Donnerstag, 21. Juni 2007

Der Antisemitismus-Vorwurf in kritischer Betrachtung

zur Studie zum Attac-Workshop Semitismus/Nahost" am 14./15.02.2004 in Hannover von Anis Hamadeh, M.A., Kiel im Februar 2004

Aus der Einleitung:


„Immerhin müssen wir wissen, worüber wir sprechen und was da im Einzelnen und Konkreten abgelehnt wird. Wir fragen auch, wer den Begriff definiert und wessen Wertaussagen zu politischen Entscheidungen führen. Und zu welchen. Und aus welchen Gründen. Wir fragen, wie scharf die Verfolgung sein kann und darf, um dem gesellschaftlichen Frieden förderlich zu sein und wie mit Verdächtigen und zu Verfolgenden umgegangen wird bzw. werden soll. Wir fragen nach der Zulässigkeit und dem Sinn und Unsinn von Vergleichen und danach, inwiefern die Antisemitismus-Verfolgung selbst zu einem dualistischen Weltbild führen kann, in dem es stereotyp die Guten gibt und die Bösen. Kurz: Wir fragen hier nach den Nebenwirkungen und Gefahren des Antisemitismus-Vorwurfs.“


Bemerkenswert fand ich, was Heinz Rudolf Kunze zum Streit zwischen Michel Friedmann und Martin Walser sagte:

„Ich fand allerdings die Anregungen, die Walser gegeben hat, sehr sinnvoll, und ein großer Teil der Kritik, die er einstecken musste, war unberechtigt. Wenn man wie ich fast alles kennt, was der Mann geschrieben hat, kann man ihm nicht unterstellen, dass er mit Antisemitismus oder rechtem Nationalismus kokettiert. Aber er hat es mutig auf sich genommen, auf Dinge aufmerksam zu machen, die in Deutschland jahrzehntelang tabu waren.“ (KN 10.04.03, S.32, „Rückendeckung für Martin Walser“, Heinz-Rudolf-Kunze-Interview von Jörg Meyer)

(zu finden in Abschnitt 2.8.3)


Mittwoch, 20. Juni 2007

Politischer Mord

Als am 12. März 2003 der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic Opfer eines Attentats wurde, waren Täter und Tathergang schnell bekannt. Anläßlich der Verurteilung der Mörder – meistenteils Milizionäre und frühere Geheimdienstler – spürt Dunja Melcic den Hintergründen eines politischen Kriminalfalls nach, in den Sicherheitsdienste, Gerichtsbarkeit, Mafia und höchste Staatsstellen verstrickt waren. Das Puzzle der Befehlskette läßt sich weitgehend rekonstruieren, aber auf welche Hintermänner deuten die Indizien?

Nach den Schüssen auf Djindjic kümmern sich Leibwächter um den serbischen Ministerpräsidenten (Fernsehaufnahme)

Trauerzug zur Beerdigung von Zoran Djincjic am 15.3.2003

zu einem Ausschnitt aus dem Artikel in der neu erschienenen Lettre Nr. 77


Die Verfasserin des Artikels, Dunja Melcic, ist 1950 in Kroatien geboren. Die Philosophin und freie Autorin lebt seit 1974 in Frankfurt/Main, wo sie über Heidegger promovierte. Sie widmet sich Themen der Philosophie und solchen der internationalen Politik mit Fokus auf Südosteuropa.

zu einem Artikel von Frau Melcic in der FAZ vom 16.6.2006
zu ihrem Aufsatz »Ausharrendes Fragen, beständiges Scheitern – Grundlegendes schaffen, Das Heidegger-Syndrom« (wahrscheinlich aus dem Jahr 2005)
zu ihrem Aufsatz »Die Tragödie des Zoran Djinjic« (2004)


Ein Insider erzählt von den Machenschaften des chinesischen Regimes im Ausland

von Tsewang Lhadon, ehemaliger Direktor des Tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie

Es war beeindruckend, Chen Yonglin, einen ehemaligen chinesischen Diplomaten, auf einem öffentlichen Forum sprechen zu hören, das von der China Research Association an der Universität von Toronto organisiert und vom China Rights Network finanziert wurde.

Chen Yonglin, ehemals Erster Sekretär im chinesischen Konsulat in Sydney/Australien, machte Schlagzeilen, als er sich im Mai 2005 aus dem Konsulat absetzte. Chen sprach offen über die Manöver des Regimes, um die Wahrnehmung Chinas im Westen durch chinesischsprachige Medien im Ausland zu beeinflussen und zu diesem Ziel auch Studentengruppen und chinesische Landsleute einzuspannen, die als Verbände an der Front operieren sollen. Ihr Zweck sei, so sagte er, die fünf „Gifte“, also die anvisierten Gruppen der Exiltibeter, Taiwanesen, moslemischen Uighuren, Demokratieverfechter und Falun Gong Praktizierenden, in Verruf zu bringen.

Chen berichtete auch von den Bemühungen des chinesischen Regimes, die internationalen Medien durch direkte Investitionen zu kontrollieren, um Einfluß auf den Inhalt der Publikationen zu gewinnen, was er eine Infiltration mit der Ideologie der Kommunistischen Partei nannte. Der Hauptzweck dabei sei, die Menschenrechtsverletzungen des Regimes zu legitimieren. Chen zufolge ist die kommunistische Partei ziemlich instabil, weswegen die Außenpolitik Chinas von Erwägungen politischer Stabilität dominiert wird. Die Hauptfunktion der chinesischen Vertretungen im Ausland sei, Dissidenten zu beobachten und sie zum Schweigen zu bringen, und dies wiege schwerer als alle anderen Funktionen zusammen.

Laut Chens Aussage arbeiten in jeder chinesischen Botschaft zwei Mitarbeiter des Geheimdienstes. Alle kommunistischen Einrichtungen werden als Eigentum des chinesischen Staates betrachtet, einschließlich lokaler chinesischer Institutionen im Ausland. Die chinesischen Konsulate formen Dachverbände, aus denen handverlesene Mitglieder zu Leitern der Vertretungen bestimmt werden. Diese haben dann die Aufgabe, die kommunistische Ideologie unter den Auslandschinesen zu verbreiten. Zum Zweck der besseren Überwachung bestehen diese Gruppen aus maximal zehn Personen. Chen berichtete auch, daß die Propagierung der Lehre des Konfuzius, wie es neuerdings Vertreter Chinas zu tun pflegen, um Vertrauen und gute Beziehungen auf hoher Ebene zu schaffen, widersinnig sei, weil der Konfuzianismus seinem eigentlichen Wesen nach im Widerspruch zum Kommunismus stehe.

Chen führte weiter aus, daß der Großteil der jüngeren Generation in China heutzutage keine nennenswerten Geschichtskenntnisse besitze. Das sei der Einführung der vereinfachten chinesischen Schriftzeichen anzulasten, denn kaum jemand könne heute noch die maßgeblichen Lehrtexte lesen. Mit anderen Worten, die jüngere Generation weiß nur das, was das Regime ihnen zu lernen gestattet: Die Geschichte wird entstellt, um den Erfordernissen des Regimes Genüge zu tun.

Als er in bezug auf die Problematik Tibets gefragt wurde, was er von den fünf Gesprächsrunden zwischen den tibetischen Exil-Vertretern und der chinesischen Regierung halte, malte Chen ein sehr düsteres Bild, indem er das ganze Unterfangen als eine „Taktik Chinas“ bezeichnete. Ohne zu zögern sagte er ganz offen: „Der Dalai Lama hat keine einzige Trumpfkarte in der Hand, mit der er verhandeln könnte“, und er fügte hinzu „von der chinesischen Seite gibt es überhaupt keine Aufrichtigkeit. Es ist unmöglich, daß ihr ein befriedigendes Resultat aus den Verhandlungen bekommt“.

Wie Chen sagte, ist das kommunistische Regime versessen darauf, die politische Stabilität aufrechtzuerhalten – zu seinem eigenen Vorteil. Jiang Zemin, der die Verfolgung von Tausenden von Falun-Gong-Mitgliedern anordnete, weiß nur zu gut, daß man ihm das niemals verzeihen wird. Zum brutalen Vorgehen des Staates gegen die Demonstrationen der Studenten von 1989 und die Ausrufung des Kriegsrechts in Lhasa im April desselben Jahres, als Hunderte von Tibetern getötet wurden, sagte Chen: „An Hus Händen klebt das Blut der Tibeter.“

Nach Chen Yonglins Ansicht ist der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes unvermeidbar. Er mahnte die westlichen Nationen jedoch, sehr vorsichtig zu sein, denn der „Große Bruder“ kenne keine Grenzen. Das also ist Chens Botschaft.

Nach der Diskussion ging ich auf Chen zu und dankte ihm, daß er seine Gedanken mit uns teilte und so mutig handelte. Als ich bemerkte, ich sei Tibeter, meinte er: „Der Dalai Lama muß Tibet besuchen. Er muß einen Weg dazu finden.“ Es wäre sinnlos gewesen, weiter zu argumentieren, denn er schien zu wissen, was er sagte. Es war Zeit zu gehen. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich den Raum verließ.

