Donnerstag, 13. Dezember 2012

Vor 1100 Jahren – 11. Jahrhundert: Erste Pilger auf dem Jakobsweg

Eine europäische Kulturroute ersten Ranges 

 Das jahrhundertealte, europaweite Wegenetz des Jakobswegs war weithin vergessen, als der Europäische Rat es 1987 zur europäischen Kulturroute erklärte und dazu aufrief, den Pilgerweg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens neu zu beleben. Die Initiative fand ungeahnte Resonanz: Der Wegeverlauf wurde vielerorts in Europa rekonstruiert und mit dem traditionellen Emblem der Jakobsmuschel gekennzeichnet. Hunderttausende Pilger wandeln heute alljährlich auf der Route, die wie kein anderer Fernweg für europäische Kultur und Geschichte steht. 


Der Jakobsweg in Kastilien, um 2000
 Das klassische Stück des Jakobswegs ist der 800 km lange Camino Francés in Nordspanien, von den Pyrenäen über Burgos und Leon nach Santiago de Compostela. Die älteste bekannte schriftliche Quelle stammt aus dem Jahr 1047 und spricht von Pilgern, die zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago unterwegs sind. Um 1075 wurde dort – der Ort galt seinerzeit als das Ende der Welt – mit dem Bau der Kathedrale begonnen, die seit fast einem Jahrtausend Ziel der Pilger ist. 

 Apostel Jakobus 
soll in Spanien missioniert haben 
 44 in Palästina getötet 
 sein Leichnam soll in einem Boot ins spanische Galicien getrieben sein.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Adventsrätsel (das Dreizehnte von vierundzwanzig)

In der Frühe weiß, 
zu Mittag nass. 
Kinder, was ist das?
Auflösung zu Nr. 12

Auflösung zu Nr. 12 von 2013:
(XII waagerecht in der Mitte durchteilt ergibt VII)

 

Heute vor 75 Jahren – 13. Dezember 1937: Japaner beginnen Massaker von Nanking

Gräuel in der chinesischen Hauptstadt 

John Rabe ist in China noch heute einer der bekanntesten Deutschen. Der Kaufmann war in den 1930er-Jahren Repräsentant der Firma Siemens in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking. Nach der Einnahme der Stadt durch japanische Truppen am 13. Dezember 1937 tat er sich als Leiter einer internationalen Sicherheitszone hervor, in der 250.000 Menschen zeitweilig Zuflucht vor Massakern der japanischen Soldaten fanden. In China wird Rabe, der NSDAP-Mitglied war, als der »deutsche, lebende Buddha« verehrt, in den USA nannte man ihn später den »Oscar Schindler Chinas«, weil er mit viel Courage wohl Tausende Chinesen vor dem Tod rettete. 


In Stein gemeißelte Fußspuren in der Gedächntnishalle in Nanking, 1990
 Das Massaker von Nanking während des Japanisch-Chinesischen Kriegs (1937-1945) ist eines der größten Kriegsverbrechen der Geschichte. In wenigen Wochen wurden 300.000 chinesische Kriegsgefangene und Zivilisten grausam umgebracht, dazu wurden etwa 20.000 Mädchen und Frauen systematisch vergewaltigt. Als Rabe nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1938 von den Verbrechen berichten wollte, stellte die Gestapo ihn kalt – schließlich war Japan ein Verbündeter. 

 Was am 13. Dezember noch geschah: 
 1981: In Polen wird nach Streiks und Demonstrationen das Kriegsrecht verhängt
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Das eigene Leben als Kunstwerk verstehen

Selbstbildnis mit sieben Fingern, 1913/14

Wer ein Selbstbildnis von sich schafft, gibt damit auch zu verstehen, dass er das eigene Leben wie ein Kunstwerk betrachtet und wertschätzt. Nicht anders ist es mit Chagalls Selbstbildnis mit sieben Fingern aus den Jahren 1913 und 1914. Wiederum malt Chagall mehr als den Augenschein. Er versucht, das Wesentliche zu zeigen — das, was man nicht sofort sieht, jedenfalls nicht auf den ersten Blick: den inneren Reichtum, der in seiner Geschichte und seiner Seele verborgen liegt. Ein Künstler erfindet nicht, soll Chagalls großer Zeitgenosse und Pariser Kollege Pabio Picasso gesagt haben. Er findet. So verstanden ist auch das Selbstbildnis mit sieben Fingern ein erneuter Versuch Chagalls, sich selbst zu finden und zu verstehen. Er sitzt in seinem Pariser Atelier am Montrnartre. Auf seiner Staffelei steht das Bild einer in messianischer Erwartung tanzend schwebenden Lichtfrau, die im Begriff ist, eine Kuh zu melken. Unter ihr liegt – wie als fernes Echo zu dem im offenen Fenster zu sehenden Eiffelturm – die Kathedrale von Marcs Heimat Witebsk. An diesem Bild ruht die Hand des Malers mit den sieben Fingern. Hier liegt der Ursprung seiner künstlerischen Kraft. Hier hat alles seinen Anfang genommen. Dabei erlangt die Zahl Sieben für Chagall eine mystische, ja beinahe magische Bedeutung. Er selbst wurde am siebten Tag des siebten Monats 1887 in Witebsk geboren – unter dem Siegel der Vollkommenheit und Glück symbolisierenden dreifachen Sieben. Es war ihm ja wirklich nicht an der Wiege gesungen, ein Künstler zu werden. Aber er hatte diesen Traum beharrlich verfolgt. Dass er in Erfüllung ging, empfand Chagall zeitlebens als großes Glück. Ganz wie es seiner Art entspricht (ist „art“ zufällig das englische Wort für „Kunst?), trägt er diese unsichtbare Wahrheit über das Geheimnis seines Lebens, bewusst unbewusst in sein Selbstbildnis ein. Das Bild erschließt mir aber nicht nur Chagalls Selbstverständnis. Es lädt auch dazu ein, die Tür zum Atelier des eigenen Lebens weit zu öffnen, mich selbst zu suchen, zu finden und das eigene Leben als Kunstwerk zu verstehen. über mich selbst zu staunen und das eigene Leben und die Welt zu bewundern, auch dazu ermuntert mich Chagall in diesem Advent. Darauf vertrauen zu können, dass auch mein Leben mir als etwas ganz Besonderes und Einzigartiges geschenkt ist, das ich maßgeblich gestalten und mitschaffen kann, ist ein Lebenskunststück, das mich ein kleiner Junge lehrt, der vom Ende der Welt kam, tief aus der russischen Provinz, und ein weltberühmter Maler wurde.





