Samstag, 18. Mai 2019

Antirussisch? Recherche überflüssig!

Die North-East-Antifa gehört zu den linken Gruppen in Berlin mit einer beachtlichen Kontinuität. Während viele Antifagruppen meistens nach wenigen Jahren wieder verschwinden, gibt es die NEA schon mehr als ein Jahrzehnt. Nun hat sie es gemeinsam mit einer Westberliner Antifagruppe sogar geschafft, in der New York Times erwähnt zu werden. Der Anlass war natürlich nicht die kontinuierliche "Antifa-Arbeit" der Gruppen, sondern die angebliche Unterstützung durch Russland.
So heißt es in der New York Times:
Ein Beispiel: Webseiten, die offenbar für zwei deutsche antifaschistische Gruppen, Antifa West Berlin und Antifa Nord Ost, werben, teilen sich einen Server, der von Hackern der russischen Regierung genutzt wird, die das National Committee der Demokraten während der Wahlen 2016 angegriffen haben. Die Registrierungsinformationen für eine der deutschen Seiten schließt eine anonymisierte E-Mail-Adresse mit ein, die auch für die Einrichtung russischer spearphishing-Seiten verwendet wurde.
New York Times

Von den deutschen "Qualitätsmedien" ungeprüft übernommen

Diese Behauptungen wurden ungeprüft und ohne mit den Antifagruppen auch nur in Kontakt getreten zu sein, von sogenannten deutschen Qualititätsmedien wie etwa dem DeutschlandfunkSpiegel OnlineFAZ übernommen.
An dem Spiegelbericht kann deutlich gezeigt werden, wie die hegemonialen Behauptungen von der allgegenwärtigen russischen Unterwanderungsstrategie kritische Berichterstattung verhindert. Schon in der Überschrift zum Bericht, wo es heißt, dass "der Kreml nicht nur die AfD - sondern auch lokale Antifa-Gruppen" unterstütze, wird etwas behauptet, was des Beweises bedarf. Der aber wurde nicht geliefert.
Was Deutschland betrifft, zeigt sich laut "New York Times" ein ungewöhnlicher Zusammenhang: Einerseits ist die Verbindung zwischen AfD und Russland bekannt. Andererseits unterstützt Russland offenbar auch linke Kräfte, wie die amerikanischen Journalisten recherchiert haben. So würden zwei lokale Gruppen, die "Antifa West Berlin" und die "Antifa Nord Ost", denselben Server nutzen, den auch die Hacker der russischen Regierung gebrauchen. Eine E-Mail-Adresse, mit der eine der Websites der Lokalgruppen registriert wurde, sei von russischer Seite ebenfalls eingesetzt worden, um an vertrauliche Daten zu gelangen. Bemerkenswert: Erst kürzlich riefen beide Seiten zu einer Anti-AfD-Demonstration auf.
Spiegel-Online
Nun hätte der Widerspruch, dass Russland neben der AfD und deren schärfste Gegner unterstützt, ja Anlass für eine Recherche sein können. Dann hätte natürlich die betroffene Gruppe selber mit den Vorwürfen konfrontiert werden müssen. Doch das wurde nicht gemacht. Die unbelegten Behauptungen wurden zu Tatsachen erklärt und noch mit dem Verweis auf die New York Times veredelt.
mehr:
- Wie schnell man zum russischen Agenten wird (Peter Nowak, Telepolis, 18.05.2019)
siehe auch:
Syrien-Nachrichten: Wem kann man noch glauben? (Post, 13.05.2019)
- Fake News – Stern vs. Blauer Bote (Post, 21.03.2017)
Forschungsarbeit: Meinungsmanipulationsstrategien in Frieden und Krieg (Jens Wernicke, Institut für Medienverantwortung, Juli 2009?)
Medien: intellektuelle Korrumpierbarkeit in Konfliktzeiten (Post, 31.12.2002)

Mein Kommentar:
Ich werde ja die Vorstellung nicht los, daß sich die Mainstream-Medien-Journalisten, bevor sie sich morgens an den Schreibtisch setzen, erstmal ihre Scheuklappen anlegen…

Dirk Pohlmann über "Der duale Staat: Recht, Macht und Ausnahmezustand" {2:06:59 – Start bei 2:02:59}

Gruppe42
Am 16.05.2018 veröffentlicht 
"Der Staat - das klingt in unseren Ohren nicht unbedingt freundlich, aber es klingt nach Recht und Ordnung. In der Schule und an der Universität erfahren wir von den ehernen Regeln der Demokratie. Gewaltenteilung, Rechtsstaat, Wahlen, parlamentarische Repräsentanz, alles scheint altehrwürdig und wohlgeregelt im Staats und Verfassungsrecht. Bis in die Details und bis in die letzten Winkel ist festgelegt, wer nach welchen Regeln für was zuständig und verantworlich ist. Dass daran nicht gerüttelt wird, dafür sorgt die Demokratie, sie bezeichnet sich selbst gerne als „wehrhaft“.
Da ist ein Begriff wie „Deep State“ oder „Dualer Staat“ störend. Er legt nahe, dass es neben dem bekannten, demokratisch legitimierten Staat noch einen anderen gibt, der nicht gewählt wird, der sich selbst ermächtig, der eingreift, wann es passt. Aber wann? Wer bildet ihn? Was tut er? Wann tötet er? Warum liest man darüber so wenig? Und warum beschäftigen sich „seriöse“ Medien damit eigentlich überhaupt nicht? Medien, Politiker und Universitätslehrer verweisen den Begriff des „parallelen Staates" gerne in den Bereich der „Verschwörungstheorien“.
Und doch ist er real. In allen Staatsformen, aber insbesondere in der Demokratie, gibt es im Unterschied zum normativen Ideal die realpolitische Existenz eines „Machtstaates“ oder „Maßnahmenstaates“, des "Deep State". Auch akademische Politologen und Rechtswissenschaftler haben sich damit beschäftigt, ausnahmslos Personen, die sich mit dem Widerspruch zwischen Realpolitik einerseits und der Idee des liberalen Rechtsstaates andererseits beschäftigt haben. Sie haben erkannt: Der „Deep State" hängt mit den Erfordernissen der Hegemonialmacht im „Grossraum“ zusammen.
Dementsprechend gibt es Länder, in denen der „Tiefe Staat“ Alltagswissen ist, z.B. die Türkei oder Italien. Dort ist die Realität des parallelen Staates so unübersehbar zutage getreten, dass auch Staatspräsidenten von ihm reden - müssen. Und es gibt Länder, in denen man in öffentlichen Ämtern nicht von ihm sprechen kann, ohne Reputation und Karriere zu riskieren.
Die staatstragenden Kräfte vieler Länder blenden diese Realität deshalb weiter aus. Oder sie versuchen es zumindest. Aber auch in diesen Ländern ist der „Deep State“ aktiv geworden. Nicht nur in Vasallenstaaten, sondern auch im Zentralreich des Hegemons selbst.
Anhand praktischer Beispiele legt der Journalist Dirk Pohlmann praktisch und theoretisch dar, was es mit dem "Deep State“ auf sich hat. Sein Vortrag ist eine Mischung aus staatsrechtlicher Analyse und Bericht, wann und wo der Deep State sichtbar geworden ist. Ein spannendes Thema, dessen Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Es ist besser, darüber Bescheid zu wissen, als nur die Konsequenzen verständnislos erleben zu müssen.
https://gruppe42.com/

»Eine Insel im roten Meer«: Leserbriefe zur 70-Jahr-Feier der alliierten Luftbrücke an die NachDenkSeiten

Der Beitrag “Eine andere Sicht auf die alliierte Luftbrücke. Zur 70-Jahr-Feier.” animierte diverse Leser, uns ihre Sichtweise der Ereignisse in Berlin vor 70 Jahren aufzuzeigen. Nachfolgend einige dieser Leserzuschriften. Es ist wirklich interessant, wie sich viele dieser Schilderungen von der offiziellen Darstellung unterscheiden und dass wie so oft im offiziellen Narrativ die Gründe fehlen, die zu dieser Krisensituation geführt haben. Zusammengestellt von Moritz Müller.
mehr:
- Leserbriefe zur 70-Jahr-Feier der alliierten Luftbrücke (NachDenkSeiten, 18.05.2019)
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Dokumentation über Berliner - Operation Luftbrücke - HD 2015 {44:18}

