Samstag, 13. Oktober 2018

70 Jahre Israel: Das verdrängte Unrecht

70 Jahre Israel stehen für sieben Jahrzehnte Besatzung und Apartheid-Regime.

Mit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 begann für die Palästinenser die Katastrophe der Vertreibung — Naqba —, die noch heute andauert. Die Erklärungen aller Parteien im deutschen Bundestag haben diese Barbarei bei ihren Glückwünschen an Israel völlig ausgeblendet. Sie sprechen vom stolzen Rückblick auf 70 Jahre Demokratie. Wohin wird es führen, wenn sich die Staaten und Regierungen weiterhin vor der hässlichen und gefährlichen Seite der Realität drücken?


Es sollte keiner Gedenktage bedürfen, um auf einen schon Jahrzehnte schwelenden Konflikt aufmerksam zu machen, der periodisch in kurze, aber brutale Kriege aufflammt und die ganze Region in einer latenten Krisen- und Kriegsgefahr nicht zur Ruhe kommen lässt. Durch die regelmäßigen Gewaltexzesse der Siedler in den besetzten palästinensischen Gebieten, die unmenschlichen Existenzbedingungen im eingeschnürten und belagerten Gazastreifen und die politischen Wendungen eines ultrarechten Besatzungsregimes, wird uns immer wieder ein Katastrophenszenario in den Medien präsentiert, welches unter normalen Bedingungen die heftigsten Reaktionen der UNO und der EU hervorrufen würde.

Doch die Bedingungen sind nicht normal, die einflussreichsten Staaten der UNO und der EU sind durch die Fehler und Verbrechen ihrer eigenen Geschichte gelähmt und verwalten einen Kriegszustand, der zwar nicht ihren propagierten Werten entspricht, aber offensichtlich ihren Interessen nicht widersprechen muss. Sie verschließen die Augen vor einer Katastrophe, die sie selbst mit zu verantworten haben.

mehr:
- Das verdrängte Unrecht (Norman Paech, Rubikon, 13.10.2018)

siehe auch:
- Der Apartheid-Staat (Jochen Mitschka, Rubikon, 12.10.2018)
- Bedingungslos für Israel? (Post, 08.10.2018)
- US-Regierung steigt wegen Israel-Kritik aus dem UN-Menschenrechtsrat aus (Post, 20.06.2018)
- Heute vor 35 Jahren – 16. September 1982: Massaker in libanesischen Palästinenserlagern (Post, 16.09.2017)
Israels Siedlungsbau ist nicht illegal (Post, 30.12.2016)
Operation Ajax revisited (Post, 24.07.2016)
- 100 Jahre Sykes-Picot-Abkommen: ein Essay von Heiko Flottau. (Post, 15.05.2016)
Frieden von unten (Post, 03.02.2015)
- Israel und seine Palästinenser (Post, 07.01.2015)
KenFM im Gespräch mit: Moshe Zuckermann (Post, 09.08.2013)
- Freundschaft (Post, 16.05.2012)
- Norbert Blüm - Die Wahrheit über Israel und Palästina (Youtube-Video, hochgeladen am 30.04.2011)
Umkehr nach dem Schock (Post, 20.08.2009)
- Viel Palästina und ein bißchen türkische Toleranz (Post, 20.02.2009)
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Immer noch G20: Die Verfolgung von Aktivisten

G20: Zur Verfolgung von Aktivisten nutzt das Hamburger LKA den EU-Haftbefehl und die Europäische Ermittlungsanordnung. Das BKA übernimmt die Funktion einer Zentralstelle

Mitarbeiter der Hamburger Sonderkommission "Schwarzer Block" sind nach dem G20-Gipfel mehrmals für einen "Erkenntnisaustausch" in Nachbarländer gereist. Das teilte der Hamburger Senat auf Anfrage der Abgeordneten Christiane Schneider in einem Schreiben mit, das der Redaktion vorliegt. Um welche Maßnahmen und besuchte Behörden es sich handelt, schreibt der Senat nicht.

Vor zwei Wochen hatte die Hamburger Polizei die Auflösung der Sonderkommission bekannt gemacht. Sämtliche strafrechtlichen Ermittlungen zum G20-Gipfel werden jetzt von einer Ermittlungsgruppe weitergeführt, die bei der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts (LKA) angesiedelt ist.

Bislang war nur bekannt, dass die Soko "Schwarzer Block" zur Vollstreckung deutscher richterlicher Beschlüsse im Ausland war. Am 29. Mai hatten die Beamten Durchsuchungen bei sieben Personen in Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz veranlasst, um dort mögliche Beweismittel zu sichern.

Neun Objekte wurden durchsucht und dabei Rechner und Laptops, Mobiltelefone, Speichermedien und Bekleidung beschlagnahmt. Zwei der Beschuldigten waren zunächst unbekannt und wurden durch eine Öffentlichkeitsfahndung identifiziert. Die Fotos und Beschreibungen der Betroffenen hatte die Soko "Schwarzer Block" zur Identifizierung auch an ausländische Behörden geschickt.

mehr:
- Der lange Arm der Repression (Matthias Monroy, Telepolis, 13.10.2018)
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siehe auch:
- Nochmal G20 in Hamburg: Vorgehen der Polizei rechtswidrig (Post, 16.06.2018)
- G20-Aufarbeitung: Lügen und geschwärzte Akten (Post, 08.11.2017)
- G20-Aufarbeitung: Ermittlungstempo je nachdem… (Post, 13.10.2017)
- „Die Polizei Hamburg hat die Gewaltorgie losgetreten“ (Post, 07.10.2017)
- G20-Nachbereitung: Pleiten, Pech und Pannen (Post, 06.10.2017)
- "Die Herrschaft über die Wirklichkeit hat die Polizei" (Post, 06.10.2017)
- Nachlese zum G20-Gipfel – Wrestling vs. schonungslose Analyse (Post, 18.08.2017)
- Aufräumarbeiten nach dem G20-Gipfel: Was würde geschehen, wenn… (Post, 23.07.2017 – mit einigen ausagekräftigen Wikipedia-Ausschnitten zum G8-Gipfel in Genua 2001)


Der Macron der Superreichen

Frankreich: Zum Budgets 2019 gibt es eine Neuauflage der Diskussion darüber, ob Macron ein "Präsident der Reichen" ist

Ob denn überhaupt etwas vorangehe in Frankreich oder ob das Land im Immobilismus verharre, fragte vergangenen Sonntag eine Diskussionsrunde im Sender France Inter. Regierungssprecher Benjamin Griveaux regte sich fürchterlich auf. Wie denn die Journalisten überhaupt auf die Idee kämen, die Realität derart wahrzunehmen, dass solche Fragen gestellt werden.

Griveaux verwies auf zahlreiche Reformen, welche die Regierung Macron wie keine andere zuvor anpacke (weshalb er auch erst zu seinem Posten als Vollzeitsprecher gekommen ist, wie die Schwäbische seinerzeit berichtete).

So überzeugt man in der Entourage des Präsidenten vom Arbeitselan und den vielen Vorhaben sein mag, so wenig Zugkraft ist allerdings außerhalb zu spüren. Der Regierungssprecher schob den schwarzen Peter dafür vor allem der Berichterstattung zu.

mehr:
- Macrons Unterstützung der Superreichen (Thomas Pany, Telepolis, 13.10.2018)
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AfD im (Schul)-Klassenkampf

Die AfD sorgt derzeit mit Beschwerdeportalen bundesweit für Echauffierung. Schüler sollen online melden, wenn ihnen Lehrkräfte, salopp gesagt, politisch allzu betreuerisch, wenn nicht gar kopfwäscherisch vorkommen. Vor allem geht es wohl um unterrichtliche Bemerkungen zulasten der AfD. Die Partei möchte das als Aktion „Neutrale Schule“ verstanden wissen. Ihre Gegner nennen es „organisierte Denunziation“. Welche ein „Mittel von Diktaturen“ sei. Was wären wir bloß ohne Adolf und Walter.

