Freitag, 5. Dezember 2008

Renaud – La Mère À Titi



Renaud - La Mère A Titi von Yentime




Sur la tabl' du salon
Qui brille comme un soulier
Y a un joli napp'ron
Et une huitr'-cendrier

Y a des fruits en plastique
Vach'ment bien imités
Dans une coupe en cristal
Vach'ment bien ébréchée

Sur le mur, dans l'entrée
Y a les cornes de chamois
Pour accrocher les clés
D' la cave où on va pas

Les statuettes africaines
Côtoient sur l'étagère
Les p'tites bestioles en verre
Saloperies vénitiennes

C'est tout p'tit, chez la mère à Titi
C'est un peu l'Italie
C'est l' bonheur, la misère et l'ennui
C'est la mort, c'est la vie

Y a une belle corrida
Sur un moche éventail
Posé au d'ssus du sofa
Comme un épouvantail

Sur la dentelle noire
Y a la mort d'un taureau
Qui a du mal à croire
Qu'il est plus sous Franco

Y a une pauvre vierge
Les deux pieds dans la flotte
Qui se couvre de neige
Lorsque tu la gigotes

Le baromètr' crétin
Dans l'ancre de marine
Et la photo du chien
Tirée d'un magazine

C'est tout p'tit, chez la mère à Titi
Mais y a tout c' que j' te dis
C'te femme là, si tu la connais pas
T'y crois pas, t'y crois pas

Sur la télé qui trône
Un jour j'ai vu un livre
J' crois qu' c'était Le Grand Meaulnes
Près d' la marmite en cuivre

Dans le porte-journeaux
En rotin tu t'en doutes
Y a Nous-Deux, l' Figaro
L' Catalogue d' la Redoute

Pi au bout du couloir
Y a la piaule à mon pote
Où vivent ses guitares
Son blouson et ses bottes

Sa collec' de B.D.
Et au milieu du souk
Le mégot d'un tarpé
Et un vieux New Look

C'est tout p'tit, chez la mère à Titi
Le Titi y s'en fout
Y m' dit qu' sa vie est toute petite aussi
Et qu' chez lui, c'est partout

Quand y parle de s' barrer
Sa mère lui dit qu'il est louf'
Qu'il est même pas marié
Qu' ses gonzesses sont des pouffes

Et qu' si y s'en allait
Pas question qu'y revienne
Avec son linge sale à laver
A la fin d' chaque semaine


Alors y reste là
Ettouffé mais aimé
S'occupe un peu des chats
En attendant d' bosser

Y voudrait faire chanteur
Sa mère y croit d'ailleurs
Vu qu'il a une belle voix
Comme avait son papa

C'est tout p'tit, chez la mère à Titi
C'est un peu l'Italie
C'est l' bonheur, la misère et l'ennui
C'est la mort, c'est la vie

Auf dem Wohnzimmertisch,
Der wie einen Schuh glänzt
Liegt ein schönes Deckchen
Und ein Austern-Aschenbecher

Es gibt Plastikfrüchte
Tierisch gut nachgemacht
In einer Kristallschale
Tierisch gut angeschlagen

An der Wand, im Eingang,
Gibt’s die Gemshörner
Um die Schlüssel aufzuhängen
Zum Keller, wo man nie hingeht.

Die afrikanischen Statuetten
Kommen auf dem Wandbrett in Berührung
Mit den kleinen Glastierchen,
Venezianischem Schund

Es ist echt klein bei Titis Mutter
Es ist ein bißchen wie Italien
Es ist das Glück, das Elend und die Langeweile
Es ist der Tod, es ist das Leben


Da gibt’s einen schönen Stierkampf
Auf einem hässlichen Fächer
Über dem Sofa aufgelegt
Wie eine Vogelscheuche

Auf der schwarzen Spitze
Gibt’s den Tod eines Stiers
Der nicht glauben kann
Dass er nicht mehr unter Franco ist

Es gibt eine arme Jungfrau
Die beiden Füße im Wasser
Die sich mit Schnee bedeckt
Wenn du sie schüttelst

Das blöde Barometer
Im Schiffsanker
Und das Bild des Hundes
Aus einer Zeitschrift ausgeschnitten

Es ist echt klein bei Titis Mutter
Aber es gibt alles, was ich dir sage
Die Frau da, wenn du sie nicht kennen würdest,
Du würdest es nicht glauben, du würdest es nicht glauben

Auf dem thronenden Fernsehgerät
Habe ich eines Tages ein Buch gesehen
Ich glaube, es war „Der große Meaulnes“,
Neben dem Kupfertopf


Im Zeitungsständer
Aus Rattan, wie du vermuten kannst,
Liegen „Nous-Deux“, der „Figaro“
Der Katalog von „La Redoute“

Dann am Ende des Flurs
Gibt’s die Bude meines Freunds
Wo seine Gitarren leben
Seine Jacke und seine Stiefel

Seine Comicssammlung
Und inmitten dieses Basars
Die Kippe eines Joints
Und eine alte „New Look“-Ausgabe

Es ist echt klein bei Titis Mutter
Dem Titi ist es Wurst
Er sagt mir, sein Leben ist auch ganz klein
Und daß es bei ihm so ist wie überall


Wenn er drüber redet, abzuhauen,
Sagt ihm seine Mutter, er sei bekloppt
Daß er noch nicht mal verheiratet ist
Und daß seine Freundinnen Dummerchen sind

Und daß er, wenn er ginge,
Nicht mehr zurückkommen braucht, keine Frage,
Mit seiner zu waschenden schmutzigen Wäsche
Am Ende jeder Woche

Also bleibt er da
Erstickt, aber geliebt
Kümmert sich ein bisschen um die Katzen
Während er auf die Maloche wartet

Er würde gern Sänger werden
– Seine Mutter glaubt außerdem auch dran –
Denn er hat eine schöne Stimme
So, wie sein Vater eine hatte

Es ist echt klein bei Titis Mutter
Es ist ein bißchen wie Italien
Es ist das Glück, das Elend und die Langeweile
Es ist der Tod, es ist das Leben




Wer seinen Partner pflegt, lebt länger

In einer US-Studie wird seit 1993 eine repräsentative Stichprobe amerikanischer Senioren begleitet. Forscher haben jetzt die Daten von zu Hause lebenden Ehepaaren (n=1688) ausgewertet, unter anderem im Hinblick darauf, ob einer der Partner den anderen pflegen mußte und wie viel Zeit er dafür aufwendete. Im Beobachtungszeitraum verstarben 909 Probanden dieser Gruppe. Die niedrigste Mortalität fand sich erstaunlicherweise bei den Personen, die ihren Ehepartner pro Woche 14 Stunden und länger pflegen mußten. Altruismus wird, so scheint es, mit Langlebigkeit belohnt. (Psychological Science)

aus MMW-Fortschritte in der Medizin Nr. 49-50/2008

Loreens Rätsel

Martin steht vor der Tür und sagt: »Ich habe zwei Murmeln in der Hand, eine ist weiß, die andere schwarz. Wer die weiße Murmel zieht, der kann auf meine Party. Wer aber nicht, der muß mir drei Euro geben. Jeder der beiden Jungs zieht die schwarze Murmel. Wie schafft es Martin, daß jeder die gleiche nimmt?

Adventsrätsel (das fünfte von vierundzwanzig)

Rate, was ich hab vernommen:
Es sind achtzehn kleine Gesellen zur Welt gekommen.
Von Angesicht gar säuberlich, keiner doch dem ander’n glich,
all’ ohne Fehler und Gebrechen,
nur konnte keiner ein Wort sprechen;
und damit man sie sollte versteh’n,
hatten sie fünf Dolmetscher mit sich geh’n.
Das waren hochgelehrte Leut’.
Der erst’ erstaunt, reißt’s Maul auf weit,
der zweite wie ein Kindlein schreit,
der dritte wie ein Mäuslein pfiff,
der vierte wie ein Fuhrmann rief,
der fünfte gar wie ein Uhu tut.

(Lösung zu Nr. 4)

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Taijiquan-Demo in Mainz

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, planen einige Mainzer Bootze eine Demonstration zur Einführung von Taijiquan in der Schule. In einem Doppelblindversuch sollen einige stadtbekannte Alkoholiker gegen Eurhythmie-Lehrer der örtlichen Waldorfschule antreten, die ein dreiwöchiges Taijiquan-Training absolviert haben. Beide Gruppen sollen in volltrunkenem Zustand auf einem Strich vom Bahnhof zur Goldgrube laufen. Der Sieger darf dann bei der nächsten Kommunalwahl gegen Andrea Ypsilanti antreten. Schiedsrichter ist der bekannte Taijiquan-Lehrer, Parteienforscher und Polit-Berater Mathias Richling.



