Mittwoch, 10. Oktober 2018

Wikipedia – Lexikon der Lügen

Stellen wir die Deutungshoheit der Wikipedia infrage!


Ältere hatten ihren Brockhaus, Jüngere konsultieren für alle Informationen automatisch Wikipedia. So verschieden diese Lexika sind, gemeinsam ist ihnen ein ehrfürchtig bestaunter Ruf absoluter Sachlichkeit und Neutralität. Im Schatten dieses lupenreinen Images gedeihen Manipulation und Desinformation umso besser. Es gibt mittlerweile unzählige Belege dafür, dass Wikipedia einseitig informiert, diffamiert und hetzt, z.B. gegen Kriegsgegner, gegen alternative Medizin und Wissenschaft. Wir sollten das Online-Lexikon vor diesem Hintergrund nur noch mit Vorsicht genießen. Langfristig hilft aber nur eines: Wir müssen selbst handeln und ein besseres Lexikon auf die Beine stellen.


Status quo


Von der Idee her ist die Wikipedia der bisher größte und großartigste Versuch, das gesamte Wissen der Menschheit an einer Stelle zu sammeln, in allen Sprachen und für alle Menschen auf dem Planeten gleichermaßen zugänglich, sowohl für die Eingabe ihres Wissens als auch für die Abfrage. Von der Idee her!

Alle, die diesen Text hier lesen werden, wissen inzwischen, dass es in der Praxis anders aussieht und dass einige Themenbereiche massiv von Vorurteilen belastet und für eine sachliche und neutrale Information nicht tauglich sind.

(Wer das noch nicht weiß und daran zweifelt, braucht sich nur ein paar von den genannten Seiten auf Wikipedia anzuschauen oder zu versuchen, auf diesen selbst etwas zu ändern.)

Markus Fiedler und Dirk Pohlmann haben mit ihren akribischen Recherchen, den beiden Filmen und einer Reihe Beiträge in Gruppe42 sehr genau nachgewiesen, wie die Seilschaften in Wikipedia funktionieren.

Wenn man sich dann anschaut, wer alles in Wikipedia diffamierend dargestellt wird, dann ergibt sich eine interessante und auch überraschende Mischung von Themen:

  • Personen, die für eine Verständigung mit Russland eintreten: Beispiel Gabriele Krone-Schmalz
  • Personen, die die Kriegs-Propaganda einiger Staaten hinterfragen: Beispiel Daniele Ganser
  • Personen, die für alternative medizinische Methoden eintreten: Beispiel Harald Walach
  • Personen, die das gängige Wissenschaftskonzept erweitern möchten: Beispiel Rupert Sheldrake
  • Personen, die auf Manipulationen in den Medien hinweisen: Beispiel Rainer Mausfeld
  • und die entsprechenden Themenseiten, die sich mit Alternativmedizin, aktuellen Kriegen im Nahen Osten, Menschenrechtsverletzungen seitens der USA oder Israels, Parapsychologie, Impfungen, Theorien zu den WTC-Attentaten, Agrarchemie, und anderem beschäftigen.
Da fragt man sich doch: Was hat das alles miteinander zu tun?? Homöopathie und 9-11, Impfungen und Putin, Wissenschaftskritik und Syrienkrieg?

Gerade weil es nachgewiesenermaßen eine feste Personengruppe ist, die hier agiert, kann es sich nicht um ein zufälliges Sammelsurium von Themen handeln. Was aber ist der rote Faden? Für wen sind all diese Themen riskant und die genannten Personen Gegner, obwohl sie vordergründig so wenig gemeinsam zu haben scheinen?

mehr:
- Das Lexikon der Lügen (Jörg Wichmann, Rubikon, 10.10.2018)

siehe auch:
Tagesdosis 19.6.2018 – Die Schauprozesse der Wikipedia Junta (Kommentar Dirk Pohlmann, KenFM, 19.06.2018)
Dirk Pohlmann vs. Wikipedia (Post, 19.06.2018)
Die Affäre Phillipp Cross (Post, 05.06.2018)
Die dunkle Seite der Wikipedia (Post, 18.07.2017)

siehe ferner:
Propaganda machen immer nur die anderen (12.09.2015)
Geleaktes CIA-Dokument belegt Kriegspropaganda (Post, 23.06.2015)
Deutsche glauben den Medien nicht (Post, 26.12.2014) mit langer Link-Liste!
„Wirtschaftswissenschaft“ als Arbeitgeberpropaganda (30.11.2014)
Social Media und die Vertrauenskrise des Journalismus (13.11.2014)
"Die Menschen sind Teil eines Systems, das von Denkmaschinen gesteuert wird" (06.11.2014)
Die EU, Steuer-Oasen und schlechte Prognosen (06.11.2014)
Aushöhlung der Demokratie – Eine neue Studie zeigt: Wirtschaftslobbyisten gehören zu den zentralen Akteuren bei der Ausgestaltung des Freihandelsabkommens TTIP (Post, 10.07.2014)
Wie gehen wir mit gemachter Realität um? (Post, 15.06.2014)
Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013)

Wir geben ihnen Macht 1 (Post, 14.03.2013)



Clint Eastwood – The Mule

Gerade erst hat er „The 15:17 to Paris“ abgeschlossen, doch Clint Eastwood ist in Gedanken schon bei seinem nächsten Film: Bei „The Mule“ will er nicht nur Regie und Produktion übernehmen, sondern auch die Hauptrolle eines greisen Drogenschmugglers.

Seit 2012 hat Clint Eastwood nicht mehr vor der Kamera gestanden, doch wie The Tracking Board berichtet, bereitet er nun sein Schauspielcomeback vor. Der 87-jährige Altstar will in „The Mule“ als Regisseur und Produzent die wahre Geschichte des 90-jährigen Drogenkuriers Leo Sharp verfilmen und dabei auch die Hauptrolle persönlich übernehmen.

Der Weltkriegsveteran Leo Sharp war ein weltberühmter Experte für Gartenbau, doch im neuen Jahrtausend begann er nebenher für das mexikanische Sinaloa-Kartell Drogen über die Grenze zu schmuggeln, bis er 2011 von den den Fahndern DEA mit einer Ladung Kokain im Wert von drei Millionen Dollar ertappt wurde. Vor Gericht erreichte Sharps Anwalt ein recht mildes Urteil von drei Jahren Haft, indem er die Demenz seines Mandanten als mildernden Umstand anführte…
mehr:
- Keine Lust auf Ruhestand: Clint Eastwood will in "The Mule" einen 90-jährigen Drogenkurier spielen (Andreas Staben, Filmstarts, 31.01.2018)

siehe auch:
- Clint Eastwood arbeitet als Drogenkurier im Trailer zu The Mule (Arthur A., Filmfutter, 05.10.2018)
- Clint Eastwood’s ‘The Mule’ Gets December Release Date (Variety, 27.09.2018)
- Clint Eastwoods 'The Mule': Start vor Weihnachten (VIP.de, 28.09.2018)

THE MULE Official Trailer (2018) Clint Eastwood, Bradley Cooper Movie HD {2:39}

Rapid Trailer
Am 04.10.2018 veröffentlicht 
THE MULE Official Trailer (2018) Clint Eastwood, Bradley Cooper Movie HD
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Das war es also mit RWE

Ein 120 Jahre altes Unternehmen, das dereinst ganze Regionen mit Energie und Arbeitsplätzen versorgte, begibt sich auf den Weg in die moralische und voraussichtlich auch in die wirtschaftliche Insolvenz

Der Fall RWE(s) [bitte Wortspiel beachten!] steht exemplarisch für unsere heutige Zeit, in der politische Entscheidungen nicht mehr im Hinterzimmer, und vor allen Dingen nicht mehr von sogenannten Ruhrbaronen, sondern auf der Straße und von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft durchgesetzt werden.