Nun haben derlei Plattformen in der Tat ein herbes Geschmäckle, sofern nicht gerade die famose Zivilgesellschaft beziehungsweise staatlich geförderte Antifa-Spitzelkräfte dahinter stehen. Einen Hauch von „1984“ gewissermaßen, wo Pimpfe sogar ihre Erzeuger ausspähen. Viele Sympathiepunkte kann man mit einer solchen Veranstaltung nicht ergattern. Der Aufschrei linker Lehrergewerkschaften sowie sämtlicher Wahrheitsmedien gegen das schändliche Vorhaben war programmiert. Die Reaktion muss von der AfD antizipiert, ja billigend in Kauf genommen worden sein.

War das taktisch unklug? Oder genau richtig? Nun ja, ein gewisser Leidensdruck ist anzunehmen in Familien, wo Kinder nicht im Refugee-welcome-Modus aufwachsen. Sie aber einen Teil des Tages der ganz überwiegend rotgrün gepolten staatlichen Erzieherschaft überlassen werden müssen.

mehr:
- AfD im (Schul)-Klassenkampf (Wolfgang Röhl, achgut, 13.10.2018)
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Freitag, 12. Oktober 2018

Fernsehempfehlung: Babylon Berlin

noch bis 
18.10.2018 
in der ARD-Mediathek!

Gottfried Helnwein über Political Correctness: »Sie ist das Ende der freien Rede«

Das Bild ist nicht Teil des Artikels




Der österreichische Maler Gottfried Helnwein ist für seine schonungslose Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus bekannt. Die bricht er auch in einem Interview. „Political correctness“ findet er schlimmer ist als Donald Trump. Und Sahra Wagenknecht besser als alle anderen Politiker

Was mir als erstes zu Gottfried Helnwein einfällt? Ein Cover eines Scorpions-Albums, aus einer Zeit, als ich die Scorpions noch mochte, was heute bitteschön als Jugendsünde durchgeht. Das Cover zeigt einen Mann, der schreit, einen Verband um den Kopf trägt und Gabeln im Gesicht, die ihm die Augen verdecken und irgendwie auch auskratzen.

Massenhysterie gegenüber Donald Trump
Helnwein habe ich seither komplett aus den Augen verloren. Jetzt ist er mir wiederbegegnet in einem Interview auf der Webseite unseres Schwestermagazins Monopol. Helnwein beklagt sich über die übertriebene Korrektheit in seiner Wahlheimat USA und schildert, dass legendäre Comedians wie John Cleese von der Monty Python’s-Truppe inzwischen die Lehrsäle der Unis meiden, weil sie vor lauter Tabus keinen Witz mehr reißen können, ohne dafür an den Pranger gestellt zu werden.

mehr:
- „Sie ist das Ende der freien Rede“ (Christoph Schwennicke, Cicero, 12.10.2018)
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siehe auch:
Political correctness schnürt einem die Luft ab (SPON, 12.10.2018)
Nach Veganer-Kritik an Kinderlied – Der Fuchs darf in Limburg wieder die Gans stehlen (SPON, 12.04.2017)
- Rudolf Steiner, Waldorfschulen und die Medienmeute (SPON, 23.10.2007)

Umfrage: Mehr Ukrainer wünschen freundschaftliche Beziehungen mit Russland

Während die ukrainische Regierung mit ihren verbündeten westlichen Staaten auf Konflikt setzt, wollen die Menschen ein Ende des Kriegs, 48 Prozent haben eine positive Haltung zu Russland

Politisch und militärisch wird der Konflikt zwischen der Nato und Russland eskaliert, aus der Perspektive des Westens sind Russland und die Machthaber der "Volksrepubliken" im Donbass die Bösen, während die Machthaber in Kiew die Guten sind. Die ukrainische Regierung verstärkt den Konflikt, wo es nur irgendwie geht, schließlich ist die russische Bedrohung das Mittel, um die politische, finanzielle und militärische Unterstützung von den Nato-Staaten zu erhalten. In pro-russischen und anti-russischen ukrainischen Medien wird der Konflikt hochgekocht. An den Menschen scheint dies zunehmend vorbeizugehen, sie haben einen nüchternen, weniger interessengeleiteten Blick. Viele in der Ukraine sehen Russland positiv, umgekehrt ist es auch so.

Eine Umfrage des Kiev International Institute of Sociology (KIIS) weist einmal wieder darauf hin, dass die Machtinteressen von Regierungen nicht mit der Haltung der Bevölkerung übereinstimmen müssen, die sie, demokratisch oder nicht, vertreten. Während Militär und Medien gegen die russische Gefahr mobilisiert werden und die Ukraine als gefährdeter Vorposten der "Freiheit" gilt, haben 48 Prozent der Ukrainer ein positives Bild von Russland, was strikt dem Bild entgegensteht, das pro-westliche Politiker zeichnen. Nur 32 Prozent haben eine negative Einstellung gegenüber Russland, erstaunliche 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

mehr:
- Umfrage: Mehr Ukrainer wünschen freundschaftliche Beziehungen mit Russland (Florian Rötzer, Telepolis, 12.10.2018)
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Staatlich organisierte Unmenschlichkeit: Hiroshima, Die Mutter aller Kriegsverbrechen

Allein zu Testzwecken begingen die USA 1945 Massenmord.


Der Journalist und Dokumentarfilmmacher Dirk Pohlmann erläuterte in einem Vortrag, dass die Rechtfertigungen für die Atombombenabwürfe der USA auf Japan nicht nur ethisch sondern auch sachlich falsch sind. Die atomare Vernichtung Hiroshimas und Nagasakis im August 1945 diente vor allem dem Test der neuartigen Massenvernichtungsmittel und nicht — wie gern behauptet — einer schnellen Beendigung des Krieges. Der machtstrategische Zynismus heutiger Militärs und Politiker ist nicht geringer einzuschätzen, aber die Atomwaffenarsenale sind seitdem monströs gewachsen.


Haben die USA 1945 zwei Atombomben auf Japan abgeworfen, weil sie den Zweiten Weltkrieg möglichst schnell beenden und so viele Menschenleben wie möglich retten wollten? „So habe ich es in der Schule gelernt“, sagt Dirk Pohlmann zu Beginn seines Vortrages in Hannover-Langenhagen. Auch in der Wikipedia finden sich diese US-Rechtfertigungen bis heute. „Doch diese Begründungen sind falsch“, betont Pohlmann. Er bezeichnet sie sogar als „Mythos“.

Der Journalist, der zahlreiche TV-Dokumentationen für ARD, ZDF und Arte drehte, hat eine andere Erklärung für die Atombombenabwürfe, die auf deutlich weniger Humanität und mehr machtstrategischen Zynismus bei den damaligen US-Verantwortlichen schließen lassen. „Die Bomben wurden nicht aus militärischen Gründen abgeworfen, sondern zu Testzwecken.“



Augenzeuge apokalyptischer Bilder


Der 59-Jährige hat sich lange mit den Atombombenabwürfen beschäftigt. Das liegt auch daran, dass er als Student in Mainz das Glück hatte, mit Helmut Erlinghagen einen der wenigen europäischen Zeugen und Überlebenden von Hiroshima kennenzulernen (1). Erlinghagen wurde von seinen Eltern in den 1930er Jahren als Jesuitenschüler nach Japan geschickt und befand sich am 6. August 1945 in einem Kloster in Hiroshima, erzählt Pohlmann. In den 1970er Jahren kehrte Erlinghagen nach Deutschland zurück und lehrte Philosophie in Mainz.

Pohlmann interviewte seinen Professor mehrmals zu dem Thema und freundete sich mit ihm an. „Es war unglaublich, was Erlinghagen beschrieb“, erinnert sich der Journalist. Opfern konnte man die Haut wie einen Handschuh abziehen, wenn man ihnen die Hand gab, hatte Erlinghagen berichtet. Frauen, die von der Explosion erblindet waren, zogen klagend in einer Reihe Hand auf Schulter durch die Trümmer. Kinder irrten durch die Ruinenlandschaft auf der Suche nach ihren Eltern.