SonDoku
Am 21.03.2015 veröffentlicht 
Diese Dokumentation geht um die Berliner (Operation Luftbrücke)
(diese bedrohliche Musik…)

Churchill's Iron Curtain Speech - 1946 | Today In History | 5 Mar 17 {5:25 – Start bei 3:19}

British Movietone
Am 21.03.2015 veröffentlicht 
On March 5, 1946, Winston Churchill delivered his “Iron Curtain” speech at Westminster College in Fulton, Missouri, in which he said: “From Stettin in the Baltic, to Trieste in the Adriatic, an ‘iron curtain’ has descended across the continent, allowing police governments to rule Eastern Europe.”
t was a very big day in the history of Fulton, Missouri when President Truman and Winston Churchill paid their visit. During his address at Westminster College Mr Churchill spoke of the situation in Europe and the "iron curtain" which has descended between the east and west of the continent.
You can license this story through AP Archive: http://www.aparchive.com/metadata/you…
Find out more about AP Archive: http://www.aparchive.com/HowWeWork
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siehe auch:
- Karikatur „Der Auftritt in Fulton. Churchill und seine Vorgänger“ (Petra Mayrhofer, Demokratiezentrum Wien, undatiert)
- 70 (71!) Jahre Luftbrücken-Lügen / 70 Jahre Grundgesetz jetzt mit großen Lücken (barth-engelbart.de, 12.05.2019)
"Wir haben das falsche Schwein geschlachtet." Winston Churchill (angeblich) (Horst Schneider, falschzitate.blogspot.com, 16.05.2017)
Churchills Fulton-Rede war nach 1945 die erste offene Kampfansage an die UdSSR „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“ (Horst Schneider, RotFuchs, April 2016)
ZWEITER WELTKRIEG: »DAS FALSCHE SCHWEIN GESCHLACHTET« (Stefan Ziefle, marx21, 02.08.2015)
5. März 1946 - Die Rede Winston Churchills in Fulton - der Auftakt zum Kalten Krieg (Michael Forbrig, DDR-Kabinett-Bochum, 05.03.2012)

Freitag, 17. Mai 2019

Greifen die USA den Iran an?

Iran – Greifen die USA das Land an, würde das alles Bisherige an Gewalt in der Region in den Schatten stellen. Was macht Europa?

Kommt es zu einem US-geführten Krieg gegen den Iran? Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, noch mag Präsident Trump an einen Deal mit Teheran glauben: „Ruft mich an.“ Doch die Hardliner im Weißen Haus, die Architekten der Konfrontation mit der Islamischen Republik, Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Mike Pompeo, wollen nichts weniger als einen Regimewechsel – ganz egal, wie Teheran sich verhält. Drastisch haben die USA den Druck auf die iranische Führung erhöht. Die Ausnahmegenehmigungen für den Import iranischen Öls zugunsten Chinas, Japans, Südkoreas, Indiens und der Türkei hat Washington zum Monatsbeginn widerrufen und damit die wirtschaftliche Kriegsführung gegen Teheran verschärft. Diese „sekundären Sanktionen“, die auch Drittstaaten jeden Handel mit dem Iran untersagen, sind völkerrechtswidrig. Aber es gehört zu den Privilegien einer Weltmacht, internationales Recht ignorieren zu dürfen. Darüber hinaus hat Washington die Revolutionsgarden, die Elitetruppe des Regimes, zu einer Terrororganisation erklärt, Kriegsschiffe und B-52-Bomber in die Golfregion verlegt. Die Strategie der US-Falken ist offenbar, Teheran in die Kapitulation zu zwingen – nötigenfalls, zu einem späteren Zeitpunkt, mit begrenzten, aber massiven Bombardements und Raketenangriffen, jedoch ohne Bodentruppen.

Teheran wird aber nicht kapitulieren. Darin genau besteht der amerikanische Denkfehler, sofern nicht blanker Zynismus Regie führt. Seit 9/11 haben die USA in Afghanistan, im Irak und in Libyen Regimewechsel federführend herbeigeführt. In Syrien haben sie es versucht, sind jedoch infolge der russischen und iranischen Intervention gescheitert. Im Jemen unterstützen sie aktiv das saudische Regime bei dessen mörderischer Kriegführung gegen die Huthi-Rebellen, die vorsätzlich die jemenitische Zivilbevölkerung aushungert und ins Visier nimmt. Sollte es zum Krieg gegen den Iran kommen, wäre es die sechste Militärintervention der USA in einem islamischen Land in weniger als 20 Jahren. Wer ernsthafte Antworten sucht auf die Frage, wo eigentlich der islamistische Terror herrührt, wie Organisationen vom Schlage des Islamischen Staates gedeihen konnten und können – hier, in diesen Interventionen, der systematischen Zerstörung ganzer Staaten und damit der Zukunft von Millionen Menschen, liegt eine wesentliche, wenn nicht die entscheidende Ursache.
mehr:
- Wie eine Kernschmelze (Michael Lüders, der Freitag, 17.05.2019)
siehe auch:
USA und Iran: Immer dieselbe Strategie von Trump? (Florian Rötzer, Telepolis, 12.05.2019)
Die NATO in den Gründerjahren (Kurt Gritsch, Telepolis, 11.05.2019)
Iran: Schiitische Milizen im Irak als Proxy-Kräfte gegen USA? (Thomas Pany, Telepolis, 10.05.2019)
Iran behält angereichertes Uran vorerst und droht mit weiterer Anreicherung (Peter Mühlbauer, Telepolis, 08.05.2019)
- UN-Experte kritisiert zunehmend aggressive US-Sanktionen (Peter Mühlbauer, Telepolis, 08.05.2019)
USA: Die verrückten Neocons (Post, 02.03.2019)
Operation Ajax revisited (24.07.2016)
Die Ankündigung von Wesley Clark: „Wir werden 7 Regierungen stürzen“ (07.04.2015)

Iran bittersüß - Reise durch ein Land der Widersprüche [DOKU/2019/HD] {43:22}

World News
Am 28.12.2018 veröffentlicht 
Der Iran: Reichtum und westlicher Lebensstil in Teheran, Armut und traditionelle Strukturen am Persischen Golf. Rockmusik und Koranschulen in der heiligen Stadt Maschhad.
Vier Wochen reisten ZDF-Korrespondent Jörg Brase und sein Team durch ein Land voller Widersprüche und zeigen Menschen, die ihr Land lieben und doch mit ihm hadern. Viele haben sich einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet, der durch Sanktionen der USA bedroht ist.
Feyzollah Haghighi meint, der Iran sei wie ein Granatapfel. Schön und fest, außen bitter, innen süß. Haghighi ist 78 Jahre alt und zählt zu den Großen der alten iranischen Kunst des Teppichknüpfens. Am Rande Isfahans besitzt er einen Granatapfelhain, in den er sich zurückzieht, um Ruhe zu finden. "Denn wenn ich den Iran heute sehe, 40 Jahre nach der Islamischen Revolution", sagt Haghighi, "dann regt mich das zu sehr auf."
"Alle Welt denkt, der Iran, das seien schwarz verschleierte Frauen und bärtige Mullahs", sagt die 25-jährige Shaghayegh, "doch der Iran ist auch ein modernes, hoch entwickeltes Land voller junger Leute, die Träume haben und so leben wollen wie andere junge Leute auch." Shaghayegh findet einen Weg, auszubrechen und sich ein Stück Privatheit zu erobern in einem Land, in dem das öffentliche Leben strengen Regeln unterliegt.
Doch sie wollen bleiben, sehen ihre Zukunft in ihrer Heimat, auch wenn die Islamische Republik Iran ihnen das Leben oft nicht leicht macht. Aufgeben jedoch ist keine Option. "Seit über 20 Jahren kämpfe ich darum, wieder Farbe ins Leben der iranischen Frauen zu bringen", sagt die bekannte Modedesignerin Mahla Zamani, "und ich werde diesen Kampf gewinnen."
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Videoquelle: ZDF
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Nahost-Experte Michael Lüders: "Assad steht nicht mit dem Rücken zur Wand" {1:26}