Klimawandel, Umweltschutz und Ressourcenschonung sind längst keine Nischenthemen mehr, und die Zeiten, in denen man Umweltschützer daran erkannte, dass sie ihren Nicaragua-Kaffee im Eine-Welt-Laden kauften und ihre verfilzten Haare mit ökologischem Trockenschampoo säuberten, gehören der Vergangenheit an. Während sich immer mehr Privatpersonen um ein nachhaltiges Leben bemühen und während jeder einzelne Großkonzern in diesem Land (Siemens, Thyssen-Krupp, VW, Lufthansa, DB über Nachhaltigkeit sinniert, hält RWE es für eine gute Idee, einen Wald zu roden, um dort Braunkohle abzubauen und anschließend im unternehmenseigenen Kraftwerk zu verfeuern. Eine konzerngewordene Mottenkiste, aus der Zeit gefallen, unverständlich und unnötig.

Auch der Tod eines Journalisten, der über die Geschehnisse im Forst berichtete, hielt den Konzern nicht davon ab, mit aller Macht seine Interessen durchzusetzen und die Räumung mithilfe prügelnder Sicherheitsleute voranzutreiben. Selbst die Polizeigewerkschaft BDK bezeichnet die Räumung im Hambacher Forst als "krasse politische Fehlentscheidung", einzelne Beamte fragen sich, wie sie den Einsatz im Forst ihren dreijährigen Kindern erklären sollen.

Und dann das: Das OVG Münster hat die Rodung gestoppt. Voraussichtlich bis zum Jahr 2020.

mehr:
- Das war es also mit RWE (Stephan Anpalagan, Telepolis, 10.10.2018)
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Ablenkung »Kampf gegen Rechts«

Vier Thesen zu Faschismus, Flüchtlingskrise und offener Gesellschaft

Ein breites Bündnis von Organisationen und Prominenten hat für den 13. Oktober zu einer Großdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz aufgerufen, Motto: "Solidarität statt Ausgrenzung - Für eine offene und freie Gesellschaft". In einer gemeinsamen Erklärung dazu wenden sich die Unterzeichner, darunter die Organisationen Attac, Campact, Amnesty International, sowie die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping, der Satiriker Jan Böhmermann, der Soziologe Harald Welzer und der ARD-Journalist Georg Restle gegen Rassismus, Menschenverachtung und Sozialabbau. Sie erklären: "Wir lassen nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden."

Zu dieser Aussage, die im Aufruf nicht näher erläutert wird, stellen sich Fragen: Wie soll "nicht zugelassen" werden, was längst geschieht – dass die Ärmsten der Gesellschaft gezwungen sind, mit einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen immer härter um schlecht bezahlte Jobs und billige Wohnungen zu konkurrieren? Wie konkret sollen sich, hier und heute, nicht in ferner Zukunft, offene Grenzen mit einem funktionierenden Sozialstaat vertragen? Und wer ist schuld an der massiven Zuspitzung dieses Konfliktes in den vergangenen Jahren? Tragen dafür tatsächlich nur Hetzer mit rechtsradikalen Parolen die Verantwortung? Dazu im Folgenden vier Thesen:

mehr:
- Warum der "Kampf gegen rechts" die Gesellschaft weiter spaltet (Paul Schreyer, Telepolis, 10.10.2018)
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Desinformation über Desinformationskampagnen

Wir leben wieder in einer Zeit, in der man, wenn man nicht parteiisch ist, kaum mehr einer Seite wirklich vertrauen kann, Medien eingeschlossen. Das ist erkennbar in der seit 2014 gepflogenen Kampagne des Westens, gegen eine angebliche übermächtige Desinformationskampagne Moskaus ankämpfen zu müssen. Dort wiederum versucht man ebenfalls, sich gegen angebliche politisch-mediale Desinformationskampagnen aus den Nato-Ländern zur Wehr zu setzen und ebenso wie der Westen mit Auslandsmedien eigene Botschaften und Interpretationen zu verbreiten.

Seltsam mag das schon deswegen erscheinen, weil im Westen von vielen Politikern und Medien spätestens seit Ende 2013 die Maidanbewegung kritiklos gefeiert und die Janukowitsch-Regierung ebenso undifferenziert verteufelt wurde. Dass die angeblich proeuropäische Bewegung durchsetzt von rechtsextremen und nationalistischen Kräften und von wirtschaftlichen Interessen von Oligarchen geprägt war, wurde nicht zur Kenntnis genommen, aber man half mit Berichten, Bildern und Besuchen nach, den auch gewaltsamen Widerstand zu propagieren, auch wenn man wusste, dass die Ukraine ein zerrissenes Land war (und ist).

Man muss sich nur einmal vorstellen, wie man reagieren würde, wenn ein bewaffneter Mob mit teilweise faschistoider Ideologie in einem europäischen Land eine Regierung stürzen würde, die gerade noch eingewilligt hat, eine Übergangsregierung zu bilden und Neuwahlen einzuleiten. Die europäischen Minister, die einen friedlichen Übergang ausgehandelt hatten, wurden düpiert, weil die Radikalen sich auf die Unterstützung der USA verlassen konnten, die auf einen Regime Change aus war.

In Hamburg hat man während der G7 sehen können, wie die Polizei vorging, als es zu Randale kam. In Kiew gingen die Aufständischen über längere Zeit mit großer Gewalt gegen Polizisten vor, zündeten sie an, hatten sich mit Schusswaffen bewaffnet und öffentliche Räume sowie Gebäude okkupiert. Hätte man irgendwo in Europa solche "befreite Zonen" akzeptiert oder wäre man auch dort, sie etwa die Occupy-Bewegung, mit Polizeigewalt dagegen vorgegangen. Als dann Menschen in der Ostukraine die gleichen Strategien realisierten, wurden sie nicht als Freiheitskämpfer verherrlicht, sondern als Terroristen bezeichnet und mit Krieg überzogen - mit Rückendeckung des Westens.

In letzter Zeit wurden neue Kampagnen wegen angeblicher Giftgasangriffe seitens der syrischen Regierung oder wegen des Anschlags mit Nowitschok auf den ehemaligen russischen Agenten Skripal von den westlichen Regierungen gestartet. Noch bevor irgendwelche Beweise über angeblich alternativlose Verdächtigungen hinaus präsentiert wurden, war der Schuldige ausgemacht und wurde Syrien bombardiert, während man russische Botschaftsangehörige des Landes verwies.

mehr:
- Desinformation über Desinformationskampagnen (Florian Rötzer, Telepolis, 10.10.2018, Beachte die Kommentare!)

