Mittwoch, 25. März 2020

Wie aussagekräftig sind die Corona-Tests?

Ist der Corona-Test so zuverlässig wie oft gesagt wird? Sind die derzeitigen Zahlen zur Epidemie valide genug, um die damit einhergehenden Maßnahmen zu rechtfertigen? Eine Kollegin hat dazu einige Daten zusammengetragen und vertritt eine andere Sichtweise als die Mehrheit.

Ein aktuell zunehmend diskutiertes Problem ist die möglicherweise hohe Fehlerrate der PCR‑Tests. Eine Validierungsstudie, deren Ergebnisse ein chinesisches Forschungsteam Anfang März in der Fachpresse publizierten, ergab eine Falsch-Positiv-Rate von mindestens 50%, potenziell sogar von 80%.[1]

Bei den in Deutschland verwendeten Tests ist die genaue Fehlerrate unbekannt, da für diese keine Validierungsstudien existieren. Daher sind die Tests amtlich auch nicht validiert, sondern lediglich von miteinander kooperierenden Instituten "befürwortet" worden.2 Laut der Originalpublikation der Entwickler wurde der Test in einem Schnellverfahren in Abwesenheit originaler Patientenproben oder SARS‑CoV‑2-Isolate erarbeitet.[3] Design und Validierung wurden stattdessen durch die genetische Verwandtschaft mit dem SARS‑CoV (von 2003) ermöglicht, unterstützt durch Anwendung der synthetischen Nukleinsäuretechnologie.


Die Frage nach der Kausalität

Die nächste Hürde besteht darin, dass die PCR ein indirektes Testverfahren darstellt, welches lediglich anzeigt, ob eine Person Kontakt mit einem Erreger hatte. Dies bedeutet nicht automatisch, dass diese Person auch Krankheitssymptome entwickelt oder gar verstirbt. Was ein positiver Test also nicht beantworten kann, ist die Frage nach Ursache oder Nebensache, ob die Menschen also durch oder mit SARS-CoV-2 verstorben sind.

Dies wäre aber eine entscheidende Frage. Eine Untersuchung der medizinischen Aufzeichnungen durch das Istituto Superiore di Sanità (italienische Gesundheitsbehörde oder ISS) ergab, dass das mediane Alter positiv getesteter Verstorbener bei 80,5 Jahren liegt und es bis dato (Stand 17. März) lediglich 3 Tote (0,8%) gibt, bei denen keine anderen Pathologien beteiligt waren.4 Bei 89 dieser Personen (25,1%) bestand eine weitere Pathologie, bei weiteren 91 (25,6%) zwei Pathologien und bei den verbleibenden 172 (48,5 %) sogar drei und mehr Pathologien.

Für Deutschland sieht die Datenlage vergleichbar aus. Die bisher Verstorbenen, über die in den Medien berichtet wurde, waren durchschnittlich über 80 Jahre alt und 81% wiesen mindestens eine Vorerkrankung auf.[2] Vor einigen Tagen wurde in Schleswig-Holstein der erste Corona-Tote gemeldet. Dies war ein 78‑jähriger Mann, der mit einem Ösophaguskarzinom im Endstadium auf einer Palliativstation verstarb. Einige Tage vor seinem Tod wurde der Virusabstrich durchgeführt und nach seinem Ableben der Befund mitgeteilt, woraufhin er sofort in die Liste der Corona-Toten aufgenommen wurde, als Nr. 52 in Deutschland.[5] Wie die Liste in Italien geführt wurde, ist mir nicht bekannt.

Viele ÄrztInnen geben auch genau das immer wieder zu bedenken: es ist fast egal, in welcher Population wir testen würden, ob bei Gesunden, bei Menschen mit Schnupfen, bei Altersschwachen mit Herzinsuffizienz, bei Beatmeten oder bei bereits Verstorbenen (wie in Italien geschehen), wir werden immer auch Coronaviren finden, wenn wir speziell danach suchen, und zwar bei 7–15%. Dass Coronaviren zu diesem Anteil unter uns sind, ist in Statistiken der vergangenen Jahre vorbeschrieben.[6]


Die Frage nach der Einordnung

Bei den Zahlen, die uns die Medien tagtäglich in beängstigender Weise vor Augen führen, wird nicht zwischen Test-Positiven und Erkrankten unterschieden. Da die absolute Mehrheit der Test-Positiven keine oder nur milde Symptome entwickelt, ist es massiv irreführend, in dieser Höhe von Erkrankten zu sprechen.[7]

Der renommierte Methodiker und Public-Health-Forscher John P. A. Ioannidis, der zu den meistzitierten WissenschaftlerInnen der Welt gehört, weist ebenfalls darauf hin, dass es keine Evidenz gibt, die die aktuellen drastischen sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen rechtfertigen würde. Coronaviren als typische Erreger von Erkältungskrankheiten sorgen Jahr für Jahr für banale Erkältungskrankheiten, die hauptsächlich bei betagten, oft kardial und pulmonal vorbelasteten Menschen mit Komplikationen wie Pneumonien tödlich verlaufen können.[7,8] Der einzige Unterschied bei SARS-CoV-2 könnte sein, dass die Infektionsraten in der Bevölkerung bisher nie gemessen worden sind.

Als wäre hierdurch die Einordnung nicht schon schwer genug, werden uns diese Zahlen in den Nachrichten zudem nur ohne (die normalerweise in der Medizin übliche) Nennung von Bezugsgrößen angeboten, etwa positiv Getestete im Verhältnis zur Populationsgröße, beispielsweise pro 100.000. "Die mediale Berichterstattung berücksichtigt in keiner Weise die von uns geforderten Kriterien einer evidenzbasierten Risikokommunikation", beanstandet auch das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM) e.V. "Die Darstellung von Rohdaten ohne Bezug zu anderen Todesursachen führt zur Überschätzung des Risikos."[8] Gemeint sind hier Größen wie die Gesamttodesfälle (in Deutschland etwa 2.500 Personen pro Tag) oder die Sterberate durch andere akute respiratorische Infektionen. Auch andere Erreger akuter Atemwegsinfekte müssten eigentlich mit erhoben werden (zu den häufigsten gehören Rhinoviren, Influenza‑A und -B‑Viren, RS‑Viren und eben Coronaviren).

Zur Einordnung bräuchten wir noch eine andere Information: nämlich, wo die begrenzt verfügbaren Tests zum Einsatz gekommen sind. Wir alle wissen, dass in Krankenhäusern ein anderes Erreger-Reservoir zu erwarten ist als in einer repräsentativen Stichprobe der Allgemeinbevölkerung. Auch wissen wir, dass die Raten nosokomial und ambulant erworbener Pneumonien unter betagten Menschen deutlich höher liegen als unter jüngeren. Nun beispielsweise von Testergebnissen schwerkranker und sterbender PatientInnen auf der Intensivstation auf die Seuchengefahr in der Allgemeinbevölkerung schließen zu wollen, beinhaltet einen schwerwiegenden Bias, der unweigerlich zu massiv verzerrten Statistiken führt. "Die Frage, inwieweit es aus ethischer Sicht gerechtfertigt ist, nun in den Medien exemplarisch schwer verlaufende Einzelfälle zu berichten, ohne Einordnung in das Gesamtspektrum von Krankheit und Tod, sollte diskutiert werden", bemerkt das Netzwerk EbM weiter.[8]

mehr:
- Wie aussagekräftig sind die Corona-Tests? (Michaela S., esanum.de, 25.03.2020 – Hervorhebungen von mir)
siehe auch:
Wie sicher sind CORONA-Tests? (Grenzpunkt 0, Freitag-Community, 24.03.2020)