Das Kloster am Stadtrand war als eines der wenigen massiv gebauten Gebäude stehengeblieben. Die meisten Häuser Hiroshimas waren hingegen in leichter Holzbauweise konstruiert und wurden beim Bombenabwurf komplett zerstört. Viele Überlebende kamen ins Kloster und hofften auf Hilfe. Doch mehr als Beistand konnten die Jesuiten nicht leisten.

40.000 Menschen nahe dem Detonationszentrum waren sofort gestorben, die meisten von ihnen verdampften in der ungeheuren Hitze der atomaren Explosion. 80.000 weitere Menschen starben in der Folgezeit an den Strahlenwirkungen. Auch Helmut Erlinghagen hatte mit den Folgen zu kämpfen: Er entwickelte eine Immunschwäche und starb 1994.

mehr:
- Die Mutter aller Kriegsverbrechen (Stefan Korinth, Rubikon, 12.10.2018)

Dirk Pohlmann spricht über "Dresden, Tokio, Hiroshima" {13:48}

sender.fm
Am 02.10.2018 veröffentlicht 
Am 21.09.2018, dem "Internationalen Tag des Friedens" spricht Dirk Pohlmann in Dresden über "Dresden, Tokio, Hiroshima".
Organisiert wurde die Mahnwache von der Friedensinitiative Dresden.
Moderation: Julia Szarvasy
https://www.friedendresden.de
https://www.sender.fm

„Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion (zu der sich nur wenige Angehörige anderer Kulturen bekehrten), sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache; Nichtwestler vergessen sie niemals.“ [Samuel Phillips Huntington: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. 5. Auflage, Siedler bei Goldmann, München 1998, S. 68., gefunden bei Wikipedia]

ZDF History - Hiroshima [Doku HD] {45:30}

Dokumentation24
Am 19.10.2016 veröffentlicht 
Am 6. August 1945, morgens um 8.16 Uhr, detonierte über der Innenstadt von Hiroshima ein Sprengsatz, der jegliche Vorstellungskraft der Zeitgenossen übertraf. Die Zerstörungskraft der auf den Namen "Little Boy" getauften Atombombe entsprach der von 12.500 Tonnen herkömmlichen Sprengstoffs. Eine gewaltige Druckwelle zerstörte in wenigen Sekunden fast 90 Prozent der Stadtfläche von Hiroshima.
Bis zu 200.000 Menschen starben durch "Little Boy", die Hälfte davon durch Spätfolgen der radioaktiven Strahlung. Nach dem Abwurf einer zweiten Atombombe auf die Stadt Nagasaki drei Tage später folgte die japanische Kapitulation. ZDF-History erinnert an den bis heute umstrittenen ersten Einsatz von Atomwaffen und an die verheerenden Folgen für die Bevölkerung von Hiroshima.
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K: Ich meine immer noch, wir sollten die Deiche endlich plattmachen.
N: Werden Leute absaufen?
K: Dabei werden ungefähr 200.000 Menschen ertrinken.
N: Also nein, nein, nein, nein, nein; ich nehme lieber eine Atombombe. Steht eine bereit?
K: Das wäre übertrieben.
N: Eine Atombombe, das macht Dir zu schaffen? Ich will, daß Du groß denkst, Henry, Himmelhergottnochmal!
[aus einem Gespräch zwischen Richard Nixon und Henry Kissinger –  Quelle: Die Wahrheit über den Vietnamkrieg (Doku) Daniel Ellsberg und die Pentagon Papiere (ZDF-Doku), aus Nixons Tonbandaufnahmen aus dem Oval Office, im Film ab 1:20:00]
siehe auch:
- Nixon und Kissinger – ein Denkmalsturz (Bernd Greiner, ZON, 24.10.2007)

Die Verlegerin - Trailer deutsch/german HD {2:39}

Universal Pictures Germany
Am 23.11.2017 veröffentlicht 
Ab 22. Februar 2018 im Kino - https://www.facebook.com/DieVerlegerin
1971 steht mit Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep) eine Frau an der Spitze des Verlags, der die renommierte „Washington Post“ herausbringt. Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA hat Kay ohnehin keinen leichten Stand, außerdem steht die Zeitung kurz vor dem Börsengang – brisant wird es, als Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) über einen gigantischen Vertuschungsskandal im Weißen Haus berichten will, in den allein vier US-Präsidenten verwickelt sind.
In einem nervenzerreißenden Kampf für die Pressefreiheit riskieren Kay und Ben ihre Karrieren und die Zukunft der Zeitung – ihr mächtigster Gegner ist dabei die US-Regierung…
Die Veröffentlichung der geheimen „Pentagon-Papiere” zählt neben der Watergate-Affäre zu den größten Politskandalen der USA. Dieser dramatische Tatsachenbericht über den ersten „Leak“ der Pressegeschichte, an dessen Veröffentlichung die mutige Verlegerin Kay Graham maßgeblich beteiligt war, wird jetzt von Steven Spielberg (Bridge of Spies – Der Unterhändler, Lincoln) erstmals für die große Leinwand aufgearbeitet. Für Regisseur Spielberg und Star Tom Hanks ist DIE VERLEGERIN der fünfte gemeinsame Film – mit Ikone Meryl Streep arbeiten beide zum ersten Mal zusammen. Mit bemerkenswerten sechs Golden Globe-Nominierungen wurde der Film in den Sektionen Bester Film – Drama, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin – Drama, Bester Hauptdarsteller – Drama, Bestes Drehbuch und Beste Filmmusik berücksichtigt.
„Wir standen nicht etwa auf der falschen Seite. Wir waren die falsche Seite.“
[Daniel Ellsberg in dem auf Arte ausgestrahlten Dokumentarfilm „Der gefährlichste Mann in Amerika“, zitiert im Tagesspiegel vom 21.04.2010]

"Wir bringen Millionen Muslime um und reden über Menschenrechte?" - Jürgen Todenhöfer 1/3 {10:01}

2010IslamTube
Am 21.02.2011 veröffentlicht 
Wir bringen Millionen unschuldige Muslime um und reden über Menschenrechte?...

Immer schreibt der Sieger die Geschichte der Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge.
Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge. [Bertholt Brecht]
siehe auch:
Postfaktisches Zeitalter: Wir trampeln auf unseren »Westlichen Werten« herum, bis der Begriff keinen substantiellen Inhalt mehr hat (Post, 02.04.2018) 
- Whistleblower Daniel Ellsberg: "Wir haben die Infrastruktur eines Polizeistaates geschaffen" (Yassin Musharbash, ZON, 09.06.2018)
Hardeep Singh Puri: Moralische Hysterie, missionarische Außenpolitik und falsche Kriege (Post, 24.01.2017) 
Die Infragestellung unseres Standard-Narrativs (Post, 13.03.2016)
Es war einmal – unsere westlichen Werte und das Völkerrecht (04.12.2015)
Forschungsarbeit: Meinungsmanipulationsstrategien in Frieden und Krieg (Jens Wernicke, Institut für Medienverantwortung, Juli 2009?)
- Ich kann gar nicht so viel essen… (Post, 25.03.2006)

About 18 veterans kill themselves each day. Thousands from the current wars have already done so. In fact, the number of U.S. soldiers who have died by their own hand is now estimated to be greater than the number (6,460) who have died in combat in Afghanistan and Iraq.
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Leserbriefe zu „Diesel-Hysterie“

Zum Artikel Diesel-Hysterie erreichten uns diverse Zuschriften, von denen wir einige hier wiedergeben. Da dieses Thema die meisten von uns tagtäglich betrifft, entweder als Autofahrer und -käufer, und/oder als die Emissionen einatmenden Bürger, ist hier sicher eine Lösung vonnöten, die über das hinausgeht, was auf dem „Diesel-Gipfel“ beschlossen wurde. Es ist aber auch ein Thema, bei dem man durch Änderung des eigenen Verhaltens sein Scherflein zu einer Verbesserung der Luftqualität beitragen könnte. Zusammengestellt von Moritz Müller.
mehr:
- Leserbriefe zu „Diesel-Hysterie“ von Jens Berger (Moritz Müller, NachDenkSeiten, 12.10.2018)
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Political correctness schnürt einem die Luft ab

Nach Leipzig verbietet nun auch München sexistische Werbung. Was geschmackvoll und geschmacklos ist, bewertet damit nicht mehr der Konsument selbst, sondern der Staat unter Federführung linker Politikerinnen. Die Grünen-Politikerin Marianne Bukert-Eulitz forderte unlängst gar, Miss-Wahlen auch für weniger schöne Frauen zu öffnen. In den USA ist man da schon einen Schritt weiter: Künftig soll es bei der Wahl zur Miss America nicht mehr vorrangig um Schönheit gehen. Die Bikini-Show soll daher gänzlich abgeschafft werden. Hinter all dem steckt eine Genderideologie, die längst nichts mehr mit der Emanzipation der Frau zu tun hat und deren Ikone, Judith Butler, nicht umsonst ein Fan der Burka ist.

