Sonntag, 6. April 2008

Ist der Papst ein Häretiker …

… oder handeln manche Journalisten unverantwortlich?

In einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 1.4.08 ist zu lesen:
»Das Kirchenrecht schreibt normalerweise eine Fünfjahresfrist zwischen dem Tod und dem Auftakt des Verfahrens vor. Inzwischen suchen die Anhänger Karol Wojtylas nach untrüglichen Zeichen, dass er ein Heiliger gewesen sei – was bisweilen auch zu bizarren Diskussionen führt. Der Erzbischof von Krakau, Kardinal Dziwisz, hat jüngst über neue Wunder berichtet, die angeblich von Papst Johannes Paul II. gewirkt wurden. So sei ein unheilbar an Krebs erkrankter Mann geheilt worden, nachdem ihm der Papst das Abendmahl überreicht hatte. Das Problem: Der Mann war Jude. In gewissen Kreisen der Gläubigen ist das ein Skandal, da es verboten sei, das Abendmahl an Ungläubige auszuteilen. Also schreibt ein strenggläubiger Katholik, dieses „Wunder“ bezeuge nur, dass Johannes Paul II. kein Heiliger, sondern ein Häretiker gewesen sei.«

Kreuz.net hatte den Kardinal Dziwisz am 20. März 2008, also zwölf Tage vorher, etwas ausführlicher zu Wort kommen lassen:
»Als der Papst noch in seiner vollen körperlichen Form war, bat mich ein Freund, einen älteren Amerikaner, der im Endstadium an Krebs litt, zur päpstlichen Morgenmesse zuzulassen.
Wir taten dem Freund den Gefallen. Dieser ältere Herr kam während der Kommunion nach vorne, nahm die Hostie aus der Hand des Papstes und steckte sie sich in den Mund.“
„Nach dem Ende der Messe, näherte sich mir ein anwesender Prälat und erklärte mir, daß der Herr ein Jude war. Ich war verwirrt.
Nach einigen Wochen, rief mich der Freund wieder an. Er sagte mir, daß der ältere Jude auf wundersame Art von seinem Krebs geheilt worden war. Seine Ärzte, die ihn aufgegeben hatten, waren darüber höchst erstaunt.
Ich erzählte diese Begebenheit dem Heiligen Vater, aber er schien nicht überrascht zu sein. Er lächelte und sagte mir, daß Gott seine Söhne liebe, zu welcher Religion sie sich auch bekennen würden.«

Wo ist jetzt das Problem?

Wenn Kurt Beck die Hostie ausgeteilt hätte: Müßte er dann aus der SPD austreten oder wäre seine Kanzlerkandidatur gesichert?

Freitag, 4. April 2008

Armut senkt IQ

Kinder in armen Familien sind durch streitende Eltern, ständige Geldsorgen der Familie, Misshandlungen oder Vernachlässigung einem dauerhaften Stress ausgesetzt, der ihre geistigen Fähigkeiten beschädigt. US-Forscher konnten jetzt in Studien nachweisen, dass solcher Stress den Aufbau von Nervenverbindungen stört und das Immunsystem schädigen kann. Folge: Lebenslange Lern-, Konzentrations- und Gesundheitsprobleme sowie Verhaltensauffälligkeiten und psychische Krankheiten. Bei einer vergleichenden Untersuchung von Kindergartenkindern unterschiedlicher sozialer Klassen stellten die Wissenschaftler fest, dass Kinder aus armen Familien im Vergleich zu Mittelklassekindern eine deutlich schlechtere Sprachfähigkeit und ein schlechteres Arbeitsgedächtnis haben und dass sie sich schlechter konzentrieren können. Auch Probleme mit Immun- und Herzkreislaufsystem und mit Hautkrankheiten sind bei Kindern aus armen Familien häufiger. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung 2008 des Wissenschaftsverbandes AAAS in Boston vorgestellt. www.aaas.org

aus Der Allgemeinarzt Nr 5, 2008

Donnerstag, 3. April 2008

Gen-Scheiß, die nächsten drei

Felder sind von genverändertem Raps kaum mehr zu befreien

Florian Rötzer 03.04.2008

Auch 10 Jahre nach der letzten Aussaat und intensiver Behandlung wachsen aus im Boden verbliebenen Samen weiter Pflanzen

Mindestens 10 Jahre können Samen zumindest mancher genveränderter Pflanzen im Boden überdauern. Für Gegner von Freilandversuchen mit genveränderten Pflanzen ist die Studie von schwedischen Wissenschaftlern der Lund-Universität und der TU Dänemark das gefundene Fressen. Befürworter, die von der Unbedenklichkeit ausgehen, dürften es künftig schwerer haben, dies zu begründen.

Weiter bei Telepolis

Das US-Landwirtschaftsministerium hat schon einige Feldversuche mit genveränderten Pflanzen, die medizinische Wirkstoffe enthalten, zugelassen

Weiter bei Telepolis

In zehn oder zwanzig Jahren, nachdem sich noch ein paar Tausend indische Baumwollfarmer aufgehängt haben, wenn es dann »unvorhersehbarerweise« Rosen mit Antibiotika-geschwängerten Blüten, Bienen mit Pflanzenschutz-Honig und Gen-Mais-Wahnsinn-Pflegeheime, einen Gen-Reis-assoziierten Morbus Crohn und irgendwelche neuen Gen-Raps-Biosprit-induzierte Asthma-Formen gibt und sich Bundesregierung und Pharmaindustrie darüber streiten, wer an der letzten resistenzbedingten Krankenhausepidemie schuld ist und die Kosten zu übernehmen hat und die Erben der jetzigen Vorstandsmitglieder mit ihren Jachten über die um 50 cm gestiegenen Weltmeere zu ihren Bioplantagen auf Neu-Guinea oder sonstwohin segeln, werden wir dann sowas zu sehen und zu hören bekommen:


Da paßt auch die Meldung des Umweltinstituts München gut zu:

Geplantes Freisetzungsexperiment in Ostdeutschland:
Gen-Weizen noch riskanter als befürchtet
Umweltinstitut München warnt vor einer Kontamination der Nahrungskette


München, 29. Februar – Das für dieses Frühjahr von der Universität Rostock geplante Freisetzungsexperiment mit genmanipuliertem Weizen erweist sich als immer riskanter. Kanadische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass Weizen über deutlich größere Entfernungen auskreuzen kann als bislang bekannt. Das Umweltinstitut München warnt daher vor einer Kontamination der Nahrungskette mit transgenem Material.

Wem jetzt noch nicht schlecht ist, der schaue mal bei aliasinfo vorbei.


Es knirscht in der Reformwerkstatt

Es knirscht in der Werkstatt der Gesundheitspolitiker. Seit Monaten sind Bundesgesundheitsministerium, Bundesversicherungsamt sowie Gesundheitsexperten fieberhaft mit den Vorbereitungen für den Gesundheitsfonds beschäftigt.

Dabei geht es um sehr viel Geld für die Krankenkassen - und um ihr wirtschaftliches Überleben. Entladen haben sich die Spannungen nun im Rücktritt des Wissenschafts-Beirats, der einen zentralen Baustein formen sollte, ohne den der Gesundheitsfonds nicht funktionieren kann: den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Wichtige Vorarbeiten werden dort auch geleistet für die künftige, an der Morbidität orientierte Vergütung der niedergelassenen Ärzte.

Mein Essen zahle ich selbst

Gerade hatte ich mir einen Ruck gegeben und aufgeräumt. Aus vier Vereinen war ich ausgetreten, drei Zeitschriften-Abonnements hatte ich gekündigt und mir fest vorgenommen, jetzt keinem Verein mehr beizutreten, keine weitere Zeitschrift mehr zu abonnieren. Und doch ist es wieder passiert. Ich konnte nicht widerstehen: Ich bin Mitglied bei Mezis geworden. Als ich das neulich in einer Kollegenrunde erzählte, reichte die Reaktion von Gekicher bis zu brüllendem Gelächter. Der Verein heißt "Mein Essen zahle ich selbst".

Mezis gibt es erstaunlicherweise erst seit einem Jahr. Und von mehr als 125 000 niedergelassenen Ärzten haben sich bislang nicht einmal 100 Ärzte bei Mezis eingeschrieben: 0,8 Promille. Das Problem ist aber uralt. Das Problem heißt: Unabhängigkeit.

