Freitag, 2. August 2019

Wie sich die Zeiten ändern – Bundeswehr sucht Tausende neue Soldaten

Seit 2016 gilt der Schrumpfkurs bei der Bundeswehr für beendet. Bislang war die Rede davon, dass die Bundeswehr bis 2024 von gut 180.000 Soldaten auf 198.000 Soldaten anwachsen soll. Nun justiert das Verteidigungsministerium noch einmal nach. 
Die deutschen Streitkräfte mit Heer, Marine und Luftwaffe sollen in den nächsten Jahren auf eine Truppenstärke von insgesamt 203.000 Soldaten anwachsen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe entsprechende Planungen gebilligt, teilte das Verteidigungsministerium mit.
mehr:
- "Rasante Entwicklungen" – Bundeswehr sucht Tausende neue Soldaten (n-tv, 25.11.2018)
siehe auch:
Verbot der Vorbereitung eines Angriffskrieges: § 80 StGB gestrichen (Post, 04.07.2017)
Anzeige gegen Bundesregierung wg. Beteiligung am Angriffskrieg in Syrien abgewiesen Angriff ist Verteidigung – Krieg ist Einsatz – Propaganda ist Wahrheit – Unrecht ist Recht (Post, 13.07.2016)
Kommentar: Die Neuausrichtung der Bundeswehr - Ein großes Rad (Holger Möhle, Bonner Generalanzeiger, 16.05.2013)
Bundeswehr: De Maizière auf Guttenbergs Spuren (Markus Horeld, ZON, 18.05.2011)
- Die Neuausrichtung der Bundeswehr zur Angriffsarmee (Post, 04.04.2009)

Geschichtlicher Rückblick
Zur Verdeutlichung der Änderung in der Akzeptanz militärischer Beteiligung der Bundeswehr in der deutschen Gesellschaft vier Ereignisse aus den letzten 70 Jahren (wie immer das Älteste zuletzt):
1. Der Rücktritt Horst Köhlers als Bundespräsident 2010
2. Der Kosovo-Krieg 1998/99
3. Der Widerstand der Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluß von 1979
4. Der Rücktritt Gustav Heinemanns von seinem Posten als Innenminister aus Protest gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik 1950




1. Der Rücktritt Horst Köhlers als Bundespräsident 2010

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Ende Mai 2010 äußerte Köhler während eines Interviews auf dem Rückflug nach einem Besuch von Bundeswehr-Truppen in Afghanistan auf die Frage eines Journalisten, ob das bestehende Afghanistan-Mandat ausreiche, weil Deutschland sich inzwischen in einem Krieg befände, oder wir ein klares Bekenntnis zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung brauchten, oder einen neuen politischen Diskurs:
„Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. […] Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten, mit anderen Nationen auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen, einer Resolution der Vereinten Nationen. […] Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg. […] Es wird wieder sozusagen Todesfälle geben. Nicht nur bei Soldaten, möglicherweise auch durch Unfall mal bei zivilen Aufbauhelfern. […] Man muss auch um diesen Preis sozusagen seine am Ende Interessen wahren. […]“– Horst Köhler: 22. Mai 2010 in einem Interview mit dem Deutschlandradio[45]
Diese Aussagen wurden von einigen Regierungs- und Oppositionspolitikern teils heftig kritisiert.[46] Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die GrünenJürgen Trittin, reagierte auf Köhlers Äußerung mit dem Vergleich zu historischer Kanonenbootpolitik. Mit der Rechtfertigung bewaffneter Außenhandelspolitik stünde Köhler nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes.[47] Ruprecht Polenz bezeichnete Köhlers Ausführungen als „missverständlich“ und „keine besonders glückliche Formulierung“. Andere sprachen von „präsidialem Fehltritt“,[48] von „extremen Positionen“,[49] die Äußerungen seien „brandgefährlich“, weder die Mandate noch die Verfassung deckten „Wirtschaftskriege“ ab. Die Äußerungen seien „mit der Verfassung nicht zu vereinbaren“, das „Grundgesetz erlaube keine Wirtschaftskriege“, die Äußerungen seien „verfassungsrechtlich schwerlich gedeckt“.[50][51] Gregor Gysi hingegen, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, begrüßte die Äußerungen, denn „wir [die Linken] sind ja diejenigen, die immer gesagt haben, dass es nicht um Schultüten geht, sondern dass wirklich wirtschaftliche Gründe hinter dem Afghanistankrieg stehen“.[52] Dagegen gab Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu bedenken, zwar begründe sich der Afghanistan-Einsatz selbst nicht auf wirtschaftlichen Interessen, es handele sich vielmehr um ein UN-Mandat, das dem Kampf gegen den Terrorismus und der Stabilisierung der Region dienen solle. Wirtschaftsinteressen und Sicherheitspolitik könnten aber „in Verbindung stehen“.[53]
Köhler ließ erklären, „diese Äußerungen […] beziehen sich auf die vom Deutschen Bundestag beschlossenen aktuellen Einsätze der Bundeswehr wie zum Beispiel die Operation Atalanta gegen Piraterie“, der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr erfolge auf Grundlage eines UN-Mandats.[54] Die verteidigungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der FDP, Elke Hoff, verwies auf die Übereinstimmung der Äußerungen Köhlers mit Formulierungen des 2006 von der Bundesregierung veröffentlichten Weißbuchs der Bundeswehr.[55][56] 2003 hatte bereits der Europäische Rat in seiner Europäischen Sicherheitsstrategie darauf verwiesen, dass die „Energieabhängigkeit Europas in besonderem Maße Anlass zur Besorgnis gebe“ und der Einsatz von Instrumenten „bis hin zum militärischen Einsatz als letztem Mittel“ der Konfliktprävention und der Krisenbewältigung notwendig sein könne.[57] 2008 hatte die CDU/CSU-Fraktion des Bundestags eine „Sicherheitsstrategie für Deutschland“ veröffentlicht, in der es heißt: „Die Herstellung von Energiesicherheit und Rohstoffversorgung kann auch den Einsatz militärischer Mittel notwendig machen, zum Beispiel zur Sicherung von anfälligen Seehandelswegen oder von Infrastruktur wie Häfen, Pipelines, Förderanlagen etc.“[58]
Die Erklärung seines Pressesprechers zu dem kritisierten Radiointerview und die Übereinstimmung seiner Äußerungen mit politischen Erklärungen dieser Gremien fanden in der Öffentlichkeit kaum Widerhall, die Kritik verstummte nicht.[Horst Köhler, Kontroverse um Auslandseinsätze, Wikipedia, abgerufen am 02.08.2019]
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2. Der Kosovo-Krieg 1998/99
siehe dazu auch:
Frieden muss gestiftet werden (Post, 24.11.2014)