übermittelt durch Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Arbeitsgruppe München

Samstag, 16. Juni 2007

Mit der Lederhose zum Klassenfoto – die lange Hose war in der Wäsche


Das Foto wurde im Jahre 1947 auf dem Schulhof der „Alten Göttenbach“, dem damaligen Gymnasium Oberstein und der heutigen Stadtverwaltung, aufgenommen und zeigt den Abiturienten-Jahrgang 1948. Es waren schlechte Zeiten so kurz nach dem Krieg. So konnte sich Erhard Roth – seine Frau Elvira hat das Foto zur Verfügung gestellt – nur in der kurzen Lederhose zu seinen Mitschülern stellen; seine einzige lange Hose war in der Wäsche.

Dr. Gutheil, Dr. Fauß, Bernhard Gosert, Paul Landsmann, Norbert Buck, Heinz Kaucher, Werner Loch, Werner Faber, Dieter Michels, Friedrich Petsch, Erich Loch, Wilhelm Giese, Bernhard Gaß, Rudolf Becht, Helmut Wild, Ursula Brill, Winfried Gillmann, Gerhard Steffen, Egon Thormann, Gerhard Frühauf, Dieter Späth, Horst Rieth, Werner Bernhard, Armand Petry und Fritz Gillmann standen vor den mit Brettern zugenagelten Turnhallenfenstern.
aus der Nahe-Zeitung

Ein guter Freund …

transzendiert grad den Sex. Toi, toi, toi!!

Donnerstag, 14. Juni 2007

Die Tricks der Dosen-Akrobaten

Sie treten, werfen, schießen die Dosen durch die Luft, gegen Laternen, über Schnellstraßen, aus Hochhäusern - und immer, wirklich immer, landen die Dinger zielgenau im Mülleimer. Hier ist das Video, das fünf Franzosen weltweit zu Stars der Internet-Gemeinde machte.
ursprünglich bei stern-tv


Heiligt der Zweck die Mittel?

Wie Greenpeace Geschäfte mit Lidl macht

Auslöser war die Berichterstattung über eine Greenpeace-Studie, in der Lidl am besten abgeschnitten hatte: Zuschauer wiesen stern TV auf eine möglicherweise besondere Geschäftsbeziehung zwischen dem Discounter und den Umweltschützern hin.

Seit einem knappen Jahr hat Lidl das relativ teure Greenpeace-Magazin (4,90 Euro) im Sortiment. Zwar sind die Hefte offenbar echte Ladenhüter, trotzdem ist der Deal für die Umweltschützer ein lukratives Geschäft. Dabei gibt es noch mehr Merkwürdigkeiten, wie stern TV aufgedeckt hat.
weiter bei stern-tv

Hängenbleiben


Dienstag, 12. Juni 2007

Facharztversorgung: Ineffizienz nicht belegt

Die niedergelassenen Fachärzte zählen nicht zu den Kostentreibern im deutschen Gesundheitswesen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (ICES) im Auftrag des Deutschen Facharztverbandes (DEV). Im internationalen Vergleich liegen die Ausgaben im ambulanten Facharztsektor im Mittelfeld, medizinisch nicht sinnvolle Mehrfachuntersuchungen sind zudem selten. Für die von Kritikern der „doppelten Facharztschiene“ unterstellte Verteuerung der medizinischen Versorgung gibt es keine empirischen Belege.

Die finanziellen Einsparpotenziale für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) durch eine Vermeidung von Doppeluntersuchungen bei niedergelassenen Fachärzten halten sich deshalb in Grenzen. Das IGES beziffert die möglichen Einsparungen auf 64 bis 325 Millionen Euro pro Jahr. Bezogen auf die Gesamtausgaben der GKV entspricht das einem Anteil von maximal 0,23 Prozent und 0,03 Beitragssatzpunkten. In der Studie untersuchten die Wissenschaftler allerdings nur den ambulanten Bereich . Mögliche Doppel- oder Mehrfachuntersuchungen bei niedergelassenen Fachärzten und im Krankenhaus seien nicht berücksichtigt. Dieses Problem werde aber als relativ gering eingeschätzt.

aus dem Niedersächsischen Ärzteblatt 5/2007

Wenn Ihr also nochmal von den Ärzten und ihrem bescheuerten Verhalten als Kostentreiber im Gesundheitswesen in den Nachrichten oder irgendwelchen Magazinsendungen hört, könnt Ihr Euch Euren Teil dazu denken. Allerdings wäre es interessant, etwas über die Einsparpotentiale (alte Rechtschreibung) in anderen Ländern zu hören.

Kommunikation ist (nicht) alles

Großer Aufruhr im Wald! Es geht das Gerücht um, der Bär habe eine Todesliste. Alle fragen sich wer denn nun da drauf steht. Als erster nimmt der Hirsch allen Mut zusammen und geht zum Bären und fragt ihn: "Sag mal Bär, steh ich auch auf deiner Liste?" "Ja" sagt der Bär "auch dein Name steht auf der Liste." Voll Angst dreht sich der Hirsch um und geht. Und wirklich, nach 2 Tagen wird der Hirsch tot aufgefunden. Die Angst bei den Waldbewohnern steigt immer mehr und die Gerüchteküche um die Frage, wer denn nun auf der Liste stehe, brodelt. Der Keiler ist der erste dem der Geduldsfaden reißt und der den Bär aufsucht um ihn zu fragen, ob er auch auf der Liste stehen würde. "Ja" antwortet der Bär "auch du stehst auf der Liste". Verängstigt verabschiedet sich der Keiler vom Bären. Und auch ihn fand man nach 2 Tagen tot auf.
Nun bricht die Panik bei den Waldbewohnern aus. Nur der Hase traut sich noch den Bären aufzusuchen. "Bär, steh ich auch auf der Liste?" "Ja, auch du stehst auf der Liste." "Kannst du mich da streichen?" "Ja klar, kein Problem" *

**Kommunikation ist alles!!!*
Dank an Andrea

=====================================================
So, und jetzt bitte mal erst die Geschichte wenigstens ein paar Sekunden wirken lassen, bevor Ihr weiterlest!
=====================================================


Schöne Geschichte, nur erinnert sie mich an eine konservierte und recht simplifizierte New-Age-Weltsicht. Motto: Wenn wir nur miteinander reden, wird alles gut. (Siehe auch das Bild unten in diesem Post)

Es wurde ja schon vor dem Hasen kommuniziert. Deshalb ist Kommunikation alleine – logisch formuliert – eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung. Wesentliches Element in der Kommunikation mit dem Hasen war seine Frage an den Bären, ob dieser ihn von der Liste streichen könne. Entweder hatten Hirsch und Keiler nicht an diese Möglichkeit gedacht oder nicht geglaubt, diese Frage stellen zu können.

Was ebenfalls erstaunlich ist, daß anscheinend alle Tiere wie Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden, ihr bevorstehendes Schicksal akzeptiert haben. Anscheinend hat das Bild, welches sie vom Bären haben, sie gelähmt. Sie hätten sich ja miteinander verbünden oder auswandern können. Und was mich am meisten erstaunt: Keiner ist anscheinend auf den Gedanken gekommen, den Bären zu fragen, weshalb er das tut. Was bringt denn einen Bären dazu, einfach eine Liste zu machen und alle, die draufstehen, nacheinander abzumurksen?

Fazit: eine positive Weltsicht ("positive thinking", "die Hoffnung stirbt zuletzt") ist zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Noch ein letztes: Zwar antwortet der Bär dem Hasen, daß er ihn streichen werden, aber tut er’s auch und handelt er dann auch dementsprechend?

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie leicht sich Menschen zufriedenstellen lassen. Vielleicht fragt sich mal jemand, welche Seite in uns durch diese Geschichte angesprochen wird. Ist da in uns tatsächlich noch ein Teil, der an Weihnachtsmann und Oster-Hasen glaubt? Ein Hoch auf den New-Age-Markt! Wir glauben, was wir glauben wollen!

Donnerstag, 7. Juni 2007

Wenn es Greenpeace nicht gäbe …

müßte man sie erfinden:

Mehrere Greenpeace-Schlauchboote sind in die Sperrzone um den G-8-Gipfel in Heiligendamm eingedrungen. Die Wasserschutzpolizei drängte sie mit einem spektakulären Manöver ab, rammte ein Boot - alle Mann gingen über Bord.

zum Artikel auf Spiegel-Online

zur Photostrecke vom »Deine Stimme gegen Armut«-Konzert auf Spiegel-Online


Dienstag, 5. Juni 2007

Margarete Mitscherlich: Freuds Sexualleben war ein Geheimnis

Die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich sieht im Sexualleben Sigmund Freuds eines der großen Rätsel im Leben des Erfinders der Psychoanalyse. Wenn sie Freud eine Frage stellen dürfe so lautete diese: "Mensch, was hast du eigentlich mit deiner Sexualität angefangen?" Margarete Mitscherlich sagt im Interview in der neuen Ausgabe des Magazins "DIE ZEIT – Geschichte": "Er hat so vieles von der Sexualität verstanden, und trotzdem bleibt verborgen, wie er mit seiner eigenen Sexualität umgegangen ist." Sie glaube nicht, dass Freud jemals ein sexuelles Verhältnis zu einer seiner Patientinnen hatte: "Dazu war er viel zu kontrolliert", so Mitscherlich.
aus der ZEIT-Pressemappe vom 24.4.2006

Dazu folgende Anmerkungen:

1. hat Freud sich schützen wollen und wohlweislich möglichst viel aus seinem Privatleben verborgen: »die Biographen aber sollen sich plagen, wir wollen 's ihnen nicht zu leicht machen.
Jeder soll mit seinen Ansichten über die 'Entwicklung des Helden' recht behalten, ich freue mich schon, wie die sich irren werden.« (Link zu Ausschnitten aus einem Brief des damals 29jährigen an seine Verlobte Martha Bernays; Link zu freud-biographik.de, da gibt’ auch das Zitat.)

