Sonntag, 25. Juli 2010

Heute vor 45 Jahren – 25. Juli 1965: Die Geburtsstunde des Folk-Rock

Bob Dylans Auftritt beim 1959 gegründeten Newport Folk Festival auf Rhode Island, bei dem er statt seiner akustischen eine E-Gitarre verwendet, gilt, obwohl er deswegen von großen Teilen des Publikums ausgebuht wird, als Geburtsstunde des Folk-Rocks. Seine Protestsongs gegen das Establishment (z. B. Blowin' in the Wind oder Masters of War – letzteres gegen den militärisch-industriellen Komplex) sprechen einer Generation aus der Seele.

mein Kommentar:
allerdings wird die Geschichte auch ganz anders erzählt. (Die Quellennachweise erspare ich mir an dieser Stelle) Daß Pete Seeger das Verbindungskabel von Dylans E-Gitarre zum Verstärker mit einer Axt durchtrennen wollte, halte ich für erfunden.

Bob Dylan - Live at the Newport Folk Festival [2:08]


Hochgeladen am 23.10.2007
Here is a look at some of the great material on the new Bob Dylan DVD - The Other Side of the Mirror, Live at the Newport Folk Festival.



On Saturday, July 24, 1965, Dylan performed three acoustic numbers, "All I Really Want to Do", "If You Gotta Go, Go Now", and "Love Minus Zero/No Limit" at a Newport workshop.[4] According to Jonathan Taplin, a roadie at Newport (and later a road manager for the acts of Dylan's manager Albert Grossman) Dylan made a spontaneous decision on the Saturday that he would challenge the Festival by performing with a fully amplified band. Taplin said that Dylan had been irritated by what he considered condescending remarks which festival organiser Alan Lomaxhad made about the Paul Butterfield Blues Band, when Lomax introduced them for an earlier set at a festival workshop. Dylan's attitude, according to Taplin, was, "Well, fuck them if they think they can keep electricity out of here, I'll do it. On a whim he said he wanted to play electric."[5] Dylan then assembled a band and rehearsed that night at a mansion being used by festival organiser George Wein.On the night of Sunday, July 25, Dylan's appearance was sandwiched between Cousin Emmy and the Sea Island singers, two decidedly traditional acts.[6] The band that went on stage to back Dylan included two musicians who had played on his recently released single, "Like a Rolling Stone": Mike Bloomfield on lead guitar and Al Kooper on organ. Two of Bloomfield's bandmates from the Paul Butterfield Blues Band also appeared at Newport: bassist Jerome Arnold and drummer Sam Lay, along with Barry Goldberg on piano.Footage of Dylan's Newport performance can be seen in the documentary films Festival (1967), No Direction Home (2005) and The Other Side of the Mirror: Bob Dylan Live at the Newport Folk Festival 1963–1965 (2007). The footage begins with Dylan being introduced by Master of Ceremonies Peter Yarrow: "Ladies and gentlemen, the person that's going to come up now has a limited amount of time ... His name is Bob Dylan." In the documentary footage, the sound of both booing and cheering can be heard a few bars into Dylan's first song, "Maggie's Farm", and continues throughout his second, "Like a Rolling Stone". Dylan and his band then performed "Phantom Engineer", an early version of "It Takes a Lot to Laugh, It Takes a Train to Cry".[7] Dylan was said to have "electrified one half of his audience, and electrocuted the other".[8]After "Phantom Engineer", Dylan and the band left the stage. The sound of booing and clapping can be heard in the background. When Peter Yarrow returned to the microphone, he begged Dylan to continue performing. According to Robert Shelton, when Dylan returned to the stage, he discovered he did not have the right harmonica and said to Yarrow, "What are you doing to me?"[9] Dylan then asked the audience for 'an E harmonica'. Within a few moments, a clatter of harmonicas hit the stage. He then performed two songs on acoustic guitar for the audience: "Mr. Tambourine Man", and then, as his farewell to Newport, "It's All Over Now, Baby Blue". The crowd exploded with applause at the end, calling for more. Dylan did not return to the Newport festival for 37 years. In an enigmatic gesture, Dylan performed at Newport in 2002, sporting a wig and fake beard.[10] [Electric Dylan controversy, Newport 1965 set, Wikipedia]
siehe auch:
- Furor der Folk-Fans – Warum Bob Dylan als "Judas" verflucht wurde (Willi Winkler, SPON, )
- Kultmusiker Bob Dylan: Die Erfindung der Bobmusik (Michael Sontheimer, SPON, 20.11.2005)
- Dylan Artikel bei SPON

Bob Dylan - (Blowin' In The Wind) - "From Newport Folk Festival" 1963. [?]


Veröffentlicht am 05.11.2013
Bob Dylan, Joan Baez, Peter , Paul & Mary.


Die sehr gefällige Hollies-Version von 1969 ist heute nahezu unbekannt:
The Hollies - Blowin' In The Wind [1968] [4:03]

Veröffentlicht am 30.05.2013

Der Mann links von Alan Clarke, dem Leadsänger, der mit dem gelben Hemd und der schwarzen Fliege, das ist Gründungsmitglied Graham Nash (später bei Crosby, Stills, Nash & Young).


Mittwoch, 14. Juli 2010

Neo-Liberalismus und real existierender Kapitalismus: Pleiten, Pech und Pannen

Über das dubiose Zusammenspiel von Privatinvestoren und öffentlicher Hand
auf den Nachdenkseiten

Blinde Flecken

Wie war das noch? Männer können besser gucken als denken.
Hier läßt sich eindrucksvoll sehen, daß auch Frauen ihr geschlechtsspezifischen blinden Flecken haben.
bei Stern

Montag, 12. Juli 2010

Randomisiert-kontrollierte Studien – Wenn Daten Gewalt angetan wird

Die evidenzbasierte Medizin stützt sich auf die Ergebnisse von RCTs. Das setzt natürlich voraus, dass sie von ihren Autoren korrekt interpretiert werden.

Studien über die Präsentation solcher Studien hatten schon länger den Verdacht aufkommen lassen, dass manchmal die Ergebnisse durch findige Formulierungen in die Richtung gebogen werden, die den Autoren wünschenswert erscheint. Statistiker analysierten nun das Phänomen.

Aus der Literatur wurden 72 RCTs extrahiert, die im Dezember 2006 publiziert worden waren. Man suchte nach „spin“; das ist die entstellende Darstellung nichtsignifikanter Ergebnisse, um daraus einen scheinbaren Nutzen für den Patienten zu machen. Solche verzerrenden Darstellungen waren teilweise schon im Titel zu finden; die „Results“ der Abstracts waren in 37,5% betroffen, die „conclusions“ in 58,3%. Mehr als 40% der Arbeiten zeigten „spin“ in mindestens zwei Sektionen des Haupttextes.

Tendenziöse Formulierungen in den Abstracts halten die Autoren für besonders bedenklich, denn viele Leserentscheiden nach dem Inhalt des Abstracts, ob sie eine Publikation in Gänze lesen. Die weitere Ausleuchtung dieser Problematik sollte u. a. dazu führen, dass die Peer Reviewer der Journals für dieses Problem sensibilisiert werden. WE

Boutron I et al.: Reporting and interpretation of randomized controlled trials with statistically non significant results of primary outcomes. JAMA 303 (2010) 2058-2064
Bestellnummer der Originalarbeit 100644
aus Praxis-Depesche 6/2010

Soldaten in Afghanistan – Der Fluch des Einsatzes im Nicht-Krieg

Die Friedensmission am Hindukusch zieht Störungen bei den Soldaten nach sich, über die man sich bei uns erst langsam zu sprechen getraut.

Hingegen analysierte man in Großbritannien offen und mit einer Befragung der Betroffenen die Folgen der Einsätze im Irak und in Afghanistan für die mentale Gesundheit. Die Prävalenz einer wahrscheinlichen posttraumatischen Stress-Störung (PTSD) betrug 4,0%. Mit 19,7% bzw. 13,0% waren „gewöhnliche mentale Störungen“ (Depression, Angst etc.) bzw. Alkoholmissbrauch wesentlich häufiger. Das PTSD-Risiko war bei Kampfeinheiten höher als bei Versorgungseinheiten.

