Freitag, 18. Mai 2007

So machen’s die Franzosen

Mit Disziplin: Schon die Kleinsten werden in der École Maternelle unterrichtet wie später in der Grundschule.

Schule für kleine Staatsbürger

ÉCOLE MATERNELLE Nirgendwo in Europa werden so viele Kinder geboren wie in unserem Nachbarland. Das liegt auch an der staatlichen Betreuung.

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Von Birgitta Mogge-Stubbe, Lyon

Die École Maternelle ist – anders als ein deutscher Kindergarten oder Kinderhort – eine reguläre Einrichtung des französischen Bildungssystems für zwei- bis sechsjährige Kinder. Sie verfolgt ein eigenes pädagogisches Konzept, hat einen verbindlichen Lehrplan und festgelegte Lernziele, die an Alter und Entwicklungsstand der Kleinen ausgerichtet sind. Zwar besteht keine Schulpflicht – die beginnt erst mit sechs Jahren –, aber gut 35 Prozent der Zwei- und fast 100 Prozent der Dreijährigen besuchen eine Vorschule. Grundsätzlich handelt es sich um Ganztagseinrichtungen mit Öffnungszeiten oft bis in den frühen Abend, mit Mittagessen und (für die Kleineren) Mittagsschlaf. Die Eltern können Sohn oder Tochter auch zu Hause verköstigen, doch die wenigsten machen Gebrauch davon.

Auch die Krippe (crèche) für Kinder von zwei Monaten bis zu drei Jahren wird ganztags angeboten; mancherorts stehen Erzieherinnen gut zwölf Stunden zur Verfügung. Entgegen landläufiger Meinung ist nur ein Drittel der Minis in einer Crèche, die meisten werden von einer Tagesmutter gehütet.

Staat und Kommunen lassen sich die Kinderbetreuung einiges kosten. Der Staat gibt großzügige Zuschüsse zu den Kosten für Krippen und Tagesmutter. Er zahlt für die ersten beiden Kinder monatlich mindestens 119 Euro (maximal 165), fürs dritte Kind 271, für jedes weitere kommen gut 150 Euro hinzu. Seit drei Jähren gewährt er Erziehungsurlaub schon ab dem ersten Kind und eine Geburtsprämie, die je nach Einkommen bis zu 826 Euro betragen kann. Alles in allem kann sich die Steuerlast für kinderreiche Haushalte so ermäßigen, dass sie nichts abführen. Ebenfalls attraktiv: die flächendeckende Einrichtung der kostenfreien Écoles Maternelles.

Junge Familien danken die Fürsorge mit Zeugungsfleiß. Im vergangenen Jahr meldete Frankreich einen Rekord: die höchste Geburtenrate der EU. Obwohl Frankreich rund 20 Millionen weniger Einwohner hat als Deutschland, kamen hier 831.000 Babys zur Welt, in Deutschland waren es 675.000. Damit liegt die Geburtenziffer pro Frau jetzt bei durchschnittlich 2,07 Kindern (in Deutschland 1,4).

Die demografische Entwicklung könnte, so das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, langfristig dazu führen, dass Frankreich die stärkste Wirtschaftsmacht in der EU wird: Viele Kinder erarbeiten mehr Wohlstand. Thomas Straubhaar, der Chef des Weltwirtschaftsinstituts in Hamburg, formuliert vorsichtiger: Die hohe Geburtenrate sei „ein psychologisches Zeichen für den Zukunftsoptimismus einer Gesellschaft“.

In der Tat ist es für französische Frauen selbstverständlich, beides zu haben: Familie und Karriere. 80 Prozent der Mütter mit zwei Kindern sind berufstätig; sie schätzen die gesellschaftliche Anerkennung, die sie durch den Beruf erfahren. Laut Cathérine Marry vom Centre Nationale de la Recherche Scientifique (CNRS), einer der deutschen Max-Planck-Gesellschaft vergleichbaren Forschungsorganisation, „schätzt man in Frankreich eine Mutter, die arbeitet, auch wenn sie ein kleines Kind hat. Man verbindet damit positive Wertvorstellungen.“

Viele junge Frauen verbringen nur den gesetzlichen Mutterschutz zu Hause – zwölf Wochen bei den ersten beiden Kindern, 16 ab dem dritten Kind –, dann geben sie das Baby zur Tagesmutter oder in die Krippe. Sandrine Lamer, Mutter eines 20 Monate alten Jungen, die jetzt ihr zweites Kind erwartet, denkt nicht einmal daran, ihre Stelle im Pariser Goethe-Institut aufzugeben. Halbtags zu arbeiten wäre eine Option, wenn dann das Geld noch reichte. Aber dass eine Frau ganz aussteige, sei höchst selten: „Wir Franzosen haben ein anderes kulturelles Verständnis von Mutter und Beruf als die Deutschen.“ Da Krippen und Vorschulen früh öffnen, Büros und Geschäfte aber selten vor neun Uhr, teilen sich viele Eltern den Kinderbringedienst; fürs Abholen kann man eine Tagesmutter auch stundenweise beschäftigen. „Alles ist organisierbar“, sagt Sandrine Lamer.

Sie selbst hatte ihr Kind schon während der Schwangerschaft für einen Krippenplatz angemeldet. Ein halbes Jahr überbrückte sie mit einer Tagesmutter, bevor der Platz frei wurde. Der Kleine geht gern in die Crèche. Dort hat er Freunde und einen festen Rhythmus: Spielen, Lernen, Essen, Schlafen – alles vollzieht sich nach klaren Regeln, „ohne dass der biologische Rhythmus der Kleinen gestört würde“, erklärt Lamer. Besonders wichtig: „Im Umgang mit anderen Kindern und anderen Bezugspersonen lernt mein Sohn soziales Verhalten.“ Später, in der Maternelle, kommt er in der großen Gruppe und mit den hohen Anforderungen an Lernen und Disziplin leichter zurecht.

