Dienstag, 19. Februar 2019

Alle reden von Framing – ich jetzt auch!

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Framing (englisch frame: „Rahmen“) ist der Prozess einer Einbettung von Ereignissen und Themen in Deutungsraster. Komplexe Informationen werden dadurch selektiert und strukturiert aufbereitet, sodass eine bestimmte Problemdefinition, Ursachenzuschreibung, moralische Bewertung und/oder Handlungsempfehlung in der jeweiligen Thematik betont wird.[1][2][3] In der Publizistik herrscht ein heterogenes Begriffsverständnis.[4] Während die einen Frames in Anlehnung an das Schema-Konzept als kognitive Strukturen, Interpretations- und Deutungsmuster zur Informationsverarbeitung verstehen,[5] sprechen andere von Tiefenstrukturen, die Medientexten zu Grunde liegen.[6][7] Eine verbreitete Definition stammt von Robert Entman:
“To frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communicating text, in such a way as to promote a particular problem definition, causal interpretation, moral evaluation, and / or treatment recommendation for the item described.”
„Framing bedeutet, einige Aspekte einer wahrgenommenen Realität auszuwählen und sie in einem Text so hervorzuheben, dass eine bestimmte Problemdefinition, kausale Interpretation, moralische Bewertung und / oder Handlungsempfehlung für den beschriebenen Gegenstand gefördert wird.“
– Robert Entman: Framing: Towards a Clarification of a Fractured Paradigm, 1993.[8]
[Framing (Sozialwissenschaften), Wikipedia, abgerufen am 14.05.2019]
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Gut, dann reden wir über Framing und die ARD und den Versuch, durch den kontinuierlichen Gebrauch von irreführenden Wörtern die Diskussion zu manipulieren und einseitig zu beeinflussen. Reden wir also, zum Beispiel, über die Buchstaben GEZ.

Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Medien wie die „Bild“-Zeitung können nicht aufhören, von der GEZ zu reden. Sie sind unbeirrt davon, dass es diese Behörde seit über sechs Jahren nicht mehr gibt und dass Begriffe wie „GEZ-Gebühren“ („Gebühreneinzugszentralengebühren“?) immer schon Unsinn waren. Sie skandalisieren trotzdem jede Entscheidung, die irgendwie mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seiner Finanzierung zu tun hat, dadurch, dass sie „GEZ“ groß in der Überschrift unterbringen.

Es ist nicht spitzfindig, darauf hinzuweisen, dass die entsprechende Einrichtung inzwischen „Beitragsservice“ heißt, denn dahinter verbirgt sich nicht nur die Umlackierung einer ungeliebten Behörde. Durch die Umstellung der Rundfunkfinanzierung ist eine wesentliche Ursache dafür entfallen, dass die GEZ so verhasst war: das Ausschnüffeln von Wohnungen, um herauszufinden, ob jemand ein Empfangsgerät hat.

Wer im Zusammenhang mit ARD und ZDF immer wieder den etablierten, aber überholten Begriff GEZ benutzt, ist nicht nur denkfaul oder bedient die Denkfaulheit seiner Leser. Er verbindet ARD und ZDF auch immer wieder mit den negativen Emotionen und Assoziationen, die diese Buchstaben auch aus Gründen auslösen, die längst hinfällig geworden sind. Aber weil der Begriff „GEZ“ schon in den Köpfen der Menschen steckt, muss derjenige, der ihn benutzt, sich nicht den Vorwurf einer „Gehirnwäsche“ machen lassen. Im Gegenteil: Er sorgt ja nur dafür, dass der Schmutz bleibt und nie wieder weggeht.

mehr:
- Framing-Gutachten für die ARD: Eine absurde Debatte um ein misslungenes Papier (Kommentar von Stefan Niggemeier, ÜberMedien, 19.02.2019)
siehe auch:
Framing für Arme: Wenn Dilettanten sich sozialpsychologischer Konzepte bemächtigen (ScienceFiles, 26.02.2019)
Framing: Dialog statt Manipulation! (Kommentar von Sabine Breit, ethik-heute.org, 24.02.2019)
Gib den Trollen Zunder: Wie die ARD die Debatte um das “Framing-Manual” anheizt, ohne es zu merken (Stefan Winterbauer, Meedia, 20.02.2019)
Telefoninterview über das von netzpolitik.org geleakte „Framing-Manual“ – „Hätten wir besser selber machen ollen, hätten netzpolitik.org vielleicht in diesem Punkte einfach zuvorkommen können und sollen“ (Jörg Wagner, Medienjournalist, im Telefoninterview mit Rainald Becker, ARD-Chefredakteur, wwwagner.tv, 22.02.2019)
Wir veröffentlichen das Framing-Gutachten der ARD (Markus Beckedahl, Leonhard Dobusch, netzpolitik.org, 17.02.2019)
"Politik setzt gezielt auf Framing" (Ruth Herbert im Gespräch mit Sebastian Pertsch und Udo Stiehl vom Projekt "Floskelwolke", Frankfurter Rundschau, 15.01.2019)
Berichten, was nicht ist – so helfen Journalisten negativ beim „Framing“ (Stefan Fries, stefan-fries.com, 16.04.2018)
Die SPD und das Framing (Stefan Fries, stefan-fries.com, 15.01.2018)
- Zitat am Freitag: Framing (Christian Buggisch, buggisch.wordpress.com, 16.12.2016)

Mein Kommentar:
Vielleicht geht es auch einfach! Genauso, wie man nicht nicht kommunizieren kann (Watzlawick), gibt es auch keine Sprache (vielleicht abgesehen von den sogenannten exakten Wissenschaften wie Mathematik und Physik), ohne eine gewissen Färbung.

Ein Gespenst geht um in den USA…

Eine radikale linke Bewegung ist im Mainstream der US-Politik angekommen, trotz und wegen Donald Trump. Sie fordert mehr Staat und weniger Kapitalismus. Mit Erfolg.
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Alexandria Ocasio-Cortez sitzt seit gerade einmal sechs Wochen im US-Kongress und ist dennoch schon das bekannteste neue Gesicht der US-Politik. Dazu hat nicht nur ihr überraschender Wahlsieg beigetragen, sondern auch ihr kritischer Umgang mit der eigenen Parteiführung. Dass die New Yorkerin jung (29), Latina und weiblich ist, kommt bei bürgerlichen Linken ebenso gut an wie ihre rigorose Opposition gegen US-Präsident Donald Trump. Inhaltlich relevanter ist jedoch ihre politische Verortung. Ocasio-Cortez bezeichnet sich selbst als "demokratische Sozialistin".

Dieses Bekenntnis hätte in den USA vor wenigen Jahren noch einem politischen Suizid geglichen. Doch Ocasio-Cortez hat damit im vergangenen Jahr nicht nur die Vorwahlen in New Yorks 14. Wahlbezirk gegen einen etablierten Amtsinhaber gewonnen, sondern auch die Hauptwahl im November. Sie ist damit auch die jüngste weibliche Abgeordnete in der Geschichte des Kongresses.

Ocasio-Cortez fordert eine staatliche Gesundheitsversorgung für alle, Großbanken sollen zerschlagen und eine Jobgarantie für alle US-Amerikaner eingeführt werden. Und sie ist nicht die einzige sogenannte Sozialistin im Kongress. Rashida Tlaib aus Michigan, die ebenfalls im November in den Kongress gewählt wurde, bezeichnet sich auch als "demokratische Sozialistin". Bernie Sanders, Senator aus Vermont, sitzt zwar schon seit 2007 im Senat, machte aber vor allem 2016 Schlagzeilen. Sanders wäre fast Präsidentschaftskandidat der Demokraten geworden. Alle drei beweisen: Mit dem Etikett "socialism" lassen sich in Amerika neuerdings Wahlen gewinnen.