Dass der Sozialismus dieser Tage subtiler daherkommt als noch in der DDR oder aktuell in Venezuela, ist zumindest für diejenigen, die die Alarmsignale noch erkennen, nichts Neues. Der Rest befindet sich im Tal der Ahnungslosen, aus dem die meisten erst heraustreten, wenn sich ihre eigene Meinung plötzlich abseits des politisch korrekten Korridors bewegt, der sich neuerdings unter dem offiziellen Gütesiegel der Gratismutigen, #WirSindMehr, subsumiert.

Aber der totalitäre Charakter des heutigen Leise-Sohlen-Sozialismus lässt sich an noch viel mehr als der eingeschränkten Meinungsfreiheit bezüglich Islam- und Einwanderungsfragen erkennen. An die Stelle des SED-Funktionärs tritt der besorgte Politiker, der dazu angetreten ist, den unwissenden und daher leicht zu beeinflussenden Bürger vor negativen Einflüssen zu schützen. Dahinter – wie schon damals – die linke Hybris, stets am besten zu wissen, was für alle gut ist und die damit einhergehende fehlende Akzeptanz anderer Meinungen, die einem mit jedem Bestreben um weitere Verbote und Regelungen geradewegs vor die Füße gespien wird.

Die Zauberwörter Sexismus und Rassismus, deren inflationärer Gebrauch in den letzten Jahren zu ihrer eigenen endgültigen Sinnentleerung geführt hat, dienen hierbei immer noch als gut funktionierende Daumenschrauben. Ganz im Sinne von Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“ weiß zwar jeder der betroffenen Akteure, vom Verständnis heuchelnden CDUler bis hin zum PR-Fuzzi eines großen Unternehmens, der sich dem politisch korrekten Nonsens fügen muss, dass der Kaiser nackt ist und es den Durchschnittskonsumenten einen Scheißdreck interessiert, wie hoch die Frauen- und Migrantenquote in der Mc-Donalds-Werbung ist oder ob die dicken Brüste auf dem Werbeplakat sexistisch sind oder nicht.

mehr:
- Kampf gegen die Schönheit (Anabel Schunke, achgut, 12.10.2018)
siehe auch:
- Gottfried Helnwein über Political Correctness: »Sie ist das Ende der freien Rede« (Post, 12.10.2018)

„Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren. [Christopher] Dawson … sagt, dass die Kirche Europa ist und Europa die Kirche, und ich sage: Ja! Corruptio optimi quae est pessima [Die Verderbnis des Besten ist das Schlimmste]. Durch den Versuch, die Offenbarung zu sichern, zu garantieren, zu regeln, wird das Beste zum Schlimmsten …
Ich lebe außerdem in einem Gefühl größter Zwiespältigkeit. Ich komme nicht ohne Tradition aus, aber ich muss erkennen, dass ihre Institutionalisierung die Wurzel von etwas Bösem ist, das tiefer geht als alles Böse, das ich mit unbewaffnetem Auge und Geist erkennen könnte.“[7]
[Ivan Illich, Zitate, Wikipedia, abgerufen am 14.10.2018]

Nachruf auf Ursula Behr

Nachruf auf Ursula Behr - Frieden für Syrien! Kampf für die Wahrheit! {3:53}

antikriegTV
Am 12.10.2018 veröffentlicht 
Video von Mohammed Damour Antikrieg TV
http://youtube.com/antikriegtv

siehe auch:
Für URSula, die Behrin: HaBE der Berliner Malerin Ursula Behr nachgeschrien (Harmut Barth-Engelbart, barth-engelbart.de, 05.11.2018)
Ursula Behr (1960 Fulda – 2018 Damaskus) (Opa-Blog, 10.10.2018)
- Ursula Behr (Freidenker, Landesverband Berlin, undatiert)

Ursula Behrs Syrien-Blog (letzter Eintrag am 29.01.2018)

Björn Höcke träumt gefährlich

Der AfD-Politiker spricht Klartext über das von ihm angestrebte undemokratische Regime. Eine Auseinandersetzung mit seiner Denkweise

Björn Höcke gehört zu den führenden Politikern der AfD. Er fiel mehrfach mit selbst für die AfD extremen Äußerungen auf. Die Relativierung dieser Vorstöße ("ich habe doch n u r ... ") gehört wie auf der anderen Seite die Etikettierung "Nazi" zu den Ritualen einer Auseinandersetzung, bei der die Begründung der Behauptungen nicht den Platz erhält, den sie haben sollte.

Dazu kommt, dass Trennlinien zwischen Behauptungen, Unterstellungen und tatsächlichen politischen Ansichten verschwimmen. Sei es, weil Vertreter der Neuen Rechten sich auf mehrdeutige Provokationen gut verstehen, sei es, weil manche ihrer politischen Gegner zu schablonenhaft vorgehen.

Höcke selbst gibt nun mit der Veröffentlichung eines knapp 300 Seiten langen Protokolls eines Gespräches, das Sebastian Hennig mit ihm geführt hat ("Nie zweimal in denselben Fluss", Berlin 2018), die Gelegenheit, dass seinen Ansichten genau "auf den Zahn gefühlt" wird. Das soll im Folgenden geschehen.

Er trägt nicht nur seine politischen Auffassungen vor. Seine Ausführungen wollen nicht nur argumentieren und Stimmung machen. Sie verkörpern eine bestimmte Lebensart und subjektive Gestimmtheit. Von deren Durchsetzung in der ganzen deutschen Bevölkerung erwartet sich der AfD-Politiker Großes. Das Gesprächsprotokoll präsentiert die von Höcke gewollte politische und psychische Transformation in schonungsloser Offenheit.

mehr:
- Björn Höcke droht mit "Dunkeldeutschland" (Meinhard Creydt, Telepolis, 12.10.2018)
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Hass und Gewalt in Chemnitz: Darum gehen die Menschen auf die Straße | stern TV {10:13}

i&u TV - Information & Unterhaltung
Am ttt veröffentlicht 
Seit Tagen sind Chemnitz und die aufgebrachte Stimmung der zwei Lager das beherrschende Thema in den Nachrichten. Das kostenlose Konzert "Wir sind mehr" gegen Rechts, zu dem am Montag rund 65.000 Menschen nach Chemnitz kamen, war ein Erfolg. So viele wollten dort ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Gewalt setzten. Doch die Probleme sind damit nicht gelöst. Seit Jahren baut sich der Fremdenhass und die Wut über soziale Ungerechtigkeit auf – und entlädt sich unter anderem im "Fall Daniel H." Bei Aufmärschen am Samstag richtete sich die aufgeheizte Stimmung dann auch gegen Unbeteiligte, wie etwa Journalisten, die angegriffen und an ihrer Arbeit gehindert wurden, wie unsere Reportage dokumentiert. Auch stern TV war mit einem Team vor Ort, unsere Reporterin Sophia Maier berichtet von "etlichen Angriffen auf mich und meine Kamera". Sie sagt: "So viel Hass und Aggressivität habe ich noch nie erlebt."
Meinungsfreiheit in Deutschland wird immer mehr mit Hetze und offenen Feidseligkeiten gleichgesetzt und wächst vor allem im Internet erschreckend dynamisch. Ein Mord wird instrumentalisiert, um den Hass, Angst und Gewalt im öffentlichen Raum zu auszuleben, rechtspopulistische Gruppierungen schließen sich zusammen. Und auch hier sind es erschreckend viele. Was treibt die Menschen auf die Straßen, warum nimmt die Aggressivität immer weiter zu? Wie kann die Politik die Lage wieder in den Griff bekommen - und verhindern, dass sich Ähnliches bald schon bald woanders ereignet?
stern TV, 05.09.2018, 22:15 Uhr, RTL
* stern TV auf Facebook: https://www.facebook.com/sterntv
* Mehr Infos zum Thema: http://www.stern.de/tv/
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Journalisten und Politiker im „Wir“ vereint