2. hat, glaube ich, Churchill einmal gesagt: »Entweder man versteht die Geschichte oder man macht sie.« Will heißen: Die Tatsache, daß Freud Sexualität in weiten Teilen verstanden hat (was immer man darunter verstehen will), heißt nicht notwendigerweise, daß er sie auch praktiziert hat. Mit ziemlicher Sicherheit stellte er ab dem vierzigsten Lebensjahr den sexuellen Kontakt mit seiner Frau ein. Die Ehe hatte sich nach der Geburt der Tochter Anna, des letzten von sechs Kindern, »amortisiert«, wie Freud später einmal gegenüber Emma Jung bemerkte. (Zitiert aus dem ZEIT-Aufsatz »Der Mann, der das Schlafzimmer vergaß« von Bernd Nitzschke)

Viele Autoren vermuten, seine sexuelle Abstinenz Martha gegenüber sei aufgrund der vielen Kinder entstanden und somit eine bestimmte Art von Verhütung gewesen. (Freud war der Meinung, daß das regelmäßige Praktizieren eines Coitus interruptus zu Neurosen führe.) Meiner Meinung nach ist kann dieser Satz nicht auf die sexuelle Beziehung zu Martha eingegrenzt werden. Amortisation bedeutet (nach www.fremdwort.de) die »
allmähliche Tilgung einer Schuld nach festgelegtem Plan« oder die »Abschreibung des allmählichen Verschleißes der Grundmittel in der Produktion«. Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder doch: Ich habe das jetzt nicht nachgeschlagen. 1986 war Freud 40 Jahre alt. Es wäre interessant, zu versuchen herauszufinden, ob er schon vor seinem vierzigsten Lebensjahr ab und zu Ohnmachtsanfälle hatte. (Dieser Link führt zu einer eindrucksvollen Schilderung eines Anfalls in Gegenwart von C. G. Jung) Wenn nicht, kann man sich seinen Teil dazu denken. (Dabei vergesse man nicht den sekundären Krankheitsgewinn!) Übrigens gab es Ohnmachtsanfälle auch bei C.G. Jung (Vortrag von Rudolf Sponsel aus dem Jahr 1996)

Außerdem wird gemunkelt, daß er eine Liebschaft mit der in seinem Haushalt lebenden Schwester von Martha, Minna, hatte:
»Oskar Rie, Freund der Familie Freud und Hausarzt der Kinder Freuds: "Wegen der Kinder ging er zu Martha, für das Vergnügen nahm er Minna." (zit. n.Kerr S. 171)« (zitiert aus »Zur Geschichte des Sexuellen Mißbrauch in der Psychoanalyse und Analytischen Psychotherapie«, auf der Seite ganz unten). Dazu findet sich im ZEIT-Aufsatz auch eine sehr kritische Bemerkung. Also, wir wissen schon einiges über Freuds Sexualität. Und mehr, denke ich, wäre eine Art Leichenfledderei.

3. Freud sei zu kontrolliert gewesen, sagt Frau Mitscherlich, um ein sexuelles Verhältnis mit einer Patientin zu haben. Es ist mir nicht so ganz klar, was damit gemeint ist. Es ist sehr sicher, daß er nie mit einer Patientin sexuellen Kontakt hatte, aber er war wahrhaft kein kühler und steriler Therapeut und hielt sich oft selbst nicht an die Regeln, die er für die technische Durchführung der »analytischen Kur« aufstellte. Sie dazu den Aufsatz von Ulrich Weinzierl »Freud war kein Freudianer« und die Besprechung des Buches von Paul Roazen »Wie Freud arbeitete«. Ob von Seiten des Therapeuten Kontrolle notwendig ist, um einen sexuellen Kontakt mit einem Patienten zu verhindern, möchte ich infrage stellen. Da sollte sich jeder, der einmal als Therapeut gearbeitet hat, seine eigenen Gedanken dazu machen.

Den Versuch, die Psychoanalyse zu analysieren, findet man auf der Seite von Marianne Krüll

In der Weltwoche gibt es mit Frau Mitscherlich ein Gespräch über Frauen, Männer und die Natur des Menschen.

Sozialwissenschaftler Hurrelmann: Schlecht erzogene Kinder bedeuten einen gewaltigen ökonomischen Nachteil für das Land

Der Bielefelder Sozialwissenschaftler Professor Klaus Hurrelmann, Autor der 15. Shell-Jugendstudie, die an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wird, fordert in der ZEIT Trainingskurse für Väter und Mütter, die verpflichtend an die Anmeldung eines Kindes im Kindergarten oder der Grundschule geknüpft werden.

Hurrelmann schätzt, dass es etwa 15 Prozent überforderte Elternhäuser gibt - und 10 bis 15 Prozent Jugendliche, die in vielerlei Hinsicht belastet sind: durch materielle Armut, schlechte Bildungschancen, gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen, schädlichen Medienkonsum und einen düsteren Blick auf die eigene Zukunft.

"Eine große Volkswirtschaft wie Deutschland muss einsehen, dass die Dinge auch wirtschaftlich riskant werden, wenn eine derart nennenswerte Gruppe von Kindern sozial und leistungsmäßig absackt", sagt Hurrelmann der ZEIT. "Wir wissen, dass ökonomisch schwache Eltern mitunter problematische Erzieher sind. Aber wir alle, auch und gerade die Vertreter der Wirtschaft, müssen begreifen, dass schlecht erzogene Kinder einen gewaltigen ökonomischen Nachteil für das Land bedeuten."

Neben Elternkursen müsse man deshalb über finanzielle Bonusregeln für kooperative Eltern nachdenken, die sich freiwillig in Erziehungsfragen beraten ließen. "Und, ganz wichtig: Schulen müssen durch intelligentere Mittelzuweisung und mehr Autonomie dazu ermutigt werden, sich auch 'schwieriger' Kinder offensiv anzunehmen."

Nicht nur bei den Jugendlichen aus problematischen Elternhäusern sind die Zukunftsängste gewachsen. Mehr als zwei Drittel der repräsentativ befragten 15- bis 29-Jährigen fürchten sich laut Shell-Studie heute vor Arbeitslosigkeit (2002: 55 Prozent). Dazu passt, dass 58 Prozent von ihnen dafür plädieren, in Zukunft möglichst weniger Zuwanderer als bisher in Deutschland aufzunehmen.

aus der ZEIT-Pressemappe vom 20.9.2006

konfusius hat noch einen Link zu seinem Kommentar hinterlassen: Planet Wissen

Grass hat schon als junger Mann SS-Mitgliedschaft gestanden

Hamburg (ots) - Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat seine umstrittene SS-Mitgliedschaft nicht bis ins hohe Alter verschwiegen, sondern nach Angaben des Verlegers Klaus Wagenbach schon Anfang der 60er Jahre offen darüber gesprochen. Das geht aus einem Beitrag von Wagenbach für die ZEIT hervor: "Vor einigen Wochen fiel mir ein schwarzer Umschlag mit dem Titel 'Grass-Monographie' in die Hand. Er enthält zehn Blätter, auf denen ich mir Notizen für eine Monografie über Günter Grass gemacht hatte ... Bei der Lektüre dieser Notizen las ich an einer bestimmten Stelle etwas ganz anderes als erwartet: 'Die Majorität der Klasse meldete sich zur Marine (auch G.), kam aber zu den Panzern. G. kam zur Sturmgeschützabteilung eines Panzerregiments. Zuerst Dresden, dann Tschechoslowakei und Lüneburger Heide. Januar/Febr. 45 Marschbefehl zur Kompanie zuerst Schlesien, dann Berlin (Gruppe Steiner, SS) erster Einsatz, März/April'. Das heißt: Bis 1963 hat Günter Grass keineswegs verschwiegen, dass er in der SS war, und es ist auch mit Gewissheit keine Äußerung nur mir gegenüber gewesen (die Interviews waren ohnehin zur Veröffentlichung bestimmt)."

Wagenbach, der 1965 ein Theaterstück von Grass in seinem Verlag veröffentlichte, erinnert sich noch, wie es zu seinen Notizen gekommen ist: "Ich wusste sofort, wo und wann: im Sommer 1963 in einem Ferienhaus der Schwiegereltern von Grass im Tessin. Wir waren damals sehr befreundet, ich war auch einige Jahre sein Lektor. Obwohl Grass zu dieser Zeit schon ein bekannter und in viele Sprachen übersetzter Autor war, existierte noch keine biografische Darstellung. So gab er mir zahlreiche Interviews, ich schrieb mit, und wir kamen, chronologisch, bis 1953. Das Projekt zerschlug sich dann."