Völklingen tut schon was gegen den Schulschwindel, und die Universität Bielefeld bietet sogar schon Unterrichtsmaterialien an. Zur Zeit gibt es Überlegungen, arbeitslose Bankmanager mit einer Abfindungssumme von weniger als einer Million als Taiji-Lehrer auszubilden, wogegen aber der Betriebsrat der Opel-Werke Widerstand angekündigt hat. Begründung: technisch seien die Opelaner nicht zu schlagen. Auch die bekannte Kinderbuchautorin und Taiji-Lehrerin Barbara Reiki (vierter Dan), die ihre Übungen gern in der Nähe von Wasser absolviert, meint, die Opelaner, denen das Wasser bis zum Hals stünde, seien dieser Aufgabe wohl eher gewachsen. Erik Vogel und Sebastian Krol haben schon Vorträge zum theoretischen Hintergrund von schulischen Entspannungsübungen bei Lehrer- und Chi-Mangel und 12 Schuljahren vorgestellt. Man darf auf die Auswirkungen der Mainzer Bildungsinitiative gespannt sein.

Adventsrätsel (das vierte von vierundzwanzig)

Noch sitzt auf halbverfallnem Throne
noch hält die längst bestrittne Krone
die alte Königin der Welt.
Ob sie wohl je vom Throne fällt?
Villeicht; doch liest Du sie von hinten,
so wirst Du einen König finden,
der herrscht, seitdem die Welt besteht,
des Reich nur mit der Welt vergeht;
sie schießt nicht ewig Donnerkeile,
doch treffen ewig seine Pfeile.

(Lösung zu Nr. 3)

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Adventsrätsel (das dritte von vierundzwanzig)

Er hat einen Kamm und kämmt sich nicht,
er hat Sporen und ist kein Ritter,
er hat eine Sichel und ist kein Schnitter.

(Lösung zu Nr. 2)

Dienstag, 2. Dezember 2008

Adventsrätsel (das zweite von vierundzwanzig)

Das erste Paar freut sich am Flug,
das zweite Paar freut sich am Pflug,
das Ganze ist des ersten Fluch.

(Lösung zu Nr. 1)

Autisten sehen scharf

CAMBRIDGE – Die Sehschärfe autistischer Menschen reicht fast an die eines Habichts heran. Forscher um Emma Ashwin der University of Cambridge berichten in GEO von 15 Probanden, die eine mittlere Sehschärfe von 207 aufwiesen. Das heißt, sie erkannten Details aus 20 Metern Entfernung, die ein Nichtautist erst aus einer Distanz von etwa sieben Metern identifizieren kann. Greifvögel erreichen einen Wert von 20:6. Autisten verfügen nicht nur über eine höhere Sensibilität, sondern das besondere Interesse an Details beruht auf körperlichen Eigenschaften.

aus Der Kassenarzt Nr. 21, November 2008

Das das physiologisch überhaupt geht, finde ich höchst interessant!

Glatt im Trend

LEIPZIG – Haare ja, aber nur dort, wo sie hingehören: auf den Kopf! Andere Körperregionen werden eifrig rasiert und epiliert, und das nicht, um dem Filzlausbefall vorzubeugen. Einer Untersuchung der Psychologen um Prof. Elmar Brähler und Dr. Aglaja Stirn der Universität Leipzig zufolge entfernen mehr als 97 Prozent der jungen Frauen und 79 Prozent der Männer – die Bartrasur nicht einbezogen – regelmäßig Körperhaar. Fast die Hälfte der Frauen entledigen sich ihrer Bein-, Achsel- und Genitalbehaarung sowie der Augenbrauen. Auch die Hälfte der Männer rasieren sich den lästigen Pelz der Achselhöhle, des Genitalbereichs und auf dem Oberkörper.
Der Anteil der 314 im Schnitt rund 23 Jahre alten Probanden, die überhaupt kein Körperhaar entfernen, befand sich auf interferenzstatistisch nicht verwertbarem Niveau. Personen, die sich die Arbeit der aufwendigen Haarentfernung machen, leiden nicht an einer Störung ihres Selbstwerts, so Brähler. Ferner konnten die Wissenschaftler kein ausgeprägtes Persönlichkeitsmerkmal des „Sensation Seekings“ – des Bedürfnisses nach ständig neuer Stimulation und hoher Erregung – beobachten. Brähler geht davon aus, dass das aktuelle Modeideal der „glatt rasierten Scham“ wie jedes andere auch wieder an der Mode kommt. „Über kurz oder lang wird wieder üppig wachsendes Haar als schick gelten.“

aus Der Kassenarzt Nr. 21, November 2008

Schmiss wirkt verwegen

LIVERPOOL – Frauen fühlen sich von Männern mit markanten Narben im Antlitz magisch angezogen, vor allem wenn sie nur auf die schnelle Nummer aus sind Biologen um Hob Burriss der University of Liverpool erklären in PERSONALITY AND lNDIVIDUAL DIFFERENCES, dass Frauen die „Kriegsverletzungen“ mit Mut, Verwegenheit und einem hohen Testosteronspiegel assoziieren. Suchen die Damen allerdings den Partner zur Familiengründung, hat Scarface ausgedient und die Damen bevorzugen das glatte Exemplar (siehe oben). Das stehe für Fürsorglichkeit und Umsicht. Burriss fand anhand von Fototests heraus, dass Männer in dieser Hinsicht weniger wählerisch sind: Sie bevorzugten schlicht die unversehrten Damen sowohl für die flüchtige Affäre als auch für die beständige Partnerschaft.

aus Der Kassenarzt Nr. 21, November 2008

Cheerleading ist mörderisch

CHAPEL HILL – Über die Hälfte aller schweren Sportverletzungen ziehen sich amerikanische Schülerinnen beim Cheerleading zu. Wie GEO berichtet, nehmen seit Mitte der 1990er-Jahre die Unglücksfälle in dieser Disziplin überproportional zu. Denn längst besteht Cheerleading nicht mehr nur aus dem rhythmischen Winken mit bunten Puscheln. Immer gewagtere Salti, Flickflacks und Wurffiguren erfordern perfekte Körperbeherrschung. Schwere Stürze aus mehreren Metern Höhe sind die Hauptursache für kompliziertere Frakturen. Sogar Todesfälle tauchen in der Statistik auf. Laut einer Erhebung des National Center for Catastrophic Sport Injury Research der University of North Carolina für den Zeitraum zwischen 1982 und 2007 verursachte das Cheerleading 55 Prozent aller Unfälle an High Schools, gefolgt von Turnen und Leichtathletik. An Colleges beträgt der Anteil an schweren Verletzungen sogar 59,4 Prozent, weit vor Unglücksfällen beim Feldhockey und beim Turnen.

aus Der Kassenarzt Nr. 21, November 2008


Cheerleading Incidents [1:17]
Hochgeladen am 11.10.2007
StuffedInbox.com presents this video about cheerleading mishaps, accidents, collisions and other tragic, but funny, situations.

Schlechte Balance – schlechte Noten

Neue Innenohruntersuchungen der Hochschule Aalen an über 3.000 hessischen Schülern der Klassen 1 bis 10 belegen, dass Schulkinder fundamentale Defizite bei Gleichgewichtstests aufweisen. Und: Kinder mit schlechtem Gleichgewicht haben signifikant schlechtere Schulnoten
Hör-, Seh- und Gleichgewichtsprüfungen bei 3.338 Schülerinnen und Schülern ergaben, dass Gleichgewichtsdefizite bei Haupt- und Realschülern besonders ausgeprägt sind: Hier weist nur jeder vierte Schuler und jede dritte Schülerin die zu erwartende Gleichgewichtsleistung auf. Aber auch in Gymnasien und Gesamtschulen zeigen nur rund 60 Prozent der Schüler und 70 Prozent der Schülerinnen angemessene Gleichgewichtsergebnisse. Kinder mit schlechtem Gleichgewicht haben über die gesamte Schullaufbahn schlechtere Noten in Mathematik und Deutsch, tendenziell auch in Sport. Der durchschnittliche Unterschied zu den Schülern mit gutem Gleichgewicht beträgt je nach Fach bis zu 0,7 Notenstufen. Leistungsdifferenzen in dieser Größenordnung entscheiden oft darüber, ob ein Kind zum Beispiel eine Realschule oder ein Gymnasium besucht.
Die Erkennung von Beeinträchtigungen des sensorischen Systems ist notwendig, um Kindern die Chance zu geben, den Lernstoff uneingeschränkt aufzunehmen. Die Maßnahmen, um den betroffenen Kindern zu helfen, reichen von Diagnostik mit anschließender Therapie, einer Hilfsmittelversorgung mit Brille oder Hörgerät über die Sitzordnung im Klassenzimmer, raumakustische Maßnahmen bis hin zu unterstützenden pädagogischen Maßnahmen.