[…] hundertprozentige Genauigkeit nicht wirklich erreichbar ist. Bei der Bewertung von Virentests kommt daher zwei Kennziffern, die diesem Sachverhalt Ausdruck verleihen, entscheidende Bedeutung zu – der Sensitivität und der Spezifität:
  • Sensitivität bei diagnostischen Testverfahren weist die Wahrscheinlichkeit aus, mit der mit dem Erreger tatsächlich infizierte Personen durch den Test auch als infiziert erkannt werden.
  • Spezifität hingegen weist die Wahrscheinlichkeit aus, mit der gesunde, mit dem Erreger tatsächlich nicht Infizierte durch den Test als gesund erkannt werden. 
Für die praktische Arbeit mit Virentests wird darüber hinaus eine weitere Kennzahl benötigt – die Prävalenz. Sie erfasst die Krankheitshäufigkeit, also jenen Anteil an einer gegebenen Bevölkerung, der während einer umlaufenden Infektionserkrankung in einem bestimmten Zeitraum an dieser Infektion erkranken wird oder besser gesagt – erkranken könnte. Denn exakte Aussagen zur Krankheitshäufigkeit sind natürlich erst nach Abschluss eines Infektionsereignisses möglich, wenn alle Fallzahlen vorliegen.

Wie steht es nun um Sensitivität und Spezifität des Coronatests der Charité? Das Klinikum selbst macht dazu befremdlicherweise keine Angaben. Noch befremdlicher wirkt dies, weil der Wissenschaftsjournalist Ekkehard Sieker bei einer telefonischen Anfrage mit einem lapidaren „Das sagen wir Ihnen nicht am Telefon. Schreiben Sie uns bitte!“ abgespeist wurde. Die anschließende schriftliche Anfrage Siekers, die der Autorin vorliegt, war bis zum Abschluss dieses Beitrages noch unbeantwortet. (Diese Informationsabstinenz hält die Kassenärztliche Bundesvereinigung, KBV, allerdings nicht davon ab, der „PCR-Methode [...] zum Virusnachweis [...] Goldstandard“[20] zu attestieren.)
 

Das eigentliche praktische Problem besteht darin, dass jeder Test zwar zu einem positiven oder negativen Befund führt, dass jedoch prinzipiell nicht zu unterscheiden ist, ob es sich dabei nicht auch um falsch-positive oder falsch-negative Befunde handelt. Die wirklich Infizierten unter den ohne irgendwelche Symptome Getesteten sind auf diesem Wege – also nur mit einem einzigen Test – gar nicht zu ermitteln.

Falsch-positive Befunde erhalte man übrigens umso eher, wenn man massenhaft Menschen ohne jegliche Krankheitssymptome teste. Genau dies sei zumindest anfänglich in Italien – als vermeintliche Präventionsmaßnahme – geschehen. Mit dem bekannten Ergebnis der höchsten Anzahl von positiv getesteten Probanden außerhalb Chinas. „Die meisten von den symptomfrei positiv Getesteten dort waren wahrscheinlich – gesund.“ Weiteren Aufschluss, so Sieker, erbrächten allenfalls zusätzliche PCR-Tests und speziell Tests auf anderer mikrobiologischer Grundlage (Antikörper).[25]

DER SPIEGEL hatte über die hier skizzierten Zusammenhänge bereits vor einigen Jahren berichtet – am Beispiel eines fiktiven Scharlachtests an 20.000 Schülern in Schleswig-Holstein. Mit dem paradoxen Fazit: „Der Test zeigt mit 95-prozentiger Sicherheit eine Infektion richtig an. Und trotzdem ist nicht einmal einer von zehn positiv Getesteten tatsächlich betroffen.“[26]

[…] Darüber hinaus hat die Autorin in öffentlich zugänglichen Quellen, Robert-Koch- Institut und Medienauftritte von Prof. Drosten inklusive, keine Hinweise darauf gefunden, dass die derzeitigen Coronatests nach der RKI-Empfehlung von 2018 durchgeführt, also positive Testergebnisse mindestens einem (weiteren) Kontrolltest (etwa auf Antikörper) unterzogen werden. Eine diesbezügliche Anfrage Siekers an die Charité war bis zum Abschluss dieses Beitrages ebenfalls nicht beantwortet worden.

[…] Wenn sich die Ergebnisunsicherheit von PCR-Tests im Hinblick auf den Erreger Sars-CoV-2 aber im praktischen Umgang so darstellt, wie hier skizziert, dann muss man sich fragen, warum die offenbar signifikant unklare tatsächliche Verbreitung des Erregers Sars-CoV-2 von der Politik hierzulande und anderswo zum Anlass für Gegenmaßnahmen genommen worden ist, die quasi einen Ausnahmezustand herbeigeführt haben (Stilllegung ganzer Wirtschaftszeige, landesweite Kita- und Schulschließungen, flächendeckende Verbote öffentlicher Veranstaltungen, Abschottung ganzer Staaten nach außen und dergleichen mehr).

Eine logisch klingende Antwort könnte lauten, dass Sars-CoV-2 ein ganz besonders gefährlicher Erreger sei, der außergewöhnlich zahlreich zum Tode führe. Drosten rechnete öffentlich ja mit möglicherweise 56 Millionen Infizierten allein in Deutschland, was bei einer Mortalität von etwa 0,5 Prozent zu 278.000 Corona- Todesopfern führen würde.[33] Sein Berufskollege Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale), widersprach ihm zwar heftig und kam seinerseits auf „nur“ bis zu 40.000 Tote.[34] Dafür verbreitete er sein ganz persönliches Horrorszenario: „Ein an Corona erkranktes Kind, das acht Wochen nicht erkannt wird, steckt rund 3000 Menschen an. Davon müssen 200 bis 300 auf die Intensivstation, etwa 15 sterben.“[35] Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Drostens Prognose, 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung würden an Covid-19 erkranken [36], übernommen.[37]

Ein anderer Autor, der Zeithistoriker und Publizist René Schlott, resümierte: „Mit atemberaubender Geschwindigkeit und mit einer erschütternden Bereitwilligkeit seitens der Bevölkerung werden Rechte außer Kraft gesetzt, die in Jahrhunderten mühsam erkämpft worden sind: das Recht auf Versammlungsfreiheit, die Religionsfreiheit, das Recht auf Bildung, das Recht auf Freizügigkeit, die Freiheit von Lehre und Forschung, die Freiheit der Berufsausübung, die Gewerbefreiheit, die Reisefreiheit. [...] Wenn man es nicht besser wüsste, ließe sich das Procedere der letzten Tage wie das Drehbuch einer rechtspopulistischen Machtübernahme lesen. [...] Es ist alarmierend, wie rasch Wissenschaft, Kunst und Kultur, Sport, ja sogar die Bildung der Kinder für verzichtbar erklärt werden. Nichts offenbart das wahre Gesicht unseres Gemeinwesens besser als die Tatsache, dass einzig Wirtschaft, Konsum und Börsen aufrechterhalten werden sollen, als sei dies der einzige Daseinszweck unserer fortschrittlich geglaubten Gemeinschaft. [...] Der Fatalismus, mit dem sämtliche Einschränkungen der offenen Gesellschaft hingenommen werden, ist besorgniserregend. [...] Was, wenn wir eines Morgens in einer Gesundheitsdiktatur aufwachen?“[78]