Zwanzig Millionen Mal besuchen die rund 15 000 Pharmavertreter in Deutschland Arztpraxen und Krankenhäuser im Jahr. Sie haben Produktinformationen bei sich, kleine Werbegeschenke, Ärztemuster. Sie wollen erreichen, dass ihre Medikamente verschrieben werden, nicht die der Konkurrenz. Man kann die Software von Arztpraxen sponsern: Will man ein Medikament verschreiben, so erscheint dort als erstes das des Sponsors auf dem Bildschirm. Man kann Ärzte zu "Anwendungsbeobachtungen" verleiten. Nicht nur mögen sie dieses und kein anderes Medikament verschreiben, sondern auch dessen Anwendung auf einem mitgelieferten Bogen kontrollieren. Dafür gibt es bares Geld pro Fall.
mehr:
- Diagnose: Mezis (Bernd Hontschik, 28.03.2008, ursprünglich auf FR-Online, inzwischen auf seiner Hompage, PDF)
- MEZIS (Wikpedia, beachte die externen Links!)

siehe auch:
„Es kocht in der Ärzteschaft!“ (Claus-Jürgen Göpfert, 29.09.2015)

Die verlorene Kunst der Chirurgie (Bernd Hontschik, FR-Online, 16.03.2013)
Ärzte-Korruption: Bestechung straffrei? (Tim Szent-Ivanyi, FR-Online, 02.01.2013)
- Diagnose: Grippegeschäft (Bernd Hontschik, FR-Online, 22.08.2009)


Georg Schramm - Döschen auf, Pille rein…… {4:55}
Deepskies
Hochgeladen am 04.07.2007
...lasst uns froh und munter sein....
Georg Schramm als Pharmareferent in der Kabarett-Sendung "Neues aus der Anstalt".
Großartige Bloßstellung des Systems einmal in der Rolle des Täters... naja, eines "Bimbo-Täters". Der wahre Abschaum ist sich zum Klinkenputzen sicherlich zu Schade...
http://www.georg-schramm.de
http://anstalt.zdf.de
http://barakas-netzgefluester.de
Weitere Links:
http://www.neue-mediz.in
http://www.nicolasbarro.de
http://www.faktor-l.de
http://www.klein-klein-verlag.de
http://www.klein-klein-aktion.de
http://www.agenda-leben.de
http://www.neue-medizin.de
http://www.faktuell.de
Bürgerinitiative Neue Medizin:
http://www.nm-aktion.de

aktualisiert am 16.02.2016

Vater, Mutter, Macht

Manchmal bereitet ihr das Bauchschmerzen: Ute Kuleisa-Binge (53) vertritt Kinder in Sorgerechtsverfahren

Neulich musste ich lachen, als sich ein Siebenjähriger vor mir aufbaute und fragte: »Wie viele Fälle hast du gewonnen?« Ich habe ihm geantwortet, dass es nicht ums Gewinnen gehe, sondern darum herauszufinden, was das Beste für ihn sei.

Seit 13 Jahren arbeite ich als Verfahrenspflegerin. Als »Anwältin des Kindes« begleite ich die Kinder durch Gerichtsverfahren beim Familiengericht. Ich vertrete ihre Position, wenn Eltern sich um das Sorgerecht streiten oder sich nicht über den Umgang mit ihren Kindern einigen können.

Im Moment betreue ich 56 Fälle – Kinder aller sozialen Schichten, verschiedener Kulturen und jeden Alters. Vor Kurzem sogar ein Ungeborenes, dessen Mutter auf der Straße lebte. Zwei ihrer Kinder lebten bereits in Pflegefamilien. Sie konnte ihren Säugling behalten und lebt jetzt in einem Mutter-Kind-Heim.

Verfahren vor dem Familiengericht sind hoch emotional. Man muss viel miteinander reden, sonst können sich die Betroffenen das Urteil an die Wand hängen, aber die Entscheidung war umsonst. Gefühle kann man nicht in Paragrafen fassen.

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für die Juristerei. Gelernt habe ich Erzieherin. Nach der Ausbildung wollte ich zur Polizei gehen, zum Jugendschutz. Doch dann geriet ich in eine Schlägerei, da war ich 16. Ich zitterte vor Angst und gab meinen Berufswunsch auf. Daneben wurde mir klar, dass sich Schichtdienst nicht mit einem Familienleben vereinbaren lassen würde.

Meine erste Ehe zerbrach leider nach 23 Jahren, und so wurden meine Kinder im Alter von 16 und 14 Jahren selbst zu »Scheidungskindern«. Allerdings war das Sorgerecht zwischen mir und meinem Ex-Mann nie ein Streitpunkt. Heute weiß ich: Jeder Mensch hat eine andere Vorstellung von Familie, und jede einzelne ist grundsätzlich weder besser oder schlechter – bis zu einem gewissen Punkt natürlich.

Einmal kam ein 14-Jähriger zu mir, der sich ans Jugendamt gewandt hatte, weil er sehr darunter litt, dass seine Eltern tranken. Er zog in ein Montessori-Heim, das ich wunderschön fand. Doch für ihn war es wie ein anderer Planet. Zu Hause war den ganzen Tag der Fernseher gelaufen, und er hatte Computer gespielt. Jetzt nichts mehr von alledem, Idylle pur. Nach eineinhalb Jahren konnte er es nicht erwarten zurückzuziehen.

Wenn ich ein Kind das erste Mal besuche oder es zu mir kommt, achte ich nicht darauf, welche Kleidung es trägt oder in welchem Zustand sein Zimmer ist. Ich blende das Materielle aus und achte auf das Zwischenmenschliche, etwa ob sich das Kind auf den Schoß der Mutter setzt oder wie sein Vater mit ihm redet.

Je gebildeter Eltern sind, desto subtiler nehmen sie Einfluss, und umso schwieriger ist es, hinter ihre Fassade zu schauen. In manchen Fällen haben sie intensiv mit dem Kind geredet. Es kennt dann alle wunden Punkte und steht in einem Loyalitätskonflikt. Oder sie geben sich bereit mitzuarbeiten. Doch im Hintergrund spielen andere Dinge eine Rolle: Wer das Haus bekommt oder das Aktienpaket.

Kinder aus einfacheren Verhältnissen reden eher mal frei von der Leber weg. Sie wissen oft gar nicht, wo sie Gefühle verletzen könnten, weil niemand sie auf wunde Punkte hingewiesen hat. Fast alle Mädchen und Jungen, die ich begleite, wollen ihre Eltern befrieden, Es berührt mich manchmal sehr, wie abgeklärt sie sind – und darin ihren Altersgenossen weit voraus.

Es braucht Zeit, bis das Kind sagen kann, was es will. Wir treffen uns in unserem Büro oder im Café und reden. Zwei bis drei Mal vor einer Anhörung. Bei manchen ist das Verfahren nach einem halben Jahr abgeschlossen, bei anderen zieht es sich über Jahre. Manchmal steht der Wunsch des Kindes gegen sein Wohl. Zum Beispiel, wenn erwiesen ist, dass Mutter oder Vater es schlagen – es aber partout wieder dort hinwill, Ich sage ihm dann, dass ich Bauchschmerzen mit seiner Entscheidung habe. Vor Gericht gebe ich seinen Wunsch weiter, ohne ihn ausdrücklich zu unterstützen.

Derjenige, bei dem die Kinder leben, sieht sich meist in einer Machtposition. Und der andere kämpft zuweilen mit allen Mitteln. Einmal erzählten mir Mädchen nach einem Wochenende bei der Mutter, dass ihr Vater Kokain schnupfe, und erzählten bis ins Kleinste, wie er das mache. Ich setzte alles daran herauszufinden, ob das stimmte: Das Familiengericht ordnete sogar einen Haartest an, den der Vater allerdings ablehnte. Doch wie es schien, hatte die Mutter die Kinder beeinflußt. Sie verlor das Interesse, als sie merkte, dass sie ihre Kinder nicht so schnell zurückbekam, wie sie gehofft hatte.

Manchmal fühle ich mich ohnmächtig: Wenn sich ein Verfahren hinzieht oder Behörden nicht so schnell reagieren, wie es für das Kind gut wäre. Ich habe aber den Eindruck, dass sich die Richter und Richterinnen in Hamburg sehr viel Mühe geben, das Wohl des Kindes zu erkennen. Die Entscheidung macht sich keiner leicht. • Protokoll: Sabine Henning

aus Publik-Forum Nr. 3•2008

Hohe Kosten helfen heilen

RANDNOTIZ
Sunna Gieseke

Die Erwartungshaltung bestimmt die Wirkung – dieser Placeboeffekt ist der Wissenschaft lange bekannt. Nun fanden Forscher zudem heraus, dass sich auch der Preis eines Medikaments auf den Erfolg der Therapie auswirkt. Abhängig davon, für wie kostspielig Patienten die Behandlung halten, reagieren sie unterschiedlich auf ein Präparat. Wenn die Patienten also meinen, die Behandlung sei teuer, lassen die Schmerzen schneller nach. Erhalten sie billigere Medikamente, lässt der Behandlungserfolg demnach länger auf sich warten.

Dies ergab eine Studie von Wissenschaftlern des US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (JAMA 2008; 299:1016). Patienten erwarten also von ihrem Arzt, dass Behandlungen vor allem teuer sind. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum einige Menschen davon überzeugt sind, dass Generika bei ihnen nicht so gut wirken wie das Originalpräparat – obwohl sie denselben Wirkstoff enthalten.

