Sonntag, 11. November 2018

Danke Wikipedia! Der Erkenntnisgewinn kennt keine Grenzen

Wikipedia ist eine Errungenschaft. Der Erkenntnisgewinn kennt keine Grenzen. Mit Wikipedia und seiner verschärften, speziell zur Verunglimpfung missliebiger Stimmen geschaffenen Form namens Psiram (früher Esowatch) erfahren wir, wer und was die herrschenden Kreise stört und worum es ihnen geht. Wikipedia ist eine Wahnsinnserfindung. Sie gibt dem Imperium ungeahnte Möglichkeiten. Sie gibt sich einen basis-demokratischen Anstrich und lässt die eigentlichen Akteure im Dunkeln. Sie reiht sich ein in die Phalanx der Instrumente, die sich das Imperium geschaffen hat, um die Öffentlichkeit zu manipulieren und zu steuern. Das Dumme und damit Gute ist, dass es in einer unnachahmlichen Art und Weise allzuviel von dem preisgibt, was es zu verbergen trachtet. Wikipedia lehrt uns, zwischen den Zeilen zu lesen, die Verteufelten, Diffamierten als diejenigen zu erkennen, die gefährlichen Erkenntnissen zu nahe kommen. Wikipedia gibt uns mit dem, was tabuisiert werden soll, Aufschluss über die imperialen Machenschaften – und das sogar über die, die geheim bleiben sollen. Klasse, können wir da nur ausrufen! Danke Wikipedia! Wenn es Wikipedia nicht gäbe: es müsste erfunden werden.
mehr:
- Danke Wikipedia! Der Erkenntnisgewinn kennt keine Grenzen (Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, KenFM, 11.11.2018)
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Samstag, 10. November 2018

Die Katastrophe von Flug MH17 und der Ukraine-Konflikt

Die Katastrophe von Flug MH17 und der Ukraine-Konflikt müssen gemeinsam betrachtet werden.

Der niederländische Politikwissenschaftler Kees van der Pijl hat ein Buch zum Abschuss des Verkehrsflugzeugs MH17 im Jahr 2014 über der Ostukraine geschrieben. Zumindest könnte man das beim Blick auf Titel und Buchcover glauben. Tatsächlich spielt der Abschuss des zivilen Jets mit knapp 300 Todesopfern darin eher eine Nebenrolle. Trotzdem ist das Buch höchst empfehlenswert — enthält es doch die bislang beste Gesamtdarstellung des Ukraine-Konflikts in deutscher Sprache. Van der Pijl liefert eine umfassende Analyse, die sich jeglicher politischer Naivität enthält.

Sowohl für Russland als auch für die USA gibt es andere Prioritäten als die Wahrheit über MH 17 zu enthüllen. Sehr schnell räumt Kees van der Pijl in seinem Buch „Der Abschuss“ mit der Hoffnung auf, in diesem Werk eine Antwort auf die seit Jahren schwelende Frage nach den Tätern zu erhalten. Die militärischen Aufklärungsdienste beider Staaten wissen zwar definitiv, wer das malaysische Linienflugzeug am 17. Juli 2014 über der Ostukraine abgeschossen hat. Jedoch behalten sie dieses Wissen für sich. Für alle anderen Aufklärer verschleierte der „Nebel des Propagandakriegs“ unmittelbar nach dem Verbrechen die entscheidenden Details.

Van der Pijl, der lange Jahre Internationale Beziehungen an der University of Sussex in Großbritannien lehrte, verweist auf das US-Militär, das am Tag des Abschusses exakt über der Region einen Satelliten positioniert hatte. Dieser ist Teil der US-Raketenabwehr und sei speziell zur Feststellung und Aufzeichnung von Raketenstarts konstruiert. Der damalige US-Außenminister John Kerry betonte drei Tage nach dem Abschuss in mehreren Fernsehinterviews, dass die USA die entscheidenden Satellitenbilder besitzen (1).

Während das US-Militär jedoch in anderen Situationen hochaufgelöste Satellitenfotos von russischen Truppenkonzentrationen an der ukrainischen Grenze veröffentlichte, warten Aufklärer auf die Bilder des MH-17-Abschusses bis heute vergeblich (2).

„Obwohl die US-Überwachung in der Lage ist, alles zu überblicken und zu wissen, was in den entferntesten Ecken und Winkeln der Welt passiert, schweigt Washington beharrlich und weigert sich, eigene Informationen herauszugeben“, schreibt van der Pijl.

Die NATO, deren AWACS-Flugzeuge ebenfalls den ukrainischen Luftraum überwachten, behauptete, MH 17 sei zum Zeitpunkt des Abschusses schon außerhalb deren Beobachtungsbereichs gewesen.

Geopolitische Überlegungen sind wichtiger


Doch auch die russische Regierung habe „eine seltsame, Misstrauen erregende Position“ bei der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Verbrechen eingenommen, schreibt der niederländische Politikwissenschaftler. Moskau legte selbst keine überzeugenden Gegenbeweise vor und überließ die Angelegenheit vor allem dem Rüstungskonzern und BUK-Raketen-Hersteller Almas-Antei sowie privaten Quellen. Van der Pijl vermutet, Russland wolle der NATO durch eine Herausgabe eigener Bilder nicht ermöglichen, Rückschlüsse über russische Radarkapazitäten zu ziehen.

Zudem habe Moskau seine eigene Unfähigkeit erkannt, die internationale Nachrichtenlage so zu beeinflussen, wie dies der Westen kann, erläutert der Autor. Diese „offenkundige Überlegenheit des Westens im Nachrichtenmanagement“ habe der MH-17-Fall deutlich dokumentiert. Klar ist letztlich: Beide Mächte hätten zwar die Möglichkeit, alle Spekulationen um MH 17 auf einen Schlag zu beseitigen, doch für sie sind geopolitische Überlegungen weitaus wichtiger als die Aufklärung des Abschusses, der womöglich hinter den Kulissen als Druckmittel eingesetzt werden kann.

Warfen westliche Akteure und Flugunfallermittler des Dutch Safety Boards (DSB) Russland gern Manipulationen an einigen vom Militär gelieferten Bildern vor, so hatten dieselben Leute kein Problem damit, dass die ukrainische Regierung solche Informationen überhaupt nicht vorlegte.

Die reguläre Luftabwehr der Ukraine war am 12. Juli, also wenige Tage vor dem Abschuss, in Alarmstufe 1 versetzt worden, unterstreicht van der Pijl. Trotzdem behauptete Kiew, dass kein ukrainisches militärisches Radar an diesem Tag aktiv gewesen sei. Dies widerspreche jedoch sämtlichen Beweisen und selbst den eigenen Befehlen, so der Wissenschaftler. Das zivile Radar der ukrainischen Flugsicherung sei übrigens ebenfalls ausgeschaltet gewesen — wegen Wartungsarbeiten.

Ukrainisches Vetorecht — ein „erstaunlicher Vorgang“


Da sich kein staatlicher Akteur mit Beweisen beteiligen will, sind Aufklärer des Verbrechens stark auf Plausibilitäten und Schlussfolgerungen angewiesen. So sei es beispielsweise ein „erstaunlicher Vorgang“ und eine „Neuheit in der modernen Luftfahrtgeschichte“, dass die Ukraine ein Vetorecht in den internationalen Strafermittlungen des Joint Investigation Teams (JIT) erhalten habe, schreibt van der Pijl. Dabei dürfte die Ukraine eigentlich nicht einmal an diesem Gremium beteiligt sein (3).

Diese Vereinbarung, nichts gegen den Willen Kiews zu veröffentlichen, sei so „dubios“, dass die niederländische Regierung die Abmachung erst Monate später öffentlich bestätigte. Die ukrainische Nachrichtenagentur Unian sah darin sogar eine Art indirektes Schuldeingeständnis. So viel Plausibilität darf sein.

