Donnerstag, 16. Oktober 2014

NSA-Untersuchungsausschuß – Streit zwischen Regierung und Bundestag spitzt sich zu

Es hätte spannend werden können. Der NSA-Ausschuss hörte einen BND-Informatiker - öffentlich. Doch schon nach 40 Minuten platzte die Sitzung.

Der Zeuge T.B. hat eine leicht brüchige Stimme und macht immer wieder lange Pausen, offenbar um Präzision bemüht und darum, keine Angaben zu machen, die seine Aussagegenehmigung überschreiten. T.B. ist Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), er ist bei der Bundeswehr zum Offizier ausgebildet worden, hat Informatik studiert und war für ein Rechenzentrum in "einem Nato-Hauptquartier" verantwortlich. Von September 2002 bis September 2007 war er in der BND-Dienststelle Bad Aibling eingesetzt und deswegen ist er jetzt hier, im Sitzungssaal 5.900 des Paul-Löbe-Hauses, Deutscher Bundestag, in dem der NSA-Untersuchungsausschuss tagt.

mehr:
- NSA-Untersuchungsausschuss – Streit zwischen Regierung und Bundestag spitzt sich zu (Tagesspiegel, 16.10.2014)

dazu auch:
- Drohung des Bundeskanzleramtes: Wir veröffentlichen den Brief, in dem uns Altmaier mit Strafanzeige droht (Andre Meister, Netzpolitik.org, 16.10.2014)
Unsere Berichterstattung zur weltweiten Totalüberwachung und der Rolle des BND schadet dem Staatswohl. Das behauptet der Chef des Bundeskanzleramtes in einem Brief an den Geheimdienst-Untersuchungsausschuss und droht Leakern mit Strafanzeige. Wir teilen diese Einschätzung nicht – und veröffentlichen den Brief.
Heute Mittag haben wir erfahren, dass das Bundeskanzleramt “NSA-Aufklärern” mit Strafanzeige droht. Jetzt liegt uns der Inhalt dieses Briefs vor – den wir selbstverständlich veröffentlichen.
Der Chef des Bundeskanzleramtes Peter Altmaier listet darin vier Pressemeldungen auf, darunter Das große Speichern (Spiegel), Codewort Eikonal – der Albtraum der Bundesregierung(Süddeutsche) und unsere Berichte Aussagegenehmigung: Wir veröffentlichen die Liste an Sachen, die BND-Mitarbeiter dem Parlament nicht sagen dürfen und Internes Protokoll: BND-Präsident und Kanzleramts-Chef hatten “große Sorge” vor Aufklärung zu BND-Aktivität.

dazu auch:
- NSA-Ausschuss bricht Vernehmung von BND-Zeugen ab (heise online, 17.10.2014)
Ein BND-Techniker war gerade dabei, im Bundestag über die mögliche Weitergabe umfangreicher Datensätze an die NSA auszusagen. Da stellten die Abgeordneten fest, dass ihnen die Regierung wichtige Akten nicht an die Hand gegeben hatte.

Normalerweise ziehen sich Zeugenbefragungen vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags bis tief in die Nacht hinein. Die öffentliche Sitzung am Donnerstag, an dem erstmals zwei Mitarbeiter der "operativen Ebene" des Bundesnachrichtendiensts (BND) den Abgeordneten Rede und Antwort stehen sollten, war dagegen nach zwei Stunden beendet. Als Grund nannte der Vorsitzende Patrick Sensburg (CDU), dass die Bundesregierung die zur Umsetzung des Beweisbeschlusses benötigten Akten den Parlamentariern "nicht vollumfänglich" zur Verfügung gestellt habe.


mein Kommentar:
Glaubt wirklich jemand, daß sich was ändert? Was (sei es technisch, sei es juristisch) machbar ist, wird gemacht. (Und das war schon immer so.) Auf die – sehr langsam in Bewegung kommende – Verschlüsselungsneigung der privaten User folgt schon jetzt das Ansinnen der Geheimdienste an Hard- und Software-Hersteller, Hintertüren einzubauen. 
siehe dazu:
- USA bestraft Export von Verschlüsselungssoftware (heise online, 17.10.2014)
Erstmals hat das Sicherheitsbüro der US-amerikanischen Handelsministeriums eine Firma mit einer Geldstrafe belegt, weil sie Verschlüsselungssoftware exportiert hat. Der Schritt wird von Anwälten als politisches Signal an die IT-Community interpretiert.

Da wir in einer Demokratie leben, haben wir die Erwartung an unseren Staat, daß der tätig wird. Nun gibt es aber nun mal Terroristen, und es gibt staatliche Organe, z. B. Geheimdienste, die bestimmte Interessen haben (welche auch immer).
Man stelle sich die Diskussion, die jetzt geführt wird, rückversetzt in die 70er/80er Jahre vor. Da würde es denn heißen: »Wer so blöd ist, sich bei Licht und ohne Vorhang auszuziehen, muß sich nicht wundern, wenn draußen vorm Fenster die Spanner Schlange stehen.« Sprich: Wer seine Nachrichten der Einfachheit halber nicht per Brief versenden will, der muß halt die Nachteile in Kauf nehmen.
Wir leben in einer Zeit, in der alles mögliche einfach gemacht werden soll. Daß sich jeder einzelne dadurch in eine Abhängigkeit begibt, wird ignoriert. Wer twittert und facebookt, muß sich nicht wundern…
Aber: Was mich baß erstaunt macht, ist zum Beispiel, daß die Telekom ihre gesamte Telefonie auf »online« umstellen will und daß es anscheinend niemanden gibt, der sich drüber aufregt. Da habe ich keine Alternative mehr, als den ganzen Tag am Internet drangestöpselt zu bleiben. Wenn mein Fernseher den ganzen Tag an der Leitung dranhängt, habe ich keine Probleme damit, weil es ist eine One-Way-Leitung, bei der ich nur Rezipient bin. Es gehen also keine Daten nach draußen. Bei der Online-Telefonie nicht. Aber anscheinend stört das keinen. Soll ich mich jetzt aufregen, daß das keinen stört? Wozu? Es müssen halt nur mal wieder ein paar Millionen Kunden- oder Konten-Daten geklaut werden, und das muß halt echt viel Arbeit machen, bis sich jemand aufregt.