Die École Maternelle ist als Einrichtung beinahe unantastbar. Dagegen spricht nicht, dass eine gewisse intellektuelle Lust an reformpädagogischen Ansätzen (weniger Drill) zu beobachten ist. Der Staat bezahlt die Lehrkräfte (gut 90 Prozent sind Frauen), die zum Lehrerexamen eine Zusatzausbildung in frühkindlicher, Pädagogik nachweisen müssen. Die Kommune stellt die Gebäude und finanziert den für jede Klasse verpflichtend vorgeschriebenen Assistenten, meist Frauen. Diese Hilfskraft ermöglicht es der Lehrerin, sich ganz auf den Unterricht zu konzentrieren. Sie ist auch nötig, weil es zu den Grundregeln der Vorschule gehört, ein Kind nie auch nur einen Augenblick unbeaufsichtigt zu lassen.

Sicherheit hat absoluten Vorrang, auch beim Herumtoben auf dem Hof, auch beim Gang zur Toilette. Die im Klassenraum der Lyoner École Maternelle Joseph Cornier angepinnte Regel „Je vais aux toilettes seul(e) en demandand la permission“ kann nur meinen, dass das Kind auf dem Örtchen keine fremde Hilfe braucht. Dass sich ein, zwei oder mehr Kinder allein in einem Raum aufhielten – undenkbar.

Für spontane Ideen und „zielloses“ Spielen bleibt da wenig Zeit. Sie sind im Grunde auch nicht vorgesehen. Die Vorschule will Kinder nicht hüten, sondem die künftigen Staatsbürger heranbilden („former les futurs citoyens“), und das gelingt nun mal am besten über Sprachbildung, kulturelle Bildung und Persönlichkeitsbildung. Wo das nicht angemessen gelingt, etwa in sozialen Brennpunkten, verstärkt Vater Staat jetzt seine Fürsorge: Dort sollen möglichst alle Zweijährigen in die Ècole Maternelle gehen, damit sie die richtigen Dinge lernen.

Literatur: Simone Wahl: Bildung von Anfang an/Les Premier pas. Ein deutsch-französischer Vergleich. Dohrmann Verlag, Berlin 2006. 296 Seiten, 18,90 Euro.

aus dem Rheinischen Merkur Nr. 16/2007

Mittwoch, 16. Mai 2007

Ärztekammer Hamburg verabschiedet Resolution gegen elektronische Gesundheitskarte

Die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Hamburg hat gestern Abend ein Zeichen gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gesetzt: "Im Interesse eines verantwortungsbewussten ärztlichen Entscheidens und Handelns für die Patienten und zum Schutz ihrer Daten lehnt die Ärztekammer Hamburg die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ab", heißt es in einer mit 19 zu 11 Stimmen verabschiedeten Resolution.

Die mit der Karte geplante Speicherung sensibler Patientendaten in zentralen Rechnern beschädige oder zerstöre das Arzt-Patientenverhältnis, kritisieren die Delegierten in der Resolution. Mithilfe des elektronischen Rezeptes ließen sich Patienten in Risikoklassen einteilen, "die ihnen womöglich ein ganzes Leben lang anhaften und sie bei der Erlangung von Versicherungsverhältnissen benachteiligen." Auch Missbrauch der Daten durch Dritte sei nicht ausgeschlossen. Zudem behindere die Karte die Praxisabläufe erheblich. Zugleich würden die Kosten auf Ärzte und Patienten abgewälzt.

Direkte Konsequenzen habe das Abstimmungsergebnis allerdings nicht, sagte Kammersprecherin Dorthe Kieckbusch dem änd. Die Resolution werde nun an die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung weitergegeben.

Quelle: facharzt.de, 17.04.07, zitiert nach dem bvvp-online-Newsletter 4/07

Erst kommt das Fressen …

Belgien wünscht keinen Besuch des Dalai Lama

Die belgische Regierung hat in Reaktion auf chinesischen Druck den Dalai Lama gebeten, einen lange geplanten Besuch in Brüssel abzusagen. Die Bitte der belgischen Regierung steht in direktem Zusammenhang mit einer bevorstehenden Reise einer vom belgischen Kronprinzen geführten hochrangigen Handelsdelegation nach China. Der Dalai Lama ist der Bitte der belgischen Regierung nachgekommen, da er grundsätzlich keinem Gastland "Unannehmlichkeiten" verursachen möchte.


Wirtschaftsinteressen verhindern Besuch eines Friedensnobelpreisträgers

Der Dalai Lama sollte während seines Brüssel-Besuches am 11. und 12. Mai mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments zusammentreffen und an einer weltweiten Konferenz von Tibet-Unterstützergruppen teilnehmen. Peking wendet sich seit langem vehement gegen Auslandsbesuche des Dalai Lama und hat der belgischen Regierung augenscheinlich mit der Verschlechterung der Beziehungen zwischen China und Belgien gedroht, sollte der Dalai Lama nach Belgien einreisen.





Der Dalai Lama wollte in Brüssel an einer Konferenz von Tibet-Unterstützergruppen teilnehmen.


aus einem Rundmail der International Campaign for Tibet

Dienstag, 15. Mai 2007

Wohin fließen die Agrarmillionen?

In fast allen EU Ländern können die Bürger im Netz abrufen, wer welche Subventionen kassiert. Doch die deutschen Behörden wollen von Transparenz nichts wissen.

