelang es ihm, Aufnahmen zu machen. In der nachfolgenden Analyse wurden sie von Eddington als Bestätigung von Einsteins Theorie gewertet. Spätere Auswertungen kamen allerdings zur Schlussfolgerung, dass die damaligen Beobachtungen dazu zu ungenau waren. [3][4][5] [Arthur Stanley Eddington, Relativitätstheorie, Wikipedia, abgerufen am 08.06.2017]
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Das Jahr 1905 wird häufig auch als annus mirabilis der Physik bezeichnet. In diesem Jahr veröffentlicht Albert Einstein neben seiner Dissertationsschrift vier bahnbrechende Arbeiten in der Fachzeitschrift Annalen der Physik.
  1. In einem am 9. Juni veröffentlichten Artikel zur Deutung des Photoeffekts wird erstmals der Begriff des Lichtquants eingeführt. (Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen GesichtspunktAnnalen der Physik 17 (6), 132-148)
  1. Die Erklärung der Brownschen Bewegung, publiziert am 18. Juli, gilt als wichtiger Schritt für den wissenschaftlichen Nachweis von Molekülen und schließlich von Atomen. (Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen, Annalen der Physik 17 (8), 549-560)
  1. Am 26. September erscheint die grundlegende Arbeit zur Speziellen Relativitätstheorie. (Zur Elektrodynamik bewegter Körper, Annalen der Physik 17 (10), 891-921)
  1. In einem Nachtrag vom 21. November leitet er die Äquivalenz von Masse und Energie ab. (Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?, Annalen der Physik 18 (13), 639–641)
  1. Am 30. April legt Einstein der Universität Zürich seine Dissertation Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen vor, für die er am 15. Januar 1906 den Doktorgrad in Physik erhält.
In Würdigung der Arbeiten jenes Jahres wurde 2005 in Deutschland das Einsteinjahr unter anderem mit der Einstein-Meile begangen, zum ersten Mal stand ein Mensch im Mittelpunkt eines Jahres der Wissenschaft. Auch international, insbesondere in der Schweizer Bundesstadt Bern, in der Einstein während des Annus mirabilis lebte und arbeitete, wurde Einstein im Rahmen des Jahres der Physik 2005 geehrt. [Annus mirabilis, 1905 (Albert Einstein), Wikipedia, abgerufen am 08.06.2017]
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How did an Eclipse prove the Theory of Relativity? {4:11}

Veröffentlicht am 05.06.2016
Exactly how did a Solar Eclipse prove or provide evidence for Albert Einstein's General Theory of Relativity? This clip helps explains how and why. NEXT: We .

Einstein's theories provided elegant explanations for existing phenomena—but he didn't quite hit the big time until experiments during a solar eclipse verified .

General relativity, or the general theory of relativity, is the geometric theory of gravitation published by Albert Einstein in 1916 and the current description of .

One eclipse is enough of an event to experience, what purpose do we have chasing eclipses outside of our Solar System? NEXT: How did a Solar Eclipse help .

Schwerkraftillusionen: Der Gravitationslinseneffekt {6:16}

Hochgeladen am 27.02.2010
http://facebook.com/WissensMagazin ... Geheimnisse des Universums ... Hubble - 15 Jahre auf Entdeckungsreise (Teil 8): "Schwerkraftillusionen: Der Gravitationslinseneffekt" von Lars Lindberg Christensen und Robert Fosbury.

Der Film ist Teil der Aktivitäten der ESA, der Europäischen Raumfahrtagentur, anlässlich des 15. Geburtstages des Hubble Weltraumteleskops.



Mittwoch, 7. Juni 2017

Dylan’s Nobelpreisrede: »Songs wollen gesungen, nicht gelesen werden.«

Er hat es getan, und aus den Worten von Sara Danius, der Vorsitzenden des Auswahlgremiums für die Vergabe des Literaturnobelpreises, spricht vor allem Erleichterung. Das Abenteuer Dylan neige sich für die schwedische Akademie nun allmählich dem Ende zu. 

