Sonntag, 30. März 2008

»Gottes Fuß im Dorf«



1600 Kilometer entfernt von der Industriestadt Bochum: Jucu in Siebenbürgen soll zum Hightech-Dorf werden.





Nokia schließt ein Werk in Bochum und investiert in ein rumänisches Dorf: Dort hofft man auf 3500 neue Arbeitsplätze und eine sprudelnde Einkommenssteuer


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Von Katharina Lötzsch


Bis vor einem Jahr herrschte auf dem 159 Hektar großen Acker am Nordrand der siebenbürgischen Gemeinde Jucu Stille. Jucu – das war ein verschlafenes Dorf, etwa 1600 Kilometer entfernt von der deutschen Industriestadt Bochum. Die Bauern fütterten ihre Schweine fett und hofften auf eine reiche Maisernte. Doch seit Frühjahr 2007 dröhnen die Bagger. Sie bauen ein Hightech-Dorf im Dorf: das Nokia Village.

Für rund 30 Millionen Euro haben der rumänische Staat und der Landkreis Cluj/Klausenburg dem finnischen Mobilfunkhersteller einen Industriepark maßgeschneidert. Noch kurven Baumaschinen über das eingezäunte Gelände, stapfen Arbeiter in dicken Gummistiefeln durch den schlammigen Boden. Doch die Standortvorteile sind eindeutig: Das Gelände liegt direkt an der Nationalstraße Richtung Klausenburg. Sogar Bahngleise zum Nokia-Werk wurden gelegt, der Klausenburger Flughafen soll für 95 Millionen Euro ausgebaut werden, und von der im Bau befindlichen transsilvanischen Autobahn wird ein Zubringer direkt zu Nokia führen.

Der Handyhersteller selbst will laut Aufsichtsratsvorsitzendem Veli Sundbäck 200 Millionen Euro investieren – Peanuts für ein Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr 7,2 Milliarden Euro Gewinn eingefahren hat. 60 Millionen fließen allein in die neue Werkhalle: Ein grauer Klotz ohne Fenster, aber mit vielen Rolltoren, den das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck errichtet hat. Vor zwei Wochen liefen dort bereits die ersten Handys »Made in Romania« vom Band, zum 11. Februar will Nokia von Testbetrieb auf Serienproduktion umstellen. Die Geräte sind für den Verkauf in Rumänien bestimmt oder sollen nach Asien und Afrika exportiert werden.

»Die Ansiedlung ist kein Beispiel für Rumänien als verlängerte Werkbank«, sagt Marko Walde, Geschäftsführer der deutsch-rumänischen Außenhandelskammer in Bukarest. Eine Reihe von Faktoren wie die Größe des einheimischen Marktes, das Investitionsklima und das gut ausgebildete Personal in der Region böten Nokia eben die günstigsten Bedingungen in ganz Europa. Zu den ehrgeizigen Plänen der Finnen gehört beispielsweise auch ein Forschungszentrum. Schon kurz nach der Gründung des Standortes wurden die ersten Ingenieure angestellt. Die Universität Klausenburg gilt in Rumänien als Kompetenzzentrum in der IT-Ausbildung.

Nokia hat sich bisher allerdings einen Maulkorb verordnet. Pressesprecherin Monica Alb wiegelt konsequent ab. Dabei gab sich Manager John Guerry der für Nokia die Fertigungsanlage in Jucu aufbaut, noch im vergangenen Jahr auskunftsfreudiger: »Unsere Intention war, ein Werk in Osteuropa zu eröffnen, das einen wachsenden Markt bietet«, sagte der 36-jährige Texaner, der die neue Fabrik künftig leiten soll, der rumänischen Presse.

Bisher wurden etwa 100 Mitarbeiter rekrutiert, teilte Daniel Don, Direktor des Arbeitsamtes Klausenburg, mit. Bis Jahresende soll die Belegschaft auf 1000 Arbeitnehmer anwachsen, doppelt so viele wie bisher geplant. 8500 Bewerbungen auf diese Stellen habe das Arbeitsamt bereits erhalten – die wenigsten allerdings aus Jucu. Für die Bauern des Dorfes fallen nur unqualifizierte Jobs ab. »Etwa 30 Leute arbeiten derzeit für private Subunternehmer: Sie putzen, reparieren und montieren im neuen Werk«, erzählt Bürgermeister Joan Dorel Pojar. Direkt bei Nokia in der Handyproduktion angestellt zu werden, das könnten sich nur die Jungen, die 18- bis 30-Jährigen vorstellen. Die Älteren machen kein großes Tamtam um den neuen Industriegiganten, sie sprechen beim Bier kurz darüber – um danach zu diskutieren, was im Frühjahr auf den Feldern ausgesät werden muss.

Wenn das Werk 2009 seine volle Kapazität erreicht, werden 3500 Menschen in Jucu für Nokia arbeiten. Hinzu kommen mehrere Tausend Arbeitsplätze hei den Zulieferfirmen. »Nokias große Pläne waren seit Monaten bekannt, nur die Verlagerung der Kapazitäten aus Bochum kam überraschend«, sagt Marko Walde von der Außenhandelskammer. Die Entscheidung finde er aber keineswegs verwerflich. Sie sei lediglich Ausdruck von Chancengleichheit und Wettbewerb in Europa.

Dass Rumänien Nokia aus Deutschland weggelockt habe, will sich auch in Juni niemand vorwerfen lassen. »Wenn das Werk auf höchster Kapazität gefahren wird, kassiert der rumänische Staat von Nokia etwa 100 Millionen Euro Steuern pro Jahr«, sagt Landrat Mario Nicoara. Ebenso habe Deutschland von den Steuern profitiert, die Nokia seit Bestehen des Bochumer Werks gezahlt habe. In Jucu sollen allein die Einkommenssteuern der Angestellten pro Jahr mehr als 100 000 Euro bringen – eine riesige Summe für das Dörfchen. »Dass sich Nokia für uns entschieden hat«, sagt Bürgermeister Pojar, »ist so, als hätten wir Gottes Fuß zu fassen bekommen.« Von dem Geld will der 51-Jährige die Straßen im Dorf asphaltieren lassen und die Kanalisation erneuern.

Natürlich tue es ihm um die Nokia-Angestellten leid. Aber warum kommen Deutsche nicht zu uns arbeiten, so wie drei Millionen Rumanen im europäischen Ausland arbeiten, fragt er. Der Durchschnittslohn in Rumänien liegt derzeit bei rund 320 Euro, in der Provinz eher noch darunter.

Und nein, sagt Ioan Plan, man habe Nokia nicht mit europäischen Fördergeldern ködern können, wie oft fälschlich erwähnt. Das Geld für den Ausbau des Industrieparks »Tetarom 3«, in dem das Nokia Village rund 90 Hektar einnimmt, stamme ausschließlich aus den Kassen von Kreis und Staat. Das Gelände wird jedoch häufig mit dem Klausenburger Gewerbeareal »Tetarom 1« verwechselt, das mit mehr als drei Millionen Euro aus den Töpfen des europäischen Subventionsprogramms Phare gefördert wurde. EU-Geld war in den Bau des Autobahnzubringers geflossen – jedoch kein Cent in die Nokia-Produktionsverlagerung von Deutschland nach Rumänien.

Bürgermeister und Landrat sind derweil voll damit beschäftigt, den Boom von Jucu zu verarbeiten. Ioan Pojar zeigt stolz auf seine drei Nokia-Handys, die ganze Familie telefoniere seit jeher mit Nokia. Dann muss er sich verabschieden, es gibt Wichtiges zu diskutieren: Die Grundstückspreise in dem 4000 Einwohner zählenden Dorf sind explodiert. Mehr als 40 Euro wollen die Besitzer nun pro Quadratmeter Bauland, der vor zwei Jahren noch drei Euro kostete. Aber die neuen Nokia-Mitarbeiter müssen ja schließlich irgendwo wohnen. •


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Kniefall vor Nokia

Die gespielte Entrüstung der Politik und die Lehren aus Bochum. Ein Zwischenruf

Die Empörung aller Parteien über den drohenden Verlust von 2300 Arbeitsplätzen bei Nokia und nochmals 2000 Jobs bei den Zulieferfirmen darf nicht darüber hinwegtäuschen: Hier ist viel Heuchelei im Spiel. Schließlich trägt die Politik vor Ort, im Bund und vor allem auf der Ebene der EU für das gnadenlose Subventionsnomadentum der Konzerne – in diesem Fall Nokia – eine riesige Mitschuld. Da die unbehinderte, grenzüberschreitende Liberalisierung der Standortwahl im Rahmen des EU-Binnenmarktes gewollt ist, muss man sich nicht wundern, wenn Konzerne an den Standort wandern, der für die kommenden Jahre hohe Renditen abwirft.

»Wir haben sehr sorgfältige Analysen der Kosten und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Bochumer Werks durchgeführt. Die Entscheidung zur Schließung ist genau durchdacht.« Aus der bornierten Sicht dieses Konzerns ist die Produktionsverlagerung in den Landkreis Cluj in Siebenbürgen zweifellos rational. Dabei geht es nicht nur um die Ausnutzung niedriger Löhne, denn deren Anteil am Produktionswert der Nokia-Handys ist mit unter fünf Prozent sehr gering. Vielmehr realisiert Nokia ein neues Produktionskonzept. Aufgebaut wird ein »Nokia-Dorf«, in dem auch die Zulieferfirmen ihre Produktionsstandorte ansiedeln. Modernste Infrastruktur auch mit Qualifizierungs- und Forschungseinrichtungen gehört dazu. Dieses »Nokia-Cluster« bietet für die nächsten Jahre hohe Renditen im Handygeschäft.

Die Fehler der Politik beginnen mit zeitlich befristeten Subventionen für einen Großkonzern. Die Landesregierung hätte die Subvention in eine Kapitalbeteiligung umwandeln sollen. Dann wäre die Politik bei der Entscheidung über den Standort Bochum im Aufsichtsrat dabei gewesen. Im Kniefall vor Nokia hat es die Politik versäumt, die öffentliche Förderung einer kleinteiligen, risiko-diversifizierten und wissensorientierten Wirtschaftsstruktur zu wagen.