WELT Nachrichtensender
Am 07.04.2017 veröffentlicht 
Nahost-Experte Michael Lüders ist nicht der Ansicht, dass der US-Luftschlag Machthaber Assad nachhaltig schwächen wird. Assad habe, mangels Alternativen, viel Rückhalt aus der Bevölkerung.
Help us caption & translate this video!
http://amara.org/v/5o2g/
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Zur Lage im Iran | Mit offenen Karten {10:54}

Die Freude Ihres Gehirns
Am 30.06.2017 veröffentlicht 
Im Iran wird 2009 ein neuer Präsident gewählt, in den USA nimmt ein neuer Präsident seine Arbeit auf. Was bedeutet das für den Iran? MIT OFFENEN KARTEN gewährt einen Überblick über die Lage in einem untypischen Land, an dem im Nahen Osten kein Weg vorbeiführt.
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Mit offenen Karten - Iran - Eine kommende Grossmacht? (2016) {11:58}

John Wood
Am 30.06.2017 veröffentlicht 
Der Vertrag über das iranische Atomprogramm führte 2016 zur allmählichen Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen, die über das Land verhängt worden waren. MIT OFFEN KARTEN beschäftigt sich mit der Rückkehr des Iran auf die internationale Bühne, den wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen das Land konfrontiert ist, sowie mit seiner politischen und diplomatischen Rolle in einer sehr instabilen Region
ARTE - 01.10.2016
Link: http://ddc.arte.tv/unsere-karten/iran...
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Das bessere Amerika

In Kanada begehrt eine wachsende Friedensbewegung gegen die wahnhafte Politik der NATO auf.

Die USA bezeichnen sich gern verkürzend als „America“ — als gäbe es auf dem Riesenkontinent keine anderen Länder. Schon ein wenig weiter nördlich, in Kanada, ist die Mentalität teilweise eine ganz andere. Das ist wohltuend, denn die Kanadier hören besser zu und wirken weniger gehirngewaschen. Die Kleinstadt Regina etwa ist ein „kleines gallisches Dorf“ innerhalb des NATO-Territoriums, in dem sich die Menschen nicht mehr alles bieten lassen. André Vltchek reiste im April 2019 dorthin, um an einer Friedenskonferenz teilzunehmen. Die Erlebnisse dort — die herzliche Aufnahme, die unerschrockene Bereitwilligkeit, sich der eigenen Unzulänglichkeit zu stellen und das Engagement gegen Krieg und Aufrüstung — beeindruckten ihn sehr.

Ed Lehman ist ein kanadischer Kommunist und ein Genosse von mir. So etwas sage ich nicht oft und auch nicht leichtfertig — vor allem nicht über Leute aus dem Westen. Er wurde jedoch mein Kamerad, und wir kämpften fünf Tage lang Schulter an Schulter — und zwar nicht in der südamerikanischen Wildnis, auch nicht in Afghanistan oder in Syrien, sondern in der kleinen kanadischen Stadt Regina, der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan.

Ich muss zugeben, dass ich so gut wie nichts über Regina wusste, als ich dorthin eingeladen wurde. Ich wusste nicht einmal, wie man es richtig ausspricht. Eines Tages jedoch erhielt ich eine E-Mail mit der Einladung, einer der Festredner der Friedenskonferenz in Regina zu werden. Ich nahm die Einladung spontan an.

Die Friedenskonferenz trug den Titel „Ja zu Frieden und Fortschritt — Nein zu NATO und Krieg!“.

Westlicher Friedensaktivismus
Normalerweise halte ich keine Ansprachen auf Friedenskonferenzen. Ich glaube bis heute daran, dass unterdrückte und kolonialisierte Länder für ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpfen müssen und dass der Friede, so wie er im Westen propagiert wird, den Status quo nur aufrechterhält. Friede ist, so sagte ich in Kanada, „wenn die Bomben nicht auf Paris oder Toronto fallen“. Friede ist, wenn die Elenden der Erde still und gehorsam in ihren geplünderten Ländern und Kontinenten sterben — weitab von Kameraobjektiven.

Tatsächlich ärgern mich viele Friedensbewegungen im Westen außerordentlich. Ihr Mangel an Sensibilität, gepaart mit Ignoranz, treiben mich in den Wahnsinn. Der Wunsch ihrer Mitglieder, „Gutes zu tun“ und „sich gut zu fühlen“, ist oft eigennützig und hat absolut nichts mit dem Kampf um Gerechtigkeit in Dutzenden von kolonialisierten und geplünderten „Satelliten“-Staaten zu tun.

mehr:
- Das bessere Amerika (Andre, Vltchek, 17.05.2019)
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Leserbriefe zu Gelbwesten-Appell: Französische Künstler lassen sich „nicht für dumm verkaufen“

Zu dem Artikel “Gelbwesten-Appell: Französische Künstler lassen sich „nicht für dumm verkaufen“ – Die deutsche Kulturszene schweigt zum Sozialen” erreichten uns wieder zahlreiche Leserbriefe, die wir nun nachfolgend veröffentlichen. In einigen Leserbriefen klingt an, und es gibt auch die entsprechenden Links, dass es auch in Deutschland etliche Künstler gibt, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, und hoffentlich stoßen sie irgendwann auch mal auf eine größere Resonanz in der deutschen Bevölkerung. Zusammengestellt von Moritz Müller.
1. Leserbrief
Sehr geehrte nds, 
ich kann ihnen den Hauptgrund für den nichtexistenten Widerstand der deutschen Kulturszene in einem Wort nennen: Kulturförderung! 
Öffentliche Mittel für Theater, Musik, Literatur, Film… tralalla aus EU-, Bundes-, Landes- und kommunalen Fördertöpfen. So wie sich früher der Adel die Narren, Theater und Orchester zur Belustigung gehalten haben, hält sich die Politik die Gunst der Kulturschaffenden und die Hand die einen füttert beißt man nicht. 
Ich kritisiere die USA ja gerne aber dort gibt es so einen Mist wie hier nicht und deswegen sind dort die Künstler auch wesentlich härter drauf. Nur damit das klar ist. Ich habe nichts gegen öffentliche Förderung von Kunst und Kultur. Das Problem ist, dass faktisch alles durch die Politik entschieden wird, wer, wann, wo, was und wieviel bekommt und nicht etwa bspw. durch Bürger oder andere VON DER POLITIK UNABHÄNGIGE Organe.
Solange das so ist wird von dort nichts kommen und nur die jenigen, die auf die Kulturförderung nicht angewiesen sind können es sich leisten oder glauben sie um es mal extrem auszudrücken eine Pamela Anderson würde ihren Mund aufmachen, wenn sie auf die Gage in einer deutschen Nachmittagssoap des ÖR angewiesen wäre? 
mehr:
- Leserbriefe zu Gelbwesten-Appell: Französische Künstler lassen sich „nicht für dumm verkaufen“ (NachDenkSeiten, 17.05.2018)
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Russland: Ein geplanter Kirchenneubau in Jekaterinburg führt zu heftigen Protesten

In der Großstadt Jekaterinburg gibt es seit drei Tagen nichtgenehmigte Proteste. Wladimir Putin fordert, den Konflikt mit einer Umfrage in der Bevölkerung zu entschärfen
Junge Polizisten, Mitarbeiter der Spezialeinheit OMON und der Rosgwardia standen am Mittwoch Tausenden von jungen Bürgern der Stadt Jekaterinburg Auge in Auge gegenüber. Die Sicherheitskräfte in der zwei Flugstunden östlich von Moskau gelegenen Stadt schützten in einem Park am Dramatischen Theater einen am Montag überraschend errichteten Zaun (Fotos), hinter dem die 1930 gesprengte Kirche der Heiligen Jekaterina wieder aufgebaut werden soll.