Ich wundere mich über mich selbst 




Gott, du erforschest mich, und 
du kennst mich. 
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es, 
du verstehst meine Gedanken von ferne. 

Ich gehe oder liege, so bist du um mich 
und siehst alle meine Wege. 
Ja, es ist kein Wort auf meiner Zunge, 
das du, Gott, nicht wüsstest. 

Von allen Seiten umgibst du mich 
und hältst deine Hand über mir. 
Das ist zu wunderbar, zu unbegreiflich, 
zu hoch für meine Gedanken. 

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist? 
Wohin fliehen vor deinem Angesicht? 
Steig ich zum Himmel, so bist du da, 
verbarg ich mich im Tode, 
so bist du auch dort. 

Nehme ich Flügel der Morgenröte 
und bleibe am äußersten Meer, 
so wird deine Hand mit finden 
und deine Rechte mich fassen. 

Spreche ich: Dunkel möge mich decken 
und Nacht statt Licht um mich sein! 
So ist auch Finsternis nicht finster 
für dich, 
und die Nacht leuchtet wie der Tag. 

Denn du hast mich bereitet, 
meinen Leih und meine Seele, 
du hast mich so fein gewoben 
im Leib meiner Mutter.






Mittwoch, 12. Dezember 2012

Adventsrätsel (das Zwölfte von vierundzwanzig)

In welcher Schule haben die Zöglinge Augen 
 und sehen doch nicht?
Auflösung zu Nr. 11

Redewendung

Wer keinen Erfolg hat, vergeblich versucht, ein Ziel zu erreichen, oder es in materiellen Dingen zu nichts bringt, dem sagt man gern nach, dass er auf keinen grünen Zweig kommt. Und das nicht nur, weil Grün als Farbe der Hoffnung gilt.

Allemal ein gutes Zeichen

 Mit der Überreichung eines grünen Zweigs wurde im Mittelalter die Übertragung von Grundbesitz auf einen neuen Eigentümer symbolisch abgeschlossen. Der alte Grundherr übergab den Zweig und damit das Besitzrecht an den neuen Eigner. Zuweilen steckte der Zweig in einem kleinen, aus dem Boden gestochenen Stück Wiese. Wer keinen Erfolg und keine Mittel hatte, kam also nie auf einen grünen Zweig.

 Mit dem Zweig oder dem Holzstab waren auch andere rituelle und symbolische Handlungen verbunden, die sich in Redewendungen erhalten haben. Auf dem »Kerbholz« wurden die Schulden eines Menschen verzeichnet. Musste ein Schuldner seinen Hof verlassen, so hatte er dies mit dem »Bettelstab« in der Hand zu tun. Im 15. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch, dass Richter über dem Haupt Verurteilter sinnbildlich den Stab brachen. Wird heute über jemandem »der Stab gebrochen«, so meint die Wendung eher die moralische Verurteilung einer Person. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Dienstag, 11. Dezember 2012

Beflügelt von den Farben des Lebens


Der Engel mit der Palette, 1927-36
Ich weiß nicht,
woher Chagall diese Bilder nimmt.
Er muß einen Engel
im Kopf haben.
Pablo Picasso


Der Maier mit dem Engel im Herzen (oder im Kopf) – treffender kann man Chagall kaum bezeichnen. Von frühester Kindheit an ist Chagali mit den himmlischen Boten vertraut. Mit der Feier eines jeden Sabbats hatte die Familie Gott darum gebeten, er möge die Engel des Himmels eintreten lassen, die Frieden brachten und tiefe Seelenruhe nach den Anstrengungen und dem Kraftverschleiß des Alltags. Woche für Woche erlebte der kleine Marc diese Verwandlung der Welt im Kreis seiner Familie, Freunde und Nachbarn. Das waren keine frommen Illusionen. Die Ordnung des Sabbats trug wohl sehr zu seinem aufgeräumten Wesen bei. Chagall erlebte gewissermaßen handgreiflich, sinnenhaft und darum buchstäblich begreifbar, wie die Welt immer neu aufgebrochen wurde für die Wirklichkeit Gottes, die einen Frieden und eine Freude brachten, die sich die Welt selber nicht geben konnte. Deshalb komponiert er immer wieder Engel in seine Bildbotschaften hinein. Damit wird er am Ende sogar selber zum Engel mit Palette, der die Welt als beseelt erkennt und das Unsichtbare für alle auf der Leinwand sichtbar macht. Seine Farben empfängt er dabei aus der jenseitigen Welt – hier verkörpert in den bunten Flügeln des Engels. Seine Palette aber ist nicht leer, sondern weiß, sie trägt den Ton des Lichts, die Summe aller Farben.


Der Engel mit der Palette

Unter allen Engeln Gottes, die von Ewigkeit an das Lob des Höchsten singen, gab es einen, den eines Tages eine tiefe Traurigkeit erfüllte. Er hatte eine glockenreine Stimme, war musikalisch wie kaum einer im großen Engelschor und man liebte seine Lieder in den unendlichen Weiten des Himmels wie am ersten Tag. Aber irgendetwas hatte sich verändert. Der Engel hatte das Gefühl, dass die Menschen auf der Erde die Kunst verlernt hatten, die Engel singen zu hören. Zwar versuchten sie, das Leben zu genießen wie nie zuvor. Aber die Dinge waren leer geworden, seelenlos, seit die Stimmen des Himmels scheinbar verstummt waren. Die Menschen waren darüber spürbar unzufrieden und rastlos geworden. Es schien dem Engel, als ob sie die Übereinstimmung mit ihrem Leben verloren hätten. Wie sollten sie aber in ihrer endlichen Welt noch leben können ohne Kontakt mit dem Unendlichen? Wie sollten sie ihr Leben verstehen, ohne die Lieder der Engel zu vernehmen, die von der Liebe sangen, dem letzten großen Geheimnis des Lebens? Was sollte ihrem Dasein Licht und Wärme geben, wenn sie den Funken der göttlichen Gegenwart nicht mehr erkannten, der jedem von ihnen innewohnt? Lange schon bewegte der Engel diese traurigen Gedanken in seinem Herzen, als ihm unvermutet ein Einfall kam. Wenn sie schon nicht mehr die Aufmerksamkeit aufbringen können, uns zu hören, so dachte er, vielleicht gelingt es, ihnen Bilder in die Seele zu senken, die sie daran erinnern, dass ihr Leben mehr ist, als sie vermuten. Vielleicht konnten die Menschen in ihren Träumen wieder zu den Malern und Künstlern ihres eigenen Lebens werden? Vielleicht beseelten sie diese Bilder wieder? Ja, vielleicht gelang es sogar, sie auf diese Weise wieder daran zu erinnern, dass Gott selbst in ihren großen und guten Gedanken wohnte und er selbst in ihnen träumte. So geschah es, dass unser Engel ab diesem Tag nicht mehr zum Chorgesang erschien. Und als der himmlische Chorleiter nach ihm suchen ließ, fand man ihn, wie er auf einer Palette die Farben des Lebens mischte und traumbunte Bilder malte. Seit jenen Tagen ist der Engel mit der Palette Stunde uns Stunde unterwegs, um die heilenden Bilder und Botschaften des Himmels in die Herzen achtsamer Menschen zu senken.