Anscheinend müssen die Medikamente noch nicht einmal wirklich teuer sein. Die Wissenschaftler mussten in ihren Versuchen nur vorgeben, es handele sich um kostspielige Arzneien. Es muss sich auch nicht einmal um richtige Arzneimittel handeln, wurden in dem Versuch doch Zuckerstückchen verabreicht.

Nach Aussagen der Wissenschaftler ist es aber keine Lösung, die Preise rabattierter Präparate einfach wieder anzuheben. Vielmehr müsse sich etwas in der Arzt-Patienten-Beziehung ändern. Einmal mehr lautet die Patentlösung: Der Arzt soll sich mehr Zeit für die Patienten nehmen und Wirkungsweisen von Medikamenen besser erklären. Leider ist die sprechende Medizin nach wie vor unterbezahlt.
aus dem Deutschen Ärzteblatt Nr. 13. vom 28. März 2008

Bankenkrise – Danke Mama, Danke Papa!

xtra2 – gerührt und nicht geschüttelt
Danke für den Link zu Schall & Rauch!

Mittwoch, 2. April 2008

Ein Blick auf Kasachstan

Mit offenen Karten - Kasachstan - Tigerstaat Zentralasiens [10:29]

Veröffentlicht am 07.02.2016
Kasachstan ist ein junger Staat, der Ende 1991 durch den Zerfall der UdSSR entstand. Es ist mit 2,7 Millionen km2 das neuntgrößte Land der Erde und liegt im Herzen Eurasiens.
Ist Kasachstan der neue Tigerstaat Asiens? Die Erdöl- und Erdgasvorkommen des riesigen Landes, das nach dem Zerfall der UdSSR entstanden war, wecken nicht nur in den Nachbarstaaten Russland und China, sondern auch in den westlichen Staaten Begehrlichkeiten und tragen zum Aufschwung seiner Wirtschaft bei.
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Kasachstan - Zwischen Sein und Schein (Doku) [4:29]

Veröffentlicht am 28.12.2013
Nach aussen hin wirkt Kasachstan modern, aufstrebend, fortschrittlich. Dies signalisiert zumindest die Fassade der neuen Hauptstadt Astana. Tatsächlich wird der Staat von Präsident Nasarbajew diktatorisch geführt. Kasachstan ist ein Land des schönen Scheins und der harten Realitäten. Es beeindruckt seine Besucher mit modernen Luxustempeln, mit visionärem Größenwahn, geboren aus dem Ölreichtum des Landes. Kaum einer mit Rang und Namen in der Welt der Architektur, der sich in Astana, der neuen Hauptstadt, nicht verewigt hat. Sir Norman Foster etwa.
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Dienstag, 1. April 2008

Endlich wieder mehr Kinder …

Hartz-IV-Empfänger
Zu arm für geschützten Sex
VON NATALIE SOONDRUM

Beim Stichwort Familienplanung fallen einem Bevölkerungsexplosion und hohe Geburtsraten in Entwicklungs- und Schwellenländern ein. Für uns war sie lange Zeit ganz selbstverständlich, dank erschwinglicher Verhütungsmittel und liberaler Abtreibungsgesetze. Doch seit der Hartz-IV-Reform beobachten die Schwangerschaftsberatungsstellen, dass immer mehr ALG-II-Empfängerinnen sich keine Verhütungsmittel mehr leisten können und ungewollt schwanger werden.
mehr bei FR-Online

Real existierender Kapitalismus – weg von der Haustür!

Der Kapitalismus ist so erfolgreich, weil er auf der egoistisch motivierten Kreativität des Einzelnen beruht, die er sich zunutze macht und für die er mehr Raum bietet als der Kommunismus, der ja bekanntermaßen nicht funktioniert. Hier wird von einer neuen und vielversprechenden Erwerbsmöglichkeit berichtet:

Asylum Airlines
Abschiebung als Geschäftsidee
VON MATTHIAS THIEME

Heinz Berger hat viel darüber nachgedacht, wie man abgelehnte Asylbewerber in großen Gruppen aus Europa heraus bringen kann. Der österreichische Manager hat eine Lösung gefunden und zusammen mit dem österreichischen Rechtsanwalt Hermann Heller und dem "Luftfahrtexperten" Carl Julius Wagner ein Geschäftsmodell daraus gemacht: eine Fluggesellschaft nur für Abschiebungen. "Asylum Airlines".

mehr bei FR-Online

Guter Versuch …

Saw Wai, prominenter Dichter in Birma, ist wegen eines Liebesgedichts verhaftet worden. Dieses Gedicht war in einem großen Wochenmagazin veröffentlicht worden. Auf den ersten Blick ging es dabei »nur« um Liebe und Glück. Habe man das Gedicht aber vertikal gelesen, so birmanische Exilmedien, hätten die ersten Buchstaben jeder Zeile zusammengenommen den Satz »General Than Shwe ist machtverrückt« ergeben. Sicherheitskräfte konfiszierten in den Läden Ranguns die gesamte Auflage des Magazins. – Die birmesische Junta hatte im Herbst 2007 einen von buddhistischen Mönchen angeführten Volksaufstand für Demokratie und Freiheit blutig niedergeschlagen. Seitdem wurden immer wieder Menschen verhaftet.

aus Publik-Forum Nr. 3•2008

Rückkehr eines Außenseiters

Staatliche Wirtschaftsprogramme werden wieder hoffähig – und damit auch ihr Urheber, der Brite John Maynard Keynes

Es geschah auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Dominique Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds, schritt zum Rednerpult und leitete die Sensation ein: »Ich glaube nicht, dass wir die Kreditkrise allein mithilfe der Geldpolitik loswerden, wir brauchen den Staat.« Manche Zuhörer wussten nicht, was sie gehört hatten, andere glaubten es nicht. Ausgerechnet der Chef jener Institution, die den Markt vergöttert wie kaum eine andere, erwähnte nun das Wort Staat. Und machte damit eine Theorie hoffähig, deren Anhänger seit 25 Jahren in der Wirtschaftswissenschaft als Außenseiter gelten: den Keynesianismus.

Hoffähig wird damit auch der britische Mathematiker und Ökonom John Maynard Keynes (1883-1946), der vor 72 Jahren als Erster mit dem Tabu des alles regelnden Marktes brach. Keynes war immer ein Außenseiter mit eigener Meinung gewesen – und gehörte dennoch immer zur großen Gesellschaft Großbritanniens. Obwohl selbst Mathematiker, war er am Kings College in Cambridge schockiert darüber, dass die Ökonomen immer nur mathematisch dachten und nie sozial. Dann wagte er es, die Effizienz des Marktes infrage zu stellen, kritisierte das Dogma, dass jede Krise in der Marktwirtschaft automatisch zum Aufschwung führt – ohne jeden Eingriff.

Aus dieser Kritik heraus entwickelte er seine Wirtschaftstheorie, die er 1936 in seinem Hauptwerk »Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes« veröffentlichte. Seine wichtigste These: Da konjunkturelle Arbeitslosigkeit vor allem durch einen Mangel an Nachfrage verursacht wird, muss der Staat auf Krisen mit Maßnahmen zur, Steigerung der Nachfrage reagieren – auch wenn er dazu Kredite aufnehmen muss.

Obwohl mit dieser Theorie reiner Außenseiter, machte er eine steile Karriere und blieb doch immer Außenseiter: Er handelte als britischer Delegierter den Versailler Vertrag aus und trat kurz vor dessen Abschluss zurück, weil er die Reparationszahlungen für Deutschland als »ökonomisch widersinnig« kritisierte. Noch während des Zweiten Weltkrieges trat er auf der Weltwährungskonferenz in Bretton Woods der US-Delegation mit der ketzerischen Forderung gegenüber, die Welt brauche keinen Dollar als Leitwährung, sondern eine umlaufgesicherte Weltwährung namens Bancor. Die US-Amerikaner setzten sich durch, doch Keynes behielt sein Ansehen. Und dies auch, nachdem er als bekennender Homosexueller mit großem Pomp eine Balletttänzerin geheiratet hatte.

So mancher Politiker, vor allem unter den Linken, wird die Rückkehr des Keynesianismus bejubeln. Grund zum Jubel haben allerdings nur jene, die Keynes insgesamt ernst nehmen: Er fordert zwar schuldenfinanzierte Investitionen gegen die Krise. Allerdings verlangte er auch die Rückzahlung der Schulden nach der Krise. Damit haben so manche Keynesianer ihre Probleme.
• Wolfgang Kessler
aus Publik-Forum Nr. 3•2008

Hacker veröffentlichen Fingerabdruck Schäubles

Die Hacker des CCC begehen einen «enormen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht« des Innenministers. Das sagen sie selbst – und legen ihrem Clubmagazin ein besonderes Gimmick bei.

