Mittwoch, 3. September 2014

Israel: Erneuter Landraub

Israel konfisziert als »Strafaktion« 400 Hektar im besetzten Westjordanland
Die israelische Militärbehörde hat am Sonntag 400 Hektar palästinensischen Bodens südlich von Bethlehem konfisziert. Diesen neuerlichen Landraub im besetzten Westjordanland begründet Israel damit, daß dies eine Strafaktion wegen der Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen Anfang Juni sei. Drei festgenommene Palästinenser aus Hebron werden der Tat beschuldigt, Beweise dafür liegen allerdings nicht vor. 

mehr:
- Erneuter Landraub (junge Welt, 03.09.2014)

mein Kommentar:
Wundert sich jemand?

dazu paßt folgende Meldung:
- Viertes deutsches U-Boot unterwegs nach Israel (Alles Schall und Rauch, 09.09.2014)
Die "INS Tanin" ist das vierte und modernste Dolphin Class U-Boot auf dem Weg von der HDW Werft in Kiel nach Israel. Am vergangen Wochenende wurde in einer Zeremonie das U-Boot der israelischen Marine übergeben. Auch in diesem Fall ist der deutsche Steuerzahler mit einer "Subvention" von 165 Millionen Euro beteiligt. Laut Experten besitzt dieses neueste U-Boot neben den sechs üblichen 533-mm-Torpedorohren darüber hinaus noch vier Torpedorohre mit dem vergrössertem Durchmesser von 650 mm und ist damit in der Lage, Marschflugkörper zu starten, die mit einem Atomsprengkopf bewaffnet sind.
siehe auch:
- Offener Brief an Bundesregierung: Nahost-Experten fordern Ende von Rüstungsexporten nach Israel (SPIEGEL Online, 20.08.2014)
Dialog mit der Hamas, mehr Druck auf Israel: Deutsche Nahost-Experten fordern von der Bundesregierung eine andere Haltung in der Gaza-Krise. Die Bilanz der bisherigen Politik sei ernüchternd.
Berlin - Ein Bündnis von mehr als 90 deutschen Nahost-Experten hat die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Politik gegenüber Israel und Palästina aufgerufen. In einem offenen Brief an die Regierung und Bundestagsabgeordneten fordern sie mehr Einsatz für einen dauerhaften Waffenstillstand und ein Ende der Blockade des Gaza-Streifens. Die Initiatoren schreiben:

"Ohne Aufhebung der Blockadepolitik gibt es keinerlei Entwicklungsperspektive für die Menschen in Gaza und keine Chance für die Zweistaatenlösung."

Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient in Berlin, und Udo Steinbach, Gründungsdirektor des Giga-Instituts für Nahost-Studien. Auch ehemalige Botschafter und führende Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung haben den Brief unterschrieben.
"Die Hamas bleibt, ungeachtet der Aktivitäten ihres militärischen Flügels, eine populäre politische Partei", heißt es in dem Aufruf weiter. "Der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas sollte deshalb nicht länger verweigert werden, die Bilanz der Isolationspolitik seit dem Wahlsieg 2006 ist ernüchternd."

dazu paßt auch folgende Meldung:
- Israel schafft Fakten (junge Welt, 10.09.2014)
Das Land plant, von Energielieferungen unabhängig zu werden und künftig Erdgas zu exportieren. Der Streit um die großen Vorkommen im östlichen Mittelmeerraum dauert an

siehe auch:
- Für einen gerechten Frieden! – Erklärung des Kriegsdienstverweigerers Udi Segal: "Ich rufe die SoldatInnen auf, Befehle zu verweigern!" (graswurzelrevolution, September 2014) 
Udi Segal sollte seinen Militärdienst in der israelischen Armee (Tsahal) am 28. Juli 2014 antreten, nach Gesetzeslage besteht diese Verpflichtung direkt nach seinem Gymnasialabschluss. Er hat verweigert und seine Begründung am 30. Juli veröffentlicht. Als "Refuznik"(in Hebräisch: sarvan, von sirev: "Er hat verweigert") ist er von Haft bedroht. (GWR-Red.)
Ich heiße Udi Segal, bin 19 Jahre alt und komme aus dem Kibbuz Tuval im Norden Israels. Vor einigen Monaten habe ich den Brief der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen für das Jahr 2014 unterzeichnet (siehe Seite 9), der von insgesamt 130 VerweigerInnen an den Premierminister Israels gesandt worden ist. In diesem Brief erklären wir unsere Weigerung, in der israelischen Armee zu dienen.
Der wichtigste Grund ist die Besetzung der Gebiete und die fortgesetzte Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung, die sich in ungleichen Sozialsystemen, der Missachtung ihrer Rechte und dem fortgesetzten Mord von mehr als 600 Personen bei der jüngsten Militäroperation in Gaza ausdrückt [Stand am 30. Juli 2014; Red.]. Außerdem trägt der Militärdienst zum israelischen Militarismus bei. Ich zum Beispiel bin als Mann und aschkenasischer Jude (1) jemand, der Einfluss auf die israelische Gesellschaft nehmen kann und es auch bei Widerspruch leichter hat davonzukommen. Denn ich komme aus dem herrschenden sozialen Milieu, das sehr zur Unterstützung des israelischen Militarismus neigt - einem Milieu, dem ich mich mit aller Kraft widersetze.

- Ich bin schon sehr früh aufgestanden! (Kommentar von Evelyn Hecht-Galinski, Neue Rheinische Zeitung, 10.09.2014) 
Was sich am 14. September in Berlin abspielen wird erfüllt mich mit großem Zorn und erweckt große Abscheu in mir. "Steh auf! Nie wieder Judenhass" ist eine Demonstration der Falschinterpretation und übelsten Verleumdung von Menschen, die sich kritisch mit dem "Jüdischen Staat" auseinandersetzen. Ja, durch den Anspruch auf Anerkennung als "Jüdischer Staat" hat sich die Politik von Israel ganz gezielt dahin bewegt, Israel-Kritik in "Juden-Kritik" umzubenennen.

- Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache am Beispiel der Homosexuellen-Gesetzgebung in Deutschland und des israelisch-palästinensischen Konflikts (21.03.2014) 
Wie wird mit Sprache Realität hergestellt?
Eigentlich ist die Frage schon verkehrt: Sprache beschreibt Realität, sie stellt keine Realität her!
Oder doch?



aktualisiert am 14.09.2014

Kabul – Wer wirklich was vom Leben weiß

Report Im Moment sind wir auf die Arbeit von Journalisten in Krisengebieten besonders angewiesen. Wie aber macht man diesen Job als Frau? Ein Bericht aus dem Kabuler Alltag 

Es gibt Städte, in die kann man nicht ziehen, ohne dass man immer wieder nach dem Grund gefragt wird. Kabul ist so eine Stadt. Als ich vor etwas mehr als einem Jahr entschied, für eine Weile in Afghanistan als Journalistin zu arbeiten, begann auf einmal jedes Gespräch darüber mit den Worten: „Ronja, warum zur Hölle Kabul?“ Inzwischen höre ich diese Frage seltener. Offenbar wirkt meine Entscheidung umso rationaler, je länger ich dort bin. Stattdessen fragen mich die Leute nun: „Ronja, wie ist es, ein Kopftuch zu tragen?“

mehr:
- Wer wirklich was vom Leben weiß (der Freitag, 03.09.2014)