Adventsrätsel (das Elfte von vierundzwanzig)

Immer ist es nah, niemals ist es da. 
Wenn du denkst, du seist daran, 
nimmt es einen anderen Namen an.
Lösung zu Nr. 10

Montag, 10. Dezember 2012

Heute vor 88 Jahren – 10. Dezember 1924: Die erste deutsche Automobilausstellung in Berlin

Neue Freiheit auf vier Rädern 

 Der große Audi vom Typ 18/70 PS war 1924 in Berlin eine der meistbestaunten Attraktionen der Deutschen Automobilausstellung: Sechszylindermotor, Ventilsteuerung durch eine oben liegende Nockenwelle und die Vierradbremse waren die augenfälligsten Neuerungen der technisch ausgefeilten Konstruktion. Sein bescheidenes Gegenstück war der Hanomag 2/10, im Volksmund wegen seiner Form auch »Kommissbrot« genannt, Deutschlands erster auf dem Fließband gefertigter Kleinwagen. Mit seinen 10 PS kam das nur 340 kg schwere Wägelchen immerhin auf fast 60 km/h. Bis 1928 liefen 16 000 Stück des vielfach belächelten, aber zuverlässigen Fahrzeugs vom Band, das mit seinem Preis von 2300 Reichsmark auch für die Mittelschicht interessant war.

Halle der Berliner Automobilausstellung, 1924
 Auf der Berliner Leistungsschau der deutschen Automobilindustrie präsentierten über 600 Firmen ihre Produkte rund ums Automobil. Die Vielfalt der Hersteller und Modelle war in dieser Frühzeit noch überaus groß. Im Jahr der Ausstellung produzierten in Deutschland nicht weniger als 83 PKW-Werke über 140 Modelle.

 Was am 10. Dezember noch geschah:

 1871: In Deutschland untersagt der »Kanzelparagraf« Geistlichen, in der Predigt zu politischen Fragen Stellung zu nehmen.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Adventsrätsel (das Zehnte von vierundzwanzig)

Groß ist es am Wagen dran, 
klein tut es das Obst sodann.
Auflösung zu Nr. 9

Auflösung zu Nr. 9 von 2013:
Pfrund (Pe-ef-rund)

Geschichtsfrage

Von welcher Persönlichkeit stammt das folgende Zitat?

»Wenn ich heute sterbe, 
wird jeder Tropfen meines Blutes 
die Nation stärken.«

Indira Gandhi
 Martin Luther King
 Nelson Mandela


Träumer sind die größten Realisten

Jakobs Traum, 1966

Chagall malte die Erscheinung des Engels mehrmals. In ihrer letzten Fassung verschwindet das Fensterkreuz hinter dem Engel, und sichtbar wird eine Leiter, die Jakobsleiter – das andere, bis in seine späten Jahre hinein bevorzugte Bildzeichen für die Verbindung von Himmel und Erde.
Seinen Ursprung hat das Motiv in Jakobs Traum, einer der großen Geschichten des Ersten Testaments. Chagall malt in seiner zwischen 1960 und 1966 entstandenen Fassung zwei Flächen von unterschiedlicher Größe und Farbigkeit. Rechts, beinahe quadratisch, die klare blaue Sphäre, in deren Zentrum ein Engel schwebt, der eine goldleuchtende Menora trägt, in der jüdischen Tradition Zeichen der Gegenwart Gottes im Jerusalemer Tempel. Der Engel hat vier Flügel, die biblische Zahl für Vollkommenheit, die jeweils leicht aus den Bilddiagonalen verschoben sind. Das bringt eine ruhige, aber kraftvolle Bewegung voll geradezu kosmischer Energie in die Bildhälfte. Weit unruhiger nimmt sich dem gegenüber die rechteckige linke Bildhälfte in violetter Tönung aus. In deren Diagonale steht eine Leiter, auf der und um die herum ein reges Kommen und Gehen, Fliegen und Liegen herrscht. An der Schwelle, der Grenze vom blauen zum violetten Raum, sitzt – gemalt in purpurnem Rot-Jakob, die Hände in den Schoß gelegt. Ihn umfängt die violette Welt des Traumes. Violett entsteht als gemischter Farbton, wenn Blau und Rot ineinander fließen. Ganz so wie im Traum Leben und Erfahrung mit einer ganz anderen unverfügbaren Wirklichkeit in Berührung kommen und sich vermischen zu überraschend neuen, aber mitunter nur schwer zu entziffernden Einsichten und Ansichten des eigenen Lebens. Die Figur Jakobs und die sich durchdringenden Farbwelten verbinden die beiden Bildhälfte ebenso wie die Blickrichtung des Engels der rechten Bildhälfte, der in Jakobs Gesicht sieht. Die Bibel erzählt von Jakob nicht die Geschichte eines traumhaft leichten Lebens. Ganz im Gegenteil. Schon von Geburt belastet, will und will es ihm offenbar nicht gelingen, zu sich selbst und zur Bestimmung seines Lebens zu finden. Weder Mut noch List und Betrug führen zum Ziel. Vermeintliche Erfolge erweisen sich am Ende als nicht tragfähig. „Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott lsaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde … und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“ (Gen 28,12-15) Was Jakob erlebte, erfuhr auch Chagall: „Die Mondnacht macht ein Geschenk“, notierte er in einem seiner frühen Gedichte. „Tief im Herzen liegt der Ort, wo die Leiter steht. Sie führt zu Gott.“ Ist das Engelerlebnis der frühen Petersburger Zeit das Schlüsselerlebnis Chagalls dafür, dass Himmel und Erde in jedem Menschen eins werden wollen, so ist Jakobs Traum das Schlüsselbild für einen Menschen, der – auf seinen großen Lebenstraum vertrauend – durch alle Widrigkeiten, Widerstände und Verwicklungen hindurch am Ende zum Ziel und Sinn seines Lebens findet. Träumer sind eben doch die größeren Realisten. Und wenn man die Bibel an dieser Stelle einmal so weiterlesen darf: Durch sie erlangen alle Geschlechter Segen.