[Gabriele Muthesius, Die Coronakrise – Aspekte abseits des Mainstreams, NachDenkSeiten, 15.03.2020 – PDF]

- Wie tödlich wird das Coronavirus? Überarbeitete Version (sciencemediacenter.de, 10.03.2020)
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Dienstag, 24. März 2020

Die Unmenschlichkeit des Westens in Corona-Zeiten

Westliche Sanktionen terrorisieren zahlreiche Länder – der Virus-Krise zum Trotz. Mächtige Staaten treten die internationale Solidarität mit Füßen. Gleichzeitig werden chinesische Hilfslieferungen in die EU sabotiert. Derweil schickt Kuba seine Ärzte in die Krisengebiete und Russland hilft Italien. Die aktuelle (zusätzliche) Erosion des Rufes der EU und der USA ist atemberaubend. Zusätzlich gerät der in der Krise besonders destruktiv wirkende Neoliberalismus unter Beobachtung. Sogar das „Manager-Magazin“ muss zugeben: „Die Systemfrage liegt auf dem Tisch und der Westen macht keine gute Figur.“
mehr:
- Corona demaskiert den Westen (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 24.03.2020

In einigen Ländern müssen jetzt viele Menschen sterben, weil die „westliche Wertegemeinschaft“, angeführt von der korrupten US-Oligarchie (Jimmy Carter), diese Länder mit Sanktionen bestraft hat. Auch lebenswichtige Medikamente und notwendige medizinische Geräte fallen darunter. Der iranische Präsident Hassan Rohani beispielsweise hat mehrere Staatschefs gebeten, nicht zuzulassen, dass die US-Sanktionen Irans Kampf gegen den Covid19-Virus behindern und sie aufgefordert, der „illegalen und unmenschlichen Schikane“ der USA entgegenzutreten. Auch wenn das Mullah-Regime in Teheran eine ähnliche Qualität hat wie die Kopf-ab-Diktatur in Saudi-Arabien: Die Forderung des iranischen Präsidenten ist berechtigt.
mehr: 
Hebt die Sanktionen auf! Sanktionen sind Massenmord! (Oskar Lafontaine, NachDenkSeiten, 23.03.2020)

Teheran (IRNA) – „Stop the War Coalition“ bezog sich in einer Erklärung auf die beispiellosen Auswirkungen des Coronavirus auf die Welt und den Iran und forderte die Aufhebung unmenschlicher Sanktionen, die die USA gegen die iranische Nation verhängt haben.

„Das COVID-19-Virus hat eine beispiellose Wirkung auf die ganze Welt gehabt, und der Iran ist keine Ausnahme“, heißt es in der Erklärung.

„Millionen im Iran werden wahrscheinlich sterben, nicht nur an Virus, sondern weil die von den USA verhängten Sanktionen unzählige unschuldige Menschen daran hindern, Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung zu erhalten“, heißt es im Bericht.

mehr:
- Die britische Antikriegs-Koalition fordert die Aufhebung unmenschlicher Sanktionen gegen Iran (Nachrichtenagentur der Islamischen Republik, 22.03.2020)
siehe auch:
SYRIEN UND IRAN – Kampf gegen Sanktionen (Karin Leukefeld, junge Welt, 21.03.2020)
Iran macht „unmenschliche US-Sanktionen” für Corona-Ausbreitung verantwortlich (SputnikNews, 20.03.2020)
Corona-Krise: Syrien fordert Ende internationaler Sanktionen (Saarbrücker Zeitung, 19.03.2020)
Corona-Krise: Syrien fordert Ende internationaler Sanktionen (Stimme.de, 19.03.2020)
«AMERICA FIRST» ist die Politik der USA schon seit 1823 (Post, 13.03.2020)
Sind »Freiheit und Demokratie« das Leben von einer halben Million Kinder wert? (Post, 08.05.2019)
Sanktionen gegen Syrien beenden (IPPNW-Pressemitteilung, 11.01.2019)
»Angriff auf unsere Werte!« – »Warum hassen sie uns so sehr?« – Die menschenverachtende Ignoranz der Guten (Post, 18.11.2015)
Krieg ist die Ultima irratio. Auf Deutsch: Wahnsinn. In Afghanistan, in Syrien und anderswo. (Post, 30.09.2015)

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…die USA sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch Angriffe auf andere Länder für den Tod von 20-30 Millionen Menschen verantwortlich.
(Mausfeld-Vortrag »Warum schweigen die Lämmer?« bei 39:00)

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siehe dazu:
IPPNW: Body Count (Post, 26.07.2016)

Montag, 23. März 2020

Corona-Pandemie: Angriff der Spekulanten

Der grösste Hedgefonds der Welt wettet 14 Milliarden US-Dollar auf den Niedergang von europäischen Unternehmen.
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Während die Welt zunehmend von der Corona-Pandemie betroffen ist, erlebt die Börse die grösste Krise seit zehn Jahren. Spekulanten nutzen sie und die damit verbundenen Verwerfungen an den Märkten, um daraus Profit zu erwirtschaften. So hat der grösste Hedgefonds der Welt, «Bridgewater Associates», 14 Milliarden US-Dollar darauf gewettet, dass die Aktien europäischer Unternehmen – infolge der Ausbreitung des Corona-Virus – weiter sinken werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur «Bloomberg».

Von den Spekulationen sind Unternehmen in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Italien, Irland und Finnland betroffen.
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Risikoreiche Untergangswetten
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Wegen der Corona-Pandemie geht es mit den Aktienkursen seit Tagen im Zickzackkurs steil abwärts. Für Hedgefonds ist das eine Gelegenheit, denn sie können auch bei Abstürzen der Börsenkurse viel Geld verdienen. Dafür wetten sie auf die fallenden Kurse der betroffenen Unternehmen. Verwundbare Firmen werden dabei oft gezielt mit Finanz-Attacken bedrängt, um so nachzuhelfen und die Aktien weiter zum Absturz zu bringen.

Weil Hedgefonds Aktien verkaufen können, die sie gar nicht haben, spricht man von Leerverkäufern oder Shortsellern. Der Gewinn besteht in der Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis der Aktien, abzüglich der Leihgebühr. Die Wetten sind risikoreich: Falls der Aktienkurs wider Erwarten steigt, geht die Wette schief.

mehr:
Corona-Pandemie: Angriff der Spekulanten (Tobias Tscherrig, Info-Sperber, 23.03.2020)
siehe auch:
Ein Platz für Tiere: Heuschrecken und Aasgeier (Post, 29.03.2019)
- Chris Hedges: » Was den Armen angetan wird, wird bald mit uns allen geschehen.« (Post, 12.03.2018)
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Žižek, Macron und Ulrich über die Konsequenzen von Corona


Epidemien wie diese machen jetzt klar, wo die Grenzen unseres weltweiten – ich nenne es nicht gerne so, aber es ist so – "neoliberalen Wirtschaftssystems" liegen."
[Slavoj Žižek]

"Diese Pandemie hat jetzt schon deutlich gemacht, dass manche Güter und Dienstleistungen nicht den Marktgesetzen unterliegen dürfen. Es ist verrückt, unsere Ernährung, unsere Sicherheit, unseren Schutz, die Fähigkeiten, unser Leben zu gestalten, im Grunde an andere zu delegieren. Wir müssen die Kontrolle darüber zurückgewinnen. Wir müssen mehr noch als bisher ein souveränes Frankreich und Europa errichten, ein Frankreich und Europa, das sein Schicksal fest in die Hand nimmt."
[Emmanuel Macron in einer TV-Ansprache]

"Die Art und Weise, wie wir wirtschaften, war ja vorher schon mehrfach in die Krise gekommen: die Finanzkrise, die Eurokrise und die Klimakrise sowieso. Und jetzt kommt quasi oben drauf die Coronakrise. Und mit den Konsequenzen muss man sich jetzt überlegen: Was sind die realen Kosten der Globalisierung – und sich da nichts mehr vormachen."