»Bei der Empörung der Politik ist viel Heuchelei im Spiel«
Rudolf Hickel



Den Subventionsskandal komplettiert dann noch die EU. Aus dem Topf für den Aufbau der Infrastruktur ist der nagelneue Industriepark unterstützt worden. Um es klarzustellen: Der Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur zum Aufbau von Unternehmen ist gerade auch in Rumänien dringend erforderlich. Nicht akzeptabel ist jedoch, dass renditestarke Unternehmen wie Nokia einen zuvor subventionierten Standort schließen, um diesen jetzt an anderer Stelle mit Zuschüssen aus dem EU-Gemeinschaftshaushalt zu eröffnen. Am Ende ist Nokia mit steigendem Profit der Sieger, während die Krisenkosten in Bochum vergesellschaftet werden.

So sind aus dem Fall Nokia wichtige Lehren zu ziehen. Dazu zählt der Boykott als Protestform der Konsumenten. Politisch muss es Mindeststandards für die Subventions- und Steuerpolitik sowie auch für die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in der Europäischen Union geben. Die Konkurrenz um die Standorte in der EU braucht gemeinsame Spielregeln. • Rudolf Hickel

Professor Rudolf Hickel ist Direktor des «Instituts Arbeit und Wirtschaft« in Bremen.
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aus Publik-Forum Nr. 3•2008


Extrapolieren wir das Ganze doch in die Zukunft: Irgendwo hinterm Mond werden dann von Wirtschaft und Staat zusammen Elite-Universitäten gebaut, die Studenten aus aller Herren Länder ausbilden, die nach ihrem Abschluß in der Fabrik nebenan dann Arbeit finden. Nach 20 Jahren ist die umgebende Infrastruktur soweit verbessert, die Preise für alles mögliche soweit gestiegen, daß der Troß dann weiterzieht. Wie sagte Bruno Jonas im Scheibenwischer vor einigen Wochen (sinngemäß zitiert): »Wenn die alle immer weiter nach Osten ziehen, dann brauchen wir nur einen langen Atem …«

Samstag, 29. März 2008

Uns Adolf in Idar-Oberstein

Am 20. Mai 1932 hielt Adolf eine Rede im Klotzberg-Stadion (wenn man auf »Satellit« umschaltet, sieht man’s). Die damals arbeitslosen Eltern meines Vaters verkauften bei dieser Veranstaltung Weck und Würstchen. Ich selbst habe in meiner Teenager-Zeit dort an einigen Leichtathletik-Veranstaltungen teilgenommen. Inzwischen gibt’s da nur noch eine Wiese.
An der Hauptstraße im Stadtteil Idar wurde gebaut, weswegen überall Haufen von Pflastersteinen herumlagen. Als der spätere »GröFaZ« (größter Führer aller Zeiten, so nannte ihn unser Geschichtslehrer, »Pappi« Cremer immer) mit seiner Wagenkolonne durch Idar fuhr, sei so ein Pflasterstein in seine Richtung geflogen und die Wagenkolonne habe Gas gegeben und sei davongebraust, habe ich mir sagen lassen.


Man beachte auf dem Photo: es sind keine Hakenkreuze zu sehen. Obwohl die Nationalsozialisten schon recht früh das Hakenkreuz zu ihrem Parteiabzeichen machten, schien es vor der Reichstagswahl doch opportun zu sein, damit nicht so an die Öffentlichkeit zu gehen. Erst nach der Reichstagswahl 1933 wurde die Hakenkreuzflagge neben der schon aus dem Kaiserreich bekannten Schwarz-Weiß-Roten Flagge zur Nationalflagge erklärt.


Einige Jahre später sieht man da Hakenkreuz. Wo die Aufnahme gemacht wurde, weiß ich nicht. Es scheint sich um ein Kasernengelände, entweder in Idar-Oberstein oder im nahegelegenen Baumholder zu handeln. Das Drama um einen Bekloppten, der sich das nach dem Ersten Weltkrieg und unmenschlichen Reparationen am Boden liegende Selbstbewußtsein der Deutschen und Österreicher und die wirtschaftliche Misere der 20er und 30er Jahre zunutze zu machen wußte, konnte seinen Lauf nehmen. Hurra!!

Wenn das Auto der beste Freund ist

Je einsamer ein Mensch, umso eher vermenschlicht er Gegenstände

CHICAGO – Für Menschen, die einsam sind, kann das Auto der beste Freund werden. Doch das ist nicht der einzige Gegenstand, der als Ersatz für menschliche Kontakte infrage kommt. Manche umgeben sich mit Stofftieren, andere behandeln ihren Fernseher, als hätte er eine Seele. Wieder andere vermenschlichen ihre Haustiere. Eine besonders krasse Variante dieses Verhaltens ist in dem Film „Verschollen” zu sehen, in dem der Held (Tom Hanks) auf einer einsamen Insel notlandet und sich mit einem Volleyball „anfreundet”.

Amerikanische Forscher haben nun experimentell nachgewiesen, dass Menschen mit wenigen Sozialkontakten stärker dazu neigen, Gegenstände und Haustiere zu vermenschlichen. Ihre Erkenntnisse haben die Forscher im Journal Psychological Science" veröffentlicht.

Nicht jeder, der etwa seinem Auto einen Namen gibt und es auffordert, doch bitte jetzt nicht „herumzuzicken”, ist ein einsamer Mensch, Doch es besteht eine Korrelation zwischen Einsamkeit und einer verstärkten Vermenschlichung von Gegenständen, wie das Team um Nicholas Epley von der Universität von Chicago in drei Experimenten herausgefunden hat.

In einem dieser Experimente ließen die Forscher Versuchspersonen in künstlicher Einsamkeit in einem Labor über eine Zeit in ihrem Leben schreiben, in der sie sich einsam oder isoliert gefühlt hatten. „Als wir sie sich einsam fühlen ließen, beschrieben sie ein Haustier mit größerer Wahrscheinlichkeit so, als hätte es menschenähnliche Empfindungen, etwa dass es ,nachdenklich’ oder ,verständnisvoll’ gewesen sei”, so Epley.

Die Vermenschlichung von nicht menschlichen Lebewesen wirkt den Forschern zufolge besser gegen Einsamkeit als die Vermenschlichung von unbelebten Gegenständen. „Nicht menschliche Verbindungen können sehr mächtig sein”, so Epiey. „Unser Gehirn unterscheidet nicht so sehr, ob etwas eine Person ist oder nicht.”

Bedenklich finden die Forscher die Vermenschlichung von Tieren oder Gegenständen nicht, wenn Menschen einsam sind. Denn: „Einsamkeit bringt ein größeres Sterberisiko mit sich als Rauchen.”

aus der WELT vom 22.1.2008

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Mittwoch, 26. März 2008

Fernverkehr im Jahr 2000

In Röhren aus Beton, Stahl oder Kunststoffen werden die Züge der Zukunft mit Preßluft von Stadt zu Stadt geschossen, Nobelpreisträger Irving Langmuir hat bereits den ersten Röhrenzug entworfen. Eine 5 km lange Modellstrecke ist in den USA schon im Bau. Der heute schnellste Zug verkehrt in Japan zwischen Tokio und Osaka, er erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 340 km/Std. Die ersten Röhrenzüge werden dagegen bereits mit 650 km/Std. fahren.

Umschlagseite eines Herlitz-Schreibheftes mit Begleittext aus dem Jahr 1971

Tibet, die nächste

Über die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, Sektion München, bekomme ich fortwährend alarmierende Nachrichten über Tibet. Wem noch nicht schlecht ist, der kann sich hier ein paar Bilder ansehen. Sie stammen von der blutigen Niederschlagung des Protestes von Ngaba vom 16. März: www.tchrd.org/press/2008/pr20080318c.html.

Und noch was:
Derzeit kursieren mails von angeblich bekannten Tibet-Unterstützer-Adressen
mit Anhängen in zip, doc, rar, ppt etc, die samt und sonders mit üblen
Trojanern verseucht sind, Wachsamkeit ist erforderlich, bitte niemals
Anhänge im doc-Format versenden, Anhänge nur als rtf oder pdf versenden.
Eine interessante Meldung von AFP hierzu: afp.google.com/article/ALeqM5jsVui4k8MQesgQMh2mKwHleFYKJw

Sonntag, 23. März 2008

Säerspruch

Bemesst den Schritt! Bemesst den Schwung!
Die Erde bleibt noch lange jung!
Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht.
Die Ruh ist süß. Es hat es gut.

Hier eins, das durch die Scholle bricht.
Es hat es gut. Süß ist das Licht.
Und keines fällt aus dieser Welt,
Und jedes fällt, wie's Gott gefällt.

Conrad Ferdinand Meyer


Frohe Ostern!


Aus aktuellem Anlaß: Pontius Pilatus (bei Wikipedia)

Mittwoch, 19. März 2008

Lache ess gesonnd! – Die Zehnte

Zu weit gegangen

Ein Obersteiner streitet sich lautstark mit seiner Frau an Gilsbachs Eck. Schließlich gibt er ihr eine schallende Ohrfeige. Ein Polizist, der die Szene beobachtet hat, schreitet ein: „Saan se mool, senn se weile nedd e bissje zu weet gang?“ Antwortet der Obersteiner: „Do honn se reecht, Herr Wachtmeister. Die hätt’ se schon bei Treibse verdient gehatt.“

für Ortsunkundige: hier ist die Google-Karte, auf der man die Verhältnisse anschauen kann.
Das streitbare Ehepaar bewegte sich auf der Hauptstraße (das ist dort, wo der Pfeil draufzeigt), und zwar von Nordosten nach Südwesten. Etwas weiter kreuzt die Otto-Decker-Straße die Hauptstraße. Früher stand an dieser Kreuzung ein Geschäft mit dem Namen »Gilsbach«, deshalb also nach Idar-Obersteiner Tradition »Gilsbachs Eck«. (Heute ist da ein gutes Schuhgeschäft.) Der Pfeil zeigt auf das Herrenbekleidungsgeschäft »Treibs«. (Da habe ich meinen dunkellila Konfirmationsanzug gekauft bekommen, damals noch mit Rollkragenpullover getragen, der letzte Schrei!) Die Tatsache, daß das Ehepaar sich also schon beim Herrenbekleidungsgeschäft »Treibs« stritt, spricht für eine intensive Paarbeziehung, in welcher beide große Ausdauer in der Auseinandersetzung an den Tag legen, sich der Mann aber, wie das häufig der Fall ist, der verbalen Fähigkeiten seiner Frau nicht zu erwehren weiß und handgreiflich wird.


