Donnerstag, 14. Mai 2015

„Putsch einer kleinen Elite gegen den demokratischen Staat“

Jürgen Roth, einer der bekanntesten investigativen Autoren Deutschlands, deckt in seinem neuen Buch auf, wie ein kleines Netzwerk der politischen und wirtschaftlichen Elite den sozialen und demokratischen Staat abschaffen will. Roth ist der Auffassung, dass Europa wegen der Machenschaften dieser Clique zerbrechen wird. Er sagt, dass sich die Apathie Deutschlands eines Tages bitter rächen werde.


Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Ihrem neuen Buch beschreiben Sie, wie sich eine Elite Europa und Deutschland unter den Nagel reißt. Wer ist diese Elite?
Jürgen Roth: Es gibt in Europa eine politische und wirtschaftliche Dynastie, die sich als Elite versteht. Ihr gehören die Spitzen der deutschen bzw. europäischen Wirtschaft an: Repräsentanten der Finanzindustrie und Medien, Vorstandsvorsitzende und Verwaltungsräte börsennotierter nationaler wie internationaler Konzerne, Repräsentanten von internationalen Beratungsfirmen. Auf der anderen Seite konservative wie sozialdemokratische Politikerdynastien, die mehr oder weniger direkt von dieser wirtschaftlichen Dynastie abhängig sind oder von ihr profitieren. Und die nenne ich ja nicht nur beim Namen, sondern beschreibe ihr konkretes Verhalten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie beschreiben verschiedene Netzwerke, die dazu dienen, die Interessen von Politik und Wirtschaft zu verzahnen. Welche Netzwerke sind besonders einflussreich?
Jürgen Roth: Politisch weitaus einflussreicher als die institutionalisierten Interessenverbände sind die informellen Zusammenschlüsse in den sogenannten Runden Tischen. Es sind jene Netzwerke über die in Deutschland die Medien merkwürdigerweise seit langem schweigen. Weil sie es nicht besser wissen oder nicht wissen wollen? Ich weiß es nicht. Sucht man in der deutschen Presse zum Beispiel nach dem Entrepreneur Round Table mit Sitz in Zürich und Berlin, gibt es über ihn keine einzige Veröffentlichung. Voraussetzung der Mitgliedschaft dort ist, dass die teilnehmenden Unternehmer oder Banker einen jährlichen Gesamtumsatz von mindestens fünfhundert Millionen Euro vorweisen können.

Ihr Kodex: absolute Verschwiegenheit darüber wer dazugehört und was sich bei den Treffen abspielt. Da findet sich der ehemalige Bundesbankchef Welteke, die Repräsentanten von Lufthansa, Mercedes, Morgen Stanley, der Chef von Mc-Kinsey, Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank, Martin Blessing von der Commerzbank oder der Chef der Deutschen Börse AG, sowie der Konzerne Metro und Tengelmann. Der Vorstandsvorsitzende von Thyssen Krupp ist dabei wie Vorstandsmitglieder von BASF oder Böhringer-Ingelheim. Aber auch die jung-dynamischen Vorstandsvorsitzenden von SAT-1 Pro Sieben und vom Springer-Imperium. Edler und verschwiegener geht es nicht. Ähnlich exklusiv, aber weniger geheim, sind die sogenannten Baden-Badener Unternehmer Gespräche. Über 4.000 Top-Manager sind hier vernetzt. Sie verstehen sich als ordnungspolitisches Gewissen der deutschen Wirtschaft. Es ist eine neoliberale Kaderschmiede.

Dann gibt es in Brüssel zum Beispiel den European Round Table of Industrialists (ERT) oder den European Financial Services Round Table (EFR). Mitglieder des EFR sind die Vorstandsvorsitzenden der mächtigsten europäischen Banken und Versicherungskonzerne. Über alle wird tunlichst geschwiegen. Ich zeige auf, welchen Einfluss sie ausüben. Und zwar einen enormen Einfluss auf die europäische Kommission. Gerne bezeichnet man diese Round Tables als Lobbyisten. Das ist eine bewusste Verharmlosung. Denn sie haben direkten Zugang zu den politischen Entscheidungsträgern in ihren Heimatländern.

mehr:
- Europa: „Putsch einer kleinen Elite gegen den demokratischen Staat“ (24.05.2015)

KenFM im Gespräch mit: Jürgen Roth (Der stille Putsch) [1:36:39]

Veröffentlicht am 24.07.2014
Jürgen Roth gehört zu den namhaftesten investigativen Journalisten im deutschsprachigen Raum. Er geht dorthin, wo es wehtut, all seine bisherigen Bücher wurden zu Bestsellern. In seinem aktuellen Buch "Der stille Putsch" legt sich der Autor erneut mit den Mächtigen der Welt an. Kernthema in "Der stille Putsch" ist die vollständige Unterwanderung der Demokratie durch die global operierenden Wirtschaftseliten. Kein Bereich ist vor ihnen sicher.
Auch dieses Buch konnte in diesem Umfang nur entstehen, da sich der Autor zuvor über Monate mit zahlreichen Whistleblowern aus den unterschiedlichsten Chefetagen traf und ihre Aussagen anschließend anonymisiert zu Papier brachte. Während Roths bisherige Bücher eine breite Besprechung auch in den öffentlich-rechtlichen Medien erfuhren, ist es um dieses Buch bisher erstaunlich ruhig geblieben. Das verwundert um so weniger, da Roth in "Der stille Putsch" zeigt, dass die Korruption und das Kungeln nicht nur traditionell in Wirtschafts- und Bankenkreisen zum festen Bestandteil der Gegenwart gehört, sondern mittlerweile auch große Teile der deutschen Presselandschaft okkupiert hat. Die aufklärende Presse befindet sich im Dauer-Koma, spätestens seit dem 11. September 2001.

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Mittwoch, 13. Mai 2015

BND-Skandal: Menschenrechtskommissar kritisiert schwache Geheimdienstkontrolle

Bei der Kontrolle der Geheimdienste in Deutschland muss nachgebessert werden, sagen Experten. Unterdessen wächst die Kritik an Kanzlerin Merkel zu den jüngsten Enthüllungen in der BND-Affäre.
Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muiznieks, hält die Kontrolle der Geheimdienste in Deutschland für unzureichend. "Das Kontrollsystem muss gestärkt werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Geheimdienstkontrolleure des Bundestages hätten nicht genügend Mitarbeiter mit Expertenwissen, um ihrer Rolle wirklich gerecht zu werden.