"Der Kern dieser Coronakrise besteht ja darin, dass eigentlich fast alle Länder kein Gesundheitssystem haben, das irgendwelche Puffer hätte, wo man für solche Fälle und zumindest für einen Teil dessen gerüstet wäre. Warum man einen so wichtigen Bereich so auf Kante näht, überall, darüber muss man sich jetzt in der Tat Gedanken machen."
 
[Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT]
mehr bei:
Das Ende der Welt, wie wir sie kennen? Corona als Herausforderung und Chance einer globalisierten Welt (Alexander Stenzel/Sven Waskönig, Titel Thesen Temperamente, Das Erste, Sendung vom 22.03.2020 – Alle Zitate sind dem Begleittext aus dem verlinkten ttt-Video in der ARD-Mediathek entnommmen)
siehe auch:
Die neue Weltwirtschaftskrise, das Corona-Virus und ein kaputt gesparter Gesundheitssektor. Oder: Die Solidarität in den Zeiten von Corona. (Winfried Wolf, NachDenkSeiten, 20.03.2020)
Erst zerstören, dann heilen. Das ist kein sinnvolles Verfahren. (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 20.03.2020)
Kinderarmut: „Sie mussten früh erwachsen werden“ (Marcus Klöckner, NachDenkSeiten, 19.03.2020)
LG Bonn urteilt zu Cum-Ex-Deals Cum-Ex ist strafbar – den­noch milde Urteile (Legal Tribune Online, 19.03.2020)
- Urteil im ersten Cum-Ex-Strafprozess: Angeklagte zu Bewährungsstrafen verurteilt (Jan Willmroth, Nils Wischmeyer, SZ, 18.03.2020)
Die Sozis und die Banken (Post, 13.02.2020)

mein Kommentar:

1. Der Prozess schleichender Entdemokratisierung

Der Spruch, der es auf den Punkt bringt, lautet:
»Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!«
In keiner europäischen Großstadt hat die Privatisierung der Wasserwerke einen für die Bürger erkennbaren Vorteil erbracht, im Gegenteil:
Water Makes Money – Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen (Post, 16.02.2013)
Wenn Lobbyisten das halbe Gesetz schreiben (Post, 13.02.2013)
Trotzdem wurde über TTIP verhandelt!
Der SPON-Artikel über die TTIPLeaks (Inzwischen sollte klar sein, daß es ohne Leaks einfach nicht geht!)
- Freihandel "Wenn das Ding so kommt, leben wir in einer anderen Welt" (Annett Meiritz, SPON, 02.05.2016)
vermittelte der breiteren Öffentlichkeit Einblicke in das bis dahin geheim verhandelte und gehaltene Vertragswerk.


Das also soll ernsthaft ein Fortschritt sein? Ab Montag dürfen Abgeordnete in einem Leseraum im Bundeswirtschaftsministerium die geheimen Unterlagen der europäisch-amerikanischen Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP lesen.
Wenn sie sich in der Woche vorher für einen zwei-Stunden-Termin angemeldet haben.
Wenn sie ihr Handy abgeben.
Wenn sie nichts kopieren oder fotografieren.
Und wenn sie danach schweigen.
Sie dürfen also keine Experten fragen, wie das zu beurteilen ist, was sie da gelesen haben. Sie dürfen niemanden um Hilfe bitten, der vielleicht besser Englisch kann als sie – die Unterlagen sind nicht übersetzt. Sie dürfen nicht ihre Mitarbeiter informieren. Und schon gar nicht die Presse oder die Bürger.
Das ist kein Fortschritt, das ist hochgradig lächerlich. […] Abgeordnete, die dort lesen und dann gut über die Details von TTIP Bescheid wissen, müssen sogar mit "disziplinarischen und/oder rechtlichen Maßnahmen" rechnen, wenn sie diese Erkenntnisse öffentlich kundtun. Sie dürfen also in den Leseraum hinein, kommen aber faktisch mit einem Maulkorb wieder heraus.
[Kommentar von Petra Pinzler, TTIP-Leseraum: Bitte sagen Sie jetzt nichts!, ZON, 28.01.2016]
Wir sind spätestens seit dem Jahr 2016 mit dem Prozess einer zunehmenden Entdemokratisierung konfrontiert.  Hier hilft nur eine freie und engagierte Presse.



2. Der desolate Zustand unserer wichtigsten Medien

Wie es aber mit unserer Presse steht, davon haben wir spätestens mit Beginn der Ukraine-Krise einen Geschmack bekommen: 

a) antirussische Gleichschaltung

Erinnert sich noch jemand an den »einsamen Putin« auf dem G20-Gipfel in Brisbane?
- Tagesschau sachlich und objektiv: »Putin, einsam und verlassen« (Post, 19.11.2014)

Erinnert sich noch jemand an die angeblich »Zehntausende« im Fußballstadion von Donezk, von denen Karen Miosga in den Tagesthemen vom 20.05.2014 erzählte, die gegen die pro-russischen Milizen demonstrierten?
- Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)
Kai Gniffke ruderte im Tagesschau-Blog zurück:
„Wir haben nie behauptet, dass im Stadion ,Zehntausende‘ Menschen waren.“
[zitiert im Kommentar von Ursula Scheer, Fehlschüsse der ARD, FAZ, 03.10.2014]

▶︎ Erinnert sich noch jemand an 
- Die – zumindest teilweise – Vernichtung eines gepanzerten russischen Phantom-Konvois 
am späten Freitagnachmittag, den 15.08.2014?
Ich kann mich noch sehr gut an die Tageszeit erinnern, weil ich sofort auf die Uhr sah (es war ungefähr 17:25h) und dachte: »Jetzt beginnt der 3. Weltkrieg!«

▶︎ Und kann sich noch jemand daran erinnern, daß drei Tage lang hintereinander eine Katastrophenmeldung nach der andern auf uns herabregnete – und am Dienstag darauf herrschte plötzlich Schweigen im Walde: Nicht nur der russische Konvoi, auch die Meldungen darüber waren urplötzlich verschwunden – und anscheinend wunderte das niemanden außer mir…

▶︎ Und kann sich noch jemand dran erinnern wie diese »schwarzvermummten Separatisten mit der Kalaschnikow im Anschlag« (O-Ton Miosga) in ihrer unglaublichen, menschenverachtenden Bosheit am 17. Juli 2014 eine Malaysische Verkehrsmaschine mit 283 Passagieren mit einer angeblich von Putin zur Verfügung gestellten BUK-Rakete vom Himmel holten?
(Dies glaubte jedenfalls der Hans-Joachim-Friedrich-Preis-Träger Eliott Higgins mithilfe seines investigativen Recherchenetzwerkes »Bellingcat« »mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« nachweisen zu können.)