Tierliebe

Ein Obersteiner geht mit einem Schimpansen an seiner Seite durch die Fußgängerzone. Als er seinen Freund aus Idar trifft, fragt dieser: „Ey, saa mol. Wo wellst dau dann met dem Schimpanse loo hiene?“ Antwortet der Obersteiner: „Der ess ma zugelaaf. Watt soll ich dann met dem mache?“. Daraufhin der Idarer: „Geh’ doch met em en de Zoo.“ Am nächsten Tag treffen sich die beiden erneut. Der Obersteiner hat noch immer den Schimpansen an seiner Seite. Daraufhin der Idarer: „Eech honn da doch gesaht, de sollst met em en de Zoo gehn.“ Antwortet der Obersteiner: „Ey do ware ma gister. Hout geh ma ent Kino.“


Hier öffnen

Weshalb trinken Obersteiner die Milch immer sofort in dem Geschäft, in dem sie sie gekauft haben? Weil auf der Packung steht: „Hier öffnen!“


Hammerwurf

Bei der Olympiade waren zum Hammerwerfen ein Russe, ein Kanadier und ein Obersteiner angetreten. Zuerst warf der Russe mit einer Weite von 85 Meter, dann trat der Kanadier an mit einer Weite von 90 Meter. Da nahm sich der Obersteiner den Hammer und warf das Gerät 95 Meter weit. Nach dem Wettkampf kam ein Journalist zu den Dreien und erkundigte sich, woher sie so viel Kraft hätten, um den Hammer so weit zu werfen. Der Russe sagte: „Mein Großvater hat viel Schnee geschaufelt, mein Vater hat viel Schnee geschaufelt und ich habe viel Schnee geschaufelt, daher die Kraft.“ Der Kanadier: „Mein Großvater hat viele Bäume gefällt, mein Vater hat viele Bäume gefällt, und ich habe viele Bäume gefällt, daher meine Kraft.“ Da sagte der Obersteiner: ,,Mejjh Großvadder wa awettslos (arbeitslos), mejjh Vadder wa awettslos. Die honn emmer zou mir gesaaht: ‚Boub, wenn der jeemools ääner e Haamer enn die Hand dreckt, dann schmeiß en so weit wie denn nure schmeiße kannst.’“


Hohe Hürden

Ein Idarer versucht krampfhaft an einer Bahnschranke hochzuklettern. Da kommt ein Obersteiner vorbei und fragt ihn, warum er unbedingt dort hochklettern will. Der Idarer erklärt ihm, dass er die Schranke messen müsse. Der Obersteiner schlägt vor, er soll doch warten, bis die Schranke herunter gedreht wird. Da entgegnet ihm der Idarer: „Dadd geht nedd, eech brooch die Heh’ und nedd die Breet’.“


Fahrgastzählung

Als die neue Buslinie nach Tiefenstein eröffnet war, wollte die OIE eine Statistik über deren Nutzung erstellen. Es wurde ein Idarer und ein Obersteiner eingestellt, die zählen sollten, wieviele Gäste an bestimmten Haltestellen in den Bus ein- und aussteigen. Den ganzen Tag waren sie auf unterschiedlichen Linien unterwegs, spätabends trafen sie sich an der Endstation und rechneten eifrig zusammen. Der Idarer hatte schon längst seine Kladde zusammengepackt, als er den Obersteiner noch immer Grübeln sah. Auf die Frage, wo es hänge, antwortet dieser: „Eisch honn a Manko: Edd muss earscht noch eener en de Bus ennstejhe, ierscht dann ess keener meh’ drenn.“


Rückwärts

Fährt ein Idarer mit seinem Auto rückwärts den Schloßberg hoch. Unterwegs fragt ihn ein Obersteiner: „Warom fierst dou dann rickwärts lo ruff?“ Antwortet der Idarer: „Eesch honn gehiert, lo uwe kann ma net drehe“ und fährt weiter. Nach einer halben Stunde kommt der Idarer wieder rückwärts den Schloßberg runter. Fragt ihn der Obersteiner: „Warom fierst dou dann jetza ach nochmol rickwärts lo ronner?“ Antwortet der Idarer: „Ejh, lo uwe konnt ma doch drehe.“

aus »Reesche Leit onn areme Deiwel«


Tibet – Unterschriftenaktion für den Dalai Lama

Montag, 17. März 2008

„Atomstrom ist nicht nur gefährlich – wir brauchen ihn nicht"

Interview mit dem Energiesprecher des BUND, Dr. Werner Neumann

Wir haben dem Energiesprecher des BUND, Dr. Werner Neumann, Fragen zur aktuellen Energiepolitik gestellt.

• Vielfach wird gesagt, der Strom aus alten abgeschriebenen Atomkraftwerken sei billig. Da kann man doch nichts dagegen haben, oder?

Neumann: Wenn Atomstrom keine großen Gefahren beim Betrieb oder beim Atommüll aufweisen würde, ware dies alles kein Problem Es besteht aber ein hohes Risiko, dass bei einer Kernschmelze mit Freisetzung von Radioaktivität Haus, Hof und Gesundheit zerstört werden und die Atomwirtschaft noch nicht mal den Schaden trägt.
Schauen Sie mal in die Unterlagen Ihrer Hausratsversicherung. Dort sind alle Schäden durch Kernenergie ausdrücklich ausgeschlossen. Und die vorgeschriebene Deckungsvorsorge für Atomkraftwerke dürfte maximal wenige Promille des Gesamtschadens betragen.
Der Versicherungsexperte der Münchner Rück, Klaus Ben hat einmal auf die Frage zur Versicherbarkeit von Atomanlagen gesagt: „Der Schaden kann nicht abgeschätzt werden, wir können und werden dies nicht versichern können.“ So gesehen dürfte man Atomkraftwerke im Grund genommen gar nicht betreiben – alle anderen Stromerzeuger habe, eine Haftpflichtversicherung, Atomenergie nicht.

• Die Atomindustrie sagt, das Endlagerproblem ist gelöst, man müsste Gorleben nur in Betrieb nehmen.
Dr. Werner Neumann

Tatsächlich ist das Endlagerproblem in keiner Weise gelöst. Viele Menschen glauben, in Gorleben wäre der Atommüll schon im Salzstock eingelagert, tatsächlich lagert dieser nur in der oberirdischen Halle. Grund ist ja, dass es begründete Zweifel gibt, ob der Salzstock von Gorleben langfristige Sicherheitskriterien erfüllt.

• Mit der Klimaargumentation der Atomindustrie sind Sie auch nicht einverstanden. Warum?

In Biblis A und B wurden in den letzten Jahren über 1 Milliarde Euro für Nachrüstungen investiert. Beide Blöcke produzieren zusammen 15 Milliarden Kilowattstunden im Jahr. Die gleiche Strommenge könnte man kostengünstiger wegsparen. Beispielsweise kosten 100 Millionen Steckerleisten zum Abschalten von Stand-By etwa 500 Millionen Euro und sparen 10 Milliarden Kilowattstunden Strom. 20 Mio. sparsame Heizungspumpen haben Mehrkosten von S Milliarden Euro, sparen im Jahr 1 Milliarde Euro Stromkosten und sparen 5 Milliarden Kilowattstunden im Jahr. Das zeigt: Effiziente Stromanwendung ist dem Atomstrom meilenweit überlegen.

• Als „Brückenenergie“ für den Weg zu den erneuerbaren Energien könnten Sie die Atomenergie doch wenigstens akzeptieren …

Wozu braucht es eine wackelige Brücke, wenn man den direkten Weg zu den erneuerbaren Energien wählen kann.
Schauen Sie, vor 10 bis 15 Jahren waren die erneuerbaren Energien noch in den Kinderschuhen. Die Stromwirtschaft hat noch Anfang der 90er Jahre Anzeigen geschaltet mit dem Text: „Denn regenerative Energien wie Sonne, Wasser und Wind können auch langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken.*
Heute decken erneuerbare Energien 15 Prozent unseres Stromverbrauchs, wir gehen auf 20 bis 30 Prozent zu und bald darauf sind auch 100 Prozent möglich. Zudem wird Strom aus erneuerbaren Energien immer preisgünstiger – Windstrom kostet nur halb soviel wie vor 10 Jahren.

• Aber mit der Windenergie haben die Umweltverbände doch Probleme?

Nein, der BUND und alle anderen Naturschutzverbände im Deutschen Naturschutzring haben sich für die Erzeugung von Strom aus Windenergie ausgesprochen. Wenn für den Naturschutz wichtige Bereiche ausgespart bleiben, ist noch reichlich Platz, dass allein Windstrom 30 Prozent unseres Strombedarfs decken kann.
Es hat sich gezeigt, dass die immer unterstellten Schäden durch Vogelschlag sehr gering sind. Probleme gibt es nur bei speziellen Vogelarten, wie Rotmilan und Seeadlern, und dies nur an besonderen Orten. Bei www.wind-ist-kraft.de kann man sich genauer informieren, wie Naturschutz und Windenergie in Einklang kommen können.

• Wann soll das Atomkraftwerk Biblis stillgelegt werden?

Sofort! Ein weiterer Betrieb ist nicht zu verantworten. Die Gefahr, dass mit einer Kernschmelze das Rhein-Main-Gebiet praktisch für immer unbewohnbar wird, ist zu groß.

• Es werden bundesweit über 20 Kohlekraftwerke geplant – der BUND ist nun auch gegen diese?