Ein paar Tage vor Ablauf der ihm gesetzten Frist hat Bob Dylan seine Nobelpreisrede eingereicht. Sie ist die obligatorische Gegenleistung für die Verleihung des Literaturnobelpreises, deren Zeremonie Dylan im vergangenen Dezember ferngeblieben war. Ein wochenlanges Rätselraten über die Motive dieses eher schwach begründeten Fernbleibens war die Folge.

mehr:
- Kommentar: Bob Dylan, der Literaturnobelpreis und das poetische Ende eines Abenteuers (Harry Nutt, Berliner Zeitung, 06.06.2017)

siehe auch:
- Bob Dylan reichte Nobelpreis-Rede ein (Paul Mucke, hearZone, 06.06.2017)
Literaturnobelpreis: Lektion in Geradeaushaftigkeit (Jan Kedves, Süddeutsche Zeitung, 06.06.2017)
- Bob Dylan (Heinrich Detering, Reclam, Leseprobe, PDF)

Bob Dylan 2016 Nobel Lecture in Literature {27:02}

Veröffentlicht am 05.06.2017
Bob Dylan received the 2016 Nobel Prize in Literature "for having created new poetic expressions within the great American song tradition".

siehe auch:
- 42 Dinge, die wir von Bob Dylan über das Leben gelernt haben. (Markus Brandstetter, RollingStone, 18.12.2013)
Zu Ding 3 (»Ich folge Gott. Wenn meine Jünger also mir folgen, folgen sie indirekt auch Gott. Es gibt keinen Song, den ich nicht von Gott erhalten hätte.«)
folgender Auszug aus der englischen Wikipedia:

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A theme of "Life Seeker" is the search for God.[2][4] Anderson has stated that the lyrics:
Mother life hold firmly onto meSpread my knowledge higher than the dayRelease as much as only you can show
refer to "the point within yourself that knows you," which we call "God."[4] The lyrics accept the fact that "no matter how much you want to get clearer visions of what you're up to, you're only going to get a certain amount."[4] [Starship_Trooper, Lyrics and music, Wikipedia, abgerufen am 07.06.2017]
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»Jon Anderson is the only man I know who is single-handedly trying to save this planet by living on a totally different one.«  [Rick Wakeman über Jon Anderson in: The creation and the conduit – Muirsical Conversation with Jon Anderson, FabricationsHQ, Mai 2012]

Mein Schnellkurs in moralischem Höhenflug

Biel ist eine Arbeiterstadt in der Westschweiz mit 54.000 Einwohnern, für deutsche Verhältnisse ein Provinzstädtchen. Das sahen auch die deutschen Medien so, als herauskam, dass die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel dort eine Aufenthaltsgenehmigung hat, weil ihre Lebenspartnerin in dieser Stadt lebt. Der „Spiegel“ nannte Biel ein Städtchen, die „Süddeutsche“ ein Dorf. Weltweit berühmt sind hingegen die beiden Uhrenmarken Rolex und Swatch, die in Biel ihren Sitz haben. Biel hat die höchste Sozialquote in der Schweiz (über 11Prozent) und jeder fünfte Jugendliche bezieht staatliche Unterstützung. Selbstredend ist Biel auch eine linke Stadt mit einer linken Regierung und hat auch ein Stadtparlament, das in der föderalen Schweiz relativ viele Kompetenzen besitzt.

Wenn im eher beschaulichen Bieler Stadtrat Weltpolitik gemacht wird, getreu nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“, ist aber jeweils für Stimmung gesorgt. Das war schon in der letzten Legislatur so, als die grüne Stadträtin Lena Frank den Gemeinderat dazu verpflichten wollte, sich gegen das Freihandelsabkommen TTIP einzusetzen. Der leicht genervte Stadtpräsident, ein Sozialdemokrat, versuchte damals vergeblich, seine Genossinnen zu überzeugen, dass hier Kompetenzen überschätzt werden.

Aber eben, was ist schon eine Diskussion über die Sanierung der Abwasserleitung im einem Stadtquartier gegen eine Debatte über die Globalisierung und den Raubtierkapitalismus? Es gehe darum, so die grüne Stadträtin, ein Zeichen zu setzen. Nun, seit sich US-Präsident Donald Trump zu den Globalisierungsgegnern gesellte, haben die weltweiten Demonstrationen aufgehört und auch unsere Exekutive wird in nächster Zukunft kaum mehr aufgefordert werden, sich gegen den Freihandel zu wehren. Denn wer will schon neben so einem Verbündeten marschieren?

mehr:
- Mein Schnellkurs in moralischem Höhenflug (Alain Pichard, Achgut.com, 07.06.2017)

Dienstag, 6. Juni 2017

Anonymes Drucken und Kopieren nahzu unmöglich

Moderne Drucker und Kopierer verraten eine Menge Informationen über ihre Nutzer. Wer bei der Weitergabe von Dokumenten später nicht identifiziert werden möchte, sollte das berücksichtigen
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Nachdem eine US-Whistleblowerin offenbar durch das von ihr weiter gegeben NSA-Dokument identifiziert werden konnte, ist die Diskussion um bestimmte Sicherheitsmechanismen beim Digitaldruck wieder aufgeflammt. Bereits seit vielen Jahren ist bekannt, dass Farblaserdrucker und -kopierer ihre Ausdrucke mit fast unsichtbaren Mustern aus gelbem Toner eindeutig identifizierbar machen.