Heute vor 136 Jahren – 3. September 1878: »Princess Alice« sinkt auf der Themse

Ausflugsfahrt endet in Katastrophe 

 Für 500 Passagiere war der Raddampfer »Princess Alice« ausgelegt, doch für Dienstag, den 3. September 1878, hatten fast 800 Menschen ein Ticket gelöst, denn für den Tagesausflug auf der Themse von London in die Gartenlandschaft der Grafschaft Kent war intensiv geworben worden. Die Hin- und Rückfahrt verliefen bis kurz vor dem Ziel nach Plan. Um 19:40 Uhr hatte die »Princess Alice« fast die Anlegestelle in London erreicht, wo das Gros der Ausflügler von Bord gehen wollte. 
Die »Princess Alice« nach der Kollision mit einem Frachtschiff
(aus der «Illustrated London News«, September 1878)
Der Ausflugsdampfer fuhr gerade mitten auf der Themse, da kam ihm ein Kohlefrachtschiff entgegen. Unglücklicherweise irritierten sich die beiden Kapitäne durch unklare Ausweichmanöver gegenseitig und steuerten in die Katastrophe. Der größere Kohlefrachter rammte den Ausflugsdampfer, der in zwei Teile zerbrach und innerhalb von vier Minuten sank. Da sich die meisten Passagiere unter Deck befanden, hatten sie keine Chance zu entkommen: 640 Menschen fielen Englands größtem zivilem Unglück zum Opfer. Etliche von ihnen starben auch, weil sie das stark kontaminierte Wasser der Themse tranken. 

Folgen der Katastrophe: 
▪︎ eindeutige Regelung des Schiffsverkehrs 
▪︎ Begrenzung der Passagierzahl 
▪︎ Vorschriften über das Mitführen von Rettungsringen 
▪︎ Klärung der in die Themse eingeführten Abwässer 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Dienstag, 2. September 2014

»Niemand haftet für so einen Unfug«

Jobcenter fordert Alleinerziehende zum Umzug auf: Ihre Miete sei zwei Euro zu hoch. Ein Gespräch mit Martin Behrsing
Martin Behrsing ist Sprecher des Erwerbslosenforums Deutschland
Zwei Euro zu hoch ist die Miete einer alleinerziehenden Mutter. Deshalb fordert das Bonner Jobcenter sie auf, sich eine neue Wohnung zu suchen. Hat dieser Irrsinn Methode?
Ja, täglich erreichen viele Menschen in Deutschland ähnliche Schreiben. Jobcentermitarbeiter hauen Textbausteine zusammen und verschicken den Quatsch an Betroffene. Sie sind in anmaßendem und unverschämtem Ton verfaßt, so daß die Adressaten denken müssen, sie hätten ein Verbrechen begangen. Was sich ein Jobcentermitarbeiter dabei denkt, vermag ich nicht zu sagen. Ob dort überhaupt noch einer nachdenkt, was dies bei Betroffenen auslöst? Im uns vorliegenden Schreiben heißt es: »Wie ich Ihnen mit meinem Informationsschreiben vom 14.05.2014 bereits mitteilte, orientiert sich die Angemessenheit der Unterkunftskosten an einem Richtwert für die Bruttokaltmiete. Für einen Zwei-Personen-Haushalt im Stadtgebiet liegt dieser Richtwert bei 558,00 Euro. Die Bruttokaltmiete für die von Ihnen bewohnte Unterkunft (…) beträgt nach den vorliegenden Unterlagen 560,00 Euro und ist somit unangemessen in Sinne von Paragraph 22 Abs. 1 SGB II«.

mehr:
- »Niemand haftet für so einen Unfug« (NachDenkSeiten, 01.09.2014, Quelle: junge Welt)

Deutschland und die Ukraine, zur Geschichte

- Befreiungstruppen basteln (SPIEGEL, 10.12.2007)
Der Historiker Frank Golczewski über Versuche der Deutschen, die Ukraine im Kampf gegen den russischen Zaren zu unterstützen
Golczewski, 59, lehrt an der Universität Hamburg. Sein Forschungsschwerpunkt ist die neuere Geschichte Osteuropas.


- Kollaboration in der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Die Rolle der einheimischen Stadtverwaltung während der deutschen Besetzung Charkows 1941 bis 1943 (Doktorarbeit von Gunter Friedrich im Fach Geschichtswissenschaft, 2008)

- Stratfor: Deutschlands neue Außenpolitik ist „schamlos“ (Deutsch-Türkische Nachrichten, 08.02.2014)
Die Strategen der US-Denkfabrik Stratfor umschreiben die neue aktive Außenpolitik Deutschlands als „schamlos“. Berlin wolle seinen Platz in der Welt einnehmen. Doch das wecke alte Ängste vor dem Nationalismus und der Aggression der Deutschen.
Die US-Denkfabrik Stratfor beäugt Deutschlands Einmischung in die Innenpolitik der Ukraine mit Argwohn.
In einem aktuellen Artikel schreiben Stratfor-Chef George Friedman und Stratfor-Analyst Marc Lanthemann, dass die Staatskrise in der Ukraine eine wichtige Entwicklung sei. Deutschland habe den direkten Kampf gegen Präsident Janukowitsch aufgenommen. Der Präsident der Ukraine hatte sich zuvor dagegen gesträubt, die Beziehungen der Ukraine mit der EU zu festigen.

zuletzt aktualisiert am 02.09.2014 

Makabres Déjà-vu

Der Absturz von Flug MH 17 wurde sofort propagandistisch ausgeschlachtet. Das erinnert fatal an den 1. September 1983, als die Maschine des Flugs KAL 007 von einem sowjetischen Jäger abgeschossen wurde

Wie unverfroren die USA und ihre Verbündeten massenpsychologisch wirksame Kriegsvorwände produzieren, ist seit dem Zwischenfall in der Tonking-Bucht, allerspätestens aber seit den mit Lügen gepflasterten Wegen in die Kriege auf dem Balkan und im Irak offenkundig. Der mutmaßliche Abschuß eines malaysischen Passagierflugzeugs am 17. Juli 2014 über der Ostukraine, durch den Rußland zum Reich des Bösen gemacht werden sollte, hat ganz offensichtlich die Funktion eines derartigen Vorwands. Ohne einen einzigen Beweis, lediglich gestützt auf die Beschuldigungen des Putschregimes in Kiew, erklärten Vertreter der US-Regierung schon kurz nach dem Absturz, die Boeing 777 sei von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Die wiederum sei von einem in große Höhen reichenden, mobilen russischen »Buk«-Raketensystem aus einem Gebiet in der Ostukraine abgefeuert worden, das von den Aufständischen kontrolliert wurde. Zugleich machten sie Rußland und dessen Präsidenten Wladimir Putin für den Abschuß verantwortlich und starteten eine seit Ende des Kalten Krieges beispiellose antirussische Hetzkampagne, um in der Folge massive Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu verhängen und die NATO-Präsenz in Osteuropa zu verstärken.
mehr:
- Makabres Déjà-vu (junge Welt, 02.09.2014)
 

Söldner außer Kontrolle

Einstige Förderer der IS-Terroristen rufen zum Kampf gegen Gotteskrieger auf

Sollte es nicht ein »starkes und rasches Eingreifen« geben, könne der Westen das nächste Ziel des »Islamischen Staats« (IS) werden, warnte der saudische König Abdallah bin Abdulasis Al Saud am Wochenende in Riad bei einem Treffen mit neu akkreditierten Botschaftern im Königreich. »Wenn wir sie ignorieren, dann bin ich mir sicher, daß sie in einem Monat in Europa und einen Monat später in Amerika ankommen werden.« Terrorismus kenne »keine Grenzen« und nichts zu tun, sei »unakzeptabel«, so der König. »Ich fordere Sie auf, diese Botschaft an ihre Regierungen weiterzuleiten: Kämpfen Sie mit aller Macht, mit Vernunft und Eile.«
mehr:
- Söldner außer Kontrolle (junge Welt, 02.09.2014)