Die letzten Meldungen hierzu:
- Dropbox-Hack: Bis zu sieben Millionen Nutzerdaten gestohlen? (Chip, 14.10.2014)
Der Cloud Speicher Dropbox soll angeblich gehackt worden sein. Dabei seien 7 Millionen Nutzerkonten auslesbar. Ein Leak auf der Content-Plattform Reddit sorgte gestern Abend und heute Nacht (Ortszeit) für die Veröffentlichung von mehreren Hundert Klarnamen von Personen und ihrer Zugangsdaten. In einem ersten Test konnten wir uns mit geleakten Zugangsdaten einloggen - und raten Dropbox-Nutzern daher dringend, ihr Passwort abzuändern. (So geht's...) Anscheinend machen auch andere User von den Log-ins Gebrauch. Die, die es freundlich mit den Betroffenen meinen, warnen die Besitzer der geplünderten Accounts eindringlich (siehe Screenshot rechts oben). .
- Angriff auf US-Baumarktkette: Daten von 56 Millionen Kreditkarten gestohlen (SPIEGEL Online, 19.09.2014)
Atlanta - Die US-Baumarktkette Home Depot ist Ziel eines gewaltigen Online-Raubzugs geworden. Zwischen April und September könnten Unbekannte die Daten von rund 56 Millionen Kunden-Kreditkarten erbeutet haben, teilte der Handelskonzern am späten Donnerstag mit (PDF). Die von den Tätern verwendete Schadsoftware sei inzwischen komplett entfernt worden.
US-Handelsketten wurden zuletzt häufiger von Hackern heimgesucht. So wurden erst vor wenigen Monaten bei der Supermarkt-Kette Target Daten von rund 40 Millionen Bankkarten erbeutet. Target erlitt danach deutliche Umsatzeinbußen. Cyber-Attacken gab es unter anderem auch bei der Warenhauskette Neiman Marcus und den China-Restaurants P. F. Chang.

- 1,2 Milliarden Profile gestohlen – Größter Datenklau aller Zeiten: Das müssen Sie jetzt wissen (Focus, 06.08.2014)
Russische Hacker haben 1,2 Milliarden Anmeldedaten für verschiedene Webseiten wie Facebook und eBay erbeutet. Die Wahrscheinlichkeit von dem Datenklau betroffen zu sein ist sehr hoch. Jetzt müssen Sie schnell handeln! FOCUS Online zeigt, wie Sie sich schützen können.
- Millionen Internetnutzer-Daten gestohlen – BSI bekommt Rückendeckung (RP Online, 23.01.2014)
Berlin. Im Zusammenhang mit dem Diebstahl von Millionen Internetnutzer-Daten hat der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Rückendeckung gegeben.

Ich warte mal (möglichst) in Ruhe ab, bis das erste E-Werk oder der erste Staudamm digital sabotiert bzw. deren Steuersoftware gehackt werden. Dann wird’s lustig!
siehe dazu:
Innenminister treibt IT-Sicherheitsgesetz voran (heise online, 18.10.2014)
Wenn Hacker die IT-Systeme von Banken oder Wasserwerken angreifen, könnte das schwerwiegende Folgen haben. Daher treibt Innenminister Thomas de Maizière ein Gesetz zu Mindestanforderungen voran – und setzt beim Datenschutz auf die EU.
- Computer statt Sturmgewehr - Digitale Front, neues Gefechtsfeld für die Streitkräfte? (Michael Hollenbach, AG Friedensforschung, 10.10.2014; Ankündigung und Download des Podcasts bei NDR Info)
Andreas Flocken (Moderator): Cyberwar - damit beschäftigen sich inzwischen auch die Streitkräfte immer mehr. Allerdings gibt es viele ungeklärte Fragen - völkerrechtliche und ethische. „Die Digitale Front. Das Internet als Kriegszone“ - das war in der vergangenen Woche der Titel einer Veranstaltung der Katholischen Akademie in Berlin. Michael Hollenbach hat die Diskussion verfolgt
Wie sicher ist mein Trinkwasser? (WDR 5 Schwerpunktthema, 28.07.2014)
Trinkwasser ist lebenswichtig. In Deutschland sind wir damit bestens versorgt. Doch wie sicher ist unsere Wasserversorgung? Und sind die Wasserwerke eigentlich ausreichend gegen Angriffe geschützt? Ein Besuch im Trinkwasserwerk Westhoven.
Wasserwerk-Hack gibt Rätsel auf (Andreas Lerg, T-Online, 24.11.2011)
Rätselraten um den Hackerangriff auf ein Wasserwerk im US-Bundesstaat Illinois. Ermittlungen des FBI und des Department of Homeland Security (DHS) kommen zum Schluss, dass der Ausfall einer Pumpe nicht durch Einwirkung von außen verursacht wurde. Einen zweiten Hacker, der Beweise für einen anderen, gleichartigen Angriff liefert, ignorieren die Behörden jedoch.

Bis dahin bleibt mir nur Schulterzucken. Unsere althergebrachte Vorstellung von Freiheit und Demokratie löst sich gerade durch die rasant fortschreitende Verzahnung mit der digitalen Welt auf, und unsere Denk- und Beurteilungssysteme kommen nicht mehr mit.

Islamischer Staat (IS), türkische Hizbullah und andere mafiöse Strukturen

Mit den Angriffen auf Kobanê und den damit zusammenhängenden Massenaufständen vor allem der kurdischen Bevölkerung in der Türkei und Nordkurdistans rückt eine längst aufgelöst geglaubte parastaatliche Organisation mit schwersten Übergriffen, bis hin zu Morden, wieder ins Bewusstsein: Die „Hizbullah“, eine Gruppe, über die selbst Nahostkorrespondenten Kenntnisse zu fehlen scheinen. Bei ihr handelt es sich nicht um eine Filiale der schiitischen Hisbollah aus dem Iran, sondern um ein eigenes Produkt der türkischen Aufstandsbekämpfung.
mehr:
- IS, türkische Hizbullah und andere mafiöse Strukturen (Michael Knapp, Kritisches Netzwerk, 15.10.2014)

Recht subversiv – Aus der Werkstatt eines Anwalts und Menschenrechtlers

Eine rationale, aufgeklärte Menschenrechtspolitik stößt angesichts der aktuellen Menschenrechtslage in der Welt oft auf Schwierigkeiten: Für wen sollte man sich wie einsetzen, ohne dass man die Komplexität einer Situation unterschätzt? Wie vermeidet man es, instrumentalisiert zu werden oder Applaus von denen zu bekommen, mit denen man so gar nichts am Hut hat? Das Recht, zumal das internationale Recht, kann eine Orientierung bieten: Es definiert rote Linien, die Akteure auch dann nicht überschreiten dürfen, wenn sie für sich in Anspruch nehmen, demokratische Rechtsstaaten zu sein oder humanitäre Ziele zu verfolgen. Die westlichen Staaten, insbesondere die USA, haben diese rechtlichen Gebote im Namen der Terrorismusbekämpfung in den Jahren seit 2001 oft und an verschiedenen Orten gebrochen und niemand konnte ihnen rechtlich Einhalt bieten. In den Bush-Jahren wurden systematisch und massiv Gefangene gefoltert und misshandelt, ohne dass bis heute diese Sachverhalte aufgeklärt und die Betroffenen angemessen entschädigt worden wären. Präsident Obama ist vor allem wegen der kontinuierlichen Ausweitung der – naja, mehr oder weniger – gezielten Tötungen durch Drohnen in der Kritik.
mehr:
- Das tödliche Dröhnen über ihren Köpfen (ZEIT Online, 15.10.2014)

Aufnahmetest für Feuerwehr: Alle Frauen fielen durch

Vier sind wegen mangelnder körperlicher Eignung durchgefallen. Und das, obwohl das Gleichbehandlungsbüro für sie ein Extra-Training organisiert hatte. 