Und so sei das Vetorecht zu einem beträchtlichen Teil dafür verantwortlich, dass die Ermittlungseinrichtungen bislang nur eins zu eins die Vorwürfe von einer russischen BUK als Tatwaffe wiederholten, die der ukrainische Innenminister Arsen Awakow und sein berüchtigter Mitarbeiter Anton Geraschtschenko (4) bereits unmittelbar nach dem Abschuss des Flugzeugs verbreiteten.

Auch seien die großen westlichen Medien zu keinem Zeitpunkt von dieser Version abgerückt, betont van der Pijl. „Die Mainstream-Medien schlossen die Untersuchung ab, lange bevor das offizielle Urteil veröffentlicht wurde.“ Exemplarisch erwähnt er eine vergleichende Studie der Universität Stockholm, die die Einseitigkeit von CNN in der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt belege.

mehr:
- Der Abschuss (Stefan Korinth, Rubikon, 10.11.2018)

Mein Kommentar:
Von der Ukraine hört man viel Erstaunliches.
Erstaunlich, wenn ein gepanzerter russischer Konvoi die Grenze zur Ukraine durchbricht, bei einem Feuergefecht »teilweise zerstört« wird, erstaunlich, wenn die britischen Journalisten, die dabei sind, es nicht schaffen, davon Bilder zu machen,
erstaunlich, wenn NATO-Generalsekretär Rasmussen und der ukrainische Präsident Poroschenko den Vorfall bestätigen – und wenige Tage später dieser Vorfall aus sämtlichen Medien verschwunden ist – als ob es ihn nie gegeben hätte. 
(Wahrscheinlich HAT es ihn NIE gegeben!)
- Ukraine-Konflikt: Wenn Hysterie brandgefährlich wird (Christian Neef, SPON, 16.08.2014)
Ukraine 15 – Die – zumindest teilweise – Vernichtung eines gepanzerten russischen Phantom-Konvois (Post, 15.08.2014)

Erstaunlich, wenn die »prorussischen Separatisten« ein Flugzeug abschießen – jeder auf dem internationalen Parkett versucht, eine gute Figur zu machen – erstaunlicherweise mit einer Rakete, die sie angeblich gar nicht haben. Es ist erstaunlich, wenn die Separatisten vor laufenden Kameras die toten Absturzopfer beklauen und ihre Kommandeure triumphierend Spielzeug getöteter Kinder hochhalten – wieder vor laufenden Kameras.
Dazu – und noch einiges mehr:
- Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)

Es erstaunt, wenn der ukrainische Verteidigungsminister Walerij Geletej Journalisten gegenüber behauptet, der Flughafen der ostukrainischen Stadt Luhansk sei möglicherweise mit nuklearen Gefechtsköpfen von einem Granatwerfer des Typs "2S4 Tjulpan" beschossen worden. 

Das stellte sich erstaunlicherweise innerhalb kürzester Zeit als Fehlinformation heraus!
- Kiews Verteidigungsminister erntet Spott für Bericht über Atomschlag (SPON, 22.09.2014)

Es erstaunt ebenfalls, daß – nach Auskunft der Ukraine – am Tag des MH17-Unglücks das ukrainische militärische Radar inaktiv war und auch das zivile Radar der ukrainischen Flugsicherung – wegen Wartungsarbeiten – ausgeschaltet war.
Mich beeindruckt die Parallele:
Ist es nicht erstaunlich, daß beim Anschlag vom 11. September die US-Luftabwehr versagte?
Und ist es nicht erstaunlich, daß gerade am 11. September ein halbes Dutzend ziviler und militärischer Notfallübungen durchgeführt wurden, unter anderem »Vigilant Guardian«, weswegen auf den Radarschirmen der nördlichen USA zeitweilig nicht zwischen virtuellen (im Rahmen der Übung erzeugten) und realen Flugzeugen unterschieden werden konnte? 
Dazu:
- 9/11 – Die Planspiele am 11. September – Spekulation und Wirklichkeit (Post, 31.03.2019)

Abgesehen von den nie von irgend jemandem vorgelegten Original-Satellitenbildern muß es erstaunen, wenn die Länder, die beim Joint Investigation Team mitmachen, sich darauf verständigen, daß jedes Mitglied – also auch die möglicherweise als Mitverantwortliche infrage kommende Ukraine – ein Veto-Recht bezüglich des Abschlußberichts hat.

Dann zu den Medien und der Politik:
Es ist erstaunlich, daß sowohl nach dem Anschlag auf die Berliner Diskothek La Belle wie auch nach dem 9/11-Anschlag, dem MH17-Unglück und der Vergiftung von Tochter und Vater Skripal innerhalb kürzester Zeit der Öffentlichkeit die Schuldigen präsentiert wurden – und alle Leitmedien die Schuldzuweisungen »schluckten«… und weiterverbreiteten.

Donnerstag, 8. November 2018

Psiram und Peds Ansichten


Welche Ehre, durch Psiram propagandistisch verarbeitet zu werden.

Meines Erachtens ist die Verbeugung von Abrax, dem fleißigen Redakteur und Administrator der „Investigativ-”Plattform Psiram, außerordentlich tief. Gab er doch mit seiner Recherche eine Steilvorlage für gelebte und für andere zu erkennende Propaganda.

Psiram ist ganz allgemein ein gefundenes Fressen, um unsere eigene Kompetenz beim Erkennen bewusst vorgenommener, manipulativer Techniken zur Erzeugung von Feindbildern zu prüfen und weiterzuentwickeln. Insbesondere das Werkzeug der Selektion wird von ihnen bis zum Letzten ausgereizt, damit in unseren Köpfen genügend Dreck hängen bleibt. Aber Achtung, es gilt bei der Untersuchung – erfolgt sie auch mit heißem Herzen – trotzdem kühlen Kopf zu bewahren. Üben wir uns im folgenden an einer Kritik, die nicht in die gleichen Muster verfällt, wie jene in denen die Psiram-Macher gefangen sind. Vor allem möchte ich hiermit die Leser zur aktiven Mitarbeit einladen.

mehr:
- Psiram und Peds Ansichten (Peter Frey, Peds Ansichten, 08.11.2018)

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Psiram ist eine der Skeptikerbewegung nahestehende Website, die sich selbst als „Verbraucherschutzseite“ und als „Wiki der irrationalen Überzeugungssysteme“ beschreibt und sich gegen PseudowissenschaftEsoterikund Verschwörungstheorien wendet. Die Betreiber sowie die Autoren der Website sind anonym. Das AkronymPsiram wird aus Pseudowissenschaft, Irrationale Überzeugungssysteme, Alternative Medizin hergeleitet.[1] Thematisch werden die vier Kernbereiche GlaubenssystemeBeutelschneidereienPseudowissenschaften und pseudowissenschaftliche Heilmethoden kritisch betrachtet.[2] Die Website existiert seit 2007.[3] Bis Juli 2012 trug sie den Namen EsoWatch (Eigenschreibweise).[1][Psiram, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 03.01.2019]
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siehe auch:
Danke Wikipedia! Der Erkenntnisgewinn kennt keine Grenzen (Post, 04.09.2018)
Neues aus Wikihausen, Folge 10: Felix wird enttarnt (Post, 04.09.2018)
Tagesdosis 19.6.2018 – Die Schauprozesse der Wikipedia Junta (Kommentar Dirk Pohlmann, KenFM, 19.06.2018)
- Dirk Pohlmann vs. Wikipedia (Post, 19.06.2018)Verschwörung, Verschwörung! Warum Wikipedia mich überhaupt nicht leiden kann (Post, 07.11.2016)

Mittwoch, 7. November 2018

ABLE ARCHER 83: Die sowjetische Kriegsangst war real

Zwischen dem 7. und dem 11. November 1983 lief in Westeuropa die letzte Übung des jährlichen Herbstmanövers an. Unter der Code-Bezeichnung ABLE ARCHER sollte die finale Eskalation geübt werden: Der nukleare Vernichtungsschlag. Damals hatte US-Präsident Ronald Reagan die Atmospähere mit aggressiver Rhetorik vergiftet, in welcher er Russland als „das Reich des Bösen“ dämonisierte. Zudem war war der eigentlich Kalte Krieg nach dem Abschuss der Korean Airline 007 und der überraschenden Invasion auf Grenada so heiß geworden wie während der Kubakrise - allerdings nur hinter den Kulissen. Der zum Staatschef aufgestiegene vormalige KGB-Chef Juri Andropow befürchtete, dass die Übung in Wirklichkeit nur eine Tarnung für einen von Pentagon-Mächtigen offen befürworteten nuklearen Überraschungsangriff auf Moskau sei. 