Ein roter Geist erwacht in den Vereinigten Staaten: Seine Anhänger finden sich in den Parlamenten, in politischen Bürgerbewegungen, im Journalismus und in der Popkultur. Allen ist gemeinsam, dass sie dem quasireligiösen Bekenntnis einer neoliberalen Marktwirtschaft eine Alternative entgegensetzen. Für amerikanische Verhältnisse ist das ein revolutionär neuer und vielleicht auch deshalb so attraktiver Politikansatz. Und die Protagonisten der radikalen Linken sind so erfolgreich, dass selbst Donald Trump sie als Gegner ausgemacht hat.

mehr:
- USA: Ein roter Geist erwacht (Jörg Wimalasena, ZON, 19.02.2019)

Freitag, 15. Februar 2019

Problemmanagement im Neoliberalismus à la Macron: höher zielen, fester zuschlagen, für dumm verkaufen

Macron schickt brutale Ordnungskräfte auf Demonstranten los und leugnet, dass es Todesfälle gab.

Der französische Präsident Emmanuel Macron geht hart gegen die Proteste seiner Bevölkerung vor. Eine achtzigjährige Immigrantin wurde durch seine Polizeitruppen im Rahmen der Gelbwesten-Proteste getötet, was er mit keinem Wort erwähnte oder gar bedauerte. Die Botschaft an das französische Volk ist eindeutig: Wer sich mit der Staatmacht anlegt, für den wird es gefährlich. Auch mit den Bürgerrechten nimmt es der Präsident des Kapitals mitunter nicht mehr so genau.


Für ihren gewaltsamen Tod wurde niemand bestraft: Zineb Romdhane, eine in Marseille lebende Achtzigjährige, starb an den Folgen der Verletzungen, die sie durch eine Granate erlitten hatte (1). Macrons Truppen schleuderten die mit einem Sprengsatz sowie Tränengas bestückte Granate Anfang Dezember 2018 in ihre Wohnung im vierten Stock, als sie das Fenster schließen wollte, um sich vor den Ausschreitungen auf der Straße zu schützen. Offenbar schafften die Polizeitruppen es „gerade noch rechtzeitig“, die alte Dame vor dem Schließen des Fensters am Kopf zu treffen.

Macron „bedauerte“ am 28. Januar 2019 in Kairo bei seinem Staatsbesuch in Ägypten, dass „11 Personen ihr Leben während der sozialen Krise der ‚Gelbwesten‘ in Frankreich verloren haben“, zitiert FranceInfo den französischen Präsidenten (2). Diese Personen waren keine Polizisten oder sonstige Macron-Kämpfer, sondern Gelbwesten – Gilets Jaunes – oder von den Macron-Truppen bearbeitete Passanten.

Wie es in dem FranceInfo-Bericht weiter heißt, behauptete Emmanuel Macron, dass keine einzige dieser Personen Opfer seiner Ordnungskräfte wurde und zollte seinen Truppen ausdrücklich Tribut. Dies alles ausgerechnet bei einer Pressekonferenz mit dem ägyptischen Präsidenten Al-Sissi, der für sein brutales Regime bekannt ist.

Wie einfach Macron und die Medien die Toten wegdefinieren, wenn sie nicht mehr geleugnet werden können, zeigt das Beispiel der getöteten alten Frau aus Marseille. Die Frau sei nicht von den Polizisten getötet worden, sie sei doch bei der Operation im Krankenhaus gestorben, heißt es in den Verlautbarungen der Regierung und der Presse (3). Deutlicher kann man seine Bevölkerung wohl kaum für dumm verkaufen.

Elf Tote bei den Gelbwesten-Protesten, aber niemand wird dafür verurteilt. Auch für die vielen Schwerverletzten scheint es keinen Schuldigen zu geben.

Die Botschaft an die Gelbwesten ist klar: Wenn ihr demonstriert, seid ihr vogelfrei und müsst damit rechnen, eine Hand, ein Auge oder euer Leben zu verlieren und natürlich werfen wir euch sofort in den Knast, wenn ihr euch dagegen wehrt (4, 5).
Emmanuel Macron ging in der Vergangenheit brutal gegen die Gelbwesten-Demonstranten, ihre Sympathisanten sowie Passanten vor. Zahlreiche Videos und Fotos von den Demonstrationen belegen die massive und gezielte Brutalität der Polizei sowie die gezielte Demütigung von Demonstranten – darunter ganze Schulklassen – durch die Sicherheitskräfte (6, 7, 8, 9, 10).

Unter den Kämpfern auf Macron-Seite befinden sich dabei nicht nur reguläre Polizisten, sondern auch ungekennzeichnete Personen in Zivilkleidung mit roten Armbinden sowie teilweise auch Personen ohne Armbinden, wie beispielsweise ein Macron-Kämpfer, der sich in den Reihen der Polizei aufhielt und einen Handwerkerhammer als Schlagwaffe mit sich führte (11). Insbesondere die Rotbinden greifen immer wieder friedliche Demonstranten an und verschleppen diese.

mehr:
Der Schlägerpräsident (Jens Bernert, Rubikon, 15.02.2019)
siehe auch: 
Der wütende Rebell unter den „Gelbwesten“ (EpochTimes, 15.02.2019)  
Erfolgsrezept gegen die Gelbwesten? Halbzeit beim „Grand débat national“ (Jürgen König, Deutschlandfunk, 15.02.2019)  
«Gelbwesten"-Liste für Europawahl verliert prominente Führungsfigur (AZ Zeitungen, 14.02.2019)  
Frankreich unter Emmanuel Macron – Sich retten vor der Revolution (Ulrich Wickert im Gespräch mit Anke Schaefer, Deutschlandfunk Kultur, 14.02.2019)  
»Ich sehe Mistgabeln« – Menschen ohne Ansprechpartner (Post, 23.01.2019)  
Gummigeschosse zur Disziplinierung der Gelbwesten (Post, 18.01.2019) 
Spielt Macron einfach nur auf Zeit? (Post, 16.01.2019) 
Die Demokratie-Illusion (Post, 11.12.2018) 
„Auf die Knie!“: Französische Polizei behandelt protestierende Schüler wie Schwerverbrecher (Andreas Lilge, EpochTimes, 07.12.2018)
„Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert“ (Post, 31.05.2017)

mein Kommentar:
Seine Bevölkerung für dumm verkaufen? 
Zum Für-dumm-Verkaufen gehören immer zwei!
Macron hat Hunderte von Beratern, die sich für teures Geld Gedanken machen. Wenn die befürchten würden, daß seine Worte bei signifikanten Teilen der Bevölkerung unangenehme Konsequenzen haben, würde er das nicht sagen! 
Wie sagte Osho so schön:
Realität ist, was funktioniert.
Und das Für-dumm-Verkaufen funktioniert!
Auch das Die-Bürgerrechte-nicht-so-genau-Nehmen funktioniert (siehe die verlinkten Posts oben)
Spannend würde es erst werden, wenn’s nicht mehr funktioniert…

zur Verachtung des Volkes siehe:
"Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung" (Paul Schreyer interviewt Rainer Mausfeld, 02.10.2018)
Prof. Mausfeld: Die »verwirrte Herde« auf Kurs halten… (28. Pleisweiler Gespräch) (Post, 03.11.2017)

Giftgasangriff? Was ist in Duma am 7. April 2018 passiert?

Für die USA waren die Bilder der Weißhelme Beweis genug zur Bombardierung, ein investigativer US-Journalist hat sich bemüht, den Nebel des Krieges und der Propaganda vorurteilslos zu durchdringen

Passend zur Münchener Sicherheitskonferenz, wo die Veranstalter wie jedes Jahr einen drohenden Zusammenbruch, dieses Mal der "liberalen Weltordnung", beschwören, ist auf Intercept der Bericht von James Harkin, Direktor des Centre for Investigative Journalism und Mitglied des Shorenstein Center der Harvard University, erschienen, der sich noch einmal den angeblichen Giftgasangriff auf das syrische Duma (Douma) im April 2018 vorgenommen hat (Das lässt aufhorchen: Angeblicher Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta).