aus Der Kassenarzt Nr. 21, November 2008

Die Geheimnisse der Marathon-Maus

Fehlt Mäusen ein Gen für ein bestimmtes Muskelprotein, so entwickeln sie sich zu „Marathonläufern“. Im Lauftest sind sie deutlich ausdauernder als normale Mäuse. Sie laufen weiter und auch schneller.
Dies haben Wissenschafter am Universitätsklinikum Heidelberg im Tiermodell an genetisch veränderten Mäusen gezeigt, deren Muskeln das Protein Calsarcin 2 nicht bilden können. Der Grund der Ausdauerleistung: Der Mangel am Protein Calsarcin 2 führt dazu, dass die Muskeln der „Marathon-Maus“ sich aus überdurchschnittlich vielen langsamen Muskelfasern zusammensetzen. Diese können zwar nicht schnell reagieren, dafür aber ausdauernd arbeiten. Im Gegensatz dazu sind schnelle Muskelfasertypen sofort einsatzbereit, ermüden aber schneller. Normalerweise ist der Anteil der Fasertypen streng reguliert, damit sich die Muskeln stets optimal an wechselnde Anforderungen anpassen können.
Wichtig für diese Anpassungsprozesse ist das Zusammenspiel von Calsarcin 2 mit dem Muskelprotein Calcineurin, das die Ausbildung der langsamen und ausdauernden Muskelfasern fordert. Ist kein Calsarcin 2 vorhanden, verstärkt sich die Wirkung von Calcineurin, und es entwickeln sich mehr ausdauernde Muskelfasern. Da es große Ähnlichkeiten zwischen der Herz- und der Skelettmuskulatur gibt, untersuchen jetzt Kardiologen, ob es auf molekularer Ebene Zusammenhänge gibt zwischen der Fitness von Herz- und Skelettmuskel.

aus Der Kassenarzt Nr. 21, November 2008

Montag, 1. Dezember 2008

Adventsrätsel (das erste von vierundzwanzig)

Atemlos lebt es, kalt wie der Tod schwebt es,
kennt keinen Durst, doch dennoch trinkt es,
trägt ein Kettenhemd, doch nie klingt es.

Sonntag, 16. November 2008

Was Pavianpos und Frauen gemein haben

ROCHESTER – Männliche primitive Vorlieben sollten umsichtige Frauen als Styling-Tipp verstehen. Die Lady in Red ist für Männer attraktiver. Das ergab die Studie der Psychologen Andrew Elliot und Daniela Nieste der University in Rochester. Die männlichen Probanden begehrten eine auf einem Foto abgebildete Frau dann besonders, wenn diese rote Kleidung trug – oder das Foto lediglich rot gerahmt war Dieser Farbeffekt hatte auf die Bewertung von Sympathie und Intelligenz keinen Einfluss. Die Forscher schreiben im JOURNAL OF PERSONALITY AND SOCIAL PSYCHOLOGY, dass die Beziehung von roter Farbe und sexueller Anziehung nicht anerzogen sei, sondern biologische Wurzeln habe. Denn dieser Schlüsselreiz funktioniert auch bei Affen. Weibliche Schimpansen und Paviane signalisieren durch ihr rotgefärbtes Hinterteil ihre Empfängnisbereitschaft. Frauen hingegen beurteilten die Attraktivität ihrer Geschlechtsgenossinnen unabhängig davon, ob Rot auf dem Bild vorhanden war oder nicht.

aus Der Kassenarzt Nr. 20, November 2008

Hier sitzt der Hass

LONDON - Liebe und Hass liegen dicht beieinander – das ist nicht nur ein Sprichwort. Die Neurowissenschaftler Semir Zeki und John Romeya vom University College London haben herausgefunden, welche Hirnbereiche aktiv sind, wenn Menschen leidenschaftlich hassen. Hass aktiviere andere Hirnlegionen als ähnliche Gefühle wie Angst oder Wut, schreiben die Forscher in PLoS ONE. Überraschenderweise teile sich Hass zwei Bereiche des Großhirns mit der Liebe. Das Putamen bereite Bewegungen vor. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Inselrinde bei Hassgefühlen aktiviert werde, um einen Angriff oder eine Flucht einzuleiten Das sei derselbe Impuls, wenn ein Rivale um die angebetete Person rumschleiche, denn sowohl geliebte als auch verhasste Gesichter beunruhigten.

aus Der Kassenarzt Nr. 20, November 2008

Freitag, 7. November 2008

Dokumentarfilm »Hidden Heart«

Am 3. Dezember wird sich die erste erfolgreich durchgeführte Herztransplantation zum 41. Mal jähren: Der kapstädter Herzchirurg Christiaan Barnard transplantierte dem 55jährigen Louis Washkansky ein Spenderherz und schrieb damit Medizingeschichte.
Was jahrzehntelang nicht beachtet wurde: Der schwarze Südafrikaner Hamilton Naki, dem aufgrund seiner Hautfarbe ein Studium verwehrt blieb und der vom Klinikgärtner zum Leiter der Tierversuchsanstalt der Medizinischen Klinik geworden war, hatte alle an der Operation teilnehmenden Ärzte ausgebildet. Als später Barnard wegen seines Rheumas nicht mehr operieren konnte, wurde Nani sein ausführender Arm am OP-Tisch.

Der Film erzählt die unterschiedliche Geschichte der beiden Mediziner und das Deutsche Ärzteblatt vom Film.

Dienstag, 4. November 2008

Syriana, Kino at it’s best!


Sie führen Krieg ums Öl. Mit allen Mitteln…
Politthriller mit den Superstars George Clooney und Matt Damon


Prinz Nasir will Reformen
















Bob Barnes (Oscar für George Clooney) ist Nahostexperte der CIA. Er soll den reformorientierten arabischen Thronfolger Prinz Nasir (Alexander Siddig) ausschalten, der sein ölreiches Land von den USA unabhängig machen will…


Bryan Woodman zweifelt



Nach dem tragischen Tod seines kleinen Kindes wird Wirtschaftsexperte Bryan Woodman (Matt Damon) zum Berater eben dieses Prinzen Nasir…
Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright) erhält einen delikaten Auftrag: er soll die Fusion zweier US-Ölfirmen auf Korruption hin überprüfen. Ohne den Deal zu gefährden…
Gleichzeitig gerät der bettelarme Ölarbeiter Wasim Khan unter die Fuchtel radikaler Islamisten…
All diese Handlungsfäden (und mehr!) verwebt Regisseur Gaghan zu einem hochkomplexen Thriller.
Gaghan und seine Produzenten Goerge Clooney und Steven Soderbergh („Traffic“) wollen zeigen, wie Profitgier, Ölabhängigkeit, Armut und Terrorismus global zusammenhängen. Differenziert, anspruchsvoll, großes Kino!


Stephen Gaghan: Kino für eine komplizierte Welt
Ein früherer Alkoholiker und Crack-Junkie ist heute einer der gefeiersten Kino-Autoren: Stephen Gaghan, 43, landte mit dem Oscar-prämierten „Traffic“-Skript (2000) seinen großen Wurf. „Traffic“ faszinierte mit der Idee, das ganze komplizierte Geflecht der Drogenökonomie als nicht lineares Epos zu schildern. „Syriana“ inspiriert von einem Buch des CIA-Agenten Robert Baer, treib diese Erzählweise auf die Spitze. Die verwirrend zahlreichen Handlungsstränge sind nur lose verkünpft und oft lückenhaft. Gaghan: „Nach 9/11 bin ich allmählich zur Überzeugung gekommen, daß unsere westliche Gesellschaft süchtig ist – nach billigem Öl.“
aus TV-Spielfilm

Gestern abend (3.11.08) im ZDF, vielleicht kommt’s ja wieder…

Gehirnforschung, Geld und Rettungspakete

In der Zeitschrift Nervenheilkunde fragt sich Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, wie »aus dem Homo oeconomicus ein sein Glück wissenclich und sinnlos verspielender Homo irrationalis« wurde, und findet interessante Antworten.

Editorial der Zeitschrift Nervenheilkunde, kostenloser Download

Falls der Links nicht mehr funktioniert, hier nach Heft 11/2008 suchen, in der sich öffnenden Seite auf »Editorial« (zweiter Artikel von oben) klicken.

Samstag, 1. November 2008

Fernsehen vor den 68ern

Jochen Malmsheimer in der Anstalt (Danke an kunfusius und Xiamo für den Tip)

»Wo sind die erotisierenden Wachmacher?«

Warum der Fußball und der Papst mehr Leute mobilisieren als die Politik. Fragen an den Psychoanalytiker Micha Hilgers

Politik reißt niemanden vom Hocker: Schüler auf der Besuchertribüne des Deutschen Bundestages schon gar nicht







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Von Wolfgang Kessler

Publik-Forum: Die Deutschen scheinen politikmüder denn je – oder trügt der Schein?