Montag, 1. September 2014

Alfred Grosser über Frankreich: „Ich habe Angst um mein Land“

Der Regierungsumbau in Frankreich ist Ausdruck einer tiefen Verunsicherung des Landes. Die Franzosen bemitleiden sich selbst und beneiden ihre deutschen Nachbarn. Zu Unrecht

mehr:

siehe auch:
Die Presseerklärung von Arnaud Montebourg liegt dank der Übersetzung von Florian Tuczek auf Deutsch vor. Siehe hier [PDF - 113 KB]. „Frankreich und Europa durchleben eine Krise ohne Vorläufer seit derjenigen von 1929 – schwer, zerstörerisch und lang.“ Diese Krise sei die Folge falscher politischer Entscheidungen. Albrecht Müller. 
 Montebourg macht klar, dass die Politik des vermeintlichen Sparens, in seinen Worten: Austeritätspolitik, keinen Erfolg haben kann, nicht einmal den Sparerfolg. Die Politik des Schuldenabbaus laufe präzise auf den Nichtschuldenabbau hinaus und sei somit eine finanzielle Absurdität. Indem diese Politik das Wachstum verplombe, verhindere sie durch den Absturz der wirtschaftlichen Aktivität die Verwirklichung ihrer eigenen Ziele. Das ist das, was wir auf den Nachdenkseiten schon des Öfteren erläuterten und die kleine Gruppe der gegen den Strich bürstenden Ökonomen immer wieder sagt. 

siehe auch:
- Paul Krugman – The Fall of France – Frankreichs Verfall (New York Times,28.08.2014,  übersetzt in den NachDenkSeiten, 01.09.2014) 
Francois Hollande, der seit 2012 französischer Präsident ist, hätte ein Herausforderer sein können. Er war wegen des Versprechens gewählt worden, sich von der Austeritätspolitik abzuwenden, die Europas kurze und bescheidene Wirtschaftsbelebung abwürgte. Die intellektuelle Rechtfertigung dieser Politik war ohnehin schwach und dem Zusammenbruch nahe, und er hätte er an der Spitze einer Gruppe von Ländern stehen können, die einen Kurswechsel verlangten. Aber das sollte nicht sein. Kaum im Amt, knickte M. Hollande schon ein und fügte sich völlig den Forderungen nach sogar noch mehr Austerität.
Nun sage aber niemand, er sei total rückgratlos. Anfang der Woche handelte er sehr entschlossen, allerdings leider nicht in wirtschaftspolitischer Hinsicht, obwohl doch die desaströsen Folgen der europäischen Austerität von Monat zu Monat spürbarer werden, und sogar Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, einen Kurswechsel verlangt. Nein, M. Hollandes ganze Energie war darauf gerichtet, Mitglieder seiner Regierung zu eliminieren, die es gewagt hatten, seine Unterwürfigkeit gegenüber Berlin und Brüssel zu kritisieren.  


siehe auch:
- Staatsverschuldung – Ein verheerender Befund: Die nackten Zahlen über Frankreich (Deutsche Wirtschaftsnachrichten, 08.09.2014)
Die wirtschaftlichen Daten Frankreichs sind verheerend. Es ist gut möglich, dass selbst die abenteuerlichen Rettungsmaßnahmen zu spät kommen. Der französische Staat sei bankrott, sagt Hollandes Weggefährte Michel Sapin. Die Regierung hat nicht die leiseste Ahnung, wie der Crash verhindert werden könne.

aktualisiert am 09.09.2014

Gregor Gysi demontiert hilflose deutsche Außenpolitik

Gregor Gysi, DIE LINKE: Wir sollten so schnell wie möglich Waffenexporte verbieten [13:12]

Veröffentlicht am 01.09.2014
01.09.2014, Sondersitzung des Bundestages zu den von der Bundesregierung beschlossenen Waffenlieferung im Kampf gegen die IS-Terrorarmee - Der 1. September war der Tag, an dem der schlimmste Krieg in der Geschichte der Menschheit durch Deutschland begonnen wurde - der Zweite Weltkrieg. Hätte Deutschland 1945 nicht sagen müssen, dass wir nie wieder an Kriegen verdienen wollen? Wir sind der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Wenn man der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist, verdient man an jedem Krieg. Genau das steht uns nicht zu.


Im Bundestag hat Gregor Gysi die Außenpolitik von Union und SPD in einer analytischen, scharfsinnigen und kühlen Analyse in der Luft zerrissen. Gysis Plädoyer: 75 Jahre nachdem die Deutschen den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatten, sollte sich Deutschland nicht willenlos an die US-Interessen ankoppeln, sondern sich als Anwalt des Friedens in der Welt verstehen. Dokumentation einer schonungslosen Abrechnung.
mehr: 
- Sehr starke Rede: Gregor Gysi demontiert hilflose deutsche Außenpolitik (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 01.09.2014)

Videohinweise der NachDenkSeiten

Videohinweise (NachDenkSeiten, 01.09.2014)

Aufstieg und Elend des globalen Finanzsystems

Das Finanzsystem ist uns über den Kopf gewachsen und war Auslöser der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, die Millionen den Job und uns allen Wohlstand kostete. Es gehört gesundgeschrumpft. Mit seinem Buch Wie viel Bank braucht der Mensch? zeigt der deutsche Ökonom Thomas Fricke schlüssig die Systemfehler auf, die dazu führten, dass das System derart an die Wand fahren konnte. Fehlende Moral und menschliches Scheitern gehören nicht dazu, auch wenn beides gerade im Bankgeschäft durchaus an der Tagesordnung ist.
mehr:

"Kein Deutscher darf jemals wieder ein Gewehr tragen"


Der Publizist Georg D. Heidingsfelder (1899-1967) hielt hartnäckig an seinen Erkenntnissen aus der US-amerikanischen "reeducation" fest und wurde deshalb in der Adenauer-Republik zum brotlosen Nonkonformisten. Eine Erinnerung anlässlich des Antikriegstages 2014 

 Im Sommer 1945 gelangte der Kriegsgefangene Georg D. Heidingsfelder zusammen mit rund 150 anderen deutschen Intellektuellen in ein US-amerikanisches "Sonderlager" ohne Stacheldraht in der Nähe von Cherbourg. Im Verlauf eines knappen Vierteljahres kamen die US-Instrukteure mit den privilegierten Lagerbewohnern zu der Übereinkunft, "dass kein Deutscher jemals wieder ein Gewehr tragen dürfe. Diese kriegerische Nation müsse >for ever< entwaffnet bleiben und zu friedlicher Zivilisation umerzogen werden, durch Amerikaner und deutsche Antimilitaristen".


Georg D. Heidingsfelder erwies sich als äußerst gelehriger Schüler und erhielt nach bestandener Prüfung am 21. September 1945 eine Berufung zum "Selected Citizen of Germany", zum auserwählten Bürger Deutschlands. Hiermit verbunden war die Bereitschaft der Kursteilnehmer, "für den Einzug eines neuen, zivilen, friedlichen, demokratischen Geistes in Germany Sorge zu tragen". Im Rahmen einer großen Abschiedsfeier verkündete ihnen ein US-Colonel noch einmal,

dass das neue Deutschland das "andere Deutschland" werden müsse, das antiwilhelminische und antihitlerische Deutschland, das nicht auf "schimmernde Wehr" und nicht auf "Vau zwei" setze, sondern auf Recht, auf Humanität, auf Frieden, auf Demokratie. Der Stahlhelm werde nun für immer begraben, der Bürgerhut allein in Zukunft den deutschen Schädel bedecken.