Die News-Seite nachrichten.at berichtet; der Artkel ist allerdings nur nach Anmeldung lesbar. Freundlicherweise hat mir der Leser, der mich auf diesen Artikel aufmerksam machte, den Beitrag nicht nur in Kopie zukommen lassen, sondern auch für Genderama seinen Inhalt zusammengefasst und kommentiert:

mehr:
- Aufnahmetest für Feuerwehr: Alle Frauen fielen durch (Arne Hoffmann, Die freie Welt, 16.10.2014)
Zitat:
Kritik übt auch der Linzer Feuerwehrreferent Stadtrat Detlef Wimmer (FPÖ). Allerdings an dem “Spezialtraining”, das die weiblichen Bewerberinnen an drei Tagen mit Unterstützung eines vom Gleichbehandlungsbüro zur Verfügung gestellten Trainers absolviert hätten. Männer, die mittrainieren wollten, seien abgelehnt worden. Das widerspreche der Gleichbehandlung und sei der Grund, warum sich ein Linzer Model, das auf einem Plakat der Stadt Linz für die Berufsfeuerwehr wirbt, mittlerweile öffentlich davon distanziert habe.

dazu paßt:
- “Opferwettbewerb” (Die Freie Welt, 15.10.2014)
Dass inzwischen auch immer mehr Männer über ihre Anliegen und Diskriminierungserfahrungen berichten, entgeht dem feministischen Lager selbstverständlich nicht. 

Und die Reaktion dort ist vorhersehbar: Equity-Feminismus mit einem Engagagement für beide Geschlechter? Im deutschsprachigen Raum? Komplett utopisch! Die Forderungen müssen selbstverständlich abgewehrt, die gesellschaftlichen Ursachen für die Benachteiligung von Männern vernebelt werden. Auch wenn die betreffende Feministin sich damit genau so verhält, wie sie es in ihrem Feindbild von “patriarchalen Paschas” immer phantasiert hat.

Elfriede Hammerl zum Beispiel gibt sich in dieser Hinsicht alle Mühe.

Beide Beiträge erschien auch auf: genderama.blogspot.de

Vor 600 Jahren – Um 1400: Freibeuter befahren Ost- und Nordsee

Die Schrecken der Meere 

Um 1400 machten Seeräuber die Ost- und Nordsee unsicher. Sie nannten sich selbst »Vitalienbrüder« und hatten es vor allem auf die Schiffe der Hanse abgesehen, die gewöhnlich mit wertvoller Ladung unterwegs waren. Die erbeuteten Waren konnten die Freibeuter ganz legal auf der Insel Gotland und in anderen unter schwedischer Herrschaft stehenden Gebieten verkaufen, denn der König von Schweden hatte den Freibeutern sogenannte Kaperbriefe ausgestellt. 
Seegefecht zwischen den Hamburger Schiffen und den Vitalienbrüdern
(Gemälde von Olaf Rahardt, 2000)
Doch die Hanse und insbesondere die Stadt Hamburg machten schließlich mobil gegen die lästigen Seeräuber, zu deren Kapitänen auch der legendenumwobene Klaus Störtebeker gehörte. Im April 1401 stellte eine hamburgische Flotte die Piraten vor Helgoland, wo sie Unterschlupf gefunden hatten. Es entbrannte ein heftiges Seegefecht, das mit dem Sieg der Hanseaten und der Gefangennahme der Seeräuber endete. Störtebeker und seine Kumpane wurden nach Hamburg gebracht und dort vermutlich im Oktober 1401 öffentlich enthauptet. Neuere historische Erkenntnisse legen allerdings nahe, dass Störtebeker noch im Jahr 1413 gelebt haben könnte. 

Kaperbrief 
 ▪︎ von einer Regierung ausgestelltes Dokument 
 ▪︎ berechtigt Privatpersonen zur Kaperfahrt 
 ▪︎ erlaubt das Ausrauben und Versenken von Schiffen anderer Nationen 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Heute vor 45 Jahren – 15. Oktober 1969: Vietnam Moratorium Day in den USA

»Give peace a chance!« 

Bis Herbst 1969 waren in Vietnam bereits 45.000 amerikanische Soldaten gefallen – immer schrecklichere Details über das Leid der Zivilbevölkerung im Kriegsgebiet wurden bekannt. Am 15. Oktober 1969 kulminierte der Protest gegen den Krieg im fernen Asien in der bis dahin größten Demonstration der US-Geschichte: In allen Teilen des Landes artikulierten Millionen Menschen in Hunderten von Demonstrationen und Veranstaltungen ihre Forderung, den Krieg zu beenden. 
Teilnehmer der Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg
im Bryant Park in New York, 15.10.1969
War der Protest gegen den Krieg bis dahin vornehmlich eine Angelegenheit der Jugend und der Studenten gewesen, führte dieses »Vietnam Moratorium«, der »M-Day«, erstmals auch viele Angehörige der amerikanischen Mittelklasse und Menschen fortgeschrittenen Alters auf die Straße. In Washington, D.C., Boston und New York fanden die größten Kundgebungen statt. Präsident Richard Nixon (1969-74) saß derweil im Weißen Haus und sah sich einen Sportwettkampf im Fernsehen an. Zwar kündigte er an, dass die US-Truppen aus Vietnam abgezogen würden, doch erst 1973 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. 

Was am 15. Oktober noch geschah: 
 1940: In den USA kommt Charlie Chaplins Hitlersatire »Der große Diktator« in die Kinos. 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Protesting The War: The Anti-Vietnam War Movement [9:33]

Hochgeladen am 22.03.2008
A video I did for National Jr. Honor Day. I won 1st place in my division and am going on to state.
I Blocked out my name, but when i did that I had to use a separate program and it messed up the sound for that part. And It is wide screen.

Richard Nixon 1969 Great Silent Majority [0:57]

Hochgeladen am 21.05.2007
The most successful speech of the Richard Nixon presidency.

Is it always right to be right.MPG [7:41]

Hochgeladen am 28.02.2011



The Great Dictator - complete globe scene [3:43]

Veröffentlicht am 13.03.2014 Charlie Chaplin plays the flamboyant dictator of Tomania

Greatest Speech Ever Made Charlie Chaplin The Great Dictator W/Time Inception Full HD Best Version [4:38]

Veröffentlicht am 23.04.2012
If you like it, support it -
The movie that this speech is from is "The Great Dictator"
http://www.amazon.com/The-Great-Dicta...

The background music is "Time" composed by Hans Zimmer from the Inception Soundtrack
http://www.amazon.com/Inception-Hans-...

I know there are many versions of this clip floating around the net (and thankfully so for this speech should be shared), and though most of them are of good quality, I made this one with the intent of creating a higher quality version.

I added the music, very simply, because I like it. I feel it fits perfectly. I don't take credit for the idea, I just wanted to improve on it.

That said, I am never going to add clips to this speech.
I've seen so many versions where people have added movie and news clips in an attempt to increase the impact of this speech, or to promote their political views, and the result is always the same-
It SUCKS!! (except for the Star Wars Version- that was pretty cool)
http://youtu.be/ATJaT8P6mSE

If I were to add any images to this video, your thoughts would be limited to the visuals attached to it.
This speech is a treasure to find and a gift to give because it can connect to people from all walks of life. I'm not going to take away from the meaning by pushing my thoughts, beliefs or grudges on you or anyone else.
Think for yourself and create your own personal connection to this.

Believe in more than you see, and a new world will appear before you.