Zudem seien ihre Befugnisse stark eingeschränkt. "In den Niederlanden haben die Kontrolleure jederzeit das Recht, Geheimdienst- Einrichtungen zu besuchen, dort mit Mitarbeitern zu sprechen und alle Akten einzusehen", erklärte Muiznieks. Dies sei wichtig, damit die Abgeordneten wüssten, ob sie ein vollständiges Bild sehen oder nur das, was ihnen die Dienste zeigen wollen. In anderen EU-Staaten habe die Justiz größere Möglichkeiten als in Deutschland, die Arbeit der Geheimdienste zu kontrollieren und gegebenenfalls einzuschränken.

mehr:
- BND-Skandal: Menschenrechtskommissar kritisiert schwache Geheimdienstkontrolle (heise News, 12.05.2015)

BND-Skandal: Monatlich 1,3 Milliarden Verbindungsdaten für die NSA

Nicht mehr 500 Millionen, sondern 1,3 Milliarden abgegriffene Verbindungsdaten gibt der BND angeblich jeden Monat direkt an die NSA weiter. Wohl vor allem für Krisengebiete lassen sich damit umfangreiche Profile der überwachten Personen anfertigen.
Von den Hunderten Millionen sogenannten Verbindungsdaten, die der BND dank seiner Überwachungsprogramme täglich sammelt, gehen monatlich mehr als 1,3 Milliarden an die NSA. Das berichtet Zeit Online unter Berufung auf BND-Akten, die das Nachrichtenportal auswerten konnte. Die Zahl sei auch deutlich aktueller als die von Edward Snowden genannte von monatlich 500 Millionen Metadaten. Insgesamt sammle der BND monatlich 6,6 Milliarden Metadaten, der Großteil geht also nicht direkt an die NSA, die Daten deutscher Staatsbürger etwa sollen ausgesiebt werden. Offenbar, so mutmaßen die Reporter auch, werden Daten aus bestimmten Regionen direkt weitergeleitet, andere kaum oder weniger.

mehr:
- BND-Skandal: Monatlich 1,3 Milliarden Verbindungsdaten für die NSA (heise Security, 12.05.2015)

mein Kommentar:
äh, wie war das noch: haben wir gegen Kuwait bei der WM damals 6:0 oder 9:0 gewonnen?
Soll ich jetzt mein Kopfschütteln verzweieinhalbfachen?

Ronald McDonald [Quelle: Amazon Webserices|
Nach Bekanntwerden der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 wurden zunächst keinerlei Stellungnahmen Pofallas öffentlich, obwohl diese in den unmittelbaren Aufgabenbereich Pofallas als den für den Bundesnachrichtendienst und für die Geheimdienstkoordination zuständigen Chef des Bundeskanzleramts fiel.[24][25] In einem Interview mit der Zeit verwies Angela Merkel explizit auf die Zuständigkeit Pofallas.[26] Später erklärte er ungeachtet neuer Enthüllungen, dass alle gegen die beteiligten Geheimdienste erhobenen Vorwürfe „vom Tisch“ seien und es „keine millionenfache Grundrechtsverletzung“ in Deutschland gegeben habe.[27] Vielmehr hätten ihm die beteiligten Geheimdienste schriftlich zugesichert, sich an deutsches Recht zu halten.[28]Diese Äußerungen wurden vielfach mit Häme kommentiert und entwickelten sich zu einem Internet-Phänomen.[29]  Die Satiresendung Extra3 des NDR verlieh ihm für seine Rolle in der Überwachungs- und Spionageaffäre den Negativpreis „Silberner Hilfssheriff-Stern“, den er jedoch ausschlug.[31]Während Pofalla noch im Juli 2013 die Weitergabe von Informationen über deutsche Staatsbürger an US-amerikanische Geheimdienste auf zwei Datensätze beziffert hatte,[32] berichteten zwei Monate später mehrere Medien unter Berufung auf vertrauliche Dokumente von 864 durch den Verfassungsschutz an die USA übertragenen Datensätzen im Jahr 2012, weitere 657 Weitergaben erfolgten an britische Dienste.[33]
Als im folgenden Oktober enthüllt wurde, dass auch ein Mobiltelefon der Bundeskanzlerin Merkel vom US-amerikanischen Geheimdienst NSA abgehört worden sein soll, äußerte Pofalla sich vor der Presse empört und sprach von einem „schweren Vertrauensbruch“ seitens der USA. Ebenso kündigte er an, alle bisherigen US-amerikanischen Aussagen zu den Überwachungsmaßnahmen neu zu prüfen.[34]  [Ronald Pofalla, Überwachungs- und Spionageaffäre 2013, Wikpedia] 
So soll Pofalla zu Bosbach gesagt haben: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ und, nachdem Bosbach Pofalla auf die im Grundgesetz garantierte Entscheidungsfreiheit von Abgeordneten hingewiesen habe, erwidert: „Ich kann den Scheiß nicht mehr hören“.[15][16] 

Dienstag, 12. Mai 2015

Orson Welles – Im Zeichen des Bösen

In der mexikanisch-nordamerikanischen Grenzstadt Los Robles detoniert eine Autobombe. Mike Vargas (Charlton Heston), mexikanischer Polizist auf Hochzeitsreise, schaltet sich in die Ermittlungen seines amerikanischen Kollegen Hank Quinlan (Orson Welles) ein ... Der Film-noir-Krimi (1958) von und mit Orson Welles ist ein vielschichtiges Porträt menschlicher Beweg- und Abgründe.[…]

Der Film gilt oft als Abgesang auf den klassischen Film Noir – doch „klassisch“ kann man Wellesʼ Kunst gewiss nicht nennen. Und diesen Film schon gar nicht: Er zählt zu den genialsten und typischsten Werken des Regisseurs, der seinem überbordenden Stil hier freien Lauf lässt.

„Im Zeichen des Bösen“ ist der erste Film, den Welles nach über zehnjähriger Abwesenheit wieder in Hollywood drehte. Nach „Die Lady von Shanghai“ (1947), übrigens ebenfalls ein Meisterwerk des Film Noir, hatte sich der Regisseur zeitweise aus Amerika verabschiedet und entweder unabhängige Produktionen wie die beiden Shakespeare-Verfilmungen „Macbeth – der Königsmörder“ (1948) und „Othello“(1952) oder in Spanien, München, Paris und Rom („Herr Satan persönlich“, 1955) gedreht. Um sich das nötige Geld für seine persönlichen Projekte zu beschaffen, wirkte Welles in den USA und in Europa als Schauspieler in über 100 Filmen mit, ohne bei der Rollenwahl besonders anspruchsvoll zu sein.

mehr:
- Im Zeichen des Bösen (Arte Mediathek)



 Im Zeichen des Bösen ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1958. Er wird dem Genre des Film noir zugeordnet. Regie führte Orson Welles, der nach dem Kriminalroman Unfehlbarkeit kann tödlich sein (Badge of Evil) von Whit Masterson (ein Pseudonym der Autoren Robert Wade und Bill Miller) auch das Drehbuch verfasste. Die Originalfassung wurde von dem Studio so stark gekürzt, dass Orson Welles ein 58-seitiges Memorandum schrieb und darin um Änderung bat. Eine anhand dieses Memorandums wiederhergestellte Fassung des Films gibt es seit 1998. Es ist auch der letzte Hollywood-Film von Welles, der frustriert von der Bevormundung durch kommerzielle Interessen danach nur noch in Europa produzierte.[…]
Dieser Film gilt als das Ende der klassischen Ära des Film noir. Charakteristisch sind das bedrohliche Milieu, in dem Gut und Böse nicht auseinanderzuhalten sind, und die Verkehrung der Rollen – Quinlan, ein Vertreter des Gesetzes, stellt sich als Beweise fälschender Betrüger und später sogar als Mörder heraus. Orson Welles spielt ihn extrem unsympathisch. Seinem moralischen, streng rational vorgehenden Gegenspieler Vargas, der Quinlans Spiel bald durchschaut, sind auf der amerikanischen Seite der Grenze weitgehend die Hände gebunden. Zudem muss er um seine Frau kämpfen, die von einer mexikanischen Bande unter Drogen gesetzt und verschleppt wird. Am Ende stellt sich heraus, dass Quinlan recht hatte: Der zunächst aufgrund von gefälschten Beweisen inhaftierte Ganove gesteht das Autobomben-Verbrechen. Die Eingangsszene, in der die Kamera ungeschnittene vier Minuten lang einem Auto folgt und einen Blick in die Straßen von Los Robles zeigt, ging in die Filmgeschichte ein. […]
Doch das ist das Große an diesem Film: Welles führt mit den gewohnten Sehkonventionen hinters Licht, lässt daran zweifeln, dass das, was vordergründig richtig zu sein scheint, auch wirklich richtig ist. Und dass sich am Ende der verkommene, versoffene, fertige Intrigant sich als eigentliche Identifikationsfigur entpuppt, eben weil er ungleich menschlicher und damit vor allem ehrlicher erscheint als der ehrgeizig streberhafte Jungspund.“  Filmzentrale[3]  [Im Zeichen des Bösen, Wikipedia]