Micha Hilgers: Enttäuschung ist etwas anderes als Müdigkeit. Mit Beginn von Rot-Grün herrschten Hoffnung und Aufbruchstimmung. Roman Herzogs Wort vom Ruck, der durch das Land gehen müsse, schien Realität zu werden. Doch unter Schröder war das Gegenteil der Fall: kein Ruck, sondern soziales Rollback. Familienpolitik als Gedöns, das Eigenheim als Pfand für eine eventuelle Arbeitslosigkeit oder pflegebedürftige Angehörige, Hartz IV. Dazu gigantische Steuerentlastungen für das Großkapital. Müdigkeit? Eher Erschöpfung, Enttäuschung über zerbrochene Hoffnungen und die Folgen massenhafter Verarmung durch sinkende Reallöhne.

Publik-Forum: Das müsste die Leute doch eher dazu motivieren, endlich etwas zu ändern?

Hilgers: Ach, kommen Sie, wie soll denn die Arithmetik einer anderen Politikkonstellation nach der Bundestagswahl aussehen! Die SPD hat sich selbst jede Chance verbaut, eine soziale Politik zu realisieren, indem sie ein Bündnis mit den Linken auf Bundesebene ausschloss. Mit Westerwelles FDP und den Grünen in einem Jamaika-Bündnis ist der Mindestlohn ausgeschlossen, eine neue Energiepolitik auch, ganz zu schweigen von der Bildung und der Förderung von Minderheiten, die weitgehend Ländersache ist. Was bleibt, ist eine schwarz-gelbe oder eine schwarzrote Koalition. Soll das etwa als erotisierender Wachmacher wirken?

Publik-Forum: Das Netzwerk attac und andere Organisationen beklagen das Fehlen der Dreißig- bis Fünfzigjährigen. Wo sind die?

Hilgers: Zu Hause, im Job und auf der Autobahn zwischen beiden. Seit Jahren lesen wir in den Shell-Jugendstudien, dass junge Erwachsene Karriere im Beruf mit Familie in Einklang bringen wollen. Das ist allerdings bei der verheerenden Situation in der Kinderbetreuung und ständigem berufsbedingten Ortswechsel nicht einfach.

Micha Hilgers
____________
ist Psychoanalytiker und Publizist in Aachen. Er berät regelmäßig poltische Organisationen.









Publik-Forum: Also haben die mit der Politik jetzt abgeschlossen?

Hilgers: Mitnichten. Es ist nur gegenwärtig keine Konstellation im Bund denkbar, die für innovative Politik stünde. Verständlich mag sein, dass viele Leute die Machtspiele der Politik satt haben. Die Basisbewegungen hängen auch durch.

Publik-Forum: Warum?

Hilgers: Eine Lehre der außerparlamentarischen Opposition war, dass man Verbündete in den Institutionen braucht. Minderheiten bleiben relativ erfolglos, wenn sie nicht durch diese Verknüpfung auch auf Mehrheiten einwirken können. Es fehlt diese Allianz, für die die Grünen nicht mehr stehen – spätestens nach ihren Todsünden unter Schröder.

Publik-Forum: Ist es denn wirklich so, dass man politisch nichts ändern kann?

Hilgers: Ich nenne das erlernte Hilflosigkeit: ein Abwehrmechanismus gegen Enttäuschungen, Misserfolge und Ohnmachtserfahrungen. Wenn man angeblich weiß, dass Engagement nichts bringt, steht man psychologisch sozusagen auf der Seite der Mächtigen und Gewinner; es kann einem scheinbar nichts Negatives zustoßen. Der sozialpsychologische Hintergrund. Immer mehr Menschen sind mit schlichtem Überleben bis zum Monatsultimo beschäftigt. Weder sind sie bereits so verarmt, dass sie nichts mehr zu verlieren haben, noch gibt es eine Aufbruchstimmung mit einem gemeinsamen, verbindenden und erreichbar erscheinenden attraktiven politischen Ziel.

Publik-Forum: Was können Bewegungen tun, um die Menschen zu mobilisieren?

Hilgers: Charismatische, überzeugende Persönlichkeiten müssen möglichst konkrete Ziele formulieren. Wir benötigen Entwürfe für die Zukunft, die keine politische Partei mehr bietet: Wie wollen wir leben? Was gibt es zu gewinnen, persönlich und kollektiv an Lebensqualität und Sinnhaftigkeit? Was müssen wir dafür leisten? Die Antworten der etablierten Parteien auf diese Fragen sind ebenso banal wie unterschiedslos.

Publik-Forum: Fußballspiele und Papstbesuche bringen Zehntausende auf die Straße. Können nur große Events Leute bewegen?

Hilgers: Mit Fußballvereinen können sich mehr Leute über alle Differenzen hinweg identifizieren als mit Münte, Angie oder Bütikofer. Es fehlen charismatische Politiker, die nicht für das Ego, sondern für Überzeugungen und Gerechtigkeit stehen. Lafontaine ist charismatisch, hat Erfolg, die richtigen Fragen, aber keine Antworten. Der Papst ist ein fundamentalistischer Charismatiker, der die Sehnsucht nach Harmonie bedient – unter Ausblendung aller Widersprüche, die jeder Einzelne zu Positionen der Kirche empfinden mag. Der Wunsch nach Identifikation und politischer Vereinigung ist vorhanden – fragt sich nur, wer ihn bedient. Wehe, wenn die NPD solche Persönlichkeiten findet. ■

aus Publik-Forum Nr. 18•2008


Freitag, 31. Oktober 2008

Drahtzieher hinter den Kulissen – der Einfluss des Bertelsmann-Konzerns auf die Hochschulen

Auf den Nachdenkseiten gibt’s ein Referat von Wolfgang Lieb über Bertelsmann.

Und Telepolis berichtet von der Verwicklung der Bertelsmann-Tochter Arvato in den Datenmißbrauchs-Skandal.

ältere Bertelsmann-Posts: Nachtrag

Nachdenken, wenn’s weh tut



Erwin Wagenhofer hat einen Dokumentarfilm über Geld, seine Vermehrung, Heuschrecken und die Auswirkungen des globalen Zockens auf die Sozialsysteme und die Entwicklungsländer gemacht. (Wahrscheinlich ist die Aufzählung nicht vollständig.)



In einem Bericht der Tagesschau sagte Wagenhofer: »Jeder, mit dem wir gesprochen haben, wirklich jeder, hat die Finanzkrise kommen sehen«.

Deutscher Trailer:


Links:
– Inhaltsangabe bei hr3
– Inhaltsangabe bei ZEIT-Online
– Bericht bei der Tagesschau (Video)
– Tagesschau (Interview mit Wagenhofer), leichter lesbar bei Michael Boksch
– Konsumpf-Blog (mit Kritiken)
– weitere Links beim Bembelkandidat

– Ansichten eines Bankers (bei ZEIT-Online)
– Ich gegen den Dax (bei ZEIT-Online)
– Mein Gott, ist das aufregend (bei Egon Kreuzer)

Siegerposen für alle gleich

HAMBURG – Die typische Geste des Triumphes kennen selbst Sieger, die blind sind und die Pose niemals gesehen haben. Wie das Magazin GEO meldet, hat die Psychologin Jessica Tracy das spontane Verhalten von blinden Judoka bei der Behindertenolympiade 2004 untersucht und mit jenem normalsichtiger Judokämpfer verglichen Dabei entdeckte die Forscherin der University of British Columbia, dass die Triumphgesten von sehenden und blinden Sportlern aus völlig verschiedenen Kulturkreisen fast identisch waren.

Immer rissen Sieger die Arme v-förmig in die Höhe, immer streckten sie ihre Köpfe nach oben und leicht nach hinten, immer bahnen sie ihre Brust auf. Nicht so deutlich fiel das Ergebnis bei Gesten der Scham nach einer Niederlage aus. Während blinde Athleten sowie sehende aus Asien offenkundig niedergeschlagen waren, kaschierten sehende Judoka aus Europa und den USA oft ihre Enttäuschung. Die Wissenschaftlerin vermutet daher, dass die Gesten der Scham kulturell beeinflusst sind, stolzes Gebaren ist dagegen angeboren. •

aus Der Kassenarzt Nr. 19 | Oktober 2008

Dienstag, 21. Oktober 2008

Wie die Luft auf die Erde kam

In einer aufwendigen Doku-Reihe erzählt Deutschlands bekanntester Astronaut Thomas Reiter die Geschichte der Erde neu. Hier schreibt er vorab, wie das Leben zu atmen lernte.

THOMAS REITER
DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -entwicklung



Die zarte Lufthülle, die unseren wunderschönen Planeten umgibt – wer. sie als Astronaut aus dem Weltall betrachtet, fragt sich unweigerlich: Wie kam eigentlich der Sauerstoff auf die Erde, dieses ganz besondere Gas, das das heutige Leben überhaupt erst ermöglicht? Für die neue ZDF-Reihe „Expedition Erde“ wollten wir das Rätsel lösen – und die Antwort fanden wir in Australien.

40 Grad Celsius. Die Sonne brennt, kein Baum weit und breit spendet Schatten. Die Geländewagen unseres Drehteams quälen sich stundenlang durch die staubige Einöde der westaustralischen Wüste. Eine holprige Tortur bis ans Ende des sechsten Kontinents – doch als wir endlich die Lagune von Shark Bay am Indischen Ozean erreichen, hat sich alle Mühe gelohnt: Wir stehen vor einer der außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Erde – den ältesten Lebewesen der Welt. Und den wichtigsten Revolutionären der Geschichte.