Wie viel Facebook seinen Dienstleistern bezahlt, behalten der Internet-Konzern und seine Faktenchecker für sich. Dem Vernehmen nach geht dpa aber davon aus, dass drei Mitarbeiter in Vollzeit mit Faktenchecks beschäftigt sein werden. Die Agentur werde ihrem Sprecher zufolge „genauso unabhängig“ über Facebook schreiben wie bisher. Immerhin beschäftige dpa auch Medienredakteure, die – „unabhängig und kritisch“ – über Verlage und Rundfunkanstalten berichteten, die zugleich Kunden seien.
In Deutschland hatte das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv vor bald zwei Jahren mit dem Faktencheck für Facebook begonnen. Die Bedingung von Correctiv war: freie Hand bei der Themenwahl. So läuft es jetzt auch zwischen Facebook und dpa, sagt Agentursprecher Petersen. „Wir haben sozusagen Zugriff auf eine, ich nenne das mal: Datenpool bei Facebook, in dem verdächtige Informationen landen. Das schauen wir uns an und können dann eben selbst entscheiden, welche Factchecks wir machen.“
Quelle: - 
Kampf gegen Desinformation: dpa arbeitet für Facebook – und will trotzdem kritisch berichten (Daniel Bouhs, Deutschlandfunk, 19.03.2019)
siehe auch:
Desinformation: Der Spiegel lügt nicht! Er führt nur (???) gezielt in die Irre! (Post, 23.05.2019)
Geheimdienste und Leitmedien: unbekannte Fakten plus eindeutige Schlussfolgerungen ergeben unvoreingenommenes, faktenfreies Geschwurbel (Post, 15.03.2019)
Untersuchungsbericht zu Facebook: Massive Rechtsverstöße (Tobias Armbrüster im Gespräch mit Mirjam Kid, Deutschlandfunk, 19.02.2019)
Hamburger Gericht entscheidet im Wikipedia-Gerangel: »Politbüro« gegen Dirk Pohlman u.a. (Post, 21.02.2019)
Faktenfreie Qualitäts-Hetze im ARD-Faktenfinder (Post, 06.02.2019)
Die Briten völlig von der Rolle: Integrity Initiative taucht ab (Post, 24.01.2019)
Der Fall Skripal: Lügen ohne Ende (Post, 07.10.2018)
Die »zuverlässigen Quellen« des Mainstreams (Post, 12.05.2018)
Recherchenetzwerk Correctiv: Vom Bock zum Gärtner (Post, 18.01.2017)
- Die dunkle Seite der Wikipedia (Post, 18.07.2016)
Beispiel Kosovo-Krieg: Anteil der Medien an der Vorbereitung, Begleitung und Auswertung der NATO-Angriffe (Post, 03.03.2015)
Frieden muss gestiftet werden (Post, 24.11.2014)
Forschungsarbeit: Meinungsmanipulationsstrategien in Frieden und Krieg (Jens Wernicke, Institut für Medienverantwortung, Juli 2009?)
Medien: intellektuelle Korrumpierbarkeit in Konfliktzeiten (Post, 31.12.2002)


zwei Beispiele offiziell »verfärbter« Narrative
vorher noch ein Artikel der WELT:
- Hinz und Kunz schwafeln heutzutage vom „Narrativ“ (Matthias Heine, WELT, 13.11.2016)

1. Liana Fix (damals Russland-Expertin der DGAP [Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik]) in einem Interview mit dem Deutsch-Türkischen Journal;


Sahen Friedensmissionen der Vereinten Nationen (UN) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in der Ukraine wie in Georgien zu, wie die Konfliktparteien die Vereinbarungen umgingen und sich die Gewalt über Jahre aufschaukelte?
In der Ukraine gab es keinen inneren Konflikt. Er wurde erst jetzt während dieser aktuellen Krise geschürt. In Georgien war lange eine Mission der OSZE vor Ort, der Ausbruch des Krieges in 2008 kam trotz aller Spannungen überraschend.
[Das Assozierungsabkommen mit der EU war Auslöser des Konfliktes (Deutsch-Türkisches Journal, 04.07.2014, Hervorhebungen von mir]
mehr dazu: 
Die Ukraine und die russische Sprache, Versuch eines zeitlichen Überblicks (Post, 08.02.2019)
Liana Fix und die Giftgas-Inszenierung: Nach dem Putin-Bashing ist vor dem Putin-Bashing (Post, 15.03.2018)
Die Ukraine-Krise für den Durchschnitts-Bürger: Unsere offiziellen Russland-Versteher konnten sie angeblich nicht kommen sehen! (Post, 04.07.2014)
Ukraine 7 – Der Sprachen- bzw. der ethnische Konflikt als Teil des Ukraine-Konfliktes (Post, 03.05.2014)


Die bei uns – und in Russland – gängige Vorstellung, die Ukrainer seien im Grunde Teil eines größeren russischen Volkes oder hätten doch zumindest bis ins 20. Jahrhundert die gleiche Geschichte, ist falsch und muss grundsätzlich korrigiert werden. Zwar haben die drei ostslawischen Völker (Russen, Ukrainer und Belarussen) ihren gemeinsamen Ursprung in den Fürstentümern der Kiewer Rus, aber die Ukrainer gehörten vom 13. bis zum 17. Jahrhundert zu Polen-Litauen – jenem europäischen Großreich, das sich vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee erstreckte. Sie hatten damit Anteil an vielen gesamteuropäischen Entwicklungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit, wie der Stadt- und Rechtskultur oder des Barock. Erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts begann Schritt für Schritt die Einbeziehung der von Ukrainern bewohnten Territorien in den Moskauer russischen Staat. Ausgerechnet Josef Stalin, der den Ukrainern mit größtem Misstrauen gegenüberstand, vereinigte erstmals seit dem Mittelalter wieder alle von Ukrainern bewohnten Territorien in einem Staat: der Sowjetukraine. Aber die Spannweite ist außerordentlich: Galizien im Westen hatte vor 1939 niemals zu einem russischen Staat gehört, die heutige Problemregion Donbas im Osten der Ukraine war umgekehrt niemals Teil eines westlich geprägten Staats gewesen. Ist es verwunderlich, dass die Ukraine durch viele, oft historisch bedingte Spannungen, durch Konflikte und Risse charakterisiert ist? Russland und die Russen werden im Westen und im Osten ganz unterschiedlich wahrgenommen: Während sie in der westlichen Ukraine als Bedrohung, als das „ganz Andere“ gelten, sehen die Bewohner des Donbas in ihnen die nach Sprache und politischer Mentalität nächsten Verwandten.
Als die Ukraine 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion als unabhängiger Staat die Weltbühne betrat, wurde das vielfach in Russland, aber auch im Westen von ungläubigem Staunen begleitet: Würde dieser Staat sich auf Dauer konsolidieren können? Würde Russland den „Verlust“ der Ukraine hinnehmen? Waren die Fliehkräfte innerhalb des Landes nicht viel zu groß? Demgegenüber bleibt festzustellen: Die Ukraine ist in den zurückliegenden knapp 25 Jahren zusammengewachsen. Auch und gerade die jetzige Krise stärkt das Zusammengehörigkeitsbewusstsein, die Ukraine wird ukrainischer werden. Die nationale Identität und zugleich das zivilgesellschaftliche Selbstbewusstsein nehmen zu. Die Gesellschaft hat sich zweimal 2004 und 2014 gegen die Versuche, eine autoritäre Präsidialherrschaft zu errichten, erfolgreich zur Wehr gesetzt. Die Vision von der europäischen Ukraine, von einer zukünftigen Mitgliedschaft in der EU beflügelt insbesondere die jüngere Generation. Es gibt keine Alternative zur europäischen Vision, denn die Anlehnung an Russland bedeutet den Weg zurück in die Vergangenheit, umso mehr als Russland nicht integriert werden will und stattdessen integrieren will, d.h. sich selbst als die Mitte eines zukünftigen euroasiatischen Integrationsraumes sieht. Ist es nicht denkbar, dass angesichts der in manchen Ländern Westeuropas wachsenden Frustration mit der EU die Europabegeisterung der Ukrainer ein höchst willkommener Stimulus sein könnte? […]
Aber im Donbas lehnen 70% der Bevölkerung die neue Regierung in Kiew, die Sieger des Euro-Majdan, ab. Umfragen zeigen außerdem, dass zwei Drittel der Menschen dort positiv zu Putin stehen. Beinahe 40% der Bevölkerung sind ethnische Russen. Dennoch sieht auch hier die Mehrheit der Menschen den Donbas nicht als Teil Russlands; vor der jetzigen akuten Krise gab es keine nennenswerte irredentistische Bewegung im Donbas. Nur 20% bis 30% der Bevölkerung befürworten gegenwärtig bei Umfragen den Anschluss ihrer Gebiete an Russland.
[Gerhard Simon, Die Ukraine. Ein gespaltenes Land?Sicherheit und Frieden, Nomos, 3/2014 – PDF – Herorhebungen von mir]



