Donnerstag, 4. September 2014

Heute vor 44 Jahren – 4. September 1970: Salvador Allende wird zum Präsidenten Chiles gewählt

Er war der erste bekennender Marxist, der in einem kapitalistischen Land aus bürgerlich-demokratischen Wahlen als Sieger hervorging und die Regierungsgeschäfte übernehmen konnte. Sein Wahlprogramm, das Programm der in der Unidad Popular zusammengeschlossenen Parteien, zielte – ausgehend von der chilenischen Verfassung – auf eine sozialistische Revolution. Der Wahlerfolg der Unidad Poplular am 4. September 1970 erfuhr Aufmerksamkeit in der ganzen Welt – und er verdient diese noch heute. 
mehr:
- Erstmals etablierte sich in einem lateinamerikanischen Land die Volksmacht (Neues Deutschland, 04.09.2010, gefunden bei AG Friedensforschung)

SPIEGEL-Artikel aus einer anderen Zeit:
- DANN KÖNNEN DIE KINDER IN MILCH BADEN SPIEGEL-Gespräch mit dem Sieger der chilenischen Präsidentschaftswahlen Salvador Allende (14.09.1970)
- CHILE / PRÄSIDENTENWAHL – Schwarze Messe (28.09.1970)
Wahlsieger Allende schwenkte zornig ein Blatt Papier: "Man plant, mich für 300 Millionen zu ermorden. Wenn das geschieht -- auf der Liste stehen die Namen der Täter, und das Volk soll Gericht über sie halten."

- UNSER GELD IN CHILE (09.11.1970)
Es war ein Schock für die freie Welt von Saigon bis Washington, von Athen bis Johannesburg: "Zum ersten Mal ist ein Marxist, der auf klare Änderung der westlich-liberalen Gesellschaft und der Herrschaft des Kapitals ausgeht, Präsident eines Landes auf legale Weise geworden", sorgte sich der "Münchner Merkur", als die Wahlen in Chile "einen Sozialisten auf den Präsidentensessel gespült" ("Stuttgarter Zeitung") hatten.
Für die "Frankfurter Allgemeine" stand alsogleich "zu befürchten, daß damit für Chile eine Periode der Unfreiheit beginnt", und diese Furcht artikulierte sich ihr so: "Wird die Kupferversorgung der westlichen Welt gefährdet?" Sie wußte: "Immerhin stehen hier Investitionen in Höhe von etwa 500 Millionen Dollar zur Debatte, die die Amerikaner bisher ins Land gebracht haben." Und sie ignoriert freundlich die 1,3 Millionen, die täglich aus Chile herausfließen.  


Der Fall des Salvador Allende [43:58]
(Einbeten auf Anfrage deaktiviert)

Doku Chile oder die Diktatur des freien Marktes Dokumentation German [52:45]

Veröffentlicht am 09.01.2015

- WIR SCHLAGEN HUNDERTFACH ZURÜCK – Régis Debray interviewt Salvador Allende (15.03.1971)
Der französische Journalist Régis Debray, Theoretiker der Revolution in Lateinamerika, ist zugleich Praktiker des Guerillakriegs. Er erlebte ihn an der Seite Che Guevaras in Bolivien, wo er 1967 gefangengenommen und zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde. Weihnachten 1970 überraschend freigelassen, traf Debray in Chile mit Salvador Allende zusammen, dem ersten Sozialisten, der in Lateinamerika durch freie Wahlen an die Macht kam. Den Gesprächen Debrays mit Allende, die demnächst als Buch unter dem Titel "La via Cilena" ("Der chilenische Weg") bei Feltrinelli in Mailand und in deutsch bei Luchterhand erscheinen, sind die folgenden Auszüge entnommen:  

- CHILE – Lauern auf Fehltritt (24.01.1972)
Chiles Rechtsparteien sind zum Angriff auf die Revolution des Präsidenten Allende angetreten.
Aus Salvador Allendes Worten klang mehr als südamerikanisches Pathos: "Man wird mich an der Ausführung meines Programms nur hindern", rief Chiles marxistischer Präsident, "wenn man meinen Körper mit Kugeln durchsiebt."
Mit düsterer Entschlossenheit reagiert Chiles Volksfrontregierung auf Versuche der rechten Opposition, Allendes gewaltlose "Revolution in der Legalität" zu stoppen vorerst noch legal. 


- AFFÄREN – Zeuge der Anklage (09.04.1973)
Top-Manager des amerikanischen Mammut-Konzerns ITT (400 000 Beschäftigte in aller Welt) mußten jetzt öffentlich zugeben, was bisher nur vermutet wurde: ITT plante den Sturz des chilenischen Präsidenten Allende.
Die Szene scheint harmlos: Zwei seriös gekleidete Herren treffen sich in der Halle des Washingtoner Carlton-Hotels. wechseln ein paar Worte und verschwinden anschließend in einem Séparee.
Dort plaudern die Gentlemen -- CIA-Agent der eine, millionenschwerer Boß eines der größten amerikanischen Konzerne der andere -- beiläufig darüber, wie ein bislang unter US-Einfluß stehender lateinamerikanischer Staat ins wirtschaftliche Chaos gestürzt und die Wahl eines mißliebigen Präsidentschaftskandidaten verhindert werden kann. Als Honorar für die Ausführung des Komplotts bietet der Konzern-Herr dem CIA-Mann eine Million Dollar.  


- Auf Chile Druck ausüben – Das ITT-Programm zum Sturz des chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende (09.07.1973)    
Am 1. Oktober 1971 unterrichtete der Chef des Washingtoner ITT-Büros William R. Merriam den damaligen Sonderberater Präsident Nixons, Peter G. Peterson, in einem Brief über die Beschlagnahme der ITT-eigenen chilenischen Telephongesellschaft. In einem Anhang zu dem Schreiben ("Dear Pete") entwickelte Merriam ein 18-Punkte-Programm für ein Eingreifen Washingtons in Chile.
Präsident Allende ist eitel und braucht den Erfolg, sonst ist er frustriert. Sein internationaler Ruf liegt ihm sehr am Herzen, und es schmerzt ihn, wenn seine Vorhaben scheitern.
Ich meine, es sollte darauf hingewiesen werden, daß die Situation in Chile von der gesamten Administration absolut mit Vorrang zu behandeln ist und daß insgeheim, aber wirksam alles getan werden sollte. um dafür zu sorgen, daß Allende die entscheidenden nächsten sechs Monate nicht übersteht.
 


- Kämpfen bis zum Ende (17.09.1973)    
Drei Jahre nach seinem Wahlsieg fiel Chiles Präsident Allende, der erste freigewählte marxistische Staatschef der Welt, in den Ruinen seines von putschenden Truppen zerbombten Regierungspalastes. Im Feuer des Militärs war ein Experiment gescheitert, Sozialismus und Freiheit zu verbinden.
Ein Panzer vor dem Präsidenten-Palast, eine Inschrift: "Wir haben nicht gedacht, daß dies passieren könnte.
Mit diesem Plakat hatte Chiles Rechte 1970 den Amtsantritt des gewählten Präsidenten Salvador Allende diffamiert -- weil er Sozialist war und sich selbst einen Marxisten nannte. Der Panzer auf dem Plakat trug einen roten Stern, der Text erinnerte an die Sowjet-Panzer in Prag.
Drei Jahre später, fast genau fünf Jahre nach Prag, gibt es die Parallele zu Prag: Panzer walzten das chilenische Modell eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz nieder. Doch diese Panzer, die am Dienstag vergangener Woche die Moneda, Santiagos graudüsteren Präsidenten-Palast, in Trümmer schossen, trugen keinen roten Stern. Sie fuhren und feuerten unter dem rotweißblauen Emblem der chilenischen Armee. Und die Kugeln der grauuniformierten Soldaten trafen nicht Allendes Gegner, sondern Allende und seine Anhänger.
 