Im Westen wird die sowjetische Kriegsangst von 1983 von konservativen Historikern heruntergespielt. Seit die USA 2015 den bis dahin strengst geheimen Untersuchungsbericht für Präsident Bush von 1990 freigaben, steht allerdings zumindest ein Großteil der US-Quellen offen, wo man die Situation definitiv als hochriskant einstufte (Um Haaresbreite). Anders als die USA mauern die Briten und Russen nach wie vor. Nun wurden u.a. in einem KGB-Archiv in der Ukraine entdeckte Akten bekannt, welche Aufschluss über die östliche Perspektive des Dramas von 1983 bieten. Auch die StaSi-Unterlagenbehörde erwies sich als ertragreich. Das National Security Archive der George Washington University hat einen Großteil des bislang unbekannten Materials nunmehr online gestellt.
mehr:
- Neue Dokumente zu ABLE ARCHER 83 (Markus Kompa, Telepolis, 07.11.2018)

siehe auch:
- Russophobie vs. Weltmachtstreben: Angst – Aufrüsten – Angst – Aufrüsten – Angst … (Post, 26.10.2018)
Able Archer 83: "Um Haaresbreite" (Post, 10.11.2015)
Täuschung - Die Methode Reagan, Ressourcenkriege und medial vemittelte Feindbilder (Post, 06.05.2015)

KenFM im Gespräch mit: Dirk Pohlmann (Täuschung - Die Methode Reagan) {1:43:54 – Start bei 23:53b – Pohlmann: »Den Sowjets wird klargemacht, daß sie noch nicht mal eine Woche durchhalten können.«}

KenFM
Am 05.05.2015 veröffentlicht 
Jetzt KenFM unterstützen: https://steadyhq.com/de/kenfm | Wer Gegenwartsgeschichte verstehen will, muss eigentlich nur ins Archiv gehen. Geschichte wiederholt sich. Muster und Methoden, die sich bewährt haben, werden von den Machthabern schlichtweg wiederholt. So ist auch Krieg als Mittel der Politik bis heute ein Werkzeug, das von den Eliten angewandt wird, um den eigenen Vorteil auszubauen oder aber die Gegenseite endlich auf Normgröße zurückzustutzen.
Dieses Spiel der Macht wird von denen gespielt, die die Demokratie nur für einen vorübergehenden Irrtum der Geschichte halten. Finanzoligarchen, die sich im Westen auch gern als Philanthropen verkleiden.
Viel ist von dieser Demokratie nicht mehr übrig, denn dazu müssten die wesentlichen Tools tatsächlich in den Händen der Völker liegen. Das ist nicht der Fall.
Mega-Banken, Globalplayer-Konzerne und die großen Massenmedien gehören letztenendes Privatpersonen und werden von diesen wie Waffen eingesetzt. Natürlich geht es in diesem System nicht ohne Feindbild.
Der Feind der Eliten ist die Wahrheit. Nur durch permanente Manipulation der Massen ist ihr System überhaupt stabil. In einem dichten Netzwerk, bestehend aus Runden-Tischen, Stiftungen, Think-Tanks oder „Bildungseinrichtungen“, bilden sie immerzu die nächste Generation gehirngewaschener Überzeugungstäter heran.
Am Ende des Tages wird dann aber Krieg geführt, und kommt auch dieses Land, Deutschland, als Außenposten der USA nicht ohne Mord und Totschlag im Auftrag der Freiheit aus.
Aktuell wurde Russland wieder zum „Reich des Bösen“ erklärt. Dieser Begriff stammt vom ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und damit aus den 1980ern. Reagen war ein Kalter Krieger wie aus dem Lehrbuch und hatte sich mit jeder Faser seines politischen Handelns der Täuschung verschrieben. Reagan hasste die UdSSR. Er wollte sie um jeden Preis zerstören.
Dieses Ziel gelang ihm und seinen Beratern. Teilweise. Russland unter Putin ist wieder da. Ist die Ukraine-Krise Zufall? Oder soll unter Obama nur zu Ende gebracht werden, was Reagan nicht mehr gelang?
Die aktuelle Reportage „Täuschung - die Methode Reagan“ des Filmemachers Dirk Pohlmann wurde am 5. Mai auf Arte gezeigt. Dirk Pohlmann ist es in seiner Reportage erstmals gelungen, die US-Machtstrategen von damals vor die Kamera zu bekommen. Er hat es darüber hinaus auch geschafft, mit den Opfern des Imperialismus zu sprechen. Da wären z.B. die Schweden.
Schweden, als damals neutraler Staat, wurde unter Reagan Teil des Schlachtfeldes. Reagan war der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ein Dorn im Auge. Olof Palme war wie Willy Brandt oder Egon Bahr ein Mann, der einen dritten Weg gehen wollte. Kooperation statt Konfrontation. Palme wurde später ermordet.
KenFM sprach mit Dirk Pohlmann rund 120 Minuten über das Résumé der Geschichte von damals, und wie wir die Erkenntnisse heute einzuordnen haben, wenn wir erkennen müssen, dass die Eliten auch 2015 nichts aus einem Fast-Atomkrieg gelernt haben. Wir haben unter Ronald Reagan nicht überlebt, da er und seine Berater in den Machtzentren erkannt hatten, dass die Mechanik der Provokation sich bereits verselbständigt hatte, sondern weil wir schlichtweg Glück gehabt hatten.
Der Film „Täuschung - die Methode Reagan“ erhielt am 27.4. auf dem russischen Filmfestival bereits den Preis „Bester ausländischer Film“ und ist in den kommenden Tagen online bei Arte weiterhin anzusehen.
http://www.kenfm.de

mehr von Dirk Pohlmann:
Tagesdosis 19.6.2018 – Die Schauprozesse der Wikipedia Junta (Kommentar Dirk Pohlmann, KenFM, 19.06.2018)
Dirk Pohlmann vs. Wikipedia (Post, 19.06.2018)
Keine Propaganda: Noch ein U-Boot! Oh Gott! (Post, 11.12.2014)

Dienstag, 6. November 2018

Neuer Tötungsgrund in den USA: Bockigkeit

Nach der Tat soll er sich selbst getötet haben. Die Geschichte schreckte deswegen auf, weil die Gewalt nicht von außen durch Ausländer geschah, wie im Wahlkampf propagiert, sondern weil das Böse wieder einmal mitten in der Gesellschaft aufbrach

Es ist eine Nachricht, die sich schnell in allen amerikanischen und internationalen Medien verbreitete. Schließlich ist innerfamiliäre Gewalt höher als die gerade in den USA von Trump - oder in Deutschland von der AfD - beschworene Gewalt durch illegale Einwanderer. Aber das lässt sich politisch im Wahlkampf kaum ausschlachten, ohne potentielle Wähler abzuschrecken.

Aber Medien sehen dennoch offenbar, dass die Meldung Aufmerksamkeit erzeugt - und vermutlich Angst verbreitet. Müssen jetzt Großeltern und Eltern vor ihren Enkeln oder Kindern Angst haben, wenn sie diese zu etwas auffordern, was sie nicht machen wollen? Ist man zu aufdringlich, kommen die Kinder, holen sich die Schusswaffen, die man im Haus hat, um Eindringlinge abzuwehren, und töten. Gleichwohl spiegelt das Ereignis den Gewaltpegel, der im Land herrscht. Überall kann die Gewalt ausbrechen, noch dazu in einer Gesellschaft, die in Schusswaffen schwimmt.