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Der Kosovokrieg (auch als Kosovo-Konflikt bezeichnet, albanisch Lufta e Kosovësserbisch Косовски сукоб Kosovski sukob) war ein bewaffneter Konflikt in den Jugoslawienkriegen um die Kontrolle des Kosovo vom 28. Februar 1998 bis zum 10. Juni 1999. Der Einsatz der NATO dauerte vom 24. März 1999 als Tag des ersten Luftangriffs bis zum 9. Juni 1999, dem Tag der Einigung bei den Militärverhandlungen.
Anlass für den Angriff der NATO im Rahmen der Operation Allied Force war die Nichtunterzeichnung des Vertrags von Rambouillet durch den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević. Offizielles Hauptziel der NATO war, die Regierung Slobodan Miloševićs zum Rückzug der Armee aus dem Kosovo zu zwingen und so weitere serbische Menschenrechtsverletzungen, wie das zuvor verübte Massaker von Račak, zukünftig zu verhindern. Offizielles Ziel Jugoslawiens war der Schutz der serbischen Minderheit im Kosovo und die Abwehr der aus seiner Sicht erfolgten Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates.
Konfliktparteien waren die Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK), die jugoslawische Armeeund serbische Ordnungskräfte sowie ab 1999 die NATO-Streitkräfte unter Führung der Vereinigten Staaten (USA).
Das mehrheitlich von ethnisch albanischer Bevölkerung bewohnte Gebiet war eine Provinz Serbiens innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien, die zu dieser Zeit aus Serbien und Montenegro bestand.
[Kosovokrieg, Wikipedia, abgerufen am 02.08.2019]
Tito versuchte schwache Volks- oder Religionsgruppen gegenüber den großen Bevölkerungsgruppen zu stärken. Um im neuen Staat ein serbisches Übergewicht zu verhindern, wurden die „autonomen Provinzen“ Vojvodina und Kosovo von der Teilrepublik Serbien abgespalten. Bis 1948 gab es eine offene Grenze, die albanische Einwanderung in den Kosovo wurde gezielt gefördert, die Albaner wurden zu Ungunsten der Serben subventioniert.
Der die Parole „Brüderlichkeit und Einheit“ (bratstvo i jedinstvo) propagierende jugoslawische Staat konnte die Konflikte zwischen den Ethnien nie grundsätzlich lösen. Mit dem Ende des Wirtschaftsbooms Mitte der 1960er Jahre begannen alle Republiken zu klagen, gegenüber den anderen benachteiligt zu sein.[20] In den 1960er Jahren galt Adem Demaçi als führende Persönlichkeit der albanischen Widerstandsbewegung. Bis 1966 war der albanische Bevölkerungsanteil weitgehend von der nationalen Gleichberechtigung ausgenommen.[20] Durch eine schrittweise Dezentralisierungmittels Verfassungsänderungen von 1967 und 1974 versuchte die jugoslawische Führung unter Tito in der Folgezeit teilweise erfolgreich, die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Land mit einem Ausgleich der Nationalitäten zu verringern, doch führte die Machtverschiebung von der Zentrale zu den Republiken und Provinzen auch zu einer Stärkung derer Eigeninteressen und zu einem schwächeren Willen zur Zusammenarbeit.[21] 1967 wurde der Autonomiestatus der von „Kosovo und Metochien“ in „Kosovo“ umbenannten Provinz dem der sechs jugoslawischen Teilrepubliken nahezu gleichgestellt. Diese außergewöhnlich weitreichende Autonomie des Kosovo (wie auch der Vojvodina) wurde in der Verfassung von 1974 bestätigt und bedeutete weitgehende Selbstverwaltung.[20][22] Die beiden Autonomen Provinzen waren von nun an neben ihrer Zugehörigkeit zu Serbien gleichberechtigte föderale Körperschaften. Dass sie nicht auch de jure zu Republiken erhoben wurden, sollte eine noch weitergehende Verselbständigung und im Fall Kosovo eine Annäherung an Albanien verhindern. Schon im April 1968 forderte der führende kosovo-albanische Kommunist Mehmet Hoxha mit Verweis auf Montenegro den Republik-Status für den Kosovo.[20] Es kam 1968 in mehreren Städten zu Demonstrationen von Kosovo-Albanern, die den Republik-Status für den Kosovo forderten. Bei dem energischen Einsatz der Polizei zu ihrer gewaltsamen Beendigung starb ein Demonstrant.[20][22] In der Tendenz kam es zu einer Umkehrung der Verhältnisse und zu einer Diskriminierung im Kosovo gegen die Serben, die allerdings nicht das Ausmaß der früheren Diskriminierung gegen die Albaner erreichte.[20] In der slawischen Bevölkerung im Kosovo löste der Emanzipationsprozess der Albaner jedoch mehrheitlich Skepsis und Verunsicherung aus.[23] Als es 1971 mit dem sogenannten „Kroatischen Frühling“ zur schwersten Krise mit nationalistischem Hintergrund zu Lebzeiten Titos kam, in dem Forderungen bis hin zum kroatischen „Nationalstaat“ erhoben wurden, wurde in Serbien Unzufriedenheit darüber laut, dass die Serben in Kroatienkeine Autonomie genossen, obwohl sie dort einen höheren Bevölkerungsanteil als Albaner und Ungarn in Serbien bildeten.[20] Schon 1976 forderte die serbische Führung, wenngleich nicht öffentlich und ohne nationalistische Positionen zu vertreten, eine Verfassungsänderung zur Kompetenzerweiterung der Serbischen Republik gegenüber den Provinzen, wurde dafür jedoch in den anderen Republiken und besonders in den Provinzen scharf kritisiert.[21]
[Kosovokrieg, Vorgeschichte, Wikipedia, abgerufen am 02.08.2019]
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3. Der Widerstand der Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluß von 1979