▶︎ Und kann sich noch jemand daran erinnern, was dann für ein Shitstorm auf die bösen pro-russischen Separatisten und den noch böseren narzisstisch-expansionistischen Putin herabregnete?
Wie menschenverachtend die bösen Separatisten mit den Leichen umgegangen seien, man den Toten sogar noch Wertgegenstände – z.B. Kreditkarten – geklaut habe?
Daß sich der Sprecher der OSZE-Mission, Michael Bociurkiw, die die Absturzstelle zwei Tage später in Augenschein nahm, bei den Ostukrainern bedankte (»You did a hell of a job!«), kam in den deutschen Medien leider nicht an. Was beim Tagesspiegel ankam, liest sich in der Unter-Überschrift so:
Die Ermittlungen am Absturzort der malaysischen Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord werden nach OSZE-Angaben weiter durch Einschüchterungen und chaotische Zustände erschwert.
[Nina Jeglinski, Matthias Meisner, Newsticker zum Abschuss von MH17 in der Ukraine OSZE-Mission beklagt chaotische Zustände am Absturzort, Tagesspiegel, 19.07.2014]

Was mit dem Wort »Einschüchterung« in der Unter-Überschrift gemeint ist, erschließt sich bei der Lektüre des 2. Absatzes:
„Es sind in einiger Entfernung heftige Gefechte zu hören. Es ist wirklich einschüchternd, dorthin (zum Absturzort) zu fahren und das zu hören.“

[Michael Bociurkiw, Sprecher der OSZE-Mission]
Vielleicht gibt es Leser, die phantasievoll genug sind, sich die dort herrschenden Bedingungen vorzustellen und verstehen, weshalb, wie der Tagesspiegel-Artikel meldet, Bociurkiw kritisiert: „Das Problem ist, dass es keine Absperrung des Ortes gibt, wie sonst üblich. Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren.“
Der SPON-Artikel vermittelt einen noch besseren Eindruck von den Umständen der Arbeit der OSZE-Mission und der ostukrainischen Bergungskräfte:
- MH17-Untersuchung im Kampfgebiet Frust im Trümmerfeld (Christian Neef, SPON, 06.08.2014)
▶︎Kurz und gut: Unsere Medien haben sich während der Ukraine-Krise mit allem anderen als mit Ruhm bekleckert!


b) die PNAC-Propaganda-Gleichschaltung unserer Medien durch transatlantische Netzwerke

Dazu gehören
▶︎ das 9/11-Tabu [Stichworte: Patriot Act, AUMF]
»vorher nicht dagewesene Ausweitung der präsidentiellen Macht und […] faktische Aufhebung der Gewaltenteilung in den Vereinigten Staaten« [Wikipedia] 
Einen der letzten kritischen Artikel findet man in einem SPIEGEL aus dem Jahr 2003:
Bushs Masterplan: Der Krieg, der aus dem Think Tank kam (Jochen Bölsche, SPON, 04.03.2003

▶︎ Auch die Ungereimtheiten im Umfeld der 9/11-Kommission 
- sie kam nur zustande aufgrund der Beharrlichkeit der vier »Jersey Girls«) und 
- der ständigen Behinderung ihrer Arbeit und 
- die Dürftigkeit ihres Abschlußberichtes (die Aussagen der Übersetzerin Sibel Edmonds [Da ist was passiert!kommen nur in einer Fußnote vor)
werden von unseren Mainstream-Medien weitgehend ignoriert.

▶︎ das Ignorieren der Aussagen von Wesley Clark (»9/11 war ein Staatsstreich«, »Heutige Kriege schon 1991 geplant«)

▶︎ das Ignorieren der 2013 gestarteten CIA/Saudi-Arabien-Operation Timber Sycamore (Finanzierung durch Saudi-Arabien, Waffenbeschaffung, Transport und Ausbildung sogenannter »gemäßigter oppositioneller Kräfte« durch die CIA), begleitet von MI6-gesteuerter Anti-Assad-Propaganda (Stichworte: »Weißhelme« [»Bürgerreporter«, »Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte«
siehe dazu:
Die »zuverlässigen Quellen« des Mainstreams (Post, 12.05.2018)
- »Ein 6-Tonnen-Stahltriebwerk macht ein Loch« – 9/11 und die Flugzeuge (Post, 06.10.2017)
9/11: Die Vorbereitung des Chaos, Beschwichtigungs- und Vertuschungsversuche (Post, 08.09.2007)



Und als ich mich dann anfing mit Syrien zu beschäftigen, stolperte ich über einige Weißhelm-Videos, die mich stutzig machten:
1.  Ein Video, inzwischen natürlich bei YouTube gelöscht, zeigte vier Szenen:
a) In der ersten Aufnahme, lehnte sich ein korpulenter 50Jähriger mit quergestreiftem T-Shirt völlig erschöpft gegen eine Säule und ein schlanker Mit-Dreißiger mit längsgestreiftem T-Shirt liegt tot oder bewußtlos wenige Meter davor auf dem Bauch auf der Straße.
b) Die zweiten Aufnahme zeigte die gleiche Szene, nur mit vertauschten Rollen: diesmal liegt der korpulente 50-Jährige reglos auf dem Bauch und der schlanke Mit-Dreißiger lehnt sich erschöpft gegen die Säule.
c) In der dritten Szene bespritzt der korpulente 50-Jährige ein halbes Dutzend Leute, die auf der Ladefläche eines PickUps liegen, mit Wasser aus einem Löschschlauch – augenscheinlich, um sie nach einem Giftgasangriff zu dekontaminieren.
d) In der vierten Aufnahme wird ein Bewußtloser auf einer Trage zu einem Krankenwagen getragen. Während man ihn in den Wagen hineinschiebt, hebt der angeblich Bewußtlose den einen Unterarm, um sich nicht an der Wagentür zu stoßen.

2. Das Video der schwedischen Ärzte für Menschenrechte 
zeigt ein angebliches Weißhelm-Ausbildungs-Video, bei welchem ein Behandler einem Säugling Adrenalin direkt ins Herz spritzt. (Sowas zeigt auch Tarantino in »Pulp Fiction«)
Nur machen die Weißhelme den Fehler, die Nadel nicht einfach senkrecht ins Herz zu stechen, sondern sie stochern mehrmals mit der Nadel in unterschiedlichen Richtungen (der Richtungswechsel erfolgt mit intracardial plazierter Nadelspitze!) im Herzen rum.
Ich habe eine Version gesehen, in der die geöffneten Augen des Säuglings zu sehen waren.
Ob der Säugling, den die Weißhelme für das Video benutzten, lebte, vermag ich nicht zu sagen…
- Schwedische Ärzte: Lebensrettende Maßnahmen der White Helmets sind gestellt und gefährlich (RT Deutsch, YouTube, 08.03.2017)

3. Im gleichen verlinkten Video (der schwedischen Ärzte) sieht man zum Schluß eine gestellte Rettungsszene (ein viral gegangenes Video mit dem Titel »Mannequin Challenge«). Ich habe eine inzwischen aus YouTube entfernte Version des Videos gesehen, in der die vermeintlichen Retter etwa 20 Sekunden reglos neben dem Opfer stehen und warten müssen, bis der Kameramann den Tonknopf gefunden und den Ton eingeschaltet hat. Dann beginnt die Rettung.
mehr dazu:
- ‘Error of judgment’: White Helmets apologize for bizarre mannequin challenge video (RT Deutsch, 25.11.2016)

2017 findet sich noch in der Süddeutschen ein kritischer Artikel:
- US-Waffenlieferungen : Heikle Fracht aus Ramstein (Frederik Obermaier und Paul-Anton Krüger, München/Kairo, SZ, 12.09.2017 – man achte auf den Begriff »Timer Sycamore«!)