Die Bemühungen um die seelische Gesundheit der Soldaten konzentrieren sich u. a. in den USA und im UK auf die PTSD. Zumindest bei den Briten ist aber der Alkohol das größere Problem. Auch in der Allgemeinbevölkerung nimmt diese Abhängigkeit zu; bei Soldaten hat der Missbrauch jedoch eine viel größere Dimension.

Störungen der mentalen Gesundheit bei Soldaten nehmen nach Ansicht der Autoren nicht prozentual zu, aber in absoluten Zahlen, solange immer mehr Truppen in Konflikte im Ausland geschickt werden. WE

Fear NT et al.: What are the consequences of deployment to Iraq and Afghanistan on the mental health of the UK armed forces? A cohort study. Lancet 375 (2010) 1783-1797
Bestellnummer der Originalarbeit 100642

aus Praxis-Depesche 6/2010

Psychische Entwicklung – Der Segen von Almosen für Indianer

Ein Experiment des Lebens hatte die Möglichkeit gegeben, die Folgen finanzieller Unterstützung für Indianergemeinden in North Carolina im Hinblick auf das Auftreten von Sucht und psychiatrischen Erkrankungen zu verfolgen.

In jener Great Smoky Mountains Study hatte man die psychische Entwicklung junger Leute verglichen, wobei die Reservat-Indianer finanzielle Zuschüsse zum Familieneinkommen erhielten, die weißen Bewohner nicht. Im Jahr 2003 war über die Auswirkungen auf die Jugendlichen publiziert worden; jetzt konnte man sie als junge Erwachsene nochmals examinieren.

Ähnlich wie bei der früheren Analyse zeigte sich auch im Falle der jungen Erwachsenen, dass bei den bezuschussten Indianern die Häufigkeit psychiatrischer Störungen im Vergleich zu den Weißen signifikant geringerwar (OR 0,46), dies vor allem hinsichtlich Alkohol und Cannabis-Missbrauch.

Der Nutzen auf die psychische Entwicklung wurde in der Adoleszenz offenbar von einer besseren Überwachung durch die Eltern vermittelt, bei den jungen Erwachsenen durch weniger kriminelle Freunde.

Die Befunde widerlegen nicht die Annahme, dass Sucht und andere psychische Störungen Gehirnkrankheiten sind, so die Autoren. Vielmehr zeigen sie, dass Ansätze an exogenen Faktoren anhaltende Auswirkungen haben, unabhängig davon, ob eine genetische Disposition für die Störungen besteht oder nicht. WE

Costello EJ et al.: Association of family income supplements in adolescence with development of psychiatric and substance use disorders in adulthood among an American Indian population. JAMA 303 (2010) 1954-1960
Bestellnummer der Originalarbeit 100643
aus Praxis-Depesche 6/2010

Dienstag, 22. Juni 2010

Bluthochdruck – Der Arzt ist die beste Medizin

Häufige Arzt-Patienten-Kontakte führen bei Hypertoniepatienten zu einer schnelleren Blutdrucknormalisierung, so das Ergebnis einer retrospektiven Studie. Bei Intervallen von maximal einem Monat hatten Diabetiker mit Bluthochdruck im Median nach 1,5 Monaten normale Werte erreicht. Bei längeren Intervallen war das erst nach 12,2 Monaten der Fall. Fazit der Studienautoren: So lange der Blutdruck eines Patienten noch nicht kontrolliert ist, sollte er mindestens einmal im Monat einen Termin beim behandelnden Arzt haben. Dabei muss der Arzt den Patienten nicht unbedingt persönlich sehen. Auch ein Kontakt per Mail, Fax oder Telefon ist möglich, wenn die Patienten ihren Blutdruck selbst messen und dokumentieren.
Hypertension 2010; doi:10.1161/hypertension.aha.109.148791
aus MMW Fortschr. Med. Nr. 22/2010

Kopfweh bei Jugendlichen – Liegt’s am Lebensstil?

Wenn Heranwachsende über Spannungskopfschmerzen oder Migräne klagen, sollte man auch deren Lebensstil überprüfen. Möglicherweise bewegen sich die Betroffenen zu wenig, trinken zu viel Alkohol und rauchen. Dies ergab eine Studie der LMU München an 1260 Gymnasiasten im Alter von 14 bis 20 Jahren. Auch ein hoher Kaffeekonsum war mit Kopfschmerzen assoziiert.
Headache, June 07, 2010 DOI: 10.1111/j.1526-4610.2010.01706.x
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 24/2010

Montag, 21. Juni 2010

Gangsterwirtschaft

Jürgen Roth, einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands hat ein neues Buch geschrieben. Auf Telepolis findet sich ein Interview mit ihm.

Dienstag, 15. Juni 2010

Focus

Focus - Hocus Pocus Live '73 {4:37}

Hochgeladen am 20.03.2007
Dutch prog-rockers Focus giving a breathtaking performance on NBC´s Midnight Special.

Thijs van Leer - Vox, Flute, Organ
Jan Akkerman - Guitar (-god!)
Bert Ruiter - Bass
Pierre van der Linden - Drums

Announced by the lovely Gladys Knight

Focus Live 1990 - Sylvia {4:01}

Hochgeladen am 26.10.2008
Occasional one time reunion of this legendary Dutch band with Jan Akkerman and Thijs van Leer

focus - Focus 2 (moving waves) {3:36}

Hochgeladen am 13.10.2006
Classic
www.myspace.com/stefeblues

Focus - Focus 3 {7:43}

Hochgeladen am 17.05.2008
Focus performed on may 15, 2008 in Odeon in Zwolle. Absolutely fabulous!
Thijs van Leer - Hammondorgan, flute and vocals
Pierre van der Linden - drums
Niels van der Steenhoven - guitar
Bobby Jacobs - bass
http://www.nufoto.nl/2008/05/16/focus...

Donnerstag, 3. Juni 2010

Köhlers Rücktritt und die Kommentatoren

Bevor ich mich in die Reihe derjenigen einreihe, die ihre Sicht des Rücktritts von Horst Köhler zum Besten geben, ein Post aus blog-tagesschau.de über die Köhler-Berichterstattung:

Ein Busfahrer wird von einem berunkenen Fahrgast (Presse) angekotzt. Der Busfahrer beschwert sich lautstark: SIE Schwein!
Der Betrunkene antwortet grinsend: Schau doch DICH erst einmal an, DU Sau! Angewidert verlässt der Busfahrer den Bus mit den Fahrgästen, um sich zu reinigen und die Fahrgäste von dem ihm beigebrachten üblen Anblick und Gestank zu befreien.
Der Busfahrer kommentiert: Jetzt ist er beleidigt, die dünnhäutige Sau und lässt uns einfach hocken und wir kommen nicht weiter. Das ist doch verantwortungslos, oder.. hups?
Viele Fahrgäste geben dem Besoffenen recht; nur weil sie nicht weitertransportiert werden. Eine schöne Geschichte nicht wahr?

Das Schlimmste was man einem Brunnenwart zu früheren Zeiten antun konnte, war, zu behaupten, er habe den Brunnen vergiftet.
Herr Köhler hat sich nach meinem Verständnis nicht gegen eine Kritik gewehrt, sondern gegen die Behauptung: er habe mit der Billigung von militärischen Einsätzen das Grundgesetz missachtet. Für den Bundespräsidenten ist dies ein schwer- wiegender unakzeptabler Vorwurf. Und recht hat er.
Wenn Kommentatoren dies nicht so eng sehen (dünnhäutig) so werden sie einem allgemein festzustellenden Werteverfall gerecht. Die kann nicht der Inhalt und Ziel einer Pressefreiheit sein. Zur Freiheit gehört auch eine Verantwortung, die bedauerlicherweise ungern wahrgenommen wird. Tendenz steigend.
Wenn ein Mahner, und das beinhaltet wohl die Aufgabe eines Bundespräsidenten, sein Amt ernst nimmt, dann versucht manihn als Tollpatsch (Respektlosigkeit) in der Öffentlichkeit darzustellen. Diesem Zeitgeist (Werteverfall) fallen Köhler, Pabst, Merkel usw. zum Opfer. Unterstellungen, Mutmaßungen, Verdrehungen (Spiegelungen) usw. haben nichts mehr mit seriöser Kritik zu tun.
Wie charakterstark müssen Personen sein, die diese gewaltige auf sie zukommende Unredlichkeit verarbeiten können? - Finden sich noch Personen, die derartige Belastungen ertragen können?
Für Politik, Medien und Gesellschaft soll die Handlung von Herrn Köhler eine Warnung sein, die mit Dünnhäutigkeit der Person Köhler nicht vom Tisch gewischt werden sollte.