Er war bereits Anfang Juli 2018 nach Duma gereist, um sich die Lage vor Ort anzusehen. Seine Reportage ist Pflichtlektüre, auch wenn man letztlich zu anderen Schlüssen kommen mag. Klar ist auf jeden Fall, dass viele Menschen umkamen, letztlich ist es egal, ob sie Opfer einer chemischen Waffe oder einer normalen Bombe wurden.

Für ihn ist es eine Fallstudie für die Choreografie der neuen Propagandakriege im Zeitalter der Fake News. Eine "Desinformationswolke" habe die Ereignisse in Duma eingehüllt, während die großen Medien im Rückzug seien, hätten sich neue Informationsakteure an deren Stelle begeben. Aus Duma wären, nachdem Jaysh al-Sham 2013 die Führer der Violations Documentation Center verschwinden ließ und wahrscheinlich umbrachte, nur noch mit der Dschihadistengruppen abgesprochene Informationen herausgekommen, VDC sei nicht mehr vor Ort gewesen.

Der vermeintliche Giftgasangriff wurde Moskau und Damaskus schon vor jedem Beweis und nur aufgrund der schnell von den Weißhelmen verbreiteten Behauptungen, Fotos und Videos zugeschrieben, was dazu führte, dass die USA, Großbritannien und Frankreich gemeinsam Ziele des angeblichen syrischen Giftgasprogramms beschossen, noch bevor die OPCW-Inspektoren an den Ort des Vorfalls gelangt waren.

Obgleich Russland versuchte zu belegen, dass der Giftgasangriff von den Dschihadisten der Jaysh al-Sham als letzter Versuch, die drohende Niederlage abzuwenden, inszeniert worden sei, hielt man im Westen weitgehend und ohne dem nachzugehen daran fest. Das Narrativ ergänzte das zum Nervengiftanschlag auf die Skripals.

Während alle anderen Rebellengruppen nach einer Vereinbarung mit Damaskus vor der angekündigten Offensive abgezogen waren, weigerte sich Jaysh al-Sham zunächst. Der echte oder inszenierte Giftgasangriff konnte die Einnahme von Ostghuta durch die syrischen Truppen aber nicht verhindern, am Tag darauf zogen die Dschihadisten ab. Russische Soldaten waren bereits zwei Tage später in Duma und konnten angeblich keine Hinweise auf einen Giftgasangriff finden (Nach "Beweisen" Moskaus war der Chemiewaffenengriff in Douma inszeniert). 

mehr: 
- Giftgasangriff? Was ist in Duma am 7. April 2018 passiert? (Florian Rötzer, Telepolis, 15.02.2019) 
siehe auch: 
- Chemiewaffen, die Zweite (Post, 06.02.2019)
- White Helmets: Helden oder Verbrecher? (Post, 23.12.2018)
- Hama – die Geschichte einer Lüge (Post, 16.12.2018)
- Konflikt über behaupteten Giftgasanschlag in Aleppo weitet sich aus (Post, 09.12.2018)
- Chemiewaffen und Fassbomben als Propagandawaffen im Syrienkrieg (Post, 24.11.2018)
- Die Lügen der Macht (Post, 17.11.2018)
- Der Kindermord-Skandal (Post, 16.09.2018) 

Donnerstag, 14. Februar 2019

Das E-Auto ist auch keine Lösung

Davon träumen wir alle: Elektroautos als saubere Fahrzeuge auf den Straßen. Aber wie steht es wirklich mit der Ökobilanz des vermeintlichen Saubermachers? Die Wahrheit ist: Das E-Auto ist für die Industrie ein lukratives Geschäft – für das Klima aber eine Katastrophe.

Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge sind per EU-Definition Null-Emissionsautos. Stimmt aber nicht. Die Emissionen entstehen nur an anderen Stellen. Nämlich dort, wo wir mit Gas, Braunkohlekraftwerken, mit fossilen Brennstoffen oder Atomenergie Strom erzeugen. In Frankreichsei das Elektroauto schon längst sauber, weil der Strom durch Atomenergie erzeugt wird, sagte neulich ein Renault-Manager.

Dasselbe in den Vorzeigestädten Chinas, Schanghai und Peking: Vermeintlich gibt es dort saubere Straßen durch eine kurzfristig ausbleibende Direktemission. Aber weit weg von den Städten werden CO2-Emissionen in die Luft geballert in den Braunkohle-, Steinkohle- und Ölkraftwerken.
mehr:
- Experte erklärt E-Autos sind für das Klima eine Katastrophe (Jörg Wellnitz, Hamburger Morgenpost, 14.02.2019)

siehe auch:
Elektroantrieb: Die dreckige Wahrheit der Mobilitätswende (Joachim Becker, Süddeutsche Zeitung, 29.11.2018)
Das Elektroauto ist keine Lösung, sondern ein Problem. (stephankrull.info, 11.10.2018)
Energiefresser Internet: Die Ökobilanz eines Mausklicks (SWR odysso, 12.07.2018)
Klartext: Das Elektroauto wird uns nicht retten (Heise – Autos, 26.07.2018)
Bitcoins: Alle reden von der Absahn-Blase, wer vom Energieverbrauch? (Post, 19.12.2017)
Unsere Autolibido (Tanja Dückers, ZON, 06.04.2016)
- Elektro-Autos: Nein danke! (Wolfgang Zängl, Gesellschaft für ökologische Forschung e.V., 1992 – PDF)

Gelbwesten: Der Boxer muss ins Gefängnis

... aber nur nachts, ein Jahr lang. Der Fall Christophe Dettinger zeigt, wie ambivalent das Problem Gewalt bei den Demonstrationen in Wirklichkeit ist

Der Boxer Christophe Dettinger wurde gestern nach einer siebenstündigen Verhandlung von einem Strafgericht in Paris zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt, von denen er 12 Monate lang die Nächte in einem Gefängnis verbringen muss, 18 Monate sind zur Bewährung ausgesetzt. Dettinger muss zudem Gemeindedienst in der Banlieue leisten und 5.000 Euro Entschädigung zahlen. Ein halbes Jahr lang darf er Paris nicht betreten. Das Urteil blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Urteil mit politischem Symbolwert

Der Fall hat Symbolwert für die Gelben Westen. Das ist auch daran abzulesen, dass eine Spendenkasse, die für seinen Fall geschaffen wurde, innerhalb von zwei Tagen 145.000 Euro gesammelt hatte. Dann wurde die Sammelaktion aufgrund von Protesten "eingefroren".

Dass auch ein Regierungsmitglied, nämlich Marlène Schiappa, Ministerin für die Gleichheit von Frau und Mann, vorneweg gegen die Spendenaktion protestiert hatte, zeigt, dass der Fall auch für die Regierung Symbolwert hat. Sogar so viel, dass ihn Macron erwähnte, um zu erklären, dass die Bewegung der Gelben Westen infiltriert sei. Er äußerte den Verdacht, dass der Boxer von einem linksextremistischen Anwalt instruiert wurde, um eine Erklärung abzugeben.

Dies eröffnete im Zusammenhang mit Macrons Mutmaßungen über die sprachlichen Fähigkeiten des Boxers ein eigenes Diskussionsfeld, in dem einmal mehr die Arroganz des Präsidenten zum Thema wurde (siehe einen Artikel von Libération zur Deklassierung der Worte Dettingers).