Ich erspare mir weitere Beispiele. 
Rechercheergebnisse bezüglich der Weißhelme finden sich in:
Die »zuverlässigen Quellen« des Mainstreams (Post, 12.05.2018)
und
- Weißhelm-Videos und die sogenannte »gemäßigte syrische Opposition« (Post, 11.10.2019)
Michael Lüders fasst bei Lanz am 05.04.2017 sein Befremden gegenüber den Mainstream-Medien folgendermaßen zusammen:
»Was mich sehr wundert ist, daß es keine deutsche Zeitung gibt, die diese Zusammenhänge mal darstellt. […] Man müßte doch denken, daß alle an Recherche interessierten Journalisten ein Interesse daran haben, diese Dinge aufzugreifen. […] und ich habe den Verdacht, daß es nicht darum geht, Aufklärung zu leisten sondern darum, Feindbilder am Leben zu erhalten.«

mein Kommentar:
Nach meinen Recherchen muß die Gründung der Weißhelme (der entsprechende Abschnitt auf Wikipedia wir immer länger. Die Sprachregelung ist inzwischen so, daß die Weißhelme nicht von James LeMesurier gegründet wurden (s.o.), sondern sich spontan Freiwilligengruppen zusammengetan haben.)

Dirk Pohlmann (»Die Methode Reagan«) schießt direkt auf die SPON-Journalisten:


»Mit solchen Journalisten werden sie NIE in dieser Art irgendwas rausbekommen.« 
[Dirk Pohlmann über "Der duale Staat: Recht, Macht und Ausnahmezustand" ab 2:04:39, Gruppe42, YouTube, 16.05.2018]
Hoffnung wie  Slavoj Žižek und Bernd Ulrich sie äußern, Vernunft, Nachdenken, Selbstreflexion oder so etwas in der Art ist in dem Zustand, in welchem sich unsere Demokratie – sprich: unsere Mainstream-Medien – befindet, einfach nicht machbar. Und ich habe noch keine Idee, was sich da machen ließe.
Der auf die Medien angewiesene normale Leser weiß einfach zu wenig, um zu erkennen, welche Defizite in unserem System stecken!

Sonntag, 22. März 2020

Propaganda-Bekämpfung in Corona-Zeiten

Heute hätten wir uns zum 32. Pleisweiler Gespräch getroffen – mit einem brisanten Thema. Wir konnten dieses Vorhaben wegen der Pandemie nicht realisieren. Und auch die abgespeckte Form im kleinen Kreis war nicht möglich. Da das Thema aber wichtig ist, wie wir insbesondere an der trotz Corona-Virus anschwellenden Russland-Hetze in vielen unserer Medien sehen können, haben wir eine Hilfslösung gefunden: 1. Ivan Rodionov hat, was er in Pleisweiler-Oberhofen sagen wollte, kurz gefasst in die Kamera gesprochen. 2. Die NachDenkSeiten laden ihre Leser und insbesondere jene, die sich zum Pleisweiler Gespräch schon angemeldet hatten, ein, Fragen zu stellen. Bitte an diese E-Mail-Adresse recherche@nachdenkseiten.de mit Stichwort „RT Deutsch“ senden. 3. Ivan Rodionov wird auf möglichst viele Fragen antworten. Albrecht Müller
mehr:
- „Warum der russische Sender RT Deutsch für Deutschlands demokratische Willensbildung wichtig ist“. Hier das Video mit der Einführung des Chefredakteurs Rodionov zum Pleisweiler Gespräch (Albecht Müller, NachDenkSeiten, 21.03.2020)
siehe auch:
Die guten alten deutschen Werte, der Deutsche Journalistenverband und die Propaganda-Lizenz für RT Deutsch (Post, 15.01.2019)
Die Propaganda-Fabrik (Post, 10.10.2018)
Die Briten völlig von der Rolle: »Integrity Initiative« taucht ab (Post, 25.11.2016)
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Albrecht Müller im Gespräch mit Ivan Rodionov (RT Deutsch Chefredakteur) {44:25}

NachDenkSeiten
Am 02.03.2020 veröffentlicht 
Ivan Rodionov ist Chefredakteur des in Deutschland tätigen russischen Mediums RT Deutsch. Dieses wird einerseits von einigen deutschen Medien und Politikern angefeindet, zum anderen von vielen Leserinnen, Lesern und Zuschauern in Deutschland genutzt. Sie schätzen den sogenannten „fehlenden Part“ als Ergänzung zu einem besseren Bild des Geschehens in Deutschland und in der Welt.
Im Gespräch zwischen dem Chefredakteur von RT Deutsch und dem Herausgeber der NachDenkSeiten geht es um Beispiele für diese notwendige Informationsergänzung, es geht um die Entspannungspolitik und was daraus geworden ist, um die neue Spaltung zwischen Ost und West und um den Feindbildaufbau. Es geht um immer wieder erkennbare Verkürzungen bei der Darstellung der Wirklichkeit. Besprochen wird auch die Rolle der baltischen Staaten, ihr Verhältnis zu Russland und die teilweise heilsame Wirkung der Sanktionen gegen Russland.
Veranstaltungshinweis: Für das 32. Pleisweiler Gespräch am Samstag, dem 21. März 2020, um 11:00 Uhr konnten wir den Chefredakteur von RT Deutsch gewinnen. Der Ort: wie üblich die Nonnensuselhalle in Pleisweiler-Oberhofen, Weinstraße 71. Sie sind herzlich willkommen. Vermutlich wird sich die Teilnahme am Gespräch sehr lohnen. Denn die Tätigkeit von RT Deutsch in Deutschland wird sowohl mit Wohlwollen als auch mit Feindseligkeit begleitet. Viel Stoff für Diskussionen. https://www.nachdenkseiten.de/?p=58797
+++
Gefällt Ihnen unser Video? Wir bitten Sie um Ihre Hilfe, damit wir auch weiterhin unsere Dienste für Sie täglich, kostenlos und werbefrei leisten können.
Der Förderverein „Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung e.V.“ (IQM) ist als gemeinnützig anerkannt. Ihre Spenden können Sie steuerlich geltend machen.
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Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi: Schreckensszenario Italien – Wo bleiben verlässliche Daten?

Prof Dr Sucharit Bhakdi Corona Krise Nachtrag 2 Schreckensszenario Italien (22-Μar-2020) {3:21}

Paronymius Paronymius
Am 24.04.2020 veröffentlicht 
credit:
Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi
https://www.youtube.com/watch?v=MARVd...
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Freitag, 20. März 2020

Corona-Pandemie und Straßenverkehr

Die USA
Einwohner [1]: 327.167.434 (gerundet: 330 mio)
Verkehrstote 2018 pro 100.000 Einwohner [2]: 11,4
Multiplikator [3]: 3.272
Daraus ergibt sich die Zahl der 2018 in den USA ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmer zu: 37.297
2018 in den USA ums Leben gekommene Verkehrsteilnehmer pro Tag: 102,18
Corona-Tote bisher [4]: 154 (Quelle: USA Ausgangssperre in ganz Kalifornien wegen Coronavirus verhängt [FR, 20.03.2020])
Tage [5]: 1,51
Interpretation:
In den USA sind bisher so viele Menschen an Corona ums Leben gekommen, wie in eineinhalb Tagen in den USA Menschen im Autoverkehr sterben.