Richtig. Neue Kohlekraftwerke, durch die nach Berechnungen des BUND die CO2-Emissionen bundesweit noch um über 100 Millionen Tonnen im Jahr steigen würden, sind keine Alternative für alte gefährliche Atomkraftwerke. Eigentlich wäre die Umgestaltung unserer Energieversorgung einfach. Der forcierte Ausbau erneuerbarer Energien kann den Strom aus gefährlichen Atom- und schmutzigen Kohlekraftwerken leicht ersetzen.

• Was ist eigentlich Kraft-Wärme-Kopplung?

Es ist ein Fremdwort für die Betreiber von Atomkraftwerken, denn dort und auch bei vielen großen Kohlekraftwerken – werden ca. zwei Drittel der eingesetzten Energie ungenutzt als Abwärme über Kühltürme oder in Flüsse abgeleitet. Das ist schlicht Energieverschwendung und schafft Umweltprobleme.
Kleinere Heizkraftwerke in Stadtteilen, in Krankenhäusern, Bürogebäuden, Schulen, Industrie und Gewerbe können vor Ort Strom produzieren und die entstehende Wärme wird gleichzeitig genutzt. Solche Anlagen gibt es in allen Größenordnungen, sogar für Haushalte. Sie können mit Erdgas, Biogas, Pflanzenöl, größere auch mit Holz betrieben werden.

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• Atomausstieg selber machen

Führende Umweltverbände, Verbraucherschutzorganisationen und Anti-Atom-Initiativen rufen die atomkritische Mehrheit in Deutschland auf, ihre Vertragsbeziehungen zu den Atomstromproduzenten zu beenden und massenhaft zu Ökostromern zu wechseln. Private Haushalte, Gewerbe und Unternehmen sollen so gegen die einseitige Aufkündigung des so genannten Atomkonsenses durch den Essener Stromriesen RWE und die anderen drei Atomstromproduzenten EON, Vattenfall und Energie Baden-Württemberg (EnBW) vorgehen. Zu den Organisationen, die zusammen mehrere Millionen Mitglieder repräsentieren, gehört auch die IPPNW.

Über eine eigens eingerichtete Homepage (www.atomausstieg-selber-machen.de), aber auch durch direkte Ansprache werden jene rund zwei Drittel der Bevölkerung angesprochen und informiert, die nach jüngsten Umfragen der Atomenergie ablehnend gegenüberstehen, bisher daraus aber noch nicht die Konsequenz eines Stromanbieterwechsels gezogen haben. „Erteilen Sie dem Wortbruch der Konzerne mit der Aufkündigung Ihrer Vertragsbeziehungen eine angemessene Antwort. Es kostet Sie fünf Minuten“, heißt es in dem Aufruf der Verbände und Organisationen

aus der Aktionszeitung »Biblis angeklagt«, herausgegeben von der deutschen Sektion der IPPNW, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V., dem BUND Landesverband Hessen e.V. und der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. (EUROSOLAR)

siehe auch Atomkraftgegner bei Wikipedia

Sonntag, 16. März 2008

Tod in Havanna

Am 7. Januar 2008 starb in Havanna Philipp Agee, ein Mann, der wie kein anderer vor und nach ihm die mörderische Tätigkeit der CIA enttarnt und dargestellt hat. Er hatte sich 1957 während des Kalten Krieges für die Agency anwerben lassen, damals noch fest davon überzeugt, hier einen Beitrag für den Schutz von »freedom and democracy« leisten zu können. Doch seine Erfahrungen in verschiedenen lateinamerikanischen Staaten belehrten ihn, daß das eigentliche Ziel der US-Politik darin bestand, traditionelle Machtstrukturen zu konservieren und der Mehrheit der Bevölkerung die Kontrolle der Wirtschaft und der politischen Entscheidungen vorzuenthalten, also Demokratie zu verhindern. Möglich war das nur durch Unterdrückungsmaßnahmen verschiedenster Art. Die Aufgabe der CIA bestand darin, Staatsstreiche zu organisieren, Diktaturen zu etablieren, Todesschwadronen aufzustellen und zu trainieren und Folterschulen einzurichten. Im Vergleich zur Gegenwart ist immerhin festzuhalten, daß die US-Agenten damals noch nicht selber folterten, sondern das »know how« lieferten und assistierten. Für Morde und Terrorakte stellten sie Geld, Waffen, Unterstützung aller Art zur Verfügung. Dafür brauchten sie nicht zuletzt Nachrichtenagenturen und Journalisten, die bei aller Kritik im Einzelnen die Verhältnisse so darstellten, als wären die »Hilfsprogramme« gerechtfertigt. Ob die Redakteure für die Veröffentlichung genehmer Nachrichten direkt Geld oder nur spannende, verwertbare Informationen bekamen, war für CIA-Zwecke bedeutungslos. Das Gleiche gilt für die Beeinflussung von Wahlen, die Infiltration von Parteien, Kirchen, Frauen- und Studentenorganisationen und Gewerkschaften.

Alles dies erlebte Philip Agee unmittelbar mit.

gefunden bei United Mutations, Quelle u. gesamter Text bei Ossietzky (www.sopos.org)

Bush & Monsanto

The information below is from Robert Cohen, Executive Director of the Dairy Education Board. (http://www.notmilk.com). It shows how the corporations control our government so as to continue to dilute and even poison our food supply in the name of profit.

John Grisham wrote the best selling novel, the Pelican Brief. Julia Roberts and Denzel Washington starred in the blockbuster movie in which two Supreme Court justices are assassinated so that an evil oil billionaire can petition the president to appoint environmentally unfriendly justices to America’s highest court. It’s all about politics, multi-national firms, and dollars.

Today’s Pelican Brief
In 1994, Monsanto Agricultural Company gained approval for their genetically engineered bovine growth hormone. That hormone became the most controversial drug application in the history of America’s Food and Drug Administration (FDA). Monsanto’s hormone caused cancer in laboratory animals, and was banned in Europe and Canada. Monsanto’s genetically engineered crops continue to make headline news throughout the world, and their patented seeds have become the seeds of controversy.

gefunden bei United Mutations, Quelle und gesamter Text bei www.alkalizeforhealth.net


Siehe auch meinen letzten Monsanto-Post: Monsanto, mit Gift und Genen

Kombimodul erzeugt Strom und Wärme zugleich

Das Solarzentrum Allgäu steigt als erstes Unternehmen in Deutschland in die Serienproduktion von Kombimodulen für Photovoltaik und Solarthermie ein. Das Konzept der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Warmwasser steht noch am Anfang, hat aber großes Potenzial…

gefunden bei United Mutations; Quelle/Gesamter Text: www.handelsblatt.com

Hessen löst Landschaftsschutzgebiete auf

Inhaltsleer und ohne Relevanz für den Natur- und Landschaftsschutz. So sieht nach Einschätzung des Naturschutzbundes (Nabu) die Zukunft der hessischen Naturparks aus. Der Hintergrund: Die Landesregierung hat Anfang der Woche fast alle großen Landschaftsschutzgebiete (LSG) aufgelöst. Naturschützer von Nabu und BUND befürchten, dass die Naturparks damit eine wesentliche Rechtsgrundlage verlieren und wirksamer Landschaftsschutz nicht mehr gewährleistet ist. Bisher mussten beispielsweise alle Bauvorhaben von der Naturschutzbehörde genehmigt werden. Mit der Auflösung wolle die Regierung nun die Bahn frei machen, um die Gebiete zu bebauen, sagt der Nabu…

gefunden bei United Mutations; Quelle/Gesamter Text: www.fr-online.de

Samstag, 15. März 2008

„Bildblog“ darf mosern

Die Internetseite „Bildblog.de“ darf sich weiter beim Deutschen Presserat über „Bild“ beschweren. „Der Deutsche Presserat hat am Mittwoch mehrheitlich entschieden, dass ein Missbrauch des Beschwerderechts durch das ,Bildblog‘ nicht zu erkennen ist“, sagte ein Presseratsprecher. Das Selbstkontrollgremium lehnte damit einen Antrag des Axel Springer Verlags ab, die Beschwerden zu verbieten. Ein Sprecher des Verlags hatte „Bildblog“ zuvor mit einem „Abmahnverein“ verglichen und den Betreibern vorgeworfen, den Presserat für eigene kommerzielle Interessen zu instrumentalisieren. „Bildblog“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, täglich die Fehler der „Bild“-Zeitung aufzudecken. epd
aus der Hannverschen Allgemeinen Zeitung vom 14.3.08


siehe auch Stephan Niggemeier, Springer 1968, im »Spiegel« der Zeit

Hier ist auch ein Zitat aus der Bayerischen Staatszeitung vom 19. April 1968 zu finden:

»Zahlreiche Analysen des Inhalts der „Bild-Zeitung” haben den Nachweis erbracht, daß dieses Blatt seit Jahren immer wieder seine Leser einseitig, lückenhaft und unsachlich informiert … Sie scheut nicht davor zurück, die Wahrheit zu verfälschen, wenn mit der Unwahrheit Ressentiments aufgerührt werden konnten. Die „Bild-Zeitung” spiegelt sehr deutlich wider, wie Zeitfragen von einem Teil unserer Gesellschaft, und zwar von den intellektuell wenig Geschulten, von einseitig Orientierten und halb Informierten erörtert werden. Dieses Gespräch ist durchsetzt mit Halbwahrheiten, Neid, Haß und Vorurteilen, mit Dummheit, Spießbürgertum und Desinteresse.«

Auf der gleichen Seite eine Einschätzung von Wilhelm Backhaus, ehemaliger Kolumnist bei Springer, ursprünglich veröffentlicht in einer SPIEGEL-Serie aus dem Jahr 1968 über Axel Springer:

»In Deutschland hingegen sind seit dem Kriege gerade Minderwertigkeitsgefühle und Ressentiments verlegerisch zu nutzen, und das gelang Springer mit dem kongenialen Chefredakteur von „Bild”, Peter Boenisch, noch auf eine besondere, viel gefährlichere Weise. Sie erreichten es, daß sich der Konsument von „Bild” nicht mehr mit dem Lesen begnügt; er wird aktiviert, man animiert ihn zur Zuschrift, man redet ihm ein, daß seine Stimme Volkes Stimme sei, daß Deutschland durch seinen Mund spricht.