Sonntag, 9. Dezember 2012

Loriot – Adventsgedicht




Adventsrätsel (das Neunte von vierundzwanzig)

Will man vieles von mir haben,
muß man mich zuerst begraben.
Auflösung zu Nr. 8

Heute vor 25 Jahren – 9. Dezember 1987: Beginn der Intifada in Palästina

Der Krieg der Steine 

 Am 8. Dezember 1987, vor 25 Jahren, stieß ein israelischer Militärlastwagen mit zwei palästinensischen Taxis zusammen: Vier Palästinenser starben. Der Unfall war für viele ihrer Landsleute ein Racheakt des israelischen Geheimdienstes für einen zuvor im Gazastreifen getöteten Israeli. Auf die Beerdigung der Unfallopfer folgten Massendemonstrationen und Ausschreitungen, die sich zur ersten »Intifada« auswuchsen. 

 Das Bild von vermummten palästinensischen Jugendlichen, die Steine und Molotowcocktails auf israelische Soldaten werfen, prägte diesen Aufstand. Es gab aber auch andere Formen des Widerstands: Ladenbesitzer ließen ihre Geschäfte geschlossen, israelische Waren wurden von Palästinensern boykottiert. Etwa 700 Palästinenser, die in den Verdacht gerieten, mit den Israelis zu »kollaborieren«, wurden von militanten Landsleuten umgebracht. Die Bilder von israelischen Soldaten, die gefangen genommenen Steinewerfern gezielt Hände und Arme brachen, schockierten die Welt. Daneben sorgten die exzessiven Hauszerstörungen durch die Israelis für Aufsehen. 1993 endete die erste Intifada mit dem Oslo-Abkommen, in dem sich beide Seiten erstmals offiziell anerkannten. 

 Zweite Intifada 
begann im September 2000 
 griff auf das gesamte Gebiet Israels über 
 endete 200S mit einem Waffenstillstand 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Samstag, 8. Dezember 2012

Jeder Mensch braucht einen Engel

Die Erscheinung (Selbstbildnis mit Muse), 1917/18
Engel über den Dächern 

In seiner 1921 begonnen Autobiographie „Mein Leben“ notiert Marc Chagall: „Plötzlich öffnete sich die Zimmerdecke und ein geflügeltes Wesen schwebte hernieder mit Glanz und Gepränge und erfüllte das Zimmer mit wogendem Dunst. Es rauschen die schleifenden Flügel. Ein Engel! denke ich. Ich kann die Augen nicht öffnen, es ist zu hell, zu gleißend. Nachdem er alles durchschweift hat, steigt er empor und entschwindet durch den Spalt der Decke, nimmt alles Licht und Himmelblau mit sich fort. Dunkel ist es wieder. Ich erwache. Mein Bild Erscheinung gibt diesen Traum wieder.“ 
Und in seinem Gedicht „Engel über den Dächern“ klingt dieses Erlebnis nach: 

„…wo der Fluss schläft, dort träumte 
ich goldene Tage hindurch. 

Und in der Nacht – der lichte Engel 
loderte über dem Speicherdach auf 
und schwor mir, dass er meinen Namen 
in die Höhe bringe…“

Marc Chagall



Das Bild stammt aus den Jahren 1917-1918. Chagall hat dieses Motiv wiederholt variiert. Es erinnert an seine erste Ankunft in Petrograd, St. Petersburg, 1909. Völlig mittellos teilt er das Bett eines Arbeiters auf einem ärmlichen Dachboden. Der Besuch der Kunstakademie scheidet aus, weil Chagall der entsprechende Schulabschluss fehlt, die Kunstgewerbeschule lehnt ihn ab, weil seine vorgelegten Arbeiten zu befremdlich seien. Aber nicht nur, was seine Kunst betrifft, droht Chagall den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der tägliche Kampf gegen den Hunger bedroht seine Existenz. Skrupel, Selbstzweifel und Grübelei bemächtigen sich seiner. Da träumt Marc Chagall eines nachts, dass sich die Zimmerdecke öffnet und ihm ein Engel erscheint. Das ist übrigens nicht das einzige Erlebnis dieser Art in seiner Biographie. Schon als Kind erfährt er sich am Ufer des Flusses, der durch sein Heimatdorf fließt, von neun Engeln umringt, die einen schützenden Kreis um ihn bilden.
Trotz der bedrückenden Erdenschwere, die Chagall in diesen Wochen erlebt, ist sein Bild überraschend leicht, gewichtlos, transparent und durchlässig. Es ist, als ob der Künstler auf den Grund der Dinge blickt. Er reduziert die Szene auf das Wesentliche — die Größe und den Glanz einer ungeheuerlichen Begegnung. Wie Prismen sammeln die Diagonalen das Bild in einem fernen Fluchtpunkt, in dem die schwarz-graue Welt des Künstlers und die zarte blaue Sphäre des Engels zusammentreffen. Wo sie sich begegnen, entsteht weißes Licht, das sich ausbreitet, das Zimmer und den Maler erfasst und auf dessen Leinwand widerstrahlt und ihr Grau-in-Grau verdrängt. Jeder Mensch braucht einen Engel, heißt es. Bei Chagall hat er ihn. Engel bevölkern sein Werk wie kaum ein anderes im 20. Jahrhundert. Sie sind Boten Gottes, die ihn behüten, beschützen und begleiten. Für Chagall ist es Gewissheit: Es kann ihm nichts geschehen, wie schwer und bedroht sein Leben auch immer sein mag. Die Erscheinung des Engels erinnert mich daran, dass es eine beständige Verbindung gibt zwischen Himmel und Erde, dass Himmel und Erde füreinander offen sind und in andauerndem Austausch stehen. Solche Wunder, wie sie Chagall erlebt hat, geschehen täglich. Es ist nur die Frage, ob ich das wahrnehme. Es kommt darauf an, wie durchlässig ich selber bin, wie transparent mein Leben dafür ist, dass meine Erdenschwere ein himmlisch-leichtes Gegengewicht hat und mich Tag für Tag neu in die richtige Balance bringt.