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Heute vor 75 Jahren – 1. September 1939: Beginn des Zweiten Weltkriegs

Überfall im Morgengrauen 

Heute vor 75 Jahren, am 1. September 1939 früh am Morgen, begann der Zweite Weltkrieg, der verheerendste militärische Konflikt in der Geschichte der Menschheit. Er wurde global geführt, schickte die Armeen sämtlicher Großmächte ins Gefecht und kostete über 60 Mio. Menschen das Leben. 
Deutsche Soldaten greifen eine polnische Ortschaft an, September 1939
Um 4.45 Uhr fielen ohne Kriegserklärung die ersten Schüsse, abgegeben aus den schweren Geschützen des deutschen Linienschiffs »Schleswig-Holstein« auf ein polnisches Munitionsdepot auf der Westerplatte, einer Halbinsel bei Danzig. Zur gleichen Zeit überschritten deutsche Truppen an zahlreichen Stellen die polnische Grenze. Die deutsche Luftwaffe begann ihre Angriffe ebenfalls noch in den Morgenstunden des ersten Kriegstages. In Berlin war Adolf Hitler unterdessen bemüht, den Überfall als einen Akt der Verteidigung hinzustellen, um die Intervention der Westmächte abzuwenden, die eine Garantieerklärung für die Unabhängigkeit Polens abgegeben hatten. Dieses Mal aber gaben England und Frankreich nicht klein bei: Sie machten noch am 1. September mobil und erklärten Deutschland, nachdem ihr Ultimatum verstrichen war, zwei Tage später den Krieg. 

Was am 1. September noch geschah: 
1900: Das erste deutsche Transatlantikkabel zwischen Borkum und New York wird in Betrieb genommen. 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Sonntag, 31. August 2014

Heute vor 117 Jahren – 31. August 1897: In Basel tagt der Erste Zionistische Weltkongress

Die Vision vom Judenstaat 

»Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen.« So lautet die zentrale Passage des Programms, das am 31. August 1897 auf dem Ersten Zionistischen Kongress in Basel von 204 Abgesandten jüdischer Gemeinden aus aller Welt verabschiedet wurde. Führender Kopf und treibende Kraft des modernen Zionismus war der österreichisch-ungarische Jurist und Journalist Theodor Herzl
Theodor Herzl, Begründer der zionistischen Bewegung,
auf dem Basler Kongress, August 1897
Herzl hatte 1896 vor dem Hintergrund des sich manifestierenden Antisemitismus seine programmatische Schrift »Der Judenstaat« veröffentlicht und auch die Einberufung des Basler Kongresses vorangetrieben. Herzl plädierte für einen »Abzug« der großen Masse der Juden aus Europa und bewies in seiner Begründung für die Notwendigkeit der Schaffung einer »nationalen Heimstätte« in Palästina eine geradezu prophetische Weitsicht: »Frieden den Juden, Sieg den Christen. Wir müssen den Frieden schließen, weil wir nicht länger kämpfen können, weil wir uns später unter ungünstigeren Bedingungen ergeben müssten.« 

Theodor Herzl (1860-1904) 
▪︎ entstammte dem assimilierten Budapester Judentum 
▪︎ Korrespondent der Wiener »Neuen Freien Presse« 
▪︎ Präsident der Zionistischen Weltorganisation 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Samstag, 30. August 2014

The Alan Parsons Project - Don't let it show

Alan Parsons Project - Don't let it show [4:55, I Robot, 1977, Cover von Hipgnosis] Text, Übersetzung
Hochgeladen am 19.06.2011 
Kauf – Don't Let It Show (Google PlayiTuneseMusic)
Künstler – Alan Parsons
und noch mehr: khantazi

Freitag, 29. August 2014

Die Bekämpfung des sogenannten „Islamischen Staates“ liegt allein in der Hand der betroffenen Staaten

Das ist ein Beitrag von Mohssen Massarrat. Wie zu erwarten hat dieser deutsch-iranische-Experte für internationale Beziehungen und den mittleren Osten eine andere als allgemein übliche Sicht der Dinge. Als Anstoß zum Nachdenken auf jeden Fall lesenswert. Das würde auch für den deutschen Außenminister, die Kanzlerin und den Innenminister gelten. Die enthaltenen Anmerkungen zu Israel und Palästina könnte man auch „ausgewogener“ formulieren. Dies richtig einzuordnen überlassen wir unseren Leserinnen und Lesern. Albrecht Müller
mehr:

Ukraine 19 – Die Ukraine, korrupter Journalismus und der Glaube der Atlantiker

- Höchstgericht ignoriert: CDU und SPD festigen staatliche Kontrolle des ZDF (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 15.10.2014)
Politiker aus CDU und SPD haben beschlossen, den Spruch des Bundesverfassungsgerichts glatt zu ignorieren und die Rundfunkräte des ZDF weiter mehrheitlich unter staatlicher Kontrolle zu halten. Dies ist ein schwerer Schlag gegen die innere Pressefreiheit im ZDF und widerspricht der vom Höchstgericht geforderten Staatsferne der öffentlich-rechtlichen Sender.

- Der Krieg um die Köpfe (Georg Rammer, Kritisches Netzwerk, 14.10.2014)
Erinnerung als subjektive Wahrheit ist Teil der Identität. Beim staatlichen Gedenken geht es aber nicht um historische Wahrheitssuche. Die Erinnerung soll gelenkt und geformt werden, damit sie aktuellen Ideologien und politischen Zielen dienen kann. Die Erinnerungspolitik verrät viel über die Interessen der Elite. Diese kämpft – in Staat, Parteien oder Interessengruppen – um Köpfe. Das strategische Ziel ist Deutungshoheit. Die Elite weiß: Die Bedeutung historischer Ereignisse ergibt sich durch den Kontext, in den die Erinnerung gestellt wird. 
 Zahlreiche Institutionen arbeiten daran, vergangenen oder aktuellen Ereignissen durch einen ganz bestimmten Kontext eine Bedeutung zu geben, die den Interessen der Elite entspricht. Das, was früher mit dem bösen Wort »Gehirnwäsche« belegt wurde, heißt heute PR, Kommunikation oder »Framing«.

Das Elend mit der Meinungsvielfalt (, NachDenkSeiten, 26.09.2014)
Referat von Wolfgang Lieb beim Gesprächskreis „Denkzeit“ in Düsseldorf am 25. September 2014.
Viele der hier Anwesenden kommen aus dem inneren politischen Zirkel, sie kennen also einigermaßen die Hintergründe und sachlichen Zwänge für politische Entscheidungen und sie erleben es täglich bei der Lektüre der Presseschauen, wie groß die Lücke zwischen der Binnensicht und der Außensicht vermittelt durch die Medien ist oder wie sehr die Wirklichkeit von der veröffentlichten Meinung abweicht.
Die größte Bedeutung für die öffentliche Meinung hat im Ergebnis die veröffentlichte Meinung.
Es gab ja mal einen veritablen Bundeskanzler, der gesagt haben soll, dass er zum Regieren nur „BILD, BamS und Glotze“ brauche. Es hatte es dann aber am eigenen Leib verspürt, dass diese drei Medien auch ausreichten, um die Macht zu verlieren.
Kein Zweifel, Politik ist auf Meinungsmache angewiesen und von Meinungsmache abhängig.
Die spannende Frage ist also: Wie wird Meinung gemacht?


- Déjà-Vu nach 13 Jahren (, Telepolis, 11.09.2014)
Ein Kommentar zu den Parallelen im öffentlichen Umgang mit 9/11 und dem Ukraine-Konflikt
Ende 1991 verschwand die Sowjetunion von der politischen Landkarte. Bereits in den Monaten zuvor hatte sich der Warschauer Pakt aufgelöst. Der große Feind des Westens war nicht mehr da. Für die westliche Rüstungswirtschaft und ihre politischen Unterstützer war das Ende der Ost-West-Konfrontation ein Problem. Die Rechtfertigung für horrende Militärausgaben fehlte plötzlich. Passenderweise gab es bald einen neuen furchterregenden Feind: Spätestens mit den Anschlägen vom 11. September 2001 übernahm der islamistische Terrorismus ("Al Qaida") diese Universalrolle.