Die SS-Mitgliedschaft von Grass war im großen Stil erst vergangenes Jahr bekannt geworden. Das hatte dem Autor viel Ärger eingebracht, weil er selbst in der Vergangenheit die Beschönigung von NS-Biografien kritisiert hatte.

aus der ZEIT-Pressemappe vom 25.4.2007

Motto: Sturm im Wasserglas. Vielleicht hätte Grass damals der BILD ein Interview geben sollen.

Deutschland – Ein Sommermärchen

Deutsche Krankenhäuser erleben neun Monate nach der WM einen Babyboom

Hamburg (ots) - Neun Monate nach der Fußballweltmeisterschaft gibt es in Deutschland einen Babyboom. Das ergab eine Umfrage der ZEIT in mehreren Krankenhäusern im ganzen Bundesgebiet: Im Bremer Zentralkrankenhaus kamen im März 28,6 Prozent mehr Kinder zur Welt als vor einem Jahr, das Klinikum Chemnitz vermeldet einen Anstieg von 27,8 Prozent, in den drei größten Kasseler Kliniken waren es 23,5 Prozent. Auch die Ärzte im Münchner Frauenklinikum Maistraße melden ein erkennbares Plus, haben es aber noch nicht quantifiziert.

Rolf Kliche, Leiter der privaten Dr. Koch-Geburtsklinik in Kassel, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sommermärchen 2006 und dem Babyfrühling 2007: "In optimistischen Zeiten werden ohnehin mehr Kinder gezeugt, während der WM könnten überschießende Glückshormone den Geschlechtsakt befördert und das Schwangerwerden erleichtert haben."

aus der ZEIT-Pressemappe vom 24.4.2007

Viel kritisiert, aber ein Türöffner: Die Regensburger Rede des Papstes

Die kritischen Äußerungen der Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. über Gewalt im Islam sind von sehr vielen Muslimen zwar äußerst empört aufgenommen und zurückgewiesen worden, dennoch hat genau jene streitbare Vorlesung ein neues Kapitel im katholisch-muslimischen Dialog aufgeschlagen. Sie war geradezu ein Türöffner. Davon ist der Washingtoner Theologe, Altorientalist und Religionsgeschichtler Sidney Griffith überzeugt. Die Wirkung sei jedenfalls ausgesprochen positiv. Inzwischen würden sich „viel mehr muslimische Gelehrte zu Wort melden, die ihre Sicht zum Dialog vorbringen wollen“, erklärte der Professor bei der Wiener Stiftung „Pro Oriente“. Zuvor sei es für christliche Theologen und Religionswissenschaftler häufig sehr mühsam gewesen, auf islamischer Seite kompetente Gesprächspartner zu finden. Inzwischen stehe die Regensburger Rede des Papstes fast immer am Beginn der Dispute. „Wenn wir Kontakt mit Muslimen aufnehmen, lautet die erste Frage immer: Was halten Sie von dieser Rede?“ Griffith, der an der „Katholischen Universität von Amerika“ tätig ist, stellt ein enorm gestiegenes Interesse an der Beziehung von Christentum und arabischer Welt fest. Zu Konferenzen seines Instituts kämen mittlerweile jeweils zwischen fünfzig und sechzig hochkarätige Fachleute aus vielen Ländern.
aus Christ in der Gegenwart 21/07

Montag, 4. Juni 2007

Wenn der Prinz zum Frosch wird

Die Partnersuche im Internet interessiert inzwischen auch Sozialforscher. Erstes und nicht gerade neues Ergebnis: Gleich und gleich gesellt sich gern.

zum Artikel im Allgemeinen Frankfurter Sonntagsblatt vom 3.6.2007
und hier: »Es herrscht ein traditionelles Rollenverständnis« (in der gleichen Ausgabe)

Im Original-FASZ ist der Titel der Gleiche wie der dieses Posts, deshalb noch einige Verweise auf Frösche:

- mein Post vom 25.5.07
- Flirthilfen für Frösche und solche, die keine sein wollen (wichtiger Hinweis: »Als Prinz bist Du in all Deinem Streben stets prozessorientiert, nicht zielorientiert.«)
- Prinz gesucht – Frosch gefunden? (Verdammt nochmal, fällt es keinem auf, daß anscheinend immer nur die Frauen sich täuschen? Früher gingen nur die Männer fremd und keiner hat sich gefragt, mit wem. Und heute täuschen sich die Frauen, und die Männer sind glücklich? Wie sagte Osho so schön: »A princess falling in love with a frog? Foolish idea! Frogs are falling in love with other frogs.«) In dem gelinkten Artikel heißt es übrigens so schön: »Gegensätze ziehen sich an.« Ja, was denn jetzt? Ach so, wir Psychotherapeuten sagen so schön: Beides ist richtig! Zur Erläuterung sei auf den Post »Beziehungsknatsch« vom 30.3.2006 verwiesen (Abschnitt »Geheime Schwierigkeiten und Hoffnungen«).
Und wenn’s nun doch ein Prinz ist (Über weibliches Träumen und den Umgang mit Kaulquappen)
Frosch oder Prinz (warum die Männer möglicherweise so sind, wie sie sind – klar, wenn’s schon nicht die Männer sind, dann wenigstens die Väter)
Moderne Prinzessinnen (wie man als Frau sich selbst küßt und daher keinen Prinzen mehr braucht – die Geschichte für Enthaltsame; steht bezeichnenderweise auf der Homepage »Sarah Sex & the City«, im Konterfei hat Sarah einen berühmten, inzwischen recht faltigen Breitmaulfrosch nachgemacht – für was Frösche alles gut sind!)
Damen und Trolle (von Fröschen und Gentlemen, die die Tür aufhalten)
Froschgeschichten (endlich mal was Positives: Frösche können recht ausdauernd sein)
Tantra 2 (14. Abschnitt, endlich hab’ ich das Osho-Zitat gefunden!); damit es nicht verloren geht, hier im Original: »The real master cannot give you solace, he can only give you freedom. He can give you bliss, but he cannot give you consolation. And he will have to destroy many things in you which you have cherished for long, nourished for long. He will have to take away all the clothes that protect you, he will have to leave you nude in reality. It frightens, it scares, but that is the only way you can grow. Growth has to be with reality, not against reality. And once you have tasted something of reality as it is, you will never gather any other buffers, shock-absorbers, around you again. Saguna, you say, "I feel like the frog in the fairy tale who gets kissed and starts growing up to be the handsome prince." You must be dreaming. Things are not done that way here. You came here, Saguna, as a charming prince. You have been kissed, and now you are a frog. But there is nothing wrong with being a frog -- frogs are beautiful people. You say, "But I'm still wearing froggy clothes...." Of course -- you are still a frog! "And they are too tight" -- you are imagining -- "and the princess isn't interested and wouldn't it be nice just to be a frog again?" What are you talking about? You don't need any help, you already are one! Accept your frogginess and forget all about the princess. In fact I have never seen a frog interested in a princess -- foolish idea! Become interested in another frog! And in that way I can help you. I have so many frogs here.«

(und da ich grad dabei bin: Ein Link zur oshofriendsinternational, einer Absplitterung von der offiziellen Osho-Bewegung)


Das Dilemma des Mannes

Ein Prostata-Tumor wird heutzutage immer früher und häufiger entdeckt. Jeder dritte Sechzigjährige hat ihn. Aber nur drei Prozent aller Männer sterben daran. Der Rest nimmt ihn mit bis ins Grab.
zum Artikel im Frankfurter Allgemeinen Sonntagsblatt vom 3.6.2007

Kämpfer gegen Doping und die Mafia

Der italienische Sportwissenschaftler Sandro Donati bekämpft seit gut 25 Jahren Doping und Manipulationen im Sport. Er entlarvte den Dopingarzt Francesco Conconi, der als Dopingbekämpfer auftrat, er entdeckte, dass Epo im Radsport flächendeckend eingesetzt wurde, und er deckte auf, dass im staatlichen Dopingkontrolllabor Acqua Certosa in Rom systematisch Proben manipuliert wurden.

Trotz des offiziellen Lobes für seine Arbeit wurde Donati innerhalb des Nationalen Olympischen Komitees von Italien (Coni), bei dem er angestellt war, isoliert. Vor wenigen Monat wurde er, im Alter von 59 Jahren, inRente geschickt. Donati berät das italienische Sozialministerium in Fragen von Doping, Drogen und Sport und ist im Vorstand von „Libera“ engagiert, einem Bündnis gegen die Mafia. Am 20. Juni wird er in Berlin an der Anhörung des Deutschen Bundestages zum Thema Doping teilnehmen.

Aus dem Sportteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 3.6.2007

Dort gibt es auch ein Interview mit ihm zu lesen

Freitag, 1. Juni 2007

Heiligendamm

Kostet ja ziemlich viel, dieser G8-Gipfel. Vielleicht sollte man sich überlegen, die G8-Teilnehmer in Stuttgart-Stammheim unterzubringen, dann hätte man die gesamte Sicherheitslogistik schon vor Ort.

Auf der Deutschen Welle findet sich ein Gastkommentar der Inderin Vandana Shiva zum G8-Gipfel.