So ist das Millionenheer der „Bild”-Leser bewußt zu einer politischen Macht aufgebaut worden, die ebenso bewußt gelenkt wie ausgespielt werden kann. Ihr Gewicht ist längst viel zu groß, als daß irgendein Politiker es noch wagt, sich ihr entgegenzustellen. Daß dies keine bloß konstruierten Spekulationen sind, hat Springer selbst durch die wiederholte Behauptung bestätigt, er und seine Politik erhielten ihren Auftrag, ihre Legitimation durch die tägliche Millionenzahl seiner Zeitungskäufer und -leser.«


SEYMOUR M. HERSH, REPORTER IN WASHINGTON

VIETNAM, IRAK, IRAN – VON MACHT UND OHNMACHT DES JOURNALISTEN

W I R in Amerika – und im Westen – leben in Zeiten einer furchtbaren Krise, die größtenteils hausgemacht ist. Sie begann mit dem Grauen des 11. September und wurde durch das nachfolgende Grauen der Regierung Bush vertieft und verschärft. Während ich dies schreibe, Anfang August, hat mein Präsident noch keinen Bomben- und Raketenangriff auf die Mullahs im Iran befohlen, doch die Durchführung dieses Angriffs ist, wie er glaubt, seine Bestimmung – um Amerika und die freie Welt vor einem Iran zu schützen, der, wie er glaubt, einmal mit Atomwaffen und der nötigen Technik ausgerüstet sein wird, um diese in New York, Washington und anderen amerikanischen Großstädten zur Detonation zu bringen. Daß es keinerlei Erkenntnisse gibt, die seinen Glauben stützen, spielt keine Rolle. Wir werden abwarten müssen, ob er tut, was er seiner Ansicht nach tun muß, oder ob er dadurch gebremst wird, daß sehr wenige Menschen in Washington – sowie unter den Republikanern im Kongreß und vielen Spitzenmilitärs im Pentagon – der Ansicht sind, dies wäre selbstmörderisch und könnte den Westen in einen weltweiten Krieg gegen die Schiiten stürzen.

Seit dem 11. September habe ich in meiner Arbeit für den New Yorker über kein anderes Thema berichtet, und man wird wohl bemerkt haben, daß ich – mehr als die meisten Journalisten – Zugang zu bestimmten inneren Abläufen in der Regierung Bush habe. Zu den Vorzügen, schon lange im Geschäft zu sein, gehört, daß ich langjährige berufliche Beziehungen zu zahlreichen höheren Beamten der amerikanischen Geheimdienste und der Armee unterhalte – manche pensioniert, manche noch aktiv –, die mit dem Weißen Haus und dem Nationalen Sicherheitsrat zu tun haben. Und dennoch habe ich keine Ahnung, was George Bush weiß oder woran er glaubt. Hat er den Irak aus tiefem Glauben an den Wert der Demokratie überfallen, wie er wiederholt festgestellt hat, oder aus persönlicher religiöser Berufung; war es sein Wunsch, die Sicherheit Israels zu gewährleisten, oder, den amerikanischen Zugang zum Öl im Mittleren Osten zu sichern; tat er es, weil sein Vater sich 1992, am Ende des Ersten Golfkriegs, gegen einen Einmarsch in Bagdad und den Sturz Saddams entschieden hatte?

Ich kann Ihnen nicht erzählen, ich hätte eine Antwort auf diese Frage oder auch nur eine plausible Vermutung. Ebensowenig habe ich eine Ahnung, ob George Bush an den großen Entscheidungen, die getroffen worden sind, überhaupt persönlich beteiligt war. Der gesunde Menschenverstand würde nahelegen, daß dies der Fall ist, doch hat mein Präsident seinem Vizepräsidenten Dick Cheney derart außerordentliche Machtbefugnisse – und politischen Einfluß übertragen, daß wir alle auf Vermutungen angewiesen sind. Geht das heutige Chaos auf Cheney zurück, oder hat Bush es mit außerordentlicher Schläue so gedreht, daß wir uns alle auf Cheney – als Amerikas Bösewicht – konzentrieren und dem Eindruck verfallen, er, Bush, habe mit der ganzen Sache nichts zu tun? Ich weiß es nicht. Ich erinnere mich an eine sehr witzige Fernsehsendung vor vielen Jahren, als Ronald Reagan, der ehemalige B-Movie-Schauspieler, noch Präsident war. Reagan wurde in dem Sketch als der Trottel dargestellt, für den ihn viele von uns hielten. Die Szene begann damit, daß er im Oval Office eine Gruppe junger Studenten empfing und sein übliches liebenswürdiges und nichtssagendes Geplauder abließ. Als die Studenten weg waren, rief ein plötzlich dynamischer Reagan seine nationalen Sicherheitsberater zu sich, trat an eine Bürowand und drückte einen Knopf, worauf die Wand zurückfuhr und eine detaillierte und streng geheime Karte der Sowjetunion freigab. Sodann wies ein klarer und präziser Reagan, der auf einmal richtiges Englisch wie auch fließend Russisch sprach, seine Berater an, eine Geheimmission in Rußland vorzubereiten.

Damals war das lustig, heute ist es unheimlich. Weiß Bush, was er mit dem Angriff auf den Irak und seinem zähen Beharren, die Demokratie müsse in alle Staaten des Nahen und Mittleren Ostens getragen werden, angerichtet hat? Ist das angerichtete Chaos das Ergebnis, das Bush und seine neokonservativen Berater von Anfang an wollten? Für viele im Weißen Haus ist das Chaos durchaus hinnehmbar. Vor einigen Jahren erzählte mir der Außenminister eines bedeutenden europäischen Verbündeten der USA bei einem privaten Mittagessen, für ihn sei Paul Wolfowitz, damals stellvertretender Verteidigungsminister, der perfekte Trotzkist, weil Wolfowitz offenkundig, genau wie Trotzki, an die permanente Revolution glaube. (Dieser Außenminister kostete mich später ganz schön Nerven, weil er mir untersagte, diese Äußerung im New Yorker zu zitieren, auch nicht anonym, da nur er – wie er sagte – über die Bildung verfüge, einen solchen Vergleich zu ziehen, weswegen jeder wüßte, von wem er stamme, würde er nun namentlich zitiert oder nicht.)

KING GEORGE

Eines aber ist unbestritten: Präsident Bush hat viele der grundlegenden gesetzlichen und verfassungsmäßigen Beschränkungen seiner Macht demoliert und uns allen vor Augen geführt, wie fragil die amerikanische Demokratie ist. Keine der Institutionen, die uns vor einer tyrannischen Exekutive schützen sollten, hat funktioniert. Der Kongreß, während der ersten sechs Jahre von Bushs Präsidentschaft von den Republikanern beherrscht, hat vollkommen darin versagt, seinen verfassungsgemäßen Auftrag wahrzunehmen, und hat die Aufsicht über das politische und militärische Handeln des Weißen Hauses vernachlässigt. Die Armeeführung wandte sich nicht gegen die irrationale Entscheidung des Präsidenten, den Kampf gegen Osama Bin Laden in den säkularen Irak zu tragen – vielmehr wurden viele hochrangige Offiziere zu öffentlichen Cheerleadern für King Georges Wahnsinn. Auch die Millionen in der Bundesverwaltung Beschäftigten wurden zum Schweigen gebracht und berichteten den zuständigen Kongreßausschüssen oder der Presse lieber nichts davon, was wirklich geschah.

Für mich als einem, der es sein ganzes Leben für die Aufgabe eines Journalisten gehalten hat, bei Staatsbeamten die höchsten Maßstäbe anzulegen, ist das Versagen der amerikanischen Presse am bedrückendsten. Die großen Zeitungen und Fernsehsender ließen sich nach dem 11. September von Bush einschüchtern und verpaßten so das wichtigste moralische Thema des Jahrzehnts – wie der Präsident und seine Lakaien logen und die geheimdienstlichen Erkenntnisse verzerrten, um uns im März 2003 in den Krieg gegen den Irak zu treiben. Es mangelte nicht an Wissen – ich arbeitete die ganzen siebziger Jahre hindurch für die New York Times in Washington –, und meine ehemaligen Kollegen machten mir in Gesprächen deutlich, daß sie erkannt hätten, wie sehr das Weiße Haus sie habe täuschen wollen, doch solche Ansichten gelangten 2002 und 2003 kaum je ins Blatt. Ich weiß nicht genau, wieviel davon Selbstzensur war – ob Reporter von dem von der Regierung Bush propagierten Krieg gegen den Terror eingeschüchtert waren – oder inwieweit das Versagen in der Verantwortung der Redakteure lag. Meiner Schätzung nach könnten wir neunzig Prozent der Zeitungsredakteure in Amerika feuern und sofort damit anfangen, ein besseres Produkt herzustellen. Eine gute Insider-Geschichte über die Rolle der Presse dabei, daß Bush sich täglich die Unterstützung durch Zeitungen und Fernsehen für den Krieg im Irak versichern konnte, steht noch aus und ist dringend erforderlich.

Ob es auch einmal eine gute Geschichte der inneren Abläufe der Präsidentschaft Bushs geben wird? Ich bin mir nicht so sicher. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, Bush oder Cheney hätten die Wege zu ihren Entscheidungen sorgfältig protokolliert. Solche Aufzeichnungen dürften ohnehin ein Relikt aus einer transparenteren Vergangenheit sein. Ich erinnere mich an ein Frühstück letztes Jahr mit einem US-General, der kurz zuvor von einer ausgedehnten Inspektionsreise durch Afghanistan zurückgekehrt war. Er hatte den Auftrag, für einen der Spitzenmilitärs in Washington einen Bericht zu erstellen, und seine Erkenntnisse machten, wie er mir sagte, deutlich, daß die USA und ihre Verbündeten dort die größten Schwierigkeiten mit den Taliban hatten. Ich fragte den General, den ich schon über ein Dutzend Jahre kannte, wann er denn die Zeit gefunden habe, seinen Bericht zu schreiben. „Einen Bericht schreiben, Sy?“ antwortete er stirnrunzelnd und zuckte die Achseln. „Warum einen Bericht? Ich halte nichts vom Schreiben. Ich hab’ das einfach mündlich vorgetragen.“ Mich beschleicht die Ahnung, daß künftige Historiker in den Archiven dieser Regierung nur sehr wenige historisch bedeutsame Dokumente finden werden.