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Der Doppelbeschluss der NATO vom 12. Dezember 1979 bestand aus zwei Teilen:
  1. Die NATO kündigte die Aufstellung neuer mit Atomsprengköpfen bestückter Raketen und Marschflugkörper – der Pershing II und BGM-109 Tomahawk – in Westeuropa an. Diese begründete sie als Modernisierung und Ausgleich einer Lücke in der atomaren Abschreckung, die die sowjetische Stationierung der SS-20 bewirkt habe.
  2. Sie verlangte bilaterale Verhandlungen der Supermächte über die Begrenzung ihrer atomaren Mittelstreckenraketen (Intermediate Nuclear Forces – INF – mit einer Reichweite zwischen 1000 und 5500 km) in Europa. Dabei blieben die französischen und ein Teil der britischen Atomraketen ausgeklammert.
Beide Teile, Raketenaufstellung und Rüstungskontrolle, sollten einander ergänzen und parallel vollzogen werden.
Nach dem Scheitern der Genfer Verhandlungen im November 1982 lehnten Bevölkerungsmehrheiten mehrerer NATO-Staaten die geplante Aufstellung ab. Eine Abgeordnetenmehrheit des Deutschen Bundestages stimmte ihr am 22. November 1983 jedoch zu. Ab Dezember 1983 wurden die neuen Atomraketen aufgestellt.
Seit 1985 bot die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow weitreichende atomare Abrüstung an. 1987 vereinbarten die USA und die Sowjetunion im INF-Vertrag Rückzug, Vernichtung und Produktionsverbot all ihrer atomar bestückbaren, landgestützten Flugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5500 km und ihrer Trägersysteme. Bis Mai 1991 erfüllten sie diesen Vertrag. 
[…] 
Die Grünen stellten im April 1981 Strafanzeige gegen die Bundesregierung wegen Vorbereitung eines Angriffskrieges. Der Bundesgerichtshof wies die Anzeige wegen fehlender individueller Schuldzurechnung zurück.[69]
Die Grünen beantragten am 16. Dezember 1983 eine einstweilige Verfügung gegen die Raketenaufstellung und reichten eine Verfassungsbeschwerde ein: Die Übertragung von Hoheitsrechten an den US-Präsidenten zum Einsatz dieser Waffen erfordere ein Bundesgesetz, keine bloße Abstimmung. Das Bundesverfassungsgericht lehnte den Eilantrag ab und wies die Beschwerde am 18. Dezember 1984 als unbegründet zurück: Ein Zustimmungsgesetz sei nur für völkerrechtliche Verträge notwendig. Seit dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik von 1955 besitze der US-Präsident die Hoheitsrechte zum Raketeneinsatz vom deutschen Boden aus. Eine Erhöhung der Kriegsgefahr durch einen sowjetischen Präventivschlag lasse sich aktuell nicht belegen; für diese Einschätzung sei die Bundesregierung zuständig. Die Grenze offensichtlicher Willkür sei nicht verletzt.[70] Dabei verzichtete das Gericht auf eigenes Nachforschen, da man kein Kriterium für eine andere Wertung angeben könne.[71] Das Bereithalten von Atomraketen zur Abschreckung eines entsprechend bewaffneten Gegners vom Einsatz seiner Kernwaffen gelte in der allgemeinen Rechtsüberzeugung nicht als völkerrechtswidrig. Sofern die Produktion, Lagerung, Stationierung und Bereithaltung zum Einsatz dieser Waffen nicht völkerrechtlich ausdrücklich verboten seien, seien sie erlaubt.[72] Völkerrechtler lehnen weithin den Ersteinsatz von Atomwaffen, vielfach auch jeden Einsatz zur Vergeltung vorangegangener atomarer Angriffe ab.[73]
1984 gab Sarah Tisdall, eine Angestellte im britischen Außenministerium, der Presse die Ankunft der ersten Cruise Missiles in Großbritannien bekannt. Sie wurde dafür wegen Verstoßes gegen die Geheimhaltungspflicht von Regierungsbeamten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.[74]
Während Großdemonstrationen nach dem Stationierungsbeginn ab Dezember 1983 aufhörten, wurden Sitzblockaden vor einigen Raketenstandorten bis 1987 fortgesetzt. Am 12. Januar 1987 nahmen auch 19 Richter in Mutlangen daran teil. Viele Teilnehmer beriefen sich auf ihre Gewissensfreiheit oder ein Widerstandsrecht, wurden aber oft wegen Nötigung verurteilt. Das Bundesverfassungsgericht urteilte 1986, absichtlich verkehrsbehindernde Sitzblockaden seien zwar eine Form von Gewalt, aber nicht von vornherein verwerflich, so dass Verbote und Festnahmen mit dem Grundrecht der Versammlungsfreiheit abgewogen werden müssten. 1995 hob es den bisherigen erweiterten Gewaltbegriff bei Sitzblockaden als verfassungswidrig auf.[75][76] Die Rechtswidrigkeit von Sitzdemonstrationen nach anderen Vorschriften blieb von dieser Entscheidung unberührt.[77]
[NATO-Doppelbeschluss, Gerichtsurteile, Wikipedia, abgerufen am 02.08.2019]
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4. Der Rücktritt Gustav Heinemanns von seinem Posten als Innenminister aus Protest gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik 1950