- Einspruch unerwünscht – wie sich die Mainstream-Medien von ihren Lesern entfremden (NachDenkSeiten, 10.09.2014)
Die FAZ erlaubt unter Online-Artikeln zum Themenkomplex Ukraine/Russland schon seit längerem keine Leserkommentare mehr. SPIEGEL Online geht da selektiver vor und schließt den Kommentarbereich erst dann, wenn die Leser die Artikel zu kritisch bewerten. Am konsequentesten ist jedoch die Süddeutsche, die ihren Kommentarbereich gleich ganz abgeschafft hat und Leserkommentare nun auf die sozialen Netzwerke auslagert. Währenddessen erreichen uns nahezu täglich Mails von Lesern, die uns darauf hinweisen, dass in den Kommentarbereichen nahezu aller großen Portale Leserkommentare mit Links auf die NachDenkSeiten nicht veröffentlicht oder meist kommentarlos gelöscht werden. Leserkritik ist bei den Mainstream-Medien offenbar unerwünscht. Doch das eigentliche Problem ist tiefgreifender. Von Jens Berger.
 

Wer sich am letzten Sonntag den ARD-Presseclub angeschaut hat, kam sich vor wie in einer Parallelwelt. Dort debattierten vier einflussreiche Journalisten mit dem nicht minder einflussreichen ARD-Programmdirekter Volker Herres über den NATO-Gipfel und waren sich eigentlich in allen wesentlichen Punkten einig – Russland sei voll und ganz für die Eskalation in der Ukraine verantwortlich, Putin ein Aggressor und die NATO ein friedliebender Garant der Demokratie und der Menschenrechte … man kennt diese Argumentationsmuster ja zu genüge. Den Part des Nonkonformisten durfte ausgerechnet Ines Pohl von der in außen- und sicherheitspolitischen Themen nur all zu konformistischen taz übernehmen. Wer die Sendung verpasst hat, hat eigentlich nichts verpasst. Beim Themenkomplex Ukraine/Russland sind sich die großen deutschen Medien in allen Punkten einig – allenfalls im Grad der Anti-Russland-Haltung gibt es feine Nuancen.

- "Die Berichterstattung unterscheidet sich kaum von den Statements der Politik" (Telepolis, 08.09.2014)
Friedensforscher Lutz Schrader über den Journalismus in Zeiten geopolitischer Konflikte
"Man hat als Mediennutzer das Gefühl, sich seit Monaten in einer Art Endlosschleife zu befinden. Dieselben Argumente werden ständig wiederholt. Es scheint immer weniger Journalisten zu geben, die es für notwendig erachten, gründlich zu recherchieren und sich eine eigene und vor allem unabhängige und kritische Meinung zu bilden." Das sagt der Friedens- und Konfliktforscher Lutz Schrader im Interview mit Telepolis und verdeutlicht: Der Journalismus, wie er dieser Tage im Hinblick auf die Krisen in der Ukraine oder in Syrien zu beobachten ist, ist in vielerlei Hinsicht mit Unzulänglichkeiten behaftet.


- “Die heimtückische Macht der Propaganda” (Wirtschaft und Gesellschaft, 05.09.2014, Text auf englisch, gefunden über die NachDenkSeiten, 08.09.2014)
Ich hatte jüngst eine E-Mail an den bekannten niederländischen Journalisten und Professor emeritus Karel van Wolferen geschrieben. Zwar stimmte ich mit seinen Grundaussagen zum Umgang der Medien mit der Ukraine-Krise überein. Aber seine Einschätzung der deutschen Medien, insbesondere des Spiegels, empfand ich viel zu positiv. Gestern erhielt ich Antwort von ihm. Nicht nur, dass er meiner Kritik am Spiegel nach näherem Hinsehen ausdrücklich zustimmte. Er sendete auch einen neuen Artikel, der sich mit der Propaganda nicht nur im Fall der Ukraine-Krise, sondern sehr weit gefasst und grundsätzlich auseinandersetzt, und gab ihn Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse und Meinung zur Veröffentlichung.

- „Medien sollen Politik erklären und keine machen“ (Aachener Nachrichten, 30.08.2014, gefunden über die NachDenkSeiten, 08.09.2014)
Aachen. Sie ist eine Freundin des deutlichen Wortes – auch gegenüber der eigenen Branche. Gabriele Krone-Schmalz war jahrelang ARD-Korrespondentin in Moskau. Heute kritisiert die 64-Jährige, die inzwischen eine Professur für TV- und Medienwissenschaft hält, die Berichterstattung der meisten deutschen Medien über Russland und die Ukraine-Krise.
Sie sei einseitig, undifferenziert und zu sehr auf die Positionen der Regierung in Kiew fixiert. Ihre Kritik versteht sie als „Liebeserklärung an den seriösen Journalismus“.

Richard David Precht: Die "Knalltüte" Rasmussen - Maybrit Illner 04.09.2014 - die Bananenrepublik [12:18]

Veröffentlicht am 05.09.2014
Zitat Harald Kujat () - General a.D. Kujat warnt vor NATO-"Beweisen" gegen Russland (CeiberWeiber, 05.09.2014)
Zum NATO-Gipfel fand eine Diskussion bei Maybrit Illner statt, bei der General a.D. Harald Kujat und der Philosoph Richard David Precht sagten, was Sache ist. Precht meinte bezogen auf den Wunsch der Ukraine, der NATO beizutreten, dass ein "korrupter Oligarchenstaat"keines der dafür erforderlichen Kriterien erfüllt. Es ist zwar der breiten Masse nicht bekannt, doch der NATO-Vertrag sieht vor, dass nur funktionierende Demokratien beitreten können. Und natürlich kann die Ukraine, geht es mit rechten Dingen zu, auch in die EU nicht aufgenommen werden, weil hier neben Rechtsstaatlichkeit auch stabile Wirtschaft erforderlich ist. 

- Wie Medienpropaganda wirkt (CeiberWeiber, 04.09.2014)
Auch wenn man sich kritisch mit Berichterstattung auseinandersetzt, muss man sich selbst immer wieder daran erinnern, wie NATO-Propaganda wirkt. Man begegnet ihr überall - beim Querlesen mehrerer Medien täglich oder auch, wenn man Ausschnitte aus wenigen Zeitungen sammelt, um zu analysieren, wie es wohl Lesern damit geht. Dieser Text ist daher illustriert mit Schnipseln, die aus einer österreichischen Zeitung stammen und die an deutsche oder britische Medien erinnern. "Österreich" erscheint nicht nur als Kaufausgabe, sondern auch in einer etwas dünneren Gratisversion, die man Ständern etwa bei U-Bahn-Stationen entnehmen kann. 

- „Die Ukraine, korrupter Journalismus und der Glaube der Atlantiker“ (Telepolis, 29.08.2014)
So ist ein Artikel des niederländischen Journalisten Karel von Wolferen überschrieben, der schon am 14. August erschienen ist. Der Artikel ist immer noch aktuell und ein passender Beitrag zum Antikriegstag. Lesenswert. Es ist erstaunlich, dass dieser Text, der die aktuellen Vorgänge einzuordnen hilft, keine weitere Verbreitung gefunden hat. Deshalb machen wir darauf aufmerksam. Carsten Weikamp hat den Text freundlicherweise für die Nachdenkseiten übersetzt. Hier ist die deutsche Fassung als PDF. Die englische Fassung findet sich hier. – Informationen zum Autor sind am Ende des Textes notiert. 