Ich brauche hier nicht zu sagen, wie schlecht es um mein Land bestellt ist oder wie die großen Mächte des Westens – und ich spreche insbesondere von Großbritannien – darin versagt haben, Washington zu zügeln. Auch Deutschland und Frankreich haben sich wie England von dem amerikanischen Schmierentheater begrenzter Diskussionen und angedrohter Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wegen des vermuteten Forschungsprogramms Teherans für Nuklearwaffen blenden lassen. Zu keinem Zeitpunkt beharrte einer unserer Verbündeten öffentlich darauf, die Regierung Bush solle sich der logischsten Lösung dieser Kontroverse zuwenden: bilaterale Gespräche zwischen Washington und Teheran. Vielleicht das Verblüffendste an dieser Präsidentschaft ist die Leichtigkeit, mit der George Bush es geschafft hat, sich jeder bedeutsamen Kritik an seiner Weigerung zu entziehen, mit den Regierungen zu sprechen, die er mißbilligt. Ein starkes Stück, wenn man es sich mal überlegt.

Der Präsident der mächtigsten Nation der Welt – mit den meisten Bombern und den meisten Atomwaffen – weigert sich, mit den Regierungschefs zu sprechen, die er nicht mag. Er spricht nicht mit den Iranern, nicht mit den Syrern, nicht mit der Hamas oder der Hisbollah, und jahrelang hat er auch nicht mit den Nordkoreanern gesprochen. Und nur wenige beschweren sich darüber. Ich habe keinen Schimmer, wo das noch hinführen soll. Wird es einen großen Krieg im Nahen und Mittleren Osten geben, in dem die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten im Westen sowie die sogenannten moderaten sunnitischen Staaten des Nahen Ostens Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und die Golfstaaten – gegen den Iran, Syrien, die Hisbollah und die verschiedenen schiitischen Gruppierungen auf der ganzen Welt kämpfen? Wird der Grundwiderspruch der amerikanischen Position im Irak – wir unterstützen dort nominell eine Regierung, die von mit dem Iran verbündeten Schiiten geführt wird – in einem Krieg auf Leben und Tod mit zahlreichen sunnitischen Milizen enden? Der amerikanische Widerspruch, das wird mit jedem Monat klarer, besteht darin, mit verschiedenen sunnitischen Stämmen und Milizen heimlich Frieden zu schließen und damit die schiitische Regierung zu schwächen, die während der letzten Jahre in Wahlen, die Präsident Bush und seine Lakaien beharrlich als frei und demokratisch bezeichnen, mit großem Getöse gewählt und in ihr Amt eingesetzt wurde. Das Dilemma im Irak ist grotesk, tödlich und verhindert eine friedliche Lösung.

Ich möchte daher nicht mehr über das Offensichtliche und die offensichtliche Lösung für den Krieg im Irak sprechen. (Meiner Ansicht nach gibt es nur zwei Optionen für die Beendigung des Krieges. Option A: Holt alle bis heute um Mitternacht heraus, und Option B: Holt alle bis morgen um Mitternacht heraus.) Vielmehr möchte ich etwas zu dem anderen Preis sagen, jenem, den meine amerikanischen Mitbürger zahlen, die man in diesen schmutzigen Krieg geschickt hat, so wie zuvor schon in andere schmutzige Kriege. Und bitte verstehen Sie mich richtig: Ich gehe nicht über die Hunderttausende unschuldiger irakischer Zivilisten hinweg, die von den Bomben und Gewehren der Aufständischen und der Amerikaner ermordet, verwundet und vertrieben worden sind. Aber es gibt einen Preis, den man nicht auf Anhieb erkennt und den diejenigen bezahlen müssen, die das Töten und Verstümmeln besorgen. Im Krieg gibt es keinen Sieger – keinen.

MY LAI

Meine journalistische Karriere zeichnet sich durch zwei bedeutsame Geschichten aus: Im Spätherbst 1969 schrieb ich als freier Journalist in Washington eine Serie von fünf Zeitungsartikeln über ein amerikanisches Massaker in einem Dorf namens My Lai 4 in Südvietnam. Diese Artikel trugen mir Ruhm, Reichtum, Ehre und eine Menge Auszeichnungen ein, unter anderem den Pulitzer-Preis. Und 2004 schrieb ich innerhalb von drei Wochen drei Berichte für den New Yorker – an sich schon eine reife Leistung, angesichts des rigorosen Prüf- und Bearbeitungsstandards der Zeitschrift – über Folter und Mißbrauch irakischer Häftlinge in Abu Ghraib, dem berüchtigten Gefängnis aus Saddams Zeit, ein paar Kilometer außerhalb Bagdads. Der letzte warf die Frage auf, wer ganz oben für die Folter verantwortlich sei; eine Frage, auf die seinerzeit niemand in Amerika gefaßt war – und heute anscheinend auch nicht.

Ich hatte mit der Veröffentlichung meines Materials über My Lai – wo am Morgen des 16. März 1968 über 550 vietnamesische Frauen, Kinder und alte Männer von einer Kompanie unerfahrener amerikanischer GIs abgeschlachtet wurden – begonnen, als mir ein Soldat, der dabei war, die Geschichte von Paul Meadlo erzählte. Meadlo war ein siebzehnjähriger Bauernjunge aus Südindiana, der sich freiwillig gemeldet hatte. Er durchlief die Grundausbildung und wurde dann mit seiner Einheit, der Charley Company von der Americal Division, Ende 1967 in den Dschungel Südvietnams geschickt. Während der folgenden dreieinhalb Monate zogen er und seine Kameraden durch die Reisfelder und den Dschungel des Südens, immer auf der Suche nach Vietcong. Nie trafen sie auf den Feind; statt dessen wurden sie von Heckenschützen, Sprengladungen und Minen zusehends zermürbt ähnlich wie heute im Irak. Einen uniformierten Feind, gegen den man kämpfen konnte, gab es nicht, nur mysteriöse Killer, die zuschlugen, sich zurückzogen und die Zivilisten der Gegend der Wut und Rache der Amerikaner überließen.

Mitte März 1968 hatte die Charley Company schon über ein Dutzend Männer verloren, ohne auch nur einen Vietcong oder uniformierten nordvietnamesischen Soldaten gesehen zu haben oder in etwas wie ein Feuergefecht geraten zu sein. Am Abend des 15. März teilte man ihnen mit, sie würden gleich am nächsten Morgen mit dem Hubschrauber zu einem Dorf – My Lai 4 – geflogen, wo laut Geheimdienstinformationen ein Bataillon harter nordvietnamesischer Kämpfer liege. Am Abend machten die Jungs das, was amerikanische Jungs damals so machten – sie rauchten ein paar Joints –, während die Offiziere und älteren der gemeinen Soldaten sich betranken. Am nächsten Morgen bestiegen sie die Helis und donnerten in das Dorf, bereit zu töten oder getötet zu werden. Kein Feind. Nur Hunderte alter Männer, Frauen und Kinder, die gerade Frühstück machten. Und nun geschah das Unerklärliche; vielleicht geschah es auch nur einfach so: Die amerikanischen Soldaten trieben die Zivilisten in drei große Gräben und machten sich daran, sie mit Salven aus ihren M 1 zu exekutieren. Viele Soldaten machten nicht mit oh ja, sie schossen, aber darüber oder vorbei. Paul Meadlo tat, was sein Leutnant, William Calley (der als Symbol des Massakers bekannt wurde, obwohl er nur einer von vielen Offizieren vor Ort war), ihm befahl. Meadlo feuerte ein Magazin nach dem andern auf die entsetzten Vietnamesen, die in den Gräben kauerten, und hielt nur inne, um neu zu laden. Irgendwann wurde es still. Die Amerikaner machten inmitten des Gemetzels Mittagspause, saßen zwischen den Toten und aßen ihre Rationen. Etwas später hörten sie ein Wimmern, dann kroch ein kleiner Junge, vielleicht zwei, drei Jahre alt, aus dem Graben heraus, voll mit dem Blut anderer. Seine Mutter hatte ihn unter ihren Körper geschoben und die Kugeln abgefangen, die für ihn bestimmt waren. Er erreichte den Grabenrand, stieß einen Schrei aus, den keiner je wieder hören wollte, und rannte vor den Amerikanern davon. Leutnant Galley zeigte auf Meadlo und sagte: „Knall ihn ab.“ Doch Meadlo schaffte bei einem kleinen Jungen nicht, was bei einer amorphen Masse ging. Voller Verachtung rannte Galley selbst hinter dem Kind her und schoß es mit seinem Gewehr in den Hinterkopf. Was für ein starker Mann.