"US-/Koalitionsstreitkräfte setzen Luftschläge gegen den Islamischen Staat fort"

Von Erfolgen kann man bei den Luftkriegen gegen den Islamischen Staat und Jemen nicht sprechen

Vor neun Monaten haben die USA und die von ihr geführte Allianz die Luftangriffe gegen Stellungen des Islamischen Staats im Irak und in Syrien gestartet. Als Krieg wollte man die später genannte Operation Inherent Resolve in der US-Regierung nicht betrachten, es handele sich lediglich um eine massivere Antiterroroperation, so Außenminister John Kerry. Absehbar ist noch nicht, wann die Intervention beendet sein könnte, geschweige denn, ob sie bereits einen nachhaltigen Erfolg erzielt hat.

Zwar heißt es im Pentagon, man habe den Islamischen Staat im Irak zurückgedrängt und in Syrien seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt. "Letztlich" werde man ihn besiegen. Zurückgedrängt wurde der Islamische Staat vor allem im Norden Iraks an den Kurdengebieten und im Zentralirak um Tikrit herum. Die bislang nach neunmonatigen Krieg eher geringen Erfolge zeigen, dass gezielte Luftangriffe bei fehlenden oder mangelhaft organisierten und ausgerüsteten Bodentruppen keine entscheidenden Folgen haben und dem Gegner nicht wirklich schaden können. In Syrien ist bis auf Ain al-Arab auch das vom Islamischen Staat kontrollierte Territorium gleich groß geblieben.

In einer Anhörung vor dem Kongress Ende März erklärten Pentagon-Vertreter, die Kampfeinsätze würden noch lange weitergehen (3+ Jahre).

Ermüdend sind die fast täglichen Berichte über die einzelnen Luftschläge, 70-80 Prozent werden sie von der US-Luftwaffe ausgeführt. Danach scheinen alle Angriffe erfolgreich zu sein, man habe Fahrzeuge, Panzer, taktische Einheiten etc. zerstört. Das Pentagon führt auch eine Erfolgsliste, der man Glauben schenken mag oder nicht. Danach wurden beispielsweise 77 Panzer, über 1700 Gebäude, 1.330 Kampfpositionen oder 416 "staging areas" bis 23. April beschädigt oder zerstört. Über die Zahl der getöteten IS-Kämpfer gibt es grobe Angaben - angeblich über 8.500 -, über zivile "Kollateralschäden" schweigt man sich aus. Nachprüfbar sind die Zahlen, die Erfolge markieren sollen, sowieso nicht. Über 2 Milliarden US-Dollar hat den USA der Krieg gegen den Islamischen Staat bislang gekostet, jeden Tag werden nach Angaben des Pentagon für die Luftschläge mehr als 8 Millionen US-Dollar ausgegeben. Dazu kommen weitere Kosten für die Unterstützung und Ausrüstung der irakischen und kurdischen Truppen und für den Aufbau einer "neuen syrischen Armee", wie es vollmundig heißt.

mehr:
- "US-/Koalitionsstreitkräfte setzen Luftschläge gegen den Islamischen Staat fort" (Florian Rötzer, Telepolis, 11.05.2015)

Treibhausgase nehmen stetig zu

Im März wurde erstmalig die Schwelle von 400 ppm überschritten
Im März hat die Konzentration des Kohlendioxids (CO2) in der Atmosphäre erstmalig im globalen Monatsmittel die Marke von 400 Millionstel Volumenanteilen (ppm) überschritten, wie die Weltmeteorologieorganisation (WMO) mitteilt. Die symbolische Schwelle war vor einem Jahr, wie seinerzeit berichtet, bereits an der Station auf dem Mauna Loa auf Hawaii erreicht worden, die wegen ihrer Höhe, der Lage fernab großer Städte und Industriezentren und der Länge der dortigen Messreihe allgemein als eine Art internationaler Referenzstation betrachtet wird

Für die WMO ist das ein weiteres Zeichen für den unablässigen Anstieg der Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. Seit 1990 hat das CO2 um 34 Prozent zugenommen. Verantwortlich ist die Verbrennung von Kohle, Erdgas und Erdölprodukten sowie – im geringeren Maße – die Entwaldung. Laut WMO ist das zusätzliche CO2 in den letzten 25 Jahren für 85 Prozent des Anstiegs des Treibhauseffekts verantwortlich gewesen.

Zudem wird ein nicht unwesentlicher Teil der Emissionen von den Ozeanen aufgenommen und führt dort zur Versauerung des Meerwassers. Hält der derzeitige Trend an, könnten dadurch schon in wenigen Jahrzehnten größere Teile der Weltmeere für alle auf Kalkskelette und Schalen angewiesenen Lebewesen zu Todeszonen werden.

mehr:
- Treibhausgase nehmen stetig zu (Wolfgang Pomrehn, Telepolis, 11.05.2015)

Medienwandel global

Deutsche Medienkonzerne verabschieden sich von der Weltspitze. US-Internetfirmen dominieren zunehmend die internationale Medienindustrie Die fünf größten deutschen Medienunternehmen fallen im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Dies geht aus der jährlichen Rangfolge der 100 größten Medienkonzerne hervor. Das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) erstellt das Ranking anhand der von den Unternehmen angegebenen Umsatzzahlen für das Vorjahr.
Mit 16,7 Milliarden Euro bleibt die Bertelsmann SE aus Gütersloh das mit Abstand größte deutsche publizistische Unternehmen. Allerdings sieht sich die Firma der Familie Mohn in den letzten Jahren mit deutlichen Umsatz- und Gewinneinbußen konfrontiert. Im internationalen Ranking landete der Konzern, dessen Kapital sich zum größten Teil im Besitz einer Stiftung befindet, inzwischen auf Platz 9 der der 100 größten Medienkonzerne, 2007 lag er noch auf Platz 6.

Einen ähnlich starken Abstieg erlebte die ARD. Lag die – mit der BBC – größte öffentlich-rechtliche Anstalt der Welt im Jahr 2007 noch auf Platz 17 der Weltrangliste, reicht es inzwischen mit 6,3 Milliarden Jahresumsatz nur noch für Platz 25. Obwohl die Einnahmen auf den Rundfunkgebühren deutlich stiegen, gibt der Verbund der öffentlich-rechtlichen über die Jahre einen konstanten Umsatz an, der sich auch aus Werbeerlösen und teilweise aus dem ARD-Finanzausgleich speist.