In dem Fall hat eine 65-jährige Großmutter in einem Ort bei Phoenix, Arizona, offenbar ihren Enkel am vergangenen Samstag damit belästigt, dass sie ihn mehrmals aufgefordert hatte aufzuräumen. Das ging dem Jungen offenbar gegen den Strich – die Polizei schreibt, er sei "bockig" gewesen – , so dass er sich um 17 Uhr eine Schusswaffe, die seinem Großvater gehört und an die er problemlos herankam, nahm und die Großmutter von hinten erschoss, als sie vor dem Fernsehgerät saß. Das klingt weniger nach einer verzweifelten Tat, der Junge scheint nicht die Beherrschung verloren zu haben und ausgerastet zu sein, er holte sich erst einmal die Schusswaffe und exekutierte seine Großmutter cool.

mehr:
- USA: Elfjähriger soll seine Großmutter aus "Bockigkeit" erschossen haben (Florian Rötzer, Telepolis, 06.11.2018)
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Mein Kommentar:
Vorsicht Hobbypsychologie:
Wenn ein Elfjähriger nicht ausrastet, sich eine Schußwaffe holt und dann die Großmutter erschießt, hört sich das nicht nach einer Verzweiflungstat und nicht nach dem Verlust der Selbstbeherrschung an. 
Die Tatsache, daß der Elfjährige seinem Leben danach selbst ein Ende setzt, zählt nicht. 
Setzen! Eins plus!

Die Barbarisierung der deutschen Gesellschaft

Die Schlagzahl der schlechten Nachrichten begräbt manches unter sich, was nicht begraben sein sollte. Ein Kommentar

"Innehalten" ist so ein schönes Wort, das von Protestanten und Entspannungstrainern gern benutzt wird. "Innehalten" verheißt Einsicht beim Urlaub von der Geschwindigkeit. Aber das ist gar nicht so einfach, weil man dann manchmal sieht, was man bei höherer Geschwindigkeit einfach links liegen lassen könnte.

"Komplex Lacrima"

Kennen Sie den "Komplex Lacrima"? Ende September dieses Jahres berichtete Frontal 21, dass offenbar ein V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes im Sommer 2015 einem damals 16-Jährigen die Reise nach Syrien zum IS finanziert hat. Flugticket und Geld waren vorhanden, der V-Mann brachte den Jugendlichen sogar zum Flughafen Tegel.

Erst an der syrischen Grenze würde der Möchtegern-Gotteskrieger von den türkischen Behörden geschnappt und nach Berlin abgeschoben. Über den V-Mann hat er heute folgende Meinung: "Er schickt Jugendliche, Kinder in den Tod. Ich weiß nicht, ob er weiß, was es heißt, wenn eine Mutter oder ein Vater ein Kind verliert. Das ist unmenschlich und kriminell, was er gemacht hat."

Wie er für sein Himmelfahrtskommando aufgeputscht und angeworben wurde, beschreibt er in dem Bericht von "Frontal 21". Wundert es einen noch, dass dies nur ein Detail aus dem "Komplex Lacrima" ist?

Der heißt so, weil das Bundeskriminalamt die Beobachtung der Gruppe, aus der später der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri hervorging, als "Gefahrenabwehrvorgang Lacrima" bezeichnete. Der Kindersoldatenwerber Emanuel P. wurde laut "Frontal 21" vom Berliner Verfassungsschutz auf genau diese Gruppe angesetzt. Wundert es einen noch, dass der Berliner Verfassungsschutz weiterhin existieren darf?

"Frontal 21" berichtete also. Der Tagesspiegel, n-tv, rbb und andere berichteten auch, alle mit Berufung auf "Frontal 21", alle am gleichen Tag.

Dann ging dieser spezielle Aspekt des "Komplexes Lacrima" nicht in einem Meer von Tränen, sondern von Gleichgültigkeit unter. Das Publikum hatte offenbar nicht viel Interesse daran, dass der Berliner Verfassungsschutz dem Islamismus Unterstützung gewährte, den es angeblich bekämpfte. Die Todsünde, zu diesem Zweck Minderjährige einzusetzen, änderte daran nichts.

mehr:
- Halb versteckte Anzeichen für die Barbarisierung in der deutschen Gesellschaft (Marcus Hammerschmitt, Telepolis, 06.11.2018)

Unveräußerliche Rechte – Angriff auf unsere Werte?

In der November-Ausgabe ihrer Kolumne „Unter Tieren“ ist Hilal Sezgin es Leid, in Sachen Tierrechte für dogmatisch gehalten zu werden.

Die (Groß)Demonstration als Protestform hat dieses Jahr ein Revival erlebt, auch unter Linken. Es gingen nicht mehr nur die Fremdenfeinde massenhaft auf die Straße, sondern auch solidarische Menschen gegen Rechts, die Verteidiger des Hambacher Forsts und diejenigen, die es befürworten, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Auch Veganer und Veganerinnen, Tierrechtler und Tierrechtlerinnen demonstrierten mit; und zusätzlich marschierten sie in vielen deutschen (und europäischen) Städten für die Schließung von Schlachthöfen und für die Rechte der Tiere.

Was aber sind eigentlich Tierrechte: moralische Rechte? Oder gesetzlich garantierte? Zum Teil verdankt sich die Verwirrung schlicht der Tatsache, dass es zwei Ebenen gibt, die sich auch im allgemeinen Sprachgebrauch widerspiegeln. Wenn man sagt: Tiere haben Rechte, ist eher gemeint: in moralischer Hinsicht. Auf der Ebene der Argumente. „Tiere brauchen Rechte“ weist darauf hin, dass diese Rechte erst noch gesetzlich verankert werden müssen.

Moralisch gesehen, besitzen Tiere das Recht auf ihr eigenes Leben. Um ihrer selbst willen. Der Wert ihres Leben erklärt sich nicht durch seinen „Nutzen“ für andere, insbesondere für menschliche Zwecke. Alle fühlenden Lebewesen haben ein eigenes Lebensrecht und leben, kantianisch ausgedrückt, ihren eigenen Zwecken.

Daraus folgt unter anderem, dass ein solches Lebewesen nicht per Gesetz zum Eigentum eines anderen erklärt werden darf. Denn wie könnte sich ein Individuum, das seinen eigenen Willen und sein eigenes Wohlergehen hat, im Besitz von jemand anderem befinden und seiner Verfügungsgewalt unterstehen?

mehr:
- Unter Tieren – Unveräußerliche Rechte (Hilal Sezgin, Frankfurter Rundschau, 06.11.2018)

Artikel von Hilal Sezgin bei der taz

siehe auch:
- Vorwurf der Tierquälerei in Brandenburg – Rinder in Bio-Schlachthof offenbar nicht fachgerecht betäubt (09.11.2018)
- VEREINE FILMEN ILLEGAL IM SCHLACHTHOF – Das sagen Landwirte zur Tierschutz-Debatte im Landtag (Lars Laue, Nordwest-Zeitung, 08.11.2018)
mein Kommentar: 
Wieso Video-Aufnahmen, die ein Verbrechen dokumentieren, illegal sein sollen, erschließt sich mir nicht
- Deutsches Tierschutzbüro erstattet Strafanzeige gegen Rinderschlachthof in Oldenburg und fordert sofortige Schließung - Videomaterial belegt Tierquälerei (Presseportal, Deutsches Tierschutzbüro, 06.11.2018)
- Tierschutz will schockierende Schlachthof-Szenen aus Oldenburg zeigen  (News38, 06.11.2018)
- Tierschutz: Warum sollten wir uns selbst ans Bein pinkeln? und die Relativität von Moral (Post, 02.03.2018)
- Tierquälerei, Emotionen, Nicht-Wissen und der Rechtsstaat (Post, 16.02.2018)
- Gastbeitrag: Tierschutz und Agrarlobby (Post, 22.10.2017)
- Buddhist gegen Tierleid (Post, 28.09.2015)
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Sonntag, 4. November 2018

Merz – Die postfaktische Sehnsucht nach dem starken Mann…

Das Ende der Merkel-Ära hat begonnen. Im Dezember wird sie ihr Amt als CDU-Chefin abgeben. Drei Parteikollegen wollen ihr nachfolgen. Die Deutschen haben offenbar schon einen Favoriten. 