Gesundheit und Bildung

Manfred Spitzer berichtet über eine Studie aus Großbritannien über den Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit.
Weitere Spitzer-Links

Mittwoch, 2. Juni 2010

Lebenserwartung bei Paaren – Gleichaltrige Männer sind gut für die Frauen

Frauen sollten möglichst einen gleichaltrigen Mann heiraten. Ihre Aussichten für ein langes Leben sind dann nämlich am besten. Anders bei Männern: Sie leben umso länger, je jünger ihre Partnerin ist. Dass ein jüngerer Partner für Frauen eher lebensverkürzend ist, hat eine Studie des Max-Planck-lnstituts für demografische Forschung in Rostock festgestellt: Frauen, die einen sieben bis neun Jahre jüngeren Mann heiraten, haben ein um 20% höheres Mortalitätsrisiko. Die Autoren vermuten, dass Paare, bei denen der Mann jünger ist, damit gegen soziale Normen verstoßen. Dies wiederum könne soziale Sanktionen nach sich ziehen, die gesundheitsschädigenden Stress erzeugen. Unabhängig davon bleibt die Tatsache bestehen, dass verheiratete Männer und Frauen im Schnitt länger leben als unverheiratete.
Demography 2010;47(2):313

Frauen profitieren gesundheitlich nicht von einem jüngeren Partner:


MMW-Fortschr, Med. Nr. 20 / 2010

Dienstag, 1. Juni 2010

Hygiene – Was Keime wirklich ausknockt

Mikrobiologen haben untersucht, welche Hygieneprodukte Keime von Händen am zulässigsten entfernen. Dazu wurden die Hände von 62 Probanden mit hartnäckigen (aber harmlosen) Bakterien und ebenfalls harmloser Viren, die im Aufbau Erkältungsviren entsprachen, kontaminiert. Anschließend sollten die Probanden ihre Herde zehn Sekunden lang mit verschiedenen Reinigungsprodukten waschen. Danach wurde gemessen, wie viele Keime noch auf den Händen waren. Große Unterschiede fanden sich nicht. Testsieger war aber Seife plus Wasser. Die 10-Sekunden-Katzenwäsche beseitigte 90% der Erreger. Eine alkohhaltige Reinigungslotion – die eingesetzt werden kann, wenn gerade kein Wasser verfügbar ist – erbrachte mit 50% das schlechteste Ergebnis.
Mitteilung der American Society for Microbiology
aus MMW-Fortschr. Med. 13/2010

Lebensgefahr in vollen Kliniken?

In voll belegten Krankenhäusern ist das Risiko zu sterben erhöht, zeigte eine Studie der University of Michigan mit 166.ooo Patienten, die im Laufe von drei Jahren in verschiedenen Kliniken aufgenommen worden waren. Beieiner Bettenbelegung von über 80% stieg die Mortalität der Patienten um 5,6%. Ein um 7,5% erhöhtes Sterberisiko ergab sich für Patienten, die am Wochenende aufgenommen wurden, und auch in der Influenzasaison war das Risiko deutlich (um 11,7%) erhöht. Als wesentlicher Faktor, die Sterblichkeit zu senken, wurde die Zahl der Krankenschwestern identifiziert: Je mehr Schwestern in der Klinik tätig waren, desto günstiger war die Prognose der Patienten. Wie sich die Arztdichte auf die Überlebenschancen auswirkt,wurde nicht geprüft.
Medical Care, 2010:48(3):224DOI:10.1097/MLR.0b013e3181c162c0
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 11/2010

Männer leben kürzer, haben aber tänger Spaß

In 55-jähriger Mann darf damit rechnen, dass er noch etwa 15 Jahre sexuell aktiv sein wird. Erfreut er sich sehr guter Gesundheit, wird sein aktives Sexualleben noch fünf bis sieben Jahre länger währen.

Eine 55-jährige Frau wird hingegen nur noch elf Jahre sexuell aktiv sein, bei exzellenter Gesundheit drei bis was Jahre länger. Dies ergab eine Studie der Universität Chicago. Da Frauen älter werden als Männer, leben 72% der Männer, die ein Alter zwischen 75 und 85 Jahren erreichen, noch in einer Partnerschaft, während es bei den gleichaltrigen Frauen nur ca. 40% sind. Ein Trost für ältere Frauen: Während bei den Männern der Altersgruppe 75-85 Jahre noch 57% an Sex interessiert sind, sind es bei den Frauen dieser Altersgruppe nur noch 11%.
BMJ 2010;340:c810,doi:10.1136/bmj.c810
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 11/2010

Donnerstag, 20. Mai 2010

Piet Klocke in der Anstalt vom 11. Mai 2010


Piet Klocke in "Neues aus der Anstalt" vom 11. Mai 2010 [6:41]


Dienstag, 18. Mai 2010

Blind für Besseres

Bei Versuchen an Schachspielern unterschiedlicher Spielstärke fand der Psychologe Dr. Merim Bilalic eine wesentliche, neue Erkenntnis: »Nachdem wir gelernt haben, ein Problem auf eine Weise zu lösen, sind wir blind für effizientere Lösungsmethoden. Selbst wenn wir denken, daß wir einen anderen Lösungsweg einschlagen, ist unsere Aufmekrsamkeit weiterhin beim gewöhlichen. Diesen Effekt nennen wir ›Einstellungseffekt‹.«
Der gesamte Artikel im Deutschen Ärzteblatt (Nr. 19/2010) mit einem Link zum kostenlosen Download des Bilalic-Artikels

Montag, 17. Mai 2010

Mittwoch, 12. Mai 2010

Männerbild und Vatertag

Morgen ist Vatertag. Gestern kam eine neue Ausgabe von Publik-Forum in meine Praxis geflattert. Darin ein Interview, in welchem der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther deutlich zu machen versucht, daß Jungs positive männliche Vorbilder benötigen.

(Sie seien von der Geburt her das schwächere Geschlecht, wow! Meine Mutter hat mir auch schon oft begreiflich zu machen versucht, daß Frauen stärker seien. Das ist inzwischen also gottseidank schon zu den Hirnforschern durchgedrungen. Hüther begründet seine These damit, daß das Y-Chromosom so winzig und zudem noch allein sei. Es hat auch mal Zeiten gegeben, da hat mann am kleineren Gehirn der Frauen alles Mögliche festzumachen versucht.)


Wenn man sich nun das Portrait des Hirnforschers ansieht, welches Publik-Forum dem Interview voranstellt, kann mann (vielleicht auch frau) nur den Kopf schütteln. Da sitzt ein ganz Lieber, stark angegraut, in legerer Freizeitkleidung und hat – damit er vor lauter Denken nicht runterfällt – den Kopf in beide Hände gestützt. Wahrscheinlich sind Männer so verkopft, daß sie fürs Abstützen beide Hände brauchen. Und da sie sowieso besser gucken als denken können, macht dieser Akt die Birne dermaßen schwer, daß man den Kopf schon festhalten muß, um ihn nicht zu verlieren. Ein wahres Prachtexemplar von einem Mann, dem alle Frauen nachlaufen werden. Bruce Willis, Pierce Brosnan, Brad Pitt, George Clooney und Sean Connery können ihre Hüte nehmen…

Aber im Ernst: das Protrait zeigt das Männerbild von Publik Forum und ist symptomatisch für das Männerbild der intellektuellen Elite Deutschlands. Symptomatisch auch für die Kluft zwischen der gedachten und der vermittelten Wirklichkeit. Kann man diese Selbstkastrierung vielleicht als Reaktion auf die kastrierende Aggressivität von Alice Schwarzer sehen? Das würde dann an die Seeräuber bei Asterix und Obelix erinnern, die, wenn sie schon Gefahr laufen, innerhalb der nächsten zehn Minuten ihr Schiff von den beiden Galliern in alle möglichen Einzelteile zerlegt zu bekommen, sich dann wenigstens den letzten Rest von Souveränität dadurch zu retten versuchen, daß sie dies selbst erledigen.