Genau 17 EU Länder haben kein Problem damit, die Agrarsubventionen, die ihre Bauern und Landwirtschaftsbetriebe aus Brüssel bekommen, im Internet zu veröffentlichen. Dänemark machte 2004 den Anfang, es folgten Schweden, Großbritannien, Irland, die Niederlande, Frankreich und weitere. Dass Prinz Charles 2003/04 genau 224.747 Euro für sein Gut Highgrove und seine Besitzungen in Cornwall einsteckte, ist auf der Insel kein Geheimnis. Genauso wissen die Dänen, dass der Mann ihrer EU Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel bis vor kurzem exakt 52.454 Euro erhielt. Hierzulande ist nur soviel klar: Den größten Teil der sechs Milliarden Euro streichen Großbetriebe und Agrarkonzerne wie etwa die Südzucker AG ein, Und immer wieder kommt es zu völlig widersinnigen Fördervergaben: Nach Greenpeace-Recherchen kassiert beispielsweise ein Agrarbetrieb in Sachsen Anhalt bis zum Jahr 2012 Prämien in Millionenhöhe für 8000 Mastrinder, die er seit 2004 nicht mehr hat. Der Stromkonzern Rheinbraun erhält jährlich 670.000 Euro für Ackerflächen, die dem Braunkohletagebau weichen sollen. Die EU will nun die Transparenz der Agrarsubventionen durchsetzen. 69,8 Prozent der Deutschen sind für diesen Plan. Denn nur wenn bekannt ist, wohin die Gelder fließen, lässt sich die Politik umsteuern. Deutsche Behörden wollen Empfänger und Zahlen allerdings erst 2009 preisgeben – bis dahin dürften in der Agrarpolitik wichtige Weichen für das nächste Jahrzehnt gestellt sein.

weitere Infos: www.wer-profitiert.de, www.farmsubsidy.org (listet alle verfügbaren Daten über Empfänqer von Agrarsubventionen auf)

aus dem Greenpeace-Magazin 2.07

ein Link zu einem Artikel über die Hintergründe zu farmsubsidy bei www.politik-digital.de
und hier noch ein Link auf die Webseite zum Buch »Investigativer Journalismus« von Johannes Ludwig; weil es sich so trocken anhört, zum Leselust-Machen hier ein Link zum Fall Balsam, einem sehr eindrucksvollen Beispiel von Wirtschaftskriminalität

Österreich – Siegeszug der gentechfreien Milch

Kein anderes Land wehrt sich so vehement gegen die Gentechnik wie Österreich. Die Mehrheit der Bevölkerung sowie alle Parteien lehnen die Risikotechnologie ab – bisher erfolgreich. Und sie tun etwas dagegen, zum Beispiel die Milchbranche. Während in Deutschland nur eine Handvoll kleinerer Molkereien auf gentechnikfreie Milch umgestellt hat, sind es in Österreich viele, darunter die drei größten: Berglandmilch, NÖM und Kärntnermilch. Das gesamte Frischmilchsortiment des Landes stammt von Kühen, die kein Genfutter fressen mussten. Die NÖM übernimmt sogar die Mehrkosten für gentechnikfreies Futter und die Zertifizierung der Höfe. Dennoch ist die saubere Milch nicht teurer.

aus dem Greenpeace-Magazin 2.07

Zu einem Artikel über genmanipulierten Mais habe ich von konfusius noch einen interessanten Link bekommen, Danke. Der Text ist von Eugen Pletsch und zu finden bei cybergolf.de. (wow!)

Montag, 14. Mai 2007

War made easy - Wenn Amerikas Präsidenten lügen

War Made Easy: How Presidents & Pundits Keep Spinning Us to Death is a 2007 American documentary film. The film is narrated by Sean Penn and is adapted from the book of the same name,[1] authored by Norman Solomon[War Made Easy: How Presidents & Pundits Keep Spinning Us to Death, engl. Wikipedia, abgerufen am 03.01.2018]
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War made easy - Wenn Amerikas Präsidenten lügen {43:29}

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Am 16.07.2012 veröffentlicht 
So unterschiedlich Amerikas Präsidenten in den vergangenen 50 Jahren auch waren. Sie waren in einem alle gleich. Sie alle waren wahre Könner in der Kunst der Lüge, wenn sie das eigene Land zu einem Krieg verführen wollten. Und ihre Methoden glichen sich … Diese "Gehirnwäsche mit Tradition" hat der amerikanische Wissenschaftler Norman Solomon erforscht, und die beiden Dokumentarfilmer Loretta Alper und Jeremy Earp haben diese Geschichte in einem wunderbar eindrucksvollen Film erzählt. Wie man sich den Krieg leicht macht. Norman Solomon zeigt, sogar Sprache und Rhetorik der Präsidenten war nahezu identisch, wenn die Kriegsmaschinerie in Gang gesetzt wurde und das amerikanische Volk jubelnd zur Seite stehen sollte. Der Film zeigt sogar auch, wie Reporter und Moderatoren zeitgleich die Sprache der Präsidenten übernahmen. Politik und Medien, das zeigt der Film, arbeiten Hand in Hand. Der Film wurde vom Oscar-Preisträger und Friedensaktivist Sean Penn gesprochen. Die deutsche Fassung in der Reihe die story spricht sein Synchronsprecher Tobias Meister.

Engl. Transkript:
- War Made Easy: How Presidents & Pundits Keep Spinning Us to Death (DemocracyNow, 29.05.2007)

Freitag, 11. Mai 2007

Nennen Sie uns Themen, über die keiner schreibt!

Jedes Jahr veröffentlicht die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ eine Liste der zehn wichtigsten Themen, die von deutschen Medien vernachlässigt worden sind. Über die Rangfolge entscheidet eine Jury aus Journalisten, Wissenschaftlern und Studenten. Vorbild der Initiative ist das amerikanische „Project Censored“, das schon seit 30 Jahren darauf hinweist, dass Fernsehen, Radio und die großen Zeitungen zahlreiche Themen ausblenden. Die Gründe sind vielfältig: Eitelkeit und Bequemlichkeit von Journalisten, ökonomische Interessen der Medienbesitzer, Desinteresse des breiten Publikums oder objektive Schwierigkeiten bei der Recherche. Auf der 2005er Liste vernachlässigter Themen steht auch Paul Bremers „Order 81“. Einige weitere sind:
  • Deutschland vernachlässigt den Kampf gegen Korruption, bis heute ist es der entsprechenden UN Konvention nicht beigetreten, anders übrigens als Peru oder Uganda.
  • Immer häufiger werden bei Wahlen in Deutschland elektronische Geräte zur Stimmabgabe eingesetzt, dabei sind sie erheblich leichter zu manipulieren als papierene Stimmzettel.
  • Etliche Pestizide, die hierzulande verboten sind, dürfen von deutschen Firmen exportiert werden über die Obst- und Gemüseimporte kommen sie zurück zu den Verbrauchern.
  • Polizei und Geheimdienste können jederzeit und nach eigenem Ermessen private E Mails mitlesen und Telekom Firmen stellen die Schnittstellen bereit.
  • Russische Ölfirmen zerstören mit dem Geld deutscher Banken die Umwelt in Westsibirien, beteiligt sind auch öffentliche Kreditinstitute wie die WestLB.
Seit seiner Gründung hat das Greenpeace Magazin stets über vernachlässigte Themen berichtet. Künftig werden wir direkt mit der „Initiative Nachrichtenaufklärung“ zusammenarbeiten. Und unsere Leser rufen wir auf: Weisen Sie uns auf Themen hin, die Ihrer Meinung nach zu wenig beachtet werden! Wir leiten Ihr Thema dann an die Initiative weiter. Unsere Mail-Adresse: gpm@greenpeace magazin.de