Die Pünktchen-Codes enthalten die eindeutige Seriennummer des Druckers sowie Datum und Uhrzeit. Offiziell sollen diese Signaturen – auch Machine Identification Code (MIC) genannt – dem Aufspüren von Geldfälschern dienen. In der Praxis der Strafverfolgung spielt das nach c't-Recherchen aber eine eher untergeordnete Rolle.

Vielmehr sei die versteckte Signatur auf massives Drängen der Sicherheitsbehörden vor allem in den USA entwickelt worden, bestätigte ein ehemaliger Xerox-Manager gegenüber c’t bereits 2005 (Datenschützer entschlüsseln Geheimcode auf Farblaserdrucken).

mehr:
- Anonymes Drucken und Kopieren nahzu unmöglich (Tim Gerber, heise ct’, 06.06.2017)

Es wird langweilig: Jede Menge »Einschätzungen« zur angeblichen russischen Wahlbeeinflussung

Hat Russland in die US-Präsidentschaftswahl zugunsten Donald Trumps eingegriffen? Geheimdienstdokumente sollen das belegen. Sie stammen von der NSA, werden aber von einer Whistleblower-Webseite veröffentlicht. Das FBI geht gegen die Quelle vor. 

Das FBI hat eine 25-jährige Frau festgenommen, die vertrauliche Informationen des Geheimdienstes NSA an die Website "The Intercept" weitergegeben haben soll. Das Justizministerium teilte eine entsprechende Festnahme im US-Bundesstaat Georgia mit. Dem US-Sender NBC wurde ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem nur eine Stunde zuvor erschienenen "Intercept"-Bericht bestätigt. 


Colin Powell präsentiert den Beweis für den Abschuss von MH17
 (lachschon.de)
Der "Intercept"-Bericht befasst sich mit russischen Versuchen einer Beeinflussung der US-Wahl 2016. Demnach zeigten die NSA-Dokumente eindeutig, dass der russische Militärgeheimdienst noch weitgehender in die Wahl einzugreifen versuchte als bekannt. Belegt seien demnach nun auch Attacken auf Systeme der Wählerregistrierung. 

Die Dokumente geben indes keine Auskunft darüber, ob die Einmischungsversuche auch einen Effekt hatten. Zudem wird nicht offengelegt, auf welchen Informationen die Einschätzungen der NSA beruhen. So zitiert auch "The Intercept" einen US-Geheimdienstmitarbeiter, der davor warnt, die gelakten NSA-Papiere zu hoch zu bewerten. Es handele sich lediglich um eine Einschätzung von vielen.
mehr:
- NSA-Bericht zu Russland-: Frau wegen Geheimnisverrats festgenommen (n-tv, 06.06.2017)

captain "divert your course imediately" This is a lighthouse mate your call {1:10}

Veröffentlicht am 12.09.2013
siehe dazu:
 Leuchtturm und Kriegsschiff (Moderne Sage) [Wikipedia, abgerufen am 06.06.2017]

Montag, 5. Juni 2017

Am deutschen Wesen… oder Die politisch korrekte Form des Faschismus

72 Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet: Nach Energiewende und Flüchtlingswende steht jetzt die Friedenswende und damit die endgültige Heiligsprechung Deutschlands ins Haus. 

Seit Längerem habe ich das Gefühl, in einer Zeitschleife zu leben. Ich bin ein Kind der Siebzigerjahre. Das ist das Jahrzehnt, in dem ich aufwuchs und politisiert wurde, wie das damals hieß. Wie jeder älter werdende Mensch sehe ich mit Unbehagen, dass der Abstand zu dem, was mich bewegte und prägte, wächst. 


Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen, dass ich den Anschluss verliere. Alles, was ich aus den Siebzigern kenne, ist wieder da: die Angst vor dem ökologischen Untergang. Das Gefühl, dass einem die Mächtigen nicht die Wahrheit sagen und die Medien einen nur belügen. Die Bezüge zu George Orwell und seiner berühmten Überwachungsdystopie "1984" (wobei ich gestehen muss, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, einen Hänfling wie Heiko Maas in der Rolle des Big Brother zu sehen. Das ist wirklich mal eine überraschende Besetzung!). 