Eine Patientin, die ich bat, morgen ihren Mann gut zu behandeln, meinte lapidar: »Den schick’ ich morgen mit seinen Freunden weg, da kann er sich dann besaufen.« Und in dem Moment ging mir ein psychotherapeutisches Männerlicht auf. Auch ich habe mich ja schon oft über die teilweise wikingerbehelmten Jammergestalten mit dem kleinen Leiterwägelchen lustig gemacht, wie sie wankend und grölend durch die Welt ziehen, um abends bei Muttern ihren Rausch auszuschlafen. Wenn ich mir das mit therapeutischem Abstand betrachte, ist folgende Interpretation nicht so leicht von der Hand zu weisen: Während noch vor wenigen Tagen Mutter einen Kuchen gebacken und einen großen Strauß Blumen geschenkt bekam, vielleicht sogar den ganzen Tag die Beine hochlegen sollte, werden sich morgen viele Männer verdünnisieren. Ausdruck der Tatsache, daß ein Mann nur ein Mann sein kann, wenn er seine Familie hinter sich läßt? Wird hier vielleicht die Trauer und der Frust über die mangelnde Wertschätzung durch den angehimmelten weiblichen Gegenpart weggesoffen? Wird hier vielleicht eine Unabhängigkeit demonstriert, die über den Schmerz über die Abhängigkeit von der positiven weiblichen Resonanz, die mal wieder ausgeblieben ist bzw. die mann vielleicht ja noch nicht mal mehr erhoffen kann, hinwegtäuschen soll?

Das Interview in Publik Forum ist übrigens folgendermaßen überschrieben: Mit Pauken und Trompeten. Na denn laßt mann hören…

zuletzt aktualieisert am 21.06.2015


Montag, 10. Mai 2010

Ein blaues Wunder für das alternde Gehirn

Blaubeeren sind besonders reich an Antioxidanzien. Sie stehen im Ruf, die Hirnleistung zu steigern. Ob sie diesem Ruf auch gerecht werden, wurde jetzt mit einer wissenschaftlichen Studie überprüft. Probanden um die 70 Jahre tranken zwei Monate lang täglich entweder zwei bis zweieinhalb Tassen Blaubeerensaft oder einen Saft ohne Blaubeeren. Bei Lern- und Gedächtnistests am Studienende erzielte die Verumgruppe signifikant bessere Testergebnisse als die Vergleichsgruppe.
J Agricult Food Chemistry 2010; DOI: 10.1021/jf9029332

aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 4/2010

Tai-Chick für Anfänger

Danke!

Sonntag, 2. Mai 2010

Der Unternehmer hat als Held längst ausgedient

Nach der Krise setzen Politik und Berater wieder auf klassische Tugenden, um Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen. Doch die Aufsteiger halten sich nicht an Textbücher, sondern folgen einem Raubtier-Instinkt: zuschlagen, wenn sich eine Chance bietet.

Michel Villette
Paris


Wie gelingt es manchen Unternehmern, ihre Firmen in wenigen Jahren von bescheidenen Anfängen mit Wachstumsraten von 200 oder gar 300 Prozent pro Jahr zu großen Imperien expandieren zu lassen?

Die offiziellen Biografien und die Theorien der Business-Schools spielen auf beispielhafte Fähigkeiten und Rezepte an. Die Ikonen der Wirtschaft werden als Visionäre gezeichnet, die von Anfang an eine innovative Idee und eine Strageie hatte die sie mit Risikobereitschaft konsequent umsetzen. Unsere Untersuchungen zeigen aber eine koplexere Wirklichkeit einen Prozess von „trial and error", von zufällig sich ergebenden Chancen, die instinktsicher gentzt wurden. Sie zeigen eine Kette improvisierter Anpassungen. Erst im Nachhinein kann man das als kohärentes Vorgehen interpretieren Die Erfahrungen von Sam Walton (Wal-Mart) und Ingvar Kamprad (Ikea) beispielsweise zeigen, wie diese Männer geschickt auf unerwartete Umstände reagiert haben.

Oft heißt es, die fähigsten Geschäftsleute seien „geborene Führer". Die Wirklichkeit zeigt eher, dass es weniger um angeborene charismatische Fähigkeiten als um ein zerbrechliches soziales Gefüge geht. Die erfolgreiche Operation A verschafft ein Maß an Autorität, das als Erfolgsversprechen in Operation B investiert werden kann. Wir sehen einen Schneeballeffekt: Erfolg verschafft symbolischen Kredit, der den nächsten Erfolg erleichtert. Doch in der Welt der Wirtschaft - anders als in Religion, Kunst oder Geistesleben - bricht diese verführerische Kraft bei einem Misserfolg sofort zusammen. Hier unterliegt das Charisma der Sanktion der Zahlen, die der Controller abliefert. Schlechte Zahlen lassen das Charisma des Führers verblassen. Wenn Wirtschaftsführer zu stark darauf setzen, neigen sie dazu, die Zahlen zu frisieren.

Manche Menschen sind davon überzeugt, man müsse von Geburt an zur höheren Gesellschaft zählen, aus einer großen Familie stammen, an einer bedeutenden Universität oder Business-School studiert haben, um im Geschäftsleben brillieren zu können: Nur der Sohn eines Bourgeois könne selber Bourgeois sein, und die Angehörigen der oberen Klassen stützten sich mit einem Netz sozialer Kontakte und Einflüsse. Der Werdegang von Vincent Bolloré (von der Logistikgruppe Bolloré) oder André Citroën stützt diese These.

Aber sie ist einseitig, denn Männer wie Sam Walton, François Pinault (von der Luxusgüter-Gruppe PPR) oder Jim Clark (Gründer von Silicon Graphics und Netscape) stammen aus bescheidenen Verhältnissen. Unten auf der sozialen Leiter nehmen die Chancen vielleicht ab, aber sie sind niemals gleich null. Uns ist aufgefallen, dass das Bildungsniveau der Chefs, die sich hocharbeiten, weit über dem liegt, das man bei der Selbsteinschätzung als „Selfmademan" erwarten würde.

Oft hört man, wirtschaftlicher Erfolg sei der Lohn der Innovation. Innovation ist geradezu ein industrielles Glaubensbekenntnis geworden, gefeiert in den Business-Schools und von der Politik ermutigt. Doch wir haben die Lebensläufe von 32 Top-Unternehmern untersucht und stellen fest: Innovation ist allgemein nicht die Ursache ihres Starterfolges. Innovation ist ein teures, riskantes, schwer zu schützendes und nur auf lange Sicht rentables Herangehen. Erst braucht man die Mittel, sie zu bezahlen und zu kontrollieren. Wir sehen Innovation eher als ein Instrument, um geschäftlichen Erfolg zu konsolidieren und fortzusetzen.


Die Bedeutung von Innovation zu betonen ist geradezu ein industrielles Glaubensbekenntnis geworden. Dabei erklärt sie in vielen Fällen den Anfangserfolg aufstrebender Unternehmer nicht.


Lässt sich etwa der Erfolg von Ikea durch Innovation erklären? In MBA-Kursen ist das Unternehmen zum Schulbeispiel dafür geworden. Ganz bewusst und methodisch sei die Firma von den ausgetretenen Pfaden der Wettbewerber abgewichen. Die Theoretiker sehen ein Genie am Werk: Ingvar Kamprad habe es zielstrebig darauf angelegt, dem Kunden den Transport und die Endmontage der Möbel aufzuhalsen und so gleichzeitig die Preise zu senken und die Profitabilität zu steigern. So konstruieren sie einen Fall, der sich an Schulen lehren lässt und Kamprads schnell entstandenem Reichtum zugleich hohe Legitimität verleiht.

Doch in Wirklichkeit war Kamprad schon ein, reicher Mann, als die Erfolgsformel erst verfeinert wurde: Sie erklärt seinen Aufstieg überhaupt nicht. Der hätte vielleicht nie stattgefunden, hätte Kamprad nicht massenhaft Möbel sehr billig aus dem kommunistischen Polen bezogen. Der Vorzeige-Unternehmer verdankt seinen ersten Durchbruch zu einem gehörigen Teil dem Kommunismus - ein Paradox, das nicht ins Lehrbuch passt.