Weitere Infos:
aus dem Greenpeace Magazin 3.06

Montag, 7. Mai 2007

Was ist daran Kunst?



Mehr zu sehen, weniger Kunst:

(aufs Bild klicken)

Ihr Bruder hat da schon mehr drauf:



»Ja, ja, ja, ja, ja! – Nee, nee, nee, nee, nee!«
zur Entstehung und auch hier

»Ich kenne kein Weekend!«

(Joseph Beuys)


Und zum Schluß nochmal was vom King of Pop. Egal, ob man die Musik mag, das Intro ist genial:

Montag, 30. April 2007

Bertelsmann macht Staat

Ein deutscher Konzern managt eine britische Grafschaft


Oft kritisieren Konzerne den Staat. Doch am liebsten würden sie den Staat gerne selbst organisieren - und der Medienkonzern Bertelsmann ist auf dem besten Wege dazu. Die Arvato AG, eine hundertprozentige Tochter des Bertelsmann-Konzerns, unterhält bereits einen acht Jahre laufenden Service-Vertrag mit der nordenglischen Grafschaft East Riding. Wie die Bertelsmann-Tochter auf ihrer Internet-Seite stolz verkündet, ist sie somit Herrin über ein Gebiet von 240.000 Hektar mit 324.000 Einwohnern, 3.000 Kilometern Straße, 159 Schulen und 7 Millionen Mülltonnen. »Nicht nur eine Vielzahl umfangreicher kommunaler Dienstleistungen wie die Auszahlung der Sozialhilfe oder die Betreuung des Bürgerbüros wird in East Riding von Arvato-Mitarbeitern erledigt – auch das, was bisher als Herzstück hoheitlicher Verwaltung galt: der Einzug von Steuern und die Auszahlung von Beihilfen an Bürger«, jubilieren die Staatsdienstleister. DerVertrag bringt dem Unternehmen pro Jahr rund 25 Millionen Euro ein. Etwa 500 Angestellte der Grafschaft sind für das Projekt zu Arvato gewechselt. Die ehemals öffentlich Bediensteten direkt zu beschäftigen erlaubt es dem Unternehmen, die bisher behördlichen Arbeitsabläufe zu verändern streng nach den Kriterien betriebswirtschaftlicher Effizienz, für die Bertelsmann steht.

Arvato will mit diesem Präzedenzfall in Sachen Staatsdienstleistungen Marktführer auf der Insel werden, wo Konzerne schon seit den 1980er Jahren Kommunen »managen« können. Aber damit nicht genug. »Unser Interesse endet nicht an den Küsten der Britischen Inseln«, sagt Arvato-Mann Rainer Majcen, »wir würden gerne einen ähnlichen Ansatz in Deutschland realisieren.«

Bei der Geschäftsanbahnung leistet die Bertelsmann- Stiftung hilfreiche – und natürlich ganz gemeinnützige – Dienste. Durch das Veröffentlichen von Studien und das Veranstalten von prominent besetzten Kongressen zum Thema sowie durch die Gründung von wissenschaftlichen Zentren für die Verwaltung von Städten demonstriert sie die kommunale Kompetenz der Bertelsmänner. So führt der Arvato-Chef Hartmut Ostrowski dann auch schon erfolgversprechende Gespräche mit interessierten bundesdeutschen Gemeinden. Bislang zieren sich jedoch noch viele Städte. Sie haben Angst, für ihre eigenen Dienstleistungen umsatzsteuerpflichtig zu werden, wenn es auch private Anbieter auf dem Staatsmarkt gibt. Ostrowski gibt sich dennoch zuversichtlich. Seit den letztjährigen großen Streiks im öffentlichen Dienst rechnet er mit einer größeren Aufgeschlossenheit der Stadtväter für die Pläne der Bertelsmänner.

aus Publik-Forum
siehe auch:
- Privatisierung der Kommunalen Verwaltung (BertelsmannKritik, Januar 2009)
- Arvato setzt auf Privatisierung staatlicher Dienstleistungen (Thomas Barth, Telepolis, 01.09.2008)
- Das Rathaus wird zum Profitcenter (Tarik Ahmia, 03.01.2007)




Was Gutes …




aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Danke, Frau G)


und da ich schon mal bei der Selbstkritik bin:


Danke, Frau B

Wer ist hier verrückt?

„… Herr X hat sich zu fügen.“

Herr X. hat die meiste Zeit seines Lebens in Heimen, Psychiatrien, Gefängnissen zugebracht. Zu mir kam er 2001, schwer behindert und herzkrank. Psychotherapie war Bewährungsauflage. Wir kamen gut miteinander zurecht. Seine aggressiven Durchbrüche und Selbstverletzungen nahmen ab. Behördengänge machte er allein, im Wohnheim gab es ohnehin lange keinen Sozialdienst Natürlich kam es auch zu Rückfällen: Im Sommer rief mich em Mitbewohner an, Herr X drohe, sich umzubringen. Ich hörte ihn lautstark randalieren. Als er kurze Zeit später aus der Psychiatrie zurückkam, wollte man ihm verbieten, zu seinem langjährigen Hausarzt Dr. W. zu gehen. Zuständig sei der Heimarzt Dr. A. Ich schrieb an Schwester L., der Patient habe das Recht auf freie Arztwahl. Keine Antwort. Der Patient klagte, er würde „fertig gemacht“. Wenige Tage später nahm er Tabletten. Erneute Einweisung.