 


- Noch ein Plakat im Studierzimmer? – Gaston Salvatore über den gestürzten chilenischen Präsidenten Salvador Allende (24.09.1973)    
Allende ist gescheitert" -- diese Schlagzeile ist nicht neu. Sie hat seine Laufbahn jahrzehntelang begleitet. Ich erinnere mich, wie sie mit handhohen Lettern die erste Seite der Boulevardzeitungen von Santiago füllte. Das war 1958, nach den Präsidentschaftswahlen, die Allende knapp verlor.
Im März 1961 wurde in Chile ein neues Parlament gewählt. Allendes Partei schätzte seine Chancen so gering ein. daß sie ihm seinen alten Wahlbezirk. eine Domäne der Sozialisten, wegnahm. Statt dessen bot sie ihm einen Bezirk in Valparaiso an, der von vornherein aussichtslos schien.
Daraufhin kaufte Allende einen gebrauchten, fast schrottreifen Bus. Er bemalte ihn eigenhändig und zog damit durch die Provinz Valparaiso. Wenn er abends in den Armenvierteln parkte, lasen die Slumbewohner staunend, was der Kandidat auf das Wrack gepinselt hatte: "Der Autobus des Sieges." 

  
- Der Wahnwitz der Geheimdienste (14.10.1974)    
Während des letzten Jahres platzte mitten in die Leichenfeier der Watergate- Enthüllungen wieder eine Reihe von Spionage-Skandalen: die CIA-Beteiligung am Sturz Allendes, ihre enge Verbindung mit der jüngst gestürzten griechischen Militärjunta, der Versuch des KGB, eine geheime Opposition gegen Tito in Jugoslawien zu installieren, der Sturz von Brandt durch die westdeutschen Staatsschützer.
Einige dieser Untergrund-Operationen sind gleich hilflos wie dumm; andere ebenso erschreckend wie gefährlich. Und, wenn überhaupt, dienen wenige wirklich der nationalen Sicherheit der Staaten, die sie unterhalten -- allen offiziellen Erklärungen und Alibis zum Trotz.
Nicht genug, daß Geheimdienst-Aktivitäten oft in peinlichen Blamagen enden -- sie bürden ihren verantwortlichen Regierungen und damit ihren Völkern, denen sie doch zu dienen vorgeben, langwierige Schuldenlasten auf und das selbst dann, wenn Operationen kurzzeitig erfolgreich erscheinen. In Wahrheit sind Geheimdienst-Operationen selten etwas anderes als billige Täuschungsmanöver und halsbrecherische Abenteuer, die hauptsächlich die kranken Hirne und die schmutzigen Eigeninteressen der Geheimdienstler befriedigen, sie Pläne für machthungrige Führer erfinden lassen, die diese ruhelos verfolgen, um ihrer selbstsüchtigen politischen Zwecke willen.
 
 


- Auftrag ausgeführt. Präsident tot. Das Ende des Salvador Altende (II) / Von Robinson Rojas Sandford (20.10.1975)    
Der endgültige Beschluß, Allende zu ermorden, wurde am Abend des 21. August 1973 gefaßt.
General Augusto Pinochet Ugarte nahm an der entscheidenden Besprechung nicht teil, ja er erfuhr von den Mordplänen überhaupt erst am frühen Nachmittag des 11. September, als der Tod des Präsidenten schon ein fait accompli war und der "Selbstmord" inszeniert werden sollte.
 


- Du sollst dich nicht erwischen lassen (05.01.1987)    
Die geheimen außenpolitischen Abenteuer amerikanischer Präsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg (III) *
Am 15. September 1970 - in Chile hatte der Marxist Salvador Allende kurz zuvor die Wahlen gewonnen - trafen sich US-Sicherheitsberater Henry Kissinger und Justizminister John Mitchell mit Pepsi-Cola-Chef Donald Kendall, einem alten Freund Präsident Nixons, in Washington zum Frühstück. Kendall hatte einen Bekannten mitgebracht, den einflußreichen chilenischen Zeitungs-, Bank- und Fernsehzar Augustin Edwards. Der Unternehmer erläuterte den Herren, daß seine Heimat Gefahr laufe, unter Allende zu einem zweiten Kuba zu werden.
Viel brauchte er nicht zu reden. Noch am selben Tag wurde Edwards dem CIA-Chef Richard Helms präsentiert. Kurz darauf gab Nixon, von Kissinger gedrängt, seinem Geheimdienst Order, "egal wie" zu verhindern, daß Allende, der vermeintliche Mann Moskaus, am 24. Oktober vom chilenischen Kongreß als neues Staatsoberhaupt bestätigt würde.
 
 


siehe auch:
- Warum Allende heute noch ehren? (Eberhard Aurich, 2013)
- Chile: Der 11. September und die Menschenrechtler aus USA und BRD (Politik im Spiegel, 11.09.2013)
Daran muss ich denken, wenn ich heute Guantanamobama von Menschenrechten und nationaler Sicherheit reden höre. Heute vor 40 Jahren errichteten die USA in Chile den Faschismus. Heute vor 40 Jahren starb der demokratisch gewählte Präsident Salvador Allende.
Geschichtsrevisionisten tun so als haben die USA mit dem Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Chiles, den tausenden Morden und den Folterzentren nichts zu tun.
Aber die Akten bewiesen, die USA mischten sich schon seit den 50er Jahren mit massiven finanziellen und geheimdienstlichen Mitteln in die chilenischen Angelegenheiten ein, um Medien, Massen und letztlich alle Wahlen zu beeinflussen und die demokratische Wahl des Präsidentschaftskandidaten Salvador Allende zu verhindern. 


Victor Jara El derecho de vivir en Paz [3:59]

Hochgeladen am 08.07.2009
segunda cancion del historico video de Victor Jara grabado en Agosto de 1973.


- Chile – Ein zusammengeschlagener, blutiger Leichnam (Journal21, 13.09.2014) 
Am Montag vor 41 Jahren starb der chilenische Sänger Victor Jara im Stadion von Chile nach schwerer Folter und von 44 Kugeln durchbohrt. Jetzt ist gegen die Täter Anklage erhoben.
„Unter der Brücke träumt/ ein Kind vom Fliegen“, sang er in seinem „Wiegenlied für ein obdachloses Kind“: „Schlafe, mein Kind… Vier andere Kinder/ werden dich warmhalten.“ Er sang über den „Bergmann“, über den „Bauern“, vertonte Pablo Nerudas Gedicht „Aquí me quedo“ (Hier bleibe ich). Er schrieb ein Lied über und für Angelita Huenumán, eine Mapuche-Indianerin, die er in der Einsamkeit der Hügel, Wälder und Seen von Arauco kennenlernte, und die ihm eine „außerordentlich schöne Wolldecke“ für die kalten Wintermonate schenkte. Er sang Volkslieder, Balladen und schließlich auch ein „Manifiesto“:

„Ich singe, weil die Gitarre
Gefühl und Vernunft hat…
…Mein Lied ist Gerüst,
um die Sterne zu erreichen…
Manifiesto (Live in Santiago, 09/12/13) [7:03] [Text, Lied mit deutschen Untertiteln]

Veröffentlicht am 15.09.2013
Bruce Springsteen covers Victor Jara's "Manifiesto" live in Santiago, Chile on 09/12/13. See more photos from Chile and read about the show at http://brucespringsteen.net
- Dossier: 40 Jahre Putsch in Chile (Quetzal)