2. ARD- und ZDF-Nachrichtensendungen zum G20-Gipfel in Brisbane im November 2014:


Der Tenor der Öffentlich-Rechtlichen in ihrer Berichterstattung über den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem G20 Gipfel in Australien war eindeutig: “Putin isoliert”, “Putin einsam und verlassen”.
Als angeblicher Beweis wurde immer wieder eine Videosequenz gezeigt, in der Putin anscheinend alleine an einem 7er Tisch sitzt. Der ARD-Korrespondent in Brisbane, Philipp Abresch, textete dazu munter: “Beim Barbecue am Mittag, wie symbolisch, Putin, einsam und verlassen.”
Das Problem: Putin war nicht alleine, wie das Foto suggeriert. Mit Putin am Tisch saß die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und im weiteren Verlauf noch fünf weitere Staatsoberhäupter. Aber in allen Beiträgen der ARD und des ZDF zum Thema wurden die Videos so geschnitten, dass Rousseff nicht zu sehen war, und Putin als „isoliert“ dargestellt werden konnte.
Die Propagandaschau hat sich die Mühe gemacht, die entsprechenden Videosegmente zusammen zu stellen:
http://vimeo.com/111979727
Im Fall der Tagesthemen-Sequenz wurde das Originalmaterial von REUTERS


ARD und ZDF-Propaganda: Der isolierte Putin from Doku Mentor on Vimeo.

wie von der Propagandaschau nachgewiesen, sogar in der zeitlichen Abfolge geändert. Der Schnitt erfolgt genau in dem Moment, in dem der Kellner zur Seite tritt und Rousseff sichtbar werden würde. Danach wird eine Szene eingefügt in der sich Putin an den Tisch setzt und den Stuhl heran zieht. Auch in der Tagesschau wurde die Sequenz so geschnitten, dass die brasilianische Präsidentin nicht zu sehen ist.
[Quelle:
"Putin isoliert"– ARD und ZDF der Medienmanipulation überführt, RT deutsch, 18.11.2014]
mehr dazu: 
Tagesschau sachlich und objektiv: »Putin, einsam und verlassen« (Post, 19.11.2014) 
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aktualisiert am 14.05.2019

Dienstag, 9. Oktober 2018

Der Chor des Hasses

Gestern Abend geriet ich beim Zappen zur »Chor des Hasses«-Inszenierung in Hamburg auf NDR

"Der Chor des Hasses" in Hamburg | Kulturjournal | NDR {5:09}

ARD
Am 09.10.2018 veröffentlicht 
Hate Speech, Hasskommentare und Shitstorms: Wie geht es einem, wenn man im Netz bepöbelt und bedroht wird? Prominente verlesen echte Hassmails und -briefe an Politiker.
http://www.ndr.de
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siehe auch:
- Der „Chor des Hasses“ (dpa, Wochenpost, 14.10.2018, PDF, S. 6)
- Am Sonntag im TV „Chor des Hasses“: Hetz-Post raubt Politikern den Atem (Dagmar Ellen Fischer, Hamburger Morgenpost, 13.10.2018)
- Hass gegen Politiker: Chor des Hasses (ZON, 11.10.2018)
- Hass-Mails gegen: „Sterben Sie endlich! - Anke, geh bügeln!“ (Fatima Abbas, Saarbrücker Zeitung, 10.10.2018)
"Chor des Hasses": Erschütternd und kaum erträglich (08.10.2018)
- Politiker lesen Hasspost in Hamburg (Thomas Kaestle, HAZ Kultur, 08.10.2018)
- Schlagwortwolke der Niedertracht (Falk Schreiber, nachtkritik.de, 07.10.2018?)
- „Chor des Hasses“ in Hamburg „Hätte er Sie doch erwischt, Sie Schwein!“ (Nadine Rinke, Hamburger Morgenpost, 06.10.2018)
- Giovanni di Lorenzo über den "Chor des Hasses" (NDR Kultur, 04.10.2018)

Montag, 8. Oktober 2018

Russland und die Rechtspopulisten – Wie das transatlantische Narrativ geschützt wird

Für viele große Medien ist ausgemacht: Russland unterstützt die Rechtspopulisten, um Europa „zu spalten“. Doch was denken Akteure der „Putin-Partei“ tatsächlich über Afd und Front National? Eine prominente russische Politikerin hat nun eindringlich vor den Kontakten mit Rechten gewarnt, da diese den russischen Interessen zuwiderliefen. Der aufschlussreiche Beitrag widerspricht der Deutung von der russischen Begeisterung für Rechtspopulismus. Darum werden die Äußerungen in großen Medien nicht aufgegriffen. 

Nachdem gerade beim Petersburger Dialog Politiker wie Peter Altmaier (CDU) oder Matthias Platzeck (SPD) versucht haben, den unverzichtbaren Austausch zwischen Deutschland und Russland zu erhalten, hintertreiben große Medienhäuser genau diesen Dialog: Zu den zentralen Elementen der aktuellen antirussischen Kampagnen einiger großer Medien zählt die Botschaft, Russland und sein Präsident Wladimir Putin würden rechte europäische Parteien unterstützen, um Europa „zu spalten“. Zu diesem nicht neuen Vorwurf hat sich nun eine prominente russische Politikerin zu Wort gemeldet. Der erhellende Artikel von Veronika Krascheninnikowa und ein später geführtes Interview werden von keinem großen Medium aufgegriffen.
mehr:
- Russland und die Rechtspopulisten – Medien verschweigen wichtiges Interview (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 08.10.2018)
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Sonntag, 7. Oktober 2018

Mädchen können besser lesen und vor allem besser schreiben

Nach einer Studie hat sich hier in den letzten 30 Jahren nichts verbessert, der Geschlechterunterschied tritt spätestens ab der 4. Klasse auf und verstärkt sich dann

Irgendwie stimmt etwas nicht mit dem Patriarchalismus, der noch immer in den Köpfen vieler Männer -und auch mancher Frauen - aus rechten, muslimischen oder anderweitig religiös oder ideologisch belasteten Kreisen herrscht. Männer sollen führen, in den Hierarchien oben stehen, sond nicht nur stärker und dominierender, sondern auch klüger. Damit das so bleibt, hat man lange Türen zugehalten. Jetzt aber sollen schon Frauen in Saudi-Arabien ein Auto fahren dürfen, dort studieren auch bereits mehr Frauen als Männer, auch bei den Hochschulabschlüssen sind die Frauen zahlenmäßig überlegen. In den STEM-Fächern stellen die Frauen in Biologie, Mathematik, Physik und IT eine Mehrheit von über 60 Prozent, nur die Ingenieurswissenschaften und die Architektur sind noch eine Männerdomäne.

Schon lange ist bekannt, dass Mädchen bessere Schulleistungen erzielen als Jungen, in vielen Universitätsfächern stellen sie die Mehrheit, auch bei den Abschlüssen. Und weil Frauen damit Männer übertrumpfen und ebenfalls auf finanzielle Unabhängigkeit und Karriere setzen, jammern manche schon vom Niedergang der Männer, was von manchen Männern mitunter der feminisierten Ausbildung in Horten, Kindergärten und Schulen zugeschrieben wird.