Frankreich
Einwohner [1]: 66.993.000 (gerundet: 67 mio)
Verkehrstote 2018 pro 100.000 Einwohner [2]: 5
Multiplikator [3]: 669,93
Daraus ergibt sich die Zahl der 2018 in Frankreich ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmer zu: 3.350
2018 ums Leben gekommene Verkehrsteilnehmer in Italien pro Tag: 9,18
Corona-Tote bisher [4]: 372 (Quelle: 
"Welt im Krieg gegen das Virus" (Tagesschau, 20.03.2020, Meldung 19.03.2020, 20:06 Uhr)
Tage [5]: 40,54
Interpretation:

In Frankreich sind bisher so viele Menschen an Corona ums Leben gekommen, wie in etwa eineinhalb Monaten Menschen im Autoverkehr sterben.


Italien
Einwohner [1]: 60.262.701 (gerundet: 60 mio)
Verkehrstote 2018 pro 100.000 Einwohner [2]: 5,5
Multiplikator [3]: 602,63
Daraus ergibt sich die Zahl der 2018 in Italien ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmer zu: 3.314
2018 ums Leben gekommene Verkehrsteilnehmer in Italien pro Tag: 9,08
Corona-Tote bisher [4]: 3.405 (Quelle: 
Martina Lippl, Corona-Krise in Italien spitzt sich zu: Neue Zahlen erschüttern – Mehr Tote als in China [Merkur, 20.03.2020])
Tage [5]: 374,97
Interpretation:
In Italien sind bisher so viele Menschen an Corona ums Leben gekommen, wie in etwas über einem Jahr in Italien Menschen im Autoverkehr sterben.


Spanien
Einwohner [1]: 46.722.980 (gerundet: 60 mio)
Verkehrstote 2018 pro 100.000 Einwohner [2]: 3,9
Multiplikator [3]: 467,23
Daraus ergibt sich die Zahl der 2018 in Spanien ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmer zu: 1.822
2018 ums Leben gekommene Verkehrsteilnehmer in Spanien pro Tag: 4,99
Corona-Tote bisher [4]: 1.002 (Quelle: 
Martina Lippl, Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Es folgen aktuelle Entwicklungen: [boerse-online.de, 20.03.2020, Meldung von 12:01h])
Tage [5]: 200,71
Interpretation:
In Spanien sind bisher so viele Menschen an Corona ums Leben gekommen, wie in etwas über einem halben Jahr Menschen im Autoverkehr sterben.


Deutschland
Einwohner [1]: 83.019.213 (gerundet: 83 mio)
Verkehrstote 2018 pro 100.000 Einwohner [2]: 4
Multiplikator [3]: 830,19
Daraus ergibt sich die Zahl der 2018 in Deutschland ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmer zu: 3.321
zum Vergleich:
»11.002 Menschen sind im Jahr 2017 in Deutschland durch einen häuslichen Unfall ums Leben gekommen.« 
[Quelle: Mehr als 11.000 Tote durch Haushaltsunfälle – Deutlicher Anstieg in den letzten fünf Jahren, Das sichere Haus, Presseportal, 15.10.2019]
Das bedeutet: in Deutschland ereigneten sich  2017 pro Tag etwas mehr als 30 Unfälle im Haushalt mit Todesfolge.
ums Leben gekommene Verkehrsteilnehmer in Deutschland pro Tag: 9,10
Corona-Tote bisher [4]: 47 (Quelle: 
Richard Strobl, Jennifer Lanzinger, Andreas Schmid, Coronavirus in Deutschland: Innerhalb von 24 Stunden - Zahl der Todesfälle und Infizierten steigt rasant an [Merkur, 20.03.2020])
Tage [5]: 5,17
Interpretation:
In Deutschland sind bisher so viele Menschen an Corona ums Leben gekommen, wie 2018 in 5 Tagen Menschen im Autoverkehr starben.


Fußnoten:
[1] Einwohnerzahlen laut Wikipedia, abgerufen am 20.03.2019
[2] Verkehrstote 2018 pro 100.000 Einwohner: Angaben gefunden in
- Anzahl der Verkehrstoten je 100.000 Einwohner ausgewählter Länder im Jahr 2018 [de.statista.com]
[3] Der Multiplikator ist die Zahl, mit der 100.000 multipliziert werden muß, um auf die (gerundete) Einwohnerzahl des betreffenden Landes zu kommen
[4] Stand: 20.03.2020
[5] Anzahl der Corona-Todesfälle, dividiert durch die Anzahl der pro Tag umgekommenen Verkehrsteilnehmer (des betreffenden Landes)

Donnerstag, 19. März 2020

Ein Stasi-Maulwurf bei der NSA

Die Rekonstruktion dieser Spionage-Geschichte gibt erstaunliche Einblicke in den Agenten-Alltag und präsentiert Szenen, wie sie sonst nur in Hollywoodfilmen zu sehen sind. Die geheime Karriere des Ex-Agenten Jeffrey Carney zeigt aber auch, dass Verräter nicht mit Gnade rechnen können, welche Motive auch immer ihr Handeln bestimmt haben ...


mehr:
- Ein Stasi-Maulwurf bei der NSA Die unglaubliche Geschichte des Sergeant Carney (Jürgen Ast, Arte, 19.03.2020 – Verfügbar vom 19/03/2020 bis 25/03/2020)
siehe auch:
Norwegen, Russland und ein Spion, der sich erwischen ließ (Andrea Seliger, Telepolis, 06.03.2019)
Julian Assange – Ein Spion? (Post, 03.08.2019)
Medien: aufdecken oder offizielle Narrative verbreiten? (Post, 26.11.2018)
Die tolerierte Entführung des Jeffrey Carney (Andreas Förster, FR,  04.08.2017)
- Stasi-Spion Kid – Die Rekonstruktion von Jeffrey M. Carneys geheimen Leben (Jürgen Schreiber, FR, November 1999, der Link zur Quelle [Archiv des Tagesspiegel) funktioniert nicht mehr]

Interview Jens Karney am 24.6.2003 {22:38}

against all enemies
Am 08.08.2013 veröffentlicht 
Näheres unter : www.against-all-enemi.es
Erstmals durfte Jens Karney am 24.6.2003 im deutschen Fernsehen über seine illegale Entführung als deutscher Staatsbürger am 21.4.1991 aus Berlin Friedrichshain durch Agenten eines US Geheimdienstes berichten. Aber auch damals konnte er nicht alles erzählen. Dies macht er jetzt in seinem Buch "Against alle Enemies". Nach einem langwierigen Procedere der Prüfung/Zensur des Manuskriptes durch Pentagon, NSA und die US Air Force liegt es nun - leider noch mit sehr umfangreichen Streichungen - vor und ist ab 12.8.2013 erhältlich.
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Corona stoppt die Nato

Dem Virus wegen: Die US-Army bricht ihr Militärmanöver „Defender 20“ vor Russlands Westgrenze ab – und bläst zum Rückzug.

Um den Schein und das Gesicht zu wahren, werden ein paar US-Panzer auf deutschen Waffenplätzen (Munster, Grafenwöhr) wohl noch ein paar Übungsgranaten in die Zielhänge verschiessen („gunnery and other combined events with Allies“, wie dies in der Medienmitteilung des US-Oberkommandos heisst).