Was am 4. September noch geschah:
1886: Der Apachenhäuptling Gokhlayeh, genannt Geronimo, kapituliert 
[…] und beendete somit endgültig seinen Widerstand mit noch 36 verbliebenen von ursprünglich 500 Kriegern. Er stellte sich den Amerikanern unter dem Kommando von General Nelson A. Miles, die ihm jahrelang vergeblich mit 5.000 Soldaten, einem Heliografensystem,[5] 500 Apachen-Scouts, dem Chefscout Al Sieber, mit 100 Navajo-Scouts und 3.000 mexikanischen Soldaten nachgestellt hatten. [Geronimo, Letztmalige Kapitulation, Wikipedia

Zitate aus dem Wikipedia-Artikel:
- Entgegen ursprünglicher Friedensvereinbarungen, in denen zunächst für ihn und den kleinen Rest seines früher großen Volkes, fruchtbares Farmland zugesichert wurde, brachte man ihn und einige seiner Leute, teilweise für viele Jahre, in weit entfernte, wechselnde Armeegefängnisse.- Die Zusage, wie in den früheren Kapitulationsverhandlungen vereinbart, in das Gebiet seiner ursprünglichen Heimat zurückkehren zu dürfen, wurde nie eingehalten.- Einige Apachen, darunter Gokhlayehs Urenkel Harlyn Geronimo, forderten in einer Petition an den US-Kongress die Rückgabe der Gebeine Geronimos. Ned Anderson, ein Apachenhäuptling, hatte bereits 1986 mit Unterstützung des FBI George W. Bushs Onkel Jonathan Bush zur Herausgabe des Schädels aufgefordert. Diese Aktionen blieben ohne Erfolg.


Zum Schluß noch einmal zum Zitat von Bundespräsident Gauck aus seiner Rede zum 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs am 1. September 2014 in Danzig:  
 
»Weil wir am Recht festhalten, es stärken und nicht dulden, dass es durch das Recht des Stärkeren ersetzen wird, stellen wir uns jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen. Deshalb stehen wir ein für jene Werte, denen wir unser freiheitliches und friedliches Zusammenleben verdanken. Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen.« 
- Rede zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – Gauck macht Putin schwere Vorwürfe (Süddeutsche Zeitung, 01.09.2014)
Zitat:
Nach 1989 hätten EU und Nato sich bemüht, Russland zu integrieren, sagte Gauck. "Diese Partnerschaft ist von Russland de facto aufgekündigt worden."
- Gaucks scharfe Russland-Kritik – Bundespräsident wirft Putin Krim-Annexion vor (stern, 02.09.2014, mit Videoausschnitt aus der Rede)

dazu aus der Rede von Wladimir Putin vom 25.09.2001 vor dem Deutschen Bundestag (Wortprotokoll auf der Seite des Deutschen Bundestages):
»Trotz allem Positiven, das in den vergangenen Jahrzehnten erreicht wurde, haben wir es bisher nicht geschafft, einen effektiven Mechanismus der Zusammenarbeit auszuarbeiten. Die bisher ausgebauten Koordinationsorgane geben Russland keine realen Möglichkeiten, bei der Vorbereitung der Beschlussfassung mitzuwirken. Heutzutage werden Entscheidungen manchmal überhaupt ohne uns getroffen. Wir werden dann nachdrücklich gebeten, sie zu bestätigen. Dann spricht man wieder von der Loyalität gegenüber der NATO. Es wird sogar gesagt, ohne Russland sei es unmöglich, diese Entscheidungen zu verwirklichen. - Wir sollten uns fragen, ob das normal ist, ob das eine echte Partnerschaft ist.« [Hervorhebungen von mir] 

siehe: Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (25.03.2014)

dazu auch aus der Rede von Wladimir Putin bei der Münchner Sicherheitskonferenz (09.-11.02.2007, Wortprotokoll auf der Seite der AG Friedensforschung der Universität Kassel):

Der globale Gegensatz schob äußerst drängende ökonomische und soziale Fragen an den Rand der internationalen Beziehungen und Tagesordnungen. Und wie jeder Krieg hinterließ uns auch der „kalte Krieg“ – bildlich ausgedrückt – „Blindgänger“. Ich meine damit ideologische Stereotypen, doppelte Standards, irgendwelche Schablonen des Blockdenkens.
Die nach dem „Kalten Krieg“ vorgeschlagene monopolare Welt kam auch nicht zu Stande.
Die Menschheitsgeschichte kennt natürlich auch Perioden monopolaren Zustandes und des Strebens nach Weltherrschaft. Alles war schon mal da in der Geschichte der Menschheit. Aber was ist eigentlich eine monopolare Welt? Wie man diesen Terminus auch schmückt, am Ende bedeutet er praktisch nur eines: es gibt ein Zentrum der Macht, ein Zentrum der Stärke, ein Entscheidungs-Zentrum.
Es ist die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souveräns. Und das ist am Ende nicht nur tödlich für alle, die sich innerhalb dieses Systems befinden, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen zerstört.
Das hat natürlich nichts mit Demokratie gemein. Weil Demokratie bekanntermaßen die Herrschaft der Mehrheit bedeutet, unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit.
Nebenbei gesagt, lehrt man uns - Russland – ständig Demokratie. Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen.
Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist. Nur nicht, weil für eine Einzel-Führerschaft in der heutigen, gerade in der heutigen, Welt weder die militärpolitischen, noch die ökonomischen Ressourcen ausreichen. Aber was noch wichtiger ist – das Modell selbst erweist sich als nicht praktikabel, weil es selbst keine Basis hat und nicht die sittlich-moralische Basis der modernen Zivilisation sein kann.
[…]
Damit ist alles, was heute in der Welt geschieht - und wir fangen jetzt erst an, darüber zu diskutieren – eine Folge der Versuche, solch eine Konzeption der monopolaren Welt, in der Welt einzuführen.
Und mit welchem Ergebnis?
Einseitige, oft nicht legitime Handlungen haben nicht ein einziges Problem gelöst. Vielmehr waren sie Ausgangspunkt neuer menschlicher Tragödien und Spannungsherde.
Urteilen Sie selbst: Die Kriege, die lokalen und regionalen Konflikte sind nicht weniger geworden. Herr Teltschik hat ganz leicht daran erinnert. Und es sterben nicht weniger Menschen bei diesen Konflikten als früher, sondern sogar mehr. Bedeutend mehr!
Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophierte Anwendung von Gewalt –militärischer Gewalt - in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, welche eine Sturmflut aufeinander folgender Konflikte in der Welt auslöst. Im Ergebnis reichen dann nicht die Kräfte für eine komplexe Lösung wenigstens eines dieser Konflikte. Eine politische Lösung ist ebenfalls unmöglich.
Wir sehen eine immer stärkere Nichtbeachtung grundlegender Prinzipien des Völkerrechts. Mehr noch – bestimmte Normen, ja eigentlich fast das gesamte Rechtssystem eines Staates, vor allem, natürlich, der Vereinigten Staaten, hat seine Grenzen in allen Sphären überschritten: sowohl in der Wirtschaft, der Politik und im humanitären Bereich wird es anderen Staaten übergestülpt. Nun, wem gefällt das schon?
In den internationalen Angelegenheiten begegnet man immer öfter dem Bestreben, die eine oder andere Frage ausgehend von einer so genannten politischen Zielgerichtetheit auf der Grundlage der gegenwärtigen politischen Konjunktur zu lösen.
Das ist allerdings äußerst gefährlich. Es führt dazu, dass sich schon niemand mehr in Sicherheit fühlt. Ich will das unterstreichen – niemand fühlt sich mehr sicher! Weil sich niemand mehr hinter dem Völkerrecht wie hinter einer schützenden Wand verstecken kann. Eine solche Politik erweist sich als Katalysator für das Wettrüsten.
Die Dominanz des Faktors Gewalt löst in einer Reihe von Ländern den Drang nach dem Besitz von Massenvernichtungswaffen aus. Mehr noch – es erschienen ganz neue Bedrohungen, die zwar früher schon bekannt waren, aber heute globalen Charakter annehmen, wie der Terrorismus.
Ich bin überzeugt, dass wir heute an einem Grenzpunkt angelangt sind, an dem wir ernsthaft über die gesamte Architektur der globalen Sicherheit nachdenken sollten.  [Hervorhebungen von mir] 