Tatkraft

Während sich manche Leute über die Herkunft chinesischer Schriftzeichen, die Rechtschreibreform, die 68er und ihre Auswirkungen, die grundsätzlichen Gegensätze zwischen Mann und Frau, die Dehnbarkeit des Kunstbegriffs oder die Unterschiede zwischen Semantik und Semiotik den Kopf und den darin befindlichen Inhalt und was weiß ich noch alles zerbrechen, gehen andere tatkräftig zur Sache:
So werden Polizisten von ganzen Familien gemeinsam verprügelt (vielleicht ist das ja in bestimmten Kreisen der neue Freizeitspaß, nachdem Ausländer-Klatschen aus der Mode gekommen ist) oder säumigen Zahlern wird mal kurz der Saft abgedreht, woraufhin diese in die nächste Existenzebene wechseln.

Aber es gibt auch noch einen Geburtstag zu feiern … (vielen Dank an uj von der HAZ, das Meiste [verdammt noch mal, wird das jetzt groß oder klein geschrieben] wußte ich noch nicht.)

Mittwoch, 30. Mai 2007

Gen Mais macht Ratten krank

Neue Studie belegt die Gefährlichkeit von Monsanto Getreide

Die Skepsis vieler Wissenschaftler war berechtigt: Der als Lebens- und Futtermittel in Deutschland zugelassene Gen-Mais M0N863 birgt tatsächlich ein Gesundheitsrisiko. Das belegt jetzt erstmals eine Studie der unabhängigen französischen Expertengruppe CRIIGEN. Ratten wiesen nach dem Verzehr der Körner aus den Labors des US-Konzerns Monsanto verschiedene Schädigungen auf.

Die französischen Wissenschaftler nahmen für ihren Bericht die Originaldaten eines 90 tägigen Fütterungstests unter die Lupe, den Monsanto 2002 selbst durchgeführt und ausgewertet hatte. Die Ergebnisse bezeichnete das Unternehmen damals als unbedenklich, hielt aber alle Dokumente unter Verschluss. Erst Greenpeace gelang es mit einer Klage 2005, Monsanto zur Herausgabe der kompletten Versuchsinformationen zu zwingen, auf deren Basis CRIIGEN nun zu dem für den Konzern prekären Ergebnis kam.

Trotz aller Bedenken verschiedener Mitgliedsländer hat die EU Kommission Anfang 2006 M0N863, der ein Gift gegen den Maiswurzelbohrer produziert, als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Verwendet wird er hierzulande ausschließlich als Tierfutter. Auf dem Acker stehen darf er in der EU nicht, er wird aus Nordamerika importiert. Für den kommerziellen Anbau erlaubt ist in Deutschland aber ein anderes Monsanto Produkt: der gegen den Maiszünsler resistente MON810. Knapp 3.500 Hektar haben Landwirte für 2007 bislang angemeldet, fast nur im Osten der Republik. Auch MON810 zeigt, wie Greenpeace-Experte Christoph Then betont, „Auffälligkeiten im Tierversuch“. In Polen und Ungarn ist der Anbau von MON810 verboten, in Österreich sogar der Import. Greenpeace fordert von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer, sich an den in der EU Gesetzgebung vorgeschriebenen Grundsatz der Vorsorge zu halten, ein Anbauverbot für Gen-Mais zu verhängen und sich auf EU-Ebene für einen generellen Zulassungsstopp von Gen-Pflanzen einzusetzen.

Wo in Deutschland Felder für Gen-Mais angemeldet sind, können Sie im Internet unter www.greenpeace.de/themen/gentechnik nachsehen. Die Karte wird fortlaufend aktualisiert.

aus den Greenpeace-Nachrichten 2-07
siehe auch bei Greenpeace

siehe auch meinen Post vom 22.3.07
siehe auch die Meldung von Post
siehe auch die Meldung von Bio-Markt.Info
siehe auch die Meldung in der Welt Online

Was ist daran Kunst? Nr. 2



Dank an kunfusius

Bei der Kunst ist es wie in der Psychotherapie: Wenn genaueres Hinsehen nicht weiterführt, ist Assoziieren angesagt. (Wie beim Post über das bundesdeutsche Leichenfledderer-Duo Schmidt-Pocher)

Sonntag, 27. Mai 2007

Die Entdeckung des Blutkreislaufs

Vor 350 Jahren starb William Harvey, der Entdecker des Blutkreislaufs. Noch 1616 hatte er in seinen anatomischen Vorlesungen verkündet: »Zuweilen wächst das Gehirn, zum Beispiel bei Vollmond, und wenn man schreit, … ebenso bei Nässe.« In einer Zeit, in der Giordano Bruno oder der Spanier Miguel Serveto, der Entdecker des Lungenkreislaufs, als Ketzer verbrannt wurden, waren solche heute eher als witzig empfundenen Aussagen über die Funktionsweise des menschlichen Körpers eher akzeptabel als deren exakte wissenschaftliche Beschreibung. Aus diesem Grund sollten wir solchen Menschen, die zum Sieg der Vernunft über das magische Denken beitrugen, hochschätzen. Hier ein Beispiel, wie unser Geist noch Anfang des 18. Jahrhunderts arbeitete:

Im Jahre 1728 berichtete die Berliner „Vossische Zeitung“ (Nr. 105) aus Ungarn (Szegedin): „Eines Schusters Sohn spielte mit anderen Knaben auf der Gasse und ließ verlauten, daß er Wetter [Unwetter] machen könne, welches ein anderer Knabe zu Ohren faßte; und da noch selbigen Tages ein hartes Wetter kam, welches alle dortigen Weingärten zu Boden schlug, erzählte es der eine Knabe seinem Vater, daß des Schusters Sohn gesagt, er könne Wetter machen. Dieser zeigte es sofort bei der Obrigkeit an, woraufhin nicht nur der Knabe, sondern noch viele, die er angab, verhaftet wurden. Man verhörte sie wegen ihrer Hexerei auf der Folter [‚entsetzlich scharf'’], wodurch sie bewogen wurden, horrende Sachen zu bekennen, daher das Urteil erging, daß 13 von ihnen, 6 Hexenmeister und 7 Hexen, verbrannt werden sollten … jetzt sitzen noch 28 im Gefängnis.“ Dazu der „Hamburgische Correspondent“ (1728, Nr. 139): „Es wurden drei Scheiterhaufen eine Stunde vor der Stadt an der Theiß aufgerichtet, allwo in der Mitte eines jeden ein großer Pfahl eingegraben stand; an jeden Pfahl wurden auf einem jeden Haufen 4 Malefikanten mit Stricken angebunden … Darauf wurden alle drei Haufen zugleich angezündet und in volle Flammen gesetzt; und obwohl die Malefikanten eine starke Viertelstunde in den umgebenden Flammen gelebt, so hat man dennoch nicht das geringste Geschrei von ihnen gehört … Es sind noch 8 in Haft … Gestern sind weitere 20 gefangen worden.“
aus Orthband, Geschichte der großen Philosphen, S. 311

Samstag, 26. Mai 2007

Harald Schmidt holt Oliver Pocher











.



























Da es noch nicht mal Konfusius gemerkt hat: Das hier ist Kunst. Kunst soll zum Nachdenken anregen. Wem das zu schwierig ist, für den hier die Auflösung:

»Dazu fällt mir nichts mehr ein!«

Atlas der Globalisierung

Die Welt ist im rasanten Wandel. Doch welche Kräfte treiben ihn an? Wer profitiert und wer zahlt den Preis? »Le Monde diplomatique« gelingt das Kunststück, die hochkomplexe Dynamik der Globaisierung in verständliche Theman zu gliedern und die Entwicklung in klaren Texten und anschaulichen Karten und Grafiken fassbar zu machen. (Greenpeace-Rezension)

Atlas der Globalisierung – Die neuen Daten und Fakten zu Lage der Welt; taz-Verlag, Berlin 2006, 198 Seiten, 12 Euro

Kampf um Afghanistan

Das ZDF brachte in der letzten Woche einen neuen Bericht nach dem Selbstmordanschlag vom 19. Mai: »Die Rückkehr der Taliban« von Martin Smith (noch’n Link). Es machen sich ja alle möglichen Leute Gedanken, auch bei Maischberger.
Grundsatzartikel gibt es bei weltpolitik.net und der AG Friedensforschung der Uni Kassel.

Hier eine Liste der unter dem Stichwort »Afghanistan« entstandenen Beiträge der Kasseler Friedensforschung-AG, und eine Liste zu »Pakistan«.