Der Chaos Computer Club (CCC) hat einen Fingerabdruck von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Deutschlands größter Hacker-Verein will so die Speicherung von Fingerabdrücken in elektronischen Reisepässen und Personalausweisen anprangern, wie CCC-Sprecher Frank Rosengart sagte. Er bestätigte damit einen Bericht von «Focus-Online».

weiter bei der Netzzeitung

Montag, 31. März 2008

Was Tiere denken

Hunde, die bis zu 300 Wörter verstehen, Papageien, die ihre Wünsche auf Englisch artikulieren, Krähen, die Werkzeuge basteln - Forscher plädieren für mehr Bescheidenheit, denn neueste Erkenntnisse zeigen: Intelligenz ist nicht für Primaten oder Säugetiere reserviert.

weiter bei Spiegel Online

Gen-Scheiß, die nächsten drei von allen

GENTECHNIK

Nicht nur die Verbraucher, auch die Landwirte in Deutschland lehnen mehrheitlich gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Versuche mit manipulierten Saaten finden jedoch statt. Dabei kommt es immer wieder zu ungewollten Ausbreitungen. Zuletzt wurde Ende August Rapssaatgut entdeckt, das mit illegalem Gen-Raps verunreinigt war. Dieser war lediglich für den Versuchsanbau genehmigt. Wie es zu der Vermischung kam, ist bislang nicht geklärt. Der Vorfall zeige, so Greenpeace-Gentechnikexpertin Ulrike Brendel, dass freigesetzte Gen-Pflanzen nicht zu kontrollieren seien.

Ein vierseitiges Info-Blatt „Gentechnik in Europa – alles sicher, oder was?“ steht als PDF auf www.greenpeace.de/themen/gentechnik/publikationen


PREIS FÜR FARMERPAAR SCHMEISER

Weil sie sich seit fast zehn Jahren von den übermächtigen US-Gentechnikkonzern Monsanto nicht unterkriegen lassen, bekommen die kanadischen Farmer Percy und Louise Schmeiser einen Alternativen Nobelpreis – „für den Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt“ [www.rightlivelihood.org]. 1998 begann der Kampf von David gegen Goliath. Nachdem sich auf Schmeisers Feldern Raps mit einem Gen aus dem Hause Monsanto fand, wollte der Konzern 400.000 Dollar Lizenzgebühr – oder das Ehepaar zwingen, künftig nur Monsanto-Saatgut zu kaufen. Die Schmeisers – sicher, dass der Wind Pollen manipulierter Pflanzen auf ihre Acker geweht hatte – wehrten sich und zogen schließlich vor Gericht. Zwar bestätigten die Richter im Grundsatz den Anspruch von Monsanto, zahlen mussten die Farmer aber nicht. Derzeit lauft eine weitere Klage: Monsanto weigert sich, die Kosten für die Entfernungvon Gen-Pflanzen von Schmeisers Land zu tragen. Das Urteil fällt im Januar.

Drei Links zur aktuellen Situation (Ende März 2008):
– bei CL-Netz
– bei Greenpeace
– bei Oekonews.at


GENTECHNIK – Budweiser-Bier wird in den USA mit Gen-Reis gebraut

Übler Nachgeschmack

Vom Reinheitsgebot für Bier scheint der US-Brauriese Anheuser-Busch nichts zu halten. Neben Gerste verwendet die Firma für ihr populäres Budweiser auch Reis – und der ist auch noch gentechnisch verändert, wie Greenpeace-Analysen jetzt offenbarten. In drei von vier Proben einer Mühle im US-Bundesstaat Arkansas entdeckten die Prüfer Spuren von LL601, einem Gen-Reis aus dem Hause Bayer. „Anheuser-Busch sollte seine Kunden darüber informieren“, sagt Doreen Stabinsky, Gentechnik-Expertin von Greenpeace International. Zudem müsse der Konzern sicherstellen, dass dieses Bier nicht exportiert werde, denn der Gen-Reis ist in Europa nicht zugelassen. Prompt versicherte die Firma, die in 60 Länder liefert, das Bier für Übersee sei garantiert gentechnikfrei. Kurz: Die US-Kunden trinken, was im Ausland nicht verkäuflich ist. „Der doppelte Standard wird bei vielen Biertrinkern sicher einen üblen Nachgeschmack hinterlassen“, sagt Doreen Stabinsky und fordert die Firma auf, keinerlei gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe mehr einzusetzen. Weltweit gibt es nur noch wenige Biersorten, die mit Reis gebraut werden. In den USA indes ist Anheuser-Busch der größte Käufer von Reis und nimmt sechs bis zehn Prozent der gesamten Ernte ab.

Deftig persifliert Greenpeace einen Werbe-Spot für Budweiser – nichts für Zartbesaitete! Das Original sehen Sie auf www.youtube.com/watch?v=L3SwthA4Ld0, den Fake unter www.greenpeace.org/international/photosvideos/greenpeace-tv (Stichwort „Whassup!“)

Der Budweiser-Werbespot-Link funktioniert anscheinend nicht mehr, ich nehme an, das ist er:




Wer die Bäume umarmt

VANDANA SHIVA IST EINE UMWELT-HELDIN. BEGONNEN HAT ALLES IM EHEMALIGEN KUHSTALL IHRER MUTTER


Schon als Vandana Shiva ein kleines Mädchen war, lernte sie von ihren Eltern, die Natur zu lieben und zu achten. Schon Mutter und Vater haben als Bauern und Waldhüter gearbeitet und ihre sichere Stellung in der Schule und beim Militär aufgegeben. Die Familie ist nicht ganz arm, und die junge Vandana Shiva erhält eine Chance, die die wenigsten indischen Jugendlichen erhalten: Sie darf im fernen Kanada Physik studieren und meistert die wissenschaftlichen Herausforderungen mit Bravour. Gerade 30 Jahre alt und ihrer Forscherkarriere schon sicher, besinnt sich Vandana Shiva auf ihre Wurzeln und kehrt – mit einem Doktortitel in der Tasche – nach Indien zurück. In ihrer Heimatstadt Dehradun gründet sie das unabhängige Institut für Forschung, Wissenschaft, Technologie und Ökologie – im ehemaligen Kuhstall ihrer Mutter. Zusammen mit Frauen aus der indigenen Bevölkerung gründet Vandana Shiva die erste Umweltvereinigung des Landes, die Chipko-Bewegung. Die unbelesenen Bäuerinnen werden berühmt, weil sie von Rodung bedrohte Bäume umarmen. Sie weichen nicht im Angesicht der Bulldozer. Die Bilder gehen um die Welt, die Aktion findet überall Nachahmung. Die Umarmung der Bäume, eine Liebeserklärung an die Natur, soll den Raubbau stoppen und wird zum Hoffnungssymbol für eine immer stärker bedrohte Erde. Aus dieser grundlegenden Erfahrung heraus entwickelt Vandana Shiva seither ihre Theorien des Ökofeminismus und der Erddemokratie, über die die mittlerweile schon berühmte Aktivistin bis heute viele Bücher geschrieben hat. Zusammen mit den Chipko-Frauen sammelt Vandana Shiva seltene Saatgutarten in den Bergregionen Indiens und untersucht sie in ihrem Institut. Die Ergebnisse sind verblüffend: Roter Reis etwa hat viel mehr Vitamine als industriell vermarktete Sorten der Agroindustrie. An diesem Punkt entwickelt sich Vandana Shiva von der Umweltschützerin zur Konzern- und Globalisierungskritikerin. Erfolgreich bekämpft sie die Patentierung von Saatgut und unterstützt internationale Kampagnen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel.

Schnell erwirbt sich Vandana Shiva internationale Anerkennung und wird zuverlässige Beraterin vieler wichtiger Organisationen wie des Weltzukunftsrates oder der Welternährungsorganisation (FAO). Und: Vandana Shivas Arbeit findet einen breiten öffentlichen Zuspruch. Die Vereinten Nationen verleihen ihr den Global-500-Award, das Time-Magazine kürt sie zur Umweltheldin, 2003 erhält sie den Alternativen Nobelpreis, zwei Jahre später wird sie für den offiziellen Friedensnobelpreis nominiert. Aktuell hat sie den Blue-Planet-Award der Stiftung Ethecon erhalten (siehe Kasten).