Einige – zum größen Teil empörte – Reaktionen auf Putins Rede, die betreffenden Videos und weiterführende Links finden sich bei
- Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (Post, 25.03.2014) 

Präsident Putin lacht über Reporterfrage [0:26]

Veröffentlicht am 10.02.2014
Amazon Prime kostenlos: http://bit.ly/30TageFreeAmazonPrime
alter Infotext: Veröffentlicht am 24.07.2013 
Kleiner Ausschnitt aus der ARD-Doku "Ich, Putin", aus 2012, von Hubert Seipel (auch der Interviewer hier)
Schlag gegen Syrien - Ziel: Russland
http://apxwn.blogspot.de/2012/08/schl...
Baschar al-Assad im Interview für "Izvestia"
http://apxwn.blogspot.de/2013/08/basc...



Nach der Lektüre des gesamten Posts rege ich an, sich noch einmal das Zitat unseres Bundespräsidenten zu Gemüte zu führen… Möglicherweise – in dem Fall hätte ich ihn unterschätzt – hat er ja nicht nur Russland damit gemeint.

- Joachim Gaucks Russland-Schelte – Der unbesonnene Präsident (Kommentar Heribald Prantl, Süddeutsche Zeitung, 02.09.2014)
Bundespräsident Joachim Gauck rüstet verbal auf - gegen Russland. Dabei hat Gauck vor kurzem - in Frankreich - die Partnerschaft mit ehemaligen Feinden angemahnt. Die 30 Millionen sowjetischen Kriegsopfer erwähnt er mit keinem Wort. Das ist nicht klug.  

dazu auch:
- Gauck und die Grünen: Ein Unglück kommt selten allein (Evelyn Hecht-Galinski, Kritisches Netzwerk, 15.10.2014)
Gauck war am 9. Oktober in Leipzig beim Festakt "25 Jahre friedliche Revolution" wieder voll und ganz in seinem Element, der pastoralen Besserwisserei und Einstimmung der gesamtdeutschen Bevölkerung auf eine Art der Mitverantwortung, wie er sie sich für uns vorstellt. Wieder einmal benutzte er diesen Tag, um uns auf die veränderte Lage in der Welt, in der wir mehr “Außenpolitische Verantwortung” zu übernehmen hätten, einzustimmen und mahnte die entschiedene Verteidigung der eigenen Werte an. Was er darunter versteht, hat er uns ja schon bei vielen Anlässen vorgetragen und seine Werte scheinen mir mehr als fragwürdig und nicht die meinen!


zuletzt aktualisiert am 07-02-2016

Heute vor 230 Jahren – 4. September 1774: James Cook entdeckt Neukaledonien

Europa expandiert in die Südsee 

Der britische Seefahrer und Entdecker James Cook (1728-1779) unternahm drei Reisen in die seinerzeit noch unbekannten Weiten des Pazifischen Ozeans. Cook und mitreisende Zeichner kartierten Neuseeland, die Ostküste Australiens sowie nahezu die gesamte Inselwelt der Südsee und vervollständigten so das neuzeitliche Bild von der Erde. Am 4. September 1774 gab er einer Inselgruppe 1500 km östlich von Australien den Namen »Neukaledonien«. Als die Europäer landeten, lebte dort das Volk der Kanak, Nachfahren der Träger einer prähistorischen Kultur sowie der seit dem 11. Jahrhundert eingewanderten polynesischen Maori.
Polynesische Maori in einem Kriegskanu
(Stich nach James Cook und Sydney Parkinson)
Den Entdeckern um James Cook folgten bald andere Europäer: Zunächst ließen sich vereinzelt Walfänger, Holzhändler und Abenteurer nieder, ehe in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkt Franzosen und Briten dort ansässig wurden. Die Siedler schleppten eine Reihe bis dahin unbekannter Seuchen ein, denen ein großer Teil der indigenen Bevölkerung zum Opfer fiel. 1853 erklärte Frankreich Neukaledonien zu französischem Besitz.

Was am 4. September noch geschah: 
366 v. Chr.: In Rom wird erstmals das Fest der Ludi Romani zu Ehren des Gottes Jupiter abgehalten.
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014
für Interessierte:
An der zweiten Südseereise von Cook nahmen auch der Pastor Johann Reinhold Forster und sein 17jähriger Sohn Georg teil. Über Georg und seine Schwester mehr in

Mittwoch, 3. September 2014

Korruption in der Ukraine: Jazenjuk deckt die mächtigen Oligarchen

Da ihre Arbeit in der Regierung „nutzlos“ gewesen sei, schmeißt die Korruptionsbeauftragte Tetjana Schronowil ihren Job hin. Premier Jazenjuk will aus Sorge vor schlechter Presse nicht gegen die Oligarchen im Land vorgehen, so ihr Vorwurf. Dadurch gehen der Ukraine jährlich 30 Milliarden US-Dollar durch Unterschlagung und Steuerhinterziehung verloren. Gleichzeitig werden EU-Steuergelder für den Schuldendienst verwendet. 
 mehr:
Korruption in der Ukraine: Jazenuk deckt die mächtigen Oligarchen (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 03.09.2014)
dazu paßt folgender Artikel ausgezeichnet:
- IWF: Ukraine braucht mehr Kredite wegen Krieg im Osten (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 03.09.2014)
Der IWF muss seine erst vor wenigen Wochen getätigte Prognose revidieren: Wenn die Kämpfe im Osten noch länger dauern, braucht die Ukraine mindestens zwei Milliarden Dollar an Krediten. Die Ukraine ist pleite und kann ihre Schulden nicht bedienen. Der IWF will sicherstellen, dass es zu keinen Turbulenzen im Finanzsystem kommt.

mein Kommentar:
Wundert das jemanden? Vielleicht sollten wir uns zu noch robusteren Sanktionen durchringen, weil Putin ja selbstverständlich an den Kämpfen im Osten schuld ist!

Die westlichen Werte stehen auf dem Spiel

Auf dem Maidan starben sie für jene Werte, die die EU selbst nicht mehr ernst nimmt. Der Westen hat Putins Aggressionen zugelassen – und ihm zum Sieg verholfen. Bundespräsident Joachim Gauck hat daher recht, wenn er ein stärkeres militärisches Engagement fordert
mehr:
- Die westlichen Werte stehen auf dem Spiel (Judith Hart, Cicero, 03.09.2014)