Die ZDF-Sendung berichtete über massive Schwierigkeiten Pakistans, die Regierungshoheit im Hindukusch auszuüben, wohin sich, das scheint inzwischen festzustehen, die Taliban-Kämpfer zurückgezogen haben. Dort haben sie ihre logistischen Stützpunkte und werden von der Bevölkerung auch angesehen. Ein Kampf gegen die Taliban in Afghanistan wird so nämlich ins Leere laufen, wenn sich diese auf pakistanisches Hoheitsgebiet zurückziehen können (ORF-Artikel). Auf den zunehmenden Druck der USA hin (siehe auch den Telepolis-Artikel), versucht Pakistans Präsident Musharraf (Staatsoberhaupt seit einem unblutigen Putsch 1999) durch Abkommen mit den im Hindukush lebenden Stämmen auf diese Einfluß auszuüben (siehe auch den Artikel von Conrad Schetter). Interessant dabei die Tatsache, daß der pakistanische Geheimdienst die Taliban (der Artikel erklärt auch die Fragwürdigkeit dieses Begriffs) unterstützt. Musharraf hat Schwierigkeiten, sowohl gegen den Geheimdienst wie auch gegen die Taliban vorzugehen, da es in seiner Umgebung einiges an Sympathien für diese gibt und er dadurch in seiner Handlungsfreiheit stark eingeschränkt ist. (In sieben Jahren überlebte er drei Anschläge.)
Der Film von Martin Smith erzählt, wie nach dem zunehmenden Druck in Afghanistan sich die Taliban in die Stammesgebiete im Hindukusch zurückzogen und von einem jungen, charismatischen Führer aufgenommen wurden. Nach dem Scheitern der Abkommen zwischen der pakistanischen Regierung und den Stammesführern gab es einen Luftschlag – unklar, ob von Pakistan oder den USA ausgeführt –, bei dem dieser ums Leben kam.


Söldner – Kriegsführung mit dem Scheckbuch

Dr. Peter W. Singer von der US-Denkfabrik Brookings Institut beschäftigt sich in „Die Kriegs-AGs“ mit privaten Militärfirmen (PMF).

„Der Krieg gegen den Terrorismus ist ein Vollbeschäftigungsprogramm für diese Jungs“, sagte ein Pentagon-Beamter über die Folgen des 11. September. Von wem sprach er?
Von privaten Militärfirmen, PMFs. Die Reaktion der Politik auf die Terroranschläge lief auf eine Kur für die Brauche hinaus. Die Operationen der US-Streitkräfte in Afghanistan oder Irak wären ohne zugekaufte militärische Dienstleistungen nicht möglich. PMFs übernehmen Aufgaben, die früher Soldaten hatten: von Kampfeinsätzen über Logistik hin zu technischem Service.

Wie ist diese Militärindustrie entstanden?
Drei Kräfte Anfang der 90er Jahre haben sie begünstigt: Das Ende des Kalten Krieges und neue Bedrohungen. Eine neue Art von Kriegsführung, in der die Trennung zwischen Soldaten und Zivilisten verwischt. Und eine Ideologie, die mehr auf Markt als auf Staat setzt.

Wer sind die Firmen?
Halliburton ist die größte. Allein im Irak hat sie mehr als 18 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Die einflussreichste war Executive Outcomes, eine südafrikanische Firma ehemaliger Apartheidssoldaten, die zum Beispiel in Angola und Sierra Leone auf Seiten der Regierung gekämpft hat.

Wie viele dieser Firmen gibt es weltweit?
Die Industrie ist global, mit über 500 Firmen aus aller Herren Länder – von den USA und Großbritannien bis Nepal und Uganda. PMFs haben schon auf jedem Kontinent außer der Antarktis operiert, von den Balkankriegen über Papua-Neuguinea his zum Irak. Mehr als 50 Regierungen haben sie angeheuert, multinationale Konzerne, Drogenkartelle, aber auch mehr als 40 humanitäre Organisationen. Krieg ist keine Staatsaffäre mehr. Mit einem Scheck kann nun jeder militärähnliche Macht kaufen. Die Firmen versuchen, mit Krieg so viel Geld wie möglich zu machen.

Ist das eine moderne Version des Söldnertums?
Mit den PMFs hat sich die Söldnerbranche zu einem gigantischen Unternehmenszweig entwickelt. Söldner galten einmal als Kriminelle und mussten sich verstecken. Im Gegensatz dazu agiert die PMF-lndustrie direkt vor unseren Augen.

Wer kontrolliert sie?
Niemand. Internationale sind nationale Gesetze fehlen völlig. Die meisten Firmen operieren in „problematischen“ Staaten, die ihre Gesetze nicht durchsetzen können. Sich stur auf die Firma und ihre Auftraggeber zu verlassen, ist nicht genug. Das konnten wir in Abu Ghraib [Link 1, Link 2, Link 3, Link 4] sehen, wo 50 Prozent der Verhörspezialisten private Auftragnehmer waren. Ein Zirkus wird schärfer kontrolliert als jede private Militärfirma.

Interview: NINA SCHULZ

* Peter W Singer: Die Kriegs-AGs, Zweitausendeins, 27,90 Euro
siehe auch:
- Söldnerherz (Alexandra Fuller, Lettre International 70, Herbst 2005)

Wenn jemand das Video zu dem Boris-Vian-Chanson »Le Deserteur« von Les Sunlights findet, wäre ich für einen Hinweis dankbar!


Ein paar interessante Hintergrundinformationen zu dem Lied

aktualisiert am 19.09.2014

Freitag, 25. Mai 2007

Einst …

Once upon a time,
in a land far away,
a beautiful, independent,
self assured princess
happened upon a frog as she sat,
contemplating ecological issues
on the shores of an unpolluted pond
in a verdant meadow near her castle.
The frog hopped into the princess’ lap
and said: “Elegant Lady,
I was once a handsome prince,
until an evil witch cast a spell upon me.
One kiss from you, however,
and I will turn back
into the dapper, young prince that I was
and then, my sweet, we can marry
and set up housekeeping in your castle
with my mother,
where you can prepare my meals,
clean my clothes, bear my children,
and forever
feel grateful and happy doing so.”
That night,
as the princess dined sumptuously
on lightly sautéed frog legs
seasoned in a white wine
and onion cream sauce,
she chuckled and thought to herself:
Thanks for the offer.

Die Online-Übersetzung von Reverso möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Einmal, in einem Land weit weg, schön, unabhängig, selbst stieß versicherte Prinzessin auf einen Frosch, wie sie saß, über ökologische Ausgaben (Probleme) an den Ufern eines unverschmutzten Teichs in einer grünen Wiese in der Nähe von ihrem Schloß nachdenkend.
Der Frosch gehüpft in die Runde (den Schoß) der Prinzessin und sagte: „Elegante Dame, ich war sobald ein hübscher (beträchtlicher) Fürst, bis eine schlechte Hexe eine Arbeitszeit (Faszination) auf mich warf. Ein Kuß von Ihnen jedoch und werde ich in den adretten, jungen Fürsten umkehren lassen, dass ich war und dann, meine Süße, können wir uns verheiraten und Haushalt in Ihrem Schloß mit meiner Mutter aufstellen, wo Sie meine Mahlzeiten vorbereiten, meine Kleider reinigen, meine Kinder tragen, und auf immer dankbares und glückliches Tun so fühlen können.“
In dieser Nacht, wie die Prinzessin aufwendig auf leicht sautéed Froschschenkel ausgereift in einem weißen Wein und creme Zwiebelensoße bewirtete, gluckste sie und dachte zu sich selbst: Vielen Dank für das Angebot.

Vielen Dank!
… und noch ein Link von konfusius (Danke!)

Dienstag, 22. Mai 2007

Japan: Immer eine Kilowattstunde voraus

Wie sich der Stromverbrauch von Elektrogeräten senken lässt, macht Nippon systematisch vor. Möglich wäre das auch hier. Doch Deutschland und die EU verschenken das Potenzial.

Japan produziert die energieeffizientesten Kühlschränke und Elektronikprodukte der Welt. Motor dieser Entwicklung ist das vor acht Jahren eingeführte „Top Runner Modell“, das stromfressende Geräte vom Markt drängt: Alle paar Jahre muss eine neue Generation von Elektrogeräten deutlich energieeffizienter sein als die vorherige. Binnen drei bis fünf Jahren müssen die staatlich verordneten Mindeststandards eingehalten werden. Bei jedem Gerät wird ausgewiesen, um wie viel Prozent die Effizienzmarke unterboten wird und wie viel Geld der Verbraucher bei der künftigen Stromrechnung einspart. Dagegen werden Firmen, deren Produkte die Mindesthürde nicht schaffen, öffentlich angeprangert und vom Verbraucher gemieden. Obwohl Japan mit diesem Konzept seit Jahren Erfolg hat und den Stromverbrauch von Elektrogeräten stetig senkt, konnten sich weder Deutschland noch die EU dazu durchringen. Dabei liegt hier ein enormes Energiesparpotenzial: Zugunsten des Geldbeutels und des Klimas könnten Videorekorder 60 Prozent, Klimaanlagen 63 und Computer sogar bis zu 80 Prozent Strom sparen.
aus dem greenpeace magazin 6.06

Italien: Gutes von der Mafia

Das ärgert die Mafia wirklich: Von ihr beschlagnahmte Immobilien und Ländereien können an soziale Projekte übereignet werden. So will es Gesetz 109/96, das die Organisation „Libera Terre“ durchsetzte. „Was der Gemeinschaft durch illegale Geschäfte genommen wurde, soll ihr zurückgegeben werden“, sagt Gründungsmitglied Don Raffaele Bruno. Aus Mafiosi-Palästen werden so drogentherapeutische Einrichtungen, Jugendtreffs oder Schulen. Auf bislang rund 450 Hektar konfiszierten Ländereien bauen soziale Kooperativen Ökowein, -oliven, -gemüse und -getreide an. Für viele Arbeitslose, frühere Drogensüchtige und Häftlinge ein Ausweg aus der Not – und eine Alternative zur Mafia. Bei einer „Vermögensabschöpfung“ in Deutschland hingegen ist die öffentliche Hand der Nutznießer.
aus dem greenpeace magazin 6.06