Adventsrätsel (das Achte von vierundzwanzig)

Je mehr man dazu nimmt, desto größer wird es. 
Je mehr man dazu gibt, desto kleiner wird es.
Auflösung zu Nr. 7

Heute vor 219 Jahren – 8. Dezember 1793: Marie-Jeanne Dubarry wird hingerichtet

Bewegtes Leben mit schaurigem Ende 

 Das Leben der schönen Marie-Jeanne Dubarry, geborene Becu (1743-1793), die aus ärmlichen Verhältnissen zur Favoritin des französischen Königs Ludwig XV. aufstieg und fortan ein Leben in Luxus und Verschwendung führte, ist mehrfach verfilmt und auch in einer Operette auf die Bühne gebracht worden. Operetten haft war ihr Leben in der Tat, ihr Ende ausgesprochen dramatisch. 


Marquise de PompadourFrançois Boucher, 1756
 Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin am Hof, Madame Pompadour, griff sie nicht in die Politik ein, sondern begnügte sich damit, bei Hofe zu intrigieren. Als ihr königlicher Geliebter 1774 starb, wurde Madame Dubarry in ein Kloster verbannt. In den ersten Jahren der Revolution hielt sie sich mehrfach in England auf, wo sie französische Emigranten unterstützte. Das wurde ihr zum Verhängnis: 1793 verurteilte das Revolutionstribunal sie zum Tode. Auf dem Schafott lieferte sie ein letztes Schauspiel. Sie biss und kratzte, sie schlug und trat um sich, fünf Henkersknechte waren nötig, um die »rasende Megäre« zu bändigen. Anders als die vielen Adligen, die sich widerstandslos und auf Eleganz bedacht unters Fallbeil legten, kämpfte die Dubarry bis zum letzten Atemzug um ihr Leben. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Fernsehtip: 8 Blickwinkel

Montagabend um 20:15 läuft auf Kabel eins »8 Blickwinkel« mit Dennis Quaid, Forest Whitaker und Sigourney Weaver



Auf youtube kann man sich sogar den ganzen Film ansehen!

Freitag, 7. Dezember 2012

Heute vor 124 Jahren – 7. Dezember 1888: John Dunlop meldet das Patent für den ersten Fahrradluftreifen an

John Dunlop lässt Reifen leise laufen 

 Alle Eltern, deren Kinder je ein »Bobby-Car« mit seinen ohrenbetäubenden Reifen aus hartem Kunststoff gefahren haben, können sicherlich nachempfinden, wie es dem irischen Tierarzt John Dunlop (1840-1921) erging, wenn sein Sohn mit dem Dreirad unterwegs war, das eisenummantelte Holzräder hatte. Er sah, dass der Filius einen Heidenspaß hatte; der dabei produzierte Lärm aber war auf Dauer kaum zu ertragen. Also machte er sich ans Werk, die Lärmquelle zu beseitigen: Aus Gummischläuchen, Leinwand und einem zweckentfremdeten Schnuller als Ventil bastelte der Vater eine Ummantelung für die Holzräder und pumpte sie mit einer Ballpumpe auf. Die Lärmquelle war beseitigt und das Prinzip des luftgefüllten Reifens erfunden. 1889 gründete der findige Tierarzt in Dublin das erste Reifenwerk.

Wikipedia erzählt die Geschichte noch ein Stück weiter:
Am 7. Dezember 1888 meldete er das Patent für den ersten Fahrradluftreifen an und gründete ein Jahr später das erste Reifenwerk der späteren Dunlop-Gruppe. Das Patent verkaufte er einige Zeit später an William Harvey Du Cros. Er selbst wurde zeit seines Lebens nicht reich durch seine Erfindung.

 Charles Goodyear (1800-1860) erfand die Vulkanisation des Kautschuks und um 1840 das Hartgummi. Als Geschäftsmann war er aber wenig erfolgreich: Die bekannte Reifenfirma trägt den Namen lediglich im Gedenken an den Pionier der Gummiproduktion. 

Giovanni Battista Pirelli (1848-1932) gründete 1872 in Mailand eine Gummifabrik, die seit den 1890er-Jahren auch luftgefüllte Reifen für Fahrräder und Automobile produziert. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Adventsrätsel (das Siebente von vierundzwanzig)

Mit Last beladen kann ich gehen, 
nimmt man die Last, 
so bleib ich stehen.
Auflösung zu Nr. 6

Auflösung zu Nr. 6 vom Jahr 2013:
Kein Nikolaus hat vier Beine, ein Nikolaus nur zwei (*gg*)

Vor 2075 Jahren – 63 v. Chr.: Cicero deckt die Verschwörung des Catalina auf

Reden zur Verteidigung der Republik

 Der römische Politiker Lucius Sergius Catilina (108-62 v. Chr.) war 67 v. Chr. zum Statthalter der Provinz Africa ernannt worden, die er zum eigenen Vorteil unerbittlich ausbeutete. Den auch ansonsten übel beleumundeten Catilina erwartete daher 66 in Rom ein Rückforderungsverfahren, weshalb er auch von der Bewerbung für das Konsulat ausgeschlossen wurde. In den Jahren 65 und 64 v. Chr. bewarb er sich ebenfalls vergebens auf das Amt und versuchte schließlich, mit Gewalt an die Macht zu kommen.

Büste des Cicero, 1. Jh. v. Chr.

 Der amtierende Konsul Marcus Tullius Cicero deckte 63 die Umsturzpläne auf und hielt im Senat vier berühmt gewordene Reden in dieser Sache. Catilina verlor daraufhin immer mehr Anhänger in Rom, wurde zum Staatsfeind erklärt und sah sich gezwungen, die Stadt zu verlassen. In Etrurien sammelte er ein Heer, das 62 v. Chr. bei Florenz geschlagen wurde. Catilina fiel in der Schlacht bei Pistoria.