Zwei Großunternehmen wollen den Kirchenbau finanzieren

Finanzieren wollen den Bau der Kirche zwei große Unternehmen aus der Region, die "Russische Kupfergesellschaft" und die "Ural Bergbau-Metallurgie Gesellschaft". Letzteres Unternehmen vereinigt 50 Betriebe mit insgesamt 70.000 Beschäftigten. Die Muttergesellschaft der Ural Bergbau-Metallurgie Gesellschaft ist, vermutlich aus steuerlichen Gründen, auf Zypern registriert. Der Gouverneur von Jekaterinburg, Jewgeni Kuiwaschewa, unterstützt den Kirchenbau.
Der Park vor dem Dramatischen Theater in Jekaterinburg, auf dem die Kirche wieder aufgebaut werden soll, ist ein beliebter Jugendtreffpunkt und einer der wenigen Parks im Stadtzentrum. Hier wird in den kurzen sibirischen Sommern Salsa getanzt. Hier gehen Jugendliche spazieren und singen Lieder zur Gitarre. Die protestierenden Jugendlichen verstehen nicht, dass der Park einer Kirche weichen soll. Es gäbe nicht viel Grün, aber schon einige Kirchen in der Innenstadt von Jekaterinburg. Die Stadt hat 1,5 Millionen Einwohner.
Seit Montag gibt es vor dem Bauzaun jeden Tag Proteste und zunehmend auch Auseinandersetzung mit der Polizei (Fotos). Am Montag wurden von der Polizei 21 Menschen festgenommen, am Dienstag 26 und am Mittwoch nach Angaben des örtlichen Internetportals znak.com schon 67 Personen. Die Haftzeit für "leichten Hooliganismus" beträgt zwischen drei und zehn Tagen.

Putin schaltet sich ein

Es gab in Russland in den letzten Jahren schon öfter Bürgerproteste, vor allem gegen überquellende und stinkende Müllhalden rund um Moskau. Als die Moskauer Gebietsregierung im Oktober letzten Jahres beschloss, dass der Müll aus dem Moskauer Gebiet zu Briketts verarbeitet und zur Endlagerung in das im Norden Russlands gelegene Gebiet Archangelsk transportiert werden soll, gab es auch in Archangelsk heftige Proteste (Video Protestaktion 7. April). Den Müll aus Moskau will man im hohen Norden nicht haben.
Putin erklärte am Donnerstag, die Müllentsorgung in Archangelsk müsse im Einklang mit der dortigen Bevölkerung geregelt werden. Bereits am 15. Mai hatte die Wirtschaftszeitung Vedomosti unter Berufung auf Quellen in der Präsidialverwaltung berichtet, dass der Bau einer neuen Müllhalde im Gebiet Archangelsk "eingefroren" werden soll. Wohin der Moskauer Müll nun soll, ist unklar.
Wladimir Putin sieht offenbar die Gefahr, dass sich nach unüberlegten Entscheidungen von hohen Beamten innenpolitische Konflikte entwickeln, welche Aleksej Navalny und andere harte System-Oppositionelle für sich ausnutzen.
Ebenfalls am Donnerstag machte Putin einen Kompromissvorschlag für Jekaterinburg. Der russische Präsident schlug vor, über den Bau der Kirche in Jekaterinburg eine "Befragung" in der Stadt durchzuführen. "Die Minderheit muss sich der Mehrheit fügen", sagt der Kreml-Chef. "Darin besteht das Prinzip der Demokratie. Natürlich müssen die Meinung der Minderheit und die Interessen der Minderheit berücksichtigt werden." Putin erklärte, ein Kirchenbau müsse "die Menschen vereinen und nicht spalten". Darum brauche es von beiden Seiten Schritte, um die Frage "im Interesse aller Menschen zu klären, die dort (in Jekaterinburg, U.H.) real leben." Es gäbe nämlich auch Protestler aus Moskau, die versuchten, den Konflikt in Jekaterinburg "für ihre Interessen zu nutzen", erklärte der russische Präsident.
mehr:
- Russland: Ein geplanter Kirchenneubau in Jekaterinburg führt zu heftigen Protesten (Ulrich Heyden, Telepolis, 17.05.2019)
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Donnerstag, 16. Mai 2019

"Es gab noch nie so viel geistige Unfreiheit nach dem 2. Weltkrieg wie heute.“

Ein Gespräch mit dem Philosophen Norbert Bolz über die fehlende Streitkultur an Universitäten, mittelmäßige Lehre, den Bologna-Prozess und den Habermas-Schredder, durch den Philosophie an der Uni zu Püree wird.

Sehr geehrter Herr Professor Bolz, in einem Interview mit der Zeitschrift Cicero bezeichneten Sie die Universität als Ort der Resignation. Warum und inwieweit?

Das hat natürlich für unterschiedliche Beteiligte unterschiedliche Gründe. Um mal mit den Studenten zu beginnen: sie treffen zunehmend auf verschulte Universitäten. Das ist natürlich für die mittelmäßigen oder schlechten ein Glück, dass sie im Grunde fortgesetzt in die Schule gehen können. Es ist aber für alle diejenigen, die das Abitur gemacht haben, um richtig zu lernen und zu studieren, eine große Enttäuschung. Man studiert nur noch auf Scheine hin, auf Klausuren hin. Früher hat man gesagt, dass man keinen Bildungsstoff lernt, sondern den Lehrer. Leider Gottes gilt das auch jetzt für die Universitäten. So versucht man, möglichst schnell an die Scheine zu kommen.

Für die wirklich begabten Studenten ist das natürlich eine Tristesse. Unter „Bologna“ wird das diskutiert, wobei das zumindest für die Geisteswissenschaften eine einzige Katastrophe ist. Für die Professoren sieht die Sache ähnlich aus, allerdings aus einer anderen Perspektive. Die meisten Professoren leiden unter dem Desinteresse und der Apathie der Studenten, die sehr begründet ist. Die Schuld liegt einzig und allein an diesem absurden Konzept der Standardisierung aller möglichen Studiengänge. Das führt zum Beispiel dazu, dass Sie in vielen Studiengängen, wie auch in meinem, Ihre Vorlesungen gar nicht mehr frei variieren können, sondern dass Sie Module konstant anbieten müssen, so dass ich, was früher für mich selbstverständlich war, nämlich in jedem Semester etwas vollkommen anderes zu machen, und die Studenten an meinen eigenen Forschungen zu beteiligen, nicht mehr möglich ist.

mehr:
- "Es gab noch nie so viel geistige Unfreiheit nach dem 2. Weltkrieg wie heute.“ (Gespräch von Hans-Martin Esser mit Norbert Bolz , The European, 16.05.2019)
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Polizei stürmt venezolanische Botschaft in Washington

Vier amerikanische Aktivisten wurden verhaftet. Die US-Regierung will damit den von Oppositionsführer Guaidó ernannten Veccio als offiziellen Botschafter mit der Räumung installieren

Aus Venezuela zeigt sich der Oppositionsführer Juan Guaidó begeistert. Vor kurzem sind Polizisten in die venezolanische Botschaft in Washington eingedrungen und haben die vier verbliebenen amerikanischen Aktivisten des Embassy Protection Collective (Margaret Flowers, Adrienne Pine, David Paul, Kevin Zeese) festgenommen. Die haben seit 10. April die Botschaft auf Einladung der von der Maduro-Regierung entsandten Botschaftsmitarbeiter besetzt, um zu verhindern, dass der von Guaidó ernannte Botschafter Carlos Vecchio die Räume beansprucht. Die venezolanischen Botschaftsangehörigen haben das Land verlassen müssen.
Die Botschaft wurde von Guaidó-Anhängern belagert, während die Aktivisten die "Schützer" mit Nahrung versorgten. Schon seit einigen Tagen war der Strom von der Stadt abgedreht worden. Zur Unterstützung der "Schützer" protestierten auch immer Anhänger der Aktivisten u.a. von Codepink und der Answer Coalition vor der Botschaft.
Offizielle Regierung ist weiterhin die von Maduro, die US-Regierung aber hat Guaidó als Interimspräsidenten und auch seinen Botschafter anerkannt. Die Aktivisten sind nicht unbedingt Maduro-Fans, sie wollten sich der US-Regierung in dem Bestreben, die Regierung in Caracas zu stürzen entgegenstellen, und bezeichnen die gewaltsame Räumung als Verletzung des Wiener Abkommens.
mehr:
- Polizei stürmt venezolanische Botschaft in Washington (Florian Rötzer, Telepolis, 16.05.2019)
siehe auch:
Angriff auf Botschaft (André Scher, junge Welt, 15.05.2019)
US-Polizei dringt in venezolanische Botschaft in Washington vor (Post, 14.05.2019)
- «Schlüsselfertige Tyrannei" auf den Straßen von Washington (Ray McGovern, EinarTysken, 12.05.2019)
Mein Kommentar:
Ich frage mich, wann – und wie – sich unsere Leitmedien der Anwesenheit von US-Polizei auf extraterritorialem Gebiet annehmen…