Die NachDenkSeiten setzen sich immer wieder kritisch mit den Medien und ihrer Berichterstattung auseinander. Medienkritik ist ein fester Bestandteil unseres Blogs, denn viele der Schieflagen in Politik und Gesellschaft sind eng mit einem Journalismus verbunden, der zu selten das tut, was er sollte – nämlich das Handeln und die Entscheidungen der Mächtigen kritisch zu hinterfragen. Die Realität ist leider: Zwischen Eliten aus Politik und Journalismus gibt es eine viel zu enge Verbindung. Im Nachfolgenden möchten wir Sie noch einmal auf die Nähe zwischen Politikern und Alpha-Journalisten hinweisen. Ein Beitrag von Marcus Klöckner.

„Wenn die Meinungsbildung im Netz am etablierten öffentlichen Diskurs vorbeiläuft, dann können Sie Ihrer Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten kaum mehr nachkommen, nämlich Dinge einzuordnen, zu analysieren, Fakten zusammenzutragen, zu diskutieren, zu bewerten. Dabei scheint das gerade angesichts der nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Informationen und Meinungen unserer heutigen Medienwelt wichtiger denn je. Wie wollen, wie können wir darauf reagieren? Journalismus und Politik tragen ohne Zweifel eine große Verantwortung dafür, dass die demokratische Meinungsbildung lebendig bleibt.“

Diese Aussagen stammen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Sie sind einer Rede entnommen, die der SPD-Politiker im September zum 70. Jubiläum der Zeitung „Welt am Sonntag“ in Hamburg gehalten hat – vor 200 handverlesenen Gästen, bestehend unter anderem aus „prominente[n] Vertreter[n] aus Politik, Kultur und Medien“, wie die Welt es in einem Artikel zur Veranstaltung anführt. Im Vorspann des Beitrages heißt es weiter: „Die Axel Springer SE ließ die vor 70 Jahren in Hamburg gegründete WELT AM SONNTAG im „The Fontenay“ hochleben.“

The Fontenay ist ein Luxushotel an der Alster, derzeit kosten die Zimmer am Wochenende dort zwischen 380-7500 Euro pro Nacht. Dort also hat Olaf Scholz vor einer sehr exklusiven Elite gesprochen. Nun könnte man genauer auf Scholz‘ Rede eingehen. Man könnte feststellen, dass, wie schon bei dem Projekt „Deutschland spricht“, hochrangige Politiker und Medienvertreter gegenseitig ihren Erwartungshorizont bestätigen. Man könnte auf die Tiefsinnigkeit der Aussage eingehen, wonach Journalisten ihrer Aufgabe nicht mehr nachgehen können, wenn „die Meinungsbildung im Netz am etablierten öffentlichen Diskurs vorbeiläuft“ und fragen, was Scholz da wohl mit der Aufgabe von Journalisten eigentlich meint. Etwa: Die „Wahrheit“ der Herrschenden zu sekundieren?

Interessant aber ist vor allem die rhetorische Frage, die Scholz stellt. Wenn der SPD-Mann sagt: „Wie wollen, wie können wir reagieren?“, dann kommt mit wenigen Worten etwas zum Vorschein, was man mit einer großangelegten Studie zur Nähe von Journalismus und Politik kaum anschaulicher machen könnte. Scholz spricht tatsächlich an dieser Stelle von „Wir“.

Deutlich wird mit dem Gesagten, wie es aussieht, wenn Politiker Medien vereinnahmen – und das vermutlich unter Applaus, zumindest aber kaum unter Widerspruch der in dem Luxus-Hotel versammelten Journalisten. Gewiss: Längst ist bekannt, dass die Spitzen aus Politik und Medien immer wieder zusammenkommen – bisweilen verdächtig nahe.

mehr:
- Journalisten und Politiker: Gemeinsam im „Wir“ vereint (Marcus Klöckner, NachDenkSeiten, 12.10.2018)
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Die Geschichte des ermordeten Oscar Romero

Vor einem halben Jahrtausend klagte Bartolomé de Las Casas, der als Soldat mit den spanischen Eroberern auf den amerikanischen Kontinent gekommen und später Bischof geworden war: "Ich hinterlasse hier in der Neuen Welt Jesus Christus, unseren Gott, gegeißelt und bedrängt, geohrfeigt und gekreuzigt, und zwar nicht einmal, sondern Tausende von Malen, insofern die Spanier die Indios niedermachen und zerstören und ihnen das Leben vor der Zeit nehmen."

Die kirchliche Hierarchie in Mittel- und Südamerika galt über Jahrhunderte vor allem als Komplizin der Eroberer und Ausbeuter, der Mächtigen und Besitzenden. Doch im Umbruchsjahr 1968 konnte sich das Zeugnis einer Kirche der Armen auf der Versammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Medellín (Kolumbien) wieder Gehör verschaffen: "Dieses Elend als eine Massenerscheinung ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Ein stummer Schrei bricht aus Millionen Menschen hervor. Sie verlangen Befreiung […]. Und wir hören auch Klagen darüber, dass Hierarchie, Klerus sowie Ordensleute reich und Verbündete der Reichen seien."

mehr:
- "Umgebracht wird, wer stört" (Peter Bürger, Telepolis, 12.10.2018)
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Teil 1 - Oscar Romero - Ein Priester gegen die Militärdiktatur {6:20}

Adveniat
Am 28.07.2015 veröffentlicht 
Teil 1 der Internet-Dokuserie über den seligen Märtyrerbischof Óscar Romero. In jungen Jahren war Oscar Romero schüchtern, ein Mann weniger Worte, so berichten es Weggefährten wie der salvadorianische Bischof Gregorio Rosa Chávez. Wie wurde der zurückhaltende junge Mann zum unerschrockenen Aktivisten, der schließlich im Radio verkündete, Soldaten sollten den Schießbefehl der Mächtigen verweigern? Eine Spurensuche: in Ciudad Barrios, dem Ort seiner Kindheit - und in El Salvador der 1970er Jahre, einem Land in Händen der Militärs.
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Donnerstag, 11. Oktober 2018

Diesel-Fahrverbote: „Das ist wie beim Hexenhammer im Mittelalter“

Weil sie laut Studien zahlreiche Krankheiten und Todesfälle auslösen, werden vielfach Fahrverbote für Diesel-Autos verhängt. Der Lungenspezialist Dieter Köhler hält das für Hysterie, ausgelöst von ideologisierten Wissenschaftlern

Herr Köhler, Sie leben im eher dünn besiedelten Sauerland. Wäre es lebensgefährlich, in eine Stadt wie Berlin zu ziehen?
Nein, wieso?

In Berlin wird der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid in der Luft regelmäßig überschritten. Ein Verwaltungsgericht hat entschieden, dass deshalb Fahrverbote für Diesel-Autos zulässig sind. Doch das wirkt nicht von heute auf morgen. Haben Sie als Lungenfacharzt da keine Bedenken?
Nein, überhaupt nicht. Selbst wenn man bei einem Wert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid und 50 Mikrogramm/Kubikmeter Feinstaub ein Leben lang in Berlin lebt und dazu immer das Fenster geöffnet hat, hat das kaum Auswirkungen auf die Gesundheit. Von der Größenordnung müssen Sie sich das vorstellen wie ein Zuckerkörnchen in einem Bereich von einem Kubikmeter. In 75 Jahren würde man 10 bis 15 Gramm Feinstaub oder Stickstoff inhalieren. Ein Raucher, der am Tag eine Schachtel Zigaretten verraucht, erreicht diesen Wert nach wenigen Wochen. Dann müssten ja alle Raucher nach zwei Monaten tot umfallen. Das passiert aber erst nach 40 bis 60 Jahren, in diesem Zeitraum hat der Raucher dann eine millionenfach höhere Dosis Feinstaub eingeatmet.