Der Umweltfrevel der Urzeit
Eine neue Erfindung ändert alles


Shark Bay ist einer der wenigen Orte, an denen noch heute geschieht, was man als den größten Umweltfrevel in der Vergangenheit unseres Planeten bezeichnen darf: Hunderte Millionen Jahre lang haben die ersten Bakterien auf der Ur-Erde schon Mangan gefressen, Schwefel verdaut und Zucker vergoren, auf Vulkanen Kohlendioxid und Ammoniak geatmet – kurzum, alles getan, um in einer lebensfeindlichen Ur-Atmosphäre mit intensiver UV-Strahlung irgendwie auszukommen. Doch dann, vor 3,5 Milliarden Jahren, geschah es: Ein paar einfallsreiche Cyanobakterien (früher Blaualgen genannt) erfanden die Photosynthese. Das bedeutet: Sie produzierten, ganz nebenbei, Sauerstoff als Abgas und verpesteten damit ihre Umgebung. So lange, bis das aggressive Gas nicht nur alles Gestein verwittert (oxidiert), sondern sich sogar in der Atmosphäre angereichert hatte

Sanft kräuselt sich das warme Wasser im Wind. Wie Streusel auf einem riesigen Kuchen liegen die Stromatolithen in der Lagune: Millionen Polstersteine, aufgebaut von Cyanobakterien, den Schöpfern der Luft. Bis zu metergroße knollen- oder säulenförmige Gebilde vor allem aus Kalkstein, oft mit Lagen aus Eisenerz oder Feuerstein, die die Mikroben bei ihrem Wachstum aus dem Meereswasser heraus eingelagert haben. Korn für Korn, Schicht für Schicht.

Wie an die Küste gespülte Gesteinsbrocken sehen die Stromatolithen aus – aber das sind sie nicht. Sondern lebende Organismen. So unspektakulär sie aussehen mögen – alle Pflanzen und Tiere und jeder einzelne Mensch verdanken ihnen ihre Existenz. Diese Bakterien waren zwei Milliarden Jahre lang alles, was unsere Erde an Lebensformen zu bieten hatte – und wenn nicht eine Menge an Zufällen zusammengekommen wäre, dann wäre unser Planet noch heute eine Welt von Mikroben. An der Shark Bay ist sie erhalten geblieben.

Cyanobakterien sind die Erfinder der Photosynthese. Es gibt 2000 Arten - vom Einzeller bis zu langen Fäden (wie bei der Gattung Phormidium, Aufnahme mit dem Raster- Elektronenmikroskop, 900-fache Vergrößerung).


Mit Treibkörnchen aus dem Meerwasser bauen sie die Stromatolithen der Shark Bay auf - die lebenden Steine Westaustraliens.







Ein Blick auf diese Bucht ist wie ein Schnappschuss aus der Urzeit: Seit 3,5 Milliarden Jahren bauen diese Winzlinge an den seichten Ufern der Meere ihre Pilztürme auf – dunkle Strukturen im Flachwasser. Sogar aus dem Weltraum konnte ich das türkisgrüne Wasser der Shark Bay erkennen. Mithilfe des Sonnenlichts erzeugten sich diese Revolutionäre des Lebens die Rohstoffe ihres Wachstums plötzlich selbst – durch Aufspaltung des Wassers aus dem Meer und des Kohlendioxids aus der Luft. Eine geniale neue Methode, die alle Vorläufer in Rückzugsnischen verdrängte – in Vulkanschlote, Höhlen und die Tiefsee.

Noch heute ist auf allen Kontinenten – aber besonders schön in den roten Weiten des australischen Outbacks – zu sehen, was der neue Luft-Sauerstoff schuf: oxidiertes Gestein, gewaltige Gebirge aus Rost, die zu Eisenerz wurden – von dem unsere Zivilisation heute zu großen Teilen abhängt. Faszinierend: Der Abfall der natürlichen Revolution von damals bildet die Grundlage der technischen Revolution unserer Gegenwart. Die wunderbare Erfindung der winzigen Bauherren der Stromatolithen war so erfolgreich, dass sich der Sauerstoff in der Atmosphäre sammelte – und schließlich unseren Planeten auch mit einem ganz besonderen Schutz umgab: der Ozonschicht. Sie bewahrt ihn bis heute vor den tödlichen UV-Strahlen der Sonne. Und das Vorhandensein von Sauerstoff zum Atmen ermöglichte das Entstehen der ganzen Fülle von Leben auf dem Land.

Wir alle sind Kinder dieser Bakterien. Das hat auch die UNO erkannt und die Stromatohithen, die lebenden Steine Australiens, zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Thomas Reiter in TV Hören und Sehen, Nr. 38, 2008

Montag, 20. Oktober 2008

Chauvis haben volle Taschen

TALLAHASSEE - Chauvinistischer Machismo zahlt sich aus. Männliche Traditionalisten, die die Frauen am liebsten mit ihren Blagen am Rockzipfel an den Kochtopf verbannen, haben auf einer im JOURNAL OF APPLIED PSYCHOLOGY veröffentlichten Studie ein deutlich höheres Gehalt als Männer mit einem liberalen Rollenverständnis. Die Autoren der Studie, Beth A. Livingston und Timothy Judge von der University of Florida, glauben, dass dar Geschlechterunterschied nicht nur durch ökonomische und soziale Faktoren bestimmt sei. Den Unterschied im Verdienst von traditionellen und liberalen Männern erklären sie sich damit, dass die Machos besser verhandeln könnten und auf Vorgesetzte träfen, die egalitäre Männer als Weicheier begriffen. Vermutlich haben to männlichen verheirateten Alleinverdiener für die berufliche Entwicklung auch einfach den Rücken frei. Zudem zementiere sich die Trennung von beruflicher und häuslicher Arbeit durch das höhere Gehalt. Bei Frauen verhält es sich genau anders herum. Berufstätige Frauen mit traditionellem Rollenverständnis verdienten weniger als jene mit einer emanzipierten Sichtweise. •

Er bringt die Kohle nach Hause: Dieter Bohlen mit seiner ehemaligen 26 Jahre jüngeren Freundin Estefania Küster.













aus Der Kassenarzt Nr. 17 • Oktober 2008


Schisser wählen rechts

LINCOLN – Schreckhafte Menschen gehören öfter dem rechten politischen Spektrum an als gelassene und souveräne Zeitgenossen Die politische Orientierung scheint aber nicht nur von persönlichen Erfahrungen abzuhängen, sondern könnte auch mit bestimmten physiologischen Reaktionen einhergehen, schreiben die Psychologen um Douglas Oxley von der University of Nebraska im Fachmagazin SCIENCE. Dazu befragten die Psychologen 1310 US-Bürger zu ihren politischen Einstellungen. Von den „Extremisten“ nahmen 46 an weiteren Untersuchungen teil. Ihnen wurden Ekelbilder mit lauten und überraschend auftretenden Geräuschen präsentiert.

Messungen zeigten, dass die schreckhaftesten Probanden sich für mehr Militärausgaben, mehr Durchsuchungsrechte und die Todesstrafe ausgesprochen hatten. Zudem – welch Wunder – traten sie für Gehorsam und Patriotismus ein, befürworteten den lrakkrieg und Schulgebete. Nicht weniger überraschend waren selbstredend auch Gegner der Reglementierung von Waffenbesitz und der Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Weniger schreckhafte Testpersonen tendierten zu pazifistischen Einstellungen, einer liberalen Einwanderungspolitik, dem Recht auf Abtreibung und der Homosexuellen-Ehe. •

aus Der Kassenarzt Nr. 17 • Oktober 2008

Wir werden nicht schöner

NEUCHÂTEL – Die Biologin Katharina Foerster von der Schweizer Université de Neuchâtel hat bei Forschungen an Rotwild herausgefunden, dass jeweils dar stattlichste Platzhirsch die am wenigsten anziehenden weiblichen Nachkommen hat. Damit hat Foerster einen Grund entdeckt, weshalb der Anteil der Attraktiven in einer Population nicht zunimmt, schreibt GEO. Nach Darwin wäre eigentlich zu erwarten, dass Gutaussehende ihre Gene erfolgreicher verbreiten als andere, weil sie als Väter und Mütter stärker begehrt sind. Dass dies nicht der Fall ist, dürfte der Biologin zufolge an entgegengesetzt wirkender Erbinformation liegen. „Gute“ Gene eines Elterntiers haben im jeweils anderen Geschlecht der nächsten Generation häufig einen negativen Effekt.