"Nah dran!" in Metz "Diese Menschen wählen nicht mehr"

In den Tagen vor der Europawahl reist n-tv Reporterin Liv von Boetticher durch die EU, um die Meinungen der Menschen vor Ort einzufangen. Auf ihrer "Nah dran"-Tour trifft sie diesmal enttäuschte Französinnen, einen freimütigen Brasserie-Chef und den wachsamen Küster der Kathedrale von Metz.
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In Frankreich strahlen die Europawahlen diesmal die Aura einer nationalen Testabstimmung aus: Der Wahl zum EU-Parlament am 26. Mai gingen monatelange Proteste der "Gelbwesten"-Bewegung voraus. Auf ihrer Rundreise durch Europa erfährt n-tv Reporterin Liv von Boetticher in der alten lothringischen Reichsstadt Metz, warum viele Franzosen so tief enttäuscht von der Politik der etablierten Parteien in Paris sind.
mehr:
- "Nah dran!" in Metz "Diese Menschen wählen nicht mehr"(Liv von Boetticher, n-tv, 16.05.2019)
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👻 Der Geheimdienst informiert? 😜

Von gefährlichen Iranern, trickreichen Russen und schrecklichen Kindern
Aktuell scheinen Qualitätsjournalisten im wesentlichen über zwei Primärquellen zu verfügen: Twitter und "sichere Geheimdienstinformationen". Da Twitter inzwischen politisch zensiert, hält man sich anscheinend gerade eher an die Geschichtenerzähler mit dem Schlapphut, um das geneigte Publikum politisch zu bilden.
Aktuell wird wieder der Evergreen "In sechs Monaten hat der Iran die Bombe!" gegeben, der sich seit einem Jahrzehnt großer Beliebtheit erfreut. Wobei man 2006 eigentlich ja schon weiter war, damals brauchten die Iraner nur noch vier Monate, wie Journalisten vom Geheimdienst zuverlässig erfahren konnten. Die Originalversion ging vor 40 Jahren an den Start (Iran könnte "in wenigen Monaten" die Atombombe haben – seit 1979).
Das Narrativ mit den inszenierten Massenvernichtungswaffen hatte schon beim Irakkrieg die Medien überzeugt, für unkritisches Durchreichen von Geheimdienstpropaganda hat man offenbar noch keinem Redakteur gekündigt.
Ebenfalls auf den Geheimdienst stützen sich BILD-Meldungen, denen zufolge "iranische Killer Speedbote" vier Tanker im Golf von Oman verbeult hätten. Doch auf dem Meer gedeiht bekanntlich Seemansgarn. So etwa 1964 im Golf von Tonkin, als "Vietnam" nach offizieller Darstellung zwei friedliche US-Kriegsschiffe beschossen haben soll, um den USA einen Kriegsgrund zu liefern. Peinlich ist allerdings, dass diese Geschichte nicht stimmte. Und auch beim Angriff auf die USS Liberty von 1967, den man zunächst Ägypten anlastete, trog der Schein.
mehr:
- Der Geheimdienst informiert (Markus Kompa, Telepolis, 16.05.2019)
siehe auch:
Schweden: Wie man einen Staat umdreht (Post, 15.05.2019)
Geheimdienste und Leitmedien: unbekannte Fakten plus eindeutige Schlussfolgerungen ergeben unvoreingenommenes, faktenfreies Geschwurbel (Post, 15.03.2019)
Maidanschüsse: Beschäftige dich damit, analysiere es, es ist uns egal, wir haben schon die nächste Realität erschaffen. (Post, 02.03.2019)
Tiefer Staat (Post, 06.01.2019)
- Russlandfeindliches Tagesschau-Geschwurbel zum Fremdschämen: "Putin befahl eine Kampagne" (Post, 05.12.2018)
27 000 PR-Berater polieren Image der USA (Post, 25.06.2014)
Sich nicht dran zu erinnern, dass laut Recherchen der US-Weltagentur AP das Pentagon über 27'000 PR-Berater verfügt, die ausschließlich für die Öffentlichkeitsarbeit (PR, Werbung, Rekrutierung) zuständig sind? Nur dazu da, das Image der USA aufzupolieren? Dass diese ungeheure PR-Maschinerie des US-Militärs die amerikanischen Steuerzahler jährlich 4,7 Milliarden Dollar kostet? Und dass an dieser und anderen staatlichen Maschinerien des Westens (Achtung: Bundespresseamt Berlin!) Heerscharen von Journalisten hängen, unter anderem auch die der ARD? Leute, deren berufliche Realität sich prinzipiell nicht von dem unterscheidet, was sie über die „russischen Trolle“ zusammenfantasieren?
[Faktenfinder betreibt faktenfreie antirussische Hetze, Jens Wernicke, Rubikon, 26.04.2017]

Zuletzt wurde enthüllt, dass das Pentagon ein Medienunternehmen mit der Herstellung von Propagandavideos beauftragte, welche man Terroristen zuschrieb, um der westlichen Bevölkerung den Irakkrieg schmackhaft zu machen. Für die Produktion der Fake-Videos wurden zwischen Mai 2007 und Dezember 2011 insgesamt 540 Millionen Dollar ausgegeben.
[Pentagon ist Propaganda-Champ der USABürgender, Gegenfrage, 16.10.2016 – Hervorhebung von mir] 

Für 2009 sei die Herausgabe von 5400 Pressemitteilungen, 3000 Fernsehspots und 1600 Rundfunkinterviews geplant – doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren. Dieser Service ist nur ein kleiner Ausschnitt des ständig wachsenden Pentagon-Medienimperiums. Schon jetzt ist es grösser als die allermeisten Pressekonzerne der USA.
[27'000 PR-Berater polieren Image der USA, Marc Brupbacher, Tagesanzeiger.ch/Newsnet, 12.02.2009 – Hervorhebungen von mir] 
Dirk Pohlmann: »Spiegel-Affäre: Die Informationen kamen vom BND«
Dirk Pohlmann über "Der duale Staat: Recht, Macht und Ausnahmezustand" {2:06:59 – Start bei 1:10:47}

Gruppe42
Am 16.05.2018 veröffentlicht 
"Der Staat - das klingt in unseren Ohren nicht unbedingt freundlich, aber es klingt nach Recht und Ordnung. In der Schule und an der Universität erfahren wir von den ehernen Regeln der Demokratie. Gewaltenteilung, Rechtsstaat, Wahlen, parlamentarische Repräsentanz, alles scheint altehrwürdig und wohlgeregelt im Staats und Verfassungsrecht. Bis in die Details und bis in die letzten Winkel ist festgelegt, wer nach welchen Regeln für was zuständig und verantworlich ist. Dass daran nicht gerüttelt wird, dafür sorgt die Demokratie, sie bezeichnet sich selbst gerne als „wehrhaft“.
Da ist ein Begriff wie „Deep State“ oder „Dualer Staat“ störend. Er legt nahe, dass es neben dem bekannten, demokratisch legitimierten Staat noch einen anderen gibt, der nicht gewählt wird, der sich selbst ermächtig, der eingreift, wann es passt. Aber wann? Wer bildet ihn? Was tut er? Wann tötet er? Warum liest man darüber so wenig? Und warum beschäftigen sich „seriöse“ Medien damit eigentlich überhaupt nicht? Medien, Politiker und Universitätslehrer verweisen den Begriff des „parallelen Staates" gerne in den Bereich der „Verschwörungstheorien“.
Und doch ist er real. In allen Staatsformen, aber insbesondere in der Demokratie, gibt es im Unterschied zum normativen Ideal die realpolitische Existenz eines „Machtstaates“ oder „Maßnahmenstaates“, des "Deep State". Auch akademische Politologen und Rechtswissenschaftler haben sich damit beschäftigt, ausnahmslos Personen, die sich mit dem Widerspruch zwischen Realpolitik einerseits und der Idee des liberalen Rechtsstaates andererseits beschäftigt haben. Sie haben erkannt: Der „Deep State" hängt mit den Erfordernissen der Hegemonialmacht im „Grossraum“ zusammen.
Dementsprechend gibt es Länder, in denen der „Tiefe Staat“ Alltagswissen ist, z.B. die Türkei oder Italien. Dort ist die Realität des parallelen Staates so unübersehbar zutage getreten, dass auch Staatspräsidenten von ihm reden - müssen. Und es gibt Länder, in denen man in öffentlichen Ämtern nicht von ihm sprechen kann, ohne Reputation und Karriere zu riskieren.
Die staatstragenden Kräfte vieler Länder blenden diese Realität deshalb weiter aus. Oder sie versuchen es zumindest. Aber auch in diesen Ländern ist der „Deep State“ aktiv geworden. Nicht nur in Vasallenstaaten, sondern auch im Zentralreich des Hegemons selbst.
Anhand praktischer Beispiele legt der Journalist Dirk Pohlmann praktisch und theoretisch dar, was es mit dem "Deep State“ auf sich hat. Sein Vortrag ist eine Mischung aus staatsrechtlicher Analyse und Bericht, wann und wo der Deep State sichtbar geworden ist. Ein spannendes Thema, dessen Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Es ist besser, darüber Bescheid zu wissen, als nur die Konsequenzen verständnislos erleben zu müssen.
https://gruppe42.com/