Doch all diese Auszeichnungen beeindrucken die engagierte Kämpferin nur wenig, solange noch Menschen Hunger leiden. Hart geht sie mit den Unternehmen der Agroindustrie ins Gericht. »Sie pressen unseren Bauern Lizenzgebühren ab, Geld für patentierte Samen, Dünger und Pestizide«, kritisiert Vandana Shiva, die darauf setzt, dass Menschen auf der ganzen Welt gegen diese Ungerechtigkeit gemeinsam vorgehen. »Die Bedürfnisse der Menschen müssen im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns stehen und nicht die Profite der Konzerne«, so lautet das Credo einer großen Frau, die nicht aufhört, die Bäume zu umarmen, solange sie noch stehen.
• HUBERT OSTENDORF

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Die Welt für unsere Kinder retten

Ethecon wurde 2004 von zwei älteren Menschen gegründet, die sich einfach nicht damit abfinden können, der nächsten Generation den Planeten in einem Zustand am Rande des Kollapses zu hinterlassen. Auch nach ihrem eigenen Tod soll, so die Idee den Kindern und Enkeln eine starke Stiftung im Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Ökologie zur Seite stehen. Zu den beiden Gründungsstiftern sind mittlerweile fünf Zustifter und 58 Fördermitglieder hinzugekommen, das Stiftungskapital liegt bereits bei 499 000 Euro – 5 Millionen werden mittelfristig angestrebt.

Ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie, Akeleiweg 7, 12487 Berlin, E-Mail: Info@ethecon.org, Internet: www.ethecon.org, Spendenkonto: GLS-Bank 8023314500, BLZ 43060967
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Wir haben den roten Reis gefunden


ALLE MACHEN PROFIT, UND MEINE LANDSLEUTE VERHUNGERN DABEI. PROVO SPRACH MIT VANDANA SHIVA

PROVO: Vandana Shiva, Sie haben immer wieder den Hunger in der Welt angeprangert.
VANDANA SHIVA: Der Hunger kommt in den Ländern des Südens ausgerechnet in bäuerlichen Gegenden vermehrt vor, also dort, wo Menschen Nahrungsmittel anbauen. Das ist doch absurd. Wie kann es sein, dass Bauern, die Nahrung anbauen, Hunger leiden? Sie geraten in eine Lage, die es ihnen nicht ermöglicht, ihre eigenen Nahrungsmittel für sich und ihre Familien zu behalten. Die Ursachen liegen in der Abhängigkeit von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden, die die Konzerne der Agroindustrie ihnen für teures Geld verkaufen. Dies führt nicht nur zu Hunger, sondern auch zur Zerstörung der Natur. Tausende von Bauern bringen sich selbst um, weil die Schuldenlast sie erdrückt. Ich weiß auch von einigen, die ihre Frau oder Kinder verkauft haben, andere haben eine Niere verkauft.

PROVO: Manche sagen, die Gentechnik könne den Hunger bekämpfen.
VANDANA SHIVA: Das ist falsch. Allerdings wurde die Biotechnologie sogar auf dem offiziellen Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen in Rom 2002 als Wunderwaffe gegen den Hunger propagiert. In Wahrheit dient sie nur dem Geschäft von Nahrungsmittelkonzernen wie Monsanto und Nestlé.

PROVO: Was spricht denn gegen die Biotechnologie?
VANDANA SHIVA: Die Biotechnologie bietet überhaupt keinen Ansatzpunkt gegen den Hunger in der Welt. Es wird etwa behauptet, dadurch käme es zu höheren Erträgen in der Landwirtschaft. Das ist einfach falsch. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen verbessern nirgendwo in der Welt die Ernten der Bauern und bringen die Kleinbauern in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen. Eine Greenpeace-Studie über die Landwirtschaft in Argentinien beweist sogar, dass die Ernteerträge durch Gentechnik geringer werden. Gleichzeitig steigt aber der Verbrauch an gefährlichen Pestiziden und teuren Düngemitteln.

PROVO: Also alles nur eine Frage des Profits?
VANDANA SHIVA: Ja, leider. Die armen Länder sind ein riesiger Absatzmarkt für die Produkte der Agroindustrie, der größte der Welt. Die Konzerne pressen unseren Bauern Lizenzgebühren ab, Geld für patentierte Samen, Dünger und Pestizide. Gleichzeitig bestimmen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds die Bedingungen für den Außenhandel. Die indische Bevölkerung etwa bezahlt für das eigene Getreide doppelt so viel wie die Exporteure Also verhungern meine Landsleute, weil ihnen die Nahrungsmittel verwehrt werden, die sie selbst produzieren.

PROVO: Was muss geschehen?
VANDANA SHIVA: Die Regierungen des Nordens sollten dafür sorgen, dass die Konzerne sich aus der Nahrungsmittelproduktion heraushalten. Außerdem müssen wir verhindern, dass diese Unternehmen gentechnische Pflanzen anbauen. Sie tun dies oft ohne rechtliche Regelungen und schaffen damit Tatsachen. Wie brauchen ein neues System der Nachhaltigkeit. Schlüsselfragen müssen sein: Wie nutzt man den Boden am besten, was ist am gesündesten, was ist gerecht, wie nutzen wir die Artenvielfalt am besten?

PROVO: Gutes Stichwort: Artenvielfalt ist sozusagen das Credo Ihrer Bewegung »Navdanya«? VANDANA SHIVA: Genau. Wir sammeln Saatgut in den Bergregionen Indiens, wo wir zum Beispiel roten Reis gefunden haben. Mein erster Gedanke war, wenn er rot ist, muss er viel Eisen oder Betacarotin enthalten. Ich ging also ins Labor und stellte tatsächlich fest, dass der rote Reis extrem viel mehr Vitamine und Eisen enthält als Gen-Reis.

PROVO: Aber das ist nur ein Beispiel …
VANDANA SHIVA: … das sich übertragen lässt. Ökologie in der Landwirtschaft vor allem in der Dritten Welt ist das Ziel von Navdanya. Wildkräuter eignen sich zudem zur Bekämpfung von Krankheiten. Hinzu kommt: Mit angestammten Arten lassen sich faire Bedingungen des Handels aufbauen.

PROVO: Ein besonderes Problem ist die Privatisierung.
VANDANA SHIVA: Nehmen Sie zum Beispiel das Wasser. Da, wo das Wasser von großen Konzernen privatisiert wurde, ist es um das Zehnfache teurer geworden Und diese horrenden Summen lassen sich über die von der Weltbank diktierten Dumping-Erträge nicht wieder einfahren. Hinzu kommt, dass das ganze ungerechte System auch noch mit öffentlichen Mitteln subventioniert wird. Wir müssen unbedingt dafür kämpfen, dass dieses öffentliche Geld, also unser Geld, in die ökologische Landwirtschaft der Kleinbauern fließt. Außerdem hoffe ich, dass die europäische Bevölkerung sich gegen die Einfuhr gentechnisch belasteter Nahrungsmittel zur Wehr setzen wird.

Die Fragen stellte Hubert Ostendorf

aus der Jugend-Beilage »Provo«, enthalten in Publik-Forum Nr. 3•2008

Sonntag, 30. März 2008

Real existierender Kapitalismus vor der Haustür

Kleingärten sollen Boehringer weichen

Pächter der Kolonie „Gartenheim“ sind entsetzt. Denn die Stadt plant für das neue Forschungszentrum die Flächen von 39 Parzellen ein.

Von Rüdiger Meise

Für das Vorhaben der Stadt, in Kirchrode ein Tierimpfzentrum der Firma Boehringer-Ingelheim anzusiedeln, sollen 39 Kleingärten der Kolonie Gartenheim weichen. So sieht es der Entwurf des entsprechenden Bebauungsplans vor, der dieser Zeitung vorliegt.
Bislang war lediglich bekannt, dass Boehringer auf dem Gelände der ehemaligen Kleingartenkolonie „Sommerlust“ bauen möchte. „Erst nach hartnäckigen Recherchen haben wir erfahren, dass die Stadt auch mit unserem Gelände plant“, sagt Elke Britz, deren Garten betroffen ist. Für die im Plan der Stadt ausgewiesene „Sonderfläche für Wissenschaft und Forschung“ und eine dazugehörige Frei- und Grünfläche müssten 39 Kleingärten abgerissen werden, sagt Britz. „Wir waren erschüttert.“

Die Grafik zeigt die Lage der Kleingartenkolonie Gartenheim.