Friedrich Merz ist bei den Deutschen der Favorit für die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze. Das geht aus einer Umfrage von Emnid im Auftrag von "Bild am Sonntag" hervor. Ihr zufolge würden 38 Prozent der Befragten Merz zum CDU-Vorsitzenden wählen. 27 Prozent würden für die bisherige CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer stimmen, 13 Prozent für Gesundheitsminister Jens Spahn. 

Knapper wird der Vorsprung von Merz bei den Unions-Anhängern. Hier würden 44 Prozent für ihn stimmen, 39 Prozent für Annegret Kramp-Karrenbauer. Jens Spahn kommt bei den Unionsanhängern nur auf neun Prozent. 

Laut der repräsentativen Emnid-Umfrage unter 1008 Bürgern begrüßt die Mehrheit der Deutschen den Rückzug von Angela Merkel vom CDU-Parteivorsitz. 68 Prozent sagten, dass sie Merkels Entscheidung nicht bedauerten. 28 Prozent hingegen bedauern sie.
mehr:
- Ringen um CDU-Vorsitz – Deutsche favorisieren Merz (n-tv, 04.11.2018)

siehe auch:
- Blackrock, Mayer Brown, HSBC Die Cum-Ex-Connections von Friedrich Merz (Hannes Vogel, n-tv, 11.11.2018)
- Friedrich Merz im Eliten-Filz (Post, 30.10.2018)

Von Stalin zu Putin

Zwei bemerkenswerte Dokumentarfilme skizzieren auf der Dok.Leipzig die Geschichte des Sowjetimperiums und Russlands 
»Der Zusammenbruch der Sowjetunion ist die größte Tragödie des 20. Jahrhunderts.«  
Wladimir Putin 

"Wie war Ihre erste Begegnung mit einem Deutschen?", fragt Werner Herzog sein Gegenüber Michail Sergejewitsch Gorbatschow. Offenbar erwartet er von dem 1931 geborenen letzten Präsidenten der Sowjetunion, etwas über den Krieg zu erfahren und das Verhältnis zu seinem Volk, das einen Krieg entfesselte, bei dem über 25 Millionen Sowjetbürger starben. 

Doch er bekommt etwas anderes zu hören: Die Geschichte einer Kindheitserinnerung: Man sei ins Nachbardorf gefahren und habe dort bei einer befreundeten Familie wunderbar eingelegte Gurken gegessen. Das waren die ersten Deutschen, die Bewohner des Nachbardorfes, die Schöpfer der Wundergurken. 

So weit so authentisch, obschon vielleicht auch nostalgisch verklärt, obschon vielleicht auch nur eine kluge, weil mit Erwartungen brechende Anekdote eines professionellen Politikers und Anekdotenerzählers. 

Dann schwebt die Kameradrohne über ein ödes Dorf, irgendwo in den Weiten Russlands. Hier wuchs Michail Gorbatschow auf. Die Kamera zeigt den Friedhof und die Gräber von Gorbatschows Vorfahren. Herzog kann sich nur für Dinge interessieren, die er sich einverleiben kann, die ihm erlauben "Ich" zu sagen. 

Also muss in den ersten Minuten die persönliche Nähe zwischen ihm und seinem Objekt klar gemacht werden: Wie er, Herzog, sei auch Gorbatschow in einem Dorf aufgewachsen, eng dem Leben der Bauern verbunden, wie er, Herzog, sei auch Gorbatschow als Kind barfuß zur Schule gelaufen, habe auf den Feldern arbeiten müssen.
mehr:
- Von Stalin zu Putin (Rüdiger Suchsland, Telepolis, 04.11.2018)
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TIFF 2018 - Meeting Gorbachev {6:30}

Deadline Hollywood
Am 10.09.2018 veröffentlicht 
Deadline Studio at TIFF 2018 presented by eOne
Special thanks to sponsor Watford Group, and partners Calii Love, Love Child Social House and Barocco Coffee

mehr zu Werner Herzog:
- Wovon träumt das Internet? (Post, 28.11.2016)
zu seinem Film »The Act of Killing«:
- Perversionen: »Die Geschichte der O« hatte dieses Jahr 40. Geburtstag (Post, 22.11.2015)

PUTIN'S WITNESSES Trailer | TIFF 2018 {1:21}

TIFF Trailers
Am 09.08.2018 veröffentlicht 
Through testimonies from Gorbachev, Yeltsin, and the current Russian president himself, Vitaly Mansky tells the story of how Putin rose to power and held his position for nearly two decades.
[Documentary]
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Mittwoch, 31. Oktober 2018

Zur Verbreitung der Wahrheit – Eine Empfehlung nach Brecht

Zurzeit wird wegen des mangelnden Datenschutzes bei Facebook und des Missbrauchs persönlicher Daten bei Microsoft unter Nutzern diskutiert, ob es sinnvoll ist, sich weiter auf derartige Ausspäh-Kraken einzulassen. Obwohl ich vor etwa zwei Jahrzehnten mit dieser speziellen Frage noch nicht konfrontiert war, habe ich in meinem 2002 bei Rowohlt erschienenen Buch „Beruf: Schriftsteller – Was man wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will“, zu dieser Thematik Bertolt Brechts „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“ zitiert:
Wer heute die Lüge und Unwissenheit bekämpfen und die Wahrheit schreiben will, hat zumindest fünf Schwierigkeiten zu überwinden.
Er muss den Mut haben, die Wahrheit zu schreiben, obwohl sie allenthalben unterdrückt wird;
die Klugheit, sie zu erkennen, obwohl sie allenthalben verhüllt wird;
die Kunst, sie handhabbar zu machen als eine Waffe;
das Urteil, jene auszuwählen, in deren Händen sie wirksam wird;
die List, sie unter diesen zu verbreiten.
mehr:
- Zur Verbreitung der Wahrheit – Eine Empfehlung nach Brecht (Wolfgang Bittner, KenFM, 31.10.2018)
»satirisch möchte ich sagen, dass ich ein zu ausgeprägtes Rechtsempfinden hatte, um als Jurist arbeiten zu können, egal ob in der freien Wirtschaft, bei der Justiz, als Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt auf die Dauer oder als Syndikus oder Verwaltungsbeamter […]«
[Wolfgang Bittner auf die Frage, warum er nicht als Jurist arbeite, zitiert im Wikipedia-Artikel[10], abgerufen am 04.11.2018]

mehr von Wolfgang Bittner:
Dauerbrenner »Krim-Annexion« (Post, 21.06.2018)
Verbot der Vorbereitung eines Angriffskrieges (Post, 05.07.2017)
siehe dazu:
Anzeige gegen Bundesregierung wg. Beteiligung am Angriffskrieg in Syrien abgewiesen – Angriff ist Verteidigung – Krieg ist Einsatz – Propaganda ist Wahrheit – Unrecht ist Recht (Post, 13.07.2016)
- Der stille Sieg der Autonomie auf der einen und die US-amerikanische Nebenregierung auf der anderen Seite (Post, 15.03.2017; Video: „Europa muss sich von der Pseudo-Zivilisation USA emanzipieren“ {30:53})
Extensive Feindpropaganda (Thomas Barth, Telepolis, 30.11.2014; Interview mit Wolfgang Bittner über MH-17, Faschisten in der Ukraine und das Versagen der westlichen Medien)

Dienstag, 30. Oktober 2018

Friedrich Merz im Eliten-Filz

Der frühere Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion will jetzt Vorsitzender der CDU werden. Drängt jetzt BlackRock in die Schaltstellen der Politik?