Zur Zeit läuft in der Rotation auf ZDF Info die äußerst sehenswerte Dokumentation „Geheimakte Finanzkrise“, in der der Journalist und Filmemacher Dirk Laabs zehn Jahre „nach Lehman“ die Geschehnisse von damals rekapituliert. Besonders spannend – in der Doku kommen auch Beteiligte zu Wort und deren Einschätzungen heben sich heute sehr deutlich vom damaligen Narrativ ab. Man könnte sogar sagen: Was die NachDenkSeiten und andere kritische alternativen Medien wie Telepolis damals gegen den Strom geschrieben haben, ist heute auf bestem Wege, die in Fachkreisen anerkannte Lesart zu werden. Im Nachhinein ist man offenbar immer schlauer. Von Jens Berger.
mehr:
- Wer die NachDenkSeiten liest, ist nicht erst im Nachhinein immer schlauer (Jens Berger, NachDenkSeiten, 16.05.2019)

Tagesdosis 16.5.2019 – Russland? Russland. Natürlich Russland

Denkfabriken, Schnittstellen und das ewige Feindbild.
Ein Kommentar von Bernhard Loyen.
Schon irre Zeiten, in denen wir da leben. Dank weltweiter Recherchemöglichkeiten und Verknüpfungen sind immer mehr Menschen jedoch nicht mehr bereit den vorgefertigten und manipulativen Informationen entsprechender Verbände und Gruppierungen, Verlagshäusern und Think Tanks Glauben zu schenken. Die Aufgewachten, immer noch in einem viel zu geringen Prozentsatz, hinterfragen. Stellen Gegenfragen. Wollen verstehen und nicht mehr stillschweigend dulden und ausführen.
Die momentane Flut an Studien und Drohszenarien zeigt die zunehmende Nervosität gewisser Kreise. Stichwort Populismusgefahr. Parallel wird nichtsdestotrotz trotzdem schon an den nächsten Szenarien geschraubt und neue Schauplätze justiert. Stichwort: Iran.
Die demagogische Blendgranate der Stunde heißt jedoch weiterhin Russland. Kein Tag vergeht, an dem nicht eine Meldung, ein Tweet, eine neue haltlose Unterstellung in Verbindung mit diesen acht Buchstaben zu finden sind.
Beispiel 1: Twitter: Greta Thunbergs Social Media Team dachte sich am Dienstag dieser Woche, eigentlich müssen wir auch mal was mit Russland machen = Aufmerksamkeit. Für folgenden Tweet gab es umgehend breiten Zuspruch, Zitat: In manchen Ländern sind Klimaschulstreiks illegal. Das macht unsere Verantwortung, wir die wir dürfen, umso größer. Wir Kinder sollten nicht darauf hinweisen müssen. Aber dadie meisten Erwachsenen nichts machen, müssen wir etwas tun (2).
Darunter ein Bild von Greta mit Schild und handgeschriebener Aufschrift: Lasst Russland für das Klima streiken – #LetRussiaStrikeForClimate. Fairer Weise muss erwähnt werden, dass auch folgender Hashtag mit zum Tweet gehörte: #LetHongKongStrikeForClimate. Wie erwähnt, skurrile Zeiten.
Beispiel 2: Radio: Ein Feature auf SWR3 informierte aktuell seine Hörer so, Zitat: Infokrieg im Internet. Mit kaum etwas kann man so schön Verwirrung stiften wie mit gezielter Desinformation. Und dafür gibt es kaum ein besseres Mittel als das Internet. Russland soll massiv auf die Präsidentschaftswahlen in den USA Einfluss genommen haben. Und jetzt warnt die EU-Kommission, dass das auch in Europa geschieht (2).
Der inflationäre Einsatz des Wortes Krieg in der Überschrift gibt die Marschroute vor. Der vermeintliche Fachmann zum Thema beim SWR, ein Andreas Meyer-Feist, ermittelte „handfeste strategische Pläne des Kreml, um den immer deutlicheren Graben zwischen dem Osten und Westen Europas zu vertiefen.“
Beispiel 3: die FAZ, Zitat: Europawahlkampf: EU-Kommissarin warnt vor Desinformation. Die EU-Kommission hat seit Monaten Sorgen, dass vor allem Russland sich mit sogenannten Social Bots einmischen könnte, also automatisch erstellten Beiträgen in sozialen Netzwerken. Das EU-Parlament rüstet sich, Zitat: Mittlerweile gebe es eine eigene Einheit im europäischen Auswärtigen Dienst, die Desinformation aus Russland öffentlich macht (3). Einheit, auch schon wieder so ein militärischer Begriff. Man wappnet sich vor vermeintlichen russischen Angriffen.
Die Zeit zündelte gestern, Zitat: Russland: Die Scharfmacher (4)
mehr:
- Tagesdosis 16.5.2019 – Russland? Russland. Natürlich Russland (Bernhard Loyen, KenFM, 16.05.2019)
siehe auch:
Qualitätsmedium Tagesschau: Die Verwendung von Sprache (Post, 12.05.2019)
Tagesdosis 11.5.2019 – Russische Kampf-Wale zum Wahlkampf (Susan Bonath, KenFM, 11.05.2019)
Wenn Regierungen lügen und Medien mitmachen (Post, 09.05.2019)
Mainstream goes Propaganda (Post, 08.05.2019)
- Geheimdienste und Leitmedien: unbekannte Fakten plus eindeutige Schlussfolgerungen ergeben unvoreingenommenes, faktenfreies Geschwurbel (Post, 15.03.2019)

Mittwoch, 15. Mai 2019

Ein neuer Mausfeld und zweimal Helmut Schmidt

Rainer Mausfeld über Anarchismus, Wikileaks, Prinzipien der Demokratie & die Rolle der Wirtschaft {1:03:11}

acTVism Munich
Am 13.05.2019 veröffentlicht 
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In Teil 1 dieses exklusiven Interviews mit Rainer Mausfeld, Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel und Autor des Buches „Warum schweigen die Lämmer“, reden wir über seinen Werdegang und darüber, wie sich seine Ansichten und Ideen über die Zeit entwickelt haben. Wir nehmen auch den Begriff Anarchismus unter die Lupe, betrachten seinen historischen Kontext und was man heute darunter verstehen sollte. Daneben sprechen wir über das Verständnis von Demokratie, was die Grundvoraussetzungen dafür sind und wie Wirtschaft in einer Demokratie aussehen sollte. Schließlich reden wir auch über die Rolle der Medien und des Finanzsektors in unserer Gesellschaft und was der Fall Julian Assange & Wikileaks für unsere Demokratie bedeutet. Teil 2 dieses Interviews folgt bald!
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Helmut Schmidt: Weltbevölkerung explodiert, Europa schrumpft {12:30}