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Bei der Kabinettssitzung am 31. August 1950 teilte Adenauer seinem Kabinett mit, dass er Geheimverhandlungen über den Aufbau einer Bundespolizei und einen deutschen Wehrbeitrag in einer Europäischen Armee geführt und dem US-amerikanischen Hochkommissar John Jay McCloy in einem „Sicherheitsmemorandum“ auf eigene Initiative „einen Beitrag in Form eines deutschen Kontingents“ angeboten hatte.[11] Dies führte zu einem Eklat mit Heinemann, der wie die anderen Minister erst aus der Zeitung erfahren hatte, dass der Kanzler dabei auch zwei offizielle Memoranden übergeben hatte. Heinemann sagte, er sei „nicht in der Lage“, sich „in bedeutungsvollsten Fragen, bei denen [er] als Kabinettsmitglied und als in Polizeisachen zuständiger Ressortminister beteiligt [sei], vor vollendete Tatsachen stellen zu lassen“, und bot seinen Rücktritt an.[12]Adenauer antwortete mit scharfen Vorwürfen gegen Heinemanns Tätigkeit als Minister, „da weder auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes noch auf dem Gebiet der Polizei in den letzten Monaten etwas Nennenswertes geleistet worden“ sei, und verlas Auszüge aus einem der beiden Memoranden.[13] Heinemann erklärte daraufhin seinen Rücktritt, den Adenauer am 9. Oktober annahm.[14][15][16] Heinemann war der erste Bundesminister, der von seinem Amt zurücktrat.
In seinem Rücktrittsbrief führte er in Übereinstimmung mit damaligen Erklärungen der noch gesamtdeutschen EKD-Synode aus:[15]
„Was für Rußland und seine Satelliten auf der einen Seite und für die Westmächte auf der anderen Seite […] immerhin noch Chancen des Gewinnens oder doch des Überlebens in sich schließt, ist für uns in jedem Falle der Tod, weil Deutschland das Schlachtfeld ist. […] wir legitimieren unser Deutschland selbst als Schlachtfeld, wenn wir uns in die Aufrüstung einbeziehen. […] Es kommt darauf an, daß die Chance für eine friedliche Lösung nicht verlorengeht. Unsere Beteiligung an der Aufrüstung würde das Aufkommen einer solchen Chance kaum mehr offen lassen. […] Unser Staatsapparat ist […] noch so wenig eingespielt und gefestigt, daß die militärische Macht nahezu unvermeidlich wieder eine eigene politische Willensbildung entfalten wird. Wenn wir diese Gefahr dadurch für gebannt halten, daß die deutschen Kontingente in einer internationalen Armee stehen, so ist abzuwägen, ob die Abhängigkeit von einem internationalen Generalstab geringer oder erträglicher sein wird. […] Wir können noch nicht von einem gefestigten demokratischen Staatsbewußtsein sprechen. Es wird deshalb nicht abzuwenden sein, daß die antidemokratischen Neigungen gestärkt und die Remilitarisierung die Renazifizierung nach sich ziehen wird.“
Heinemann arbeitete nun wieder als Rechtsanwalt und gründete mit Diether Posser eine Sozietät in Essen. Dort setzte er sich besonders für Kriegsdienstverweigerer ein. 1952 trat er wegen der Pläne zur Wiederbewaffnung Deutschlands aus der CDU aus und gründete mit Helene Wessel, Margarete Schneider – der Witwe von Paul Schneider, dem ermordeten „Prediger von Buchenwald“ –, Erhard EpplerRobert Scholl, Diether Posser und anderen zunächst die „Notgemeinschaft für den Frieden Europas“, aus der dann die „Gesamtdeutsche Volkspartei“ GVP entstand. Dieser gehörte mit Johannes Rau ein weiterer späterer Bundespräsident an.
Sie vertrat einige Positionen des ersten Parteiprogramms der CDU, des Ahlener Programms, weiter und strebte einen Verzicht der Bundesrepublik auf eine Verteidigungsarmee und strikte Neutralität zwischen der NATO und dem Ostblock an, um die Chance zur Wiedervereinigung offen zu halten und die Tradition des deutschen Militarismus zu beenden. Heinemann bejahte stattdessen den Aufbau einer Bundespolizei von gleicher Stärke wie die damals aufgebaute Volkspolizei der DDR.
Am 13. März 1952 hielt Heinemann in West-Berlin eine Saalrede vor tausenden Zuhörern zu der ersten der Stalin-Noten vom 10. März 1952. Er forderte die Bereitschaft, das Angebot Stalins zu einem militärisch neutralen Gesamtdeutschland ernsthaft zu prüfen. Die CDU hatte die Berliner mit Plakaten zu Protesten aufgerufen, und der Saal war mit angeworbenen Störern gefüllt, die minutenlange Pfeifkonzerte und Tumulte inszenierten, um Heinemann am Reden zu hindern. Dieser ließ sich jedoch nicht beirren und reagierte auf Zwischenrufe („Von Moskau bezahlt!“) spontan mit dem Hinweis, dass man ja Eintritt bezahlt habe, um ihn zu hören. Man wolle sicher nicht, dass Ostberliner Zeitungen berichten könnten, dass man in Westberlin nicht mehr frei reden könne. Es gebe nicht nur östliche fünfte Kolonnen. Dies brachte die Störer zum Schweigen; Heinemann konnte seine Rede in Ruhe beenden.[17]
Die GVP erzielte bei der Bundestagswahl 1953 nur 1,2 Prozent der Stimmen. Dennoch hielt er mit der GVP in den folgenden vier Jahren die Debatte um das Verhältnis der Wiederbewaffnung zur Wiedervereinigung Deutschlands aufrecht.
[Gustav Heinemann, Gegner der Wiederbewaffnung (1950–1953), Wikipedia, abgerufen am 02.08.2019] 
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aktualisiert am 02.08.2019


Donnerstag, 1. August 2019

Journalistische Verstrickungen

Wir Menschen sind im wahrsten Sinne des Wortes zuallererst fühlende Wesen. Gefühle steuern in großer Dominanz unser Leben. Auf ihnen bauen auch Journalisten ihre rationale, reflektierende Welt auf – jeder für sich selbst in einzigartiger Weise. Sind Journalisten sich dessen bewusst, wenn sie “unabhängig berichten”?

Vorab: Dieser Artikel betrifft keineswegs nur “echte” Journalisten. Denn im weitesten Sinne sind wir doch alle Journalisten. Immer dann, wenn wir selbst von Ereignissen berichten, erzählen wir unsere ureigene Geschichte von dem, was wir erfuhren.
Was ist Journalismus?
Wir könnten uns dazu fein granuliert an einer Definition von Journalismus abarbeiten. Was ich an dieser Stelle nicht für sehr zielführend halte. Versuchen wir einen großen Blick.
Die Macher der Webseite Online-Redakteur verstehen den “Traumberuf” des Journalisten als “wichtige gesellschaftliche Aufgabe” – wohl wahr (1)!
Ihre kurze und knackige Definition gefiel mir:
Du [als Journalist] informierst die Öffentlichkeit über Themen, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Du recherchierst und erstellst Beiträge für Print-, Rundfunk- und Onlinemedien.” (2)
Das war es dann auch schon, das Ganze klingt doch mehr als schlüssig – oder doch nicht?
mehr:
- Journalistische Verstrickungen (Peter Frey, Peds Ansichten, 01.08.2019)
siehe auch:




Feuerwehrkommandanten von New York fordern eine neue Untersuchung der Ereignisse des 11. September 2001

Die Feuerwehrkommandanten von New York haben eine neue Untersuchung der Ereignisse des 11. September 2001 gefordert und behaupten, dass "überwältigende Beweise" vorliegen für "vorab gepflanzte Sprengstoffe ... welche die Zerstörung der drei Gebäude des World Trade Center verursacht haben". Das ist eine sensationelle Entwicklung in der Suche nach der Wahrheit was 9/11 betrifft.