Die Psychiatrie in Offenburg gab ihm Wochenendurlaub. Als er vereinbarungsgemäß wieder zurück wollte, wurde ihm das von Dr. A. verboten. In der Klinik wußte man nicht, daß Dr. A. nicht der behandelnde Arzt war. Im Heim wurden die Suizidversuche als „Spielchen“ abgetan. Der Bewährungshelfer habe Hausarrest bis zum Ende der Bewährung angeordnet. Das war gelogen. Der eingesperrte Patient verweigerte eine Behandlung durch Dr. A.. „Dr. A. ist der Heimarzt. Herr X. hat sich den Anweisungen zu fügen“, sagte mir Sr. A.

Am 7.10.2005 schrieb mir Dr. A. und „ordnete an“ „ … die psychotherapeutischen Bemühungen bei Herrn X werden mit sofortiger Wirkung wegen immer schon fehlender Indikation … eingestellt.“ Dem war ein „aktueller ärztlicher Befundbericht“ an das Gericht mit dem Antrag auf Beendigung der Psychotherapie beigefügt. Das Schreiben datierte vom 31.8. (!): „Bei Herrn X liegt … eine Verhaltensabnormität vor, die auf Zerstörung und Schädigung … angelegt ist … Die intellektuelle Ansprechbarkeit ist auf dem Niveau eines nicht schulreifen Kindes … Bei solchen Voraussetzungen [sind] keine Pharmako- und erst recht keine Psychotherapie möglich … In Zeiten eines zunehmenden Heeres von Psychologen, Psychotherapieanbietern, Heilpraktikern und Esoterikern mit … narzißtischer Selbstüberschätzung [ist] eine medizinisch-psychiatrische Diagnose … eher ein Störfaktor … Die beauftragte Psychotherapeutin hat …, von keinerlei Sachkenntnis getrübt, Psychotherapie betrieben, obwohl es nichts zu therapieren gab. Sogar mit tiefenpsychologischen … Methoden wurde versucht, in dem nicht vorhandenen Unterbewußtsein des verständnislosen Herrn X Ordnung zu schaffen …“

Eine Kopie des Schreibens hatte der Heimarzt an die Ärztekammer geschickt, bestätigte deren Präsident und schrieb mir, es käme immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen über Indikationen. Dafür sei die Ärztekammer nicht zuständig, ebenso wenig für den „Ehrenschutz“. In der Berufsordnung lese ich anderes.

Der Druck auf den Patienten wurde unerträglich. Eine Woche lang war das Telefon gesperrt. Lediglich Sr. L. und Dr. A. konnten angerufen werden. Von der Klinik verordnete Medikamente wurden vorenthalten. Ich hämmerte dem Patienten ein: Maul halten. Er schaffte es und bot keine Angriffsfläche. Aber dann kam er völlig verzweifelt: Er müsse noch am selben Abend seine Zustimmung geben, vom Heimarzt behandelt zu werden. Ich rief den Hausarzt Dr. W. an: Ja, der Patient solle gleich kommen. „Er hat mir so leid getan, der zittert ja nur noch“, meinte er danach und wies ihn ins Krankenhaus ein. Der Dienst habende Arzt konnte es nicht fassen: „Das gibt es doch nicht!“

Richter Royen meinte, die Angelegenheit dürfe nicht auf dem Rücken des Patienten ausgetragen werden. Ich vertraute ihm. Das war falsch. Am 8.11. rief ich ihn an. Er werde die gerichtliche Weisung auf Psychotherapie aufheben. Dem Patienten sei unbenommen, als normaler Krankenversicherter eine Therapie zu machen und habe auch freie Arztwahl. „Aber wie soll er sein Recht durchsetzen?“ – „Das beweist, daß er einen Betreuer braucht“, war die Logik des Richters. Der gestellte Antrag auf Anhörung würde den Patienten überfordern. Er kennt den Patienten nicht. Sein Wille: es solle Ruhe einkehren. Ich erwiderte: „Es gibt auch die Friedhofsruhe.“ – „Ein Richter ist dazu da…“ Ich unterbrach: „Recht zu sprechen.“ – „Dazu bedarf ich von Ihnen keiner Belehrung“, war die Antwort.

Sr. L. und Dr. A. sind emotional verwickelt. Sie können – trotz allem – „mildernde Umstände“ beanspruchen. Aber Richter Royen? Weit entfernt von der Dynamik hätte er lediglich seinen Job anständig machen müssen. Ist das zu viel verlangt?

Zurück aus der Klinik wurden dem Patienten erneut Medikamente vorenthalten. Das Verordnungsblatt lag dem Hausarzt vor – aber der Patient durfte nicht hin. Ein Anwalt wurde eingeschaltet und teilte einer konsternierten Sr. L. mit, die Psychotherapie würde im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung fortgesetzt, ebenso habe der Patient freie Arztwahl. Ferner bestreite der Bewährungshelfer, je Hausarrest verordnet zu haben. Das war am 21.11.05.

Am 24.11. rief der Patient aus dem PLK Emmendingen an. Morgens habe Sr. L. gesagt: „Sachen packen“ und ab die Post. Er war wütend und durcheinander. Ich war eher erleichtert – alles schien mir besser als das Pflegeheim.

Es stellte sich heraus: Dr. A. hatte – ohne den Patienten gesehen zu haben – eine Zwangseinweisung veranlaßt. Das Einweisungsformular trägt das Datum des Vortags. Keine Rede von „Gefahr im Verzug“. Dumm auch, daß es den VK Ausdruck aufweist. Wie kam Dr. A. an die Versichertenkarte?

Der Aufnahmearzt in Emmendingen meinte, Dr. A. hätte „Schriftstücke“ mitgeschickt, „die für sich sprechen“. Dieser Arzt würde den Patienten nicht zurück schicken.