Schweiz: Essen ohne Gewissensbisse

Unangefochtener Spitzenreiter beim Handel mit fairen Produkten ist ein Nicht-EU-Land: Die Schweizer geben jährlich durchschnittlich 18,47 Euro für Waren mit dem Fairtrade-Siegel aus, die Deutschen dagegen magere 70 Cent. Damit liegt Deutschland noch unter der Hälfte des europäischen Durchschnitts von ohnehin niedrigen 1,50 Euro. Dabei hält einer Emnid-Umfrage zufolge mehr als ein Drittel der Deutschen den fairen Handel für unterstützenswert. Weltweit wuchs der Fairtrade-Handel im letzten Jahr um 37 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro Umsatz, in Deutschland verzeichnete TransFair ein Plus von 25 Prozent. Inzwischen profitieren schon eine Million Kleinproduzenten in armen Ländern vom fairen Handel, der ihnen langfristige Lieferbeziehungen und ein menschenwürdiges Einkommen garantiert.
aus dem greenpeace magazin 6.06

Und noch mal die Schweiz: Flugverbot für Bio

Das Label „Bio Suisse“ bekommen Ökoprodukte in der Schweiz nur, wenn sie nicht per Flugzeug importiert wurden. Coop hält sich als einzige Handelskette konsequent an diese Auflage. „Das Flugverbot ist für uns eine Frage der Glaubwürdigkeit“, erklärt Jacqueline Forster-Zigerli, die Sprecherin von „Bio Suisse“.
aus dem greenpeace magazin 2.07

Versuchstiere – Weiße Mäuse bei Olympia

China setzt bei den Olympischen Spielen 2008 auf weiße Mäuse: Die Nager kosten das Essen für die Athleten vor. Wegen schlechter Produktionsstandards sind chinesische Lebensmittel oft hochgradig mit Chemikalien, Anabolika oder Schwermetallen belastet. Sportler müssen nicht nur Lebensmittelvergiftungen fürchten, manche Substanzen im Essen könnten auch zu positiven Dopingtests führen – und damit zum Karriere-Aus. Da die Mäuse binnen 17 Stunden auf Giftstoffe reagieren, sollen bei den Spielen in Peking für Sicherheit sorgen.
Aus dem greenpeace magazin 2.07

Montag, 21. Mai 2007

Die 68er Revolution – Wie es anfing

Angesichts des bevorstehenden 40sten Todestages Benno Ohnesorgs hat die ZEIT (in iher aktuellen Nr. 21 vom 17.5.2007) einen Teil ihres Feuilletons den gesellschaftlichen und Studentenunruhen der damaligen Zeit gewidmet. Ohne diese Ereignisse sind weder RAF noch Osho oder die ganze Esoterikbewegung, die Grünen, BUND, Greenpeace oder die Frauenemanzipation zu verstehen.

Nachdem offensichtlich wurde, daß die staatliche Macht aggressive Auseinandersetzungen immer gewinnt, spaltete sich die Protestbewegung in drei Richtungen:
- die politische Bewegung versuchte entweder den »Marsch durch die Institutionen« oder radikalisierte sich;
- die Umweltbewegung versuchte, eine heile Welt zu schaffen oder soweit als möglich zu bewahren, damit in ihr heile Menschen leben können;
- die Esoterikbewegung versuchte, individuell an sich selbst zu arbeiten, da sie sonst gesellschaftliches Wirken als sinnlos ansah.

Hier der Link zur Themenseite in der ZEIT:
» 1968 – wie alles begann

die Aufsätze im einzelnen:

1968 – WIE ALLES ANFING

Der Sommer, in dem unser 68 begann
VON MATHIAS GREFFRATH
Die deutsche Studentenbewegung formierte sich bereits 1967. Eine Beschwörung der entscheidenden Wochen in West-Berlin.
__________________________________________________________________

Plötzlich lag ein Mensch vor mir
Frederike Hausmann erinnert sich an den 2. Juni, als sie den sterbenden Benno Ohnesorg fand.
__________________________________________________________________

SIEBEN FRAGEN AN 1968

Müßten die »68er« in Wahrheit »67er« heißen?
Ein Kommentar von Volker Ullrich
__________________________________________________________________

Wie autoritär war die Bundesrepublik 1967?
Ein Kommentar von Ulrich Greiner
__________________________________________________________________

Haben die 68er die Familie zerstört?
Ein Kommentar von Susanne Mayer
__________________________________________________________________

Hat die Springer-Presse Hass geschürt?
Ein Kommentar von Thomas Assheuer
__________________________________________________________________

Hat die Apo den Marsch durch die Institutionen geschafft?
Ein Kommentar von Christian Staas
__________________________________________________________________

Wurden die RAF und ihr Terror durch die 68er erst möglich gemacht?
Ein Kommentar von Patrick Schwarz
__________________________________________________________________

Hitlers Kinder?
Ein Kommentar von Jens Jenssen
__________________________________________________________________

Chronik der Proteste
Die Geschicht der Revolte von 1968

==========================================================

Hier ein Link zur Themenseite im stern

==========================================================

Hier ein Link zu einem Artikel in der HAZ

==========================================================

Und bei der ganzen Politik soll auch ein wichtiges Element der damaligen Zeit nicht vergessen werden: Die Kunst. Die sah sich nämlich damals als wichtiger Motor gesellschaftlicher Veränderungen.



Wer weiß, daß »Lucy in the Sky with Diamonds« Namensgeber für das erste »Lucy« genannte Skelett des Australopethicus afarensis war, das 1974 in Afrika gefunden wurde. (Das war die Zeit, in der nach dem sogenannten »Missing Link« zwischen Affen und Menschen gesucht wurde. Man glaubt es nicht: Damals war das noch ziemlich strittig, ob – flapsig formuliert – der Mensch vom Affen abstammt. Über die Beziehung zwischen Lucy und Dian Fossey – den meisten bekannt aus dem Film »Gorillas im Nebel« (gespielt von Sigourney Weaver) – werde ich später mal einen besonderen Post schreiben.)
Wer weiß, daß »Fool on the Hill« ein Lied über Buckminster Fuller ist? (Der ist bekannt durch seine geodätischen Kuppeln – noch eine eigene Geschichte – und prägte Begriffe wie »militärisch-industrieller Komplex«, »Raumschiff Erde«, »Synergie« und »Tensegrity« – heute meist als von Carlos Castaneda entwickelte Bewegungsübung verstanden.) Und die Beatles, von denen die beiden Schlaglichter stammen, veröffentlichten vor vierzig Jahren – am 1. Juni 1967 – ihr berühmtes Konzeptalbum »Sgt. Pepper’s Lonely Heart Club Band« (auf dem ist auch »Lucy in the Sky with Diamonds« zu finden). Allein schon das Cover hat eine Aussagekraft, die wir auf heutigen aktuellen Musikwerken nicht mehr erwarten, geschweige denn finden. Die Lektüre des Wikipedia-Artikels über das Cover sei wärmstens empfohlen!!

zu einer Rezension des Werks auf musik.ciao.de




Freitag, 18. Mai 2007

So machen’s die Franzosen

Mit Disziplin: Schon die Kleinsten werden in der École Maternelle unterrichtet wie später in der Grundschule.

Schule für kleine Staatsbürger

ÉCOLE MATERNELLE Nirgendwo in Europa werden so viele Kinder geboren wie in unserem Nachbarland. Das liegt auch an der staatlichen Betreuung.

................................…………………………………………………………
Von Birgitta Mogge-Stubbe, Lyon

Die École Maternelle ist – anders als ein deutscher Kindergarten oder Kinderhort – eine reguläre Einrichtung des französischen Bildungssystems für zwei- bis sechsjährige Kinder. Sie verfolgt ein eigenes pädagogisches Konzept, hat einen verbindlichen Lehrplan und festgelegte Lernziele, die an Alter und Entwicklungsstand der Kleinen ausgerichtet sind. Zwar besteht keine Schulpflicht – die beginnt erst mit sechs Jahren –, aber gut 35 Prozent der Zwei- und fast 100 Prozent der Dreijährigen besuchen eine Vorschule. Grundsätzlich handelt es sich um Ganztagseinrichtungen mit Öffnungszeiten oft bis in den frühen Abend, mit Mittagessen und (für die Kleineren) Mittagsschlaf. Die Eltern können Sohn oder Tochter auch zu Hause verköstigen, doch die wenigsten machen Gebrauch davon.

Auch die Krippe (crèche) für Kinder von zwei Monaten bis zu drei Jahren wird ganztags angeboten; mancherorts stehen Erzieherinnen gut zwölf Stunden zur Verfügung. Entgegen landläufiger Meinung ist nur ein Drittel der Minis in einer Crèche, die meisten werden von einer Tagesmutter gehütet.