Am nächsten Morgen ging die Charley Company nahe My Lai auf Patrouille, als Paul Meadlo auf eine Mine trat, die ihm das rechte Bein bis zum Knie wegriß. Ein Hubschrauber wurde angefordert, um ihn zu evakuieren, und während er und die Kompanie warteten, rief Meadlo immer wieder aus, und es wurde bald zu einem Fluch, der Calley galt: „Gott hat mich bestraft, Leutnant Calley, und Gott wird auch Sie bestrafen. Gott hat mich bestraft, Leutnant Calley, und Gott wird auch Sie bestrafen.“ Die Soldaten flehten, daß der Hubschrauber endlich kommen und sie von ihm befreien möge. Ich hatte die ersten beiden Artikel über My Lai im November 1969 geschrieben, ohne von Paul Meadlo gehört zu haben – dann aber, anderthalb Jahre später, hatten viele Soldaten ihre Dienstzeit bei der Armee beendet und waren nach Hause zurückgekehrt. Es war, wie ich später schloß, eine verdrängte Geschichte. Schließlich fragte mich ein GI, ob ich von Meadlo und seinem kaputten Bein gehört hätte und wie er Calley verflucht habe. Ich wußte, daß er in Indiana lebte, und ich hatte einen Anhaltspunkt: Meadlo, M-E-A-D-L-O, war kein gewöhnlicher Name. Ich fand Meadlo, wie abzusehen war, in einem Telefonbuch in Indiana – nachdem ich endlose Stunden mit vielen Vermittlungen im ganzen Staat telefoniert hatte. Seine Mutter nahm den Hörer ab. Sie lebten, wie sich herausstellte, noch immer auf einer Farm bei New Goshen, eine sehr ländliche Gegend nahe dem Ohio River. Ich sagte Mrs. Meadlo, ich wolle gern ihren Sohn sprechen. Sie war zurückhaltend, sagte aber nichts, als ich meinte, ich würde am nächsten Tag kommen. Ich hatte von Salt Lake City aus angerufen und flog noch in der Nacht – über Chicago und Indianapolis, Indiana –, um mittags auf der Farm zu sein. Es war eine heruntergekommene Hühnerfarm – offensichtlich war kein Mann im Haus. Die Hühner liefen überall herum, und das Haus selbst, es war aus Holz, wirkte nicht eben stabil. Ich stieg aus meinem Mietwagen aus. Mrs. Meadlo, die vielleicht fünfzig war, aber erheblich älter aussah, kam mir entgegen. „Ich möchte mit Ihrem Sohn sprechen“, sagte ich. Sie zeigte auf das Haus und sagte, sie wisse nicht, ob er mit mir sprechen wolle, ich könne es aber gern versuchen. Dann zögerte diese ungebildete, einfache Frau aus dem südlichen Indiana und sagte mit ungeheurer Bitterkeit: „Ich habe einen guten Jungen gegeben, und man hat mir einen Mörder zurückgeschickt.“

ABU GHRAIB

35 Jahre später. Ich habe meinen ersten Abu-Ghraib-Artikel im New Yorker veröffentlicht und werde im öffentlichen Rundfunk interviewt. Es ist eine Anrufsendung, und eine Anruferin sagt mir, sie wisse von einem Mädchen, das in der Einheit in Abu Ghraib gewesen sei, von der die Greuel begangen worden seien, und niemand in den Medien habe auf ihre entsprechenden Anrufe reagiert. Noch am Mikrophon bitte ich sie, sich Stift und Papier zu holen, nenne ihr dann meine private Büronummer und bitte sie, mich anzurufen. Zu Recht nahm ich an, daß die meisten Hörer entweder im Auto saßen oder anderweitig beschäftigt waren und sich die Nummer nicht merken konnten. Während der nächsten Tage erhielt ich nur einige wenige Anrufe, darunter aber den jener Frau. Wir verabredeten uns zum Lunch in einem Schnellrestaurant irgendwo im Nordosten Amerikas. Natürlich hatte ich großes Interesse, mit einer Soldatin zu sprechen, die in Abu Ghraib gewesen war. Beim Lunch erzählte mir die Frau, nachdem sie Vertrauen gefaßt hatte, folgendes: Die fragliche Soldatin gehörte einer Reserveeinheit der Armee an, eine Wochenendkämpferin also, die sich freiwillig gemeldet hatte, um ein wenig Geld für Schule, Kleider und dergleichen dazuzuverdienen. Sie war sehr hübsch und frisch verheiratet, als ihre Einheit einige Monate nach Ausbruch des Krieges 2003 mobilisiert und in den Irak geschickt wurde. Sie und ihre Kameraden waren hauptsächlich als Militärpolizisten ausgebildet, MPs, wie wir das nennen, und hatten vor allem gelernt, den Verkehr zu regeln. Im Irak jedoch wurden sie als Wärter in Abu Ghraib eingesetzt und rasch – es war Frühherbst 2003 – in die bitteren Späße dort verwickelt. Ich nehme an, Sie haben alle die Photos gesehen und die Geschichten gelesen und wissen, wovon ich rede. Anfang Januar 2004 ging einer der MP-Soldaten mit einer CD voller Bilder der grauenhaften Geschehnisse zu den Behörden, und alles kam zum Stillstand. Die junge Soldatin, die mit der Folter selbst nicht unmittelbar zu tun hatte, wurde einige Monate später, im März 2004, mit ihrer Einheit in die Heimat zurückverlegt. Kein Außenstehender wußte etwas von Abu Ghraib oder der Army-internen Untersuchung, die inzwischen angelaufen war. Man sagte mir, die junge Soldatin sei als anderer Mensch heimgekehrt. Sie war mürrisch, zurückgezogen, bedrückt. Sie wollte nicht mit ihrer Familie sprechen oder näher mit ihr zu tun haben, verließ schließlich auch ihren Mann und zog in eine andere nahegelegene Stadt. Ende April, als die ersten Artikel und Photos über Abu Ghraib erschienen, besuchte die Frau das Mädchen. (Ich wurde bewußt im unklaren über das Verhältnis der beiden gelassen.) Sie zeigte ihr eine Schlagzeile und fragte, ob das der Grund für ihr Verhalten sei. Worauf ihr praktisch die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. Die junge Soldatin wollte nicht darüber sprechen.

Die Frau erinnerte sich, daß sie dem Mädchen, bevor es in den Irak ging, einen Laptop mit DVD-Laufwerk überlassen hatte. Fast jeder in den Irak verlegte GI hatte einen eigenen DVD-Player oder Computer dabei, da es im muslimischen Irak nur wenige Freizeitmöglichkeiten gab. Der Computer war bei der Frau verblieben, als die jungen Reservisten aus dem Irak zurückkehrten, und seitdem nicht mehr angerührt worden. Irgendwann benötigte die Frau, die mich angerufen hatte, einen zweiten Computer für ihr Büro. So kam es, wie sie mir sagte, daß sie den Laptop in Betrieb nahm und damit begann, Dateien zu löschen. Die Frau, die von Freud nichts weiß, beharrte darauf, ihre Entscheidung, den Computer zu durchsuchen, habe nichts mit den Berichten in den Zeitungen zu tun gehabt. Jedenfalls war eine der Dateien mit „Irak“ bezeichnet, und die Frau öffnete sie. Es erschien eine Reihe Photographien, die kein Familienangehöriger je sehen sollte. Es handelte sich um rund sechzig Digitalphotos von einem nackten irakischen Häftling, vor dem zwei knurrende Schäferhunde stehen, keinen Meter von ihm entfernt. Er stand vor Gefängnisgittern, die Hände hinter seinem Kopf – er konnte nicht einmal sein Geschlechtsteil mit den Händen schützen, wozu ihn jeder Instinkt gedrängt haben muß. Die Photos zeigen, daß einer der Hunde den Häftling schließlich an einer empfindlichen Stelle gebissen hatte und Blut geflossen war ganze Blutlachen –, und dann sah man einen Soldaten, der versuchte, ihm die Wunde mit Nadel und Faden zu vernähen. Diese Photos erhielt ich ohne Honorar – natürlich konnte der New Yorker nichts dafür bezahlen, andere aber hätten eine Menge dafür gegeben. Der Herausgeber David Remnick traf die, wie ich heute finde, sehr weise Entscheidung, nur ein ikonisches Photo des Häftlings zu veröffentlichen, wie er, die Arme hinterm Kopf, vor den schäumenden Hunden steht. Das Photo wurde weltweit reproduziert.

Ich hielt mit der Frau noch rund ein Jahr Kontakt und drängte sie, der jungen Soldatin, die sich offensichtlich in einer Krise befand, Hilfe zukommen zu lassen. Solche Fälle sind für Journalisten kompliziert, denn ich mußte die Frau auch bitten, von der Soldatin die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Photos einzuholen, und diese Entscheidung mußte unabhängig und ohne jede Beeinflussung durch mich getroffen werden. Das klingt kompliziert und ist es auch. Jedenfalls waren die Frau und ich ungefähr ein Jahr danach wieder zusammen essen, vielleicht telefonierten wir auch nur, und da sagte sie mir etwas, was ich damals noch nicht gewußt hatte. Die junge Soldatin, die nach ihrer Rückkehr aus dem Irak ihr Haus, ihre Freunde und ihren Mann verlassen hatte, hatte sich auch jedes Wochenende tätowieren lassen. Ihr ganzer Körper war mittlerweile bis zum Hals mit großen schwarzen und blauen Tätowierungen überzogen. Es war, als wollte sie, wie die Frau sagte, „die Haut wechseln“.

Wir in Amerika beginnen erst allmählich zu verstehen, wie hoch der soziale und emotionale Preis des Einsatzes im Irak für unsere Soldaten ist. Im Lauf der nächsten Jahrzehnte werden wir mehr verstehen.

Groningen, 26 Oktober 2007 •
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AUS DEM ENGLISCHEN VON ElKE SCHÖNFELD
WIR DANKEN DEN VAN DER LEEUW LECTURES, GRONINGEN

von Seymour M. Hersh, aus Lettre INTERNATIONAL, Nr. 80, Frühjahr 2008

„Es gab noch nie einen Präsidenten, der mich leiden konnte. Ich nehme es als Kompliment.”



Dazu paßt auch eine Meldung aus der Tagesschau über Soldatenselbstmorde:


Sie kehren aus dem Krieg zurück und bringen das Grauen mit nach Hause: Tausende US-Soldaten können mit ihren Erlebnissen im Irak nicht umgehen. Viele sehen den einzigen Ausweg im Selbstmord. Hilfe bekommen sie nun von Vietnamveteranen. Die kennen ihre Probleme.
gefunden bei United Mutations, Quelle und gesamter Text: Tagesschau

Scheibenwischer: Georg Schramms Abschiedsvorstellung

Ich habe sie endlich und durch Zufall gefunden: Georg Schramms Abschiedsvorstellung beim Scheibenwischer. Man beachte die anwesende Politprominenz.




und gleich noch einer (über das Bildungsniveau):



Ein Interview über sein Buch »Lassen Sie es mich so sagen« mit Mark Beise, Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der Süddeutschen Zeitung (siehe auch die Rezension »Homo polemicus« von Jörg von Bilavsky bei Literaturkritik)



Zitat aus der Bilavsky-Rezension:

»Jedem seiner satirischen Vorträge stellt er immer auch einen ironischen, aber dennoch persönlichen Kommentar voran. Insofern kommen wir hier Georg Schramms eigenen Ansichten - und nicht nur denen seiner Figuren näher. Schramm outet sich darin nämlich mit einer gehörigen Portion Selbstironie als aufgeklärter Preuße mit Prinzipien. Kein Wunder also, dass er dort bohrt, wo klammheimlich oder aber auch ganz offen Menschen- und Bürgerrechte verletzt werden. Wenn es der Aufklärung dient, bricht Schramm gerne auch mal Tabus.