Eine im American Psychologist erschienene Studie von australischen Wissenschaftlern der Griffith University macht nun erneut deutlich, dass Mädchen beim Lesen und Schreiben schon bald die Jungen abhängen. Spätestens ab dem 4. Schuljahr sind die Mädchen besser und der Abstand zu den Jungen vergrößert sich mit wachsendem Alter. Zudem ist der Anteil der "schlechten" Leser und Scheiber bei den Jungen höher als bei den Mädchen, bei denen mehr zu den "guten" gehören.

Die Wissenschaftler analysierten Daten des National Assessment of Educational Progress. Hier werden die standardisierten Testergebnisse aus der 4., 8. und 12. Klasse von mehr als 3,9 Millionen Schülern über 27 Jahre in den USA gesammelt. Die Auswahl der Schüler ist repräsentativ. Danach können nach den Testkriterien Mädchen ab der vierten Klasse signifikant besser lesen und schreiben als Jungen, auch wenn der Unterschied relativ klein ist. In späteren Jahren wird der Unterschied vor allem im Schreiben ausgeprägter. Ob die Unterschiede schon beim Lernen von Lesen und Schreiben bestehen, konnte mit den Daten nicht erfasst werden, man könnte aber vermuten, dass Mädchen bereits beim Schuleintritt besser sind. Dass die Unterschiede beim Schreiben größer sind als beim Lesen, führen die Autoren darauf zurück, dass Schreiben komplexer ist, was den Geschlechtsunterschied verstärke.

David Reilly, einer der Wissenschaftler, geht davon aus, dass der Geschlechterunterschied bei Schreibleistungen bislang stark unterschätzt wurde. Auch neue Unterrichtsmethoden hätten im Laufe der 27 Jahre daran nichts geändert. In der Forschung habe man sich mehr mit der Lesekompetenz beschäftigt.

mehr:
- Mädchen können besser lesen und vor allem besser schreiben (Florian Rötzer, Telepolis, 07.10.2018)
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„Niemand wird als Terrorist geboren“

Der so genannte „Kampf gegen den Terror“ ist mit schwersten Rechtsverstößen verbunden und offenbart zweierlei Maß, mit denen auch demokratische Staaten messen. Josef Alkatout, promovierter Rechtsanwalt und Dozent für internationales Strafrecht an verschiedenen Universitäten, hat sich intensiv mit den Auswirkungen einer Politik auseinandergesetzt, die sich beim Vorgehen gegen echte oder vermeintliche Terroristen über das Recht hinwegsetzt. Im Interview mit den NachDenkSeiten führt der in Genf lebende Autor unter anderem aus, wie der ehemalige Außenminister Großbritanniens, Jack Straw, von einem Sonderberichterstatter der UN der Lüge überführt wurde. Ein Interview über Geheimgefängnisse, die Bedeutung einer unabhängigen Justiz und das Verhalten der Medien im „Anti-Terror-Kampf.“ Ein Interview von Marcus Klöckner.
mehr:
- „Niemand wird als Terrorist geboren“ (Marcus Klöckner interviewt Josef Alkatout, NachDenkSeiten, 07.10.2018)
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Die Lage der Gesellschaft

Hier zwei interessante Texte zur Lage der Gesellschaft in Deutschland: Einer von Peter Frey von „Peds Ansichten“ zum Management der Bevölkerung, zur forcierten Spaltung der Gesellschaft („Tagesschau und die Nachricht hinter der Nachricht (8)„) und einer von Daniel Neun von „Radio Utopie“ zu den Zuständen, denen große Teile der Bevölkerung ausgesetzt sind („250 Euro für eine Woche Arbeit – aber nicht bei Radio Utopie„). 
mehr: 
- Die Lage der Gesellschaft (Blauer Bote Magazin, 07.10.2018)

weitere aktuelle Blauer Bote-Artikel:
- Leseempfehlung: Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V. (05.10.2018)
- Leseempfehlung: norberthaering.de (05.10.2018)
- Leseempfehlung: >b’s weblog (04.10.2018)

Der Fall Skripal: Lügen ohne Ende

Der „Fall Skripal“ verkommt zur Meisterleistung der Kriegslügner und Propagandisten. 

Das Rätsel um die Skripal-Vergiftungen wird immer undurchsichtiger. Nun „fand“ man Anfang September praktischerweise zwei Verdächtige, die – sollten sie tatsächlich für die Vergiftungen in Salisbury verantwortlich sein – dilettantischer nicht hätten handeln können. Craig Murray über die entsprechenden „Erkenntnisse“ und Entwicklungen.
mehr:
- Lügen ohne Ende (Craig Murray, Rubikon, 02.10.2018)
siehe auch:
Putin über Verdächtige im Skripal-Fall: "Wir wissen, wer sie sind" (Post, 07.10.2018)
Großbritannien: Zweiter Nowitschok-Fall wirft weitere Fragen auf (Post, 13.07.2018)
Skripal-Anschlag: Bundesregierung verweigert Antwort auf Kleine Anfrage der Linken (Post, 29.05.2018)
Die Skripals und das Giftgas: für unsere Qualitätsmedien nicht mehr interessant? (Post, 24.05.2018)
Nowitschok – »Nur Russland«? (Post, 18.05.2018)
Russland: Eskalation im Medienkino (Post, 05.05.2018)
Giftgas: Wundert sich keiner? (Post, 03.05.2018)
- Postfaktisches Zeitalter: Wir trampeln auf unseren »Westlichen Werten« herum, bis der Begriff keinen substantiellen Inhalt mehr hat (Post, 03.05.2018)
Liana Fix und die Giftgas-Inszenierung: Nach dem Putin-Bashing ist vor dem Putin-Bashing (Post, 03.05.2018)
Russland war’s! Die Geschichte einer vergifteten Eilmeldung (Post, 13.04.2018)
Der Fall Skripal im Propagandakrieg (Post, 30.03.2018)
Tagesdosis 13.3.2018 – Giftgasmorde und Neuer Kalter Krieg (Podcast) (Ein Kommentar von Dirk Pohlmann, KenFM, 13.03.2018)

Samstag, 6. Oktober 2018

Bedingungslos für Israel?

Was an der jüdischen Israel-Affinität aus der Perspektive der Leiderfahrung als unhinterfragbar erscheinen mag, erhält in der Israel-Rezeption von Deutschen gemeinhin einen ganz anderen Stellenwert, besonders dann, wenn Deutsche „Israel“ und „Juden“ in Beziehung zueinander setzen. Deutsche fühlen sich zu einer grundsätzlichen Israelsolidarität verpflichtet, da sie die Staatsgründung Israels als eine Art „Wiedergutmachung“ für ihre geschichtlichen Verbrechen am jüdischen Volk ansehen. Welches Kollektiv, wenn nicht das deutsche, müsste so „fühlen“?

Ein zweiter Aufschrei lässt sich an dieser Stelle vernehmen: Ist es zulässig, im hier erörterten Zusammenhang pauschal von „Deutschen“, von „deutschem Antisemitismus-Diskurs“ und von „deutscher Auseinandersetzung mit der Vergangenheit“ zu reden?

Verbietet sich eine solch generalisierende Nomenklatur nicht schon deshalb, weil doch sehr unterschiedliche, gar gegensätzliche Stimmen und jedenfalls eine heterogen gestimmte deutsche Öffentlichkeit auf kurzfristige tagespolitische Aufloderungen wie auf geschichtlich verfestigte Ideologeme beziehungsweise Tabuübertretungen reagieren?