 Aus Ciceros 1. Rede gegen Catilina: 

Wie weit, Catilina, wirst du es am Ende noch treiben im Missbrauch unserer Geduld? Wie lange noch wird jenes dein rasendes Beginnen uns verhöhnen? … Wem von uns, meinst du, sei es unbekannt, was du in der letzten, der vorletzten Nacht getrieben, wo du gewesen, welche Leute du um dich versammelt, welche Pläne du gefasst hast? 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Gestern starb Dave Brubeck

Einen Tag vor seinem 92. Geburtstag hat Dave Brubeck die Kurve gekratzt.
Als mir mein Klavierlehrer die Noten zum folgenden Stück vorlegte, habe ich Stielaugen gemacht: Geht das überhaupt, ein 5/4-Takt? Anscheinend…


(Der Komponist von Take Five, Paul Desmond, ist am Saxophon zu sehen, auf youtube gibt's noch viele interessante Versionen…)











Ein Nachruf und eine Gratulation zum 90. Geburtstag bei ZEIT Online.

Ein aufgeweckter Träumer

Kuhstall, 1917, Sprengel-Museum, Hannover

Marc Chagall war zeitlebens ein aufgeweckter Träumer. Wie selbstverständlich öffnet sein Werk die mir vertraute kleine Welt, die mich ebenso geborgen wie gefangen hält, für eine ungleich reichere Wirklichkeit. In kraftvoll visionären Bildern greift Chagall weit in die Ferne – und kommt dabei ganz nah an das Geheimnis des Lebens. Dieses Geheimnis scheint größer und bunter zu sein als das Haus des Lebens, in dem ich mich eingerichtet habe.
Chagalls Bild Der Stall aus dem Jahr 1917 illustriert dies in einer höchst eingängigen Sprache. Der übermächtige Kopf einer Kuh mit großen sanften Augen und einem ebenso sehnsuchts- wie vertrauensvollen Blick durchbricht in leuchtendem Sonnengelb die schwarzblaue Nacht. Wie befreit stößt sie aus der Dunkelheit und Enge durch das Dach ihres Stalls, der offenbar zu klein geworden ist und das Tier nicht mehr fassen kann. Die Kuh ist ein Sinnbild für alles, was lebt. Schon früh erfährt sie der kleine Marc als seine Ernährerin und als diejenige, die dem Pflug ihre Kraft leiht. Im Bild Der Stall werden die Kreatur und der Künstler eins. „Das alte Haus, das niedrige Dach. Es ist dunkel. Die kleinen Fenster sind verriegelt. Ich habe als erster die Tür geöffnet“, schreibt Chagall in einem seiner Gedichte über sein geliebtes Elternhaus. „Und bin hinausgegangen und habe die Hand in die Ferne gestreckt.“
Es gibt kein Bleiben. Leben ist Werden, Wachstum und Entwicklung: Die eigenen Grenzen überschreiten, das Andere suchen, um ganz zu sich zu kommen; das Dunkel durchdringen, um die Farben des Lebens zu finden – das ist die Botschaft eines aufgeweckten Träumers, der mich aufrüttelt aus der Apathie meines Alltags und der Banalität meiner Betriebsamkeit.


Zum Träumen erwachen 

Wer sagt denn, dass die Wachen 
aufgeweckter seien als die Schlafenden? 
Es gibt eine Wachheit, 
die die Kunst zu träumen nicht verlernt hat. 
Wenn wir das noch könnten: 
zum Träumen erwachen – 
 nicht, um das Leben zu träumen, 
sondern, um den Traum zu leben.






Adventsrätsel (das Sechste von vierundzwanzig)

Welcher Kater kann nicht laufen?
Auflösung zu Nr. 5

Heute vor 520 Jahren – 6. Dezember 1492: Kolumbus erreicht Hispaniola

Die »Neue Welt« versperrt den Weg nach Indien 

 Am 12. Oktober 1492 war Christoph Kolumbus nach über acht Wochen auf See mit den drei Karavellen seiner kleinen Entdeckerflotte endlich auf Land gestoßen. Er hatte eine kleine Insel der Bahamas erreicht, die er San Salvador nannte. Nachdem die Crew die Vorräte aufgefüllt und Kolumbus erste Kontakte zu den Einheimischen geknüpft hatte, ging die Fahrt weiter. Ende Oktober landete der Entdecker in Kuba, am 6. Dezember auf Hispaniola, der »Spanischen«, die heute Haiti und die Dominikanische Republik umfasst.

Landung des Kolumbus auf Hispaniola,
Inkunabeldruck, u, 1500
 An Weihnachten 1492 lief das Flaggschiff, die Santa Maria, vor Hispaniola auf Grund. Mithilfe der Einheimischen, deren Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit Kolumbus in höchsten Tönen lobte, ließ er die gesamte Ausrüstung an Land bringen und die erste spanische Siedlung auf amerikanischem Boden errichten. Der prächtige Goldschmuck der Einheimischen und ihre Bereitschaft, das Edelmetall gegen allerlei Tand wie Glasperlen und Klingeln zu tauschen, weckte bei den Europäern heftige Begehrlichkeiten. Kolumbus ließ einen Teil der Mannschaft zurück, segelte im Januar 1493 zunächst zurück nach Spanien und erklärte, er habe Asien erreicht und Gold sowie Sklaven gäbe es dort im Überfluss.