So waren die Töchter jener Hirsche, welche die meisten Nachkommen zeugten, kaum begehrt und setzten weniger Kinder in die Welt als die weiblichen Nachkommen „unattraktiver“ Väter. Die Erbanlagen, die ein attraktiver Elternteil weitergibt, wirken sich nur an Kindern seines Geschlechts positiv aus Möglicher Sinn dar antagonistischen Gene: Bei allzu vielen Schönlingen litte die genetische Vielfalt. Und dies schwäche eine Spezies.

aus Der Kassenarzt Nr. 17 • Oktober 2008

Sonntag, 19. Oktober 2008

Paulo Coelho über Castaneda


In jedem Jahr ist mindestens eine Kolumne Carlos Castaneda gewidmet, einem Autor, der meine Generation geprägt hat und den vor dem Vergessen zu bewahren ich mir zur Pflicht gemacht habe. Im Folgenden gebe ich ein paar seiner Gedanken wieder:

Die Stimmung des Kriegers
Es gibt nichts Schwierigeres auf der Welt, als sich in die Stimmung eines Kriegers zu versetzen. Es bringt nichts, traurig zu sein und zu klagen - und zu glauben, dass immer irgendjemand uns irgendetwas angetan hat. Niemand tut jemandem etwas an, am wenigsten einem Krieger.

Nicht, wie man erzogen wurde, spielt eine Rolle. Entscheidend für die Art, wie man etwas tut, ist der Wille. Ein Mensch ist nur die Summe seiner Wünsche und seines Willens, und diese Summe entscheidet darüber, wie er lebt und wie er stirbt. Persönliche Kraft ist eine Begabung, etwas, das uns Begeisterung schenkt. Etwas wie Glücklichsein. Persönliche Kraft ist etwas, das man durch den lebenslangen Kampf gewinnt. Vom Tag unserer Geburt an wird uns gesagt, die Welt sei so und so beschaffen, und natürlich bleibt uns eine Zeit lang nichts anderes übrig, als zu glauben, was uns gesagt wird. Doch wir müssen diese Vorstellungen aufgeben und unsere eigene Sicht der Welt finden.

Demut und Bewusstsein
Die Demut eines Kriegers ist nicht die Demut eines unterwürfigen Menschen. Der Krieger beugt vor niemandem sein Haupt, doch zugleich erlaubt er niemandem, sich vor ihm zu verneigen. Ein unterwürfiger Mensch hingegen fällt bei jeder Gelegenheit auf die Knie und kriecht vor jedem im Staub, den er höher gestellt wähnt. Zugleich verlangt er aber, dass ein Geringerer vor ihm im Staub kriecht.

Der Krieger und die Worte
Das Schlimme an Worten ist, dass sie uns glauben machen, wir seien erleuchtet, wir verstünden alles. Doch wenn wir uns der Welt stellen, lassen sie uns stets im Stich, und wir sehen, dass die Welt in Wirklichkeit ganz anders ist als die mit Worten beschriebene Vorstellung von ihr. Aus diesem Grund handelt ein Krieger lieber und verliert keine Zeit mit unnützem Reden. Durch das Handeln erfährt er die Bedeutung dessen, was in seinem Alltag geschieht, und trifft kreative und originelle Entscheidungen.

Der Krieger und die Zweifel
Ein gewöhnlicher Mensch glaubt, es sei ein Zeichen von Sensibilität und Spiritualität, sich Zweifeln und Sorgen zu überlassen. Tut er dies, entfernt er sich vom wahren Sinn des Lebens, denn sein kleiner Verstand macht ihn zu dem Heiligen oder zu dem Monster, für die er sich hält, und er tappt, ehe er sich versieht, in die Falle, die er sich selber gestellt hat. Solche Menschen lieben es, wenn man ihnen sagt, was sie tun sollen, doch noch lieber schlagen sie gute Ratschläge in den Wind – nur um die großzügige Seele jener zu ärgern, die sich irgendwann um sie kümmern.

Nur ein Krieger kann den Weg des Wissens ertragen. Ein Krieger, der nicht klagt und für den Herausforderungen weder gut noch schlecht sind. Herausforderungen sind einfach nur Herausforderungen.

Die unergründliche Kunst, zu leben
Die Welt ist unergründlich und geheimnisvoll, und wir alle sind es auch. Es ist die Kunst des Kriegers, zwischen dem Schrecken, ein Mensch zu sein, und dem Wunder, ein Mensch zu sein, das Gleichgewicht zu halten.

aus TV Hören und Sehen, Nr. 38, 2008

Freitag, 17. Oktober 2008

Jogi Löw, ein Technokrat

Normalerweise würde ich keinen Post über Fußball schreiben. Aber hier geht es um die Deutsche Nationalmannschaft und um den Zeitgeist. Wie geht man mit Menschen um? Als Kevin Kuranyi aus der Nationalmannschaft flog, waren den meisten Medien die Hintergründe ziemlich egal. Daß Kuranyi Löw einen Tag vor dem Rußland-Spiel um die Erlaubnis gebeten hatte, sich das Spiel zuhause ansehen zu dürfen, ging in der auf angepaßtes Intelligenzniveau herunterberichteten Kontroverse zwischen Trainer und Spieler unter.

Wieviel Anpassung ist nötig? Jetzt ist der Nächste dran: Thorsten Frings, der letzte Langhaarige. „Ich habe ihm meine Wertschätzung mitgeteilt“, berichtete Löw und ergänzte: „Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen. Aber das ist eine Situation, die ich möchte.“ Leistung ist alles, immer und unter allen Umständen abrufbar. Wenn jemand drei Jahre lang um einen Stammplatz (Stammplatz, was ist ein Stammplatz?) kämpft und es dann nicht aushält zum wievielten Mal noch nicht mal auf der Ersatzbank zu sitzen, kann man da nicht Verständnis haben? Muß man das als Trainer nicht sogar?

Wie gesagt: Normalerweise würde ich über Fußball nicht posten, aber hier läßt sich etwas erkennen, was in unserer Gesellschaft inzwischen wie ein Schimmelpilz breit gemacht hat: bedingungslose Unterwerfung unten und keinerlei Fürsorgepflicht oben. Über Jahre war Timo Hildebrand Nummer drei im Deutschen Fußballtor, nach Lehmanns Rücktritt durfte er hoffen, belohnt zu werden. Pustekuchen! Nun hat Löw ihm gnädig mitgeteilt, daß er weiterhin „zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft“ gehört und daß er einer der besten deutschen Torhüter sei. Na, da hat Timo bestimmt gleich eine Flasche Sekt aufgemacht. Leere Worte, wahrscheinlich in ein paar Motivations- oder Management-Kursen angelernt, in der Hoffnung, die Hündchen springen weiterhin nach der Wurst. Es werden noch ein paar Jahre vergehen, bis nicht nur im deutschen Fußball deutlich werden wird: Leistung ist nicht alles.

Löw: „Ich weiß, dass er seine Leistung noch bringen kann und bringen wird. Jetzt muss er diese Pille eben auch mal schlucken. Ich setze weiter auf ihn.“ Frings: „Ich bin keine beleidigte Leberwurst. Aber ich weiß, was ich kann, was ich für den DFB und auch für Jogi Löw geleistet habe – und damit weiß ich auch, dass ich so nicht mit mir umspringen lassen möchte.“ Interessant ist das Statement von Bremens Sportdirektor Klaus Allofs: „Es gibt für Torsten keine Veranlassung zurückzutreten. Ich würde ihm davon abraten. Er ist ein sportlich wichtiger Teil der Nationalmannschaft. Das weiß auch Joachim Löw - und wenn nicht, wird er dies noch merken."

Am 21.10.08 ging auch Michael Ballack auf Konfrontationskurs: bei der ARD


Donnerstag, 16. Oktober 2008

Produktvielfalt ist die Stärke

Regionalmarke „SooNahe“ wird bei der Selbsthilfemesse erstmals im Kreis Birkenfeld präsentiert – Verkaufsstellen geplant.

Seit drei Wochen sind Produkte von „SooNahe“ erhältlich. Über die Regionalmarke sollen die Einwohner des Kreises Birkenfeld nun mehr erfahren.

KREIS BIRKENFELD. Dem von allen Seiten bescheinigten Traumstart in Bad Kreuznach und Gemünden folgt nun die Präsentation der neuen Regionalmarke im Kreis Birkenfeld: Bei der Selbsthilfemesse am Samstag, 18. Oktober, in der Idar-Obersteiner Mikadohalle unter dem Motto „Gutessen – gesund genießen“ sind auch die Vertreter von „SooNahe –Gutes von Nahe und Hunsrück“ mit von der Partie.

Mit 84 Gründungspartnern, davon ein Dutzend aus dem Kreis Birkenfeld, sieht Dr. Rainer Lauf, der Vorsitzende des Regionalbündnisses Soonwald-Nahe als Träger der Marke „SooNahe“ gut aufgestellt. „Die Vielfalt der Erzeugnisse ist unsere Stärke“,glaubt der Kinderarzt aus Bad Sobernheim: Auf der Woge des erfolgreichen Leitprodukts Nahewein bieten die beteiligten Betriebe eine beachtliche Produktpalette an, die gentechnikfrei ist und unter anderem Rind-, Schweine- und Lammfleisch, Wild, Fisch, Obst und Gemüse, Säfte und Backwaren umfasst. In 15 Pflichtenheften sind die jeweiligen Qualitätsrichtlinien niedergeschrieben.