Karel von Wolferen setzt sich kritisch mit der NATO und den Atlantikern, mit der amerikanischen Politik und der Rolle der Neokonservativen auseinander. Er sieht im Versagen der Medien eine der großen Ursachen für die Fehlentwicklung. Die deutschen Medien überschätzt er allerdings, vor allem den „Spiegel“, und wohl auch die in Deutschland entscheidenden Personen Merkel und Steinmeier. Aber dieses Manko beschädigt nicht den Gesamteindruck.

- Bye, bye SPIEGEL! (Telepolis, 29.08.2014)
Bleibt er oder geht er – der “Spiegel”-Chefredakteur? Landauf, landab berichten deutsche Medien darüber. Vergessen wird, was aus dem Nachrichtenmagazin inhaltlich geworden ist. In seinen besten Jahren war der “Spiegel” laut Eigenwerbung ein Sturmgeschütz der Demokratie. Man kann vortrefflich darüber streiten, ob das Magazin je diesem Mythos entsprach, den er seitdem wie eine Monstranz vor sich herträgt. Der heutige “Spiegel” ist – so viel steht fest – von diesem Ideal Lichtjahre entfernt. Mit einer Melange aus zackiger Deutschtümelei, denkfaulem Papageienjournalismus, eitler Geckenhaftigkeit und gnadenlosen Opportunismus hechelt das Blatt einem Zeitgeist hinterher, der stilgebend für die Merkel-Ära ist. Aus dem Sturmgeschütz der Demokratie wurde ein Steigbügelhalter der Marktkonformität.

“Im Zweifelsfall links”, so lautete einst die Devise des Herausgebers Rudolf Augstein. War der “Spiegel” in seinen besten Zeiten ein nach allen Seiten kritisches linksliberales Blatt, entwickelte er sich im letzten Jahrzehnt zusehends zu einem neoliberalen Kampfblatt. Als Talkshow-Ökonomen und Lobbyisten der Großkonzerne zur neoliberalen Wende trommelten, heulte die Zeitschrift mit den Wölfen, polemisierte “wie der Sozialstaat zur Selbstbedienung einlädt” und philosophierte über die “Melkkuh Sozialstaat”. 

- Ukraine/Russland – Übersetzungsfehler (NachDenkSeiten, 29.08.2014)
Zur Ukraine gab es einen Übersetzungsfehler der Agentur @reuters_de. Laut Korrektur sprach Präsident Poroschenko nicht von einer Invasion
Anmerkung JB: Der Tweet der Tagesschau ist mit dem 28. August 13:42 datiert. Zur Information: Poroschenko sprach nicht von einer „Invasion“, sondern von einer „Intervention“ – wenn es um Krieg und Frieden geht, ist dies schon ein gewaltiger Unterschied. Man sollte also schon meinen, dass die großen Online-Ableger der selbsternannten Qualitätsmedien ihre Meldungen mittlerweile korrigiert haben. Ist dem so?

- Spieglein, Spieglein, was ne Schand’ (altermannblog, 27.08.2014)

- Meine Erfahrungen mit und Anmerkungen zu SZ-JournalistInnen in der journalistischen Auseinandersetzung mit dem Ukrainekonflikt (Franz Josef Piwonka, Institut für Medienverantwortung, August 2014, PDF-Datei, gefunden über die NachDenkSeiten, 08.09.2014)
Wer die Presse-und Medienlandschaft der letzten Monate zum Ukrainekonflikt verfolgt, dem drängt sich ein irritierendes Bild auf: die Berichterstattung hat ein erschreckendes Ausmaß an politischer Uniformität bis hinein in dieselbe Wortwahl angenommen. Daher wundert es beim besten Willen nicht, wenn der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg Matthias Platzeck sagt, dass die hiesige Berichterstattung ihn an alte SED-Zeiten erinnere. Die geistige Eskalationsbereitschaft deutscher JournalistInnen geht so weit, dass sogar hohe Militärs ihre mahnende Stimme erheben und vor einer gefährlichen Eskalationsdynamik warnen: eine Absurdität der besonderen Art… 
 
- SPIEGEL Online und der Phantom-Konvoi – Hysterie, Lügen und Heuchelei (Telepolis, 18.08.2014)
Als SPIEGEL Online am Freitag gegen 17:20 mit der Eilmeldung „Ukraine: Truppen greifen russischen Konvoi an“ herauskam, rutschte sicher zahllosen Lesern das Herz in die Hose. Zum Glück stellte sich diese Meldung weniger später als Falschmeldung heraus. SPIEGEL Online hatte offenbar eine Verlautbarung der ukrainischen Regierung ohne jeden weiteren Beleg als Tatsache dargestellt und kräftig Hysterie geschürt. Einen Tag danach war es an SPIEGEL-Autor Christian Neef, in die Vorwärtsverteidigung zu gehen, und den von seinen Online-Kollegen gemeldeten Angriff in einem heuchlerischen Dementi zu relativieren. Ein Stück aus dem Tollhaus.

Was war passiert? In der Nacht von Donnerstag auf Freitag beobachteten zwei britische Journalisten vom Guardian und vom Telegraph und ein russischer Journalist vom Magazin „The New Times“, was ihrer Meinung nach ein Übertritt der russisch-ukrainischen Grenze von einer Kolonne mit 23 Fahrzeugen (Schützenpanzer und Begleit-LKWs) war. Während die beiden britischen Kollegen mit „Belegen“ geizten, veröffentlichte der russische Journalist Sergej Hasow-Kasija zumindest vier Photos, die jedoch von derart schlechter Qualität sind, dass sie kaum als Beleg für irgendetwas durchgehen können. Gut möglich, dass die drei Journalisten eine russische Grenzkontrolle beobachtet haben und selbst nicht genau wussten, wo die Grenze genau verläuft – dies behauptet zumindest die offizielle russische Seite. Alle anderen Interpretationen sind angesichts der mauen Belege hoch spekulativ.

- Leitmedien im Kriegstaumel (Richard Zietz, Nutzerbeitrag, Der Freitag, 08.08.2014)
Ukraine-Krise Die großen Medien agieren in der Ukraine-Krise längst als Konfliktverstärker. Neutralität und Ausgewogenheit? Für Warmduscher. Blick auf eine abgeschottete Elite.
Zitat:
Dieser Beitrag ist, was seine Anliegen angeht, bescheidener. Er gibt nicht vor zu wissen, was genau bei ARD, Zeit oder bei anderen Flaggschiffen des Qualitätsjournalismus schief läuft – und noch dazu, warum. Stattdessen konzentriert er sich auf vier einigermaßen klar nachweisbare Punkte. Punkt eins: Wie, mit welchen Techniken wurde und wird manipuliert? Punkt zwei: Welche Differenzen, welche Eigenheiten sind bei den Großen im Geschäft feststellbar? Punkt drei: Welche Machtkonzentrationen, welche Netzwerke tragen diese Form der Berichterstattung? Und schließlich, Punkt vier: Welche Art von Berichterstattung wäre angemessener, demokratischer, einer freien, pluralistischen Presse würdiger?

und:
- Udo Bachmair zur Rolle der Medien im Ukraine-Konflikt (CeiberWeiber, 30.07.2014) 
(30.7.2014) Udo Bachmair war lange Jahre als Moderator und Redakteur beim ORF und ist heute Präsident der Vereinigung für Medienkultur. Er beobachtet mit Sorge, wie einseitig in Österreich im Ukraine-Konflikt berichtet wird und dass jene, die ausscheren, sofort diffamiert werden. Auch weil Lehren aus 1914 nicht nur bei Festansprachen, sondern auch im praktischen Handeln gezogen werden müssen, appelliert er in einem Gastkommentar an die Verantwortung der Presse: 