Das hauptsächliche Thema im Fall Dettinger ist aber die Gewalt im Zusammenhang mit Demonstrationen der Gelben Westen. In diesem Fall geschehen beim Acte VIII, am 5. Januar 2019

mehr: 
- Gelbwesten: Der Boxer muss ins Gefängnis (Thomas Pany, Telepolis, 14.02.2019) 
siehe auch: 
- »Ich sehe Mistgabeln« – Menschen ohne Ansprechpartner (Post, 23.01.2019)  
- Gummigeschosse zur Disziplinierung der Gelbwesten (Post, 18.01.2019) 
- Spielt Macron einfach nur auf Zeit? (Post, 16.01.2019) 
- Die Demokratie-Illusion (Post, 11.12.2018) 
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Mittwoch, 13. Februar 2019

9/11: Neue kurze Videozusammenfassung von Wayne Costes Forschung

Wayne Costes Präsentation der Beweise für das 9/11-Pentagon ist eine unverzichtbare Hausaufgabe für alle, die an der laufenden Diskussion über das, was am 11. September im Pentagon geschehen ist, teilnehmen möchten. Wir sind weit weg von den frühen Memen von "zu wenig Trümmern" und "das Loch ist zu klein". Wayne formuliert es so: "Wenn Sie sich genug darum kümmern, eine Meinung darüber zu haben, was im Pentagon passiert ist, sollten Sie sich darum kümmern zu wissen, was die Beweise sind und was sie zeigen.“

Es gibt viel Grund zum Abdecken, und wir erkennen an, dass das Ansehen der gesamten Videoserie einen erheblichen Zeitaufwand erfordert. Deshalb haben wir ein Übersichtsvideo mit einer kurzen 35-minütigen Zusammenfassung von Waynes Erkenntnissen erstellt . Das Übersichtsvideo ist auf die Originalvideos abgestimmt. Wenn Sie also mehr Details wünschen, können Sie leicht die entsprechende Diskussion in der Originalserie finden.

mehr:
- New Concise Video Summary of Wayne Coste’s Research (Scientists for 9/11 Truth, 13.02.2019 – obiger Text ist automatisch übersetzt)
siehe auch:
9/11: A Conspiracy Theory (The Corbett Report, 09.11.2011 – Google-Übersetzer)
- U.S. Attorney Takes First Step toward Prosecuting Explosive Destruction of World Trade Center on 9/11 (Architects & Engineers for 9/11 Truth, 27.11.2018)

9/11: A Conspiracy Theory {4:55}

corbettreport
Am 11.09.2011 veröffentlicht 
Transcript and sources: http://www.corbettreport.com/?p=2594
Everything you ever wanted to know about the 9/11 conspiracy theory in under 5 minutes.
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„Ein Selbstbild der Verachtung“

Interview Der Philosoph Björn Vedder spricht über die Kritik an der Geld-Elite und die Heuchelei der Mitte

der Freitag: Herr Vedder, eigentlich ist der Begriff des Pöbels eine abwertende Bezeichnung für das „gemeine Volk“. Sie aber sprechen in Ihrem neuen Buch schon im Titel vom „reichen Pöbel“. Wer ist das?
Björn Vedder: Diese Wendung habe ich von Hegel entlehnt. Er beschrieb damit Menschen, deren Reichtum es ihnen erlaubt, sich aus dem „Band der Not“ herauszulösen. Dieses verbindet die meisten Menschen miteinander, weil es sie zwingt, zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse auch die Bedürfnisse der anderen und der Allgemeinheit zu befriedigen. Da mit der Abhängigkeit von diesem „Band der Not“ eine gewisse Sittlichkeit einhergeht, entsteht aus der Freiheit davon eine gewisse Art der Unsittlichkeit. Die Reichen können es sich also leisten, unsittlich zu sein. Ihnen droht eine Wohlstandsverwahrlosung. Es sei denn, sie stemmen sich mit großer Anstrengung dagegen.

Bill Gates oder Mark Zuckerberg sind extrem reich, aber sie lassen einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zukommen. Da wackelt Ihre Definition doch?

Ich glaube nicht, dass Wohltätigkeit viel zum Guten ändern kann. Sehen Sie sich nur einmal den Internetauftritt der Charity-Kampagne „The Giving Pledge“ an. Das ist so eine Spendenkampagne von Superreichen, die verkünden: „In meinem Leben habe ich so viel erreicht, weil ich hart gearbeitet und mir vor allem Bildung angeeignet habe. Darum möchte ich Bildung fördern.“ Es gibt ein Programm der Vereinten Nationen, das dafür sorgen könnte, dass weltweit alle Kinder zur Schule gehen. Dafür müsste man jährlich zwar einige Milliarden Dollar ausgeben, aber für diese Superreichen wäre das nur ein Klacks, gemessen an den Summen, die sie bei „The Giving Pledge“ versprechen. Wenn es den Reichen also tatsächlich so wichtig wäre, Bildung zu fördern, frage ich mich: Warum ist das Programm der Vereinten Nationen dann noch nicht realisiert worden?
mehr:
- „Ein Selbstbild der Verachtung“ (Christian Baron, der Freitag, 13.02.2018)
siehe auch:
Neue Wege des Demokratiemanagements – Rainer Mausfelds neuer Vortrag als Video (Post, 04.02.2018)

Dienstag, 12. Februar 2019

»Wo ein Wort ist, glauben wir, daß es was bedeutet«
Rainer Mausfeld: Neue Wege des Demokratiemanagements

zuerst ein Appetithäppchen:
"Weggeknabbert" (Mausfeld) {6:40}

Smaracton
Am 26.02.2019 veröffentlicht 
Zusammenschnitt aus "Rainer Mausfeld: Neue Wege des Demokratiemanagements"

man beachte den leisen Hinweis auf die Gelbwesten-Proteste [ab 2:50]:
»Vermutlich wird […] die Demokratisierung der Demokratie nicht möglich sein ohne eine physische Präsenz der Basis – wie wir’s in Frankreich erleben.«
Vor dem Hintergrund dieser Worte gewinnen die Gewaltakte von seiten der CRS und die Medienberichterstattung über die Proteste – sei es in Frankreich, sei es in Deutschland – einen Sinn!
Es gilt, das vermeintlich Offensichtliche – u.a. unsere Emotionen und Gedanken beim Sehen der Filmaufnahmen in den Nachrichten und beim Hören der Worte der Nachrichtensprecher – zu hinterfragen:
»Könnte es sein, daß diese Gefühle und Gedanken, die wir jetzt (z.B. beim Sehen der neuesten Nachrichten über die Gelbwesten-Proteste) in uns wahrnehmen, daß die Erzeugung genau dieser Gefühle und Gedanken beabsichtigt war?!«
Und: »Wer hat einen Vorteil, wenn ich jetzt das und das fühle und das und das denke?«
Man mache den Selbst-Test:
- Gelbwesten: Wichtiger als das was ist, ist, wie darüber berichtet wird! (Post, 17.03.2019)
– Da kommen interessante Dinge bei raus…

Rainer Mausfeld: Neue Wege des Demokratiemanagements {1:27:52}

Westend Verlag
Am 12.02.2019 veröffentlicht 
Vortrag und Diskussion mit Rainer Mausfeld, Autor des Buchs "Warum schweigen die Lämmer?"
Weitere Infos zum Buch und Leseprobe finden Sie hier:
https://www.westendverlag.de/buch/war...

siehe auch:
»Ich sehe Mistgabeln« – Menschen ohne Ansprechpartner (Post, 23.01.2019)
Gezielte Zersetzung (Kommentar von Rainer Mausfeld, Rubikon, 08.12.2018)
"Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung" (Paul Schreyer interviewt Rainer Mausfeld, 02.10.2018)
Die Entzauberung neoliberaler Propaganda und Desinformation (Timm Herbst, Telepolis, 08.04.2018)
Prof. Mausfeld: Die »verwirrte Herde« auf Kurs halten… (28. Pleisweiler Gespräch) (Post, 03.11.2017)
Warum schweigen die Lämmer? – Der Mensch im Geflecht von Medien, Manipulation und Macht (Post, 14.07.2016)
Die Floskeln der Macht – Wie wir durch Sprache manipuliert werden (Post, 01.04.2016) 
Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen (Post, 16.02.2013) 