Kamprad begann 1948, am Ort hergestellte Möbel per Versandhandel zu verkaufen. Um Transportkosten zu sparen, verpackte er sie in den 50er-Jahren in flache Kisten. Der Verband der Möbelhändler erregte sich über seine niedrigen Preise und organisierte einen Boykott: Kein Möbelhersteller durfte Kamprad mehr beliefern. Der wich nach Polen aus, wo er 1961 ein mehrjähriges Lieferabkommen mit der staatlichen Exportagentur abschließen konnte. Standardprodukte wie das Billy-Regal wurden nach seinen Vorgaben und mit seiner technischen Hilfe zu einem Viertel der schwedischen Lohnkosten hergestellt. 1971 zerstörte ein Feuer seine Lagerräume. Die hohe Versicherungsprämie erlaubte Kamprad einen kompletten Neubau nach neuer Struktur: auf der einen Seite ein Ausstellungsraum, daneben die Lagerhalle, in der die Kunden sich selber die Möbel aus dem Regal ziehen und für den Transport vorbereiten mussten. So konnte er die Kosten weiter senken. In den 70er-Jahren führte Schweden eine Reichensteuer ein. Um sein Kapital legal außer Landes zu schaffen und Steuern sparen zu können, gründete Kamprad Tochterfirmen in der Schweiz, Deutschland, Dänemark und Norwegen.

Kamprads Erfolg lässt sich also weder mit der abstrakten Logik des freien Marktes noch mit der Eleganz wissenschaftlicher und technischer Innovation erklären. Eher ist er das Ergebnis einer Reihe glücklicher Durchbrüche - und des Kommunismus, der den Korporatismus der schwedischen Möbelhändler konterte. So gesehen wirkt es fast so, als verdanke Kamprad seine Fortune weniger den Marktgesetzen als der Fähigkeit, sie geschickt zu beugen.

Häufig erlaubt erst ein vorheriger „Beutezug" die Innovation. Bernard Arnault, reichster französischer Geschäftsmann überhaupt, hat in dieser Hinsicht einen exemplarischen Parcours zurückgelegt. Als Erbe einer Industriellenfamilie hat er vom Niedergang der französischen Textilindustrie profitiert und sehr billig Fabriken gekauft. Dabei machte er sich die linkischen Versuche des Staates zunutze, Jobs in dieser Branche zu retten. Das so gewonnene Kapital hat er eingesetzt, um in einer juristisch-finanziellen Schlacht LVMH zu übernehmen und dann von der Innovation der Gründer dieser Gruppe zu profitieren, die echte Pioniere der Luxusindustrie waren.

Ein anderes bekanntes Argument lautet, dass der Unternehmer in dem Maße erfolgreich ist, in dem er bereit ist, größere Risiken einzugehen als der Rest der Gesellschaft. Sein Vermögen ist demnach der Lohn dieser Risiken. Dieses Argument ist eher eine Rechtfertigung als eine Erklärung. Mit dem Eingehen von Risiken lassen sich die großen Unternehmenserfolge nicht hinreichend erklären. Manche Geschäftsleute waren gerade deshalb erfolgreich, weil sie es im richtigen Moment verstanden, sich vor den Marktbewegungen besser zu schützen als ihre Konkurrenten. Das Beispiel Marcel Dassaults, des einzigen Flugzeugkonstrukteurs in Frankreich, der die Kontrolle über seine Firmen behalten hat, zeigt, welche Kunst das Vermeiden von Risiken ist. Claude Bébéars Vorgehen kann ebenfalls interessante Hinweise liefern für das, was wir Risikominimierung nennen.

Ein interessanter Fall ist auch Jim Clark, Gründer von Silicon Graphics und Netscape. Als er 1982 Silicon Graphics gründete, hatte er in Stanford bereits dreidimensionale Computerzeichnungen entwickelt und brachte eine Reihe brillanter Wissenschaftler mit. Doch er verstand nichts von der Kunst, ein Unternehmen zu führen, war nur von Technik besessen und wurde von den Risikokapital-Investoren bald an den Rand gedrängt.

Als er Anfang der 90er-Jahre das Unternehmen verließ und sofort ein neues gründete, hatte er seine Lektion gelernt: Diesmal würde er sein Risiko minimieren. Er und sein Team von Ingenieuren sollten den größten Teil des Kuchens bekommen, bevor die Manager und Investoren sich bedienten. Clark nannte allen Interessenten seine Bedingungen: Investoren mussten dreimal so viel für ihre Aktien zahlen wie er. Das war bis dato nicht vorgekommen, genauso wenig wie die Tatsache, dass ein Unternehmen Aktien ausgab, das außer Verlusten nichts aufzuweisen hatte. Die Regel in Silicon Valley war, frühestens nach vier profitablen Quartalen eine Erstemission zu machen. Doch Clark konnte sich durchsetzen und startete damit eine Mode, den spekulativen Internetwahn der späten 90er-Jahre.

Ein weiteres Standardurteil lautet, dass nur die Unternehmer den Aufstieg schafften, die ihren Kunden bessere Produkte und Dienstleistungen bieten. Doch in vielen Fällen waren die späteren Siegertypen am Anfang mit Blick auf die Qualität eher mittelmäßig. Die Möbel, die Ikea Anfang der 50er-Jahre per Versandhandel vertrieb, waren einfach nur schlecht. Marcel Dassaults Militärflugzeuge vor dem Zweiten Weltkrieg waren weniger leistungsfähig als die von Bréguet, seinem weniger glücklichen Wettbewerber. Dassault verstand es aber, sich gegen die Risiken hoher Entwicklungskosten und Zahlungsausfälle abzuschirmen. Die ersten Wal-Mart-Supermärkte waren scheußliche, schlecht organisierte Lagerhallen, in denen man billig Kleidungsstücke verkaufte, die in den Großstädten längst aus der Mode waren.

Kommt ein Unternehmer vor allem deshalb nach oben, weil er seine Werke effizienter gestaltet, weil er technische Verbesserungen oder eine bessere Organisation einführt? Dieses von Adam Smith begründete, von Alfred D. Chandler und Olivier B. Williamson verfeinerte Argument muss unserer Ansicht nach nuanciert werden. Manchmal steckt hinter höherer Effizienz weder ein technologischer Fortschritt noch eine überlegene Organisation, sondern schlicht ein gesenkter Lohn oder der gedrückte Einkaufspreis.

Es geht uns aber nicht darum, all die Erfolgsrezepte zu sabotieren, die an den Business-Schools gelehrt werden. Uns interessiert eine andere Frage. Warum glätten offizielle Biografien und die öffentliche Wahrnehmung die sprunghaften und widerspruchsvollen Garrieren der Topunternehmer, bis sie wie eine Ikone glänzen? Der Soziologe Maurice Halbwachs hat einen Teil der Antwort geliefert, er hat begründet, warum uns Reichtum beeindruckt: „Was die Menschen respektieren, ist nicht das materielle Vermögen an sich, sondern die Leistung, die sie seinem Besitzer zuschreiben." Wir wollen im materiellen Erfolg die gerechte Entlohnung eines vorbildlichen Verhaltens sehen.

Diese Einstellung gab es auch schon in früheren Gesellschaften. Im Falle des Adels etwa verwies der Titel, den ein Edelmann trug, auf vergangene kriegerische Heldentaten. Mit dem Aufstieg der Bourgeoisie wird dies ersetzt durch professionelle Verdienste. Fähigkeiten, Wissen und menschliche Qualitäten wurden in Berufsverbänden gepflegt: Arbeitseifer, Ehrlichkeit, Wirtschaftlichkeit, Pflichtbewusstsein, lauter Tugenden, die man befolgen sollte, um zu prosperieren. Es bestand ein stabiler Rahmen, in dem Meriten dauerhaft anerkannt wurden.


Wir klammern uns an die Vorstellung, Vermögen sei ein Ausweis tugendhaften Verhaltens. Sinnvoller wäre es, das praktische Ethos von Gründern zu untersuchen, die im Feuer der Aktion stehen.


Doch in der modernen Gesellschaft sind Marktbeziehungen anonym, soziale Bindungen lockern sich, und Organisationen entstehen und vergehen rasch. Die Verbindung zwischen Verdienst und Vermögen ist nicht mehr so offensichtlich. Man kann auch durch Erben, Raffinesse oder Glück reich werden.