mein Kommentar:
Frau Hart schreibt, der Westen habe Putins Sieg zu verantworten, weil er dessen Aggressionen zugelassen habe. 
Was kann man auf solch eine Kausalitätsverknüpfung (Putins Aggression => Untätigkeit/Duldung des Westens => Putins Sieg) antworten? Aufzählen, daß die Einflußnahme der EU und der USA ebenfalls aggressiv war? Daß sich die Regierung in Kiew dem Osten gegenüber seit vielen Jahren aggressiv verhält, indem sie nur noch eine Amts- und Unterrichtssprache zuläßt, obwohl 20 Prozent der Bevölkerung (der gesamten Ukraine, in »Neurussland« liegt der Prozentsatz natürlich wesentlich höher) russisch spricht?
Wenn Hart schreibt, Putin habe trotz aller diplomatischen Bemühungen stur weitergemacht, was kann man da antworten? Daß die Faschisten mit der ethnischen Säuberung, mit dem Beschießen von öffentlichen Gebäuden, mit ihren Propagandalügen auch einfach weitergemacht haben?
Wenn Hart schreibt, Putin wolle kein funktionierendes westliches Land an seiner Grenze, weil die Gefahr zu groß wäre, daß sich die Leute fragen, ob Russland nicht ebenso geeignet für die Demokratie wäre wie die Ukraine? Was kann man da entgegnen? Ukraine für die Demokratie geeignet? Was ist die offizielle Sprachregelung der deutschen Gutmenschen? Hat man die ganze Welt für demokratiegeeignet zu halten oder landet man in der Rechtsaußen-Ecke, wenn man das bezweifelt? Bin ich dann kein guter Mensch mehr, wenn ich der Ukraine, Russland, China oder den arabischen oder den afrikanischen Staaten die Demokratiefähigkeit abspreche? Wie kann ich meine Überzeugung begründen, daß Putin sehr wohl ein Interesse an einer funktionierenden Ukraine hat – gleich unter welchem System?
Dass viele Ukrainer genau das wollten: weniger Korruption, mehr Rechtsstaatlichkeit, weniger „System Putin“ und mehr EU – das schienen viele Europäer nicht zu verstehen, die standhaft weiter glauben wollten, dass auf dem Maidan Faschisten herrschten.
Was soll man auf eine solche Unterstellung antworten? Weniger Korruption = weniger System Putin? Was ist das für eine Logik, frage ich mich. Kämpft Putin denn nicht ebenfalls gegen Korruption? Was sind denn das für Werte, für die die Europäische Union steht? NSA-Skandal, einseitige, falsche, aufgeregte und kurzsichtige Schuldzuschreibungen, Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder?
Wesentliches Merkmal kriegerischer Auseinandersetzungen ist das Zerbrechen von Kommunikation. Dem kann man nur schulterzuckend zusehen, genauso, wie ich bei Paarkonflikten schulterzuckend zusehen muß, wenn jede Partei auf ihrer Sichtweise, auf ihrer Interpretation des Geschehens beharrt.
Wenn Gauck sagt:
»Weil wir am Recht festhalten, es stärken und nicht dulden, dass es durch das Recht des Stärkeren ersetzen wird, stellen wir uns jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen. Deshalb stehen wir ein für jene Werte, denen wir unser freiheitliches und friedliches Zusammenleben verdanken. Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen.«
dann ignoriert er die über Jahre fortgesetzte Ost-Erweiterung, dann ignoriert er das Verhalten der Regierung in Kiew der Ost-Ukraine gegenüber. Dann ignoriert er die Verantwortlichkeit der Oligarchen für das korrupte System in der Ukraine, dann ignoriert er Putins Kampf gegen die russischen Oligarchen. Und dann frage ich mich, was denn die Werte sind, denen wir unser freiheitliches und friedliches Zusammenleben verdanken.
Ich kann solchen Menschen nichts sagen, weil ich nicht glaube, daß sie dazu bereit sind, ihre Sicht der Dinge infrage zu stellen. Wer stellt sich einem Staat entgegen, der 5 Milliarden Dollar in einen System-Wechsel investiert? Wie muß ein Geist beschaffen sein, daß er das Handeln des Einen ignoriert, die Reaktion darauf aber sanktioniert?
Der evangelisch-lutherische Pastor Gauck fordert militärische Anstrengungen? Das ist verkehrte Welt!

Man lese sich die Kommentare zu dem Artikel durch!
siehe auch:
- Das Ende der Demokratie? (Carsten Börger, Psychologie Online, 22.10.2014)

Noam Chomsky and Kade Crockford Discuss Terrorism and Civil Liberties [1:26:00]

Veröffentlicht am 28.01.2015


Just as Dzhokhar Tsarnaev faces the beginning of his trial for the bombing of the Boston Marathon, Paris shakes from the assassination of French magazine satirists. “A New Era of Terrorism” has commenced, according to The New York Times. Governments emit loose talk of “fundamental values.” Patriotic slogans such as “Boston Strong” paper over global anxiety, as everyone prepares for further massacres and retributions. Welcome to the new world order.

In this light, The Baffler magazine sponsored a neighborhood forum on the war on terror and the rule of law. Noam Chomsky, author of 9/11, and Kade Crockford, director of the ACLU of Massachusetts’ Technology for Liberty Project, for a discussion moderated by Baffler editor John Summers in the heart of Inman Square—the very neighborhood in which Dzhokhar and his alleged co-conspirator and older brother, Tamerlan Tsarnaev, lived, worked, shopped, and worshipped among us.

(Image: Jane Flavell Collins / AP)
 



Israel: Erneuter Landraub

Israel konfisziert als »Strafaktion« 400 Hektar im besetzten Westjordanland
Die israelische Militärbehörde hat am Sonntag 400 Hektar palästinensischen Bodens südlich von Bethlehem konfisziert. Diesen neuerlichen Landraub im besetzten Westjordanland begründet Israel damit, daß dies eine Strafaktion wegen der Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen Anfang Juni sei. Drei festgenommene Palästinenser aus Hebron werden der Tat beschuldigt, Beweise dafür liegen allerdings nicht vor. 

mehr:
- Erneuter Landraub (junge Welt, 03.09.2014)

mein Kommentar:
Wundert sich jemand?

dazu paßt folgende Meldung:
- Viertes deutsches U-Boot unterwegs nach Israel (Alles Schall und Rauch, 09.09.2014)
Die "INS Tanin" ist das vierte und modernste Dolphin Class U-Boot auf dem Weg von der HDW Werft in Kiel nach Israel. Am vergangen Wochenende wurde in einer Zeremonie das U-Boot der israelischen Marine übergeben. Auch in diesem Fall ist der deutsche Steuerzahler mit einer "Subvention" von 165 Millionen Euro beteiligt. Laut Experten besitzt dieses neueste U-Boot neben den sechs üblichen 533-mm-Torpedorohren darüber hinaus noch vier Torpedorohre mit dem vergrössertem Durchmesser von 650 mm und ist damit in der Lage, Marschflugkörper zu starten, die mit einem Atomsprengkopf bewaffnet sind.
siehe auch:
- Offener Brief an Bundesregierung: Nahost-Experten fordern Ende von Rüstungsexporten nach Israel (SPIEGEL Online, 20.08.2014)
Dialog mit der Hamas, mehr Druck auf Israel: Deutsche Nahost-Experten fordern von der Bundesregierung eine andere Haltung in der Gaza-Krise. Die Bilanz der bisherigen Politik sei ernüchternd.
Berlin - Ein Bündnis von mehr als 90 deutschen Nahost-Experten hat die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Politik gegenüber Israel und Palästina aufgerufen. In einem offenen Brief an die Regierung und Bundestagsabgeordneten fordern sie mehr Einsatz für einen dauerhaften Waffenstillstand und ein Ende der Blockade des Gaza-Streifens. Die Initiatoren schreiben:

"Ohne Aufhebung der Blockadepolitik gibt es keinerlei Entwicklungsperspektive für die Menschen in Gaza und keine Chance für die Zweistaatenlösung."

Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient in Berlin, und Udo Steinbach, Gründungsdirektor des Giga-Instituts für Nahost-Studien. Auch ehemalige Botschafter und führende Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung haben den Brief unterschrieben.
"Die Hamas bleibt, ungeachtet der Aktivitäten ihres militärischen Flügels, eine populäre politische Partei", heißt es in dem Aufruf weiter. "Der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas sollte deshalb nicht länger verweigert werden, die Bilanz der Isolationspolitik seit dem Wahlsieg 2006 ist ernüchternd."

dazu paßt auch folgende Meldung:
- Israel schafft Fakten (junge Welt, 10.09.2014)
Das Land plant, von Energielieferungen unabhängig zu werden und künftig Erdgas zu exportieren. Der Streit um die großen Vorkommen im östlichen Mittelmeerraum dauert an

siehe auch:
- Für einen gerechten Frieden! – Erklärung des Kriegsdienstverweigerers Udi Segal: "Ich rufe die SoldatInnen auf, Befehle zu verweigern!" (graswurzelrevolution, September 2014) 
Udi Segal sollte seinen Militärdienst in der israelischen Armee (Tsahal) am 28. Juli 2014 antreten, nach Gesetzeslage besteht diese Verpflichtung direkt nach seinem Gymnasialabschluss. Er hat verweigert und seine Begründung am 30. Juli veröffentlicht. Als "Refuznik"(in Hebräisch: sarvan, von sirev: "Er hat verweigert") ist er von Haft bedroht. (GWR-Red.)
Ich heiße Udi Segal, bin 19 Jahre alt und komme aus dem Kibbuz Tuval im Norden Israels. Vor einigen Monaten habe ich den Brief der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen für das Jahr 2014 unterzeichnet (siehe Seite 9), der von insgesamt 130 VerweigerInnen an den Premierminister Israels gesandt worden ist. In diesem Brief erklären wir unsere Weigerung, in der israelischen Armee zu dienen.
Der wichtigste Grund ist die Besetzung der Gebiete und die fortgesetzte Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung, die sich in ungleichen Sozialsystemen, der Missachtung ihrer Rechte und dem fortgesetzten Mord von mehr als 600 Personen bei der jüngsten Militäroperation in Gaza ausdrückt [Stand am 30. Juli 2014; Red.]. Außerdem trägt der Militärdienst zum israelischen Militarismus bei. Ich zum Beispiel bin als Mann und aschkenasischer Jude (1) jemand, der Einfluss auf die israelische Gesellschaft nehmen kann und es auch bei Widerspruch leichter hat davonzukommen. Denn ich komme aus dem herrschenden sozialen Milieu, das sehr zur Unterstützung des israelischen Militarismus neigt - einem Milieu, dem ich mich mit aller Kraft widersetze.

- Ich bin schon sehr früh aufgestanden! (Kommentar von Evelyn Hecht-Galinski, Neue Rheinische Zeitung, 10.09.2014) 
Was sich am 14. September in Berlin abspielen wird erfüllt mich mit großem Zorn und erweckt große Abscheu in mir. "Steh auf! Nie wieder Judenhass" ist eine Demonstration der Falschinterpretation und übelsten Verleumdung von Menschen, die sich kritisch mit dem "Jüdischen Staat" auseinandersetzen. Ja, durch den Anspruch auf Anerkennung als "Jüdischer Staat" hat sich die Politik von Israel ganz gezielt dahin bewegt, Israel-Kritik in "Juden-Kritik" umzubenennen.

- Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache am Beispiel der Homosexuellen-Gesetzgebung in Deutschland und des israelisch-palästinensischen Konflikts (21.03.2014) 
Wie wird mit Sprache Realität hergestellt?
Eigentlich ist die Frage schon verkehrt: Sprache beschreibt Realität, sie stellt keine Realität her!
Oder doch?



aktualisiert am 14.09.2014

Kabul – Wer wirklich was vom Leben weiß

Report Im Moment sind wir auf die Arbeit von Journalisten in Krisengebieten besonders angewiesen. Wie aber macht man diesen Job als Frau? Ein Bericht aus dem Kabuler Alltag 

Es gibt Städte, in die kann man nicht ziehen, ohne dass man immer wieder nach dem Grund gefragt wird. Kabul ist so eine Stadt. Als ich vor etwas mehr als einem Jahr entschied, für eine Weile in Afghanistan als Journalistin zu arbeiten, begann auf einmal jedes Gespräch darüber mit den Worten: „Ronja, warum zur Hölle Kabul?“ Inzwischen höre ich diese Frage seltener. Offenbar wirkt meine Entscheidung umso rationaler, je länger ich dort bin. Stattdessen fragen mich die Leute nun: „Ronja, wie ist es, ein Kopftuch zu tragen?“

mehr:
- Wer wirklich was vom Leben weiß (der Freitag, 03.09.2014)

Heute vor 136 Jahren – 3. September 1878: »Princess Alice« sinkt auf der Themse

Ausflugsfahrt endet in Katastrophe 

 Für 500 Passagiere war der Raddampfer »Princess Alice« ausgelegt, doch für Dienstag, den 3. September 1878, hatten fast 800 Menschen ein Ticket gelöst, denn für den Tagesausflug auf der Themse von London in die Gartenlandschaft der Grafschaft Kent war intensiv geworben worden. Die Hin- und Rückfahrt verliefen bis kurz vor dem Ziel nach Plan. Um 19:40 Uhr hatte die »Princess Alice« fast die Anlegestelle in London erreicht, wo das Gros der Ausflügler von Bord gehen wollte. 
Die »Princess Alice« nach der Kollision mit einem Frachtschiff
(aus der «Illustrated London News«, September 1878)
Der Ausflugsdampfer fuhr gerade mitten auf der Themse, da kam ihm ein Kohlefrachtschiff entgegen. Unglücklicherweise irritierten sich die beiden Kapitäne durch unklare Ausweichmanöver gegenseitig und steuerten in die Katastrophe. Der größere Kohlefrachter rammte den Ausflugsdampfer, der in zwei Teile zerbrach und innerhalb von vier Minuten sank. Da sich die meisten Passagiere unter Deck befanden, hatten sie keine Chance zu entkommen: 640 Menschen fielen Englands größtem zivilem Unglück zum Opfer. Etliche von ihnen starben auch, weil sie das stark kontaminierte Wasser der Themse tranken. 

Folgen der Katastrophe: 
▪︎ eindeutige Regelung des Schiffsverkehrs 
▪︎ Begrenzung der Passagierzahl 
▪︎ Vorschriften über das Mitführen von Rettungsringen 
▪︎ Klärung der in die Themse eingeführten Abwässer 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Dienstag, 2. September 2014

»Niemand haftet für so einen Unfug«

Jobcenter fordert Alleinerziehende zum Umzug auf: Ihre Miete sei zwei Euro zu hoch. Ein Gespräch mit Martin Behrsing
Martin Behrsing ist Sprecher des Erwerbslosenforums Deutschland
Zwei Euro zu hoch ist die Miete einer alleinerziehenden Mutter. Deshalb fordert das Bonner Jobcenter sie auf, sich eine neue Wohnung zu suchen. Hat dieser Irrsinn Methode?
Ja, täglich erreichen viele Menschen in Deutschland ähnliche Schreiben. Jobcentermitarbeiter hauen Textbausteine zusammen und verschicken den Quatsch an Betroffene. Sie sind in anmaßendem und unverschämtem Ton verfaßt, so daß die Adressaten denken müssen, sie hätten ein Verbrechen begangen. Was sich ein Jobcentermitarbeiter dabei denkt, vermag ich nicht zu sagen. Ob dort überhaupt noch einer nachdenkt, was dies bei Betroffenen auslöst? Im uns vorliegenden Schreiben heißt es: »Wie ich Ihnen mit meinem Informationsschreiben vom 14.05.2014 bereits mitteilte, orientiert sich die Angemessenheit der Unterkunftskosten an einem Richtwert für die Bruttokaltmiete. Für einen Zwei-Personen-Haushalt im Stadtgebiet liegt dieser Richtwert bei 558,00 Euro. Die Bruttokaltmiete für die von Ihnen bewohnte Unterkunft (…) beträgt nach den vorliegenden Unterlagen 560,00 Euro und ist somit unangemessen in Sinne von Paragraph 22 Abs. 1 SGB II«.

mehr:
- »Niemand haftet für so einen Unfug« (NachDenkSeiten, 01.09.2014, Quelle: junge Welt)

Deutschland und die Ukraine, zur Geschichte

- Befreiungstruppen basteln (SPIEGEL, 10.12.2007)
Der Historiker Frank Golczewski über Versuche der Deutschen, die Ukraine im Kampf gegen den russischen Zaren zu unterstützen
Golczewski, 59, lehrt an der Universität Hamburg. Sein Forschungsschwerpunkt ist die neuere Geschichte Osteuropas.