Stadt-Sprecher Dieter Sagolla bestätigte gestern, dass „dies der momentane Planungsstand“ sei. Weitere Stellungnahmen lehnte der Sprecher jedoch mit Verweis auf die geplante Informationsveranstaltung am 2. April ab, bei der Vertreter der Stadt und von Boehringer-Ingelheim das Vorhaben vorstellen wollen.
Nach Angaben von Karl-Heinz Rädecker, Bezirksvorsitzender des Kleingärtnerverbands, wäre eine Kündigung des Generalvertrages zwischen der Stadt und dem Verband erst zum Februar 2009 möglich. Im gleichen Jahr plant Boehringer-Ingelheim mit dem Baubeginn für das Tierimpfzentrum.
Viele der betroffenen Kleingärtner sind nach Auskunft des Gartenheim-Vorsitzenden Michael Günther nicht gewillt, ihre Parzelle herzugeben, zumal die Kolonie nicht über Ersatzflächen verfüge, sagt Günther. „Bei uns stehen lediglich zwei Gärten leer.“ In einer Hauptversammlung am 4. April wollen die Mitglieder des Vereins „Lange Laube“, dem die Kolonie angehört, ihr weiteres Vorgehen besprechen. Kleingärtner-Chef Rädecker sichert die Unterstützung des Bezirksverbands zu – „ganz gleich, wie sich der Verein entscheidet“. Immerhin bestehe die Möglichkeit, eine Kündigung des Pachtvertrags abzulehnen. „Dann geht die Sache vor Gericht“, sagt Rädecker.
Elke Britz, deren Kleingarten ebenfalls dem Tierimpfzentrum weichen müsste, steht der Sinn nach Widerstand. „Es ist doch ganz logisch, dass Boehringer mittelfristig in Hannover expandieren will“, sagt sie – und befürchtet, dass dann auch der Rest der 80 Jahre alten Kolonie dem Konzern weichen müsste. Derzeit verfügt Gartenheim über 267 Parzellen.
Laut Bundeskleingartengesetz müsste die Stadt im Fall einer Kündigung des Pachtvertrags Entschädigung zahlen oder Ersatzflächen zur Verfügung stellen. Komplizierter könnte das Problem für die Stadt allerdings durch Kurt Großmann werden. Der 74-Jährige ist nicht Pächter, sondern Eigentümer seines Kleingartens. 1960 hatte sein Vater das 2400 Quadratmeter große Grundstück gekauft, hier hält Großmann Schafe und Hühner, züchtet Kaninchen und Blumen zwischen Gartenzwergen und rostigem Werkzeug. Für ihn kommt ein Verkauf der Parzelle nicht infrage. „Das hier ist mein Lebenswerk“, sagt er, und zeigt dann auf einen Baum auf seinem Grund. „Und wenn die mich enteignen, hänge ich mich hier auf.“

Kurt Großmann will seinen Kleingarten unter keinen Umständen abgeben.

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KOMMENTAR
Besser informieren


Es vergeht derzeit keine Woche, in der Boehringer-Ingelheim und die Stadt nicht neue Verärgerung auslösen: Erst kommen angekündigte Info-Briefe nicht an, dann fühlt sich die Lebenshilfe nicht ausreichend informiert darüber, was der neue Nachbar ihres Behindertenwohnheims plant, und jetzt stellen Kleingärtner entsetzt fest, dass die Stadt längst plant, für den Bau ihre Parzellen abzureißen.
Natürlich ist das Vorhaben umstritten, ein Tierversuchszentrum in einem Wohngebiet zu bauen. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu informieren. Doch seit Tagen beantwortet die Stadt keine Fragen mehr – und verweist auf die Info-Veranstaltung am 2. April. Den Gegnern gibt dieses Verhalten nur neue Argumente an die Hand: Was gibt es da zu verschleiern? Mit ihrer – freundlich ausgedrückt – zurückhaltenden Informationspolitik zieht die Stadt den Unmut immer neuer Bevölkerungsgruppen auf sich. So war vonseiten der Kleingärtner bislang keine Kritik zu hören, obwohl ihre Parzellen direkt an das geplante Boehringer-Gelände angrenzen. Dass die Stadt ihren Interessen jedoch so wenig Beachtung schenkt, muss sie verärgern. Unterschätzen sollte man im Rathaus den Unmut der Anwohner nicht. Schließlich haben Bürgerproteste die Ansiedlung Boehringers in Tübingen verhindert. Rüdiger Meise
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aus der Hannoverschen Allgemeine Zeitung vom 28.03.2008



Große Angst um kleine Gärten

Die Besitzer der Kolonie „Lange-Feld-Straße“ fürchten, daß sie ihre Parzellen für die Ansiedlung von Boehringer Ingelheim räumen müssen. Das Unternehmen setzt derweil auf „eine faire Lösung“.

Die Kleingartensiedlung Gartenheim steht auf dem geplanten Boehringer-Gelände: Michael Günther und Elke Britz vom Verein „Lange-Feld-Straße“ sorgen sich um ihre Parzellen.


Von Rüdiger Meise

Wie ein Lauffeuer wurde die Nachricht gestern in der Kleingartenkolonie Gartenheim von Parzelle zu Parzelle weitergegeben: Boehringer Ingelheim hat bereits den größten Teil der Fläche gekauft, auf der die Kleingärten stehen, die dem geplanten Tierversuchszentrum des Pharmakonzerns weichen sollen. „Viele sind niedergeschlagen“, sagte Michael Günther, Vorsitzender des Vereins „Lange-Feld-Straße“, zu dem die Kolonie gehört. Erst gestern war bekannt geworden, dass Boehringer mit einer Fläche plant, auf der 39 Kleingärten stehen.
Die Stadt hatte gestern den Verkauf bekannt gegeben und mitgeteilt, der Bezirksverband der Kleingärtner und die Kolonie Gartenheim seien bereits am 3. März informiert worden, dass ihre Flächen für die Boehringer-Ansiedlung benötigt würden. Dem widerspricht Kleingärtnerpräsident Karl-Heinz Rädecker: „Eine glatte Lüge!“ Auch Vereinsvorsitzender Günther beteuert, er wisse nichts davon.
Für Rädecker ändert sich durch den Verkauf der Fläche „erstmal gar nichts“. Nun müsse eben nicht der alte Eigentümer, sondern Boehringer den Pachtvertrag kündigen, um die Flächen nutzen zu können.
Der Justiziar des Bezirksverbandes, Gerd Pinkvoß, rechnet damit, dass der für 2009 geplante Baubeginn auf dem Gartenheim-Gelände mit juristischen Mitteln um bis zu drei Jahre verzögert werden könnte, „wenn sich die Kleingärtner zum Widerstand entschließen sollten“. Die Pachtverträge könnten frühestens im Februar kommenden Jahres gekündigt werden, und dagegen könnte der Bezirksverband Klage vor dem Verwaltungsgericht einlegen. Zuvor könnten die Kleingärtner die für den Boehringer-Bau notwendige Änderung des Bebauungsplans anfechten.
„Die besten Karten hat sicherlich Kurt Großmann“, sagt Pinkvoß. Der 74-jährige Großmann ist nicht Pächter, sondern Eigentümer seiner Parzelle und hat signalisiert, sein 2400 Quadratmeter großes Grundstück in keinem Fall verkaufen zu wollen. „Wenn man Großmann enteignen will, muss man nachweisen, dass diese Maßnahme dem Wohle der Allgemeinheit dient. Das könnte schwierig werden, wenn man sie damit begründet, ein Tierversuchszentrum in der Nähe eines Wohngebiets bauen zu wollen.“
Ob sich die Kleingärtner zum Widerstand entschließen oder eine Kündigung der Pachtverträge akzeptieren, wollen sie in einer Sitzung am 4. April beschließen. Rädecker rechnet damit, dass Boehringer Ingelheim jedem Laubenpieper mehrere Tausend Euro anbieten wird.
Die Firma Boehringer ist nach Angaben ihres Sprechers Andreas Breitsprecher „an einer fairen Lösung“ interessiert. Wie diese aussehen kann, wolle man gemeinsam mit der Stadt Hannover prüfen. Und die weist in ihrem Entwurf des Bebauungsplans „Nr. 1708 – Forschungszentrum Bemeroder Straße“ darauf hin, dass die geplante Bebauung des Geländes eine „zeitlich gestaffelte Realisierung“ zulasse. Das soll wohl heißen: Falls es mit der Kolonie Gartenheim Schwierigkeiten gibt, wäre denkbar, dass sich Boehringer zunächst vorwiegend auf die Fläche der seit längerer Zeit aufgelösten Kolonie „Sommerlust“ beschränkt. Bis die Probleme beseitigt sind.