Ein Patient wie dieser hat schlechte Karten, wenn ein Herr Doktor und das Pflegepersonal was sagen. Ich selbst habe mich oft gefragt und wurde gefragt: Übertreibt er nicht? Er hat nicht übertrieben. Jetzt bleibt einiges zu tun, damit das Verrückte wieder zurechtgerückt wird. In diesem Einzelfall. Aber ist es ein Einzelfall?

Ursula Neumann in bvvp-magazin 2/2006

Liebe Standesvertreter und liebe Politiker,
Ihr könnt so viele Fortbildungs- und Qualitätsmanagement-Verpflichtungen losschicken, wie ihr wollt: Ein offenes Herz und ein wacher Verstand lassen sich nicht erzwingen.

Mittwoch, 25. April 2007

Abgekupfert…

Endlich habe ich es gefunden: Das Video zu »Nur ein Wort« der Gruppe »Wir sind Helden« ist eine Hommage an Bob Dylans Video zu »Subterranean Homesick Blues«. (Der Wikipedia-Artikel zu Robert Allen Zimmerman ist lesenswert!)


Wir Sind Helden - Nur Ein Wort von Th3-Warlords





Und noch ein Link, nämlich zu einem Lied von Bob Dylan, der etwas nachdenklich stimmen sollte. Hier das Video
Für den Anstoß, nach der Parallele zu suchen, Dank an OH; Dank an einen anderen OH, der mich überhaupt auf die Gruppe aufmerksam gemacht hat (man wird schließlich älter)



Und dann die Antwort auf alles Problematisieren: (Ich muß zugeben, daß ich einige Zeit brauchte, um den Mut zu finden, sowas Kitschiges hier reinzustellen, aber: ich hab es immer gemocht!)

Dank dafür an Konfusius und sein Video, das die Anregung gab, wenn auch um siebeneinhalb Ecken.

zuletzt aktualisiert am 01.09.2014


Frankfurt/Oder: »Tag der politischen Lüge«

Zum »Tag der politischen Lüge« haben Autoren zusammen mit der evangelischen Jugend in Frankfurt/Oder eine Lesung mit Texten der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowska initiiert. Damit soll der Opfer gedacht werden, die »das Streben nach Herrschaft über den Profit jeden Tag mit dem Leben bezahlen«, sagte dazu Diakon Reinhard Schülzke, Sprecher der Evangelischen Jugend. Wenn Denkende mundtot gemacht würden, müßten andere ihre Stimmen erheben, heißt es in einem Aufruf des Frankfurter Friedensnetzes und der Evangelischen Jugned. Der internationale »Tag der politischen Lüge« wurde erstmals am 20. März 2006 begangen, dem dritten Jahrestag des US-Einmarsches im Irak.

Kontakt: Berlin, Tel. 030/9191-161

aus Publik-Forum Nr. 6/2007

Bei der ersten Veranstaltung wurde auch ein Text meines geliebten Eliot Weinberger (seltsam, den gibt’s bei Wikipedia noch gar nicht) vorgetragen aus seinem Buch »Was ich hörte vom Irak«. (Hier ein weiterer Ausschnitt)

Link zu einem Artikel in »Lettre 58«
Link zur Rezension seines Buches »Kaskaden«

Schuldbekenntnis in Bamberg

Mea culpa: Ludwig Schick, der Erzbischof von Bamberg, feiert das 1000-jährige Bistumsjubiläum mit einer historischen Selbstkritik der Kirche


Ein ungewöhnliches Zeichen setzt das Erzbistum Bamberg: ein historisches Schuldbekenntnis, verbunden mit einer Vergebungsbitte. Erzbischof Ludwig Schick benannte in einem im Fernsehen übertragenen Gottesdienst zum 1000-Jahr-Jubiläum der Diözese das Versagen der Kirche von Bamberg in der Geschichte. Dazu zählten Hexenverbrennungen, Antisemitismus, Kreuzzüge, die Beteiligung von Kirchenoberen am ausbeuterischen Feudalsystem, mangelnder Respekt gegenüber Frauen, die Mitschuld an der Kirchenspaltung sowie oberkirchliche Leisetreterei im Dritten Reich. Der Gottesdienst fand fast auf den Tag genau sieben Jahre nach dem historischen Mea culpa und der Vergebungsbitte Papst Johannes Pauls II. im Heiligen Jahr 2000 statt. Bei dem detailreichen Schuldbekenntnis geht das Erzbistum Bamberg weit über das Bekenntnis des Papstes hinaus. Es gehe nicht darum, die persönliche Schuld von Menschen der Vergangenheit festzustellen, erklärte Schick: »Wir dürfen nicht verurteilen. « Vielmehr müßten die Christen Versagen in der Geschichte betrachten, um den Vorsatz zu fassen, es besser zu machen. »Wir haben die Verantwortung für die Geschichte, jetzt und morgen«, erklärte der Erzbischof. – Neben den äußerst konservativ profilierten Bischöfen Mixa (Eichstätt) und Müller (Regensburg) gilt der gebürtige Hesse Schick als ein Kandidat für den bald frei werdenden Erzbischofsstuhl München-Freising.

Kontakt: Tel. 0951/5020, Fax 502225, E-Mail: erzbischofschick@erzbistum-bamberg.de

aus Publik-Forum 6/2007

Protest mit Millionen Brottüten


Genweizenversuch in Sachsen Anhalt stößt auf Widerstand

Umweltschützer und Biobauern laufen Sturm: Sie wollen einen Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen in Sachsen Anhalt mit juristischen Mitteln stoppen. Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gehört zu ihnen. Bis Ende März werde die Begründung der beim Verwaltungsgericht Köln eingereichten Klage erarbeitet, sagt sie. Kläger ist der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg.

Unterstützt wird das juristische Vorgehen von vielen: Von der AbL, dem Verein Bioland, dem Deutschen Bauernbund, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) und dem Ökologischen Ärztebund. Die Klage richtet sich gegen eine Genehmigung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Bonn.

Die Bundesbehörde hatte dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (JPK) in Gatersleben bei Quedlinburg einen entsprechenden Freilandversuch gestattet. Der genmanipulierte Winterweizen wurde im November auf 150 Quadratmetern ausgesät.