Der Franklin Square und Munson Fire District ausserhalb von Queens, New York, lehnen die offizielle Erklärung der US-Regierung ab, nur die Flugzeuge und der anschliessende Brand des Büroinventars hätte die Wolkenkratzer zu Fall gebracht, indem sie die erste gesetzgebende Körperschaft des Landes wurden, die eine neue Untersuchung der Ereignisse des 11. September unterstützt.

Der Beschluss, der auf einer Sitzung am 24. Juli 2019 vorgelesen und verabschiedet wurde und die Untersuchung fordert, wurde von Kommissar Christopher Gioia verfasst und von den fünf Kommissaren einstimmig angenommen


mehr:
- New Yorks Feuerwehr fordert neue 9/11-Untersuchung (Freeman, AllesSchallundRauch, 01.08.2019)

July 24, 2019 Franklin Square/Munson Fire District Meeting {23:58}

Just the Facts Media
Am 25.07.2019 veröffentlicht 
July 24, 2019 Franklin Square/Munson Fire District Meeting 

siehe auch:
New York Area Fire Commissioners said to have overwhelming evidence of explosives used on 9/11 (PuppetStringNews, 27.07.2019 – Google-Übersetzer)
- New York Area Fire Commissioners Make History, Call for New 9/11 Investigation (Ted Walter, Architects&Engineers for 9/11 Truth, 27.07.2019 – Google-Übersetzer)
The Franklin Square and Munson Fire District 9/11 Resolution (Lawyers’ Committee For 9/11 Inquiry, 27.07.2019 – Google-Übersetzer)
- Heute vor 15 Jahren – 22. Juli 2004: Die 9/11-Kommission stellt ihren Untersuchungsbericht vor (Post, 22.07.2019)
9/11: Neue kurze Videozusammenfassung von Wayne Costes Forschung (Post, 13.02.2019)
9/11: Es stinkt gewaltig! (Post, 28.11.2018)
9/11: Hochrangige Offiziere, Reuters und ein Dialysepatient (Post, 11.09.2018)
10 unwiderlegbare, verstörende Tatsachen zu den 9/11-Anschlägen (Post, 10.09.2018)
Dirk Pohlmann zu den Hintergründen und Folgen von 9/11 (Post, 29.06.2018)
Der 9/11-Fake (Jens Bernert, Rubikon, 16.01.2018)
»Ein 6-Tonnen-Stahltriebwerk macht ein Loch« – 9/11 und die Flugzeuge (Post, 06.10.2017)
9/11 – Probebohrung am Ground Zero (Post, 21.03.2017)
Tagesdosis 27.9.2018 – Leugnung und der 11. September (Post, 21.03.2017)
Die Handy-Anrufe des 11.9. (Post, 02.08.2013)
9/11 - Die Mutter aller Zufälle (Eric Margolis, antikrieg.com, 11.09.2011 – gefunden bei lebenshaus-alb.de)

Leonard Cohen - Democracy (Live in London) {7:08}

LeonardCohen
Am 29.03.2019 veröffentlicht 
Leonard Cohen - Democracy (Live In London) (Official Video)
Listen on Spotify: http://smarturl.it/lc_spotify
Lyrics:
It's coming through a hole in the air
From those nights in Tiananmen Square
It's coming from the feel
That it ain't exactly real
Or it's real, but it ain't exactly there
From the wars against disorder
From the sirens night and day
From the fires of the homeless
From the ashes of the gay
Democracy is coming to the U.S.A

It's coming through a crack in the wall
On a visionary flood of alcohol
From the staggering account
Of the Sermon on the Mount
Which I don't pretend to understand at all
It's coming from the silence
On the dock of the bay
From the brave, the bold, the battered
Heart of Chevrolet
Democracy is coming to the U.S.A

It's coming from the sorrow in the street
The holy places where the races meet
From the homicidal bitchin'
That goes down in every kitchen
To determine who will serve and who will eat
From the wells of disappointment
Where the women kneel to pray
For the grace of God in the desert here
And the desert far away
Democracy is coming to the U.S.A

Sail on, sail on
O mighty Ship of State!
To the Shores of Need
Past the Reefs of Greed
Through the Squalls of Hate
Sail on, sail on, sail on...

It's coming to America first
The cradle of the best and of the worst
It's here they got the range
And the machinery for change
And it's here they got the spiritual thirst
It's here the family's broken
And it's here the lonely say
That the heart has got to open
In a fundamental way
Democracy is coming to the U.S.A

It's coming from the women and the men
O baby, we'll be making love again
We'll be going down so deep
That the river's going to weep
And the mountain's going to shout Amen
It's coming like the tidal flood
Beneath the lunar sway
Imperial, mysterious
In amorous array
Democracy is coming to the U.S.A

Sail on, sail on...

I'm sentimental, if you know what I mean
I love the country but I can't stand the scene
And I'm neither left or right
I'm just staying home tonight
Getting lost in that hopeless little screen
But I'm stubborn as those garbage bags
That Time cannot decay
I'm junk but I'm still holding up
This little wild bouquet
Democracy is coming to the U.S.A
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Mittwoch, 31. Juli 2019

Leben wir in einer neuen Spätzeit?

Dekadenz oder Transformation: Flüchtlinge, Autokraten und innere Schwäche - der Untergang Roms und unsere Gegenwart
"Spätrömische Dekadenz" - es war eines jener wenigen Schlagworte, mit denen ein Politiker sich im kollektiven Gedächtnis verewigt. So wie "Mehr Demokratie wagen" (Willy Brandt) und "Wir schaffen das" (Angela Merkel). In diesem Fall war es Guido Westerwelle (1961-2016). Seinerzeit gerade zum Bundesaußenminister gewählt, sprach der FDP-Politiker vor knapp zehn Jahren über Hartz-IV-Empfänger und deren angeblichen Liegekomfort in der "sozialen Hängematte".
Die Bemerkung lenkte in ihrer schrillen Übertreibung sofort von dem ab, worüber es sich vielleicht zu diskutieren lohnte, und leitete nicht den Untergang der Bundesrepublik, sondern den Westerwelles und seiner Partei ein, die 2013 aus dem Bundestag flog. In Westerwelles Kosmos hatte der Vergleich Methode. Denn bereits 2005 hatte er in der "Welt" die krude These gewagt: "Eine der Ursachen für den Untergang des Römischen Reiches war die Tatsache, dass Rom seinen Bürgern das anstrengungslose Einkommen versprochen hat."
mehr:
- Leben wir in einer neuen Spätzeit? (Rüdiger Suchsland, Telepolis, 31.07.2019)
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Die „Einsäulengewaltenteilung“
oder
warum Deutschland keine Demokratie, sondern eine Parteienoligarchie ist.