 Was am 6. Dezember noch geschah: 
 1921: Irland wird ein von Großbritannien unabhängiger Freistaat.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Geschichtsfrage

Welches Volk wird auch »das Blaue Volk« genannt?


die Inuit auf Grönland
■ die Maya in Mittelamerika
■ die Tuareg in Nordafrika

Adventsrätsel (das Fünfte von vierundzwanzig)

Was braucht das Auto,
was das Pferd sehr stört?
Auflösung zu Nr. 4

Dienstag, 4. Dezember 2012

Wir sind aus solchem Zeug wie das zu Träumen

Paysage vert, 1949

1949 verbringt Chagall vier Monate auf der schmalen Mittelmeerhalbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat zwischen Nizza und Monte Carlo. Die erste Wiederbegegnung mit dem Mittelmeer führt zu neuen künstlerischen Formen. Die Bilder aus dieser Zeit zeigen das Meer und die Berge – und über allem die unendliche Weite des Himmels als riesigen Raum, durchflutet von Tageslicht und sanft erhellt vom Mond. In der Grünen Landschaft von 1949 schweben Sonnenball und Mondscheibe, des Schlafes Bruder und des Lebens Schwester, wie freundliche Riesen über dem Meer des Lebens, durch das ein einsamer Ruderer sein Boot steuert – orientiert nur durch die großen Leitsterne des Tages und der Nacht. Für Chagall sind dies keine Gegensätze: Sonne und Mond, Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, Tod und Leben sind immer schon eins. Sie gehören zusammen wie Bruder und Schwester, die mich bei der Hand nehmen und durch das Leben führen. Wo ich mich ihnen anvertraue, weisen sie mir den Weg in jene grün-golden schimmernde Landschaft von ungewöhnlich hoffnungsvoller Dichte, Intensität und Strahlung: das unbekannte Land in der Tiefe meiner Seele, das die Mühen der Entdeckung tausendfach lohnt.

Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf

Wenn der Mensch abwesend ist, ist er am stärksten anwesend: im Schlaf, ins Traum. Lange herrschte die populäre Meinung vor, dass das Gehirn in der dämmrigen Phase abschaltet, sich eistspannt. auf Sparflamme „kocht” – und dann viel Überflüssiges vergisst. Die Neurowissenschaft hat andere Ergebnisse gebracht: Gerade jetzt herrscht zwischen den Hirnzellen höchste Aktivität. Die Neuronen „feuern” und knüpfen neue Verbindungen. Was der Mensch am Tag schafft, hat seinen Grund in der Nacht. Eigentlich ahnte es bereits Psalm 127: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und eucls spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.” Eine Forschergruppe in Lübeck hat die Weisheit experimentell bestätigt. Versuchspersonen können schlafend eine Mathematikaufgabe leichter lösen als rein wachend. Mathematikern, Physikern, Chemikern, Biologen, Künstlern sind solche Erlebnisse nicht neu. Sie haben die besten Einfälle oft dann, wenn sie gerade nicht ehrgeizig “daran” denken. Morgenstund hat Gold im Mund. Danach kann man aufzeichnen. ins Werk umsetzen, was man erfahren hat. Den Tod bezeichnen wir gern als „Schlafes Bruder”. Ein falsches Bild. Denn der Schlaf ist des Lebens Schwester. In den Religionen be-ginnen Heilsereignisse nachts, ins Traum. In manchen Mythologien der Weltschöpfung entsteht die Schöpfung aus dem Nichts dadurch, dass Gott selber schläft, träumt. Träume bewegen in der Bibel manche Geschichte voran, von Jakobs Himmelsleiter bis zu den nächtlichen Eingebungen der Magier, nicht zu Herodes zurückzukehren, um den Messias zu schützen. Der allererste Schlaf des Menschen ist nach dem Mythos zugleich sein kreativster: ,,Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.” So entsteht die Frau, Partnerschaft, Liebe, Beziehung, Personalität. Zum sexuellen Akt, der größten und mysteriösesten Schöpfungskraft, um neues Leben zu zeugen, sagen wir: Dass Mann und Frau miteinander „schlafen”. Die Hirnforscher bestätigen: Es gibt eine menschliche Wachheit, die tiefer liegt als alle Oberflächenwachheit unserer Betriebsamkeit. Erst die Passivität machst den Menschen aktiv. Aber ohne Aktivität hilft Passivität nichts. Ähnlich ist Gott zu erfahren: eher in der Nacht als am Tag, aber nur dann, wenn man sich am Tag schon um ihn bemüht hat. 

Johannes Röser


Wir sind aus solchem Zeug wie das zu Träumen.
Und Träume schlagen so die Augen auf,
wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen, 
aus deren Krone den blassgoldnen Lauf
der Vollmond anhebt durch die große Nacht.
… Nicht anders tauchen unsere Träume auf. 
Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,
nicht minder groß im Auf- und Niederschweben
als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht. 
Das Innerste ist offen ihrem Weben,
wie Geisterhände im versperrten Raum
sind sie in uns und haben immer Leben. 
Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum. 
Hugo von Hofmannsthal


Adventsrätsel (das Vierte von vierundzwanzig)

Wenn man es braucht, wirft man es weg,
wenn man es nicht mehr braucht, holt man es wieder.
Auflösung zu Nr. 3


Auflösung zu Nr. 3 vom Jahr 2013:
Ich habe den Betrag mit mehreren Münzen bezahlt,
ein Rückgeld schloss sich damit aus.

Montag, 3. Dezember 2012

Adventsrätsel (das Dritte von vierundzwanzig)

Einmal im Pfahl,
zweimal im Aal,
dreimal in beiden:
ist für die Gescheiten!
Auflösung zu Nr. 2


Auflösung zu Nr. 2 vom Jahr 2013:
Der Lausbub plünderte heimlich vorzeitig
den Inhalt eines Türchens im Adventskalender

Heute vor 549 Jahren – 3. Dezember 1563: Das Konzil von Triest endet.

Die katholische Kirche reformiert sich 

 Als Reaktion auf die Reformation Martin Luthers tagte zwischen 1545 und 1563 in drei Sitzungsperioden das Konzil von Trient. Die Versammlung grenzte sich gegen den Protestantismus ab und präzisierte die katholische Lehre. In der ersten Sitzungsperiode 1545-47 wandte sich das Konzil speziell gegen Luthers Auffassung, der Wortlaut der Heiligen Schrift allein stehe im Mittelpunkt. Dazu betonte es den auf Autorität beruhenden Charakter der kirchlichen Tradition. 1551-52 fasste das Konzil Beschlüsse zur Liturgie und den Sakramenten, 1561-63 schließlich zur Lehre der Kommunion, zum Fegefeuer und zum Ablasshandel. Zur besseren Ausbildung der Seelsorger wurde die Einrichtung von Priesterseminaren beschlossen. Mit der Bulle Benedictus Deus bestätigte Papst Pius IV. im Januar 1564 alle Dekrete des Konzils von Trient.