Mit diesen beiden Unternehmen erschöpft sich inzwischen die Präsenz deutscher Medienunternehmen in der oberen Hälfte des Ranking. Als Drittplatzierte touchiert die Axel Springer AG mit Platz 50 genau die Mitte. In den letzten Jahren hatte das Familienunternehmen, in dessen Aufsichtsrat Friede Springer als stellvertretende Vorsitzende weiter eine Rolle spielt, mit Listenplätzen 38 bis 45 noch deutlich in der oberen Liga gelegen. Nachdem die Springer AG im Jahr 2013 einen großen Teil ihres Zeitungsgeschäfts abstieß, erholte sich der Umsatz jedoch nur unwesentlich.

mehr:
- Medienwandel global (Malte Daniljuk, Telepolis, 11.05.2015)

Krise bei den jungen Männern

Der US-Psychologe Zimbardo sieht die jungen Männer durch Pornos, Computerspiele, fehlende Väter auf dem Rückzug in den Cyberspace und im Ausstieg aus dem Sex

Der US-Psychologe Philip Zimbardo hat mit seinem Stanford-Prison-Experiment, angelehnt an das Milgram-Experiment, versucht zu zeigen, wie gewöhnliche Menschen unter bestimmten Bedingungen zu Monstern werden können. Dabei spielten zufällig ausgewählte Studenten, die psychisch normal, in einem simulierten Gefängnis Wärter und Gefangene. Einige Wärter zeigten sadistische Verhaltensweisen, das Experiment geriet bald außer Kontrolle und musste abgebrochen werden.


Konsequent in seinem Ansatz, dass die Umstände das Verhalten prägen, warnen er und Mitautorin Nikita Coulombe nun in dem Buch mit dem Titel (Dis)connected" vor den Gefahren des Internet für Jungen. Die Technik, so der Untertitel, habe die Bedeutung des Männlichseins sabotiert. In einem Gespräch mit BBC und mit dem Guardian stellte er die Ergebnisse seiner Studie über 20.000 junge Männer und ihre Verhältnis zu Computerspielen und Pornografie vor. Was ihnen fehlt, angeblich vor allem die Anwesenheit des Vaters.

Konzentriert habe er sich auf junge Männer, die exzessiv in die Welt von Computerspielen eintauchen und dies in sozialer Isolation machen. Das, so die gewagte These, führe oder verstärke eine "Krise" bei den jungen Männern, die in eine neue Form der Sucht geraten. Es sei neu und historisch einzigartig, jederzeit Zugriff auf Pornographie haben zu können. Viele junge Männer würden exzessiv Computerspiele nutzen und zwischendurch als Pause durchschnittlich zwei Stunden Pornos wöchentlich schauen. So würden sich die Jungen wünschen, wenn sie mit einem Mädchen zusammen sind, lieber einen Porno anzusehen, weil sie dort niemals zurückgewiesen und gekränkt würden.

Jungen würden in ihrer Einsamkeit vor den Bildschirmen scheu werden, sie wissen nicht mehr, wie man verführt, kommuniziert, Rückschläge erleidet, wirbt. Letztlich, so könnte man Zimbardos Hypothese formulieren, verlernen die Jungen beim Computerspielen das Spielen im wirklichen Leben. Das werde sich noch verstärken durch immersive und interaktive 3D-Pornos. Jetzt sei es schon so, dass die Jungen durch die scheinbar dauerpotenten Männer in den Pornos den Eindruck erhalten, nie an deren angeblich von den Frauen gewünschter "Leistung" herankommen zu können, was den Rückzug verstärkt.

mehr:
- Krise bei den jungen Männern (Florian Rötzer, Telepolis, 11.05.2015)
siehe auch:
- Die Gendertheorie ist ein kollektiver Irrtum (Post, 27.04.2015)

Philip Zimbardo: The demise of guys? [4:46]

Hochgeladen am 05.08.2011
TED
http://www.ted.com Psychologist Philip Zimbardo asks, "Why are boys struggling?" He shares some stats (lower graduation rates, greater worries about intimacy and relationships) and suggests a few reasons -- and he asks for your help! Watch his talk, then take his short 10-question survey: http://on.ted.com/PZSurvey
To learn more about his work, visit http://www.demiseofguys.com/
TEDTalks is a daily video podcast of the best talks and performances from the TED Conference, where the world's leading thinkers and doers give the talk of their lives in 18 minutes. Featured speakers have included Al Gore on climate change, Philippe Starck on design, Jill Bolte Taylor on observing her own stroke, Nicholas Negroponte on One Laptop per Child, Jane Goodall on chimpanzees, Bill Gates on malaria and mosquitoes, Pattie Maes on the "Sixth Sense" wearable tech, and "Lost" producer JJ Abrams on the allure of mystery. TED stands for Technology, Entertainment, Design, and TEDTalks cover these topics as well as science, business, development and the arts. Closed captions and translated subtitles in a variety of languages are now available on TED.com, at http://www.ted.com/translate.

mein Kommentar:
Wie ich vor wenigen Tagen bei einem eindrucksvollen Vortrag bei der Ärztekammer Niedersachsen gehört habe (Moritz Becker, Jugendliche bei Whatsapp, Facebook und Instagram: was geht uns das an?) ist übermäßiger Internet-Konsum ebensowenig eine eigenständige Erkrankung wie Alkoholismus (Systemische Psychotherapeuten: »Das Problem ist eine Lösungsstrategie!«). Auslöser sind mangelnde Anerkennung und fehlende Aufmerksamkeit. Und genau deren Illusion wird im Internet und in sozialen Netzen vermittelt.

Jungen - das neue schwache Geschlecht | Politik Direkt {4:33}
Hochgeladen am 29.01.2010
DW Deutsch
Sie können schlechter lesen,sind schlechter in Mathematik,machen das schlechtere Abitur oder gehen deutlich öfter ohne Abschluss von der Schule: Jungen.Im Gegensatz zu Mädchen sind Jungen im deutschen Schulsystem mittlerweile deutlich benachteiligt. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt Familienministerin Kristina Köhler. Mit einem aufwändigen Programm will sie nun politisch gegensteuern.

37 Grad - Schlaue Jungs in Not {29:10}

Hochgeladen am 22.06.2015
Kai Dickmann


BND-Skandal: Kanzleramt will nach bestem Wissen gehandelt haben

Interne Mails scheinen zu beweisen, dass das Kanzleramt die Chancen für ein Anti-Spionage-Abkommen mit den USA mindestens deutlich übertrieben hat. Angela Merkel erklärt nun, ihre Kanzleramtsminister hätten "nach bestem Wissen und Gewissen" gearbeitet.
Mit gleichlautenden Äußerungen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Regierungssprecher Steffen Seibert die neuen Vorwürfe im BND-Skandal zurückgewiesen. Die Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Ronald Pofalla haben "nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet", sagte Merkel laut Spiegel Online. Mit der gleichen Formulierung hatte Seibert demnach schon vorher versucht, die Bundesregierung und insbesondere das Bundeskanzleramt zu entlasten. Am Wochenende hatten neue Enthüllungen nahegelegt, dass Vertreter des Kanzleramts die Öffentlichkeit vor der Bundestagswahl über die Chancen eines Anti-Spionage-Abkommen mit den USA getäuscht hatten.