- Kollaboration in der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Die Rolle der einheimischen Stadtverwaltung während der deutschen Besetzung Charkows 1941 bis 1943 (Doktorarbeit von Gunter Friedrich im Fach Geschichtswissenschaft, 2008)

- Stratfor: Deutschlands neue Außenpolitik ist „schamlos“ (Deutsch-Türkische Nachrichten, 08.02.2014)
Die Strategen der US-Denkfabrik Stratfor umschreiben die neue aktive Außenpolitik Deutschlands als „schamlos“. Berlin wolle seinen Platz in der Welt einnehmen. Doch das wecke alte Ängste vor dem Nationalismus und der Aggression der Deutschen.
Die US-Denkfabrik Stratfor beäugt Deutschlands Einmischung in die Innenpolitik der Ukraine mit Argwohn.
In einem aktuellen Artikel schreiben Stratfor-Chef George Friedman und Stratfor-Analyst Marc Lanthemann, dass die Staatskrise in der Ukraine eine wichtige Entwicklung sei. Deutschland habe den direkten Kampf gegen Präsident Janukowitsch aufgenommen. Der Präsident der Ukraine hatte sich zuvor dagegen gesträubt, die Beziehungen der Ukraine mit der EU zu festigen.

zuletzt aktualisiert am 02.09.2014 

Makabres Déjà-vu

Der Absturz von Flug MH 17 wurde sofort propagandistisch ausgeschlachtet. Das erinnert fatal an den 1. September 1983, als die Maschine des Flugs KAL 007 von einem sowjetischen Jäger abgeschossen wurde

Wie unverfroren die USA und ihre Verbündeten massenpsychologisch wirksame Kriegsvorwände produzieren, ist seit dem Zwischenfall in der Tonking-Bucht, allerspätestens aber seit den mit Lügen gepflasterten Wegen in die Kriege auf dem Balkan und im Irak offenkundig. Der mutmaßliche Abschuß eines malaysischen Passagierflugzeugs am 17. Juli 2014 über der Ostukraine, durch den Rußland zum Reich des Bösen gemacht werden sollte, hat ganz offensichtlich die Funktion eines derartigen Vorwands. Ohne einen einzigen Beweis, lediglich gestützt auf die Beschuldigungen des Putschregimes in Kiew, erklärten Vertreter der US-Regierung schon kurz nach dem Absturz, die Boeing 777 sei von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Die wiederum sei von einem in große Höhen reichenden, mobilen russischen »Buk«-Raketensystem aus einem Gebiet in der Ostukraine abgefeuert worden, das von den Aufständischen kontrolliert wurde. Zugleich machten sie Rußland und dessen Präsidenten Wladimir Putin für den Abschuß verantwortlich und starteten eine seit Ende des Kalten Krieges beispiellose antirussische Hetzkampagne, um in der Folge massive Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu verhängen und die NATO-Präsenz in Osteuropa zu verstärken.
mehr:
- Makabres Déjà-vu (junge Welt, 02.09.2014)
 

Söldner außer Kontrolle

Einstige Förderer der IS-Terroristen rufen zum Kampf gegen Gotteskrieger auf

Sollte es nicht ein »starkes und rasches Eingreifen« geben, könne der Westen das nächste Ziel des »Islamischen Staats« (IS) werden, warnte der saudische König Abdallah bin Abdulasis Al Saud am Wochenende in Riad bei einem Treffen mit neu akkreditierten Botschaftern im Königreich. »Wenn wir sie ignorieren, dann bin ich mir sicher, daß sie in einem Monat in Europa und einen Monat später in Amerika ankommen werden.« Terrorismus kenne »keine Grenzen« und nichts zu tun, sei »unakzeptabel«, so der König. »Ich fordere Sie auf, diese Botschaft an ihre Regierungen weiterzuleiten: Kämpfen Sie mit aller Macht, mit Vernunft und Eile.«
mehr:
- Söldner außer Kontrolle (junge Welt, 02.09.2014)

Montag, 1. September 2014

Alfred Grosser über Frankreich: „Ich habe Angst um mein Land“

Der Regierungsumbau in Frankreich ist Ausdruck einer tiefen Verunsicherung des Landes. Die Franzosen bemitleiden sich selbst und beneiden ihre deutschen Nachbarn. Zu Unrecht

mehr:

siehe auch:
Die Presseerklärung von Arnaud Montebourg liegt dank der Übersetzung von Florian Tuczek auf Deutsch vor. Siehe hier [PDF - 113 KB]. „Frankreich und Europa durchleben eine Krise ohne Vorläufer seit derjenigen von 1929 – schwer, zerstörerisch und lang.“ Diese Krise sei die Folge falscher politischer Entscheidungen. Albrecht Müller. 
 Montebourg macht klar, dass die Politik des vermeintlichen Sparens, in seinen Worten: Austeritätspolitik, keinen Erfolg haben kann, nicht einmal den Sparerfolg. Die Politik des Schuldenabbaus laufe präzise auf den Nichtschuldenabbau hinaus und sei somit eine finanzielle Absurdität. Indem diese Politik das Wachstum verplombe, verhindere sie durch den Absturz der wirtschaftlichen Aktivität die Verwirklichung ihrer eigenen Ziele. Das ist das, was wir auf den Nachdenkseiten schon des Öfteren erläuterten und die kleine Gruppe der gegen den Strich bürstenden Ökonomen immer wieder sagt. 

siehe auch:
- Paul Krugman – The Fall of France – Frankreichs Verfall (New York Times,28.08.2014,  übersetzt in den NachDenkSeiten, 01.09.2014) 
Francois Hollande, der seit 2012 französischer Präsident ist, hätte ein Herausforderer sein können. Er war wegen des Versprechens gewählt worden, sich von der Austeritätspolitik abzuwenden, die Europas kurze und bescheidene Wirtschaftsbelebung abwürgte. Die intellektuelle Rechtfertigung dieser Politik war ohnehin schwach und dem Zusammenbruch nahe, und er hätte er an der Spitze einer Gruppe von Ländern stehen können, die einen Kurswechsel verlangten. Aber das sollte nicht sein. Kaum im Amt, knickte M. Hollande schon ein und fügte sich völlig den Forderungen nach sogar noch mehr Austerität.
Nun sage aber niemand, er sei total rückgratlos. Anfang der Woche handelte er sehr entschlossen, allerdings leider nicht in wirtschaftspolitischer Hinsicht, obwohl doch die desaströsen Folgen der europäischen Austerität von Monat zu Monat spürbarer werden, und sogar Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, einen Kurswechsel verlangt. Nein, M. Hollandes ganze Energie war darauf gerichtet, Mitglieder seiner Regierung zu eliminieren, die es gewagt hatten, seine Unterwürfigkeit gegenüber Berlin und Brüssel zu kritisieren.  


siehe auch:
- Staatsverschuldung – Ein verheerender Befund: Die nackten Zahlen über Frankreich (Deutsche Wirtschaftsnachrichten, 08.09.2014)
Die wirtschaftlichen Daten Frankreichs sind verheerend. Es ist gut möglich, dass selbst die abenteuerlichen Rettungsmaßnahmen zu spät kommen. Der französische Staat sei bankrott, sagt Hollandes Weggefährte Michel Sapin. Die Regierung hat nicht die leiseste Ahnung, wie der Crash verhindert werden könne.

aktualisiert am 09.09.2014

Gregor Gysi demontiert hilflose deutsche Außenpolitik

Gregor Gysi, DIE LINKE: Wir sollten so schnell wie möglich Waffenexporte verbieten [13:12]

Veröffentlicht am 01.09.2014
01.09.2014, Sondersitzung des Bundestages zu den von der Bundesregierung beschlossenen Waffenlieferung im Kampf gegen die IS-Terrorarmee - Der 1. September war der Tag, an dem der schlimmste Krieg in der Geschichte der Menschheit durch Deutschland begonnen wurde - der Zweite Weltkrieg. Hätte Deutschland 1945 nicht sagen müssen, dass wir nie wieder an Kriegen verdienen wollen? Wir sind der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Wenn man der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist, verdient man an jedem Krieg. Genau das steht uns nicht zu.