Seit einer Woche ist Deutschland auch wieder Friedensmacht. Nachdem die Bundeskanzlerin in einer Rede vor Parteianhängern Deutschlands sicherheitspolitische Unabhängigkeit erklärte, überschlägt sich das Berliner Establishment mit Vorschlägen, wie man der neuen Feindnation USA am besten beikommt. In der Stunde der Not gibt es keine Parteien mehr, nur noch Patrioten. Wir sollten uns dem amerikanischen Präsidenten "mit allem, was wir vertreten, in den Weg stellen", befand Martin Schulz stellvertretend für die Sozialdemokraten.
mehr:
- Gegen Trump: Wir, die moralische Supermacht (Jan Fleischhauer, SPON)

mein Kommentar:
Na sowas, da werde ich ja richtig durcheinander. Der SPIEGEL-Fleischhauer redet so über die Mächtigen und die Medien? Da richtet ja Trump auch was Gutes an!
Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
 [Johann Wolfgang von Goethe: Faust: Eine Tragödie - Kapitel 6, Studierzimmer, gefunden beim Projekt Gutenberg]

Die einfache Entscheidung über Volksverhetzung

Spitzenpolitiker stürzen sich auf das Thema der sogenannten Fake-News, doch die vermeintliche Besorgnis wirkt aufgesetzt und verlogen - Wie ich lernte, die Fake-News zu lieben, Teil 8

Die Musikgruppe Kraftschlag beschreibt in ihrem Musikstück "Ausländerhure", wie sich eine blonde, blauäugige (Rasse)Frau zu dem entwickelt, was der Titel aussagt. In die "linke Szene" abrutschend und sich zu sehr für Ausländer und Asylanten einsetzend, trifft sie auf einer Demonstration "ihren Ali", beide werden ein Paar, er schleppt sie in die Moschee und darf nach der Heirat in Deutschland bleiben. Ihre Moral, so der Text, übt die "Ausländerhure" Volksverrat, Rassenmischung töte den deutschen Staat. Der Titel endet mit den Worten "Raus mit den Ausländerhuren, raus mit der Asylantenflut, weg mit dem Ausländerpack, denn in uns da wacht die weiße, weiße Wut."

Für viele dürfte es sich in diesem Fall um einen eindeutigen Fall der Volksverhetzung im Sinne des §130 Strafgesetzbuch (StGB) handeln. Der Bundesgerichtshof sah dies anders und urteilte mit Beschluss vom 14. April 2015, dass es sich hier eben nicht um einen solchen Fall handele.

mehr:
- Die einfache Entscheidung über Volksverhetzung (Alexander und Bettina Hammer, Telepolis, 05.06.2017)

Bernie Sanders, der gute Ami

Der von seiner eigenen Partei verhinderte Präsidentschaftskandidat der Demokraten Bernie Sanders war in Berlin und wurde wie ein Star gefeiert

Tosender Applaus und "Bernie,Bernie"- Rufen bevor der Mann auch nur ein Wort sagte, dem die Huldigungen galten. Am 31. Mai war der von seiner eigenen Partei verhinderte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten Bernie Sanders zu Gast an der FU-Berlin. Er redete in einem Teil der FU, der nach den umstrittenen antisemitischen Henry Ford benannt ist.

Bisher scheiterten alle Versuche, das Gebäude nach einer Figur der demokratischen US-Geschichte umzubenennen. Wenn es nach dem überwiegend studentischen Publikums gegangen wäre, das Sanders zujubelte, wäre die Umbenennung schon längst vollzogen. Es sind die Menschen, die in Zeiten von Trump auf der Suche nach dem guten Ami sind und ihn in Sanders gefunden haben.

Dabei geht es weniger um Inhalte, sondern um Projektionen. Sanders, der sich selber demokratischer Sozialist nennt, vertritt einen gemäßigten Sozialdemokratismus, der an die New Deal-Politik eines Roosevelt erinnert. Eine Krankenversicherung für alle US-Bürger, moderate Steuererhöhungen für Reiche und, was das akademische Publikum in Berlin besonders begeisterte, der Wegfall der Studiengebühren sind zentrale Forderung von Sanders.

mehr:
- Die Sehnsucht nach dem "guten Ami" (Peter Nowak, Telepolis, 05.06.2017)

Bernie Sanders in Berlin {2:50}

Veröffentlicht am 01.06.2017
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Bernie Sanders at Berlin FU Introducting Book Unsere Revolution 20170531 {1:40:37}

Veröffentlicht am 31.05.2017
Beschreibung

mein Kommentar:
Ich kann mich ja einer leichten Übelkeit nicht erwehren.
Auf den Verrückten wird der nächste folgen, der sich von Koch-Brüdern die Millionen in den A… blasen läßt…