Kein Versprechen aus den USA
Von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR eingesehe E-Mails legen angeblich nahe, dass die Aussagen zu den Verhandlungen über das sogenannte No-Spy-Abkommen mindestens übertrieben, wenn nicht gelogen waren. So hatte Ronald Pofalla am 12. August 2013 erklärt, die NSA habe der Bundesregierung versichert, sich in Deutschland an Recht und Gesetz zu halten. Dabei hatte mit Karen Donfried eine Beraterin von US-Präsident Obama offenbar bereits Tage zuvor geschrieben, "Unsere Experten fühlen sich nicht dafür gerüstet, die Einhaltung des deutschen Rechts zu beurteilen", wie die Tagesschau nun zitiert. Ein Anti-Spionage-Abkommen war demnach auch nie in Reichweite, entgegen der Äußerungen aus dem Kanzleramt.

Trotzdem wiederholte Seibert nun die Behauptung, die USA hätten angeboten, " damals schon bestehende Vereinbarungen für gemeinsame Projekte zu verallgemeinern, auf ganz Deutschland anzuwenden". Deswegen sei man zu der Einschätzung gelangt, ein No-Spy-Abkommen sei möglich. Laut den internen Mails hatte der US-Geheimdienstkoordinater James Clapper so etwas zwar tatsächlich angedeutet, aber auf die Zuständigkeit des Weißen Hauses verwiesen. Von dort gab es für die Bundesregierung aber offenbar keine ähnlich lautenden Andeutungen.

mehr:
- BND-Skandal: Kanzleramt will nach bestem Wissen gehandelt haben (heise news, 11.05.2015)

mein Kommentar: tarnen, täuschen und verpissen…

Montag, 11. Mai 2015

Ukraine: Verbrannte Geschichte

Ukraine Es sind nicht zuletzt die weiter auseinander driftenden Geschichtsbilder, die zum 70. Jahrestag des Kriegsendes zu einem geteilten Gedenken führen

Es ist in etwa ein Jahr her. Ende April 2014 errichten Gegner der Regierung in Kiew nach dem Vorbild des Maidan ein Protestcamp inmitten der Hafenstadt Odessa. Am Vormittag des 2. Mai wird das Lager von Anhängern des nationalistischen Rechten Sektors überrannt, der seine Reihen durch Ultras aus der Fan-Szene des Fußball-Klubs Metalist Charkiw aufgefüllt hat. Viele Aktivisten fliehen ins Gewerkschaftshaus am Zentralbahnhof und geraten in eine tödliche Falle. Die Polizei bleibt untätig, obwohl es für die Eingeschlossenen immer bedrohlicher wird. Aus der Meute vor der Tür fliegen Blendgranaten und Molotow-Cocktails, so dass aus den Fenstern des Gebäudes bald Flammen schlagen. „Lasst sie uns abfackeln!“ – skandieren die Belagerer.

48 Menschen sterben – ersticken, verbrennen oder werden erschossen. Die ukrainische Regierung, die Stadt Odessa, die Staatsanwaltschaft bleiben erschöpfende Untersuchungen schuldig. Bis heute liegt kein abschließender Bericht vor. Wer russischen Opfermythen, vor denen in Kiew gern gewarnt wird, keinen Raum geben will, sollte aufklären: Wie konnte in einer ukrainischen Großstadt am helllichten Tag ein Massenmord verübt werden? Weshalb wurde die Polizei zum Komplizen der Täter? Was hatte Andrij Parubi, Gründer der profaschistischen Swoboda-Partei und seit Februar 2014 Chef des Nationalen Sicherheitsrates, an jenem 2. Mai in Odessa zu tun? Warum verfügte Kiew keinen nationalen Trauertag, um der Opfer zu gedenken? Weil es sich bei den Toten mehrheitlich um russischstämmige Bürger handelte?


Come and See Trailer (with music) [3:07]

Hochgeladen am 01.10.2010
Trailer for 1985 film "Come and See" (Idi i smotri). dir. E. Klimov
The music is slightly altered in order for it to be posted. The Ligeti piece had to be removed.

Komm und sieh!

Beim Nachdenken über das Massaker von Odessa drängen sich Assoziationen auf: das brennende Haus und brennende Holzkirchen. Es gab sie einst hundertfach in Weißrussland. Gotteshäuser, in die Menschen getrieben und eingesperrt wurden, um sie anschließend durch Flammenwerfer anzuzünden. Dieses Gerät zählte zur Ausrüstung von Sondereinheiten wie der von SS-Oberführer Oskar Dirlewanger, der 1943 häufig das Kommando führte, wenn von weißrussischen Dörfern nur Asche blieb. Komm und sieh! heißt der Spielfilm des sowjetischen Regisseurs Elem Klimow (produziert 1983/84), der gnadenlos realistisch rekonstruiert, wie es zuging, wenn Menschen ausgelöscht wurden. Man sollte ihn sich ansehen, um die Bilder ertragen zu müssen. Klimows historische Vorlage war der Untergang des Dorfes Chatyn am 22. März 1943.

Verbrannte Erde, verbrannte Menschen – Chatyn und Odessa, die Vorgänge zu vergleichen, heißt nicht, sie gleichzusetzen, auch wenn unbestreitbar ist: Wo sich Vernichtungswille entlädt, ist Barbarei nicht weit. Es gibt keine zwei Wahrheiten, schon gar nicht für die Geschichte.



„Der schlimmste Schaden jedoch, der dem deutschen Volkskörper aus den augenblicklichen Zuständen erwachsen wird, ist die maßlose Verrohung und sittliche Verkommenheit, die sich in kürzester Zeit unter wertvollem deutschen Menschenmaterial wie eine Seuche ausbreiten wird. Wenn hohe Amtspersonen der SS und Polizei Gewalttaten verlangen und sie in der Öffentlichkeit belobigen, dann regiert in kürzester Zeit nur noch der Gewalttätige. Überraschend schnell finden sich Gleichgesinnte und charakterlich Angekränkelte zusammen, um, wie es in Polen der Fall ist, ihre tierischen und pathologischen Instinkte auszutoben. Es besteht kaum noch Möglichkeit, sie im Zaum zu halten, denn sie müssen sich mit Recht von Amtswegen autorisiert und zu jeder Grausamkeit berechtigt fühlen.“
– Johannes Blaskowitz: Denkschrift zur militärpolitischen Lage vom 6. Februar 1940[11]  (zitiert in Ein General begeht Suizid, Post, 09.05.2015)

mehr:
- Verbrannte Geschichte (Lutz Herden, der Freitag, 08.05.2015)

Odessa MASSAKER - Angriff auf das Gewerkschaftsgebäude - 2Mai2014 [5:15]

Veröffentlicht am 03.05.2014

BND: Wachhund ohne Gebiss

Geheimdienst Der BND soll vom Kanzleramt und vom Bundestag kontrolliert werden. Warum das nicht klappt, erklärt ein langjähriger Insider

Gerhard Schindler kann die Aufregung gar nicht verstehen. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes sieht sich zu Unrecht der Kritik ausgesetzt. Der deutsche Auslandsgeheimdienst sei keinesfalls ein „willfähriges Werkzeug“ der USA. Medien hatten berichtet, der BND habe im Auftrag der US-Amerikaner europäische Politiker und Unternehmen ausspioniert (siehe Info). Jetzt verspricht die Bundesregierung Aufklärung. Wie oft haben wir das schon gehört? Die jüngsten Enthüllungen belegen erneut, dass die Kontrollorgane der Geheimdienste versagt haben. Offiziell zuständig sind das Bundeskanzleramt und das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags. Insbesondere die parlamentarische Kontrolle vermittelt lediglich eine Illusion: Sie ist ein Placebo, ein makabrer Witz.