Dem ist gewiss so, und gewiss ist der eine oder andere Punkt in der vorliegenden Erörterung überspitzt formuliert worden. Und doch lässt sich darauf insistieren, dass die plurale Stimmenvielfalt einem umfassenden (hier idealtypisch angesprochenen) Muster subsumiert sei, das sich an der elementaren Neuralgie des Verhältnisses von Deutschen-und-Juden-nach-Auschwitz schärft und bei periodisch aufflammenden Debatten um die nun mal als „deutsch“ apostrophierte und als ebendiese verhandelte „Vergangenheit“ in einer sich stets zugleich einstellenden Polarisierung mit besonderer Deutlichkeit zutage tritt.

Antisemitische Abneigung gegen Juden und philosemitische „Judenliebe“ erweisen sich dabei, ebenso wie vorgebliche, vor allem bei Jugendlichen anzutreffende „Indifferenz“ Juden gegenüber, als exemplarische Reaktionsmuster, die eines gemeinsam haben: die abschätzige, verklärende oder eben „teilnahmslose“ Abstraktion von „Juden“, die als solche zur Projektionsfläche für selbstbezogene Befindlichkeitskämpfe und Identitätsgerangel, welche sich einzig der unhintergehbaren neuralgischen Verfasstheit eines jeden „Deutschen“ gegenüber „dem Juden“ verdankt, reduziert werden. Ob es in der gegenwärtigen Geschichtsphase einen Ausweg aus diesem Zirkel gibt, sei dahingestellt. Ganz gewiss findet er sich jedoch ebenso wenig in der normalisierungssüchtigen Abkopplung von der deutschen Vergangenheit wie in der „Bekämpfung“ eines katastrophisch herbeigeschrienen Antisemitismus, so als stünde nichts weniger als die Heraufkunft des Vierten Reiches bevor.

mehr:
- Eine kranke Beziehung (Moshe Zuckermann, Exklusivabdruck aus „Der allgegenwärtige Antisemit“, Rubikon, 06.10.2018)
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Rezensionen:
Die Antisemitenmacher oder wie Kritik an der Politik Israels verhindert wird (Moshe Zuckermann, NachDenkSeiten, 01.10.2018)
- Der allgegenwärtige Antisemit (asansörpress35, Freitag-Community, 18.09.2018)
- Polemische Kritik am deutsch-israelischen Verhältnis (Arno Orzessek, Deutschlandfunk Kultur, 03.09.2018)
- Wenn der Blick auf das Ganze fehlt (FAZ, 28.12.2010)
- Moshe Zuckermann: "Antisemit!" (Tamar-Amar Dahl, Sehepunkte, 15.11.2011)
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KenFM im Gespräch mit: Moshe Zuckermann {1:12:53}

KenFM
Am 09.08.2013 veröffentlicht 
Moshe Zuckermann ist Soziologe und Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv. Hier, in der zweitgrößten Stadt Israels, wurde er 1949 als Sohn von Holocaust-Überlebenden geboren, verbrachte jedoch zehn Jahre seiner Jugend in Deutschland, da seine Eltern 1960 aus finanziellen Gründen nach Frankfurt am Main emigrierten. Die historische Brisanz dieses Umzugs wurde ihm erst im Lauf der Jahre bewusst, als er vom Holocaust und der jüngsten deutsch-jüdischen Geschichte erfuhr. Diese Beziehung zu Israel und Deutschland spiegelte sich auch in seiner beruflichen Laufbahn wieder, so leitete er unter anderem das Institut für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv.
Ken Jebsen im Gespräch mit Moshe Zuckermann.
http://www.kenfm.de
http://kenfm.de/blog/2013/08/10/moshe...
http://www.facebook.com/KenFM.de
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siehe auch:
- Europäischer Antisemitismus 1880 – 1945 (Michael Kuhlmann, Deutschlandfunk, 27.02.2017)
Noch lebt er: KenFM im Gespräch mit Arnold Hottinger über den Nahen Osten (Post, 07.01.2014)
- Die deutsche Besessenheit (Henryk M. Broder, Welt, 17.12.2012)
- Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert (Wolfgang Benz, Bundeszentrale für politische Bildung, 27.11.2006)


Fernsehhinweis: Gaddafi – Libyens kaltblütiger Herrscher

Mit eiserner Hand hat Muammar al-Gaddafi 42 Jahre lang über Libyen geherrscht. Als Diktator versetzte er die ganze Welt immer wieder in Angst und Schrecken.
mehr:
- Despoten: Gaddafi – Libyens kaltblütiger Herrscher (TV Spielfilm)
Heute, 21:05 - 22:00, n-tv
Doku, GB 2015, 55 Min.
Wh. um 1.45 Uhr, Folge 2 am 13.10.


mein Kommentar:
Anscheinend gehört es zum Deutschland-Narrativ für »die 80% Dummköpfe« (Goebbels), daß wir von kleinen Hitlern umgeben sind, die »die ganze Welt immer wieder in Angst und Schrecken versetzen«.
Und zum Narrativ gehört auch, daß man an diesen kleinen, gemeingefährlichen, selbstverständlich psychisch gestörten Despoten, auch nicht das kleinste Fitzelchen finden oder unkommentiert stehen lassen darf, was irgendwie menschlich verständlich, nachvollziehbar oder als irgendwie »gut« empfunden werden könnte.
Vor wenigen Tage sah ich eine Fernsehdoku, in der Winifred Wagner sagte, sie sei anfangs von Hitlers blauen Augen fasziniert gewesen. Es scheint zur political correctness zu gehören, daß solche Aussagen nicht unkommentiert stehen gelassen werden dürfen. Der Sprecher aus dem Off meinte dazu, wenn man so viele Jahre nach dem Sturz des Hitler-Regimes noch sowas sage, müsse man einiges verdrängt haben…

siehe auch:
Wüstenflüsse, wie ein Diktator verrückt wird, westliche Werte und ein moderater Moderator (Post, 23.07.2016)
»Der größte Einzelerfolg der CIA« (Post, 01.05.2012)
Der Gaddafi-Clan - geflohen, tot oder festgenommen (Frankfurter Neue Presse, 21.10.2011)
- L I B Y E N - G A D D A F I (Widerhall 61, April 2011)
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US-amerikanische »Regime-Change«-Propaganda im Iran

Warum westliche Narrative über den Iran oft falsch oder Propaganda sind

Dass PR-Agenturen Werbung für Anliegen der Außenpolitik der westlichen Großmächte machen, dürfte seit der Brutkastenlüge oder den Auszeichnungen für die White Helmets bekannt sein. Zumindest für diejenigen, die sich nicht alleine auf die Informationen der Massenmedien und staatlichen Protagonisten stützen. Und so war es auch nicht verwunderlich, als klar wurde, dass das Symbol des "Aufstandes" im Iran von 2018, die junge Frau, die ihr Kopftuch demonstrativ an einem Stock vor sich hält, wieder einmal eine solche PR-Aktion war, diesmal von der US-Regierung.

Am 28. Dezember 2017, dem Tag, als die Proteste gegen die wirtschaftlichen Verhältnisse im Iran durch ausländische Regierungsgegner übernommen wurden, erschien das Bild einer in schwarz gekleideten Frau, die auf einer Erhöhung in einer belebten Straße ihr Kopftuch, ihr Hijab, an einem Stock vor sich hielt. Wie bereits erwähnt, zeigen Bilder, die die ganze Szene abdecken, dass sich praktisch niemand um die Frau kümmerte. Nachdem jedoch das Foto die Person im Westen zu einer Ikone hochstilisiert hatte, wurde sie verhaftet, verhört und dann wieder entlassen.