Dennoch tun wir noch so, als sei ererbter oder mit Schlichen erreichter Reichtum per se tugendhaft. Ehrlichkeit zu definieren ist schwierig geworden, dennoch verhalten wir uns so, als sei die Finanzbuchhaltung der oberste Beweis für den Wert der Personen und ihres Handelns. Ich halte es dagegen für sinnvoll, die traditionellen Vorstellungen von Moral im Geschäftsleben infrage zu stellen und eine Art „praktischer Moral" zu studieren, der ein Unternehmer in der Phase des stärksten Kapitalaufbaus folgt. Es geht um eine funktionelle, ungeschriebene und oft unausgesprochene Moral, die mit den öffentlichen Moralvorstellungen nur wenig gemein hat.

Dabei geht es nicht um verbrecherische oder rechtschaffene Handlungen in der Wirtschaft, sondern um die Konzepte, denen man folgt, wenn ein Geschäft gestartet wurde und zum Abschluss gebracht werden soll, koste es, was es wolle. Es geht darum, das Ethos der Unternehmer zu verstehen, wenn sie im Feuer der Aktion stehen, ein Ethos, das wenig zu tun hat mit der Ethik, auf die sie sich am Ende ihrer erfolgreichen Karriere berufen, wenn sie bereits Mitglieder des Establishments geworden sind.

Unsere Hypothese lautet: Unternehmer sind tugendhaft in dem Sinne, in dem auch Machiavelli von „virtus" als Charakterstärke sprach oder in dem Friedrich Nietzsche von Willenskraft schrieb.

Solche Wirtschaftsführer unterscheiden sich in ihrem Geschäftsgebaren nicht unbedingt von den Respektablen. Sicher, mit dieser Betrachtungsweise fehlt der Heiligenschein, der angeblich für das gute Funktionieren der Institutionen nötig ist. Doch für diejenigen, die etwas unternehmen wollen, statt selbst übernommen zu werden, kann dieser Ansatz interessant sein.

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Michel Villette lehrt an der École des Haute Études en Sciences Sociales in Paris.

Gemeinsam mit Catherine Villermot hat er das jüngst erschienene Buch „From Predators to Icons – Exposing the Myth of the Business Hero“ geschrieben (Cornell University Press), das in den USA intensiv diskutiert wird. Bei haben vorher eine Studie zur „Soziologie des Geschäftsmanns“ für das französische Forschungsministerium erstellt.
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Das Bild vom erfolgreichen Unternehmer hat sich einem Standardmodell angepasst - vielleicht zu Unrecht.

Schon die frühen Ökonomen wie Adam Smith und Jean-Baptiste Say versuchten, die Rolle und die spezifischen Eigenschaften des Unternehmers zu beschreiben. Auf Say geht die Unterscheidung zwischen dem „Kapitalisten", der lediglich Finanzmittel für ein Unternehmen zur Verfügung stellt, und dem schöpferischen „Entrepreneur" zurück.
Der französische Begriff wurde auch ins Englische übertragen, wenn man diese Differenz verdeutlichen wollte. Auch Joseph Schumpeter (Bild unten) hat die Denkfigur eines von Ideen und dem Wunsch nach innovativem Handeln getriebenen Entrepreneurs als Gegenpart zum eher passiven Kapitalisten übernommen. In Anlehnung an seine Arbeiten wird noch heute vom „Schumpeter'schen Unternehmer" gesprochen, wenn man Eigenschaften wie Kreativität und Innovationsstärke hervorheben will.

Im Lauf der Zeit bildete sich damit das Idealbild einer Unternehmerpersönlichkeit heraus, die in dem Maß erfolgreich ist, wie sie ihre eigene Firma und damit auch die Wirtschaft im weiteren Sinne erneuert und produktiver macht und so den gesellschaftlichen Wohlstand insgesamt hebt.


Der Fokus der Business-Schools ist ein anderer, im Kern aber ähnlich: Sie lehren allgemeine Prinzipien erfolgreicher Unternehmensführung. Dazu zählen Innovationsmanagement, Qualitätskontrolle, optimale Finanzierung, Strategie, Kostenkontrolle, Effizienzsteigerung, Risikofreude. Die Annahme bleibt: Es gibt einen definierbaren Weg, der, wenn man ihn nur exakt studiert und konsequent umsetzt, jedem Fortune ermöglicht.

Villette und seine Kollegen verfolgen einen radikal anderen Ansatz. Sie negieren die einschlägigen Rezepte nicht, zeigen aber, dass viele wirklich erfolgreiche Größen der Wirtschaft ihren ersten Durchbruch anderen Fähigkeiten verdanken: nicht der fixen Vision, sondern dem Auge für eine Chance, raschem Zugriff und der Bereitschaft, komplett vom Plan abzuweichen.

aus dem Handelsblatt Nr. 40 vom 26.2.2010

Freitag, 16. April 2010

Bertelsmann und die Demokratie

zu einem Artikel auf den Nachdenk-Seiten

weitere Posts auf meinem Blog zu Bertelsmann

Mittwoch, 14. April 2010

224 Patienten pro Woche – Akkordarbeit in deutschen Praxen



















18,1mal ist ein durchschnittlicher Bundesbürger im Jahr 2008 zum Arzt gerannt. Das ist nochmals mehr als im Vorjahr (17,7 Arztbesuche) und wahrscheinlich Weltrekord, wie im letzte Woche veröffentlichten Barmer GEK Arztreport nachzulesen ist. Rein rechnerisch hat damit jeder der etwa 140.000 niedergelassenen Ärzte im vorletzten Jahr 10.735 Patientenkontakte gehabt. Das würde 224 Kontakten pro Woche entsprechen. Ungefähr zum gleichen Ergebnis kommt eine internationale Befragung von Ärzten der Primärversorgung. Hier ergab sich für deutsche Ärzte mit 243 wöchentlichen Patientenkontakten eine etwa doppelt so hohe Zahl wie für Ärzte der anderen Länder (102 USA, 154 Großbritannien). Dementsprechend war natürlich die Zeit für den einzelnen Patienten in Deutschland mit 7,8 Minuten erheblich kürzer als in allen anderen Ländern mit 11,1-9,1 Minuten.
Barmer GEK Arztreport, Januar 2010
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 4/2010

Joggen lieber barfuß? Moderne Laufschuhe schädigen die Gelenke

Moderne Laufschuhe können für die Gelenke schädlicher sein als das Joggen ohne Schuhe. Das haben US-Forscher der University of Virginia gemessen und in dem Fachblatt The Journal of Injury, Function and Rehabilitation (Bd. 1, S. 1058) der US-Akademie für Sportmedizin und Rehabilitation veröffentlicht. Die Wissenschaftler ließen 68 gesunde Sportler auf einem Laufhand trainieren – mit Schuhen und barfuß. Ergebnis: An Hüfte, Knie und Fußgelenk stellten die Experten höhere Belastungen fest, wenn die Jogger Schuhe trugen. Die Belastung für die Gelenke war den Angaben zufolge sogar höher als das Gehen auf hochhackigen Schuhen.


















Die Hüfte wurde in der Studie mit Laufschuhen durchschnittlich um 54 Prozent stärker belastet als ohne, im Knie lagen die Werte zwischen 36 und 38 Prozent. Dem Fuß gaben die Trainingsschuhe dagegen einen guten Halt. Die negativen Effekte auf die Gelenke würden wahrscheinlich zu großen Teilen von dem erhöhten Absatz und Stützmaterial unter dem Fußgewölbe verursacht, erklärten die Wissenschaftler. Beides sei charakteristisch für heutige Laufschuhe. Es sollten Laufschuhe entwickelt werden, die den Fuß stützen, ohne die Gelenke zusätzlich zu belasten, fordern die Forscher.

The effect of running shoes on lower extremity joint torques. Kerrigan DC, Franz JR. Keenan GS, DicharryJ, Della Croce U, Wilder RP. PM R. 2009 Dec;1 (12):1058-63.
Quelle: Universität von Virginia

aus Der niedergelassene Arzt 1/2010

Montag, 12. April 2010

Methylenblau gegen Rückenschmerzen?

Wenn man den Ergebnissen einer chinesischen Forschergruppe glauben darf, dann haben sie den Stein der Weisen für die Behandlung von Rückenschmerzen entdeckt. Auf alle Fälle muss man damit rechnen, dass sich viele Rückenschmerzpatienten in den Arztpraxen melden werden, sobald die Nachricht durch die Publikumspresse verbreitet worden ist.