Für eine Abrüstung der Worte 
von Udo Bachmair 

Was haben Ex-Kanzler Helmut Schmidt, der frühere grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber, der renommierte Publizist Peter Scholl-Latour oder der anerkannte österreichische Osteuropa-Experte Univ. Prof. Dieter Segert und viele andere politisch gemein? Nach der Logik mancher Zeitungsanalysen sind sie rechts- oder linksextrem. Denn sie gelten als "Putinversteher". Als solche werden sie auch in Qualitätsmedien verächtlich gemacht und sogar als "Irregeleitete" (Hans Rauscher, Standard, 16.4.2014) abgekanzelt. Beispielgebend für den überwiegend antirussischen Mainstream des heimischen Journalismus auch ein Leitartikel, in dem Russland generell als Land präsentiert wird, das andere Länder "sicher überfallen" (Christian Rainer, profil 12/2014) würde. Wie sehr die ausschließlich westliche (US-) Sicht der Welt auch in den Köpfen von Topjournalisten tief verankert ist, die in anderen Fragen durchaus zu Differenzierungen fähig sind, zeigt auch die Einschätzung des Leitartiklers, dass "die NATO-Einsätze im Kosovo-Krieg, in Afghanistan, in Libyen nicht der Vergrößerung der eigenen Einflusssphäre dienten..."


e sei einseitig, undifferenziert und zu sehr auf die Positionen der Regierung in Kiew fixiert. Ihre Kritik versteht sie als „Liebeserklärung an den seriösen Journalismus“.

„Medien sollen Politik erklären und keine machen“ - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-nachrichten.de/news/politik/medien-sollen-politik-erklaeren-und-keine-machen-1.904217#plx1328137599
Sie sei einseitig, undifferenziert und zu sehr auf die Positionen der Regierung in Kiew fixiert. Ihre Kritik versteht sie als „Liebeserklärung an den seriösen Journalismus“.

„Medien sollen Politik erklären und keine machen“ - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-nachrichten.de/news/politik/medien-sollen-politik-erklaeren-und-keine-machen-1.904217#plx1328137599
Sie sei einseitig, undifferenziert und zu sehr auf die Positionen der Regierung in Kiew fixiert. Ihre Kritik versteht sie als „Liebeserklärung an den seriösen Journalismus“.

„Medien sollen Politik erklären und keine machen“ - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-nachrichten.de/news/politik/medien-sollen-politik-erklaeren-und-keine-machen-1.904217#plx1328137599
siehe auch:
- Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache am Beispiel der Homosexuellen-Gesetzgebung in Deutschland und des israelisch-palästinensischen Konflikts (Post, 21.03.2014)

zuletzt aktualisiert am 19.10.2014

Heute vor 90 Jahren – 29. August 1924: Gründung der »Büchergilde Gutenberg«

Gute Bücher für die kleinen Leute 

Wirtschaftskrise und alltägliche Not prägten die frühen 1920er-Jahre im Nachkriegs-Deutschland. Für Arbeiter und kleine Angestellte waren schöngeistige Bücher kaum erschwinglich. Die Idee, auch den kleinen Leuten den Kauf von guten Büchern zu ermöglichen, war für einige engagierte Köpfe ein Gebot der Stunde. So stand dann auch die Gründung einer »gewerkschaftlichen Buchgemeinschaft« am 29. August 1924, heute vor 90 Jahren, auf der Tagesordnung des Bildungsverbands der deutschen Buchdrucker, der im Leipziger Volkshaus zusammengekommen war. 
Bücherbus der Büchergilde Gutenberg aus den 1950er Jahren
Einstimmig erklärten die Gewerkschafter ihre Zustimmung zur Gründung der »Büchergilde Gutenberg«. Die Satzung sah vor, den Mitgliedern »inhaltlich gute Bücher in technisch vollendeter Ausführung und nicht alltäglicher Ausstattung zugänglich zu machen«. Das Programm der Büchergilde war von Beginn an anspruchsvoll und ist es bis heute geblieben. Ende 1924 erschien der erste Band: Mark Twains Erzählband »Mit heiteren Augen«. Bereits Ende 1925 zählte die genossenschaftliche Gemeinschaft 18000 Mitglieder. Engagierte Texte moderner Autoren wie B. Traven, Oskar Maria Graf oder Jack London wurden ins Programm aufgenommen. 

Aus der Gründungsrede:
Wir wollen Bücher geben, die Freude machen. 
Bücher voll guten Geistes und schöner Gestalt.
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014
siehe auch:

Donnerstag, 28. August 2014

Kollekte: Arme sind großzügiger als Reiche

Studie der anglikanischen Kirche von England bestätigt biblische Geschichte vom „Scherflein der armen Witwe“ - Die Ärmsten gaben 4,3 Prozent ihrer Einkünfte, die Reichsten 1,8 Prozent.

London (kath.net/idea) Arme sind bei kirchlichen Kollekten großzügiger als Reiche. Das geht aus einer Untersuchung der anglikanischen Kirche von England hervor. Zwar spenden wohlhabende Kirchgänger größere Summen, aber sie stellen der Kirche einen geringeren Teil ihres Einkommens zur Verfügung. Anglikaner mit Jahreseinkünften unter umgerechnet 12.500 Euro spenden der Kirche einen mehr als doppelt so hohen Anteil wie die mit mehr als 50.000 Euro pro Jahr. 

mehr bei:

Arbeitssituation in Krankenhäusern – Fehler bleiben nicht aus

Weil in deutschen Kliniken Personal fehlt, sind Ärzte und Pfleger oft völlig überfordert. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung verschärft sich die Situation zusehends. Vor allem Gespräche und Betreuung von Patienten bleiben auf der Strecke.

Im Sommer 2013 ging es nicht mehr. Karin Heise*, eine junge Assistenzärztin der Inneren Medizin beschließt , ihren Job zu kündigen. "Es war die Hölle", sagt sie rückblickend über den Arbeitsalltag in einem 400-Betten-Krankenhaus in Brandenburg.

Weil Fachärzte fehlten, war sie schon nach kürzester Zeit allein verantwortlich für 30 Patienten mit Krebsleiden, Leberzirrhose und allen Arten von organischen Beschwerden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch kaum Berufserfahrung, ihr Studienabschluss lag gerade ein halbes Jahr zurück. Und die Arbeitsbelastung so hoch, dass sie sie kaum bewältigen konnte: Patienten aufnehmen, untersuchen, Diagnosen und ein Behandlungskonzept erstellen, mit Angehörigen reden und hinterher alles dokumentieren. "Und zwischendrin passieren Notfälle, ein Patient wird bewusstlos oder hat große Schmerzen. Oft weiß man nicht, was man als erstes tun soll."
mehr in:
- Fehler bleiben nicht aus (Tagesschau, 28.08.2014) 
siehe auch 
- Die Studie der Hans-Böckler-Stiftung (»Arbeitsreport Krankenhaus, August 2014, PDF)

Französische Staatsanwälte ermitteln gegen IWF-Chefin Lagarde wegen Korruption

Nachdem schon der Franzose Strauss-Kahn wegen einer Vergewaltigungsaffäre abtreten musste, kommt nun Lagarde wegen den Korruptionsermittlungen unter Druck 

Hat Frankreich kein glückliches Händchen bei der Auswahl der Personen zur Besetzung von Spitzenposten oder ist die politische Klasse so vermodert, dass es schwer fällt, unbelastete Politiker zu finden? Jedenfalls fällt auf, dass demnächst vermutlich erneut ein Franzose - besser gesagt eine Französin - den Chefsessel beim Internationalen Währungsfonds (IWF) räumen könnte. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen 2011 in New York musste der Sozialist Dominique Strauss-Kahn zurücktreten. 