Die ersten Veröffentlichungen des Fotos wurden von "My Stealthy Freedom" (@masihpooyan) vorgenommen, einem Twitter-Konto, das im Januar 2018 12.000 Follower aufwies. Dieses Konto warb nun im Iran dafür, dass Frauen bewusst gegen die Gesetze des Landes verstoßen sollten und zeigte im Januar ca. mehrere dutzend Nachahmer.

Dass die Veröffentlichung des Fotos mit dem Beginn der in Gewalt umgeschlagenen Demonstrationen begann, ist sicher kein Zufall; auch wenn seit 2014 westliche Medien immer wieder das Kopftuchgebot zum Anlass nehmen, zum "Widerstand" gegen das "Regime" aufzurufen. Die neueste Kampagne wurde durch den iran-feindlichen US-Sender Voice of America (in Farsi) und weiteren US-Medien mit dem Ziel vorangetrieben, einen Regime Change im Iran auszulösen.

mehr:
- Iran: Die Kopftuchikone der USA (Jochen Mitschka, Telepolis, 06.10.2018)
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Freitag, 5. Oktober 2018

Wer steuert Medien und Politik?

Leser der NachDenkSeiten machen nach Lektüre unseres Beitrages (Die Tagesschau nutzt ihre hohe Glaubwürdigkeit für dreiste Manipulation und Kriegspropaganda. Tun wir etwas dagegen!) darauf aufmerksam, dass die Tagesschau mit ihrer Manipulation gestern nicht alleine war. Ganz im Gegenteil. Die Medien, auch die Printmedien von heute, sind angefüllt von den gleichen Geschichten und Botschaften einschließlich der Bilder und einschließlich der Details der Manipulation. Man muss leider davon ausgehen, dass die Berichterstattung und Kommentierung relativ zentral gesteuert ist. In der zweiten der unten folgenden Lesermails, in der Mail von Christian Dicke, werden interessante Links auf Informationen zur Steuerung der veröffentlichten Meinung aufgeführt. Er gebraucht das treffende Bild, wir säßen unter einer „Marketing-Propaganda-Kuppel“. Albrecht Müller

„Wer sind die Strippenzieher? … Wer hat Europa derartig im Griff, dass plötzlich die Regierungen der áltesten Kulturnationen wie im Kindergarten (auf Anweisung) handeln? Wer schreibt sämtlichen grossen europäischen Zeitungen und TV Anstalten vor, diesen ganzen Mist mitzutragen?“

Diese Fragen stellte schon gestern der Nachdenkseiten-Leser Bernd Liché. Sein Text ist wie eine Einleitung zu der Geschichte zur Tagesschau und zu den anderen Medien.
mehr:
- Nachtrag zur Unglaubwürdigkeit der Tagesschau und zur erkennbaren Gleichrichtung vieler Medien. Wer steuert Medien und Politik? (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 05.10.2018)
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Mittwoch, 3. Oktober 2018

Unser negatives Russland-Bild ist einseitig und zu einfach

Das vorherrschende Bild vom alleinigen "Bösewicht" Russland ist zu einfach

… weil Frieden die Basis für alles Leben ist und weil es ohne oder gar gegen Russland keine verlässlichen Sicherheitsstrukturen geben wird und – Freundschaft heißt Vertrauen. Das Zusammenleben wird dadurch nicht nur leichter, sondern auch angenehmer. Eigentlich ganz einfach und logisch. Warum funktioniert es nicht?

Im Nachgang der Ostpolitik von Willy Brandt und Egon Bahr sah es doch so aus, als seien wir auf dem richtigen Weg. Der Fall der Mauer, die Auflösung der Sowjetunion, das Ende des Kalten Krieges 
 die Welt schien, für einen Wimpernschlag der Geschichte, paradiesischen Zeiten entgegenzugehen.

Ich kann mich gut an meine Empörung über die folgenden Sätze erinnern: "Für Freudentaumel besteht kein Anlass. Wir werden den Zeiten der Ost-West-Konfrontation noch nachtrauern. Regionalkonflikte werden die Zukunft beherrschen, und die Welt wird nicht friedlicher werden, ganz im Gegenteil." So hatte sich ein bekannter Politiker zu fortgeschrittener Stunde vertraulich im kleinen Kreis geäußert.

Ich konnte und wollte mir dieses Szenario nicht vorstellen und vertraute darauf, dass die politischen Akteure auf allen Seiten den Wert dieser Chance erkannten und in diesem Sinne handelten. Ich vertraute auch darauf, dass sich die Menschen diese Errungenschaften nicht mehr nehmen und sich nie wieder gegeneinander aufhetzen lassen würden. Aus heutiger Sicht betrachtet 
 wie naiv.

An allen Ecken und Enden brennt es: Syrien, Irak, Afghanistan, der Nahost-Konflikt, um nur einige Brandherde zu nennen. Terrorismus bestimmt auf zweifache Weise die Ausrichtung von Politik: im tatsächlichen Abwehrkampf und als willkommener Vorwand für politische Entscheidungen, die sich unter "normalen" Bedingungen kaum durchsetzen ließen.

Die Weltwirtschaftsordnung verdient die Bezeichnung "Ordnung" nicht mehr. Zockerei und eine Mischung aus Perversion und Zynismus heben alles aus den Angeln. Börsen, die wie Kartenhäuser sind, und beim leichtesten Windzug zusammenstürzen, haben reale Wertschöpfung und Fakten abgelöst. Psychologie, zweifelhafte Rankings und Stimmungsmache entscheiden über die Existenz oder den Bankrott von Menschen, Firmen und zuweilen sogar von Staaten.

mehr:
- Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen (Gabriele Krone-Schmalz, Telepolis, 03.10.2018)

siehe auch:
Rettet Claus Kleber! (Post, 26.09.2018)
„Die Medien sind Teil des Problems geworden“ (Post, 22.09.2018)
Westliche Dauerpropaganda: Russland ist das Böse! (Post, 09.10.2017)
Lügenpresse Teil 2 – Wie es dazu kam, dass es plötzlich nur noch ein einziges Märchen gab (Post, 16.02.2016)
- Deutsche glauben den Medien nicht (Post, 26.12.2014)
Keine Propaganda: Noch ein U-Boot! Oh Gott! (Post, 11.12.2014)
- Meldungen über angebliche Luftraumverletzungen – Publizist Volker Bräutigam erhebt beim Rundfunkrat Beschwerde (Post, 06.11.2014)
- Ukraine 20 – ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik (Post, 18.09.2014)
Der Journaille ins Stammbuch (0815-Info, 14.05.2014)

War Putins Eingreifen in der Ukraine voraussehbar? {4:32}

Gegen den Strom
Am 17.07.2016 veröffentlicht 
Bitte teilen!
War Putins Eingreifen in der Ukraine vorhersehbar? Hätten die NATO Strategen, als auch die hohen Beamten bei der EU wissen müssen, daß ein Krieg in der Ukraine kommen würde? Stimmt die Geschichte, daß wir die Guten sind und die Russen die Bösen? Ist es wahr, daß die Geschichte also schwarz/weiß ist?
Wer verstehen will, warum Russland in der Ukraine interveniert, der wird die Wahrheit leider nicht bei den Mainstreammedien finden, deren Chefredakteure bzw Inhaber oftmals in NATO-Partnerorganisationen sitzen.
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Dienstag, 2. Oktober 2018

KenFM im Gespräch mit: Prof. Rainer Mausfeld („Warum schweigen die Lämmer?“) – sehr empfehlenswert!