Also, das haben wir ja noch nie erlebt. Da sagt ein ehemaliger Politiker, dass er der Politik ein für alle Adé sagt. Um dann mit Volldampf ins Zentrum politischer Macht vorzustoßen. Noch-Kanzlerin Angela Merkel hatte im Jahre 2009 dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz klar gemacht, dass für sie beide im politischen Raumschiff Berlin kein Platz sei. "Angie" sorgte dafür, dass der Zweimetermann Merz in die politische Versenkung verklappt wurde.

Und nun ist der Jurist aus Brilon wieder da. Hat sich selber als Kandidaten für den CDU-Vorsitz ins Gespräch gebracht. Die Politik-Abstinenz hat ihm gut getan. Ein sichtlich erholter Merz präsentiert sich den Fotoblitzen der Presse. In den letzten neun Jahren ist er nur stärker geworden; gesundheitlich, vernetzungstechnisch und, nicht zu vergessen: finanziell.

Wie schafft man das? Zunächst einmal: Merz ist nicht aus der Politik ausgestiegen. Er ist lediglich von der einen Politik-Ebene in die andere gewechselt. Umgestiegen aus der Ebene der öffentlich einsehbaren parlamentarischen Demokratie in die nicht-öffentliche Parallelstruktur der diskreten Pressure Groups und Stiftungen, die in der Postdemokratie (ein Begriff des englischen Soziologen Colin Crouch) die politischen Paradigmen bestimmen. Die als Lobbyorganisationen dafür sorgen, dass nicht nur politische Detailfragen in ihrem Sinne bestimmt werden, sondern auch die langfristige Perspektive stimmt.

Die ehrenwerte Atlantikbrücke mit ihren 500 Führungskräften aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien sorgt in diesem Sinne seit den 1950er Jahren dafür, dass die Bundesrepublik Deutschland stets eine Politik macht, die in enger Synchronisation mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen wird.

mehr:
- Friedrich Merz: "Habe nicht die Absicht, in die Politik zurückzukehren" (Hermann Ploppa, Telepolis, 30.10.2018)

Friedrich Merz und die zunehmende Verschmelzung von Politik und Finanzelite {5:11}

KenFM
Am 03.11.2018 veröffentlicht 
Den vollständigen Tagesdosis-Text (inkl. aller Quellen und Links) findet ihr
hier:https://kenfm.de/tagesdosis-3-11-2018...
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Ein Kommentar von Ernst Wolff.
Es ist ein Trend, der viel über den Zustand unserer Gesellschaft aussagt: Der immer häufiger auftretende fliegende Personalwechsel zwischen Politik und Wirtschaft, der zu einer zunehmenden Verschmelzung beider Lager geführt hat.
Gerhard Schröder verließ nach seiner Wahlniederlage 2005 das Kanzleramt für einen Platz im Topmanagement des russischen Gazprom-Konzerns und arbeitet heute als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nordstream AG. Sein grüner Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer, ehemaliger Straßenkämpfer, lässt sich seit 2005 u.a. als Berater von seinen ehemaligen Feindbildern Siemens, BMW und RWE entlohnen.
Der von den Grünen zur SPD gewechselte Otto Schily sitzt in den Aufsichtsräten zweier Unternehmen für biometrische Anwendungen, für die er sich als Innenminister stark gemacht hatte. Der grüne Atomkraftgegner Rezzo Schlauch, bis 2005 parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, wurde Mitglied im Beirat eines der größten Kernkraftwerksbetreiber und sitzt heute neben seiner Tätigkeit als albanischer Honorarkonsul im Aufsichtsrat eines chinesischen Zahnersatz-Unternehmens...
SPD-Mann Peer Steinbrück, als Finanzminister an der Rettung mehrerer maroder Banken beteiligt, wechselte 2016 als Berater zur Großbank ING Diba. Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP bekleidet einen Posten im Vorstand des weltgrößten Versicherungskonzerns Allianz SE und sein Parteifreund Dirk Niebel, Ex-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bezieht sein Gehalt heute vom größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall.
Dass ein solcher Frontenwechsel auch in umgekehrter Reihenfolge möglich ist, hat vor kurzem Jörg Kukies bewiesen: Der ehemalige Co-Vorsitzende von Goldman Sachs Deutschland arbeitet jetzt als Staatssekretär unter Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz von der SPD. Mit Friedrich Merz ist nun ein weiterer Frontenwechsler in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, der bei einer erfolgreichen Wahl zum CDU-Vorsitzenden sogar von sich behaupten könnte, als erster den Sprung in beide Richtungen geschafft zu haben.
Merz wurde 2002 von Angela Merkel von seinem Posten als Fraktionsvorsitzender verdrängt, verlor zunehmend an Einfluss und vollzog 2009 nach verlorenem Machtkampf gegen die Kanzlerin den Wechsel von der Politik in die Wirtschaft. Seitdem saß er in mehreren Aufsichtsräten, u.a. bei der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus, die seit einiger Zeit im Fokus der Justiz steht, weil sie in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt ist, mit denen sich Investoren ihnen nicht zustehende Steuerrückerstattungen aus Aktiengeschäften
erschleichen... +++
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siehe auch:
Tagesdosis 1.11.2018 – Herz, Merz und dies und das (Podcast) (Bernhard Loyen, KenFM, 01.11.2018)
Wichtige Ergänzung zum Beitrag über den mit Merz (CDU) zu erwartenden Durchmarsch der Finanzwirtschaft (Jens Berger, NachDenkSeiten, 01.11.2018)
Alles, nur nicht Merz! (Jens Berger, NachDenkSeiten, 29.10.2018)
- Friedrich Merz als transatlantischer Strippenzieher (Post, 30.01.2016)
- Fundgrube – Helmut Schmidt: Wie gefährlich ist Amerika? (Post, 29.08.2015)
Panorama: Die Deutsche Bank als Heuschrecke (Post, 27.05.2011)
- Nähende Heuschrecken (Post, 17.09.2008)
- Raubtierkapitalismus, die Nächste (Post, 29.01.2008)

Frank Zappa - Lost Interview - Problems with Democracy(6-7)

TheNilesLeshProject
Am 24.01.2009 veröffentlicht 
Part 6 of 7
This segment features Frank dissecting democracy. He reveals that 1 man 1 vote can be manipulated by the control of information that each voter receives. The information is controlled by the education system and the media. The media is controlled by corporations. Frank shows prescience in describing what was the Obama campaign's masterful manipulation of the media
http://newworldrhinos.blogspot.com/
http://nilesleshrevelation.blogspot.com/
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Montag, 29. Oktober 2018

Die Eine-Minute-Zeitmaschine

One-Minute Time Machine | Sploid Short Film Festival · Official Selection {5:40}

Sploid
Am 08.07.2015 veröffentlicht 
Every time the beautiful Regina rejects his advances, James pushes a red button and tries again, all the while unaware of the reality and consequences of his actions.
Directed by Devon Avery.
Selected for the Sploid Short Film Festival, a celebration of the coolest short films and the filmmakers that make them. Learn more details and submit your short here: http://sploid.gizmodo.com/announcing-...
Read more: http://sploid.gizmodo.com/short-film-...
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Heute vor 100 Jahren – 29. Oktober 1918: Beginn des Kieler Matrosenaufstands

Matrosen machen Revolution 

Als sich die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg klar abzeichnete, gab die Seekriegsleitung am 24. Oktober 1918 den Befehl zum Auslaufen der Kriegsflotte für eine Entscheidungsschlacht mit der britischen Royal Navy heraus. Die Matrosen der in Wilhelmshaven ankernden Schlachtschiffe des I. und III. Geschwaders weigerten sich am 29. Oktober jedoch, den Anker zu lichten, und meuterten. Als die Marineleitung mit dem Beschuss durch U-Boote drohte, gaben die Rädelsführer auf und wurden verhaftet.
Ein aus revolutionären Matrosen im November 1918 gebildeter Soldatenrat

In Kiel suchten meuternde Matrosen Kontakt zu Arbeitern und Gewerkschaftern. Der Versuch, verhaftete Kameraden zu befreien, forderte am 3. November die ersten Toten. Am folgenden Tag wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, der 14 Forderungen an die Marineleitung stellte. Der SPD-Reichstagsabgeordnete Gustav Noske eilte nach Kiel und stellte sich an die Spitze des Rats, um weitere Gewalt zu verhindern. Dennoch hissten einige Schiffe am 5. November die rote Fahne und lieferten sich Schusswechsel mit kaisertreuen Offizieren. Am 7. November proklamierte der Rat: »Die politische Macht ist in unserer Hand!« Inzwischen war ganz Nordwestdeutschland unter der Kontrolle von Arbeiter- und Soldatenräten. Am selben Tag proklamierte Kurt Eisner in Bayern die Republik. Die Novemberrevolution schritt voran und begrub die Monarchie unter sich.