Seit der Aufklärung wissen wir, dass ein moderner Staat mindestens von drei Säulen der Macht kontrolliert werden muss, von denen jede Säule unabhängig von den anderen ist. Dadurch soll eine gegenseitige Kontrolle ermöglicht werden, damit nicht eine Macht die absolute Kontrolle des Staates in die Hände bekommt. Besonders in Deutschland, nach dem Durchmarsch der Nazis durch die Institutionen der Weimarer Republik, wurde auf Gewaltenteilung bei der Erstellung des Grundgesetzes besondere Rücksicht genommen. Leider blieb davon aber lediglich die föderale Struktur und die Aufteilung Deutschlands in Bundesländer übrig. Tatsächlich gibt es in Deutschland weder drei, noch mit den Medien vier Säulen der Macht, sondern nur eine einzige. Und diese Säule ist der Parteienkonsens mit dem der Wille des Wählers für unwesentlich, und das „Primat der Politik“ zum eigentlichen Souverän wurde. Schauen wir uns die theoretischen Säulen der Macht näher an.
mehr:
- STANDPUNKTE • Die „Einsäulengewaltenteilung“ oder warum Deutschland keine Demokratie, sondern eine Parteienoligarchie ist. (Standpunkt von Jochen Mitschka, KenFM, 31.07.2019)
siehe auch:
„Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert“ (Post, 31.05.2017)


Dienstag, 30. Juli 2019

… und nochmal (Firth of Fifth – Intro), weil ich mich nicht dran satthören kann…

Genesis Old Medley (The Way We Walk) Live {19:38 – Start bei 7:56}

WalkerCorps
Am 20.03.2011 veröffentlicht 
Genesis - Old Medley : Dance On A Volcano/The Lamb Lies Down On Broadway/The Musical Box/Firth Of Fifth/I Know What I Like/That's All/Illegal Alien/Follow You, Follow Me
For more Genesis check Genesis Playlist in my Channel.

BER: Wird der Flughafen möglicherweise gar nicht eröffnet?

Der Flughafen Berlin-Brandenburg BER ist Deutschlands peinlichste Baustelle. heute+ live | ZDF {19:51}

ZDF
Live übertragen am 30.07.2019 
Endlich Richtfest, dabei sollte der Flughafen Berlin-Brandenburg schon vor Jahren in Betrieb gehen. Wir sprechen mit einem Flughafenplaner der sagt, der BER ist ein Milliardengrab, das niemals eröffnet wird. Und schauen im Ausland, wo Großbaustellen pünktlich fertig gestellt wurden.
Ein News-Thema - jeden Dienstag & Donnerstag, 20:30 Uhr: Das ist der Livestream der heute+! Zum Mitdiskutieren – auch in der heute-App und bei heute.de. Einmal anmelden und los geht’s. Kurz nach dem Livestream ist heute+ hier auch als Video und Download verfügbar.

Kontraste: Exklusivrecherche - Neue Baumängel am Flughafen BER {11:54}

ARD
Am 11.05.2019 veröffentlicht 
Sieben Jahre nach der geplatzten Eröffnung des Berliner Flughafens BER bedrohen schwere Sicherheitsmängel die für 2020 geplante Inbetriebnahme. Im gesamten Gebäude des Fluggastterminals wurden demnach auch Kabeltrassen mit Dübeln verbaut, die keine erforderliche Brandschutzzulassung haben und demnach ausgetauscht werden müssen.
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siehe auch:

Die Militarisierung des Weltraums: Zwei Zungen

Die französische Verteidigungsministerin Parly will mit dem neuen Weltraumkommando auch zur "aktiven Verteidigung" Nanosatelliten zum Patrouillieren und Laserwaffen zum Blenden gegnerischer Satelliten
Frankreich will nicht zurückstehen, wenn es um die Militarisierung des Weltraums geht. Nachdem Donald Trump mit der Einrichtung eines Weltraumkommandos das Final gesetzt hat, braucht sich jetzt kein anderes Land mehr zurückhalten, Weltraumprogramme zu betrieben, die darauf abzielen, im Wettrüsten mitzuhalten und nicht ausgespielt zu werden. Dabei sind neben den Großmächten USA, China und Russland auch Israel, Indien und der Iran. Die Nato findet die Aufrüstung im Weltall auch wichtig. Jetzt hat sich auch Frankreich angeschlossen, die stärkste Militärmacht der EU, wenn Großbritannien mit dem Brexit ausschert.
Am 14. Juli verkündete Staatspräsident Macron bereits, dass Frankreich mit den USA mitziehen und ein Weltraumkommando bis September einrichten will (Iron Sky und die Militarisierung des Weltalls. Das blieb ziemlich nebulös, bis sich die französische Verteidigungsministerin Florence Parly meldete und ankündigte, dass Frankreich auch seine Satelliten mit Weltraumwaffen schützen werde. "Unsere Alliierten und Gegner militarisieren den Weltraum … Wir müssen handeln." Handeln heißt, im Wettrüsten mitziehen, aber Parly meint wenig überzeugend, das habe mit offensiven Kapazitäten nichts zu tun.
Parly spricht davon, dass in den 1960er Jahren der Weltraum eine neue "Frontier" gewesen sei, heute sei sie die letzte. Das ist eine verwegene Behauptung, weil der Weltraum auch vom Digitalen abhängt, weswegen die ultimative Grenze eigentlich der Cyberspace wäre. Man kann vermuten, dass dies den Militärstrategen zu wenig konkret und anschaulich ist, weswegen der Weltraum mit physischen Objekten wie Satelliten in den Vordergrund gestellt wird.
Wer die Rede von Parly geschrieben hat, wird vorerst nicht bekannt werden und ist auch egal. Dass sie diese Art der Propaganda betreibt, ist schon erhellend. Die militärtechnische Innovation wird gefeiert, als ob es keine anderen Möglichkeiten gäbe, Kriege zu verhindern:
Der Mensch hat Flugzeuge gebaut, wir haben die Luftwaffe kreiert. Der Mensch hat den Cyberspace geschaffen, wir haben ein den Cyberbedrohungen gewidmetes Kommando kreiert. Der Mensch träumt von Künstlicher Intelligenz, wir haben unseren Armeen eine KI-Strategie gegeben. Heute militarisieren unsere Alliierten und unsere Gegner den Weltraum. Und da die Zeit der Resilienz immer kürzer wird, müssen wir handeln. Wir sind bereit. Denn morgen, ist bereits gestern.
mehr:
- "Unsere Alliierten und Gegner militarisieren den Weltraum … Wir müssen handeln" (Florian Rötzer, Telepolis, 30.07.2019)
siehe auch:
Homo sapiens: erst müllen, dann denken… (Post, 26.07.2019)
Weltraumvertrag (Wikipedia)
- Zur Vereinbarkeit einer US-Weltraumarmee mit dem Weltraumrecht (Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, 2018 – PDF)