US-Navy dampft zurück nach Amerika

Doch das gross angekündigte und geplante Manöver „Defender-Europe 2020“, dem schon letzte Woche ein „Freeze“ (Marschhalt) befohlen worden war, ist faktisch definitiv abgebrochen. Für jene rund 6000 US-Soldaten, die als Vorhut der geplanten Defender-Streitmacht von 37 000 Mann, schon bis nach Deutschland und Polen in Bereitschaftsräume vorgerückt waren, gilt per sofort: „Halt, sichern, entladen, einrücken und retablieren – die Übung ist abgebrochen.“ Diesen US-Truppenteilen hilft die Bundeswehr (Streitkräftebasis) nun beim Rückzug und Materialrückschub ebenso, wie sie deren Aufmarsch quer durch Deutschland und bis an die russische Grenze in Polen seit Anfang Februar als „Hostess“ (Gastgeberin) willig und unter Millionenkosten unterstützt hat

mehr:
- Corona-Virus schlägt US-Army in die Flucht (Niklaus Ramseyer, Info-Sperber, 18.03.2020)
siehe auch:
- xxx ()
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Mittwoch, 18. März 2020

Pandemie, Tag 48: Schlechte Kommunikation?

Mitten in der Pandemie fühlt sich Italien im Stich gelassen, die Ressentiments gegen die EU wachsen. Dabei liegt vieles nur an schlechter Kommunikation
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Sprache ist mächtig, sie bildet die Realität nicht nur ab, sie schafft Realität. Das gilt ohne Abstriche auch für die Bühnenwelt der Finanzmärkte, zumal bei entscheidenden Auftritten. Noch so geringfügige Nuancen und Akzentuierungen können dann ein Erdbeben auslösen, das die Börsen auf Talfahrt schickt.

Die tragische Figur hieß am 12. März Christine Lagarde. Die Erwartungen an die EZB-Chefin waren hoch, die Enttäuschung nach ihrer Absage an monetäre Maßnahmen zur Bewältigung der Krise fiel nur umso größer aus und die Buh-Rufe schallten laut, besonders aus Italien. Für Dramatik hat der Stiefelstaat naturgemäß einen ausgeprägten Sinn, aber der Börsencrash, den Lagardes Worte auslösten (minus 17 Prozent an der Mailänder Börse an einem einzigen Tag), ging dann doch zu weit.

Zwar rauschten nach der EZB-Krisensitzung die Börsen weltweit in die Tiefe, auch der DAX verlor zwischenzeitlich rund 12 Prozent, in Italien aber nahm man Lagardes Absage persönlich. Ein "Whatever it takes 2.0" werde es nicht geben, sagte die EZB-Chefin und enttäuschte so den italienischen Premierminister Giuseppe Conte, der auf eine Neuauflage des expansiven EZB-Kurses Mario Draghis gehofft hatte. "Wir sind nicht hier, um die Spreads zu schließen", fügte Lagarde noch hinzu, eine Aussage, die sich tatsächlich direkt an Italien richtete.

Unter "Spread" versteht man in Italien die Zinsdifferenz zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen. Je näher man am deutschen Zinssatz liegt, desto besser. Die deutschen Zinsen liegen nämlich auf notorisch niedrigem Niveau, der Risikoaufschlag ist gleich null. Italien mit seinen Staatsschulden von über 130 Prozent des BIP zahlt für seine Zinsen hingegen jährlich rund 65 Milliarden Euro, das ist so viel, wie der Staat für das gesamte Schulwesen ausgibt.

Dementsprechend feindselig fielen in Italien die Reaktionen aus. Giorgia Meloni, Vorsitzende der nationalkonservativen Fratelli d’Italia (FdI), wandte sich in einem auf sozialen Medien millionenfach geteilten "J'accuse"-Video an die italienischen Bürger und beschuldigte Lagarde, den Mailänder Börseneinbruch bewusst herbeigeführt zu haben. Unter völligem Verschweigen der Tatsache, dass die Leitzinsen der EZB bereits auf Null liegen und deshalb für weitere Senkungen kein Spielraum besteht, bezichtigte Meloni die EZB der Untätigkeit und forderte Zinssenkungen nach amerikanischem und britischem Vorbild. Weil dies aber nicht gewährt worden war, argwöhnte Meloni finstere Machenschaften auf Kosten Italiens. "Sie wollen Italien in die Knie zwingen", polterte die Frau, deren Beliebtheitswerte im Februar bereits gleichauf mit Matteo Salvini lagen und deren Partei in Wahlumfragen zuletzt 13 Prozent der Stimmen erhielt.

mehr:
- "Liebe EU, es ist zu spät" (Teseo La Marca, Telepolis, 18.03.2020)
siehe auch:
Corona – Ein Hauch von Aktionismus (Post, 17.03.2020)
Was wir wahrnehmen, bestimmt unsere Realität (Post, 08.03.2020)
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Heute im ZDF: Operation Rubikon

Ausführliche ZDF-Doku über die Beteiligung des BND an der Crypto AG
Normalerweise lautet das journalistische Narrativ über den BND, dass dieser in erster Linie Misserfolge und Skandale produziere. So galt die Aufklärung durch menschliche Quellen wie Geheimagenten gegen die Staaten der Sowjetunion als ausgesprochen schwach. Umgekehrt gelang den östlichen Diensten das Platzieren von Doppelagenten im BND, so dass der große Bruder CIA die deutschen "Pfadfinder" nur noch bedingt an Erkenntnissen teilhaben ließ - so die Legende. Die technische Aufklärung des BND hingegen genoss einen ausgezeichneten Ruf, das Material machte rund 50% des Informationsaufkommens aus und galt als zuverlässig.

Wie nunmehr im Februar ein Rechercheteam aus Journalisten des ZDF, des Schweizer Rundfunks sowie der Washington Post enthüllte, beruhten die Erfolge des BND-Abhörens auf Konspiration mit dem Weltmarktführer für Chiffriergeräte. Das langfristige Geheimprogramm, an welchem der BND beteiligt war, bewerten namhafte Geheimdiensthistoriker sogar schmeichelhaft als den größten Spionage-Coup des 20. Jahrhunderts: die CIA-Operation MINERVA, deutsche Bezeichnung RUBIKON.

Bereits bei den einst gegnerischen Vorgängern von CIA und BND hatte Verschlüsselungstechnik im Zweiten Weltkrieg eine gewichtige Rolle gespielt: Das deutsche Chiffriergerät Enigma schloss lange die westlichen Lauscher durch zuverlässig verschlüsselte Fernkommunikation aus. Als dann den Briten der Einbruch in die vermeintlich unknackbare Enigma gelang und dieser den Krieg entscheidend verkürzte, galt den Beteiligten der Ertrag als so wertvoll, dass sie diesen Vorsprung fast drei Jahrzehnte lang als größtes Staatsgeheimnis bewahrten. Die britischen und US-amerikanischen Strategen verschwiegen ihr Geheimnis auch der eigentlich verbündeten Roten Armee, der man unnötige Verluste gegen Nazi-Deutschland hätte ersparen können.

Nach dem Krieg überließen die Briten den Israelis die tatsächlich geknackte Enigma, doch das Danaergeschenk wurde gewittert. Man musste sich also etwas Neues einfallen lassen, um Gegnern unsichere Kryptierverfahren unterzujubeln.

mehr:
- Operation Rubikon (Markus Kompa, Telepolis, 18.03.2020)
siehe auch:
Gladio – Materialsammlung (Post, 17.03.2020)
- Rubikon, die wichtigste Spionage-Operation, die jemals unternommen wurde (Post, 15.02.2020)
Tiefer Staat (Post, 06.01.2019)

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