Nach Angaben der Berliner Rechtsanwältin Katrin Brockmann sollen mit der Klage mögliche Gefahren für die menschliche Gesundheit sowie für Nutztiere und Umwelt überprüft werden. Auch ein Eilantrag zu der Klage werde erwogen, sagt sie. Es bestehe die Gefahr, daß sich der genveränderte Weizen bis zur Genbank des IPK ausbreiten könne, in der »Hunderttausende« Getreidesamen lagerten. Die mögliche Verunreinigung der Genbank würde einen unersetzbaren Verlust bedeuten.

Der klagende Brandenburger Verein bezieht nach Angaben seines Vorsitzenden Herbert Lohner das meiste Saatgut für seinen Anbau von der Genbank des IPK. Eine Verwendung von gentechnisch verunreinigten Sorten würde deshalb zum wirtschaftlichen GAU des Vereins führen, der sich dem Erhalt der Vielfalt von traditionellen Kulturpflanzen verschrieben hat, sagt Lohner.

Die ausgesäte Variante enthalte Gene, die die Eiweißbestandteile der Pflanze ändern und damit die Futterqualität verbessern sollen. Die Inhaltsstoffe könnten über Nutztiere auch in die Nahrungskette des Menschen gelangen. Gegen den Versuch des Institutes in Gatersleben sind bis Oktober 2006 über 30 000 Einwendungen von Privatleuten, Verbänden, bäuerlichen Betrieben und Bäckereien an das Bundesamt gesandt worden.

»Unser täglich Brot« gentechnisch zu verseuchen bedroht die Existenz von Bäckern und Bauern. Seit dem 5. März läuft darum eine bundesweite Protestaktion, bei der Bäcker 1,3 Millionen Brottüten mit der Aufschrift »Ährensache – ohne Gentechnik!« an ihre Kunden verteilen.

aus Publik-Forum Nr. 6/2007

So läuft das!

Betrug für den Atomstrom?

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW wirft der Internationalen Energie Agentur vor, die Atomindustrie durch »zweifelhafte statistische Tricks« bedeutender zu machen, als sie wirklich sei. Der Hintergrund: Nach der Energie Agentur wurden im Jahr 2004 weltweit 2808 Terawattstunden Strom in Wasserkraftwerken erzeugt und 2738 Terawattstunden Strom in Atomkraftwerken. Dennoch schreibt die Agentur der Wasserkraft nur einen globalen Anteil an der Primärenergie von 2,2 Prozent, der Atomkraft aber einen Anteil von 6,5 Prozent zu. Der Grund liegt darin, daß bei der Kernenergie Verluste bei der Umwandlung von Uran in Strom mitgerechnet werden, während dies bei der Wasserkraft nicht geschieht. Für die Experten der IPPNW ist dies unhaltbar: »Wenn eine Technologie in der Realität weniger Energie liefert als eine andere, dann sollte sich dies auch beim offiziellen Energieträgervergleich so widerspiegeln.« Nimmt man diese Schlußfolgerung ernst, so ergibt sich für die Atomkraft ein Anteil von 2,1 Prozent an der weltweiten Energieversorgung. Daraus folgert die Ärzteorganisation, daß »die Atomkraft für die Energieversorgung der Welt bedeutungslos ist und daß man selbst mit einer Verdoppelung der Zahl der Atomkraftwerke die Energieprobleme der Menschheit nicht lösen kann«.

aus Publik-Forum Nr. 6/2007

Man kann zwar nicht die Probleme lösen, aber man kann dran verdienen. Wenn’s schiefgeht, zahlt die Allgemeinheit.

Macht Kinderarmut krank?

Von Armut betroffene Bevölkerungsgruppen – Kinder zwischen 0 und 15 Jahren, Familien mit alleinerziehende Müttern oder mit mehr als drei Kindern, Arbeits- oder Wohnungslose, ausländische Mitbürger u.a. – haben ein signifikant erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko.

Die Sozialhilfequote liegt bei Minderjährigen doppelt so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung (ca. 3,5 % zu 6,6 %)

In ärmeren Schichten ist bereits die Zahl der Früh- und Mangelgeburten signifikant erhöht. Obwohl über 30 % dieser Kinder später Lernstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Intelligenzminderung aufweisen, erhalten sie häufig eine unzureichende oder gar keine Frühförderung.

Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudien (KIGGS und Shell Jugendstudie, beide 2006) verzeichnen eine erhöhte Anzahl von Essstörungen [furchtbar, diese neue Rechtschreibung], Adipositas und Mangel an körperlicher Aktivität bei armen Kindern.

Ca. 700.000 minderjährige Kinder in Deutschland arbeiten. Zunehmend geschieht das unfreiwillig, um die finanzielle Basis der Familie zu unterstützen.

Kinder aus sozial unterprivilegierten Bereichen sind häufiger an Unfällen (einschl. tödlichem Ausgang) beteiligt.

Die Kindersterblichkeit ist nach einer internationalen Studie in armen Bevölkerungsgruppen doppelt so hoch wie in wohlhabenden und am höchsten dort, wo beide Eltern arbeitslos sind!

Die Quote gravierender Gewaltanwendung liegt bei Familien mit Sozialhilfe bei 24 %, bei anderen Familien bei 14,6 %.

Kinder aus armen Familien haben einen schlechteren Gesundheitszustand. Somatische Beschwerden (Kopf-, Rücken-, Magenschmerzen, Nervosität) sind genauso kennzeichnend wie eine beeinträchtigte psychische Gesundheit (Aggressivität, Unruhe oder Antriebsarmut u.v.m.)

Die bisherige „Komm“-Struktur der (mittelschicht-orientierten) medizinischen Versorgung ist für sozial benachteiligte Menschen eine „Zugangsbarriere“. Notwendig sind „niederschwellig angelegte medizinische Versorgungsangebote ,vor Ort’“.