Regionale Erzeuger von Nahe und Hunsrück haben einiges zu bieten: Nach der „Beziehungskiste“, die mit haltbaren Waren aus der Region bestückt ist, herrscht bereits große Nachfrage.





Dem Regionalbündnis und seinem Wirtschaftspartner Hunsrück-Marketing geht es nicht darum, neue Läden aufzubauen, sondern vorhandene Strukturen zu stärken. „In erster Linie dient die Marke dazu, die guten Betriebe der Region unter einem Logo zusammenzufassen und ihnen mit einem breit angelegten gemeinsamen Marketing höheren Stellenwert und Image bei den Verbrauchern zu verschaffen“, erläutert Lauf. Eigene „SooNahe“-Shops existieren folglich nicht. Vielmehr ergänzen die Produkte die Angebote von Bäckern, Metzgern, Hofläden sowie des Regiomarkts Nahe in Bad Kreuznach und weiterer Geschäfte. In zwei bis drei Jahren soll es in allen Mittelpunktorten der Verbandsgemeinden Verkaufsstellen geben.

Eine vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium und der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft(CMA) finanzierte Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, daß die Kreise Bad Kreuznach, Rhein-Hunsrück und Birkenfeld über genügend Potenzial an Erzeugern und Abnehmern verfügen. „Unser Ziel ist, das Verbraucherbewußtsein noch mehr für regionale Produkte, wirtschaftliche Kreisläufe und kurze Wege zu schärfen“, sagt Lauf, den die große Nachfrage für die mit haltbaren Waren aus der Region gespickten „Beziehungskiste“ ermutigt.

Bereits bei der Konferenz „Ackern & Genießen“ des Regionalbündnisses 2003 entstand die Idee für eine Regionalmarke „SooNahe“, blickt der 50-Jährige zurück, der zusammen mit Helmut Hehner aus Waldböckelheim, dem Vorsitzenden von Hunsrück-Marketing, den Markenvorstand leitet: Unter dem Motto „Landwirtschaft hat Zukunft“ wurden den Bauern Wege aufgezeigt.

Stichwort
Regionalbündnis Soonwald-Nahe


1997 schlug die Geburtsstunde des Regionalbündnisses Soonwald-Nahe, das seit 2001 als eingetragener Verein organisiert ist und inzwischen rund 370 Mitgliederzählt. Das Spektrum der Aktivitäten reicht von bundesweit beachteten Umweltprojekten wie „Lebendiger Soonwald“ und „Lebendige Nahe“ über eine Solarinitiative, Gesundheitsthemen und historische Kurse bis hin zu den alljährlichen „Tagen der Region“. Derzeit gilt das Hauptaugenmerk dem Aufbau der Regionalmarke „SooNahe“.
aus der Nahe-Zeitung vom 13.10.2008

Viel Glück! In einer gentechnikfreien Versorgung mit kurzen Wegen liegt die Zukunft.

Samstag, 11. Oktober 2008

Nur fliegen ist schöner...

Radler und Reh kollidieren
Niederelbert: Beim Zusammenstoß eines Radfahreres mit einem Reh ist der Mann schwer verletzt und das Tier getötet worden. Dem 30-Jährigen war auf einem geteerten Feldweg bei Niederelbert (Westerwaldkreis) das Reh vor das Mountainbike gelaufen. Der Radler flog durch die Luft und kam ins Krankenhaus.

Was im Westerwaldkreis die Krankenkassen sparen, wenn die Unfallopfer schon allein ins Krankenhaus fliegen...

Freitag, 10. Oktober 2008

Geld: Die’s haben, die noch mehr brauchen und die weniger brauchen

Deutschlands Dagobert Ducks: Manche Leute sind einfach reich – und bleiben es offenbar auch. Die Aldi-Brüder Karl und Theodor Albrecht sind auch 2008 wieder die reichsten Deutschen. Allerdings: Der Rutsch an der Börse ließ auch einige Superreiche in der Rangliste zurückfallen. Nach der vom „Manager-Magazin“ veröffentlichten Jahresliste der 300 reichsten Deutschen kam die Familie Porsche auf den dritten Platz. Die globale Finanzkrise beeinflusste in diesem Jahr in hohem Maße die Rangliste, hieß es.
weiter zum Artikel „Die Donald Ducks Deutschlands: Aldi & Co.“ beim ZDF


Die Behauptung, dass man Finanzmärkte nicht regulieren dürfe, war mehr als ein Jahrzehnt lang ein Glaubenskernsatz der Regierungen Blair, Schröder, Schüssel, Clinton und Bush. Und jene SPD-Politiker, welche nun beflissentlich die Schuld an der fehlenden Regulierung auf die Amerikaner schieben, vergessen zu erwähnen, dass die Unantastbarkeit dieses Tabus den Schröderisten 1999 so wichtig war, dass sie Oskar Lafontaine darüber aus der Regierung und der Partei mobbten.
zu Peter Mühlbauers Artikel „Krise einer Religion“ bei Telepolis


Wenn es richtig schlecht läuft, werden die Steuerzahler in Europa - auch in Deutschland - Milliarden Euro für die Rettung hiesiger Banken aufbringen müssen, wird sich die Rendite aus Lebensversicherungen und anderen Altersvorsorgeprodukten für die Menschen hierzulande kräftig reduzieren, wird die Krise Europa Millionen Arbeitslose bescheren. Danke, Amerika!
Längst hat sich die Philosophie der Spekulanten unter tatkräftiger Mithilfe der EU in Kontinentaleuropa ausgebreitet. Die Essenz dieser Weltsicht lautet erstens: Vorfahrt für das Kapital. Nicht die Interessen der Arbeitnehmer, Kunden, Lieferanten und Gemeinden sind bei unternehmerischen Entscheidungen zu berücksichtigen, sondern einzig und allein, die Interessen der Kapitalgeber, der Aktionäre und Gläubiger.
weiter zum Leitartikel „Vergesst Wall Street“ von Robert von Heusinger bei FR-Online


10CC - Wall Street Shuffle

Do the Wall Street shuffle
Hear the money rustle
Watch the greenbacks tumble
Feel the Sterling crumble
You need a yen to make a mark
If you wanna make money
You need the luck to make a buck
If you wanna be Getty, Rothschild
You've gotta be cool on Wall Street
You've gotta be cool on Wall Street
When your index is low
Dow Jones ain't got time for the bums
They wind up on skid row with holes in their pockets
They plead with you, buddy can you spare the dime
But you ain’t got the time
Doin’ the …
Doin’ the …
Oh, Howard Hughes
Did your money make you better?
Are you waiting for the hour
When you can screw me?
`Cos you're big enough
To do the Wall Street Shuffle
Let your money hustle
Bet you'd sell your mother
You can buy another
Doin' the....
Doin' the....
You buy and sell
You wheel and deal
But you're living on instinct
You get a tip
You follow it
And you make a big killing
On Wall Street

deutsch:

Mach’ den Wall Street-Schieber
Hör’ das Geld rascheln
Sieh’, wie die Greenbacks purzeln
Fühl’ den Sterling bröckeln
Du brauchst ’nen Yen, um die Mark zu kriegen
Du brauchst das Glück, um Geld zu machen
Wenn Du Getty oder Rothschild sein willst,
Mußt Du cool sein an der Wall Street
Mußt Du cool sein an der Wall Street
Wenn Dein Index niedrig ist
Der Dow Jones hat keine Zeit für Beulen
Sie kämpfen sich mit Löchern in den Hosentaschen die Rutschbahn hoch
Sie betteln Dich an: Kumpel, hast Du nicht ’nen Groschen
Aber Du hast keine Zeit, um
den Wall Street-Schieber zu machen
den Wall Street-Schieber …
Oh, Howard Hughes
Hat Dein Geld Dich zu einem besseren Menschen gemacht?
Wartest Du auf die Stunde
Wo Du mich fertigmachen kannst?
Weil Du bist groß genug,
um den Wall Street-Schieber zu machen
Lass’ Dein Geld rummachen
Ich wette, Du würdest Deine Mutter zu Geld machen
Kannst Dir ja ’ne andere kaufen
während Du den Wall Street-Schieber machst
den Wall Street-Schieber …
Du kaufst und verkaufst
machst rum und handelst
Aber Du lebst von Deinen Instinkten
Du kriegst ’nen Tipp
Du folgst ihm
Und Du machst den großen Reibach
An der Wall Street