Montag, 29. Juli 2019

Medienkrieg um die Köpfe

Britische Medienbehörde verurteilt den russischen Sender RT zu hoher Geldstrafe wegen Einseitigkeit, Russland will den Atlantic Council zur unerwünschten Organisation erklären
Es ist ein absurder Kalter Krieg, gegen Auslandsmedien mit dem Vorwurf mangelnder Objektivität mit Strafen vorzugehen, und das just in einem Land, das bekannt ist wegen seiner Yellow Press und in dem sich (noch) eine Regierung an die Macht klammert, deren neuer Ministerpräsident maßgeblich für die nicht besonders mit Fakten argumentierende Brexit-Bewegung mitverantwortlich war. 200.000 Pfund (225.000 Euro) Geldstrafe soll der russische staatliche Sender RT zahlen, nachdem die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom "schwerwiegende Verstöße" gegen das Gebot der Überparteilichkeit feststellte. In sieben Fällen habe RT auf verschiedenen Programmen während sechs Wochen vom 17. März bis 4. Mai 2018 einseitig berichtet.
Die angeblichen Verstöße gegen eine objektive Berichterstattung wurden schon im Dezember 2018 angemahnt. RT legte dagegen Klage ein, während die russische Medienaufsichtsbehörde eingeschaltet wurde, um im Tit-for-Tat-Spiel gegen die mit Steuermitteln finanzierte BBC zu ermitteln. Ofcom kam nun dem Gerichtsurteil zuvor und verhängte die Geldstrafe.
mehr:
- Medienkrieg um die Köpfe (Florian Rötzer, Telepolis, 29.07.2019)
siehe auch:
Die Falschmünzer  (Post, 25.07.2019)
Die guten alten deutschen Werte, der Deutsche Journalistenverband und die Propaganda-Lizenz für RT Deutsch (Post, 15.01.2019)
Britische Medienaufsicht droht RT Sanktionen wegen einseitiger Berichterstattung an (Post, 25.12.2018)
Medien: An den Wirkkräften vorbeiberichten oder Das Narrativ knirscht erheblich! (Post, 06.06.2018)
Endlich: Die Gniffke-Truppe wird von Bräutigam und Klinkhammer ordentlich abgewatscht (Post, 19.05.2018)
Postfaktisches Zeitalter: Wir trampeln auf unseren »Westlichen Werten« herum, bis der Begriff keinen substantiellen Inhalt mehr hat (Post, 02.04.2018)
Der Fall Skripal: Lügen ohne Ende (Post, 18.01.2018)
Fake News? Machen nur die Anderen! (Post, 25.08.2017)
Propaganda machen immer nur die anderen (Post, 12.09.2015)
- Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)

Mein Kommentar:
Die Briten sind genau die Richtigen, RT zu verknacken:
- Britische Seltsamkeiten im postfaktischen Zeitalter: Die Skripals und ihr Dach (Post, 09.01.2019)

Reinhard Mey: Sei wachsam (live) . Album : "Leuchtfeuer" (1996) {5:43}

Videolog2010
Am 07.04.2013 veröffentlicht 
Besser kann man einen Aufruf kaum formulieren. 1996 enstanden und immer noch aktuell.

le deserteur Renaud {3.41} Text und Übersetzung

RAIMONDO ERIC
Am 11.06.2013 veröffentlicht 
Hommage humoristique en photos

Die Bundeszentrale für politische Bildung im Dienst einseitiger Propaganda

Gestern, am 28. Juli, erschien in meiner Sonntagszeitung „Rheinpfalz am Sonntag“ der abgebildete Artikel zum Krieg in Syrien. Das ist ein wahrliches Propagandastück, bestückt mit Verbalinjurien der herkömmlichen Art über den syrischen Präsidenten, mit freundlichem Hinweis auf die Weißhelme und vor allem nach der Manipulationsmethode, die Geschichte verkürzt zu erzählen, im konkreten Fall alles wegzulassen, was die USA, die Golfstaaten, Frankreich und Großbritannien und im Hintergrund auch Deutschland im syrischen Krieg angestellt haben und wie sie von Beginn an die Auseinandersetzungen mit Waffengewalt angeheizt haben. – Ich wunderte mich und recherchierte nach den Werken der Autorin Franziska Grillmeier. Als erstes entdeckte ich, dass sie nahezu den gleichen Text schon einmal am 4. Juli verkauft hatte, an „Fluter“. Als zweites ist anzumerken, dass Fluter das Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung ist.
mehr:
- Die Bundeszentrale für politische Bildung im Dienst einseitiger Propaganda (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 29.07.2019)
siehe auch:
Propaganda machen immer nur die anderen (Post, 12.09.2015)
Medien: intellektuelle Korrumpierbarkeit in Konfliktzeiten (Post, 31.12.2002)



Und den bislang gültigen Gebrauch
der Namen für die Dinge
vertauschten sie nach ihrer Willkür:
unbedachtes Losstürmen galt nun
als Tapferkeit und gute Kameradschaft,
aber vordenkendes Zögern
als aufgeschmückte Feigheit,
Sittlichkeit
als Deckmantel einer ängstlichen Natur,
Klugsein bei jedem Ding
als Schlaffheit zu jeder Tat […]
Wer schalt und eiferte,
galt immer für glaubwürdig,
wer ihm widersprach, für verdächtig.