„Was wir wissen, ist ein Tropfen. Was wir nicht wissen, ist ein Ozean.“ Mit diesen Worten von Isaac Newton lässt sich am besten der (Un-)Wissensstand der gewählten Volksvertreter über die Geheimdienste in unserem Land veranschaulichen. Nur mit einer umfassenden und effektiven Kontrolle der Geheimdienste lassen sich Bürgerrechte und Demokratie wirksam schützen.

mehr:
- Wachhund ohne Gebiss (Wolfgang Nešković, der Freitag, 08.05.2015)

Great Plains: Brotkorb auf Zeit

Wasser Zur Verknappung des Lebensmittels durch Verbrauch gesellt sich dessen bedenkenlose Vergiftung. Teil 2 eines Lese-Features zum Thema Nachhaltigkeit

Als unersetzbares Lebensmittel hat Wasser die Kooperationsfähigkeit der Menschen schon immer auf eine harte Probe gestellt. Der Kampf um die saubere Quelle und ihre Ergiebigkeit wird heute hauptsächlich an drei Fronten geführt.

Einerseits dort, wo die Verknappung des kostbaren Gutes als strategischer Vorteil ins Kalkül gezogen wird. Die Oberlieger an einem Fluss haben es gegenüber den unteren Anrainern des Öfteren praktiziert, wie es die Beispiele von Jordan, Euphrat und Tigris15zeigen. Israels übermäßige Wasserentnahme löste in Jordanien ebenso Unruhe aus wie die Türkei mit dem Bau von 2 und der Planung von weiteren 22 Staudämmen gegenüber Irak und Syrien.

Andererseits ist es Nothilfe in den mittlerweile ins Unermessliche gehenden Flüchtlingslagern wie im kenianischen Dadaab, wo zum Schrecken der Existenz als Refugee der Horror kommt, am Ende einer dürftig tröpfelnden Hilfspipeline zu stehen.

Schließlich als Entwicklungstraum oder Notwendigkeit, in trockenen Gebieten auch größere menschliche Ansiedlungen zu ermöglichen. Das sind die Brunnenbauprojekte für einzelne Gemeinden in immer arider werdenden Zonen, aber auch das libysche Great-Man-Made-River-Projekt: Der Fortschritt in der Technik von Brunnenbau und Pumpen hat es ermöglicht, die fossilen Aquifere unter den Wüsten anzuzapfen und über weite Strecken etwa bis an die Mittelmeerküste zu leiten.

Dass Letzteres sich zu einer selbst gestellten Falle entwickeln könnte, erleben derzeit die USA. Denn neben der sich ohnehin jährlich verschärfenden Dürre, für die Kalifornien beispielhaft steht, vollzieht sich der Wassermangel in den Great Plains zwar etwas weniger spektakulär, dafür aus komplexeren Gründen mit weit reichenderen Folgen.

mehr:
- Great Plains: Brotkorb auf Zeit (KGvL, Community,  der Freitag, 11.05.2015)
1. Teil: Hinkley, Kalifornien: No Surf

Ausverkauf deutscher Naturwälder oder Die wundersame Baumvermehrung

Wald & Wirtschaft 1125 Bäume pro Bürger wachsen in Deutschland. Entweder sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht, oder an den Zahlen ist etwas falsch. Ein Kommentar in Wort und Bild

Glaubt man dem Bundesforstminister, so geht es dem deutschen Wald ganz hervorragend. Im vergangenen Jahr erklärte der politisch motivierte Apfelverzehrer Christian Schmidt, dass aktuell rund 90 Milliarden Bäume gut ein Drittel des Bundesgebiets bewachsen. Im Vergleich dazu waren es 2002 noch knapp neun Milliarden Buchen, Tannen, Eichen, Fichten und andere Bauholzarten.
Während der bundesweite Blätterwald die Meldung unreflektiert übernahm und beispielsweise der SPIEGEL oder die Badische Zeitung die mysteriösen 90 Milliarden begeistert als gegeben hinnahmen, erregte die Meldung etwa in der Redaktion des BR-Satiremagazins „quer“ neben Stirnrunzeln auch Interesse.

Denn eine Verzehnfachung des Baumbestands erschien doch als eine allzu wundersame Waldvermehrung. Und der Redaktion waren natürlich die vorangegangenen Recherchen ihrer Kollegen aus dem Hause längst bekannt.

Ausverkauf der Naturschutzgebiete
In der Reportage „Die Grenzen der Nachhaltigkeit – Energie aus dem Wald“ vom 13. Januar 2014 folgt ein Team des Bayrischen Rundfunks dem Weg alter Buchen aus bayrischen Naturschutzgebieten in den internationalen Export.

Dabei begleiten und interviewen sie unter anderem Naturschützer und engagierte Bürger, die über Jahre hinweg bereits ungehört Alarm schlagen und die Schäden dokumentieren. Ausgerechnet die Staatsforsten haben offenbar den Export der Filetstücke als lukrative Einnahmequelle für klamme Länderhaushalte entdeckt. Denn besonders China hat einen schier unstillbaren Hunger nach hochwertigem Bauholz. Die Markierungen auf den teilweise weit über 140 Jahre alten Bäumen zeigen in der BR-Dokumentation wie zur Bestätigung eindeutig das Zeichen eines Holzverarbeiters, der ausschließlich für den Export einkauft.

Dieses Thema hatte die ARD-Reihe „plusminus“ bereits zuvor in der Sendung „Alte Buchen nach China – Ausverkauf des deutschen Waldes“ vom 18. Dezemeber 2013 aufgegriffen und beobachtet, wie ausgerechnet geschützte Hölzer gezielt geschlagen und direkt per Kran exportbereit in Container mit der plakativen Aufschrift „China Shipping“ verladen wurden.

Auch Greenpeace Deutschland warnte bereits im Februar 2012 in seinem 40 Seiten umfassenden Bericht „Zerstörung alter Buchenwälder in Bayern – Der Fall Spessart: Wie ein einzigartiger Bürgerwald verschwindet“ vor dem Kahlschlag in besonders schützenswerten Waldgebieten. Dabei thematisieren die Umweltschützer vor allem den systematischen Raubbau an geschützten Bäumen in ausgewiesenen Naturschutzgebieten.

mehr:
- Der Ausverkauf der deutschen Naturwälder (Timo Essner, Community, der Freitag, 09.05.2015)

Entwicklungsbank – Wenn der Westen Gedanken liest

Weltwirtschaft Die Gründung einer Entwicklungsbank zeigt Pekings globale Macht. Berlin macht mit, gegen den Willen von Washington

Ein chinesisches Sprichwort, das auf den Philosophen und Kriegsstrategen Sun Tzu aus dem sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurückgeht, lautet: Wer hundert Schlachten gewinnen will, muss seinen Gegner und sich selbst verstehen.