Staat und Kommunen lassen sich die Kinderbetreuung einiges kosten. Der Staat gibt großzügige Zuschüsse zu den Kosten für Krippen und Tagesmutter. Er zahlt für die ersten beiden Kinder monatlich mindestens 119 Euro (maximal 165), fürs dritte Kind 271, für jedes weitere kommen gut 150 Euro hinzu. Seit drei Jähren gewährt er Erziehungsurlaub schon ab dem ersten Kind und eine Geburtsprämie, die je nach Einkommen bis zu 826 Euro betragen kann. Alles in allem kann sich die Steuerlast für kinderreiche Haushalte so ermäßigen, dass sie nichts abführen. Ebenfalls attraktiv: die flächendeckende Einrichtung der kostenfreien Écoles Maternelles.

Junge Familien danken die Fürsorge mit Zeugungsfleiß. Im vergangenen Jahr meldete Frankreich einen Rekord: die höchste Geburtenrate der EU. Obwohl Frankreich rund 20 Millionen weniger Einwohner hat als Deutschland, kamen hier 831.000 Babys zur Welt, in Deutschland waren es 675.000. Damit liegt die Geburtenziffer pro Frau jetzt bei durchschnittlich 2,07 Kindern (in Deutschland 1,4).

Die demografische Entwicklung könnte, so das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, langfristig dazu führen, dass Frankreich die stärkste Wirtschaftsmacht in der EU wird: Viele Kinder erarbeiten mehr Wohlstand. Thomas Straubhaar, der Chef des Weltwirtschaftsinstituts in Hamburg, formuliert vorsichtiger: Die hohe Geburtenrate sei „ein psychologisches Zeichen für den Zukunftsoptimismus einer Gesellschaft“.

In der Tat ist es für französische Frauen selbstverständlich, beides zu haben: Familie und Karriere. 80 Prozent der Mütter mit zwei Kindern sind berufstätig; sie schätzen die gesellschaftliche Anerkennung, die sie durch den Beruf erfahren. Laut Cathérine Marry vom Centre Nationale de la Recherche Scientifique (CNRS), einer der deutschen Max-Planck-Gesellschaft vergleichbaren Forschungsorganisation, „schätzt man in Frankreich eine Mutter, die arbeitet, auch wenn sie ein kleines Kind hat. Man verbindet damit positive Wertvorstellungen.“

Viele junge Frauen verbringen nur den gesetzlichen Mutterschutz zu Hause – zwölf Wochen bei den ersten beiden Kindern, 16 ab dem dritten Kind –, dann geben sie das Baby zur Tagesmutter oder in die Krippe. Sandrine Lamer, Mutter eines 20 Monate alten Jungen, die jetzt ihr zweites Kind erwartet, denkt nicht einmal daran, ihre Stelle im Pariser Goethe-Institut aufzugeben. Halbtags zu arbeiten wäre eine Option, wenn dann das Geld noch reichte. Aber dass eine Frau ganz aussteige, sei höchst selten: „Wir Franzosen haben ein anderes kulturelles Verständnis von Mutter und Beruf als die Deutschen.“ Da Krippen und Vorschulen früh öffnen, Büros und Geschäfte aber selten vor neun Uhr, teilen sich viele Eltern den Kinderbringedienst; fürs Abholen kann man eine Tagesmutter auch stundenweise beschäftigen. „Alles ist organisierbar“, sagt Sandrine Lamer.

Sie selbst hatte ihr Kind schon während der Schwangerschaft für einen Krippenplatz angemeldet. Ein halbes Jahr überbrückte sie mit einer Tagesmutter, bevor der Platz frei wurde. Der Kleine geht gern in die Crèche. Dort hat er Freunde und einen festen Rhythmus: Spielen, Lernen, Essen, Schlafen – alles vollzieht sich nach klaren Regeln, „ohne dass der biologische Rhythmus der Kleinen gestört würde“, erklärt Lamer. Besonders wichtig: „Im Umgang mit anderen Kindern und anderen Bezugspersonen lernt mein Sohn soziales Verhalten.“ Später, in der Maternelle, kommt er in der großen Gruppe und mit den hohen Anforderungen an Lernen und Disziplin leichter zurecht.

Die École Maternelle ist als Einrichtung beinahe unantastbar. Dagegen spricht nicht, dass eine gewisse intellektuelle Lust an reformpädagogischen Ansätzen (weniger Drill) zu beobachten ist. Der Staat bezahlt die Lehrkräfte (gut 90 Prozent sind Frauen), die zum Lehrerexamen eine Zusatzausbildung in frühkindlicher, Pädagogik nachweisen müssen. Die Kommune stellt die Gebäude und finanziert den für jede Klasse verpflichtend vorgeschriebenen Assistenten, meist Frauen. Diese Hilfskraft ermöglicht es der Lehrerin, sich ganz auf den Unterricht zu konzentrieren. Sie ist auch nötig, weil es zu den Grundregeln der Vorschule gehört, ein Kind nie auch nur einen Augenblick unbeaufsichtigt zu lassen.

Sicherheit hat absoluten Vorrang, auch beim Herumtoben auf dem Hof, auch beim Gang zur Toilette. Die im Klassenraum der Lyoner École Maternelle Joseph Cornier angepinnte Regel „Je vais aux toilettes seul(e) en demandand la permission“ kann nur meinen, dass das Kind auf dem Örtchen keine fremde Hilfe braucht. Dass sich ein, zwei oder mehr Kinder allein in einem Raum aufhielten – undenkbar.

Für spontane Ideen und „zielloses“ Spielen bleibt da wenig Zeit. Sie sind im Grunde auch nicht vorgesehen. Die Vorschule will Kinder nicht hüten, sondem die künftigen Staatsbürger heranbilden („former les futurs citoyens“), und das gelingt nun mal am besten über Sprachbildung, kulturelle Bildung und Persönlichkeitsbildung. Wo das nicht angemessen gelingt, etwa in sozialen Brennpunkten, verstärkt Vater Staat jetzt seine Fürsorge: Dort sollen möglichst alle Zweijährigen in die Ècole Maternelle gehen, damit sie die richtigen Dinge lernen.

Literatur: Simone Wahl: Bildung von Anfang an/Les Premier pas. Ein deutsch-französischer Vergleich. Dohrmann Verlag, Berlin 2006. 296 Seiten, 18,90 Euro.

aus dem Rheinischen Merkur Nr. 16/2007

Mittwoch, 16. Mai 2007

Ärztekammer Hamburg verabschiedet Resolution gegen elektronische Gesundheitskarte

Die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Hamburg hat gestern Abend ein Zeichen gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gesetzt: "Im Interesse eines verantwortungsbewussten ärztlichen Entscheidens und Handelns für die Patienten und zum Schutz ihrer Daten lehnt die Ärztekammer Hamburg die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ab", heißt es in einer mit 19 zu 11 Stimmen verabschiedeten Resolution.

Die mit der Karte geplante Speicherung sensibler Patientendaten in zentralen Rechnern beschädige oder zerstöre das Arzt-Patientenverhältnis, kritisieren die Delegierten in der Resolution. Mithilfe des elektronischen Rezeptes ließen sich Patienten in Risikoklassen einteilen, "die ihnen womöglich ein ganzes Leben lang anhaften und sie bei der Erlangung von Versicherungsverhältnissen benachteiligen." Auch Missbrauch der Daten durch Dritte sei nicht ausgeschlossen. Zudem behindere die Karte die Praxisabläufe erheblich. Zugleich würden die Kosten auf Ärzte und Patienten abgewälzt.

Direkte Konsequenzen habe das Abstimmungsergebnis allerdings nicht, sagte Kammersprecherin Dorthe Kieckbusch dem änd. Die Resolution werde nun an die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung weitergegeben.

Quelle: facharzt.de, 17.04.07, zitiert nach dem bvvp-online-Newsletter 4/07

Erst kommt das Fressen …

Belgien wünscht keinen Besuch des Dalai Lama

Die belgische Regierung hat in Reaktion auf chinesischen Druck den Dalai Lama gebeten, einen lange geplanten Besuch in Brüssel abzusagen. Die Bitte der belgischen Regierung steht in direktem Zusammenhang mit einer bevorstehenden Reise einer vom belgischen Kronprinzen geführten hochrangigen Handelsdelegation nach China. Der Dalai Lama ist der Bitte der belgischen Regierung nachgekommen, da er grundsätzlich keinem Gastland "Unannehmlichkeiten" verursachen möchte.


Wirtschaftsinteressen verhindern Besuch eines Friedensnobelpreisträgers

Der Dalai Lama sollte während seines Brüssel-Besuches am 11. und 12. Mai mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments zusammentreffen und an einer weltweiten Konferenz von Tibet-Unterstützergruppen teilnehmen. Peking wendet sich seit langem vehement gegen Auslandsbesuche des Dalai Lama und hat der belgischen Regierung augenscheinlich mit der Verschlechterung der Beziehungen zwischen China und Belgien gedroht, sollte der Dalai Lama nach Belgien einreisen.





Der Dalai Lama wollte in Brüssel an einer Konferenz von Tibet-Unterstützergruppen teilnehmen.


aus einem Rundmail der International Campaign for Tibet