Aber nur, weil es beim Rauchen noch schlimmer ist, macht es die Sache beim Feinstaub auf der Straße doch nicht besser.
Aber es zeigt, dass die Menge von Feinstaub oder Stickstoffdioxid in den Grenzwertdosen völlig vernachlässigbar ist und sicher keine gesundheitlichen Schäden verursacht.
mehr:
- „Das ist wie beim Hexenhammer im Mittelalter“ (Interview mit Dieter Köhler, Cicero, 11.10.2018)

siehe auch:
- Diesel? »ein rein innerdeutsches Problem« (08.01.2018)
- Diesel: Umwelt? Fake? Massenhypnose! (Post, 30.07.2017)
- Die Umwelthilfe bekommt Geld von Toyota (Carsten Knop, FAZ, 28.05.2016, Zitat:)
Die derzeit laufende Kampagne der DUH richtet sich jedoch vor allem gegen den Diesel – und damit gegen die Hauptwettbewerber von Toyota auf dem deutschen Markt. […] „Die finanzielle Höhe der Förderung durch Toyota beträgt seit rund fünf Jahren einen mittleren bis höheren fünfstelligen Betrag pro Jahr, mit dem zwei Projekte unterstützt werden“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Umwelthilfe. Das Gesamtbudget der DUH wiederum liegt bei nur 8,3 Millionen Euro […] Von einer Überprüfung eines Toyota-Dieselmodells durch die Umwelthilfe ist in der Branche allerdings auch nichts bekannt.

Wer will eigentlich eine unbegrenzte Migration?

Jeder soll nach seiner Façon selig werden. Oder doch nicht? Sollen alle nach der Façon der urbanen, offenen und toleranten Weltenbürger leben, fühlen und denken? Zurzeit ist der fortschrittliche Teil unserer Gesellschaft tief gespalten. „Aufstehen“ oder „Unteilbar“ – Menschen, von denen man ansonsten erwarten müsste und verlangen könnte, dass sie am gleichen Strang ziehen, bekriegen sich. Für kommenden Samstag hat die Bewegung „unteilbar“ zur Demonstration in Berlin aufgerufen. Sahra Wagenknecht von „aufstehen“ sieht in der bei „unteilbar“ erkennbaren Vorstellung „Offene Grenzen für alle“ eine Forderung, „die die meisten Menschen als irreal und völlig weltfremd empfinden“. Es geht im Kern um die Haltung zur unbegrenzten Migration. Und es geht dahinter um eine Lebensauffassung – weltoffen, tolerant, liberal, gastfreundlich. Das ist sehr sympathisch. Aber kann man diese Vorstellung auch auf alle anderen Menschen übertragen? Und sind sie rechts oder rechtsradikal, wenn sie sich dieser Vorstellung verweigern? Dies von Menschen zu verlangen, die gerne in ihrer kleinen, meinetwegen provinziellen Welt leben, ist de facto ein AfD-Förderungsprogramm. Dazu und zu den Aufrufen ein paar Gedanken und Informationen. Albrecht Müller.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass diesem Text als Anlage 1. und Anlage 2. die Aufrufe der beiden genannten Bewegungen „aufstehen“ und „unteilbar“ angehängt sind, sodass Sie sich schnell informieren können. Wir verlinken außerdem in Anlage 3 und Anlage 4 auf jeweils einen Artikel in der „Welt“ und einen in der „taz“. Beide setzen sich mit der Position von Sahra Wagenknecht auseinander.

Worum der Streit vor allem geht:

Der Streit geht um die Frage, ob und wie offen die Grenzen sein sollen. Und auch um die Frage, ob und welche Folgen eine unbegrenzte Migration für die Löhne, für die Arbeitslosigkeit und den Wohnungsmarkt haben.

Es geht aber auch um das erwähnte Lebensgefühl. Akzeptieren wir, dass es Menschen unter uns gibt, die ihre – aus mancher Sicht kleine, begrenzte – Welt erhalten wollen. Es ist aus der Sicht der Weltbürger, aus der Sicht der Menschen im urbanen bunten Milieu eine provinzielle Welt. Wenn wir aber deren Lebensgefühl und ihre Vorstellung von ihrem Umfeld nicht als möglich betrachten und stattdessen als fremdenfeindlich, intolerant, verschlossen, eben Ausdruck des Gegenteils einer offenen Gesellschaft bezeichnen und brandmarken, dann diffamieren wir diese Menschen. Und wir wirken dabei mit, sie anfällig für wirklich rechte und rechtsradikale Gruppen und Parteien zu machen. Die am 13.10. in Berlin Demonstrierenden wollen das nicht, aber unabhängig von ihrem Willen wird das so sein.

Die Differenzen werden auch sichtbar an einem Satz im Aufruf von „unteilbar: „Wir lassen nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden.“ Viele Leser und vermutlich auch Unterzeichner des Aufrufs von „unteilbar“ werden vermutlich nicht verstehen, was und wer damit gemeint ist. Der Satz ist erkennbar eine Spitze gegen „aufstehen“ und Sahra Wagenknecht. Von ihr und anderen Unterstützern von „aufstehen“ wissen die Autoren des zitierten Satzes, dass sie bei unbegrenzter Migration die Sozialstaatlichkeit gefährdet sehen. Diese Sorgen folgen nicht der Lust, Flucht und Migration gegen die mögliche Sozialstaatlichkeit auszuspielen, sondern der nüchternen Einschätzung, dass die mit großer Migration verbundenen Lasten zum Versuch genutzt werden, die Axt an soziale Leistungen anzulegen.

mehr:
- “unteilbar” treibt im Konflikt mit “aufstehen” den Rechten die Lämmer in den Stall. (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 11.10.2018)

mein Kommentar:
Man stelle sich eine Bild-Zeitungs-Überschrift vor:
»Wagenknecht gegen unbegrenzte Migration«
Bei dem durchschnittlichen IQ der Bild-Leser dürfte in diesem Satz schon zuviel Information enthalten sein. Einfacher ist:
»Wagenknecht gegen Migration«
Nciht so kompliziert, nur:
Die Konsequenzen aus der Vereinfachung werden mit vielen Worten oben diskutiert…

Bei zu vielen Optionen bockt das Gehirn

Wissenschaftler haben untersucht, wie viele Optionen für eine Auswahlentscheidung das menschliche Gehirn am besten findet

Wenn man Menschen in Verwirrung oder Apathie stürzen will, dürfte es eine gute Strategie sein, sie mit Information zu überladen. Das könnte eines der Geheimnisse unseres kapitalistischen Systems sein, das schon während des Kalten Kriegs zwischen dem Westen und dem kommunistischen System deswegen attraktiver war, weil es mit einer Flut an Waren und Informationen die Menschen verführte. Während die Menschen in den liberalen kapitalistischen Ländern davon sediert wurden, was Herbert Marcuse etwa als affirmative Kultur der Überflussgesellschaft bezeichnete, wuchs in den realkommunistischen Ländern mit geringer Auswahl der Wunsch nach mehr Vielfalt und Buntheit. 