Dass Professor Rainer Mausfeld es im Alter von 68 Jahren mit seinen Vorträgen noch zu einem Millionenpublikum bringen würde, hätte er selbst vermutlich als Letzter vermutet. Doch ganz offensichtlich trifft er mit seinen Inhalten, verbildlicht durch die inzwischen weitläufig bekannte politische Metapher der „schweigenden Lämmer“, den Nerv der Zeit. Es ist, als hätten wir jahrelang eine dunkle Vermutung gehegt und endlich spricht sie einmal jemand aus – Unsere Demokratie ist bei weitem nicht so demokratisch, wie sie uns verkauft wird.
mehr:
- KenFM im Gespräch mit: Prof. Rainer Mausfeld („Warum schweigen die Lämmer?“) (02.10.2018)

KenFM im Gespräch mit: Prof. Rainer Mausfeld ("Warum schweigen die Lämmer?") {1:38:19}

KenFM
Am 02.10.2018 veröffentlicht 
Dass Professor Rainer Mausfeld es im Alter von 68 Jahren mit seinen Vorträgen noch zu einem Millionenpublikum bringen würde, hätte er selbst vermutlich als Letzter vermutet. Doch ganz offensichtlich trifft er mit seinen Inhalten, verbildlicht durch die inzwischen weitläufig bekannte politische Metapher der „schweigenden Lämmer“, den Nerv der Zeit. Es ist, als hätten wir jahrelang eine dunkle Vermutung gehegt und endlich spricht sie einmal jemand aus – Unsere Demokratie ist bei weitem nicht so demokratisch, wie sie uns verkauft wird.
Nun ist der Kaiser also nackt. Dennoch hält sich die gesellschaftliche Empörung in Grenzen. Wie lässt sich das erklären? Professor Mausfeld ist überzeugt: Es liegt an der Beschaffenheit des Kaisers, der nicht mehr in schicker, feudaler Tenue, sondern in Form unpersönlicher, intransparenter und abstrakter Machtstrukturen daherkommt. Genannte Strukturen, man kann sie auch als Elitenetzwerke bezeichnen, bedienen sich des Begriffes der Demokratie, weil er sich für sie als ideale Revolutionsprophylaxe in Zeiten zunehmend feudal anmutender sozialer Ungleichheit herausgestellt hat. Da diese Verschleierungstaktik, bei der ideologisch aufgeladene Begriffe inhaltlich in ihr Gegenteil verkehrt werden, sich zu Indoktrinationszwecken als besonders effektiv erwiesen hat, kommt sie auch in aller Regelmäßigkeit zur Anwendung. So z.B. bei Wörtern wie „Globalisierung“ oder „freie Märkte“, welche der desorientierten Bevölkerung als naturgegebene Phänomene verkauft werden, um über das in ihrer neoliberalen Interpretation verankerte Recht des Stärkeren hinwegzutäuschen.
Hieraus ergibt sich die Aufgabe, die Kluft zwischen dem vorgegaukeltem und dem eigentlichen Wortsinn, zwischen PR und Realität, zu überwinden, mit dem Ziel sich dabei Schritt für Schritt an das Ideal demokratischer Verhältnisse im Sinne der Aufklärung anzunähern. Dafür bedarf es nicht nur der intellektuellen Bewaffnung und Bewusstwerdung über die subtilen Techniken der Meinungskontrolle des Einzelnen, sondern vor allem auch des Eingeständnisses, dass man einem gigantischen Betrug aufgesessen ist.
Professor Mausfelds Buch „Warum schweigen die Lämmer?“, welches die Inhalte des beliebten gleichnamigen Vortrages weiter vertieft, kann diesen kollektiven Aufwachprozess mit anschieben. Ins Handeln kommen müssen wir dann aber schon selber.
Inhaltsübersicht:
0:04:56 Der Kaiser ist nackt – wir wissen es alle
0:13:15 Der „Feind“ ist abstrakt
0:21:50 Aber wir haben doch eine Demokratie…
0:31:16 Wie wichtig ist Repräsentation in einer Demokratie?
0:40:43 Meinungsmanagement
0:57:29 Definition von Links und Rechts: ein „Haufen Spaghetti“
1:03:02 Chemnitz aktuell – Ablenken von den wahren Problemen
1:13:25 Programme zur Angst-Induktion
1:20:37 Für das Warten auf bessere Zeiten ist keine Zeit
1:34:08 Feedback aus der Bevölkerung
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Warum schweigen die Lämmer? Rainer Mausfeld im Gespräch mit Westend {17:21}

Westend Verlag
Am 06.03.2019 veröffentlicht 
Der Psychologe und Kognitionswissenschaftler Rainer Mausfeld spricht über die Denkfehler der modernen Psychologie, Fehlentwicklung unserer demokratischen Institutionen und die Rolle der Medien.
Weitere Infos zu seinem Buch und Leseprobe finden Sie hier:
https://www.westendverlag.de/buch/war...
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mehr Mausfeld-Videos:
Prof. Mausfeld: Die »verwirrte Herde« auf Kurs halten… (28. Pleisweiler Gespräch) (Post, 15.11.2017)
»Der Neoliberalismus und das Ende der Demokratie« in: 
Ausmaß der Einkommensungleichheit unterschätzt (Post, 12.08.2016)



"Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung"

Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine "Verachtung des Volkes" und Journalisten und Intellektuelle, "die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten"

► Herr Mausfeld, Sie sind vor allem bekannt für Ihre Vorträge, in denen es um die verdeckte Rolle von Machteliten in unserer Gesellschaft geht. Dafür werden Sie von vielen Seiten angegriffen. Der ehemalige ARD-Journalist Hans Jessen wirft Ihnen im Podcast von Tilo Jung ein "geschlossenes Weltbild" vor, der Amerikanistik-Professor Michael Butter entdeckt in Ihrer Arbeit "verschwörungstheoretische Züge" - was umgehend in den Wikipedia-Artikel zu Ihrer Person eingearbeitet wurde. Überrascht Sie die Vehemenz solcher Kritik?

Rainer Mausfeld: Wir müssen natürlich Kritik und Diffamierung unterscheiden. Kritik zielt auf die Sache, Diffamierung auf die Person. Kritik beruht auf Argumenten, Diffamierung arbeitet mit einem Diffamierungsvokabular. Worum geht es mir in meinen politischen Beiträgen in der Sache? In meinen Vorträgen geht es mir weniger um Vermittlungen konkreter Inhalte und Positionen. Denn hier gibt es wie stets bei der Betrachtung komplexer Systeme einen großen Spielraum für unterschiedliche Perspektiven; ich lege jedoch in meinen Beiträgen stets offen, dass meine Perspektive durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt ist. Mir geht es in meinen Vorträgen vor allem um die Vermittlung einer Denkmethodologie, also gleichsam um das Handwerk des Denkens, mit der wir unsere alltäglichen politischen Erfahrungen wieder in einen Sinnzusammenhang einordnen können. Denn nur so können wir wieder ein Stück Autonomie gewinnen und angemessene Handlungskonsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen.
mehr:
"Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung" (Paul Schreyer interviewt Rainer Mausfeld, Telepolis, 02.10.2018)
siehe auch:
- Prof. Mausfeld: Die »verwirrte Herde« auf Kurs halten… (28. Pleisweiler Gespräch) (Post, 03.11.2017)
- „Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert“ (Post, 31.05.2017)
- Warum schweigen die Lämmer? – Der Mensch im Geflecht von Medien, Manipulation und Macht (Post, 14.07.2016)