(5/7/13) -
For all the purists, I have finally completed and posted the "non-musical" version of this speech in it's entirety.
http://youtu.be/TQU9J2ssOF8

Dienstag, 14. Oktober 2014

»... und sofort sind Sie ein Rassist«

Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln über die Folgen der islamischen Zuwanderung
Erfrischend und unterhaltsam war die Buchvorstellung von Heinz Buschkow-skys neuem Werk „Eine andere Gesellschaft“ in der Berliner Urania. Im Unterschied zur Vorstellung seines Erstlingswerks „Neukölln ist überall“ im Jahr 2012 ebenfalls in der Urania fehlten diesmal linke Krawallmacher vor der Tür. Der große Saal war gut gefüllt, allerdings nur mit vorwiegend älterem deutschen Publikum. 
Das Gespräch auf der Bühne mit dem wackeren Neuköllner Bezirksbürgermeister und Sozialdemokraten führte diesmal die Fernsehjournalistin Düzen Tekkal. Sie ist in Hannover geboren, kurdisch-jesidischer Herkunft und hat sich bereits mehrfach in Fernsehbeiträgen ohne Scheuklappen mit Integrationsproblemen bei muslimischen Zuwanderern befasst. Titel ihrer Beiträge lauteten etwa „Schattenjustiz in Deutschland – wie sogenannte Friedensrichter bei Verbrechen unter Muslimen schlichten“, „Vielweiberei mitten in Deutschland – wie sich viele Migranten die Kosten ihrer Mehrfachehe über Hartz IV bezahlen lassen“ oder „Ehrenmord an homosexuellem Türken“. Kurz vor der Buchvorstellung mit Buschkowsky war Tekkal noch bei Dreharbeiten im syrisch-irakischen Grenzgebiet, um über das Morden der Terrormiliz Islamischer Staat und das Schicksal der Flüchtlinge zu berichten. Düzen Tekkal hat als drittes von elf Kindern („Meine Eltern haben tatsächlich eine Fußballmannschaft großgezogen“) den Universitätsabschluss geschafft. „Auch mein Ticket zur Freiheit war die Bildung“, erklärte sie in der Diskussion mit Buschkowsky über die Schulprobleme von Zuwandererkindern. 
mehr:
- »... und sofort sind Sie ein Rassist« (Preußische Allgemeine, 13.10.2014)

„Kein Islam ohne Islamismus“

Ist der Islam friedlich oder stiftet er zur Gewalt an? Über diese Frage streiten sich der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor 

 LAMYA KADDOR legte soeben gemeinsam mit Michael Rubinstein „So fremd und doch so nah – Juden und Muslime in Deutschland“ vor. Sie schrieb auch „Muslimisch, weiblich, deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam“ und gab, gemeinsam mit Rabeya Müller, einen „Koran für Kinder und Erwachsene“ heraus. Sie ist Gründungsmitglied und Erste Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes e. V. und lehrte am „Centrum für Religiöse Studien“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

 HAMED ABDEL-SAMAD gab im Juli 2014 bekannt, dass er Deutschland nach 19 Jahren verlassen werde: „Deutschland wird immer ungemütlicher für Menschen wie mich. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Warnung. Ja, ich bin müde geworden und kann den Druck nicht mehr aushalten.“ Im Sommer 2013 erließ ein ägyptischer Geistlicher einen Mordaufruf nach einem islamkritischen Vortrag Abdel-Samads in Kairo. Der Autor ( u. a. „Der islamische Faschismus“, „Mein Abschied vom Himmel“) habe den Propheten beleidigt
mehr:

Ärztliche Unabhängigkeit

Wer den ersten Entwurf des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes (GKV-VSG) liest, erkennt gleich: Dieses Gesetz hat es in sich. Terminmanagement, MVZ, Sek­tionierung der KBV, Aufkauf von Arzt­sitzen: Bundes­gesundheits­minister Hermann Gröhe (CDU) will gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Was kommt da auf die Nieder­gelassenen zu? Der änd [Ärztenachrichtendienst, Anmerkung von mir] sprach mit Wieland Dietrich, dem Vorsitzenden der Freien Ärzteschaft (FÄ) darüber.
mehr:

mein Kommentar:
medial präsentierbarer Politbürokratie-Aktionismus, der auf dem Rücken von Ärzten und Patienten ausgetragen wird, wie gewohnt alternativlos, und es interessiert wieder keinen.

 Dafür erzählt uns bei BILD Kurden-Chef Barzani, daß die Menschen vor den ISIS-Monstern gerettet werden müssen, Angela Merkel wird von einem Islamisten aus Nordrhein-Westfalen bedroht, bei Mesut Özil wird schmutzige Wäsche gewaschen, und Milo Moiré präsentiert Nacki-Ei-Kunst. Oh ja: und Franz Beckenbauer erzählt uns, wie wir aus dem WM-Loch wieder rauskommen. Wichtig, heute abend ist ja das Spiel!!

Geschichtsfrage: DDR-Kino






Montag, 13. Oktober 2014

Ebola – Update

Eine Reihe von Lesern haben Berichte darüber gelesen, dass die CIA in Westafrika gerade vor dem Ebola-Ausbruch besonders aktiv war, andere haben Berichte gelesen, nach denen der neue Ebola-Stamm eine zur Waffe umgemodelte Version ist, die auch über Luft und Oberflächenkontakt verbreitet wird. Einige Leser verlangen von mir, dass ich diese Berichte bestätige oder widerlege, andere wollen wissen, ob das Eine Prozent oder die Bilderberger damit begonnen haben, die überzählige Bevölkerung auszurotten.

mehr:
- Ebola - Update (Paul Craig Roberts, Kritisches Netzwerk, 12.10.2014)


Kommentar von mir:
Ich hab’s, seitdem ich mich intensiver mit der Ukraine-Krise beschäftige, befürchtet: ich rutsche allmählich in die Nähe von Verschwörungstheorien.
Aber dieser Paul Craig Roberts weiß wesentlich mehr als ich und scheint ein sehr seriöser Mann zu sein…

siehe auch:
- In Amerika gibt es kein Recht mehr: die Ausrottung der Wahrheit (Paul Craig Roberts, antikrieg.com, 21.01.2013)

Rudolf Franz, ein Unabhängiger

Gerhard Engel hat eine lesenswerte Biographie des Journalisten Rudolf Franz vorgelegt. Er war Mitglied des Spartakusbundes, wandte sich der KPD zu, blieb unbestechlich.