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Grüne wollen öffentliche Anhörung

Das Forschungszentrum von Boehringer Ingelheim beschäftigt am Sonnabend den Parteitag der hannoverschen Grünen. Mehrere Mitglieder wollen den Vorstand beauftragen, eine öffentliche Anhörung zum Ansiedlungswunsch des Konzerns zu veranstalten. Anwohner, Politiker, Verwaltungsfachleute und Experten von Boehringer sollen ebenso zu Wort kommen wie Vertreter von Umwelt- und Tierschutzverbänden. Nach dieser Anhörung sollen die Grünen entscheiden, ob und in welcher Form sie zu dem von Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) forcierten Projekt stehen. Antragsteller Jörg Schimke sagte, das Forschungszentrum betreffe zentrale Fragen grüner Politik wie Tierschutz, Bürgerbeteiligung und Gentechnik.
Der Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, Lothar Schlieckau, hatte vor Kurzem gesagt, das Zentrum könne kommen, wenn Gefahren für Mensch und Umwelt ausgeschlossen seien. Enno Hagenah, Landtagsabgeordneter der Grünen, erklärte, die Entwicklung von Impfstoffen auch mithilfe von Tierversuchen sei letztlich Tierschutz. Schimke sagt, „ungeprüft können die Grünen keine Unbedenklichkeitserklärung abgeben“, es gehe besonders um mögliche Massentierhaltung. gum

aus der Hannoverschen Allgemeine Zeitung vom 29.03.2008



Der Begriff »Tierimpfzentrum« ist allein schon einen Schönheitspreis wert. Er suggeriert, daß hier Tiere geimpft werden. Tatsächlich geht es aber um die Beforschung von Infektionen mit – teilweise genmanipulierten – Erregern. Während die Geruchsbelästigung der Anwohner in Tübingen nach Darstellung von Boehringer »weitgehend vermieden« werden soll, lautet die Darstellung für die Hannoveraner, eine Geruchsbelästigung sei »ausgeschlossen«. Was passiert eigentlich in fünf Jahren, wenn festgestellt wird, daß – trotz aller Beteuerungen der Firma – doch eine Geruchsbelästigung existiert?
Wieso sich die Firma mit ihrer Forschungsanstalt in eine Wohngegend setzt – in Tübingen spricht die Linke von »fußballfeldgroßen, mehrstöckigen Schweineställen« –, ist mir völlig unklar. Wie dreckig muß es den betroffenen Städten da gehen, daß die so eine Schweinerei mitmachen! In Leserbriefen der Linken in Tübingen ist von Rinderställen die Rede, die später hinzukommen sollen. Wieso geht man da nicht einfach 10 Kilometer raus auf die grüne Wiese?

Also was haben wir da? Einen Pharmagiganten, der die betroffenen Bürger nicht informiert und eine geschröderte neoliberale SPD, die baggerartig über die Köpfe ihrer Bürger hinwegregiert, schöne neue Welt…

Mir ist völlig schleierhaft, wie sowohl Pharmakonzern als auch Politik glauben, so mit den Menschen umgehen zu können. Die basteln sich ihren Gegenwind doch selber!

Zitat aus dem Internetauftritt der Wählergemeinschaft »Wir für Hannover«:

»Die ehemalige Tübinger Bürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer (SPD) hatte nach ihrer Abwahl (also erst, als sie nichts mehr zu verlieren hatte!) eingeräumt, dass Boehringer bei dem geplanten Projekt in Tübingen größten Wert auf äußerste Diskretion und auf möglichst wenig Öffentlichkeit gelegt hatte.«

Zur Chronologie der Boehringer-Vorstellung in Tübingen beim Schwäbischen Tagblatt

Hier noch ein Link zu Schweinerei.Mietrechtkanzlei.de


Dazu paßt doch folgender Artikel ganz ausgezeichnet:


Glückliche Hühner

Wie eine kleine Bürgerinitiative aus Niedersachsen den Bau einer Legehennenfabrik verhinderte. Geschichte eines Erfolgs


Im »Kulturschatz Artland«, einer alten, traditionell-landwirtschaftlich geprägten Gegend nördlich von Osnabrück, wird es keinen Riesenstall für 300 000 Legehennen geben (siehe Publik-Forum 16/2007). Statt die Einweihung einer Eierfabrik feiert die kleine Bürgerinitiative namens Notgemeinschaft jetzt ihren großen politischen Erfolg. Sie hatte sich vehement gegen das Mammutprojekt gewehrt.

Dass sich eine Handvoll Menschen in einer strukturschwachen Gegend gegenüber einem Investor mit Geld durchsetzen konnte, hat vor allem zwei Gründe: Sachkunde und Überzeugungskraft. Der Initiative gelang es, im traditionell konservativen Artland sowohl die anliegenden Landwirte und Nachbarn als auch Verbandsvertreter und schließlich Politiker zu überzeugen, dass der geplante Riesenstall durch Ammoniak-Gestank, versäuerte Böden und kranke Wälder Gesundheitsgefahren für die Bewohner des Landstrichs bringen würde – und die Ansiedlung des Agrobusiness den umliegenden Bauern auch wirtschaftlich eher schaden als nutzen könnte.

Ein weiteres Plus der Initiative war ihre große Sachkunde: Wer eine Agrofabrik der geplanten Größenordnung bauen will, muss dem zuständigen Landkreis Osnabrück nachweisen, dass er alle umweltrechtlichen Vorschriften einhalten kann. Mit Professor Herman Van den Weghe hatte die Notgemeinschaft einen ausgewiesenen Experten in ihren Reihen, der seit Jahren zur Filtertechnik in der modernen Landwirtschaft forscht. Er entlarvte die Gutachten des Investors als bloße Zweckgutachten. Und überzeugte den Landrat davon, dass die Anlieger dafür sorgen würden, dass das Bundesimmissionsschutzgesetz, dessen Richtlinien ein solcher Stall unterliegt, auch tatsächlich angewendet wird.

Und so machten die Politiker vor Ort dem Käufer, der das Grundstück vermutlich mithilfe holländischer Investoren erworben hatte, klar, dass mit einer Genehmigung des Landkreises für die geplante Hennenfabrik nicht zu rechnen sei. Als Hans-Herbert Theile versuchte, sein Grundstück daraufhin an andere Investoren zu verkaufen, verloren diese das Interesse, als sie hörten, dass sie für eine Genehmigung etwa Messstationen im benachbarten Eichenwald bauen müssten. Und ihre Anlage ohne viel Federlesens geschlossen und auf ihre Kosten abgerissen wurde, sollte es ihnen nicht gelingen, die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten. So kaufte schließlich die Gemeinde das Grundstück zurück. Und eine kleine Initiative gegen die Massentierhaltung in Deutschland ließ die Korken knallen. • Gunhild Seyfert

aus Publik-Forum 3•2008

ei, ei, ei…

»Gottes Fuß im Dorf«



1600 Kilometer entfernt von der Industriestadt Bochum: Jucu in Siebenbürgen soll zum Hightech-Dorf werden.





Nokia schließt ein Werk in Bochum und investiert in ein rumänisches Dorf: Dort hofft man auf 3500 neue Arbeitsplätze und eine sprudelnde Einkommenssteuer


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Von Katharina Lötzsch


Bis vor einem Jahr herrschte auf dem 159 Hektar großen Acker am Nordrand der siebenbürgischen Gemeinde Jucu Stille. Jucu – das war ein verschlafenes Dorf, etwa 1600 Kilometer entfernt von der deutschen Industriestadt Bochum. Die Bauern fütterten ihre Schweine fett und hofften auf eine reiche Maisernte. Doch seit Frühjahr 2007 dröhnen die Bagger. Sie bauen ein Hightech-Dorf im Dorf: das Nokia Village.

Für rund 30 Millionen Euro haben der rumänische Staat und der Landkreis Cluj/Klausenburg dem finnischen Mobilfunkhersteller einen Industriepark maßgeschneidert. Noch kurven Baumaschinen über das eingezäunte Gelände, stapfen Arbeiter in dicken Gummistiefeln durch den schlammigen Boden. Doch die Standortvorteile sind eindeutig: Das Gelände liegt direkt an der Nationalstraße Richtung Klausenburg. Sogar Bahngleise zum Nokia-Werk wurden gelegt, der Klausenburger Flughafen soll für 95 Millionen Euro ausgebaut werden, und von der im Bau befindlichen transsilvanischen Autobahn wird ein Zubringer direkt zu Nokia führen.

Der Handyhersteller selbst will laut Aufsichtsratsvorsitzendem Veli Sundbäck 200 Millionen Euro investieren – Peanuts für ein Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr 7,2 Milliarden Euro Gewinn eingefahren hat. 60 Millionen fließen allein in die neue Werkhalle: Ein grauer Klotz ohne Fenster, aber mit vielen Rolltoren, den das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck errichtet hat. Vor zwei Wochen liefen dort bereits die ersten Handys »Made in Romania« vom Band, zum 11. Februar will Nokia von Testbetrieb auf Serienproduktion umstellen. Die Geräte sind für den Verkauf in Rumänien bestimmt oder sollen nach Asien und Afrika exportiert werden.

»Die Ansiedlung ist kein Beispiel für Rumänien als verlängerte Werkbank«, sagt Marko Walde, Geschäftsführer der deutsch-rumänischen Außenhandelskammer in Bukarest. Eine Reihe von Faktoren wie die Größe des einheimischen Marktes, das Investitionsklima und das gut ausgebildete Personal in der Region böten Nokia eben die günstigsten Bedingungen in ganz Europa. Zu den ehrgeizigen Plänen der Finnen gehört beispielsweise auch ein Forschungszentrum. Schon kurz nach der Gründung des Standortes wurden die ersten Ingenieure angestellt. Die Universität Klausenburg gilt in Rumänien als Kompetenzzentrum in der IT-Ausbildung.