Nun wird das auch im Fall der konservativen Christine Lagarde gefordert - die Staatsanwaltschaft wittert organisierten Betrug. Denn der Vorgang, in den Lagarde verwickelt ist, hat mehr als ein Geschmäckle und es geht um Steuergelder im Umfang von 403 Millionen Euro. 
mehr bei

Mittwoch, 27. August 2014

Weil wir hier zu Hause sind

Leben im Krieg (III) Abu Yahya wohnt mit seiner Familie in einem der umkämpftesten Viertel von Damaskus. Jeden Tag versucht er mit seinem Rettungswagen, Menschen zu retten
mehr:
- Weil wir hier zu Hause sind (Der Freitag, 27.08.2014)

Wachstumskritik – Das bornierte Streben nach Profit

Die Krise ist nicht vorbei, sie ist systemisch. Wettbewerb verursacht Stress. Das Band zwischen Wohlstand und Wachstum ist gerissen. Auch grüne Lebensstile reichen nicht aus. Angriff auf den Wohlfühlkapitalismus.

In der Gesellschaft verbreitet sich Unbehagen über die Kurzsichtigkeit der immer noch herrschenden Krisenstrategie. Immer mehr Geld wird in prekär werdende Branchen gesteckt, dem Staat werden qua „Schuldenbremse“ Möglichkeiten zur Gestaltung genommen, Alternativen kaum mehr diskutiert. Der stärkste Antrieb dieser Krisenpolitik bleibt wirkungsmächtig, obwohl sie in der Öffentlichkeit weitgehend abgelehnt wird: dass vor allem die Reichen und Mächtigen ihre Vermögen, sozialen Positionen und ihre Einflussmacht sichern. 

 Das Versprechen von herrschender Seite, dass alles sich zum Besseren wenden wird, lautet weiterhin: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Das hören auch die Beschäftigten gerne, öffnet das ihnen doch Spielraum für verteilungspolitische Forderungen. Und dennoch: Der Glaube an den deus ex machina des Wachstums schwindet. 
weiter bei der FAZ: Wachstumskritik – Das bornierte Streben nach Profit (27.07.2014) 


siehe dazu auch einige Texte bzw. Interviews von und mit Julian Nida-Rümelin:
- Die ökonomische Praxis ist auf Tugenden angewiesen (Interview 2012, PDF-Download)  
Die Ökonomie scheint in vielen Bereichen außer Kontrolle geraten zu sein. Finanzmärkte bestimmen das politische Handeln. Der Philosoph Julian Nida-Rümelin, der sich seit Jahren mit dem Verhältnis Ethik und Ökonomie auseinandersetzt, übt scharfe Kritik am rück- sichtslosen Streben des globalen Finanzkapitalismus nach Effizienz und Optimierung. Werde Optimierung zum alleinigen Maßstab, zerstöre sie am Ende die kultu- relle moralische Basis der Gesellschaft, warnt er. Eine humane Gesellschaft setze eine Beschränkung oder Einbettung der ökonomischen Praxis voraus. In seinem Buch „Die Optimierungsfalle. Philosophie einer humanen Ökonomie“ (Irisiana Verlag, München 2011) entwirft er eine an den antiken Werten und Tugenden orientierte Alternative. Dabei geht es ihm nicht um die Beschrei- bung einer Utopie, sondern darum, die pragmatischen Bedingungen einer humanen ökonomischen Praxis fest- zulegen.

Kooperieren können Menschen allerdings nur, wenn sie einander vertrauen. Wie eng das mit Tugenden und Werten, also mit Ethik, verbunden ist, zeigt Julian Nida-Rümelin, Philosophie-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in seinem Buch „Die Optimierungsfalle“. So ist beispielsweise für eine funktionierende Ökonomie Kommunikation unverzichtbar, und die klappt nicht ohne die leicht angestaubt klingenden Eigenschaften Vertrauen, Wahrhaftigkeit und Verlässlichkeit.

- Philosophie – Kann man Ethik lehren (science ORF, 10.08.2012)  
"Das Ethische kann man nicht lehren!", davon war Ludwig Wittgenstein überzeugt, die Philosophen könnten lediglich eine Art Orientierungshilfe anbieten. Seine Ablehnung einer universell gültigen Ethik teilten auch die meisten Vortragenden des heurigen Wittgenstein Symposiums. Im Rahmen einer angewandten Ethik könne die Philosophie heute dennoch Denkanstöße liefern.

Zu allen Zeiten haben Menschen versucht, möglichst gute Produkte möglichst preiswert zu erwerben. Viele haben auch versucht, aus ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit einen Gewinn zu schlagen. Dagegen gibt es gar nichts einzuwenden. Problematisch wird es dann, wenn das zur allgemeinen Weltanschauung wird. Das heißt, wenn die Botschaft lautet, dass erstens das gesamte menschliche Leben nach dem Modell eines ökonomischen Marktes organisiert sein sollte und zweitens der Markt moralfrei ist. Dann wird postuliert, dass man auf den Märkten alles vergessen kann, was man sonst als anständiger Mensch berücksichtigt: zum Beispiel ehrliche Kommunikation und Kooperationsbeziehungen, die von Respekt und Verlässlichkeit geprägt sind.

Siehe auch:
- Der Überfluss an Unnötigem und Schädlichem (Telepolis, 30.08.2014)
Problematische Arbeitsinhalte und Gebrauchswertangebote im gegenwärtigen Kapitalismus 
Kommen einander unbekannte Bürger ins Gespräch, dann taucht früher oder später die Frage "Was arbeiten Sie eigentlich?" so sicher auf wie das Amen in der Kirche. Meist ist dabei die Vergewisserung mit im Spiel, ob das Gegenüber denn auch im Erwerbsleben seinen Mann oder seine Frau stehe und - wenn ja -, wie weit sie oder er es dabei wohl gebracht habe. Die Frage könnte allerdings dem Gespräch auch eine ganz andere Wendung geben. Dann nämlich, wenn es um die Inhalte der Produkte oder Dienstleistungen ginge, für die gearbeitet wird. Wer unerschrocken und beharrlich dieser Frage nachgeht, dem werden Einblicke nicht verborgen bleiben, die weite Teile der Wirtschaft ebenso infrage stellen wie die Messung des nationalen Reichtums durch das Bruttosozialprodukt. Es steigt bekanntlich, wenn bspw. mehr Autos verunglücken und infolgedessen mehr Reparaturen bzw. Neukäufe getätigt werden.

Die Rückholung von Auslandsgewinnen

CAMBRIDGE – Immer mehr amerikanische Unternehmen planen, ihren Hauptgeschäftssitz nach Europa zu verlegen. Mit diesem als „Inversion“ bekannten Modell können sich die Konzerne den eindeutig unvorteilhaften Körperschaftsteuer-Bestimmungen in den Vereinigten Staaten entziehen und ihre Steuerlast verringern. Was sollen politische Entscheidungsträger in den USA unternehmen? 

Die Regierung von Präsident Barack Obama ist bestrebt der Verlagerung der Unternehmenssitze durch Verwaltungsmaßnahmen einen Riegel vorzuschieben, die vor Gericht möglicherweise nicht standhalten. Es wäre wesentlich besser, einen parteiübergreifenden Gesetzesplan mit dem Ziel zu entwickeln, die Versuchung Firmensitze zu verlagern von vornherein zu vermeiden. Ein solcher Plan, sofern er für multinational tätige US-Unternehmen attraktiv ist, könnte zu einer Verlagerung von Beschäftigung und Produktion in die USA und zu höheren Steuereinnahmen führen.
mehr:
- Die Rückholung von Auslandsgewinnen (Project Syndicate, 27.08.2014)