Vor kurzem diskutierte in Washington eine Gruppe von Außenpolitikexperten Chinas Aufstieg und die damit verbundenen Herausforderungen. Im Mittelpunkt stand der Versuch, die Gedanken von Präsident Xi Jinping zu lesen. Er gilt als mächtigstes Staatsoberhaupt Chinas seit dem Reformer Deng Xiaoping.

Chinas Aufstieg in den vergangenen Jahren hat in der Region zu Spannungen geführt, vor allem zu Territorialkonflikten im Chinesischen Meer, aber er betrifft auch den Westen: 2014 initiierte Peking die Gründung der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (AIIB), einer neuen Entwicklungsbank für Asien in Konkurrenz zu IWF, Weltbank und der von Japan dominierten Asiatischen Entwicklungsbank. Im März dieses Jahres ist es China gelungen, gegen den Willen der USA mehrere europäische Länder für eine Beteiligung zu gewinnen, darunter Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Ende März erklärte die konservative Regierung des engen US-Verbündeten Australien ihren Beitritt. Die neue Bank mit Sitz in Peking soll mit Investitionen in die Infrastruktur des Kontinents Armut bekämpfen und Entwicklung fördern. Beobachter halten sie für einen Meilenstein bei der Verschiebung der Machtverhältnisse in der Weltwirtschaft, zuungunsten der USA. Die Regierung Obama reagierte entsprechend verärgert auf die Allianz ihrer engsten Verbündeten mit China.

mehr:
- Wenn der Westen Gedanken liest (Natalie Noudayrède, Community, der Freitag, 06.05.2015)
Zitat:
China blickt auf 2.500 Jahre strategischen Denkens zurück, das von tiefem Misstrauen ausländischen Mächten und Akteuren gegenüber geprägt ist. Das betrifft nicht nur die USA. Präsident Wladimir Putin sollte nicht glauben, Russland werde in Xis China einen bereitwilligen Partner finden, wenn der Kreml sich weiter von Europa abwendet. China betrachtet Russland als eine absteigende Macht, die man letztlich in einen ökonomischen Vasallenstaat verwandeln kann, der auf die Rolle als Öl- und Gaslieferant reduziert bleibt. Sollte sich der Konfrontationskurs zwischen Europa und Russland fortsetzen, dürfte China sich hiervon strategische Vorteile versprechen.
siehe auch:
- The Great Game (Wikipedia)

Documentary: The New Great Game - How US Domination in Middle East Has Declined [49:34]


Veröffentlicht am 13.10.2013
The present documentary analytically explains how the US and Europe domination and control over the Middle East has declined because of the changes taking place in the region.

Press TV Documentary

Fight for Oil: 100 Years in the Middle East (1/3) [53:17]

Hochgeladen am 23.11.2011
Chronicles the 100 year period since the discovery of oil. Profiles the rise and fall of British rule in the region, the Soviet's 'power politics,' imperialism and other issues which have dominated the demand for control of the world's oil supply from its discovery through today. The three-part series profiles how oil was first cultivated and the social and political impacts not only for the Middle East, but the rest of the world, too.

Shocking History of Arab Countries - Curse of Oil Wealth (Full Documentary) [42:04]

Veröffentlicht am 24.10.2014
Watch More Interesting Documentaries
Future Wearable Gadgets & Mobiles #Mind Blow (Full Documentary)
https://www.youtube.com/watch?v=AxMlK...
Top 10 World's Future MEGAPROJECTS (2015-2030's) #Mind Blow Full Documentary
https://youtu.be/RGNrSdsPkS0
Top 10 Ways the World Might End (in the Next 100 Years) #Mind Blow Documentary
https://youtu.be/WyESsQD886g
Most Mysterious Places in Our Solar System #Mind Blow Full Documentary
https://youtu.be/dtygznFXC7o
Alter Info-Text:
Veröffentlicht am 17.11.2012
shocking histry of saudia arabia , how arab convert in to saudia arabia , how saudi family became a richest family of the world and capture arab and rule to arab with whole family ,
how many they were been in drinking and how many had pleasure life while other muslims suffered with poverty and hunger ,,, amazing video must watch

Journalismus nach dem Modell Amazon

Wer diesen Artikel liest, könnte etwas kaufen: Jeff Bezos krempelt die „Washington Post“ mit einem Team von Softwarespezialisten um. Die Grenze zur PR wird fließend, jeder Artikel zur Ware.

Als der Amazon-Gründer Jeff Bezos im August 2013 für 250 Millionen Dollar die „Washington Post“ übernahm, fragte man sich, was er mit der Zeitung wohl anfangen wolle. Der Online-Händler und das Flaggschiff der amerikanischen Presse, das Reporter wie Ben Bradlee hervorbrachte und die Watergate-Affäre aufdeckte, das schien nicht so recht zusammenzupassen. Doch allmählich zeichnet sich eine Strategie ab. Zunächst wurde bekannt, dass die App der Zeitung auf alle Amazon-Lesegeräte kommt. Und nun will die „Washington Post“ selbst ein Software-Provider werden. Wie die „Financial Times“ berichtet, steht die Zeitung in Gesprächen, ihre für die Online-Ausgabe entwickelte Software zu lizenzieren und Kunden gegen eine Nutzungsgebühr anzubieten. Einige Regional- und Studentenzeitungen setzen schon auf das System der „Washington Post“.

Jeff Bezos begreift Journalismus als Service für Amazon. Unter seiner Regie wurden zwanzig Software-Ingenieure eingestellt. Die Datenspezialisten haben jüngst eine Handreichung namens „Clavis“ (Schlüssel) entwickelt, das Artikel mit Hilfe einer Schlagwortanalyse im Browserverlauf empfiehlt. Der Algorithmus wurde nach der Produktempfehlung von Amazon modelliert. Zwar unterscheiden sich die Artikelempfehlungen in der Rubrik „The Post Recommends“ rein äußerlich nicht von denen anderer Nachrichtenseiten. Doch die Logik ist dieselbe wie beim Versandhändler. Und dafür braucht die Zeitung Daten.

Unter Bezos’ Führung hat die „Washington Post“ ein Partnerprogramm aufgelegt, bei dem Lokal- und Regionalzeitungen ihren Abonnenten freien Zugang zum Online-Angebot der „Post“ gewähren können. Mehr als 250 nationale und internationale Zeitungen haben sich angeschlossen (unter anderem „Texas Tribune“, „Philadelphia Inquirer“, „Haaretz“). Jeder Abonnent einer Partnerzeitung muss sich auf der Website nochmals registrieren, um auf die Inhalte zugreifen zu können. Diese Informationen könnten vor allem für die Plattform „Brand Connect“ von Bedeutung sein, die von Unternehmen gesponserte Inhalte anbietet. Auf Brand Connect werben unter anderen Mercedes-Benz, Siemens und Bayer. Mit dem neuen Algorithmus könnten maßgeschneiderte Anzeigen an den Leser gebracht werden. Wer sich beispielsweise für Automobilthemen interessiert, dem könnte die „Post“ einen gesponserten Artikel von Mercedes anzeigen. Wer häufig Artikel zu pharmazeutischen Sachverhalten liest, dem könnte der Algorithmus einen Beitrag von Bayer vorschlagen.