Screenshot aus dem Mausfeld-Vortrag »Warum schweigen die Lämmer«
[von mir eingefügt, nicht im Artikel]
In der kapitalistischen Warenwelt jedenfalls sind die Menschen konfrontiert mit einer Vielzahl von Möglichkeiten von der Politik über die Medien bis hin zu Waren und Dienstleistungen. Das kann mitunter dazu führen, aufgrund der Überforderung und des Zeitstresses keine Entscheidung zu treffen oder sich nach einem einfachen Kriterium für irgendetwas zu entscheiden, beispielsweise nach dem Preis, was wohl am einfachsten ist, weswegen Geiz eben geil ist. Choice overload nennt man das Problem oder auch Auswahl-Paradoxon. Das interessiert auch deswegen, weil der potenzielle Kunde aufgrund von zu viel Auswahl weniger kaufen oder den Kauf verschieben könnte, weil seine Kauflust schwindet oder er den Eindruck erhält, sich immer falsch zu entscheiden, wie wenn man in Stau steht und stets das Gefühl hat auf der falschen Spur zu fahren.
mehr:
- Bei zu vielen Optionen bockt das Gehirn (Florian Rötzer, Telepolis, 11.10.2018)
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siehe auch:
- Immer vernetzt – Wenn das Gehirn überfordert ist (Post, 13.10.2018)
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Insect Allies: Das Pentagon scheint biologische Waffen zu entwickeln

Biologische Waffen können gefährlicher als Atomwaffen sein, die Biowaffenkonvention muss gestärkt werden

Die Gefahr, die von Atomwaffen, richtiger Kernwaffen genannt, entsteht, ist sicher jedem bewusst. Daher gibt es viele Sicherheitsmaßnahmen und ein globales Bewusstsein der Gefährlichkeit dieser Waffen. Aber letztlich müssen Kernwaffen durch Menschen zum Einsatz gebracht werden und haben immer eine lokale, wenn auch furchtbare Wirkung. Biologische Waffen dagegen können nicht nur irrtümlich, sondern auch durch Unfälle, Tests oder einfach Unachtsamkeit zu einem globalen Risiko werden, dessen wir uns bisher überhaupt nicht bewusst sind.

Genetisch veränderte Krankheitserreger stellen eine existentielle Gefahr für die Menschheit dar, die einem nuklearen Winter nicht nachsteht. Aber die verheerenden Auswirkungen eines Atomkrieges basieren immerhin auf bewussten Entscheidungen von Menschen. Trotz dieser ungeheuren Gefahr gab es in den letzten Wochen massiert Berichte über die mögliche Entwicklung von biologischen Kampfstoffen oder "dual nutzbaren" biologischen Mitteln.

Telepolis war mit unter den ersten Medien, die am 28. September die Hintergründe für mögliche Gefahren beleuchtete (Entwickeln die USA neue biologische Waffen). Am 6. Oktober stellte Telepolis nüchtern zusammen, warum Russland die USA beschuldigte, Waffen in Georgien zu testen. Und am 7. Oktober folgte ein Bericht über die heute mögliche schnelle genetische Veränderung ganzer Populationen durch moderne Gentechnologie. Handelt es sich um Panikmache oder um berechtigte Sorge um die Zukunft der Menschheit?

mehr:
- Insect Allies: Das Pentagon scheint biologische Waffen zu entwickeln (Jochen Mitschka, Telepolis, 11.10.2018)
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Mittwoch, 10. Oktober 2018

Die Propaganda-Fabrik

27.000 Menschen arbeiten im Auftrag des Pentagons daran, die öffentliche Meinung im Sinne der US-Eliten zu manipulieren.

Wenn jemand glaubt, dass die Mainstream-Medien unabhängig über militärische Konflikte der USA – wie aktuell etwa in Syrien – berichten, dann sollten Sie ihm diesen Beitrag zu lesen geben. Tatsächlich beschäftigte das Pentagon schon 2009 sage und schreibe 27.000 Mitarbeiter, die ausschließlich für das mediale Aufpolieren der US-Kriege zuständig waren. Und nein, das ist keine Verschwörungstheorie, die Tatsachen sind belegt, geraten jedoch erstaunlich schnell in Vergessenheit.


Die New York Times hat schon 2008 darüber berichtet und auch der Spiegel brachte damals dazu einen Artikel, in dem man lesen konnte:

„Mit einer gigantischen PR-Truppe hat die Bush-Regierung die Öffentlichkeit in den USA seit Jahren hinters Licht geführt. Ein Enthüllungsbericht der ,New York Times‘ zeigt jetzt, wie gezielt und perfide das System der Desinformation funktioniert.”

Weiter berichtete der Spiegel:

„Wenn US-Zuschauer die Nachrichten aus dem Irak auf TV-Kanälen wie CNN, Fox News, NBC oder ABC schauen, sollten sie ihren Ohren lieber nicht trauen. Wie ein Bericht der ,New York Times‘ enthüllt, unterhält das US-Verteidigungsministerium bis zum heutigen Tag eine Truppe von TV-Militärexperten, um seine Sicht der Dinge auf den Irak und den Krieg gegen den Terror zu verbreiten.“

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Meldungen, die wir in Deutschland zu diesen Themen bekamen, über Nachrichtenagenturen wie Reuters zu uns kamen. Und Reuters berichtet über das, was sogenannte Experten in den US-Nachrichten erzählen.
Man sollte also auch den deutschen Nachrichten zu diesen Themen besser nicht trauen, nur sagt der Spiegel dies natürlich nicht. Er kann ja schlecht sagen „Glaubt mir kein Wort mehr!“
Weiter hieß es in dem Artikel:

„Besonders praktisch: Die Regierung musste ihre PR-Experten nicht einmal selbst bezahlen, denn das übernahmen die Sender und Zeitungen, die sie engagierten. Je mehr exklusive Informationen die Experten aus dem Pentagon präsentieren konnten, desto öfter konnten sie mit einem Auftritt auf der Mattscheibe rechnen. Und je mehr 'Hits' – also Auftritte – sie bekamen, desto mehr verdienten sie. Was sie allerdings den TV-Stationen als 'exklusiv' zutrugen oder in ihre Analysen einfließen ließen, war sorgsam gefiltert im Sinne der Bush-Regierung. Woher sie die Informationen erhalten hatten, sollten die Experten natürlich nicht offenlegen – so die Ansage des Pentagons.“

Frage: Wie oft haben sie im Spiegel oder anderen Nachrichten inklusive der Tagesschau die Formulierung gehört, dass eine Nachricht „von nicht genannten Quellen“ in einem Ministerium oder gar bei den Geheimdiensten kam? Wenn sie den letzten Satz im vorherigen Absatz noch einmal lesen, dann dürfte klar werden, wie man eine solche Formulierung zu verstehen hat. Wenn eine Nachricht mit einem solchen Satz eingeleitet wird, kann man fast sicher davon ausgehen, dass es sich um bewusste Desinformation handelt, die gezielt von den entsprechenden Stellen verbreitet wird. Und die Medien machen dieses Spiel gerne mit – schon damals hatten die TV-Sender kein Interesse, diese Dinge einzugestehen oder aufzudecken, wie man am Ende des Artikels lesen kann:

„Die TV-Stationen zeigten sich dagegen wenig erbaut über die Enthüllungen der ,New York Times‘ und verweigerten größtenteils eine Stellungnahme. Kein Wunder, denn die meisten wussten nichts von etwaigen Verbindungen ihrer Experten – und, so legen die Recherchen der Zeitung nahe, interessierten sich auch nicht weiter dafür.“

Anfang 2009 wurde auch der Umfang dieser „PR-Armee“ bekannt. Unter der Überschrift „27'000 PR-Berater polieren Image der USA“ berichtete der Schweizer Tagesanzeiger darüber und begann seinen Artikel wie folgt:

„Ein Chefredakteur beklagt den immensen Einfluss des amerikanischen Verteidigungsministeriums auf seine Journalisten. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt: Er enthüllt schier unglaubliche Fakten über die PR-Arbeit des Pentagons.“

Offensichtlich tobte damals zu diesem Thema ein Machtkampf zwischen der Nachrichtenagentur AP und dem Pentagon, denn der Tagesanzeiger schrieb weiter:

„Tom Curley, Chef der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, kann dazu nicht mehr länger schweigen. Am Wochenende referierte er an der Universität von Kansas vor Journalisten über den Druck des US-Verteidigungsministeriums auf seine Berichterstatter in Kriegsgebieten wie Irak oder Afghanistan. Sein Fazit: ,Es wird langsam unerträglich.‘ Hohe Generäle hätten gedroht, dass man die AP und ihn ruinieren werde, wenn die Reporter weiterhin auf ihren journalistischen Prinzipien beharren würden. Seit 2003 wurden bereits elf Journalisten der AP im Irak für mehr als 24 Stunden verhaftet.“