Zwischen 28 und 43 % aller Rückenschmerzen sollen auf eine diskogene Ursache zurückzuführen sein. Dabei ist die strukturelle und biochemische Integrität der Bandscheibe durch Überlastungsschäden gestört. Die chinesischen Wissenschaftler hatten 72 Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren mit diskogenen Rückenschmerzen in zwei gleich große Gruppen unterteilt: Der einen Hälfte wurde 10 Milliliter 10% Methylenblau injiziert, die Plazebogruppe erhielt einen Milliliter physiologische Kochsalzlösung. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten wurden die Patienten im Hinblick auf Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion nachuntersucht. Anhand einer 101 Punkte umfassenden Skala (Numerical Rating Scale, NRS-101) wurde das individuelle Schmerzempfinden gemessen. Bereits nach sechs Monaten sank in der Methylenblau-Gruppe der Wert von initial 72 auf 20 Punkte (Plazebo von 67 auf 63). Und auch auf einer 100 Punkte umfassenden Funktionsskala (Oswestry Disability Index, ODI) verringerte sich der Punktwert in der Verumgruppe von 48 auf 13 (Plazebo von 49 auf 48). Die Autoren vermuten, dass durch Methylenblau die radialen Fissuren denerviert und so der Schmerz beseitigt werden.

Insgesamt zeigten sich mehr als 91 % der Patienten mit der Methylenblau-Behandlung zufrieden, in der Plazebogruppe waren es nur ca. 14%. 19 % der mit Methylenblau behandelten Patienten waren vollkommen schmerzfrei, weitere 72 % empfanden nur noch geringe Schmerzen und konnten auf Schmerzmittel verzichten. Unerwünschte Nebenwirkungen traten auch nach zwei Jahren nicht auf

In einem Kommentar warnt der britische Orthopäde Nikolai Bogduk davor, voreilige Schlüsse aus dieser Studie zu ziehen. Eine wissenschaftliche Wahrheit werde nicht durch eine einzelne Publikation etabliert. Vielmehr müssten die Ergebnisse der chinesischen Forscher nun umgehend durch andere Laboratorien überprüft werden.

Hausärzte sollten dennoch auf Nachfragen ihrer Patienten vorbereitet sein und diese auch ermahnen, nicht vorzeitig irgendwelchen Scharlatanen auf den Leim zu gehen, bevor die Resultate dieser Studie nicht mehrfach wissenschaftlich bestätigt wurden.

Peng B et al. (2010) Pain 149, 124-129
aus Der Allgemeinarzt 6/2010

Auf sowas kommen nur Chinesen, vielleicht funktioniert’s mit Indigo-Blau noch besser…


Samstag, 10. April 2010

Griechenland und seine Schulden

Das Budgetdefizit Griechenlands liegt 2009 bei 12,7 Prozent, erlaubt sind 3 Prozent. Die Staatsverschuldung macht 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, zulässig sind nach den Regeln des Stabilitätspaktes 60 Prozent. Das griechische Finanzministerium spricht von mehr als 300 Milliarden Euro Schulden, das ist etwa so viel wie der deutsche Bundeshalt 2009. (Quelle: Focus)
MSNMoney zeigt in einer Bilderstrecke erstaunliche Fakten über das Finanzgebaren in Griechenland. Daß sowas nicht gutgehen kann, erkennt schon ein Hauptschüler.
Ein paar Fakten:
- Laut Transparency International zahlten Griechen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.355 Euro Bestechungsgeld. Das Geld gaben sie aus, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen oder eine Baugenehmigung kaufen wollten. Auch die schnellere Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus verlief auf diese Weise. Geld floß auch, wenn sie die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten. Promi-Ärzte im Athener Nobelviertel Kolonaki geben laut "Bild Online" Monatseinkommen von nur 300-1000 Euro an. Zum Vergleich: schon ein Assistenzarzt verdient in Deutschland rund 3.600 Euro im Monat.
- Vor der Krise wurde laut "Bild Online" knapp 30 Prozent der griechischen Wirtschaft schwarz abgewickelt. Dem Staat entgingen dadurch 30 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer im Jahr.
- Angestellte in Griechenland zahlen 6,7 % ihres Lohnes in die Rentenkasse. Hierzulande sind es knapp 10 %. Renten in Griechenland betragen aber bis zu 95,7 % des letzten Gehaltes. Die Deutschen bekommen lediglich 43 %. In der Rentenkasse fehlen 2010 knapp 13 Milliarden Euro.
- Rund 300 Berufe wie „Fernsehansager" gelten als „schwere und ungesunde Tätigkeit", so "Bild Online". Dadurch wird ein früher Austritt aus dem Arbeitsleben gerechtfertigt. Viele Staatsdiener können laut "Zeit Online" bisher mit Anfang 50 schon in Pension gehen.
- Auf 1000 Angestellte kommen "Bild Online" zufolge 23 Streiktage. Die Deutschen kommen auf 12 Streiktage.

Dazu auch ein Interview mit Prof. Starbattay im Tagesspiegel

Freitag, 9. April 2010

Fernsehtip für starke Nerven: Aghet - ein Völkermord

Die ARD zeigt heute abend um 23 Uhr eine Dokumentation über den Völkermord der Türken an der armenischen Bevölkerung. Ein Hoch auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk!

siehe:
Wikipedia
Das Erste
Welt Online

Mittwoch, 7. April 2010

Mehr Speicherplatz für Macianer

Die Festplatte wird eng? Dann lohnt es sich, bei bardiir.net nachzuschauen.

Freitag, 12. März 2010

Geburtenkontrolle – Die „Pille“ gegen den Klimawandel

Der Optimum Population Trust ist eine gemeinnützige Organisation, die über die Bevölkerungsentwicklung auf der Welt und ihre Folgen nachdenkt. Sie hielt kürzlich in London ihren Jahreskongress ab.
Wie Prof. Judith Stephenson vom University College London ausführte, haben die missglückten Programme zur zwangsweisen Familienplanung in vergangenen Jahrzehnten insbesondere in China die Bemühungen lang überschattet. Trotzdem waren sie recht erfolgreich. Die derzeitige Prognose der UN, dass die Weltbevölkerung im Jahre 2050 9,7 Milliarden zählen wird, kann aber nur eintreffen, wenn es auf diesem Gebiet keine Rückschläge gibt. Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen. Ansonsten könnte es in 2050 auch elf Milliarden Menschen geben. Stephenson rief zur Stiftung eines globalen Fonds zur Förderung der Familienplanung auf, wie es ihn für verschiedene Krankheiten gibt.
Vielleicht rüttelt die Verantwortlichen der Hinweis auf die Tatsache auf, dass eine Kontrolle des Bevölkerungswachstums einen Schlüssel zur Kontrolle des Klimawandels darstellt. WE

BMJ 338 (2009) 792-793
aus MMW Fortschritte der Medizin

Westafrika – Die Landwirtschaft boomt – und die Malaria

Baumwolle gedeiht in Burkina Faso dem drittärmsten Land der Welt. Dazu ist es notwendig, dass die Bauern Schädlinge mit „Gift“ bekämpfen. Zur Verfügung stehen DDT oder Pyrethroide. Letztere dienen auch zur Imprägnierung von Bettnetzen, die die Schlafenden vor Malaria-übertragenden Mücken schützen sollen. DDT wird in einigen Regionen zusätzlich gegen die Anopheles-Mücken in den Räumen versprüht. Nun werden die Mücken resistent gegen die lnsektizide. Diese Entwicklung bedroht den Erfolg aller Bemühungen, die Malaria unter Kontrolle zu bringen. Ein „Drama“ ist abzusehen, wenn weiterhin in der Landwirtschaft dieselben Insektizide verwendet, wie sie zur Bekämpfung der Malaria-Mücken verwendet werden. Dann wird die Malaria immer mehr Opfer fordern, vor allem Kinder. WE