Harenberg – Abenteuer Geschichte 2018

Unsere Geschichte - 1918: Aufstand der Matrosen (NDR - 4.11.2018) {1:28:36}

Serdar Günes
Am 09.11.2018 veröffentlicht
3. November 1918: Auf den Straßen Kiels fallen Schüsse, Militäreinheiten eröffnen das Feuer auf demonstrierende Matrosen. Sieben Menschen sterben, 29 werden verletzt. Es ist der blutige Höhepunkt des Kieler Matrosenaufstandes und der letzte Auslöser für die revolutionäre Bewegung, die kurz darauf das ganze deutsche Reich erfasst und zum Sturz der Monarchie führt.

Revolution - Räte-Republik 1918/1919 in Deutschland {45:04}

ThiefTimeless2
Am 08.05.2013 veröffentlicht
3sat, November 2008
Kulturzeit extra: Die Räterepublik 1918/1919
Film von Henning Burk
Der Streit im linken Parteienspektrum hat in Deutschland eine lange Tradition. Vor 90 Jahren, als der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstags und der Spartakist Karl Liebknecht zwei Kilometer östlich vom Berliner Schloss aus die deutsche Republik ausriefen, war die Linke tief zerstritten darüber, wie mit dem politischen Erbe des Kaiserreichs und den Herrschaftsverhältnissen in Deutschland umzugehen sei. Die einen blickten bewundernd auf die Vorgänge in Russland und sahen in der jungen Sowjetrepublik ein Vorbild. Die anderen distanzierten sich energisch davon. Und so führten Räterepublik und Revolution im Deutschland der Jahreswende 1918/1919 zu einer seltsamen Wahrnehmung, der auch Alfred Döblin noch 20 Jahre später in der Romantetralogie "November 1918" eine literarische Form gab.
Henning Burk zeichnet in "Kulturzeit extra: Die Räterepublik 1918/1919" die Vorgänge dieses revolutionären Winters nach.

Samstag, 27. Oktober 2018

USA – Es funktioniert immer: Die am Ende der Nahrungskette werden gegeneinander aufgehetzt

Eine brandgefährliche Mischung.

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Am 6. November 2018 finden in den USA Zwischenwahlen statt. Dabei werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat neu vergeben. Außerdem werden in 36 Staaten und 3 Außengebieten neue Gouverneure gewählt.

Zurzeit kontrollieren die Republikaner beide Häuser des Parlaments und halten eine deutliche Mehrheit der Gouverneurssitze. Traditionell aber muss die Partei des amtierenden Präsidenten bei diesen Wahlen mit Verlusten rechnen. Auch diesmal sagen die Wahlforscher voraus, dass die Demokratische Partei zulegen und den Republikanern möglicherweise die Mehrheit im Repräsentantenhaus entreißen wird.

Für Donald Trump kommen die Wahlen zu einem äußerst ungelegenen Zeitpunkt: Die durch die Medien und die Demokraten hochgespielte Khashoggi-Affäre hat ihm wegen seiner Nähe zum saudischen Machthaber geschadet, an den Börsen kommt es zu immer heftigeren Kursschwankungen und trotz aller Jubelmeldungen über eine boomende Wirtschaft verschlechtert sich die soziale Lage im Land zusehends.

Zudem hat Trump viele seiner Wahlversprechen nicht eingehalten. Das Verhältnis zu Russland hat sich nicht verbessert, sondern verschlechtert Die ins Land zurückgeholten Jobs sind schlecht bezahlt und der Sumpf, den er „trockenlegen“ wollte, ist heute mächtiger denn je: Nie hat ein Präsident so viele Militärs und Banker um sich geschart wie Donald Trump und nie ist ein Präsident den Ultrareichen im Land bereits in den ersten zwei Amtsjahren durch Gesetzesänderungen und Steuererleichterungen derart weit entgegen gekommen.

Um von dieser für die arbeitenden Menschen ernüchternden Bilanz seiner zweijährigen Amtszeit abzulenken und die Wahl dennoch zu seinen Gunsten zu entscheiden, zieht Donald Trump seit Wochen von einer Wahlkampfveranstaltung zur nächsten, twittert fast rund um die Uhr und setzt dabei vor allem auf zwei Themen: Nationalismus und Fremdenhass.

mehr:
- Tagesdosis 27.10.2018 – Donald Trump und der Flüchtlingstreck (Podcast) (Ernst Wolff, KenFM, 27.10.2018)

Verlorene Jugend in Chicago | Weltspiegel {7:30}

Weltspiegel
Am 15.05.2018 veröffentlicht 
Weltspiegel vom 13. Mai 2018
Ein kurzes Leben auf der Überholspur, danach gibt es meist eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Tod oder Knast. So beschreibt George das Leben hier im Gang-Vorort von Chicago. Das ist die Wahl, die du in West-Side hast.
Ein Film von Verena Bünten, ARD-Studio Washington.
Bild: SWR  

Brasilien – Wenn die Menschen den Eliten nichts mehr zutrauen…

Stichwahl am Sonntag könnte Polithasardeur Bolsonaro an die Macht bringen

In Brasilien könnte der rechtsextreme Kandidat Jair Bolsonaro bei der Stichwahl an diesem Sonntag die Macht in dem südamerikanischen Land übernehmen. Das Umfrageinstitut Ibope prognostizierte 50 Prozent für Bolsonaro und 41 Prozent für den Präsidentschaftsanwärter der linksgerichteten Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT), Fernando Haddad.

Das Ergebnis stimmt mit einer Prognose des Umfrageinstituts Datafolha überein. Eine Erhebung des Meinungsforschungsunternehmens Vox Populi kommt hingegen auf eine knappere Differenz von sechs Prozent zwischen den Kandidaten: Ihm zufolge wollen 53 Prozent für Bolsonaro stimmen und 47 Prozent für Haddad.