Rainer Brüderle […] verteidigt den neoliberalen Aberglauben auch noch nach seiner Entzauberung. […]
Nicht nur weil er im Beirat der Deutschen Bank AG, im Verwaltungsrat der IVA Valuation & Advisory AG, im Verwaltungsrat Provinzial Rheinland Versicherung AG und im Beirat RSBK Strategie Beratung Kommunikation GmbH sitzt, gilt Brüderle als Wirtschaftslobbyist reinsten Wassers – und als mutiger noch dazu. »Ich bin stolz, ein Neoliberaler zu sein«, verkündete er im September 2005 gleich in der Überschrift eines Aufsatzes im Cicero. Kostprobe gefällig? »Der Neoliberalismus war im Nachkriegsdeutschland sehr erfolgreich. Seine Erfolge wurden aber unter einem anderen Namen bekannt gemacht – der Sozialen Marktwirtschaft.«
Alles klar?
Damals waren unter anderem Energieversorgung, Post, Telekommunikation, Bahn oder Lufthansa in staatlicher Hand – nach schon erwähntem FDP-Verständnis eine Art »DDR light« … Ob das allerdings der typische neoliberale Nachwuchs weiß?
Geradezu heldenhaft versucht Brüderle, seine Partei aus der Defensive zu bringen, in die sie die Weltwirtschaftskrise gebracht hat. »Mit den Investmentbanken und den Finanzmärkten«, wirft zum Beispiel der SPD-Politiker Joachim Poss den Liberalen vor, »ist auch ihre ganze neoliberale Ideologie des Marktradikalismus zusammengebrochen.« Prompt verspricht Brüderle ein Papier mit den wichtigsten Argumenten gegen Kritik am Neoliberalismus und Forderung für einen neuen Ordnungsrahmen des Finanzsektors. »Die FDP darf sich in der Finanzmarktkrise nicht ins Sündereckchen stellen lassen.« [186]
[Rainer Brüderle (FDP), Volkswirt, Parteivize – Mutiger Märtyrer des Marktradikalismus in: Thomas Wieczorek, Die Dilettanten: Wie unfähig unsere Politiker wirklich sind, Knaur München, 2009 – GoogleBooks]

Die Wirtschaftsfreundlichkeit der Freiheitslehre hat nichts mit Firmenfreundlichkeit zu tun. Um globale Monopole und die weitere Vermachtung von Märkten zu verhindern, sollte die Welthandelsorganisation (WTO) zum Weltkartellamt des 21. Jahrhunderts entwickelt werden.
[Rainer Brüderle,  "Ich bin stolz, ein Neoliberaler zu sein", Cicero, undatiert]
Mein Kommentar:
Ich halte es für gut möglich, daß Brüderle genau das Gegenteil von dem beabsichtig, was er sagt! Angelehnt an den Satz von Mausfeld (»Wo ein Wort ist, glauben wir, daß es was bedeutet«) könnte ich denselben folgendermaßen weiterführen: »Wo jemand was sagt, glauben wir, daß er das auch meint, was er sagt.«
Siehe dazu:
- Die Rede, die Kennedy das Leben kostete? – Mythos und Wirklichkeit (Post, 28.02.2019) 

Drahtzieher hinter den Kulissen – der Einfluss des Bertelsmann-Konzerns auf die Hochschulen (Post, 31.10.2008)


Das Buch macht Hayek schlagartig berühmt. In den USA wird es mehr als eine Million Mal verkauft. Ein Jahr später erscheint Die offene Gesellschaft und ihre Feinde des aus Wien stammenden Philosophen Karl Popper. In diesem, seinem berühmtesten Werk, das während der ersten Zeit seiner Emigration in Neuseeland entstanden ist, versucht Popper, seine Ablehnung jeglicher Spielarten totalitärer Regime und ihrer Philosophien ideengeschichtlich zu untermauern.  Politische – und ebenso wissenschaftliche – Systeme, so führt Popper aus […] seien erst dann akzeptabel, wenn sie lernfähig und zur Selbstkorrektur in der Lage seien. 
Popper stößt auch hinzu, als sich die Neoliberalen wiedertreffen, am 1. April 1947 im Hôtel du Parc im kleinen Ort Mont-Pèlerin am gleichnamigen Berg nahe Vevey am Genfer See. 15 der 26 Teilnehmer des Colloque Walter Lippmann sind wieder dabei. Dazu gesellt sich eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler, darunter die späteren Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman und George Stigler. Auch die Philosophen Hans Barth und Michael Polanyi nehmen an dem für zehn Tage angesetzten Treffen teil.

In seinem Eröffnungsvortrag formuliert Hayek die Aufgabe der Runde, die den Liberalismus als wirkungsstarke politische Philosophie wiederbeleben will. Dazu bedient er sich der Worte von John Maynard Keynes, mit dem er, Hayek, "nicht oft einer Meinung" sei, der aber "niemals etwas Wahreres gesagt" habe als dies: "Die Ideen der Nationalökonomen und Philosophen wirken stärker, als allgemein angenommen wird, und zwar sowohl wenn sie recht haben, als auch wenn sie irren. Tatsächlich wird die Welt kaum von etwas anderem regiert." Diese Herausforderung müssten die Neoliberalen annehmen.

Am Ende der Tagung vereinbaren die Teilnehmer, sich zwei Jahre später wieder zu treffen und ihrer Zusammenarbeit eine Institution zu geben. Sie gründen die Mont Pèlerin Society, die bis zum heutigen Tage, vor der Öffentlichkeit diskret abgeschirmt, als Netzwerk liberaler Denker existiert und funktioniert.
[Wolfgang Köhler, Die Mission des LiberalismusZEIT Nr. 33/2008, 07.08.2008]
Der lange Marsch zum Neoliberalismus: Vom Roten Wien zum freien Markt – Popper und Hayek im Diskurs (Jürgen Nordmann, VSA Verlag 2005, PDF – gefunden bei Irwish.de)
Psychoanalyse und Politik: Das Unbehagen für kritische Aufklärung nutzen (Horst-Eberhard Richter, Dtsch Ärzteblatt, PP 3, Ausgabe Juni 2004, Seite 275)
Früh vergreist Ein deutsches Schreckbild: der "Neoliberalismus" (Richard Herzinger, ZEIT Nr. 44/1997, 24.10.1997)
- Wider die großen Worte – Ein Plädoyer für intellektuelle Redlichkeit (Karl L. Popper, ZEIT Nr. 39/1971, 24.09.1971)

zuletzt aktualisiert am 02.09.2019

Montag, 11. Februar 2019

Lasst uns endlich über Steuern sprechen!

The recently concluded World Economic Forum in Davos, Switzerland, featured a call to action on climate change by Sir David Attenborough, and a lot of talk among the world's economic elite about inequality and sustainable development.

Remarks from one conference attendee in particular went viral.