Im Bundestag hat Gregor Gysi die Außenpolitik von Union und SPD in einer analytischen, scharfsinnigen und kühlen Analyse in der Luft zerrissen. Gysis Plädoyer: 75 Jahre nachdem die Deutschen den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatten, sollte sich Deutschland nicht willenlos an die US-Interessen ankoppeln, sondern sich als Anwalt des Friedens in der Welt verstehen. Dokumentation einer schonungslosen Abrechnung.
mehr: 
- Sehr starke Rede: Gregor Gysi demontiert hilflose deutsche Außenpolitik (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 01.09.2014)

Videohinweise der NachDenkSeiten

Videohinweise (NachDenkSeiten, 01.09.2014)

Aufstieg und Elend des globalen Finanzsystems

Das Finanzsystem ist uns über den Kopf gewachsen und war Auslöser der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, die Millionen den Job und uns allen Wohlstand kostete. Es gehört gesundgeschrumpft. Mit seinem Buch Wie viel Bank braucht der Mensch? zeigt der deutsche Ökonom Thomas Fricke schlüssig die Systemfehler auf, die dazu führten, dass das System derart an die Wand fahren konnte. Fehlende Moral und menschliches Scheitern gehören nicht dazu, auch wenn beides gerade im Bankgeschäft durchaus an der Tagesordnung ist.
mehr:

"Kein Deutscher darf jemals wieder ein Gewehr tragen"


Der Publizist Georg D. Heidingsfelder (1899-1967) hielt hartnäckig an seinen Erkenntnissen aus der US-amerikanischen "reeducation" fest und wurde deshalb in der Adenauer-Republik zum brotlosen Nonkonformisten. Eine Erinnerung anlässlich des Antikriegstages 2014 

 Im Sommer 1945 gelangte der Kriegsgefangene Georg D. Heidingsfelder zusammen mit rund 150 anderen deutschen Intellektuellen in ein US-amerikanisches "Sonderlager" ohne Stacheldraht in der Nähe von Cherbourg. Im Verlauf eines knappen Vierteljahres kamen die US-Instrukteure mit den privilegierten Lagerbewohnern zu der Übereinkunft, "dass kein Deutscher jemals wieder ein Gewehr tragen dürfe. Diese kriegerische Nation müsse >for ever< entwaffnet bleiben und zu friedlicher Zivilisation umerzogen werden, durch Amerikaner und deutsche Antimilitaristen".


Georg D. Heidingsfelder erwies sich als äußerst gelehriger Schüler und erhielt nach bestandener Prüfung am 21. September 1945 eine Berufung zum "Selected Citizen of Germany", zum auserwählten Bürger Deutschlands. Hiermit verbunden war die Bereitschaft der Kursteilnehmer, "für den Einzug eines neuen, zivilen, friedlichen, demokratischen Geistes in Germany Sorge zu tragen". Im Rahmen einer großen Abschiedsfeier verkündete ihnen ein US-Colonel noch einmal,

dass das neue Deutschland das "andere Deutschland" werden müsse, das antiwilhelminische und antihitlerische Deutschland, das nicht auf "schimmernde Wehr" und nicht auf "Vau zwei" setze, sondern auf Recht, auf Humanität, auf Frieden, auf Demokratie. Der Stahlhelm werde nun für immer begraben, der Bürgerhut allein in Zukunft den deutschen Schädel bedecken.

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Heute vor 75 Jahren – 1. September 1939: Beginn des Zweiten Weltkriegs

Überfall im Morgengrauen 

Heute vor 75 Jahren, am 1. September 1939 früh am Morgen, begann der Zweite Weltkrieg, der verheerendste militärische Konflikt in der Geschichte der Menschheit. Er wurde global geführt, schickte die Armeen sämtlicher Großmächte ins Gefecht und kostete über 60 Mio. Menschen das Leben. 
Deutsche Soldaten greifen eine polnische Ortschaft an, September 1939
Um 4.45 Uhr fielen ohne Kriegserklärung die ersten Schüsse, abgegeben aus den schweren Geschützen des deutschen Linienschiffs »Schleswig-Holstein« auf ein polnisches Munitionsdepot auf der Westerplatte, einer Halbinsel bei Danzig. Zur gleichen Zeit überschritten deutsche Truppen an zahlreichen Stellen die polnische Grenze. Die deutsche Luftwaffe begann ihre Angriffe ebenfalls noch in den Morgenstunden des ersten Kriegstages. In Berlin war Adolf Hitler unterdessen bemüht, den Überfall als einen Akt der Verteidigung hinzustellen, um die Intervention der Westmächte abzuwenden, die eine Garantieerklärung für die Unabhängigkeit Polens abgegeben hatten. Dieses Mal aber gaben England und Frankreich nicht klein bei: Sie machten noch am 1. September mobil und erklärten Deutschland, nachdem ihr Ultimatum verstrichen war, zwei Tage später den Krieg. 

Was am 1. September noch geschah: 
1900: Das erste deutsche Transatlantikkabel zwischen Borkum und New York wird in Betrieb genommen. 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Sonntag, 31. August 2014

Heute vor 117 Jahren – 31. August 1897: In Basel tagt der Erste Zionistische Weltkongress

Die Vision vom Judenstaat 

»Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen.« So lautet die zentrale Passage des Programms, das am 31. August 1897 auf dem Ersten Zionistischen Kongress in Basel von 204 Abgesandten jüdischer Gemeinden aus aller Welt verabschiedet wurde. Führender Kopf und treibende Kraft des modernen Zionismus war der österreichisch-ungarische Jurist und Journalist Theodor Herzl
Theodor Herzl, Begründer der zionistischen Bewegung,
auf dem Basler Kongress, August 1897
Herzl hatte 1896 vor dem Hintergrund des sich manifestierenden Antisemitismus seine programmatische Schrift »Der Judenstaat« veröffentlicht und auch die Einberufung des Basler Kongresses vorangetrieben. Herzl plädierte für einen »Abzug« der großen Masse der Juden aus Europa und bewies in seiner Begründung für die Notwendigkeit der Schaffung einer »nationalen Heimstätte« in Palästina eine geradezu prophetische Weitsicht: »Frieden den Juden, Sieg den Christen. Wir müssen den Frieden schließen, weil wir nicht länger kämpfen können, weil wir uns später unter ungünstigeren Bedingungen ergeben müssten.« 

Theodor Herzl (1860-1904) 
▪︎ entstammte dem assimilierten Budapester Judentum 
▪︎ Korrespondent der Wiener »Neuen Freien Presse« 
▪︎ Präsident der Zionistischen Weltorganisation 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014