Das Pentagon, man muss sich dies auf der Zunge zergehen lassen, machte also Druck auf AP, weil dort Journalisten ihre Arbeit machten und wahrheitsgemäß berichten wollten. Und dazu schreckte es auch nicht davor zurück, zur Abschreckung schon mal Journalisten zu verhaften.
mehr:
- Die Propaganda-Fabrik (Thomas Röper, Rubikon, 10.10.2018 – als PDF bei free21.org)
siehe auch:
Behind TV Analysts, Pentagon’s Hidden Hand (David Barstow, NYTimes, 20.04.2008 – Google-Übersetzer)
- Gekaufte Meinung – Pentagon beschäftigt PR-Armee für US-TV (SPON, 20.04.2008)
27 000 PR-Berater polieren Image der USA (Post, 25.06.2014)
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Tagesdosis 10.10.2018 – Beseelt von dem Wunsch, ein guter Mensch zu sein…

Eigentlich wollte ich hier und heute über Gender schreiben. Darüber, dass mir die Omnipräsenz etwaiger Themen wie Transgender, „schwangere Personen“ (die Bezeichnung „werdende Mutter“ gilt nämlich als diskriminierend), Toiletten für Intersexuelle etc. langsam auf den Zeiger geht. Doch dann hab ich es mir anders überlegt. Ich sah heute in der Therme ein schwules Paar mit einem behinderten, scheinbar unter Spastik leidenden Kind. Die beiden Männer trugen den Kleinen auf ihren Händen durch das warme Solebad, damit er im warmen Wasser schweben und den Klängen unter Wasser lauschen konnte. Einer der Männer lächelte mir dabei freundlich zu, denn auch ich trug meine Tochter durch das dunkle Wasser, ihre Ohren unter Wasser, damit sie die Klänge von Vivaldi hören konnte. Es war berührend, den beiden muskelbepackten Männern mit ihren Tätowierungen zuzusehen, wie sie sich darüber freuten, dem Jungen zu helfen, seine verkrampften Glieder zu entspannen… In diesem Moment war ich sehr stolz auf unsere Zivilisation, die es ermöglicht, dass gleichgeschlechtliche Paare nicht blöd angeguckt oder schlimmer noch, angefeindet werden und behinderte Menschen Fürsorge und Respekt erfahren. So wie ich auch darüber glücklich bin, dass jede andere Minderheit im Hinblick auf ihre Sexualität, Religion oder unorthodoxe Lebensmodelle selbstbestimmt und unbehelligt leben darf. Bei aller sicher auch berechtigten Kritik zum Genderhype, würden meine Zeilen- hätte ich mich für dieses Thema entschieden- mit hoher Wahrscheinlichkeit Vorurteile schärfen, Wut erzeugen und einen weiteren Tropfen im Fass der Spaltung bedeuten. Und überhaupt: Gendermainstream ist nicht das Problem der Stunde.

Spaltung ist das Problem der Stunde.

Wir wissen, die Dinge stehen nicht gerade zum Besten, es sieht sogar richtig mies aus: Unsere Welt erlebt in diesem Moment grausamste Kriege, apokalyptische Umweltzerstörung, schreiend ungerechte und dramatisch wachsende Ungleichheit… Verelendung der menschlichen Seele durch ein seelenloses System.

Wie konnte es nur so weit kommen? In meinem Leben habe ich noch nie einen Menschen kennengelernt, von dem ich ohne Zweifel behaupten konnte: Das ist ein richtig schlechter, ein böser Mensch! Ich habe schwierige Menschen kennengelernt, misstrauische, einfältige, naive und vorurteilbehaftete, ich habe vermeintlich oberflächliche, eingebildete, ungebildete, angeberische und aggressive Menschen kennengelernt und Menschen, die von sich behaupten, die einzige absolute Wahrheit zu kennen, während sie alle anderen als blöde abstempeln. Man begegnet den zuletzt genannten Menschen immer wieder in den Kommentarspalten bei YouTube, Facebook und Co. Die Leute, denen wir auf der Straße begegnen, so unterschiedlich und eigentümlich sie auch sein mögen, sind keine bösen Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass alle von ihnen menschliches Mitgefühl und eine Art moralischen Kompass besitzen. Ich bin mir außerdem sicher, dass alle Menschen in Frieden leben möchten, ohne vergiftete Meere, ohne Ausbeutung, ohne Angst vor Armut und Verwahrlosung. Aber obwohl kein Mensch Krieg und Umweltzerstörung, Leid und Elend wollen kann, sehen wir uns immer stärker davon umgeben.

mehr:
- Tagesdosis 10.10.2018 – Beseelt von dem Wunsch, ein guter Mensch zu sein (Kommentar von Julia Szarvasy, KenFM, 10.10.2018)
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Selbstbesoffenheit des Mediensystems

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Frank Überall ist bekannt für seine Voreingenommenheit – nun offenbart er sie einmal mehr in einem aktuellen Interview. Dass diese Personalie an der Spitze einer großen deutschen Journalisten-Vertretung steht, wirft ein Licht auf die ganze Branche: Überall ist ein Symptom der tiefen Krise des deutschen Mediensystems.
mehr:
- Der Journalisten-Funktionär: Symptom der Systemkrise (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 10.10.2018)
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Kaum belastendes Material gegen vermeintliche Skripal-Attentäter

Sind die Verdächtigen hinsichtlich ihrer tatsächlichen Identität entlarvt? Sind sie damit als schuldig anzusehen?

Nach etwas mehr als einem Monat seit der Bekanntmachung der mutmaßlichen Skripal-Attentäter durch den Chef der britischen Anti-Terror-Polizei Neil Basu sei ihre wahre Identität aufgedeckt, jubelt Bellingcat. Damit wären nicht nur die Beteuerungen von Alexander Petrow und Ruslan Boschirow widerlegt, sie seien einfache Touristen gewesen und würden tatsächlich so heißen. Ebenso wäre Wladimin Putins Glaubwürdigkeit angekratzt, da er versicherte, beide würden nicht dem Militär angehören.

Bereits am 26. September behauptete Bellingcat, bei Ruslan Boschirow handele es sich um den hochdekorierten GRU-Oberst Anatoli Tschepiga. Die Identifizierung erfolgte anhand eines mehr als 15 Jahre zurückliegenden Fotos. Der frühere britische Botschafter und gegenwärtige Aktivist für Menschenrechte Craig Murray kritisierte nicht nur die Recherchemethoden von Bellingcat, sondern konstatiert auch signifikante Differenzen beim Gesichtsvergleich. Zweifel werden durch die Tatsache bekräftigt, dass sich der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson veranlasst sah, einen Tweet mit Dankesgrüßen an die vermeintlichen Wahrheitsfinder schon nach 20 Minuten zu löschen.

Nun wurde vorgestern die Identität des zweiten Verdächtigen Alexander Petrow enthüllt, wie Bellingcat versichert. Bei ihm soll es sich um den Militärarzt des GRU Alexander Mischkin handeln. Zwar ist auch diesmal der einzige Beleg ein altes Foto. Jedoch beruft sich Bellingcat jetzt auf die Ergebnisse einer Gesichtserkennung des Professors für Visual Computing an der Unversität Bradford, Hassan Ugail. Dieser hat einige Tage zuvor eine ähnliche Stellungnahme zu den Fotos von Boschirow und Tschepiga abgegeben, er bot sich damit als Experte an. Dennoch sind bereits für den Laien Unterschiede bei Mischkin erkennbar, etwa hinsichtlich der Form der Nase sowie der größeren Abstände der Augen und zwischen Nase und Mund.

mehr:
- Kaum belastendes Material gegen vermeintliche Skripal-Attentäter (Bernd Murawski, Telepolis, 10.10.2018)

siehe auch:
- Der Fall Skripal: Lügen ohne Ende (Post, 07.10.2018)
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