That attendee was historian and journalist Rutger Bregman, who caused a stir when he suggested what to him seemed like an obvious solution to many of the world's economic problems: tax wealthy people more.

mehr:
At Davos, He Talked About Taxing The Rich. 'They Weren't Very Happy With Me' (Jeremy Hobson, wbur.org, 11.02.2019)

Wutrede in Davos: Historiker rechnet mit Reichen ab {2:30}

faz
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
Der niederländische Historiker Rutger Bregman rechnet in Davos mit den Millionären der Welt ab. Seine Rede schlägt bei Twitter und Facebook hohe Wellen. © REUTERS, AFP
Link zum Video: https://www.faz.net/-gum-9jchc
Link zur Homepage: https://www.faz.net

siehe auch:
„Wir müssen das Biest Kapitalismus zähmen“ (David Bauman interviewt Rutger Bregman, FR, 09.02.2019)
- 'This is about saving capitalism': the Dutch historian who savaged Davos elite (Larry Elliott, The Guardian, 01.02.2019)
Bregman rechnet in Davos mit Reichen ab: „Wir müssen über Steuern reden, alles andere ist Mist!“ (Kathrin Glösel, Kontrast.at, 31.01.2019)
- Tagesdosis 21.1.2019 – Arme haben freie Wahl: Hamsterrad oder Hungerstrafe (Kommentar von Susan Bonath, KenFM, 21.01.2019)
- Zwischen Steuersenkung und Umverteilung, oder auch: Schieß nicht auf den Weihnachtsmann! (Hans Schmid, Telepolis, 26.12.2018)

Ist die Tagesschau aufgewacht?

Fünf Wochen nach Veröffentlichung dieser Liste, aus der ersichtlich war, dass bis zum 4. Januar schon 100 Gelbwesten durch Waffeneinsatz der Polizei zum Teil erheblich verletzt worden waren, veröffentlicht die Tagesschau am vergangenen Samstag diesen Artikel. Die Redakteurin Silvia Stöber von tagesschau.de beklagt darin das „Schweigen über die Verletzungen“. Nach wochenlangem Schweigen der selbst ernannten „Faktenfinder“ beklagen sie jetzt also das Schweigen der anderen. Aufmerksame Korrespondenten konnten schon im November letzten Jahres Schlimmes beobachten. Am 1. Dezember war eine 80-Jährige von einem Tränengasbehälter getötet worden.
mehr:
- Hallo Tagesschau! Nach wochenlangem Winterschlaf aufgewacht? Großartig. (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 11.02.2019)
Mein Kommentar:
Mit der Tagesschau wird anscheinend Politik gemacht.
Macron hat was gegen Northstream 2 
(Umstrittene Ostseepipeline: Frankreich stellt sich gegen Nord Stream 2, NachDenkSeiten, 10.02.2018)
Paßt doch zeitlich ganz ausgezeichnet!
Siehe auch:
Gelbwesten: Das elfte WE in Folge, postfaktische Teilnehmerzahlen, Mißhandlungen und ein Beispiel rar gewordener sozialer Intelligenz (Post, 27.01.2019)
»Ich sehe Mistgabeln« – Menschen ohne Ansprechpartner (Post, 23.01.2019)
Gummigeschosse zur Disziplinierung der Gelbwesten (Post, 18.01.2019)
Spielt Macron einfach nur auf Zeit? (Post, 16.01.2019)
Die Demokratie-Illusion (Post, 11.12.2018)
- Der Aufstand (Post, 08.12.2018)
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Sonntag, 10. Februar 2019

Die Schyschopathologie der Rechtspopulisten

Wie krank sind Rechtspopulisten und Rechtsextremisten? Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Die ersten Gerüchte über Chemnitz, gestreut in den rechten Wahnräumen des Netzes, waren eindeutig sexuell konnotiert: Eine deutsche Frau sei von dunkelhäutigen Ausländern sexuell belästigt worden, die drei Deutsche töteten, als diese versuchten, die bedrängte Frau zu schützen. Die erste rechtsextreme Gewaltwelle, die sich spontan in Chemnitz am 26. August 2018 entlud, wurde gerade durch diese Gerüchte von einer versuchten Vergewaltigung durch Flüchtlinge angefacht.


Und dies ist ein immer wiederkehrendes Motiv der paranoiden rechten Gewaltphantasien, die einen regelrechten "Genozid" am "deutschen Volk" halluzinieren. Immer wieder erfinden Rechte schlicht sexuelle Übergriffe, wie etwa die angebliche Gruppenvergewaltigung einer Verkäuferin durch Flüchtlinge in Zwickau. In Görlitz wiederum hielten sich tagelang Gerüchte um Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer auf dem Gelände des dortigen Klinikums.


Auch in Chemnitz gab es im Vorfeld der Geschehnisse Ende August Gerüchte über Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer. Die in der Neuen Rechten allgegenwärtige, sexualisierte Angst vor dem Völkermord an den Deutschen, vor der "Umvolkung" Deutschlands, sie ist eingebettet in einen hysterischen Opferwahn, der inzwischen bizarre Ausmaße angenommen hat.

mehr:
- Ich will, wo Es ist (Tomasz Konicz, Telepolis, 10.02.2019)

mein Kommentar:
Politisch andersdenkende psychopathologisch auseinanderzunehmen halte ich für zumindest fragwürdig. Ähnliche Geschichten kennen wir aus der Geschichte Russlands und Chinas…
Und in jüngster Geschichte, gab’s da nicht die Sache mit dem narzißtisch gestörten ehemaligen Geheimdienst-Offizier, der mit nacktem Oberkörper und einer Kalaschnikow in der Hand auf einem Gaul durch die Pampa ritt…
Was geschieht, wenn Politik und Psychologie aufeinandertreffen, kann man hier nachlesen:
- Die deutsche Psychoszene im Visier des Verfassungsschutzes (Post, 27.05.2018)

Samstag, 9. Februar 2019

Der Fall Hammarskjöld 2/3

Staatsstreich und Mord – die dunklen Machenschaften einer geheimen Söldnertruppe im Apartheidsstaat. Am letzten Januarwochenende hatte beim Sundance Film Festival der Dokumentarfilm “Cold Case Hammerskjöld” von Mads Brügger und Andreas Rocksen Premiere. Die beiden Filmemacher recherchierten über den mysteriösen Flugzeugabsturz, bei dem der UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld 1961 in Afrika ums Leben kam. Dabei stießen sie auf sensationelle Informationen, bei denen die geheime Miliz SAIMR eine wichtige Rolle spielt. Ihre Blutspur zieht sich durch den ganzen afrikanischen Kontinent. Der britische Guardian berichtet in mehreren Artikeln darüber. Von Emma Graham-Harrison, Andreas Rocksen und Mads Brügger. Aus dem Englischen von Josefa Zimmermann.

Lesen Sie dazu auch den ersten Teil der Hammarskjöld-Trilogie.
Wie Insider behaupten, geht der Mord an einem UN-Generalsekretär auf das Konto einer geheimen Miliz in Südafrika, deren Todesspur sich über den ganzen Kontinent zieht.
Keith Maxwell, der selbsternannte Commodore des South African Institute of Maritime Research (SAIMR), trug zu besonderen Anlässen gerne die grellbunte Admiralsuniform des 18. Jahrhunderts mit Dreispitz, Messingknöpfen und Buschmesser. Von der Truppe wurde erwartet, dass sie in leuchtend weißer Marineuniform erschien. 
Sie trafen sich in gehobenen Restaurants oder in der Abgeschiedenheit des Marinestützpunkts „Wemmer Pan“ im Süden des Zentrums von Johannesburg. Sie gaben sich den Anschein von exzentrischen Hobbyforschern. Maxwell sprach über die Ursprünge der Truppe als Vereinigung von Schatzsuchern in der Napoleonischen Zeit und erklärte Außenstehenden, dass sie sich immer noch auf das Erkunden der Tiefsee konzentrierten. 
Aber der Schein trog. Unter dem bizarren Äußeren versteckte sich die Uniform kampferprobter Söldner, von denen behauptet wurde, dass sie eng mit dem Apartheitsstaat verbunden waren und ihre Dienste auf dem ganzen Kontinent anboten.
„Es waren geheime Operationen. Wir waren in Putsche verwickelt und haben ganze Länder für andere Führer übernommen”, sagte Alexander Jones, der über seine Jahre als Geheimdienstoffizier in der Truppe berichtete. Die SAIMR-Führer bezeichneten sich damals als „antikommunistisch”, aber die Truppe war durch und durch rassistisch, erklärte er weiter. „Wir versuchten, die weiße Vorherrschaft auf dem afrikanischen Kontinent zu sichern.”
Zu den spektakulärsten Behauptungen des Anführers gehörte, dass die Truppe bei dem mysteriösen Flugzeugabsturz ihre Hände im Spiel hatte, der 1961 den UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld und 15 weitere Personen das Leben kostete. In der vergangenen Woche veröffentlichte der Observer Beweise für eine Verwicklung des ehemaligen Royal-Air-Force-Piloten Jan van Risseghem in diese Tragödie. Nun beleuchten neue Dokumente und Augenzeugenberichte die angebliche Rolle von SAIMR, die in Geheimpapieren und eignen Rekrutierungskampagnen für diesen Absturz die Verantwortung übernimmt.
mehr:
- Der Fall Hammarskjöld 2/3 (Emma Graham-Harrison, Andreas Rocksen und Mads Brügger. Aus dem Englischen von Josefa Zimmermann., NachDenkSeiten, 09.02.2019)
siehe auch:



Cold Case Hammarskjöld - Official Trailer (HD) {1:05}

Daarlig Smag
Am 31.01.2019 veröffentlicht 
In 1961, United Nations' secretary-general Dag Hammarskjöld’s plane mysteriously crashed, killing Hammarskjöld and most of the crew. It’s understood that because Hammarskjöld was, at the time, advocating for Congo’s independence (against the wishes of European mining companies and other powerful entities), the “crash” was an assassination. With the case still unsolved 50-plus years later, Danish journalist, filmmaker, and provocateur Mads Brügger (The Red Chapel, The Ambassador) leads us down an investigative rabbit hole to unearth the truth. He, his Swedish private-investigator sidekick, and a host of co-conspirators tirelessly pursue a winding trail of clues, but they turn up more mysteries than revelations. Scores of false starts, dead ends, and elusive interviews later, they begin to sniff out something more monumental than anything they’d initially imagined.
In his signature agitprop style, Brügger becomes both filmmaker and subject, challenging the very nature of truth by “performing” the role of truth seeker. As Brügger uncovers a critical secret that could send shockwaves around the world, we realize that sometimes absurdity and irony are the emboldening ingredients needed to confront what’s truly sinister.
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Tomi Ungerer ist tot

Der französische Zeichner, Autor und Illustrator Tomi Ungerer veröffentlichte mehr als 140 Bücher. Nun ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.
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Der französische Zeichner, Karikaturist und Kinderbuchautor Tomi Ungerer ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren in Irland im Haus seiner Tochter, wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichteten. Er hat insgesamt mehr als 140 Bücher veröffentlicht und illustriert und etwa 40.000 Zeichnungen, über 300 Plakate, Dutzende Ölbilder, Lithografien und Skulpturen geschaffen.

Bekannt geworden ist Ungerer vor allem mit seinen Kinderbüchern wie Die drei Räuber. Dennoch sagte er: "Die Kinderbücher waren für mich immer so eine Art von Nebengeschäft, für meinen Spaß."

Tomi Ungerer wurde 1931 in Straßburg geboren, im Jahr 1956 wanderte er nach New York aus, wo er als Zeichner berühmt wurde. Seit 1976 lebte er mit seiner dritten Frau in Irland. Ungerer gehörte zu den wenigen Künstlern aus Frankreich, die zu Lebzeiten ein eigenes Museum erhalten haben. Seit 2007 gibt es in Straßburg das Tomi-Ungerer-Museum.

Während seiner Zeit in den USA in den Fünfziger- und Sechzigerjahren kritisierte Ungerer mit seinen Karikaturen den Vietnamkrieg und die sogenannte Rassentrennung. Zurück in Europa setzte er sich für die deutsch-französische Freundschaft ein und bekam dafür das Bundesverdienstkreuz.

Als Elsässer lernte Ungerer früh neben Französisch auch Deutsch und bald auch den dortigen Dialekt, mit den "Straßenjungen", wie er selbst sagte. Ein Vaterland habe er nie gehabt. "Das Wort ist mir total unheimlich. (...) Für ein Vaterland muss man schon ein Patriot sein. Aber ich kann nicht Patriot sein für die Franzosen und die Deutschen. Allein für Europa, das schon."

Ungerers Werk ist geprägt vom Spiel mit der Sprache. Er zitierte, entwickelte weiter. Das Buch über seine Jahre in Kanada trägt angelehnt an das Lied Heute hier, morgen dort den Titel Heute hier, morgen fort. Aus dem altindischen Lehrbuch der Liebeskunst machte er Das Kamasutra der Frösche – in Deutschland sein erfolgreichstes Buch für Erwachsene.

mehr:
- Tomi Ungerer ist tot (ZON, 09.02.2019)

Das Leben anlächeln: Tomi Ungerers Überlebensstrategie, Kulturplatz, 28.10.2015 {5:26}

SRF Kultur
Am 31.01.2019 veröffentlicht 
Mehr zum Thema: http://www.srf.ch/kultur/kunst/tomi-u...
Leicht hatte er es nie im Leben. Mit knapp vier Jahren starb sein Vater. Später kam der Krieg – und immer wieder kamen die Krankheiten. Tomi Ungerer entwickelte früh Strategien, um sich mit seinem Schicksal zu versöhnen. Jetzt wird der grosse Zeichner, Kinderbuchautor und Geschichtenerzähler mit einer Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich geehrt. «Kulturplatz» sprach mit dem Künstler darüber, wie er die Krisen und Traumata seines Lebens überwunden hat.
Die Sendung «Kulturplatz»: http://www.srf.ch/sendungen/kulturplatz
Mehr Kulturberichterstattung auf: http://www.srf.ch/kultur

Die Krim, ein Kommentar und einige Antworten

War der Anschluss der Krim an Russland eine völkerrechtswidrige Annexion? - Ein Kommentar
Die im März 2014 erfolgte Abspaltung der Halbinsel Krim von der Kiewer Ukraine und der Anschluss an die Russische Föderation – angeblich eine völkerrechtswidrige Annexion – ist der Anlass für die Aggressionspolitik der westlichen Allianz unter Führung der USA mit der NATO gegen die Russische Föderation. Damit werden auch die Sanktionen gerechtfertigt sowie die Aufrüstung und Stationierung von Streitkräften an den russischen Grenzen. Angeblich wurde der Ukraine-Konflikt – als Beginn des erneuten Kalten Krieges – von Russland verursacht. Aber die Chronologie der Ereignisse beweist etwas anderes.

War der Anschluss der Krim an Russland eine Annexion?

Nach völkerrechtlicher Definition ist eine Annexion die gewaltsame Aneignung des Gebietes eines Staates durch einen anderen Staates, und sie erfolgt zumeist mit kriegerischen Mitteln und auf Dauer.1 Es stellt sich also die Frage, ob die Separation der Krim, bei der kein einziger Schuss gefallen ist, tatsächlich eine Annexion im völkerrechtlichen Sinne gewesen ist.
Dazu hat der Strafrechtler und Rechtsphilosoph Reinhard Merkel, der dem deutschen Ethikrat angehört, im April 2014 einen detaillierten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.
"Annexion" heißt im Völkerrecht die gewaltsame Aneignung von Land gegen den Willen des Staates, dem es zugehört, durch einen anderen Staat. Annexionen verletzen das zwischenstaatliche Gewaltverbot, die Grundnorm der rechtlichen Weltordnung. Regelmäßig geschehen sie im Modus eines "bewaffneten Angriffs", der schwersten Form zwischenstaatlicher Rechtsverletzungen. Dann lösen sie nach Artikel 51 der UN-Charta Befugnisse zur militärischen Notwehr des Angegriffenen und zur Nothilfe seitens dritter Staaten aus - Erlaubnisse zum Krieg auch ohne Billigung durch den Weltsicherheitsrat.
Reinhard Merkel
Hätte es sich bei der Separation der Krim um eine Annexion gehandelt, wären also die Ukraine zur Notwehr gegen die Russische Föderation, und dritte Staaten, zum Beispiel die USA, ohne ein UN-Mandat zur Nothilfe befugt gewesen. Das hätte offenen Krieg gegen Russland bedeutet, aber das ist nicht geschehen. Denn es gab keine Annexion. Reinhard Merkel warnt dementsprechend vor dem inflationären, leichtfertigen Gebrauch des Begriffs "Annexion" und er kommt zu dem Ergebnis: "Freilich bietet dessen abstrakte Definition auch allerlei irreführenden Deutungen Raum. Aus einer von ihnen scheint sich das völkerrechtliche Stigma ableiten zu lassen, das der Westen derzeit dem russischen Vorgehen aufdrückt und an dem er die eigene Empörung beglaubigt. Aber das ist Propaganda. Was auf der Krim stattgefunden hat, war etwas anderes: eine Sezession."
mehr:
- Die Krim-Separation von 2014 (Wolfgang Bittner, Telepolis, 09.02.2019)