Rudolf Franz, heute ein Unbekannter, wurde 1882 in einer bildungsbürgerlichen, nationalliberalen Familie geboren. Der Vater war Gymnasialdirektor und Literaturwissenschaftler. Es war die Zeit, in der die Arbeiterbewegung sich entfaltete, zugleich Kampf- und Erziehungsbewegung wurde, in der die deutschen Arbeiter aus einer Klasse an sich zu einer Klasse für sich wurden. So zog sie die Klügsten und Weitsichtigsten aus dem Bürgertum an. Zu diesen gehörte Franz. Über ihn hat der Historiker Gerhard Engel eine sehr lesenswerte Biographie verfasst, in der er die Stationen des Wirkens von Franz als Journalist der Arbeiterbewegung anschaulich und akribisch nachzeichnet sowie dessen vielseitige Interessen und umfassende Bildung verdeutlicht.
mehr:
- Arbeiterbewegung - Ein Unabhängiger (junge Welt, 12.10.2014)

Heute vor 65 Jahren – 13. Oktober 1949: Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes

» Parlament der Arbeit« gründet Dachverband 

Nur wenige Monate nach der Proklamation des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 kamen in München die Vertreter von 16 Branchengewerkschaften mit insgesamt etwa 5 Mio. Mitgliedern zusammen, um einen Dachverband zu gründen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wurde am zweiten Tag des Treffens gegründet, am 13. Oktober 1949. Der Kongress, auch Parlament der Arbeit genannt, wählte schließlich den 74-jährigen Hans Böckler zum ersten DGB-Vorsitzenden.
Gründungstagung des Gewerkschaftsbundes
im Deutschen Museum in München, Oktober 1949
Der demokratisch organisierte Dachverband sollte das politische Sprachrohr der freien Gewerkschaften in Westdeutschland sein. Das Prinzip der Einheitsgewerkschaft wurde damit zum programmatischen Grundsatz aller Einzelgewerkschaften, die jedoch ihre Autonomie behielten. In der Gründungsphase trat der DGB – wie auch die Mehrheit der großen Parteien und weite Teile der Bevölkerung – für die Überführung der Schlüsselindustrien in Gemeineigentum ein. An den Leitsätzen des Gründungskongresses hielt der Gewerkschaftsbund bis 1963 fest.

Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) 
▪︎ Dachverband der Gewerkschaften der DDR
▪︎ gegründet im Februar 1946
▪︎ vertrat 15 Gewerkschaften

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

siehe auch:
- Bürgerliche Sozialreform nach 1945 (Hans Günter Hockerts in »Weder Kapitalismus noch Kommunismus«, gefunden bei Uni München)
 

Sonntag, 12. Oktober 2014

Beschwiegene Verbrechen

Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch die Rote Armee sind kein öffentliches Thema

Als ich beim Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Kassel mein Buch „,Frau, komm!‘ Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45“ signierte, flüsterte mir eine ältere Frau zu: „Mir ist das als Elfjähriger widerfahren.“ Was sagt man in einem solchen Augenblick zu einem solch schrecklichen Bekenntnis? Mir ist leider in dieser unvorhergesehenen Situation kein passendes oder tröstendes Wort eingefallen. Ich habe diesem Opfer von Gewalt nur die Hand ge­drückt. Das war nicht viel.


Dagegen war es viel, dass jene Frau überhaupt – wenn auch nur in einem einzigen Satz – über ihre Vergewaltigung gesprochen hat; denn es gibt kein Verbrechen, das so beschwiegen wird, wie die massenhaften Vergewaltigungen, die 1944/45 vor allem in Ostpreußen, aber nicht nur dort, geschehen sind. Wie ist diese Sprachlosigkeit zu erklären? Die Opfer schweigen vermutlich aus Scham, obwohl kein Grund vorhanden ist, sich für das an ihnen begangene Verbrechen zu schämen. Nicht die Opfer, sondern die Täter müssen sich schämen. Aber die Täter schweigen: Eine wehrlose Frau oder ein elfjähriges Kind zu vergewaltigen war keine Heldentat.


mehr:
- Beschwiegene Verbrechen (Preußische Allgemeine Zeitung, 11.10.2014)
Zitat:
Zu der Konferenz „End Sexual Violence in Conflict“, die im Juni in London stattfand, schickten die USA und Großbritannien ihre Außenminister und die Vereinten Nationen Angelina Jolie als Sonderbotschafterin. Die Bundesrepublik Deutschland hielt sich, wie in einem Pressebericht zu lesen war, „mit einer Abteilungsleiterin im Hintergrund“; in Berlin sorge man sich, dass die von sexueller Gewalt Betroffenen „zu sehr als Opfer gesehen werden“ 


Heute vor 123 Jahren – 12. Oktober 1991: Edith Stein wird geboren

Eine Heilige, die ihr Ende in Auschwitz fand 

»Es geht nach Osten«, schrieb Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz am 7. August 1942 während ihrer Deportation nach Auschwitz. Die Nonne, mit bürgerlichem Namen Edith Stein, war in Holland während einer Razzia gegen Katholiken jüdischer Herkunft verhaftet worden. Die Priorin ihres eigenen Klosters hatte den Nationalsozialisten verraten, dass die Schwester jüdischer Abstammung war.

Edith Stein wurde 1891 als Kind jüdischer Eltern in Breslau geboren und ließ sich 1922 aus Überzeugung katholisch taufen. Sie studierte Philosophie und promovierte beim berühmten Philosophen Edmund Husserl. Bis 1931 war sie Lehrerin in Speyer, danach Dozentin für Pädagogik in Münster. Diese Tätigkeit wurde ihr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft verboten. Sie entschied sich, ins Kloster der Karmeliterinnen in Köln einzutreten. Mehrfach versuchte sie ab 1933, Papst Pius XI. zu einer Stellungnahme gegen den Antisemitismus der Nationalsozialisten zu bewegen. 1939 floh Edith Stein nach Holland ins Kloster in Echt. Bis sie verraten wurde, lebte und arbeitete dort auch ihre Schwester Rosa, die gemeinsam mit ihr deportiert wurde. In der Gaskammer von Auschwitz-Birkenau wurden Rosa und Edith am 9. August 1942 ermordet. Edith Stein wurde 1987 von Papst Johannes Paul II. selig- und 1998 heiliggesprochen. Sie ist damit die erste geborene Jüdin in der Kirchengeschichte, die heiliggesprochen wurde.
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Erinnerungen an Edith Stein [5:13]

Veröffentlicht am 21.08.2012 
Am 9. August jährt sich der Todestag von Schwester Theresia Benedicta vom Kreuz - ehemals Edith Stein - zum 70. Mal. Der Karmel in Köln begeht eine Edith-Stein-Woche mit Gottesdiensten, Vorträgen und einer Ausstellung über die Kölner Märtyrer des 20. Jahrhunderts.

Heute vor 1848 Jahren – 12. Oktober 166: Rom feiert die Sicherung der Ostgrenze des Reiches

Triumph für den» Pater Patriae« 

Im 1. vorchristlichen Jahrhundert entwickelten sich die Parther zu Rivalen Roms. Das Reich des iranischen Reitervolks erstreckte sich im Osten bis zum Hindukusch, im Westen bis an den Euphrat in Mesopotamien. Da der Euphrat zugleich die Ostgrenze des Römischen Reiches bildete, fanden dort eine Reihe von militärischen Konflikten statt, die als Partherkriege (53 v. Chr.-217 n. Chr.) in die Geschichtsschreibung eingingen. 
 