NZZ Standpunkte
Am 18.03.2016 veröffentlicht 
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt äußert sich im Interview mit NZZ-Journalisten über die einerseits explodierende Weltbevölkerung und die andererseits sehr niedrigen europäischen und deutschen Geburtenraten.
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Sehen Sie hier das ganze Interview mit Helmut Schmidt: https://www.youtube.com/watch?v=r06Ow...
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Helmut Schmidt: "Mehr Verantwortung!" - 2010 - Teil 1 von 2 {13:30}

ekiufjeu
Am 15.08.2010 veröffentlicht 
Helmut Schmidt, 91, im Gespräch mit Christhard Läpple. Er redet wie immer Klartext - über Rücktritte, Vertrauenskrisen und die Finanzmisere. Von Schwarz-Gelb fühlt er sich nicht zweckmäßig regiert.
ZDF, aspekte, 26.06.2010
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Die USA manipulieren internationale Institutionen nach ihrem Gusto

Dieser Tage erschien ein Artikel bei Telepolis über einen angeblich unterdrückten OPCW-Bericht.
Erst heißt es, bei solchen Vermutungen zurückhaltend zu sein, jedenfalls zurückhaltender als Marc Drewello.😜
[siehe: Der Blaue Bote im Gerichtsverfahren gegen den Stern (Post, 26.10.2017)]
Aber:
Am Beispiel der OPCW und seines ersten hoch angesehenen Direktors Jose Bustani läßt sch beweisen, daß die USA NICHTS akzeptieren, was ihren Interessen entgegensteht.
Vor 15 Jahren dokumentierte „Der Freitag“ eine bemerkenswerte Rede von Jose Bustani. Der damals weltweit geachtete Chef der Chemiewaffenkontrollbehörde OPCW wurde entlassen und bezichtigte die US-Regierung unter George W. Bush einer Verschwörung gegen internationale Prinzipien. Im Vorspann zu dieser Rede schrieb „Der Freitag“: Die US-Regierung dreht durch. Jüngstes Opfer: Jose Bustani, brasilianischer Diplomat und seit fünf Jahren Generaldirektor der Internationalen Chemiewaffenkontrollbehörde (OPCW – Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons). Während seiner Amtszeit wurden zwei Millionen Chemiewaffen zerstört und zwei Drittel aller Produktionsanlagen inspiziert. “Er hat mehr für den Weltfrieden getan als irgendjemand sonst”, schreibt der Londoner Guardian. Seit Beginn dieses Jahres passt Bustani nicht mehr ins US-Konzept, weil er an der Gleichbehandlung aller Mitgliedsländer der OPCW, inklusive der Vereinigten Staaten, festhält – vor allem jedoch, weil er sich für die Mitgliedschaft des Irak in der OPCW einsetzt. Damit aber wäre dem geplanten Krieg der Boden entzogen, und deshalb startete die US-Regierung eine beispiellose Kampagne gegen den Chef einer internationalen Behörde. Druck und Erpressung brachten schließlich am Montag dieser Woche den gewünschten Erfolg: Bustani wurde entlassen. Doch zuvor verteidigte er in einer ungewöhnlich offenen und engagierten Rede seine Haltung vor den Repräsentanten der Mitgliedsstaaten. Wir dokumentieren Auszüge.Quelle: Freitag
Anmerkung unseres Lesers H.T.: Die Geschichte ist schon 15 Jahre her, zeigt aber, wie die Dinge (nicht immer, aber doch sehr häufig) laufen. In der aktuellen Auseinandersetzung um den Artikel von Seymour Hersh und die Rolle der OPCW ist diese Rede aufschlussreich.  
[Hinweise des Tages, NachDenkSeiten, 05.07.2017, Punkt 14: Wer dem Irak-Krieg im Wege steht]
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Nachdem Bustani ab 1996 als Mitglied im Vorbereitungskomitee für die Gründung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen in Den Haag tätig war, leitete er vom 13. Mai 1997 bis zum 25. Juli 2002 die neu gegründete Organisation für das Verbot chemischer Waffen. Nach Darstellung von Milton Cordova Junior erwies sich Bustani als integrer Leiter dieser Organisation. Auf Betreiben des Kabinett George W. Bush bei der Suche nach einem Anlass für den Irakkrieg wurde er abgelöst.[1] Nach Aussage Bustanis flog John Bolton hierzu nach Den Haag, kam in sein Büro und sagte: "Cheney will dich loswerden. Du hast 24 Stunden, um die Organisation zu verlassen. Wenn Du nicht der Entscheidung Washingtons folgst, haben wir Möglichkeiten, Vergeltung zu üben... Wir wissen, wo deine Kinder wohnen." Seine zwei Söhne lebten damals in New York.[2]
[José Maurício Bustani, Leben, Wikipedia, 15.03.2019] 
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Zuvor hatte die Bush-Regierung noch die Absetzung Bustanis erreicht. Der ranghohe Diplomat John R. Bolton, Vertrauter des damaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, sei eines Tages in sein Büro gekommen und habe laut Bustani angekündigt, er habe 24 Stunden für einen Rücktritt. Sonst würde er die Konsequenzen zu spüren bekommen.
Die USA warfen dem Brasilianer Bustani "Kompetenzüberschreitung" vor. Bolton bestätigte der "New York Times" diese Einschätzung am Wochenende.
Auch der brasilianische Außenminister zu jener Zeit, Celso Lafer, äußerte sich in dem Artikel. Die USA "und besonders John Bolton und Donald Rumsfeld" hätten Bustani aus dem Amt drängen wollen. "Ich glaube, dass die Neocons freie Hand haben wollten, ohne multilaterale Beschränkungen."
Tatsächlich schmiedeten sie eine Allianz zur Absetzung des als störrisch und eigensinnig gebrandmarkten Direktors. Im April 2002 erzwang die Bush-Regierung den Rausschmiss des noch ein Jahr zuvor einstimmig in seinem Amt bestätigten Bustani.
Nach der entscheidenden Abstimmung in Den Haag, durch die er gefeuert wurde, protestierte Bustani gegen den "gefährlichen Präzedenzfall", bei dem erstmals auf Druck der USA der Chef einer multilateralen Institution während seiner laufenden Amtszeit davongejagt wurde.
 
[Nobelpreisträger OPCW: Wie Bush die Chemiewaffenjäger einschüchtern ließ, SPON, 14.10.2013]
Who is John Bolton? Trump's 3rd National Security Advisor | NowThis {10:22 – Start bei 4:09}

NowThis News
Am 11.04.2018 veröffentlicht 
John Bolton is known for anger issues, verbal abuse, hating the UN, and helping President Bush invade Iraq — now he's in charge of our national security – Narrated by Steven Boyer.


Zwar gelang es der Uno im Jahr 1997 die weltweit tätige Kontroll-"Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons" (OPCW) zu gründen, deren 200 Inspektoren bis 2012 die Vernichtung aller Chemiewaffen-Bestände überwachen sollen. Doch die im Vertrag vorgesehenen unangekündigten Verdachtskontrollen können ausgerechnet in den USA gar nicht stattfinden. Mehrfach verwehrten US-Behörden den OPCW-Experten den Zugang zu bestimmten Einrichtungen. Und der Kongress verabschiedete dazu ein Gesetz, das es dem Präsidenten erlaubt, die Inspektoren überhaupt abzuweisen, wenn deren Tätigkeit "die Sicherheit der Vereinigten Staaten" gefährde. Im April diesen Jahres erzwang die Bush-Regierung schließlich auch noch den Rausschmiss des noch ein Jahr zuvor einstimmig in seinem Amt bestätigten OPCW-Direktors José Bustani. Der 59-jährige brasilianische Diplomat hatte den Fehler begangen, ganz im Sinne seines Auftrages auch Saddam Hussein zur Unterzeichnung des Vertrages zu drängen und damit seinen Kontrolleuren auch im Irak Zutritt zu verschaffen.
Weil das dem Regime in Bagdad womöglich zusätzliche Legitimation verschafft hätte, stellten die Amerikaner kurzerhand ihre Beitragszahlungen ein und warfen Bustani "Kompetenzüberschreitung" vor. Anschließend schmiedeten sie eine Allianz zur Absetzung des als störrisch und eigensinnig gebrandmarkten Brasilianers, bei der neben den Europäern sogar die Delegierten des pazifischen Zwergstaates Kiribati als Stimmvieh eingespannt wurden. Bustani blieb nach der entscheidenden Abstimmung in Den Haag nur der Protest gegen den seiner Meinung nach "gefährlichen Präzedenzfall", bei dem erstmals auf Druck der USA der Chef einer multilateralen Institution während seiner laufenden Amtszeit davongejagt wurde.
[Massenvernichtungswaffen: Die Doppelmoral der Bush-Krieger, Harald Schumann, SPON, 26.09.2002]

siehe auch:
Für Iran zuständiger IAEA-Vizechef überraschend zurückgetreten (APA/Reuters, diepresse.com, 11.05.2018)
Tja, amerikanische 'Überredungskünste' können schon Wunder wirken.
Der Nachfolger wird sicher 'amifreundlich' untersuchen.
[Kommentar von Strahler80, 12.05.2018, 17:29h]