Rainer Mausfeld - 90 Prozent der Medien machen Propaganda {5:06}

videonetz.org
Am 22.03.2017 veröffentlicht 
Das Bundesamt für politische Bildung hat eine List mit Kennzeichen der Propaganda veröffentlicht. Laut dieser Kennzeichen machen etwa 90 Prozent der Medien Propaganda! Vor allem die zwangsfinanzierten Systemmedien in Deutschland!
Videonetz im Internet:
http://videonetz.org

Der wichtigste Leserkommentar:
Als ginge es dabei um das Recht
Die Bemühungen des Herrn Bittner in allen Ehren, aber die dabei gemachte Annahme, bei dem Konflikt gehe es um strittige Rechtsfragen, trifft nicht zu.
Die Putsch in der Ukraine ist, wie auch schon die vorherigen Ausdehnung der Nato in die Nähe Russlands, sowie die offenen und verdecken Sanktionen des Westens gegenüber Russland, Teil des Versuchs, den Wiederaufstieg Russlands zu einer konkurrierenden Macht, die souveräne Entscheidungen trifft, zu verhindern.
Der Westen interessiert sich nicht fürs Völkerrecht und verstößt seit Jahrzehnten selbst permanent ganz offen dagegen. Das Völkerrecht wird nur dann aus der Tasche gezogen, wenn man wieder ein Feigenblatt für die Öffentlichkeit braucht, um zu verschleiern, dass man selbst andere rechtswidrig bekämpft. Ob der Vorwurf nun Völkerrechtsverstöße, oder angebliche Massenvernichtungswaffen, Brutkästen, Hufeisenpläne, irgendwelche Besorgnisse wegen "Diktatoren und Schlächter ihrer eigenen Bevölkerung", der Schutz von Minderheiten etc. sind, ist vollkommen wumpe.
Diese jeweiligen Vorwürfe müssen dann rund um die Uhr aus allen Kanälen immer wieder gleichlautend und ohne die geringsten Zweifel aufkommen zu lassen wiederholt werden. Endlosschleife, bis es sitzt.
Die Sezession der Krim muss eine Annexion sein, weil nur das die geplanten und gewünschten - aber rechtswidrigen - Eindämmungsmaßnahmen gegenüber Russland leidlich rechtfertigt. Wenn es die Krim nicht gäbe, würde man etwas anderes erfinden. Das passiert ja auch bereits zusätzlich, man denke an russische Panzer und Buk's in der Ukraine, Skripal, die angeblichen Massaker der Russen in Syrien, die Wahlbeeinflussung in den USA etc. Es scheint fast kein Problem mehr zu geben, das man nicht Russland in die Schuhe schiebt. "Der Russe ist schuld" ist ja deshalb schon zum geflügelten Wort geworden.
Deshalb lohnt es sich nicht, da mit Argumenten zu kommen. Der Westen will sie nicht wissen.
[09.02.2019 00:47]


… eine Antwort:
Einverstanden. Dennoch halte ich es für richtig und wichtig völkerrechtlich zu argumentieren. Ist es auch schwach und wird es auch laufend vergewaltigt und instrumentalisiert, ist es doch eins der wenigen Instrumente, das man gegen faschistoiden Unilateralismus, vulgo das Recht des Stärkeren in Anschlag bringen kann. 
Deshalb dürfen auch schwache, missbrauchte, fehlkonstruierte Institutionen wie die UNO nicht verworfen werden. Es gibt Momente, in denen sich daraus eine gewisse Stärke gewinnen lässt. Langfristig ist die multilaterale Einbindung aller Mächte ohnehin der einzige Weg, um eine Game of Throne-Welt, in der Willkür wirklich jedes Tor und jede Tür geöffnet ist zu verhindern.
[Pynx, 09.02.2019 01:19]

… noch eine Antwort:
Sie haben nicht verstanden wofür die Rechtfertigungen des Westen da sind
Wer ist der Westen? 
Es gibt die Bevölkerungen in den westliche Ländern und es gibt die Regierenden welche die Entscheidungen treffen.
Den westlichen Machthabern ist das Völkerrecht natürlich völlig egal, da haben sie komplett recht. Es geht um Geopolitik und nicht um Recht.
Aber weshalb machen die dann soviel Aufwand in den Medien Tag für Tag darzustellen, dass der Westen im Recht ist ? An wenn ist diese Botschaft adressiert ?
Natürlich an uns !
Wären die Menschen aufgeklärt, würde die Unterstützung für die Aggressionspolitik zusammenbrechen. Wir leben in gelenkten Demokratien, und noch funktioniert die Herrschaft nur über die Manipulation der Bevölkerung.
Herr Bittner leistet Aufklärung. Es geht die Menschen auf der Straße zu überzeugen. Die Herrschenden muss man nicht aufklären, die wissen genau was sie da machen.
[D.o.S., 09.02.2019 01:39]
… die Gegenantwort:
Re: Sie haben nicht verstanden wofür die Rechtfertigungen des Westen da sind
Das wird aber mit dieser Methode nicht gelingen. Wie Herr Bittner selbst ausführt, sind die Argumente ja seit langem bekannt. Mit so einer Expertenmeinung kann man aber die Bevölkerung nicht überzeugen. Die hört mehrheitlich darauf, was der Seibert in der Pressekonferenz als exklusive Einschätzung der Regierung verkündet hat, bzw. das was die Tagesschau davon berichtet. Irgend einen genehmen "Experten" wird man auch immer finden, der das dann juristisch "definitiv klärt". Zur Not ist der andere Experte dann befangen oder zu alt.
Kurz: Die Leute glauben, was die Mächtigen vorgeben und nicht was in einem Telepolis-Artikel oder einem Buch mit einer Auflage von wenigen Tausend Exemplaren steht. Und selbst wenn sie es nicht glauben würden, so änderte das nichts an der Politik, die im Verein mit der hörigen Presse einfach das eigene Narrativ für richtig erklärt und Abweichler als Verschwörungtheoretiker, rechts, dumm oder alles zusammen.
Wie gesagt, ich finde es durchaus ehrenwert, einen solchen Versuch zu unternehmen, aber aus meiner Sicht ist es doch recht naiv, zu glauben, damit irgendetwas bewirken zu können. Die die sich für die Sache interessieren, wissen sowieso schon lange Bescheid und dem Rest ist es schlicht egal.
[schufaa, 09.02.2019 00:47]
… dazu eine Gegenantwort:
Nichtstun ist um ein 80 millionstel schlechter
als wenn Bittner was tut und es besteht zumindest die Hoffnung dass er noch ein paar wenige aufklärt.
[Hat se nicht alle, 09.02.2019 08:07]