Torbau zu Ehren von Lucius Verus und Marc Aurel in Tripolis (Foto, 2003)

Den großen Partherkrieg von 161 bis 166 führte auf römischer Seite der Feldherr und Kaiser Lucius Verus. Anlass für den Waffengang war die Intervention des parthischen Königs in Armenien, das zum Einflussbereich der Römer gehörte. Lucius Verus zog mit seinem Heer nach Syrien und ließ seine Feldherren 163 zunächst Armenien zurückerobern. 165 gelang den Römern die Überschreitung des Euphrats: Sie besetzten mehrere Teile des Partherreichs und drangen schließlich bis in die Hauptstadt Ktesiphon im heutigen Irak vor, woraufhin der parthische König um Frieden bat. Am 12. Oktober 166 zogen die Sieger in einem großen Triumphzug durch Rom. Lucius Verus trug fortan den Titel »Pater Patriae« – Vater des Vaterlands. 

Lucius Verus (130-169) 
▪︎ römischer Kaiser 161-69, gemeinsam mit Mark Aurel 
▪︎ erhielt das Kommando über die Armee im Osten 
▪︎ führte ein glamouröses Leben 

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Samstag, 11. Oktober 2014

Renaud face à son mal de vivre

Depuis une heure, ce vendredi 27 juin, le concert d’Indochine bat son plein au Stade de France. Nicola Sirkis lance aux 60 000 personnes présentes : «Il y a un chanteur qui est assis là-bas. Quand j’avais quinze ans, j’ai volé pour aller pour le voir. Je voudrais juste lui faire un petit clin d’oeil.» Seul au piano, Nicola chante quelques couplets d’«Hexagone». Engoncé dans son siège, les yeux rougis par l’émotion, Renaud, barbe touffue, l’air hagard, fume une cigarette et ne bouge pas. Les spectateurs, eux, l’ovationnent. Car la présence de Renaud en public est, hélas, trop rare. Retiré du monde depuis 2011, le chanteur énervant vit désormais seul entre Paris et L’Isle-sur-la-Sorgue, dans la maison de son oncle qu’il a retapée. L’actuel succès de la compilation «La bande à Renaud» (100 000 exemplaires vendus en deux semaines) doit lui mettre un peu de baume au coeur. Mais de cela, mister Séchan n’en parle pas. Il est inscrit aux abonnés absent, ne retournant pas les appels. Seul Alain Lanty, son pianiste, orchestrateur du projet «La bande à Renaud», s’exprime : «Renaud va bien. Il se repose.» Mais la réalité n’est pas tout aussi rose.
mehr:
- Renaud face à son mal de vivre (Paris Match, 03.07.2014)

Renaud concert FIP 2007 [1:46:45]

Hochgeladen am 18.04.2011

Renaud
Concert FIP
Décembre 2007

1 - Interview
2 - Malone
3 - Marchand de cailloux
4 - 500 Connard sur la ligne de départ
5 - Docteur Renaud, mister renard
6 - La ballade Nord-Irlandaise
7 - Arrêter la clope
8 - Elle est facho
9 - Elsa
10 - Dans la jungle
11 - Manhattan-Kaboul
12 - La pêche à a ligne
13 - Mort les enfants
14 - La médaille
15 - Les cinq sens
16 - Dylan
17 - Miss Maggie
18 - En cloque
19 - Mistral Gagnant
20 - Rien à te mettre (Avec Benoit Dorémus)
21 - Hexagone
22 - Son bleu
23 - Dès que le vent soufflera
24 - Rouge sang

Freitag, 10. Oktober 2014

Redewendung: »wie gerädert«

Ein biegsamer Tod 

 Das Rädern war eine im Mittelalter und in der frühen Neuzeit praktizierte Form der Hinrichtung, die wenig zimperlich mit dem Delinquenten umging. Meistens traf sie Mörder, aber zuweilen auch »gotteslesterer, straszenreuber und andre grosze uebelthetter«. Es sind deutliche landschaftliche Unterschiede in der Praxis des Räderns überliefert. In der Regel spielte sich die Folterung und Tötung in zwei Stufen ab, das Rad fand dabei als Folter- und Tötungsinstrument Verwendung.
[Quelle: Hexen, Manfred Gößwein]
 Der Verurteilte wurde auf dem Schafott fixiert, bevor der Scharfrichter das Richtrad ins Spiel brachte. Er begann, das schwere Rad, das an der Kante eiserne Beschläge oder Zacken trug, auf den Körper des Unglückseligen fallen zu lassen. Beginnend bei den Beinen arbeitete er sich über die Arme zum Leib vor und brach dem Verurteilten auf diese Weise fast sämtliche Knochen. Das Ziel der Tortur waren Qualen, nicht der Tod. In der zweiten Stufe wurde das Opfer, die gebrochenen Glieder machten es möglich, auf das Rad geflochten. Das Rad wurde aufgerichtet und der Verurteile sodann enthauptet, erdrosselt oder verbrannt.
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Ein kurzer Kommentar zu fast allem

Anlaß für diesen Kommentar ist die neueste Meldung aus der Ukraine:
- Wer sabotiert die Aufklärung der Maidan-Todesschüsse? (Ulrich Heyden, Telepolis, 09.10.2014)
Valentin Naliwajtschenko, Chef des ukrainischen Geheimdienstes gab sieben Monate nach den Todesschüssen auf dem Majdan die Verhaftung von vier ehemaligen hochrangigen SBU-Offizieren bekannt, was von der Generalstaatsanwaltschaft demeniert wurde: Niemand sei in Haft. 

Ich weiß nicht, welchen Äußerungen von wem in der Ukraine man je hat trauen können. Entweder ich habe das Gefühl, da redet einer dummes Zeug 

(Timoschenko: Die acht Millionen Kazap [abwertende Bezeichnung von Russen] solle man »mit Atomwaffen erschießen.« 
[siehe Abgehörtes Timoschenko-Telefonat: "Dem Drecksack in die Stirn schießen"Benjamin Bidder, SPIEGEL Online, 25.03.2014])
 oder jemand lügt 
(Büro des Präsidenten Poroschenko: Nachdem dort eine russische Militärkolonne die Grenze durchbrochen hat, meldet die ukrainische Armee nun, die meisten Fahrzeuge der Kolonne seien zerstört worden. [Konflikt um Grenzverletzung: Ukraine meldet Angriff auf russischen MilitärkonvoiSPIEGEL Online, 15.08.2014, auch 
Kiew hält die Welt zum Narren, Propagandaschau, 15.08.2014])
 oder jemand lügt und spinnt gleichzeitig 
(ukrainischer Verteidigungsminister Walerij Geletej: Flughafen der ostukrainischen Stadt Luhansk sei möglicherweise mit nuklearen Gefechtsköpfen von einem Granatwerfer des Typs "2S4 Tjulpan" beschossen worden. 
Facebook-Propaganda: Kiews Verteidigungsminister erntet Spott für Bericht über Atomschlag, SPIEGEL Online, 22.09.2014, 
siehe auch 
Ukrainische Propaganda, Wikipedia).