Vielleicht ist das der Grund, dass er guten und wahren Gewissens behaupten kann, dass nicht seine Vergleiche zynisch seien, sondern die Welt. Und wenn man die Texte seiner über 20-jährigen Kabarettlaufbahn jetzt liest, wird man die Wirklichkeit mit anderen Augen zu sehen lernen. Ob man der Welt nur mit Zynismus begegnen kann, bleibt fraglich, aber dennoch ein legitimes Mittel in der Demokratie. Deshalb ist dieser politische Kabarettist für die deutsche Republik auch unverzichtbar. Und vielleicht ist er auch der Einzige, der irgendwann in Dieter Hildebrandts Fußspuren treten kann. Allerdings ficht er rhetorisch nicht mit dem flexiblen Florett, sondern mit dem eisernen Schwert. Mit allen anderen Waffen würde er nur seine Radikalität verlieren. Und das wollen wir doch nicht. Oder?«

Aufruf: Demonstration vor der chinesischen Botschaft in Berlin am 15.3.2008, 12.00 Uhr

Am dritten Tag der Proteste in Lhasa kam es zu heftigen Zusammenstössen zwischen Sicherheitsbehörden und tibetischen Demonstranten. Die International Campaign for Tibet ist sehr besorgt über Berichte bezüglich einer Verhängung des Kriegsrechts in Lhasa und verurteilt die Niederschlagung friedlicher Proteste und die Schließung von Klöstern in der Region von Lhasa.

Diese Vorgehensweise der chinesischen Behörden war ursächlich für die Proteste unter der tibetischen Bevölkerung, die am heutigen Tage auf gefährliche Weise in den Straßen Lhasas eskalierten und sich auf unterschiedliche Teile Tibets ausgeweitet haben.

„Die Unruhen sind Ausdruck einer allgemeinen Unzufriedenheit der Tibeter in Tibet. Sie werden sowohl sozial als auch wirtschaftlich systematisch benachteiligt und so an den Rand der Gesellschaft gedrängt“, sagt Kai Müller Geschäftsführer der ICT.

ICT ruft die Regierung der Volksrepublik China dazu auf, alle Tibeter freizulassen, die in Zusammenhang mit den jüngsten Vorfällen inhaftiert wurden und ausländischen Medienvertretern und Konsular- oder Botschaftsvertretern uneingeschränkten Zugang zu Tibet zu ermöglichen.

Die International Campaign for Tibet Deutschland ruft zusammen mit dem Verein der Tibeter in Deutschland sowie der Tibet-Initiative Deutschland für den morgigen Samstag, den 15. März, um 12.00 Uhr zu einer friedlichen Protestkundgebung vor der Botschaft der Volksrepublik China in Berlin (Märkisches Ufer, Berlin-Jannowitzbrücke) auf. Bitte kommen Sie zahlreich.

ICT Deutschland e.V. | Schönhauser Allee 163 | 10435 Berlin | Germany
Tel.: 030 27879086 | Fax: 030 27879087


Radio Free Asia, www.rfa.org
14. März 2008

Chinesische Polizei schießt auf protestierende Tibeter in Lhasa, mindestens zwei Tote
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Kathmandu (RFA) - Mindestens zwei Tibeter kamen in Lhasa ums Leben, als die chinesische Polizei heute mit scharfer Munition in die Menge der protestierenden Tibeter schoß. Die aufgebrachten Tibeter setzten Autos und Läden in Brand, anti-chinesische Demonstrationszüge wälzten sich durch die Straßen der Stadt, wird von Radio Free Asia berichtet.

Augenzeugen berichteten dem tibetischen Dienst von RFA von zwei Toten, die sie am zentralen Barkhor-Markt in Lhasa sahen, während andere die Zahl der Opfer viel höher ansetzen. „Schüsse wurden abgefeuert und es gab Tote“, berichtete eine andere Quelle Radio Free Asia, „doch es ist nicht ratsam, darüber per Telefon zu sprechen“. „Jetzt protestieren die Tibeter am Barkhor“, heißt es aus einer dritten Quelle. „Sie plünderten chinesische Läden, und die Polizei schoß scharf in die Menge. Es herrscht nun Ausgangssperre in Lhasa“.

Die Unruhen begannen um 10 Uhr Ortszeit (= 3 Uhr MEZ) am Freitag, und bis zum Spätnachmittag waren die Straßen in Lhasa abgeriegelt, so daß Angestellte in ihren Bürogebäuden eingeschlossen blieben. Ein han-chinesischer Bewohner von Lhasa sagte, Autos und Läden seien angezündet worden, und ein anderer meinte, die Lage sei sehr „ernst“.

Tibetische Quellen in der Stadt sagten, die durch die Straßen ziehenden Protestierenden setzten chinesische Läden in Brand und zertrümmerten alles Chinesische, was ihnen in den Weg käme, wobei die Stadt von dichtem schwarzem Rauch eingehüllt sei. Sie rennen mit ihren traditionellen weißen Khatags in der Hand durch die Straßen und rufen „Free Tibet“.

Ein dritter chinesischer Einwohner gab an, ab 13 Uhr (Ortszeit) sei eine Ausgangssperre verhängt worden. Anderen Einwohnern zufolge hätten sich die Protestierenden gegen 15.30 Uhr zerstreut, nachdem paramilitärische Kräfte der bewaffneten Volkspolizei (PAP) in großer Zahl anrückten.

Mönche aus dem Kloster Ramoche verstärkten die Menge. Die Leute zerschmetterten alles, was chinesisch ist, oder was sie als chinesisch wahrnahmen, sie steckten sogar das bekannte Restaurant Tashi Delek in Brand, dessen tibetische Eigentümer als pro-chinesisch gelten.

„Gleichzeitig gab es auch Proteste in anderen Lokalitäten“, sagte ein weiterer Zeuge. „Hunderte von Demonstranten marschierten in verschiedene Richtungen, durch die Barkhor Gegend und die Rangshon Jong Straße“.

„Einmal schien es, der Protest sei geplant gewesen, und dann wieder hatte man den Eindruck, daß die Leute spontan demonstrierten, ermutigt durch die relativ geringe Polizeipräsenz in der Innenstadt“, fügte der Zeuge hinzu. „Daher stießen unterwegs immer mehr Tibeter zu der außer sich geratenen Menge. Es war der bisher größte Protest in Lhasa.“

Die Spannungen in der tibetischen Hauptstadt eskalierten in den letzten Tagen, nachdem die drei größten Klöster von der bewaffneten Polizei abgeriegelt wurden. Die PAP ging am Dienstag mit Tränengas gegen eine Menge von mehreren Hundert protestierender Mönche in der Nähe von Lhasa vor, um sie auseinanderzutreiben.

Die Proteste begannen am 10. März, als Hunderte von Mönchen anläßlich des 49. Jahrestages des 1959 von der chinesischen PLA brutal niedergeschlagenen Volksaufstands eine Demonstration antraten. Der Dalai Lama, heute 72, floh infolge des Aufstands ins Exil nach Nordindien.

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www.phayul.com
14. März 2008

Schüsse auf Tausende von Tibetern, die in Amdo Labrang protestieren
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Tausende von Tibetern, angeführt von den Mönchen des Klosters Labrang, demonstrierten am Freitag Nachmittag (Pekinger Zeit), sie trugen die tibetische Nationalflagge herum und riefen nach Unabhängigkeit für Tibet.

In Labrang in der traditionellen tibetischen Provinz Amdo kam es heute Nachmittag zu einem weiteren massiven Protest. Tibetische Mönche und Laien zogen demonstrierend durch die Straßen des Kreises Sangchu, Tibetisch-Autonome Präfektur Kanlho, Provinz Gansu, verlautet aus einer zuverlässigen Quelle.

Dem Tibetischen Zentrum für Menschenrechte und Demokratie wurden über ein Mobiltelefon Bilder des Protestes übermittelt, welche die Intensität der Demonstration zeigen:
http://www.tchrd.org/press/2008/pr20080314b.html

Etwa 50 Mönche aus dem Kloster Labrang Tashikyil begannen heute um 14 Uhr (Pekinger Zeit) zu demonstrieren, wobei sie die verbotene tibetische Nationalflagge bei sich trugen und Parolen wie „Unabhängigkeit für Tibet“ riefen. Später schlossen sich 600 weitere Mönche des Klosters dem Demonstrationszug an.

Allmählich schwoll die Menge auf ein paar Tausend an, und nachdem die allgemeine Bevölkerung auch mitmachte, wurde der Protest immer intensiver.

Quellen zufolge feuerte die Polizei mit scharfer Munition und drosch auf die Demonstranten ein, als der Zug das Hauptquartier des Public Security Bureau des Kreises Sangchu erreichte.

„Die Sicherheitskräfte und die bewaffnete Polizei feuerten Schüsse ab, als der Protest immer heftiger wurde. Ob es Tote gegeben hat, ist noch unklar“, verlautet aus der Quelle.
„Allmählich wuchs die Zahl der Demonstranten, und Tausende von Tibetern strömten auf den zentralen Marktplatz. Als sie die Polizeistation erreichten, wurden ihre Rufe nach Freiheit immer lauter. Da fing die Polizei an, in die Menge zu schießen, wonach die Leute in Panik auseinanderstoben“.

Es heißt, die Lage in Amdo sei äußerst gespannt im Zuge der Unruhen, die sich nun über ganz Tibet ausbreiten. Als dieser Bericht abgesandt wurde, demonstrierten immer noch viele Menschen.

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: MoKa
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Freitag, 14. März 2008