Nokia hat sich bisher allerdings einen Maulkorb verordnet. Pressesprecherin Monica Alb wiegelt konsequent ab. Dabei gab sich Manager John Guerry der für Nokia die Fertigungsanlage in Jucu aufbaut, noch im vergangenen Jahr auskunftsfreudiger: »Unsere Intention war, ein Werk in Osteuropa zu eröffnen, das einen wachsenden Markt bietet«, sagte der 36-jährige Texaner, der die neue Fabrik künftig leiten soll, der rumänischen Presse.

Bisher wurden etwa 100 Mitarbeiter rekrutiert, teilte Daniel Don, Direktor des Arbeitsamtes Klausenburg, mit. Bis Jahresende soll die Belegschaft auf 1000 Arbeitnehmer anwachsen, doppelt so viele wie bisher geplant. 8500 Bewerbungen auf diese Stellen habe das Arbeitsamt bereits erhalten – die wenigsten allerdings aus Jucu. Für die Bauern des Dorfes fallen nur unqualifizierte Jobs ab. »Etwa 30 Leute arbeiten derzeit für private Subunternehmer: Sie putzen, reparieren und montieren im neuen Werk«, erzählt Bürgermeister Joan Dorel Pojar. Direkt bei Nokia in der Handyproduktion angestellt zu werden, das könnten sich nur die Jungen, die 18- bis 30-Jährigen vorstellen. Die Älteren machen kein großes Tamtam um den neuen Industriegiganten, sie sprechen beim Bier kurz darüber – um danach zu diskutieren, was im Frühjahr auf den Feldern ausgesät werden muss.

Wenn das Werk 2009 seine volle Kapazität erreicht, werden 3500 Menschen in Jucu für Nokia arbeiten. Hinzu kommen mehrere Tausend Arbeitsplätze hei den Zulieferfirmen. »Nokias große Pläne waren seit Monaten bekannt, nur die Verlagerung der Kapazitäten aus Bochum kam überraschend«, sagt Marko Walde von der Außenhandelskammer. Die Entscheidung finde er aber keineswegs verwerflich. Sie sei lediglich Ausdruck von Chancengleichheit und Wettbewerb in Europa.

Dass Rumänien Nokia aus Deutschland weggelockt habe, will sich auch in Juni niemand vorwerfen lassen. »Wenn das Werk auf höchster Kapazität gefahren wird, kassiert der rumänische Staat von Nokia etwa 100 Millionen Euro Steuern pro Jahr«, sagt Landrat Mario Nicoara. Ebenso habe Deutschland von den Steuern profitiert, die Nokia seit Bestehen des Bochumer Werks gezahlt habe. In Jucu sollen allein die Einkommenssteuern der Angestellten pro Jahr mehr als 100 000 Euro bringen – eine riesige Summe für das Dörfchen. »Dass sich Nokia für uns entschieden hat«, sagt Bürgermeister Pojar, »ist so, als hätten wir Gottes Fuß zu fassen bekommen.« Von dem Geld will der 51-Jährige die Straßen im Dorf asphaltieren lassen und die Kanalisation erneuern.

Natürlich tue es ihm um die Nokia-Angestellten leid. Aber warum kommen Deutsche nicht zu uns arbeiten, so wie drei Millionen Rumanen im europäischen Ausland arbeiten, fragt er. Der Durchschnittslohn in Rumänien liegt derzeit bei rund 320 Euro, in der Provinz eher noch darunter.

Und nein, sagt Ioan Plan, man habe Nokia nicht mit europäischen Fördergeldern ködern können, wie oft fälschlich erwähnt. Das Geld für den Ausbau des Industrieparks »Tetarom 3«, in dem das Nokia Village rund 90 Hektar einnimmt, stamme ausschließlich aus den Kassen von Kreis und Staat. Das Gelände wird jedoch häufig mit dem Klausenburger Gewerbeareal »Tetarom 1« verwechselt, das mit mehr als drei Millionen Euro aus den Töpfen des europäischen Subventionsprogramms Phare gefördert wurde. EU-Geld war in den Bau des Autobahnzubringers geflossen – jedoch kein Cent in die Nokia-Produktionsverlagerung von Deutschland nach Rumänien.

Bürgermeister und Landrat sind derweil voll damit beschäftigt, den Boom von Jucu zu verarbeiten. Ioan Pojar zeigt stolz auf seine drei Nokia-Handys, die ganze Familie telefoniere seit jeher mit Nokia. Dann muss er sich verabschieden, es gibt Wichtiges zu diskutieren: Die Grundstückspreise in dem 4000 Einwohner zählenden Dorf sind explodiert. Mehr als 40 Euro wollen die Besitzer nun pro Quadratmeter Bauland, der vor zwei Jahren noch drei Euro kostete. Aber die neuen Nokia-Mitarbeiter müssen ja schließlich irgendwo wohnen. •


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Kniefall vor Nokia

Die gespielte Entrüstung der Politik und die Lehren aus Bochum. Ein Zwischenruf

Die Empörung aller Parteien über den drohenden Verlust von 2300 Arbeitsplätzen bei Nokia und nochmals 2000 Jobs bei den Zulieferfirmen darf nicht darüber hinwegtäuschen: Hier ist viel Heuchelei im Spiel. Schließlich trägt die Politik vor Ort, im Bund und vor allem auf der Ebene der EU für das gnadenlose Subventionsnomadentum der Konzerne – in diesem Fall Nokia – eine riesige Mitschuld. Da die unbehinderte, grenzüberschreitende Liberalisierung der Standortwahl im Rahmen des EU-Binnenmarktes gewollt ist, muss man sich nicht wundern, wenn Konzerne an den Standort wandern, der für die kommenden Jahre hohe Renditen abwirft.

»Wir haben sehr sorgfältige Analysen der Kosten und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Bochumer Werks durchgeführt. Die Entscheidung zur Schließung ist genau durchdacht.« Aus der bornierten Sicht dieses Konzerns ist die Produktionsverlagerung in den Landkreis Cluj in Siebenbürgen zweifellos rational. Dabei geht es nicht nur um die Ausnutzung niedriger Löhne, denn deren Anteil am Produktionswert der Nokia-Handys ist mit unter fünf Prozent sehr gering. Vielmehr realisiert Nokia ein neues Produktionskonzept. Aufgebaut wird ein »Nokia-Dorf«, in dem auch die Zulieferfirmen ihre Produktionsstandorte ansiedeln. Modernste Infrastruktur auch mit Qualifizierungs- und Forschungseinrichtungen gehört dazu. Dieses »Nokia-Cluster« bietet für die nächsten Jahre hohe Renditen im Handygeschäft.

Die Fehler der Politik beginnen mit zeitlich befristeten Subventionen für einen Großkonzern. Die Landesregierung hätte die Subvention in eine Kapitalbeteiligung umwandeln sollen. Dann wäre die Politik bei der Entscheidung über den Standort Bochum im Aufsichtsrat dabei gewesen. Im Kniefall vor Nokia hat es die Politik versäumt, die öffentliche Förderung einer kleinteiligen, risiko-diversifizierten und wissensorientierten Wirtschaftsstruktur zu wagen.


»Bei der Empörung der Politik ist viel Heuchelei im Spiel«
Rudolf Hickel



Den Subventionsskandal komplettiert dann noch die EU. Aus dem Topf für den Aufbau der Infrastruktur ist der nagelneue Industriepark unterstützt worden. Um es klarzustellen: Der Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur zum Aufbau von Unternehmen ist gerade auch in Rumänien dringend erforderlich. Nicht akzeptabel ist jedoch, dass renditestarke Unternehmen wie Nokia einen zuvor subventionierten Standort schließen, um diesen jetzt an anderer Stelle mit Zuschüssen aus dem EU-Gemeinschaftshaushalt zu eröffnen. Am Ende ist Nokia mit steigendem Profit der Sieger, während die Krisenkosten in Bochum vergesellschaftet werden.

So sind aus dem Fall Nokia wichtige Lehren zu ziehen. Dazu zählt der Boykott als Protestform der Konsumenten. Politisch muss es Mindeststandards für die Subventions- und Steuerpolitik sowie auch für die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in der Europäischen Union geben. Die Konkurrenz um die Standorte in der EU braucht gemeinsame Spielregeln. • Rudolf Hickel

Professor Rudolf Hickel ist Direktor des «Instituts Arbeit und Wirtschaft« in Bremen.
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aus Publik-Forum Nr. 3•2008


Extrapolieren wir das Ganze doch in die Zukunft: Irgendwo hinterm Mond werden dann von Wirtschaft und Staat zusammen Elite-Universitäten gebaut, die Studenten aus aller Herren Länder ausbilden, die nach ihrem Abschluß in der Fabrik nebenan dann Arbeit finden. Nach 20 Jahren ist die umgebende Infrastruktur soweit verbessert, die Preise für alles mögliche soweit gestiegen, daß der Troß dann weiterzieht. Wie sagte Bruno Jonas im Scheibenwischer vor einigen Wochen (sinngemäß zitiert): »Wenn die alle immer weiter nach Osten ziehen, dann brauchen wir nur einen langen Atem …«