Einer der maßgeblichen Akteure bei der Öffentlichkeitsarbeit der Regierung in Kiew ist das Ukraine Crisis Media Centre, das von verschiedenen PR-Agenturen finanziert wird, unter anderem vom amerikanischen Investor George Soros. Das Netzwerk, das Journalisten mit Informationen versorgt, ist überzeugt, dass „die Ukraine das Opfer einer ‚russischen Aggression‘ [ist] und die Behauptung einer rechtsradikalen Gefahr durch die neue Regierung Teil der russischen Propaganda“ sei.[484]
 (Krieg in der Ukraine seit 2014, Ukrainische Propaganda, Wikipedia)

Einen Staat, der solche Leute an seiner Spitze hat, will ich nicht in der EU haben. Für diesen Staat will ich auch nicht meine Kinder in den Krieg schicken. Für dieses Land will ich auch nicht viel Geld ausgeben, das landet sowieso nur bei den Oligarchen. Und für Medien, die jede ukrainische Aufgeregtheit als neuste Katastrophen-Meldung verkaufen, für die der böse Putin verantwortlich ist, will ich auch kein Geld ausgeben.

Zitat aus Realsatiriker Josef Joffe gibt Zugabe (Markus Kompa, Telepolis, 07.10.2014):

»Wir leisten uns den teuersten Rundfunk der Welt, weil wir keinen Volksempfänger, sondern unabhängigen Journalismus wollen - so jedenfalls der verfassungsgemäße Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. […] So machte der mit ca. einer halben Million Euro/Jahr an GEZ-Geldern ausgestattete heutige WDR-Intendant Tom Buhrow für die ultrakonservative deutsch-amerikanische Lobby Atlantik-Brücke e.V. 2009 den Festredner, wo er den US-Botschafter lobte, der nicht einmal die Sprache seines Gastlandes spricht. Auch ZDF-Starjournalist Claus Kleber, der ähnlich gut wie Buhrow verdient, ist mit seiner journalistischen Tätigkeit nicht so ausgelastet, als dass er nicht auch Zeit für das Kuratorium der Atlantik-Brücke hätte.«

Sollen die Ukrainer meinetwegen Knüppel, Decken und auch Gulaschkanonen kriegen (Kurdische Kämpfer lernen Umgang mit Bundeswehr-Gulaschkanonen, Hamburger Abendblatt, 09.10.2014), meinetwegen auch Gulaschkanonen, die fliegen können (Bundeswehr will Drohnen in die Ostukraine schicken, ZEIT, 04.10.2014). Aber die Denke dieser Leute ist mir so fremd, daß mir eine Orientierung – auch auf absehbare Zeit hin – völlig unmöglich erscheint.

Man sehe sich »die syrische Opposition« an. Was ist denn draus geworden? Inzwischen haben unsere Medien nicht zwei (böser Assad und gute Opposition) sondern drei Parteien in Syrien ausgemacht (böser Assad, böse islamische Opposition, die mit der IS gemeinsame Sache macht und wahrscheinlich gute pro-westliche Opposition). (US-Krieg gegen IS stärkt das Assad-Regime, Florian Rötzer, Telepolis, 09.10.2014) Na, dann kann ja die Suche nach den Verantwortlichen für die Giftgas-Angriffe von Neuem beginnen. (Giftgasangriff von Ghuta, Wikipedia) 

Auch mit der Türkei wird man irre: die Kurden sollen unterstützt werden, weil die gegen den IS kämpfen, aber von Erdogan wird die PKK weiterhin als terroristische Vereinigung eingestuft. Wie wär’s, wenn von der Leyen ein Gulasch-Kanonen-Drohnen-Bataillon aufstellt und den IS ferngesteuert mit Schweinehack beschießen ließe?

Und Transatlantiker Josef Joffe darf, nachdem er gegen Die Anstalt eins draufgekriegt hat (Realsatiriker Josef Joffe gibt Zugabe, Markus Kompa, Telepolis, 07.10.2014) einen neuen Profilierungsversuch unternehmen und in seinem Blatt die moralische Trommel rühren:

- Der Sklavenstaat – Ein UN-Bericht brandmarkt den IS-Terror gegen Muslime (ZEIT Online, 09.10.2014)
Glaubt er wirklich, daß dieses »Wir sind die Guten, da sind die Bösen«-Gebrabbel noch zieht? (Der Artikel ist sinnigerweise unter der Rubrik »Zeitgeist« erschienen.) Ich habe dieses Gutmenschentum satt, ich will Realität! 

Realität in Deutschland ist, daß vier bis dahin erfolgreiche Steuerfahnder, die sich mit Liechtensteiner Schwarzgeld-Konten befaßten, 1999 per Gefälligkeitsgutachten für paranoid erklärt und in den Zwangs-Ruhestand versetzt wurden und der Fall 15 Jahre später noch nicht aufgeklärt ist. (Steuerfahnder-Affäre, Wikipedia; Artikelsammlung bei Rudolf Schmenger) 


Realität in den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist, daß der Botschafterposten der Amis in Deutschland käuflich ist und der Botschafter noch nicht einmal der deutschen Sprache mächtig zu sein braucht. [William Timken, Wikipedia] 
Realität in den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist, »dass von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland Einsätze bewaffneter ferngesteuerter Luftfahrzeuge weder geflogen noch befehligt werden«, wie die US-Regierung der deutschen versichert hat, aber das Gegenteil der Fall ist. (Drohnenkrieg der USA »Ohne Ramstein wäre das unmöglich«, Tagesschau, 03.04.2014; siehe auch: Drohnenopfer verklagen Bundesregierung UPDATE, Telepolis, 16.10.2014; Der Tod kam auch aus Ramstein, Telepolis, 17.10.2014)

Rise Up Against Saddam Hussein - Three Kings Scene [2:21]


Hochgeladen am 05.01.2011
A scene from the movie Three Kings in where George Clooney attempts to acquire automobiles belonging to the disbanded Iraq military

Realität im Irak ist, daß in zehn Jahren Krieg 1,5 Millionen Menschen durch direkte Gewalteinwirkung zu Tode gekommen sind. (Body Count - Opferzahlen nach 10 Jahren Krieg gegen den Terror, AGFriedensforschung Kassel, 18.05.2012; Beachte: nicht mitgezählt sind die durch Flucht, Hunger und medizinische Mangelversorgung Gestorbenen. Beachte auch: »Trotzdem beziehen sich fast alle Medien bezüglich der Opferzahlen im Irak bis heute auf den Irak Body Count, ein Projekt das weniger als 10% der Kriegsopfer registriert.«
Laut UN-Bericht sind durch den Vormarsch des IS in acht Monaten 24.000 Zivilisten ums Leben gekommen. Das sind hochgerechnet auf ein Jahr 36.000 Tote. Da muß sich der IS aber ranhalten, um an den Irak-Krieg heran zu kommen. Zynisch? Ja!