Banken sind weder produktiv noch innovativ. Sie verleihen Geld. Gewaltige Renditen sind nur mit dem Aufbau von Kettenbriefsystemen zu erzielen.
Warum immer die Finanzmärkte? Warum platzt so selten eine Spekulationsblase am Kartoffelmarkt? Warum verkalkulieren sich Maschinenbauer selten so, dass der Staat helfen muss, weil sonst das gesamte marktwirtschaftliche System gefährdet ist? Was treibt Scharen scheinbar seriöser Banker und Börsianer dazu, so riskante Geschäfte zu machen, dass sie hinterher alle wie dumme Kinder im Brunnen liegen und nach dem Staat um Hilfe schreien?
weiter zu Heiner Flassbecks Artikel „Der absehbare Kollaps“ bei der taz



Und dann gab’s ja auch noch die sogenannte 132-Euro-Studie über die Harz-IV-Schlaffis, die zuviel kriegen… (Eine Lang- und eine Kurzfassung der Studie können im Downloadbereich des Internetauftritts von Harald Thomé heruntergeladen werden.) Übrigens: Wenn man sich die Worthülsen aus der Präambel der Studie durchliest, weiß man sofort, wes Geistes Kind die Verfasser sind. Zum Genießen der letzte Absatz:

Es war vielmehr Absicht, einen Beitrag zur Verbesserung der Situation vieler Menschen zu leisten. Die Studie hat offen gelegt, dass die Bedürfnisse vieler Menschen nach Arbeit und Anerkennung, deren notwendige Befriedigung man auch aus den Zielen der sozialen Mindestsicherung herauslesen kann, nicht ausreichend erfüllt werden. Viele wollen sich einbringen und etwas leisten, was heute sehr schwierig geworden ist. Die Studie zeigt, dass man hier ansetzen muss, unser Sozialsystem positiv nach vorne zu entwickeln.

________________

Die von zwei Wirtschaftswissenschaftlern veröffentlichte „132 Euro Studie“ hat zu größtenteils ideologisch gefärbten Diskussionen geführt. Die konkreten Zahlen wurden bisher weitgehend ignoriert bzw. keiner genauen Betrachtung unterzogen. Dabei lohnt es sich
Wie auch der Regelsatz bei ALGII liegt der Studie das Problem der Pauschalierung zugrunde. Schon beim Regelsatz ist es so, dass der 48jährige Arbeitssuchende mit Grippe genauso behandelt wird wie der 20jährige Arbeitssuchende ohne derzeitiges Gebrechen. Bei der Studie, die die Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Thießen und Christian Fischer von der Universität Chemnitz veröffentlicht haben, geht man noch weiter in Richtung Milchmädchenrechnung.
Bettina Winsemann hat nachgerechnet: „132-Euro-Studie: Zahlen aus dem Chemnitzer Elfenbeinturm“ bei Telepolis

alle Artikel gefunden in Ursula Neumanns Post, Danke!

Die NachDenkSeiten machen sich über die gesellschaftliche Vorherrschaft des Finanzsektors Gedanken. Dort findet sich auch eine Buchrezension über den neoliberalen Zeitgeist der Neuen Mitte: „Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft“ von Heinz Bude

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler gibt’s im Internet.

Und zuallerletzt noch was Lustiges: In England ging wieder eine Festplatte verloren…

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Ärzte und die Finanzkrise

Ein Allgemeinmediziner muß Geld zurückzahlen. Glücklicherweise nicht so viel, wie er dachte… (bei FR Online)

Vor einiger Zeit hatte ich ein zwanzigminütiges Telefonat mit einer Frau von der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese teilte mir mit, ich müsse bei der Ziffer 35110 die Zeit mit eingeben.

Wenn ich ein Erstgespräch führe, rechne ich keine Probesitzung ab, das finde ich nicht in Ordnung. Ich brauche, um die Personalien aufzunehmen, ja eine Viertelstunde,
da kann ich keine Psychotherapiesitzung abrechnen. Also: zweimal Ziffer 35110 Verbale Intervention bei Psychosomatischen Krankheitszuständen, Dauer: mindestens 15 Minuten, macht 430 Punkte. Weil ich damit über die 10%-Grenze rutsche (nicht mehr als 10% Punkte aus Leistungen außerhalb eines Psychotherapie-Antragsverfahrens erbringen, sonst werde ich abgestaffelt), kriege ich dafür über den Daumen 7 EUR. (Daß die Patienten von Gesetzes wegen das Recht auf 5 Probestunden haben, wodurch ich bei einer Kurzzeittherapie von 25 Stunden schon bei 20% nicht genehmigungspflichtigen Punkten lande, meine Abstaffelung also schon ins System eingebaut ist, dient der Standortsicherung Deutschland.)

Damit ich also die Krankenkasse über die zweimal 3,50 EUR nicht übers Ohr haue, muß ich in mein Programm eintragen, wann ich mit den 15 Minuten angefangen habe. Und weil das Auswerteprogramm der KV in meiner Quartalsabrechnung die Zeitfelder in meinem Praxisprogramm nicht lesen kann, habe ich mit der Frau zusammen ausprobiert, was für ein Feld das sein soll (sie wußte nur: Feld, sagen wir mal 5504. Kann ich nix mit anfangen.): Aha, fanden wir nach einer Viertelstunde raus, es ist das Feld, in denen ich die Bemerkungen eingebe. Jetzt ist alles in Ordnung bei mir.

Was ist nicht in Ordnung? Nun, für die Hypo Real Estate sollte ein Rettungspolster von 26 Milliarden Euro geschnürt werden, und die Deutsche Bank, die sich daran beteiligte, schickte mal jemanden zur HRE zum Nachgucken. Und, siehe da: da war doch noch was! Ich weiß nicht genau wieviel, ich glaube mich erinnern zu können, daß es zusätzlich nochmal 25 Milliarden waren. Und keiner hatte was gesagt. Ist doch scheißegal, ob der Staat mit 25 oder doppelt so viel Milliarden in die Bresche springen muß. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Kotzen wäre: die Süddeutsche meldete noch am 29.9., der Finanzminister habe sich bei einer Sitzung des SPD-Präsidiums »überzeugt gezeigt, dass die Lage in Deutschland unter Kontrolle sei. ›Er hat den Eindruck erweckt, dass man das alles im Griff behalten kann‹, hieß es.« Was mich freut ist die Tatsache, daß sich Steinbrück nun vorgeführt fühlen muß. Zum damaligen Zeitpunkt war das im Geschnürt-Werden begriffene Rettungspaket noch 25 Milliarden Euro dick. Und weiter hieß es im SZ-Artikel: »Bundesbank und die oberste Finanzaufsicht BaFin hatten dem Finanzkonzern am Montagmorgen den Rücken gestärkt. Das geschnürte Rettungspaket zusammen mit einem Bankenkonsortium sichere die Marktfähigkeit des Immobilien- und Staatsfinanzierers.« Klingelt’s? Man holt erst den Staat mit ins Boot, und dann erklärt man ihm sachte, wofür er denn nun letztlich gerade zu stehen hat.

Und wer Steinbrück kennt, weiß, daß es um seine Magenschleimhaut nicht zum Besten steht. Aber es sollte lohnenswert sein, sich mal einige Minuten lang zu überlegen, wie die Leute von der Hypo Real Estate drauf sind!

Alle reden von Politikverdrossenheit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich da noch sagen soll. In der Medizin wird auch noch das letzte Kubikmilimeterchen aus Marmeladenglas rausgekratzt, die Krankenkassen lügen ihren Mitgliedern die Hucke voll, Ärzte haften mit ihrem Privatvermögen für ihre Verschreibungen, und das Ergebnis ist, daß ich mit meiner Wehrlosigkeit dem systemimmanenten Abstaffelungsbetrug gegenüber letztlich auch noch diese Milliardenzocker subventioniere.


Und da ich schon mal dabei bin, ein Schmankerl aus einem Artikel (»DER NEUE PAUSCHALEN-EBM 2008: Die Kritik hält an«) im Deutschen Ärtzeblatt vom Januar 2008:

»Auch der neue EBM schafft ein altes Problem nicht aus der Welt: Die Psychologischen Psychotherapeuten [falsch: alle, auch die ärztlichen Psychotherapeuten] haben vor dem Bundessozialgericht erstritten, dass ihr Einkommen bei maximalem Einsatz mindestens dem Durchschnittseinkommen der Fachärzte [stimmt nicht: vergleichbarer Fachärzte] entsprechen muss. Nach einem Beschluss des Bewertungsausschusses ist es aber nicht möglich, dieses Mindesteinkommen zu überschreiten. Best findet, es solle auf Dauer keine Höchstgrenze geben: ›Das Bundessozialgericht hat nicht verboten, dass ein Psychotherapeut mehr verdienen darf.‹«

(Hervorhebungen und Bemerkungen von mir)

Motto: Psychotherapeuten wissen nix, können nix, haben aber für alles Verständnis.
Das erinnert mich an die Lorentz-Transformation: Die Formel (im Link ganz unten) verhindert (wow, eine Formel, die verhindert), daß die Lichtgeschwindigkeit erreicht werden kann.