Wir erzählten bereits, dass in den letzten ungefähr 20 Jahren mehrere Mitarbeiter dieses Labors unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen waren. Wir erzählten über den geheimnisvollen Tod des sowjetischen Mikrobiologen, Ex-Direktors des Leningrader Instituts für besonders reine Biopräparate, W. Passetschnik, des Chemiewaffenexperten D. Kelly und auch dessen Nachfolgers in Porton Down, P. Norman, und auch des Forschers R. Holmes. Zum letzteren Tod entdeckten wir sehr interessante Fakten, und zwar in offenen Quellen (beispielsweise in einem BBC-Beitrag vom 9. Oktober 2013) - https://www.bbc.com/news/uk-england-wiltshire-24457389. Für solche Informationen interessiert sich inzwischen kaum noch jemand.  
[Pressebriefing der offiziellen Sprecherin des Außenministeriums Russlands, Maria Sacharowa, am 18. Juli 2018 in Moskau, mid.ru, 18.07.2018 – Abschnitt »Zur Entwicklung der Situation um die Vorfälle in Salisbury und Amesbury«]

Weltherrschaft um jeden Preis (Paul Craig Roberts, Rubikon, 14.04.2018)


2001 hatte der damalige Außenminister Colin Powell einen Brief an Bustani [Direktor der OPCW] gesandt, in dem er sich bei ihm für seine „sehr eindrucksvolle“ Arbeit bedankte. Im März 2002 jedoch kam Bolton — in seiner Eigenschaft als Staatssekretär für Rüstungskontrolle und Internationale Sicherheit — persönlich in den OPCW-Hauptsitz in Den Haag, um gegenüber dem Chef der Organisation eine Warnung auszusprechen. Und, laut Bustani, hat Bolton kein Blatt vor den Mund genommen. “Cheney will Sie”, sagte Bolton Bustani, sich auf den damaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten [Dick Cheney] beziehend. “Wir können Ihr Führungsstil nicht akzeptieren.”
Laut Bustanis Erinnerungen fuhr Bolton fort: “Sie haben 24 Stunden, um die Organisation zu verlassen, und wenn Sie diese Entscheidung von Washington nicht erfüllen, haben wir Mittel, uns an Ihnen zu rächen.”
Es gab eine Pause.
“Wir wissen, wo Ihre Kinder leben. Sie haben zwei Söhne in New York.”

In 2001, then-Secretary of State Colin Powell had penned a letter to Bustani, thanking him for his “very impressive” work. By March 2002, however, Bolton — then serving as under secretary of state for Arms Control and International Security Affairs — arrived in person at the OPCW headquarters in the Hague to issue a warning to the organization’s chief. And, according to Bustani, Bolton didn’t mince words. “Cheney wants you out,” Bustani recalled Bolton saying, referring to the then-vice president of the United States. “We can’t accept your management style.”

Bolton continued, according to Bustani’s recollections: “You have 24 hours to leave the organization, and if you don’t comply with this decision by Washington, we have ways to retaliate against you.”

There was a pause.

“We know where your kids live. You have two sons in New York.”
 
[“WE KNOW WHERE YOUR KIDS LIVE”: HOW JOHN BOLTON ONCE THREATENED AN INTERNATIONAL OFFICIAL, Mehdi Hasan, The Intercept, 29.03.2018]
Zu diesem Vorfall siehe auch:
- 'We know where your kids live': Trump's new national security adviser reportedly made an implicit threat against the family of a retired Brazilian diplomat in 2002 (Michael Kranz, Business Insider, 30.03.2018)
siehe auch:
Die Ankündigung von Wesley Clark: „Wir werden 7 Regierungen stürzen“ (07.04.2015)
Überraschung für die westlichen Kriegstreiber (Hans Springstein, Freitag-Community, 11.09.2013)
Spannender Wahlkampf (Wolfgang Kötter, der Freitag, 13.09.2009)
Chemical Weapons Convention Chief Removed at U.S. Initiative (Seth Brugger, ArmsControlAssociation, Mai 2002)
- Wer dem Irak-Krieg im Wege steht (Übersetzung aus dem Englischen von Hans Thie, der Freitag, 26.04.2002)

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El-Baradei kritisierte die Begründung für den Irakkrieg, in dieser Region würden Massenvernichtungswaffen gelagert, und wurde deshalb zum Ziel scharfer diplomatischer Angriffe von Seiten der US-Regierung unter George W. Bush. Diese versuchte über Monate hinweg, seine Wiederwahl als Generaldirektor der IAEO zu verhindern. Als weiteren Grund trugen die USA vor, dass el-Baradei sich nicht deutlich genug gegen das Atomprogramm des Iran ausgesprochen habe. Zwar kritisierte el-Baradei immer wieder Iran, sein Atomwaffenprogramm den Inspektionen nicht ausreichend zu öffnen, verweigerte sich aber dem Druck der USA, die Existenz eines geheimen iranischen Atomwaffenprogramms zu bestätigen. Er warnte vor einem militärischen Angriff und sprach sich für Verhandlungen mit Iran aus.[4] Erst nach einem Treffen zwischen el-Baradei und der US-Außenministerin Condoleezza Rice verstummten die kritischen Stimmen aus der US-Regierung.
Im Dezember 2004 wurde bekannt, dass el-Baradei von den USA systematisch abgehört wurde. Er zeigte sich empört, zumal er bislang zwar wusste, dass die USA gegen ihn arbeiteten, jedoch nicht, dass die Regierung Bush einen Eklat riskieren und ihn belauschen würde. Er vermutet, dass die US-Regierung den illegalen Lauschangriff benutzen wollte, um belastendes Material zu finden, mit dem es möglich gewesen wäre, ihn zu erpressen und aus dem Amt zu drängen. El-Baradei war ein Gegner der Pläne von US-Präsident George W. Bush, neue, kleine Atombomben entwickeln zu lassen und sah darin ein Verstoß gegen den Geist des Atomwaffensperrvertrages.[5]
Vor dem Hintergrund der ab 2005 auch in den USA zunehmenden Zweifel an der Richtigkeit der Intervention im Irak ebbte dieses diplomatische „Sperrfeuer“ allmählich wieder ab. Am 26. September 2005 wurde el-Baradei von der IAEO-Hauptversammlung in ihrem Sitz in Wien einstimmig für eine dritte vierjährige Amtszeit als Generaldirektor bestätigt. Seine Amtszeit endete planmäßig zum 30. November 2009; Nachfolger wurde der japanische Diplomat Yukiya Amano.
2011 kritisierte el-Baradei bezüglich des Konfliktes mit dem Iran, dass die USA und Europa wichtige Dokumente und Informationen zurückhielten. Sie seien nicht an einem Kompromiss mit der iranischen Regierung, sondern an einem Regimewechsel „mit allen erforderlichen Mitteln“ interessiert gewesen. Auch dem Iran warf er „Tricksereien“ vor.[6]
[Mohammed el-Baradei, Wirken in der IAEO, Wikipedia, abgerufen am 15.05.2019]
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mein Kommentar:
Was ist mit unseren Medien seit 2002 passiert?
Zensur kann’s ja nicht sein, wir leben ja in einer Demokratie.
Vielleicht findet sich die Antwort ja in den Zitaten oben😜