Darstellung einer Sitzung des Konzils von Trient, aquarellierte Federzeichnung, um 1560

 Martin Luther (* 1483) selbst erlebte nur einen Teil der ersten Sitzungsperiode, da er 1546 starb. Er hatte früh erkannt, dass einige Positionen seiner Lehre unvereinbar waren mit der traditionellen katholischen Lehre, besonders in Fragen des Papsttums. Seine Erkenntnis, »also sind und bleiben wir ewiglich geschieden«, bestätigte das Konzil auf seine Weise.

Konzil
Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten
 Zusammenkunft aller rechtmäßigen Bischöfe
 den Vorsitz führt der Papst oder sein Legat

 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Sonntag, 2. Dezember 2012

Einsam aber nicht allein

Solitude, 1933

Tief in Gedanken versunken, sitzt links ein Mann in einer verlassenen Landschaft vor den Toren der Stadt. Gehüllt in seinen Gebetsschal hält er eine rote Thorarolle fest im Arm. Nacht, Nebel und schwarze Rauchschwaden umfangen ihn. Neben ihm liegt eine weiße junge Kuh mit goldenen Hörnern. Eine sich selbst spielende goldene Geige liegt an ihrem Kinn. Zusammen mit einem kleinen weißen Engel am oberen Bildrand bilden der Mann und die Kuh eine Art weißes Dreieck vor der düsteren Kulisse der kleinen Stadt. In ihrer Mitte leuchten einzig die im Rot der Liebenden gemalte Thora und die goldene Geige. 

 Auch in diesem Bild sind es wieder die roten und goldgelben Farbtöne, die die monochrome Komposition aufbrechen und auf eine andere Dimension verweisen. Es scheint, dass die Thora und die goldene Geige die Kraft haben, die dunklen Nebel zu lichten und neue Klarheit zu schaffen: über dem Mann, dem Engel und der Kuh reißen die Rauchschwaden auf und geben den Blick auf einen sanften blauen Himmel frei. 

 Chagall malt ein Seelenbild von beredter Stille und großer Sammlung und Intensität. Es entsteht im Jahr 1933 – als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen. Das Werk wird häufig als schwermütig bezeichnet und als dunkle Vision der heraufziehenden Todesschatten der Shoah. Für mich ist es zugleich ein Bild nachdenklicher Hoffnung, die stärker ist als die Todesschatten. Die Drei sind einsam, aber nicht allein. Sie werden zur Gemeinschaft, weil sie miteinander einen kostbaren geistigen Proviant bewahren, um das Leben zu verstehen und zu bestehen. 

 Links, auf der Herzseite, das Wort und die Weisung Gottes. Dass sie dem Mann buchstäblich am Herzen liegen, darf wohl als Hinweis darauf gewertet werden, dass es hier nicht um den Erhalt einer abstrakten Lehre gebt, sondern um das ganz konkrete Leben, das, was jeden Menschen unbedingt, unmittelbar und persönlich angeht und Halt gibt. Rechts der unerschöpfliche Vorrat an Kreativität und künstlerischer Kraft im Spiel der goldenen Geige und der Gegenwart der weißen Kuh. Sie weisen darauf hin, dass das Wort nicht Wort bleiben, sondern Wirklichkeit werden will. 

 Nach der jüdischen Legende spielt die musizierende Kuh auf die nahe Ankunft des Messias an. Einsamkeit ist für mich deshalb auch ein Bild von Aufmerksamkeit: Was liegt mir eigentlich am Herzen? Welche Nebel sind bei mir zu lichten? Wie schaffe ich Klarheit in meinem Leben?



Wenn dein Kind dich morgen fragt 

Wie ist dein Lebenstraum. der dir zu Herzen geht, 
von Horizonten weit — und Freiheitsatem weht, 
der über dich hinausgeht und weit in die Zukunft ragt, 
sagt, wofür wir leben wollen, wenn dein Kind dich morgen fragt.

In welchem Lebensraum ist jemand, der dich hält, 
mit dir an Grenzen geht bis an das Ende der Welt, 
der über dich hinausgeht und weit in die Zukunft ragt, 
sagt, warum wir glauben können, 
wenn dein Kind dich morgen fragt. 

Mit welchem Lebensziel kannst du glaubwürdig sein — 
und in dem, was du tust, zieht ein Stück Himmel ein, 
der über dich hinausgeht und weit in die Zukunft ragt, 
sagt, wie wir denn handeln sollen, 
wenn dein Kind dich morgen fragt. 

Fritz Baltruweit 




Heute vor 30 Jahren – 2. Dezember 1982: Erstes künstliches Herz eingesetzt

Ein kaltes Herz soll das Weiterleben sichern 

 Der pensionierte Zahnarzt Barney Clarke war 61 Jahre alt und todkrank, als er entschied, sich das Herz herausnehmen und durch eine künstliche Pumpe ersetzen zu lassen. Vor 30 Jahren, am 2. Dezember 1982, implantierte der US-amerikanische Chirurg William DeVries dem herzkranken Clarke das erste künstliche Herz, »Jarvik 7«. Es war über Schläuche mit einem Kompressor verbunden, der das Implantat mit Druckluft antrieb. 

Doktor William DeVries am Bett von Barney Clarke, 1982

 Die Operation gelang und sorgte weltweit für Aufsehen. Für den Patienten begann eine Zeit des Martyriums: 112 Tage lebte er mit Jarvik 7, einige seiner Organe versagten, er litt unter Schlaganfällen, Krämpfen, Infektionen und Halluzinationen. Das Herz schlug zwar weiter, aber am Schluss war für Clarke der Tod eine Erlösung. Vier weitere künstliche Herzen setzte DeVries noch ein: In allen Fällen endete das Experiment ähnlich grauenhaft, sodass die zuständige US-Behörde die Versuche schließlich verbot. Die Idee aber wurde weiter verfolgt. Moderne Kunstherzen halten heute Patienten unter annehmbaren Umständen jahrelang am Leben. 

 Was am 2. Dezember noch geschah: 
 1804: Napoleon Bonaparte krönt sich in Anwesenheit von Papst Pius VII. eigenhändig zum Kaiser der Franzosen.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Adventsrätsel (das Zweite von vierundzwanzig)

Als Handwerkszeug liegt es bereit,
doch ohne Kopf hat es wenig Zeit.
Auflösung zu Nr. 1

Samstag, 1. Dezember 2012

Adventsrätsel (das Erste von vierundzwanzig)

Die Speise, die wir täglich essen,
wird Farbe, wenn der Kopf vergessen.