Auch wenn die PT einen verzweifelten Wahlkampf führt, um an die Umfragehochs unter dem ursprünglichen Kandidaten und ehemaligen Präsidenten (2003-2011) Luiz Inácio Lula da Silva anzuknüpfen, stehen ihre Chancen schlecht. Mit dem wahrscheinlichen Sieg Bolsonaros droht ein schleichender Putsch, der mit der Amtsenthebung der Lula-Nachfolgerin und PT-Politikerin Dilma Rousseff im August 2016 begonnen hat (In Brasilien herrschen jetzt Alte, Reiche, Weiße und Rechte), seinen vorläufigen Höhepunkt zu finden.
mehr:
- Brasilien rutscht nach rechts (Harald Neuber, Telepolis, 27.10.2018)

siehe auch:
- Rechter Bolsonaro Favorit– Brasilien wählt radikal (Roland Peters, n-tv, 28.10.2018) – dazu auch das Video
- Haddad vs. Bolsonaro – Brasiliens dramatische Stichwahl zwischen Demokratie und autoritärem Unrechtsstaat (Frederico Füllgraf, NachDenkSeiten, 27.10.2018)

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Zeit der Militärdiktatur
Im Jahre 1964 putschte das Militär und setzte João Goulart ab. Das neue Regime unter Marschall Humberto Castelo Branco unterdrückte die linke Opposition und entzog etwa 300 Personen die politischen Rechte. Ein 1965 verabschiedetes Gesetz schränkte die bürgerlichen Freiheiten ein, sprach der Nationalregierung weitere Machtbefugnisse zu und bestimmte die Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten durch den Kongress.
[…]
Anfang der 80er Jahre schwächte die Militärregierung die Repression deutlich ab, bis schließlich 1985, auch aus Mangel an eigenen Optionen aus dem Militärkader und bereits inmitten einer Wirtschaftskrise mit galoppierender Inflation, freie Wahlen zugelassen wurden.
Demokratie seit 1985
[…]
In demokratischen Wahlen wurde 1990 Fernando Collor de Mello zum Nachfolger Sarneys gewählt. Die ersten Monate seiner Amtszeit verbrachte er mit der Bekämpfung der Inflation, die zeitweise 25 % monatlich erreichte. […]
Im Jahr 1992 wurde Collor von seinem Bruder Pedro der Korruption bezichtigt, was zu Untersuchungen durch Kongress und Presse führte. Die sich verdichtenden Hinweise auf Bestechlichkeit und Veruntreuung von Staatsmitteln gaben den Anstoß zu Massendemonstrationen und Unruhen in den großen Städten Brasiliens. 
[…]
Im Jahre 2011 wurde Dilma Rousseff als erste Frau zum Staatsoberhaupt Brasiliens gewählt. Trotz ihres umstrittenen, harten Regierungsstils, der sich sehr von dem ihres Mentors Lula abhebt, betrugen im März 2012 ihre Zustimmungswerte 72 Prozent, im März 2013 waren sie auf 79 Prozent angestiegen. Mitte Juni begann jedoch eine Gruppe von jungen Menschen, welche die Fahrpreiserhöhungen bei öffentlichen Transportmitteln in São Paulo ablehnte, zu protestieren. Die gewaltvolle Repression, mit der die Polizei auf die Demonstrierenden reagierte, löste eine Kette von landesweiten Protesten hervor: In den folgenden Wochen gingen die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße. Gekämpft wurde zusätzlich gegen die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2014, Korruption, Missachtung von Menschenrechten, Angriffe auf soziale Rechte sowie auf die Rechte von Frauen, Homosexuellen und Indigenen. Ein Großteil der Kritik richtete sich an die Regierung und ihre zu wenig soziale Politik. Präsidentin Rousseff reagierte darauf mit dem Versprechen eines „großen Pakts“ für ein besseres Brasilien. Von Juni auf Juli sanken die Zustimmungswerte von Präsidentin Rousseff auf 31 Prozent ab.[57]
Die tiefe Vertrauenskrise in das politische System wurde mit der Absetzung Rousseffs im Jahr 2016 nicht behoben, da diese an einem System scheiterte, das "älter ist als die Demokratie",[58] jedoch auch von der Arbeiterpartei unter ihrer und der Präsidentschaft ihres Vorgängers Lula gepflegt anstatt verändert[59] worden war. Roussefs Nachfolger Temer verlor innert eines halben Jahres sechs seiner Minister wegen Korruptionsvorwürfen, während das Land schon das zweite Jahr in Folge in einer Rezession steckte.[60] Im Mai 2017 ermittelte das Oberste Gericht auch gegen den Präsidenten Temer. Nicht nur die staatliche Erdölfirma Petrobras, sondern damit auch der Baukonzern Odebrecht und der weltgrösste Fleischhändler JBS waren in die Korruption verwickelt.[61][Brasilien, Geschichte, Wikipedia, abgerufen am 28.10.2018]
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Vor 50 Jahren: Militärputsch in Brasilien | Journal {3:24}

DW Deutsch
Am 31.03.2014 veröffentlicht 
Am 31. März 1964 putschte in Brasilien das Militär gegen die Regierung von João Goulart. Man wollte damit verhindern, dass der Präsident Brasilien auf den kommunistischen Kurs Kubas lenken könnte. In Folge der Machtergreifung wuchs ein Staatsterror heran, bei dem Regimegegner willkürlich verhaftet, gefoltert und getötet wurden. Die Militärherrschaft endete erst im Jahr 1985.

makro: Brasiliens gekaufte Demokratie Doku (2018) {28:28}

Pepe Schwedolin
Am 19.02.2018 veröffentlicht 
(beachte auch den Kommentar, mir fällt dabei sofort Italien ein…)

Brasilien: Demokratie in Gefahr? | Weltspiegel {7:14}

Weltspiegel
Am 10.10.2018 veröffentlicht 
Weltspiegel vom 7. Oktober 2018
Es ist eine Schicksalswahl für das Land, sagen nicht nur Brasilianer. Der frühere Staatschef Lula da Silva, lange Zeit aussichtsreichster Kandidat, ist aus dem Rennen um das Amt des Präsidenten. Er sitzt im Gefängnis.

Why Brazil Might Elect An Ultra-Right Wing President (HBO) {7:49}

VICE News
Am 05.10.2018 veröffentlicht 
RIO DE JANEIRO — On a recent Sunday morning, a few hundred shirtless men wearing camo pants tucked into army boots got together to run in formation down the beach to Copacabana.
As they ran, with tourists and Brazilians alike gawking from the sand, they yelled “Cazuca,” the name of a young army sergeant killed in February during an armed robbery in western Rio.
Marcelo Soares Corrêa, a retired paratrooper and congressional candidate, led the men — all active or retired members of Brazil’s armed forces — in an anti-communist call-and-response: “Our flag will never be red!”
Corrêa is one of nearly 100 military veterans seeking office in Sunday’s national elections in Brazil. Nearly all of them are aligned with Jair Bolsonaro, the ultra-right wing, authoritarian presidential frontrunner famous for a long history of sexist, racist, and homophobic remarks. And like Bolsonaro, military candidates such as Corrêa say their hardline approach is needed to eradicate the twin problems afflicting Brazil: rampant political corruption and violent crime.
“The only good criminal is a dead criminal,” Corrêa told VICE News. “If you let the armed forces really get to work, they will completely eliminate the crime that has taken over the country.”
This turn toward militarism is raising alarms in a country that emerged only 33 years ago from a military dictatorship notorious for torturing, disappearing, and exiling its opponents. Yet rather than run away from Brazil's ugly past, Bolsonaro and his allies have appropriated it as a symbol of better days. On the campaign trail, these soldiers-turned-politicians routinely and explicitly praise the military regime. Bolsonaro counts as a personal hero Colonel Carlos Brilhante Ustra, who was found by Brazil’s National Truth Commission to have supervised the torture of more than 500 people during military rule.
Though Brazil has always had ultra-nationalist hardliners, what makes this year’s election different is that their rhetoric has much broader appeal.
“This nostalgia for military order is a response to both political corruption and urban violence,” said Bryan McCann, a historian at Georgetown University. “But it’s completely misplaced. The dictatorship was characterized by widespread corruption, and military enforcement, where it’s been tested within Brazil, has not been a successful constraint on urban violence.”
To many observers, Bolsonaro’s rise, whether he prevails in Sunday’s election or not, represents a deeper threat to a democracy made already fragile by a corrupt political establishment. Some even fear an outright military takeover — a possibility that, although unlikely, is not unreasonable: Bolsonaro’s vice-presidential running mate, a retired army general named Antonio Hamilton Mourão, has on at least two occasions said that a coup may be the only solution to Brazil’s problems.
In an interview with VICE News, Mourão insisted that he didn’t think a coup was necessary at this moment. But he didn’t discard the possibility. “If the country is the Titanic that’s sinking, will we, the military, behave like the orchestra? Will we start playing and go down with the country?” He said. “I think not.”
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