Auszüge aus einem Artikel "Macht Armut krank?" von Prof. Gerhard Trabert – veröffentlicht in „Forum Sozialarbeit + Gesundheit 1/2007 Seite 11-16. Die veröffentlichten Zahlen dort sind leider nicht mehr ganz aktuell.
Zitiert im bvvp-magazin 2/2007
zu einem Artikel bei wdr.de

Autos: Kaum zu glauben

Sieben auf einen Streich, weil Gaspedal klemmt

So etwas kennt man eigentlich nur von Mr. Bean. Der Meister der skurillen Eskalation hätte nicht besser einstudieren können, was einem 74 Jahre alten Wiesbadener am vergangenen Montag passierte. Der ältere Herr wollte an der Aukammallee einparken. Anscheinend hatte sich das Gaspedal seines Automatik-Autos verklemmt, jedenfalls prallte sein Opel ungebremmst mit dem Heck auf einen geparkten BMW. Der Fahrer legte den Schalthebel auf Vorwärtsbetrieb um. Obwohl er nach eigenen Angaben die Bremse gedrückt hielt, schoss das Auto nach vorn, rammte einen ebenfalls abgestellten Opel Astra und einen davor stehenden Mercedes - ein technischer defekt, wie die Polizei vermutet. Doch damit nicht genug: Als der ältere Herr das Lenkrad Richtung Fahrbahn gedreht hatte, schnellte sein Opel quer über die Straße und schob einen Citroen gegen einen Baum. Der knickte um und fiel auf ein weiteres Auto, aus dem gerade eine Frau aussteigen wollte. Die Tür ihres Wagens schlug gegen einen nebenstehenden Renault. Der Opel des Mannes war inzwischen weitergefahren und prallte zu guter Letzt noch gegen einen Alfa Romeo, wo er stehenblieb. Verletzt wurde bei der Massenkarambolage niemand. Anders als im Slapstik hat sie aber Folgen: Der Schaden beträgt 31 000 Euro. (thub)


Straßenbahn kollidiert mit Leichenwagen

Beim Zusammenstoß eines Leichenwagens mit einer Straßenbahn ist gestern Vormittag in der Innenstadt ein Sarg auf die Straße gefallen und stark beschädigt worden – der Leichnam darin blieb jedoch unversehrt. Wie die Polizei weiter berichtete, war der Wagen auf der Bethmannstraße in Richtung Kornmarkt gefahren, als er den Weg der Straßenbahn kreuzte. Die Bahn erfasste das Auto am Heck und schleuderte es herum. Dabei öffnete sich die Heckklappe und der Sarg rutschte auf die Straße. Verletzt wurde niemand, es entstand ein Schaden von rund 30 000 Euro. (wich)

beides aus FAZ Rhein Main vom 20.4.07

Und noch was kaum zu Glaubendes: Der Loremo (Pressekommentare zu finden im Menü »Information«)

alles gefunden bei und eingescannt von Konfusius

Montag, 23. April 2007

Raubtierkapitalismus

Endlich ist es also soweit: Nach Globalisierungsdruck und Qualitätsmanagement lassen wir die Maske fallen: Menschen sind Aktien bzw. man kann so mit ihnen umgehen, als ob sie welche wären. Im Vier-Sterne-Hotel Schindlerhof (warum das blöde »l«?) in Nürnberg werden Mitarbeiter wie Aktien mit steigendem und fallendem Wert behandelt.

Hans Jörg Krames hat sich auf seinem Säubrenner-Weblog die Arbeit gemacht, den Artikel aus »Publik-Forum« Nr. 7/2007 einzuscannen.

Freitag, 13. April 2007

Die Welt in Zahlen

Zeit, die der Hedge Fonds Amaranth Advisors brauchte, um 4,5 von 9 Milliarden Dollar zu verlieren, in Tagen: 7
Zahl der Hedge Fonds weltweit: 9460
Summe, die Hedge Fonds 2006 verwalteten, in Milliarden Dollar: 1430
Durchschnittliche Rendite eines Hedge Fonds 2006 in Prozent: 12,9

Zahl islamischer Investment Fonds, die mit der Scharia kompatibel sind: 100
Stimme des von den scharia tauglichen Fonds verwalteten Vermögens in Milliarden Dollar: 5
Summe des Vermögens, das christliche Fonds in den USA verwalten, in Milliarden Dollar: 16
Summe des Vermögens, das christliche Fonds in den USA vor sieben Jahren verwalteten, in Milliarden Dollar: 2,37

Durchschnittliche jährliche Rendite des amerikanischen Vice Fonds, der nur in Glücksspiel, Tabak und Waffen investiert, in Prozent: 18,11
Durchschnittliche jährliche Rendite des amerikanischen Ave Maria Catholic Values Fonds in Prozent: 11,65
Durchschnittliche jährliche Rendite des schweizerischen ethisch ökologischen Fonds Ökovision in Prozent: 8,9

Jahr, seit dem ein Nürnberger Hotelbetreiber seine Mitarbeiter wie Aktien bewertet: 2003
Zahl der Unternehmen, die die Software zur Berechnung des Mitarbeiter Index seitdem gekauft haben: 35

Ergebnis für George Bush senior bei der Wahl zum US Präsidenten 1988 in Prozent: 53,2 Prognose für Bush laut einer Wahlbörse, bei der virtuelle Aktien aller Kandidaten gehandelt wurden, in Prozent: 53,2
Prognose für Bush in den herkömmlichen Meinungsumfragen in Prozent: 48

Zeit, seit der ein Affe in Chicago ein Aktienportfolio managt, in Jahren: 4
Zahl der Jahre, in denen der Affen Fonds erfolgreicher war als die großen US Indizes: 4
Rendite des Affen Fonds im Jahr 2006 in Prozent: 36

Wahrscheinlichkeit, im Lotto 6 aus 49 sechs Richtige anzukreuzen, in Prozent: 0,000007
Bisher höchster Jackpot Gewinn der Welt in Millionen Dollar: 363

Preis für ein Kilogramm Brot in Deutschland am 3. Januar 1923 in Reichsmark: 163
Preis für ein Kilogramm Brot in Deutschland am 19. November 1923 in Milliarden Reichsmark: 233

Preis einer DVD zum Erlernen von Wahrsage-Techniken in Euro: 9,99
aus brand eins 4/2007