mehr:
- Jeff Bezos’ „Washington Post“ – Journalismus nach dem Modell Amazon (Adrian Lobe, FAZ-Feuilleton, 10.05.2015)

“Chilling Effect”: Vorratsdatenspeicherung, Selbstzensur, Konformität und Stress

Chilling Effect Selbstzensur, Konformität und Stress: In Überwachungssituationen wie mit der Vorratsdatenspeicherung (VDS) verändern Menschen ihr Verhalten, wie Studien zeigen

Seit etwas mehr als einem Jahr sorgt die Vorratsdatenspeicherung (VDS) für die verdachtslose Überwachung von privater digitaler Kommunikation in Österreich, seit fast einem Jahr wissen wir dank Edward Snowden von der umfassenden NSA- und GCHQ-Überwachung auf der ganzen Welt. Zwar plant die Europäische Kommission zur Zeit keine neue EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung. Befürworter argumentieren, dass man so Terroristen und andere Bösewichte fangen kann (“Wir brauchen den Heuhaufen, um die Nadel zu finden”), die Gegner sehen die Grundsätze westlicher Demokratien (Privatsphäre, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, etc.) erschüttert.

Warum ist das wichtig? Anlässlich der Entscheidung des Europäischen Gerichtshof über die Vorratsdatenspeicherung in der EU sollte darüber nachgedacht werden, wie Überwachung das Verhalten der Menschen beeinflusst.
v In den USA zensieren sich Menschen bei der Internetsuche und bei heiklen Telefonaten selbst.

US-Schriftsteller geben an, manchmal nicht mehr über brisante Themen schreiben oder sprechen zu wollen. Studien zeigen, dass Überwachung am Arbeitsplatz zu Ängsten, Depressionen, Wut, Gesundheitsbeschwerden oder Erschöpftheit führen kann.

Wer hat nichts zu verbergen?
Zwischen diesen beiden Polen gibt es eine oft indifferente Menge, in der die Meinung vorherrscht: “Ich habe ohnehin nichts zu verbergen. Sollen sie doch meine faden E-Mails und Facebook-Postings speichern.” Grobe Veränderungen im Verhalten der Menschen sind in der Post-Snowden-Ära kaum wahrzunehmen. Zwar klagt die IT-Industrie, allen voran Facebook-Chef Mark Zuckerberg, über das erschütterte Vertrauen der Konsumenten und Firmenkunden in Cloud-Dienste vor allem aus den USA; da wird die eine oder andere App vom Smartphone gelöscht; dort boomen Privacy-Start-ups wie Secret, DuckDuckGo oder Snapchat; doch eine echte Zäsur hat noch nicht stattgefunden.

Die Veränderungen, die Menschen in einer Atmoshpähre der Überwachung durchmachen, ist aber dennoch vorhanden, aber eher schleichender Natur. In der Wissenschaft spricht man vom so genannten “Chilling Effect”, also folgendem Prozess: Im vorauseilenden Gehorsam beschränken sich Menschen selbst, um etwaige spätere Konflikte zu vermeiden. Folgende Forschungsergebnisse zeigen, wie sich Überwachung im täglichen Leben auswirkt:

mehr:
- Massenüberwachung zeigt soziale Folgen (Jakob Steinschaden, Community, der Freitag, 08.05.2015)

KRASSE AUSSAGE EINES WISSENSCHAFTLERS [3:32]

Veröffentlicht am 28.07.2014
Jetzt bekommen wir es endlich mal in aller Deutlichkeit zu hören, was in den Köpfen unserer "Lenker und Denker" im Lande vorgeht.
Ein Hoch auf uns das wir doch so mächtig eingeschätzt werden. Die Tragweite dieser Aussage ist allerdings schier unglaublich, auf vielen Ebenen.

Quelle: Youtube
Redner: Professor Kruse

USA: Der Vietnamkrieg wird rehabilitiert

Vietnam darf keine Warnung sein vor Kriegseinsätzen. Die Leute von der Antikriegsbewegung der frühen 70er Jahre, die bei all ihrer Zerstrittenheit recht hatte, sollen nicht als ermutigendes Beispiel gelten. Eine Oppositionsbewegung darf nicht gewinnen. Schon gar nicht an Deutungsmacht über eine Militäraktion, die vor vier Jahrzehnten wenig Ruhm einbrachte. Das Pentagon nannte die Operation seinerzeit – warum auch immer – Frequent Wind („Häufiger Wind“). Es gab den Auftrag, Ende April 1975 per Hubschrauber die letzten verzweifelten südvietnamesischen Helfer und Mitarbeiter aus der Hauptstadt Saigon herauszubringen.

Diese dramatischen Tage scheinen lange her zu sein. Die Hälfte der heutigen US-Bürger war nicht geboren, als in Vietnam Napalm abgeworfen, Wälder mit dem Pflanzengift Agent Orange entlaubt wurden oder Kambodscha durch die US-Invasion im April 1970 in einen Krieg taumelte, der Pol Pot und den Roten Khmer zum Aufstieg verhalf. Die US-Vietnamveteranen sind inzwischen ältere Herren. Auch die meisten Friedensbewegten von damals dürfen zum Seniorentarif die Subway benutzen.


Gefühl des Stolzes
40 Jahre nach dem Vietnam-Krieg gibt man in den USA zu: Die Sache war ein Desaster. Ex-Außenminister Kissinger – damals ein Hundertprozentiger – spricht von einem „schmerzlichen Prozess“. Amerika habe „seinen ersten Krieg verloren und die Richtschnur für sein Konzept der Weltordnung“. Eine Niederlage zuzugeben ist das eine, sie zu bewerten das andere. Und es wird heftig gerungen um die Deutungshoheit, die wichtig ist für eine Nation, die seit Vietnam pausenlos irgendwo Krieg führt.

Maßgebend bei der Vietnam-Analyse sind heute staatstragende Thesen des Kalibers: Man habe trotz des schlechten Ausgangs für das Gute gekämpft. Inzwischen wird die Vergangenheit so zurechtgebügelt, dass die nach Angaben des Veteranenministeriums 2,7 Millionen US-Soldaten, die zwischen 1964 und 1975 oft unfreiwillig als Wehrpflichtige nach Indochina mussten, in die Kategorie „Helden“ aufgenommen worden sind.

In einer Proklamation von Präsident Barack Obama am 28. Mai 2012, zum 50. Jahrestag des Vietnam Krieges, klang das so: Die „dankbare Nation“ ehre die Soldaten, „die tapfer gekämpft haben. Sie kämpften sich durch Dschungel und Reisfelder, Hitze und Monsun, heroisch, um die Ideale zu verteidigen, die uns Amerikanern wichtig sind“. Bei so viel Pathos bleibt nicht viel Platz zum Reflektieren über mehr als zwei Millionen tote Vietnamesen. Auch wenig Platz für die Anti-Kriegsbewegung und die vielen Wehrpflichtigen, die damals Befehle verweigert oder sich von der Truppe abgesetzt haben. 1971 hieß es im Armed Forces Journal, die Army in Vietnam befinde sich „in einem Zustand, der sich dem Kollaps nähert“. Nach dieser Erfahrung hat Präsident Richard Nixon die Wehrpflicht 1973 abgeschafft..

mehr:
- Ideale verteidigen, Geschichte umdeuten (Conrad Ege, Community, der Freitag, 06.05.2015)