 [Thukydides, 454 v. Chr. - ca. 398 v. Chr., Geschichte des Pelloponesischen Krieges]

Sonntag, 28. Juli 2019

Ein Frugalist spart sich reich

Die Menschen jagen dem Geld hinterher, um zu leben, mitzuhalten, sich selbst zu verwirklichen. Oliver Noelting hat das Hamsterrad verlassen. Der 30-jährige Software-Entwickler lebt als "Frugalist". Das kommt vom englischen "frugal" und bedeutet so viel wie genügsam, sparsam oder schlicht. Das Ziel dabei: Sich reich sparen, um mit 40 in Rente zu gehen. Doch eigentlich geht es um etwas ganz anderes, wie Noelting im Interview erzählt.
n-tv.de: Sie sparen 60 bis 70 Prozent Ihres Einkommens. Ist das nicht nur Verzicht, Verzicht, Verzicht?
Oliver Noelting: Ich habe null das Gefühl, auf irgendetwas zu verzichten. Im Gegenteil, meine Idee ist, etwas aus meinem Leben zu machen, ein möglichst erfülltes Leben zu leben und nicht ständig das Gefühl zu haben, sich etwas zu verkneifen.
Wie kriegen Sie das hin?
Der Blogger "Finanzwesir" hat einmal geschrieben, es sei einfacher, 50 Prozent zu sparen als 10 Prozent. Wenn man 10 Prozent spart, nimmt man eher den Gebraucht- als den Neuwagen, man geht nur einmal statt zweimal die Woche ins Restaurant. Man schränkt sich eben etwas ein. Wer aber 50 Prozent spart, der hat eine Lebensstilentscheidung getroffen. Der sagt: "Ich mache mein Lebensglück nicht davon abhängig, wie viel Geld ich ausgebe." Ich gebe dadurch automatisch weniger aus, ohne dass ich das Gefühl habe, mir irgendetwas verkneifen zu müssen. Bei mir ist das auch so.
Aber gerade wenn man wenig Geld hat, kann man sich vieles eben nicht leisten. Wie kann weniger Geld die Lösung des Problems sein?
Ich würde nicht sagen, dass es mit wenig Geld besser ist als mit viel Geld. Aber man kann mit wenig Geld ein glückliches oder ein unglückliches Leben führen und man kann auch mit viel Geld ein glückliches oder ein unglückliches Leben führen. Das Lebensglück hängt gar nicht so sehr von den Ausgaben ab. Und wenn ich die Wahl habe, gebe ich doch lieber weniger Geld aus. Dann muss ich auch weniger für Geld arbeiten gehen und kann mehr für meine Freizeit einsetzen. Es geht darum, zu identifizieren, was die Sachen sind, die mich glücklich machen, die ich mehr machen möchte und was Dinge sind, die man mit wenig Geld herstellen kann, die ich nicht kaufen muss.
mehr:
- Frugalist spart sich reich: "Die Rente mit 40 ist nur ein Nebeneffekt" (n-tv, 28.07.2019)


KenFM im Gespräch mit: Robert Fitzthum (“China verstehen: Vom Aufstieg zur Wirtschaftsmacht und ...)

KenFM im Gespräch mit: Robert Fitzthum (“China verstehen: Vom Aufstieg zur Wirtschaftsmacht und ...) {1:51:10}

KenFM
Am 28.07.2019 veröffentlicht 
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China, 22.117 km Außengrenze, Atommacht und ein Staat mit ungefähr 1,4 Milliarden Menschen. Ein Land, so groß, vielseitig, progressiv und gegensätzlich, dass man es unmöglich in einem Menschenleben erfassen kann – geschweige denn in einem einzigen Interview. Versuchen kann man es trotzdem. Vor allem, wenn man einen Gesprächspartner vor sich hat, der seit Jahren in China lebt und Vollkontakt zur Bevölkerung hat.
Robert Fitzthum studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und ist Beobachter der innen- und außenpolitischen Entwicklungen Chinas.
Im Gespräch mit KenFM beschreibt er nicht nur Chinas Status als Weltmacht, sondern auch seine wirtschaftlichen Interessen in anderen Ländern. Ein Kernthema hierbei ist die neue Seidenstraße, die von westlichen Industrien und Politikern weitestgehend ignoriert wird. Diese riesige, wirtschaftliche Verbindung birgt ein enormes Potenzial, um die Weltwirtschaft grundlegend zu verändern. „Made in China“ ist nicht mehr nur ein Symbol für billig gemachtes Handwerk – längst hat der technologische Fortschritt viele westliche Länder um Längen überholt.
Schon allein die nackten Zahlen beeindrucken: Wenn auf dem europäischen Markt mit „peanuts“ gehandelt werden würde, müsste man die Güter, die über die neue Seidenstraße kommen werden, wohl allein aufgrund der Menge als riesige Erdnussplantagen bezeichnen.
Die EU jedoch beteiligt sich an diesem Großprojekt nicht und möchte das sogar anderen Nicht-EU-Mitgliedern untersagen. Das ist Kapitalismus „at its best“: Denn gut ist nach EU-Denke nur, wenn sich der eigene Säckel füllt und niemals der der anderen. Dass diese Rechnung in einer globalisierten, multipolaren Welt nicht aufgeht und sogar der eigenen Bevölkerung schadet, sollte eigentlich jedem klar sein. Dennoch wird weiter am Prinzip der Konkurrenz festgehalten, statt sich zu vernetzen und zu organisieren.
Was hätten wir wohl für eine Welt, in der alle Länder zusammenarbeiten würden, jedes sein eigenes Potenzial zu 100 % ausschöpfen und technologischer Fortschritt mittels Teamwork und Austausch befruchtend wirken würde? Vielleicht eine Welt ohne Mangel, Hunger und Gewalt? Träumen wir uns 111 Minuten ins Reich der Mitte und versuchen wir auch China zu verstehen.
Inhaltsübersicht:
0:04:06 Ein Buch über China
0:12:45 Soziale, wirtschaftliche und innenpolitische Stimmung in China
0:21:31 Alltagssituationen
0:29:32 Die neue und die alte Seidenstraße
0:38:40 Glück, Konfuzius und Alibaba
0:53:37 Geschäfte auf dem afrikanischen Kontinent
1:04:39 Inselstreit und Seerecht
1:14:07 China in seiner Entwicklung stören
1:39:00 China verstehen, Zusammenarbeit stärken
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