Baleta, A: Insecticide resistance threatens malaria control in Africa. BMJ 339 (2009) 1581-1582
Bestellnummer der Originalarbeit 091659

aus MMW Fortschritte der Medizin

Sterbehilfe – Leid ist schwer messbar

Qualen sind ein subjektives Phänomen. Eine Arbeitsgruppe aus Amsterdam wollte wissen, inwieweit man es quantifizieren kann und wie sich die Einschätzungen von Patient und Arzt unterscheiden.
Mit Hilfe ausführlicher Interviews von zehn Patienten, die Sterbehilfe erbeten hatten, bei denen dies aber abgelehnt oder bei denen sie trotz Genehmigung nicht ausgeführt worden war, sowie von 16 Ärzten, die mit diesen oder ähnlichen Fällen befasst waren, gewann man tiefere Einblicke. Nicht alle Patienten, die unbedingt sterben wollten, hielten ihr Leid fürwirklich unerträglich. Ihre Arzte konnten ihren Wunsch, zu sterben, dennoch nachvollziehen. Wenn die Patienten von unerträglichem Leiden sprachen, waren Ärzte öfter anderer Meinung. Patienten bezogen diese Einschätzung mehr auf psychosoziale Aspekte, Ärzte rein auf die physische Seite. Wenn z. B. ein Patient noch Bücher lesen konnte, nahmen sie ihm unerträgliche Qualen nicht ab.
Die Autoren legen den Ärzten nahe, alle Perspektiven von Leiden wahrzunehmen und ihre Einschätzung nicht auf die rein körperliche Sichtweise zu verengen. Eine nur physische Auslegung werde der weitgehend subjektiven Natur von Leiden und auch der Intention des niederländischen Sterbehilfe-Gesetzes nicht gerecht. WE

Pasman HRW et al.: concept of unbearable suffering in context of ungranted requests for euthanasia: qualitative interviews with patients and physicians. BMJ 339 (2009) 1235-7237
Bestellnummer der Originalarbeit 091657

aus MMW Fortschritte der Medizin

Ärzte-Wellness – Auch dem Doktor muss es gut gehen

Kanadische Experten weisen darauf hin, dass nach einer Studie aus ihrem Land 64% der Ärzte ihre Arbeitsbelastung als zu groß empfinden und dass 48% eine Zunahme ihrer Belastung in den letzten Jahren bemerkten. Die Arbeitszeit von Ärzten ist überdurchschnittlich hoch. Ihre Tätigkeit ist mit starken emotionalen Belastungen verbunden. Die kognitiven Anforderungen mit einer kaum zu bewältigenden Informationsflut wachsen. Folgen von so viel Stress sind oft Burnout-Syndrom und mangelhafte berufliche Leistungen.
Ärzte gehen selten zum Arzt. Wenn sie depressiv sind, suchen nur 2% professionelle Hilfe. Sie vernachlässigen ihr eigenes Wohlergehen sträflich.
Die Autoren fordern, das Wohl der Ärzte als Qualitätsfaktor des Gesundheitssystems zu sehen. Alle Beteiligten sollten nach Wegen suchen, die Gesundheit der Ärzte zu verbessern. Die Kultur der Betreuung von Ärzten muss sich ändern. Von einer Entlastung der Ärzte würden nicht nur diese profitieren, sondern auch dieAllgemeinheit, auch wenn entsprechende Maßnahmen wohl nicht umsonst zu haben wären. WE

Wallace JE et al.: Physician wellness: a missing quality indicator. Lancet 374 (2009) 1714-1721
Bestellnummer der Originalarbeit 091658

aus MMW Fortschritte der Medizin

Freitag, 5. März 2010

Bilder unseres Landes: Idar-Obersteiner Schule entstand auf freiem Feld



Die 1872 auf fast freiem Feld an der Grenze zwischen Oberstein und Idar errichtete Göttenbach-Schule diente lange als Oberrealschule. Der Bau in der Mitte der mehr als 600 Hausnummern langen Hauptstraße war eines der wenigen gemeinsamen Projekte vor dem Zusammenschluss der beiden Städte im Jahr 1933. Alle höheren Schulen wurden damals in der Schillerschule in Oberstein vereint. In die freiwerdende Göttenbach-Schule zog die Stadtverwaltung ein. Heute sind dort die Schutz- und Kriminalpolizei untergebracht. Die Bediensteten der Stadt siedelten dafür in die ehemalige Schillerschule um. Foto: Hosser
aus der Nahe-Zeitung

Der Begriff »Gymnasium« existierte in der Umgangssprache in Idar-Oberstein bis in die Mitte der 70er Jahre kaum. In Idar-Oberstein besuchte man nicht das Gymnasium, man ging »off die Gäddebach«. Erst mit Errichtung des neuen Gymnasiums auf der Heinzenwies hielt das Wort »Gymnasium« Einzug in den Idar-Obersteiner Sprachgebrauch.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Zivilisation – Net mach Mob

Computerpionier Jaron Lanier über die entwürdigenden Folgen von Internetwerbung, Mobbing im Netz und die Geburt einer unmenschlichen Digital-Religion

mehr bei SPIEGEL-Online

Dienstag, 26. Januar 2010

Sport macht geistig fitter – auch bei ersten kognitiven Defiziten

Regelmäßige körperliche Aktivität schützt vor geistigem Verfall. Eine leichte kognitive Beeinträchtigung kann durch intensives Training sogar teilweise rückgängig gemacht werden. Das ist das Ergebnis einer kontrollierten Studie mit 33 Probanden um die 70 Jahre, die an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung litten. Die Trainingsgruppe hatte sechs Monate lang viermal pro Woche für 45-60 Minuten ein intensives aerobes Training absolviert. Ihre kognitiven Leistungen verbesserten sich stärker als die der Kontrollgruppe, die nur Übungen gemacht hatte, welche die Herzfrequenz nicht erhöhten. Normalerweise haben Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung ein jährliches Risiko von 10-15%, in eine Demenz abzugleiten.
Arch Neurol 2010;67:71-79 und 80-86
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Der Duft, auf den Männer fliegen

Den Duft, auf den Männer messbar reagieren, bekommt man in keiner Parfümerie. Die stärkste Wirkung erzielt Frau mit ihrem Eigengeruch, meinen Psychologen an Florida. Sie baten Frauen während verschiedener Stadien ihres Ovulationszyklus ein T-Shirt an drei aufeinanderfolgen Tagen zu tragen. Ungetragene T-Shirts dienten zu Kontrollzwecken. Männliche Probanden wurden aufgefordert, an den Versuchshemden zu schnuppern. Vor und nach der Geruchsprobe wurde ihnen Speichel zur Testosteronbestimmung entnommen. Auf Hemdchen, die Frauen während ihres Eisprungs getragen hatten, reagierten die männlichen Versuchsobjekte mit einem signifikanten Anstieg der Testosteronwerte. Dieser Effekt ist aus Tierversuchen bestens bekannt. Was Sie, geneigter Leser, daraus schließen möchten, überlassen wir Ihnen.
Psychological Science, 2009; DOI: 10.1177/0956797609357733
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Couchpotatoes aufgepaßt – TV kann tödlich sein

Wer regelmäßig viel Zeit vor dem Fernseher verbringt, riskiert sein Leben. Einer australischen Studie zufolge erhöht jede tägliche Stunde Fernsehkonsum die Sterblichkeit um 11% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit sogar um 18%.Verglichen mit Personen, die weniger als zwei Stunden pro Tag fernsehen, haben diejenigen, die mehr als vier Stunden vor der Glotze hängen, eine um 46% höhere Gesamtmortalität und eine um 80% höhere Mortalität aus kardiovaskulärer Ursache. In der Studie waren 8800 Personen mehr als sechs Jahre beobachtet worden; in dieser Zeit hatten sich 284 Todesfälle ereignet. Die erhöhte Sterblichkeit durch langes Fernsehen betraf auch normalgewichtige Menschen.
Circulation, 11. Januar 2010, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.894824
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010

Wochenend bringt Sonnenschein

Vermutet haben wir das eigentlich schon immer, aber jetzt haben Psychologen der Universität Rochester den wissenschaftlichen Beweis nachgeliefert: Das freie Wochenende macht Menschen glücklich. Während der Arbeitswoche lassen die Glücksgefühle kontinuierlich nach, um am nächsten Wochenende dann wieder einem neuen Hochgefühl zu weichen. Dieses Auf und Ab der Gefühle ist unabhängig von Einkommen, Position und sozialem Status. Wesentlich sei, so meinen die Psychologen, dass man am Wochenende sein eigener Herr sei und selbstbestimmt handeln könne. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, wie eine Studie der Universität von Toronto belegt: Immer mehr Zeitgenossen bringen sich um das Wochenend- und Freizeitglück, indem sie Arbeit mit nach Hause nehmen.
J Social Clin Psvchology 2010. im Druck
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010