Are We Shooting? - Three Kings [1:13]


Hochgeladen am 27.09.2008
Scene From Three Kings

Zynische Realität in den USA ist, daß im Zeitraum von 1900 bis 1985 in den USA 350 Menschen zum Tode verurteilt [wurden], deren Unschuld später bewiesen wurde. Bei 23 von ihnen wurde erst postum die Unschuld festgestellt.[7] (Quelle: Amnesty International, zitiert in Todesstrafe in den Vereinigten Staaten, Wikipedia) Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 sind in den USA 22 Menschen hingerichtet worden, die zur Tatzeit unter 18 Jahre alt waren. (Todesstrafe in den Vereinigten Staaten, Wikipedia) 
Zynische Realität ist weiterhin, daß es »nach Zählungen des Death Penalty Information Center seit 1976 bei mindestens 44 Hinrichtungen ernsthafte Probleme gab« (117 Minuten Todeskampf nach Giftspritze, Bild, 10.10.2014), allein 2014 kämpften drei Verurteilte 25, 43 und 117 Minuten mit dem Tod. (Verunglückte Hinrichtungen – Wenn die Giftspritze zum Folterinstrument wird, Focus, 24.07.2014)

3sat Kulturzeit: Gespräch mit Horst-Eberhard Richter über den Film Dead Man Walking [11:47]


Hochgeladen am 23.02.2012

Zynische Realität in unserer westlichen Welt ist, daß Jean Ziegler (Jean Ziegler, ein wahrhaftiger Mensch, Post vom 10.09.2013), ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, 2008 bis 2012 und seit 2013 wieder Mitglied des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrates der UN, der behauptet, daß alle fünf Sekunden ein Kind an Hunger stirbt und daß jedes dieser Kinder ermordet worden ist („Ich bin so radikal, weil ich die Opfer kenne“, Tagesspiegel, 07.01.2013), wegen seiner Äußerungen von Privatleuten und Institutionen mit Klagen überzogen, 2011 mit 6 Millionen EUR in die Privatinsolvenz ging.

Zynische Realität in unserer westlichen Welt ist, daß das hinter verschlossenen Türen verhandelte (»Freiheit und Demokratie!«, juchuu) Transatlantische Freihandelsabkommen unter anderem die Privatisierung der Wasserversorgung ermöglichen (das ist euphemistisch formuliert!!) soll (Wasser wird Ware, junge Welt, zitiert nach AG Friedensforschung, 09.12.2013), ein Vorhaben, das unter Garantie keine Verbesserungen sondern den Bürger nur mehr Geld kosten wird. 

(Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen, Post vom 16.02.2013, Braunschweig: Stadt muß Verdopplung der Schulden durch Privatisierung einräumen, Piratenwiki, 06.06.2013; »Water makes Money«, Neue Rheinische Zeitung; Water Makes Money, Wikipedia) 

Realität ist, daß Realität in unseren Medien nicht (mehr) abgebildet sondern, nach Interessengesichtspunkten verzerrt, verkauft wird. 

Realität ist, daß unsere Leitmedien zunehmend durch US-amerikanische Denke infiltriert werden. 
Realität ist, daß unsere westliche Wirtschaft unsere westliche Demokratie zunehmend aushebelt. 
Realität ist, daß unser freiheitlich-demokratisches Leben immer weniger von ethischen Regeln und immer mehr durch kurzfristige materielle Interessen bestimmt wird. 
Realität ist, daß die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen eine Geschwindigkeit angenommen haben, die besonnenes Nachdenken immer schwieriger macht. 
Realität ist, daß Besonnenheit gefragt ist. Die Frage lautet: Wer interessiert sich für Besonnenheit?

Stoiber 10 Minuten Transrapid [1:16]


Hochgeladen am 17.10.2006
Rede Stoibers zum Transrapid

Through an interpreter, one of his soldiers asked one of the Americans if he believed in God. The American shook his head no and said he didn’t. Overhearing the conversation, Hasanzada quickly ordered the interpreter not to respond. But it was no use: the Afghan soldier had seen the American’s body language and understood. “My soldier got very upset, quit the army within days, and gave his salary to poor local people,” says Hasanzada. “At least he didn’t react with his Kalashnikov.” (aus Afghanistan: ‘Green on Blue’ Killings Explained, Sami Yousafzai, Newsweek, 27.08.2012)

Unverständlich? Wie wär’s, wenn wir die Frage des afghanischen Soldaten an den Amerikaner ein wenig freier übersetzen: »Beruht Dein Handeln auf moralischen Grundsätzen?« oder »Führst Du ein Leben, welches moralischen Grundsätzen gehorcht?« Wäre dann die Reaktion des afghanischen Soldaten nachvollziehbar?


Nach einer Geschichte, die ich gehört (und hoffentlich richtig erinnert) habe, besuchte Präsident Truman den befreundeten James E. Hoover, den Begründer des FBI, der 1956 COINTELPRO institutionalisierte. In Hoovers Bücherregal entdeckte Truman die drei Bände von Marx’ Kapital und fragte Hoover, warum er diese Bücher lese. Hoover soll geantwortet haben: »Man muß kennen, was man bekämpfen will.«


Was wissen wir über den IS? Wer macht sich Gedanken über den IS? 

Wieviel sind uns moralische Grundsätze noch wert? 
Wie unterscheiden sich die moralischen Grundsätze der US-Amerikaner von den moralischen Grundsätzen des IS? (Die Frage meine ich absolut ernst!) 
Oder hat der IS keine Moral? 
Oder haben die US-Amerikaner keine Moral? 

Warum ist der afghanische Soldat gegangen?



aktualisiert am 06.02.2016

Heute vor 25 Jahren – 9. Oktober 1989: Große Montagsdemonstration in Leipzig

»Wir sind das Volk« 

Schon die Friedensgebete der evangelischen Kirche, die seit 1982 regelmäßig in der Leipziger Nikolaikirche stattfanden, waren dem DDR-Regime ein Dorn im Auge. Im Herbst 1989 wurde die Stadt dann die Geburtsstätte und das Zentrum der Montagsdemonstrationen und damit der Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR. Die Staatsmacht reagierte zunächst mit Härte und Ordnungsstrafen auf die Protestzüge, doch statt abzuschrecken, führte die harte Reaktion zu einer weiteren Solidarisierung der Menschen. 
Leipziger Demonstranten mit einem Transparent
»Wir wollen keine Gewalt, wir wollen Veränderungen«, 9.10.1989
Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, gingen die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Demonstranten vor: 150 Verletzte auf beiden Seiten waren die Bilanz. Für die Demonstration am 9. Oktober zog die Regierung Tausende Sicherheitskräfte zusammen. Bekannte Bürger der Stadt riefen zur Besonnenheit auf, doch niemand wusste, was an diesem Abend geschehen würde. 70.000 Menschen versammelten sich, zogen über den Innenstadtring, forderten »freie Wahlen« und »Veränderungen«. Die große Menschenmenge ließ das Regime von einem Einschreiten absehen. Alles verlief friedlich. Einen Monat später fiel die Mauer. 

Zitat Kurt Masur 
»Ich weiß von vielen Menschen, die alles riskiert haben, die sich von ihren Eltern verabschiedet haben an diesem Tag.« (Kurt Masur, Wikipedienberg – Abenteuer Geschichte 2014
Am 9. Oktober 1989, dem Tag der Leipziger Montagsdemonstrationen, gehörte Masur zu den sechs prominenten Leipzigern (neben den Sekretären der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen und Stasi-Mitarbeiter Peter Zimmermann), die den Aufruf Keine Gewalt! verfassten. Dieser Aufruf wurde während der Demonstration mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks verbreitet und trug so maßgeblich zu deren friedlichen Ablauf bei. Am 27. Dezember 1989 wurde Masur erster Ehrenbürger der Stadt Leipzig nach der politischen Wende in der Deutschen Demokratischen Republik. 2014 erhielt Masur für seine Engagement bei der Friedliche Revolution die Goldene Henne in der Kategorie "Politik".[12] (Kurt Masur, Wikipedia)